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"Dass alte weiße Männer über alte weiße Männer schreiben, will einfach niemand mehr lesen. Get over yourself." (S. 242) Man stelle sich vor: einen Bestsellerautor in der Schaffenskrise, das Ego liegt am Boden, die Frau hat ihn verlassen für einen 29-jährigen Fitnesstrainer, und er selber ranzt vor sich hin in einer verdreckten Junggesellenbude, knietief im Selbstmitleid. Seine Kinder besuchen ihn nur, wenn ihnen absolut keine plausible Ausrede einfällt, und von seiner Tochter muss er sich anhören: "Ein Mann, der nur über Männer schreibt, Papa, muss sich nicht wundern, dass die Frauen das Interesse verlieren." Armer Maximilian Wenger, oder?! Wer kann's ihm verdenken, dass er in dieser Situation keinen Blick und schon gar kein Verständnis für andere aufbringen kann? Zum Beispiel wenn nachts die siebzehnjährige Tochter anruft - was kann die schon wollen? Wegdrücken. Was soll ihr schon passieren? Nach einer Party vom Chef se×uell genötigt, ja, beinahe vergewaItigt werden. Na geh! Man stelle sich weiter vor: Eben jener Autor erhält plötzlich Briefe von einer Frau. Nicht an ihn adressiert, sondern an seinen Vormieter. Briefe voller Schmerz, Wut, Sehnsucht, Verzweiflung. Briefe, die ihm – ironischerweise – den langersehnten Schreibkick bescheren. An denen er sich bedient. Die er kopiert. Weil ihm selbst die Empathie und die Sprache fehlen, um zu schreiben, was Agent und Verleger lesen wollen. Der Profit schlägt aus weiblichem Leid, während er nicht merkt – oder nicht merken will –, dass auch seine eigene Tochter eine dieser Frauen ist. „Bis zu meinen Zähnen ist mein Mund angefüllt mit Wut.“ (S. 20) Klingt nach dem Stoff eines Fallwickl-Romans? Wer sonst sollte so pointiert, so unerschrocken über Machtmissbrauch, strukturelle Gewalt, Täter-Opfer-Umkehr und weibliche Selbstbehauptung schreiben? „Das Licht ist hier viel heller“ erzählt auf mehreren Ebenen davon, wie Männer Geschichten besitzen, besetzen und ausbeuten – und wie Frauen dennoch nicht aufhören, ihre eigenen zu schreiben. Wäre das mein erster Roman von Mareike Fallwickl gewesen, wäre das ganz sicher die Initialzündung gewesen. So steht "Das Licht ist hier viel heller" für mich aber im Schatten seines Vorgängers ("Dunkelgrün fast schwarz" - ein Überkracher) und wird auch von seinen Nachfolgern ("Die Wut, die bleibt" und "Und alle so still") geschluckt. Und trotzdem: Wie alle ihre Texte habe ich auch diesen sehr gern gelesen. In einem Tempo, das für seine Brisanz spricht. In einem Zug, mit diesem typischen Fallwickl-Gefühl, dass man gerade etwas liest, das weh tut – weil es wahr ist.
Feb 13, 2026
"Dass alte weiße Männer über alte weiße Männer schreiben, will einfach niemand mehr lesen. Get over yourself." (S. 242) Man stelle sich vor: einen Bestsellerautor in der Schaffenskrise, das Ego liegt am Boden, die Frau hat ihn verlassen für einen 29-jährigen Fitnesstrainer, und er selber ranzt vor sich hin in einer verdreckten Junggesellenbude, knietief im Selbstmitleid. Seine Kinder besuchen ihn nur, wenn ihnen absolut keine plausible Ausrede einfällt, und von seiner Tochter muss er sich anhören: "Ein Mann, der nur über Männer schreibt, Papa, muss sich nicht wundern, dass die Frauen das Interesse verlieren." Armer Maximilian Wenger, oder?! Wer kann's ihm verdenken, dass er in dieser Situation keinen Blick und schon gar kein Verständnis für andere aufbringen kann? Zum Beispiel wenn nachts die siebzehnjährige Tochter anruft - was kann die schon wollen? Wegdrücken. Was soll ihr schon passieren? Nach einer Party vom Chef se×uell genötigt, ja, beinahe vergewaItigt werden. Na geh! Man stelle sich weiter vor: Eben jener Autor erhält plötzlich Briefe von einer Frau. Nicht an ihn adressiert, sondern an seinen Vormieter. Briefe voller Schmerz, Wut, Sehnsucht, Verzweiflung. Briefe, die ihm – ironischerweise – den langersehnten Schreibkick bescheren. An denen er sich bedient. Die er kopiert. Weil ihm selbst die Empathie und die Sprache fehlen, um zu schreiben, was Agent und Verleger lesen wollen. Der Profit schlägt aus weiblichem Leid, während er nicht merkt – oder nicht merken will –, dass auch seine eigene Tochter eine dieser Frauen ist. „Bis zu meinen Zähnen ist mein Mund angefüllt mit Wut.“ (S. 20) Klingt nach dem Stoff eines Fallwickl-Romans? Wer sonst sollte so pointiert, so unerschrocken über Machtmissbrauch, strukturelle Gewalt, Täter-Opfer-Umkehr und weibliche Selbstbehauptung schreiben? „Das Licht ist hier viel heller“ erzählt auf mehreren Ebenen davon, wie Männer Geschichten besitzen, besetzen und ausbeuten – und wie Frauen dennoch nicht aufhören, ihre eigenen zu schreiben. Wäre das mein erster Roman von Mareike Fallwickl gewesen, wäre das ganz sicher die Initialzündung gewesen. So steht "Das Licht ist hier viel heller" für mich aber im Schatten seines Vorgängers ("Dunkelgrün fast schwarz" - ein Überkracher) und wird auch von seinen Nachfolgern ("Die Wut, die bleibt" und "Und alle so still") geschluckt. Und trotzdem: Wie alle ihre Texte habe ich auch diesen sehr gern gelesen. In einem Tempo, das für seine Brisanz spricht. In einem Zug, mit diesem typischen Fallwickl-Gefühl, dass man gerade etwas liest, das weh tut – weil es wahr ist.
Feb 13, 2026







