Noch wach?
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Description
Berlin: Eine junge Frau erzählt von ihrem neuen Job bei einem großen Fernsehsender, von ihrem neuen Chef, ihrem neuen Leben. Sie wirkt glücklich, beseelt, hoffnungsfroh, es klingt gut. Zu gut?
In Los Angeles geht derweil eine Welt unter. Ein Mann, der damit prahlt, als Berühmtheit könne man sich gegenüber Frauen alles herausnehmen, wird Präsident der Vereinigten Staaten. Im Garten des legendären „Chateau Marmont“, diesem Nachtspielplatz verwöhnter Hollywood Kids jeden Alters, vertreibt sich eine illustre Bande auf der Flucht vor der Realität die Zeit. Auch der Erzähler ist hier – und Rose McGowan, die Schauspielerin, der man nachsagt, neuerdings irgendwie anstrengend geworden zu sein.
Kurz darauf erschüttert der Weinstein-Skandal Hollywood, und Rose McGowan ist eine der ersten Frauen, die sexuelle Belästigung durch den bis dahin von ganz Hollywood hofierten Filmproduzenten öffentlich gemacht hat. Rose verschwindet, aber sie hinterlässt dem Erzähler eine kryptische Nachricht – oder ist es vielmehr ein Auftrag? Wieso wendet sie sich ausgerechnet an ihn?
Von Hollywood aus verbreitet sich die #MeToo-Bewegung um die ganze Welt. Doch die alten Machtstrukturen sind widerständiger, als man in der ersten Euphorie vielleicht denken mochte.
Zurück in Berlin findet sich der Erzähler nicht mehr nur als Liegestuhlbeobachter, sondern nun als Akteur mitten in einem unübersichtlichen Geschehen wieder, das ihn in einen tiefen persönlichen Konflikt stürzt.
„Noch wach?“ ist ein Sittengemälde unserer Zeit, ein typischer Stuckrad-Barre. Literarisch brillant, humorvoll und kompromisslos erzählt dieser Roman von Machtstrukturen und Machtmissbrauch, Mut und menschlichen Abgründen.
Book Information
Author Description
Benjamin von Stuckrad-Barre, 1975 in Bremen geboren, ist Autor von »Soloalbum«, 1998, »Livealbum«, 1999, »Remix«, 1999, »Blackbox«, 2000, »Transkript«, 2001, »Deutsches Theater«, 2001, »Festwertspeicher der Kontrollgesellschaft – Remix 2«, 2004, »Was.Wir.Wissen.«, 2005, »Auch Deutsche unter den Opfern«, 2010, »Panikherz«, 2016, Udo Fröhliche, 2016/2026, »Nüchtern am Weltnichtrauchertag«, 2016, »Ich glaub, mir geht’s nicht so gut, ich muss mich mal irgendwo hinlegen – Remix 3«, 2018, »Noch wach?«, 2023, und gemeinsam mit Martin Suter: »Alle sind so ernst geworden«, 2020, und »Kein Grund, gleich so rumzuschreien«, 2024.www.stuckradbarre.de
Posts
Anstrengender Stil - viele Seiten, aber wenig Handlung.
Das Buch lag lange auf meinem SuB und ich bin froh es beendet zu haben, denn ich spielte oft mit dem Gedanken abzubrechen. Der Schreibstil immer wieder manche Wörter in CAPSLOCK zu schreiben über den gesamten Roman war für mich sehr anstrengend und erfüllte bei mir kein stilistischen Zweck. Knapp 400 Seiten und dennoch ist aus meiner Sicht nur wenig Handlung verarbeitet. Den Inhalt könnte man auf weniger Kapitel runter kürzen. Zu keinem Zeitpunkt hat mich das Buch gefesselt. Es wurde zwar im Verlauf etwas besser, jedoch nicht entscheidend und auch erst nach ca. 150 Seiten. Das Ende ist wenig überraschend. Hätte das Thema doch viel Potenzial geboten, wird dies leider nahezu nicht genutzt.
Literarisch brillant, gesellschaftlich mutig, kompromisslos – eines der wichtigsten deutschen Bücher der letzten Jahre.
Wenn eine harmlose Nachricht zum Symbol für ein System wird Inhaltswarnung vorweg: Das Buch behandelt sexualisierte Belästigung, Machtmissbrauch und MeToo-Themen. Wer dabei empfindlich reagiert, sollte das im Hinterkopf behalten. Ein Ich-Erzähler, unverkennbar Stuckrad-Barre selbst, nicht namentlich genannt, schwimmt im kalifornischen Pool seines milliardenschweren Freundes Sascha. Sascha ist Vorstandsvorsitzender eines mächtigen deutschen Medienkonzerns, eine schillernde, charismatische Figur mit Hang zum Größenwahn. Der Erzähler ist sein langjähriger Freund, Kritiker, Beobachter und Augenzeuge eines Systems, das er zunehmend nicht mehr ignorieren kann. Denn parallel zum Weinstein-Skandal in Hollywood erlebt der Erzähler, wie auch in Saschas Verlag ein Klima aus Machtmissbrauch und sexualisierter Belästigung herrscht. Eine junge Praktikantin erzählt von Übergriffen ihres Vorgesetzten, der nächtlichen Nachrichten mit der harmlosen Frage „Noch wach?“ beginnen. Der Erzähler steht vor einer Entscheidung: Wegsehen wie viele andere, oder die Loyalität zu seinem Freund Sascha riskieren und das System öffentlich machen? Der Roman wird weithin als Schlüsselroman zur Affäre um den Axel-Springer-Verlag und den Abgang von Julian Reichelt gelesen, auch wenn Stuckrad-Barre selbst auf der ersten Seite festhält, dass die Geschichte „in Teilen inspiriert von verschiedenen realen Ereignissen“ sei, aber „eine fiktionale Geschichte“ erzähle. Stuckrad-Barre ist sprachlich auf der Höhe seiner Kunst. Wer „Panikherz“ gelesen hat, weiß, wie scharf, witzig und gleichzeitig melancholisch dieser Autor schreiben kann. In „Noch wach?“ treibt er diese Stärke auf die Spitze. Seine Beobachtungen sind treffsicher, seine Dialoge sind so gut, dass man sie laut lesen möchte, seine Pointen sitzen. Was mich besonders beeindruckt hat: Stuckrad-Barre schreibt über schwere Themen, ohne sie schwer zu machen. Der Roman ist nicht das, was man von einem MeToo-Buch erwartet, kein pädagogisches Erklärwerk, kein Pamphlet. Es ist ein literarisches Stück, das durch Witz und Wahrheit funktioniert. Diese Mischung gelingt selten und macht den Roman zu einer der besten deutschen Veröffentlichungen der letzten Jahre. Die zentrale Figur ist Sascha: schillernd, manipulativ, charismatisch, kindlich, gefährlich. Stuckrad-Barre porträtiert ihn nicht als platten Bösewicht, sondern als komplexen Menschen mit Charme und Abgründen. Genau diese Ambivalenz macht die Figur so verstörend: Wir verstehen, warum der Erzähler ihn lange zu seinem Freund zählt. Wir verstehen aber auch, warum es immer schwerer wird, ihm gegenüberzustehen. Der Erzähler selbst, eindeutig autofiktional gezeichnet, ist genauso ambivalent. Er ist kein Held. Er sieht zu, er schweigt lange, er profitiert vom System. Sein eigener Weg vom Beobachter zum Aufdecker ist nicht heroisch, sondern zögerlich, von Selbstzweifeln durchsetzt, ehrlich. Genau das macht den Roman politisch glaubwürdig: Stuckrad-Barre erhebt sich nicht über andere, er beschreibt seine eigene Mitschuld am System. Hier liegt die zentrale literarische und gesellschaftliche Leistung des Buches. Stuckrad-Barre zeigt nicht einen Einzeltäter, sondern ein System. Wie Hierarchien funktionieren. Wie Schweigen produziert wird. Wie Loyalität ausgenutzt wird. Wie aus der harmlosen nächtlichen Nachfrage „Noch wach?“ eine Aufforderung wird, die jüngere Mitarbeiterinnen aus Angst beantworten. Was mich besonders gepackt hat: Stuckrad-Barre erklärt nichts, er zeigt. Eine Szene, in der eine Praktikantin nach einem nächtlichen Anruf zur Arbeit erscheint. Ein Dialog, in dem ein Vorgesetzter „nur“ einen Witz macht. Eine WhatsApp-Nachricht, die nichts Konkretes verlangt und doch alles andeutet. Diese Mikro-Szenen sind literarisch präziser als jede sachbuchähnliche Aufzählung. Wer das System verstehen möchte, in dem Machtmissbrauch entsteht, findet hier mehr Einsichten als in vielen Sachbüchern. „Noch wach?“ ist trotz aller Schwere oft erstaunlich komisch. Stuckrad-Barre hat ein Gespür für die Absurditäten der Medienbranche, für die Selbstinszenierungen mächtiger Männer, für die Klein-Tragikomödien des Alltags an der Spitze. Ich habe an einigen Stellen laut gelacht, um dann auf der nächsten Seite zu erstarren, weil aus dem Witz plötzlich der echte Schmerz hervorbricht. Diese Mischung ist Stuckrad-Barres eigentliche literarische Stärke. Wer ihn aus Talkshows oder Fernsehauftritten kennt, weiß: Er kann den Witz, aber er kann auch die Tiefe. Hier balanciert er beides perfekt aus. Das Lachen schützt nicht vor dem Schmerz, der Schmerz erstickt nicht das Lachen. Ein Wort zum Mut, den dieses Buch erforderte. Stuckrad-Barre war jahrelang mit dem Medienkonzern, der eindeutig als Vorbild gelesen wird, eng verbunden. Diesen Kreis zu verlassen und einen so schonungslosen Roman zu schreiben, hat in der deutschen Literaturlandschaft Seltenheitswert. Persönliche und juristische Risiken inbegriffen. Was mich besonders nachhaltig beeindruckt: Stuckrad-Barre kämpft im Roman nicht für sich selbst, sondern für die Opfer. Die Praktikantin, die nicht weiß, ob sie auf eine Nachricht antworten muss. Die jungen Frauen, die ihre Karriere riskieren, wenn sie sich wehren. Die Mitarbeiter:innen, die in einem toxischen Umfeld arbeiten und keine Stimme haben. Diese Solidarität ist nicht plakativ, sondern in jeder Zeile spürbar. Mein kleiner Vorbehalt: Wer mit den realen Vorlagen vertraut ist, wird beim Lesen oft auf die Wirklichkeit verwiesen. Das ist literarisch gewollt, kann aber dazu führen, dass man weniger den Roman selbst liest, sondern eher ein Rätselspiel betreibt: Welche Figur ist welche reale Person? Wer die ganze Affäre nicht im Detail kennt, wird das Buch vermutlich gelassener als reinen Roman lesen können. Trotzdem: Diese Schlüsselroman-Qualität ist Teil der literarischen Wirkung. Stuckrad-Barre arbeitet bewusst mit dieser Doppeldeutigkeit. Es bleibt ein literarisches Werk, aber eines, das die Wirklichkeit nicht hinter sich lässt. Mein Fazit: „Noch wach?“ ist für mich eines der wichtigsten deutschen Bücher der letzten Jahre. Benjamin von Stuckrad-Barre hat sprachliche Brillanz, gesellschaftliche Relevanz und persönlichen Mut zu einem Roman verschmolzen, der lange nachhallt. Wer wissen will, wie Macht in deutschen Medienkonzernen funktioniert, wie Schweigen produziert wird, wie aus alltäglichen Kleinigkeiten Strukturen werden, sollte dieses Buch lesen. Wer Stuckrad-Barre noch nicht kennt, sollte parallel auch „Panikherz“ auf die Liste setzen – beide gehören für mich zu den prägenden literarischen Werken der vergangenen Jahre. Empfehlenswert für alle, die sich für deutsche Gegenwartsliteratur und gesellschaftspolitische Themen interessieren. Für Leser:innen, die Bücher schätzen, die gleichzeitig literarisch und politisch sind, im Sinne von Juli Zeh, Jenny Erpenbeck oder Daniel Kehlmann. Auch eine wichtige Lektüre für alle, die in der Medienbranche arbeiten oder sich für strukturelle Machtdynamiken interessieren. Eher nichts für Leser:innen, die mit Themen wie sexualisierter Belästigung und Machtmissbrauch nicht umgehen können oder selbst entsprechende Erfahrungen gemacht haben und sich aktuell nicht damit konfrontieren wollen. Auch nichts für dich, wenn du Wohlfühl-Lektüre suchst – das Buch ist nicht düster im klassischen Sinne, aber ehrlich, schmerzhaft und konfrontierend.
Leicht, ironisch und trotzdem unbequem
In der Welt eines großen deutschen Medienhauses zeigt sich, wie sich die Wahrnehmung der Realität verschieben kann, wenn man plötzlich mit Machtmissbrauch konfrontiert wird. Der Ich-Erzähler stolpert eher naiv in die Situation und wird gezwungen, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, wie man handelt, wenn man weiß, was im Hintergrund passiert. Was das Buch so besonders macht, ist die Erzählweise. Stuckrad-Barre schreibt lange Gedankenströme, die einen mal schmunzeln lassen und mal dabei ertappen, dass man sich ähnliche Fragen stellt. Es geht nicht um klare Gut-und-Böse-Zuordnungen. Die Betroffenen sind nicht nur Opfer, sondern Persönlichkeiten mit eigenen Schwächen, Stärken und Widersprüchen. Das Buch zeigt eindrücklich, wie schwierig es ist, gegen Machtstrukturen vorzugehen, ohne dabei in absolute Ohnmacht oder Wut zu verfallen. Stattdessen bleibt der Ton leicht und zugänglich, fast beiläufig, was das Lesen angenehm macht, ohne das Thema zu verharmlosen. Ich habe mich gleichzeitig gut unterhalten und informiert gefühlt. Eine Kombination, die ich in dieser Form besonders finde.
Was war das?
Mein 2. Versuch mit Benjamin von Stuckrad-Barre, der erste war schon eher mau☹️ Aus dem Stoff hätte man echt was machen können. Für mich war es leider nur eine Aneinanderreihung von Worten. 2 Sterne für den originellen Schreibstil und den Versuch, sich in die Sprache von 20jährigen einzuarbeiten.
Derbe, Denglisch, drauf
📚Rezension | Noch wach? - Benjamin von Stuckrad-Barre | Roman | Rezensionsexemplar📚 Lieber Benjamin von Stuckrad-Barre, Unbequem kannst du. Das Thema (MeToo & Springer-Skandal) von Noch wach? ist verdammt unbequem und mit deiner Versalienschrift (einige Wörter ausschließlich in Großbuchstaben, siehe dafür Bild 3-7) und der fehlenden wörtlichen Rede machst du es auch nicht unbedingt bequem für den Leser. Absicht? Eindeutig vorsätzlich war die Medienkampagne, die dein Buch begleitet hat und mich zumindest für ein paar Monate verschreckt hat. Nur ist das Thema einfach wichtig und Mann (ja richtig Mann) darf dabei nicht den bequemen Weg wählen. Man ist auf jeden Fall nicht richtig damit umgegangen und so hat mich sehr interessiert, wie du als Mann damit umgehst. Besonders froh war ich über meine Kollegin, mit der ich dieses Buch gemeinsam lesen durfte und damit auch anders betrachten konnte. 📚Bewertung📚 Nun aber mal an die Fakten: Dein Buch strotzt nur so vor Denglisch (Bild 5 & 6) und ist damit wohl damn zeitgemäß und literally aktuell. Darin liegt für mich aber nicht der unmittelbare Wert dieses Buches, sondern vielmehr in dem präzisen und messerscharfen Beschreiben eines soziologischen Milieus, nämlich das eines Berliner Medienkonzerns. Die Anspielungen auf reale Personen sind natürlich irgendwie offensichtlich, aber das darf einen nicht täuschen, da es sich um ein fiktionales Werk handelt. Denn du lieber Benjamin schreibst es und bist nicht der Protagonist, zumindest überwiegend 😉 Ein männlicher Autor, eine einzige männliche Innenperspektive reicht das? Meiner Meinung nach fehlt es diesem Buch wirklich an expliziten weiblichen Perspektiven, die hoffentlich bei der Recherche berücksichtigt wurden. Ist das Buch deswegen schlecht oder falsch? Ich denke nicht, denn dieses Thema gehört behandelt und auch - oder vielleicht gerade - von uns Männern. Wenn wir nicht teil des Problems sein wollen, dann sollten wir das Problem kennen, verstehen und eine klare Position dagegen beziehen. Das Ende und auch vieles vom Verhalten des Erzählers kann man nur irgendwo zwischen gekonnter Ironie und Mahnung (auch an sich selbst) verstanden werden. Dein Buch ist voll von Klatsch & Tratsch. Alle Literatur ist Klatsch, aber nicht jeder Klatsch ist Literatur, wusste schon Truman Capote. Noch wach? ist definitiv Literatur. Es war kein leichtes Buch zu einem wichtigen Thema, hat mich gut unterhalten und vor allem zum Nachdenken und weiteren Recherchen gebracht. Daher gibts von mir 8/10 ⭐️ #nochwach #benjaminvonstuckradbarre

Dieses Buch war mein erstes von Benjamin von Stuckrad-Barre. Er hat einen gewöhnungsbedürftigen, sehr sprunghaften Schreibstil, bei dem ich anfänglich noch skeptisch war. Er schreibt provokant, zuspitzend und nutzt seinen Humor. Stilistisch greift er oft zu Versalien, die Worte und Passagen betont und dramatisch verstärkt haben. Für mich insgesamt ziemlich gut, wenn auch ungewöhnlich gelöst. Störender im Lesefluss fand ich die weggelassenen Anführungszeichen innerhalb der Dialoge. Der Autor ist mit Machmissbrauch ein Thema angegangen, das durch seinen Schreibstil und die Form der Erzählung für mich gut ertragbar rüberkam. Machtmissbrauch bedeutet das Ausnutzen von Machtpositionen. Im beruflichen Kontext, dass Mitarbeiter belästigt, manipuliert oder beeinflusst werden. Ein toxisches Arbeitsumfeld in dem schnell klar wird: Die Stufen zwischen den Machtpositionen sind viel zu hoch und die mutmaßliche ‚Einvernehmlichkeit‘ oft längst nicht mehr einvernehmlich. Es hat etwas gedauert, bis ich den Handlungsstrick verstanden habe. Im Buch pendelt der Ich-Erzähler zwischen Berlin und Los-Angeles. Er ist mit dem Besitzer des thematisierten Senders befreundet und nennt ihn das gesamte Buch lang nur „Mein Freund“, distanziert sich selbst aber immer von dem Sender. Der Ich-Erzähler ist in der Thematik, spätestens im letzten Drittel, immer involvierter, als zahlreiche weibliche Betroffene im Sinne der #metoo -Bewegung öffentlich sprechen. Ab da hat sich für mich einiges aufgeschlüsselt, weil es für mein Verständnis weniger theoretisch wurde. Der Ablauf hat mir insgesamt aber gut gefallen und dem Buch letztlich eine Pointe in meinem Leseeindruck mitgegeben. Die zweite Hälfte des Buches hat mir dadurch viel besser gefallen, weil ich ab da endgültig in einen Leseflow gekommen bin, bei dem ich dem Inhalt viel besser folgen konnte. Anfangs hat mich der ständige Wechsel zwischen Distanz zu den Geschehnissen und dem vorwurfsvollen und sehr direktem Ton gestört. Das hat sich im Laufe der Geschichte aber gelegt und ich finde, dass der Ton dem Thema in diesem Roman einiges mitgegeben hat. Ich habe mich schon vorher mit dem Thema Machtmissbrauch und der #metoo -Bewegung beschäftigt, aber das Buch hat für mich definitiv nochmal einige Dinge mehr beleuchtet und mir weitere Denkanstöße mitgegeben. Ich hätte es gut gefunden, wenn sich auch mehr in Richtung Lösungsansätze bewegt worden wäre, aber das bezieht sich wohl auf meine Erwartungen und ist möglicherweise Geschmacksache.
Roman mit viel Deinungsfreiheit!
Toller und wichtiger Roman! Ja, man kann darüber streiten ob das Buch aus der Sicht eines Mannes geschrieben sein muss oder ob nicht doch eine Frau besser gewesen wäre. Allerdings finde ich, dass Sophia und auch die anderen Frauen viel Gehör finden. Von der politischen Seite einmal weg, finde ich das Buch sehr gut geschrieben - typisch Stucki eben. Moderne Sprache, nichts geschönt, einfach so wie Leute in Berlin nun mal sprechen.

Schwieriges Thema unterhaltsam aufbereitet.
Durch einen Schreibstil, an den man sich erstmal gewöhnen muss, wird ein sehr schwieriges Thema gut präsentiert. Die Handlung hat schon sehr zum nachdenken angeregt, was durch den inneren Monolog des Protagonisten nur bestärkt wurde. Hat mir insgesamt gefallen.
Kann man machen, muss man aber nicht
Wichtiges Thema, Umsetzung naja. Sehr nah an den medial schon aufbereiteten tatsächlichlichen Geschehnissen. Der Schreibstil lässt vermuten, dass der Autor sehr von sich überzeugt ist. Nicht ganz mein Fall, aber schön zu sehen, dass (sexueller) Machtmissbrauch auch mal so langsam in der weißen-Männer Bubble ankommt.
Ironisch, zynisch, gut
Am Anfang gewöhnungsbedürftig aufgrund der teilweisen Großschreibung. Man muss sich ein bisschen einlesen. Wer mit den Hintergründen rund um den ehemaligen Bildchef vertraut ist, dürfte es nicht schwerfallen. Für alle die sich für das Thema Metoo interessieren und wie schwer es teilweise greifbar ist.
Hätte mir etwas anderes gewünscht..
Das war mein erstes (& höchstwahrscheinlich auch mein letztes ) Buch von Benjamin von Stuckrad-Barre, da ich es geschenkt bekommen habe, hatte ich keine Ahnung was mich erwartet. Leider war der Schreibstil überhaupt nichts für mich, viel zu unruhig. Die Ironie hat mir allerdings gefallen, aus der Story hätte man, meiner Meinung nach viel mehr rausholen können, etwas das die Leser z.B sprachlos macht oder fesselt.. Also im großen und ganzen bereue ich es zwar nicht dass ich es gelesen habe aber weiterempfehlen würde ich es persönlich nicht .
Abgebrochen…
Leider kam ich mit dem Schreibstil überhaupt nicht zurecht. Gerade die ständig GROSSGESCHRIEBENEN Begriffe haben mich SO WAS VON rausgebracht. Einfach fürchterlich zu lesen. Was das Thema angeht so halte ich es für äußerst wichtig und auch gut, dass mehr Bücher veröffentlicht werden und Menschen sich trauen die Dinge zu beschreiben wie sie nun mal sind. Ob am Ende hier die große Aufklärung kommt weiß ich nicht, ich hab’s schließlich nicht durchgehalten
Mein erstes Buch von Stuckrad-Barre
... und wohl erstmal das letzte. Die Thematik mag spannend und durch ihre Aktualität auch sehr wichtig zu beleuchten sein. Aber der Schreibstil hat mich 0 gepackt. Mehrfach habe ich überlegt aufzuhören, mich aber dann doch durchgebissen. Die 2,5 Sterne gibt es für die Thematik und die viel Recherche Arbeit.
"Dass auch - sogar! - der Chefredakteur Persönlichkeitsrechte hatte, obwohl er die anderer Menschen Tag um Tag schändete, fand ich zwar VOM PRINZIP HER natürlich super, RECHTSSTAAT und so weiter, aber jetzt im Detail doch ein bisschen hinderlich." Man könnte jetzt sagen, Benjamin von Stuckrad-Barre hat einen fiktiven, aber exemplarischen Roman über Machtmissbrauch und #metoo in der deutschen Medienwirtschaft geschrieben, der einige Parallelen zu existierenden Personen aufweist. Oder man sagt: Hier gibts einen sehr tiefen Blick hinter die Kulissen der Springer-Presse. Wer sich nur ein bisschen mit der deutschen Verlagslandschaft auskennt, wird schnell Döpfner, Reichelt und Konsorten in den Figuren zu erkennen meinen. Stuckrad-Barre, der jahrelang selbst sehr nah dran war an Döpfner und dem Springer-Verlag, hat den #metoo Skandal bei der BILD aus nächster Nähe beobachten können. Jedenfalls schreibt Stuckrad-Barre aus der eher passiven Beobachterrolle heraus über Machtmissbrauch, bei dem der Protagonist durch seine enge Freundschaft zum “Senderbesitzer” und somit Vorgesetzten des problematischen Chefredakteurs immer mehr in einen Konflikt gerät. Er freundet sich mit Frauen an, die vom Machtmissbrauch betroffen sind, und versucht, ihnen gerecht zu werden - als Unterstützer, der Steine ins Rollen bringt, aber dabei keine Hauptrolle einnimmt. Als roter Faden zieht sich zudem der #metoo Skandal rund um Harvey Weinstein, bei dem Rose McGowan zur kämpferischen Gallionsfigur wurde, die der Protagonist immer wieder in L.A. trifft, wo er dem unwirschen Winter in Berlin aus dem Weg geht. Es hat etwas gebraucht, bis ich in den Roman reingefunden habe, da ich den Schreibstil zuerst sehr anstrengend fand. Andauernd sind Wörter hervorgehoben, am Anfang war mir nicht klar, wer jetzt eigentlich der Protagonist ist und was er wie wo warum tut und nicht tut. Als ich anfing, die Figuren mit den realen Personen zu verknüpfen, hat alles deutlich mehr Sinn ergeben und mir auch viel mehr Spaß gemacht. Es ist super interessant zu lesen, wie Stuckrad-Barre nicht nur die Entwicklung des Skandals aufbaut, sondern auch die (mutmaßlich) eigene Rolle darin verortet. Für mich stand bei meinem Leseerlebnis klar der Voyeurismus im Vordergrund, den ich in Bezug auf die real existierenden Personen verspürt habe, die mutmaßlich als Vorbilder dieses Romans hergehalten haben. Auch, wenn ich auf den L.A.-Teil gut hätte verzichten können, da dieser sich eher wie ein Prahlen mit Kontakten las. Wenn jemand einen Roman lesen möchte, bei dem institutionalisierter Machtmissbrauch gut aufgearbeitet wird, gibt es sicherlich noch bessere Bücher mit einem klareren Fokus. CN: S3xualisierter M1ssbrauch, Dr0genkonsum, Su1zid, M0bbing, Suchterkrankung
Benjamin von Stuckrad-Barre ist wohl DER Autor, von dem ich unbedingt mal eine Lesung erleben möchte und erleben trifft es in dem Fall wirklich. Einfach ein klasse Typ, der Mr. von Stuckrad-Barre. Mit „Noch wach? Widmete ich mich erwartungsvoll dem neusten Werk dieses Herren aus L.A. Beworben wurde es ja gefühlt von allem, was Rang und Namen hat. Das Grundthema des Buches ist, meiner Meinung nach ein daueraktuelles und man kann eigentlich nicht genug darauf aufmerksam machen. Leider muss ich sagen, dass das Buch mich allgemein nicht so gecatched hat, wie ich mir vorgestellt hatte. Es war gut, aber halt nicht überragend. Geschrieben war das Buch wie alle Bücher, die ich von ihm bisher gelesen habe Weltklasse. Dieses herrlich ironische mit verplante mag ich einfach. Eigentlich war es ein dauerhaftes Schmunzeln im positiven Sinn für mich. Schlussendlich ist es ein Buch, von dem ich sagen muss. „Kann man machen, man hat aber auch nichts verpasst, wenn man es nicht tut“. Ansonsten hat mir der kleine Ausflug in die Roman-Welt wieder ganz gut gefallen und ich werde sicherlich auch wieder zum nächsten von Stuckrad Barre greifen.

Vielleicht war ich durch die parallele Lektüre von Büchern mit politischem Hintergrund und auch Wahlprogrammen zur Bundestagswahl 2025 abgelenkt, aber gerade im ersten Teil fiel mir das Folgen schwer. Freie Rede und Erzählung konnte ich nicht gut unterscheiden. Auch war mir lange das Geschlecht des Erzählers nicht klar - aber vielleicht war das auch Plan von BvS-B. Im zweiten Teil konnte ich mich dann besser orientieren und die Botschaft auch des ersten Teils wurde mir klarer. Lag das an meiner Verfassung oder am Buch? Keine Ahnung! Mit Abschluss bin ich nur aber sicher, dass es ein wichtiges (schreibe ich aktuell viel zu oft) und gleichzeitig inspirierendes Buch ist: Die Realität entspricht leider nicht immer der Wahrheit. Nach den Frühwerken von BvS-B hatte ich jetzt jahrzehntelang keines seiner Werke gelesen. Zum einen weiß ich warum, zum anderen werde ich das ein oder andere Werk nun nachholen. Nicht so einfach, aber das soll es auch nicht sein.
Endlich ein neues Buch von Stuckrad-Barre. Nach seiner Biographie war ich schockverliebt. Die Hype-Maschine des Verlags wurde angeworfen, Buch und Autor waren omipräsent und ich erstmal spektisch. Im einem deutschen TV-Sender, der vor allem auf Provokation setzt, kommt es durch den soziopathischen Chefredakteur immer wieder zu Machtmissbrauch gegenüber weiblichen Mitarbeitenden. Hierbei wird immer wieder ein "Beuteschema" und ein Vorgehen sichtbar, welches auf allerlei spätabendliche und nächtliche Nachrichten setzt. Es kommt zu sexuellen Beziehungen und in folge dieser zu Bevorteilung der jeweiligen neuen "Geliebten". Der Ich-Erzähler ist mit den Besitzer des Senders befreundet, immer als "mein Freund" bezeichnet, er selber möchte mit dem Sender aber nichts zu tun haben. Er pendelt zwischen LA und Berlin und wird nach und nach immer involvierter in den internen #metoo-Bestrebungen und Veröffentlichungen zahlreicher weiblicher Betroffener. Von Stuckrad-Barre hat einen Schreibstil, der sehr sprunghaft und damit gewönungsbedürftig ist, hin zukommt, dass er in diesem Buch IMMER WIEDER DINGE DURCH GROSSSCHREIBUNG betont, was erstmal irritiert. 50 Seiten habe ich gebraucht, meine anfängliche Skepsis abzulegen, dann war ich sehr begeistert und muss sagen, dass ich die Umsetzung des Themas auch gelungen finde. Ob ein Weißer europäischer Mann ein Feminismus-Buch schreiben "darf und kann" sollen Andere entscheiden. Hier liegt die grundsätzliche Frage zu Grund ob man als Man Feminist sein kann oder nicht. Das Buch wird als Schlüsselroman bezeichnet, da hier Erfahrungen um den Springer-Konzern und den Umgang von Döpfner/Reichelt mit den entsprechenden Beschuldigungen, die hier verarbeitet werden. Ich gebe 4 1/4 *
Abbruch-Rezi
Da isser wieder, der Stucki! Nachdem ich laaange nichts mehr von ihm gelesen hatte, war ich richtig heiß auf sein neues Buch. Eine #metoo-Story in der Medienwelt aus der Feder von Stuckrad-Barre - da weiß man, dass muss was ganz Besonderes sein, wenn es von Stuckrad-Barre kommt. Allerdings ist es so besonders, dass mir derzeit wohl die Auffassungsgabe dafür fehlt. Deshalb musste ich dieses Buch schweren Herzens erst mal wieder zur Seite legen. . Was habe ich Stuckrad-Barre Ende der 90er gefeiert. "Soloalbum", "Livealbum", "Remix" waren Must-Reads. Er war mein Popliterat. Ungewöhnlich. Wild. Sein Auftritt bei "Zimmer frei!" samt Interpretation von Lindenbergs "Alles klar auf der Andrea Doria" ist für mich bis heute legendär. Nach "Blackbox" war unsere kurze aber heftige Liaison dann aber vorbei. Mein Leseabschnittsgefährte und ich sind getrennte Wege gegangen. Jetzt haben wir es nochmal miteinander versucht. Wir haben uns in der Trennungszeit aber wohl sehr unterschiedlich entwickelt. Mit dem Auffrischen der Liebe hat es nicht so recht geklappt. Es gibt Momente, in denen noch alte Gefühle aufblitzen. Stucki ist schon einzigartig. Ich schätze seinen Biss und seine Formulierungen, die oft einfach zum Niederknien sind. Allerdings ist er auch ziemlich anstrengend, was gegen eine Neuauflage unserer Beziehung spricht. Was mich besonders stört sind diese ständigen Versalien. Dachte erst, da wäre beim eBook was schief gelaufen. Habe mir tatsächlich in der Buchhandlung das Print angesehen und festgestellt, dass es dort nicht anders aussieht. Ok, das muss also so sein. Aber warum? Gibt es ein Muster? Steckt ein tieferer Sinn dahinter, der sich mir gerade nicht erschließt? Dieses und andere Probleme müssten wir dringend ausdiskutieren. Aber Stucki schweigt mich an. Ich frage mich: Ist das Kunst, oder kann das weg? Hat unsere Liebe noch eine Chance? Vielleicht. Im Moment überfordert mich die Beziehung aber. Stucki fordert mehr von mir, als ich gerade geben kann. Mein Kopf und mein Herz sind für diese Verbindung leider gerade nicht frei.

Mal wieder keine einfache Kost - es ist nicht gerade einfach in dieser Buch hineinzukommen. Auch fande ich den Erzähler lange Zeit wirklich anstrengend und hatte hier eher gemischte bis aggressive Gefühle. Nichtsdestotrotz hat mir am Ende die Entwicklung und Reflektion gefallen, auch wenn sie gerne schon viel früher hätte einsetzen können. Die Spekulationen die von Stuckrad-Barre dem Leser hier überlässt sind natürlich auch groß und wenn man sich mit dem Thema befasst hat, fragt man sich wie viel hier wirklich Fiktion ist oder in wie weit hier aus dem Nähkästchen geplaudert wird.
Schöne Story, brillante Sprache
Vor meinem ersten Stuckrad-Barre war ich zunächst etwas skeptisch, wie flüssig sich der doch etwas besondere Schreibstil lesen lässt. Jetzt bin ich aber ehrlich beeindruckt, mit welchen subtilen aber beeindruckenden Mitteln Stuckrad-Barre die Situation nicht nur inhaltlich sondern auch sprachlich hautnah erfahrbar macht. Die Ich-Perspektive gepaart mit dem Großschreiben von Wörtern und vielen schönen Wortspielen Macht das Buch wirklich zu einem sprachlichen Meisterwerk. Die Story ist ganz nett und spielt schön mit den Debatten und Widersprüchen der Gegenwart, gleichzeitig ist es auch keine Neuerfindung des Rads. Dennoch wirklich gute, hochqualitative Unterhaltung, die zum Hinterfragen von Medienkultur anregt. Sehr schön!

"Noch wach?" war mein erstes Stuckrad-Barre Buch. Ich arbeite selbst in der Medienbranche, wodurch mir die Hintergründe vertraut sind. Ich habe im Vorhinein viel kontroverses über das Buch gehört, die Erwartungen waren also hoch. Erstmal zum Schreibstil: Anfangs war dieser echt gewöhnungsbedürftig für mich. Stuckrad-Barre nutzt inflationär Großschreibung als Stilmittel. Zuerst hat es mich unheimlich gestört, aber in manchen Situationen hat das die Absurdität der beschriebenen Szenen betont. Gut gefallen haben mir auch die zahlreichen kreativen Wortneuschöpfungen. An vielen Stellen wirkten die Gespräche der Charaktere untereinander aber gezwungen jugendsprachlich. Der Schreibstil war letzten Ende das, was das Buch für mich interessant gemacht hat. Die Handlung an sich wäre wohl schnell auserzählt. Stuckrad-Barre arbeitet den Me Too-Fall bei der Bildzeitung anhand von einem fiktiven Fernsehsender auf. Gleichzeitig fällt der Weinstein-Skandal in dieselbe Zeit, obwohl in der Realität dazwischen viel Zeit vergangen ist. Das hat mich an manchen Stellen verwirrt, ist aber wohl dem geschuldet, dass Stuckrad-Barre sein Werk als Fiktion betrachtet. Auch die Rolle des Protagonisten fand ich oft verwirrend. Das wurde zwar auch oft thematisiert, aber ich weiß trotzdem nicht, was ich davon halten soll. Ich wollte hier nicht spoilern, weshalb ich nicht ins Detail gehe. Nebenbei hat der Autor meiner Meinung nach gut aufgefangen, wie absurd die Medienbranche manchmal sein kann. Am Ende habe ich das Buch trotz seiner Schwächen mit 4 von 5 Sternen bewertet, weil es definitiv etwas in mir ausgelöst hat.
Dieses Buch war ein Fest. Wie Stuckrad-Barre hier den Me Too Skandal bei der Bild ver- und bearbeitet ist richtig, richtig gut. Ich habe das Buch häufig mit einem Lächeln auf den Lippen gehört, weil der Autor es schafft, immer wieder kleine Schmunzler einzubauen. Dazu trifft er die Sprache der Medien/Start-Up/Bullshit-Szene ganz hervorragend. Ich würde auch empfehlen, das von ihm selbst gelesene Audiobuch zu hören, weil das dem ganzen noch mal eine ganz eigene Dimension hinzufügt. Große Lese- bzw. Hörempfehlung!
‼️⚠️HÖRBUCH ⚠️‼️
Hiervon bin ich persönlich nicht vom Hocker gerissen worden. Deswegen "wengere" ich jetzt mal a bissi... Es war mir zu langatmig und als Erzählstimme den Autor zu nehmen, nun, eine Frauenstimme wäre mir lieber gewesen. Ihr könnt euch meine öffentliche Rezi ja gerne auf meinem Pic ansehen. Vielleicht isses einigen von euch aufgefallen, sobald ich hier einen Beitrag dieses Buches sehe, gebe ich meinen Senf dazu.😅 Konkret mache ich Werbung für ein bestimmtes Buch,weil 》erstens Herr Stuckrad- Barre darin vorkommt, 》zweitens es VOR #meetoo geschrieben wurde und es 》drittens von einer meiner ALL-TIME-FAV'S AutorInnen geschrieben wurde. Ihr ahnt es eh um welches Buch es sich handelt, oder? Aaaalsoooo, auch bei meinen eigenen Beitrag kommt folgendes Kommentar: Wer von NOCH WACH? etwas enttäuscht war, oder generell etwas mehr von diesem Thema lesen möchte, empfehle ich: Mareike Fallwickl, DAS LICHT IST HIER VIEL HELLER.

Ein intensives Buch 📖
Noch wach“? von Benjamin von Stuckrad-Barre hat mich fasziniert, aufgrund der sehr ähnlichen reellen Fälle in Deutschland und natürlich die Story über den Weinstein-Skandal. #Metoo war in aller Munde und nach Beendigung dieses Romans ist mir klar, warum dieses Thema nicht mehr brandaktuell ist und doch wäre. Eine junge Frau arbeitet in Berlins großen Fernsehsender und erzählt von ihrem Chef, ihrer Arbeit und ihren Erlebnissen. Zur gleichen Zeit passieren in Los Angeles unverständliche Dinge. Prominente und berühmte Männer nehmen sich sehr viel den Frauen gegenüber heraus und prahlen damit in der Öffentlichkeit. Plötzlich erschüttert der Weinstein Skandal Hollywood. Und alles verändert sich! Oder nur oberflächlich? Von Hollywood verbreitet sich nun die #Metoo Bewegung um die ganze Welt. Und doch ist es extrem schwierig, gegen die Machtstrukturen anzukommen. Der Roman wird in der Ich-Form erzählt. Der Erzähler liegt noch gemütlich in Hollywood im legendären „Château Marmont“ am Pool und wird plötzlich in Berlin mitten in die „#Metoo-Bewegung gerissen. Kompromisslos erzählt der Autor über die sexuelle Belästigung durch Führungskräfte, über toxische Beziehungen, über die Machtstrukturen und Machtmissbrauch im Unternehmen. Die Themen des Romans werden sehr anschaulich beschrieben, die Freundschaften, Verrat, das Arbeiten in der Medienbranche, sexuelle Belästigung und die Angst vor einem „Karriere-Aus“, werden intensiv beleuchtet. Die Protagonisten werden sehr authentisch beschrieben und man kann sich sehr gut in deren Gefühlslage und die Ängste versetzen. Teilweise als neue Prüderie wird das Verhalten der Opfer beschrieben und die Anklage wird verdreht, letzten Endes handelt es sich im Verleumdung, Rufmord und die Betroffenen werden in der Öffentlichkeit als selbst schuld und nuttig durch die Unternehmen dargestellt. Die sprachliche Ausdrucksweise ist sehr locker und man fliegt über die Seiten. Immer wieder überlegt man was real oder fiktiv ist. Die Schwere der Thematik wird durch das Geplänkel der Protagonisten aufgelockert. Ein Roman, der Aufsehen erregt, den Leser berührt und das psychische Leid der Betroffenen beschreibt. Der Autor hat ein brillantes Buch über Machtmissbrauch und Sittenwidrigkeit in der Welt geschrieben. Persönlich war ich gefesselt von der Story und es hat mich nachdenklich gemacht, dass Frauen in der heutigen Zeit immer noch Opfer sind und nicht gehört werden. Die mächtigen und einflussreichen Personen wenden die Vorwürfe und Anschuldigungen der sexuellen Übergriffe ab, verdrehen die Tatsachen und ruinieren im Anschluss das Leben der Betroffenen. Einen Teufelskreis gilt es zu durchbrechen, die Angst zu überwinden und stark zu sein. Gemäß den Erfahrungen in der Story und nachvollziehbar in der Realität wird jedoch eine komplett andere Methode vermittelt. Eine Leseempfehlung für dieses intensive Buch.
Clever gemacht. Jedes Kapitel wohl überlegt. Mee too durchgespielt. Dazu immer wieder äusserst witzig, ironisch, sarkastisch (das Bild-Hochhaus mit den Duschen ganz oben, herrlich). An einem Stück sollte man es nicht lesen. Zu cerebral, diese Welt, diese Art zu Denken, ständiges Bewerten, Hadern. Aber es gibt solche Leute. Lohnende Lektüre.
Absolut nicht meins
Ich habe bei Seite 118 aufgehört und es weggelegt. Ich komm nicht wirklich rein. Es strengt mich echt an und ich hasse es Bücher frühzeitig aufzuhören. Zum Glück habe ich es nur geliehen von der Bibliothek. Herr Stuckrad-Barren hat wirklich Humor und ist sehr Wortgewandt. Man muss oft schmunzeln. Dennoch empfinde ich das Buch sehr trocken. Das Thema um was es geht ist allerdings enorm wichtig und es ist gut das es dieses Buch gibt. Ich hoffe sehr das es an Menschen gelangt die viel mehr Mehrwert daraus ziehen als ich. Vielleicht kam es auch einfach nur zur falschen Zeit bei mir. Ich würde es dennoch empfehlen. Denn schlecht geschrieben ist es nicht, nur nicht meins. :)
3,5 Sterne Alternativer Titelvorschlag: "war was?" Mein erster Stuckrad-Barre. Habe daher keine Vergleichsmöglichkeit zu seinen anderen Werken. Mit seinem Stil und der Sprache musste ich zunächst kämpfen. Zumindest weiß ich jetzt, warum ich Harald Schmidt nie lustig fand! In anderen Kommentaren und Rezensionen zu dem Buch las ich davon, dass man das Gefühl habe, er würde versuchen eine Sibylle Berg oder einen Thomas Bernhard imitieren. Mir ging es da nicht anders. Da ich das Hörbuch konsumierte, hatte ich ständig ne schlechte Heinz Strunk Imitation im Ohr und war des öfteren an Rezo oder die Figuren aus Allegro Pastell erinnert. Erst in der zweiten Hälfte hatte ich den Eindruck, dass er seinen eigenen Sound gefunden hat. Ich bemühe mal das böse Wort "Authentizität". Meines Erachtens liegt das in der ersten Hälfte u.a daran, dass diese ehr an einen Zusammenschnitt von sarkastischen Tweets erinnert, als irgendeiner eigenen Idee oder Romanhandlung zu folgen. An diesem Buch könnte man auch wieder mal die Diskussion aufmachen, warum es so schwer ist gute Literatur zu produzieren, die aktuelle gesellschaftspolitische Debatten zum Thema macht. Social Media und insbesondere Twitter nehmen vieles vorweg und lassen Texte ehr als journalistische oder dokumentarische Werke dastehen, wenn der Autor es nicht schafft eine Ebene einzuziehen die überrascht, das Andere in Erscheinung treten lässt oder sprachlich herausragend agiert. Mit der zweiten Hälfte des Buches hat S.B. sich aus dieser Falle etwas rausschreiben können. Zentrales Thema des Buches: Ambiguitätstoleranz, der Fluch von Interessanten Zeiten. Der Icherzähler steigt zu Beginn im Buch mit einer sarkastischen Bemerkung zur Ambiguitätstoleranz ein, verhandelt diese dann aber auf sämtlichen Ebenen in seiner Beziehung zum Freund und zu dem was er eigentlich sein will, ist, sein muss und dem Zwang sich verhalten zu müssen. S.-B. scheint sich an diesem Artikel orientiert zu haben: https://www.zeit.de/kultur/literatur/2019-11/politikverdruss-juli-zeh-heinrich-boell-demokratie-intellektuelle/seite-2?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com%2F „Da klebte plötzlich etwas Altmodisches, Verstaubtes, ja, Peinliches am engagierten Gewese. Diese alten weißen Männer, Böll/Grass/Walser/Enzensberger mit ihren Spiegel-Covern, ihren aufgeblasenen Rivalitäten und der ganzen Wichtigtuerei! Das betuliche Beschwören der Demokratie, das hysterische Gehabe von Arbeitskreisgründern, das naive Anhaften an Weltverbesserungsträumen – all das war unter der Würde der neuen, abgeklärten, grundironischen Generation. Es ging die Rede vom Karren, vor den man sich nicht spannen lassen wollte. Von moralischen Zeigefingern, mit denen man nichts zu tun haben mochte. Denn immerhin versucht Moral, allgemeine Regeln für das Zusammenleben aufzustellen, während der neue Zeitgeist allen Ernstes glaubte, nur in konsequent ich-bezogener Selbstverwirklichungsfreiheit sein Seelenheil zu finden. Entsprechend präsentierten sich die jungen Autoren: selbstbewusst und selbstbezogen, gepanzert mit etwas, das sie vielleicht sogar für klugen Skeptizismus hielten. Das war die erste Stufe: aus Coolnessgründen apolitisch sein.“ Auf Basis dieser inneren Zerreißprobe müssen wir den Erzähler betrachten, der durch den Wahnsinn unserer Zeit gezwungen wird, diese Coolness über Bord zu werfen. Oder nach Hannah Arendt "den Fluch in interessanten Zeiten zu leben" anzunehmen, sich nicht ausruhen zu können, da sonst alles was wert und teuer ist unterm Arsch weggerissen wird. Daher lese ich das Buch als Anklage gegen sich selbst. S.-B. schreibt sich keineswegs eine weiße Weste. Ganz im Gegenteil. Er zieht blank. Klagt sich an. Lässt uns an seinem kläglichen Versuch teilhaben und uns zusehen wie schnell er daran zerbricht. Kurzfristig mit den Ladys Skin in the Game hat, um dann recht schnell gegen Ende des Buches wieder die distanzierte Beobachterrolle einzunehmen. Zu nah, zu schmerzhaft, zu krass. Lass lieber über Frühstückseier reden. "nein, uns ist nichts aufgefallen"- war was? Kapitulation. Und damit ergibt auch diese belanglose Poolszene zu Beginn des Buches in Los Angeles Sinn. Deppenparade, Skandale, Systemprobleme, gesellschaftliches Totalversagen - eingerahmt in gechilltes Seelentröster-Nonsensgefasel
Description
Berlin: Eine junge Frau erzählt von ihrem neuen Job bei einem großen Fernsehsender, von ihrem neuen Chef, ihrem neuen Leben. Sie wirkt glücklich, beseelt, hoffnungsfroh, es klingt gut. Zu gut?
In Los Angeles geht derweil eine Welt unter. Ein Mann, der damit prahlt, als Berühmtheit könne man sich gegenüber Frauen alles herausnehmen, wird Präsident der Vereinigten Staaten. Im Garten des legendären „Chateau Marmont“, diesem Nachtspielplatz verwöhnter Hollywood Kids jeden Alters, vertreibt sich eine illustre Bande auf der Flucht vor der Realität die Zeit. Auch der Erzähler ist hier – und Rose McGowan, die Schauspielerin, der man nachsagt, neuerdings irgendwie anstrengend geworden zu sein.
Kurz darauf erschüttert der Weinstein-Skandal Hollywood, und Rose McGowan ist eine der ersten Frauen, die sexuelle Belästigung durch den bis dahin von ganz Hollywood hofierten Filmproduzenten öffentlich gemacht hat. Rose verschwindet, aber sie hinterlässt dem Erzähler eine kryptische Nachricht – oder ist es vielmehr ein Auftrag? Wieso wendet sie sich ausgerechnet an ihn?
Von Hollywood aus verbreitet sich die #MeToo-Bewegung um die ganze Welt. Doch die alten Machtstrukturen sind widerständiger, als man in der ersten Euphorie vielleicht denken mochte.
Zurück in Berlin findet sich der Erzähler nicht mehr nur als Liegestuhlbeobachter, sondern nun als Akteur mitten in einem unübersichtlichen Geschehen wieder, das ihn in einen tiefen persönlichen Konflikt stürzt.
„Noch wach?“ ist ein Sittengemälde unserer Zeit, ein typischer Stuckrad-Barre. Literarisch brillant, humorvoll und kompromisslos erzählt dieser Roman von Machtstrukturen und Machtmissbrauch, Mut und menschlichen Abgründen.
Book Information
Author Description
Benjamin von Stuckrad-Barre, 1975 in Bremen geboren, ist Autor von »Soloalbum«, 1998, »Livealbum«, 1999, »Remix«, 1999, »Blackbox«, 2000, »Transkript«, 2001, »Deutsches Theater«, 2001, »Festwertspeicher der Kontrollgesellschaft – Remix 2«, 2004, »Was.Wir.Wissen.«, 2005, »Auch Deutsche unter den Opfern«, 2010, »Panikherz«, 2016, Udo Fröhliche, 2016/2026, »Nüchtern am Weltnichtrauchertag«, 2016, »Ich glaub, mir geht’s nicht so gut, ich muss mich mal irgendwo hinlegen – Remix 3«, 2018, »Noch wach?«, 2023, und gemeinsam mit Martin Suter: »Alle sind so ernst geworden«, 2020, und »Kein Grund, gleich so rumzuschreien«, 2024.www.stuckradbarre.de
Posts
Anstrengender Stil - viele Seiten, aber wenig Handlung.
Das Buch lag lange auf meinem SuB und ich bin froh es beendet zu haben, denn ich spielte oft mit dem Gedanken abzubrechen. Der Schreibstil immer wieder manche Wörter in CAPSLOCK zu schreiben über den gesamten Roman war für mich sehr anstrengend und erfüllte bei mir kein stilistischen Zweck. Knapp 400 Seiten und dennoch ist aus meiner Sicht nur wenig Handlung verarbeitet. Den Inhalt könnte man auf weniger Kapitel runter kürzen. Zu keinem Zeitpunkt hat mich das Buch gefesselt. Es wurde zwar im Verlauf etwas besser, jedoch nicht entscheidend und auch erst nach ca. 150 Seiten. Das Ende ist wenig überraschend. Hätte das Thema doch viel Potenzial geboten, wird dies leider nahezu nicht genutzt.
Literarisch brillant, gesellschaftlich mutig, kompromisslos – eines der wichtigsten deutschen Bücher der letzten Jahre.
Wenn eine harmlose Nachricht zum Symbol für ein System wird Inhaltswarnung vorweg: Das Buch behandelt sexualisierte Belästigung, Machtmissbrauch und MeToo-Themen. Wer dabei empfindlich reagiert, sollte das im Hinterkopf behalten. Ein Ich-Erzähler, unverkennbar Stuckrad-Barre selbst, nicht namentlich genannt, schwimmt im kalifornischen Pool seines milliardenschweren Freundes Sascha. Sascha ist Vorstandsvorsitzender eines mächtigen deutschen Medienkonzerns, eine schillernde, charismatische Figur mit Hang zum Größenwahn. Der Erzähler ist sein langjähriger Freund, Kritiker, Beobachter und Augenzeuge eines Systems, das er zunehmend nicht mehr ignorieren kann. Denn parallel zum Weinstein-Skandal in Hollywood erlebt der Erzähler, wie auch in Saschas Verlag ein Klima aus Machtmissbrauch und sexualisierter Belästigung herrscht. Eine junge Praktikantin erzählt von Übergriffen ihres Vorgesetzten, der nächtlichen Nachrichten mit der harmlosen Frage „Noch wach?“ beginnen. Der Erzähler steht vor einer Entscheidung: Wegsehen wie viele andere, oder die Loyalität zu seinem Freund Sascha riskieren und das System öffentlich machen? Der Roman wird weithin als Schlüsselroman zur Affäre um den Axel-Springer-Verlag und den Abgang von Julian Reichelt gelesen, auch wenn Stuckrad-Barre selbst auf der ersten Seite festhält, dass die Geschichte „in Teilen inspiriert von verschiedenen realen Ereignissen“ sei, aber „eine fiktionale Geschichte“ erzähle. Stuckrad-Barre ist sprachlich auf der Höhe seiner Kunst. Wer „Panikherz“ gelesen hat, weiß, wie scharf, witzig und gleichzeitig melancholisch dieser Autor schreiben kann. In „Noch wach?“ treibt er diese Stärke auf die Spitze. Seine Beobachtungen sind treffsicher, seine Dialoge sind so gut, dass man sie laut lesen möchte, seine Pointen sitzen. Was mich besonders beeindruckt hat: Stuckrad-Barre schreibt über schwere Themen, ohne sie schwer zu machen. Der Roman ist nicht das, was man von einem MeToo-Buch erwartet, kein pädagogisches Erklärwerk, kein Pamphlet. Es ist ein literarisches Stück, das durch Witz und Wahrheit funktioniert. Diese Mischung gelingt selten und macht den Roman zu einer der besten deutschen Veröffentlichungen der letzten Jahre. Die zentrale Figur ist Sascha: schillernd, manipulativ, charismatisch, kindlich, gefährlich. Stuckrad-Barre porträtiert ihn nicht als platten Bösewicht, sondern als komplexen Menschen mit Charme und Abgründen. Genau diese Ambivalenz macht die Figur so verstörend: Wir verstehen, warum der Erzähler ihn lange zu seinem Freund zählt. Wir verstehen aber auch, warum es immer schwerer wird, ihm gegenüberzustehen. Der Erzähler selbst, eindeutig autofiktional gezeichnet, ist genauso ambivalent. Er ist kein Held. Er sieht zu, er schweigt lange, er profitiert vom System. Sein eigener Weg vom Beobachter zum Aufdecker ist nicht heroisch, sondern zögerlich, von Selbstzweifeln durchsetzt, ehrlich. Genau das macht den Roman politisch glaubwürdig: Stuckrad-Barre erhebt sich nicht über andere, er beschreibt seine eigene Mitschuld am System. Hier liegt die zentrale literarische und gesellschaftliche Leistung des Buches. Stuckrad-Barre zeigt nicht einen Einzeltäter, sondern ein System. Wie Hierarchien funktionieren. Wie Schweigen produziert wird. Wie Loyalität ausgenutzt wird. Wie aus der harmlosen nächtlichen Nachfrage „Noch wach?“ eine Aufforderung wird, die jüngere Mitarbeiterinnen aus Angst beantworten. Was mich besonders gepackt hat: Stuckrad-Barre erklärt nichts, er zeigt. Eine Szene, in der eine Praktikantin nach einem nächtlichen Anruf zur Arbeit erscheint. Ein Dialog, in dem ein Vorgesetzter „nur“ einen Witz macht. Eine WhatsApp-Nachricht, die nichts Konkretes verlangt und doch alles andeutet. Diese Mikro-Szenen sind literarisch präziser als jede sachbuchähnliche Aufzählung. Wer das System verstehen möchte, in dem Machtmissbrauch entsteht, findet hier mehr Einsichten als in vielen Sachbüchern. „Noch wach?“ ist trotz aller Schwere oft erstaunlich komisch. Stuckrad-Barre hat ein Gespür für die Absurditäten der Medienbranche, für die Selbstinszenierungen mächtiger Männer, für die Klein-Tragikomödien des Alltags an der Spitze. Ich habe an einigen Stellen laut gelacht, um dann auf der nächsten Seite zu erstarren, weil aus dem Witz plötzlich der echte Schmerz hervorbricht. Diese Mischung ist Stuckrad-Barres eigentliche literarische Stärke. Wer ihn aus Talkshows oder Fernsehauftritten kennt, weiß: Er kann den Witz, aber er kann auch die Tiefe. Hier balanciert er beides perfekt aus. Das Lachen schützt nicht vor dem Schmerz, der Schmerz erstickt nicht das Lachen. Ein Wort zum Mut, den dieses Buch erforderte. Stuckrad-Barre war jahrelang mit dem Medienkonzern, der eindeutig als Vorbild gelesen wird, eng verbunden. Diesen Kreis zu verlassen und einen so schonungslosen Roman zu schreiben, hat in der deutschen Literaturlandschaft Seltenheitswert. Persönliche und juristische Risiken inbegriffen. Was mich besonders nachhaltig beeindruckt: Stuckrad-Barre kämpft im Roman nicht für sich selbst, sondern für die Opfer. Die Praktikantin, die nicht weiß, ob sie auf eine Nachricht antworten muss. Die jungen Frauen, die ihre Karriere riskieren, wenn sie sich wehren. Die Mitarbeiter:innen, die in einem toxischen Umfeld arbeiten und keine Stimme haben. Diese Solidarität ist nicht plakativ, sondern in jeder Zeile spürbar. Mein kleiner Vorbehalt: Wer mit den realen Vorlagen vertraut ist, wird beim Lesen oft auf die Wirklichkeit verwiesen. Das ist literarisch gewollt, kann aber dazu führen, dass man weniger den Roman selbst liest, sondern eher ein Rätselspiel betreibt: Welche Figur ist welche reale Person? Wer die ganze Affäre nicht im Detail kennt, wird das Buch vermutlich gelassener als reinen Roman lesen können. Trotzdem: Diese Schlüsselroman-Qualität ist Teil der literarischen Wirkung. Stuckrad-Barre arbeitet bewusst mit dieser Doppeldeutigkeit. Es bleibt ein literarisches Werk, aber eines, das die Wirklichkeit nicht hinter sich lässt. Mein Fazit: „Noch wach?“ ist für mich eines der wichtigsten deutschen Bücher der letzten Jahre. Benjamin von Stuckrad-Barre hat sprachliche Brillanz, gesellschaftliche Relevanz und persönlichen Mut zu einem Roman verschmolzen, der lange nachhallt. Wer wissen will, wie Macht in deutschen Medienkonzernen funktioniert, wie Schweigen produziert wird, wie aus alltäglichen Kleinigkeiten Strukturen werden, sollte dieses Buch lesen. Wer Stuckrad-Barre noch nicht kennt, sollte parallel auch „Panikherz“ auf die Liste setzen – beide gehören für mich zu den prägenden literarischen Werken der vergangenen Jahre. Empfehlenswert für alle, die sich für deutsche Gegenwartsliteratur und gesellschaftspolitische Themen interessieren. Für Leser:innen, die Bücher schätzen, die gleichzeitig literarisch und politisch sind, im Sinne von Juli Zeh, Jenny Erpenbeck oder Daniel Kehlmann. Auch eine wichtige Lektüre für alle, die in der Medienbranche arbeiten oder sich für strukturelle Machtdynamiken interessieren. Eher nichts für Leser:innen, die mit Themen wie sexualisierter Belästigung und Machtmissbrauch nicht umgehen können oder selbst entsprechende Erfahrungen gemacht haben und sich aktuell nicht damit konfrontieren wollen. Auch nichts für dich, wenn du Wohlfühl-Lektüre suchst – das Buch ist nicht düster im klassischen Sinne, aber ehrlich, schmerzhaft und konfrontierend.
Leicht, ironisch und trotzdem unbequem
In der Welt eines großen deutschen Medienhauses zeigt sich, wie sich die Wahrnehmung der Realität verschieben kann, wenn man plötzlich mit Machtmissbrauch konfrontiert wird. Der Ich-Erzähler stolpert eher naiv in die Situation und wird gezwungen, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, wie man handelt, wenn man weiß, was im Hintergrund passiert. Was das Buch so besonders macht, ist die Erzählweise. Stuckrad-Barre schreibt lange Gedankenströme, die einen mal schmunzeln lassen und mal dabei ertappen, dass man sich ähnliche Fragen stellt. Es geht nicht um klare Gut-und-Böse-Zuordnungen. Die Betroffenen sind nicht nur Opfer, sondern Persönlichkeiten mit eigenen Schwächen, Stärken und Widersprüchen. Das Buch zeigt eindrücklich, wie schwierig es ist, gegen Machtstrukturen vorzugehen, ohne dabei in absolute Ohnmacht oder Wut zu verfallen. Stattdessen bleibt der Ton leicht und zugänglich, fast beiläufig, was das Lesen angenehm macht, ohne das Thema zu verharmlosen. Ich habe mich gleichzeitig gut unterhalten und informiert gefühlt. Eine Kombination, die ich in dieser Form besonders finde.
Was war das?
Mein 2. Versuch mit Benjamin von Stuckrad-Barre, der erste war schon eher mau☹️ Aus dem Stoff hätte man echt was machen können. Für mich war es leider nur eine Aneinanderreihung von Worten. 2 Sterne für den originellen Schreibstil und den Versuch, sich in die Sprache von 20jährigen einzuarbeiten.
Derbe, Denglisch, drauf
📚Rezension | Noch wach? - Benjamin von Stuckrad-Barre | Roman | Rezensionsexemplar📚 Lieber Benjamin von Stuckrad-Barre, Unbequem kannst du. Das Thema (MeToo & Springer-Skandal) von Noch wach? ist verdammt unbequem und mit deiner Versalienschrift (einige Wörter ausschließlich in Großbuchstaben, siehe dafür Bild 3-7) und der fehlenden wörtlichen Rede machst du es auch nicht unbedingt bequem für den Leser. Absicht? Eindeutig vorsätzlich war die Medienkampagne, die dein Buch begleitet hat und mich zumindest für ein paar Monate verschreckt hat. Nur ist das Thema einfach wichtig und Mann (ja richtig Mann) darf dabei nicht den bequemen Weg wählen. Man ist auf jeden Fall nicht richtig damit umgegangen und so hat mich sehr interessiert, wie du als Mann damit umgehst. Besonders froh war ich über meine Kollegin, mit der ich dieses Buch gemeinsam lesen durfte und damit auch anders betrachten konnte. 📚Bewertung📚 Nun aber mal an die Fakten: Dein Buch strotzt nur so vor Denglisch (Bild 5 & 6) und ist damit wohl damn zeitgemäß und literally aktuell. Darin liegt für mich aber nicht der unmittelbare Wert dieses Buches, sondern vielmehr in dem präzisen und messerscharfen Beschreiben eines soziologischen Milieus, nämlich das eines Berliner Medienkonzerns. Die Anspielungen auf reale Personen sind natürlich irgendwie offensichtlich, aber das darf einen nicht täuschen, da es sich um ein fiktionales Werk handelt. Denn du lieber Benjamin schreibst es und bist nicht der Protagonist, zumindest überwiegend 😉 Ein männlicher Autor, eine einzige männliche Innenperspektive reicht das? Meiner Meinung nach fehlt es diesem Buch wirklich an expliziten weiblichen Perspektiven, die hoffentlich bei der Recherche berücksichtigt wurden. Ist das Buch deswegen schlecht oder falsch? Ich denke nicht, denn dieses Thema gehört behandelt und auch - oder vielleicht gerade - von uns Männern. Wenn wir nicht teil des Problems sein wollen, dann sollten wir das Problem kennen, verstehen und eine klare Position dagegen beziehen. Das Ende und auch vieles vom Verhalten des Erzählers kann man nur irgendwo zwischen gekonnter Ironie und Mahnung (auch an sich selbst) verstanden werden. Dein Buch ist voll von Klatsch & Tratsch. Alle Literatur ist Klatsch, aber nicht jeder Klatsch ist Literatur, wusste schon Truman Capote. Noch wach? ist definitiv Literatur. Es war kein leichtes Buch zu einem wichtigen Thema, hat mich gut unterhalten und vor allem zum Nachdenken und weiteren Recherchen gebracht. Daher gibts von mir 8/10 ⭐️ #nochwach #benjaminvonstuckradbarre

Dieses Buch war mein erstes von Benjamin von Stuckrad-Barre. Er hat einen gewöhnungsbedürftigen, sehr sprunghaften Schreibstil, bei dem ich anfänglich noch skeptisch war. Er schreibt provokant, zuspitzend und nutzt seinen Humor. Stilistisch greift er oft zu Versalien, die Worte und Passagen betont und dramatisch verstärkt haben. Für mich insgesamt ziemlich gut, wenn auch ungewöhnlich gelöst. Störender im Lesefluss fand ich die weggelassenen Anführungszeichen innerhalb der Dialoge. Der Autor ist mit Machmissbrauch ein Thema angegangen, das durch seinen Schreibstil und die Form der Erzählung für mich gut ertragbar rüberkam. Machtmissbrauch bedeutet das Ausnutzen von Machtpositionen. Im beruflichen Kontext, dass Mitarbeiter belästigt, manipuliert oder beeinflusst werden. Ein toxisches Arbeitsumfeld in dem schnell klar wird: Die Stufen zwischen den Machtpositionen sind viel zu hoch und die mutmaßliche ‚Einvernehmlichkeit‘ oft längst nicht mehr einvernehmlich. Es hat etwas gedauert, bis ich den Handlungsstrick verstanden habe. Im Buch pendelt der Ich-Erzähler zwischen Berlin und Los-Angeles. Er ist mit dem Besitzer des thematisierten Senders befreundet und nennt ihn das gesamte Buch lang nur „Mein Freund“, distanziert sich selbst aber immer von dem Sender. Der Ich-Erzähler ist in der Thematik, spätestens im letzten Drittel, immer involvierter, als zahlreiche weibliche Betroffene im Sinne der #metoo -Bewegung öffentlich sprechen. Ab da hat sich für mich einiges aufgeschlüsselt, weil es für mein Verständnis weniger theoretisch wurde. Der Ablauf hat mir insgesamt aber gut gefallen und dem Buch letztlich eine Pointe in meinem Leseeindruck mitgegeben. Die zweite Hälfte des Buches hat mir dadurch viel besser gefallen, weil ich ab da endgültig in einen Leseflow gekommen bin, bei dem ich dem Inhalt viel besser folgen konnte. Anfangs hat mich der ständige Wechsel zwischen Distanz zu den Geschehnissen und dem vorwurfsvollen und sehr direktem Ton gestört. Das hat sich im Laufe der Geschichte aber gelegt und ich finde, dass der Ton dem Thema in diesem Roman einiges mitgegeben hat. Ich habe mich schon vorher mit dem Thema Machtmissbrauch und der #metoo -Bewegung beschäftigt, aber das Buch hat für mich definitiv nochmal einige Dinge mehr beleuchtet und mir weitere Denkanstöße mitgegeben. Ich hätte es gut gefunden, wenn sich auch mehr in Richtung Lösungsansätze bewegt worden wäre, aber das bezieht sich wohl auf meine Erwartungen und ist möglicherweise Geschmacksache.
Roman mit viel Deinungsfreiheit!
Toller und wichtiger Roman! Ja, man kann darüber streiten ob das Buch aus der Sicht eines Mannes geschrieben sein muss oder ob nicht doch eine Frau besser gewesen wäre. Allerdings finde ich, dass Sophia und auch die anderen Frauen viel Gehör finden. Von der politischen Seite einmal weg, finde ich das Buch sehr gut geschrieben - typisch Stucki eben. Moderne Sprache, nichts geschönt, einfach so wie Leute in Berlin nun mal sprechen.

Schwieriges Thema unterhaltsam aufbereitet.
Durch einen Schreibstil, an den man sich erstmal gewöhnen muss, wird ein sehr schwieriges Thema gut präsentiert. Die Handlung hat schon sehr zum nachdenken angeregt, was durch den inneren Monolog des Protagonisten nur bestärkt wurde. Hat mir insgesamt gefallen.
Kann man machen, muss man aber nicht
Wichtiges Thema, Umsetzung naja. Sehr nah an den medial schon aufbereiteten tatsächlichlichen Geschehnissen. Der Schreibstil lässt vermuten, dass der Autor sehr von sich überzeugt ist. Nicht ganz mein Fall, aber schön zu sehen, dass (sexueller) Machtmissbrauch auch mal so langsam in der weißen-Männer Bubble ankommt.
Ironisch, zynisch, gut
Am Anfang gewöhnungsbedürftig aufgrund der teilweisen Großschreibung. Man muss sich ein bisschen einlesen. Wer mit den Hintergründen rund um den ehemaligen Bildchef vertraut ist, dürfte es nicht schwerfallen. Für alle die sich für das Thema Metoo interessieren und wie schwer es teilweise greifbar ist.
Hätte mir etwas anderes gewünscht..
Das war mein erstes (& höchstwahrscheinlich auch mein letztes ) Buch von Benjamin von Stuckrad-Barre, da ich es geschenkt bekommen habe, hatte ich keine Ahnung was mich erwartet. Leider war der Schreibstil überhaupt nichts für mich, viel zu unruhig. Die Ironie hat mir allerdings gefallen, aus der Story hätte man, meiner Meinung nach viel mehr rausholen können, etwas das die Leser z.B sprachlos macht oder fesselt.. Also im großen und ganzen bereue ich es zwar nicht dass ich es gelesen habe aber weiterempfehlen würde ich es persönlich nicht .
Abgebrochen…
Leider kam ich mit dem Schreibstil überhaupt nicht zurecht. Gerade die ständig GROSSGESCHRIEBENEN Begriffe haben mich SO WAS VON rausgebracht. Einfach fürchterlich zu lesen. Was das Thema angeht so halte ich es für äußerst wichtig und auch gut, dass mehr Bücher veröffentlicht werden und Menschen sich trauen die Dinge zu beschreiben wie sie nun mal sind. Ob am Ende hier die große Aufklärung kommt weiß ich nicht, ich hab’s schließlich nicht durchgehalten
Mein erstes Buch von Stuckrad-Barre
... und wohl erstmal das letzte. Die Thematik mag spannend und durch ihre Aktualität auch sehr wichtig zu beleuchten sein. Aber der Schreibstil hat mich 0 gepackt. Mehrfach habe ich überlegt aufzuhören, mich aber dann doch durchgebissen. Die 2,5 Sterne gibt es für die Thematik und die viel Recherche Arbeit.
"Dass auch - sogar! - der Chefredakteur Persönlichkeitsrechte hatte, obwohl er die anderer Menschen Tag um Tag schändete, fand ich zwar VOM PRINZIP HER natürlich super, RECHTSSTAAT und so weiter, aber jetzt im Detail doch ein bisschen hinderlich." Man könnte jetzt sagen, Benjamin von Stuckrad-Barre hat einen fiktiven, aber exemplarischen Roman über Machtmissbrauch und #metoo in der deutschen Medienwirtschaft geschrieben, der einige Parallelen zu existierenden Personen aufweist. Oder man sagt: Hier gibts einen sehr tiefen Blick hinter die Kulissen der Springer-Presse. Wer sich nur ein bisschen mit der deutschen Verlagslandschaft auskennt, wird schnell Döpfner, Reichelt und Konsorten in den Figuren zu erkennen meinen. Stuckrad-Barre, der jahrelang selbst sehr nah dran war an Döpfner und dem Springer-Verlag, hat den #metoo Skandal bei der BILD aus nächster Nähe beobachten können. Jedenfalls schreibt Stuckrad-Barre aus der eher passiven Beobachterrolle heraus über Machtmissbrauch, bei dem der Protagonist durch seine enge Freundschaft zum “Senderbesitzer” und somit Vorgesetzten des problematischen Chefredakteurs immer mehr in einen Konflikt gerät. Er freundet sich mit Frauen an, die vom Machtmissbrauch betroffen sind, und versucht, ihnen gerecht zu werden - als Unterstützer, der Steine ins Rollen bringt, aber dabei keine Hauptrolle einnimmt. Als roter Faden zieht sich zudem der #metoo Skandal rund um Harvey Weinstein, bei dem Rose McGowan zur kämpferischen Gallionsfigur wurde, die der Protagonist immer wieder in L.A. trifft, wo er dem unwirschen Winter in Berlin aus dem Weg geht. Es hat etwas gebraucht, bis ich in den Roman reingefunden habe, da ich den Schreibstil zuerst sehr anstrengend fand. Andauernd sind Wörter hervorgehoben, am Anfang war mir nicht klar, wer jetzt eigentlich der Protagonist ist und was er wie wo warum tut und nicht tut. Als ich anfing, die Figuren mit den realen Personen zu verknüpfen, hat alles deutlich mehr Sinn ergeben und mir auch viel mehr Spaß gemacht. Es ist super interessant zu lesen, wie Stuckrad-Barre nicht nur die Entwicklung des Skandals aufbaut, sondern auch die (mutmaßlich) eigene Rolle darin verortet. Für mich stand bei meinem Leseerlebnis klar der Voyeurismus im Vordergrund, den ich in Bezug auf die real existierenden Personen verspürt habe, die mutmaßlich als Vorbilder dieses Romans hergehalten haben. Auch, wenn ich auf den L.A.-Teil gut hätte verzichten können, da dieser sich eher wie ein Prahlen mit Kontakten las. Wenn jemand einen Roman lesen möchte, bei dem institutionalisierter Machtmissbrauch gut aufgearbeitet wird, gibt es sicherlich noch bessere Bücher mit einem klareren Fokus. CN: S3xualisierter M1ssbrauch, Dr0genkonsum, Su1zid, M0bbing, Suchterkrankung
Benjamin von Stuckrad-Barre ist wohl DER Autor, von dem ich unbedingt mal eine Lesung erleben möchte und erleben trifft es in dem Fall wirklich. Einfach ein klasse Typ, der Mr. von Stuckrad-Barre. Mit „Noch wach? Widmete ich mich erwartungsvoll dem neusten Werk dieses Herren aus L.A. Beworben wurde es ja gefühlt von allem, was Rang und Namen hat. Das Grundthema des Buches ist, meiner Meinung nach ein daueraktuelles und man kann eigentlich nicht genug darauf aufmerksam machen. Leider muss ich sagen, dass das Buch mich allgemein nicht so gecatched hat, wie ich mir vorgestellt hatte. Es war gut, aber halt nicht überragend. Geschrieben war das Buch wie alle Bücher, die ich von ihm bisher gelesen habe Weltklasse. Dieses herrlich ironische mit verplante mag ich einfach. Eigentlich war es ein dauerhaftes Schmunzeln im positiven Sinn für mich. Schlussendlich ist es ein Buch, von dem ich sagen muss. „Kann man machen, man hat aber auch nichts verpasst, wenn man es nicht tut“. Ansonsten hat mir der kleine Ausflug in die Roman-Welt wieder ganz gut gefallen und ich werde sicherlich auch wieder zum nächsten von Stuckrad Barre greifen.

Vielleicht war ich durch die parallele Lektüre von Büchern mit politischem Hintergrund und auch Wahlprogrammen zur Bundestagswahl 2025 abgelenkt, aber gerade im ersten Teil fiel mir das Folgen schwer. Freie Rede und Erzählung konnte ich nicht gut unterscheiden. Auch war mir lange das Geschlecht des Erzählers nicht klar - aber vielleicht war das auch Plan von BvS-B. Im zweiten Teil konnte ich mich dann besser orientieren und die Botschaft auch des ersten Teils wurde mir klarer. Lag das an meiner Verfassung oder am Buch? Keine Ahnung! Mit Abschluss bin ich nur aber sicher, dass es ein wichtiges (schreibe ich aktuell viel zu oft) und gleichzeitig inspirierendes Buch ist: Die Realität entspricht leider nicht immer der Wahrheit. Nach den Frühwerken von BvS-B hatte ich jetzt jahrzehntelang keines seiner Werke gelesen. Zum einen weiß ich warum, zum anderen werde ich das ein oder andere Werk nun nachholen. Nicht so einfach, aber das soll es auch nicht sein.
Endlich ein neues Buch von Stuckrad-Barre. Nach seiner Biographie war ich schockverliebt. Die Hype-Maschine des Verlags wurde angeworfen, Buch und Autor waren omipräsent und ich erstmal spektisch. Im einem deutschen TV-Sender, der vor allem auf Provokation setzt, kommt es durch den soziopathischen Chefredakteur immer wieder zu Machtmissbrauch gegenüber weiblichen Mitarbeitenden. Hierbei wird immer wieder ein "Beuteschema" und ein Vorgehen sichtbar, welches auf allerlei spätabendliche und nächtliche Nachrichten setzt. Es kommt zu sexuellen Beziehungen und in folge dieser zu Bevorteilung der jeweiligen neuen "Geliebten". Der Ich-Erzähler ist mit den Besitzer des Senders befreundet, immer als "mein Freund" bezeichnet, er selber möchte mit dem Sender aber nichts zu tun haben. Er pendelt zwischen LA und Berlin und wird nach und nach immer involvierter in den internen #metoo-Bestrebungen und Veröffentlichungen zahlreicher weiblicher Betroffener. Von Stuckrad-Barre hat einen Schreibstil, der sehr sprunghaft und damit gewönungsbedürftig ist, hin zukommt, dass er in diesem Buch IMMER WIEDER DINGE DURCH GROSSSCHREIBUNG betont, was erstmal irritiert. 50 Seiten habe ich gebraucht, meine anfängliche Skepsis abzulegen, dann war ich sehr begeistert und muss sagen, dass ich die Umsetzung des Themas auch gelungen finde. Ob ein Weißer europäischer Mann ein Feminismus-Buch schreiben "darf und kann" sollen Andere entscheiden. Hier liegt die grundsätzliche Frage zu Grund ob man als Man Feminist sein kann oder nicht. Das Buch wird als Schlüsselroman bezeichnet, da hier Erfahrungen um den Springer-Konzern und den Umgang von Döpfner/Reichelt mit den entsprechenden Beschuldigungen, die hier verarbeitet werden. Ich gebe 4 1/4 *
Abbruch-Rezi
Da isser wieder, der Stucki! Nachdem ich laaange nichts mehr von ihm gelesen hatte, war ich richtig heiß auf sein neues Buch. Eine #metoo-Story in der Medienwelt aus der Feder von Stuckrad-Barre - da weiß man, dass muss was ganz Besonderes sein, wenn es von Stuckrad-Barre kommt. Allerdings ist es so besonders, dass mir derzeit wohl die Auffassungsgabe dafür fehlt. Deshalb musste ich dieses Buch schweren Herzens erst mal wieder zur Seite legen. . Was habe ich Stuckrad-Barre Ende der 90er gefeiert. "Soloalbum", "Livealbum", "Remix" waren Must-Reads. Er war mein Popliterat. Ungewöhnlich. Wild. Sein Auftritt bei "Zimmer frei!" samt Interpretation von Lindenbergs "Alles klar auf der Andrea Doria" ist für mich bis heute legendär. Nach "Blackbox" war unsere kurze aber heftige Liaison dann aber vorbei. Mein Leseabschnittsgefährte und ich sind getrennte Wege gegangen. Jetzt haben wir es nochmal miteinander versucht. Wir haben uns in der Trennungszeit aber wohl sehr unterschiedlich entwickelt. Mit dem Auffrischen der Liebe hat es nicht so recht geklappt. Es gibt Momente, in denen noch alte Gefühle aufblitzen. Stucki ist schon einzigartig. Ich schätze seinen Biss und seine Formulierungen, die oft einfach zum Niederknien sind. Allerdings ist er auch ziemlich anstrengend, was gegen eine Neuauflage unserer Beziehung spricht. Was mich besonders stört sind diese ständigen Versalien. Dachte erst, da wäre beim eBook was schief gelaufen. Habe mir tatsächlich in der Buchhandlung das Print angesehen und festgestellt, dass es dort nicht anders aussieht. Ok, das muss also so sein. Aber warum? Gibt es ein Muster? Steckt ein tieferer Sinn dahinter, der sich mir gerade nicht erschließt? Dieses und andere Probleme müssten wir dringend ausdiskutieren. Aber Stucki schweigt mich an. Ich frage mich: Ist das Kunst, oder kann das weg? Hat unsere Liebe noch eine Chance? Vielleicht. Im Moment überfordert mich die Beziehung aber. Stucki fordert mehr von mir, als ich gerade geben kann. Mein Kopf und mein Herz sind für diese Verbindung leider gerade nicht frei.

Mal wieder keine einfache Kost - es ist nicht gerade einfach in dieser Buch hineinzukommen. Auch fande ich den Erzähler lange Zeit wirklich anstrengend und hatte hier eher gemischte bis aggressive Gefühle. Nichtsdestotrotz hat mir am Ende die Entwicklung und Reflektion gefallen, auch wenn sie gerne schon viel früher hätte einsetzen können. Die Spekulationen die von Stuckrad-Barre dem Leser hier überlässt sind natürlich auch groß und wenn man sich mit dem Thema befasst hat, fragt man sich wie viel hier wirklich Fiktion ist oder in wie weit hier aus dem Nähkästchen geplaudert wird.
Schöne Story, brillante Sprache
Vor meinem ersten Stuckrad-Barre war ich zunächst etwas skeptisch, wie flüssig sich der doch etwas besondere Schreibstil lesen lässt. Jetzt bin ich aber ehrlich beeindruckt, mit welchen subtilen aber beeindruckenden Mitteln Stuckrad-Barre die Situation nicht nur inhaltlich sondern auch sprachlich hautnah erfahrbar macht. Die Ich-Perspektive gepaart mit dem Großschreiben von Wörtern und vielen schönen Wortspielen Macht das Buch wirklich zu einem sprachlichen Meisterwerk. Die Story ist ganz nett und spielt schön mit den Debatten und Widersprüchen der Gegenwart, gleichzeitig ist es auch keine Neuerfindung des Rads. Dennoch wirklich gute, hochqualitative Unterhaltung, die zum Hinterfragen von Medienkultur anregt. Sehr schön!

"Noch wach?" war mein erstes Stuckrad-Barre Buch. Ich arbeite selbst in der Medienbranche, wodurch mir die Hintergründe vertraut sind. Ich habe im Vorhinein viel kontroverses über das Buch gehört, die Erwartungen waren also hoch. Erstmal zum Schreibstil: Anfangs war dieser echt gewöhnungsbedürftig für mich. Stuckrad-Barre nutzt inflationär Großschreibung als Stilmittel. Zuerst hat es mich unheimlich gestört, aber in manchen Situationen hat das die Absurdität der beschriebenen Szenen betont. Gut gefallen haben mir auch die zahlreichen kreativen Wortneuschöpfungen. An vielen Stellen wirkten die Gespräche der Charaktere untereinander aber gezwungen jugendsprachlich. Der Schreibstil war letzten Ende das, was das Buch für mich interessant gemacht hat. Die Handlung an sich wäre wohl schnell auserzählt. Stuckrad-Barre arbeitet den Me Too-Fall bei der Bildzeitung anhand von einem fiktiven Fernsehsender auf. Gleichzeitig fällt der Weinstein-Skandal in dieselbe Zeit, obwohl in der Realität dazwischen viel Zeit vergangen ist. Das hat mich an manchen Stellen verwirrt, ist aber wohl dem geschuldet, dass Stuckrad-Barre sein Werk als Fiktion betrachtet. Auch die Rolle des Protagonisten fand ich oft verwirrend. Das wurde zwar auch oft thematisiert, aber ich weiß trotzdem nicht, was ich davon halten soll. Ich wollte hier nicht spoilern, weshalb ich nicht ins Detail gehe. Nebenbei hat der Autor meiner Meinung nach gut aufgefangen, wie absurd die Medienbranche manchmal sein kann. Am Ende habe ich das Buch trotz seiner Schwächen mit 4 von 5 Sternen bewertet, weil es definitiv etwas in mir ausgelöst hat.
Dieses Buch war ein Fest. Wie Stuckrad-Barre hier den Me Too Skandal bei der Bild ver- und bearbeitet ist richtig, richtig gut. Ich habe das Buch häufig mit einem Lächeln auf den Lippen gehört, weil der Autor es schafft, immer wieder kleine Schmunzler einzubauen. Dazu trifft er die Sprache der Medien/Start-Up/Bullshit-Szene ganz hervorragend. Ich würde auch empfehlen, das von ihm selbst gelesene Audiobuch zu hören, weil das dem ganzen noch mal eine ganz eigene Dimension hinzufügt. Große Lese- bzw. Hörempfehlung!
‼️⚠️HÖRBUCH ⚠️‼️
Hiervon bin ich persönlich nicht vom Hocker gerissen worden. Deswegen "wengere" ich jetzt mal a bissi... Es war mir zu langatmig und als Erzählstimme den Autor zu nehmen, nun, eine Frauenstimme wäre mir lieber gewesen. Ihr könnt euch meine öffentliche Rezi ja gerne auf meinem Pic ansehen. Vielleicht isses einigen von euch aufgefallen, sobald ich hier einen Beitrag dieses Buches sehe, gebe ich meinen Senf dazu.😅 Konkret mache ich Werbung für ein bestimmtes Buch,weil 》erstens Herr Stuckrad- Barre darin vorkommt, 》zweitens es VOR #meetoo geschrieben wurde und es 》drittens von einer meiner ALL-TIME-FAV'S AutorInnen geschrieben wurde. Ihr ahnt es eh um welches Buch es sich handelt, oder? Aaaalsoooo, auch bei meinen eigenen Beitrag kommt folgendes Kommentar: Wer von NOCH WACH? etwas enttäuscht war, oder generell etwas mehr von diesem Thema lesen möchte, empfehle ich: Mareike Fallwickl, DAS LICHT IST HIER VIEL HELLER.

Ein intensives Buch 📖
Noch wach“? von Benjamin von Stuckrad-Barre hat mich fasziniert, aufgrund der sehr ähnlichen reellen Fälle in Deutschland und natürlich die Story über den Weinstein-Skandal. #Metoo war in aller Munde und nach Beendigung dieses Romans ist mir klar, warum dieses Thema nicht mehr brandaktuell ist und doch wäre. Eine junge Frau arbeitet in Berlins großen Fernsehsender und erzählt von ihrem Chef, ihrer Arbeit und ihren Erlebnissen. Zur gleichen Zeit passieren in Los Angeles unverständliche Dinge. Prominente und berühmte Männer nehmen sich sehr viel den Frauen gegenüber heraus und prahlen damit in der Öffentlichkeit. Plötzlich erschüttert der Weinstein Skandal Hollywood. Und alles verändert sich! Oder nur oberflächlich? Von Hollywood verbreitet sich nun die #Metoo Bewegung um die ganze Welt. Und doch ist es extrem schwierig, gegen die Machtstrukturen anzukommen. Der Roman wird in der Ich-Form erzählt. Der Erzähler liegt noch gemütlich in Hollywood im legendären „Château Marmont“ am Pool und wird plötzlich in Berlin mitten in die „#Metoo-Bewegung gerissen. Kompromisslos erzählt der Autor über die sexuelle Belästigung durch Führungskräfte, über toxische Beziehungen, über die Machtstrukturen und Machtmissbrauch im Unternehmen. Die Themen des Romans werden sehr anschaulich beschrieben, die Freundschaften, Verrat, das Arbeiten in der Medienbranche, sexuelle Belästigung und die Angst vor einem „Karriere-Aus“, werden intensiv beleuchtet. Die Protagonisten werden sehr authentisch beschrieben und man kann sich sehr gut in deren Gefühlslage und die Ängste versetzen. Teilweise als neue Prüderie wird das Verhalten der Opfer beschrieben und die Anklage wird verdreht, letzten Endes handelt es sich im Verleumdung, Rufmord und die Betroffenen werden in der Öffentlichkeit als selbst schuld und nuttig durch die Unternehmen dargestellt. Die sprachliche Ausdrucksweise ist sehr locker und man fliegt über die Seiten. Immer wieder überlegt man was real oder fiktiv ist. Die Schwere der Thematik wird durch das Geplänkel der Protagonisten aufgelockert. Ein Roman, der Aufsehen erregt, den Leser berührt und das psychische Leid der Betroffenen beschreibt. Der Autor hat ein brillantes Buch über Machtmissbrauch und Sittenwidrigkeit in der Welt geschrieben. Persönlich war ich gefesselt von der Story und es hat mich nachdenklich gemacht, dass Frauen in der heutigen Zeit immer noch Opfer sind und nicht gehört werden. Die mächtigen und einflussreichen Personen wenden die Vorwürfe und Anschuldigungen der sexuellen Übergriffe ab, verdrehen die Tatsachen und ruinieren im Anschluss das Leben der Betroffenen. Einen Teufelskreis gilt es zu durchbrechen, die Angst zu überwinden und stark zu sein. Gemäß den Erfahrungen in der Story und nachvollziehbar in der Realität wird jedoch eine komplett andere Methode vermittelt. Eine Leseempfehlung für dieses intensive Buch.
Clever gemacht. Jedes Kapitel wohl überlegt. Mee too durchgespielt. Dazu immer wieder äusserst witzig, ironisch, sarkastisch (das Bild-Hochhaus mit den Duschen ganz oben, herrlich). An einem Stück sollte man es nicht lesen. Zu cerebral, diese Welt, diese Art zu Denken, ständiges Bewerten, Hadern. Aber es gibt solche Leute. Lohnende Lektüre.
Absolut nicht meins
Ich habe bei Seite 118 aufgehört und es weggelegt. Ich komm nicht wirklich rein. Es strengt mich echt an und ich hasse es Bücher frühzeitig aufzuhören. Zum Glück habe ich es nur geliehen von der Bibliothek. Herr Stuckrad-Barren hat wirklich Humor und ist sehr Wortgewandt. Man muss oft schmunzeln. Dennoch empfinde ich das Buch sehr trocken. Das Thema um was es geht ist allerdings enorm wichtig und es ist gut das es dieses Buch gibt. Ich hoffe sehr das es an Menschen gelangt die viel mehr Mehrwert daraus ziehen als ich. Vielleicht kam es auch einfach nur zur falschen Zeit bei mir. Ich würde es dennoch empfehlen. Denn schlecht geschrieben ist es nicht, nur nicht meins. :)
3,5 Sterne Alternativer Titelvorschlag: "war was?" Mein erster Stuckrad-Barre. Habe daher keine Vergleichsmöglichkeit zu seinen anderen Werken. Mit seinem Stil und der Sprache musste ich zunächst kämpfen. Zumindest weiß ich jetzt, warum ich Harald Schmidt nie lustig fand! In anderen Kommentaren und Rezensionen zu dem Buch las ich davon, dass man das Gefühl habe, er würde versuchen eine Sibylle Berg oder einen Thomas Bernhard imitieren. Mir ging es da nicht anders. Da ich das Hörbuch konsumierte, hatte ich ständig ne schlechte Heinz Strunk Imitation im Ohr und war des öfteren an Rezo oder die Figuren aus Allegro Pastell erinnert. Erst in der zweiten Hälfte hatte ich den Eindruck, dass er seinen eigenen Sound gefunden hat. Ich bemühe mal das böse Wort "Authentizität". Meines Erachtens liegt das in der ersten Hälfte u.a daran, dass diese ehr an einen Zusammenschnitt von sarkastischen Tweets erinnert, als irgendeiner eigenen Idee oder Romanhandlung zu folgen. An diesem Buch könnte man auch wieder mal die Diskussion aufmachen, warum es so schwer ist gute Literatur zu produzieren, die aktuelle gesellschaftspolitische Debatten zum Thema macht. Social Media und insbesondere Twitter nehmen vieles vorweg und lassen Texte ehr als journalistische oder dokumentarische Werke dastehen, wenn der Autor es nicht schafft eine Ebene einzuziehen die überrascht, das Andere in Erscheinung treten lässt oder sprachlich herausragend agiert. Mit der zweiten Hälfte des Buches hat S.B. sich aus dieser Falle etwas rausschreiben können. Zentrales Thema des Buches: Ambiguitätstoleranz, der Fluch von Interessanten Zeiten. Der Icherzähler steigt zu Beginn im Buch mit einer sarkastischen Bemerkung zur Ambiguitätstoleranz ein, verhandelt diese dann aber auf sämtlichen Ebenen in seiner Beziehung zum Freund und zu dem was er eigentlich sein will, ist, sein muss und dem Zwang sich verhalten zu müssen. S.-B. scheint sich an diesem Artikel orientiert zu haben: https://www.zeit.de/kultur/literatur/2019-11/politikverdruss-juli-zeh-heinrich-boell-demokratie-intellektuelle/seite-2?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com%2F „Da klebte plötzlich etwas Altmodisches, Verstaubtes, ja, Peinliches am engagierten Gewese. Diese alten weißen Männer, Böll/Grass/Walser/Enzensberger mit ihren Spiegel-Covern, ihren aufgeblasenen Rivalitäten und der ganzen Wichtigtuerei! Das betuliche Beschwören der Demokratie, das hysterische Gehabe von Arbeitskreisgründern, das naive Anhaften an Weltverbesserungsträumen – all das war unter der Würde der neuen, abgeklärten, grundironischen Generation. Es ging die Rede vom Karren, vor den man sich nicht spannen lassen wollte. Von moralischen Zeigefingern, mit denen man nichts zu tun haben mochte. Denn immerhin versucht Moral, allgemeine Regeln für das Zusammenleben aufzustellen, während der neue Zeitgeist allen Ernstes glaubte, nur in konsequent ich-bezogener Selbstverwirklichungsfreiheit sein Seelenheil zu finden. Entsprechend präsentierten sich die jungen Autoren: selbstbewusst und selbstbezogen, gepanzert mit etwas, das sie vielleicht sogar für klugen Skeptizismus hielten. Das war die erste Stufe: aus Coolnessgründen apolitisch sein.“ Auf Basis dieser inneren Zerreißprobe müssen wir den Erzähler betrachten, der durch den Wahnsinn unserer Zeit gezwungen wird, diese Coolness über Bord zu werfen. Oder nach Hannah Arendt "den Fluch in interessanten Zeiten zu leben" anzunehmen, sich nicht ausruhen zu können, da sonst alles was wert und teuer ist unterm Arsch weggerissen wird. Daher lese ich das Buch als Anklage gegen sich selbst. S.-B. schreibt sich keineswegs eine weiße Weste. Ganz im Gegenteil. Er zieht blank. Klagt sich an. Lässt uns an seinem kläglichen Versuch teilhaben und uns zusehen wie schnell er daran zerbricht. Kurzfristig mit den Ladys Skin in the Game hat, um dann recht schnell gegen Ende des Buches wieder die distanzierte Beobachterrolle einzunehmen. Zu nah, zu schmerzhaft, zu krass. Lass lieber über Frühstückseier reden. "nein, uns ist nichts aufgefallen"- war was? Kapitulation. Und damit ergibt auch diese belanglose Poolszene zu Beginn des Buches in Los Angeles Sinn. Deppenparade, Skandale, Systemprobleme, gesellschaftliches Totalversagen - eingerahmt in gechilltes Seelentröster-Nonsensgefasel





















































