Und alle so still: Roman | Nominiert für das Lieblingsbuch des Deutschschweizer Buchhandels 2025
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Schreiende Stille
Vielleicht das Beste was ich dieses Jahr gelesen haben und jede Seite hat mich wütender gemacht, eine Unruhe in mir ausgelöst und mich sprachlos zurückgelassen. Ein fantastisches Werk! Diese Geschichte zu lesen, war sehr intensiv und atmosphärisch stark verdichtet da auch die Personen in einem kurzen Zeitraum von nur wenigen Tagen handeln. Vielleicht war es für mich nochmal extra beeindruckend, da ich einem Krankenhaus arbeite.
Ich bin die Gebärmutter, mich verbinden sie mit Weiblichkeit. Über alles, was mit mir geschieht, entscheiden Männer. Zitat S. 34
Was wäre, wenn sich Frauen verweigern, nicht mehr putzen, betreuen, pflegen...? Diesem Gedankenexperiment geht Mareike Fallwickl nach und skizziert eine Dystopie in dem die Welt ins Chaos stürzt, weil weiblich gelesene Personen nicht zur Verfügung stehen. Die Geschichte wird anhand der Hauptfiguren Ruth, Elin und Nuri erzählt. Alle drei haben im bisherigen Leben eine Menge erlebt. Ruth, die sich zunächst liebevoll um ihren behinderten Sohn Fritz kümmert und als er nicht mehr lebt aufopferungsvoll im Krankenhaus arbeitet, kein Nein kennt und bis zur absoluten Erschöpfung jede Schicht übernimmt, Überstunden macht. Elin Anfang 20 von Selbstzweifeln zerfressen, immer das Handy in der Hand auf Selbstdarstellung programmiert, Bestätigung bei x-beliebigen Männern suchend bis einer sie benutzt und entgegen der Absprache kein Kondom verwendet. Ein Wendepunkt. Nuri stammt aus prekären Verhältnissen, lebt in einer Hochhaussiedlung am Ende der Stadt. Die Eltern sprachlos, ist er von Beginn an auf sich gestellt muss jeden erdenklichen, schlecht bezahlten und unmenschlichen, gesundheitsgefährdeten Job annehmen. Er solidarisiert sich früh mit den Frauen, die die Care-Arbeit niederlegen. Die drei Figuren sind geschickt miteinander verbunden. Sie werden einander stützen, sich gegen die männliche Gewalt, die sich mehr und mehr Bahn bricht, auflehnen. Das Buch hat mich bewegt und wird mich noch eine Weile beschäftigen. Die Liebe, Freundschaft und Solidarität unter den Frauen, machte mir Hoffnung und hat dem Buch etwas an Schwere genommen. In der Danksagung erläutert Mareike Fallwickl die Idee zu Buch, die ihr schon beim Schreiben von "Die Wut die bleibt " gekommen ist. In diesem Buch wird die aktuelle gesellschaftliche Situation beschrieben. Im Buch "Und alle so still" schildert sie eune mögliche Zukunft. Erschreckend, aber nicht ganz unwahrscheinlich. Unbedingt lesen als Fortsetzung von "Die Wut die bleibt "!
Mareike Fallwickl kämpft auch in ihrem neuen Roman „Und alle so still“ wieder gegen das Patriarchat an. Diesmal erzählt sie aus Sicht von 3 sehr unterschiedlichen Charakteren eine Utopie. Ruth ist Krankenschwester und opfert sich seit jeher für andere auf, früher für ihren behinderten Sohn Fritz, heute für ihre Patienten in 14-Stunden-Schichten. Elin ist Anfang 20, beziehungsunfähig und hinterfragt langsam die Einstellungen ihrer Mutter Alma. Nuri ist der einzige Mann im Bunde, hat einen Migrationshintergrund und ackerr in prekären Jobs um seine Existenz. Alle 3 werden von dem Generalstreik der Frauen eingenommen und jeder auf andere Art darin verwickelt. Genau ist das zentrale Thema des Romans: Was passiert, wenn die Frauen plötzlich ihre unbezahlte Care-Arbeit hinwerfen? Dieser Roman hat mich bewegt, teilweise konnte ich aber nur ein paar Seiten am Tag lesen, weil er so wuchtig ist. Sehr lesenswert.
"Wenn die Welt kippt, auf welcher Seite willst du stehen?" 📖 Und alle so still ✍🏽 Mareike Fallwickl 📚 Argon Verlag 🗣️ Marie-Isabel Walke, Astrid Kohrs und Henning Nöhring Hörbuch Rezension 🅉🅄🄼 🄸🄽🄷🄰🄻🅃 Elin, Anfang 20 hat ihren Körper und ihre Follower im Griff oder ist es umgekehrt? Ihre sexuelle Macht macht sie gleichzeitig zu einem Objekt. Elin hinterfragt das Frauenbild im der Familie. Ruth ist Pflegekraft und alleinerziehende Mutter und hat sich neben ihrer Arbeit stets als Mutter eines beeinträchtigten Sohns identifiziert. Altruismus ist ihr zweiter Vornamen. Jetzt nach dem Tod ihres Sohnes funktioniert sie nur noch. Nuri, ein junger Mann mit Migrationshintergrund ist in einem Arbeitmillieu grußgeworden. Die Mutter hat ihn schon früh auf ihre diversen Putzstellen mitgenommen. Sie hat nie richtig deutsch gelernt, aber Nuri aber auch nicht ihre Muttersprache gelehrt. Auch der Vater, der stets in miesen Jobs gearbeitet hat, hat wenig zu sagen. Das Geld ist immer knapp. Nuri schlägt sich ohne Schulabschluss stets mit prekären Arbeitsverhältnissen durch. Er kämpft mit seiner sexuellen Orientierung und dem "Bild von einem Mann", welches er um sich erlebt. Alle drei begegnen sich als es zu einer Art Generalstreik der Frauen kommt. Was passiert wenn Frauen aufhören zu tun was sie immer tun: arbeiten, pflegen, sich kümmern, die Sache am laufen halten...? 🄼🄴🄸🄽🄴 🄼🄴🄸🄽🅄🄽🄶 Ein weiterer bewegender feministischer Gesellschaftsroman, der sich um die Themen Weiblichkeit, Sexismus, toxische Männlichkeit, unbezahlte Carearbeit, ungleiche Bezahlung, Rollenbilder und familiäre Prägung kümmern. Die drei unterschiedlichen Protagonisten haben mir sehr gut gefallen. In jeden konnte ich mich als Hörer einfühlen. Das Hörbuch hat mich teilweise unheimlich getriggert, da die himmelschreiende Ungerechtigkeit mich einfach so sehr bewegt hat! Fazit: klare Leseempfehlung! 5 von 5 Sterne!

Was wäre, wenn Frauen plötzlich nicht mehr all das leisten, was von ihnen erwartet wird? Wenn sie einfach aufhören zu funktionieren? Genau diesen Fragen geht Mareike Fallwickl nach in einem Roman, der unter die Haut geht und alles andere als still ist. Das Buch ist sehr eindringlich, erschütternd und traurig realitätsnah. Ein feministischer und gesellschaftskritischer Roman, den jeder gelesen haben sollte.
Feministischer Zukunftsroman 🏥🙋🏼♀️⚡️
Mareike Fallwickls Art zu schreiben hat mir wieder sehr gut gefallen und ich war sofort drin. Ich mochte die vielen unterschiedlichen Perspektiven: Nuri als Mensch mit Migrationshintergrund und seine Schwierigkeiten ohne einen Schulabschluss klarzukommen. Vor allem Nuris Sichtweise als Mann hat nochmal einen besonderen Einblick in die Welt des Feminismus gegeben. Ruth mit ihren intensiven Einblicken in den Beruf der Pflegerin im Krankenhaus, super spannend und super tragisch. Zuletzt Elin mit ihren intensiven Beschreibungen über Körperlichkeit, Beziehungen und Liebe. Alle drei sind natürlich viel mehr als das, und ich fand die Charaktere wirklich sehr vielschichtig! Das Szenario des Romans war mir teilweise ein bisschen zu viel, irgendwie unvorstellbar und an manchen Stellen etwas zu extrem. Aber wer weiß, was passieren würde, wenn solch ein Szenario wirklich eintreten sollte… Es ist jedoch so oder so super beeindruckend, so eine Geschichte zu lesen und ich finde die Visionen und feministischen Ansichten von Mareike Fallwickl sehr toll. Habe die kleinen Überschreibungen zu „die Wut, die bleibt“ geliebt!! 🫶🏼🫶🏼 Zitate, die mich zum Nachdenken gebracht haben: „Die Gebärmutter Die Todesursache Nummer eins für schwangere Frauen weltweit ist Mord.“ „«Sie haben keine Hexen verbrannt, sondern Frauen», erwidert ihre Mutter, «mit dem Ziel, ihr Wissen zu eliminieren und ihren Einfluss, sie auseinanderzureißen und zu verdammen..“
Ich hätte den Roman „Und alle so still“ so gerne besser bewertet. Die Idee ist toll, die Autorin Mareike Fallwickl großartig und ihr Vorgänger Roman „Die Wut die bleibt“ ist eines meiner Lieblingsbücher. Der Beginn mit Elin war aus meiner Sicht unglaublich stark, aber desto weiter es um die Verweigerung der Care-Arbeit ging war mir der Plot zu konstruiert, zu schwarz weiß und somit zu platt. Wie ging es euch mit dem Buch? „Ich weiß nicht mehr, wie mein Körper sich angefühlt hat, bevor Tausende Menschen ihn kommentiert haben, ich kann ihn nicht mehr durch meine eigenen Augen sehen.“

Liest sich so unglaublich gut und tut auch unglaublich weh
Das Thema war einfach spannend und ich konnte das Buch nicht wirklich aus der Hand legen. Es werden wichtige Themen angesprochen, die unangenehm sein können und sind. Hin und wieder gab es 🤯-Momente für mich. Wahrscheinlich liest es sich so mega gut und kann gleichzeitig so weh tun, weil wir wissen, was man da liest, entspricht auch irgendwie der Wahrheit.
Mareike Fallwickl erzählt hier in drei Erzählsträngen aus der Sicht von drei Personen, nämlich der beiden Frauen Ruth und Elin sowie des Mannes Nuri. Ruth ist eine aufopfernde Krankenschwester, die sich nach dem Tod ihres Sohnes Fritz voll in die Arbeit gestürzt hat und immer bereit ist, Überstunden zu machen und Schichten zu übernehmen und dabei immer am Rande der völligen Erschöpfung balanciert. Elin ist eine junge Frau, die von ihrer feministischen Mutter Alma ohne Vater oder anderweitigen Familienanschluss allein großgezogen wurde und ihr Geld als Influencerin im Social Media Bereich verdient. Sie holt sich regelmäßig Bestätigung durch erotische Abenteuer. Nuri ist ein junger Mann, der sein Geld durch mehrere Jobs, nämlich Barkeeper, Transportdienst im Krankenhaus und Lieferdienstfahrer verdient. Er arbeitet rund um die Uhr. Er ist aufgewachsen als Sohn einer Frau, die von seinem Vater aus dem Ausland nach Österreich geholt wurde, um gegen geringe Bezahlung dessen Kinder aus 1. Ehe großzuziehen und den Haushalt zu führen. Alle drei finden sich in einem gesellschaftlichen Umbruch wieder, der sich daraus ergibt, dass alle Frauen ihre (Care-)Arbeit nieder- und sich in stillem Protest vor dem örtlichen Krankenhaus auf den Asphalt legen. Was passiert, wenn alle Frauen (Krankenschwestern, Erzieherinnen, Kassierinnen, Reinigungskräfte, Hausfrauen etc.) nicht mehr tun, was sie jahrelang getan haben? Dieser Frage geht das Buch nach und beschreibt eindrücklich den Zusammenbruch, der daraus folgt. Gelesen wird das Hörbuch von Marie-Isabel Walke, Astrid Kohrs und Henning Nöhren, die jeweils einen Erzählstrang übernehmen und die Geschichte sehr gut vertonen. Der beeindruckende stille Protest der Frauen wurde ebenso eindrücklich erzählt wie die äußerst bedrückenden Folgen. Ein besonderes Erzählelement, das mir sehr gut gefallen hat, waren die kurzen Passagen, in denen die Pistole, die Gebärmutter und die Berichterstattung zu Wort kommen. Sie bilden die Übergänge zwischen den Sichtweisen der einzelnen Protagonist*innen. Gefreut habe ich mich über das Wiedersehen mit Sunny, Alva und Pham aus Mareike Fallwickls Vorgängerbuch „Die Wut, die bleibt“, die sich der Gruppe der protestierenden Frauen angeschlossen haben. Ein wichtiges Buch, das ich allgemein empfehlen kann.
Mareike Fallwickl ist einfach grandios. Bisher habe ich das Buch "nur" einmal gelesen, als eBook. Doch dieses Buch sollte man definitiv mehrfach lesen, also habe ich der Buch nun auch als Hardcover hier, um mir Notizen machen zu können.
Es führt fort, was auf "Die Wut, die bleibt" folgen könnte. Es startet als stiller Protest einiger Frauen, die entweder gar nicht oder schlecht bezahlt werden. Die verweigern die Arbeit komplett und legen sich still auf die Straße. Was darauf an Konsequenzen folgt und zu einer richtigen Bewegung anwächst, liest sich wie ein packender Thriller. Dabei ist es einfach so lebensnah. Vielleicht sollten wir das einfach mal tun, uns in den Weg legen. Auf jeden Fall sollten wir alle dieses Buch lesen.
Ein unglaublich starkes, imposantes gesellschaftskritisches Werk. Für mich jetzt schon ein Jahreshighlight
Dieses Buch hat so viele Emotionen in mir ausgelöst- für mich jetzt schon ein Jahreshighlight! Einerseits hat mich das Werk total angesprochen, weil ich selber Teil des Gesundheitssystems war. Als Turnus- bzw. Assistenzärztin kann ich diese prekäre Situation im Krankenhaus nur bestätigen. Schlimm ist, dass es nicht ein KRH betrifft, sondern das im Prinzip für alle Häuser gilt. Im Buch steht viel über Pflege- das wurde zutreffend und gut beschrieben, ich möchte noch die ärztliche Seite ergänzen- denn bei uns ist es genau dasselbe. Ohne uns Frauen würde das System nicht funktionieren, trotzdem kämpfen wir unentwegt ums Ansehen und Anerkennung. Dieser stille Protest- diese Stärke, diese unglaublich liebevolle Gemeinschaft- mich hat dieses Buch tief bewegt. Es hat mich unglaublich traurig gemacht, weil es offenlegt, wieviel Arbeit noch vor uns liegt und wie falsch alles ist. Ich möchte der Autorin zu diesem starken, imposanten gesellschaftskritischem Buch gratulieren und kann es wirklich allen ans Herz legen es zu lesen.
Solidaritätsliteratur vom Feinsten!!!
Ich musste immer wieder pausieren, s triggerte mich nämlich stark. Ansonsten war es eine echte Fallwickl, ich wurde gepackt und durchgekaut. Bitte- LEST es. Wer die Autorin bereits entdeckt hat, liest es sowieso und wird NICHT enttäuscht, die Anderen- ENTDECKT sie!! Übrigens es zahlen sich ALLE ihre Bücher aus!!! Dieser Schreibstil ist traumhaft, die Themen sind spannend, wichtig und ein MUST Read!!!!

Und alle so still...
Das Buch erzählt aus den Perspektiven der drei Protagonist:innen Elin, Ruth und Nuri. Drei Leben, drei Schicksale, und wie sie in einer Woche des totalen Umbruchs zueinander finden. Ein Umbruch, der dadurch ausgelöst wird, dass Frauen ihre Arbeit niederlegen. Den Job, das Betreuen der Kinder, die Pflege von Angehörigen, die Hilfe für die Ehemänner. Einfach alles. Nicht weil sie besser bezahlt, Veränderung oder ein danke möchten. Einfach, weil sie nicht mehr können. Ein kollektiver Burnout, der sich in unserer patriarchalen Gesellschaft und dem ausbeuterischen System schon so lange anbahnt. In diesem Buch wird er Realität. Und so liegen die Frauen. Vor Krankenhäusern, Schulen, Kindergärten, im Park, auf der Straße. Liegen einfach und wollen nicht mehr. Sie wollen nur sein, in Ruhe gelassen werden, kein müssen, keine Pflicht. Alles gerät aus den Fugen, die Gesellschaft bricht zusammen. Denn niemand putzt, kocht, pflegt, wäscht, macht die kleinen ungeliebten Arbeiten, für die sich andere zu schade sind. Männer sind heillos überfordert, haben doch die Frauen immer alles gemacht. Die Hilflosigkeit geht in stoische Wut über, die mal wieder die Frauen trifft. Der Roman erzählt wie es wirklich werden könnte. Wie alles zusammenbricht, weil die Frauen zusammenbrechen. Die Arbeit, die wir Frauen (und auch die Männer der unteren Schichten) jeden Tag verrichten nicht gesehen und gewürdigt wird. Es ist an manchen Stellen schwarz weiß, aber das muss es sein, um die Notwendigkeit nach Veränderung noch deutlicher zu machen. "Und alle so still" sollte von jedem Mann, jeder Frau, einfach jedem Menschen gelesen werden, der oder die sich für was Besseres hält und auf alle herabschaut, die die Drecksarbeit machen. Die Menschen und insbesondere Frauen ungleich behandeln, sie ausbeuten und ihre Bedürfnisse ignorieren. Eine Gesellschaft kann nur funktionieren, wenn wir zusammenhalten und uns gegenseitig stützen. Und dieses Buch macht es auf drastische Weise deutlich. Große Empfehlung!
Starke Story, die nachwirkt
Das Buch begleitet Elin, Nuri und Ruth – drei Leute, die gerade ziemlich viel um die Ohren haben. Jede Person kämpft mit eigenen Themen, von Stress im Job über familiäre Belastung bis hin zu gesellschaftlichem Druck. Und dann passiert etwas, das alles verändert: Überall im Land legen sich Menschen – vor allem Frauen – wortlos auf die Straße. Kein Lärm, kein Drama, nur Stille. Und genau diese Stille bringt plötzlich das ganze System ins Wanken. Je länger die Aktion läuft, desto klarer wird, wie viel unsichtbare Arbeit normalerweise einfach selbstverständlich hingenommen wird. Während manche Männer komplett überfordert oder wütend reagieren, entsteht unter den Protestierenden eine neue Art von Zusammenhalt – ruhig, aber stark. Das Buch packt viele Themen an, die echt ans Eingemachte gehen: Mobbing, Armut, Rollenbilder, Machtmissbrauch, körperliche Selbstzweifel, toxische Strukturen. Vieles davon ist nicht leicht zu lesen, aber extrem treffend und relevant. Der Schreibstil ist anfangs etwas speziell – sehr bildhaft, sehr intensiv –, aber wenn man drin ist, funktioniert er super. Die kleinen Zwischenkapitel aus überraschenden Perspektiven sind ein Highlight und geben dem Ganzen noch mehr Tiefe. Besonders heftig ist Ruths Alltag im Krankenhaus: nonstop Schichten, null Pause, komplett aufopfernd. Man spürt beim Lesen sofort, wie kaputt das System ist und wie viel sich eigentlich ändern müsste. Auch die Reaktionen auf den stillen Protest sind realistisch dargestellt: nicht zuhören, sondern durchgreifen, bestrafen, Polizei schicken. Und genau das zeigt, wie fragil das Ganze wirklich ist, sobald Menschen einfach mal nicht mehr funktionieren wollen. Insgesamt ist es ein starkes Gedankenexperiment mit viel Wucht: Was passiert, wenn Menschen aufhören, sich den Erwartungen zu beugen? Was, wenn sie sich zusammentun? Das Buch liefert keine einfachen Antworten, aber viele Denkanstöße – und bleibt definitiv hängen.
Aufzugeben ist manchmal schwerer, als einfach weiterzumachen.
Mareike Fallwickel mach das, was sie am besten kann: all die Gefühle aus mir herauszuholen, und sie in wunderschöne Sprachbilder zu verpacken, die beim Lesen so ein angenehmes Knirschen im Gehirn erzeugen. Tolle Idee für die Geschichte, in der Frauen loslassen, aufhören Care-Arbeit zu leisten und sich weigern weiterzutragen. Erzählt werden drei unterschiedliche Perspektiven, die gemeinsam ein dreidimensionales, plastisches Bild ergeben. Ich habe „Die Wut, die bleibt“ so doll geliebt und konnte es kaum erwarten, dass Fallwickls neues Buch erscheint. Die Sekunde, als das Leseexemplar in meinem Posteingang war, habe ich angefangen zu lesen und konnte nicht mehr aufhören. Dieser Roman ist das feministische Pendant und das Gegenteil von Fight Club
Das Ende des Patriarchats - Eine Utopie? Ein Wunsch? Die Zukunft? Ein Anfang
Bücher von Mareike Fallwickl stehen schon länger auf meiner Wunschliste. Nun ist "Und alle so still" das erste geworden. Am Anfang fand ich tatsächlich schwer hinein. Ich hatte irgendwann mal den Klappentext gelesen, aber inzwischen schon wieder vergessen. Daher wusste ich erst nicht, wohin mich das Buch führt. Aus Sicht der drei Protagonist*innen Nuri, Elin und Ruth erzählt nähern wir uns schnell dem Thema weibliche Ausbeutung. Aber das Buch ist so viel mehr. Es ist ein feministisches Mahnmal, eine Dystopie die gar nicht so weit entfernt scheint. Die Kraft der Frauen, der Zusammenhalt, die Zuversicht hat mich in dieses Buch hineingezogen, dass ich nicht mehr aufhören konnte zu lesen. Nur, der männlich gelesene Protagonist, der sich gegen das Patriarchat stellt, macht Hoffnung. Ruth, die in den alten Strukturen festhielt, findetveinen Weg hinaus und Elin ruht sich nicht auf ihren Priviliegien aus. Drei ganz individuell und doch zueinander passende Charaktere, so fein gezeichnet in dieser erschütternde, bewegenden und vor allem aufrütteönden Erzählung. Bitte solch ein Roman als Schullektüre.
Plakativ. Aggressiv. Eindimensional.
Die Latte an Erwartungen für dieses Buch lag hoch. Leider konnte die Autorin stehend darunter durch gehen. Impulse setzen konnte es trotzdem. 📕 "Und alle so still" von Mareike Fallwickl erzählt die Geschichte von Frauen, die im stillen Protest ihre Arbeit und sich selbst niederlegen. Mittendrin Elin, anfang 20, Influenzerin und mit einer vielleicht Gewalt Erfahrung. Nuri, 19 Jahre, Schulabrecher mit mehreren Jobs im Niedriglohnsektor und Ruth, mitte 50, Pflegefachkraft im Krankenhaus. Bietet dieser Protest die Chance auf Veränderung? 💄Dieses Buch war schemerzhafz, anstrengend und roh. Die Autorin schreibt provokant und aggressiv, ungeschönt und derb. Es war nicht einfach, dieses Buch zu beenden, schafft die Autorin es doch zielsicher den Finger in die Wunde zu drücken. 💄Das realitätsnahe Setting gleitet für mich irgendwann zu sehr ins dystopische ab. Im besten Schwarz Weiß denken ist es ein sich hochschaukelndes "wir gegen die". Nicht alle Frauen sind plötzlich Feministinnen und Solidarisch, ebenso wie nicht alle Männer triebgesteuerte wilde Tiere sind. Ich verstehe, dass es die prekäre gesellschaftliche Situation unterstreichen soll. Mir war diese Art der Darstellung jedoch zu eindimensional. 💄 Allgemein wurden für mich zu viele Themen auf die wenigen Seiten gequetscht. Allein Ruths Geschichte, ihre Arbeit im Krankenhaus und die Probleme im Pflegesystem hätten für ein Buch alleine gereicht. So verliert die Autorin sich zwischenzeitlich auch in sehr detaillierten Beschreibungen eben jener. Ruth war für mich die einzig greifbare und authentische Figur, deren Rolle in der Geschichte für mich Sinn ergab. 💄 Elin als reiche Influencerin wollte für mich nicht in die Geschichte passen. Sie hat mit Care Arbeit so viel Berührungspunkte wie Denis Scheck mit booktok. Ihre Geschichte ist brutal, schmerzhaft und wichtig darüber zu reden. Für mich aber in einem anderen Rahmen. 💄Tja und Nuri. Es musste in der Geschichte wohl DEN Mann geben, der anders ist. Go for it. Sein Migrationshintergrund, inklusive Schulabbrecherkarriere und Jobs im Niedriglohnsektor waren für mich aber wieder eins zuviel. Eine wichtige Geschichte, die es verdient hätte erzählt zu werden. Nur nicht in diesem Buch. Hat für mich nicht gepasst. 🎧 Das Hörbuch wird gesprochen von Marie- Isabel Walke, Astrid Kohrs und Henning Nöhren. Ihnen gelingt die Interpretation der jeweiligen Rolle hervorragend. Sie schaffen es die Wut, Verzweiflung und Hilflosigkeit der Figuren ervorragend zu transportieren. 💄Ein Buch das viele Themen anspricht, ein interessantes Gedankenexperiment präsentiert und Stoff für Diskussionen liefert, dessen Ende mich aber nicht zufrieden stellt. Eine Empfehlung für diskussionsfreudige Buchclubs.

Kraftvoll und echt hart
Ich bin 32 Jahre alt, weiblich und täglich erschrocken darüber, wie wahr die Schilderungen in diesem Roman sein dürften, sollten wir Frauen/weiblich gelesenen Personen unsere Arbeit niederlegen. Es ist beeindruckend und einnehmend wie Mareike Fallwickl diese Welt darstellt und die Gefühle der Protagonistinnen trifft. Aber auch Nuri, der Mann, der hier zu Wort kommt, hat seine Probleme mit dem Patriarchat und es ist irgendwie beruhigend, dass es so Menschen wie ihn gibt. Ansonsten ist dieses Buch überhaupt nicht beruhigend, sondern verstörend ehrlich. Ich habe gelacht (bitterböse und erleichtert), geweint und sehr viel nachgedacht. Mein Mikrofeminismus im Alltag ist wieder stärker geworden und das Gefühl durch Solidarität mit anderen weibliche gelesenen Personen etwas zu bewegen gibt mir Mut und Kraft.
Uff, ich weiss garnicht was ich dazu sagen soll. Zu Beginn fand ich das Buch richtig stark aber hat gegen Ende richtig stark abrebommen. Da hat mir "Die Wut die bleibt" deutlicher besser gefallen. (Wobei ich dieses Buch gehört und das jetzige Buch gelesen habe. Macht ja auch viel aus.) Bis auf das erste Kapitel (ist glaube ich einfach nicht mein Stil) hat mir der Schreibstil wieder gut gefallen & ich war teilweise - wie die Personen im Buch - endlos gestresst. - Die Danksagungen fand ich richtig gut, enthält auch kleine Infos zu Buch, sowas lieb ich. Die Themen wieder eine 10/10. Gerade die Story vom Nuri und Ruth hat mich richtig berührt. - Meine Großeltern sind auch als Migranten nach Deutschland gekommen und haben Arbeiten erledigt, die einfach unfassbar anstrengend war. Sie reden nicht gerne darüber, aber so erhalte ich einen Einblick in die "moderne" Versklavung. Zu Elin habe ich iwie nicht so richtig Zugang bekommen - vermutlich hat sich darum auch das Ende so gestreckt.
Ein sehr augenöffnendes Buch. Gerade die Szenen aus dem Krankenhaus haben mich stark mitgenommen und mir gezeigt, dass darüber noch viel mehr geschrieben werden muss. Ich hätte mir gewünscht, dass noch mehr Geschichten der angesprochenen Frauen eingebracht werden, da viele Namen gedroppt wurden, während mir die Szenen einzelner Protagonisten teils zu langatmig vorkamen - gerade bei Elin. Aber trotzdem - ein interessantes Buch mit einem ungewöhnlichen Szenario.
Die Geschichte erzählt von Frauen, die im stillen Protest die Arbeit und auch sich selbst niederlegen. Die Frage, die sich stellt, ist zweifelsohne, ob sich durch diesen Protest Veränderungen ergeben? Die Autorin sticht selbstverständlich in die Wunde, zeigt ein gesellschaftliches Problem auf, welches zweifelsohne existiert. Mareike Fallwickl polarisiert. "Es ist gut, dass Frauen Sorgenotstände auffangen, dass sie sich an menschlichen Bedürfnissen orientieren und nicht an Macht, Profit und Wettbewerb", sagt Barbara [...] "Frauen sollten sich das nicht abtrainieren, sie sollten nicht aufhören damit", fügt Barbara hinzu, "aber Männer sollten endlich damit anfangen." (Zitat aus "Und alle so still") Allerdings frage ich mich: Was genau ist, wenn Männer damit anfangen? Wir leben in einer Welt, in welcher der gesellschaftliche Konsens dahin geht, dass Männer die Familie zu ernähren haben, ergo Jobs, die gut bezahlt sind. Was ist, wenn ein Mann einen Job im Care-Bereich hat, stattdessen die Frau "Karriere" macht? Plötzlich fällt der Mann nämlich aus dem Muster, wird belächelt, mit den Worten verhöhnt, wie er denn so für die Familie aufkommen will. Ihm wird vorgeworfen, sich unter den Pantoffel der Frau zu stellen, nur weil diese "das Geld nach Hause bringt". Dabei ist es unglaublich richtig und wichtig, dass Männer auch in solchen "typischen Frauenberufen" Fuß fassen. Es gibt nämlich nicht nur triebgesteuerte, profitorientierte Männer, sondern auch solche, die sich mit Frauen auf Augenhöhe stellen, wichtige Aufgaben im Care-Bereich übernehmen, sich nicht zu schade sind für diese systemrelevanten Berufe, wie sie seit Corona heißen. Ich verstehe natürlich die prekäre Lage, die hier dargestellt und mit der aufgerüttelt werden soll, aber für mich driftet das Ganze irgendwann zu sehr ins Dystopische ab, bleibt zu engstirnig. Zudem hatte ich so meine Probleme mit den Figuren. Ruth war der einzig greifbare Charakter für mich, ihre Rolle hat für mich Sinn ergeben. An deren Beispiel hätte die Misere im Pflegebereich aufgeriffen und das gesamte Buch gefüllt werden können. Elin hat für mich null in die Geschichte gepasst, ich frage mich auch nach Beenden noch immer, welche Rolle sie dabei gespielt hat. Nuris Geschichte ist traurig, sollte viel mehr Raum - vielleicht in einer eigens für diese Problematik geschriebenen Geschichte - erhalten, hier wirkt sie fehl am Platz. Die Autorin schafft insgesamt natürlich durch ihre eindringliche, provokante, fast schon aggressive Art des Schreibens ein interessantes Gedankenexperiment, welches auf jeden Fall enorm viel Zündstoff liefert, mich persönlich aber nicht ganz zufriedenstellt.
Schockierend, stark, beeindruckend....aber mit Schwächen
Ach ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll, noch weniger, wie ich es bewerten soll. Eine spannende Idee. Scheinbar einfach so, legen Frauen ihre Arbeit und Care Arbeit nieder. Eine stumme Revolution, sie legen sich einfach schweigend nieder. Welch Idee! Die Hauptakteure Elin, Ruth und Nuri. Ihre Wege kreuzen sich. So etwas mag ich immer sehr. Zu sehen wie die Leben sich verflechten. Wichtige Themen, die mich teilweise echt bestürzt, vor allem bei Ruth, zurück gelassen haben. Trotz alle dem war es schwierig, teilweise schon sehr überspitzt, übertrieben...aber vielleicht eben auch absichtlich so. Eine Idee, aber auch keine Lösung dieser Protest. Die Probleme der einzelnen Charaktere reichen für eigene Bücher.... Also Hörbuch aber gut gelesen, angenehme Stimmen. Der Schreibstil sehr bildlich...auffallend. Ein Buch welches gewiss zu Diskussionen und Gesprächen anregt. Immer her mit eurer Meinung! 😀 Über das Buch : Ein großer feministischer Gesellschaftsroman über Widerspruchsgeist und Solidarität An einem Sonntag im Juni gerät die Welt aus dem Takt: Frauen liegen auf der Straße. Reglos, in stillem Protest. Hier kreuzen sich die Wege von Elin, Nuri und Ruth. Elin, Anfang zwanzig, eine erfolgreiche Influencerin, der etwas zugestoßen ist, von dem sie nicht weiß, ob es Gewalt war. Nuri, neunzehn Jahre, der die Schule abgebrochen hat und versucht, sich als Fahrradkurier, Bettenschubser und Barkeeper über Wasser zu halten. Ruth, Mitte fünfzig, die als Pflegefachkraft im Krankenhaus arbeitet und deren Pflichtgefühl unerschöpflich scheint. Es ist der Beginn einer Revolte, bei der Frauen nicht mehr das tun, was sie immer getan haben. Plötzlich steht alles infrage, worauf unser System fußt. Ergreifen Elin, Nuri und Ruth die Chance auf Veränderung?
Leider von Allem zu viel und zu einseitig. Diese Holzhammermethode hat bei mir leider nicht dazu geführt, dass ich wütend werde über die angesprochene Problematik, sondern über die starke Übertreibung der Schicksale und Überzeichnung der Charaktere, und der Dialoge. Ungerechtigkeit ggü. Frauen passiert in vielen Fällen auf deutlich subtilere Art. Ich hätte mir gewünscht, dass dies besser herausgestellt wird, um auch Frauen zu bestärken, die keine unmittlebar offensichtliche und extreme Ungerechtigkeit erfahren. Provokativ könnte man sich die Frage stellen, ob die im Buch beschriebenen Extremsituationen, nicht den gegenteiligen Effekt haben, und sich manche Betroffene nun vergleicht und zu dem Schluss kommt, dass die Ungerechtigkeiten in ihrem Leben vielleicht gar nicht so schlimm sind und sie daher keinen Anspruch hat, sich zu wehren. Das Gedankenexperiment zum stillen Niederlegen der Arbeit fand ich sehr anregend und gut umgesetzt.
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Vielleicht das Beste was ich dieses Jahr gelesen haben und jede Seite hat mich wütender gemacht, eine Unruhe in mir ausgelöst und mich sprachlos zurückgelassen. Ein fantastisches Werk! Diese Geschichte zu lesen, war sehr intensiv und atmosphärisch stark verdichtet da auch die Personen in einem kurzen Zeitraum von nur wenigen Tagen handeln. Vielleicht war es für mich nochmal extra beeindruckend, da ich einem Krankenhaus arbeite.
Ich bin die Gebärmutter, mich verbinden sie mit Weiblichkeit. Über alles, was mit mir geschieht, entscheiden Männer. Zitat S. 34
Was wäre, wenn sich Frauen verweigern, nicht mehr putzen, betreuen, pflegen...? Diesem Gedankenexperiment geht Mareike Fallwickl nach und skizziert eine Dystopie in dem die Welt ins Chaos stürzt, weil weiblich gelesene Personen nicht zur Verfügung stehen. Die Geschichte wird anhand der Hauptfiguren Ruth, Elin und Nuri erzählt. Alle drei haben im bisherigen Leben eine Menge erlebt. Ruth, die sich zunächst liebevoll um ihren behinderten Sohn Fritz kümmert und als er nicht mehr lebt aufopferungsvoll im Krankenhaus arbeitet, kein Nein kennt und bis zur absoluten Erschöpfung jede Schicht übernimmt, Überstunden macht. Elin Anfang 20 von Selbstzweifeln zerfressen, immer das Handy in der Hand auf Selbstdarstellung programmiert, Bestätigung bei x-beliebigen Männern suchend bis einer sie benutzt und entgegen der Absprache kein Kondom verwendet. Ein Wendepunkt. Nuri stammt aus prekären Verhältnissen, lebt in einer Hochhaussiedlung am Ende der Stadt. Die Eltern sprachlos, ist er von Beginn an auf sich gestellt muss jeden erdenklichen, schlecht bezahlten und unmenschlichen, gesundheitsgefährdeten Job annehmen. Er solidarisiert sich früh mit den Frauen, die die Care-Arbeit niederlegen. Die drei Figuren sind geschickt miteinander verbunden. Sie werden einander stützen, sich gegen die männliche Gewalt, die sich mehr und mehr Bahn bricht, auflehnen. Das Buch hat mich bewegt und wird mich noch eine Weile beschäftigen. Die Liebe, Freundschaft und Solidarität unter den Frauen, machte mir Hoffnung und hat dem Buch etwas an Schwere genommen. In der Danksagung erläutert Mareike Fallwickl die Idee zu Buch, die ihr schon beim Schreiben von "Die Wut die bleibt " gekommen ist. In diesem Buch wird die aktuelle gesellschaftliche Situation beschrieben. Im Buch "Und alle so still" schildert sie eune mögliche Zukunft. Erschreckend, aber nicht ganz unwahrscheinlich. Unbedingt lesen als Fortsetzung von "Die Wut die bleibt "!
Mareike Fallwickl kämpft auch in ihrem neuen Roman „Und alle so still“ wieder gegen das Patriarchat an. Diesmal erzählt sie aus Sicht von 3 sehr unterschiedlichen Charakteren eine Utopie. Ruth ist Krankenschwester und opfert sich seit jeher für andere auf, früher für ihren behinderten Sohn Fritz, heute für ihre Patienten in 14-Stunden-Schichten. Elin ist Anfang 20, beziehungsunfähig und hinterfragt langsam die Einstellungen ihrer Mutter Alma. Nuri ist der einzige Mann im Bunde, hat einen Migrationshintergrund und ackerr in prekären Jobs um seine Existenz. Alle 3 werden von dem Generalstreik der Frauen eingenommen und jeder auf andere Art darin verwickelt. Genau ist das zentrale Thema des Romans: Was passiert, wenn die Frauen plötzlich ihre unbezahlte Care-Arbeit hinwerfen? Dieser Roman hat mich bewegt, teilweise konnte ich aber nur ein paar Seiten am Tag lesen, weil er so wuchtig ist. Sehr lesenswert.
"Wenn die Welt kippt, auf welcher Seite willst du stehen?" 📖 Und alle so still ✍🏽 Mareike Fallwickl 📚 Argon Verlag 🗣️ Marie-Isabel Walke, Astrid Kohrs und Henning Nöhring Hörbuch Rezension 🅉🅄🄼 🄸🄽🄷🄰🄻🅃 Elin, Anfang 20 hat ihren Körper und ihre Follower im Griff oder ist es umgekehrt? Ihre sexuelle Macht macht sie gleichzeitig zu einem Objekt. Elin hinterfragt das Frauenbild im der Familie. Ruth ist Pflegekraft und alleinerziehende Mutter und hat sich neben ihrer Arbeit stets als Mutter eines beeinträchtigten Sohns identifiziert. Altruismus ist ihr zweiter Vornamen. Jetzt nach dem Tod ihres Sohnes funktioniert sie nur noch. Nuri, ein junger Mann mit Migrationshintergrund ist in einem Arbeitmillieu grußgeworden. Die Mutter hat ihn schon früh auf ihre diversen Putzstellen mitgenommen. Sie hat nie richtig deutsch gelernt, aber Nuri aber auch nicht ihre Muttersprache gelehrt. Auch der Vater, der stets in miesen Jobs gearbeitet hat, hat wenig zu sagen. Das Geld ist immer knapp. Nuri schlägt sich ohne Schulabschluss stets mit prekären Arbeitsverhältnissen durch. Er kämpft mit seiner sexuellen Orientierung und dem "Bild von einem Mann", welches er um sich erlebt. Alle drei begegnen sich als es zu einer Art Generalstreik der Frauen kommt. Was passiert wenn Frauen aufhören zu tun was sie immer tun: arbeiten, pflegen, sich kümmern, die Sache am laufen halten...? 🄼🄴🄸🄽🄴 🄼🄴🄸🄽🅄🄽🄶 Ein weiterer bewegender feministischer Gesellschaftsroman, der sich um die Themen Weiblichkeit, Sexismus, toxische Männlichkeit, unbezahlte Carearbeit, ungleiche Bezahlung, Rollenbilder und familiäre Prägung kümmern. Die drei unterschiedlichen Protagonisten haben mir sehr gut gefallen. In jeden konnte ich mich als Hörer einfühlen. Das Hörbuch hat mich teilweise unheimlich getriggert, da die himmelschreiende Ungerechtigkeit mich einfach so sehr bewegt hat! Fazit: klare Leseempfehlung! 5 von 5 Sterne!

Was wäre, wenn Frauen plötzlich nicht mehr all das leisten, was von ihnen erwartet wird? Wenn sie einfach aufhören zu funktionieren? Genau diesen Fragen geht Mareike Fallwickl nach in einem Roman, der unter die Haut geht und alles andere als still ist. Das Buch ist sehr eindringlich, erschütternd und traurig realitätsnah. Ein feministischer und gesellschaftskritischer Roman, den jeder gelesen haben sollte.
Feministischer Zukunftsroman 🏥🙋🏼♀️⚡️
Mareike Fallwickls Art zu schreiben hat mir wieder sehr gut gefallen und ich war sofort drin. Ich mochte die vielen unterschiedlichen Perspektiven: Nuri als Mensch mit Migrationshintergrund und seine Schwierigkeiten ohne einen Schulabschluss klarzukommen. Vor allem Nuris Sichtweise als Mann hat nochmal einen besonderen Einblick in die Welt des Feminismus gegeben. Ruth mit ihren intensiven Einblicken in den Beruf der Pflegerin im Krankenhaus, super spannend und super tragisch. Zuletzt Elin mit ihren intensiven Beschreibungen über Körperlichkeit, Beziehungen und Liebe. Alle drei sind natürlich viel mehr als das, und ich fand die Charaktere wirklich sehr vielschichtig! Das Szenario des Romans war mir teilweise ein bisschen zu viel, irgendwie unvorstellbar und an manchen Stellen etwas zu extrem. Aber wer weiß, was passieren würde, wenn solch ein Szenario wirklich eintreten sollte… Es ist jedoch so oder so super beeindruckend, so eine Geschichte zu lesen und ich finde die Visionen und feministischen Ansichten von Mareike Fallwickl sehr toll. Habe die kleinen Überschreibungen zu „die Wut, die bleibt“ geliebt!! 🫶🏼🫶🏼 Zitate, die mich zum Nachdenken gebracht haben: „Die Gebärmutter Die Todesursache Nummer eins für schwangere Frauen weltweit ist Mord.“ „«Sie haben keine Hexen verbrannt, sondern Frauen», erwidert ihre Mutter, «mit dem Ziel, ihr Wissen zu eliminieren und ihren Einfluss, sie auseinanderzureißen und zu verdammen..“
Ich hätte den Roman „Und alle so still“ so gerne besser bewertet. Die Idee ist toll, die Autorin Mareike Fallwickl großartig und ihr Vorgänger Roman „Die Wut die bleibt“ ist eines meiner Lieblingsbücher. Der Beginn mit Elin war aus meiner Sicht unglaublich stark, aber desto weiter es um die Verweigerung der Care-Arbeit ging war mir der Plot zu konstruiert, zu schwarz weiß und somit zu platt. Wie ging es euch mit dem Buch? „Ich weiß nicht mehr, wie mein Körper sich angefühlt hat, bevor Tausende Menschen ihn kommentiert haben, ich kann ihn nicht mehr durch meine eigenen Augen sehen.“

Liest sich so unglaublich gut und tut auch unglaublich weh
Das Thema war einfach spannend und ich konnte das Buch nicht wirklich aus der Hand legen. Es werden wichtige Themen angesprochen, die unangenehm sein können und sind. Hin und wieder gab es 🤯-Momente für mich. Wahrscheinlich liest es sich so mega gut und kann gleichzeitig so weh tun, weil wir wissen, was man da liest, entspricht auch irgendwie der Wahrheit.
Mareike Fallwickl erzählt hier in drei Erzählsträngen aus der Sicht von drei Personen, nämlich der beiden Frauen Ruth und Elin sowie des Mannes Nuri. Ruth ist eine aufopfernde Krankenschwester, die sich nach dem Tod ihres Sohnes Fritz voll in die Arbeit gestürzt hat und immer bereit ist, Überstunden zu machen und Schichten zu übernehmen und dabei immer am Rande der völligen Erschöpfung balanciert. Elin ist eine junge Frau, die von ihrer feministischen Mutter Alma ohne Vater oder anderweitigen Familienanschluss allein großgezogen wurde und ihr Geld als Influencerin im Social Media Bereich verdient. Sie holt sich regelmäßig Bestätigung durch erotische Abenteuer. Nuri ist ein junger Mann, der sein Geld durch mehrere Jobs, nämlich Barkeeper, Transportdienst im Krankenhaus und Lieferdienstfahrer verdient. Er arbeitet rund um die Uhr. Er ist aufgewachsen als Sohn einer Frau, die von seinem Vater aus dem Ausland nach Österreich geholt wurde, um gegen geringe Bezahlung dessen Kinder aus 1. Ehe großzuziehen und den Haushalt zu führen. Alle drei finden sich in einem gesellschaftlichen Umbruch wieder, der sich daraus ergibt, dass alle Frauen ihre (Care-)Arbeit nieder- und sich in stillem Protest vor dem örtlichen Krankenhaus auf den Asphalt legen. Was passiert, wenn alle Frauen (Krankenschwestern, Erzieherinnen, Kassierinnen, Reinigungskräfte, Hausfrauen etc.) nicht mehr tun, was sie jahrelang getan haben? Dieser Frage geht das Buch nach und beschreibt eindrücklich den Zusammenbruch, der daraus folgt. Gelesen wird das Hörbuch von Marie-Isabel Walke, Astrid Kohrs und Henning Nöhren, die jeweils einen Erzählstrang übernehmen und die Geschichte sehr gut vertonen. Der beeindruckende stille Protest der Frauen wurde ebenso eindrücklich erzählt wie die äußerst bedrückenden Folgen. Ein besonderes Erzählelement, das mir sehr gut gefallen hat, waren die kurzen Passagen, in denen die Pistole, die Gebärmutter und die Berichterstattung zu Wort kommen. Sie bilden die Übergänge zwischen den Sichtweisen der einzelnen Protagonist*innen. Gefreut habe ich mich über das Wiedersehen mit Sunny, Alva und Pham aus Mareike Fallwickls Vorgängerbuch „Die Wut, die bleibt“, die sich der Gruppe der protestierenden Frauen angeschlossen haben. Ein wichtiges Buch, das ich allgemein empfehlen kann.
Mareike Fallwickl ist einfach grandios. Bisher habe ich das Buch "nur" einmal gelesen, als eBook. Doch dieses Buch sollte man definitiv mehrfach lesen, also habe ich der Buch nun auch als Hardcover hier, um mir Notizen machen zu können.
Es führt fort, was auf "Die Wut, die bleibt" folgen könnte. Es startet als stiller Protest einiger Frauen, die entweder gar nicht oder schlecht bezahlt werden. Die verweigern die Arbeit komplett und legen sich still auf die Straße. Was darauf an Konsequenzen folgt und zu einer richtigen Bewegung anwächst, liest sich wie ein packender Thriller. Dabei ist es einfach so lebensnah. Vielleicht sollten wir das einfach mal tun, uns in den Weg legen. Auf jeden Fall sollten wir alle dieses Buch lesen.
Ein unglaublich starkes, imposantes gesellschaftskritisches Werk. Für mich jetzt schon ein Jahreshighlight
Dieses Buch hat so viele Emotionen in mir ausgelöst- für mich jetzt schon ein Jahreshighlight! Einerseits hat mich das Werk total angesprochen, weil ich selber Teil des Gesundheitssystems war. Als Turnus- bzw. Assistenzärztin kann ich diese prekäre Situation im Krankenhaus nur bestätigen. Schlimm ist, dass es nicht ein KRH betrifft, sondern das im Prinzip für alle Häuser gilt. Im Buch steht viel über Pflege- das wurde zutreffend und gut beschrieben, ich möchte noch die ärztliche Seite ergänzen- denn bei uns ist es genau dasselbe. Ohne uns Frauen würde das System nicht funktionieren, trotzdem kämpfen wir unentwegt ums Ansehen und Anerkennung. Dieser stille Protest- diese Stärke, diese unglaublich liebevolle Gemeinschaft- mich hat dieses Buch tief bewegt. Es hat mich unglaublich traurig gemacht, weil es offenlegt, wieviel Arbeit noch vor uns liegt und wie falsch alles ist. Ich möchte der Autorin zu diesem starken, imposanten gesellschaftskritischem Buch gratulieren und kann es wirklich allen ans Herz legen es zu lesen.
Solidaritätsliteratur vom Feinsten!!!
Ich musste immer wieder pausieren, s triggerte mich nämlich stark. Ansonsten war es eine echte Fallwickl, ich wurde gepackt und durchgekaut. Bitte- LEST es. Wer die Autorin bereits entdeckt hat, liest es sowieso und wird NICHT enttäuscht, die Anderen- ENTDECKT sie!! Übrigens es zahlen sich ALLE ihre Bücher aus!!! Dieser Schreibstil ist traumhaft, die Themen sind spannend, wichtig und ein MUST Read!!!!

Und alle so still...
Das Buch erzählt aus den Perspektiven der drei Protagonist:innen Elin, Ruth und Nuri. Drei Leben, drei Schicksale, und wie sie in einer Woche des totalen Umbruchs zueinander finden. Ein Umbruch, der dadurch ausgelöst wird, dass Frauen ihre Arbeit niederlegen. Den Job, das Betreuen der Kinder, die Pflege von Angehörigen, die Hilfe für die Ehemänner. Einfach alles. Nicht weil sie besser bezahlt, Veränderung oder ein danke möchten. Einfach, weil sie nicht mehr können. Ein kollektiver Burnout, der sich in unserer patriarchalen Gesellschaft und dem ausbeuterischen System schon so lange anbahnt. In diesem Buch wird er Realität. Und so liegen die Frauen. Vor Krankenhäusern, Schulen, Kindergärten, im Park, auf der Straße. Liegen einfach und wollen nicht mehr. Sie wollen nur sein, in Ruhe gelassen werden, kein müssen, keine Pflicht. Alles gerät aus den Fugen, die Gesellschaft bricht zusammen. Denn niemand putzt, kocht, pflegt, wäscht, macht die kleinen ungeliebten Arbeiten, für die sich andere zu schade sind. Männer sind heillos überfordert, haben doch die Frauen immer alles gemacht. Die Hilflosigkeit geht in stoische Wut über, die mal wieder die Frauen trifft. Der Roman erzählt wie es wirklich werden könnte. Wie alles zusammenbricht, weil die Frauen zusammenbrechen. Die Arbeit, die wir Frauen (und auch die Männer der unteren Schichten) jeden Tag verrichten nicht gesehen und gewürdigt wird. Es ist an manchen Stellen schwarz weiß, aber das muss es sein, um die Notwendigkeit nach Veränderung noch deutlicher zu machen. "Und alle so still" sollte von jedem Mann, jeder Frau, einfach jedem Menschen gelesen werden, der oder die sich für was Besseres hält und auf alle herabschaut, die die Drecksarbeit machen. Die Menschen und insbesondere Frauen ungleich behandeln, sie ausbeuten und ihre Bedürfnisse ignorieren. Eine Gesellschaft kann nur funktionieren, wenn wir zusammenhalten und uns gegenseitig stützen. Und dieses Buch macht es auf drastische Weise deutlich. Große Empfehlung!
Starke Story, die nachwirkt
Das Buch begleitet Elin, Nuri und Ruth – drei Leute, die gerade ziemlich viel um die Ohren haben. Jede Person kämpft mit eigenen Themen, von Stress im Job über familiäre Belastung bis hin zu gesellschaftlichem Druck. Und dann passiert etwas, das alles verändert: Überall im Land legen sich Menschen – vor allem Frauen – wortlos auf die Straße. Kein Lärm, kein Drama, nur Stille. Und genau diese Stille bringt plötzlich das ganze System ins Wanken. Je länger die Aktion läuft, desto klarer wird, wie viel unsichtbare Arbeit normalerweise einfach selbstverständlich hingenommen wird. Während manche Männer komplett überfordert oder wütend reagieren, entsteht unter den Protestierenden eine neue Art von Zusammenhalt – ruhig, aber stark. Das Buch packt viele Themen an, die echt ans Eingemachte gehen: Mobbing, Armut, Rollenbilder, Machtmissbrauch, körperliche Selbstzweifel, toxische Strukturen. Vieles davon ist nicht leicht zu lesen, aber extrem treffend und relevant. Der Schreibstil ist anfangs etwas speziell – sehr bildhaft, sehr intensiv –, aber wenn man drin ist, funktioniert er super. Die kleinen Zwischenkapitel aus überraschenden Perspektiven sind ein Highlight und geben dem Ganzen noch mehr Tiefe. Besonders heftig ist Ruths Alltag im Krankenhaus: nonstop Schichten, null Pause, komplett aufopfernd. Man spürt beim Lesen sofort, wie kaputt das System ist und wie viel sich eigentlich ändern müsste. Auch die Reaktionen auf den stillen Protest sind realistisch dargestellt: nicht zuhören, sondern durchgreifen, bestrafen, Polizei schicken. Und genau das zeigt, wie fragil das Ganze wirklich ist, sobald Menschen einfach mal nicht mehr funktionieren wollen. Insgesamt ist es ein starkes Gedankenexperiment mit viel Wucht: Was passiert, wenn Menschen aufhören, sich den Erwartungen zu beugen? Was, wenn sie sich zusammentun? Das Buch liefert keine einfachen Antworten, aber viele Denkanstöße – und bleibt definitiv hängen.
Aufzugeben ist manchmal schwerer, als einfach weiterzumachen.
Mareike Fallwickel mach das, was sie am besten kann: all die Gefühle aus mir herauszuholen, und sie in wunderschöne Sprachbilder zu verpacken, die beim Lesen so ein angenehmes Knirschen im Gehirn erzeugen. Tolle Idee für die Geschichte, in der Frauen loslassen, aufhören Care-Arbeit zu leisten und sich weigern weiterzutragen. Erzählt werden drei unterschiedliche Perspektiven, die gemeinsam ein dreidimensionales, plastisches Bild ergeben. Ich habe „Die Wut, die bleibt“ so doll geliebt und konnte es kaum erwarten, dass Fallwickls neues Buch erscheint. Die Sekunde, als das Leseexemplar in meinem Posteingang war, habe ich angefangen zu lesen und konnte nicht mehr aufhören. Dieser Roman ist das feministische Pendant und das Gegenteil von Fight Club
Das Ende des Patriarchats - Eine Utopie? Ein Wunsch? Die Zukunft? Ein Anfang
Bücher von Mareike Fallwickl stehen schon länger auf meiner Wunschliste. Nun ist "Und alle so still" das erste geworden. Am Anfang fand ich tatsächlich schwer hinein. Ich hatte irgendwann mal den Klappentext gelesen, aber inzwischen schon wieder vergessen. Daher wusste ich erst nicht, wohin mich das Buch führt. Aus Sicht der drei Protagonist*innen Nuri, Elin und Ruth erzählt nähern wir uns schnell dem Thema weibliche Ausbeutung. Aber das Buch ist so viel mehr. Es ist ein feministisches Mahnmal, eine Dystopie die gar nicht so weit entfernt scheint. Die Kraft der Frauen, der Zusammenhalt, die Zuversicht hat mich in dieses Buch hineingezogen, dass ich nicht mehr aufhören konnte zu lesen. Nur, der männlich gelesene Protagonist, der sich gegen das Patriarchat stellt, macht Hoffnung. Ruth, die in den alten Strukturen festhielt, findetveinen Weg hinaus und Elin ruht sich nicht auf ihren Priviliegien aus. Drei ganz individuell und doch zueinander passende Charaktere, so fein gezeichnet in dieser erschütternde, bewegenden und vor allem aufrütteönden Erzählung. Bitte solch ein Roman als Schullektüre.
Plakativ. Aggressiv. Eindimensional.
Die Latte an Erwartungen für dieses Buch lag hoch. Leider konnte die Autorin stehend darunter durch gehen. Impulse setzen konnte es trotzdem. 📕 "Und alle so still" von Mareike Fallwickl erzählt die Geschichte von Frauen, die im stillen Protest ihre Arbeit und sich selbst niederlegen. Mittendrin Elin, anfang 20, Influenzerin und mit einer vielleicht Gewalt Erfahrung. Nuri, 19 Jahre, Schulabrecher mit mehreren Jobs im Niedriglohnsektor und Ruth, mitte 50, Pflegefachkraft im Krankenhaus. Bietet dieser Protest die Chance auf Veränderung? 💄Dieses Buch war schemerzhafz, anstrengend und roh. Die Autorin schreibt provokant und aggressiv, ungeschönt und derb. Es war nicht einfach, dieses Buch zu beenden, schafft die Autorin es doch zielsicher den Finger in die Wunde zu drücken. 💄Das realitätsnahe Setting gleitet für mich irgendwann zu sehr ins dystopische ab. Im besten Schwarz Weiß denken ist es ein sich hochschaukelndes "wir gegen die". Nicht alle Frauen sind plötzlich Feministinnen und Solidarisch, ebenso wie nicht alle Männer triebgesteuerte wilde Tiere sind. Ich verstehe, dass es die prekäre gesellschaftliche Situation unterstreichen soll. Mir war diese Art der Darstellung jedoch zu eindimensional. 💄 Allgemein wurden für mich zu viele Themen auf die wenigen Seiten gequetscht. Allein Ruths Geschichte, ihre Arbeit im Krankenhaus und die Probleme im Pflegesystem hätten für ein Buch alleine gereicht. So verliert die Autorin sich zwischenzeitlich auch in sehr detaillierten Beschreibungen eben jener. Ruth war für mich die einzig greifbare und authentische Figur, deren Rolle in der Geschichte für mich Sinn ergab. 💄 Elin als reiche Influencerin wollte für mich nicht in die Geschichte passen. Sie hat mit Care Arbeit so viel Berührungspunkte wie Denis Scheck mit booktok. Ihre Geschichte ist brutal, schmerzhaft und wichtig darüber zu reden. Für mich aber in einem anderen Rahmen. 💄Tja und Nuri. Es musste in der Geschichte wohl DEN Mann geben, der anders ist. Go for it. Sein Migrationshintergrund, inklusive Schulabbrecherkarriere und Jobs im Niedriglohnsektor waren für mich aber wieder eins zuviel. Eine wichtige Geschichte, die es verdient hätte erzählt zu werden. Nur nicht in diesem Buch. Hat für mich nicht gepasst. 🎧 Das Hörbuch wird gesprochen von Marie- Isabel Walke, Astrid Kohrs und Henning Nöhren. Ihnen gelingt die Interpretation der jeweiligen Rolle hervorragend. Sie schaffen es die Wut, Verzweiflung und Hilflosigkeit der Figuren ervorragend zu transportieren. 💄Ein Buch das viele Themen anspricht, ein interessantes Gedankenexperiment präsentiert und Stoff für Diskussionen liefert, dessen Ende mich aber nicht zufrieden stellt. Eine Empfehlung für diskussionsfreudige Buchclubs.

Kraftvoll und echt hart
Ich bin 32 Jahre alt, weiblich und täglich erschrocken darüber, wie wahr die Schilderungen in diesem Roman sein dürften, sollten wir Frauen/weiblich gelesenen Personen unsere Arbeit niederlegen. Es ist beeindruckend und einnehmend wie Mareike Fallwickl diese Welt darstellt und die Gefühle der Protagonistinnen trifft. Aber auch Nuri, der Mann, der hier zu Wort kommt, hat seine Probleme mit dem Patriarchat und es ist irgendwie beruhigend, dass es so Menschen wie ihn gibt. Ansonsten ist dieses Buch überhaupt nicht beruhigend, sondern verstörend ehrlich. Ich habe gelacht (bitterböse und erleichtert), geweint und sehr viel nachgedacht. Mein Mikrofeminismus im Alltag ist wieder stärker geworden und das Gefühl durch Solidarität mit anderen weibliche gelesenen Personen etwas zu bewegen gibt mir Mut und Kraft.
Uff, ich weiss garnicht was ich dazu sagen soll. Zu Beginn fand ich das Buch richtig stark aber hat gegen Ende richtig stark abrebommen. Da hat mir "Die Wut die bleibt" deutlicher besser gefallen. (Wobei ich dieses Buch gehört und das jetzige Buch gelesen habe. Macht ja auch viel aus.) Bis auf das erste Kapitel (ist glaube ich einfach nicht mein Stil) hat mir der Schreibstil wieder gut gefallen & ich war teilweise - wie die Personen im Buch - endlos gestresst. - Die Danksagungen fand ich richtig gut, enthält auch kleine Infos zu Buch, sowas lieb ich. Die Themen wieder eine 10/10. Gerade die Story vom Nuri und Ruth hat mich richtig berührt. - Meine Großeltern sind auch als Migranten nach Deutschland gekommen und haben Arbeiten erledigt, die einfach unfassbar anstrengend war. Sie reden nicht gerne darüber, aber so erhalte ich einen Einblick in die "moderne" Versklavung. Zu Elin habe ich iwie nicht so richtig Zugang bekommen - vermutlich hat sich darum auch das Ende so gestreckt.
Ein sehr augenöffnendes Buch. Gerade die Szenen aus dem Krankenhaus haben mich stark mitgenommen und mir gezeigt, dass darüber noch viel mehr geschrieben werden muss. Ich hätte mir gewünscht, dass noch mehr Geschichten der angesprochenen Frauen eingebracht werden, da viele Namen gedroppt wurden, während mir die Szenen einzelner Protagonisten teils zu langatmig vorkamen - gerade bei Elin. Aber trotzdem - ein interessantes Buch mit einem ungewöhnlichen Szenario.
Die Geschichte erzählt von Frauen, die im stillen Protest die Arbeit und auch sich selbst niederlegen. Die Frage, die sich stellt, ist zweifelsohne, ob sich durch diesen Protest Veränderungen ergeben? Die Autorin sticht selbstverständlich in die Wunde, zeigt ein gesellschaftliches Problem auf, welches zweifelsohne existiert. Mareike Fallwickl polarisiert. "Es ist gut, dass Frauen Sorgenotstände auffangen, dass sie sich an menschlichen Bedürfnissen orientieren und nicht an Macht, Profit und Wettbewerb", sagt Barbara [...] "Frauen sollten sich das nicht abtrainieren, sie sollten nicht aufhören damit", fügt Barbara hinzu, "aber Männer sollten endlich damit anfangen." (Zitat aus "Und alle so still") Allerdings frage ich mich: Was genau ist, wenn Männer damit anfangen? Wir leben in einer Welt, in welcher der gesellschaftliche Konsens dahin geht, dass Männer die Familie zu ernähren haben, ergo Jobs, die gut bezahlt sind. Was ist, wenn ein Mann einen Job im Care-Bereich hat, stattdessen die Frau "Karriere" macht? Plötzlich fällt der Mann nämlich aus dem Muster, wird belächelt, mit den Worten verhöhnt, wie er denn so für die Familie aufkommen will. Ihm wird vorgeworfen, sich unter den Pantoffel der Frau zu stellen, nur weil diese "das Geld nach Hause bringt". Dabei ist es unglaublich richtig und wichtig, dass Männer auch in solchen "typischen Frauenberufen" Fuß fassen. Es gibt nämlich nicht nur triebgesteuerte, profitorientierte Männer, sondern auch solche, die sich mit Frauen auf Augenhöhe stellen, wichtige Aufgaben im Care-Bereich übernehmen, sich nicht zu schade sind für diese systemrelevanten Berufe, wie sie seit Corona heißen. Ich verstehe natürlich die prekäre Lage, die hier dargestellt und mit der aufgerüttelt werden soll, aber für mich driftet das Ganze irgendwann zu sehr ins Dystopische ab, bleibt zu engstirnig. Zudem hatte ich so meine Probleme mit den Figuren. Ruth war der einzig greifbare Charakter für mich, ihre Rolle hat für mich Sinn ergeben. An deren Beispiel hätte die Misere im Pflegebereich aufgeriffen und das gesamte Buch gefüllt werden können. Elin hat für mich null in die Geschichte gepasst, ich frage mich auch nach Beenden noch immer, welche Rolle sie dabei gespielt hat. Nuris Geschichte ist traurig, sollte viel mehr Raum - vielleicht in einer eigens für diese Problematik geschriebenen Geschichte - erhalten, hier wirkt sie fehl am Platz. Die Autorin schafft insgesamt natürlich durch ihre eindringliche, provokante, fast schon aggressive Art des Schreibens ein interessantes Gedankenexperiment, welches auf jeden Fall enorm viel Zündstoff liefert, mich persönlich aber nicht ganz zufriedenstellt.
Schockierend, stark, beeindruckend....aber mit Schwächen
Ach ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll, noch weniger, wie ich es bewerten soll. Eine spannende Idee. Scheinbar einfach so, legen Frauen ihre Arbeit und Care Arbeit nieder. Eine stumme Revolution, sie legen sich einfach schweigend nieder. Welch Idee! Die Hauptakteure Elin, Ruth und Nuri. Ihre Wege kreuzen sich. So etwas mag ich immer sehr. Zu sehen wie die Leben sich verflechten. Wichtige Themen, die mich teilweise echt bestürzt, vor allem bei Ruth, zurück gelassen haben. Trotz alle dem war es schwierig, teilweise schon sehr überspitzt, übertrieben...aber vielleicht eben auch absichtlich so. Eine Idee, aber auch keine Lösung dieser Protest. Die Probleme der einzelnen Charaktere reichen für eigene Bücher.... Also Hörbuch aber gut gelesen, angenehme Stimmen. Der Schreibstil sehr bildlich...auffallend. Ein Buch welches gewiss zu Diskussionen und Gesprächen anregt. Immer her mit eurer Meinung! 😀 Über das Buch : Ein großer feministischer Gesellschaftsroman über Widerspruchsgeist und Solidarität An einem Sonntag im Juni gerät die Welt aus dem Takt: Frauen liegen auf der Straße. Reglos, in stillem Protest. Hier kreuzen sich die Wege von Elin, Nuri und Ruth. Elin, Anfang zwanzig, eine erfolgreiche Influencerin, der etwas zugestoßen ist, von dem sie nicht weiß, ob es Gewalt war. Nuri, neunzehn Jahre, der die Schule abgebrochen hat und versucht, sich als Fahrradkurier, Bettenschubser und Barkeeper über Wasser zu halten. Ruth, Mitte fünfzig, die als Pflegefachkraft im Krankenhaus arbeitet und deren Pflichtgefühl unerschöpflich scheint. Es ist der Beginn einer Revolte, bei der Frauen nicht mehr das tun, was sie immer getan haben. Plötzlich steht alles infrage, worauf unser System fußt. Ergreifen Elin, Nuri und Ruth die Chance auf Veränderung?






































