Kleine Monster

Kleine Monster

Hardback
4.1552

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Description

Nominiert für den Österreichischen Buchpreis 2024 Ein soghafter Roman über die zerstörerische Kraft des Ungesagten. »Einzigartig und nervenzerfetzend.« Doris Knecht Pia und Jakob sitzen im Klassenzimmer der 2B, ihnen gegenüber die Lehrerin ihres Sohnes. Es habe einen Vorfall gegeben, mit einem Mädchen. Pia kann zunächst nicht glauben, was ihrem siebenjährigen Kind da vorgeworfen wird. Denn Luca ist ein guter Junge, klug und sensibel. Sein Vater hat daran keinen Zweifel. Aber Pia kennt die Abgründe, die auch in Kindern schlummern, das Misstrauen der anderen erinnert sie an ihre eigene Kindheit. Sie lässt ihren Sohn nicht mehr aus den Augen und sieht einen Menschen, der ihr von Tag zu Tag fremder wird. Bei dem Versuch, ihre Familie zu schützen, wird Pia schließlich mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert. Ein fesselndes psychologisches Drama über die Illusion einer heilen Kindheit.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Hardback
Pages
256
Price
24.70 €

Author Description

Jessica Lind wurde 1988 in St. Pölten, Österreich, geboren und lebt heute mit ihrer Familie als Drehbuchautorin und Schriftstellerin in Wien. Sie studierte an der Filmakademie Wien und schrieb u. a. mit der Regisseurin Magdalena Lauritsch den Film Rubikon. 2015 gewann sie mit der Erzählung "Mama" den open mike, woraus ihr gleichnamiger Debütroman hervorging. Mit ihrem zweiten Roman, Kleine Monster, erscheint sie erstmals bei Hanser Berlin.

Characteristics

1 reviews

Mood

Sad
Funny
Scary
Erotic
Exciting
Romantic
Disturbing
Thoughtful
Informative
Heartwarming
37%
N/A
67%
N/A
72%
N/A
72%
N/A
N/A
54%

Protagonist(s)

Likable
Credible
Developing
Multifaceted
22%
66%
63%
99%

Pace

Fast0%
Slow0%
Moderate100%
Variable0%

Writing Style

Simple100%
Complex0%
Moderate0%
Minimalistisch (100%)

Posts

109
All
4

Sehr starke Gefühle und eine tragische Familiengeschichte.

Ich war schnell im Buch drin, ein angenehmer Schreibstil der dich fesselt. Ich wollte unbedingt weiterlesen. Tja.... Kaputte Kindheit, verdrehte Wahrnehmung und mittendrin sind Kinder und schutzlos. Hier wird klar erzählt, was ein Trauma in der Kindheit, das nicht aufgearbeitet wurde, alles anrichten kann. Für kurze Leseabwecheselung, war das ganz gut. Aber ich denke das Buch wird etwas nachhallen.

Sehr starke Gefühle und eine tragische Familiengeschichte.
4

Fesselnd und sprachlich gut

Kennen wir unsere Kinder wirklich? Wie prägt ein Trauma in der eigenen Kindheit die Beziehung zu unserem Kind? Jessica Lind ist hier ein fesselnder Roman geglückt, mit außerordentlich gut beschriebenen Charakteren. Absolut zu empfehlen.

3.5

Die Hölle, das sind die anderen

Luca ist sieben und ein sensibler, kluger Junge, der gern in die Schule geht. Doch dann ruft man seine Eltern, Pia und Jakob, in die Schule. Es gab einen Vorfall mit einem Mädchen, ein ungeheurer Vorwurf steht im Raum und die Eltern wissen kaum, damit umzugehen. Man wirft sie aus der WhatsApp-Gruppe. Und Pia beginnt sich zu erinnern, an Abgründe, an den schlimmen Verlust. Doch eigentlich will sie nur eins: ihre kleine Familie schützen. In einer Zeit, in der Therapie zum Luxusgut geworden ist, kommt das Buch “Kleine Monster” um die Ecke. Und man benötigt nach dessen Lektüre keinen Therapeuten, aber jemand zum Reden wäre schon gut. Dieses Buch hat einen im Griff, wie im Schraubstock, lässt einen an den Nägeln knabbern und sich ständig fragen, was wieso ist das jetzt so? Stephen King könnte es nicht besser. Normalerweise mag ich es sehr gern, wenn mir beim Lesen viel Platz für eigene Gedanken gelassen wird, hier war es mir fast zu viel, zu viele schlimme Möglichkeiten waren da in meinem Kopf. Oft habe ich überlegt, das Buch abzubrechen, doch ich wollte mich dem Bösen stellen, mich schützend vor Pia stellen, aber auch vor Luca. Ich wollte verstehen, zumindest versuchen. Kein Buch für schlechte Tage!

4

Dieses Buch wird mich noch eine Weile beschäftigen! Dieses Buch ist eine tief berührende Erzählung über ein Familientrauma. Es folgt einer Mutter, die unbewusst ihre eigenen Verletzungen an ihr Kind weitergibt, und zeichnet dabei ein schonungsloses Bild von übergriffiger, gewaltvoller Mutterschaft, abgeschaut bei ihrer eigenen Mutter . Doch zugleich webt es auch eine hoffnungsvolle Kraft in die Geschichte, indem es die zarte Verbindung von Geschwisterliebe zum Leuchten bringt.

4

Ein Buch, das unter die Haut geht

Dem Klappentext nach habe ich etwas anderes erwartet und so eine Geschichte bekommen, die beklemmend ist und mir eine Gänsehaut macht. Ganz ruhig und unaufgeregt kommt es daher, ein Psychogramm einer Mutter, die unter all den unausgesprochenen Dingen ihrer Kindheit leidet. Wie sie ihr Trauma auf das eigene Kind projeziert, wie die Erlebnisse ihrer Kindheit und ein früher Verlust ihre Wahrnehmung geprägt haben, ja die ganze Familie geprägt haben. Unterschwellig wird hier suggeriert, dass die Erzählerin Pia Recht mit ihren Vermutungen hat. Ich war hin und her gerissen ihrer Wahrnehmung zu glauben und sie im nächsten Absatz für verrückt zu erklären. Die Geschichte zeigt beeindruckend, was passieren kann, wenn Dinge nicht aufgearbeitet und benannt werden. Oft unangenehm, immer wieder schmerzhaft und nicht zuletzt befreiend.

Ein Buch, das unter die Haut geht
5

Wow!

Wie gut können wir unsere Kinder jemals wirklich kennen? Und wie gut uns selbst? Die Autorin schafft es auf knapp 260 Seiten eine Geschichte zu erzählen, die unter die Haut geht und lange nachhallt. Ich werde das Buch so schnell nicht vergessen.

4

Wenn eine Mutter dem eigenen Kind misstraut.

3

"Kleine Monster" ist eine kurze, gut gemachte, aber unbequeme Geschichte, die nachwirkt. Es war total anders als der Klappentext vermuten lässt und ich weiß nicht so recht, ob mir die Irreführung nun gefällt oder mich eher stört. Auf jeden Fall hatte ich so meine Probleme mit der Protagonistin Pia, die ihre eigenen Kindheitstraumata auf ihren Sohn projiziert. Ein Roman, der sicherlich nicht dazu da ist, um sich darin wohl zu fühlen.

4.5

Fesselndes Psychogramm einer Familie mit Sogwirkung

Nach einem Vorfall in der Grundschule ihres Sohnes misstraut Pia ihrem Sohn zutiefst, obwohl nie ganz klar wird, was wirklich vorgefallen ist. Während sowohl ihr Mann Jakob als auch die Schule Recht schnell zur Tagesordnung übergehen, versucht Pia immer frenetischer, aus ihrem Sohn herauszupressen, was wirklich passiert ist. In kurzen Rückblenden wird Pias eigene Kindheitsgeschichte erzählt: Ein tragischer Unfall, der das Leben der Familie verändert, das ambivalente Verhalten von Pias Eltern, das ihr ganzes Leben beeinflusst. Und die ganze Zeit fragt man sich: Wieviel von Pia ist auch in einem selbst? Wie hätte man an ihrer Stelle oder der Stelle der Mutter gehandelt? "Kleine Monster" ist ein ehrliches, kraftvolles, schmerzhaftes, eindringliches und unbequemes Buch, das noch lange nachhallt.

4

Vertrauen Jessica Lind erzählt in „Kleine Monster“ die Geschichte einer Mutter, die das Vertrauen in das eigene Kind verliert. Es beginnt mit einem Anruf aus der Schule. Der Zweitklässler Luca soll einer Mitschülerin unsittlich näher gekommen sein. Die Eltern mögen ihr Kind unverzüglich abholen kommen. Was genau passiert ist, will sich nicht aufklären lassen. Luca schweigt. Andere Eltern gehen auf Distanz. Luca‘s Mutter Pia wird aus der schulinternen WhatsApp Gruppe entfernt. Das alles ist sehr unangenehm und da Luca sich nicht äußert, wachsen bei Pia erste Zweifel an seiner Unschuld. Ihr eigenes unverarbeitetes Familientrauma drängt in den Vordergrund und beeinflusst ihr weiteres Handeln. Ihre eigene Familie ist am Tod ihrer jüngsten Schwester zerbrochen. So wie Luca jetzt schweigt, umgibt auch der tragische Todesfall von Linda in ihrem eigenen Elternhaus ein Schweigen. Die Autorin entwirft ein hochspannendes Psychogramm einer verzweifelten Frau und Mutter. Pia möchte alles besser machen als ihre Eltern, aber macht sie nicht automatisch die gleichen Fehler? Ihr Mann kann ihr Mißtrauen in Luca nicht nachvollziehen, aber er ist auch in einer glücklichen Familie aufgewachsen. Abgesehen von einem etwas unbefriedigenden Ende , es bleiben viele Fragen offen, fand ich die Geschichte sehr interessant und habe sie regelrecht verschlungen. Ich konnte mich gut in Pia einfühlen , auch wenn ich einige ihrer Handlungen mißbilligt habe. Negative Muttergefühle werden ja gerne totgeschwiegen, sind aber normal. Mütter sind keine Heiligen und Erziehung ist oftmals anstrengend. Ein beklemmendes Psychogramm mit Sogwirkung! Ich fand es sehr lesenswert und gut geschrieben.

5

KLEINE MONSTER Jessica Lind Pia und ihr Ehemann Jakob werden von der Klassenlehrerin ihres siebenjährigen Sohnes Luca in die Schule gebeten. Der Grund: Ein Vorfall, bei dem Luca angeblich einem Mädchen gegenüber übergriffig wurde. Luca schweigt eisern, während Pia und Jakob ohne Erklärung aus dem WhatsApp-Klassenchat ausgeschlossen werden. Jakob stellt sich ohne Zögern hinter seinen Sohn und ist überzeugt, dass es sich um ein großes Missverständnis handeln muss. Pia hingegen beginnt zu zweifeln. Unsicher, ob Luca die Wahrheit sagt, beobachtet sie ihn misstrauisch und deutet sein Verhalten zunehmend ambivalent. Der Vorfall reißt alte Wunden bei Pia auf und führt sie zurück in ihre eigene Kindheit. Gemeinsam mit ihrer Adoptivschwester Romi und ihrer kleinen Schwester Linda wuchs sie in einem idyllischen Haus am Waldrand, direkt an einem See auf. Doch die Harmonie in der Familie war trügerisch. Als ein schrecklicher Unfall geschah, wurden die scheinbaren Bande für immer auf die Probe gestellt. Jessica Lind schafft es meisterhaft, Pia als Ich-Erzählerin eine beeindruckende Tiefe zu verleihen. Ihr Porträt einer Mutter, die zwischen Zweifel, Angst und Liebe schwankt, ist absolut glaubwürdig und bewegend. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Während sich die Gegenwart immer weiter zuspitzt, kommen nach und nach dunkle Geheimnisse aus Pias Vergangenheit ans Licht. Dieses Buch ist nicht nur spannend, sondern auch ein tiefgründiges und facettenreiches Werk über die Herausforderungen des Mutterseins - über das Recht, Fehler zu machen, und die Frage, ob Mütter perfekt sein müssen. Ein packender Roman, der zum Nachdenken anregt und noch lange nachhallt. Klare Leseempfehlung. 5/ 5

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4

Eine fesselnde Geschichte, die die Autorin ganz wunderbar in Worte geschrieben hat. Eine Geschichte, die lange in mir nachhallen wird.

4

Tiefgang

Das Buch hat mich wirklich sehr positiv überrascht. Der Klappentext hat mich spontan angesprochen und bekommen habe ich wirklich eine tiefgründige Geschichte über Familientraumata, Erziehung und Eltern- bzw. Mutterschaft. Ich wollte die ganze Zeit wissen woher Pias Verhalten rührt und wo es noch hinführt. Durch die Zeitsprünge zwischen Kindheit und Gegenwart war es so gut dargestellt. Wie Pia ihre eigenen Kindheitstraumata anfangs unwissend auf ihren Sohn durch ihr Verhalten übertragen hat, hat mich oft traurig gemacht.

5

Messerscharf und soghaft

Die Lehrerin bestellt die Mutter ein. Ihr Sohn, Grundschüler, hat etwas mit einem Mädchen gemacht. Was, wird nie gesagt. Jetzt beginnt ein Nervenkrieg in der Kleinfamilie um die Wahrheit. Währenddessen kommt ein verborgenes Trauma um die eigene verstorbene Schwester der Mutter zu Tage. Alles sehr dicht und messerscharf erzählt. Absolut grandios!

5

Nach einem Vorfall in der Schule werden Luca's Eltern zu einem Gespräch in die Schule gebeten. Der Siebenjährige hat sich daneben benommen und schweigt sich über das Geschehene aus. Pia und Jakob wollen wissen, was genau geschehen ist und machen Druck. Jakob ist überzeugt, dass Luca ein guter Junge ist und sein Fehlverhalten nicht so schlimm war, wie es dargestellt wird. Doch Pia hat ihre Zweifel, denn immer wieder blitzen Verhaltensweisen bei Luca hervor, die sie nicht versteht und auch nicht gutheisst. Verhaltensweisen, die sie an ihre Schwester erinnern. Authentisch erzählt die Autorin diese Familiengeschichte. Authentisch sind die Erlebnisse, Sorgen, Gedanken, die Pia als Mutter von Luca hat und erlebt. Sie liebt ihren Sohn, ohne Frage. Sie vermisst jedoch die Kleinkinder und Babyzeit, als Luca noch komplett auf sie konzentriert war. Denn der Junge wird zu einem eigenständigen Mensch und Pia hat nicht mehr immer die Kontrolle über ihn. Denn Pia macht das durch, was viele Mütter durchmachen: loslassen. Ihren Sohn seinen Radius erweitern lassen und darauf vertrauen, dass die bisherige Prägung die richtige war und Früchte trägt. Und genau hier ist Pias grosses Problem und auch der Plot begraben. Luca wird nach einem Vorfall in der Schule akribisch beobachtet, gewertet und stigmatisiert. Dies nicht unbedingt von der Schule, sondern von anderen Eltern und vor allem von Pia. Dabei hat Pia immer ihre eigene Kindheit, die durch einen grossen Verlust geprägt war, im Kopf. Dieser einschneidende Verlust, eine tragische Sache in der Kindheit, hat nicht nur Pia geprägt. Auch ihre Eltern haben sich seither verändert und auch die Beziehung zu den Töchtern Pia und Romi verkompliziert. Die ganze Geschichte wird in Ich Perspektive von Pia erzählt. Sie zeigt ihre Sicht in der Gegenwart und in kurze Passagen, wie sie ihre Kindheit erlebt hat. Ihre Familiengeschichte wird prägend für ihr Verhalten in der Gegenwart und ist psychologisch sehr gut ausgearbeitet. Der Spagat zwischen leisen Tönen und einer Handlung, die mitreisst, ist Jessica Lind hervorragend gelungen. Mit einem prägnanten, einfach gehaltenen Schreibstil, der ab und zu wienerisch eingefärbt ist, hat sie aus einer Familiengeschichte ein Werk gemacht, das nachhallen wird. Themen wie Geschlechterrollen, Muttergefühle, Solidarität in der Beziehung und Traumata ziehen sich durch die Geschichte.

4

Total ausserhalb meiner Comfortzone, aber hat sich gelohnt!

Diese Geschichte beschreibt den Umgang mit Verlust und Missbrauch aus verschiedenen Perspektiven innerhalb einer Familie. Es ist harte Kost, aber wirklich gut geschrieben. Immer wieder hat man Rückblenden, man weiss manchmal gar nicht genau, wo man sich befindet, aber die Message ist klar und deutlich. Grosse Empfehlung!

4

Mir hat die Geschichte um Pia und ihre Familie wirklich gut gefallen. Eines Tages bekommt sie einen Anruf von der Schule ihres Sohnes. Es gab einen Vorfall. Und damit werden nicht nur Pia und ihr Ehemann vor Herausforderungen innerhalb ihrer Kernfamilie gestellt sondern es werden auch alte Wunden aufgerissen. Pia muss sich ihrer Kindheit noch einmal stellen. Sie muss zurückschauen und beginnen zu verarbeiten, loszulassen und zu vertrauen. Jessica Lind baut dabei Spannung auf. Ich wollte immer wissen, was mit Luca passiert und was in Pias eigener Kindheit geschehen ist. Immer war da diese latente Ungewissheit, außerdem eine regelrechte Anspannung beim Lesen. Für mich ein unheimlich spannendes Buch über Traumata und wie wir sie weiter tragen, zudem über regretting motherhood , Resilienz, Familie und Zusammenhalt.

5

Fesselndes Psychogramm einer Mutter, die in Drucksituationen auf in der Kindheit erlernte Verhaltensmuster zurückfällt. Die Episoden zeigen eindrücklich, wie sich alte Verletzungen bei akuten Stresssituation Bahn brechen und unser ganzes Denken und Fühlen unterwandern. Gleichzeitig wird der Druck der Eltern deutlich in einer Zeit, wo nur "Vorzeigekinder" den Wert einer guten Familie unter Beweis stellen und unausgesprochenes Trauma an die nächste Generation weitergereicht werden. Familiensituationen, die mir teilweise bekannt vorkommen und bei denen auch das Studium vieler Erziehungsratgeber nicht helfen, das Ruder herumzureißen, werden so sensibel und emotional erzählt, dass man denkt, man steht unmittelbar daneben. Große Leseempfehlung für alle, denen Kinder am Herzen liegen.

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5

Wie gut kennen wir eigentlich unsere Kinder – und wie gut kennen wir uns selbst? Und inwiefern hängen unsere Kenntnisse und Wahrnehmungen von uns selbst und unserer Kinder zusammen? Diesen Fragen geht Jessica Lind in „Kleine Monster“ auf eindrückliche und schonungslose Art und Weise nach… und findet weder einfache noch angenehme Antworten - was genau den Reiz dieses Buches ausmacht. Pia und ihr Mann Jakob werden wegen eines möglichen Übergriffs ihres 7-jährigen Sohns zu einem Gespräch in die Schule bestellt. Es steht der Verdacht im Raum, dass Luca gegenüber einem Mädchen aus seiner Klasse übergriffig gewesen ist. Zunächst ist Pia sich völlig sicher, dass an diesen Vorwürfen gegen ihren eher zurückhaltenden Sohn nichts dran sein kann. Doch dann mehren sich ihre Zweifel und die kritischen Beobachtungen ihres Sohnes. Ist er möglicherweise doch anders als sie immer dachte? Verstellt er sich möglicherweise sogar absichtlich um sie zu täuschen? Und vor allem… warum will er partout nicht mit ihr über den Vorfall reden? Der Druck auf Luca steigt, Pias Unsicherheit mischt sich mit Gedanken an Erlebnisse aus der eigenen Kindheit sowie ihrem wachsenden Unverständnis gegenüber Jakobs Gelassenheit… bis die gesamte Situation zu eskalieren droht. Für mich war dieses Buch eine Wucht, das mich so gefesselt hat, dass ich es in kürzester Zeit gelesen habe, auch wenn ich eigentlich gar keine Zeit hatte. „Kleine Monster“ ist fesselnd, schmerzhaft und schonungslos zugleich. Es berührt die mütterlichen Urängste, mischt sie mit eigenen Kindheitstraumata und zieht einen beim Lesen immer tiefer in diesen Sog aus Ansprüchen, Erinnerungen und Ängsten hinein. Absolute Leseempfehlung für alle, die sich der Thematik gewachsen fühlen und sich auf einen Trip aus mütterlichen Ansprüchen, Ängsten und Traumata begeben wollen.

4

Ein kleiner Anlass, der eine Mutter extrem verstört, weil sie nicht mehr weiß, ob sie ihrem Kind vertrauen kann. Sich aussprechen ist wichtig - doch das erfährt sie erst in der Auseinandersetzung mit sich und ihrer eigenen familiären Vergangenheit. Psychologisch interessant, manchmal schwer greifbar. Sprachlich sehr gut erzählt.

4

Wenn Mutterschaft auf Zweifel trifft…

Vorweg muss gesagt werden, dass der Klappentext eigentlich kaum den Inhalt des Buches benennt. Das ist aber nicht schlimm! Für mich hatte das Buch dadurch mehr Tiefgang als erwartet. Die Geschichte beschäftigt sich mit Mutterschaft, Wahrheit, Zweifel und den Abgründen in Familien. Die Protagonistin Pia wird durch einen Vorfall ihres Sohnes von ihrer eigenen, nicht nur rosigen Kindheit eingeholt. Bis zuletzt kann ich mich nicht entscheiden, wie ich Pia finde. Aber die Autorin hat eine greifbare und ehrliche Figur geschaffen. Mir hat’s gut gefallen!

4

Vielschichtiges Sozialdrama

In diesem Buch steckt viel drin, Kann ein Kind böse sein und böses tun? Was ist der Anteil an elterlicher Prägung und Erziehung? Was ist die eigene Geschichte? Der Schreibstil ist schnörkellos, kurze Kapitel und es hält das ganze Buch Spannung, weil es viele Fragen gibt, aber keine eindeutigen Antworten. Eine vielschichtige Geschichte die nachdenklich macht.

4

Wirklich gutes Buch. Leider aber letztlich doch nicht so ganz mein Thema, weshalb es mich nicht mehr begeistern konnte. Deshalb nur 4 Sterne

4

Das Wichtigste zuerst: Man sollte wissen, dass das was der Klappentext suggeriert, nur einen kleinen Teil dieser Geschichte darstellt. Der Fokus liegt nicht auf „dem Vorfall“ , wegen dem Lucas Eltern in die Schule ihres 7 jährigen Sohnes gerufen wurden. Damit starten wir in die Geschichte, doch schnell liegt das Hauptaugenmerk auf Lucas Mutter Pia. Ihre Lebensbiografie und die Auswirkungen auf ihr heutiges Muttersein bilden den Rahmen dieses Buches. Was kann passieren, wenn Traumata nicht aufgearbeitet werden, was geben wir an die nächste Generation weiter, was für innere Bilder haben sich verfestigt und wie blicken wir auf die Welt und unserer Kinder? Durch Pias Kindheit und dem „Vorfall“ in der Schule werden wir mit all diesen Fragen konfrontiert. Keine leichte Kost , kombiniert mit einer melancholischen fast schwermütigen Atmosphäre nichts für zwischendurch und trotzdem sehr lesenswert!

4

„Eines Tages wird Luca so alt sein wie ich und an mich denken, wie ich jetzt über meine Mutter nachdenke. Er wird die Fehler sehen, die ich gemacht habe. Sie werden ihren Teil dazu beitragen, zu was für einem Menschen er wird.“ In ‚Kleine Monster‘ meinte ich im Vorfeld es ginge vorwiegend um den siebenjährigen Luca. Vielmehr wird die Kindheit seiner Mutter Pia erzählt. Diese nimmt starken Einfluss auf die Erziehung ihres Sohnes und darauf wie sie Dinge versteht. Das Buch zeigt wie elterliche Wahrnehmung durch die eigene Vergangenheit verzerrt werden kann. Absolut lesenswert!

„Eines Tages wird Luca so alt sein wie ich und an mich denken, wie ich jetzt über meine Mutter nachdenke. Er wird die Fehler sehen, die ich gemacht habe. Sie werden ihren Teil dazu beitragen, zu was für einem Menschen er wird.“

In ‚Kleine Monster‘ meinte ich im Vorfeld es ginge vorwiegend um den siebenjährigen Luca. Vielmehr wird die Kindheit seiner Mutter Pia erzählt. Diese nimmt starken Einfluss auf die Erziehung ihres Sohnes und darauf wie sie Dinge versteht. 

Das Buch zeigt wie elterliche Wahrnehmung durch die eigene Vergangenheit verzerrt werden kann. Absolut lesenswert!
5

Die Autorin bleibt Themen ihres Debüts treu aber behandelt diese sprachlich wie inhaltlich sehr viel zugänglicher und schafft starke emotionale Berührungspunkte!

4.5

Wow, ein Pageturner. Nicht Krimi, nicht Thriller & doch will man mehr … & dann driftet man unerwartet immer mehr in die Vergangenheit der Mutter! Ich fand es großartig!

5

Sehr vielschichtig und fesselnd!

Ein unglaublich fesselndes, psychologisches Drama, das mit einem Vorfall in der Schule eines Zweitklässlers beginnt und immer mehr verborgene Schichten und Geheimnisse in der Familie seiner Mutter aufdeckt. Die Protagonistin Pia trägt viel Schmerz, Wut und Trauer in sich und leidet wegen der unverarbeiteten Geschichte rund um den Tod ihrer kleinen Schwester. Im Klappentext heißt es, dass es sich um einen „Roman über die zerstörerische Kraft des Ungesagten“ handelt und der Satz bringt es wirklich auf den Punkt. Es ist ein Buch über familiäres Schweigen und die innere Zerrissenheit von Pia. Zum Glück scheint es, dass sie mit der Zeit bereit ist, sich ihrer Vergangenheit und ihren Ängsten zu stellen, da sie auch andere Familienmitglieder damit konfrontiert und somit den Weg einschlägt, ihr Trauma aufzuarbeiten, das ihren Blick auf die Realität so stark beeinflusst und das Leben ihrer kleinen Familie formiert. „Kleine Monster“ ist ein Roman über Trauer, Verlust, Gewalt, Illusion einer heilen Kindheit und macht deutlich wie prägend die Verhaltensmuster sind, die wir unbewusst erlernen. Es ist ein Porträt einer Familie, das aus verschiedenen Konstrukten besteht un inbrüchig und fragil ist. Jessica Lind ist der Blick in die Gedankenwelt der Mutter sehr gut gelungen, die hadert, alles hinterfragt und ihrem Kind misstraut. Eine Mutter, die ihr Kind ständig beobachtet und jede Geste, jedes Wort interpretiert. Es bleibt bis zum Schluss offen, ob zurecht oder nicht.

Sehr vielschichtig und fesselnd!
4.5

Zwischen Zweifel und Wahrheit – Wenn das eigene Kind unter Verdacht steht

Wir steigen in die Geschichte in dem Moment ein, in dem Pia, die Mutter von Luca, ihren Sohn von der Schule abholen muss. Ein schwerwiegender Vorwurf steht im Raum: Er soll sich unangemessen gegenüber einer Mitschülerin verhalten haben. Pia wehrt sich zunächst – so, wie es wohl jede liebende Mutter tun würde – gegen die Anschuldigungen. Doch langsam kommen ihr Zweifel. Im Mittelpunkt des Romans stehen zwei zentrale Erzählstränge: Zum einen beobachten wir, wie sich die Anschuldigung gegen Luca auf die Beziehung zwischen Pia und ihrem Mann Jakob auswirkt. Wie ist es, als Mutter alleine mit seinen Zweifeln dazustehen, wenn der Vater nicht bereit ist, sich damit auseinanderzusetzen? Auf welcher Seite steht man – auf der des eigenen, über alles geliebten Kindes oder auf der des Opfers? Ich finde, genau diese Frage wurde hier besonders eindrucksvoll dargestellt. Wie verhält man sich als Mutter, wenn der Verdacht aufkommt, dass im eigenen Kind dunkle Abgründe lauern könnten? Der zweite Erzählstrang führt uns in Pias Vergangenheit – ein tragisches Ereignis aus ihrer Kindheit stellt dabei eine unerwartete Verbindung zur Gegenwart her. Was genau hinter diesem Ereignis steckt, müsst ihr selbst herausfinden. Mich hat das Buch von Anfang an gefesselt. Besonders eindrucksvoll wird Pias innere Zerrissenheit dargestellt. Interessant fand ich auch, dass der Roman eine andere Richtung einschlägt, als ich es nach dem Lesen des Klappentextes erwartet hatte. Ich finde, der Roman zeigt eindrucksvoll, wie unverarbeitete Traumata aus der Vergangenheit unser Leben, unsere Beziehungen und insbesondere unser Verhältnis zu unseren Kindern prägen können. Ein ruhig erzähltes, aber dennoch fesselndes und tiefgründiges Buch, das ich nicht aus der Hand legen konnte.

3.5

Manchmal sind Kinder keine Engel

„Kleine Monster“ von Jessica Lind ist ein Buch, das leise beginnt, aber tief trifft. Es erzählt von einer Mutter, die mit Kindheitstraumata und den emotionalen Schatten ihrer eigenen Elternschaft kämpft. Obwohl ich selbst keine Mutter bin, konnte ich erstaunlich stark mitfühlen. Die Charaktere wirken so realistisch, dass sie mich teilweise richtig unwohl gemacht haben. Besonders die schonungslose Offenheit über die dunkleren Seiten der Mutterschaft hat mich beeindruckt, auch wenn die Handlung manchmal etwas stagnierte. Wer sich für die Verbindung zwischen Kindheitserfahrungen und Elternschaft interessiert, findet hier eine intensive, wenn auch nicht immer leichte Geschichte.

3.5

Projektion

Jessica Linds zweiter Roman gräbt immer tiefer in die Gedankenwelt einer Mutter, die bald unter den Wellen ihrer Vergangenheit begraben wird. Ähnlich wie bei Ashley Audrains „Der Verdacht“ drängt sich bei Linds Protagonistin Pia die Frage auf, wie viel Dunkles im eigenen Kind steckt. Dabei gestaltet die Autorin die Ereignisse deutlich subtiler als im englischsprachigen Vergleichstext. Ist Sohn Luca in einigen Momenten wirklich eigenartig kaltschnäuzig oder versteht hier eine Mutter ihr eigenes Kind nicht? Diese Frage verfolgt uns und Pia durch den Roman, der immer wieder sachte Pflaster auf Verletzungen klebt, um sie nur im nächsten Moment ohne Vorwarnung abzureißen. Eine gelungene Idee war dabei die Ebene von Pias Vergangenheit, die sie von einer zweifachen Schwester zum Einzelkind machte. Pia ist dabei in vielen Situationen authentisch unsicher, was ihre Erinnerungen angeht, gleichzeitig aber auch manipulativ und schwer emotional zu erreichen. Stilistisch hat Lind den Text absolut logisch aufgebaut, das Tempo und das Chaos nehmen zum Ende hin immer weiter zu und als Lesende fragt man sich durchgängig, was hier eigentlich Tatsache und was Projektion ist. Trotz der handwerklich sauberen Beschleunigung fehlte mir am Ende jedoch die Durchschlagskraft und vor allem eine überraschende Aussage des Textes. Um ein Ausrufezeichen zu setzen, hätte ich mir am Ende daher weniger Glätte gewünscht.

5

Spannend erzählte Familiengeschichte, die tief in verdrängten Traumata gräbt

3.5

Ich bin hin und hergerissen

Wer kennt es nicht, das Vergleichen, wenn ein neuer Mensch auf die Welt kommt. Sieht er aus wie Mama? Hat er das von Papa? Oder ist er etwa genauso wie Onkel Heinz? Es ist fatal Parallelen zu bereits existenten Personen zu ziehen, denn jedes geborene Kind sollte die Möglichkeit bekommen es selbst sein zu dürfen, ohne bereits gelebte Eigenschaften oder gar schwere Lasten Anderer aufgebürdet zu bekommen. Pia hat da so ihre Probleme mit. Als ihrem siebenjährigen Sohn Luca übergriffiges Verhalten gegenüber eines Mädchens vorgeworfen wird, misstraut sie ihm, obwohl überhaupt gar nicht erwiesen ist, dass er wirklich irgendetwas Unangemessenes getan hat. Sie zieht Vergleiche, die ihre Wurzeln in Pias Kindheit haben. Sie hat nämlich ihre Schwester Linda verloren, als diese vier Jahre alt war und wir Leser müssen lange davon ausgehen, dass nie ganz geklärt wurde, wie es passiert ist. Was aber deutlich wird ist, dass die Familie von Pia, zu der auch die Adoptivschwester Romi gehört, schweren Schaden genommen hat. Linda durfte nie wirklich gehen und das hat alle nachhaltig verändert. Die Ereignisse um Luca triggern seine Mutter dermaßen stark, dass ihr Kindheitstrauma stärker denn je zurückkehrt. Bald kann sie, und auch wir Leser*innen nicht mehr unterscheiden, was Schein ist und was der Wahrheit entspricht, zumal sich diese je nach Betrachter verändert. Pia macht sich viele Gedanken über die Vielschichtigkeit von Mutterschaft, legt aber immer wieder ihre eigene Persönlichkeit wie eine Schablone über die von Luca. Sie wird dabei so ambivalent, dass auch ihr Mann Jakob oft nicht darauf klarkommt, geschweige denn Luca, der bei seiner Mutter kaum noch Halt findet. Sie überschüttet ihn mit Liebe, um ihm diese kurz danach wieder zu entziehen. Dabei wird sie übergriffig und das hat mir tatsächlich nicht besonders gut gefallen. Ich kann durchaus nachvollziehen, in welche Gedankenschleifen Pia sich verfängt, und dass diese Emotionen sie zu Übersprungshandlungen verleitet. Ich kann die Irritation und Wut in Bezug auf ihre eigene Mutter verstehen, und dass die unbeantworteten Fragen Spuren hinterlassen haben. Aber was ich nur sehr schwer nachvollziehen kann ist die gegensätzliche Umgangsweise, die sie ihrem Sohn zukommen lässt. Das ist Gift für jede kindliche Entwicklung und somit überträgt sie ihre Probleme in die nächste Generation. Ihre inneren Reflektionen lassen mich vermuten, dass Pia zu einer Auseinandersetzung mit ihrem eigenen ICH fähig ist. Aber sie braucht Unterstützung und schafft es nicht, sich welche zu holen. Das wirkt manchmal sehr egoistisch und das Ausmaß dieser ICH Bezogenheit war für mich ein rotes Tuch. Ich tue mich da sehr schwer mit, wenn Kinder im Spiel sind. Zu oft erlebe ich in meinem beruflichen Kontext wie erwachsene Eltern ihre eigenen Probleme nicht angehen und ihre Kinder damit belasten. Genauso entstehen transgenerationale Traumata. Auch das Verhalten von Seiten der Schule als Luca „verdächtigt“ wird, war mir zuwider. Wenn man wissen möchte wie man’s nicht machen soll, dann ist das Buch eine gute Anleitung. Literarisch hat Lind die Zerrissenheit Pias sehr gut zu Papier gebracht. Die inneren Monologe waren tiefgründig und nur manchmal repetitive. Schicht für Schicht legt sie die Beziehung der Figuren zueinander frei, führt uns Leser*innen in die falsche Richtung, bringt uns wieder auf den Weg, klärt auf, lässt aber auch vieles offen. Dass der Klappentext einen in die Irre führt, kann ich verzeihen. Man bekommt definitiv nicht das, was auf dem Buch draufsteht, dafür aber einen psychologisch anspruchsvollen Plot. Ein Roman, der mich sehr gefordert hat und sicherlich nicht dazu da ist, sich darin wohl zu fühlen.

4

Schwierig zu bewerten

Die Story ist super. Sie beleuchtet den Umgang mit Familientraumata und was das Totschweigen dieser Traumata bewirken kann. Als ich alles in vollem Umfang begriffen habe fand ich den Plot wirklich gelungen. Allerdings haben mir die Art des Aufbaus und der Schreibstil der Autorin an sich nicht gefallen. Es war einfach nicht meins. Gerade weil man am Anfang noch nichts weiß und in die Geschichte reingeworfen wird, die sich in zwei Zeitsträngen abspielt, und immer nur Minihappen zugeworfen bekommt, egal, um welches Thema es geht, war das Leseerlebnis leider echt anstrengend. Mit Pia als Protagonistin konnte ich mich so gar nicht anfreunden. Sicher waren ihr Gedankenkreisen und die Projektion des Vergangenen auf die Gegenwart und somit ihre eigene Familie nachvollziehbar. Trotzdem konnte ich ihr Handeln, ihre ganze Art nur schwer ertragen. Was die Autorin aber definitiv geschafft hat, war eine Stimmung zu kreieren, die bedrückender und unangenehmer kaum hätte sein können. Ich habe im gesamten Leseprozess eine mulmige Anspannung verspürt, die direkt zu Beginn eingesetzt hat. Diese ganze Atmosphäre hat 1A zur Story, der ganzen Dynamik und zur Message gepasst. Trotzdessen, dass es anstrengend und teilweise frustrierend war, kann ich das Buch an Menschen empfehlen, die Geduld mit dem Storyaufbau haben und eine angespannte Atmosphäre in einem recht düsteren Setting eines Familiendramas mögen.

Schwierig zu bewerten
4

Kurzweilig, interessant, und niemals so heftig, dass ich es beiseite legen musste.

Wieviel von uns steckt in unseren Kindern? Pia ist Mutter des siebenjährigen Luca, dieser ist, oder ist nicht, einem Mädchen seiner Klasse zu nahe gekommen. Das Mädchen behauptet das eine, Luca selbst schweigt sich aus. Doch trauen ihm seine Eltern wirklich ein solches Verhalten zu? Auf 250 Seiten wird Pia immer unsicherer, wieviel Arglist tatsächlich in ihrem Sohn verborgen ist. Verwoben mit den aktuellen Geschehnissen der kleinen Familie, erfahren wir mehr aus Pias Kindheit: Romi, nur wenige Monate jünger als sie kommt als Adoptivkind zur Familie. Ein paar Jahre später für die jüngste der drei Schwestern, Linda, geboren. Doch Linda soll nur 4 Jahre alt werden. Es kommt zu einem tragischen Unfall, bei dem Linda ertrinkt. Nur Romi war anwesend. Doch niemandem ist klar, was an dem Tag wirklich passierte. Fest steht, dass sich das Verhalten der Mutter Romi gegenüber von jetzt auf gleichen änderte. Dieser eine Tag scheint Auswirkungen auf die gesamte Familie zu haben. Nicht nur in der Kindheit der Schwestern, sondern bis zum heutigen Tag. Jessica Lind verwebt gekonnt die Vergangenheit mit der Gegenwart, die Kindheit mit der eigenen Elternschaft. Sie zeigt auf, wie sich ein Ereignis von das gesamte Leben so vieler Personen auswirkt. Das Buch ist kurzweilig, interessant, doch niemals so heftig, dass ich es beiseite legen musste. Stattdessen zog es mich immer weiter ins Buch hinein. Wohl auch deshalb, weil ich mich so unglaublich gut mit der Protagonistin identifizieren konnte (abgesehen vom Tod der Schwester, dem Trauma und dem Argwohn der eigenen Kinder gegenüber). Was ich aber enorm gut nachvollziehen konnte, waren die feinen Beobachtungen der Autorin hinsichtlich Eltern- und Partnerschaft und wie sich beides im Laufe der Jahre verändert. Insgesamt ein überaus lesenswerter Roman, der eine Menge Stoff zum Innehalten und Nachdenken mitbringt.

Kurzweilig, interessant, und niemals so heftig, dass ich es beiseite legen musste.
4

Kurz, spannend. Reflektiert.

5

Ein unerwarteter Anruf aus der Schule: Es habe einen schwerwiegenden „Vorfall“ mit einem anderen Mädchen gegeben. Pia und Jakob sollen ihren siebenjährigen Sohn Luca sofort abholen. Die Anschuldigungen von Frau Bohle sind vage und nebulös, Luca schweigt beharrlich. Nur auf die umgehende Entfernung aus der elterlichen WhatsApp-Gruppe ist Verlass. Doch was ist in der Schule wirklich passiert? Wie gut kann eine Mutter ihr eigenes Kind kennen? Schlummert nicht schon in diesen vermeintlich unschuldigen Wesen ein „kleines Monster“ – die Verkörperung von Bosheit, Dunkelheit, Manipulation und Abgründen? Warum wird das Schweigen des eigenen Kindes zu einer solch unerträglichen Qual, die ein wachsendes Gefühl der Angst auslöst und sich in Misstrauen und Argwohn verwandelt? Weshalb führt dieser „Vorfall“ zu einer zunehmenden Verschiebung von Pias Wahrnehmung, hin zu paranoider Wachsamkeit und der Angst vor Kontrollverlust? Und inwiefern beeinflussen eigene erlittene Traumata und Verlusterfahrungen sowie das Aufwachsen in einer familiären Atmosphäre von Schweigen, Toxizität und Verboten die spätere Beziehung zum eigenen Kind, zum Partner, zu den Eltern und Geschwistern, aber vor allem auch zu sich selbst? Wie sehr kann man der eigenen Erinnerung und der selbst erzählten Geschichte überhaupt trauen? Diese Fragen durchziehen mit einer geradezu gespenstischen Melodie Jessica Linds zweiten Roman und treiben nicht nur Pia, sondern auch die Leser*innen in eine atmosphärische Spirale aus Unsicherheiten, Geheimnissen, Projektionen und Unbehagen. Der „Vorfall“ fungiert als Katalysator für etwas viel Tieferes. In kurzen, zwischen Gegenwart und Vergangenheit oszillierenden Kapiteln, fast filmisch in der Dramaturgie und stets die Spannung haltend, öffnet Lind nach und nach symbolisch - und wie das Cover prägnant zeigt - Vorhänge und Fenster. Sie gewährt sukzessiv Einblicke auf den idyllisch wirkenden Waldsee, das Jahr 1992, die vierjährige Schwester Linda, die mittlere Schwester Romi, das Schweigen der Eltern, familiäre Brüche und Lücken in der eigenen Erinnerung. Es sind Blicke auf eine Gefühlswelt voller Ohnmacht, Angst vor dem Loslassen und Kontrollverlust, auf unverarbeitete Traumata und seelische Wunden, die womöglich nie heilen werden. Lind lässt zunehmend verstehen, nutzt dabei subtile Zwischentöne, narrative Unzuverlässigkeit, Auslassungen, Ahnungen und eine bedrückende Intensität – ein ambivalentes Spiel zwischen Sichtbarem und Verborgenen. Zwar meine ich ein, zwei inhaltliche Fehler entdeckt zu haben und auch der recht schnelle Erkenntnisprozess Pias und ihre Transformation ohne psychologische Begleitung erscheint nicht ganz realistisch – doch dies sei der Autorin verziehen. Ihre Fähigkeit, die dunklen Seiten des familiären Zusammenlebens auszuleuchten und dabei psychologische Tiefe mit erzählerischer Spannung zu vereinen, hat „Kleine Monster“ zu einem äußerst lesenswerten literarischen Psychogramm für mich gemacht! Es hätte gern noch etliche Seiten weitergehen dürfen! Ich drücke die Daumen für den Österreichischen Buchpreis 🍀🌲!

3.5

Schwere Kost

•Buchrezi• 😞 Zum Inhalt: Pia und Jacob müssen in die Schule ihres Sohnes Luca. Es gab einen Vorfall. Eine Mitschülerin behauptet, dass Luca ihr gegenüber sexuell übergriffig war. Luca ist sieben und Pia hilflos. Was ist passiert? Was kann ein so junges Kind getan haben, dass Pia aus der Elterngruppe fliegt? Was wird dort jetzt ohne sie besprochen? Und Luca? Schweigt. Pia lässt nichts unversucht, um Lucas Schweigen zu brechen und Jacob spielt alles runter… Ganz langsam schleichen sich bei Pia Erinnerungen aus ihrer Kindheit ein, die vermeintlich perfekt gewesen ist. Drei Schwestern, eine davon adoptiert. Bis es zu einem tragischen Unfall kommt und ihre kleine Schwester stirbt. Doch wie geht eine Familie mit so einer Tragödie um? Haben ihre Eltern alles richtig gemacht? Und macht sie in ihrer Erziehung alles richtig…? Mein Fazit: Ja, wie geht man damit um, wenn aus der Schule des Kindes so ein Anruf kommt? Ich weiß es nicht. Und Pia auch nicht… Das Buch wird aus ihrer Sicht erzählt. Mit der aktuellen Situation, geht sie alles andere als perfekt um. Die ständige Angst, dass so etwas wieder passieren könnte. Und dann die Frage, was überhaupt passiert ist?! Pias Vergangenheit, die einen großen Teil dieses Buches ausmacht, ist alles andere als leicht und unkompliziert. Gerade die Situation rund um den Verlust, das adoptierte Kind und das Schweigen der Eltern, waren für mich schwer zu verdauen. Können sich Gefühle so maßgeblich verändern, wenn es nicht das leibliche Kind ist?! Ich weiß es nicht… vieles bleibt hier ungeklärt. Es ist eine Geschichte aus dem Leben. Richtig oder falsch?! Kann ich nicht sagen. Das Buch ist gewiss keine leichte Kost und wird mich noch lange begleiten. Obwohl es kurz ist, hat es seine Längen. Vielleicht war es für mich nicht der richtige Zeitpunkt, vielleicht nicht die richtige Geschichte… Ich vergebe ⭐️⭐️⭐️1/2 von fünf ⭐️n!

4.5

Ein wunderbares Buch, um es an einem ruhigen Sonntag in einem Rutsch durchzulesen. Sich dem Sog der Geschichte und der Frage, wie gut man die Menschen, die einem am nächsten sind (konkret die eigenen Kinder), wirklich kennt und was ein Verdacht auslösen kann, hinzugeben.

3

Puuuh. Das ist ein emotionales „Brett“ was uns Jessica Lind in ihrem Roman „Kleine Monster“ liefert und so richtig weiß ich auch noch nicht, wie es mir wirklich mit diesen Worten geht. Manchmal fühlt Mensch sich der Hauptprotagonistin Pia so nah und dann ist Mensch doch wieder so weit weg. Wer Romane über Traumata in Familien und deren Schweigen darüber so mag wie ich, der sollte eigentlich mehr begeistert sein von dem Buch, doch es gibt einige Momente, wo die Geschichte für meinen Geschmack zu sehr überspitzt und den roten Faden verliert. Deswegen auch nur 3/5 Sterne in der Bewertung.

4

Ein ganz aufwühlendes Buch. Mutterschaft ist wirklich sehr weit weg von mir, aber trotzdem haben mich die Perspektiven der Protagonistin auf ihr Kind sowie ihre Mutter sehr berührt und mitfühlen lassen.

4

An der Schule von Pias Sohn Luca gibt es einen Vorfall, bei dem dem 7-jährigen Jungen vorgeworfen wird, einer gleichaltrigen Klassenkameradin gegenüber übergriffig geworden zu sein. Pia und ihr Mann Jakob werden daraufhin aus der Eltern-WhatsApp Gruppe entfernt, ohne zu wissen, was genau passiert und Zugang zu ihrem Kind finden sie auch nicht - Luca möchte nicht darüber reden. Für den Vater ist das alles eine unbegründete Verdächtigung und ein unbedeutender Zwischenfall, bei Pia, der Erzählerin, werden jedoch Erinnerungen an die eigene Kindheit wach - die Wahrheit herauszufinden bestimmt nun ihren Alltag. Jessica Lind beschreibt in diesem sprachlich hervorragenden Roman die vielschichtigen, komplexen und widersprüchlichen Gefühle einer Mutter, die für mich als Leser einerseits schmerzhaft, andererseits aber auch verständlich und befreiend waren. Man wird fast automatisch an die eigene Fehlbarkeit als Mutter erinnert, an die Versuche, sein Kind bestmöglich zu erziehen und zu lieben und selbst in schwierigen Momenten Entscheidungen zu treffen, die einem wichtig, aber nicht unbedingt richtig erscheinen. Pia reagiert Lucas Schweigen gegenüber am Anfang noch recht überlegt, im Laufe der Geschichte dann aber mehr und mehr emotional. Aus dem klugen, sensiblen Kind wird in ihrem Kopf ein unberechenbares Wesen, das sie kaum zu kennen scheint. Sie reagiert mit Manipulation, Druck und Gewalt und von da an schmerzt dieser Roman richtig. Ich war oft unangenehm berührt und doch konnte ich ihre Handlungen nachempfinden. Ich mochte die komplexen Schilderungen der Gefühlswelt von Pia, die Ambivalenz von Mutterliebe, auch zu den eigenen Eltern und glaube, dass der Roman sehr leicht zugänglich ist, auch ohne dass man selbst Kinder hat, oder den Wunsch danach verspürt. "Kleine Monster" ist ein dynamisches, schmerzhaftes, eindringliches und unbequemes Buch, das nachwirkt. Zwar bleibt einiges, in der Vergangenheit gelegenes, unausgesprochen, aber dennoch wirkt die Geschichte rund und abgeschlossen. Von mir gibt es eine Leseempfehlung!

4.5

Mitreißender Roman über familiäres Schweigen, Brüchigkeit von Vertrauen und das Hinterfragen von kindlicher Vergangenheit und Gegenwart. Für mich: Deutscher Buchpreis Material!

»Jakob sieht nicht, was ich sehe. Weil er das Dunkle nicht kennt. Aber ich kenne es, und wenn Luca auch so ist, dann ist er es wegen mir. Wegen meiner Familie. Seit Lindas Unfall tragen wir alle einen Abgrund in uns. Und deswegen ist es meine Aufgabe, Luca vor sich selbst zu beschützen. Ich muss nur herausfinden, wie.« aus „Kleine Monster“ (2024) von Jessica Lind, S. 146, Hanser Berlin »Ich dachte immer, das halbe Gefühl wäre etwas, das uns beide miteinander verband. Dass wir es teilten, weil wir gleich empfanden. Weil uns das Gleiche geschehen war. Jetzt zweifle ich daran. Uns ist nicht das Gleiche geschehen, nicht wirklich.« aus „Kleine Monster“ (2024) von Jessica Lind, S. 190, Hanser Berlin Pia und Jakob, Eltern des siebenjährigen Luca, werden wegen eines Vorfalls in die Schule bestellt. Luca wird vorgeworfen, sich übergriffig gegenüber einer Mitschülerin verhalten zu haben. Anhand dieser Szene entfaltet sich der Plot des Romans „Kleine Monster“ von Jessica Lind. Im Unglauben darüber, dass Luca sowas machen könnte bzw. würde, gerät Pia immer weiter ins Wanken, was sie ihrem Sohn glauben kann, und neigt dazu, ihn mehr und mehr zu überwachen und zu überlisten, um die Wahrheit über die Geschehnisse zu erfahren. Was anfangs noch getrieben ist von einem inneren Schutzbedürfnis der Familie, artikuliert sich im weiteren Verlauf zunehmend als große Vertrauenskrise, die ihren Ursprung in Pias familiärer Vergangenheit hat. Sie sieht sich damit konfrontiert, ihre eigene Erziehung und Kindheit noch einmal neu zu ergründen. Jessica Lind vermag es auf brillante Weise mit den Erwartungen der Leser*innen zu spielen. So fühlt sich das Lesen an wie ein Loop eines Deckenspiels mit einem Baby. Bei diesem Spiel erreicht das Baby das höchste Maß an Erregung und körperlicher Spannung in der Antizipation der fallenden Decke, die nur einen Bruchteil einer Sekunde braucht, um von der Hand auf das Gesicht des Babys zu fallen, und dann das Baby auflachen lässt. Aber warum Loop? Da gewichtige Ereignisse der Story eben nicht abgeschlossen werden und immer, wenn man die Auflösung erwartet, man mit einer Offenheit vertröstet wird. Stilistisch gesehen ist das ausgezeichnet, fesselt es Leser*innen doch an das Buch - so wie bei mir geschehen. Wie in einem Fiebertraum war ich getrieben von einem ständigen „Was kommt jetzt? Wie geht es weiter? Es wird doch nicht etwa…?“ und sprang von Abschnitt zu Abschnitt. Es ist von der Autorin sehr konsequent, dass Situationen nicht aufgelöst werden, so zieht sich das Motiv des Schweigens und Lügens sowohl durch Pia, ihre Eltern aber auch durch Luca und wir verfolgen die Geschichte der Protagonistin aus einer Ich-Perspektive mit wenigen Dialogen, dafür aber mit vielen gedanklichen Aushandlungen und einer immer größer werdenden Unsicherheit. Wir bewegen uns auf der einen Seite in einer Umgebung von Pias kindlicher Erinnerung, die von einem familiären Schweigen über den Verlust eines Angehörigen und dem Weggang einer Schwester geprägt ist. Und auf der anderen Seite bricht die Unsicherheit in Pias Leben mit Jakob und Luca ein; die Unsicherheit als Widerstreit, Luca glauben zu wollen, aber ihm nicht trauen zu können. Fortlaufend geht es um das Erfahren und Austesten von Grenzen und so verschränkt sich Pias eigene Vergangenheit mit ihrer Gegenwart. Wie viel von Pias Mutter steckt noch in ihr und überträgt sich auf ihren Erziehungsstil Luca gegenüber? Wie viel Abgrenzung zu ihrer Mutter und damit neues, unsicheres Terrain verbirgt sich darin? Die Suche nach den Antworten darauf bleibt den Leser*innen überlassen und genau das liebe ich an diesem Roman. Darüber hinaus: So wunderschön das Cover des Buches anzusehen ist, versinnbildlicht es geradezu Pias Verwobenheit von Vergangenheit und Gegenwart und lässt mich darin eben nicht nur einen See bei Dämmerung und eine kindliche Hand, die eine Tür öffnet, sehen, sondern vielmehr Schlüsselmomente der Buchgeschichte. Chapeau dafür! Kurzum: „Kleine Monster“ ist einer meiner liebsten Romane, die ich dieses Jahr gelesen habe und den ich euch wahnsinnig gern weiterempfehle! (Vielleicht ja auch ein heißer Tipp für mindestens die Longlist des Deutschen Buchpreises? 😉 )

Mitreißender Roman über familiäres Schweigen, Brüchigkeit von Vertrauen und das Hinterfragen von kindlicher Vergangenheit und Gegenwart. Für mich: Deutscher Buchpreis Material!
3

Mir ist noch nie so schwer gefallen, ein Buch zu bewerten. 1 oder 5 Sterne würden wahrscheinlich auch passen.

Im Grunde ist dieses Buch eine detaillierte Beschreibung, wie Generationentrauma funktioniert aus Sicht einer Täterin, die selber mal Opfer war. Ich bin emotional selber zu tief im Thema drin, weswegen es für mich nicht schön war, das Buch zu lesen. Gleichzeitig hatte das Buch angenehm kurze Kapitel und einfache Sätze. Ich kann nicht sagen, ob ich das Buch weiterempfehlen würde.

3.5

Die Herausforderungen von Elternschaft

„Kleine Monster” von Jessica Lind ist eine Geschichte über Familie, Elternschaft, insbesondere das Mutter-Dasein und ein Bewusstwerden über die eigene Kindheit. Die Geschichte wird dabei auf zwei Zeitebenen erzählt, einmal der heutigen, in der Pia und Jakob sich als Eltern mit den Problemen ihres Sohnes Luca auseinandersetzen müssen. Die andere Ebene spielt in Pias eigener Kindheit, zusammen mit ihren zwei Schwestern und den schwerwiegenden Schicksalen, die diese mit sich bringen. Für mich hat sich mit dem Titel, dem Klappentext und dem Beginn der Handlung die Frage gestellt, ob auch in Kindern schon Abgründe schlummern können, die sich in ihren Taten widerspiegeln. Diese Frage verneine ich grundsätzlich, fand es aber unglaublich spannend, dem Gedanken trotzdem nachzugehen und war somit neugierig auf Jessica Linds Umsetzung. Tatsächlich hat sich die Handlung aber in eine etwas andere Richtung entwickelt, auch wenn die Frage immer wieder aufkam. Es ging mehr um die prägende Kindheit Pias, familiären Zusammenhalt - aber auch Probleme, die Trauer in der Familie um den Tod eines Kindes, den Umgang mit seinem Kind, der in Stresssituationen nicht immer perfekt stattfindet und einen Blick auf Mutterschaft. Mutterschaft, die gesellschaftlich ungleichberechtigte Verteilung von Aufgaben und Verantwortung zu Lasten der Frauen und wie überproportional selbstverständlich eine Mutter gegenüber dem Vater erachtet wird. Damit hat eine feministische Kritik an unserer aktuellen Gesellschaft stattgefunden, die mir sehr gefallen hat. Und auch wenn unsere Protagonistin Pia einiges daran hinterfragt, ist sie selber nicht frei von Fehlern, was sie und die Geschichte umso authentischer gemacht hat, wenn auch in meinen Augen nicht unbedingt sympathisch. Tatsächlich habe ich keinen der Charaktere wirklich gemocht, da der Fokus des Buchs insgesamt auf einer realistischen Betrachtung liegt , die eben häufig nicht nur positiv aussieht. Den Umgang mit Kindern, der in dem Buch abgebildet wird, muss ich aber nochmal schärfer kritisieren, als dies sowieso schon durch die Geschichte getan wird, da das Wort Missbrauch durchaus kurz ausgesprochen wird, aber noch viel tiefgehender dargestellt wurde. Was hier beschrieben wird, ist nicht in Ordnung und sollte auch in keiner Ausnahmesituation so praktiziert werden! Den Roman fand ich schon eher anspruchsvoll zu lesen, da die Themen durchaus bedeutsam und zum Teil schwer verdaulich sind, aber auch die Sprache fand ich an einigen Stellen herausfordernd. Dies mag vermutlich daran liegen, dass Jessica Lind Österreicherin ist und sich dies auch in Teilen in ihrer geschriebenen Sprache wiederfindet. Und auch durch die häufigen Szenen- und Zeitsprünge musste ich mich immer wieder neu in der Geschichte zurechtfinden. Schlussendlich lässt die Autorin meiner Meinung nach noch viele Fragen offen und damit uns Leser*innen einen großen Interpretationsspielraum. Ich denke, dass das für viele ernüchternd sein könnte, mich hat es aber zum Nachdenken angeregt und ich konnte den Ausgang der Geschichte mit meinen eigenen Schlüssen vervollständigen. Wem dies ebenfalls zusagt, kann ich „Kleine Monster” durchaus weiterempfehlen.

5

Eine überraschend tiefgründige Geschichte.

Während der Klappentext den Eindruck hinterlässt, es gehe vorwiegend um den Vorfall und den übergriffige Grenzüberschreitung des Kindes, liegt der Fokus hier doch eher bei der Hauptprotagonistin Pia und ihren unverarbeiteten Kindheitstraumata. Ein fesselndes Drama über die Illusion einer heilen Kindheit, die nach und nach zu bröckeln beginnt. Durch Reflexion und Erinnerungen an ihre Kindheit erkennt Pia die Fassade. Zwischen Trauer, Ungewissheit und Schuld wechseln ihre Gefühle. Tiefe Einblicke in die Gedankenwelt. Hat mir gut gefallen.

4

Das war eine heftige Geschichte

Hier geht es um Pia und Jakob. Sie haben einen Sohn - Luca - den Pia seit einem Vorfall sehr misstrauisch beäugt und ihm Verhaltensauffälligkeiten unterstellt. Ein wahnsinnig schwieriges Thema. Pia liebt ihren Sohn. Aber steckt etwas dunkles in ihm? Verheimlicht er Dinge? Lügt er? Nach und nach wird das Leben von Pia aufgedröselt und es kommen Sachen aus ihrer eigenen Kindheit ans Licht, die sie wiederum negativ mit ihrem Sohn verbindet. Ein sehr gutes Buch, aber sicher kein leichtes für Mütter. Mir hat es sehr gut gefallen. Es hätte „härter“ sein können. Ich mag Geschichten wie „Der Verdacht“ sehr gerne. Dieses Buch empfand ich als ähnlich, aber nicht besser. 3,8 ⭐️

Das war eine heftige Geschichte

Kleine Monster“ ist ein beeindruckender Roman, der tief in die komplexe Psyche einer Mutter eintaucht und dabei ein hochaktuelles und sensibles Thema aufgreift. Die Geschichte beginnt mit einem erschütternden Vorfall: Pia und Jakob werden in die Schule ihres siebenjährigen Sohnes Luca gerufen. Er wird beschuldigt, eine Mitschülerin belästigt zu haben. Während ihr Mann Jakob Luca sofort verteidigt, stellt diese Anschuldigung Pias Welt auf den Kopf und konfrontiert sie mit längst verdrängten Erinnerungen an ihre eigene traumatische Kindheit. Jessica Lind gelingt es meisterhaft, die innere Zerrissenheit und die emotionalen Kämpfe von Pia darzustellen. Pias Angst, Überforderung und die wachsende Entfremdung von ihrem Sohn sind so eindringlich beschrieben, dass man tiefes Mitgefühl empfindet. Gekonnt zieht die Autorin ihre Leser*innen durch einen Sog aus Empathie, Spannung und emotionalen Höhen und Tiefen. Die fließende, präzise Sprache schafft eine unglaubliche Nähe zu Pia, deren innere Kämpfe und Zweifel eindrucksvoll dargestellt werden. Die Spannung wird durch den Wechsel zwischen Gegenwart und Rückblenden in Pias Vergangenheit kontinuierlich aufrechterhalten, wodurch sich die Geschichte nach und nach entfaltet und immer tiefere Schichten von Pias Psyche und ihrer Familiengeschichte freilegt. Die Figuren sind vielschichtig und realitätsnah gestaltet, insbesondere Pia mit all ihren Widersprüchen und inneren Dämonen. Lind verzichtet darauf, einfache Antworten zu geben oder Schuldzuweisungen zu machen und schafft es so, ihre Leser*innen eine tiefe Verbindung zu den Charakteren aufbauen zu lassen. „Kleine Monster“ ist nicht nur ein spannender und emotional aufwühlender Roman, sondern auch ein tiefgehendes Porträt einer Mutter, die sich ihren Ängsten und ihrer Vergangenheit stellen muss. Jessica Linds sprachgewaltiger Stil und ihr sensibles Gespür für menschliche Abgründe machen dieses Buch zu einem ganz besonderen Leseerlebnis. Ein Wahnsinnsbuch, bitte lest dieses Buch! 💥💥💥

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4

"Wie hilflos wir unseren Kindern ausgeliefert sind. " Hilflos in unserer Liebe zu unseren Kindern und noch viel hilfloser, wenn auf einmal behauptet wird, dass diese etwas Schlimmes getan haben sollen. Was tun, wenn dieses Kind nicht darüber sprechen will und man auf einmal alles hinterfragt, was dieses Kind tut, oder eben nicht tut. So geht es den Eltern von Luca, oder eben nicht. Eigentlich geht es nur Pia, der Mutter so. Sie hinterfragt Lucas ganzes Tun. "Die Liebe ist keine Selbstverständlichkeit für mich. Die Mutterhaut, die ich trage, passt nicht wie angegossen." Und nach und nach, in Rückblenden, dröselt sich auf, warum das so ist. All ihr Handeln und Denken, hat mit einem Trauma aus der Kindheit zu tun und der Frage, wo hat ihre Mutter sich falsch verhalten, hätte anders agieren müssen? Was hat der Vater versäumt zu tun? Immer wieder projiziert Pia diese Erlebnisse auf ihren Sohn und lässt ihrem Mann kaum Raum zu agieren. Dieser Spannungsbogen hält bis zum Schluss des Romans. Ich fand das Thema, was tun, wenn man fast schon Angst vor dem eigenen, kleinen, Kind hat, unglaublich interessant und hätte mir mehr in diese Richtung erhofft. Vielleicht kein Buch für jede/n

5

Wer sind hier die Monster? Beeindruckende Geschichte über die eigene Kindheit und Erziehung und welche Rolle diese Erlebnisse in unserer Zukunft spielen.

Da ist sie, die große Ungewissheit. Pia soll darauf vertrauen, dass ihr Kind ein gutes Kind ist, obwohl es schweigt, obwohl es etwas zu verheimlichen scheint. Nach einem Vorfall werden Pia und ihr Mann Jakob in die Schule bestellt. Dort werden sie konfrontiert mit einer ganz anderen Seite ihres Kindes. Nun liegt es an ihnen, die Wahrheit herauszufinden, mit dem Gesagten umzugehen, Luca zur Rede zu stellen oder ihm Raum zu geben, sich von selbst zu öffnen. Was ist richtig, was ist falsch? Luca ist doch ein gutes Kind? 🚪 Ungemein spannend beginnt der Einblick in Pias kleine Familie, doch was ich erst gar nicht erwartet hätte, die Geschichte nimmt zunehmend an Fahrt auf. Alles spitzt sich zu und Pias Anspannung schwappt immer mehr auf mich über. Zuerst hätte ich ihr vielleicht noch ein paar Ratschläge geben wollen, doch dann beginnt ein zweiter Handlungsstrang. Wir reisen in die Vergangenheit, in Pias eigene Kindheit mit ihren beiden Schwestern. Und schnell ist klar, dass ein schreckliches Ereignis seinen Schatten auf die Kinderseelen legt - und dieser Schatten streckt seine unheimlichen Finger bis in die Gegenwart, bis in Pias Erwachsenenleben und bis in ihre eigene Erziehung. Auf faszinierende Weise ist es Jessica Lind gelungen, die beiden Plots miteinander zu verknüpfen. Denn genau wie wir alle unsere eigene Kindheit mit in die Gegenwart nehmen, so glaubhaft und authentisch ist auch Pias Zerrissenheit in „Kleine Monster“. Sie kämpft mit dem Geschehenen, mit der Aufarbeitung ihres eigenen Traumas. Sie kämpft mit dem Wissen und mit den Schlüssen, die sie aus ihrer Kindheit gezogen hat. Für mich war der Roman von der ersten bis zur letzten Seite aufregend und fesselnd. Immer wieder lief mir ein kalter Schauer über den Rücken, wenn die kleinen Monster aus unschuldigen Augen blitzten oder wenn aus Müttern Monster wurden. Große Leseeempfehlung von mir für ein hautnahes, greifbares und äußerst realistisches Wechselbad zwischen Familienglück und Alptraum!

Wer sind hier die Monster?

Beeindruckende Geschichte über die eigene Kindheit und Erziehung und welche Rolle diese Erlebnisse in unserer Zukunft spielen.
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