Das Wohlbefinden

Das Wohlbefinden

Hardback
3.575

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Description

»Ulla Lenze schreibt eine tolle, empfindungsintensive Prosa. Echt und wahr und ehrlich.« David Wagner

Die Fabrikarbeiterin Anna wird als Medium verehrt, Johanna Schellmann ist Schriftstellerin. In den Heilstätten Beelitz entsteht eine Verbindung zwischen den ungleichen Frauen, von der beide profitieren – bis der Kampf um Anerkennung und Aufstieg sie zu Rivalinnen macht. Ulla Lenze hat in ihrer unvergleichlich kristallinen Prosa einen großen Roman über die Verführungskraft der Selbsterlösung geschrieben.

Versteckt in den Kiefernwäldern vor den Toren Berlins liegen die Arbeiter-Lungenheilstätten Beelitz. Als sich die Fabrikarbeiterin Anna Brenner und die Schriftstellerin Johanna Schellmann hier im Jahr 1907 begegnen, hat das für beide Frauen existenzielle Folgen. Anna gilt als hellsichtig, und obwohl die Avantgarde der Kaiserzeit begeistert mit dem Okkulten experimentiert, wird Annas wachsende Anhängerschaft für den Leiter der Heilstätten zum Problem. In Johanna legt die Begegnung eine tief verschüttete Spiritualität frei, und sie ahnt, dass Anna eine Schlüsselrolle in ihrem literarischen Schaffen spielen könnte. Nur: Anna lässt sich nicht vereinnahmen, von niemandem. Sechzig Jahre später versucht Johanna Schellmann Worte für ihre Verstrickungen in der Vergangenheit zu finden, doch erst Vanessa, ihre Urenkelin, bringt Licht ins Dunkel – mitten in einem luxussanierten Beelitz, durch das noch die Geister der Vergangenheit wehen. Vom Kaiserreich bis in die Gegenwart porträtiert Ulla Lenze drei Frauenleben, die Befreiung und Aufstieg erfahren und sich doch nicht vor dem drohenden Bedeutungsverlust retten können.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Hardback
Pages
336
Price
25.70 €

Author Description

Ulla Lenze, 1973 in Mönchengladbach geboren, studierte Musik und Philosophie in Köln. Für ihre Romane wurde sie mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Jürgen-Ponto-Preis für das beste Debüt 2003, dem Rolf-Dieter-Brinkmann-Förderpreis und dem Ernst-Willner-Preis beim Bachmann-Wettbewerb. 2016 erhielt Ulla Lenze für ihr Gesamtwerk den »Literaturpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft« und 2020 den Niederrheinischen Literaturpreis der Stadt Krefeld. Ihr Roman »Der Empfänger« (2020) wurde in elf Sprachen übersetzt. Im Frühjahr 2023 hatte sie die renommierte Max-Kade-Gastprofessur am Dartmouth College (USA) inne. Ulla Lenze lebt in Buckow in der Nähe von Berlin.

Posts

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All
3

Das Buch hat mir ganz gut gefallen. Allerdings muss man hier sehr genau zuhören, damit man den verschiedenen Erzählsträngen/Zeitebenen vernünftig folgen kann. Ich war hier leider nicht immer konzentriert genug und so ist mir der Erzählstrang in der Gegenwart rund um Vanessa fast ein bisschen „durchgerutscht“. Aber das ist ja mein Fehler. Insgesamt ein gutes Buch, das die Sprecherin Kaja Sesterhenn gut vertont hat.

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1907. Johanna, eine junge privilegierte Arztfrau, möchte einen Roman über die Arbeiterheilstätten in Belitz schreiben. Hilfe bekommt sie von Anna, einer armen Patientin mit spirituellen Fähigkeiten. Oder ist Anna eine Betrügerin und gar kein Medium? Was auch immer mit Anna los ist: sie berührt Johanna spirituell derart, dass Johanna den Roman ihres Lebens schreibt, der sie ein Leben lang berühmt machen wird. 1967, Johanna ist 85 Jahre alt, wird von einer lebenslangen Schuld getrieben und legt gegenüber ihrem jungen Pfleger eine Beichte ab. Aber erst 2020 wird ihre Urenkelin Vanessa auf die Unterlagen stoßen und die ganze Geschichte erfahren. Packend geschrieben und in Bezug auf die Arbeiterheilstätten historisch sehr interessant

4

Anna ist Patientin in den Heilstätten von Beelitz und hat übersinnliche Fähigkeiten. »Ich sehe manchmal, wie die Dinge wirklich sind. Wie etwas wirklich ist, oder auch sein wird. Das sehe ich.« Johanna ist Schriftstellerin und findet durch Anna Inspiration für ein Buch. „Das Wohlbefinden“ wird in vier Handlungssträngen erzählt, die von Anna und Johanna Anfang des 20. Jahrhunderts, Johannas in den 1960er Jahren und der ihrer Urenkelin Vanessa im aktuellen Jahrzehnt. Dadurch fügen sich verschiedene Sichten zu einem Gesamtbild, denn die späteren Figuren reflektieren die Geschichte später anders als zum Zeitpunkt des Geschehens. So lernen wir drei Frauen intensiv kennen. Anna ist die schillerndste Figur, erleben wir sie doch bei ihren Voraussagen ganz authentisch, während sich „Wissenschaftler“ nur mit ihr schmücken wollen. Johanna ist eine zwiespältige Protagonistin, der man auch vorwerfen mag, sie würde sich persönlich an der Situation bereichern. Vanessa fungiert kaum mehr als als Rezipientin des Lebens ihrer Vorfahrin, bildet aber eine gute Rahmenhandlung. Mir hat unglaublich gut gefallen, wie die Atmosphäre des Gesundheitsinstituts mit seinen modernen Ansätzen eingefangen und wie eine mystische Stimmung verbreitet wurde. Das Hin-und-Herspringen zwischen den Zeiten fiel mir nicht schwer, vielmehr hatten sie jeweils ihre eigene spezifische Erzählweise. Zwar hatte ich nach dem Anfang einen krasseren Verlauf erwartet, doch habe ich hier einen faszinierenden Ausflug an einen besonderen Ort erhalten, der im Kopf bleibt.

3

Atmosphärisch, aber inhaltsschwach

Spiritualität und Okkultismus liegen sehr nah beieinander. Das merkt man in dem Buch von Ulla Lenze ziemlich schnell. Auf drei Zeitebenen wird uns die Geschichte von Johanna Schellmann und Anna Brenner erzählt. Johanna, eine trotz Ehe sehr autonome Persönlichkeit, die wohlhabend über sich selbst bestimmen kann, und als Schriftstellerin tätig ist, lernt 1908 Anna in den Heilstätten Beelitz kennen. Dort versucht Anna nach einer Lungentuberkulose wieder zu Kräften zu kommen. Sie verfügt über seherische Fähigkeiten, sagt Dinge voraus, die dann tatsächlich eintreffen. Das ruft Neugier hervor, in einer Zeit in der Okkultismus zum guten Ton der „besseren“ Gesellschaft gehörte. Die schon hochbetagte Johanna lebt 1967 sehr isoliert, ab und zu schaut Max nach ihr. Sie ist ruppig und wird zunehmend dement. Ein Manuskript, dass sie ihrem Verlag übergibt, wird abgelehnt. Sie möchte aber nun endlich die Wahrheit über Anna schreiben. Vanessa, die Urenkelin Johannas ist 2020 in der Hochphase der Pandemie auf Wohnungssuche. Da lernt sie einen Makler kennen der in den gentrifizierten Beelitzer Heilstätten Wohnungen vermittelt und über ein Manuskript verfügt, dass Johanna verfasst hat. Alle drei Zeitstränge sind unwahrscheinlich atmosphärisch geschrieben. Sowohl die Heilstätten Beelitz - heute wie damals - als auch die okkulten Zusammenkünfte sind erlebbar dargestellt. Jede Epoche gibt ihren Spirit authentisch Preis. Die Figur der Anna, die in ihrem christlichen Glauben eine Kraft findet, die es ihr möglich macht Dinge zu erahnen, sei es aus Intuition heraus oder Übersinnlichkeit, wirkt neugierig und zurückgenommen, doch trotzdem stark. Johanna ist nicht unbedingt eine Sympathieträgerin. Sie wirkt und steht und unzufrieden. Weder ihre Rolle als Schriftstellerin noch dir als Ehefrau und Mutter fühlt sie aus. Sie scheint ständig auf der Suche nach Distanz zu den Menschen um sich herum. Die Männer in diesem Plot, wie zum Beispiel Clemens Schellman oder Blomberg scheinen Angst vor der Kraft Annas zu haben, und kompensieren das mit abwertendemVerhalten. Vanessa ist eine ambivalente Persönlichkeit. In der Not der Wohnungssuche bleibt sie misstrauisch und abweisend gegenüber ihrem Umfeld. Sie wirkt auf mich depressiv und lethargisch. Eins haben alle Figuren gemeinsam, sie bleiben mir sehr fremd. Das mag auch daran liegen, dass die Handlung zerfasert wirkt. Uns werden Orte beschrieben und Abläufe erzählt, aber der eigentliche Inhalt ist für mich schwer zu erkennen. Der Plot schwebt im luftleeren Raum wie ein Netz mit vielen Löchern. Mir ist es schwer gefallen zu erkennen, wo die Autorin mit uns hin will, es gibt keinen wirklichen Spannungsbogen. Ich vermisse das in anderen Rezensionen wahrgenommene Feministische und auch das Okkulte ist zwar da aber in wenig intensiver Form, so dass es nicht wie der Kern, sondern wie ein Element von vielen wirkt. Ich mutmaße mal, dass es hier um die Autonomie von Frauen geht, und um Männer, die ihr diese nicht zugestehen wollen. In dieser Version ist mir das aber zu dünn. Sprachlich macht es großes Vergnügen, diesen Roman zu lesen. Lenze schreibt unaufgeregt, aber angenehm stilvoll. Trotzdem bleibe ich am Ende doch etwas ratlos zurück mit einem Buch, von dem ich nicht so genau weiß, wie es funktioniert.

3.5

Die Fabrikarbeiterin Anna wird als Medium verehrt. Johanna Schellmann ist Schriftstellerin. In den Heilstätten Beelitz entsteht eine Verbindung zwischen den beiden Frauen, von der beide profitieren, bis der Kampf um Anerkennung und Aufstieg sie zu Rivalinnen macht. Um diese beiden Personen rankt sich der Jahrhundertroman "Das Wohlbefinden" von Ulla Lenze. Die Geschichte wird auf verschiedenen Zeitebenen erzählt: 1908 in Beelitz und Berlin, 1967 die Geschichte der alten Johanna Schellmann und 2020 die Geschichte ihrer Nichte Vanessa. In dem Roman geht es nicht nur um die Heilung von Tuberkulose, wie die Heilstätten von Beelitz suggerieren könnten, sondern auch um die innere Heilung und die Entwicklung des eigenen Selbst. Der Roman lässt sich sehr gut lesen, die Prosa ist schön und lässt nicht nur die Heilstätten heute und in der Vergangenheit wiederauferstehen, sondern lässt den Leser auch tief in die familiären Strukturen eintauchen.

3.5

An diesem Roman habe ich ungefähr ein halbes Jahr gelesen - das sagt schon recht viel. Ich fand ihn nicht schlecht, sonst hätte ich abgebrochen. Aber so richtig warm geworden mit den Personen und der Handlung bin ich auch nicht. Die Thematik Spiritismus ist schon interessant und doch blieb alles etwas oberflächlich. Ingesamt gemischte Gefühle zu diesem Werk…

3

"Es gab nichts Gruseligeres als verfallene Heilstätten, dachte Vanessa. Als hätte die Idee der Heilung schließlich aufgegeben." - Ulla Lenze, "Das Wohlbefinden" Berlin, 2020: Vanessa wurde ihre Wohnung in Berlin wegen Eigenbedarf gekündigt, sie muss schnell eine Bleibe finden, was sich als höchst kompliziert im heutigen Wohnungsmarkt herausstellt. Unter anderem besichtigt sie auch eine Wohnung in den sanierten Beelitzer Heilstätten in Potsdam. Als sie dem Makler eröffnet, dass sie eine Nachfahrin der Schriftstellerin Johanna Schellmann ist, die sich auch von den Heilstätten inspirieren ließ, stößt sie unverhofft auf ein unveröffentlichtes Manuskript ihrer Urgroßmutter über deren Verbindung zu dem Medium Anna. Beelitz-Heilstätten, 1907: Als Johanna Schellmann auf der Suche nach Material für ein neues Buch die neu eröffneten Lungenheilstätten besichtigt, trifft sie auf Anna, die dem Okkulten zugeneigt ist. Sie begreift sich selbst als von Gott geleitetes Medium, hat Kontakt zu Verstorbenen und ist Hellsichtig für die Zukunft. Johanna ist fasziniert und möchte Annas Geschichte verschriftlichen - doch diese lässt sich für den Text nicht vereinnahmen. Rund 60 Jahre nach den Ereignissen in den Beelitz-Heilstätten resümiert die mittlerweile demenzkranke Johanna ihr Leben und deckt die Wahrheit über die Geschehnisse rund um Anna auf. Auf drei Zeitebenen lässt Ulla Lenze ihren Roman "Das Wohlbefinden" spielen, der mich vor allem wegen seines Settings in den Beelitzer Heilstätten, die mittlerweile nach jahrelangem Verfall zu Wohnraum umfunktioniert wurden, gereizt hat. In den Heilstätten durften sich von etwa 1902 bis zum Zweiten Weltkrieg auf Kosten der Landesversicherungsanstalt von Armut betroffene Arbeiter*innen von Lungenkrankheiten, insbesondere der Lungentuberkulose erholen. Das Wohlbefinden stand im Zentrum der Therapie, es wurden beispielsweise Liegekuren und Schlammbäder verordnet. Ich fand es total interessant, in diese junge Geschichte der Beelitzer Heilstätten einzutauchen, die mir nicht bekannt war. Auch die Einbindung von Spiritismus und einer in Vergessenheit geratenen Schriftstellerin versprechen eine spannende Geschichte, allerdings hätte ich mir hier doch an einigen Stellen mehr Informationen und Tiefe gewünscht. So blieb "Das Wohlbefinden" für mich ein Buch mit unterhaltsamem und packendem Ansatz, der sich im Laufe des Romans aber nicht halten konnte. Wer sich für historische Romane und Spiritismus interessiert, sollte sich "Das Wohlbefinden" aber definitiv näher ansehen!

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2

naja ,irgendwie sperrig- u etwas anstrengend zu lesen

2.5

Nach vielversprechendem Start hat es mich leider zunehmend verloren. Gute Idee (Parallelführung der "Wohlbefinden-Industrien" und Behandlungsmethoden in den verschiedenen Jahrzehnten) in nicht immer ganz guter Umsetzung (neben wiederholten Erwähnungen der futuristischen Ausstattung in den Beelitzer Heilstätten finden sich zum Beispiel auch wiederholte Erzählungen von einzelnen Handlungselementen in den verschiedenen Strängen). Eine Kürzung oder Fokussierung auf den eigentlich spannenden Teil (die Figuren und Ereignisse um 1908 sowie deren "Zukunft" in den 60ern) hätte ich begrüßt.

2.5

Naja… der Roman konnte mich nicht abholen.

3

Der Anfang war gut….

4

Der Roman behandelt viele relevante Themen (Entwicklung des Gesundheitswesens und -wissenschaft, Mental Health, Emanzipation) in einem spannenden Setting zu Beginn des 20. Jahrhunderts und darüber hinaus. Gerade die starken weiblichen Figuren könnten dabei grundsätzlich zum Mitfühlen einladen, blieben dafür für mich persönlich aber in ihrer Entwicklung zu holzschnittartig. Schade!

2

Eigentlich eine spannende Prämisse, auch die drei Protagonistinnen sind interessante Figuren. Deswegen ist es wirklich erstaunlich, wie uninteressant das Buch geworden ist. Sprachlich okay (nicht mehr, nicht weniger). Inhaltlich hab ich da weitaus mehr erwartet. Hab für diese etwas mehr als 300 Seiten diesmal erstaunlich lange gebraucht. Tatsächlich, weil das Buch, obwohl nicht schlecht, über weite Teile langweilig und fad wirkt. Schade! Da hätte wirklich mehr draus gemacht werden können. Leseempfehlung? Nein. Nicht, weil das Buch schlecht wäre, sondern, weil man es sofort wieder vergisst.

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