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Die Ausweichschule

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About the book

Die Vermessung des Unsagbaren

Am letzten Tag der Abiturprüfungen im Jahr 2002 fallen Schüsse im Erfurter Gutenberg-Gymnasium. Unser Erzähler erlebt diesen Tag als Elfjähriger, wird mit seinen Mitschülern evakuiert und registriert in den folgenden Wochen die Hilflosigkeit der Erwachsenen im Angesicht dieser Tat. Mehr als zwanzig Jahre später bricht das Ereignis völlig unerwartet erneut in sein Leben ein und löst eine obsessive Beschäftigung mit dem Sujet aus, die in ein Romanprojekt resultieren soll. Aber warum nach so vielen Jahren alte Wunden aufreißen? Hat er ein Recht dazu? Wie verhält es sich mit seinen Erinnerungen, welche Geschichten hat er so häufig erzählt, dass sie wahr wurden?

Kaleb Erdmanns Roman Die Ausweichschule ist ein gekonntes Spiel mit Perspektiven, ein Stück Autofiktion, das gleichermaßen publikumskritisch (wie voyeuristisch ist unser Interesse an der Aufarbeitung von Gewalttaten?) wie autokritisch ist (was gibt mir das Recht, über diesen Tag zu schreiben?). Ein pointierter, persönlicher, erschütternder Text über ein Phänomen, das uns weltweit umtreibt.

»Wie sich Kaleb Erdmann dem Erfurter Amoklauf literarisch annähert ist ein Kunststück – er findet Worte für das Unsagbare und lässt einen wortlos zurück. Das Traurigste, Lustigste und Beste, was ich seit langem gelesen habe.« Caroline Wahl

Editions (2)

ISBN9783988160225
Publisherpark x ullstein
Publication Date07/31/25
Pages304

Characteristics

4 reviews

CredibleInformativeModerateThoughtfulDisturbingUnusual

Reviews & Ratings

620 ratings

118 reviews

4.0

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  • patriclife
    patriclife

    399 Followers

    2.0

    Thema verfehlt?

    Ich habe das Buch in Erwartung einer Handlung nach dem Amoklauf von Erfurt zu bekommen gekauft. Es geht hier eher darum wie der Autor nach dem Vorbilds Emmanuel Carrère ein Buch darüber zu schreiben versucht. Hat mir nicht gefallen. Ab und an kam auch etwas zu Erfurt und dem danach vor aber teilweise überlegte ich das Buch abzubrechen.

    Jul 12, 2026

  • tante_tanja
    tante_tanja

    555 Followers

    5.0

    So stelle ich mir das vor. Ich bin mir nicht sicher, ob man unbedingt zwanzig Jahre später ein Buch über den Erfurter Amoklauf schreiben muss, Wunden aufreißen, einen Topf umrühren, den man vielleicht ganz in Ruhe lassen sollte. Welchen plausiblen Grund es dafür geben könnte. Was ich weiß, ist, dass meine Gliedmaßen heute, in den Zwanzigerjahren des einundzwanzigsten Jahrhunderts, taub werden, wenn ich Erfurt zu nahe komme, und meine Luftröhre sich verschließt. Ich weiß, dass mir letztes Jahr in einer Frankfurter Apfelweinwirtschaft ein Thüringer Montagearbeiter die Nase gebrochen hat, um Robert Steinhäuser zu verteidigen, und wenn ich schon daran denke, wird mein Kopf schwer, mein Nacken steif, und natürlich schmerzt meine Nase. Nach einem halben Jahr des Schreibens weiß ich immer noch wenig über meine eigene Motivation, aber ich weiß, dass ich nichts aus dem Amoklauf "lernen" will, weil er kein Schulbuch, kein Schaubild, kein Merksatz ist, dass ich nichts aus ihm "schöpfen" will, denn er ist kein Waschbecken und kein Brunnen, sondern ein reales Ereignis, in dessen Folge heute siebzehn Menschen nicht mehr leben. - Zitat, Seite 120 "Die Ausweichschule" von Kaleb Erdmann, geboren 1991, wurde in diesem Jahr 2025 für den deutschen Buchpreis nominiert und stand auf der Shortlist. Der Autor erlebt diesen 26. April 2002 als Schüler des Erfurter Gutenberg-Gymnasium. Der Amoklauf ist in seine Biografie eingestanzt. Zwanzig Jahre später macht sich der junge Schriftsteller an ein Romanprojekt, welches sich um die Ereignisse und Erfahrungen nach dem Amoklauf von Erfurt drehen soll, als die traumatisierten Schülerinnen und Schüler in der sogenannten Ausweichschule betreut und unterrichtet wurden. Daher werden in dem vorliegenden Roman nicht die Erlebnisse nach dem Amoklauf ansich geschildert, vielmehr wird von dem Prozess berichtet, der in dem Autor selbst stattfindet; welchen Fragen er sich zu dem damaligen Ereignis stellen sollte: Warum ist das Thema gerade jetzt relevant? Inwieweit stimmen seine persönlichen Erinnerungen mit den Berichten von damals überein? Weshalb ist eine literarische Auseinandersetzung vielleicht unumgänglich (egal, ob diese nun auf persönliche oder öffentlicher Ebene stattfindet)? Wie sollte dieses literarische Werk gestaltet werden? Und zuletzt: ist der Autor überhaupt in der Lage, diesem Thema gerecht zu werden (was auch immer man darunter verstehen mag)? Kaleb Erdmann ist in seinem Schreiben sehr reflektiert und nach innen gewandt. Trotzdem ist sein Schreibstil keineswegs abgehoben oder realitätsfern. Ganz im Gegenteil: der Roman lebt von vielen kleinen Szenen mitten aus dem Leben. Gleich zu Beginn des Roman werden wir in eine Unterhaltung mit der Partnerin des Ich-Erzählers miteinbezogen. Es gibt Telefonate mit der Mutter, Reisen mit der Bahn und ein Treffen mit einem ehemaligen Mitschüler. Obwohl die Geschichte keinen chronologischen Regeln folgt, sondern wir in der Zeit vor und zurück hüpfen, gibt es Ereignisse, die als feste Elemente die Eckpfeiler der Erzählung bilden. Insbesondere zählt dazu der Handlungsstrang um die Entwicklung und Aufführung eines Theaterstücks, welches sich mit dem Amoklauf auseinandersetzt. Hier setzt sich der Autor des Stücks, als "Dramatiker" bezeichnet, mit dem Ich-Erzähler in Verbindung, um ihn zu befragen und später auch zu einer Aufführung einzuladen. Insgesamt enthält dieser Roman, abgesehen von der interessanten Thematik, eine lebensechte und teilweise sehr tiefsinnige Geschichte mit einem unglaublich verbindlichen Ich-Erzähler, dem man ohne zu zögern folgt. Der Roman zeigt außerdem, dass bestimmte Phänomene nicht allein deshalb verschwinden, weil man gewichtige Faktenberichte schreibt, die dann als Aktenleiche in den Archiven verstaubt verborgen wird. Daher ist die hier erzählte Geschichte nicht nur individuell und berührend, sondern aktuell und sollte auch erschüttern. FAZIT Ein wenig hat mich die Lektüre an "Atemschaukel" von Herta Müller erinnert, weil auch diese Geschichte mir das Gefühl gegeben hat, dass etwas nicht vorbei ist, es vielmehr andauert, auch wenn das auslösende Ereignis formal in der Vergangenheit liegt. Der Stil von Kaleb Erdmann hat mich von Anfang an abgeholt. Ich mochte die Szenen mit Hatice, ich mochte die Telefonate mit der Mutter und die Auseinandersetzung mit literarischen Texten (vor allem mit Emmanuel Carrère). Ich mochte es, den traurigen, den witzigen, den absurden und verständlichen Gedanken des Ich-Erzählers zu folgen. Und ich mochte diesen autofiktional geprägten Protagonisten dieses Romans so so sehr! Unbedingt lesenswert.

    Oct 19, 2025

  • daniela1982
    daniela1982

    669 Followers

    4.0

    Wirklich lesenswert. Der Autor arbeitet seine Erinnerungen an den Amoklauf in Erfurt auf. Er selbst war 11 Jahre alt als er sich dem Unfassbaren gegenüber sah. Er versucht wahre Erinnerungen von Falschen zu trennen und seinen Gefühlen nachzugehen. Ein schwieriges Thema welches bis heute seinen Schrecken nicht verloren hat.

    Aug 27, 2025

3 of 118 reviews

SocialReads

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mathiaz
mathiazMar 10, 2026

„Essen, lindert die Unruhe, die Angst davor, in einer schwer einschätzbar Situation gefangen zu sein.„ Ich mag bereits, wie der Autor erzählt.

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Author

About Kaleb Erdmann

Kaleb Erdmann, Jahrgang 1991, studierte Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig, sowie Soziologie und Politische Theorie in München und Frankfurt am Main. Er war Finalist des open mike, wurde für sein Theaterstück Unten für den Retzhofer Dramapreis nominiert und war als Autor und Redakteur Teil verschiedener Fernseh- und Unterhaltungsformate. Sein erster Roman wir sind pioniere wurde mit dem Debütpreis der LitCologne ausgezeichnet. Zuletzt schrieb er für das Berliner Ensemble das Stück Always Carrey On. Kaleb Erdmann lebt und arbeitet in Düsseldorf.

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