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"Eines meiner Lieblingswörter ist >Unannehmlichkeit<. Obwohl es ja wortwörtlich etwas meint, das zu groß ist, um es einfach an- oder hinnehmen zu können, wird es heute vor allem als Bezeichnung für Kinkerlitzchen benutzt."
Ich bin wahrlich keine Fürsprecherin von Kurzgeschichten. Aber wenn sie von einer meiner absoluten Lieblingsautorinnen verfasst wurden, dann lasse auch ich mich erweichen. Und was soll ich sagen, sie sind alles, aber definitiv keine >Unannehmlichkeit<. Es fällt mir gar nicht leicht den Schreibstil von Mariana Leky zu beschreiben. Muss ich ja aber zum Glück auch gar nicht. Ich empfinde ihn jedoch als äußerst klug und charmant, im guten Sinne verschachtelt, witzig und tiefgründig zugleich. Die Sätze schmiegen sich mir an (vielleicht auch umgekehrt) und ich möchte immer mehr davon. Fühle mich verstanden und abgeholt, erkenne mich wieder. Wieder ein Volltreffer für mich. Und nun Frau Leky, schreiben Sie bitte, bitte schreiben Sie... "Nach zwanzig Minuten >Für Elise< - mein Blick ist mittlerweile leer, die Gesichtszüge entgleist wird die Musik unterbrochen, und sofort bin ich hellwach [...]." "Ich versuche, nicht zu warten. Ich mache ein paar Rückenübungen für Elise. Ich halte >Für Elise< an meine Zimmerpflanze, weil Pflanzen doch angeblich bei klassischer Musik prächtig gedeihen, ich glaube aber, zusehen zu können, wie die Pflanze bei jedem neuen Düdüdüdü welker wird. Ich gehe in die Küche. Ich sortiere die Gewürzdöschen alphabetisch. Ich frage mich, wie wohl die von Beethoven bewidmete Elise >Für Elise< fand und ob sie es genauso oft gehört hat wie ich, ich erinnere mich, dass man gar nicht genau weiß, wer Elise eigentlich war, dass eine gewisse Elisabeth Röckel im Verdacht steht, Elise zu sein, und ich frage mich, was wäre, wenn Beethoven sein Stück nicht >Für Elise<, sondern >Für Fräulein Röckel< genannt hätte, und dann frage ich mich, wo eigentlich mein Aggressionspotenzial geblieben ist. Warum ich dem Techniker nichts von >Zumutung< und >Servicewüste< und >Unverschämtheit< hinblaffen will. Nichts davon will ich. Ich will nur, dass der Techniker nicht für immer verschwunden ist. Allein, dass er zu mir zurücksegelt, macht ihn für mich zu einem Techniker von Weltrang. Es knistert. "Hören Sie?" fragt der Techniker. Ich höre und höre", sage ich, "Beethoven vor allem", und der Techniker sagt: "Es gibt eine technische Störung vor Ort. Es muss ein Techniker bei Ihnen vorbeikommen. Ich stelle Sie zu einem Kollegen durch, der wird einen Termin vereinbaren." "Dauert einen Moment", sagen der Techniker und ich gleichzeitig. Ich kneife die Augen zu. Für Elise. Alles ist immer, immer für Elise."

Apr 11, 2025
"Eines meiner Lieblingswörter ist >Unannehmlichkeit<. Obwohl es ja wortwörtlich etwas meint, das zu groß ist, um es einfach an- oder hinnehmen zu können, wird es heute vor allem als Bezeichnung für Kinkerlitzchen benutzt."
Ich bin wahrlich keine Fürsprecherin von Kurzgeschichten. Aber wenn sie von einer meiner absoluten Lieblingsautorinnen verfasst wurden, dann lasse auch ich mich erweichen. Und was soll ich sagen, sie sind alles, aber definitiv keine >Unannehmlichkeit<. Es fällt mir gar nicht leicht den Schreibstil von Mariana Leky zu beschreiben. Muss ich ja aber zum Glück auch gar nicht. Ich empfinde ihn jedoch als äußerst klug und charmant, im guten Sinne verschachtelt, witzig und tiefgründig zugleich. Die Sätze schmiegen sich mir an (vielleicht auch umgekehrt) und ich möchte immer mehr davon. Fühle mich verstanden und abgeholt, erkenne mich wieder. Wieder ein Volltreffer für mich. Und nun Frau Leky, schreiben Sie bitte, bitte schreiben Sie... "Nach zwanzig Minuten >Für Elise< - mein Blick ist mittlerweile leer, die Gesichtszüge entgleist wird die Musik unterbrochen, und sofort bin ich hellwach [...]." "Ich versuche, nicht zu warten. Ich mache ein paar Rückenübungen für Elise. Ich halte >Für Elise< an meine Zimmerpflanze, weil Pflanzen doch angeblich bei klassischer Musik prächtig gedeihen, ich glaube aber, zusehen zu können, wie die Pflanze bei jedem neuen Düdüdüdü welker wird. Ich gehe in die Küche. Ich sortiere die Gewürzdöschen alphabetisch. Ich frage mich, wie wohl die von Beethoven bewidmete Elise >Für Elise< fand und ob sie es genauso oft gehört hat wie ich, ich erinnere mich, dass man gar nicht genau weiß, wer Elise eigentlich war, dass eine gewisse Elisabeth Röckel im Verdacht steht, Elise zu sein, und ich frage mich, was wäre, wenn Beethoven sein Stück nicht >Für Elise<, sondern >Für Fräulein Röckel< genannt hätte, und dann frage ich mich, wo eigentlich mein Aggressionspotenzial geblieben ist. Warum ich dem Techniker nichts von >Zumutung< und >Servicewüste< und >Unverschämtheit< hinblaffen will. Nichts davon will ich. Ich will nur, dass der Techniker nicht für immer verschwunden ist. Allein, dass er zu mir zurücksegelt, macht ihn für mich zu einem Techniker von Weltrang. Es knistert. "Hören Sie?" fragt der Techniker. Ich höre und höre", sage ich, "Beethoven vor allem", und der Techniker sagt: "Es gibt eine technische Störung vor Ort. Es muss ein Techniker bei Ihnen vorbeikommen. Ich stelle Sie zu einem Kollegen durch, der wird einen Termin vereinbaren." "Dauert einen Moment", sagen der Techniker und ich gleichzeitig. Ich kneife die Augen zu. Für Elise. Alles ist immer, immer für Elise."
Apr 11, 2025








