Schwebende Lasten
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Description
Nicht weniger als ein ganzes Leben erzählt Annett Gröschner mit der Geschichte der Blumenbinderin und Kranfahrerin Hanna Krause mit einer Wucht und Poesie, wie sie nur dort entstehen können, wo die Literatur wirklichkeitssatt ist.
Hanna Krause war Blumenbinderin, bevor das Leben sie zur Kranführerin machte. Sie hat zwei Revolutionen, zwei Diktaturen, einen Aufstand, zwei Weltkriege und zwei Niederlagen, zwei Demokratien, den Kaiser und andere Führer, gute und schlechte Zeiten erlebt, hat sechs Kinder geboren und zwei davon nicht begraben können, was ihr naheging bis zum Lebensende. Hatte später, nachdem ihr Blumenladen längst Geschichte war, von einem Kran in der Halle eines Schwermaschinenbaubetriebes in Magdeburg einen guten Überblick auf die Beziehungen der Menschen zehn Meter unter ihr und starb rechtzeitig, bevor sie die Welt nicht mehr verstand. Hanna Krause blieb bis zu ihrem Tod eine, die das Leben nimmt, wie es kommt. Ihr einziges Credo: anständig bleiben. Annett Gröschners Roman erzählt die Geschichte eines Jahrhunderts in einem einzigen Leben und gibt, mit Hanna, denen ein Gesicht, die zu oft unsichtbar bleiben. Ein Roman über das Ende des Industriezeitalters und seiner Heldinnen im Osten Deutschlands und über eine gewöhnliche Frau in diesem unfassbaren 20. Jahrhundert.
Von der Autorin des SPIEGELBestsellers "Drei ostdeutsche Frauen betrinken sich und gründen den idealen Staat" Vielfach ausgezeichnete Autorin Mainzer Stadtschreiberin 2025: Literaturpreis von ZDF, 3sat und der Landeshauptstadt Mainz Eine der wichtigsten Stimmen ihrer Generation
Book Information
Author Description
Annett Gröschner, geboren 1964 in Magdeburg, lebt seit 1983 als Schriftstellerin in Berlin. Bekannt wurde sie vor allem mit ihren Romanen "Moskauer Eis" (2000) und "Walpurgistag" (2011). Zuletzt erschien bei Hanser ihr gemeinsam mit Peggy Mädler und Wenke Seemann verfasster Bestseller "Drei ostdeutsche Frauen betrinken sich und gründen den idealen Staat" (2024). Annett Gröschner wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Großen Kunstpreis Berlin (Fontanepreis), dem Klopstock-Preis und dem Mainzer Stadtschreiber Literaturpreis von ZDF, 3sat und der Landeshauptstadt Mainz. Für ihren Roman Schwebende Lasten erhielt sie den Evangelischen Buchpreis und den Preis der LiteratTour Nord und war für den Deutschen Buchpreis nominiert.
Characteristics
4 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Posts
Eine grandiose Ouvertüre am Anfang des Buches. Da musste man gleich weiterlesen! Nüchtern erzählt nimmt man Teil an Hannas Leben, das noch in der Kaiserzeit beginnt und nach der Wende endet. Was sie alles erlebt hat, wird eindrücklich und berichtsmäßig erzählt. Mal humorvoll, oft traurig und erschütternd. Man liebt und leidet mit ihr. "Hanna Krause blieb bis zu ihrem Tod eine, die das Leben nimmt, wie es kommt." Die eine oder andere Begebenheit erinnerte mich an die Erzählungen meiner Großmutter und an selbst erlebtes. Auch die Beschreibung von Magdeburg im Wandel vor, während und nach dem Krieg war anschaulich geschildert, ebenso Stimmung der Menschen, deren Ergebenheit und Duldung, waren sehr gut dargestellt. Besonders gelungen fand ich die Beschreibungen von Blumen und Tierwelt am Anfang der Kapitel, die immer das Thema bzw die Stimmung unterstrichen. Tief ergriffen hat mich die schonungslose Schilderung der Bombardierung Magdeburgs. Der Schreibstil passte zur erzählten Lebensgeschichte. Knapp, schnörkellos, nüchtern, zweckmäßig. Und trotzdem gelang es xxxx damit Gefühle, Empfindungen, Bedürfnisse, Hoffnung, Duldung und Resignation auszudrücken. Ein bewegendes Werk und sehr guter Roman. Leseempfehlung - außergewönlich gut!
Tiefe Bewunderung für Blumenbinderin und Kranführerin Hanna Krause und unendliche Dankbarkeit, dass ich als 60 Jahre später Geborene ein völlig anderes Leben führen kann.
Annett Gröschner beschreibt auf ca. 280 Seiten das Leben von Hanna Krause, geboren und aufgewachsen im frühen 20. Jahrhundert in Magdeburg. Zunächst war sie im Blumengeschäft der halben Schwester tätig, zeichnete sich aus durch eine große Kreativität und Geschick beim Binden von Blumensträußen und Flechten von Kränzen. Etwas später lernte sie ihren Mann Karl kennen, der nichts zu bieten hatte, aber ihr eine neue Mutter Sibylle schenkte. Hannas Mutter starb viel zu früh. Mit Karl bekam sie sechs Kinder, nicht alle überlebten die harten 1940er Jahre. Mit Gründung der Republik wurde Hanna Kranführerin und behauptete sich in einer Männerdomäne. Die Lesenden begleiten Hanna noch bis in die Nachwendejahre, erleben ihr älter werden und den Zerfall - ähnlich dem der zahlreichen Blumensträuße, die zum Ende ihre Wohnung dominieren. Das Buch, der Schreibstil und die sympathische Hanna haben mich von Beginn an begeistert. Annett Gröschner schreibt sachlich und nüchtern, so wie Hanna eben war. Jedes Kapitel wird durch die Beschreibung einer Blume eingeleitet, die zusammen ein beeindruckendes Blumenarrangement ergeben. Ein tolles Buch über eine beeindruckende Frau, die ihre eigenen Bedürfnisse für andere immer hinten an gestellt hat. Leseempfehlung!!!
Ein beeindruckendes Buch, das ich in 2 Tagen verschlungen habe. Es hat in mir viele Erinnerungen an die Erzählungen meiner Oma ausgelöst sowie Kindheitserinnerungen an mein Leben in Plattenbauten, damals sehr begehrt, bis hin zu den Emotionen beim Mauerfall und den ersten Schritt in den " Westen ". Sehr beeindruckend, wie treffend die Autorin diesen langen Zeitraum auf so wenigen Seiten so aussagekräftig dargestellt hat. Ich habe so vieles wiedererkannt ! Wunderbar fand ich auch die Idee mit der Vorstellung der Blumen des Gemäldes zu Beginn der einzelnen Kapitel. Was haben diese Frauen damals geleistet und nie aufgegeben !!! Würden wir das heute noch schaffen? Eine unbedingte Leseempfehlung !!!
Ein großartiges Buch, in dem das Leben einer Floristin im 20. Jahrhundert erzählt wird. 1933: Hanna lebt in Magdeburg, sie heiratet Karl, die beiden bekommen sechs Kinder, von denen sie zwei wieder verlieren. Den Tod ihres einzigen Sohnes wird Hanna nie verwinden. Karl verliert bei einem Arbeitsunfall ein Bein, Hanna muss ihr Blumengeschäft aufgeben, sie wird Kranführerin, eine Tätigkeit, die sie bis zur Rente ausüben wird. Die jüngste Tochter Judith wird am Gründungstag der DDR im Jahr 1949 geboren und knapp 40 Jahre später wegen versuchter Republikflucht verhaftet. Mit 70 kehrt Hanna zu ihrer liebsten Beschäftigung, dem Blumenbinden, zurück. Blumen geben ihr die nötige Kraft, um Schicksalsschläge zu überleben und immer wieder weiterzumachen. Jedes Kapitel beginnt mit einer kurzen Information zu einer Blumensorte. Mehr Dialoge hätten mir gut gefallen, doch das ist mein einziger kleiner Kritikpunkt. Elke Heidenreich beschreibt das Buch sehr treffend: „Krieg und Verzweiflung, Liebe und Aufopferung, eine Figur wie Hanna nötigt uns Respekt ab und verbietet uns Privilegierten jede Jammerei.“ Ein Buch, das ich jedem ans Herz legen möchte.
Mein erstes Buch von der diesjährigen Longlist zum Buchpreis. Und was soll ich sagen, es hat mir richtig gut gefallen. Kein Highlight, aber sehr lesenswert. Erzählt wird, über Jahrzehnte, die Geschichte von Hanna. Aufgewachsen in Magdeburg und in der Hauptsache von ihrer Schwester und ihren Halbschwestern erzogen. So richtig liebevoll war der Umgang, vor allem zwischen den Halbgeschwistern, nicht. Aber eines macht Hanna richtig gerne, nämlich ihrer Halbschwester im Blumenladen helfen. Eifersüchtig reagiert diese allerdings auf die schönen Arrangements, die Hanna zusammenstellt. Später hat Hanna ihren eigenen Blumenladen, doch die Zeiten sind hart, der zweite Weltkrieg hält Einzug. Karl, ihr Mann ist ihr keine große Hilfe, er bringt mehr Grld in die Kneipe als nach Hause. Auch die zahlreichen Schwangerschaften sind wenig hilfreich und schmälern das Budget zusätzlich. Nicht nur um die Kinder zu ernähren, sondern auch um die Engelmacherin besuchen zu können. Der Roman besticht durch die Nähe zu Hanna. Zu ihrer Gefühlswelt und ihrer oft spröden, aber trotzdem liebevollen Beziehung zu ihren Kindern. Besonders beeindruckt hat mich ihre Stärke und ihre Kreativität immer irgendwie an Geld oder auch hilfreiche Gegenstände zu kommen. Wenn es hilft, wird eben auch der Beruf der Kranfahrerin erlernt, als der Gatte bei einem Arbeitsunfall ein Bein verliert und noch weniger als zuvor zum Lebensunterhalt beiträgt. Ihre Liebe zu Blumen wird besonders schön deutlich gemacht, in dem jedem Kapitel eine Blume vorangestellt und erklärt wird. Mir kam oft meine Oma in den Sinn. Auch sie musste einige Kinder ohne Vater satt bekommen, während der Kriegszeiten. Ich kann mir nur schwer vorstellen, wie hart das Überleben damals war. Ständiger Hunger und es fehlt an allem. Hanna begleiten wir bis zu ihrem Tod und erfahren so auch einiges über das Leben in der DDR und dem Aufwachsen ihrer Kinder und Enkel. Von mir auf jeden Fall eine Leseempfehlung! Ob es für den ersten Platz beim Buchpreis reicht? Bleiben wir gespannt!
Ein großartiges Buch, in dem das Leben einer Floristin im 20. Jahrhundert erzählt wird. 1933: Hanna lebt in Magdeburg, sie heiratet Karl, die beiden bekommen sechs Kinder, von denen sie zwei wieder verlieren. Den Tod ihres einzigen Sohnes wird Hanna nie verwinden. Karl verliert bei einem Arbeitsunfall ein Bein, Hanna muss ihr Blumengeschäft aufgeben, sie wird Kranführerin, eine Tätigkeit, die sie bis zur Rente ausüben wird. Die jüngste Tochter Judith wird am Gründungstag der DDR im Jahr 1949 geboren und knapp 40 Jahre später wegen versuchter Republikflucht verhaftet. Mit 70 kehrt Hanna zu ihrer liebsten Beschäftigung, dem Blumenbinden, zurück. Blumen geben ihr die nötige Kraft, um Schicksalsschläge zu überleben und immer wieder weiterzumachen. Jedes Kapitel beginnt mit einer kurzen Information zu einer Blumensorte. Mehr Dialoge hätten mir gut gefallen, doch das ist mein einziger kleiner Kritikpunkt. Elke Heidenreich beschreibt das Buch sehr treffend: „Krieg und Verzweiflung, Liebe und Aufopferung, eine Figur wie Hanna nötigt uns Respekt ab und verbietet uns Privilegierten jede Jammerei.“ Ein Buch, das ich jedem ans Herz legen möchte.
Das Portrait einer Frau, eine Lebensgeschichte - so selbstverständlich und doch so ungesehen. Jetzt könnte ich versuchen, dieses Leben zusammenzufassen, aber das tut die Autorin direkt zum Einstieg selbst, so dass ich einfach nur versuchen kann auszudrücken, wie diese Geschichte auf mich gewirkt und was sie ausgelöst hat. Ich habe mich einfach so hineingelesen in dieses Leben. Die ruhig erzählende Sprache lässt mich Hanna durch ein ganzes Jahrhundert begleiten. Eine Frau, die selbst gar nicht weiß, was sie alles geschafft hat in jeder einzelnen Lebensphase. Die in all der Zeit, in der sie die Last von Krieg, Verlust, Trauer und Verantwortung mit so viel Stärke getragen hat, immer auch das zarte schöne der Blumenwelt im Herzen trägt. Ich habe beim Lesen immer wieder an meine Oma gedacht, deren Leben ich rückblickend nun mit anderen, erwachseneren Augen sehe. Denn in Teilen scheint es auch ihr Leben zu sein, das Annett Gröschner hier beschreibt. Das Leben einer Macherein, die Krieg und mehrere politische Systeme miterlebt hat, Mutter war, immer hart gearbeitet hat, ihren Mann gepflegt hat und einem vermeintlich 'einfachen' Dasein fristete. Der Autorin ist hier wirklich etwas Besonderes gelungen. Sie verpackt Geschichte ohne Fingerzeig und erzählt das berührende Schicksal einer Frau, das es so wahrscheinlich tausendfach gegeben hat.
Hanna wächst schon unter erschwerten Bedingungen auf, seit dem 4. Lebensjahr ist sie Waise. Bei ihrer Ersatzfamilie entdeckt sie ihre Leidenschaft für Blumen, die sich dann durchs ganze Buch zieht. Sie verbringt eine gewisse Zeit in Berlin, kehrt zurück nach Magdeburg, lernt ihren späteren Ehemann kennen, kann sich ihren Traum vom Blumenladen erfüllen. Sie wird mehrfach schwanger, erlebt die schlimme Zeit im Zweiten Weltkrieg mit, die Nachkriegszeit und später die DDR. Mehr will ich gar nicht verraten. Der Roman hat mich einfach umgehauen. Das, für diese Zeit, völlig normale Leben einer einfachen Frau, die so viel Kraft hat und so viel ertragen musste. Sie hat meinen größten Respekt. Ich hab das Buch an einem Tag durchgelesen, konnte es einfach nicht mehr aus der Hand legen. Der Schreibstil ist toll, die Geschichte ganz wunderbar. Sie erstreckt sich über eine sehr lange Zeit, ohne das ich das Gefühl hatte, es wurde zu schnell erzählt. Ich bin zutiefst berührt und beeindruckt von diesem Roman, er wird mich nicht wieder loslassen und in meinem Herzen bleiben. Hannas hartes Leben steht hier vermutlich stellvertretend für ganz viele Frauen, die unsere Großmütter sein könnten. Eine Ode, an all die unsichtbaren Frauen, die einfach immer weiter gemacht haben und nie den Mut verloren haben. Unbedingt lesen!!!
Eine Lebensgeschichte. Es ist wirklich kein einfaches Leben, das Hanna Krause führt. Aber sie ist eine ausgesprochen starke Frau die so schnell nichts umhaut. Aber sie hat auch eine zarte Seele. Anders ist der Spagat zwischen der Floristin Hanna und der Lastkranführerin Hanna wohl auch nicht zu erklären. Ihre Geschichte führt von den 20ern über den 2. Weltkrieg, durch das Leben in der DDR bis zu deren Ende, in eindrucksvollen, manchmal kaum ertragbaren Bildern. Leseempfehlung!
Gesellschafts- und Familienroman mit vielen historischen Einschlüssen. Und ein Jahrhundertroman, wer es auch noch mag, ein Buch über starke Frauen die es trotz schlimmer Verluste schaffen neue Kraft zu schöpfen. Hannah wollte einfach nicht noch ein namenloses Grab, den 2 ihrer 6 Kinder konnte sie nicht begraben. Ihr Motto: "immer anständig bleiben". Jedes Kapitel beginnt mit einer Beschreibung über Blumen. Annett Gröschner erzählt in klaren und kurzen Worten – gerade mit so viel Gefühl und Emotion, dass man Hanna nahe ist, ohne zu viel theatralik oder Sentimentalität . Die Blumenmetaphorik zieht sich wie ein roter Faden durch ihren ihr Leben. Sie Fühlt sich den Blumen sehr viel näher als den Menschen. „Schwebende Lasten“ ist ein stilles, aber tief bewegendes Buch. Annett Gröschner gelingt es, Geschichte spürbar zu machen durch das Leben einer Frau, die niemand berühmt gemacht hat, deren Erfahrungen aber umso universeller sind. Für mich ist es genau das, was „Geschichte von unten“ leisten kann: Sie rückt jene ins Zentrum, die sonst nur am Rand auftauchen – und zeigt, wie viel Mut, Würde und Klugheit im scheinbar Unsichtbaren steckt
Blumenfrau behauptet sich auf.dem Kran und in sämtlichen Systemen.
' Hanna hatte es eilig, wie es in Berlin alle immer eilig hatten... .' Hanna Krause, eine Frau, ein Unikum, eine Zeitzeugin deutscher Geschichte. Fast ein Jahrhundert umspannendes Werk aber dabei so kurzweilig erzählt. Annett Gröschner schafft mich emotional in dieser Geschichte abzuholen, obwohl der Schreibstil teilweise sehr nüchtern daher kommt. Ich hatte das Gefühl, dass Hannas Leben so vorbeirauscht, vielleicht weil wirklich viel in ihrem Leben und ums sie herum im Leben und in Deutschland passiert. Als Frühwaise bahnt sie sich ihren Weg mithilfe oder trotz ihrer älteren und sehr eigenen Halbschwestern. Durchlebt Kriege und eine Ehe, bekommt ein Kind nach dem anderen, verliert Kinder, muss mehrfach abtreiben in einer Zeit, in der dies verboten und große Risiken für das eigene Leben birgt, behauptet sich in einem sozialistischen System, dem sie durchaus auch kritisch gegenüber steht. Und wie genial ist diese Frau in ihrer Berufswahl. Die passionierte Blumenbinderin, ein Beruf in den sie familiär hineinwächst, wird später zur ersten weiblichen Kranfahrerin und liest nebenher Thomas Mann. Ihr Leben lang verbringt sie in Magdeburg, von einer Stippvisite in Berlin angesehen, und den größten Teil im berüchtigten Ortsteil Knattergebirge. Meine geopolitischen Kenntnisse wurden damit erweitert. Man muss diese Frau einfach in ihr Herz schließen. Beim Lesen keimte mehrfach der Wunsch aus, Hanna jetzt vis-a-vis gegenüber zu stehen. Etwas von ihrer Energie, ihrer Schnodderigkeit, die trotz allem vor Lebenslust sprüht, einsaugen. Ein Buch, dass so vieles ist: Familienroman, Zeitgeschichte, feministische Lektüre, ohne aber den Anspruch zu haben, dies alles sein zu müssen. Ich habe mich regelrecht aufs Weiterlesen gefreut. Ich habe gelacht, aber auch sehr viel gelitten, ich habe mich in Ambrosius Bosschaerts Blumengemälde verliebt und am Ende ziehe ich meinen Hut. Vor Hanna Krause. ' Kein Mensch mehr zu hören. Was für ein Luxus. Sie war ganz bei sich.'
Annett Gröschner erzählt detail- und bildreich und gibt mir das Gefühl, direkt dabei zu sein.
Annett Gröschners Roman "Schwebende Lasten" hat mir die Begegnung mit einer besonderen Frau ermöglicht: Hanna Krause, Blumenladenbesitzerin und Kranfahrerin, Waise, Schwester, Ehefrau, Mutter von sechs Kindern und Überlebensspezialistin, deren Leben durch die historischen Ereignisse des letzten Jahrhunderts geprägt war. Der Roman hat mir auch die Begegnung mit einer Stadt ermöglicht: Magdeburg, das gar nicht so weit von meinem Heimatort entfernt ist und über dessen Geschichte ich bisher wenig wusste. Ausserdem hat mich der Roman mit einem Blumenstrauss beschenkt: Anemonen, Narzissen, Ringelblumen, Schwertlinien, Tulpen und vielen anderen. Blumen, die Annett Gröschner zu Beginn jedes Kapitels mit einer Auswahl von Eigenschaften vorstellt und die das Buch auf besondere Art und Weise strukturieren. Hanna muss oft in ihrem Leben pragmatisch handeln, wenn es darum geht, ihre Familie durchzubringen, auch wenn sie selbst gerade grosse Enttäuschungen oder Verluste verarbeitet. Trotzdem gibt es eine starke Poesie in ihrem Leben, die eng mit ihrer Liebe zu Blumen verbunden ist. Aus dieser Poesie wird eine besondere Leidenschaft, als sie 1938 den Auftrag bekommt, einen Strauss nach einem Blumengemälde zu binden. Eine fast unerfüllbare Aufgabe, weil es keine Zeit im Jahr gibt, zu der alle Blumen des Gebindes - die identisch sind mit den Blumen zu Beginn der Kapitel - auf einmal blühen. Trotzdem begleitet sie die Idee dieses Strausses über viele Jahre. Stark berührt hat mich Annett Gröschners Schilderung der Kriegszeit, besonders der Bombenangriffe auf Magdeburg, die Hannas Familie grosse Verluste erleiden lassen. Die Autorin stellt Hannas Erleben dieser Zeit mit einer Mischung aus Intensität und Nüchternheit dar, die grosse Betroffenheit mit dem unbedingtem Überlebenswillen einer Mutter, die für ihre Kinder sorgen muss, verbindet. Aber auch die späteren Kapitel über Hannas Leben nach dem Krieg fand ich sehr lesenswert, weil sie zeigen, wie Hanna ihre persönliche Nische im sozialistischen System findet und weiterentwickelt. Annett Gröschner erzählt detail- und bildreich und gibt mir das Gefühl, direkt dabei zu sein, wenn Hanna durch das Knattergebirge, das einstige Armenviertel der Stadt, läuft und Blumen verkauft, auf den Kran steigt und während der Wartezeiten Thomas Mann liest oder als Rentnerin ins Städtische Gewächshaus geht und sich dort über Nacht einschliessen lässt.

Linear wird das Leben einer Floristin erzählt, die in der DDR um die Familie zu ernähren Kranfahrerin in einer großen heute noch existierenden Metallfabrik wird, aber tief in ihrem Herzen immer Floristin bleibt bis zum Schluss. Der Erzählbogen spannt sich vom Beginn der Nazizeit bis über das Ende der DDR hinaus. Zweifellos ein literarisches Kleinod
Die Kapitel werden wunderbar mit Blumenportraits eingeleitet, man erfährt etwas über die Herzweiche, über Blütezeiten und ein geheimnisvolles Blumenstillleben aus dem 17. Jahrhundert. Nicht nur für Blumenliebhaber bereichernd!
Mit Hanna hoch hinaus – ein Roman, der den Überblick behält
Ich wusste nicht, dass mich ein Roman über eine Blumenbinderin, die später auf einem Kran hockt, so dermaßen aus der Bahn werfen würde. Und das meine ich im besten Sinne. Ich habe das Buch aufgeschlagen, ein bisschen reingeschnuppert – und zack, war ich mit Hanna Krause auf Zeitreise durchs 20. Jahrhundert. Ohne Fluxkompensator, aber mit richtig viel Gefühl und einem irren Blick von oben. Annett Gröschner schreibt, als hätte sie heimlich das Leben selbst interviewt. Und zwar nicht das aus dem Hochglanzmagazin, sondern das echte, kratzige, widersprüchliche. Dieses Leben, das einem mal Blumen, mal Betonbrocken vor die Füße wirft. Hanna ist keine Heldin mit Umhang – sie ist eine, die einfach weitermacht. Kranführerin, Kinderverlusterin, Überblickbewahrerin. Ich wollte sie teilweise einfach nur drücken. Oder wenigstens mit ihr ein Bier trinken. Der Ton des Buches ist poetisch, aber nicht kitschig – und manchmal so trocken, dass ich dachte, die Autorin hätte heimlich bei Loriot gelernt. Ich habe gelacht, geschluckt, gestaunt. Und am Ende kurz geweint, was ich sonst nur bei Steuerbescheiden tue. Diese Frau auf dem Kran steht für so viele, die keiner sieht. Und Gröschner gibt ihr nicht nur eine Stimme, sondern gleich ein ganzes Orchester. Wer glaubt, Geschichte sei langweilig, hat dieses Buch nicht gelesen. Wer denkt, große Literatur müsse immer schwer verdaulich sein, wird hier eines Besseren belehrt. Schwebende Lasten ist klug, traurig, witzig, zärtlich – und manchmal sogar ein bisschen rotzig. Genau mein Ding. Fazit: Ein Roman wie ein gut geschmierter Kran – der hebt einem das Herz an.

Weibliche Resilienz, unfassbar gut
Als Jugendliche im Geschichtsunterricht habe ich mich oft gefragt, wie man es eigentlich ertragen konnte, so viele verschiedene Umbrüche, Ereignisse, Gesellschaftsformen in einer einzigen Lebenspanne zu erleben. Die Antwort liegt wohl darin, indem man jeden Tag das tut, was getan werden muss. Das wunderschöne Cover zeigt uns eine scheinbar unbeschwerte Momentaufnahme aus dem Leben einer Frau, so wie es wahrscheinlich Millionen von Schnappschüssen in den Fotoalben unserer Großeltern tun. Die Buchgestaltung und auch der dazugehörige Kurzfilm, der auf social media zur Veröffentlichung des Buchs zu sehen war, hat mich direkt sehr angesprochen und berührt. Die Frau bleibt unscharf, als Stünde sie nicht im Fokus, obwohl sie den Titel ziert. Die Aufnahmen kamen mir bekannt vor, ohne dass ich sie kannte. So war es auch mit der Protagonistin Hanna. Ihre Sprache und Wortwahl ist die Sprache meiner Großeltern, mit der ich aufgewachsen bin, die zu meinem Wortschatz wurde. Daher habe ich den Schreibstil und auch die Charaktere unmittelbar als sehr nah und vertraut empfunden sowie auch viele Szenen aus dem Buch, wie das tägliche Anheizen der Öfen, mit dem ich auch in früher Kindheit noch aufgewachsen bin. Wir begleiten Hanna auf ihrem Weg von der verlassenen Tochter, ungeliebten Stiefschwester, begabten und kreativen Blumenbinderin, Ehefrau eines (Sucht)erkrankten Mannes, unentwegt schwangeren Mutter - die ihre Kinder liebt und so viele auf unterschiedliche Weisen verliert - zur sich behauptenden Kranführerin, zur Großmutter - die den Bezug zur Welt ihrer Enkel verliert und entlang all dieser Facetten eines weiblichen Lebens, dafür nie die Liebe zu ihren Blumen verliert. Diese Liebe trägt sie durch all das Schreckliche, Schöne und Alltägliche und das vollkommen ohne Kitsch. Dabei ist Hanna selbst so unauffällig widerstandsfähig wie manch eine Blume, die an den Bahnschienen trotz der unwirklichen Umgebung allen Umständen trotzt. Die unbeschreiblichen Erfahrungen, die Hanna während des 2. Weltkriegs durchstehen muss, werden von der Autorin klar und schonungslos skizziert. Explizite Schilderungen des Furchtbaren sind für mich normalerweise schwer zu ertragen. So wie Annett Gröschner sie gestaltet, wirken sie ehrlich, organisch in diesem Leben gewachsen und damit authentisch, sie gehören zu diesem Leben und damit zur Geschichte. Eine zentrale Rolle in Annett Gröschners Meisterwerk spielt das Gemälde eines Blumenstraußes, mit dessen Nachbildung Hanna in ihrem Blumenladen in den Vorkriegsjahren beauftragt wird. Der Auftraggeber ist der Erste, der ihr offen ihre Begabung zurückmeldet und mit dem sie eine Sprache zu sprechen scheint. Sofort analysiert sie, dass die gemalten Blumen nie gleichzeitig alle so in der Vase haben stehen können, dass der Künstler das Gemälde über verschiedene Jahreszeiten und Vegetationsperioden nach und nach geschaffen haben muss. Dieser Strauß wird entlang des Romans inhaltlich immer wieder aufgegriffen, einige Fragen dazu bleiben unbeantwortet. Die Kapiteltitel orientieren sich an den Elementen dieses Gemäldes und bestehen aus kurzen Erläuterungen zu den gezeigten Pflanzen und Tieren. Ein Gestaltungselement, dass mich sofort berührt und fasziniert hat. So entsteht der nach und nach die Metapher, dass auch die einzelnen Kapitel aus Hannas Leben, wie die einzelnen Blumen im Strauß sind, die erst nach und nach und zu unterschiedlichen Jahreszeiten zum Gemälde hinzugefügt werden können. Verstanden werden können. Ein weiterer genialer Schachzug ist die Titelwahl: Schwebende Lasten lassen initial an Leichtigkeit denken oder auch an Hannas späteren Beruf als Kranführerin. Vielmehr versteckt sich dahinter aber auch die Ansammlung all der Lasten, die Hanna durch die traumatischen Erlebnisse und all das, was wir heute als „mental load“ bezeichnen, tragen muss, die Lasten, die unsichtbar über uns schweben. Viele Szenen in diesem Buch haben mit zu Tränen gerührt, das Bild vom „Pflaster-Opa“, die Schilderung eines typischen Morgens vor Hannas Frühschicht und auch die Demütigen in der Nachwendezeit. Fazit: Ein Buch über Widerstandsfähigkeit, verborgene Talente, Leidenschaften, die uns als Ressource über eine ganze Lebensspanne mit all ihren Grausamkeiten resilient machen, unsere jüngste historische Vergangenheit und die fehlende Anerkennung, die ein „unauffälliges, normales“ Frauen-Leben verdient, aber nur selten bekommt. Hier handelt es sich um einen Höhepunkt meines Leselebens, daher möchte ich euch eine unbedingte Leseempfehlung aussprechen! Hinweis: Rezensionsexemplar bei @vorablesen gewonnen. Ihr lest meinen persönlichen, unabhängigen Eindruck.
Annett Gröschner erzählt schnörkellos das ereignisreiche Leben einer starken Frau: Hanna. Aus schwierigen Familienverhältnissen stammend folgt sie ihrer Liebe zu den Blumen und eröffnet ein Geschäft. Sie kennt sich mit Blumen aus, ist Pflanzenfreundin und liebt den kleinen Laden, bis sie ihn nach Kriegsbeginn schließen muss. Später wird das Zuhause ausgebombt und Hanna wird Kranführerin. Sie bekommt 6 Kinder, ihr ältester Sohn stirbt im Bombenhagel des Zweiteb Weltkrieges. Annett Gröschner erzählt die Geschichte eines Frauenlebens mit all seinen Höhen und Tiefen, Schicksalsschlägen, Irrungen und Wirrungen. Es zeigt sehr gut: ein Leben ist weder planbar noch geht der Weg immer geradeaus. Neben den Blumen spielt die wechselhafte Geschichte der Stadt Magdeburg eine nicht unwesentliche Rolle. Der Roman „Schwebende Lasten“ von Annett Gröschner eröffnet dem interessierten Leser einen historischen Einblick in das 20. Jahrhundert, in Diktatur, Sozialismus, Kommunismus und Kapitalismus. Sehr lesenswert!
Dieser Roman schafft es, auf wenigen Seiten die deutsche Geschichte ab dem 1. Weltkrieg, mit einer sehr beeindruckenden und vor allem resilienten Protagonistin , die viele Schicksalschläge erleiden muß, zu erzählen. Der neutrale, berichterstattende Schreibstil lässt aber wenig Nähe zu und daher fehlte mir oft das Eintauchen und Aufgehen in tiefere Ebenen , aber vielleicht ist das auch gerade so gewollt...
Am Anfang sehr gut, dass Ende hat mich leider zunehmend gelangweilt. Schade.
Hanna führt ein schweres Leben. Mit viel Fleiß macht sie sich als Blumenhändlerin selbstständig, bis der Zweite Weltkrieg alles verändert. Als Mutter von sechs Kindern trägt sie die Familie, nach dem Krieg arbeitet sie sogar als Kranführerin. Das Buch schildert eine Frau, die immer tat, was nötig war, ohne je etwas für sich selbst zu fordern. Der Schreibstil ist schlicht, im letzten Teil jedoch etwas langatmig. Trotzdem eine lesenswerte Geschichte über Stärke und Hingabe.
Annett Gröschner erzählt die Geschichte von Hanna Krause und damit die Geschichte eines Jahrhunderts. Hanna war Blumenbinderin, hatte einen Blumenladen, war Putzfrau, Kranführerin, Mutter von 6 Kindern, Ehefrau, Schwester… eine „normale“ Frau. Ich finde Hanna ist eine außergewöhnliche Frau, die trotz Schicksalsschlägen nie aufgegeben hat und immer für ihre Lieben alles gegeben hat. Viel zu oft werden solche Frauen und ihre Leistung als selbstverständlich betrachtet. Es hat mich sehr gefreut von Hanna zu lesen.
Sehr berührendes Portrait eines Frauenlebens im Osten Deutschlands
Die Geschichte von Hanna Krause aus Magdeburg, die bis zum Ende des 2. Weltkrieges als Blumenbinderin und später als Kranfahrerin gearbeitet hat, Kinder geboren und verloren hat, konnte mich von der ersten Seite an fesseln. Die Lebenstüchtigkeit, der Lebens- und Überlebenswille dieser Frau hat mich stark berührt und beeindruckt. Annett Gröschner schreibt mit klaren Worten in angenehmem Tempo, so dass der Roman geradezu Schmökercharakter erhält. Die Liebe Hannas zu Blumen zieht sich durch ihr ganzes Leben, ist Teil davon. Und so beginnt auch jedes Kapitel mit der Vorstellung einer Blume. Man kann sie lesen oder auch nur überfliegen, je nach Geschmack. Mir hat das Buch unglaublich gut gefallen. Eine interessante, bewegende Geschichte, durchgehend mitreißend und sprachlich gut erzählt - berührend von der ersten bis zur letzten Seite. Klare Leseempfehlung!
Alle unbedingt lesen!
Ein Buch, welches mich auf eine ganz besondere Weise berührt. Hannah‘s Kinder bilden die Generation meiner Großeltern ab, was meinen Blick auf ihre Eigenarten milde Stimmen lässt und mich gleich in den Bann des Buches zog. Der Roman ist schonungslos ehrlich und lässt uns mitten in die, für mich weit entfernten, Kriegssituationen eintauchen mit allen Ängsten, Hoffnungen und dem unermüdlichen Kampfgeist. Hannah als junge Mutter und Ehefrau erwartet nicht viel und trägt die gesamtfamiliäre Verantwortung mit einer unfassbaren Stärke, welche nicht überzogen, sondern eher pragmatisch zu verstehen ist. Ganz wunderbar ist die Geschichte um Hannah, da sie stellvertretend für Millionen Familien und Frauen steht, die sämtliche Staatsformen durchlebten und um das tagtägliche Überleben kämpften. Das Buch lässt mich demütig zurück und voller Bewunderung gegenüber der Kriegsgeneration. Eine eigene Wohnung, Auto, berufliche Selbstverwirklichung und die Frage, wohin es in den nächsten Urlaub geht, haben wir Frauen wie Hannah zu verdanken. Die Frage nach den Prioritäten im Leben wird hier nochmal ganz anders formuliert. Fazit: Ein überaus wichtiges Buch, den jede*r lesen sollte, um die Vermächtnisse des letzten Jahrhunderts als Mahnung der Gegenwart und Zukunft zu verstehen. Eine absolute Leseempfehlung meinerseits!
Annett Gröschner erzählt uns die Geschichte von Hanna Krause, einer Floristin in den 1930er Jahren in Deutschland. Wie sie den Krieg überstanden und unzählige Schicksalsschläge (mehrere ihrer Kinder starben) überlebt hat, um nach dem Krieg von der Nazidiktatur in der nächsten Diktatur (DDR) zu landen und bei alledem irgendwie weiter macht, ihre Familie versorgt, Ihr Leben lebt. Zur Not auch, trotz Höhenangst, als Kranfahrerin. Ein starkes Buch!
Die Blumenfrau
Meine Mutter wollte in ihrem Leben eigentlich Floristin werden. Sie hatte eine große Liebe für Blumen, kannte alle Arten, war diesbezüglich experimentierfreudig und hatte ein Händchen für Sträuße und Gestecke. Sie war eine Blumenfrau genauso wie Hanna -nur rosa Gerbera die konnte sie nicht leiden und hat kurz vor ihrem Tod noch verfügt, dass davon bitte keine in irgendwelche Kränze sollten. Wenn Hanna eine Blume wäre, dann wäre sie am liebsten eine Hortensie, widerstandsfähig und farbig in der Jugend, und selbst wenn sie verblüht hoffentlich immer noch hübsch anzuschauen. Fast ein ganzes Jahrhundert umspannt die Geschichte der Hanna Krause. Schon als Stiefschwester - als Nesthäkchen- das aber nicht verwöhnt, sondern mit Strenge und Gewalt zum Arbeiten erzogen wurde, ist sie nicht auf Rosen gebettet.. Ziemlich früh heiratet sie Karl gegen den Rat ihrer Familie. Ein Versicherungskaufmann, einen Büromenschen, der aber kurz nach der Hochzeit seinen Job verliert und dann doch in der Fabrik landet. So richtig versorgen kann er seine Familie nicht. Die wächst und wächst, doch dem Alkohol gilt seine größere Liebe. Und so muss Hanna ran. Sie eröffnet einen Blumenladen und geht in dieser Arbeit auf. Selbst als es kaum noch Blumen gibt, schafft sie es irgendetwas ansehnlich zusammen zu stecken. Doch sie verliert ihr Geschäft und arbeitet nach dem Zweiten Weltkrieg als Kranführerin hoch oben und hat dort den Überblick. Den Verlust zweier Kinder, einen Kaiser, mehrere Führer, zwei Demokratien und viele andere politische Wechsel hat sie am Ende überlebt und alle Höhen und Tiefen ertragen. Es muss ja irgendwie weitergehen. Im ersten Drittel der Geschichte habe ich mich immer wieder gefragt, was an diesem Buch so besonders sein soll. Es ist halt die Lebensgeschichte einer Frau des letzten Jahrhunderts. Eine von vielen, aber doch nichts einzigartiges? Doch nach und nach erschloss sich mir, was mir dieses Buch abverlangt: Respekt vor der Stärke einer Frau, der schwere Lasten auf ihre Schultern geladen wurden, die ein Mensch alleine eigentlich gar nicht tragen kann, und die nicht daran zerbricht. Es sind diese unsichtbaren Frauen, die unser System aufrecht erhalten - auch heute noch – zwar anders, aber immer noch mit einer Selbstverständlichkeit, die manchmal ans Schmerzhafte grenzt. Sie nehmen sich selbst nicht so wichtig, sie versorgen ihre Kinder, tolerieren die Unfähigkeit ihrer Männer und ertragen die Misogynie der Gesellschaft. Diese schwebt in jeder zweiten Zeile mit. Man traut Hanna erst mal nichts zu und sieht dann nicht, was sie im Leben alles geschafft hat – das ohne zu verzweifeln, zu verbittern und zu verzagen. Annett Gröschner hat ihr Portrait der Hanna Krause, das oberflächlich gesehen, den Flair von Trauerrändern unter den Fingernägeln, den beißenden Geruch von Schweiß und das bittersüße des Rosenkohls versprüht, mit der Zartheit von Blumen angereichert. Die floralen Einleitungen, die den Kapiteln ihren Titel geben, setzen die Härte des Inhalts in eine fragile Relationen. Die Integration des Gemäldes von Bosschaert fand ich sehr gelungen und macht den Plot rund. Erzählerisch legt die Autorin den Pragmatismus an den Tag, den ihre Hanna perfektioniert hat. Dialoge setzt sie wohl dosiert ein. Diese sind immer auf den Punkt. Sie schweift nie mit den Gedanken ab, erzählt nur das, was wichtig ist und man kann das Seufzen der Mühsal förmlich hören. Bis zum Schluss finden Hannas Hände keine Ruhe, und so widmet sie sich zum Ende ihres Lebens hin wieder dem, was ihr die größte Freude bereitet. Für Sie sind Blumen, die besten Freunde und die intelligentesten Gesprächspartner. Die letzten 10 Seiten hat mich das Buch überwältigt – mir schossen immer wieder die Tränen in die Augen, weil mich das Leben der Hanna Krause sehr berührt hat und es vielleicht sogar ein klein wenig den Blick auf meine Mutter verändert, die schon mit 65 Jahren starb und ihr Leben ebenfalls mit harter Arbeit verbringen musste damit die Anderen nicht untergehen. Und allein dass ein Buch das schafft, ist den Platz auf der Longlist wert. Ein Highlight und eine große Leseempfehlung für alle.
Das Buch erzählt die Geschichte einer starken Frau. Sie steht in der jungen Blüte ihres Lebens als wir Leser sie kennenlernen dürfen. Sie trifft eine Entscheidung die ihr weiteres Leben komplett bestimmen wird. Sie heiratet, bekommt Kinder, lebt ihren Traum und dann kommt der Krieg. Jedes Kapitel startet mit einer Erläuterung, meist zu Blumen aber einige wenige Male auch zu Insekten oder anderen. Und diese haben dann auch einen Auftritt im folgenden Kapitel aber oft nicht nur in einem Kapitel, es gibt immer mal wieder Hinweise auf Fauna und Flora. Das mochte ich persönlich sehr. Konnte ich mit Hannah immer mitfühlen oder ihre Entscheidungen und Taten nachvollziehen? Nein, eigentlich nicht. Manchmal kam einfach nur Mitleid in mir auf und dann aber auch wieder Mitgefühl. Kalt hat mich dieses Buch auf keiner Seite gelassen. Die Geschichte hat mich dazu angeregt die Zeit in der sie spielt und hier und da auch etwas nachzurecherchieren weil ich manches auch einfach nicht glauben wollte, vielleicht auch nicht wahr haben wollte. Aber dieses Buch ist sehr geschichtsgetreu. Erzählt von den Vorkriegsjahren, den Kriegsjahren und den Nachkriegsjahren im Osten von Deutschland und eben von einer Frau und Mutter und wie diese oft ihren Mann steht. Sie kämpft für sich und ihre Familie, mitunter wie eine Löwin und dann ist sie auch wieder ganz leise und kurz vorm aufgeben, aber sie tut es niemals. Mich hat dieses Buch sehr beeindruckt und mir hat es extrem gut gefallen.
Das Portrait einer Frau, die Kriege, Zerstörung erlebt, Kinder verloren, für sich und ihre Familie gekämpft hat und immer wieder zu ihrer Liebe zurückkehrt: den Blumen.
Das Buch erzählt die Lebensgeschichte von Hanna, die noch vor dem 2. Weltkrieg ihren eigenen Blumenladen eröffnet, eine Geschäftsfrau und die Versorgern der Familie ist. Sie und ihre Familie erleben alle schrecklichen Dinge, die der 2. Weltkrieg durch Zerbombungen, Verlust, Hunger, Armut mit sich gebracht hat und schafft es aber, durch eine unglaubliche Stärke, Kraft und den Mut, nicht aufzugeben, auch die schrecklichsten Zeiten zu überstehen. Die Geschichte berührt mich, da Hanna mich an meine eigene Oma erinnert, die ebenso als Ladeninhaberin nicht nur für die Geschäfte verantwortlich war, sondern immer alles für die Familie geben musste. Ein gelungenes Buch, dass einen Einblick in das Leben der 1930-1990er gibt, wenngleich ich es zwischendurch etwas langatmig fand.
“Schwebende Lasten” von Annett Gröschner handelt von Hanna, deren Leben in Magdeburg zwischen den 1930er und 2000er Jahren im Rahmen der politischen Umstände nachgezeichnet wird, sodass sie anhand des Lebens einer Frau ein Gesellschaftsbild in drei aufeinander folgenden Systemen beispielhaft gezeichnet wird. Beginnend als Floristin, aus der Bahn geworfen durch den Krieg, eine unglückliche Ehe und viele Verluste im Gepäck, arbeitet sie schließlich als Kranführerin im Schwermaschinenwerk, scheint jedoch ihren Platz zwischen den Systemwechseln nie so wirklich zu finden. Das Buch ist ein bewegendes, beklemmendes, aber auch ergreifendes Werk, das, obwohl eher distanziert und schildernd geschrieben, die Lesenden mit voller Wucht trifft. Besonders die Schilderungen über die Kriegszeit in Magdeburg schnürten mir beim Lesen oft die Kehle zu (noch dadurch verstärkt, dass ich die Stadt sehr gut kenne und vieles genau verorten kann), aber auch die Rentnerjahre, in denen das Leben an Hanna nur so vorbei gezogen zu sein scheint. Die Figurenzeichnung ist einerseits sehr dezidiert, andererseits bleiben einem Hannas Kinder über große Strecken fremd, wie sie auch der Protagonistin mit den Jahren immer fremder werden. Annett Gröschner ist hier ein tolles Porträt einer Frau und eines ganzen Jahrhunderts gelungen und in meinen Augen ist das Buch zu Recht für den Deutschen Buchpreis nominiert worden. *Das eBook wurde mir kostenfrei vom Verlag zur Verfügung gestellt.
Authentische Geschichte über das Leben einer Frau vor, während und nach dem 2. Weltkrieg. Die Geschichte erzählt von einem gewöhnlichen Leben, ohne zu beschönigen und ohne Sentimentalitäten. Die Geschichte ist berührend, stellenweise sehr schmerzhaft und trotzdem immer mit einem Hauch Es geht weiter, irgendwie wird es wieder.
Das Buch steht berechtigt auf der Longlist des Deutschen Buchpreises. Es erzählt in einer ruhigen Sprache das Leben von Hanna, ein Frauenleben zwischen Weimarer Republik, 2. Weltkrieg, DDR und Wiedervereinigung. Hanna ist keine typische Heldin, sie ist eine einfache Frau und gibt damit so vielen ein Gesicht, deren Geschichten nicht erzählt werden, aber so wichtig sind.
Wieder so ein Frauenroman über die Zeit des 2. Weltkrieges? Das Cover lässt das erwarten. Aber nein, ein ganz anderes Buch, beginnend in der Zeit vor dem 2. Weltkrieg, weiter erzählt bis in die neunziger Jahre. Es ist ein Buch über eine taffe Frau, sachlich, manchmal mit etwas Humor, doch auch eindrücklich und atmosphärisch erzählt. Zum Inhalt: Schwebende Lasten ist die Geschichte von Hanna, geboren 1913 in Magdeburg, die vaterlos aufwächst und früh ihre Mutter verliert. Nach dem Tod der Mutter kommt sie bei ihrer Halbschwester Rose und deren Mann unter. Hanna liebt Blumen und die Stadt und wird wie ihre Halbschwester Rose Blumenbinderin. Sie lernt Karl Krause kennen, wird schwanger, heiratet Karl, erfüllt sich den Traum eines eigenen Blumengeschäfts und wird mit zwanzig Jahren zum ersten Mal Mutter. Mit 25 Jahren ist Hanna das sechste Mal schwanger, darunter eine Fehlgeburt und zwei Abtreibungen. Ihren Blumenladen kann Hanna im Krieg nicht halten und wird entgegen dem Vorurteil, dass Frauen nichts auf dem Kran um suchen haben, Kranfahrerin bei Krupp-Gruson. Die Krauses werden ausgebombt, Hanna verliert ein Kind nach einem Bombenangriff und ihre Schwiegermutter. Hanna spricht mit den Blumen und gibt ihnen Zeit zum Antworten. Am Ende ihres Lebens, Hanna lebt inzwischen im Plattenbau, arbeitet Hanna wieder als Blumenbinderin und stirbt "rechtzeitig bevor sie die Welt nicht mehr verstand".
Ein herausforderndes Leben
Hanna lebt kein einfaches Leben. Mit Fleiß und viel Durchhaltevermögen gelingt es ihr sich als Blumenhändlerin selbständig zu machen, bis der 2. Weltkrieg kommt. Als Mutter von sechs Kindern und Ehefrau eines Mannes, der selbst wie ein Kind wirkt, sorgt sie dafür, daß die Familie durch kommt. Nach dem Krieg findet sie eine neue Herausforderung als Kranführerin. Das Leben wird ein bisschen einfacher. Das Buch erzählt das Leben einer Frau, die immer gemacht hat, was gerade notwendig war, ohne groß darüber nachzudenken und für sich selbst nie etwas gefordert hat. Das Buch hat einen ruhigen, schnörkellosen Schreibstil. Leider verliert das Buch im letzten Viertel an Dynamik und wird langatmig. Trotzdem bleibt es eine interessante Geschichte über eine Frau, die immer alles für ihre Familie getan hat.
Hanna Krauses Geschichte beginnt zwar in Berlin als Haushälterin ihrer Halbschwester, spielt sich dann aber über ein ganzes Jahrhundert in Magdeburg ab. Das Handwerk der Floristin erlernt sie bei ihrer anderen Halbschwester, die sie seit ihrer Kindheit drangsaliert. Nach ihrer Hochzeit mit dem Versicherungskaufmann Karl eröffnet sie einen eigenen kleinen Blumenladen im Knattergebirge, der den zweiten Weltkrieg und die dunklen Nazijahre aber nicht überlebt - genau wie das Viertel, in dem Hanna wohnt. Nach dem Krieg und der deutsch-deutschen Teilung wird Hanna Kranführerin. Die sechsfache Mutter bleibt ihrem Lebensmotto treu: Anständig bleiben. Sie bleibt bis zu ihrem Tod eine, die das Leben nimmt, wie es kommt. Annett Gröschner hat mich mit ihrem Roman "Schwebende Lasten" von der ersten Zeile an verzaubert. Ich habe die Verbindung zwischen Hanna Krause, dieser Protagonistin, mit der man sich so gut identifizieren kann, und den Blumen, die jedes Kapitel einläuten - angelehnt an das Gemälde Blumenvase in einer Fensternische von Ambrosius Bosschaert -, sehr gemocht. Die Blumen und Pflanzen ziehen sich durch Hannas Leben, sie geben ihr Ruhe und Freude, was ihre Mitmenschen oft nicht vermögen. Dieses Leben ist geprägt von schweren Verlusten und Schicksalsschlägen, Hanna gibt aber nie auf, sie macht weiter, für ihren Mann, ihre Kinder und auch sich selbst. Es ist ein einfaches Leben einer einfachen Frau - und genau das macht diesen Roman für mich aus. Ganz unaufgeregt und fast etwas distanziert erzählt Annett Gröschner ein ganzes Jahrhundert in einem Menschenleben und hat mich damit doch tief berührt und gefesselt. Ich habe das Buch als Hörbuch, gesprochen von Michaela Winterstein, gehört, was ich sehr empfehlen kann.

Nicht weniger als ein Leben wird mit der Geschichte der Blumenbinderin und Kranführerin Hanna Krause erzählt. Sie erlebt die Schrecken des Krieges, die Anfänge und das Ende der DDR, bringt Kinder zur Welt und muss mit Verlusten umgehen, arbeitet hart für sich und ihre Familie... ...und ihre Geschichte trifft einen als Leser*in mit einer unbeschreiblichen Wucht! Hier wird das Leben von einer unglaublich starken Frau beschrieben, die sich immer wieder durch extrem harte Zeiten kämpfen muss, weil sie eben nicht priviligiert ist und sich vielleicht auch den falschen Mann ausgesucht hat. Hier wird nichts beschönigt oder romantisiert. Dabei wirkt der Text so furchtbar authentisch, dass ich weinen möchte. Beim Lesen hatte ich immer wieder die Stimme meiner Großmutter im Ohr, die mir ihre Geschichten über die (Nach-)Kriegszeit erzählte. Genauso wie in "Schwebende Lasten" hätte es sein können. Und genau diese Festsellung hat mit am Ende sprachlos gemacht, unter Schock gesetzt und zu Tränen gerührt. Sehr empfehlenswert!
Lebensgeschichte eine Frau geb 1913 mit viel Wucht & Poesie
Nicht weniger als ein ganzes Leben erzählt Annett Gröschner mit der Geschichte der Blumenbinderin und Kranfahrerin Hanna Krause – mit einer Wucht und Poesie, wie sie nur dort entstehen können, wo die Literatur wirklichkeitssatt ist. Hanna Krause war Blumenbinderin, bevor das Leben sie zur Kranführerin machte. Sie hat zwei Revolutionen, zwei Diktaturen, einen Aufstand, zwei Weltkriege und zwei Niederlagen, zwei Demokratien, den Kaiser und andere Führer, gute und schlechte Zeiten erlebt, hat sechs Kinder geboren und zwei davon nicht begraben können, was ihr naheging bis zum Lebensende. Hatte später, nachdem ihr Blumenladen längst Geschichte war, von einem Kran in der Halle eines Schwermaschinenbaubetriebes in Magdeburg einen guten Überblick auf die Beziehungen der Menschen zehn Meter unter ihr und starb rechtzeitig, bevor sie die Welt nicht mehr verstand. Hanna Krause blieb bis zu ihrem Tod eine, die das Leben nimmt, wie es kommt. Ihr einziges Credo: anständig bleiben. Annett Gröschners Roman erzählt die Geschichte eines Jahrhunderts in einem einzigen Leben und gibt, mit Hanna, denen ein Gesicht, die zu oft unsichtbar bleiben. Ein Roman über das Ende des Industriezeitalters und seiner Heldinnen im Osten Deutschlands – und über eine gewöhnliche Frau in diesem unfassbaren 20. Jahrhundert
Characteristics
4 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Description
Nicht weniger als ein ganzes Leben erzählt Annett Gröschner mit der Geschichte der Blumenbinderin und Kranfahrerin Hanna Krause mit einer Wucht und Poesie, wie sie nur dort entstehen können, wo die Literatur wirklichkeitssatt ist.
Hanna Krause war Blumenbinderin, bevor das Leben sie zur Kranführerin machte. Sie hat zwei Revolutionen, zwei Diktaturen, einen Aufstand, zwei Weltkriege und zwei Niederlagen, zwei Demokratien, den Kaiser und andere Führer, gute und schlechte Zeiten erlebt, hat sechs Kinder geboren und zwei davon nicht begraben können, was ihr naheging bis zum Lebensende. Hatte später, nachdem ihr Blumenladen längst Geschichte war, von einem Kran in der Halle eines Schwermaschinenbaubetriebes in Magdeburg einen guten Überblick auf die Beziehungen der Menschen zehn Meter unter ihr und starb rechtzeitig, bevor sie die Welt nicht mehr verstand. Hanna Krause blieb bis zu ihrem Tod eine, die das Leben nimmt, wie es kommt. Ihr einziges Credo: anständig bleiben. Annett Gröschners Roman erzählt die Geschichte eines Jahrhunderts in einem einzigen Leben und gibt, mit Hanna, denen ein Gesicht, die zu oft unsichtbar bleiben. Ein Roman über das Ende des Industriezeitalters und seiner Heldinnen im Osten Deutschlands und über eine gewöhnliche Frau in diesem unfassbaren 20. Jahrhundert.
Von der Autorin des SPIEGELBestsellers "Drei ostdeutsche Frauen betrinken sich und gründen den idealen Staat" Vielfach ausgezeichnete Autorin Mainzer Stadtschreiberin 2025: Literaturpreis von ZDF, 3sat und der Landeshauptstadt Mainz Eine der wichtigsten Stimmen ihrer Generation
Book Information
Author Description
Annett Gröschner, geboren 1964 in Magdeburg, lebt seit 1983 als Schriftstellerin in Berlin. Bekannt wurde sie vor allem mit ihren Romanen "Moskauer Eis" (2000) und "Walpurgistag" (2011). Zuletzt erschien bei Hanser ihr gemeinsam mit Peggy Mädler und Wenke Seemann verfasster Bestseller "Drei ostdeutsche Frauen betrinken sich und gründen den idealen Staat" (2024). Annett Gröschner wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Großen Kunstpreis Berlin (Fontanepreis), dem Klopstock-Preis und dem Mainzer Stadtschreiber Literaturpreis von ZDF, 3sat und der Landeshauptstadt Mainz. Für ihren Roman Schwebende Lasten erhielt sie den Evangelischen Buchpreis und den Preis der LiteratTour Nord und war für den Deutschen Buchpreis nominiert.
Posts
Eine grandiose Ouvertüre am Anfang des Buches. Da musste man gleich weiterlesen! Nüchtern erzählt nimmt man Teil an Hannas Leben, das noch in der Kaiserzeit beginnt und nach der Wende endet. Was sie alles erlebt hat, wird eindrücklich und berichtsmäßig erzählt. Mal humorvoll, oft traurig und erschütternd. Man liebt und leidet mit ihr. "Hanna Krause blieb bis zu ihrem Tod eine, die das Leben nimmt, wie es kommt." Die eine oder andere Begebenheit erinnerte mich an die Erzählungen meiner Großmutter und an selbst erlebtes. Auch die Beschreibung von Magdeburg im Wandel vor, während und nach dem Krieg war anschaulich geschildert, ebenso Stimmung der Menschen, deren Ergebenheit und Duldung, waren sehr gut dargestellt. Besonders gelungen fand ich die Beschreibungen von Blumen und Tierwelt am Anfang der Kapitel, die immer das Thema bzw die Stimmung unterstrichen. Tief ergriffen hat mich die schonungslose Schilderung der Bombardierung Magdeburgs. Der Schreibstil passte zur erzählten Lebensgeschichte. Knapp, schnörkellos, nüchtern, zweckmäßig. Und trotzdem gelang es xxxx damit Gefühle, Empfindungen, Bedürfnisse, Hoffnung, Duldung und Resignation auszudrücken. Ein bewegendes Werk und sehr guter Roman. Leseempfehlung - außergewönlich gut!
Tiefe Bewunderung für Blumenbinderin und Kranführerin Hanna Krause und unendliche Dankbarkeit, dass ich als 60 Jahre später Geborene ein völlig anderes Leben führen kann.
Annett Gröschner beschreibt auf ca. 280 Seiten das Leben von Hanna Krause, geboren und aufgewachsen im frühen 20. Jahrhundert in Magdeburg. Zunächst war sie im Blumengeschäft der halben Schwester tätig, zeichnete sich aus durch eine große Kreativität und Geschick beim Binden von Blumensträußen und Flechten von Kränzen. Etwas später lernte sie ihren Mann Karl kennen, der nichts zu bieten hatte, aber ihr eine neue Mutter Sibylle schenkte. Hannas Mutter starb viel zu früh. Mit Karl bekam sie sechs Kinder, nicht alle überlebten die harten 1940er Jahre. Mit Gründung der Republik wurde Hanna Kranführerin und behauptete sich in einer Männerdomäne. Die Lesenden begleiten Hanna noch bis in die Nachwendejahre, erleben ihr älter werden und den Zerfall - ähnlich dem der zahlreichen Blumensträuße, die zum Ende ihre Wohnung dominieren. Das Buch, der Schreibstil und die sympathische Hanna haben mich von Beginn an begeistert. Annett Gröschner schreibt sachlich und nüchtern, so wie Hanna eben war. Jedes Kapitel wird durch die Beschreibung einer Blume eingeleitet, die zusammen ein beeindruckendes Blumenarrangement ergeben. Ein tolles Buch über eine beeindruckende Frau, die ihre eigenen Bedürfnisse für andere immer hinten an gestellt hat. Leseempfehlung!!!
Ein beeindruckendes Buch, das ich in 2 Tagen verschlungen habe. Es hat in mir viele Erinnerungen an die Erzählungen meiner Oma ausgelöst sowie Kindheitserinnerungen an mein Leben in Plattenbauten, damals sehr begehrt, bis hin zu den Emotionen beim Mauerfall und den ersten Schritt in den " Westen ". Sehr beeindruckend, wie treffend die Autorin diesen langen Zeitraum auf so wenigen Seiten so aussagekräftig dargestellt hat. Ich habe so vieles wiedererkannt ! Wunderbar fand ich auch die Idee mit der Vorstellung der Blumen des Gemäldes zu Beginn der einzelnen Kapitel. Was haben diese Frauen damals geleistet und nie aufgegeben !!! Würden wir das heute noch schaffen? Eine unbedingte Leseempfehlung !!!
Ein großartiges Buch, in dem das Leben einer Floristin im 20. Jahrhundert erzählt wird. 1933: Hanna lebt in Magdeburg, sie heiratet Karl, die beiden bekommen sechs Kinder, von denen sie zwei wieder verlieren. Den Tod ihres einzigen Sohnes wird Hanna nie verwinden. Karl verliert bei einem Arbeitsunfall ein Bein, Hanna muss ihr Blumengeschäft aufgeben, sie wird Kranführerin, eine Tätigkeit, die sie bis zur Rente ausüben wird. Die jüngste Tochter Judith wird am Gründungstag der DDR im Jahr 1949 geboren und knapp 40 Jahre später wegen versuchter Republikflucht verhaftet. Mit 70 kehrt Hanna zu ihrer liebsten Beschäftigung, dem Blumenbinden, zurück. Blumen geben ihr die nötige Kraft, um Schicksalsschläge zu überleben und immer wieder weiterzumachen. Jedes Kapitel beginnt mit einer kurzen Information zu einer Blumensorte. Mehr Dialoge hätten mir gut gefallen, doch das ist mein einziger kleiner Kritikpunkt. Elke Heidenreich beschreibt das Buch sehr treffend: „Krieg und Verzweiflung, Liebe und Aufopferung, eine Figur wie Hanna nötigt uns Respekt ab und verbietet uns Privilegierten jede Jammerei.“ Ein Buch, das ich jedem ans Herz legen möchte.
Mein erstes Buch von der diesjährigen Longlist zum Buchpreis. Und was soll ich sagen, es hat mir richtig gut gefallen. Kein Highlight, aber sehr lesenswert. Erzählt wird, über Jahrzehnte, die Geschichte von Hanna. Aufgewachsen in Magdeburg und in der Hauptsache von ihrer Schwester und ihren Halbschwestern erzogen. So richtig liebevoll war der Umgang, vor allem zwischen den Halbgeschwistern, nicht. Aber eines macht Hanna richtig gerne, nämlich ihrer Halbschwester im Blumenladen helfen. Eifersüchtig reagiert diese allerdings auf die schönen Arrangements, die Hanna zusammenstellt. Später hat Hanna ihren eigenen Blumenladen, doch die Zeiten sind hart, der zweite Weltkrieg hält Einzug. Karl, ihr Mann ist ihr keine große Hilfe, er bringt mehr Grld in die Kneipe als nach Hause. Auch die zahlreichen Schwangerschaften sind wenig hilfreich und schmälern das Budget zusätzlich. Nicht nur um die Kinder zu ernähren, sondern auch um die Engelmacherin besuchen zu können. Der Roman besticht durch die Nähe zu Hanna. Zu ihrer Gefühlswelt und ihrer oft spröden, aber trotzdem liebevollen Beziehung zu ihren Kindern. Besonders beeindruckt hat mich ihre Stärke und ihre Kreativität immer irgendwie an Geld oder auch hilfreiche Gegenstände zu kommen. Wenn es hilft, wird eben auch der Beruf der Kranfahrerin erlernt, als der Gatte bei einem Arbeitsunfall ein Bein verliert und noch weniger als zuvor zum Lebensunterhalt beiträgt. Ihre Liebe zu Blumen wird besonders schön deutlich gemacht, in dem jedem Kapitel eine Blume vorangestellt und erklärt wird. Mir kam oft meine Oma in den Sinn. Auch sie musste einige Kinder ohne Vater satt bekommen, während der Kriegszeiten. Ich kann mir nur schwer vorstellen, wie hart das Überleben damals war. Ständiger Hunger und es fehlt an allem. Hanna begleiten wir bis zu ihrem Tod und erfahren so auch einiges über das Leben in der DDR und dem Aufwachsen ihrer Kinder und Enkel. Von mir auf jeden Fall eine Leseempfehlung! Ob es für den ersten Platz beim Buchpreis reicht? Bleiben wir gespannt!
Ein großartiges Buch, in dem das Leben einer Floristin im 20. Jahrhundert erzählt wird. 1933: Hanna lebt in Magdeburg, sie heiratet Karl, die beiden bekommen sechs Kinder, von denen sie zwei wieder verlieren. Den Tod ihres einzigen Sohnes wird Hanna nie verwinden. Karl verliert bei einem Arbeitsunfall ein Bein, Hanna muss ihr Blumengeschäft aufgeben, sie wird Kranführerin, eine Tätigkeit, die sie bis zur Rente ausüben wird. Die jüngste Tochter Judith wird am Gründungstag der DDR im Jahr 1949 geboren und knapp 40 Jahre später wegen versuchter Republikflucht verhaftet. Mit 70 kehrt Hanna zu ihrer liebsten Beschäftigung, dem Blumenbinden, zurück. Blumen geben ihr die nötige Kraft, um Schicksalsschläge zu überleben und immer wieder weiterzumachen. Jedes Kapitel beginnt mit einer kurzen Information zu einer Blumensorte. Mehr Dialoge hätten mir gut gefallen, doch das ist mein einziger kleiner Kritikpunkt. Elke Heidenreich beschreibt das Buch sehr treffend: „Krieg und Verzweiflung, Liebe und Aufopferung, eine Figur wie Hanna nötigt uns Respekt ab und verbietet uns Privilegierten jede Jammerei.“ Ein Buch, das ich jedem ans Herz legen möchte.
Das Portrait einer Frau, eine Lebensgeschichte - so selbstverständlich und doch so ungesehen. Jetzt könnte ich versuchen, dieses Leben zusammenzufassen, aber das tut die Autorin direkt zum Einstieg selbst, so dass ich einfach nur versuchen kann auszudrücken, wie diese Geschichte auf mich gewirkt und was sie ausgelöst hat. Ich habe mich einfach so hineingelesen in dieses Leben. Die ruhig erzählende Sprache lässt mich Hanna durch ein ganzes Jahrhundert begleiten. Eine Frau, die selbst gar nicht weiß, was sie alles geschafft hat in jeder einzelnen Lebensphase. Die in all der Zeit, in der sie die Last von Krieg, Verlust, Trauer und Verantwortung mit so viel Stärke getragen hat, immer auch das zarte schöne der Blumenwelt im Herzen trägt. Ich habe beim Lesen immer wieder an meine Oma gedacht, deren Leben ich rückblickend nun mit anderen, erwachseneren Augen sehe. Denn in Teilen scheint es auch ihr Leben zu sein, das Annett Gröschner hier beschreibt. Das Leben einer Macherein, die Krieg und mehrere politische Systeme miterlebt hat, Mutter war, immer hart gearbeitet hat, ihren Mann gepflegt hat und einem vermeintlich 'einfachen' Dasein fristete. Der Autorin ist hier wirklich etwas Besonderes gelungen. Sie verpackt Geschichte ohne Fingerzeig und erzählt das berührende Schicksal einer Frau, das es so wahrscheinlich tausendfach gegeben hat.
Hanna wächst schon unter erschwerten Bedingungen auf, seit dem 4. Lebensjahr ist sie Waise. Bei ihrer Ersatzfamilie entdeckt sie ihre Leidenschaft für Blumen, die sich dann durchs ganze Buch zieht. Sie verbringt eine gewisse Zeit in Berlin, kehrt zurück nach Magdeburg, lernt ihren späteren Ehemann kennen, kann sich ihren Traum vom Blumenladen erfüllen. Sie wird mehrfach schwanger, erlebt die schlimme Zeit im Zweiten Weltkrieg mit, die Nachkriegszeit und später die DDR. Mehr will ich gar nicht verraten. Der Roman hat mich einfach umgehauen. Das, für diese Zeit, völlig normale Leben einer einfachen Frau, die so viel Kraft hat und so viel ertragen musste. Sie hat meinen größten Respekt. Ich hab das Buch an einem Tag durchgelesen, konnte es einfach nicht mehr aus der Hand legen. Der Schreibstil ist toll, die Geschichte ganz wunderbar. Sie erstreckt sich über eine sehr lange Zeit, ohne das ich das Gefühl hatte, es wurde zu schnell erzählt. Ich bin zutiefst berührt und beeindruckt von diesem Roman, er wird mich nicht wieder loslassen und in meinem Herzen bleiben. Hannas hartes Leben steht hier vermutlich stellvertretend für ganz viele Frauen, die unsere Großmütter sein könnten. Eine Ode, an all die unsichtbaren Frauen, die einfach immer weiter gemacht haben und nie den Mut verloren haben. Unbedingt lesen!!!
Eine Lebensgeschichte. Es ist wirklich kein einfaches Leben, das Hanna Krause führt. Aber sie ist eine ausgesprochen starke Frau die so schnell nichts umhaut. Aber sie hat auch eine zarte Seele. Anders ist der Spagat zwischen der Floristin Hanna und der Lastkranführerin Hanna wohl auch nicht zu erklären. Ihre Geschichte führt von den 20ern über den 2. Weltkrieg, durch das Leben in der DDR bis zu deren Ende, in eindrucksvollen, manchmal kaum ertragbaren Bildern. Leseempfehlung!
Gesellschafts- und Familienroman mit vielen historischen Einschlüssen. Und ein Jahrhundertroman, wer es auch noch mag, ein Buch über starke Frauen die es trotz schlimmer Verluste schaffen neue Kraft zu schöpfen. Hannah wollte einfach nicht noch ein namenloses Grab, den 2 ihrer 6 Kinder konnte sie nicht begraben. Ihr Motto: "immer anständig bleiben". Jedes Kapitel beginnt mit einer Beschreibung über Blumen. Annett Gröschner erzählt in klaren und kurzen Worten – gerade mit so viel Gefühl und Emotion, dass man Hanna nahe ist, ohne zu viel theatralik oder Sentimentalität . Die Blumenmetaphorik zieht sich wie ein roter Faden durch ihren ihr Leben. Sie Fühlt sich den Blumen sehr viel näher als den Menschen. „Schwebende Lasten“ ist ein stilles, aber tief bewegendes Buch. Annett Gröschner gelingt es, Geschichte spürbar zu machen durch das Leben einer Frau, die niemand berühmt gemacht hat, deren Erfahrungen aber umso universeller sind. Für mich ist es genau das, was „Geschichte von unten“ leisten kann: Sie rückt jene ins Zentrum, die sonst nur am Rand auftauchen – und zeigt, wie viel Mut, Würde und Klugheit im scheinbar Unsichtbaren steckt
Blumenfrau behauptet sich auf.dem Kran und in sämtlichen Systemen.
' Hanna hatte es eilig, wie es in Berlin alle immer eilig hatten... .' Hanna Krause, eine Frau, ein Unikum, eine Zeitzeugin deutscher Geschichte. Fast ein Jahrhundert umspannendes Werk aber dabei so kurzweilig erzählt. Annett Gröschner schafft mich emotional in dieser Geschichte abzuholen, obwohl der Schreibstil teilweise sehr nüchtern daher kommt. Ich hatte das Gefühl, dass Hannas Leben so vorbeirauscht, vielleicht weil wirklich viel in ihrem Leben und ums sie herum im Leben und in Deutschland passiert. Als Frühwaise bahnt sie sich ihren Weg mithilfe oder trotz ihrer älteren und sehr eigenen Halbschwestern. Durchlebt Kriege und eine Ehe, bekommt ein Kind nach dem anderen, verliert Kinder, muss mehrfach abtreiben in einer Zeit, in der dies verboten und große Risiken für das eigene Leben birgt, behauptet sich in einem sozialistischen System, dem sie durchaus auch kritisch gegenüber steht. Und wie genial ist diese Frau in ihrer Berufswahl. Die passionierte Blumenbinderin, ein Beruf in den sie familiär hineinwächst, wird später zur ersten weiblichen Kranfahrerin und liest nebenher Thomas Mann. Ihr Leben lang verbringt sie in Magdeburg, von einer Stippvisite in Berlin angesehen, und den größten Teil im berüchtigten Ortsteil Knattergebirge. Meine geopolitischen Kenntnisse wurden damit erweitert. Man muss diese Frau einfach in ihr Herz schließen. Beim Lesen keimte mehrfach der Wunsch aus, Hanna jetzt vis-a-vis gegenüber zu stehen. Etwas von ihrer Energie, ihrer Schnodderigkeit, die trotz allem vor Lebenslust sprüht, einsaugen. Ein Buch, dass so vieles ist: Familienroman, Zeitgeschichte, feministische Lektüre, ohne aber den Anspruch zu haben, dies alles sein zu müssen. Ich habe mich regelrecht aufs Weiterlesen gefreut. Ich habe gelacht, aber auch sehr viel gelitten, ich habe mich in Ambrosius Bosschaerts Blumengemälde verliebt und am Ende ziehe ich meinen Hut. Vor Hanna Krause. ' Kein Mensch mehr zu hören. Was für ein Luxus. Sie war ganz bei sich.'
Annett Gröschner erzählt detail- und bildreich und gibt mir das Gefühl, direkt dabei zu sein.
Annett Gröschners Roman "Schwebende Lasten" hat mir die Begegnung mit einer besonderen Frau ermöglicht: Hanna Krause, Blumenladenbesitzerin und Kranfahrerin, Waise, Schwester, Ehefrau, Mutter von sechs Kindern und Überlebensspezialistin, deren Leben durch die historischen Ereignisse des letzten Jahrhunderts geprägt war. Der Roman hat mir auch die Begegnung mit einer Stadt ermöglicht: Magdeburg, das gar nicht so weit von meinem Heimatort entfernt ist und über dessen Geschichte ich bisher wenig wusste. Ausserdem hat mich der Roman mit einem Blumenstrauss beschenkt: Anemonen, Narzissen, Ringelblumen, Schwertlinien, Tulpen und vielen anderen. Blumen, die Annett Gröschner zu Beginn jedes Kapitels mit einer Auswahl von Eigenschaften vorstellt und die das Buch auf besondere Art und Weise strukturieren. Hanna muss oft in ihrem Leben pragmatisch handeln, wenn es darum geht, ihre Familie durchzubringen, auch wenn sie selbst gerade grosse Enttäuschungen oder Verluste verarbeitet. Trotzdem gibt es eine starke Poesie in ihrem Leben, die eng mit ihrer Liebe zu Blumen verbunden ist. Aus dieser Poesie wird eine besondere Leidenschaft, als sie 1938 den Auftrag bekommt, einen Strauss nach einem Blumengemälde zu binden. Eine fast unerfüllbare Aufgabe, weil es keine Zeit im Jahr gibt, zu der alle Blumen des Gebindes - die identisch sind mit den Blumen zu Beginn der Kapitel - auf einmal blühen. Trotzdem begleitet sie die Idee dieses Strausses über viele Jahre. Stark berührt hat mich Annett Gröschners Schilderung der Kriegszeit, besonders der Bombenangriffe auf Magdeburg, die Hannas Familie grosse Verluste erleiden lassen. Die Autorin stellt Hannas Erleben dieser Zeit mit einer Mischung aus Intensität und Nüchternheit dar, die grosse Betroffenheit mit dem unbedingtem Überlebenswillen einer Mutter, die für ihre Kinder sorgen muss, verbindet. Aber auch die späteren Kapitel über Hannas Leben nach dem Krieg fand ich sehr lesenswert, weil sie zeigen, wie Hanna ihre persönliche Nische im sozialistischen System findet und weiterentwickelt. Annett Gröschner erzählt detail- und bildreich und gibt mir das Gefühl, direkt dabei zu sein, wenn Hanna durch das Knattergebirge, das einstige Armenviertel der Stadt, läuft und Blumen verkauft, auf den Kran steigt und während der Wartezeiten Thomas Mann liest oder als Rentnerin ins Städtische Gewächshaus geht und sich dort über Nacht einschliessen lässt.

Linear wird das Leben einer Floristin erzählt, die in der DDR um die Familie zu ernähren Kranfahrerin in einer großen heute noch existierenden Metallfabrik wird, aber tief in ihrem Herzen immer Floristin bleibt bis zum Schluss. Der Erzählbogen spannt sich vom Beginn der Nazizeit bis über das Ende der DDR hinaus. Zweifellos ein literarisches Kleinod
Die Kapitel werden wunderbar mit Blumenportraits eingeleitet, man erfährt etwas über die Herzweiche, über Blütezeiten und ein geheimnisvolles Blumenstillleben aus dem 17. Jahrhundert. Nicht nur für Blumenliebhaber bereichernd!
Mit Hanna hoch hinaus – ein Roman, der den Überblick behält
Ich wusste nicht, dass mich ein Roman über eine Blumenbinderin, die später auf einem Kran hockt, so dermaßen aus der Bahn werfen würde. Und das meine ich im besten Sinne. Ich habe das Buch aufgeschlagen, ein bisschen reingeschnuppert – und zack, war ich mit Hanna Krause auf Zeitreise durchs 20. Jahrhundert. Ohne Fluxkompensator, aber mit richtig viel Gefühl und einem irren Blick von oben. Annett Gröschner schreibt, als hätte sie heimlich das Leben selbst interviewt. Und zwar nicht das aus dem Hochglanzmagazin, sondern das echte, kratzige, widersprüchliche. Dieses Leben, das einem mal Blumen, mal Betonbrocken vor die Füße wirft. Hanna ist keine Heldin mit Umhang – sie ist eine, die einfach weitermacht. Kranführerin, Kinderverlusterin, Überblickbewahrerin. Ich wollte sie teilweise einfach nur drücken. Oder wenigstens mit ihr ein Bier trinken. Der Ton des Buches ist poetisch, aber nicht kitschig – und manchmal so trocken, dass ich dachte, die Autorin hätte heimlich bei Loriot gelernt. Ich habe gelacht, geschluckt, gestaunt. Und am Ende kurz geweint, was ich sonst nur bei Steuerbescheiden tue. Diese Frau auf dem Kran steht für so viele, die keiner sieht. Und Gröschner gibt ihr nicht nur eine Stimme, sondern gleich ein ganzes Orchester. Wer glaubt, Geschichte sei langweilig, hat dieses Buch nicht gelesen. Wer denkt, große Literatur müsse immer schwer verdaulich sein, wird hier eines Besseren belehrt. Schwebende Lasten ist klug, traurig, witzig, zärtlich – und manchmal sogar ein bisschen rotzig. Genau mein Ding. Fazit: Ein Roman wie ein gut geschmierter Kran – der hebt einem das Herz an.

Weibliche Resilienz, unfassbar gut
Als Jugendliche im Geschichtsunterricht habe ich mich oft gefragt, wie man es eigentlich ertragen konnte, so viele verschiedene Umbrüche, Ereignisse, Gesellschaftsformen in einer einzigen Lebenspanne zu erleben. Die Antwort liegt wohl darin, indem man jeden Tag das tut, was getan werden muss. Das wunderschöne Cover zeigt uns eine scheinbar unbeschwerte Momentaufnahme aus dem Leben einer Frau, so wie es wahrscheinlich Millionen von Schnappschüssen in den Fotoalben unserer Großeltern tun. Die Buchgestaltung und auch der dazugehörige Kurzfilm, der auf social media zur Veröffentlichung des Buchs zu sehen war, hat mich direkt sehr angesprochen und berührt. Die Frau bleibt unscharf, als Stünde sie nicht im Fokus, obwohl sie den Titel ziert. Die Aufnahmen kamen mir bekannt vor, ohne dass ich sie kannte. So war es auch mit der Protagonistin Hanna. Ihre Sprache und Wortwahl ist die Sprache meiner Großeltern, mit der ich aufgewachsen bin, die zu meinem Wortschatz wurde. Daher habe ich den Schreibstil und auch die Charaktere unmittelbar als sehr nah und vertraut empfunden sowie auch viele Szenen aus dem Buch, wie das tägliche Anheizen der Öfen, mit dem ich auch in früher Kindheit noch aufgewachsen bin. Wir begleiten Hanna auf ihrem Weg von der verlassenen Tochter, ungeliebten Stiefschwester, begabten und kreativen Blumenbinderin, Ehefrau eines (Sucht)erkrankten Mannes, unentwegt schwangeren Mutter - die ihre Kinder liebt und so viele auf unterschiedliche Weisen verliert - zur sich behauptenden Kranführerin, zur Großmutter - die den Bezug zur Welt ihrer Enkel verliert und entlang all dieser Facetten eines weiblichen Lebens, dafür nie die Liebe zu ihren Blumen verliert. Diese Liebe trägt sie durch all das Schreckliche, Schöne und Alltägliche und das vollkommen ohne Kitsch. Dabei ist Hanna selbst so unauffällig widerstandsfähig wie manch eine Blume, die an den Bahnschienen trotz der unwirklichen Umgebung allen Umständen trotzt. Die unbeschreiblichen Erfahrungen, die Hanna während des 2. Weltkriegs durchstehen muss, werden von der Autorin klar und schonungslos skizziert. Explizite Schilderungen des Furchtbaren sind für mich normalerweise schwer zu ertragen. So wie Annett Gröschner sie gestaltet, wirken sie ehrlich, organisch in diesem Leben gewachsen und damit authentisch, sie gehören zu diesem Leben und damit zur Geschichte. Eine zentrale Rolle in Annett Gröschners Meisterwerk spielt das Gemälde eines Blumenstraußes, mit dessen Nachbildung Hanna in ihrem Blumenladen in den Vorkriegsjahren beauftragt wird. Der Auftraggeber ist der Erste, der ihr offen ihre Begabung zurückmeldet und mit dem sie eine Sprache zu sprechen scheint. Sofort analysiert sie, dass die gemalten Blumen nie gleichzeitig alle so in der Vase haben stehen können, dass der Künstler das Gemälde über verschiedene Jahreszeiten und Vegetationsperioden nach und nach geschaffen haben muss. Dieser Strauß wird entlang des Romans inhaltlich immer wieder aufgegriffen, einige Fragen dazu bleiben unbeantwortet. Die Kapiteltitel orientieren sich an den Elementen dieses Gemäldes und bestehen aus kurzen Erläuterungen zu den gezeigten Pflanzen und Tieren. Ein Gestaltungselement, dass mich sofort berührt und fasziniert hat. So entsteht der nach und nach die Metapher, dass auch die einzelnen Kapitel aus Hannas Leben, wie die einzelnen Blumen im Strauß sind, die erst nach und nach und zu unterschiedlichen Jahreszeiten zum Gemälde hinzugefügt werden können. Verstanden werden können. Ein weiterer genialer Schachzug ist die Titelwahl: Schwebende Lasten lassen initial an Leichtigkeit denken oder auch an Hannas späteren Beruf als Kranführerin. Vielmehr versteckt sich dahinter aber auch die Ansammlung all der Lasten, die Hanna durch die traumatischen Erlebnisse und all das, was wir heute als „mental load“ bezeichnen, tragen muss, die Lasten, die unsichtbar über uns schweben. Viele Szenen in diesem Buch haben mit zu Tränen gerührt, das Bild vom „Pflaster-Opa“, die Schilderung eines typischen Morgens vor Hannas Frühschicht und auch die Demütigen in der Nachwendezeit. Fazit: Ein Buch über Widerstandsfähigkeit, verborgene Talente, Leidenschaften, die uns als Ressource über eine ganze Lebensspanne mit all ihren Grausamkeiten resilient machen, unsere jüngste historische Vergangenheit und die fehlende Anerkennung, die ein „unauffälliges, normales“ Frauen-Leben verdient, aber nur selten bekommt. Hier handelt es sich um einen Höhepunkt meines Leselebens, daher möchte ich euch eine unbedingte Leseempfehlung aussprechen! Hinweis: Rezensionsexemplar bei @vorablesen gewonnen. Ihr lest meinen persönlichen, unabhängigen Eindruck.
Annett Gröschner erzählt schnörkellos das ereignisreiche Leben einer starken Frau: Hanna. Aus schwierigen Familienverhältnissen stammend folgt sie ihrer Liebe zu den Blumen und eröffnet ein Geschäft. Sie kennt sich mit Blumen aus, ist Pflanzenfreundin und liebt den kleinen Laden, bis sie ihn nach Kriegsbeginn schließen muss. Später wird das Zuhause ausgebombt und Hanna wird Kranführerin. Sie bekommt 6 Kinder, ihr ältester Sohn stirbt im Bombenhagel des Zweiteb Weltkrieges. Annett Gröschner erzählt die Geschichte eines Frauenlebens mit all seinen Höhen und Tiefen, Schicksalsschlägen, Irrungen und Wirrungen. Es zeigt sehr gut: ein Leben ist weder planbar noch geht der Weg immer geradeaus. Neben den Blumen spielt die wechselhafte Geschichte der Stadt Magdeburg eine nicht unwesentliche Rolle. Der Roman „Schwebende Lasten“ von Annett Gröschner eröffnet dem interessierten Leser einen historischen Einblick in das 20. Jahrhundert, in Diktatur, Sozialismus, Kommunismus und Kapitalismus. Sehr lesenswert!
Dieser Roman schafft es, auf wenigen Seiten die deutsche Geschichte ab dem 1. Weltkrieg, mit einer sehr beeindruckenden und vor allem resilienten Protagonistin , die viele Schicksalschläge erleiden muß, zu erzählen. Der neutrale, berichterstattende Schreibstil lässt aber wenig Nähe zu und daher fehlte mir oft das Eintauchen und Aufgehen in tiefere Ebenen , aber vielleicht ist das auch gerade so gewollt...
Am Anfang sehr gut, dass Ende hat mich leider zunehmend gelangweilt. Schade.
Hanna führt ein schweres Leben. Mit viel Fleiß macht sie sich als Blumenhändlerin selbstständig, bis der Zweite Weltkrieg alles verändert. Als Mutter von sechs Kindern trägt sie die Familie, nach dem Krieg arbeitet sie sogar als Kranführerin. Das Buch schildert eine Frau, die immer tat, was nötig war, ohne je etwas für sich selbst zu fordern. Der Schreibstil ist schlicht, im letzten Teil jedoch etwas langatmig. Trotzdem eine lesenswerte Geschichte über Stärke und Hingabe.
Annett Gröschner erzählt die Geschichte von Hanna Krause und damit die Geschichte eines Jahrhunderts. Hanna war Blumenbinderin, hatte einen Blumenladen, war Putzfrau, Kranführerin, Mutter von 6 Kindern, Ehefrau, Schwester… eine „normale“ Frau. Ich finde Hanna ist eine außergewöhnliche Frau, die trotz Schicksalsschlägen nie aufgegeben hat und immer für ihre Lieben alles gegeben hat. Viel zu oft werden solche Frauen und ihre Leistung als selbstverständlich betrachtet. Es hat mich sehr gefreut von Hanna zu lesen.
Sehr berührendes Portrait eines Frauenlebens im Osten Deutschlands
Die Geschichte von Hanna Krause aus Magdeburg, die bis zum Ende des 2. Weltkrieges als Blumenbinderin und später als Kranfahrerin gearbeitet hat, Kinder geboren und verloren hat, konnte mich von der ersten Seite an fesseln. Die Lebenstüchtigkeit, der Lebens- und Überlebenswille dieser Frau hat mich stark berührt und beeindruckt. Annett Gröschner schreibt mit klaren Worten in angenehmem Tempo, so dass der Roman geradezu Schmökercharakter erhält. Die Liebe Hannas zu Blumen zieht sich durch ihr ganzes Leben, ist Teil davon. Und so beginnt auch jedes Kapitel mit der Vorstellung einer Blume. Man kann sie lesen oder auch nur überfliegen, je nach Geschmack. Mir hat das Buch unglaublich gut gefallen. Eine interessante, bewegende Geschichte, durchgehend mitreißend und sprachlich gut erzählt - berührend von der ersten bis zur letzten Seite. Klare Leseempfehlung!
Alle unbedingt lesen!
Ein Buch, welches mich auf eine ganz besondere Weise berührt. Hannah‘s Kinder bilden die Generation meiner Großeltern ab, was meinen Blick auf ihre Eigenarten milde Stimmen lässt und mich gleich in den Bann des Buches zog. Der Roman ist schonungslos ehrlich und lässt uns mitten in die, für mich weit entfernten, Kriegssituationen eintauchen mit allen Ängsten, Hoffnungen und dem unermüdlichen Kampfgeist. Hannah als junge Mutter und Ehefrau erwartet nicht viel und trägt die gesamtfamiliäre Verantwortung mit einer unfassbaren Stärke, welche nicht überzogen, sondern eher pragmatisch zu verstehen ist. Ganz wunderbar ist die Geschichte um Hannah, da sie stellvertretend für Millionen Familien und Frauen steht, die sämtliche Staatsformen durchlebten und um das tagtägliche Überleben kämpften. Das Buch lässt mich demütig zurück und voller Bewunderung gegenüber der Kriegsgeneration. Eine eigene Wohnung, Auto, berufliche Selbstverwirklichung und die Frage, wohin es in den nächsten Urlaub geht, haben wir Frauen wie Hannah zu verdanken. Die Frage nach den Prioritäten im Leben wird hier nochmal ganz anders formuliert. Fazit: Ein überaus wichtiges Buch, den jede*r lesen sollte, um die Vermächtnisse des letzten Jahrhunderts als Mahnung der Gegenwart und Zukunft zu verstehen. Eine absolute Leseempfehlung meinerseits!
Annett Gröschner erzählt uns die Geschichte von Hanna Krause, einer Floristin in den 1930er Jahren in Deutschland. Wie sie den Krieg überstanden und unzählige Schicksalsschläge (mehrere ihrer Kinder starben) überlebt hat, um nach dem Krieg von der Nazidiktatur in der nächsten Diktatur (DDR) zu landen und bei alledem irgendwie weiter macht, ihre Familie versorgt, Ihr Leben lebt. Zur Not auch, trotz Höhenangst, als Kranfahrerin. Ein starkes Buch!
Die Blumenfrau
Meine Mutter wollte in ihrem Leben eigentlich Floristin werden. Sie hatte eine große Liebe für Blumen, kannte alle Arten, war diesbezüglich experimentierfreudig und hatte ein Händchen für Sträuße und Gestecke. Sie war eine Blumenfrau genauso wie Hanna -nur rosa Gerbera die konnte sie nicht leiden und hat kurz vor ihrem Tod noch verfügt, dass davon bitte keine in irgendwelche Kränze sollten. Wenn Hanna eine Blume wäre, dann wäre sie am liebsten eine Hortensie, widerstandsfähig und farbig in der Jugend, und selbst wenn sie verblüht hoffentlich immer noch hübsch anzuschauen. Fast ein ganzes Jahrhundert umspannt die Geschichte der Hanna Krause. Schon als Stiefschwester - als Nesthäkchen- das aber nicht verwöhnt, sondern mit Strenge und Gewalt zum Arbeiten erzogen wurde, ist sie nicht auf Rosen gebettet.. Ziemlich früh heiratet sie Karl gegen den Rat ihrer Familie. Ein Versicherungskaufmann, einen Büromenschen, der aber kurz nach der Hochzeit seinen Job verliert und dann doch in der Fabrik landet. So richtig versorgen kann er seine Familie nicht. Die wächst und wächst, doch dem Alkohol gilt seine größere Liebe. Und so muss Hanna ran. Sie eröffnet einen Blumenladen und geht in dieser Arbeit auf. Selbst als es kaum noch Blumen gibt, schafft sie es irgendetwas ansehnlich zusammen zu stecken. Doch sie verliert ihr Geschäft und arbeitet nach dem Zweiten Weltkrieg als Kranführerin hoch oben und hat dort den Überblick. Den Verlust zweier Kinder, einen Kaiser, mehrere Führer, zwei Demokratien und viele andere politische Wechsel hat sie am Ende überlebt und alle Höhen und Tiefen ertragen. Es muss ja irgendwie weitergehen. Im ersten Drittel der Geschichte habe ich mich immer wieder gefragt, was an diesem Buch so besonders sein soll. Es ist halt die Lebensgeschichte einer Frau des letzten Jahrhunderts. Eine von vielen, aber doch nichts einzigartiges? Doch nach und nach erschloss sich mir, was mir dieses Buch abverlangt: Respekt vor der Stärke einer Frau, der schwere Lasten auf ihre Schultern geladen wurden, die ein Mensch alleine eigentlich gar nicht tragen kann, und die nicht daran zerbricht. Es sind diese unsichtbaren Frauen, die unser System aufrecht erhalten - auch heute noch – zwar anders, aber immer noch mit einer Selbstverständlichkeit, die manchmal ans Schmerzhafte grenzt. Sie nehmen sich selbst nicht so wichtig, sie versorgen ihre Kinder, tolerieren die Unfähigkeit ihrer Männer und ertragen die Misogynie der Gesellschaft. Diese schwebt in jeder zweiten Zeile mit. Man traut Hanna erst mal nichts zu und sieht dann nicht, was sie im Leben alles geschafft hat – das ohne zu verzweifeln, zu verbittern und zu verzagen. Annett Gröschner hat ihr Portrait der Hanna Krause, das oberflächlich gesehen, den Flair von Trauerrändern unter den Fingernägeln, den beißenden Geruch von Schweiß und das bittersüße des Rosenkohls versprüht, mit der Zartheit von Blumen angereichert. Die floralen Einleitungen, die den Kapiteln ihren Titel geben, setzen die Härte des Inhalts in eine fragile Relationen. Die Integration des Gemäldes von Bosschaert fand ich sehr gelungen und macht den Plot rund. Erzählerisch legt die Autorin den Pragmatismus an den Tag, den ihre Hanna perfektioniert hat. Dialoge setzt sie wohl dosiert ein. Diese sind immer auf den Punkt. Sie schweift nie mit den Gedanken ab, erzählt nur das, was wichtig ist und man kann das Seufzen der Mühsal förmlich hören. Bis zum Schluss finden Hannas Hände keine Ruhe, und so widmet sie sich zum Ende ihres Lebens hin wieder dem, was ihr die größte Freude bereitet. Für Sie sind Blumen, die besten Freunde und die intelligentesten Gesprächspartner. Die letzten 10 Seiten hat mich das Buch überwältigt – mir schossen immer wieder die Tränen in die Augen, weil mich das Leben der Hanna Krause sehr berührt hat und es vielleicht sogar ein klein wenig den Blick auf meine Mutter verändert, die schon mit 65 Jahren starb und ihr Leben ebenfalls mit harter Arbeit verbringen musste damit die Anderen nicht untergehen. Und allein dass ein Buch das schafft, ist den Platz auf der Longlist wert. Ein Highlight und eine große Leseempfehlung für alle.
Das Buch erzählt die Geschichte einer starken Frau. Sie steht in der jungen Blüte ihres Lebens als wir Leser sie kennenlernen dürfen. Sie trifft eine Entscheidung die ihr weiteres Leben komplett bestimmen wird. Sie heiratet, bekommt Kinder, lebt ihren Traum und dann kommt der Krieg. Jedes Kapitel startet mit einer Erläuterung, meist zu Blumen aber einige wenige Male auch zu Insekten oder anderen. Und diese haben dann auch einen Auftritt im folgenden Kapitel aber oft nicht nur in einem Kapitel, es gibt immer mal wieder Hinweise auf Fauna und Flora. Das mochte ich persönlich sehr. Konnte ich mit Hannah immer mitfühlen oder ihre Entscheidungen und Taten nachvollziehen? Nein, eigentlich nicht. Manchmal kam einfach nur Mitleid in mir auf und dann aber auch wieder Mitgefühl. Kalt hat mich dieses Buch auf keiner Seite gelassen. Die Geschichte hat mich dazu angeregt die Zeit in der sie spielt und hier und da auch etwas nachzurecherchieren weil ich manches auch einfach nicht glauben wollte, vielleicht auch nicht wahr haben wollte. Aber dieses Buch ist sehr geschichtsgetreu. Erzählt von den Vorkriegsjahren, den Kriegsjahren und den Nachkriegsjahren im Osten von Deutschland und eben von einer Frau und Mutter und wie diese oft ihren Mann steht. Sie kämpft für sich und ihre Familie, mitunter wie eine Löwin und dann ist sie auch wieder ganz leise und kurz vorm aufgeben, aber sie tut es niemals. Mich hat dieses Buch sehr beeindruckt und mir hat es extrem gut gefallen.
Das Portrait einer Frau, die Kriege, Zerstörung erlebt, Kinder verloren, für sich und ihre Familie gekämpft hat und immer wieder zu ihrer Liebe zurückkehrt: den Blumen.
Das Buch erzählt die Lebensgeschichte von Hanna, die noch vor dem 2. Weltkrieg ihren eigenen Blumenladen eröffnet, eine Geschäftsfrau und die Versorgern der Familie ist. Sie und ihre Familie erleben alle schrecklichen Dinge, die der 2. Weltkrieg durch Zerbombungen, Verlust, Hunger, Armut mit sich gebracht hat und schafft es aber, durch eine unglaubliche Stärke, Kraft und den Mut, nicht aufzugeben, auch die schrecklichsten Zeiten zu überstehen. Die Geschichte berührt mich, da Hanna mich an meine eigene Oma erinnert, die ebenso als Ladeninhaberin nicht nur für die Geschäfte verantwortlich war, sondern immer alles für die Familie geben musste. Ein gelungenes Buch, dass einen Einblick in das Leben der 1930-1990er gibt, wenngleich ich es zwischendurch etwas langatmig fand.
“Schwebende Lasten” von Annett Gröschner handelt von Hanna, deren Leben in Magdeburg zwischen den 1930er und 2000er Jahren im Rahmen der politischen Umstände nachgezeichnet wird, sodass sie anhand des Lebens einer Frau ein Gesellschaftsbild in drei aufeinander folgenden Systemen beispielhaft gezeichnet wird. Beginnend als Floristin, aus der Bahn geworfen durch den Krieg, eine unglückliche Ehe und viele Verluste im Gepäck, arbeitet sie schließlich als Kranführerin im Schwermaschinenwerk, scheint jedoch ihren Platz zwischen den Systemwechseln nie so wirklich zu finden. Das Buch ist ein bewegendes, beklemmendes, aber auch ergreifendes Werk, das, obwohl eher distanziert und schildernd geschrieben, die Lesenden mit voller Wucht trifft. Besonders die Schilderungen über die Kriegszeit in Magdeburg schnürten mir beim Lesen oft die Kehle zu (noch dadurch verstärkt, dass ich die Stadt sehr gut kenne und vieles genau verorten kann), aber auch die Rentnerjahre, in denen das Leben an Hanna nur so vorbei gezogen zu sein scheint. Die Figurenzeichnung ist einerseits sehr dezidiert, andererseits bleiben einem Hannas Kinder über große Strecken fremd, wie sie auch der Protagonistin mit den Jahren immer fremder werden. Annett Gröschner ist hier ein tolles Porträt einer Frau und eines ganzen Jahrhunderts gelungen und in meinen Augen ist das Buch zu Recht für den Deutschen Buchpreis nominiert worden. *Das eBook wurde mir kostenfrei vom Verlag zur Verfügung gestellt.
Authentische Geschichte über das Leben einer Frau vor, während und nach dem 2. Weltkrieg. Die Geschichte erzählt von einem gewöhnlichen Leben, ohne zu beschönigen und ohne Sentimentalitäten. Die Geschichte ist berührend, stellenweise sehr schmerzhaft und trotzdem immer mit einem Hauch Es geht weiter, irgendwie wird es wieder.
Das Buch steht berechtigt auf der Longlist des Deutschen Buchpreises. Es erzählt in einer ruhigen Sprache das Leben von Hanna, ein Frauenleben zwischen Weimarer Republik, 2. Weltkrieg, DDR und Wiedervereinigung. Hanna ist keine typische Heldin, sie ist eine einfache Frau und gibt damit so vielen ein Gesicht, deren Geschichten nicht erzählt werden, aber so wichtig sind.
Wieder so ein Frauenroman über die Zeit des 2. Weltkrieges? Das Cover lässt das erwarten. Aber nein, ein ganz anderes Buch, beginnend in der Zeit vor dem 2. Weltkrieg, weiter erzählt bis in die neunziger Jahre. Es ist ein Buch über eine taffe Frau, sachlich, manchmal mit etwas Humor, doch auch eindrücklich und atmosphärisch erzählt. Zum Inhalt: Schwebende Lasten ist die Geschichte von Hanna, geboren 1913 in Magdeburg, die vaterlos aufwächst und früh ihre Mutter verliert. Nach dem Tod der Mutter kommt sie bei ihrer Halbschwester Rose und deren Mann unter. Hanna liebt Blumen und die Stadt und wird wie ihre Halbschwester Rose Blumenbinderin. Sie lernt Karl Krause kennen, wird schwanger, heiratet Karl, erfüllt sich den Traum eines eigenen Blumengeschäfts und wird mit zwanzig Jahren zum ersten Mal Mutter. Mit 25 Jahren ist Hanna das sechste Mal schwanger, darunter eine Fehlgeburt und zwei Abtreibungen. Ihren Blumenladen kann Hanna im Krieg nicht halten und wird entgegen dem Vorurteil, dass Frauen nichts auf dem Kran um suchen haben, Kranfahrerin bei Krupp-Gruson. Die Krauses werden ausgebombt, Hanna verliert ein Kind nach einem Bombenangriff und ihre Schwiegermutter. Hanna spricht mit den Blumen und gibt ihnen Zeit zum Antworten. Am Ende ihres Lebens, Hanna lebt inzwischen im Plattenbau, arbeitet Hanna wieder als Blumenbinderin und stirbt "rechtzeitig bevor sie die Welt nicht mehr verstand".
Ein herausforderndes Leben
Hanna lebt kein einfaches Leben. Mit Fleiß und viel Durchhaltevermögen gelingt es ihr sich als Blumenhändlerin selbständig zu machen, bis der 2. Weltkrieg kommt. Als Mutter von sechs Kindern und Ehefrau eines Mannes, der selbst wie ein Kind wirkt, sorgt sie dafür, daß die Familie durch kommt. Nach dem Krieg findet sie eine neue Herausforderung als Kranführerin. Das Leben wird ein bisschen einfacher. Das Buch erzählt das Leben einer Frau, die immer gemacht hat, was gerade notwendig war, ohne groß darüber nachzudenken und für sich selbst nie etwas gefordert hat. Das Buch hat einen ruhigen, schnörkellosen Schreibstil. Leider verliert das Buch im letzten Viertel an Dynamik und wird langatmig. Trotzdem bleibt es eine interessante Geschichte über eine Frau, die immer alles für ihre Familie getan hat.
Hanna Krauses Geschichte beginnt zwar in Berlin als Haushälterin ihrer Halbschwester, spielt sich dann aber über ein ganzes Jahrhundert in Magdeburg ab. Das Handwerk der Floristin erlernt sie bei ihrer anderen Halbschwester, die sie seit ihrer Kindheit drangsaliert. Nach ihrer Hochzeit mit dem Versicherungskaufmann Karl eröffnet sie einen eigenen kleinen Blumenladen im Knattergebirge, der den zweiten Weltkrieg und die dunklen Nazijahre aber nicht überlebt - genau wie das Viertel, in dem Hanna wohnt. Nach dem Krieg und der deutsch-deutschen Teilung wird Hanna Kranführerin. Die sechsfache Mutter bleibt ihrem Lebensmotto treu: Anständig bleiben. Sie bleibt bis zu ihrem Tod eine, die das Leben nimmt, wie es kommt. Annett Gröschner hat mich mit ihrem Roman "Schwebende Lasten" von der ersten Zeile an verzaubert. Ich habe die Verbindung zwischen Hanna Krause, dieser Protagonistin, mit der man sich so gut identifizieren kann, und den Blumen, die jedes Kapitel einläuten - angelehnt an das Gemälde Blumenvase in einer Fensternische von Ambrosius Bosschaert -, sehr gemocht. Die Blumen und Pflanzen ziehen sich durch Hannas Leben, sie geben ihr Ruhe und Freude, was ihre Mitmenschen oft nicht vermögen. Dieses Leben ist geprägt von schweren Verlusten und Schicksalsschlägen, Hanna gibt aber nie auf, sie macht weiter, für ihren Mann, ihre Kinder und auch sich selbst. Es ist ein einfaches Leben einer einfachen Frau - und genau das macht diesen Roman für mich aus. Ganz unaufgeregt und fast etwas distanziert erzählt Annett Gröschner ein ganzes Jahrhundert in einem Menschenleben und hat mich damit doch tief berührt und gefesselt. Ich habe das Buch als Hörbuch, gesprochen von Michaela Winterstein, gehört, was ich sehr empfehlen kann.

Nicht weniger als ein Leben wird mit der Geschichte der Blumenbinderin und Kranführerin Hanna Krause erzählt. Sie erlebt die Schrecken des Krieges, die Anfänge und das Ende der DDR, bringt Kinder zur Welt und muss mit Verlusten umgehen, arbeitet hart für sich und ihre Familie... ...und ihre Geschichte trifft einen als Leser*in mit einer unbeschreiblichen Wucht! Hier wird das Leben von einer unglaublich starken Frau beschrieben, die sich immer wieder durch extrem harte Zeiten kämpfen muss, weil sie eben nicht priviligiert ist und sich vielleicht auch den falschen Mann ausgesucht hat. Hier wird nichts beschönigt oder romantisiert. Dabei wirkt der Text so furchtbar authentisch, dass ich weinen möchte. Beim Lesen hatte ich immer wieder die Stimme meiner Großmutter im Ohr, die mir ihre Geschichten über die (Nach-)Kriegszeit erzählte. Genauso wie in "Schwebende Lasten" hätte es sein können. Und genau diese Festsellung hat mit am Ende sprachlos gemacht, unter Schock gesetzt und zu Tränen gerührt. Sehr empfehlenswert!
Lebensgeschichte eine Frau geb 1913 mit viel Wucht & Poesie
Nicht weniger als ein ganzes Leben erzählt Annett Gröschner mit der Geschichte der Blumenbinderin und Kranfahrerin Hanna Krause – mit einer Wucht und Poesie, wie sie nur dort entstehen können, wo die Literatur wirklichkeitssatt ist. Hanna Krause war Blumenbinderin, bevor das Leben sie zur Kranführerin machte. Sie hat zwei Revolutionen, zwei Diktaturen, einen Aufstand, zwei Weltkriege und zwei Niederlagen, zwei Demokratien, den Kaiser und andere Führer, gute und schlechte Zeiten erlebt, hat sechs Kinder geboren und zwei davon nicht begraben können, was ihr naheging bis zum Lebensende. Hatte später, nachdem ihr Blumenladen längst Geschichte war, von einem Kran in der Halle eines Schwermaschinenbaubetriebes in Magdeburg einen guten Überblick auf die Beziehungen der Menschen zehn Meter unter ihr und starb rechtzeitig, bevor sie die Welt nicht mehr verstand. Hanna Krause blieb bis zu ihrem Tod eine, die das Leben nimmt, wie es kommt. Ihr einziges Credo: anständig bleiben. Annett Gröschners Roman erzählt die Geschichte eines Jahrhunderts in einem einzigen Leben und gibt, mit Hanna, denen ein Gesicht, die zu oft unsichtbar bleiben. Ein Roman über das Ende des Industriezeitalters und seiner Heldinnen im Osten Deutschlands – und über eine gewöhnliche Frau in diesem unfassbaren 20. Jahrhundert





















































