Imperium

Imperium

Hardback
3.8103
Ich Werde Hier Sein Im Sonnenschein Und Im SchattenSüdseeDeutsch-NeuguineaScheitern

By using these links, you support READO. We receive an affiliate commission without any additional costs to you.

Description

Eine deutsche Südseeballade

In »Imperium« erzählt Christian Kracht eine Aussteigergeschichte in den deutschen Kolonien der Südsee, indem er virtuos und gut gelaunt mit den Formen des historischen Abenteuerromans eines Melville, Joseph Conrad, Robert Louis Stevenson oder Jack London spielt.

Die Welt wollte er retten, eine neue Religion stiften, gar ein eigenes Reich gründen – eine Utopie verwirklichen, die nicht nur ihn selbst, sondern die Menschheit erlöst, fernab der zerstörerischen europäischen Zivilisation, die gerade aufbricht in die Moderne und in die Katastrophen des Ersten und Zweiten Weltkriegs. Doch in der Abgeschiedenheit der Südsee, in einer Kolonie des wilhelminischen Deutschland, gerät ein von einem vegetarischen Spleen besessener Sonnenanbeter in eine Spirale des Wahnsinns, die die Abgründe des 20. Jahrhunderts ahnungsvoll vorwegnimmt.In seinem vierten Roman zeichnet Christian Kracht die groteske, verlorene Welt von Deutsch-Neuguinea, eine Welt, die dem Untergang geweiht ist und in der sich doch unsere Gegenwart seltsam spiegelt. Zugleich aber ist Christian Krachts »Imperium« eine erstaunliche, immer wieder auch komische Studie über die Zerbrechlichkeit und Vermessenheit menschlichen Handelns.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Adventure
Format
Hardback
Pages
256
Price
22.70 €

Author Description

Christian Kracht, Schweizer, zählt zu den modernen deutschsprachigen Schriftstellern. Seine Romane »Faserland«, »1979«, »Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten«, »Imperium«, »Die Toten«, »Eurotrash« und »Air« sind in über 35 Sprachen übersetzt. Er lebt in Zürich.

Posts

9
All
3

Allegorie oder Abenteuerroman?

"Imperium" lässt mich ratlos zurück. Als bloßer Abenteuerroman ist es zu philosophisch, als Allegorie einer Gesellschaft im zivilisatorischen Niedergang zu sehr Abenteuerroman. Nichts Halbes, nichts Ganzes - vielleicht etwas Neues? Wir begleiten den Nürnberger Aussteiger August Engelhardt nach Deutsch-Guinea; beschrieben und kommentiert wird dieser Ausstieg von einem frischen, ironischen und unzuverlässigen Erzähler, der sich selbst nicht immer sicher ist, wie viel Realität und wie viel Fiktion seiner Erzählung innewohnt. Dadurch entstehen zwangsläufig Leerstellen zwischen Realem und Fiktionalem, mit denen der Leser eben leben muss, aber auch gut leben kann. Sprachlich lehnt sich der Erzähler stark an Thomas Mann an - und sich dabei zu sehr aus dem Fenster, was mich am meisten gestört hat: Eine Anlehnung an Th. Mann ist immer zum Scheitern verurteilt, weil es wohl immer nur bei der billigen Kopie bleiben wird. Die Komik durch den ironischen Erzählerkommentar funktioniert noch sehr gut; der geschwollene, hypotaktische Stil belebt die Erzählung -im Unterschied zum sprachlichen Vorbild- jedoch nicht, sondern wirkt statisch, im Ausdruck repetitiv und unnötig kompliziert. Die Entwicklung der Hauptfigur ist stringent, auch wenn eine Identifikation leider mit keiner der Figuren aufkommt; gegen Ende hin ging alles sehr schnell; das Ende eine schöne Idee. Damit begründet sich mein zweiter großer Kritikpunkt: Durch die fehlende Nähe zu den Figuren tröpfelt die Handlung vor sich hin, ohne den Leser emotional mitzunehmen. Insgesamt ist das Werk damit gut gedacht und experimentell spannend, mir fehlt aber die persönliche Involviertheit. So bleibt "Imperium" für mich nichts Halbes und nichts Ganzes; während die klare Anlehnung an bereits Bestehendes für mich persönlich verhindert, dass Kracht etwas Neues erschafft.

3

Über mehrere Wochen hinweg habe ich Imperium von Christian Kracht gelesen – eine außergewöhnliche, aber auch fordernde Schullektüre. Der Roman erzählt die Geschichte von August Engelhardt, einer historischen Figur, die Anfang des 20. Jahrhunderts eine radikale Lebensweise verfolgte. Als überzeugter Vegetarier und Anhänger des Sonnenkults zog es ihn nach Deutsch-Neuguinea, wo er eine Kolonie gründen wollte, in der die Kokosnuss als einziges Nahrungsmittel diente. Kracht schildert Engelhardts Besessenheit mit der Kokosnuss als Allheilmittel mit feiner Ironie und einer eleganten, oft distanzierten Sprache. Während Engelhardt zweifellos eine faszinierende Figur ist, empfand ich die Erzählweise des Romans als teilweise eintönig. Über lange Strecken dreht sich alles um seine Ideologie, sein fanatisches Festhalten an einer absurden Vorstellung von Reinheit und Gesundheit. Diese Monotonie spiegelt zwar Engelhardts geistige Fixierung wider, kann beim Lesen jedoch ermüdend sein. Der Schreibstil ist anspruchsvoll, mit zahlreichen Anspielungen und einem oft parodistischen Ton, der nicht immer leicht zu entschlüsseln ist. Erst gegen Ende konnte mich der Roman wirklich fesseln. Hier gewinnt die Handlung an Dynamik, andere Charaktere treten stärker in den Vordergrund, und man erfährt mehr über die Konsequenzen von Engelhardts Lebensweise. Allerdings hätte ich mir gewünscht, dass Engelhardt am Schluss nicht so stark in den Hintergrund gerückt wäre – gerade weil er die zentrale Figur ist. Seine Tragik wird zwar deutlich, aber sein Schicksal hätte noch eindringlicher dargestellt werden können.

4

Möglich ist es, dass beide Vegetarier sich erfühlten, ohne dass sie voneinander wussten, so als sei die dünne Spanplatte zwischen ihren Köpfen eine Art elektrischer Konduktor. Halsey war natürlich ein Genie und Engelhardt ebenfalls. Nur ist es oft so, dass des einen Genius in der Welt anerkannt wird, da dessen Idee sich, wie ein gut erzählter Witz, der nicht vergessen wird, ausbreitet und entfaltet, einem Krankheitsvirus gleich, während des anderen Genialität unter traurigsten Umständen verkümmert. Die Gebrüder Kellogg, die Halsey ans andere Ende der Welt geschickt hatten, waren davon überzeugt, dass die Gedankengänge ihres Zöglings in gewisser Weise zu radikal für ihre Zeit scheinen mussten, aber sie waren zweifellos auch in ihn verliebt, etwa so, wie man sich die Liebe zwischen Onkel und Neffen vorstellen kann, sie wollten ihn nur nicht auf dem gleichen Kontinent haben, da er sie in ihren Grundfesten kritisiert, ihnen sozusagen an der Moral geknabbert hatte. - Zitat, Seite 105 Wer nach einmaligen Erdenbürgern, nach vergessenen Genies oder Kuriositäten auf zwei Beinen sucht, der braucht nur die Geschichtsbücher wälzen und wird schon bald auf eine historische Figur stoßen, die sich trefflich als Protagonist eines eigenen Romanes eignet. So mag vielleicht auch Christian Kracht bei seiner Recherche zu dem vorliegenden Werk vorgegangen sein, was natürlich reine Spekulation ist, aber die Geschichte von August Engelhardt, der zu Beginn des letzten Jahrhunderts eine Kokosplantage in Deutsch-Neuguinea erwarb, um auf der Insel Kakabon einen Sonnenorden zu gründen, bietet ideale Voraussetzungen für die Gestaltung eines satirischen Südseeabenteuers. Und so jemand wie Engelhardt, kann man eigentlich nicht erfinden. Eine Person, die fest daran glaubt, die Zukunft der Menschheit liege im Vegetarismus und Nudismus begründet und folgende Weisheit der Welt zu verkünden hat: "Nackter Kokovorismus ist Gottes Wille. Die reine Kokosdiät macht unsterblich und vereinigt mit Gott." Doch halt, gibt es da nicht eine ganze Bewegung, welche die rein pflanzenbasierte Ernährung als die Heilsbringerin der Menschen propagiert? Und gab es nicht vor wenigen Jahren den absoluten Hype um Kokosöl, als wahres Wundermittel gegen jedwedes Leiden? Man sagt, Geschichte wiederhole sich nicht, aber manche Ideen und leider auch Ideologien scheinen sich unterschwellig zu halten und immer wieder in leicht abgewandelter Form als neue Erkenntnis gefeiert zu werden. Das ist natürlich nur eine rein subjektive Betrachtung der Geschichte, die uns Kracht hier erzählt und einige Ansätze zur Interpretation anbietet. Auf jeden Fall scheint der Autor einen Heidenspaß beim Schreiben gehabt zu haben. Dieser humorvolle Ton verführt mit der spielerischen Leichtigkeit manchmal dazu, dass man zu schnell über den Text fliegt und dabei manche gedankliche Fährte übersieht, die der Autor anlegt. Damit ist dieser Roman bestimmt ein Kandidat für eine zweite Lektüre. Im letzten Teil löst sich der Autor nicht nur vom historischen Lebenslauf seines Protagonisten, er führt auch noch weitere fiktive Figuren hinzu, die er wohl teilweise der Comic Welt entlehnt hat. Damit verändert er den Charakter des Romans ein wenig und der Schluss erschien etwas künstlich in die Länge gezogen. Aber so mäandern eben Krachts Tunichtgut und Konsorten etwas länger durchs staubige Oberstübchen, um ihre Spuren zu hinterlassen! FAZIT Dieser Abenteuerroman wurde mir durch einen Beitrag von Harald auf dessen YouTube Kanal "Literatur und Whisky" empfohlen und ich hatte viel Spaß mit der Lektüre! Und ein Detail hat mich überrascht, und zwar trägt der Protagonist einen Haargummi und tatsächlich wurden diese Anfang/Mitte des 19. Jahrhunderts schon mit Gummiband hergestellt. Natürlich fehlt an späterer Stelle bei der Erwähnung der Regenkleidung in Berlin nicht der Verweis auf die Kautschuk Ernte in Belgisch Kongo - eines der grausamsten Kapitel der Kolonialgeschichte! Also, Lesen bildet und dieser Roman ist eine Empfehlung wert.

3.5

Nicht der letzte Kracht

Christian Krachts Roman Imperium erzählt die wahre Geschichte des deutschen Lebensreformers August Engelhardt, der Anfang des 20. Jahrhunderts nach Neupommern auswandert, um eine Kokosnuss-Religion zu gründen. Kracht erzählt diese Südseefantasie im Stil des 19. Jahrhunderts, voller literarischer Anspielungen und mit ironischer Distanz. Der Roman zeigt den Verfall Engelhardts vom idealistischen Vegetarier zum verwirrten Fanatiker und zieht dabei Parallelen zum deutschen Kolonialismus und zu Hitler. Imperium ist damit nicht nur ein exotisches Abenteuer, sondern auch eine Reflexion über die Gefahren radikaler Weltanschauungen und über die Verführbarkeit durch Ideen. Trotzdem kann ich die Vorwürfe des Spiegels, dass Kracht ein eher rechtes Weltbild mehr oder weniger bedient nicht komplett zurückweisen. Es ist stellenweise schon ein wenig fraglich geschrieben. Außerdem ist es wirklich anspruchsvoll. Ich bin inzwischen allerdings ein großer Fan von Krachts Schreibstil und es ist interessant sich mit den teilweise verteufelnden Kritiken auseinanderzusetzen. Ich werde sicherlich weitere Bücher von ihm lesen.

4

Es widerstrebt mir innerlich dieses Buch mit 4 statt 3 Sternen zu bewerten- aber wie ich die letzten Monate gelernt habe, ist persönliches Geschmäckle kein Grund einem objektiv sehr guten Buch, etwas abzusprechen. Ein grandioser Erster Satz- so inhaltsstark. Überall blitzt die süffisante Ironie Krachts durch, die mich in Faserland bereits so sehr begeistert hat. Mir ging’s mit diesem Buch ein bisschen ähnlich wie mit Ransmayrs „Der Schrecken des Eises und der Finsternis“ : Ich liebe die Sprachwucht des Autors, aber die Story ist einfach nicht mein Ding. Das letzte Drittel wurde mir in Imperium zu schnell abgehandelt. Es tauchen noch mal neue Personen auf, es passiert ganz viel auf ein paar Seiten und jedem wird schnell sein Ende erzählt. Das ist nicht problematisch, da Kracht damit die Dramaturgie des 2. Weltkrieges und deren Opfer unterstreicht und mit dem gesamten Buch einen Spiegel der Gesellschaft schafft. Also alles richtig gemacht-nur komme ich nicht aus meiner Haut, dem Werk die Begeisterung zu zollen, die es verdient.

3

Oh how I love me a book about an unhinged character, even better if it’s based on a true story. I really liked the writing style, it was very funny to read. And what a story, crazy to think there really was a guy like that. I’m gonna give it 3 stars, cause I would have liked a liiiiiittlee more detail. But overall a fun book

4

Mühsam, aber lohnt sich

Ein spannender Abenteuerroman. Gespickt mit historischen Andeutungen ubd basierend auf wahren Begebenheiten. Nicht leicht zu lesen. Kracht hat einen ausgeprägt hypotaktischen Schreibstil. Man gewöhnt sich aber schnell an ihn.

4

Noch genau so eindrücklich wie beim ersten Mal lesen - vielleicht sogar noch mehr. Eine Art Anti-Robinson Crusoe und deshalb viel glaubhafter. Ein Aussteiger mit einem Traum, für den er alles gibt. Krachts Sprache ist hier äusserst literarisch; manche meinen, unleserlich, aber das empfand ich weder damals noch heute so. Ein krasser Gegensatz zu "Faserland", das ich zu Beginn des Monats gelesen habe, sodass man die Entwicklung Krachts mühelos beurteilen kann.

5

Im heutigen Neuguinea, 1902. Der junge Deutsche August Engelhardt lässt sich auf einer kleinen Insel im damaligen Deutsch-Neuguinea nieder. Er will dort eine Kokosplantage betreiben und sein Ideal einer natürlichen, vegetarischen Lebensweise pflegen. Er begründet einen Sonnenorden, der vor allem darauf beruht, sich ausschließlich von Kokosnüssen zu ernähren: den Kokovorismus. Zunächst klappt auch alles recht gut, doch es stellen sich Krankheit und Differenzen mit den Wenigen ein, die seinem Orden beitreten. Langsam scheint es auch mit Engelhardts Verstand den Bach hinunter zu gehen. Ich nehme vorweg: Das Buch hat mir wirklich Spaß bereitet. Sprachlich ist es Buch ein Meisterwerk, ein echter Genuss! Ich habe selten so eine anspruchsvolle, schöne Sprache gelesen. Inhaltlich erscheint das Buch recht merkwürdig, was für eine abgefahrene Geschichte, was für ein seltsamer Typ (der, was ich beim Hören nicht wusste, tatsächlich gelebt hat). Man weiß nicht recht, ob man ihn mögen soll. Er hat einerseits, was seine Mitmenschen angeht, durchaus eine gute Einstellung, bei anderen Dingen kann man nur den Kopf schütteln. Ich fand die Geschichte dank Krachts Schreibstil recht komisch, was noch durch den Sprecher Dominik Graf verstärkt wurde, und musste mehrfach laut lachen. Durch das ganze Buch zieht sich Ironie, sowohl Engelhardt als auch die anderen Kolonisten werden fein karikiert. Unter anderem deshalb kann ich die Vorwürfe, die Christian Kracht gemacht werden, das Buch sei rassistisch, nicht nachvollziehen (und ich bin da eigentlich recht empfindlich). Ich weiß nicht viel über Christian Kracht, aber das Buch spielt in einer Kolonie zu Beginn des 20. Jahrhunderts, natürlich gab es da die Herren und die Einheimischen. Dann dürfte man ja gar kein Buch über diese Zeit schreiben! Und da die sogenannten Herren ja durchweg karikiert werden, kann ich keinerlei Befürwortung dieses Umstandes erkennen. Man könnte vielleicht noch argumentieren, die dargestellte Schläue einiger Einheimischen sei gönnerhaft, aber das habe ich nicht so empfunden. Zum Sprecher: Zunächst glaubte ich, ich würde Dominik Grafs Sprechweise nicht mögen. Ich habe mich jedoch schnell daran gewöhnt und würde sogar sagen, dass er mit seiner Art und seinen Betonungen zu meinem Spaß an dem Buch beigetragen hat. Daher alle Daumen hoch für den Sprecher. Ein skurriler Auswandererroman, dessen Lektüre sich allein wegen der tollen Sprache lohnt!

Create Post