Von Norden rollt ein Donner

Von Norden rollt ein Donner

Hardback
4.0402

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Description

SHORTLIST DEUTSCHER BUCHPREIS 2024

Der Wolf ist zurück in der Lüneburger Heide. Und während Jannes - wie schon sein Vater und sein Großvater - täglich seine Schafe über die Heideflächen treibt, kochen die Emotionen im Dorf hoch. Kann Heimatschutz Gewalt rechtfertigen? Wo es vordergründig um Wolfspolitik geht, stößt er bald auf Hass, völkische Ideologie - und auf ein tiefes Schweigen. "Von Norden rollt ein Donner" ist eine Spurensuche in der westdeutschen Provinz, die Geschichte eines brüchigen "urdeutschen" Idylls.

Täglich treiben der 19-jährige Jannes und seine Familie die Schafe über die Flächen der Lüneburger Heide. Doch es herrscht eine gärende Unruhe in der Gegend, der Wolf ist zurück. Es mehren sich Schafsrisse und mit ihnen Konflikte im Dorf, die schnell politisch werden. Während völkische Siedler versuchen, das Thema für ihre Zwecke in Beschlag zu nehmen, die Situation sich zuspitzt und in Selbstjustiz der Bevölkerung zu eskalieren droht, flüchtet sich Jannes zu seinen Schafen in die Heide. Doch dort wird durch eine gespenstische Begegnung plötzlich die düstere Ortsgeschichte aufgefächert, die ihren langen Schatten in die Gegenwart wirft. Markus Thielemann schreibt mit seinem Anti-Heimatroman das Psychogramm einer Sehnsuchtslandschaft und zeigt auf ebenso subtile wie fesselnde Weise, wie sich ein Idyll in sein Gegenteil verkehren kann.

Ihm kommt ein absurder Gedanke: Vielleicht ist es das Land, das ihm etwas sagen will, das ihm etwas antun will, vielleicht ist es die Heide. Eine literarische Auseinandersetzung mit dem gesellschaftlichen und politischen Klima in der westdeutschen Provinz Über Heimat und Gewalt, Verdrängung und Schweigen, Tradition und Verantwortung

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
N/A
Format
Hardback
Pages
287
Price
23.70 €

Author Description

Markus Thielemann, geboren 1992, lebt in Hannover. Er studierte Geografie und Philosophie in Osnabrück, anschließend Literarisches Schreiben in Hildesheim. Von Norden rollt ein Donner ist sein zweiter Roman und für den Deutschen Buchpreis nominiert.

Characteristics

5 reviews

Mood

Sad
Funny
Scary
Erotic
Exciting
Romantic
Disturbing
Thoughtful
Informative
Heartwarming
34%
5%
31%
N/A
58%
N/A
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18%

Protagonist(s)

Likable
Credible
Developing
Multifaceted
54%
80%
46%
56%

Pace

Fast0%
Slow40%
Moderate60%
Variable0%

Writing Style

Simple40%
Complex20%
Moderate40%
Bildhaft (100%)Minimalistisch (20%)Poetisch (40%)Außergewöhnlich (80%)

Posts

86
All
5

Von Norden rollt ein Donner und verhallt. Blitzlos. Keines der Tiere zuckt, auch der Hirte nicht. Er schaut nicht einmal auf, trottet weiter. Langsam, als würde die Zeit um sie träger fließen, ziehen sie hinaus über das verblühte Land, sacht gewellte Ödnis, gefärbt von braun verholztem Kraut und Sand, wo nichts emporragt außer den Wacholdersträuchern, zerbrochenen Säulen gleich. Sein Name ist Jannes Kohlmeyer, er ist neunzehn Jahre alt. Das Krachen der Panzermunition, die tagsüber auf dem Fabrikgelände des Waffenherstellers Rheinmetall getestet wird, nimmt er kaum wahr. Es gehört für ihn zur Arbeit wie das Zischen des Windes und das Blöken des Viehs. Er hat andere Sorgen. - Zitat, Seite 7 Dieser Roman von Markus Thielemann, geboren 1992, stand im Herbst 2024 völlig zurecht auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis. Mit Sprachgebilden, die mitunter an Gemälde Alter Meister erinnern, entführt uns der Autor in die herbstliche Heidelandschaft. Was für Sommertouristen ein blühender Sehnsuchtsort sein mag, ist für den Protagonisten Jannes, der in dritter Generation den Familienbetrieb mit am Leben hält, Wohn- und Arbeitsstätte. An diesem dunklen Oktobertag, als Jannes mit Hund und seiner Schafherde durch die Heidelandschaft zieht, hat er ganz konkrete Sorgen. Sein Stiefvater, der den Betrieb hauptsächlich betreibt, zeigt Anzeichen einer aufkommenden Demenz. Ist es wirklich nur der Stress, der sein schon fast krankhaftes Interesse an der aufkommenden Bedrohung durch den Wolf entfacht hat und der den Vater nun ständig dazu treibt, die neuesten Meldungen auf Sozialmedia zu überprüfen? Zum Thema Wolf hat der Großvater noch eine ganz andere Geschichte zu erzählen, nämlich wie er, kurz nach dem Krieg, den gierigen Räuber mit beherzten Schüssen in die Flucht getrieben hat. Doch ganz andere Geister aus der Vergangenheit scheinen plötzlich am Waldesrand aufzutauchen und unser Protagonist beginnt sich beunruhigt zu fragen, ob sein eigener Verstand wie bei der Oma auf Abwege gerät, oder ob bisher gut versteckte Geheimnisse aus der Dunkelheit ins Licht der Öffentlichkeit drängen ... Gerade die schauerlichen und unwirklichen Elemente der Erzählung tragen dazu bei, die Realität der Geschichte zu unterstreichen. Der Autor versteht es wunderbar, Bilder im Kopf des Lesenden entstehen zu lassen, die sehr lebendig und beinah greifbar wirken. Man glaubt, das Laub rascheln zu hören, man nimmt den modrigen Geruch des Erdbodens wahr und spürt die Feuchtigkeit durch die Kleidung kriechen. Aber auch handfeste Emotionen wie das große Unbehagen, welches die Tochter empfindet, wenn sie feststellt, dass ihre demente Mutter in einer völlig anderen Zeitebene steckt und den Enkel für ihren Mann im jugendlichen Alter hält, sind glaubhaft dargestellt. Der Roman stellt fest, dass uralte Ängste uns auch in scheinbar aufgeklärten Zeiten einholen, wie die jüngste Vergangenheit uns prägt und der Heimatmythos verführerisch und abgründig zugleich wirkt. FAZIT Die Geschichte dieses Buches hat mich von Anfang an abgeholt und ich bin dem jungen Hirten ohne Zögern gefolgt. Der Roman hat eine ungewöhnliche, aber sehr gelungene Mischung aus mysteriösen Elementen und bodenständiger Handlung. Absolut einer näheren Betrachtung wert. Unbedingt lesenswert.

4

Vielschichtig, tiefgründig und eine Spur schaurig!

Der 19-jährige Jannes lebt mit seinen Eltern und dem Großvater Wilhelm auf einem Bauernhof in der südlichen Lüneburger Heide. Jannes wird den Hof übernehmen und ist schon jetzt mit den Heidschnucken täglich in der Heide unterwegs. Die Wiederansiedlung des Wolfes macht der Familie und den Nachbar*innen in der näheren Umgebung Sorgen, es tauchen gerissene Lämmer auf. Finanzielle Nöte sind damit verbunden. Gleichzeitig erscheint Jannes auf seinen Wegen durch die Heide eine Frau, was ihn stark verunsichert. Lange ist ihm nicht klar, ob sie real existiert oder er ernsthaft psychisch erkrankt. Er braucht eine Zeit, um die Zusammenhänge zwischen Erscheinung der Frau und der grausigen Geschichte der Heide in der Nazizeit zu verstehen, in die scheinbar auch Großvater Wilhelm verwickelt war und als Held gefeiert wurde. Zudem zieht in die direkte Nachbarschaft eine völkisch orientierte Familie. Damit schafft Markus Thielemann eine geschickte Verbindung zum Erstarken rechter Kräfte Mitte der 2010er Jahre. Ein paar Fragen bleiben für mich am Ende des Buches, z.B. die Rolle der dementen Großmutter Erika, die in einem Pflegeheim lebt oder aber die Haltung von Friedrich, dem Stiefvater von Jannes...

4

Düster

Es war so ganz anders als ich es erwartet hatte, aber das Buch hat mich so richtig in seinen Bann gesogen. Die Sprache ist sehr bildhaft, die Charaktere toll gezeichnet. Ich habe es geliebt und kann es nur weiter empfehlen.

5

Und hier ist es, mein erstes 5 Sterne Buch 2025 🤗 Gerade beendet bin ich noch ganz gefangen von der düsteren, drückenden Stimmung der Geschichte. Mich hat fasziniert wie bildgewaltig und gleichzeitig für mich sperrig, kantig der Autor hier Sprache einsetzt und mich somit, trotz anfänglicher Gewöhnung, völlig mitnehmen konnte. Auch die Herangehensweise an die vielen Themen die ineinander greifen, die Sinnbilder, Symbole. . . einfach beeindruckend und emotional. Gerade auch, dass es am Ende nicht auf alles eine Antwort und Lösung gibt, macht den Roman für mich nur glaubwürdiger und die Geschichte stimmiger. Von mir eine klare Leseempfehlung.

5

Egtl wollte ich das Buch gar nicht lesen. Ich hatte mir die Klappe durchgelesen als die Longlist für den Deutschen Buchpreis veröffentlicht wurde. Hörte such für mich nicht interessant an. Dann haben wir das Buch im Lesekreis ausgewählt und ich musste ran. Zum Glück! Ein tolles Buch, sehr gut geschrieben. Packend, spannend. Teilweise wollte ich es nicht mehr weglegen. Die Bilder der Heide die gezeichnet werden, hatte ich genau vor Augen. Den Schmerz und die Angst von Jannes konnte ich nachempfinden. Das Ende, eine einzige Metapher, fand ich super. Seeehr lesenswert.

4

Die Hauptfigur des im Jahr 2014 spielenden Buches ist der 19jährige Jannes Kohlmeyer, der mit 42 Ziegen und 357 Heidschnucken im Gebiet der Lüneburger Heide unterwegs ist. Er sucht seinen Platz zwischen Tradition und Moderne und befindet sich zwischen Angst und Wut. Aber nur vordergründig geht es um das Schäfer- und Familienleben. Donner rollt von dem Truppenübungsplatz in Form von Gewehrgeräuschen, auch der Waffenhersteller Rheinmetall hat sein Werk dort. Auch die verdrängte Existenz eines ehemaligen KZ-Außenlagers von Bergen Belsen, die aufkommende AfD, der Antisemit Herman Löns und natürlich der Wolf werden thematisiert. Dabei schreibt Markus Thielemann sehr bildhaft, teilweise poetisch, teilweise düster. Nicht jeder Strang wird bis zum Ende geführt, es bleibt dem Lesenden überlassen, Gedanken zu Ende zu bringen. Ein lesenswertes Buch, dessen Donner noch lange in mir nachhallen wird.

5

Wer hat Angst vorm bösen Wolf?! 🐺🐑❣️

Die Lüneburger Heide - ein trügerisches Idyll?! Hirte Jannes ist 19 und die Hauptfigur eines vermeintlich uncoolen, altbackenen Dorfes: "Die Geräusche des Stalls beruhigen ihn. Das von Wand zu Wand rollende Blöken, das wie von einem Regler hochgedreht anhebt, sobald er eintritt, Strohrascheln, das Surren der Halogenlampen, irgendwo kracht ein Horn gegen ein Holzgatter. Das Brummen der Lüfter. Der bekannte Geruch der Schnucken nach feuchtem Stroh und Mist, die Wärme der Tiere." Markus Thielemanns Sprache lässt uns die Heide fremd und vertraut zugleich erscheinen, wenn er von einer „Sonne hell und wirkungslos“ spricht, ein Ort an dem „Böen sterbende Vegetation übers trostlose Braun der Landschaft blasen". Mich als Sprachliebhaberin macht er mit solchen Formulierungen rundum glücklich. Er erzählt von dem phantomartigen Wolf, der zwar Schafe reißt, sich dabei aber nie erwischen lässt. Eine absolut zeitgemäße Story, die die Ansiedelung des Wolfes durch die Politik verhandelt. „Vom Norden rollt ein Donner“ ist aber ebenso eine Geschichte über des Schäfers‘ dunkle Vergangenheit, die eine verwahrloste Streunerin ans Licht bringt, die zudem noch zu Jannes‘ Famile gehört und ihn heimzusuchen scheint. Die Vergangenheit scheint Jannes einzuholen - in Form von Visionen und Träumen. Immer wieder erscheint ihm auf der Heide und im Wald eine Frau. Das führt Jannes zu einer Ahnung - könnte die geheimnisvolle Rose, von der seine demente Großmutter oft erzählt, eine völlig reale Person sein?! Alle wollen ihn gesehen haben, aber keiner kann’s beweisen - der Wolf treibt nicht nur auf den Weiden sein Unwesen, sondern auch in den Köpfen der Menschen. So nimmt Jannes’ Großvater geradezu zwangsneurotische Züge an in seiner Besessenheit vom Wolfe und geht gar auf Hilfesuche beim zugezogenen neurechten Nachbarn, der sich eigentlich lieber der Pflege seines Brauchtums widmet in Form von Sonnwendfeiern. Das führt zu Spannungen in der bedächtigen Heide. Heimatromane standen mal in voller Blüte der Literaturszene. Leider gelten sie seit Zeiten des Nationalsozialismus nicht nur als Trivialliteratur, sondern vielmehr als anrüchig. Schade, denn Markus Thielemann beweist, dass sie vielmehr als eine sentimentale Verklärung eines augenscheinlich harmonischen Lebens auf dem Lande sind. Schafft er es den klassischen Heimatroman wieder modern werden und aufleben zu lassen?! Ein ganz klares Ja von mir! „Vom Norden rollt ein Donner“ überzeugt mit seiner politischen Kraft. Anhand kraftvoller Poesie überzeugt Markus Thielemann auch die die letzte Leserin, dass Schweigen und Verdrängen keine Optionen sind. Er entfaltet sprachgewaltig einen Anti-Heimatroman. Der Autor bringt aus einer falschen Idylle die Geister der Vergangenheit ans Licht - und beschenkt uns mit einer Gegenwartsliteratur, die lebendiger nicht sein könnte - ganz fernab des Heimatkitsches. Absolut lesenswert, nicht nur im Norden!

4.5

Absolut zu Recht auf der Shortlist zum diesjährigen Buchpreis! Eine einzigartige, gleichwohl phantastische Geschichte, meisterhaft, flüssig und spannend erzählt. Einen halben Stern Abzug auch nur, weil mir ein paar Bücher dieses Jahr noch ein kleines bisschen mehr geflasht haben😉

5

Was für ein wort- und bildgewaltiger Roman! Ich habe die Heide und ihre Bewohner so deutlich vor mir gesehen. Ich bin begeistert! Und ohne spoilern zu wollen: ich glaube durchaus daran, dass es Orte gibt, die nicht vergessen, die Erinnerungen in sich tragen. Mich t dieses Buch einfach mitgerissen. Leseempfehlung!

4

Das Buch erzeugt eine düstere Stimmung, aber hat mich in den Bann gezogen und ich wollte erfahren, wie es dem 19jährigen Schäfer Jannes und seiner Familie in der Heide ergeht. Mich hat die Sprache des Romans überzeugt, die mystischen Anteile fand ich etwas verwirrend, aber auch spannend.

4.5

Düster „Vom Norden rollt ein Donner“ stand auf der Shortlist zum deutschen Buchpreis 2024 und klang spannend aber auch anspruchsvoll. Markus Thielemann erzählt darin von einer Schäferfamilie in der Lüneburger Heide. Jannes, 19 Jahre, Schäfer in der 3. Generation soll den elterlichen Hof übernehmen. Seine Berufswahl war quasi alternativlos. Auch wenn er die Tiere und die Natur liebt, hat er immer gewusst, was von ihm erwartet wird und sich gefügt. In der Geschichte schwingt die ganze Zeit eine Bedrohung mit, die Stimmung ist düster, der Wolf ist zurück und eine Bedrohung für Mensch und Vieh. Der Autor spricht viele Themen an, mit denen ich nicht gerechnet habe. Natürlich werden wir Leser mitgenommen in den Alltag eines Schäfers, der vielfältiger und anstrengender ist, als ich es mir vorgestellt hatte. Es geht in diesem Buch aber auch um Demenz, rechtes Gedankengut im ländlichen Raum und eine finstere Vergangenheit im oft romantisierten Naturidyll. Thielemann schreibt unglaublich atmosphärisch. Das „Böse“ wabert unter der Oberfläche, ohne wirklich sichtbar zu werden. Ich fand diesen Blick aus den Augen einer jungen Generation durch den Protagonisten Jannes stark . Er sieht diesen Widerspruch zwischen wirtschaftlich notwendiger Heideromantik ( Touristen, Hochzeiten, Kutschfahrten) und Realität, einem Leben, dass kaum das Nötigste abwirft mit viel Arbeit , Bürokratie und einer Politik, die fernab von den Ängsten und Sorgen der Menschen den Wolf wieder ansiedelt und die Schäfer dann alleine läßt. Kann er einfach weitermachen? Mit Jannes Visionen, die dem Buch noch ein paar Gruselvibes mitgeben hatte ich so meine Probleme. Trotzdem verstehe ich warum der Autor zum Stilmittel des magischen Realismus gegriffen hat. Damit öffnet er praktisch eine Tür in die Vergangenheit, die Munitionsfabrik mit seinen Zwangsarbeiter:innen ( heute Rheinmetall) und eine Außenstelle des KZ Bergen Belsen liegen mitten in seiner Heimat, doch die drängenden Fragen werden mit Schweigen beantwortet. Thielemann stößt in seinem Roman viele Gedanken an. Es war ein Buch über das man sprechen möchte und das sicher noch eine Weile nachhallt.

4.5

Rätsel in der Heide

Dieser Roman hat Highlight-Potenzial - eine Überraschung war er allemal. Denn im ersten Drittel mäanderte der Text um den 19 Jahre alten Schafhirten Jannes und seine Familie in der Lüneburger Heide zwar atmosphärisch aber auch sehr ruhig dahin. Ich hatte jedoch das Gefühl, dass Markus Thielemann sich dann so richtig warmgeschrieben hatte, denn die erzählerische Gestaltung wurde immer mehrschichtiger, aufreibender und anspruchsvoller. Jannes‘ Gedanken taumeln zwischen Unbehagen, Unsicherheit und Neugier, sodass man auch als Leser wachsam bleiben muss. Doch vor wem? Dem Wolf, den Menschen oder doch etwas anderem, das sich im Wald bewegt? Jeder Satz saß wie ein Paukenschlag; nicht alles wurde auf dem Silbertablett serviert und trotzdem hat man das Nötige verstanden. Markus Thielemann hat hier ein wirklich stimmiges Paket abgeliefert, das mich so gut wie vollständig überzeugt hat.

4

Ein wunderbar atmosphärischer Roman, der einen Unheil, eine bedrohliche Lage suggeriert, die irgendwo unter dem Text versteckt zu sein scheint. Sehr authentisch präsentiert, Lokalkolorit und eine Verbindung zur Vergangenheit.

4

Jannes ist 19 Jahre alt, hat gerade das Abi hinter sich und seine Arbeit auf dem elterlichen Hof übernommen: Schäfer in der Lüneburger Heide. Während seine Schulfreunde zum Studieren weggezogen sind, hat Jannes fast ausschließlich Kontakt zu seiner Familie. Seine Großmutter ist schwer dement, sein Vater, erst Anfang 50, scheint auch eine beginnende Alzheimererkrankung zu bekommen, doch niemand redet mit Jannes darüber und so ist er mit seinen Zukunftsängsten alleine. Dazu kommt ein weiteres Problem: Der Wolf ist zurück in der Heide und es gibt im Umkreis regelmäßige Wolfsrisse. Doch wie damit umgehen, wenn schon innerhalb der Familie Uneinigkeit darüber besteht? Ich mochte das Buch und den Hauptcharakter sehr und fand auch die Wolfsthematik hochinteressant. Völkische Siedler werden auch in dem Buch erwähnt, das Thema hätte ich mir noch ausführlicher gewünscht, aber das ist auch schon die einzige Kritik, die ich an diesem lesenswerten Buch habe

5

Drei Generationen leben auf dem Hof in der Lüneburger Heide. Großvater Wilhelm, Vater Friedrich, Jannes der Sohn und seine Mutter Sibylle. Tagtäglich treiben sie die Schafe auf die Heide, kümmern sich um deren Pflege und Zucht. Zwischen dem täglichen Einerlei bahnt sich aber das Düstere seinen Weg… Vater Friedrich hat immer öfter Erinnerungslücken und als in der näheren Umgebung immer wieder Wolfsrisse gemeldet werden, macht er den Kampf gegen den Wolf zu seinem persönlichen Feldzug gegen das Vergessen. Obwohl Jannes gern Schäfer ist, hat er auch mit Dämonen zu kämpfen. Hin und her gerissen zwischen seinen Pflichten im Familienbetrieb und dem Freiheitsgefühl, das er verspürt, wenn er mit den Schafen auf der Heide ist, muss er mit dem Spott seiner Freunde zurechtkommen, die nur bedingt verstehen, wieso er tut, was er tut. Dann hat auch er plötzlich Aussetzer, die er nicht einordnen kann, sieht eine verwahrloste Frau, die nicht da sein kann oder doch? 🐏 Das Erscheinen der geheimnisvollen Frau passt für mich perfekt in die Handlung, die durch die kraftvolle und poetische Erzählweise getragen wird. Ich konnte mir die Landschaft und das Leben auf dem Hof sehr gut vorstellen. Aufsteigender Nebel, Kälte und Nässe konnte ich förmlich spüren. Zwischen den Zeilen immer eine unterschwellige Anspannung, eine ständig lauernde Gefahr, haben ein Gefühl der Beklemmung in mir ausgelöst, das ich während des Lesens nur schwer abschütteln konnte. Markus Thielemann gelingt es, mit dieser tiefgehenden Familiengeschichte wichtige Gesellschaftsthemen aufzugreifen. Unterschiedliche Blickwinkel hinsichtlich der Wolfspolitik (Artenschutz vs. Existenzängste), der Aufarbeitung deutscher Geschichte und dem Umgang mit Heimatschutz bereichern den Roman zusätzlich zur wirklich spannenden Handlung. Dieses Buch konnte mich sprachlich und inhaltlich absolut überzeugen und stand meiner Meinung nach zu Recht auf der Nominierungsliste für den Buchpreis 2024!

5

Kaum ein Beruf wird so mit Idylle in Verbindung gebracht wie der des Schäfers. In der Literaturgeschichte wurden Schäferinnen und Schäfer romantisiert, wie die barocke Pastoralpoesie bzw. Schäfterdichtung beweist. Auch Shakespeare hat mit “Wie es euch gefällt” ein Schauspiel dieser Gattung geschrieben. Maler haben Schäferinnen und Schäfer auch schon immer gerne zum Motiv ihrer Bilder gemacht. Die Schäfer*innen in der Lüneburger Heide sind quasi ein lebendiges Kulturgut. Sie betreiben ein uraltes Handwerk, die Arbeit mit den Heidschnucken ist “Landschaftspflege”, wie es im Buch “Von Norden rollt ein Donner” (C.H.Beck) von Markus Thielemann heißt. Das Buch stand auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises und ist der vielleicht größte Überraschungserfolg des deutschen Literaturjahres 2024. Die Presse hat ihn einen “Anti-Heimatroman” genannt. Aber warum eigentlich “anti”? Die Handlung beginnt im Herbst 2014 und dreht sich um den jungen Ich-Erzähler Jannes Kohlmeyer, der als Schäfer im Familienbetrieb im Naturpark Südheide in Niedersachsen lebt. Jannes ist gefangen im Netz seiner eigenen Wurzeln. Obwohl er erst neunzehn Jahre alt ist, ist seine Zukunft schon vorher bestimmt: Er wird wahrscheinlich den Betrieb seiner Eltern und Großeltern übernehmen und Heideschäfer werden. Das Thema der Determination durch die eigene Herkunft ist unterschwellig sehr präsent. “Muss der ja selbst wissen, ob der sich das antut?", sagt sein Großvater, der auch von sich sagt: “Ich war Schäfer von Geburt an, so war das eben.” (S. 104). Aber hat Jannes wirklich eine Wahl? Die Opfer, die eine Entscheidung gegen das elterliche Milieu für Jannes bedeuten würden, sind übermenschlich groß. Haus und Hof müssten aufgegeben werden, ein neues Leben mit anderem Beruf angefangen. So, wie es Jannes’ ältere Schwester gemacht hat. Aber Jannes ist nun mal eben schon ein Schäfer und ein Schäfer in der Stadt? Undenkbar! Jannes mag seinen Beruf auch, das ist es gar nicht. “Erst mal mach ich das jetzt.” (S. 102) sagt er zu der Reporterin, die ihn für die Heideschäfer-Doku interviewt. Die Ruhe in der Natur und bei den Tieren, die Vielseitigkeit und dass man alles in einem eigenen Tempo machen kann, das liebt der junge Mann an seinem anachronistischen Beruf. Ein zweites großes Thema des Romans ist die NS-Vergangenheit der Heide. Jannes lebt zwar in der Natur, aber auch in unmittelbarer Nähe zum ehemaligen Konzentrationslager Bergen-Belsen - und zum Rüstungskonzern Rheinmetall. Jannes’ angegriffene Psyche ist ein Sinnbild für die Schrecken der generationalen Traumata, die diese junge Generation (Jannes ist 1995 geboren) verarbeiten muss. “Oma, denkt er da, warum hast du mir diesen Kopf vererbt?” (S. 265) Ich will nicht zuviel verraten, aber vor allem dieser “düstere” Aspekt der Handlung wurde vom Autor auf beeindruckende und sehr ungewöhnliche Weise umgesetzt. Durch die fast schon naturalistische Erzählweise wird eine Atmosphäre erzeugt, die beklemmend und realistisch zugleich ist. Der Naturalismus Thielemanns vermischt sich mit großer Metaphorik und heraus kommt ein literarisches Kunstwerk. Der böse Wolf, der die Herden bedroht - ist er nur ein Sinnbild oder real? Nur durch die Lektüre werden es die Lesenden herausfinden - oder am Ende gar nicht? Ein Roman, der trotz der schweren Thematik ungeahnte Wellen der Begeisterung in meinem Inneren geschlagen hat. Ich habe mich selbst komplett vergessen bei der Lektüre. War in Jannes’ Zimmer (wo ich den Staub unter dem Klebestreifen zur Kenntnis genommen habe), bei den Schnucken und Hunden, habe Heidekraut gerochen und den Sturm an Halloween gespürt, habe Schneeflocken im Januar leise rieseln sehen und die komischen Geräusche der Drohne vom Filmteam gehört, die Bedrohung durch den Wolf gesprüt. Und dann wollte ich unbedingt ein Hanuta mit “Herr der Ringe”-Stickern aus der Alufolie wickeln und mit Jannes auf der Parkbank sitzen, während sein Vater Anfang der 2000er Jahre in Jannes’ Erinnerung seine Begeisterung für die Werke von Tolkien und Peter Jackson auspackt. Dieser Roman ist so viel mehr als die Summe seiner Teile, aber ich möchte trotzdem nochmal festhalten, was ich alles hier drin gefunden habe: Einen Coming-of-Age-Roman eines Angehörigen der frühen Generation Z (ich hoffe, das ist richtig), der - ungewöhnlich für das Genre - komplett ohne Liebesgeschichte und erotische Szenen auskommt. Wir wissen nicht mal etwas über die sexuelle Orientierung von Jannes. Darin eingewoben sind die Themen: Heimat, Herkunft und soziale Verantwortung, Familie und Freundschaft, NS-Vergangenheit und deren Aufarbeitung, regionale Literatur- und Wirtschaftsgeschichte, mentale Gesundheit, Landwirtschaft und deren Sonderform in einer besonderen Landschaft - Heideschäfertum als Kulturform und Touristenmagnet. Umweltschutz und Tierschutz. Und letztlich: Die Schönheit und Unbarmherzigkeit der Natur. Stundenlang könnte ich noch über dieses wunderbare Buch reden und ich bin mir sicher, Literaturwissenschaftler*innen werden es in der Zukunft mit Sicherheit zum Gegenstand ihrer Arbeiten machen. Unbedingt lesenswert.

Post image
5

Ein großartiges Buch , unbedingt lesen!

4

Die dunklen Familiengeheimnisse und das Problem der Deutschen

In dem Roman lernen wir vordergründig den Beruf des Schäfers kennen und sehen, wie er sich über die Jahre in Deutschland verändert hat. Der Wolf hat sich seinen Weg zurück zu uns gesucht und während Tier- und Umweltschützer sich freuen, stehen die Viehhalter vor einem Berg aus Ängsten und finanziellen Unsicherheiten. Zwei Seiten krachen im Versuch einer Lösungsfindung teilweise lautstark aneinander und so manch einer schleicht sich mit in den Diskurs, um Ängste für sich auszunutzen. Die Fronten sind gnadenlos verhärtet. Mittendrin ein junger Schäfer, der den Beruf ausübt, weil man das in der Familie halt so macht und das ja auch irgendwie Spaß macht und trotzdem oft die Luft zum Atmen nimmt. Dazu kommen noch familiäre Spannungen und ein dunkles Familiengeheimnis bricht sich Bahn. Der Autor gräbt sich durch das Identitätsproblem der Deutschen und wie das darauf begründete nationalistische und rassistische Denken eben nicht mit Ende des zweiten Weltkrieges ausgemerzt wurde. Er zeigt den schmalen Grat zwischen Heimat und falschem Besitzanspruch vor allem im ländlichen Raum. Insbesondere der Schluss ist ein beeindruckender Fingerzeig auf ein verqueres und fatales Bild des romantischen Deutschland, sein altes Handwerk und seine Menschen. Mir gab dieses Buch sehr viel und hatte mich am Ende nochmal ordentlich durchgerüttelt. Insbesondere im aktuellen politischen Kontext gelesen bereitet diese Geschichte ordentlich Bauchschmerzen.

4

Es hallt nach

Obwohl augenscheinlich wenig passiert, habe ich das Buch in Gedanken immer bei mir getragen. Wir begleiten einen 19jährigen, sehr schweigsamen, in sich gekehrten, jungen Hirten in dritter Generation. Der Wolf ist in die Lüneberger Heide zurückgekehrt, doch ist es wirklich so oder ist er nur ein Sinnbild für den Mensch? Diese Frage wirft sich meiner Meinung nach in diesem Buch auf- es ist meine Interpretation. Die Sprache des Buches ist phantastisch, sie wirkt nach. Dieses Buch, die Bilder, die Sprache und die Geschichte werden mich wohl noch eine Weile begleiten. Dieses Buch muss verdaut werden und kann je nach eigener Lebenssituation unterschiedlich aufgefasst werden. Hatte was ☺️.

4.5

… und der böse Wolf.

Ich muss sagen, dass ich dieses Jahr die Nominierungen auf der Longlist wirklich super lesbar finde. Zumindest die, die ich gelesen habe. Aber jetzt zu dem Buch. Ich war und bin eigentlich immer pro Wolf eingestellt gewesen, aber das Buch macht wirklich nachdenklich! Was macht die Angst mit einem Tierhalter, wie verändert man sich, wenn hinter jeder Ecke Unheil lauern kann. Ohne Wertung, welches Tier mehr Schutz verdient?! Zusätzlich gibt es Informationen rund um die Region (damals- heute), die sehr deutlich kritisch, aber ohne Zeigefinger sind.

3

Dichter, atmosphärischer Roman

Die Wolfsthematik hat mich bei diesem Buch sofort angesprochen, und dass das Buch auch noch auf der Shortlist des deutschen Buchpreises stand, tat sein übriges. Anfangs hatte ich etwas Schwierigkeiten in das Buch reinzukommen aber mit der Zeit wurde es zunehmend spannender. Leider verlor sich diese Spannung stellenweise wieder in Landschaftsbeschreibungen, die zwar schön zu lesen waren aber der Handlung keinen wirklichen Mehrwert boten. Jannes, der Protagonist der Geschichte blieb für mich farblos und distanziert, genauso wie die übrigen Figuren. Man erfährt zwar etwas über sein Innenleben aber es bleibt mir persönlich immer etwas zu oberflächlich. Seine Begegnungen mit der Hexe haben mich dafür aber restlos begeistert. Diese Szenen werden von dem Autor so eindringlich beschrieben, dass mich regelrecht fröstelte aber sie mich auch gleichzeitig weiterlesen ließen. Alles in allem ein solider Roman, der stellenweise etwas langatmig daher kommt, dafür aber mit seinem Schreibstil, seiner Atmosphäre und vor allem seinem Ende punkten kann.

5

Dieser düstere Heimatroman mit fantastischen Elementen ist mein erstes Lesehighlight in diesem Jahr!

Das hätte ich mir eigentlich nicht vorstellen können, denn Übernatürliches und viele Naturbeschreibungen sind eigentlich so gar nicht meins. In diesem Buch ist für mich aber alles stimmig. Markus Thielemann schafft es, mit seinen Worten eine unglaublich dichte und z. T. gruselige/übersinnliche Atmosphäre zu erschaffen. Man ist direkt in der kargen und gleichwohl wunderschönen Lüneburger Heide und dem kleinen Dorf in Niedersachsen. Wir begleiten Jannes Kohlmeyer und seine Familie, die bereits seit mehreren Generationen als Schäfer ihren Lebensunterhalt verdienen. Aktuell wird ihre Existenz durch den Wolf bedroht, der sich in Niedersachsen wieder ansiedelt. Dadurch entstehen im Dorf neue Konflikte. Auch in der Familie werden Probleme nicht angesprochen oder schwelen über Jahrzehnte und Generationen unaufgearbeitet im Hintergrund mit. Es werden wirklich viele Themen angerissen und nicht immer bis zu Ende ausgeführt (Wolf, Alzheimer, Neonazis, Generationentraumata, die deutsche Vergangenheit und unser Umgang damit). Es wirkt für mich aber nie überladen, da wir Jannes über einen längeren Zeitraum begleiten und sich das Leben nicht immer nur auf einem Schauplatz aufhält. Die offenen, unausgesprochenen Dinge spiegeln Jannes und seine Familie sehr gut wider und wie sie mit Konflikten und Problemen umgehen. Bei den übersinnlichen Visionen, in denen Jannes einer vermeintlichen Hexe begegnet, stockte mir beim Lesen der Atem. Ich habe mich gegruselt und konnte dennoch nicht aufhören. Zum Ende wird dieses Phänomen aber, wie ich finde, sehr gut aufgelöst. Ich selbst komme aus einem kleinen Dorf in Niedersachsen und empfand Thielemanns Buch als sehr authentisch. Daher absolute Leseempfehlung von mir!

5

Ein hochaktueller, wichtiger Roman! 💥

Kickt noch mal anders: Ich bin in der Lüneburger Heide aufgewachsen und kenne viele der beschriebenen Orte im Roman. Und ich erinnere mich noch genau an die ersten Sichtungen, die Diskussionen und Politik rund um die Rückkehr des Wolfs vor einigen Jahren.. 💭 Um was geht’s? Ende 2014, Jannes ist Schäfer in dritter Generation. Wie schon sein Vater und Großvater, treibt auch Jannes täglich die Schafe über die Heideflächen. Doch die Atmosphäre ist angespannt, denn der Wolf ist zurück in der Heide. Es mehren sich die Schafsrisse und mit ihnen auch die Konflikte im Dorf und sogar in Jannes Familie. Die Emotionen kochen hoch, die Stimmung kippt. Während völkische Siedler versuchen, die Rückkehr des Wolfs für ihre politischen Zwecke einzunehmen, stößt Jannes auf ein düsteres Geheimnis der Ortsgeschichte aus der NS-Zeit. Die Lüneburger Heide wird im Roman zur Projektionsfläche völkischer Ideen, die Tradition und Heimat idealisieren. Thielemann zeigt, wie rechte Gruppen die Rückkehr des Wolfs instrumentalisieren, um ihre eigenen Ideologien zu stützen und die Heide als „urdeutsches Idyll“ unter dem Deckmantel Heimatschutz zu verteidigen. Der Wolf, als Symbol für tief verwurzelte Ängste und Hass, wird dabei als fremde Bedrohung für das „deutsche Heideidyll“ dargestellt. Idylle und Gewalt koexistieren bereits seit über einem Jh. in der Heide und das wird auch im Roman deutlich: Rheinmetall, früher Munitionsfabrik und Zwangsarbeit, heute Rüstungskonzern. Das KZ Bergen-Belsen. Das 2018 identifizierte Außenlager Tannenberg – davor jahrzehntelanges Schweigen, zu späte Aufklärung und Erinnerungsarbeit. Und quasi direkt nebenan: Tourismus, der Heidschnuckenweg, Kutschfahrten durch die Heide. 🐑 Ein hochaktueller, wichtiger Roman. Düster, atmosphärisch, fesselnd. Mit einer leichten Prise magischer Realismus! Für mich steht dieser Titel zurecht auf der Shortlist des diesjährigen Deutschen Buchpreises!💥💥

Ein hochaktueller, wichtiger Roman! 💥
3

Was mich zuerst angesprochen hat, war das wirklich schöne Cover. Ich lese gern Romane mit Tiefgang, und obwohl das Thema eigentlich nicht ganz dem entspricht, was ich sonst lese, war ich neugierig. Die ersten 60 Seiten waren ehrlich gesagt ziemlich zäh – ich musste mich etwas durchkämpfen. Danach kam ein Spannungsbogen auf, mit einem Hauch von Krimi oder sogar Fantasy, der mich das Buch dann doch hat weiterlesen lassen. Trotzdem war das Buch insgesamt nicht meins. Die Grundstimmung ist durchgehend düster, fast schon bedrückend – mir persönlich war das auf Dauer zu viel. Es passiert nicht viel, viele Gespräche wirken belanglos, und die Figuren blieben mir eher fremd. Auch emotional konnte mich das Buch leider nicht erreichen. Gefallen hat der mir Schreibstil, der wirklich sehr detailreich und bildgewaltig ist. Das Ende hat mich sehr ratlos zurückgelassen.

4.5

Der 19-jährige Jannes ist Schäfer im Familienbetrieb im Süden der Lüneburger Heide. Das Auftauchen von Wölfen sorgt für Unruhe in der Familie, die durch die Demenz der mittlerweile im Pflegeheim lebenden Großmutter und der beginnenden kognitiven Probleme von Jannes' Vater ohnehin belastet ist. Und Jannes sieht beim Hüten der Herde auf der Heide immer wieder eine geheimnisvolle Fremde, die ihm das Leben zusätzlich schwermacht, obwohl oder gerade weil sie nicht ganz real zu sein scheint... Mir hat das Buch gut gefallen, auch wegen der stimmigen Landschaftsbeschreibung und weil der Autor den jungen Protagonisten gut einfängt. Allerdings ließ mich das Ende etwas rätselnd zurück (oder ich habe es einfach nicht richtig verstanden), daher ein halber Punkt Abzug, aber das ist auch eher eine persönliche Befindlichkeit.

2.5

Für mich, ein Buch ohne Aussagekraft

Ach herrje. Ein Buch der Shortlist des deutschen Buchpreises 2024 und ich frage mich wie es dort landen konnte! Das Buch wird beworben mit dem Thema "Der Wolf ist zurück in der Lüneburger Heide". Man hätte es auch mit "Die Oma ist dement", "Der Enkel ist orientierungslos" oder "Der Opa hat ein Geheimnis" vorstellen können. Der Wolf bekommt in diesem Roman genauso viel Platz wie viele andere Themen. Keines der Themen wurde m. E. ausreichend ausgearbeitet. Alle Themen werden gestreift, zusammen geklatscht, so dass für mich dieser Roman keine konkrete Aussage hat. Geschrieben ist es so mittel. Nicht schlecht, aber auch nicht süffig, dass man es flüssig weg liest.

3.5

Ein Roman, der für mich zunächst wenig Stimmung aufbaut, da der Autor am Anfang Beschreibungen durch Aufzählungen macht. Die Atmosphäre bleibt für mich dadurch distanziert. Der Schreibstil ändert sich im Laufe des Buches, als jedoch die Mystik mit der Hexe hinzukommt war es zwar spannend zu lesen, aber nicht nach meinem Geschmack. Die Themen, die beinhaltet sein sollten waren für mich zu oberflächlich angedeutet.

5

Die Bezeichnung "Anti-Heimatroman" trifft es ziemlich gut. Die Handlung entwickelt sich langsam und etwas behäbig, der Landschaft, in der sie spielt, entsprechend. Man wird in sie hineingezogen, steht mit Jannes und seinen Schafen zusammen auf der Heide, sieht, was er sieht. Die Unterscheidung, was Wahn ist und was Wirklichkeit, kann auch der Leser nicht fällen, und man merkt schnell, wie symbolhaft die Diskussion um die Wölfe eigentlich ist. Die übernatürlichen Elemente sind wahrscheinlich nicht jedermanns Sache, ebenso das langsame Erzähltempo, in dem eigentlich gar nicht viel passiert, ich finde aber, "Von Norden rollt ein Donner" ist ein sehr starkes Buch, besonders für ungemütliche Herbstabende.

3

Raue Wirklichkeit mit Wolf und Schafen gepaart mit Mystik und Beschaulichkeit

Erst nachdem ich den Autor Markus Thielemann beim Shortlist-Abend in Berlin erleben durfte, weckte sein Roman mein Interesse. Die Folge war natürlich, dass Schäfer Jannes vor meinem inneren Auge aussah wie der Autor. Das war dem Lesen nicht abträglich, vermutlich jedoch nicht im Sinne des Autors. Ich ließ mich also ein, auf das Setting einer Schäferfamilie in der Lüneburger Heide. Die Beschreibung von beidem, dem Schäfer-Dasein und der Heide, hatte etwas romantiersierendes aber gleichzeitig auch etwas sehr Raues. Ich wollte unbedingt dabei sein, inmitten dieser berühmten Landschaft, inmitten der Schafe. Der Wolf passte mir dabei gut ins Bild. Eine ähnliche Debatte um den Wolf gibt es in den Brandenburger Wäldern. Als Tierliebhaberin, die beruflich nichts vom Wolf zu befürchten hat, fällt es mir leicht, die Errungenschaft anzuerkennen, dass sich Wolfsrudel wieder in Deutschland heimisch fühlen. Aber gerade beim Lesen des Buches verstehe ich die Sorgen der Landwirte und Schäfer sehr wohl. Einfühlsam und wie mir scheint scharf beobachtet, beschreibt Thielemann die Menschen in seinem Buch. Die Kontroversen und Kompromisse, lassen selbst die ungehobeltsten Naturen symphatisch wirken. Erst nach und nach wird klar, dass Jannes unbewusst einem Familiengeheimnis auf der Spur ist. Dieses Geheimnis liegt wie ein Nebel über der ganzen Heide. Trotz einiger spannender Szenen, hatte ich aber Schwierigkeiten mit dem Buch. Die Sprache war bildreich und klug, daran lag es nicht. Aber das Lesen war so, wie man sich die Schäferei ausmalt - beschaulich und laaaangsam.

4

Insgesamt ein gutes Buch, nur es passiert sehr lange recht wenig. Das Setting und die Themen die vermittelt werden sind jedoch mit sehr viel Tiefe und Liebe zum Detail dargestellt. Vor allem das Lebensgefühl auf der Lüneburger Heide werden sehr gut als Snapschuss der damaligen Zeit sehr eindrucksvoll eingefangen.

3

„Es ist, als würden bestimmte Gedanken ihren eigenen Willen haben und aktiv daran mitwirken, immer wieder auszutreiben wie Unkraut.“ Familie, Natur, Übernatürliches - das schafft eine mystische Stimmung, aber es sind fast zu viele Themen, um sie alle greifbar zu machen.

4.5

Zuerst brauchte ich eine Weile, um so richtig reinzukommen, aber dann entfaltet der Roman seine Wirkung. Tolle Sprache, eindrucksvolle Bilder und ein spannendes und vielseitiges Porträt der Lüneburger Heide.

5

Markus Thielemanns Roman erzählt eine Geschichte von Tradition, Konflikt und der Last der Vergangenheit vor dem düsteren Hintergrund der Lüneburger Heide. Im Zentrum steht Jannes, ein junger Schäfer, der von Visionen einer vermeintlichen Hexe heimgesucht wird. Diese übernatürlichen Ereignisse belasten sein Leben, das ohnehin schon durch die angespannte Atmosphäre im Dorf belastet wird, zusätzlich ganz erheblich. Die Rückkehr der Wölfe in die Heide entfacht einen Brand der Konflikte. Die Auseinandersetzungen zwischen Naturschützern und Landwirten spitzen sich zu, während Jannes zwischen den Fronten steht. Der Autor schildert eindringlich, wie die Angst vor dem Unbekannten und die daraus resultierenden Spannungen die Gemeinschaft zu zerreißen drohen. Doch es geht in dem Buch nicht nur um Natur und Konflikt. Die Geschichte ist durchzogen von einer tiefen Melancholie und einer unausgesprochenen Schuld. Die Vergangenheit wirft ihre Schatten auf die Gegenwart und belastet die Familie. Die Figur der Hexe symbolisiert nicht nur die oben erwähnte Angst vor dem Unbekannten, sondern auch die dunkle Seite der Geschichte, die noch immer nachwirkt. Thielemanns Sprache ist dicht, atmosphärisch, mitreißend, die Beschreibungen der Heide sind so lebendig, dass man sie fast riechen kann. Der Roman ist ein fesselnder Mix aus Naturbeschreibung, Familiendrama und historischem Roman.

3

Gutes Buch über das Leben einer Schäferfamilie in der Lüneburger Heide

Eigentlich habe ich das Buch recht gerne gelesen. Das schwierige Leben einer Schäferfamilie in der Lüneburger Heide wurde sehr plastisch beschrieben. Teilweise wirkt es etwas dunkel und düster, passt also gut zu diesem November. Die Phantasien von Jannes fand ich ein wenig übertrieben. Dennoch ein gutes Buch. Den Hype, der um das Buch teilweise gemacht wird, finde ich übertrieben.

5

Jannes lebt zurückgezogen als Schäfer in der Südheide. Mit seinen besten Freunden aus Schulzeiten kann er nicht mehr viel anfangen und seine Familie macht ihm immer mehr Sorgen. Sein Vater scheint Gedächtnisprobleme zu haben und verbringt die Tage und Nächte vor dem Computer, um Wolfssichtungen zu recherchieren. Die Angst vor dem Wolf geht in der ganzen Gegend um, die Menschen fühlen sich von der Politik allein gelassen. Während sich Jannes Vater immer mehr in das Thema hineinsteigert, würde sein Großvater am liebsten kurzen Prozess machen. Währenddessen zweifelt Jannes auch noch an seinem eigenen Verstand, da er ständig beängstigende Visionen hat, welche nach und nach die düstere Geschichte der Gegend und seiner eigenen Familie aufdecken. Ein großartiges Buch über die Angst vor dem Fremden, unaufgearbeitete Geschichte in der westdeutschen Provinz und vererbte Schuld. Düster, gruselig und in einer unheimlich schönen, anschaulichen Sprache geschrieben. Das war auf jeden Fall eines meiner Lesehighlights dieses Jahr, ganz große Empfehlung!

3.5

"Von Norden rollt ein Donner" - Markus Thielemann (14in2025) "Sie schießen ihre Fotos von der Landschaft, die so lieblich blüht und strahlt in Rot und Violett, den Farben das Hämatoms, der nie verheilten Wunde." Jannes ist ein junger Schäfer der mit seinen Eltern und seinem Großvater auf einem Hof in der Lüneburger Heide lebt. Dort kümmert er sich mit seinen beiden Collies um all die vielen Schnucken. Aber das Geschäft ist mühsam... und dazu kommt noch, das der Wolf zurück in der Heide ist. Die Städter freuts, den Bauern ist er ein Graus. Nach einer trinkstarken Halloween Nacht erlebt Jannes immer wieder Besuch in der Heide. Eine Frau mit kaputten Mantel und Rosenblättern, die da ist und sich von weitem zeigt. Jannes denkt er wird verrückt, aber am Ende ist es nur die Rache einer Frau, die Rache eines Unglücks, die Rache eines Hämatoms einer ganzen Region, welches nicht heilen will. Ich bin mir unsicher. Grundgedanke ist gut, aber irgendwie kam ich nicht ganz rein. Auch wie Jannes bin ich immer wieder weggenickt und wusste am Ende nicht mehr was wahr ist, was ich wirklich gelesen habe oder nicht. Ich kann mich nicht ganz entscheiden. 3,5⭐️ von 5⭐️

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4

Atmosphärisch in verschiedenen Schattierungen

Einerseits ist das Buch in weiten Teilen sehr "norddeutsch" - Es wird in der Familie kein Wort zuviel gesprochen. "Jo, muss ja". Man hört es beim lesen, man sieht die Kargheit des Landes und gleichzeitig deren Schönheit. Manchmal wünscht man sich mehr, aber das wäre nicht stimmig, also geht man mit. Andererseits sind da noch Jannes' Begegnungen der übernatürlichen Art. Das hätte schief gehen können, aber es geht nicht schief. Es passt in die Handlung und es hat mir teileweise eine Gänsehaut verpasst. Faszinierend! Ich würde das Buch weiterempfehlen.

4.5

Wow, was für eine Geschichte. Vorab: hier muss ganz schön aufmerksam gelesen werden, denn einiges verbirgt sich unter der Oberfläche. Gleichzeitig bietet der Roman einiges an Interpretationsspielraum, da er manches nicht abschließend aufklärt. Das tut der grandiosen Geschichte jedoch kaum Abbruch. Mir hat die Atmosphäre, dieses Düstere, leicht Bedrohliche, sehr gut gefallen. Ebenso wie der Bezug zu wahren Begebenheiten und aktuellen Debatten. Das Werk ist sicherlich ein Beitrag zur Erinnerungskultur. Für mich auch ein sehr gutes Beispiel für transgenerationales Trauma und Fremdenfeindlichkeit.

4

Mein erstes Shortlist-Buch ever. War auch super zu lesen und die Bezeichnung Anti-Heimatroman trifft es perfekt. Die Atmosphäre der Heide, die Flora, das Wetter.. Und dazu der Wolf, der das Leben dort bedroht. Ich hätte mir mehr, ja, Biss, gewünscht. Nicht nur beim Wolf, auch bei der Thematik Rechtsr@dikalismus. Er ist sehr präsent, unterschwellig in Gedichten, Geschichten und Einstellungen, aber auch offen in Symboliken und Aussagen. Aber trotzdem hatte ich ihn mir schärfer vorgestellt, offenkundiger. Nichtsdestotrotz sehr lesenswert!

2

Ich hatte mir so viel mehr von diesem Buch versprochen. Sprachlich ist Markus Thielemann ein wahrer Jongleur und die Wolfsproblematik hat mich extrem angesprochen. Aber was macht er daraus? Immer wieder seitenlanges Ist-da-jetzt-ein-Wolf-oder-nicht. Die Kontroverse für oder gegen das Tier bleibt auf der Strecke. Zahlreiche Themen (Fremdenhass, Zwangsarbeit, völkische Gruppen, AfD) werden nur angerissen bleiben aber auf der Strecke. Mir war das viel zu wenig. Die Demenz der Oma und die Wahnvorstellungen des Protagonisten nehmen für meinen Geschmack viel zu viel Raum ein. Ein düsteres, für mich unbefriedigendes Werk.

4

Die Thematik hat mich sehr interessiert. Vor allem der Bezug vom völkischen Brauchtum und die Ausbreitung rechter Strukturen im ländlichen Raum. Probleme hatte ich mit der literarischen Umsetzung der generationalen Traumata seitens der Großeltern. Die Beschreibungen waren mir persönlich zu abstrus.

Die Thematik hat mich sehr interessiert. Vor allem der Bezug vom völkischen Brauchtum und die Ausbreitung rechter Strukturen im ländlichen Raum.

Probleme hatte ich mit der literarischen Umsetzung der generationalen Traumata seitens der Großeltern. Die Beschreibungen waren mir persönlich zu abstrus.
5

An diesem Buch kam ich zwangsläufig nicht vorbei - ich lebe in der Lüneburger Heide und habe sämtliche Orte dieses Romans vor Augen. Zwar spielt er konkret in der Südheide (um Celle herum), und ich wohne in der Nordheide (nähe Lüneburg), doch kenne ich auch die Gegend um Celle herum sehr gut, da ich dort im Außendienst häufiger unterwegs bin. Wer sich für die Areale der Lüneburger Heide interessiert, dem sei WIKIPEDIA empfohlen. Was haben wir hier vor uns? Einen Heimat-Roman, der jedoch keiner im strengen Sinne ist - und dann wieder doch. Für den Protagonisten Jannes (19 Jahre alt), bedeutet die Heide Heimat schlechthin; er hat sich, trotz seiner jungen Jahre, entschieden, in die Fußstapfen seines Großvaters Wilhelm, seiner Mutter Sibylle und seines (Stief)Vaters Friedrich zu treten und als Schäfer zu arbeiten. Gemeinsam verwalten sie den Schäferhof und treiben abwechselnd die Heidschnucken über die Heide. Doch gibt es zwei Themen, die sich in die Familie Kohlmeyer drängen; da ist zum einen eine beginnende Vergesslchkeit (vielleicht Demenz) des Vaters, welche die Familie nach der Erfahrung mit der schwerst dementen Großmutter (die im Heim lebt) fürchten. Und dann das wohl gefürchtetste Problem der Schäfer und Landwirte im Heidegebiet: Der Wolf ist wieder da. Der Leser begleitet Jannes bei der Familien-Bewältigung dieser Probleme, mit denen jeder anders umgeht. Der Zustand von Friedrich wird zunächst weitestgehend totgeschwiegen (in der Heide reden die Leute eh nicht viel), alle versuchen, ihn mit Aufgaben zu betrauen, bei der die Vergesslichkeit nicht unangenehm oder gar gefährlich wird. Zum Wolf stehen sie ebenfalls unterschiedlich, Opa will ihn erschießen, wo es nur geht (hat er doch in seienr Jugend bereits einen Wolf erlegt - in der Gegend als DER WÜRGER bekannt), Friedrich setzt auf Wolfszäune und Hüttehunde; Sibylle steht irgendwo dazwischen und Jannes hängt unschlüssig mittendrin. Eines Tages dann hat Jannes eine Begegnung mit einer Frau, von der er sich nicht sicher ist, ob sie echt ist, eine Erscheinung oder der Beweis dafür, dass er verrückt wird. Er vertuscht diese Begegnung, die sich bald wiederholt und versucht sie sich selbst in irgend einer Form zu erklären - kommt jedoch nicht weiter. Doch irgendwann reimt er sich - auch aus Äußerungen seiner Großmutter - immer mehr zusammen und stößt auf ein Geheimnis, ein Ereignis, welches ihn wirklich fast verrückt werden lässt…denn alles zusammen genommen spricht immer mehr dafür, dass die Erscheinung aus der Vergangenheit stammt. Mehr möchte ich hier nicht verraten. Ich habe diesen doch recht düsteren Heimat-Schauer-Roman sehr gern gelesen. Er ist dicht und sehr atmosphärisch gechrieben; man erfährt - auch als Heide-Bewohner -noch viel über die Heide, über die Vergangenheit der Heide und über die Menschen, die wirklich in der Heide leben. Für mich noch interessant und - wie ich finde - erwähnenswert: Ich höre gerade das Hörbuch LUPUS von Tibor Rode, welches das Thema Wolf und Mensch nochmal auf eine ganz andere Art betrachtet; dieses nur als Randnotiz. Für mich war dieses Buch ein weiteres Jahres-Highlight und bekommt von mir 5/5 Sternen. Ich empfehle es jedem, der etwas übrig hat, für wirklich gute Heimat-Romane und gute Geschichten. Eigentlich passiert gar nicht so viel - doch das, was passiert lässt einen das Buch nicht mehr aus der Hand legen - versprochen!

4.5

"Ihm kommt ein absurder Gedanke: Vielleicht ist es das Land, das ihm etwas sagen will, das ihm etwas antun will, vielleicht ist es die Heide." - Markus Thielemann, "Von Norden rollt ein Donner" Der 19-jährige Jannes ist Schäfer, in dritter Generation arbeitet er auf dem Hof seines Großvaters und führt fast täglich, bei jedem Wetter, gemeinsam mit seinen beiden Hütehunden die Heideschnucken und Ziegen über die Heideflächen. Sein Opa ist zu alt für diese Arbeit, seine Mutter kümmert sich um das Haus und die demente Oma im Altersheim, sein Vater hat seit ein paar Monaten "Aussetzer", die er nicht untersuchen lassen möchte, und so bleibt die meiste Arbeit an Jannes hängen. Die Situation spitzt sich zu, als der Wolf in die Heide zurück kehrt und sich die Ortsansässigen von der Politik allein gelassen fühlen. Während Jannes immer wieder einer mysteriösen Gestalt in der Heide begegnet, wendet sich sein Vater auf der Suche nach Hilfe an einen völkischen Siedler. Markus Thielemann packt in seinen Roman "Von Norden rollt ein Donner" sehr viele aktuelle und historische Themen, ohne ihn damit zu überfrachten - das ist für mich eine große Kunst. Durch den Protagonisten Jannes lässt er die junge Generation in der Landwirtschaft der Heide sprechen, die sich entscheiden muss, ob sie die Arbeit der Eltern und Großeltern fortführt oder nicht. Gleichzeitig trifft Jannes auf viel Schweigen, wenn er versucht, etwas über die Vergangenheit seiner Familie und der Gegend zu erfahren. Die Geschichte spielt zwischen Herbst 2014 und Sommer 2015, zu dieser Zeit wurde öffentlich nicht darüber gesprochen, dass in Unterlüß, dem Heimatdorf von Jannes, ein KZ-Außenlager des Konzentrationslagers Bergen-Belsen bestand, nicht einmal, nachdem 2013 ein Brief der ehemaligen Lagerinsassin Edith Balas in der örtlichen Zeitung veröffentlicht wurde. Auf diesen Brief stößt Jannes in einem der alten Familienfotoalben, er ist im Buch komplett abgedruckt, allerdings möchte ihm niemand in seiner Familie dazu etwas sagen. Auch der Wolf spielt in der Gegend eine große Rolle, er soll sich auf den nahegelegenen Truppenübungsplätzen angesiedelt haben, es wird von Viehrissen berichtet, gesehen hat ihn allerdings bislang niemand. Debatten über fehlende politische Unterstützung, Heimatschutz und Gewalt brechen sich Bahn, sie bieten einen Nährboden für Reden von "Früher war alles besser" und völkischem Siedlertum. Mich hat Markus Thielemann mit seinem oft als "Anti-Heimatroman" betitelten Buch sehr gefesselt, er zeigt historische Kontinuitäten und die Gefährlichkeit rechten Gedankenguts in der vermeintlichen Heimatidylle auf. Was nicht ganz meinen Geschmack getroffen hat, ist der magische Realismus, der mit der Frau, die Jannes immer wieder auf seinen Streifzügen durch die Heide antrifft, in den Roman Einzug hält. Andererseits wird diese Gestalt erzählerisch auch benötigt, um Jannes Blick in die Vergangenheit zu öffnen. "Von Norden rollt ein Donner" passt perfekt in den Herbst, das drohende Unheil lauert auf jeder Seite, egal, ob real oder eingebildet. Von mir gibt es eine Leseempfehlung!

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4.5

"Ihm kommt ein absurder Gedanke: Vielleicht ist es das Land, das ihm etwas sagen will, das ihm etwas antun will, vielleicht ist es die Heide."

Wir begleiten den 19-jährigen Hannes bei seiner täglichen Arbeit in einer Schäferfamilie, welche sich mit der herausfordernden Rückkehr des Wolfes in der Lüneburger Heide konfrontiert sieht. 3 Generationen gehen dieser Arbeit nach, wobei Entscheidungen, Handlungen und Ansichten manchmal nicht unterschiedlicher sein könnten. Gebannt habe ich Stück für Stück mitverfolgt, wie er mit den Schafen und Hunden draußen unterwegs ist und zugleich seine Familie versucht eine richtige Reaktion auf die Rückkehr des Wolfes zu finden. Aber schlussendlich ist das Problem so viel tiefgehender und weitreichender, das Jannes sich selbst schon kurzerhand mit einem nebligen Teil seiner Familiengeschichte konfrontiert sieht. Heimat kann etwas Wunderbares sein. Aber ist es das noch immer, wenn die Vergangenheit blutbefleckt ist und die Gegenwart sich ähnlich mitreißen lässt? Schlussendlich habe ich mir auch am Ende die Frage gestellt, die sich für mich stumm gestellt hat: Welche Nebelstücke gibt es in meiner eigenen Familiengeschichte? Dieses Buch wird als Anti-Heimatroman bezeichnet und so sehr ich als gebürtiges Nordlicht dieses Stück Land doch liebe, so hat es ganz gekonnt und ganz subtil Themen aufgreifen können, die in unserer schnellebigen Zeit keine Beachtung finden (dürfen/können). Klare Leseempfehlung!

4

Bedrückend

Ich war begeistert. Am Anfang des Buches hat es mich sofort hineingezogen in die Heide. In die farbenprächtige Düsternis und der Bedrohung durch den Wolf. Dann kam Rose. Sogar noch bedrohlicher hat es sich angefühlt... diese Ungewissheit. Sind es Visionen, was passiert mit Jannes und warum? Und irgendwo auf dem Weg, das herauszufinden, da hat es mich leider ein bisschen verloren dieses Buch. Die gleichen Streifzüge durch die Heide, die Begegnungen mit Rose, das Schweigen zuhause. Eine gefühlt endlose (ich weiß, das ist ungerecht aber so hat es sich angefühlt) Schleife bis das Buch dann ganz plötzlich vorbei war. Und ich noch Fragen hatte die unbeantwortet blieben...

4

Überraschend düster

Gerne habe ich Jannes in seinem Alltag als Schäfer in der Heide, mit den Tieren und bei der Aufdeckung des schwarzen Fleckes in seiner Familiengeschichte begleitet. Besonders mochte ich das unerwartet Düstere und Mystische, manche Stellen empfand ich sogar als richtig unheimlich. Die Spannung hat für mich ab der Mitte des Buches allerdings etwas abgenommen, auch wurden viele Dinge nur am Rande angedeutet. Sprachlich allerdings top.

5

Atmosphärisch dichter Schauerroman. Was für tolle Charaktere! Die Geschichte hatte mich sofort gepackt, absolute Leseempfehlung.

4

S chatten der Vergangenheit treffen auf Bedrohungen der Gegenwart.

Der 19jährige Jannis Köhlmeier ist Schäfer auf dem Hof seiner Familie in der Lüneburger Heide. Nach einer wilden Feier mit Freunden hat er eine Begegnung mit einer geisterhaften Frau, die ihn auf die Spur eines dunklen Familiengeheimnisses kommen lässt. Zur gleichen Zeit fühlt sich die Familie zunehmend bedroht vom wiederkehrenden Wolf. Der Großvater ist besessen von dem Tier, das bislang noch niemand gesehen hat, und holt sich Hilfe beim neuen Nachbarn, der als völkischer Siedler das Landleben für sich entdeckt hat. Wie bei einem nahenden Unwetter die dunklen Wolken und der rollende Donner immer näher kommen, wächst in diesem Buch die düstere und gruselige Spannung. Die Schatten der Vergangenheit treffen auf die Bedrohungen der Gegenwart. Auch wenn ich mit dem Ende nicht ganz glücklich bin, überzeugt dieses Buch durch seine poetische Sprache und die unheimliche Dramatik, die mich soghaft in die Geschichte gezogen hat.

4.5

🐏💜 Tolles Buch! 🐏💜 Der Wolf ist zurück in der Lüneburger Heide! Und mit ihm Angst, Wut und die Frage nach einem Umgang miteinander.

Nicht nur bei Jannes selbst, Vater Friedrich und Großvater Wilhelm kochen Emotionen hoch. Auch im Dorf sind die Risse, die Angst, die Wut auf Regierung und "die Naturschützer" aus der Stadt und der Wunsch nach einer schnellen Lösung omnipräsent. Schon bald wird die Diskussion um die Heimat und den nicht willkommenden Bewohner politisch, ideologisch, völkisch... Jannes' Oma Erika lebt mit einer Demenz im Pflegeheim. Jannes' Mutter opferte sich auf, machte sich gerade, Großvater wollte vom "Weiberkram" nichts wissen, zog sich aus der Affäre und hält seine Mauern um sich hoch. Vater Friedrich wird auch zunehmend vergesslich, doch Zeit für einen Besuch beim Neurologen bleibt keine, denn immer ist etwas zu tun. Er kontrolliert nahezu manisch die neuesten Nachrichten über den Wolf, hängt sogar eine Karte in der Familienküche mit Sichtungen und Rissen auf. Jannes lässt ihn nicht mehr gerne alleine in die Heide und macht sich zunehmend Sorgen um die Zukunft des Familienbetriebes. Doch in all den Sorgen ist ihm die Heide und die Schnuckenherde eine Konstante. Während seine Freunde ihren eigenen Berufsweg wählten, tritt Jannes in die Fußstapfen seiner Familie. Doch diese Familie in der Heide, in einer Siedlung die keine 80 Jahre alt ist, hat eine Geschichte, die Oma Erika in ihrer Demenz nicht mehr verdrängen, aber auch nicht formulieren kann. Was hat sie mit den Puschen und mit der Rose? Auch Jannes beginnt Gespenster zu sehen... Ein wirklich tolles Buch, mit einem wunderbaren Schreibstil! Ich mochte die nüchterne Sprache und die Berücksichtigung der regionalen Mundart 🐏 Die Karte zu Beginn ließ mich schon etwas erahnen, aber diese Tiefgründigkeit über viele Handlungsansätze hinweg (Familie, Familientrauma, Verantwortung, Demenz, Heimat und Heimatgeschichte etc.) hat mich tief beeindruckt! Auch die Mischung aus Nüchternheit gepaart mit spannenden, übersinnlichen Momenten hat mich überzeugt. Ein halbes Sternchen Abzug, weil ich mir am Ende doch ein Bisschen mehr Aufklärung über die realen Hintergründe gewünscht hätte (ohne jetzt hier etwas vorwegnehmen zu wollen). "Sie schießen ihre Fotos von der Landschaft, die so lieblich blüht und strahlt in Rot und Violett, den Farben des Hämatoms, der nie verheilten Wunde."

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