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Pauls Geheimnis seines erfolgreichen Einrichtens auf Zeit war, daß er den Menschen ihre eigene herrliche Zukunft aufzeigen konnte, eine Zukunft, die in der jeweiligen Immobilie schon enthalten war, aufschimmerte, dann aber wieder verschwand. Als ob er es möglich machen könnte, den Menschen die Kulissen eines nur kurz inszenierten, aber besonders gelungenen schauspielerlosen Theaterstücks zu zeigen, und sie sich infolgedessen wünschten, ihr Leben könne immerfort so sein, ohne ungeordnete Stapel von noch nicht bezahlten Rechnungen in der Ecke, ohne leere Milchtüten, ohne Toilettenrollenhalter, Energiesparbirnen und Wäschekörbe voller gebrauchter Unterhosen und einzelner Socken. Paul war in den Augen seiner Kunden, obwohl sie und er das niemals so formulieren konnten, ein Magier, der ihnen half, den entropischen, furchtbar deprimierenden Zustand des Lebens zu überlisten. -Zitat, Seiten 44,45 Nicht ohne Grund hat Christian Kracht seinem Roman das titelgebende "Lied des Wanderers Aengus" vorangestellt, ein Gedicht von William Butler Yeats, welches im Jahre 1897 auch unter dem Titel "A mad song" veröffentlicht wurde. Das Gedicht voller mystischer Sehnsucht und tiefem Verlangen veranschaulicht, wie -in diesem Fall- unerwiderte Liebe, aber auch generell, unerfüllbare Träume, die sowohl die Energiereserven eines Menschen erschöpfen und gleichzeitig dessen Fantasie beflügeln können. Fasziniert von dem "schimmernden Mädchen", welches in eine Art Zwischenraum entschwindet, welcher gleichzeitig das Reich der Träume und die reale Welt zu berühren scheint, ist der rastlose Wanderer bestrebt, auf seiner Suche nach der unerreichbaren Schönheit diese Welten zusammen zu bringen, was ihm selbst eine Aura von Leid, aber auch Schönheit verleiht. Mit diesem Ausflug in die mystische und melancholische Poesie im Sinn, starten wir nun in diese Geschichte, die zunächst auf zwei Ebenen stattfindet. Da ist einmal der Magier der Inneneinrichtung namens Paul, der nach einem Auftrag für einen Herzog, ein Gemälde von James Archer geschickt bekommt, auf dem die schwer angeschlagenen Helden Merlin und Lancelot abgebildet sind. Nachdem der Protagonist dieses Bild sein eigen nennt, kann er sich vor Aufträgen kaum retten, und genießt schließlich gewisse Extravaganzen, zu dem sein Domizil auf einer steinigen schottischen Insel zählt. Doch dann erhält er eine Anfrage von einer norwegischen Zeitschrift, die er abonniert hat und die in mehr als einer Hinsicht reizvoll erscheint. Auf der zweiten Erzählebene begegnen wir dem Mädchen Idlr, die gerade ihre Mutter an die "gelbe Seuche" verloren hat und in einer Umgebung lebt, die einem Gemälde von Henri Rousseau entspricht. Sie hat großen Hunger und versucht, ein Waldtier zu erjagen. Doch ihre Pfeile durchbohren einen rätselhaften Fremden, der aus einer anderen Welt stammt. Liebevoll pflegt sie den Verletzten, doch es tauchen Soldaten auf und der Fremde scheint nicht überrascht, dass der Herzog ihn sucht. Auch scheint er eine geheimnisvolle Waffe in seinem Beutel zu tragen - ist er vielleicht ein Magier und werden seine Fähigkeiten den beiden auf der Flucht helfen? Bald wird dem Lesenden die Verbindung der zunächst getrennten Handlungsstränge klar, aber eine Geschichte zum Rätselraten zu erzählen, das ist nicht der Stil von Christian Kracht. Vielleicht hat er sich ja tatsächlich mal das Gemälde von James Archer intensiver angeschaut und sich überlegt, wie er die Darstellung zum Leben erwecken und mit einer modernen Geschichte verbinden kann. Vielleicht war es aber auch ganz anders, und überhaupt ist es wohl die Stärke des Autoren, so viele Variablen in seinem Werk anzubieten, dass jeder was zum Interpretieren hat. Daher sind diese ganzen Worte am Ende nur Gedankenspiele, aber Christian Kracht macht das sehr gut. Persönlich hätte er auf die computerspielartigen Szenen, bei denen gefühlt ein Bodycounter mitläuft und auf das eisige Fantasy Utopia verzichten können. Aber wie Anfang und Ende des Romans in Harmonie stehen, ist sehr gelungen. Und am Ende steht vielleicht die Frage, was ist mein persönlicher Sehnsuchtsort? Und vielleicht bringt die Geschichte auch mehr Gelassenheit, denn verlassene Orte werden Teil des gleichmütigen Rythmus der Natur - die einfach so funktioniert, ohne Strom und ohne die unermüdliche Schaffenskraft des Menschen. FAZIT Der Auftakt mit der Beschreibung des Wohnzimmers von Paul war wunderbar plastisch und die Geschichte um den Protagonisten auch sehr humorvoll verfasst. Die zweite Handlungsebene hat mich sehr stark an "Das letzte Einhorn" erinnert. Manchmal war mir die Handlung und die Ausarbeitung der Schauplätze etwas zu flach, gerade zum Ende hin hatte ich manchmal das Gefühl, dass nicht mehr so viel kreative Energie im Schreiben steckt. Ich habe es geliebt, wie Motive und bestimmte Phrasen wiederholt eingebaut wurden, auch wenn ich vermute, dass der Autor auch falsche Fährten legt. Und ich vermute, dass er sich mit der Morgenstern Reihe von Karl Ove Knausgård beschäftigt hat, es liegen auch dessen Bücher im Schaufenster der norwegischen Buchhandlung. Ob modernes Märchen oder reines Gedankenspiel, die Reise des Airman hat mich abgeholt. Wer will auch mit auf die große Suche?
Jun 8, 2025
Pauls Geheimnis seines erfolgreichen Einrichtens auf Zeit war, daß er den Menschen ihre eigene herrliche Zukunft aufzeigen konnte, eine Zukunft, die in der jeweiligen Immobilie schon enthalten war, aufschimmerte, dann aber wieder verschwand. Als ob er es möglich machen könnte, den Menschen die Kulissen eines nur kurz inszenierten, aber besonders gelungenen schauspielerlosen Theaterstücks zu zeigen, und sie sich infolgedessen wünschten, ihr Leben könne immerfort so sein, ohne ungeordnete Stapel von noch nicht bezahlten Rechnungen in der Ecke, ohne leere Milchtüten, ohne Toilettenrollenhalter, Energiesparbirnen und Wäschekörbe voller gebrauchter Unterhosen und einzelner Socken. Paul war in den Augen seiner Kunden, obwohl sie und er das niemals so formulieren konnten, ein Magier, der ihnen half, den entropischen, furchtbar deprimierenden Zustand des Lebens zu überlisten. -Zitat, Seiten 44,45 Nicht ohne Grund hat Christian Kracht seinem Roman das titelgebende "Lied des Wanderers Aengus" vorangestellt, ein Gedicht von William Butler Yeats, welches im Jahre 1897 auch unter dem Titel "A mad song" veröffentlicht wurde. Das Gedicht voller mystischer Sehnsucht und tiefem Verlangen veranschaulicht, wie -in diesem Fall- unerwiderte Liebe, aber auch generell, unerfüllbare Träume, die sowohl die Energiereserven eines Menschen erschöpfen und gleichzeitig dessen Fantasie beflügeln können. Fasziniert von dem "schimmernden Mädchen", welches in eine Art Zwischenraum entschwindet, welcher gleichzeitig das Reich der Träume und die reale Welt zu berühren scheint, ist der rastlose Wanderer bestrebt, auf seiner Suche nach der unerreichbaren Schönheit diese Welten zusammen zu bringen, was ihm selbst eine Aura von Leid, aber auch Schönheit verleiht. Mit diesem Ausflug in die mystische und melancholische Poesie im Sinn, starten wir nun in diese Geschichte, die zunächst auf zwei Ebenen stattfindet. Da ist einmal der Magier der Inneneinrichtung namens Paul, der nach einem Auftrag für einen Herzog, ein Gemälde von James Archer geschickt bekommt, auf dem die schwer angeschlagenen Helden Merlin und Lancelot abgebildet sind. Nachdem der Protagonist dieses Bild sein eigen nennt, kann er sich vor Aufträgen kaum retten, und genießt schließlich gewisse Extravaganzen, zu dem sein Domizil auf einer steinigen schottischen Insel zählt. Doch dann erhält er eine Anfrage von einer norwegischen Zeitschrift, die er abonniert hat und die in mehr als einer Hinsicht reizvoll erscheint. Auf der zweiten Erzählebene begegnen wir dem Mädchen Idlr, die gerade ihre Mutter an die "gelbe Seuche" verloren hat und in einer Umgebung lebt, die einem Gemälde von Henri Rousseau entspricht. Sie hat großen Hunger und versucht, ein Waldtier zu erjagen. Doch ihre Pfeile durchbohren einen rätselhaften Fremden, der aus einer anderen Welt stammt. Liebevoll pflegt sie den Verletzten, doch es tauchen Soldaten auf und der Fremde scheint nicht überrascht, dass der Herzog ihn sucht. Auch scheint er eine geheimnisvolle Waffe in seinem Beutel zu tragen - ist er vielleicht ein Magier und werden seine Fähigkeiten den beiden auf der Flucht helfen? Bald wird dem Lesenden die Verbindung der zunächst getrennten Handlungsstränge klar, aber eine Geschichte zum Rätselraten zu erzählen, das ist nicht der Stil von Christian Kracht. Vielleicht hat er sich ja tatsächlich mal das Gemälde von James Archer intensiver angeschaut und sich überlegt, wie er die Darstellung zum Leben erwecken und mit einer modernen Geschichte verbinden kann. Vielleicht war es aber auch ganz anders, und überhaupt ist es wohl die Stärke des Autoren, so viele Variablen in seinem Werk anzubieten, dass jeder was zum Interpretieren hat. Daher sind diese ganzen Worte am Ende nur Gedankenspiele, aber Christian Kracht macht das sehr gut. Persönlich hätte er auf die computerspielartigen Szenen, bei denen gefühlt ein Bodycounter mitläuft und auf das eisige Fantasy Utopia verzichten können. Aber wie Anfang und Ende des Romans in Harmonie stehen, ist sehr gelungen. Und am Ende steht vielleicht die Frage, was ist mein persönlicher Sehnsuchtsort? Und vielleicht bringt die Geschichte auch mehr Gelassenheit, denn verlassene Orte werden Teil des gleichmütigen Rythmus der Natur - die einfach so funktioniert, ohne Strom und ohne die unermüdliche Schaffenskraft des Menschen. FAZIT Der Auftakt mit der Beschreibung des Wohnzimmers von Paul war wunderbar plastisch und die Geschichte um den Protagonisten auch sehr humorvoll verfasst. Die zweite Handlungsebene hat mich sehr stark an "Das letzte Einhorn" erinnert. Manchmal war mir die Handlung und die Ausarbeitung der Schauplätze etwas zu flach, gerade zum Ende hin hatte ich manchmal das Gefühl, dass nicht mehr so viel kreative Energie im Schreiben steckt. Ich habe es geliebt, wie Motive und bestimmte Phrasen wiederholt eingebaut wurden, auch wenn ich vermute, dass der Autor auch falsche Fährten legt. Und ich vermute, dass er sich mit der Morgenstern Reihe von Karl Ove Knausgård beschäftigt hat, es liegen auch dessen Bücher im Schaufenster der norwegischen Buchhandlung. Ob modernes Märchen oder reines Gedankenspiel, die Reise des Airman hat mich abgeholt. Wer will auch mit auf die große Suche?
Jun 8, 2025








