Reichskanzlerplatz
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Description
»Ein furchtloser Roman über Mittäterschaft und darüber, wie aus dem kleinen Bösen das große Böse wächst. Kann man denn über das ›Dritte Reich‹ erzählen? Die Frage wird oft gestellt, nicht zu Unrecht. Nora Bossong beantwortet sie mit diesem großartigen Buch, indem sie es tut – vielschichtig, besonnen und erbarmungslos.« Daniel Kehlmann
Als Hans die junge und schöne Stiefmutter seines Schulfreunds Hellmut Quandt kennenlernt, ahnt er noch nicht, welche Rolle Magda in seinem Leben spielen wird, für ihn persönlich, aber auch Jahre später als fanatische Nationalsozialistin und Vorzeigemutter des »Dritten Reichs«. Noch ist die Weimarer Republik im Aufbruch und Hans so heftig wie hoffnungslos in Hellmut verliebt. Doch nach einem Unglücksfall beginnen Hans und Magda eine Affäre, von der sie sich Trost und Vorteile versprechen: Sie will aus ihrer Ehe ausbrechen, er seine Homosexualität verbergen. Erst als Magda Joseph Goebbels kennenlernt und der NSDAP beitritt, kommt es zwischen Hans und ihr zum Bruch. Während Magda mit ihren Kindern bald in der Wochenschau auftritt, gerät Hans zunehmend in Gefahr. Ein Roman, der über zwanzig Jahre den Weg zweier Menschen und eines Landes erzählt, der nicht unausweichlich war.
Nora Bossong zeichnet in ihrem neuen Roman das intensive Porträt der Frau, die Magda Goebbels wurde, und ihres jungen Liebhabers. Zwei Menschen in der Maschinerie der historischen Ereignisse, unterschiedlich verstrickt, unterschiedlich schuldig geworden. Auch an sich selbst.
Book Information
Author Description
Nora Bossong, 1982 in Bremen geboren, schreibt Lyrik, Romane und Essays, für die sie mehrfach ausgezeichnet wurde, zuletzt mit dem Joseph-Breitbach-Preis, dem Thomas-Mann-Preis und dem Elisabeth-Langgässer-Literaturpreis. Nora Bossong lebt in Berlin.
Characteristics
1 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Posts
Leider hat mich das Buch nicht so sehr gefesselt wie erhofft . Die Kapitel waren zwar perfekt in Sinnabschnitte gegliedert , dennoch waren ab und an ( Gedanken - ) Sprünge enthalten, bei denen ich erstmal überlegen musste , wie die hier rein passten. Auch passte der Klappentext nicht soooo ganz zum Inhalt. Ja, Magda Goebbels spielte eine Rolle, dennoch war es eher ein Ausschnitt aus dem Leben des Hans Kesselbachs , der , in der Oberschicht geboren, schon in jungen Jahren seine Homosexualität entdeckte und während der NS - Zeit ein Spießrutenlauf zwischen seinem bürgerlichen Beamtentum und seiner Sexualität erlebte. Magda Goebbels ist für mich in diesem Roman eher eine Randfigur . Viele historische Ereignisse werden als beiläufige Kommentare in diesem Buch eingeworfen und so habe ich das Buch immer mal wieder weg legen müssen, um diese nachzuschlagen . Es kratzt für mich auch nur an der Fassade an Mittäterschaft oder Schuldhaftigkeit.

Die Deutschen haben die Demokratie so schnell vergessen wie eine Vokabel aus ihrer Schulzeit. Dieses Zitat fasst für mich das zusammen, worum es in dem Buch von Nora Bossong geht. Den Klappentext finde ich irreführend, denn es geht für mich nicht um ein Portrait von Magda Goebbels. Für mich geht es in dem Buch viel mehr darum, wie „beiläufig“ der Nationalsozialismus in ganz kleinen Schritten in den 1920er Jahren gesellschaftsfähig wurde, und wie es dann nach der Machtergreifung 1933 weiter ging. Wie die Menschen damit umgegangen sind wird exemplarisch an dem Leben einzelner Menschen gezeigt, wie Hans, der sich anpasst, wobei es bei ihm auch darum geht, seine Homosexualität zu verbergen. Magda Goebbels geht einen anderen Weg, und noch einen anderen geht Karl, der als Sozialdemokrat in der Schweiz Asyl findet. Ein eindringliches Buch, vor allem vor dem Hintergrund der politischen Entwicklung in Deutschland, den USA und anderen Ländern. Ich hoffe, dass das Zitat oben nicht wieder Wirklichkeit wird.
Die Deutschen haben die Demokratie so schnell vergessen wie eine Vokabel aus ihrer Schulzeit
Dieses Zitat aus dem Buch hat auch heute Gültigkeit. Die Parallelen aus den 1930er Jahren zu unserer heutigen Zeit fand ich beängstigend. Nora Bossong gibt Hans, dem jungen Geliebten von Magda Goebbels eine Stimme. Zu der Zeit des Verhältnisses zu Hans war sie noch die Stiefmutter von Hans besten Freund und seiner heimlichen und wirklichen Liebe Hellmuth. Sie trug zu dieser Zeit noch den Namen Quandt. Mit der Beziehung zu Joseph Goebbels endete auch die Liebelei mit Hans, die von keinem der beiden als ernsthaft betrachtet wurde. Hans macht als Diplomat seinen Weg im Deutschen Reich und wird nach Norditalien versetzt. Er hat immer mal wieder Kontakt zu Magda, der es in der Beziehung zu Goebbels nicht gut geht. Ihre Begeisterung für den Nationalsozialismus war dennoch ungebrochen. Hans versucht in der Zeit unauffällig zu bleiben, heiratet, obwohl er eigentlich auf Männer steht und hält sporadisch Kontakt zu seinem Kameraden Karl der eine andere politische Meinung vertritt. Das Buch stellt wichtige Fragen nach Mittäterschaft durch das Wegschauen und Leugnen offensichtlicher Verbrechen am jüdischen Volk. Dennoch konnte es mich nicht ganz packen, was vor allem am Erzählstil lag. Das man nicht viel neues über das Leben von Magda Goebbels erfährt - eine häufige Kritik an dem Buch - stimmt, hat mich aber nicht gestört. Die verschiedenen Anspielungen auf historische Ereignisse musste ich googeln.
Super lesbare Longlist
Wer schon immer mal wissen wollte, wie Familie Quant/Klatten zu ihrem Erbe gekommen ist, sollte das Buch lesen. Welche Rolle Magda Göbbels im Konstrukt hatte, welche Herkunft sie hatte… echt interessant! Wie kleine Geister unter den Nazis groß und „große“ Geister durch anbiedern unter den Nazis noch größer geworden sind. Anscheinend konnte man sich die Entnazifizierung doch kaufen ... gut erzählte Geschichtslektion.
"Lange hatte ich keine Vorstellung von Liebe. Ich habe einige Verwirrungen darunter gesammelt,die doch je etwas anderes,vielleicht sogar Gegensätzliches meinten. Große Gefühle sind selten, angepriesen in Romanen,die verkauft werden wollen,verklärt von Menschen,die zu verführen wissen. In Wirklichkeit ist zwischen einem Irren und einem Verliebten der Unterschied gering,und ich weiß nicht,warum man vor dem einen Angst hat und den anderen beneidet. Ich hatte Magda gesehen und den Minister,da waren sie,die großen Gefühle. Es war doch besser,man hielt sich davon fern." Hans Kesselbach , S. 270

Ich bin mir nicht ganz schlüssig was ich von dem Buch halten soll. Sehr interessant dass and ich die Geschichte von Magda Goebbels, die sich ja wohl so in der Wirklichkeit ereignet hat. Auch die Darstellung des Lebens Umstände in der Nazizeit für Homosexuelle war interessant und teilweise spannend. Dagegen war mir die Geschichte oft zu langsam erzählt und leider leider hat mich das Schicksal von Hans nicht genug gefesselt. Kann man m. E. lesen, muss man nicht.
Bedrückend
Hans verliebt sich in Hellmut und lernt durch ihn dessen Stiefmutter Magda kennen. Eine Frau die bis heute jeder in Deutschland kennt, denn an der Seite ihres späteren Ehemannes Joseph Goebbels, wird sie zur Vorzeigefrau und -Mutter im Deutschen Reich. Über viele Jahre folgt man dem Schicksal der zwei Hauptpersonen Hans und Magda und mit jeder Seite die ich gelesen habe, stieg auch mehr mein Unverständnis. Wie Hans es geschafft hat in einem System zu Leben und sogar mitzuwirken, dass ihn jederzeit selbst beseitig hätte. Wie eine Frau, so sehr in ihrer angeblichen Liebe aufgehen kann, dass sie die Schrecken ihres Mannes nicht nur toleriert sondern gar mitträgt. Und auch heute stelle ich mir immer die Frage, könnte so etwas jederzeit wieder passieren?
Zu Beginn war ich von diesem Buch wirklich begeistert, das ließ allerdings immer mehr nach. Ich empfand auf Dauer den Schreibstil als etwas anstrengend und der Geschichte ließ sich nachher kaum noch so richtig folgen. Dennoch hat dieses Buch seine durchaus starken Momente und auch das grundsätzliche Konzept hat mich überzeugt.
Nora Bossong hat für mich einen besonderen Roman geschrieben. Sie steht mit "Reichskanzlerplatz" auf der Longlist des Deutschen Buchpreises
Seit 1963 trägt der Reichskanzlerplatz in Berlin einen neuen Namen, den des ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss. Es gibt noch einige Bilder aus der Zeit als der Platz 1907 fertiggestellt wurde, mitten in einer unbebauten Gegend, am Rande Charlottenburgs, mit Springbrunnen und Bänken zum Ausruhen. Die U-Bahn hatte dort eine Haltestelle. Und einige Jahre später entstanden dort schöne, elegante Häuser und die Highsociety Berlins zog dort ein. Unter anderem Magda, die man später als Frau Goebbels ansprach. In dem Buch "Reichskanzlerplatz" von Nora Bossong spielt der Platz ebenso wie die "erste Frau der Nation" eigentlich nur eine Nebenrolle. In dem Roman "Reichskanzlerplatz" erzählt Hans Kesselbach aus seinem Leben. Er ist der Sohn wohlhabender Eltern. Der Vater war in einer führenden Position im Ersten Weltkrieg. Er kam, wie viele der Männer, versehrt aus dem Krieg zurück, seiner Position enthoben, wurde er für Hans zu einer verstaubten, altmodischen Person. Die Mutter, immer um den Vater bemüht, redete dem Jungen Hans gut zu, eine gute Schulbildung und eine ordentliche Ausbildung zu machen. Die Eltern hatten keine Ahnung, dass der Junge sich zu Jungen hingezogen fühlte. Hans lernte schnell, dass man sich bedeckt halten muss, wenn man nicht ausgegrenzt werden möchte. Er verliebt sich in den Klassenkameraden Hellmut Quandt. Als Hans seinen besten Freund zu Hause besuchte, traf er auch auf Magda, wenig älter als die Jungen und schön anzusehen. Magda, (unehelich) geborene Behrend, adoptiert von Richard Friedländer, und nun verheiratet mit Günther Quandt. Bevor Magda den Großindustriellen heiratete, hatte die hübsche junge Frau eine Beziehung zu Chaim Arlosoroff, für den sie fast zum jüdischen Glauben konvertiert wäre. Hans beging einen Fehler und verlor fast den besten Freund. Und dann geschieht doch noch ein Unglück und der junge Quandt verschwindet aus dem Leben Hans Kesselbachs. Hans leidet sehr unter dem Tod seines besten Freundes und er besucht oft Magda und beginnt eine Affäre mit der Frau, die bald an den Reichskanzlerplatz ziehen wird. Die Menschen wenden sich immer mehr den Nationalsozialisten zu und Magda findet einen neuen Spielgefährten, der ganz oben in der neuen Rangordnung steht. Joseph Goebbels. Hans hat nur noch selten Kontakt zu Magda und erzählt, wie er sich durchschlägt, wie verborgen er seine Lust auslebt, sich verstecken muss, dass man seine homosexuelle Neigung nicht gegen ihn verwenden kann. ... Vorhang auf Es war mir ein großes Vergnügen, die Sätze von Nora Bossong zu lesen. Sie hat eine tolle Art, die Dinge zu beschreiben, sie nicht direkt auszusprechen und doch versteht man sehr genau, was sie dem Leser sagen möchte. Sie schreibt Sätze wie Vorhänge, die man beiseiteschieben und sich seine eigene Wahrheit vorstellen kann. Nur ganz selten wird erwähnt, dass Hans schwul ist und was er dort im Tiergarten zur nächtlichen Stunde treibt. Zwischen den Zeilen wird es aber deutlich und man hat Bilder im Kopf, die unmissverständlich sind. Aber auch andere Situation werden so beschrieben und regen gnadenlos die Fantasie an. Die Gedanken schreiben im Kopf sozusagen die Geschichten weiter, ohne dass Nora Bossong sie niederschreiben musste. Ich mag auch ihre Art, wie sie den Roman aufgebaut hat. Sie verarbeitet auf 296 Seiten zwanzig Jahre im Leben eines jungen Mannes, der unter Lebensgefahr im Nationalsozialismus lebt. Magda spielt sicherlich eine Rolle, aber Hans finde ich in diesem Moment auch viel spannender. Was mir nicht gefallen hat, ist der Klappentext, denn der suggeriert, dass es in diesem Roman um Frau Goebbels geht. Doch sie hat eigentlich nur eine Nebenrolle, ist der rote Faden, der sich durch die Geschichte zieht. Auch der Reichskanzlerplatz hat eine Nebenrolle, nur weil die ehemalige Frau Quandt einige Zeit dort exklusiv gewohnt hat. Es ist Hans, der seine Geschichte erzählt. Eine fiktive Geschichte. Denn niemand weiß, wer der Student war, der Magdas Liebhaber gewesen sein mag. Nora Bossong hat für mich einen besonderen Roman geschrieben. Sie steht mit "Reichskanzlerplatz" auf der Longlist des Deutschen Buchpreises, der am 14. Oktober 2024 verliehen wird. Ich finde, sie hat einen Preis mit diesem Buch verdient. Rubi und ich sind uns einig, das waren 🐭🐭🐭🐭🐭!

Interessant und gut geschrieben
Mein erstes Buch 📗 von @norabossong . Ich fand den Klappentext sehr interessant 🧐 und ich wurde nicht enttäuscht. Das Buch ist interessant geschrieben und brachte mir das „wie wurde aus Magda Quant“ die Vorzeige Frau des dritten Reiches?“ Wie weit geht ein Mensch, Hans, um gesellschaftlich Anerkennung zu bekommen und seiner Homosexualität in der Zeit nicht offen leben kann? Für mich eine klare Leseempfehlung. Inhalt: Als Hans die junge und schöne Stiefmutter seines Schulfreunds Hellmut Quandt kennenlernt, ahnt er noch nicht, welche Rolle Magda in seinem Leben spielen wird, für ihn persönlich, aber auch Jahre später als fanatische Nationalsozialistin und Vorzeigemutter des »Dritten Reichs«. Noch ist die Weimarer Republik im Aufbruch und Hans so heftig wie hoffnungslos in Hellmut verliebt. Doch nach einem Unglücksfall beginnen Hans und Magda eine Affäre, von der sie sich Trost und Vorteile versprechen: Sie will aus ihrer Ehe ausbrechen, er seine Homosexualität verbergen. Erst als Magda Joseph Goebbels kennenlernt und der NSDAP beitritt, kommt es zwischen Hans und ihr zum Bruch. Während Magda mit ihren Kindern bald in der Wochenschau auftritt, gerät Hans zunehmend in Gefahr. Ein Roman, der über zwanzig Jahre den Weg zweier Menschen und eines Landes erzählt, der nicht unausweichlich war. #romansuhrkamp #lesen #lesenmachtglücklich
Aus der Sicht eines Oberschichts-Jünglings wird der Beginn der Nazi-Diktatur beschrieben, immer schön aus der Seitenrandperspektive als Beamter im diplomatischen Dienst, von der nichts zu befürchten ist, außer mit seiner Homosexualität Schwierigkeiten zu bekommen. Der Roman, der sich um Magda Göbbels drehen soll, es aber nicht wirklich tut, plätschert so dahin. Kein Geniestreich
Bedrückend wie alles begann
Nachdem ich Band 1 der Goebbels tagebücher gelesen hatte, kam mir dieses Buch über den Weg gelaufen. Und natürlich machte es mich neugierig was Magda göbbels betraf. Weil im Bad 1 der tagebücher ist von ihr noch nicht Geräte. Aber Goebbels war dem weiblichen Geschlecht nicht abgeneigt. Es war bedrückend zu lesen, wie andersartige Menschen in dieser Zeit, um ihr Leben fürchten mussten und wie eine eine doch sagen. Wir normale Frau sich der braunen Ideologie hingab. Der Schreibstil der Autorin war sehr leicht zu verstehen. Die Kapitels schön kurz, so dass man faktisch durch die seitenflug. Und für mich war immer wieder ein bedrückendes Gefühl in jeder Seite zu spüren. Ich finde dieses Buch sollte jeder gelesen haben. Im Anschluss werde ich mir jetzt natürlich die Biografie von Magda göbbels zu Gemüte führen, da es mich neugierig gemacht hat wie diese Frau am Ende wirklich war und was ihr durch den Kopf ging.
Zeitgeschehen
Mein erstes wirkliches 5Sterne Buch in diesem Jahr. Der Anfang war etwas langsam und Hans hatte nicht gerade eine spannende Persönlichkeit. Er ist auf der Suche nach seiner sexuellem Identität und empfindet Anziehung zu Helmut den Stiefsohn von Magda Quandt, die spätere Frau Goebbels. Da verguckt er sich in Magda und sie lässt sich auf ihn ein. Mehr wird nicht verraten. Das Buch gewinnt im zweiten Teil mehr Tiefe. Es ist gut strukturiert und sehr gut geschrieben. Das Hörbuch wird sehr gut gelesen. Da Magda über die homosexuellen Neigungen von Hans Bescheid weiß und auch mal eine versteckte Drohung gegen ihn aussprach ist er eher ängstlich ins KZ zu kommen und er ist nicht der grosse Held gegen Hitler. Immerhin ist er contra, was damals Die wenigsten Männer waren. Ein kluges Buch. Erstaunlich wie sich die Autorin in eine Männerrolle hineinversetzen konnte. PS 1 Das Entsetzen, dass eine Frau ihre 6 Kinder töten oder durch den Leibarzt töten lässt ist doch unbeschreiblich und man weiß es nicht genau ob dies der Plan ihres Mannes war. PS Wer genaueres über Magda Goebbels lesen möchte kann auch die sehr gut lesbare Biografie über sie lesen von Klabunde, Anja. PS. : Junge Wähler sollen angeblich nicht mehr wissen wer Josef Goebbels war....
Für mich zu dieser jetzigen politischen Lage ein sehr wichtiges und gutes Buch. Zuerst sei gesagt, es geht hier nicht darum, erschreckende Bilder des 2. Weltkrieges zu zeichnen. Zu Beginn dieser Geschichte begegnen wir dem Hauptprotagonisten Hans Kesselbach. Hellmut Quandt kommt nach dem Tod seiner Mutter in Hans Klasse. Er freundet sich mit ihm an und so werden wir als Lesende etwas in die Familie Quandt eingeführt. Wir lernen gemeinsam mit Hans Hellmuts Stiefmutter Magda kennen. Später besser bekannt als Magda Goebbels. Diese taucht sporadisch immer wieder durch das ganze Buch hinweg auf und wir erkennen einige Stationen ihres Lebens. Für mich bleibt sie in dieser Geschichte unnahbar, kühl und berechnend . Trotzdem wird sie zum Opfer des eigenen so hoch gelobten Systems innerhalb der Diktatur. Zum Symbol der deutschen Frau und Mutter innerhalb der Propaganda Maschinerie aufgebaut, verharrt sie in dieser regelrecht konstruierten Scheinwelt. Vieles wird angedeutet und man versteht sofort, dass sie benutzt wurde; sich hat benutzen lassen. Vielmehr jedoch geht es in Bossongs Roman aber um Hans. Er muss seine Homosexualität verstecken, da es damals strafbar war, wenn bekannt wurde, dass ein Mensch gleichgeschlechtliche Neigungen auslebte. Hans kann dies nur unter größten heimlichen Anstrengungen tun und findet nie eine erwiderte Liebe. Außerdem ist ein großes Thema dieses Romans das Wegschauen der deutschen Bevölkerung. Hans schlägt eine Beamtenlaufbahn ein und versucht seiner Heimat loyal gegenüber zu sein. Es geht ihm selbst innerhalb dieses Systems nicht schlecht. Er fügt sich, ordnet sich unter, hinterfragt nicht. Er möchte eigentlich so unauffällig wie möglich bleiben. Das einzige Unangenehme, was ihm passiert,ist, dass er immer mehr von außerhalb den Druck verspürt, zu heiraten und “Soldaten“ für Deutschland zu produzieren. Hans benimmt sich regelrecht lethargisch. Er hat mehr mit sich selbst zu tun, als dass er wahrnehmen würde, was um ihn herum passiert. Ich mochte, dass hier Fiktion und Historisches sehr zart miteinander verwoben wurden. Magda Quandt hatte tatsächlich eine Affäre mit einem Studenten während ihrer Ehe. Der Name des Studenten taucht sogar in dem Roman auf. Ganz kurz als sehr kleine Nebenfigur. Wir begegnen kurz Otto Braun, der zum Glück damals ins Exil geflohen ist. Es wird aufgegriffen, dass Goebbels seiner Frau untreu wurde, sich sogar scheiden lassen wollte. Außerdem lesen wir, wie langsam und schleichend sich die politische Situation gedreht hat. Wie aus einer Demokratie eine Diktatur wurde. Wie sich das gesellschaftliche Leben dahin gewandelt hat, dass man kein Vertrauen zu seinen Mitmenschen mehr fassen konnte, dass jeder Satz zur falschen Person tödliche Konsequenzen hatte. Die Macht, die Personen über andere Menschen hatten, da diese etwas wussten, dass umgehend zu Strafe und Tod für die Betreffenden hätte führen können und bekanntermaßen zur damaligen Zeit auch dazu führte. Doch das Erschreckendste an dieser Geschichte war die Erkenntnis, dass unsere Gesellschaft nicht mehr weit davon entfernt ist. Propagandisten erschleichen sich ihre Macht, nutzen die Unzufriedenheit der Bevölkerung und installieren sich durch falsche und leere Versprechungen. Sprachlich war das Buch nichts Besonderes. Für mich war der Inhalt wichtig. „Die meisten wollen ihre Ruhe, sie wollen Sauberkeit, Ordnung, eine Frau, die ihnen die Kinder großzieht, und sie wollen hören, dass sie etwas sind. Irgendwas. Darum jubeln sie Hitler zu.“ Ein Satz, der Gänsehaut macht und der sich leicht durch einen anderen Namen ersetzen lässt.
Ich frage mich ehrlicherweise was das ganze soll und bleibe eher ratlos zurück. Also ja, es gibt Aspekte die ich gut fand. Sprachlich hat es mich total in den Bann gezogen. Bossong hat eine Erzählstimme die sehr poetisch wirkt, aber gleichzeitig fließend. Man rast durch die Seiten. Magda Goebbels ist es auch durch die Propaganda gelungen ein ganz bestimmtes Bild von sich auch in der Gegenwart weiter aufrecht zu erhalten. Es ist schwer hinter die Fassade zu schauen. Auch Bossong gelingt das im Grunde nicht wirklich. Durch den Erzählblickwinkel bleibt das Verborgen, was die Geschichte nur schwer preis gibt. Soweit, so realistisch. Gut fand ich auch, die Figur des Hans, der durch seine Homosexualität, ganz eigene Interessen hat, sich dem Regime nicht zu wiedersetzten, aber gleichzeitig durchschaut er die Propaganda sehr genau. Die Verstrickungen der Familie Quandt mit dem Nationalsozialismus sind ja mittlerweile bekannt. Die Autorin bezieht diese Geschichte geschickt in ihre Handlung ein. Über den verstorbenen Hellmut Quandt, gerät Hans an Magda Quandt. Man versteht, was beide zueinander zieht. Trotzdem, mir persönlich fehlte da etwas. Irgendwie kam ich nicht dahinter, warum Bossong das Ganze erzählt. Es wirkt manchmal so, das sie die Fassade der Magda Goebbels eben nicht durchschaut hat. Trotz sehr guter Recherche. Interessanter als Magda fand ich sowieso Hans, der vor allem von seinen Verbindungen zu ihr profitiert. Den Teil fand ich lebendiger und glaubwürdiger erzählt. Ich denke, weil sich die Autorin hier mehr auf ihre Fantasie verlassen konnte und nicht so sehr zwischen den Fakten gefangen bleibt. Mir bleibt die Geschichte jedenfalls immer wieder zu fern. Man kann niemanden so recht greifen, manche Verbindungen bleiben Hölzern. Ich glaube weil Hans eigentlich alles "nur" erzählt, man erlebt nichts mit. Man hört nur davon. Sich den Personen der NS Zeit zu näheren, hat viele Wege und manchmal fällt es leicht. Manchmal schwer. Manche Quellen lassen einen neuen Blick zu. Manche Recherche verläuft eher ins Leere. Auf mich wirkte der Roman an einigen Stellen kalt. Vielleicht soll das auch die Kälte wieder spiegeln, die man der überzeugten Nationalsozialistin Magda Goebbels zuschreibt, seit man weiß das sie alle ihre Kinder bis auf Harald Quandt, ermordet hat. (Um sie, aus ihrem Blickwinkel, vor einer Zukunft ohne Nationalsozialismus zu bewahren.) Ich fand es inhaltlich aber an manchen Stellen schwach. Mir fehlte mehr Verbindung und warum sie die Geschichte ausgerechnet aus der Sicht eines Liebhabers erzählen wollte. Es wirkte irgendwie nichtssagend. Aus der Zeit gefallen und nicht lebendig. Das machte es mir aber auch schwer mich er beschriebenen Zeit zu nähern. Ich fand es wurde zu oft beschrieben, ich wurde aber nicht wirklich in die Zeit hineingezogen. War eher Zuschauerin eines Filmes, aber nicht der Zeit selbst. PS: Den Schreibstil der Autorin mochte ich trotzdem, ich denke das ich noch mal einen Roman von ihr lesen würde.
Nora Bossongs "Reichskanzlerplatz" entführt die Leser in das Berlin der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus, doch es ist weniger die Geschichte, die hier im Vordergrund steht, als die psychologischen Feinheiten der Figuren. Bossong schildert die politischen und gesellschaftlichen Umbrüche subtil und lässt die Atmosphäre der Zeit spürbar werden. Ihr Sprachstil ist präzise. Allerdings wirkt die Erzählung manchmal zu distanziert und die Figuren bleiben schwer greifbar. Die emotionale Tiefe, die man sich an einigen Stellen wünschen würde, wird zugunsten einer kühlen Beobachtung geopfert. Dies fällt besonders bei den Schilderungen des Ich-Erzählers auf. Dadurch verliert das Buch an Dringlichkeit und Intensität, obwohl es thematisch eigentlich viel Potenzial hätte. Insgesamt ist "Reichskanzlerplatz" ein sprachlich beeindruckender Roman, der jedoch emotional etwas zu reserviert bleibt, um wirklich nachhaltig zu berühren.
Vom Klappentext ausgehend habe ich etwas anderes erwartet. Trotz meiner anderen Erwartungshaltung fand ich das Buch sehr, sehr gut. Die von Nora Bossong gewählte Erzählperspektive fand ich interessant. Es ist ein kurzweiliges Buch, super erzählt. Teilweise hatte ich einen Knoten im Magen, weil der Weg, den Magda Göbbels eingeschlagen hat, so bedrückend ist. Ich mochte den fiktiven Ich-Erzähler. Nora Bossong stand zurecht mit „Reichskanzlerpalast“ auf der Loglist.
Nora Bossongs "Reichskanzlerplatz" entführt uns in das Deutschland vor und während des Zweiten Weltkriegs. Der Roman verspricht ein intensives Porträt von Magda Goebbels, doch diese bleibt überraschend blass. Die fiktive Hauptfigur Hans, die in enge Bekanntschaft mit Magda Goebbels tritt, trägt mehr zur Handlung bei. Während Bossong die Atmosphäre jener Zeit eindrucksvoll einfängt, bleibt die Tiefe der historischen Figur Magda Goebbels aus. Die fiktive Handlungsebene, mit Hans als Hauptfigur, überlagert stellenweise die historische Erzählung. Dennoch bietet der Roman einen spannenden Einblick in das gesellschaftliche Leben jener Zeit und wirft Fragen nach den Mechanismen des Aufstiegs im Nationalsozialismus sowie der moralischen Rechtfertigung des Mitläufertums auf.
Reichskanzlerplatz ist bedrückend. Gerade in der zweiten Hälfte wie ich finde. Es geht um Hans, der in seiner Jugend die schöne Stiefmutter seines Schulfreunds kennenlernt. Nur weiß er da noch nicht wer sie in einige Jahren wird und zwar durch eine weitere Heirat zu Magda Goebbels. Auch wenn es zum Teil so rüber kommt, es ist keine in Romanform gehalten Biographie sondern die Geschichte um Hans ist fiktional. Die Kapitel sind kurz und man kommt gut durch das Buch.
Erwartungen bleiben unerfüllt. Der Roman verliert sich im Verlauf zunehmend.
Das Buch konnte mich zu Beginn aufgrund des Schreibstil und der Geschehnisse gut fesseln. Leider ließ dies fortwährend nach. Dies lag zum einen an der hier schon oft erwähnten beschreibenden Erzählweise der Erfahrung des Protagonisten, welche nur wenig gelebte Gefühle enthielt, zum anderen an den vielen Namen besonders zum Ende hin, bei sehr kurzen Kapiteln. Dies wirkte auf mich ziemlich verworren, dahin plätschernd. Weiterer Kritikpunkt ist die Blässe von Magda Göbbels. Der Klappentext mag unglücklich gewählt sein, weckt aber definitiv falsche Erwartungen. Magda rückt mehr und mehr in den Hintergrund. Sie bleibt für dem Lesenden schwammig zu greifen. Natürlich kann dies gewollt sein, als Zeichen der Unterordnung und der schlechten Verhältnisse in der Ehe, dennoch gefiel es mir nicht so gut. Ein Roman mit interessanten, historischen Ereignissen. Leider verschenkt es durch die distanzierte Erzählung und dem geringen Bezug zu Magda Göbbels viel Potenzial. Empfehlenswert nur für historisch interessierte, ggf. mit einer zusätzlichen Biografie als Beiwerk. "Ich dachte wieder an den Tod und wie absurd und endgültig er sein musste." (S. 13)
Eine spannende Darstellung der Ehefrau von Goebbels und deren Geliebten.
Für mich war es eine interessante Erzählperspektive! Man erlebt die Zeit kurz vor und während des Nazi-Regimes aus der Sicht eines stillen Deutschen, der irgendwie nicht so ganz zu verstehen scheint (oder den Ernst der Lage vielleicht auch einfach verdrängt?), was eigentlich gerade passiert und was noch auf ihn, seine Mitmenschen und sein Land zukommt. Dass er selbst als schwuler, ehemaliger Soldat auch in Gefahr schweben könnte, scheint Hans ebenfalls erst gegen Ende des Romans klar zu werden. Dass Hans außerdem der Geliebte von Magda Goebbels war, macht die ganze Geschichte noch einen Ticken interessanter, da man als Lesende auch über sie und ihren Werdegang viel erfährt. Insgesamt wirklich ein gutes Buch, auch wenn die Thematik natürlich immer wieder schwer zu verdauen ist und hier tatsächlich nur sehr sehr oberflächlich über den Holocaust gesprochen wird und Hans und Magda eher mit ihren eigenen Gedanken und Problemen beschäftigt scheinen.
Historischer Roman, oder nicht?
Die Geschichte der Magda Goebbels als Roman und aus der Perspektive des in den Stiefsohn Verliebten und später jugendlichen Geliebten. Die Geschichte war spannend. Ich bin mir nur nicht ganz sicher, ob ich bei diesem Thema und mit dieser Art der Aufarbeitung ganz einverstanden bin.
Wichtige Geschichte im Zeitraum von 1919-1945 mit wahren Personen/Ereignissen, allerdings schwerer zu lesen
Ich gehe nicht auf den Inhalt des Buches ein. Ich finde der Klappentext ist vielsagend! Inwieweit verändern sich allmählich die Menschen in den 1920er Jahren und in den Jahren danach? Was passiert mit Menschen, die eine andere sexuelle Orientierung haben und wie weit gehen Menschen, wenn eine bestimmte Personengruppe (Juden) nicht als ,,arisch“ angesehen werden? Wie führt ein schleichender Prozess zur Zerstörung der Demokratie mit enorm weitreichenden negativen Folgen für die Menschen und die Geschichte und was hat das alles mit Magda Goebbels zu tun? All dies erfahren wir in der Geschichte vom ,,Reichskanzlerplatz“. Der Schreibstil der Autorin ist sehr speziell, klug und poetisch zugleich. An manchen Stellen war es mir zu unübersichtlich, an anderen wiederum sehr passend. Dialoge werden ohne Anführungszeichen geschrieben. Stört mich relativ selten, aber in diesem Buch konnte ich kaum unterscheiden, welche Person gerade spricht oder nur die Gedanken teilt. Manche Sätze/Handlungsstränge habe ich nicht so gut ,,verstehen“ können. Dennoch empfand ich manche Zeilen tiefgründig sowie wichtig und vor allem Hans konnte in mir doch einige Gefühle aufwühlen. Magda blieb für mich bis zum Schluss kaum greifbar. Insgesamt denke ich, ist es eine wichtige Geschichte, die vor allem zur momentanen politischen Lage/Situation passt.

Reichskanzlerplatz
Der Klappentext hat mich sofort neugierig gemacht, doch leider konnte mich die Geschichte selbst nicht überzeugen. Der Erzählfluss wirkte langatmig, der rote Faden ging schnell verloren und die Handlung plätscherte über weite Strecken dahin. Insgesamt konnte mich das Buch nicht wirklich abholen.

Es geht um Hans. Er erzählt, wie er in den 20er Jahren die Stiefmutter seines Klassenkameraden kennenlernt. Damals noch Magda Quandt genannt, wird sie später als Magda Goebbels bekannt sein. Hans, der eigentlich homosexuell ist und Magda beginnen eine Affäre. Dieser Teil gefällt mir gut: Hans' Jugend, seine Erkenntnis, dass er homosexuell ist, seine Faszination für seinen Klassenkameraden und für Magda, sein Leben im Berlin zum Ende der Goldenen Zwanziger, die politischen Geschehnisse, die den Hintergrund liefern. Die Affäre endet und Hans geht in den diplomatischen. Die Zeit vergeht schneller. Dies und die räumliche Distanz tun der Geschichte nicht gut. Als homosexueller Mann läuft Hans natürlich Gefahr, belangt zu werden. Hans' Angst nimmt immer mehr Raum ein, aber als Leserin bin ich seltsam ungerührt geblieben. Ich tue mich tatsächlich schwer mit der Bewertung. Ich wollte es so gerne mögen, aber irgendwie hat mir dann doch etwas gefehlt.
Ein sehr bewegendes Buch geschmückt mit kleinen und großen detaillierten Fakten. Mal ist es die Geschichte der Familie Quandt, mal ein Kunstwerk und ein anderes Mal ein Stürmer des AC Milan. Die Wahl des Protagonisten schafft einen sehr guten Rahmen um sich an der Geschichte des Ende der Weimarer Republik und des Dritten Reichs abzuarbeiten und die Entwicklungen gegen Kriegsende darzustellen.
Lesenswert!!!
Die Idee, die Geschichte und die Sprache des Romans haben mich absolut fasziniert! Im Verlaufe des Buches verändert sich subtil die Stimmung und die Ernsthaftigkeit, Sinnlosigkeit und Resignation die der Krieg beim Protagonisten hinterlassen werden immer deutlicher. Die beschreibende, oft poetische Sprache hinterlässt einen in dieser brutalen geschichtlichen Situation sehr berührt. Durch und durch ein bemerkenswerter Roman!
Ein „intensives Porträt“ über Magda Goebbels stelle ich mir informativer und aufschlussreicher vor. Von daher wurde meine Erwartung an das Buch, die durch den Klappentext entstand, nicht erfüllt. Davon abgesehen gibt das Buch einen Einblick in das fiktive Leben des Studenten Hans und seinen Umgang mit den politischen Entwicklungen in der damaligen Zeit.
„Die Deutschen haben die Demokratie so schnell vergessen wie eine Vokabel aus ihrer Schulzeit.“ „Und was glaubst du?“ „Ich sehe den Leuten zu. Selbst wenn Deutschland verliert… und Deutschland kann ja nicht mehr gewinnen… Wenn dein Kind erschossen wurde, willst du nicht auch noch einsehen, dass es für die falsche Sache war.“
Klug und still, Bossong wählt einen unkonventionellen Weg den Untergang der Demokratie, die Begeisterung für den Faschismus wie auch die eher wenigen Mitläufer zu portraitieren. Hans ist einer davon, ein Homosexueller, der nicht auffallen will und wegschaut. Der Leser begleitet ihn die erste Hälfte des Buches durch eine Liebschaft mit der späteren Magda Goebbels und wie sie dazu wird: umsichtig und mit wenig Worten beschreibt Bossong wie Bedürfnisse, Stimmung und Dynamik zum Nationalsozialismus führen anhand der Figuren. Die zweite Hälfte ist so viel persönlicher, nachdenklicher und komplexer auf eine so unspektakuläre Art, dass ich diese vielmehr genossen habe. Leseempfehlung für alle, die stille Subtilität der beschriebenen Situation wertschätzen können.
Ein Portrait über eine Frau, die in diesem Buch eher als eine Randfigur stattfindet. Hans lernt Magda als Stiefmutter seines Klassenkameraden Hellmut kennen, die im ähnlichen Alter ist wie er. Als Hellmut stirbt beginnt Hans eine Affäre mit Magda und es entwickelt sich eine intensive Beziehung zwischen den beiden, aber dann tritt Magda der NSDAP bei, heiratet Joseph Goebbels und vertritt immer mehr die Werte der Nazis, welche für den eigentlich homosexuellen Hans eine immer größer werdende Gefahr wird. Das Buch wird aus der Perspektive von Hans erzählt und somit steht er auch im Vordergrund der Geschichte. Magda kommt zwar immer wieder drin vor aber ich hätte mir mehr gewünscht. Die Geschichte wirkt distanziert und sehr sachlich - leider nicht so, wie ich es mir erhofft hatte.
Ich mag halb biographische Romane, die literarisch und klar geschrieben, historische Fakten nebenbei erzählen sowie eine private und öffentliche Person verbinden.
Sprache und Erzählweise sind unglaublch einfühlsam, detailliert und immer klar und nie oberflächlich. Die persönliche Geschichte des Protagonisten und die eher seltenen Berührungen mit Martha Göbbels zieht einen hinein und lässt einen nicht mehr los; auch geschichtlich lehrreich und lesenswert.

Kurzweilig und interessant
In dieser Geschichte geht es um den jungen Hans und Magda Quandt, später Goebbels. Der Anfang war wirklich schön und gut zu lesen. Hans ist ein Junge mit einem kleinen Geheimnis. Er geht in eine Klasse mit Hellmut Quandt, Sohn eines reichen Industriellen. Hellmuts Stiefmutter ist Magda Quandt. Ich finde ein „Porträt“ von Magda ist es nicht, in der Geschichte ist Hans, sein Werdegang, seine Familie und die Affäre zu Magda, am meisten präsent. Trotzdem war es nett zu lesen.
Nora Bossong beschreibt die Jahre 1919 bis 1944 aus Sicht eines bürgerlichen Mitläufers, kühl und bedrückend, lesenswert.
Laut den Aufzeichnungen von Magda Goebbels Mutter Auguste Behrend hat ein Liebhaber namens Fritz Gerber in Magdas Leben existiert. Wenig ist über ihn bekannt, was Nora Bossong die Freiheit gibt, aus ihm den fiktionalen Protagonisten Hans Kesselbach zu entwerfen (der sich Auguste Behrend gegenüber als Fritz Gerber vorstellt) und ihn diese düstere Zeit, seinen eigenen Opportunismus und, fast nebenbei, seine wiederkehrenden Begegnungen mit der Ehefrau des NS-Propagandaministers beschreiben zu lassen. "Ich weiß nicht, ob ich etwas sagen kann zu der Frage, wie zwangsläufig kam, was dann gekommen ist, nicht nur in Magdas Leben. Die Kundgebungen, die Fackeln und Aufmärsche. Und alles danach. Natürlich habe ich versucht, Magda von diesen Leuten abzubringen, ebenso wie Auguste und Ello es versuchten und andere auch. Die Wahrheit ist, wir haben sie nicht genügend überzeugt. Vielleicht, weil wir selbst nicht überzeugt genug waren. [...] Ist das Gerede von Zwangsläufigkeit nicht bloß der Wunsch, nicht verantwortlich zu sein für die Wendungen, die unsere Geschichte nimmt?" "[...] – und vielleicht waren auch gar nicht die Zeiten schlecht, sondern nur die Menschen."
Characteristics
1 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Description
»Ein furchtloser Roman über Mittäterschaft und darüber, wie aus dem kleinen Bösen das große Böse wächst. Kann man denn über das ›Dritte Reich‹ erzählen? Die Frage wird oft gestellt, nicht zu Unrecht. Nora Bossong beantwortet sie mit diesem großartigen Buch, indem sie es tut – vielschichtig, besonnen und erbarmungslos.« Daniel Kehlmann
Als Hans die junge und schöne Stiefmutter seines Schulfreunds Hellmut Quandt kennenlernt, ahnt er noch nicht, welche Rolle Magda in seinem Leben spielen wird, für ihn persönlich, aber auch Jahre später als fanatische Nationalsozialistin und Vorzeigemutter des »Dritten Reichs«. Noch ist die Weimarer Republik im Aufbruch und Hans so heftig wie hoffnungslos in Hellmut verliebt. Doch nach einem Unglücksfall beginnen Hans und Magda eine Affäre, von der sie sich Trost und Vorteile versprechen: Sie will aus ihrer Ehe ausbrechen, er seine Homosexualität verbergen. Erst als Magda Joseph Goebbels kennenlernt und der NSDAP beitritt, kommt es zwischen Hans und ihr zum Bruch. Während Magda mit ihren Kindern bald in der Wochenschau auftritt, gerät Hans zunehmend in Gefahr. Ein Roman, der über zwanzig Jahre den Weg zweier Menschen und eines Landes erzählt, der nicht unausweichlich war.
Nora Bossong zeichnet in ihrem neuen Roman das intensive Porträt der Frau, die Magda Goebbels wurde, und ihres jungen Liebhabers. Zwei Menschen in der Maschinerie der historischen Ereignisse, unterschiedlich verstrickt, unterschiedlich schuldig geworden. Auch an sich selbst.
Book Information
Author Description
Nora Bossong, 1982 in Bremen geboren, schreibt Lyrik, Romane und Essays, für die sie mehrfach ausgezeichnet wurde, zuletzt mit dem Joseph-Breitbach-Preis, dem Thomas-Mann-Preis und dem Elisabeth-Langgässer-Literaturpreis. Nora Bossong lebt in Berlin.
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Leider hat mich das Buch nicht so sehr gefesselt wie erhofft . Die Kapitel waren zwar perfekt in Sinnabschnitte gegliedert , dennoch waren ab und an ( Gedanken - ) Sprünge enthalten, bei denen ich erstmal überlegen musste , wie die hier rein passten. Auch passte der Klappentext nicht soooo ganz zum Inhalt. Ja, Magda Goebbels spielte eine Rolle, dennoch war es eher ein Ausschnitt aus dem Leben des Hans Kesselbachs , der , in der Oberschicht geboren, schon in jungen Jahren seine Homosexualität entdeckte und während der NS - Zeit ein Spießrutenlauf zwischen seinem bürgerlichen Beamtentum und seiner Sexualität erlebte. Magda Goebbels ist für mich in diesem Roman eher eine Randfigur . Viele historische Ereignisse werden als beiläufige Kommentare in diesem Buch eingeworfen und so habe ich das Buch immer mal wieder weg legen müssen, um diese nachzuschlagen . Es kratzt für mich auch nur an der Fassade an Mittäterschaft oder Schuldhaftigkeit.

Die Deutschen haben die Demokratie so schnell vergessen wie eine Vokabel aus ihrer Schulzeit. Dieses Zitat fasst für mich das zusammen, worum es in dem Buch von Nora Bossong geht. Den Klappentext finde ich irreführend, denn es geht für mich nicht um ein Portrait von Magda Goebbels. Für mich geht es in dem Buch viel mehr darum, wie „beiläufig“ der Nationalsozialismus in ganz kleinen Schritten in den 1920er Jahren gesellschaftsfähig wurde, und wie es dann nach der Machtergreifung 1933 weiter ging. Wie die Menschen damit umgegangen sind wird exemplarisch an dem Leben einzelner Menschen gezeigt, wie Hans, der sich anpasst, wobei es bei ihm auch darum geht, seine Homosexualität zu verbergen. Magda Goebbels geht einen anderen Weg, und noch einen anderen geht Karl, der als Sozialdemokrat in der Schweiz Asyl findet. Ein eindringliches Buch, vor allem vor dem Hintergrund der politischen Entwicklung in Deutschland, den USA und anderen Ländern. Ich hoffe, dass das Zitat oben nicht wieder Wirklichkeit wird.
Die Deutschen haben die Demokratie so schnell vergessen wie eine Vokabel aus ihrer Schulzeit
Dieses Zitat aus dem Buch hat auch heute Gültigkeit. Die Parallelen aus den 1930er Jahren zu unserer heutigen Zeit fand ich beängstigend. Nora Bossong gibt Hans, dem jungen Geliebten von Magda Goebbels eine Stimme. Zu der Zeit des Verhältnisses zu Hans war sie noch die Stiefmutter von Hans besten Freund und seiner heimlichen und wirklichen Liebe Hellmuth. Sie trug zu dieser Zeit noch den Namen Quandt. Mit der Beziehung zu Joseph Goebbels endete auch die Liebelei mit Hans, die von keinem der beiden als ernsthaft betrachtet wurde. Hans macht als Diplomat seinen Weg im Deutschen Reich und wird nach Norditalien versetzt. Er hat immer mal wieder Kontakt zu Magda, der es in der Beziehung zu Goebbels nicht gut geht. Ihre Begeisterung für den Nationalsozialismus war dennoch ungebrochen. Hans versucht in der Zeit unauffällig zu bleiben, heiratet, obwohl er eigentlich auf Männer steht und hält sporadisch Kontakt zu seinem Kameraden Karl der eine andere politische Meinung vertritt. Das Buch stellt wichtige Fragen nach Mittäterschaft durch das Wegschauen und Leugnen offensichtlicher Verbrechen am jüdischen Volk. Dennoch konnte es mich nicht ganz packen, was vor allem am Erzählstil lag. Das man nicht viel neues über das Leben von Magda Goebbels erfährt - eine häufige Kritik an dem Buch - stimmt, hat mich aber nicht gestört. Die verschiedenen Anspielungen auf historische Ereignisse musste ich googeln.
Super lesbare Longlist
Wer schon immer mal wissen wollte, wie Familie Quant/Klatten zu ihrem Erbe gekommen ist, sollte das Buch lesen. Welche Rolle Magda Göbbels im Konstrukt hatte, welche Herkunft sie hatte… echt interessant! Wie kleine Geister unter den Nazis groß und „große“ Geister durch anbiedern unter den Nazis noch größer geworden sind. Anscheinend konnte man sich die Entnazifizierung doch kaufen ... gut erzählte Geschichtslektion.
"Lange hatte ich keine Vorstellung von Liebe. Ich habe einige Verwirrungen darunter gesammelt,die doch je etwas anderes,vielleicht sogar Gegensätzliches meinten. Große Gefühle sind selten, angepriesen in Romanen,die verkauft werden wollen,verklärt von Menschen,die zu verführen wissen. In Wirklichkeit ist zwischen einem Irren und einem Verliebten der Unterschied gering,und ich weiß nicht,warum man vor dem einen Angst hat und den anderen beneidet. Ich hatte Magda gesehen und den Minister,da waren sie,die großen Gefühle. Es war doch besser,man hielt sich davon fern." Hans Kesselbach , S. 270

Ich bin mir nicht ganz schlüssig was ich von dem Buch halten soll. Sehr interessant dass and ich die Geschichte von Magda Goebbels, die sich ja wohl so in der Wirklichkeit ereignet hat. Auch die Darstellung des Lebens Umstände in der Nazizeit für Homosexuelle war interessant und teilweise spannend. Dagegen war mir die Geschichte oft zu langsam erzählt und leider leider hat mich das Schicksal von Hans nicht genug gefesselt. Kann man m. E. lesen, muss man nicht.
Bedrückend
Hans verliebt sich in Hellmut und lernt durch ihn dessen Stiefmutter Magda kennen. Eine Frau die bis heute jeder in Deutschland kennt, denn an der Seite ihres späteren Ehemannes Joseph Goebbels, wird sie zur Vorzeigefrau und -Mutter im Deutschen Reich. Über viele Jahre folgt man dem Schicksal der zwei Hauptpersonen Hans und Magda und mit jeder Seite die ich gelesen habe, stieg auch mehr mein Unverständnis. Wie Hans es geschafft hat in einem System zu Leben und sogar mitzuwirken, dass ihn jederzeit selbst beseitig hätte. Wie eine Frau, so sehr in ihrer angeblichen Liebe aufgehen kann, dass sie die Schrecken ihres Mannes nicht nur toleriert sondern gar mitträgt. Und auch heute stelle ich mir immer die Frage, könnte so etwas jederzeit wieder passieren?
Zu Beginn war ich von diesem Buch wirklich begeistert, das ließ allerdings immer mehr nach. Ich empfand auf Dauer den Schreibstil als etwas anstrengend und der Geschichte ließ sich nachher kaum noch so richtig folgen. Dennoch hat dieses Buch seine durchaus starken Momente und auch das grundsätzliche Konzept hat mich überzeugt.
Nora Bossong hat für mich einen besonderen Roman geschrieben. Sie steht mit "Reichskanzlerplatz" auf der Longlist des Deutschen Buchpreises
Seit 1963 trägt der Reichskanzlerplatz in Berlin einen neuen Namen, den des ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss. Es gibt noch einige Bilder aus der Zeit als der Platz 1907 fertiggestellt wurde, mitten in einer unbebauten Gegend, am Rande Charlottenburgs, mit Springbrunnen und Bänken zum Ausruhen. Die U-Bahn hatte dort eine Haltestelle. Und einige Jahre später entstanden dort schöne, elegante Häuser und die Highsociety Berlins zog dort ein. Unter anderem Magda, die man später als Frau Goebbels ansprach. In dem Buch "Reichskanzlerplatz" von Nora Bossong spielt der Platz ebenso wie die "erste Frau der Nation" eigentlich nur eine Nebenrolle. In dem Roman "Reichskanzlerplatz" erzählt Hans Kesselbach aus seinem Leben. Er ist der Sohn wohlhabender Eltern. Der Vater war in einer führenden Position im Ersten Weltkrieg. Er kam, wie viele der Männer, versehrt aus dem Krieg zurück, seiner Position enthoben, wurde er für Hans zu einer verstaubten, altmodischen Person. Die Mutter, immer um den Vater bemüht, redete dem Jungen Hans gut zu, eine gute Schulbildung und eine ordentliche Ausbildung zu machen. Die Eltern hatten keine Ahnung, dass der Junge sich zu Jungen hingezogen fühlte. Hans lernte schnell, dass man sich bedeckt halten muss, wenn man nicht ausgegrenzt werden möchte. Er verliebt sich in den Klassenkameraden Hellmut Quandt. Als Hans seinen besten Freund zu Hause besuchte, traf er auch auf Magda, wenig älter als die Jungen und schön anzusehen. Magda, (unehelich) geborene Behrend, adoptiert von Richard Friedländer, und nun verheiratet mit Günther Quandt. Bevor Magda den Großindustriellen heiratete, hatte die hübsche junge Frau eine Beziehung zu Chaim Arlosoroff, für den sie fast zum jüdischen Glauben konvertiert wäre. Hans beging einen Fehler und verlor fast den besten Freund. Und dann geschieht doch noch ein Unglück und der junge Quandt verschwindet aus dem Leben Hans Kesselbachs. Hans leidet sehr unter dem Tod seines besten Freundes und er besucht oft Magda und beginnt eine Affäre mit der Frau, die bald an den Reichskanzlerplatz ziehen wird. Die Menschen wenden sich immer mehr den Nationalsozialisten zu und Magda findet einen neuen Spielgefährten, der ganz oben in der neuen Rangordnung steht. Joseph Goebbels. Hans hat nur noch selten Kontakt zu Magda und erzählt, wie er sich durchschlägt, wie verborgen er seine Lust auslebt, sich verstecken muss, dass man seine homosexuelle Neigung nicht gegen ihn verwenden kann. ... Vorhang auf Es war mir ein großes Vergnügen, die Sätze von Nora Bossong zu lesen. Sie hat eine tolle Art, die Dinge zu beschreiben, sie nicht direkt auszusprechen und doch versteht man sehr genau, was sie dem Leser sagen möchte. Sie schreibt Sätze wie Vorhänge, die man beiseiteschieben und sich seine eigene Wahrheit vorstellen kann. Nur ganz selten wird erwähnt, dass Hans schwul ist und was er dort im Tiergarten zur nächtlichen Stunde treibt. Zwischen den Zeilen wird es aber deutlich und man hat Bilder im Kopf, die unmissverständlich sind. Aber auch andere Situation werden so beschrieben und regen gnadenlos die Fantasie an. Die Gedanken schreiben im Kopf sozusagen die Geschichten weiter, ohne dass Nora Bossong sie niederschreiben musste. Ich mag auch ihre Art, wie sie den Roman aufgebaut hat. Sie verarbeitet auf 296 Seiten zwanzig Jahre im Leben eines jungen Mannes, der unter Lebensgefahr im Nationalsozialismus lebt. Magda spielt sicherlich eine Rolle, aber Hans finde ich in diesem Moment auch viel spannender. Was mir nicht gefallen hat, ist der Klappentext, denn der suggeriert, dass es in diesem Roman um Frau Goebbels geht. Doch sie hat eigentlich nur eine Nebenrolle, ist der rote Faden, der sich durch die Geschichte zieht. Auch der Reichskanzlerplatz hat eine Nebenrolle, nur weil die ehemalige Frau Quandt einige Zeit dort exklusiv gewohnt hat. Es ist Hans, der seine Geschichte erzählt. Eine fiktive Geschichte. Denn niemand weiß, wer der Student war, der Magdas Liebhaber gewesen sein mag. Nora Bossong hat für mich einen besonderen Roman geschrieben. Sie steht mit "Reichskanzlerplatz" auf der Longlist des Deutschen Buchpreises, der am 14. Oktober 2024 verliehen wird. Ich finde, sie hat einen Preis mit diesem Buch verdient. Rubi und ich sind uns einig, das waren 🐭🐭🐭🐭🐭!

Interessant und gut geschrieben
Mein erstes Buch 📗 von @norabossong . Ich fand den Klappentext sehr interessant 🧐 und ich wurde nicht enttäuscht. Das Buch ist interessant geschrieben und brachte mir das „wie wurde aus Magda Quant“ die Vorzeige Frau des dritten Reiches?“ Wie weit geht ein Mensch, Hans, um gesellschaftlich Anerkennung zu bekommen und seiner Homosexualität in der Zeit nicht offen leben kann? Für mich eine klare Leseempfehlung. Inhalt: Als Hans die junge und schöne Stiefmutter seines Schulfreunds Hellmut Quandt kennenlernt, ahnt er noch nicht, welche Rolle Magda in seinem Leben spielen wird, für ihn persönlich, aber auch Jahre später als fanatische Nationalsozialistin und Vorzeigemutter des »Dritten Reichs«. Noch ist die Weimarer Republik im Aufbruch und Hans so heftig wie hoffnungslos in Hellmut verliebt. Doch nach einem Unglücksfall beginnen Hans und Magda eine Affäre, von der sie sich Trost und Vorteile versprechen: Sie will aus ihrer Ehe ausbrechen, er seine Homosexualität verbergen. Erst als Magda Joseph Goebbels kennenlernt und der NSDAP beitritt, kommt es zwischen Hans und ihr zum Bruch. Während Magda mit ihren Kindern bald in der Wochenschau auftritt, gerät Hans zunehmend in Gefahr. Ein Roman, der über zwanzig Jahre den Weg zweier Menschen und eines Landes erzählt, der nicht unausweichlich war. #romansuhrkamp #lesen #lesenmachtglücklich
Aus der Sicht eines Oberschichts-Jünglings wird der Beginn der Nazi-Diktatur beschrieben, immer schön aus der Seitenrandperspektive als Beamter im diplomatischen Dienst, von der nichts zu befürchten ist, außer mit seiner Homosexualität Schwierigkeiten zu bekommen. Der Roman, der sich um Magda Göbbels drehen soll, es aber nicht wirklich tut, plätschert so dahin. Kein Geniestreich
Bedrückend wie alles begann
Nachdem ich Band 1 der Goebbels tagebücher gelesen hatte, kam mir dieses Buch über den Weg gelaufen. Und natürlich machte es mich neugierig was Magda göbbels betraf. Weil im Bad 1 der tagebücher ist von ihr noch nicht Geräte. Aber Goebbels war dem weiblichen Geschlecht nicht abgeneigt. Es war bedrückend zu lesen, wie andersartige Menschen in dieser Zeit, um ihr Leben fürchten mussten und wie eine eine doch sagen. Wir normale Frau sich der braunen Ideologie hingab. Der Schreibstil der Autorin war sehr leicht zu verstehen. Die Kapitels schön kurz, so dass man faktisch durch die seitenflug. Und für mich war immer wieder ein bedrückendes Gefühl in jeder Seite zu spüren. Ich finde dieses Buch sollte jeder gelesen haben. Im Anschluss werde ich mir jetzt natürlich die Biografie von Magda göbbels zu Gemüte führen, da es mich neugierig gemacht hat wie diese Frau am Ende wirklich war und was ihr durch den Kopf ging.
Zeitgeschehen
Mein erstes wirkliches 5Sterne Buch in diesem Jahr. Der Anfang war etwas langsam und Hans hatte nicht gerade eine spannende Persönlichkeit. Er ist auf der Suche nach seiner sexuellem Identität und empfindet Anziehung zu Helmut den Stiefsohn von Magda Quandt, die spätere Frau Goebbels. Da verguckt er sich in Magda und sie lässt sich auf ihn ein. Mehr wird nicht verraten. Das Buch gewinnt im zweiten Teil mehr Tiefe. Es ist gut strukturiert und sehr gut geschrieben. Das Hörbuch wird sehr gut gelesen. Da Magda über die homosexuellen Neigungen von Hans Bescheid weiß und auch mal eine versteckte Drohung gegen ihn aussprach ist er eher ängstlich ins KZ zu kommen und er ist nicht der grosse Held gegen Hitler. Immerhin ist er contra, was damals Die wenigsten Männer waren. Ein kluges Buch. Erstaunlich wie sich die Autorin in eine Männerrolle hineinversetzen konnte. PS 1 Das Entsetzen, dass eine Frau ihre 6 Kinder töten oder durch den Leibarzt töten lässt ist doch unbeschreiblich und man weiß es nicht genau ob dies der Plan ihres Mannes war. PS Wer genaueres über Magda Goebbels lesen möchte kann auch die sehr gut lesbare Biografie über sie lesen von Klabunde, Anja. PS. : Junge Wähler sollen angeblich nicht mehr wissen wer Josef Goebbels war....
Für mich zu dieser jetzigen politischen Lage ein sehr wichtiges und gutes Buch. Zuerst sei gesagt, es geht hier nicht darum, erschreckende Bilder des 2. Weltkrieges zu zeichnen. Zu Beginn dieser Geschichte begegnen wir dem Hauptprotagonisten Hans Kesselbach. Hellmut Quandt kommt nach dem Tod seiner Mutter in Hans Klasse. Er freundet sich mit ihm an und so werden wir als Lesende etwas in die Familie Quandt eingeführt. Wir lernen gemeinsam mit Hans Hellmuts Stiefmutter Magda kennen. Später besser bekannt als Magda Goebbels. Diese taucht sporadisch immer wieder durch das ganze Buch hinweg auf und wir erkennen einige Stationen ihres Lebens. Für mich bleibt sie in dieser Geschichte unnahbar, kühl und berechnend . Trotzdem wird sie zum Opfer des eigenen so hoch gelobten Systems innerhalb der Diktatur. Zum Symbol der deutschen Frau und Mutter innerhalb der Propaganda Maschinerie aufgebaut, verharrt sie in dieser regelrecht konstruierten Scheinwelt. Vieles wird angedeutet und man versteht sofort, dass sie benutzt wurde; sich hat benutzen lassen. Vielmehr jedoch geht es in Bossongs Roman aber um Hans. Er muss seine Homosexualität verstecken, da es damals strafbar war, wenn bekannt wurde, dass ein Mensch gleichgeschlechtliche Neigungen auslebte. Hans kann dies nur unter größten heimlichen Anstrengungen tun und findet nie eine erwiderte Liebe. Außerdem ist ein großes Thema dieses Romans das Wegschauen der deutschen Bevölkerung. Hans schlägt eine Beamtenlaufbahn ein und versucht seiner Heimat loyal gegenüber zu sein. Es geht ihm selbst innerhalb dieses Systems nicht schlecht. Er fügt sich, ordnet sich unter, hinterfragt nicht. Er möchte eigentlich so unauffällig wie möglich bleiben. Das einzige Unangenehme, was ihm passiert,ist, dass er immer mehr von außerhalb den Druck verspürt, zu heiraten und “Soldaten“ für Deutschland zu produzieren. Hans benimmt sich regelrecht lethargisch. Er hat mehr mit sich selbst zu tun, als dass er wahrnehmen würde, was um ihn herum passiert. Ich mochte, dass hier Fiktion und Historisches sehr zart miteinander verwoben wurden. Magda Quandt hatte tatsächlich eine Affäre mit einem Studenten während ihrer Ehe. Der Name des Studenten taucht sogar in dem Roman auf. Ganz kurz als sehr kleine Nebenfigur. Wir begegnen kurz Otto Braun, der zum Glück damals ins Exil geflohen ist. Es wird aufgegriffen, dass Goebbels seiner Frau untreu wurde, sich sogar scheiden lassen wollte. Außerdem lesen wir, wie langsam und schleichend sich die politische Situation gedreht hat. Wie aus einer Demokratie eine Diktatur wurde. Wie sich das gesellschaftliche Leben dahin gewandelt hat, dass man kein Vertrauen zu seinen Mitmenschen mehr fassen konnte, dass jeder Satz zur falschen Person tödliche Konsequenzen hatte. Die Macht, die Personen über andere Menschen hatten, da diese etwas wussten, dass umgehend zu Strafe und Tod für die Betreffenden hätte führen können und bekanntermaßen zur damaligen Zeit auch dazu führte. Doch das Erschreckendste an dieser Geschichte war die Erkenntnis, dass unsere Gesellschaft nicht mehr weit davon entfernt ist. Propagandisten erschleichen sich ihre Macht, nutzen die Unzufriedenheit der Bevölkerung und installieren sich durch falsche und leere Versprechungen. Sprachlich war das Buch nichts Besonderes. Für mich war der Inhalt wichtig. „Die meisten wollen ihre Ruhe, sie wollen Sauberkeit, Ordnung, eine Frau, die ihnen die Kinder großzieht, und sie wollen hören, dass sie etwas sind. Irgendwas. Darum jubeln sie Hitler zu.“ Ein Satz, der Gänsehaut macht und der sich leicht durch einen anderen Namen ersetzen lässt.
Ich frage mich ehrlicherweise was das ganze soll und bleibe eher ratlos zurück. Also ja, es gibt Aspekte die ich gut fand. Sprachlich hat es mich total in den Bann gezogen. Bossong hat eine Erzählstimme die sehr poetisch wirkt, aber gleichzeitig fließend. Man rast durch die Seiten. Magda Goebbels ist es auch durch die Propaganda gelungen ein ganz bestimmtes Bild von sich auch in der Gegenwart weiter aufrecht zu erhalten. Es ist schwer hinter die Fassade zu schauen. Auch Bossong gelingt das im Grunde nicht wirklich. Durch den Erzählblickwinkel bleibt das Verborgen, was die Geschichte nur schwer preis gibt. Soweit, so realistisch. Gut fand ich auch, die Figur des Hans, der durch seine Homosexualität, ganz eigene Interessen hat, sich dem Regime nicht zu wiedersetzten, aber gleichzeitig durchschaut er die Propaganda sehr genau. Die Verstrickungen der Familie Quandt mit dem Nationalsozialismus sind ja mittlerweile bekannt. Die Autorin bezieht diese Geschichte geschickt in ihre Handlung ein. Über den verstorbenen Hellmut Quandt, gerät Hans an Magda Quandt. Man versteht, was beide zueinander zieht. Trotzdem, mir persönlich fehlte da etwas. Irgendwie kam ich nicht dahinter, warum Bossong das Ganze erzählt. Es wirkt manchmal so, das sie die Fassade der Magda Goebbels eben nicht durchschaut hat. Trotz sehr guter Recherche. Interessanter als Magda fand ich sowieso Hans, der vor allem von seinen Verbindungen zu ihr profitiert. Den Teil fand ich lebendiger und glaubwürdiger erzählt. Ich denke, weil sich die Autorin hier mehr auf ihre Fantasie verlassen konnte und nicht so sehr zwischen den Fakten gefangen bleibt. Mir bleibt die Geschichte jedenfalls immer wieder zu fern. Man kann niemanden so recht greifen, manche Verbindungen bleiben Hölzern. Ich glaube weil Hans eigentlich alles "nur" erzählt, man erlebt nichts mit. Man hört nur davon. Sich den Personen der NS Zeit zu näheren, hat viele Wege und manchmal fällt es leicht. Manchmal schwer. Manche Quellen lassen einen neuen Blick zu. Manche Recherche verläuft eher ins Leere. Auf mich wirkte der Roman an einigen Stellen kalt. Vielleicht soll das auch die Kälte wieder spiegeln, die man der überzeugten Nationalsozialistin Magda Goebbels zuschreibt, seit man weiß das sie alle ihre Kinder bis auf Harald Quandt, ermordet hat. (Um sie, aus ihrem Blickwinkel, vor einer Zukunft ohne Nationalsozialismus zu bewahren.) Ich fand es inhaltlich aber an manchen Stellen schwach. Mir fehlte mehr Verbindung und warum sie die Geschichte ausgerechnet aus der Sicht eines Liebhabers erzählen wollte. Es wirkte irgendwie nichtssagend. Aus der Zeit gefallen und nicht lebendig. Das machte es mir aber auch schwer mich er beschriebenen Zeit zu nähern. Ich fand es wurde zu oft beschrieben, ich wurde aber nicht wirklich in die Zeit hineingezogen. War eher Zuschauerin eines Filmes, aber nicht der Zeit selbst. PS: Den Schreibstil der Autorin mochte ich trotzdem, ich denke das ich noch mal einen Roman von ihr lesen würde.
Nora Bossongs "Reichskanzlerplatz" entführt die Leser in das Berlin der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus, doch es ist weniger die Geschichte, die hier im Vordergrund steht, als die psychologischen Feinheiten der Figuren. Bossong schildert die politischen und gesellschaftlichen Umbrüche subtil und lässt die Atmosphäre der Zeit spürbar werden. Ihr Sprachstil ist präzise. Allerdings wirkt die Erzählung manchmal zu distanziert und die Figuren bleiben schwer greifbar. Die emotionale Tiefe, die man sich an einigen Stellen wünschen würde, wird zugunsten einer kühlen Beobachtung geopfert. Dies fällt besonders bei den Schilderungen des Ich-Erzählers auf. Dadurch verliert das Buch an Dringlichkeit und Intensität, obwohl es thematisch eigentlich viel Potenzial hätte. Insgesamt ist "Reichskanzlerplatz" ein sprachlich beeindruckender Roman, der jedoch emotional etwas zu reserviert bleibt, um wirklich nachhaltig zu berühren.
Vom Klappentext ausgehend habe ich etwas anderes erwartet. Trotz meiner anderen Erwartungshaltung fand ich das Buch sehr, sehr gut. Die von Nora Bossong gewählte Erzählperspektive fand ich interessant. Es ist ein kurzweiliges Buch, super erzählt. Teilweise hatte ich einen Knoten im Magen, weil der Weg, den Magda Göbbels eingeschlagen hat, so bedrückend ist. Ich mochte den fiktiven Ich-Erzähler. Nora Bossong stand zurecht mit „Reichskanzlerpalast“ auf der Loglist.
Nora Bossongs "Reichskanzlerplatz" entführt uns in das Deutschland vor und während des Zweiten Weltkriegs. Der Roman verspricht ein intensives Porträt von Magda Goebbels, doch diese bleibt überraschend blass. Die fiktive Hauptfigur Hans, die in enge Bekanntschaft mit Magda Goebbels tritt, trägt mehr zur Handlung bei. Während Bossong die Atmosphäre jener Zeit eindrucksvoll einfängt, bleibt die Tiefe der historischen Figur Magda Goebbels aus. Die fiktive Handlungsebene, mit Hans als Hauptfigur, überlagert stellenweise die historische Erzählung. Dennoch bietet der Roman einen spannenden Einblick in das gesellschaftliche Leben jener Zeit und wirft Fragen nach den Mechanismen des Aufstiegs im Nationalsozialismus sowie der moralischen Rechtfertigung des Mitläufertums auf.
Reichskanzlerplatz ist bedrückend. Gerade in der zweiten Hälfte wie ich finde. Es geht um Hans, der in seiner Jugend die schöne Stiefmutter seines Schulfreunds kennenlernt. Nur weiß er da noch nicht wer sie in einige Jahren wird und zwar durch eine weitere Heirat zu Magda Goebbels. Auch wenn es zum Teil so rüber kommt, es ist keine in Romanform gehalten Biographie sondern die Geschichte um Hans ist fiktional. Die Kapitel sind kurz und man kommt gut durch das Buch.
Erwartungen bleiben unerfüllt. Der Roman verliert sich im Verlauf zunehmend.
Das Buch konnte mich zu Beginn aufgrund des Schreibstil und der Geschehnisse gut fesseln. Leider ließ dies fortwährend nach. Dies lag zum einen an der hier schon oft erwähnten beschreibenden Erzählweise der Erfahrung des Protagonisten, welche nur wenig gelebte Gefühle enthielt, zum anderen an den vielen Namen besonders zum Ende hin, bei sehr kurzen Kapiteln. Dies wirkte auf mich ziemlich verworren, dahin plätschernd. Weiterer Kritikpunkt ist die Blässe von Magda Göbbels. Der Klappentext mag unglücklich gewählt sein, weckt aber definitiv falsche Erwartungen. Magda rückt mehr und mehr in den Hintergrund. Sie bleibt für dem Lesenden schwammig zu greifen. Natürlich kann dies gewollt sein, als Zeichen der Unterordnung und der schlechten Verhältnisse in der Ehe, dennoch gefiel es mir nicht so gut. Ein Roman mit interessanten, historischen Ereignissen. Leider verschenkt es durch die distanzierte Erzählung und dem geringen Bezug zu Magda Göbbels viel Potenzial. Empfehlenswert nur für historisch interessierte, ggf. mit einer zusätzlichen Biografie als Beiwerk. "Ich dachte wieder an den Tod und wie absurd und endgültig er sein musste." (S. 13)
Eine spannende Darstellung der Ehefrau von Goebbels und deren Geliebten.
Für mich war es eine interessante Erzählperspektive! Man erlebt die Zeit kurz vor und während des Nazi-Regimes aus der Sicht eines stillen Deutschen, der irgendwie nicht so ganz zu verstehen scheint (oder den Ernst der Lage vielleicht auch einfach verdrängt?), was eigentlich gerade passiert und was noch auf ihn, seine Mitmenschen und sein Land zukommt. Dass er selbst als schwuler, ehemaliger Soldat auch in Gefahr schweben könnte, scheint Hans ebenfalls erst gegen Ende des Romans klar zu werden. Dass Hans außerdem der Geliebte von Magda Goebbels war, macht die ganze Geschichte noch einen Ticken interessanter, da man als Lesende auch über sie und ihren Werdegang viel erfährt. Insgesamt wirklich ein gutes Buch, auch wenn die Thematik natürlich immer wieder schwer zu verdauen ist und hier tatsächlich nur sehr sehr oberflächlich über den Holocaust gesprochen wird und Hans und Magda eher mit ihren eigenen Gedanken und Problemen beschäftigt scheinen.
Historischer Roman, oder nicht?
Die Geschichte der Magda Goebbels als Roman und aus der Perspektive des in den Stiefsohn Verliebten und später jugendlichen Geliebten. Die Geschichte war spannend. Ich bin mir nur nicht ganz sicher, ob ich bei diesem Thema und mit dieser Art der Aufarbeitung ganz einverstanden bin.
Wichtige Geschichte im Zeitraum von 1919-1945 mit wahren Personen/Ereignissen, allerdings schwerer zu lesen
Ich gehe nicht auf den Inhalt des Buches ein. Ich finde der Klappentext ist vielsagend! Inwieweit verändern sich allmählich die Menschen in den 1920er Jahren und in den Jahren danach? Was passiert mit Menschen, die eine andere sexuelle Orientierung haben und wie weit gehen Menschen, wenn eine bestimmte Personengruppe (Juden) nicht als ,,arisch“ angesehen werden? Wie führt ein schleichender Prozess zur Zerstörung der Demokratie mit enorm weitreichenden negativen Folgen für die Menschen und die Geschichte und was hat das alles mit Magda Goebbels zu tun? All dies erfahren wir in der Geschichte vom ,,Reichskanzlerplatz“. Der Schreibstil der Autorin ist sehr speziell, klug und poetisch zugleich. An manchen Stellen war es mir zu unübersichtlich, an anderen wiederum sehr passend. Dialoge werden ohne Anführungszeichen geschrieben. Stört mich relativ selten, aber in diesem Buch konnte ich kaum unterscheiden, welche Person gerade spricht oder nur die Gedanken teilt. Manche Sätze/Handlungsstränge habe ich nicht so gut ,,verstehen“ können. Dennoch empfand ich manche Zeilen tiefgründig sowie wichtig und vor allem Hans konnte in mir doch einige Gefühle aufwühlen. Magda blieb für mich bis zum Schluss kaum greifbar. Insgesamt denke ich, ist es eine wichtige Geschichte, die vor allem zur momentanen politischen Lage/Situation passt.

Reichskanzlerplatz
Der Klappentext hat mich sofort neugierig gemacht, doch leider konnte mich die Geschichte selbst nicht überzeugen. Der Erzählfluss wirkte langatmig, der rote Faden ging schnell verloren und die Handlung plätscherte über weite Strecken dahin. Insgesamt konnte mich das Buch nicht wirklich abholen.

Es geht um Hans. Er erzählt, wie er in den 20er Jahren die Stiefmutter seines Klassenkameraden kennenlernt. Damals noch Magda Quandt genannt, wird sie später als Magda Goebbels bekannt sein. Hans, der eigentlich homosexuell ist und Magda beginnen eine Affäre. Dieser Teil gefällt mir gut: Hans' Jugend, seine Erkenntnis, dass er homosexuell ist, seine Faszination für seinen Klassenkameraden und für Magda, sein Leben im Berlin zum Ende der Goldenen Zwanziger, die politischen Geschehnisse, die den Hintergrund liefern. Die Affäre endet und Hans geht in den diplomatischen. Die Zeit vergeht schneller. Dies und die räumliche Distanz tun der Geschichte nicht gut. Als homosexueller Mann läuft Hans natürlich Gefahr, belangt zu werden. Hans' Angst nimmt immer mehr Raum ein, aber als Leserin bin ich seltsam ungerührt geblieben. Ich tue mich tatsächlich schwer mit der Bewertung. Ich wollte es so gerne mögen, aber irgendwie hat mir dann doch etwas gefehlt.
Ein sehr bewegendes Buch geschmückt mit kleinen und großen detaillierten Fakten. Mal ist es die Geschichte der Familie Quandt, mal ein Kunstwerk und ein anderes Mal ein Stürmer des AC Milan. Die Wahl des Protagonisten schafft einen sehr guten Rahmen um sich an der Geschichte des Ende der Weimarer Republik und des Dritten Reichs abzuarbeiten und die Entwicklungen gegen Kriegsende darzustellen.
Lesenswert!!!
Die Idee, die Geschichte und die Sprache des Romans haben mich absolut fasziniert! Im Verlaufe des Buches verändert sich subtil die Stimmung und die Ernsthaftigkeit, Sinnlosigkeit und Resignation die der Krieg beim Protagonisten hinterlassen werden immer deutlicher. Die beschreibende, oft poetische Sprache hinterlässt einen in dieser brutalen geschichtlichen Situation sehr berührt. Durch und durch ein bemerkenswerter Roman!
Ein „intensives Porträt“ über Magda Goebbels stelle ich mir informativer und aufschlussreicher vor. Von daher wurde meine Erwartung an das Buch, die durch den Klappentext entstand, nicht erfüllt. Davon abgesehen gibt das Buch einen Einblick in das fiktive Leben des Studenten Hans und seinen Umgang mit den politischen Entwicklungen in der damaligen Zeit.
„Die Deutschen haben die Demokratie so schnell vergessen wie eine Vokabel aus ihrer Schulzeit.“ „Und was glaubst du?“ „Ich sehe den Leuten zu. Selbst wenn Deutschland verliert… und Deutschland kann ja nicht mehr gewinnen… Wenn dein Kind erschossen wurde, willst du nicht auch noch einsehen, dass es für die falsche Sache war.“
Klug und still, Bossong wählt einen unkonventionellen Weg den Untergang der Demokratie, die Begeisterung für den Faschismus wie auch die eher wenigen Mitläufer zu portraitieren. Hans ist einer davon, ein Homosexueller, der nicht auffallen will und wegschaut. Der Leser begleitet ihn die erste Hälfte des Buches durch eine Liebschaft mit der späteren Magda Goebbels und wie sie dazu wird: umsichtig und mit wenig Worten beschreibt Bossong wie Bedürfnisse, Stimmung und Dynamik zum Nationalsozialismus führen anhand der Figuren. Die zweite Hälfte ist so viel persönlicher, nachdenklicher und komplexer auf eine so unspektakuläre Art, dass ich diese vielmehr genossen habe. Leseempfehlung für alle, die stille Subtilität der beschriebenen Situation wertschätzen können.
Ein Portrait über eine Frau, die in diesem Buch eher als eine Randfigur stattfindet. Hans lernt Magda als Stiefmutter seines Klassenkameraden Hellmut kennen, die im ähnlichen Alter ist wie er. Als Hellmut stirbt beginnt Hans eine Affäre mit Magda und es entwickelt sich eine intensive Beziehung zwischen den beiden, aber dann tritt Magda der NSDAP bei, heiratet Joseph Goebbels und vertritt immer mehr die Werte der Nazis, welche für den eigentlich homosexuellen Hans eine immer größer werdende Gefahr wird. Das Buch wird aus der Perspektive von Hans erzählt und somit steht er auch im Vordergrund der Geschichte. Magda kommt zwar immer wieder drin vor aber ich hätte mir mehr gewünscht. Die Geschichte wirkt distanziert und sehr sachlich - leider nicht so, wie ich es mir erhofft hatte.
Ich mag halb biographische Romane, die literarisch und klar geschrieben, historische Fakten nebenbei erzählen sowie eine private und öffentliche Person verbinden.
Sprache und Erzählweise sind unglaublch einfühlsam, detailliert und immer klar und nie oberflächlich. Die persönliche Geschichte des Protagonisten und die eher seltenen Berührungen mit Martha Göbbels zieht einen hinein und lässt einen nicht mehr los; auch geschichtlich lehrreich und lesenswert.

Kurzweilig und interessant
In dieser Geschichte geht es um den jungen Hans und Magda Quandt, später Goebbels. Der Anfang war wirklich schön und gut zu lesen. Hans ist ein Junge mit einem kleinen Geheimnis. Er geht in eine Klasse mit Hellmut Quandt, Sohn eines reichen Industriellen. Hellmuts Stiefmutter ist Magda Quandt. Ich finde ein „Porträt“ von Magda ist es nicht, in der Geschichte ist Hans, sein Werdegang, seine Familie und die Affäre zu Magda, am meisten präsent. Trotzdem war es nett zu lesen.
Nora Bossong beschreibt die Jahre 1919 bis 1944 aus Sicht eines bürgerlichen Mitläufers, kühl und bedrückend, lesenswert.
Laut den Aufzeichnungen von Magda Goebbels Mutter Auguste Behrend hat ein Liebhaber namens Fritz Gerber in Magdas Leben existiert. Wenig ist über ihn bekannt, was Nora Bossong die Freiheit gibt, aus ihm den fiktionalen Protagonisten Hans Kesselbach zu entwerfen (der sich Auguste Behrend gegenüber als Fritz Gerber vorstellt) und ihn diese düstere Zeit, seinen eigenen Opportunismus und, fast nebenbei, seine wiederkehrenden Begegnungen mit der Ehefrau des NS-Propagandaministers beschreiben zu lassen. "Ich weiß nicht, ob ich etwas sagen kann zu der Frage, wie zwangsläufig kam, was dann gekommen ist, nicht nur in Magdas Leben. Die Kundgebungen, die Fackeln und Aufmärsche. Und alles danach. Natürlich habe ich versucht, Magda von diesen Leuten abzubringen, ebenso wie Auguste und Ello es versuchten und andere auch. Die Wahrheit ist, wir haben sie nicht genügend überzeugt. Vielleicht, weil wir selbst nicht überzeugt genug waren. [...] Ist das Gerede von Zwangsläufigkeit nicht bloß der Wunsch, nicht verantwortlich zu sein für die Wendungen, die unsere Geschichte nimmt?" "[...] – und vielleicht waren auch gar nicht die Zeiten schlecht, sondern nur die Menschen."





















































