Haus zur Sonne
Buy Now
By using these links, you support READO. We receive an affiliate commission without any additional costs to you.
Description
Nach seinem weltweit beachteten Buch »Die Welt im Rücken«, in dem er sein Leben mit bipolarer Störung literarisch brillant verarbeitet hat, legt Thomas Melle nun einen Roman vor, der die Grenzbereiche zwischen Autobiografie und Fiktion, zwischen Sehnsucht und Depression und letztlich zwischen Leben und Tod weiter auslotet.
Wie viel Selbstbestimmung ist möglich, wenn das Leben von einer psychischen Krankheit fremdgesteuert ist? Wonach sehnt sich einer, der nichts mehr zu verlieren hat? Und wie könnte es aussehen, das letzte Glück? Willkommen im »Haus zur Sonne«, einer Institution, die zugleich Wunscherfüllungsmaschine wie Abschaffungsapparat ist. Lebensmüde und todkranke Menschen liefern sich in diese vom Staat finanzierte Klinik ein, um jeden nur erdenklichen Wunsch in Erfüllung gehen zu lassen und dann – ohne großes Aufsehen – aus dem Leben zu scheiden. Aber will, wer nicht mehr leben will, wirklich sterben?
Thomas Melle geht unseren Sehnsüchten und Todestrieben auf den Grund und liefert so eine radikale Skizze der Conditio humana.
Book Information
Author Description
Thomas Melle, 1975 geboren, studierte Vergleichende Literaturwissenschaft und Philosophie in Tübingen, Austin (Texas) und Berlin. Er ist Autor vielgespielter Theaterstücke und übersetzte u. a. William T. Vollmann und Quentin Tarantino ins Deutsche. Sein Debütroman »Sickster« (2011) war für den Deutschen Buchpreis nominiert und wurde mit dem Franz-Hessel-Preis ausgezeichnet. 2014 folgte der Roman »3000 Euro«, 2016 »Die Welt im Rücken«, die beide auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis standen. »Die Welt im Rücken« wurde zudem in 22 Sprachen übersetzt. Thomas Melle lebt in Berlin.
Characteristics
6 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Posts
Tief, hart und erschreckend ehrlich. Kein leichtes Buch, aber eines, das bleibt.
Ich habe dieses Buch vor ein paar Monaten angefangen, ungefähr bis zur Hälfte gelesen und dann erstmal weggelegt. Nicht, weil es schlecht war, sondern weil es mich einfach überfordert hat. Es war mir zu nah, zu intensiv, zu viel auf einmal. Jetzt habe ich es beendet und war sofort wieder komplett drin. Und genau das beschreibt es eigentlich am besten. Dieses Buch lässt einen nicht los, selbst wenn man es zwischendurch aus der Hand legt. In Haus zur Sonne geht es um einen Mann mit bipolarer Störung, der auf eine staatliche Einrichtung stößt, in der Menschen ihre letzten Wünsche erfüllt bekommen, bevor sie sich dazu entscheiden, ihr Leben zu beenden. Allein diese Idee ist schon krass, aber das, was dieses Buch daraus macht, ist nochmal eine ganz andere Ebene. Was für mich einen riesigen Unterschied gemacht hat, ist der Hintergrund des Autors. Thomas Melle ist selbst manisch depressiv. Man liest dieses Buch ganz anders, wenn man das weiß. Es fühlt sich nicht an wie eine Geschichte von außen, sondern wie etwas, das von innen kommt. Und genau das spiegelt sich auch im Schreibstil wider. Ich fand den so besonders und gleichzeitig so schwer zu beschreiben. Er ist direkt, klar, teilweise richtig hart und im nächsten Moment wieder unglaublich emotional. Und trotzdem wirkt nichts überzogen. Es ist eher so, als würde man direkt in den Kopf schauen. Als würde man Gedanken lesen. Ich hatte wirklich das Gefühl, ich lese aus dem Kopf eines manisch depressiven Menschen. Und genau das hat mich so gepackt. Es gibt so viele Stellen, die leise sind und genau deshalb so weh tun. Keine große Dramatik, kein künstliches Aufbauschen, sondern einfach Ehrlichkeit. Gerade diese Gespräche über das Sterben haben mich richtig getroffen. Diese ruhige, fast sachliche Art, wie darüber gesprochen wird, hat etwas unglaublich Beklemmendes. Und gleichzeitig wirft das Buch ständig Fragen auf. Was macht ein Leben lebenswert? Und wer entscheidet das eigentlich? Da war diese eine Stelle mit der blinden Frau, die mich nicht losgelassen hat. Weil ich da gemerkt habe, wie unterschiedlich Wahrnehmung sein kann. Für den einen ist das Leben noch lebenswert, für den anderen vielleicht nicht mehr. Und genau solche Gedanken bleiben hängen. Und über allem steht für mich diese eine Frage Will man wirklich sterben oder will man einfach nur, dass es aufhört? Was ich aber auch ganz wichtig finde, obwohl dieses Buch so schwer und teilweise echt hart ist, gibt es trotzdem Momente, die sich fast leicht anfühlen. Kleine Hoffnungsschimmer, ruhige, schöne Gedanken oder Erinnerungen. Und genau diese Mischung macht es für mich so besonders. Es ist nicht nur dunkel. Es ist beides. Das Ende hat mich dann nochmal komplett abgeholt. Ich hatte ein Gefühl, in welche Richtung es gehen könnte, aber es hat mich trotzdem erwischt. Es war ruhig, konsequent und genau deshalb so stark. Für mich ist das kein Buch, das man einfach liest und wieder vergisst. Es fordert einen. Es bleibt im Kopf. Und es macht etwas mit einem. Ich mochte es wirklich sehr, auch wenn es anstrengend war. Vielleicht gerade deswegen.

4,25⭐️ Bitte beachtet die schweren Themen
✨Shortlist Deutscher Buchpreis 2025✨ Zitat des Schriftstellers aus einem früheren Interview: „Schriftsteller wollte ich eh immer sein, nur dass genau dieses Thema nun zum meinem bisherigen Lebensthema geworden ist, das hatte ich eigentlich anders eingeplant. Ich hätte gern darauf verzichtet, andererseits ist es eine Aufgabe, eine existentielle Aufgabe, mich dem zu widmen und das in eine Form zu bringen – eine Aufgabe hat auch nicht jeder.“ Thomas Melle bezieht sich hierbei darauf, dass ihn wohl erst seine Erkrankung (er wurde mit der bipolaren Störung diagnostiziert) zu einem Schriftsteller gemacht habe. Davon handelt sein Vorgängerroman „Die Welt im Rücken“. Aus dieser Erkrankung heraus entwickelte der Autor eine schwere Depression und verlor den Lebenswillen. Das verarbeitete er nun literarisch in „Haus zur Sonne“: Dabei handelt es sich um eine Klinik. Dort kann man sich noch letzte Wünsche erfüllen und dann auf eigenen Wunsch würdevoll aus dem Leben scheiden. Der Protagonist des autofiktionalen Romans teilt seine Erfahrungen und beschäftigt sich mit der Frage, was zu tun ist, wenn man nicht mehr kann. Ich denke, Ihr seht bereits, dass es sich um ein sehr sehr schweres Thema handelt. Überlegt Euch bitte vorab, ob Ihr Euch gerade gedanklich mit dem Thema Selbst☠️ beschäftigen mögt. Leider haben viele Menschen nicht diese Wahl. Trotzdem ist man verpflichtet, auf sein eigenes Wohlbefinden zu achten, denn nur so kann man evtl. helfen / versuchen zu helfen. Grundsätzlich sollte aber jedeR dieses Buch gelesen haben, denn der Autor schafft es, in die Gedanken von betroffenen Personen einzudringen und diese einfühlsam mit der Leserschaft zu teilen. Ich habe es abschnittweise gelesen, damit ich das Gelesene auch verarbeiten kann. Zitat: „Sie sind ein wertvoller Mensch, so wird es ihnen jeweils von tausend Seiten zugesichert. Der Einzige, der das nicht glaubt, sind Sie.“ Völlig verdient auf der shortlist für den Deutschen Buchpreis und hätte auch gewinnen können. Allein der „Plottwist“, die Entwicklung am Ende… keine Spoiler, aber wie heftig ist das bitte. Meine Bewertung beinhaltet den Umstand, dass das Buch thematisch sehr spitz ist und ich den Sprüngen in der Handlung nicht immer folgen konnte. Das Buch war für mich „besser“ als „Die Holländerinnen“, aber „Die Ausweichschule“ hatte mich als Gesamtkunstwerk noch mehr abgeholt. (Alle Bücher waren nominiert, „Die Holländerinnen“ hatte dann gewonnen.) Macht Euch gern ein eigenes Bild! 4,25/5 ⭐️⭐️⭐️⭐️

Haus zur Sonne von Thomas Melle 3 🌟🌟🌟 „Chaos im Kopf“ in Form einer anspruchsvollen und hochwertigen Literatur, die mich aber nur in Ansätzen erreicht hat. Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2025.
Das Buch ist und bleibt mir ein absolutes Rätsel, dass mir manchmal vorkam, als wäre es im Fieberwahn geschrieben, dann erschien es mir wieder wie eine Gebrauchsanweisung für ein technisches Gerät. Beeindruckend, teilweise faszinierend, aber auch irritierend. Thomas Melle schreibt sehr nüchtern, mit fast chirurgischer Präzision aber gleichzeitig verwirrend und chaotisch. Ich konnte beim Lesen kaum emotionale Nähe zum Text oder Bindung zu den ProtagonistInnen aufbauen. Im Gegenteil, ich hatte das Gefühl, dass der Text mich bewusst auf Distanz gehalten hat. Ich musste die Lektüre immer wieder unterbrechen, weil es mir zu anstrengend wurde. Lesespaß sieht für mich anders aus, ich kam mir teilweise zurückversetzt in meine Schulzeit vor, in der man sich die Lektüre erarbeiten musste. Aber Lesespaß ist wohl auch nicht das Anliegen von Thomas Melle. Ich denke er wollte uns teilhaben lassen, an der bizarren Welt, in der sich die Betroffenen befinden und aus der es kein Entrinnen für sie gibt bzw. sie das Gefühl haben, dass es so ist. Besonders deutlich wird das durch den immer wieder durchscheinende Todeswunsch des Protagonisten. Dieser entsteht nicht plötzlich, sondern entwickelt sich in den sich abwechselnden Phasen, die der Erzähler nicht nur während seines Aufenthaltes im „Haus zur Sonne“ durchlebt, sondern die er bereits in der Vergangenheit zu bewältigen hatte. Was mich dabei irritiert hat, ist die Art, wie distanziert der Wunsch das Leben zu beenden, oft formuliert wird. Es gibt keine emotionalen Exzesse oder dramatische Zuspitzungen, eher eine reflektierte Annäherung an die eigene Auslöschung, die dann doch wieder in Frage gestellt wird. Denn es stellt sich für ihn die Frage, ob jemand der nicht leben will, wirklich sterben will. Ist es vielleicht nur ein Hilferuf, eine Bitte an Gott oder wen auch immer, ihm doch ein anderes Leben zu Teil werden zu lassen? Wie wirkt dann ein Angebot, dass man sich auf sanfte Weise „auslöschen lassen kann“, dabei aber in der Einrichtung „Haus zur Sonne“ in den letzten Wochen des Lebens angeblich alle Wünsche erfüllt bekommt? Wahrscheinlich würden viele „lebensmüde“ Menschen hier zugreifen wollen, aber sind diese Menschen sich der Konsequenzen bewusst? Beim Lesen des Buches stellte sich mir aber auch wieder die Frage, welche Behandlungsmöglichkeiten Menschen mit bipolarer Störung wirklich geboten werden, und wie geht die Gesellschaft mit dieser Erkrankung um. Im Buch wird deutlich, dass die medikamentöse Behandlung doch zwiespältig erscheint. Einerseits ist sie wohl notwendig, um das zerstörerische Auf und Ab zu dämpfen. Andererseits besteht die Möglichkeit, dass die Betroffenen sich dadurch von sich selbst entfernen und einen Teil ihrer Identität verlieren. Ist hier wirklich Heilung angestrebt oder eher eine Form von Anpassung, ein „Funktionieren“ innerhalb bestimmter gesellschaftlicher Erwartungen? Auch die weiteren im „Haus zur Sonne“ angebotenen Behandlungen, die ich hier nicht näher ausführen möchte, um nicht zu spoilern, sind in meinen Augen nur Scheinlösungen bzw. Fluchtmechanismen, denn sie verändern nicht die Realität der „Gäste“. Ich glaube, Thomas Melle will in seinem Werk weniger Lösungen anbieten als vielmehr eine radikale Zuspitzung: Der Mensch wird mit seinen inneren Extremen konfrontiert und erhält zugleich technische und medizinische Mittel, diese zu regulieren oder zu umgehen. Für mich bleibt die Frage offen, ob darin eine Chance liegt – oder ob genau diese Mittel die Entfremdung noch vertiefen. Am Ende bleiben für mich viele Fragen offen und ich glaube, dass genau das auch beabsichtigt ist. Mich hat dieses Buch in Teilen inhaltlich wie sprachlich extrem herausgefordert. Ich bin froh, es gelesen zu haben, aber ich war auch mehr als froh, als ich es beendet hatte. An der Länge dieses Beitrages seht Ihr aber, dass es mich immer noch beschäftigt. Macht Euch gerne selbst ein Bild.
Triggerwarnung Depression, bipolare Störung, suizidale Gedanken! Man trifft den verzweifelten Ich-Erzähler nach einer zweijährigen, intensiven manischen Phase mitten in der darauffolgenden tiefen Depression und blickt tief in seine Seele. Es wird sehr eindrucksvoll geschildert, wie schrecklich und schambehaftet eine manische Phase ist, wie wenig Einfluss der Mensch in diesem Stadium auf sein Handeln hat, wie kraftlos, destruktiv und hoffnungslos man sich fühlt. Der Ich-Erzähler stößt in dieser Zeit alle Menschen von sich weg, zerstört alles, was ihm wichtig ist, wird von der Manie weggepeitscht. Nach der Manie folgt die Dunkelheit, in der der Leidensdruck und die Isolation greifbar ist. Einzig seine tiefe Antriebslosigkeit verhindert den Suizid, wobei er sich innerlich bereits tot fühlt. Er stößt auf ein Angebot, das ihn neugierig macht. Im Haus zur Sonne bietet man ihm einen Ausweg aus dem Leben an, gekoppelt an die Verpflichtung sich vorher diversen Simulationen auszusetzen. Er schließt den Vertrag ab und begibt sich auf seine letzte Reise. Im Haus zur Sonne trifft er auf andere Gleichgesinnte, wenn auch aus unterschiedlichsten Gründen. Alle müssen sich täglich Simulationen aussetzen, die sie aber frei wählen dürfen. Alles ist möglich. Man kann sich letzte Wünsche erfüllen… eine Umarmung, ein Date, ein alternativer Lebensentwurf, ein Eis essen, Machtfantasien ausleben, verschiedene Todesszenarien durchspielen. Oft verschwimmen die Grenzen zwischen Simulation und Realität. Es ist ein bedrückendes, nachdenklich machendes Buch, das viele Fragen aufwirft, bei dem man viel mitnimmt. Der Autor schafft es, die bipolare Störung des Protagonisten sehr präzise, nahbar, ungeschönt und erschütternd in Worte zu fassen. Der Schreibstil ist flüssig und eingängig. In die Simulationen musste ich erst reinfinden, sie werden zahlreich und ausführlich beschrieben, was anfangs faszinierend, aber irgendwann zu sehr wiederholend war. Was bleibt am Ende ist die Frage, ob und wie man den letzten Schritt erleben und gestalten möchte. Und wie tief die Verzweiflung sein muss, um diesen letzten Schritt zu gehen. Ein aufwühlendes, bewegendes Buch für das man bereit sein muss. Bitte nur in einem stabilen psychischen Zustand lesen.
Gibt es einen eigenen Tod, der sich richtig anfühlt?
In Haus zur Sonne begleitet man den Erzähler auf seinem Weg in eine Klinik, die ein ganz besonderes Konzept verfolgt: Hier sollen Menschen ihre letzten Wünsche erfüllt bekommen, bevor sie ihrem Leben ein Ende setzen. Doch schon bald stellt sich die Frage, ob es sich dabei wirklich um Sterbehilfe handelt – oder ob sich hinter der Einrichtung etwas viel Dunkleres verbirgt. Wir lernen verschiedene Bewohner kennen, die sich in Simulationen ihre Wünsche erfüllen lassen: eine Umarmung, ein Date, ein Moment der Macht, sogar das Durchleben des eigenen Todes. Doch die Illusionen sind brüchig – technische Störungen und innere Abgründe reißen die Figuren immer wieder aus diesen scheinbaren Erfüllungen. Besonders beklemmend ist die Szene, in der der Erzähler selbst mit seiner Zusage für das Haus konfrontiert wird: Der Moment wirkt wie eine Erlösung, und doch spürt man sofort, dass sich darin auch endgültige Ausweglosigkeit verbirgt. Das Buch ist autofiktional angelegt und erzählt schonungslos vom Absturz in eine tiefe Depression nach einer langen manischen Phase. Melle beschreibt eindringlich, wie Scham über das Erlebte, Kraftlosigkeit und Verzweiflung untrennbar ineinander übergehen. Der Kontrast zwischen dem rauschhaften Hochgefühl der Manie und der völligen Erstarrung in der Depression wird hier so greifbar, dass einem beim Lesen zeitweise der Atem stockt. Ich fand es besonders spannend, ein Buch von jemandem zu lesen, der selbst von dieser Erkrankung betroffen ist. Das macht die Perspektive unglaublich authentisch und emotional nachvollziehbar. Ich konnte mich gut in die Gedanken und Gefühle hineinversetzen, musste aber immer wieder Pausen einlegen – nicht, weil der Text schwer verständlich wäre, sondern weil er so intensiv ist. Gegen Ende hatte ich das Gefühl, dass sich einige Motive und Szenen wiederholen und sich die Handlung etwas in die Länge zieht. Trotzdem bleibt das Werk durchgehend kraftvoll und berührend. Insgesamt ist Haus zur Sonne für mich ein herausragendes, tief bewegendes Buch – schmerzhaft ehrlich, literarisch stark und voller Fragen, die lange nachhallen. Ich hätte nie von selbst dazu gegriffen, bin aber unglaublich froh, dass ich es gelesen habe. Sehr groß war meine Sorge angesichts der expliziten Triggerwarnungen, aber für mich persönlich war es ein unglaublich Lebensbejahendes Gefühl, dass im allgemeinen kreiert wurde. Es hat mich mitgerissen, gefordert und berührt – ein stilles, intensives Meisterwerk über Krankheit, Scham, Würde und die Sehnsucht nach einem Ende, das sich wie Frieden anfühlt.
Ein sehr interessantes Buch von einem Autor, der (leider) sehr genau weiß, wovon er schreibt. Auch vor dieser Leistung kann man nur den Hut ziehen. Der Alltag wird zum Schlachtfeld, wenn man psychisch erkrankt ist. Auch heutzutage sind Betroffene noch zu häufig an den Rand unserer Gesellschaft gedrängt, unverstanden, werden nicht ernst genommen oder gar belächelt und häufig aus Überforderung allein gelassen…. Leider. Melle schreibt plastisch und ich kann mir das Stück sehr sehr gut auf einer Theaterbühne vorstellen. Diese Geschichte ist autofiktional und schon in seinem Buch „Die Welt im Rücken“ schreibt er von dem Text „Haus zur Sonne“. Wir befinden uns in einer Realität, in der der Staat eine Einrichtung finanziert, die es Menschen, die freiwillig aus dem Leben scheiden möchten, ermöglicht dies zu tun. Sehr wahrscheinlich nicht uneigennützig. Unser namenloser Ich- Erzähler entscheidet sich für genau diese Einrichtung . Noch einmal darf er sich dort Wünsche und Träume erfüllen. Diese werden durch Simulationen “verwirklicht“. Wie man sich denken kann, begeben sich Menschen dorthin, die aufgrund von Schicksalsschlägen ihren Lebenswillen verloren haben. Einigen davon begegnet unser Protagonist, kommt manchmal mit ihnen ins Gespräch und baut eine ganz zarte Nähe auf. Trotzdem dies alles kurz und relativ oberflächlich passiert, merkt man den Nebencharakteren die Schwere und Traurigkeit an und spürt zudem die unendliche Traurigkeit und die Last, die sie aufgeben lässt. Andererseits schafft es der Autor, nicht zu bedrückend zu beschreiben. Es finden sich immer wieder Reflektionen über das eigene Leben, die eigene Erkrankung und wie selbstzerstörerisch diese ist. Es geht in seinem Fall um die bipolare Störung. Unter dieser Krankheit leidet Melle selbst. Der Autor steht zu Recht auf der Shortlist. Er lenkt den Fokus auf Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen und das empfinde ich als extrem wertvoll. Sein Schreibstil ist flüssig, eingängig und sehr gut verständlich. Ich mochte „Die Welt im Rücken“ schon sehr gerne und bewundere seine Stärke, sich so verletzlich und authentisch zu zeigen. Man möchte ihm selbst und auch dem Protagonisten seines Textes diese ganze Last abnehmen und das Leben genießen lassen. Besondere Traurigkeit empfand ich, als ich las, wie oft Melle im „Die Welt im Rücken“ und auch sein Protagonist in „Haus zur Sonne“ das Bedürfnis hatten, sich bei den engsten Mitmenschen zu entschuldigen. Ich kann das total nachvollziehen, dennoch dachte ich die ganze Zeit, dass er doch als erkrankte Person besonderen Schutz verdient. Denn ihm müssen doch diese ganzen manischen und depressiven Phasen am allermeisten ängstigen. Er selbst kann sich nicht von seinem ICH abwenden. Er steckt fest. Ich wünsche ihm beruflich und privat, dass er sowohl erfolgreich ist aber auch zur Ruhe kommt und irgendwann einfach leben kann. Eine sehr bewegende Person mit großem Talent.
Sich das Leben zu nehmen zu wollen kann für andere ganz schön anstrengend sein
Thomas Melle legt mit Haus zur Sonne einen Auftakt hin, der fast schon unverschämt gut ist: klar, nah, präzise, mit einer Authentizität, die sofort an reale therapeutische Prozesse erinnert. Man denkt: Okay, das könnte richtig stark werden. Dann aber beginnt der Text, sich selbst im Weg zu stehen. Die Struktur zerfasert, die Episoden mäandern, und die berüchtigten Simulationen ziehen sich in einer Länge dahin, die man wohlwollend als „experimentell“ bezeichnen könnte — oder ehrlicher: elend lang. Irgendwann liest man nicht mehr, man arbeitet sich durch. Das große Finale, das „Schloss“, wirkt schließlich wie ein ironischer Kommentar auf das eigene Versprechen: viel Symbolik, wenig Wirkung. Ein Ende, das eher verpufft als irgendetwas zu bündeln. Fazit: Ein Buch, das brillant startet, sich dann aber in Wiederholungen, überdehnten Simulationen und erzählerischer Selbstauflösung verliert. Am Ende bleibt weniger Erkenntnis als Erschöpfung.

4/5 Sterne Puh, dieses Buch hat mich viel nachdenken lassen, mir aber auch klargemacht, wie wenig ich eigentlich davon in Worte fassen kann. Ich habe keine Ahnung wie ich hier eine Rezi schreiben soll, die irgendwie aussagekräftig ist und doch will ich eigentlich so viel sagen. Der Protagonist durchlebt hier wohl so sämtliche Phasen, die es gibt, wenn man psychisch krank ist. Bis hin zum Todeswunsch, der dann aber sobald es eigentlich so weit sein könnte, auch wieder in ganz viele widersprüchliche Phasen unterteilt ist. Akzeptanz, Widerstand, Wut, Verzweiflung, Resignation...irgendwann dreht sich alles ein bisschen im Kreis und man bekommt irgendwie auch kein besseres Verständnis, alles ist irgendwie einfach nur eine Spirale, der man kaum auf den Grund gehen kann. Auch was es mit dem Haus eigentlich genau auf sich hat, bleibt so ungeklärt, dass ich erst unzufrieden war. Aber eigentlich ist es doch genau das. Das Leben...was hat es auf sich damit? Es sind tägliche Spiralen, mit denen wir zu kämpfen haben. Und Suizidalität ist nicht gleich Suizidalität, nicht immer ist es der buchstäbliche Tod, den man sich herbeisehnt...ist das Haus einfach nur eine Metapher? Ich weiß es nicht. Ich bin verwirrt und weiß nicht, wie ich den Gedankenklumpen ordnen soll. 🫠 Das Buch hat aber einiges aufgewirbelt in mir und mich fasziniert.
Geschafft. (Bisschen unter Zeitdruck, da ich es in der Bibliothek zurückgeben muss, aber es hat sich gezogen.) Ich empfehle vorher "Die Welt im Rücken" zu lesen, worin der Autor nachvollziehbar und eindrücklich sein Erleben der bipolaren Erkrankung beschreibt. "Haus zur Sonne" baut darauf auf in Form eines Gedankenexperiments: Sterbewillige können eine gute letzte Zeit verleben und mittels Simulationen Erlebnisse haben, die sie sich wünschen. Teil des Vertrags ist am Ende der Tod. Und was möchte man dann alles noch erleben? Gar nicht so einfach und fällt auch den Klienten nicht leicht zu entscheiden. Was macht noch Sinn, wenn es demnächst sowieso auf den Tod hinausläuft? Und kann der Todeswunsch noch wieder rückgängig gemacht werden? Der Text ist eine Auseinandersetzung mit dem Wert des Lebens auch im Kontext nicht heilbarer psychischer Erkrankungen, mit assistiertem Suizid, dem freien Willen, einem Machtgefälle in psychiatrischen Kliniken und einigem mehr. Für mich hätten es allerdings ca 100 Seiten weniger sein dürfen. Vor allem die Beschreibungen der Simulationen haben sich schon in die Länge gezogen.
TW psychische Erkrankung, Suizid Thomas Melle schrieb schon in "Die Welt im Rücken" über seine schwere psychische Erkrankung, die Bipolarität. Mit dem damaligen Buch hoffte er, die Krankheit durch genaues Beschreiben beherrschbar zu machen, aber wenige Jahre später erleidet er einen weiteren Schub, der noch schlimmer und lebenszerstörender als alle bisherigen waren. Wir lesen viel über diese Erkrankung, Melles Leiden und auch die permanente Beschäftigung mit dem Thema Suizid. Melle fügt aber seiner persönlichen Geschichte noch die Geschichte um eine fiktive Klinik hinzu, die vom Staat finanziert wird und Menschen, die nicht mehr produktiv sind, diskret aus der Gesellschaft entfernen kann. Das Buch ist hart zu lesen, Melle beschönigt nichts, die Lesenden erfahren viel über diese entsetzliche Krankheit. Die Geschichte rund um die Klinik ist spannend und ein kluges wie dystopisches Gedankenspiel. Das Buch und auch das Schicksal des Autors bewegt mich sehr und wird mich sicher noch lange beschäftigen.
Pure Überforderung
‚Will, wer nicht mehr leben will, denn wirklich sterben?‘ Dieser Satz hat mich dazu bewogen, mir das Buch zu kaufen. Einen so tiefen Einblick in Depressionen und Manien zu bekommen war absolut überfordernd, überwältigend und erschreckend. Viele Kapitel haben sich enorm gezogen aber ich bin mir sicher, dass dies genau so gewollt ist, um all diese unterschiedlichen Gefühle beim Leser zu wecken (Verzweiflung, Wahn, Realität, Derealisierung, Dissoziation usw.). Zwischen drin hab ich für mich leider das Interesse stark verloren, weil es sich dann doch einfach zu lange gezogen hat. Das Ende habe ich wieder verschlungen und es lässt mich ratlos zurück. Wahrscheinlich habe ich mir auf das Anfangszitat meiner Bewertung eine Antwort erhofft, die es wohl nicht gibt.
Ein Roman der lange im Gedächtnis bleibt
„Das Haus zur Sonne“ von Thomas Melle ist keine leichte Lektüre, denn es geht um Depressionen, Todessehnsucht und psychischen Erkrankungen. Das Buch steht auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis und als ich davon gehört habe, war ich sehr gespannt auf die Geschichte. Wir lernen den depressiven Protagonisten kennen, der nach zwei Jahren manisch depressiver Phase mit seinem Leben abgeschlossen hat. Ihm erscheint seine Situation aussichtslos und so begibt er sich in „Das Haus zur Sonne“ das ist eine staatliche Einrichtung, in der Menschen aufgenommen werden die ihr Leben endgültig beendet möchten. Das besondere am Haus zur Sonne ist, das vor dem Tod alle Wünsche, mit Hilfe von virtuellen Simulationen, erfüllt werden. Mich hat die Geschichte sehr berührt und ich hatte großes Mitleid mit dem Protagonisten, es ist allerdings auch interessant und aufschlussreich, denn man bekommt einen guten Einblick in das Leben und die Gedanken von Menschen mit manischen Depressionen und psychischen Erkrankungen. „Das Haus zur Sonne“ ist bestimmt der tiefgründigste Roman den ich dieses Jahr gelesen habe und der mir sicher noch einige Zeit im Gedächtnis bleibt, da er zum nachdenken anregt. Ich drücke Autor Thomas Manne die Daumen für den Deutschen Buchpreis.

Ein schwieriges Buch zu einem Thema, dem ich mich in dieser Intensität noch nicht gewidmet habe (und zum Glück auch nicht musste) - das mich aber stark fesselte und berührte.
Der Plot ist schnell erzählt und es passiert auch faktisch nicht viel - dafür ist die Erzählstruktur und die Sprache wirklich bemerkenswert. Das was die Krankheit des manisch-depressiven Ich Erzählers ausmacht, das finde ich auch im formalen Aufbau. Dieses Hoch und Tief, diese ständigen Schwankungen , die Verzweiflung, die Trauer, aber auch die Hoffnung und der Trost, dies alles erliest und fühlt man in ständigem Wechsel. Zum Teil fühlte ich mich selbst wie in einem Wahn. Alles ist wirklich grandios erzählt - in einer feinen, poetischen Sprache. Neben dem wirklich beeindruckenden und überzeugenden Einblick in die Krankheit (hier weiß einer, worüber er schreibt), wird zudem der Umgang unserer Gesellschaft mit psychischen Erkrankungen beleuchtet und die Bedeutung von Träumen thematisiert. Wirklich große Literatur!
Schläft oder letzte Station vor dem Tod?
Bei einer bipolaren Störung sind Stimmungsschwankungen sehr ausgeprägt. Tiefe Depressionen und überschäumende Manien treten ohne äußeren Anlass, episodenhaft auf und können Tage, Monate, ja sogar Jahre andauern. Dabei werden Beruf, Beziehungen und Alltag massiv beeinträchtig. In manischen Phasen können Betroffene riskantes oder unüberlegtes Verhalten zeigen, das sie später bereuen, in depressiven Phasen können Suizidgedanken auftreten. Thomas Melle leidet an dieser psychischen Erkrankung, wie wir aus seinem Buch „Die Welt im Rücken“ wissen und so liegt es nah, dass sein ICH-Erzähler direkt mit seiner Person in Verbindung gebracht wird. Dieser möchte nun definitiv sterben. Doch in seiner Welt gibt es das Haus zur Sonne, eine Art Sanatorium , in dem dir der Tod garantiert wird, dir aber vorher deine Wünsche erfüllt werden. Begleitet werden ihm immer wieder Möglichkeiten aufzeigt. Dabei geht es nicht unbedingt um materielle Dinge. Oft wird sich auf das zwischenmenschliche konzentriert, soziale Interaktionen jeglicher Art oder Lebensläufe, die vom wirklichen abweichen. Sogar der Tod findet seinen Platz auf dem Wunschzettel. Diese Situationen werden simuliert und fühlen sich real an. Manchmal ist er der aktive Part, manchmal ist er der Zuschauende. Er lernt viele Menschen kennen. Zur wichtigsten Personen mutiert Vera. Mit ihr spricht er über die Widersprüche zwischen Simulation und Wirklichkeit, über Lebensmüdigkeit und über die Frage, ob die Erfüllung von Wünschen überhaupt helfen kann. Sie ist keine Lehrerin, sondern eher eine fragile Gefährtin, die dieselben existenziellen Fragen umtreibt. Währenddessen sind wir auch mit Rückblicken auf sein Leben konfrontiert und wer den Vorgängerband nicht gelesen hat, bekommt angemessen Input, über Erkrankung, Form und Auswirkungen, die sie auf das Leben des Erzählers genommen hat Kernthema aber ist die Frage danach, was den Todeswillen, verstärkt oder ihn aufhalten kann und das wird sehr differenziert betrachtet. Möchte man immer noch sterben, wenn einem jeder Wunsch erfüllt wird? Ich gebe zu, ich hatte sehr großen Respekt vor diesem Buch. Einerseits ist die Thematik für mich sehr schwer auszuhalten. Und so machte sich auch schnell ein beklemmendes Gefühl in mir breit, sobald der Autor uns zu den Auswirkungen dieser Erkrankung führte. Andererseits konnte ich mir nicht vorstellen, dass er mich über 300 Seiten faszinieren konnte – doch er hat es geschafft! Das lag vor allem an der einnehmende Erzählweise, die mich an Melles Lippen hängen ließ. Hier ist nichts verschnörkelt, nichts kompliziert, aber auch nicht gradlinig oder süffig. Es ist der Plauderton, der mich mit Pragmatismus und einer Beiläufigkeit die Emotionen transportiert, bei der Stange hielt. Ich könnte mir vorstellen, dass es Melle viel Kraft gekostet hat sich so intensiv mit dem erwünschten Tod und den erforderlichen Bedürfnissen, um Lebenswillen zu produzieren, zu beschäftigen. Bisweilen ist das Buch etwas redundant. Ich konnte das aber gut aushalten, da der Stoff schon komplex ist und das ständige wiederholen von leicht abgeänderten Szenen und Gesprächen, umso eindringlicher für mich wurde. Ich empfehle das Buch also allen, die sich mit gehaltvollen Büchern und psychischen Erkrankungen beschäftigen möchten und dabei einen angenehmen Schreibstil schätzen.
Ein Highlight!
Wow. Dieses Buch hat mich extrem berührt. Die Herangehensweise an dieses harte Thema fand ich unfassbar spannend. Ich musste mir Zeit lassen, weil es mich teilweise zu sehr „mitgenommen“ hat und ich Pausen brauchte um das gelesene zu reflektieren. Das tut dem Buch aber keinen Abbruch - ganz im Gegenteil. Von Anfang bis zum Ende war dieses Buch ein echtes Highlight für mich.
Ein Buch dass sehr realistisch und authentisch über das Thema bipolarer Störung informiert und uns diese Sicht zeigt.
Ein Buch das bestimmt nicht für jedenwas ist, weil wie hier unseren Protagonisten begleiten, der immer wieder grübelt und sich manche Sachen wiederholt. Finde aber genau das, dass ist es was das Buch authentisch und realistisch macht. Auch wenn ich mich bipolarer Störung keine Berührungspunkte habe, hat mich dies in diesem eher dystopischen Setting überzeugt. Nur bin ich persönlich mit dem Ende nicht zufrieden. Wer hat das Buch schon gelesen und was sagt ihr dazu? Brauche unbedingt jemand zum Austausch! Bitte melden. Danke 😊
Für mich ein absolutes Jahres - Highlight. Eine Mischung aus autobiographischen Roman und Fiktion. Sterben oder Leben... Ich erkenne auch Parallelen zu Thomas Manns "Der Zauberberg". Ein ganz besonderer Roman aus Offenheit, Reflexion, menschliche Tiefe und literarische Anspruch. So sehr die Geschichte von Hoffnungslosigkeit getragen wird, so blitzen dennoch immer wieder Momente des Lichts auf. Ein sehr beeindruckendes Werk!
Für mich ist 𝘏𝘢𝘶𝘴 𝘻𝘶𝘳 𝘚𝘰𝘯𝘯𝘦 ein wichtiges Buch, weil es eine Seite des Lebens zeigt, die wenige kennen und über die noch weniger offen gesprochen wird. Gleichzeitig muss man klar sagen: Es ist KEIN Buch für Menschen, die Schwierigkeiten haben, Texte über Depression und su!zidale Gedanken zu lesen. Diese Themen nehmen einen sehr großen Raum ein, die innere Zerrissenheit des Protagonisten dreht sich immer wieder darum.
💡 𝘋𝘪𝘦 𝘝𝘦𝘳𝘯𝘪𝘤𝘩𝘵𝘶𝘯𝘨 𝘩𝘢𝘵𝘵𝘦 𝘨𝘦𝘸𝘶̈𝘵𝘦𝘵 𝘪𝘮 𝘒𝘰𝘴𝘵𝘶̈𝘮 𝘦𝘪𝘯𝘦𝘴 𝘣𝘰̈𝘴𝘦𝘯 𝘊𝘭𝘰𝘸𝘯𝘴. 𝘞𝘦𝘯𝘯 𝘮𝘢𝘯 𝘣𝘦𝘥𝘦𝘯𝘬𝘵, 𝘥𝘢𝘴𝘴 𝘔𝘢𝘯𝘪𝘦𝘯 𝘮𝘦𝘪𝘴𝘵 𝘯𝘶𝘳 𝘞𝘰𝘤𝘩𝘦𝘯 𝘥𝘢𝘶𝘦𝘳𝘯, 𝘬𝘢𝘯𝘯 𝘮𝘢𝘯 𝘴𝘪𝘤𝘩 𝘴𝘤𝘩𝘰𝘯 𝘧𝘳𝘢𝘨𝘦𝘯, 𝘸𝘪𝘦𝘴𝘰 𝘢𝘶𝘴𝘨𝘦𝘳𝘦𝘤𝘩𝘯𝘦𝘵 𝘪𝘤𝘩 𝘥𝘪𝘦𝘴𝘦𝘴 𝘢𝘣𝘴𝘶𝘳𝘥𝘦 𝘑𝘢𝘩𝘳𝘦𝘴𝘭𝘰𝘴 𝘨𝘦𝘻𝘰𝘨𝘦𝘯 𝘩𝘢𝘵𝘵𝘦. [...] 𝘋𝘢𝘯𝘯 𝘧𝘰𝘭𝘨𝘵𝘦𝘯 𝘻𝘸𝘦𝘪 𝘸𝘦𝘪𝘵𝘦𝘳𝘦 𝘑𝘢𝘩𝘳𝘦 𝘢𝘭𝘴 𝘥𝘦𝘱𝘳𝘦𝘴𝘴𝘪𝘷𝘦𝘴 𝘌𝘭𝘦𝘯𝘥, 𝘷𝘰𝘭𝘭𝘦𝘳 𝘚𝘤𝘩𝘢𝘮 𝘶𝘯𝘥 𝘚𝘤𝘩𝘢𝘯𝘥𝘦, 𝘦𝘪𝘨𝘦𝘯𝘵𝘭𝘪𝘤𝘩 𝘶𝘯𝘧𝘢̈𝘩𝘪𝘨 𝘻𝘶 𝘭𝘦𝘣𝘦𝘯 ⁽ᵁᴺᴮᴱᶻᴬᴴᴸᵀᴱ ᵂᴱᴿᴮᵁᴺᴳ ⁻ ᴿᴱᶻᴱᴺˢᴵᴼᴺˢᴱˣᴱᴹᴾᴸᴬᴿ⁾ 💭 Danke an @kiwi_verlag für das Rezensionsexemplar! 𝘏𝘢𝘶𝘴 𝘻𝘶𝘳 𝘚𝘰𝘯𝘯𝘦 von Thomas Melle ist ein eindringliches und zugleich schweres Buch, das mich nachhaltig beschäftigt hat. Es ist autofiktional angelegt und beschreibt den Absturz in eine tiefe Depression nach einer langen manischen Phase. Gerade dieser extreme Kontrast zwischen Hochgefühl und totaler Hoffnungslosigkeit wird hier schonungslos greifbar gemacht. Melle führt vor Augen, wie sich Scham über das in der Manie Geschehene mit Kraftlosigkeit und Verzweiflung in der Depression verbindet. Es wirkt so nachvollziehbar, dass es mir beim Lesen den Atem nahm. Besonders eindrucksvoll ist die Passage, in der der Erzähler die Zusage für das 𝘏𝘢𝘶𝘴 𝘻𝘶𝘳 𝘚𝘰𝘯𝘯𝘦 bekommt. Eine Einrichtung, in der letzte Wünsche erfüllt werden, bevor die Bewohner ihrem Leben ein Ende setzen. Doch schnell stellt sich die Frage: Ist das hier wirklich Sterbehilfe, oder gleicht es nicht doch eher Mord? Wir lernen andere Bewohner kennen, die sich in Simulationen ihre Wünsche erfüllen lassen: eine Umarmung, ein Date, Machtfantasien oder sogar das Durchleben verschiedener Todesarten. Teilweise begleiten wir den Erzähler selbst in diese Simulationen, doch auch hier stößt er immer wieder an Grenzen, fühlt sich unverstanden oder bemerkt technische Störungen, die die Illusion brüchig machen. Und dann steht noch die Frage im Raum: Was passiert, wenn ein Bewohner plötzlich doch seine Meinung ändert? Für mich ist 𝘏𝘢𝘶𝘴 𝘻𝘶𝘳 𝘚𝘰𝘯𝘯𝘦 ein wichtiges Buch, weil es eine Seite des Lebens zeigt, die wenige kennen und über die noch weniger offen gesprochen wird. Gleichzeitig muss man klar sagen: Es ist KEIN Buch für Menschen, die Schwierigkeiten haben, Texte über Depression und su!zidale Gedanken zu lesen. Diese Themen nehmen einen sehr großen Raum ein, die innere Zerrissenheit des Protagonisten dreht sich immer wieder darum. Trotzdem – oder gerade deswegen – ist es eine sehr besondere Lektüre. Ich bin froh, dass ich sie gelesen habe, und bin mir sicher, dass ich mir auch Melles anderes Werk sowie künftige Bücher noch genauer anschauen werde. ⭐️⭐️⭐️⭐️☆,₅

Ein beeindruckendes Werk
"Haus zur Sonne" von Thomas Melle befindet sich meiner Meinung nach zu Recht auf der Shortlist des Deutschen Buchpreis 2025. Ich habe es als Hörbuch gehört, eingelesen von Jens Harzer. Mit "Haus zu Sonne" knüpft Thomas Melle an sein Werk "Die Welt im Rücken" an, in dem er sein eigenes Leben mit einer bipolaren Störung beschreibt. In diesem Buch nimmt er das Thema wieder auf und beschreibt teils autobiographisch, teils fiktional sein weiteres Leben. Nach einer langen manischen Phase, in der er sich um fast alles gebracht hat, befindet sich der Protagonist in der depressiven Phase und möchte nicht mehr weiter leben. Es fällt ihm der Flyer vom "Haus zu Sonne" in die Hand. Dort soll er sein Leben, aber auch seinen Tod, selbst bestimmen können. Dazu werden den Kunden/Klienten im Haus der Sonne Wünsche erfüllt. Nichts ist unmöglich, bedient sich dieses Haus doch modernster Technik. Aber kann die Erfüllung dieser Wünsche den Klienten helfen? Der Protagonist lernt andere Personen mit den gleichen Problemen kennen, führt tief gehende Gespräche über das Leben, aber auch über den Tod. Diesen Roman konnte ich nicht ohne Pause hören, zu tief hat mich die Geschichte berührt und ich brauchte immer wieder eine Unterbrechung, um Gehörtes sacken zu lassen und zu verarbeiten. Die Kombination aus Wirklichkeit und Fiktion ist Melle überzeugend gelungen. Seine Art zu (be)schreiben hat mich tief beeindruckt. Er versteht es, seine Depression und Todessehnsucht fühlbar zu machen. Dabei weckt er auch das Verständnis für die Menschen, die unter einer bipolaren Störung leiden und macht vieles klar, baut Vorurteile ab. Am Anfang fand ich die Stimme von Jens Harzer etwas gewöhnungsbedürftig. Aber: seine Art zu lesen und auch die Stimme passen hervorragend zu diesem schweren Thema. Er hat das Gefühl für Nuancen und vermittelt diese sehr empathisch. Dieses Werk von Thomas Melle ist kein leichter Stoff, den man einfach so durchliest. Aber gerade die Pausen, die ich eingelegt habe, haben das Werk für mich umso intensiver gemacht. Ich wünsche Thomas Melle den Deutschen Buchpreis 2025 von ganzem Herzen! Von mir bekommen Autor und Werk volle 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung!
Hoch interessant aber für mich zu lang gezogen.
Im Buch „Haus zur Sonne“ geht es um eine Person mit einer Bipolaren Störung, die keinen Ausweg außer den Tod findet. Sie entschließt sich bei der Institution Haus der Sonne zu bewerben. Da wird einem jeder Wunsch erfüllt aber am Ende stirbt jeder. Das ist die Voraussetzung. Die Lektüre ist nicht ohne! Wenn man vor hat dieses Buch zu lesen, sollte man sich mit der Erkrankung Bioplare Störung auseinandersetzen. Die Themen Sui*id und T*d sind hier auch schwerpunktmäßig vertreten. An sich fand ich es sehr interessant ein Buch von einer Person zu lesen, die selbst von dieser Erkrankung betroffen ist. Ich konnte mich gut in die Gedanken & Gefühle hineinversetzen. Ich konnte das Buch nicht komplett an einem Stück lesen und das obwohl die Kapitel sehr kurz sind und das Buch relativ dünn ist. Ich musste zwischen den Kapiteln eine Pause machen um darüber nachzudenken was ich da gelesen habe. Die Handlung an sich war zum Ende hin sehr lang gezogen und ich hatte das Gefühl, dass sich die Handlung immer und immer wiederholt. Ich empfehle es weiter, wenn man sich mit den oben genannten Themen beschäftigen möchte. *Rezensionsexemplar
Sehr tolles und wichtiges Buch!
„Ich will mir keine Gewalt antun. Ich will nur weg sein. Keiner hat mich gefragt, ob ich überhaupt da sein wollte.“ S. 208 Haus zur Sonne war für mich ein Buch, das ich irgendwie schnell hinter mich bringen wollte. Nicht weil es schlecht war, sondern weil es einen Sog entwickelt. Je länger ich darin verweile, desto tiefer zieht es mich hinein. Haus zur Sonne ist ein besonderes Buch, weil der Autor an einer ebenso schweren Erkrankung leidet wie der bipolar gestörte, namenlose Protagonist. Dieser findet sich in einer fiktiven Hospiz-Ähnlichen Einrichtung wieder, wo ihm vor seinem Ableben noch einmal alle Wünsche erfüllt werden können. Doch was wünscht sich ein Mensch, der als einzigen Ausweg aus seiner Krankheit das Verschwinden wählt? Wer ein chronologisches, sinnstiftendes Erzählen sucht, ist hier falsch. Stattdessen verlieren wir uns in den Gedankenschleifen eines manisch-depressiven Bewusstseins: ein nicht enden wollender Strudel. Trotz dieses Chaos ist das Buch unfassbar präzise geschrieben und zeugt von einer intellektuellen Schärfe in der Wortwahl. Es erinnert weniger inhaltlich als formal an Dostojewskis Aufzeichnungen aus dem Kellerloch: dieselbe kreisende Selbstbefragung, dieselbe aggressive Intimität des Bewusstseins.
"Und deshalb willst du aufgeben? Kann damit nicht leben, mit den richtigen Medikamenten? Manchmal helfen sie eben doch nicht. Und die letzte Manie war so stark, dass nun kaum mehr was übrig ist. Das wird nichts mehr mit mir. Ich bin nur noch ein Rest, ein Sumpf, mehr nicht." Stell dir vor du leidest an einer psychischen Erkrankung oder einer körperlichen Einschränkung und der Leidensdruck ist so hoch, dass keine Heilung möglich ist und du dein Leben beenden möchtest. Für diesen Wunsch gibt es einen Ort, keine Klinik, kein Sanatorium und es wird sogar vorm Staat finanziert. Schon unglaublich. Der Hauptcharakter im Roman leidet an an einer bipolaren Störung. Nach einer 2 jährigen manischen Phase, hängt er jetzt in einer tiefen Depression fest und will nicht mehr. Da entdeckt er Werbung vom "Haus zur Sonne". Eine Einrichtung die, die letzten Tage, Wochen so angenehm wie möglich gestalten möchte. Mit Hilfe von Traumfrequenzen, welche alle mögliche Wünsche erfüllen, ist dies möglich. Doch der eigene Tod ist das Ende des Aufenthalts und wird immer wieder in den Fokus geschoben... Doch langsam treten Zweifel auf, will ich noch abtreten, oder doch weiter leben, hänge ich in eine Frequenz fest - was ist Traum, Wunsch und Realität. Ein wunderbarer, grausamer, erschreckender und nachdenkender Roman von Thomas Melle. Wie schnell man auf eine Werbung reinfällt und den Unterschied zwischen Traum und Realität verliert. Ich hoffe er gewinnt den Buchpreis 2025. Auf alle Fälle eine Leseempfehlung
Es ist wirklich schwierig sich in seinem Umfeld mit psychischen Erkrankungen auseinander zu setzen. Wie so vieles, gehören psychische Erkrankungen zu Dingen über die nicht gesprochen wird! Wie schrecklich und unfair, ganz besonders für Menschen die betroffen sind und deren Angehörigen! Umso wichtiger sind Bücher wie diese! Was gibt es im Leben noch zu leben wenn durch eine psychische Erkrankung alles zerstört wurde? In der Institution „Haus zur Sonne“ sollen Menschen die des Lebens leid sind ihr letztes Glück finden können, und das erleben was sie schon lange herbei sehnen, den Tod! Puh, ich bin in das Buch irgendwie reingeraten. Ich wollte die sechs Bücher der Short List lesen und habe mich mit dem Inhalt des Buches zu erst gar nicht gross beschäftigt. Nach den ersten Zeilen dann aber schon. Manien, Selbstmord und psychische Erkennungen sind normalerweise nicht der Inhalt von Büchern die ich sonst so lese. Lange hab ich überlegt ob ich das Buch wirklich lesen will! Aber ich habe! Und es war so gut! Psychische Erkrankungen gehören nun mal zum Leben dazu! Es ist schlimm zu lesen wie alleine und Selbstaufgebend sich Menschen mit diesen Erkrankungen fühlen. Das Haus zur Sonne war auch erschreckend! Mit den Ängsten, Hoffnungen und Sorgen der Menschen Geld zu verdienen ist immer unvorstellbar grausam! Nicht mehr zu wissen ob man leben oder sterben will, unvorstellbar. Wenn man dann noch den Hintergrund kennt, der Autor ist selbst erkrankt, macht mich das einfach nachdenklich. Einige Stellen warne mir ein wenig zu langatmig, aber das war vielleicht auch nötig um alles überhaupt verdauen zu können. Schwere Kost, aber ein wichtiger Beitrag für mehr gesehen werden in der heutigen Gesellschaft!
Nicht nur raumsemantisch behandelt das Buch ein wichtiges Motiv: Das Durchbrechen von Grenzen jeglicher Art (und dabei v. a. die situative Begrenzheit des eigenen Horizonts) für mehr Vertrauen, Zuversicht und Resilienz.
"Etwas funkelte auf, ein Streif im Schwarzen, vielleicht eine Lichtspiegelung, es glitzerte und funkelte, und ich wusste, dass das der Zaun sein könnte und dass der Zaun die Grenze war und dass, wenn ich diese Grenze überquerte, ich entweder frei oder weg wäre. Machte es noch einen Unterschied? Es gab kein Zurück mehr. Das Funkeln kam näher und näher, und ich meinte ein elektrisches Knistern zu hören. Das Knistern übernahm, war überall in der Atmosphäre, in meinen Gehörgängen, in der Luft, in meinem Kopf. Ich lief schneller, noch schneller. Die Füße stampften in den Waldboden. Nie mehr zurück, nie wieder, nirgendshin. Langsam wurde es heller."
Berührend, aber zu lang.
Die Stärke dieses Buches ist für mich, dass ich als Leserin ohne Depressionen einen Eindruck – und damit auch mehr Verständnis – für das Leben mit Depressionen (und hier speziell mit einer bipolaren Störung) bekommen habe. Mich hat das tief berührt und mit viel Empathie zurückgelassen. Wie viele Höhen und Tiefen kann ein Mensch ertragen? Ja. 1,5 Sterne Abzug gibt’s für die Länge des Buches. Es hätten ruhig 100 Seiten weniger sein können. Auch in der Grundidee des Hauses zur Sonne wurde meiner Meinung nach zu viel Potenzial liegen gelassen. Das Ende war enttäuschend.
Richtig harter Stoff, also unbedingt vorher mit dem Inhalt beschäftigen und gut für sich abwägen, ob man das gut verkraften wird. Ich fand die Sprache toll und das Thema wichtig und eigentlich auch sehr spannend, aber irgendwie ist das Buch so 100-150 Seiten zu lang und verliert dadurch bei mir den letzten Punkt.
Idee und Motive unheimlich innovativ, aber musste es abbrechen, da sich Inhalte der Gedankenwelt derart wiederholt und langwierig gestaltet haben, so dass es ein Kampf war bis zur nächsten Seite zu kommen.
Ein Protagonist, der sich immerwährend um sich selbst dreht und die spannende Vision des Haus der Sonne verliert schnell an Reiz.
Das Buch hat sich angefühlt wie ein Fiebertraum, ich könnte nicht wiedergeben, was genau ich gelesen habe, aber konnte das Buch auch nicht aus der Hand legen. Durch die kurzen Kapitel wollte ich immer noch eines mehr lesen. Die Einblicke ins Innenleben eines Manisch-depressiven sind sehr spannend geschildert auch wenn es sehr viele dieser Einblicke gibt, die sich inhaltlich manchmal wiederholen und gleichzeitig trotzdem Neues vermitteln. Generell hat es der Autor geschafft Gefühle aufs Papier zu bringen, was das Buch aber definitiv nicht zu einem feel good Roman macht. Einiges hätte schon kürzer sein können, vor allem die ersten 2/3 und gegen Ende ist dann relativ viel passiert, gleichzeitig passt diese Art des Aufbaus aber auch zum Buch. Nichts für zwischendurch, man sollte sich schon darauf einlassen da es meiner Meinung nach kein Buch ist, dass man in wenigen „Sitzungen" durch hat. Trotzdem ein sehr spannender Zugang zum Thema Tod und der Manischen Depression und definitiv auch etwas für Psychologie interessierte.
Der Ich-Erzähler in Thomas Melles Roman "Haus zur Sonne" hat eine bipolare Störung, zu Beginn der Geschichte taucht er gerade aus einer sehr lange andauernden manischen Phase auf und steht vor dem Nichts: Kein Geld, keine Freund*innen, kein Beruf, kein Rückzugsort. Bei einem Termin auf dem Arbeitsamt eröffnet sich ihm unverhofft eine neue Perspektive, die er zunächst für einen schlechten Scherz hält. Finanziell unterstützt von der Regierung wurde das "Haus zur Sonne" eröffnet, eine Einrichtung, in die Menschen gehen können, wenn sie ihren Lebenswillen verloren haben. Vor ihrem Tod dürfen sie in verschiedenen Illusionsszenarien all ihre Wünsche durchleben, der Tod selbst wird begleitet von medizinischem Personal. Der Erzähler entscheidet sich für einen Aufenthalt im "Haus zur Sonne" - ohne eine Chance auf Rückkehr in sein bisheriges Leben. Thomas Melles Roman ist eine äußerst bedrückende Lektüre, die Fragen aufwirft, die mich beim Lesen stark beschäftigt haben: Wie viel Selbstbestimmung ist möglich, wenn das Leben von einer psychischen Krankheit fremdgesteuert ist? Wollen Menschen, die nicht mehr leben möchten, wirklich sterben? Ist eine Einrichtung wie das "Haus zur Sonne" tatsächlich so selbstlos, oder soll hier vielmehr der "Ballast" der Gesellschaft ohne großes Aufsehen entsorgt werden? Thomas Melle hat selbst eine bipolare Störung, weiß also sehr genau, von was er in seinem neuen Buch schreibt. Es ist sehr Ich-bezogen, was hier aber durchaus gut passt, das Lesen an der ein oder anderen Stelle aber etwas zäh gestaltet, vor allem wenn eine "Was wäre wenn"-Illusion nach der anderen geschildert wird. Mich hat "Haus zur Sonne" auch lange nach dem Lesen noch lange beschäftigt, ein extremer, nüchterner und sehr persönlicher Roman.

Der Einstieg in das Buch war wirklich stark - atmosphärisch dicht und mit einem spannenden Konzept. Doch je weiter die Geschichte fortschritt, desto mehr verlor sie für mich an Schwung. Der namenlose Protagonist, der mit seiner bipolaren Störung, zwischen Manie und Depression, hin- und hergerissen ist, wirkt unglaublich authentisch - aber genau das macht das Lesen teilweise auch anstrengend. Man ist so sehr in seinen Gedankenschleifen gefangen, dass es schwerfällt, noch Spannung oder Entwicklung zu spüren. Die vielen Simulationen, die er durchlebt, waren zu Beginn faszinierend, nutzen sich aber mit der Zeit ab. Die Nebenfiguren hätten für mich mehr Tiefe vertragen - vieles wurde angerissen, aber nicht wirklich ausgeführt. Besonders das Haus zur Sonne hatte so viel erzählerisches Potenzial, das leider kaum genutzt wurde. Positiv fand ich die kurzen Kapitel und einige wirklich zitierwürdige Passagen, die zeigen, wie sprachlich stark das Buch an vielen Stellen ist. Gesellschaftlich ist es ohne Frage relevant und verdient, dass es für den Deutschen Buchpreis nominiert wurde. Thematisch ist es kein leichtes Werk, aber ein wichtiges. Das Ende hat mich dann allerdings enttäuscht. Ich hatte mit vielem gerechnet, aber nicht damit - und es hat für mich leider nicht ganz rund abgeschlossen. Fazit: Empfehlen würde ich das Buch vor allem wegen seiner tiefgehenden und ehrlichen Einblicke in die Themen bipolarer Störung, Manie und Depression. Als Geschichte selbst konnte es mich nicht vollständig überzeugen, aber die psychologische Perspektive und die gesellschaftliche Relevanz machen es trotzdem lesenswert. - - - Danke an NetGalley und Kiepenheuer & Witsch für das Rezensionsexemplar!
4,25 ✨️ Das Buch schafft es wirklich, beim Leser ein Gefühl der depressiven Lethargie und Unentschlossenheit zu erwecken, dadurch fühlt man mit dem Protagisten regelrecht mit. Das Ende hat mich überrascht, da ich selbst bereits mit der Figur abgeschlossen hatte. Offene Enden sind eigentlich nicht meins, aber hier fand ich es passend - der Leser kann entscheiden, was für ihn die "richtige" Fortsetzung ist. Für meinen Teil weiß ich, dass der Weg noch weiterging.
Das Haus zur Sonne ist eine staatlich finanzierte Einrichtung für Menschen, die nicht mehr können. Wer dort aufgenommen wird, checkt für mehrere Wochen ein, mit der Bedingung: Am Ende muss jede*r sterben. Davor jedoch werden im „Haus zur Sonne“, mithilfe von hochkomplexen Simulationen, alle Wünsche erfüllt. einmal Diktator*in sein, ein Leben ohne psychische Krankheit erleben, die Welt aus der Sicht eines Tieres sehen oder die Geheimnisse des Universums entschlüsseln. Alles ist möglich. Nur am Ende steht die Entscheidung über die eigene Todesart. Verführerisch und furchteinflößend zugleich. Autor Thomas Melle, selbst an einer bipolaren Störung erkrankt, schreibt hier autofiktional und schonungslos ehrlich. Er beschreibt Depressionen, wie sie sind: grau, verzweifelt, ungeschönt, und zeigt dabei eine entwaffnende Offenheit und Verletzlichkeit. Wir begleiten ihn auf seinem Weg durch das Haus zur Sonne, tauchen in seine Simulationen ein und fragen uns unweigerlich: Was würden wir uns simulieren lassen? Den Super-Bowl-Sieg der Bills? Live dabei? Man wird ja wohl noch simulieren dürfen. Am Ende steht der Ich-Erzähler da, unsicher, ob das wirklich alles gewesen sein soll. Vielleicht ist draußen gar nicht alles so schlimm? Aber gibt es überhaupt noch ein Draußen, oder ist er längst an Ende angekommen? Ein starkes Buch – unheimlich(,)ehrlich, unbedingt lesenswert.
Zwischen Leben und Letztem – Melles literarische Grenzerfahrung
Zwischen Klinikflur und kosmischer Sehnsucht – Thomas Melle schickt mich in ein Gedankenkarussell, das sich irgendwo zwischen Lebensmüdigkeit und Überlebenskunst dreht. Haus zur Sonne klingt ja erstmal nett – fast wie ein Kurhotel mit Frühstücksbuffet und Sonnenliege. In Wahrheit ist es aber eine literarische Todeszelle mit Wellnessprogramm. Menschen dürfen hier ihre letzten Wünsche erfüllen, bevor sie ganz legal den Stecker ziehen. Klingt makaber? Ist es auch. Aber Melle schreibt das so gnadenlos ehrlich, so schwarz-humorig und gleichzeitig so zärtlich, dass man gar nicht anders kann, als ihm zu folgen – mitten rein in die dunklen Ecken der Seele. Ich hab gelacht, geschluckt, und mich zwischendurch gefragt, ob der Autor gerade mein Innerstes auswringt oder mir einfach nur einen Kaffee anbietet. Dieser Roman ist keine leichte Kost – eher eine bittere Praline: süß verpackt, aber mit echtem Wumms im Abgang. Es geht ums Sterben, ums Loslassen, um die Absurdität des Lebens, wenn es von Krankheit fremdgesteuert wird. Und doch steckt da so viel Liebe und Lebenshunger drin, dass man am Ende fast selbst einchecken möchte – nur um zu sehen, ob man nochmal richtig Sonne tanken kann, bevor das Licht ausgeht. Melle schreibt, als würde er einem die Synapsen auf links drehen. Jede Seite ist ein Schlagabtausch zwischen Tod und Trost, zwischen Zynismus und zarter Hoffnung. Das ist nicht einfach ein Roman – das ist literarische Elektrotherapie mit Tiefgang. Fazit: Düster, komisch, brillant. Wer denkt, das Leben sei zu ernst, sollte Haus zur Sonne lesen – danach sieht man selbst die Dunkelheit in einem ganz neuen Licht.

Anders als erwartet - empfehlenswert!
Ich war irgendwie total neugierig auf dieses Buch und dessen Umsetzung und muss sagen es war komplett anders als ich zuerst erwartet habe. Mir hat der Schreibstil total gefallen! Ich fand es großartig wie Thomas Melle sich ausdrückt und den Leser an dieser Krankheit teilweise mitfühlen lässt. Man wurde einfach mitgenommen und durch die Sprache wurde einem ein total persönlicher Zugang zum „Patienten“ ermöglicht. Ich merke jetzt schon das ich noch etwas länger über dieses Buch nachdenken muss.
Ein starkes und wichtiges Buch.
Ich war unglaublich berührt vom Buch. Thomas Melle hat mir einen Zugang zu einer Lebenswelt bzw. einer Perspektive geschaffen, in die ich sonst nicht in dieser Tiefe und Neugier hätte vordringen können. Ich finde das Buch insofern spannend, als dass es eine sehr gewichtige Ambivalenz zugänglich macht. Ich bin dankbar und berührt und werde nun „Die Welt im Rücken“ lesen.

Characteristics
6 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Description
Nach seinem weltweit beachteten Buch »Die Welt im Rücken«, in dem er sein Leben mit bipolarer Störung literarisch brillant verarbeitet hat, legt Thomas Melle nun einen Roman vor, der die Grenzbereiche zwischen Autobiografie und Fiktion, zwischen Sehnsucht und Depression und letztlich zwischen Leben und Tod weiter auslotet.
Wie viel Selbstbestimmung ist möglich, wenn das Leben von einer psychischen Krankheit fremdgesteuert ist? Wonach sehnt sich einer, der nichts mehr zu verlieren hat? Und wie könnte es aussehen, das letzte Glück? Willkommen im »Haus zur Sonne«, einer Institution, die zugleich Wunscherfüllungsmaschine wie Abschaffungsapparat ist. Lebensmüde und todkranke Menschen liefern sich in diese vom Staat finanzierte Klinik ein, um jeden nur erdenklichen Wunsch in Erfüllung gehen zu lassen und dann – ohne großes Aufsehen – aus dem Leben zu scheiden. Aber will, wer nicht mehr leben will, wirklich sterben?
Thomas Melle geht unseren Sehnsüchten und Todestrieben auf den Grund und liefert so eine radikale Skizze der Conditio humana.
Book Information
Author Description
Thomas Melle, 1975 geboren, studierte Vergleichende Literaturwissenschaft und Philosophie in Tübingen, Austin (Texas) und Berlin. Er ist Autor vielgespielter Theaterstücke und übersetzte u. a. William T. Vollmann und Quentin Tarantino ins Deutsche. Sein Debütroman »Sickster« (2011) war für den Deutschen Buchpreis nominiert und wurde mit dem Franz-Hessel-Preis ausgezeichnet. 2014 folgte der Roman »3000 Euro«, 2016 »Die Welt im Rücken«, die beide auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis standen. »Die Welt im Rücken« wurde zudem in 22 Sprachen übersetzt. Thomas Melle lebt in Berlin.
Posts
Tief, hart und erschreckend ehrlich. Kein leichtes Buch, aber eines, das bleibt.
Ich habe dieses Buch vor ein paar Monaten angefangen, ungefähr bis zur Hälfte gelesen und dann erstmal weggelegt. Nicht, weil es schlecht war, sondern weil es mich einfach überfordert hat. Es war mir zu nah, zu intensiv, zu viel auf einmal. Jetzt habe ich es beendet und war sofort wieder komplett drin. Und genau das beschreibt es eigentlich am besten. Dieses Buch lässt einen nicht los, selbst wenn man es zwischendurch aus der Hand legt. In Haus zur Sonne geht es um einen Mann mit bipolarer Störung, der auf eine staatliche Einrichtung stößt, in der Menschen ihre letzten Wünsche erfüllt bekommen, bevor sie sich dazu entscheiden, ihr Leben zu beenden. Allein diese Idee ist schon krass, aber das, was dieses Buch daraus macht, ist nochmal eine ganz andere Ebene. Was für mich einen riesigen Unterschied gemacht hat, ist der Hintergrund des Autors. Thomas Melle ist selbst manisch depressiv. Man liest dieses Buch ganz anders, wenn man das weiß. Es fühlt sich nicht an wie eine Geschichte von außen, sondern wie etwas, das von innen kommt. Und genau das spiegelt sich auch im Schreibstil wider. Ich fand den so besonders und gleichzeitig so schwer zu beschreiben. Er ist direkt, klar, teilweise richtig hart und im nächsten Moment wieder unglaublich emotional. Und trotzdem wirkt nichts überzogen. Es ist eher so, als würde man direkt in den Kopf schauen. Als würde man Gedanken lesen. Ich hatte wirklich das Gefühl, ich lese aus dem Kopf eines manisch depressiven Menschen. Und genau das hat mich so gepackt. Es gibt so viele Stellen, die leise sind und genau deshalb so weh tun. Keine große Dramatik, kein künstliches Aufbauschen, sondern einfach Ehrlichkeit. Gerade diese Gespräche über das Sterben haben mich richtig getroffen. Diese ruhige, fast sachliche Art, wie darüber gesprochen wird, hat etwas unglaublich Beklemmendes. Und gleichzeitig wirft das Buch ständig Fragen auf. Was macht ein Leben lebenswert? Und wer entscheidet das eigentlich? Da war diese eine Stelle mit der blinden Frau, die mich nicht losgelassen hat. Weil ich da gemerkt habe, wie unterschiedlich Wahrnehmung sein kann. Für den einen ist das Leben noch lebenswert, für den anderen vielleicht nicht mehr. Und genau solche Gedanken bleiben hängen. Und über allem steht für mich diese eine Frage Will man wirklich sterben oder will man einfach nur, dass es aufhört? Was ich aber auch ganz wichtig finde, obwohl dieses Buch so schwer und teilweise echt hart ist, gibt es trotzdem Momente, die sich fast leicht anfühlen. Kleine Hoffnungsschimmer, ruhige, schöne Gedanken oder Erinnerungen. Und genau diese Mischung macht es für mich so besonders. Es ist nicht nur dunkel. Es ist beides. Das Ende hat mich dann nochmal komplett abgeholt. Ich hatte ein Gefühl, in welche Richtung es gehen könnte, aber es hat mich trotzdem erwischt. Es war ruhig, konsequent und genau deshalb so stark. Für mich ist das kein Buch, das man einfach liest und wieder vergisst. Es fordert einen. Es bleibt im Kopf. Und es macht etwas mit einem. Ich mochte es wirklich sehr, auch wenn es anstrengend war. Vielleicht gerade deswegen.

4,25⭐️ Bitte beachtet die schweren Themen
✨Shortlist Deutscher Buchpreis 2025✨ Zitat des Schriftstellers aus einem früheren Interview: „Schriftsteller wollte ich eh immer sein, nur dass genau dieses Thema nun zum meinem bisherigen Lebensthema geworden ist, das hatte ich eigentlich anders eingeplant. Ich hätte gern darauf verzichtet, andererseits ist es eine Aufgabe, eine existentielle Aufgabe, mich dem zu widmen und das in eine Form zu bringen – eine Aufgabe hat auch nicht jeder.“ Thomas Melle bezieht sich hierbei darauf, dass ihn wohl erst seine Erkrankung (er wurde mit der bipolaren Störung diagnostiziert) zu einem Schriftsteller gemacht habe. Davon handelt sein Vorgängerroman „Die Welt im Rücken“. Aus dieser Erkrankung heraus entwickelte der Autor eine schwere Depression und verlor den Lebenswillen. Das verarbeitete er nun literarisch in „Haus zur Sonne“: Dabei handelt es sich um eine Klinik. Dort kann man sich noch letzte Wünsche erfüllen und dann auf eigenen Wunsch würdevoll aus dem Leben scheiden. Der Protagonist des autofiktionalen Romans teilt seine Erfahrungen und beschäftigt sich mit der Frage, was zu tun ist, wenn man nicht mehr kann. Ich denke, Ihr seht bereits, dass es sich um ein sehr sehr schweres Thema handelt. Überlegt Euch bitte vorab, ob Ihr Euch gerade gedanklich mit dem Thema Selbst☠️ beschäftigen mögt. Leider haben viele Menschen nicht diese Wahl. Trotzdem ist man verpflichtet, auf sein eigenes Wohlbefinden zu achten, denn nur so kann man evtl. helfen / versuchen zu helfen. Grundsätzlich sollte aber jedeR dieses Buch gelesen haben, denn der Autor schafft es, in die Gedanken von betroffenen Personen einzudringen und diese einfühlsam mit der Leserschaft zu teilen. Ich habe es abschnittweise gelesen, damit ich das Gelesene auch verarbeiten kann. Zitat: „Sie sind ein wertvoller Mensch, so wird es ihnen jeweils von tausend Seiten zugesichert. Der Einzige, der das nicht glaubt, sind Sie.“ Völlig verdient auf der shortlist für den Deutschen Buchpreis und hätte auch gewinnen können. Allein der „Plottwist“, die Entwicklung am Ende… keine Spoiler, aber wie heftig ist das bitte. Meine Bewertung beinhaltet den Umstand, dass das Buch thematisch sehr spitz ist und ich den Sprüngen in der Handlung nicht immer folgen konnte. Das Buch war für mich „besser“ als „Die Holländerinnen“, aber „Die Ausweichschule“ hatte mich als Gesamtkunstwerk noch mehr abgeholt. (Alle Bücher waren nominiert, „Die Holländerinnen“ hatte dann gewonnen.) Macht Euch gern ein eigenes Bild! 4,25/5 ⭐️⭐️⭐️⭐️

Haus zur Sonne von Thomas Melle 3 🌟🌟🌟 „Chaos im Kopf“ in Form einer anspruchsvollen und hochwertigen Literatur, die mich aber nur in Ansätzen erreicht hat. Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2025.
Das Buch ist und bleibt mir ein absolutes Rätsel, dass mir manchmal vorkam, als wäre es im Fieberwahn geschrieben, dann erschien es mir wieder wie eine Gebrauchsanweisung für ein technisches Gerät. Beeindruckend, teilweise faszinierend, aber auch irritierend. Thomas Melle schreibt sehr nüchtern, mit fast chirurgischer Präzision aber gleichzeitig verwirrend und chaotisch. Ich konnte beim Lesen kaum emotionale Nähe zum Text oder Bindung zu den ProtagonistInnen aufbauen. Im Gegenteil, ich hatte das Gefühl, dass der Text mich bewusst auf Distanz gehalten hat. Ich musste die Lektüre immer wieder unterbrechen, weil es mir zu anstrengend wurde. Lesespaß sieht für mich anders aus, ich kam mir teilweise zurückversetzt in meine Schulzeit vor, in der man sich die Lektüre erarbeiten musste. Aber Lesespaß ist wohl auch nicht das Anliegen von Thomas Melle. Ich denke er wollte uns teilhaben lassen, an der bizarren Welt, in der sich die Betroffenen befinden und aus der es kein Entrinnen für sie gibt bzw. sie das Gefühl haben, dass es so ist. Besonders deutlich wird das durch den immer wieder durchscheinende Todeswunsch des Protagonisten. Dieser entsteht nicht plötzlich, sondern entwickelt sich in den sich abwechselnden Phasen, die der Erzähler nicht nur während seines Aufenthaltes im „Haus zur Sonne“ durchlebt, sondern die er bereits in der Vergangenheit zu bewältigen hatte. Was mich dabei irritiert hat, ist die Art, wie distanziert der Wunsch das Leben zu beenden, oft formuliert wird. Es gibt keine emotionalen Exzesse oder dramatische Zuspitzungen, eher eine reflektierte Annäherung an die eigene Auslöschung, die dann doch wieder in Frage gestellt wird. Denn es stellt sich für ihn die Frage, ob jemand der nicht leben will, wirklich sterben will. Ist es vielleicht nur ein Hilferuf, eine Bitte an Gott oder wen auch immer, ihm doch ein anderes Leben zu Teil werden zu lassen? Wie wirkt dann ein Angebot, dass man sich auf sanfte Weise „auslöschen lassen kann“, dabei aber in der Einrichtung „Haus zur Sonne“ in den letzten Wochen des Lebens angeblich alle Wünsche erfüllt bekommt? Wahrscheinlich würden viele „lebensmüde“ Menschen hier zugreifen wollen, aber sind diese Menschen sich der Konsequenzen bewusst? Beim Lesen des Buches stellte sich mir aber auch wieder die Frage, welche Behandlungsmöglichkeiten Menschen mit bipolarer Störung wirklich geboten werden, und wie geht die Gesellschaft mit dieser Erkrankung um. Im Buch wird deutlich, dass die medikamentöse Behandlung doch zwiespältig erscheint. Einerseits ist sie wohl notwendig, um das zerstörerische Auf und Ab zu dämpfen. Andererseits besteht die Möglichkeit, dass die Betroffenen sich dadurch von sich selbst entfernen und einen Teil ihrer Identität verlieren. Ist hier wirklich Heilung angestrebt oder eher eine Form von Anpassung, ein „Funktionieren“ innerhalb bestimmter gesellschaftlicher Erwartungen? Auch die weiteren im „Haus zur Sonne“ angebotenen Behandlungen, die ich hier nicht näher ausführen möchte, um nicht zu spoilern, sind in meinen Augen nur Scheinlösungen bzw. Fluchtmechanismen, denn sie verändern nicht die Realität der „Gäste“. Ich glaube, Thomas Melle will in seinem Werk weniger Lösungen anbieten als vielmehr eine radikale Zuspitzung: Der Mensch wird mit seinen inneren Extremen konfrontiert und erhält zugleich technische und medizinische Mittel, diese zu regulieren oder zu umgehen. Für mich bleibt die Frage offen, ob darin eine Chance liegt – oder ob genau diese Mittel die Entfremdung noch vertiefen. Am Ende bleiben für mich viele Fragen offen und ich glaube, dass genau das auch beabsichtigt ist. Mich hat dieses Buch in Teilen inhaltlich wie sprachlich extrem herausgefordert. Ich bin froh, es gelesen zu haben, aber ich war auch mehr als froh, als ich es beendet hatte. An der Länge dieses Beitrages seht Ihr aber, dass es mich immer noch beschäftigt. Macht Euch gerne selbst ein Bild.
Triggerwarnung Depression, bipolare Störung, suizidale Gedanken! Man trifft den verzweifelten Ich-Erzähler nach einer zweijährigen, intensiven manischen Phase mitten in der darauffolgenden tiefen Depression und blickt tief in seine Seele. Es wird sehr eindrucksvoll geschildert, wie schrecklich und schambehaftet eine manische Phase ist, wie wenig Einfluss der Mensch in diesem Stadium auf sein Handeln hat, wie kraftlos, destruktiv und hoffnungslos man sich fühlt. Der Ich-Erzähler stößt in dieser Zeit alle Menschen von sich weg, zerstört alles, was ihm wichtig ist, wird von der Manie weggepeitscht. Nach der Manie folgt die Dunkelheit, in der der Leidensdruck und die Isolation greifbar ist. Einzig seine tiefe Antriebslosigkeit verhindert den Suizid, wobei er sich innerlich bereits tot fühlt. Er stößt auf ein Angebot, das ihn neugierig macht. Im Haus zur Sonne bietet man ihm einen Ausweg aus dem Leben an, gekoppelt an die Verpflichtung sich vorher diversen Simulationen auszusetzen. Er schließt den Vertrag ab und begibt sich auf seine letzte Reise. Im Haus zur Sonne trifft er auf andere Gleichgesinnte, wenn auch aus unterschiedlichsten Gründen. Alle müssen sich täglich Simulationen aussetzen, die sie aber frei wählen dürfen. Alles ist möglich. Man kann sich letzte Wünsche erfüllen… eine Umarmung, ein Date, ein alternativer Lebensentwurf, ein Eis essen, Machtfantasien ausleben, verschiedene Todesszenarien durchspielen. Oft verschwimmen die Grenzen zwischen Simulation und Realität. Es ist ein bedrückendes, nachdenklich machendes Buch, das viele Fragen aufwirft, bei dem man viel mitnimmt. Der Autor schafft es, die bipolare Störung des Protagonisten sehr präzise, nahbar, ungeschönt und erschütternd in Worte zu fassen. Der Schreibstil ist flüssig und eingängig. In die Simulationen musste ich erst reinfinden, sie werden zahlreich und ausführlich beschrieben, was anfangs faszinierend, aber irgendwann zu sehr wiederholend war. Was bleibt am Ende ist die Frage, ob und wie man den letzten Schritt erleben und gestalten möchte. Und wie tief die Verzweiflung sein muss, um diesen letzten Schritt zu gehen. Ein aufwühlendes, bewegendes Buch für das man bereit sein muss. Bitte nur in einem stabilen psychischen Zustand lesen.
Gibt es einen eigenen Tod, der sich richtig anfühlt?
In Haus zur Sonne begleitet man den Erzähler auf seinem Weg in eine Klinik, die ein ganz besonderes Konzept verfolgt: Hier sollen Menschen ihre letzten Wünsche erfüllt bekommen, bevor sie ihrem Leben ein Ende setzen. Doch schon bald stellt sich die Frage, ob es sich dabei wirklich um Sterbehilfe handelt – oder ob sich hinter der Einrichtung etwas viel Dunkleres verbirgt. Wir lernen verschiedene Bewohner kennen, die sich in Simulationen ihre Wünsche erfüllen lassen: eine Umarmung, ein Date, ein Moment der Macht, sogar das Durchleben des eigenen Todes. Doch die Illusionen sind brüchig – technische Störungen und innere Abgründe reißen die Figuren immer wieder aus diesen scheinbaren Erfüllungen. Besonders beklemmend ist die Szene, in der der Erzähler selbst mit seiner Zusage für das Haus konfrontiert wird: Der Moment wirkt wie eine Erlösung, und doch spürt man sofort, dass sich darin auch endgültige Ausweglosigkeit verbirgt. Das Buch ist autofiktional angelegt und erzählt schonungslos vom Absturz in eine tiefe Depression nach einer langen manischen Phase. Melle beschreibt eindringlich, wie Scham über das Erlebte, Kraftlosigkeit und Verzweiflung untrennbar ineinander übergehen. Der Kontrast zwischen dem rauschhaften Hochgefühl der Manie und der völligen Erstarrung in der Depression wird hier so greifbar, dass einem beim Lesen zeitweise der Atem stockt. Ich fand es besonders spannend, ein Buch von jemandem zu lesen, der selbst von dieser Erkrankung betroffen ist. Das macht die Perspektive unglaublich authentisch und emotional nachvollziehbar. Ich konnte mich gut in die Gedanken und Gefühle hineinversetzen, musste aber immer wieder Pausen einlegen – nicht, weil der Text schwer verständlich wäre, sondern weil er so intensiv ist. Gegen Ende hatte ich das Gefühl, dass sich einige Motive und Szenen wiederholen und sich die Handlung etwas in die Länge zieht. Trotzdem bleibt das Werk durchgehend kraftvoll und berührend. Insgesamt ist Haus zur Sonne für mich ein herausragendes, tief bewegendes Buch – schmerzhaft ehrlich, literarisch stark und voller Fragen, die lange nachhallen. Ich hätte nie von selbst dazu gegriffen, bin aber unglaublich froh, dass ich es gelesen habe. Sehr groß war meine Sorge angesichts der expliziten Triggerwarnungen, aber für mich persönlich war es ein unglaublich Lebensbejahendes Gefühl, dass im allgemeinen kreiert wurde. Es hat mich mitgerissen, gefordert und berührt – ein stilles, intensives Meisterwerk über Krankheit, Scham, Würde und die Sehnsucht nach einem Ende, das sich wie Frieden anfühlt.
Ein sehr interessantes Buch von einem Autor, der (leider) sehr genau weiß, wovon er schreibt. Auch vor dieser Leistung kann man nur den Hut ziehen. Der Alltag wird zum Schlachtfeld, wenn man psychisch erkrankt ist. Auch heutzutage sind Betroffene noch zu häufig an den Rand unserer Gesellschaft gedrängt, unverstanden, werden nicht ernst genommen oder gar belächelt und häufig aus Überforderung allein gelassen…. Leider. Melle schreibt plastisch und ich kann mir das Stück sehr sehr gut auf einer Theaterbühne vorstellen. Diese Geschichte ist autofiktional und schon in seinem Buch „Die Welt im Rücken“ schreibt er von dem Text „Haus zur Sonne“. Wir befinden uns in einer Realität, in der der Staat eine Einrichtung finanziert, die es Menschen, die freiwillig aus dem Leben scheiden möchten, ermöglicht dies zu tun. Sehr wahrscheinlich nicht uneigennützig. Unser namenloser Ich- Erzähler entscheidet sich für genau diese Einrichtung . Noch einmal darf er sich dort Wünsche und Träume erfüllen. Diese werden durch Simulationen “verwirklicht“. Wie man sich denken kann, begeben sich Menschen dorthin, die aufgrund von Schicksalsschlägen ihren Lebenswillen verloren haben. Einigen davon begegnet unser Protagonist, kommt manchmal mit ihnen ins Gespräch und baut eine ganz zarte Nähe auf. Trotzdem dies alles kurz und relativ oberflächlich passiert, merkt man den Nebencharakteren die Schwere und Traurigkeit an und spürt zudem die unendliche Traurigkeit und die Last, die sie aufgeben lässt. Andererseits schafft es der Autor, nicht zu bedrückend zu beschreiben. Es finden sich immer wieder Reflektionen über das eigene Leben, die eigene Erkrankung und wie selbstzerstörerisch diese ist. Es geht in seinem Fall um die bipolare Störung. Unter dieser Krankheit leidet Melle selbst. Der Autor steht zu Recht auf der Shortlist. Er lenkt den Fokus auf Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen und das empfinde ich als extrem wertvoll. Sein Schreibstil ist flüssig, eingängig und sehr gut verständlich. Ich mochte „Die Welt im Rücken“ schon sehr gerne und bewundere seine Stärke, sich so verletzlich und authentisch zu zeigen. Man möchte ihm selbst und auch dem Protagonisten seines Textes diese ganze Last abnehmen und das Leben genießen lassen. Besondere Traurigkeit empfand ich, als ich las, wie oft Melle im „Die Welt im Rücken“ und auch sein Protagonist in „Haus zur Sonne“ das Bedürfnis hatten, sich bei den engsten Mitmenschen zu entschuldigen. Ich kann das total nachvollziehen, dennoch dachte ich die ganze Zeit, dass er doch als erkrankte Person besonderen Schutz verdient. Denn ihm müssen doch diese ganzen manischen und depressiven Phasen am allermeisten ängstigen. Er selbst kann sich nicht von seinem ICH abwenden. Er steckt fest. Ich wünsche ihm beruflich und privat, dass er sowohl erfolgreich ist aber auch zur Ruhe kommt und irgendwann einfach leben kann. Eine sehr bewegende Person mit großem Talent.
Sich das Leben zu nehmen zu wollen kann für andere ganz schön anstrengend sein
Thomas Melle legt mit Haus zur Sonne einen Auftakt hin, der fast schon unverschämt gut ist: klar, nah, präzise, mit einer Authentizität, die sofort an reale therapeutische Prozesse erinnert. Man denkt: Okay, das könnte richtig stark werden. Dann aber beginnt der Text, sich selbst im Weg zu stehen. Die Struktur zerfasert, die Episoden mäandern, und die berüchtigten Simulationen ziehen sich in einer Länge dahin, die man wohlwollend als „experimentell“ bezeichnen könnte — oder ehrlicher: elend lang. Irgendwann liest man nicht mehr, man arbeitet sich durch. Das große Finale, das „Schloss“, wirkt schließlich wie ein ironischer Kommentar auf das eigene Versprechen: viel Symbolik, wenig Wirkung. Ein Ende, das eher verpufft als irgendetwas zu bündeln. Fazit: Ein Buch, das brillant startet, sich dann aber in Wiederholungen, überdehnten Simulationen und erzählerischer Selbstauflösung verliert. Am Ende bleibt weniger Erkenntnis als Erschöpfung.

4/5 Sterne Puh, dieses Buch hat mich viel nachdenken lassen, mir aber auch klargemacht, wie wenig ich eigentlich davon in Worte fassen kann. Ich habe keine Ahnung wie ich hier eine Rezi schreiben soll, die irgendwie aussagekräftig ist und doch will ich eigentlich so viel sagen. Der Protagonist durchlebt hier wohl so sämtliche Phasen, die es gibt, wenn man psychisch krank ist. Bis hin zum Todeswunsch, der dann aber sobald es eigentlich so weit sein könnte, auch wieder in ganz viele widersprüchliche Phasen unterteilt ist. Akzeptanz, Widerstand, Wut, Verzweiflung, Resignation...irgendwann dreht sich alles ein bisschen im Kreis und man bekommt irgendwie auch kein besseres Verständnis, alles ist irgendwie einfach nur eine Spirale, der man kaum auf den Grund gehen kann. Auch was es mit dem Haus eigentlich genau auf sich hat, bleibt so ungeklärt, dass ich erst unzufrieden war. Aber eigentlich ist es doch genau das. Das Leben...was hat es auf sich damit? Es sind tägliche Spiralen, mit denen wir zu kämpfen haben. Und Suizidalität ist nicht gleich Suizidalität, nicht immer ist es der buchstäbliche Tod, den man sich herbeisehnt...ist das Haus einfach nur eine Metapher? Ich weiß es nicht. Ich bin verwirrt und weiß nicht, wie ich den Gedankenklumpen ordnen soll. 🫠 Das Buch hat aber einiges aufgewirbelt in mir und mich fasziniert.
Geschafft. (Bisschen unter Zeitdruck, da ich es in der Bibliothek zurückgeben muss, aber es hat sich gezogen.) Ich empfehle vorher "Die Welt im Rücken" zu lesen, worin der Autor nachvollziehbar und eindrücklich sein Erleben der bipolaren Erkrankung beschreibt. "Haus zur Sonne" baut darauf auf in Form eines Gedankenexperiments: Sterbewillige können eine gute letzte Zeit verleben und mittels Simulationen Erlebnisse haben, die sie sich wünschen. Teil des Vertrags ist am Ende der Tod. Und was möchte man dann alles noch erleben? Gar nicht so einfach und fällt auch den Klienten nicht leicht zu entscheiden. Was macht noch Sinn, wenn es demnächst sowieso auf den Tod hinausläuft? Und kann der Todeswunsch noch wieder rückgängig gemacht werden? Der Text ist eine Auseinandersetzung mit dem Wert des Lebens auch im Kontext nicht heilbarer psychischer Erkrankungen, mit assistiertem Suizid, dem freien Willen, einem Machtgefälle in psychiatrischen Kliniken und einigem mehr. Für mich hätten es allerdings ca 100 Seiten weniger sein dürfen. Vor allem die Beschreibungen der Simulationen haben sich schon in die Länge gezogen.
TW psychische Erkrankung, Suizid Thomas Melle schrieb schon in "Die Welt im Rücken" über seine schwere psychische Erkrankung, die Bipolarität. Mit dem damaligen Buch hoffte er, die Krankheit durch genaues Beschreiben beherrschbar zu machen, aber wenige Jahre später erleidet er einen weiteren Schub, der noch schlimmer und lebenszerstörender als alle bisherigen waren. Wir lesen viel über diese Erkrankung, Melles Leiden und auch die permanente Beschäftigung mit dem Thema Suizid. Melle fügt aber seiner persönlichen Geschichte noch die Geschichte um eine fiktive Klinik hinzu, die vom Staat finanziert wird und Menschen, die nicht mehr produktiv sind, diskret aus der Gesellschaft entfernen kann. Das Buch ist hart zu lesen, Melle beschönigt nichts, die Lesenden erfahren viel über diese entsetzliche Krankheit. Die Geschichte rund um die Klinik ist spannend und ein kluges wie dystopisches Gedankenspiel. Das Buch und auch das Schicksal des Autors bewegt mich sehr und wird mich sicher noch lange beschäftigen.
Pure Überforderung
‚Will, wer nicht mehr leben will, denn wirklich sterben?‘ Dieser Satz hat mich dazu bewogen, mir das Buch zu kaufen. Einen so tiefen Einblick in Depressionen und Manien zu bekommen war absolut überfordernd, überwältigend und erschreckend. Viele Kapitel haben sich enorm gezogen aber ich bin mir sicher, dass dies genau so gewollt ist, um all diese unterschiedlichen Gefühle beim Leser zu wecken (Verzweiflung, Wahn, Realität, Derealisierung, Dissoziation usw.). Zwischen drin hab ich für mich leider das Interesse stark verloren, weil es sich dann doch einfach zu lange gezogen hat. Das Ende habe ich wieder verschlungen und es lässt mich ratlos zurück. Wahrscheinlich habe ich mir auf das Anfangszitat meiner Bewertung eine Antwort erhofft, die es wohl nicht gibt.
Ein Roman der lange im Gedächtnis bleibt
„Das Haus zur Sonne“ von Thomas Melle ist keine leichte Lektüre, denn es geht um Depressionen, Todessehnsucht und psychischen Erkrankungen. Das Buch steht auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis und als ich davon gehört habe, war ich sehr gespannt auf die Geschichte. Wir lernen den depressiven Protagonisten kennen, der nach zwei Jahren manisch depressiver Phase mit seinem Leben abgeschlossen hat. Ihm erscheint seine Situation aussichtslos und so begibt er sich in „Das Haus zur Sonne“ das ist eine staatliche Einrichtung, in der Menschen aufgenommen werden die ihr Leben endgültig beendet möchten. Das besondere am Haus zur Sonne ist, das vor dem Tod alle Wünsche, mit Hilfe von virtuellen Simulationen, erfüllt werden. Mich hat die Geschichte sehr berührt und ich hatte großes Mitleid mit dem Protagonisten, es ist allerdings auch interessant und aufschlussreich, denn man bekommt einen guten Einblick in das Leben und die Gedanken von Menschen mit manischen Depressionen und psychischen Erkrankungen. „Das Haus zur Sonne“ ist bestimmt der tiefgründigste Roman den ich dieses Jahr gelesen habe und der mir sicher noch einige Zeit im Gedächtnis bleibt, da er zum nachdenken anregt. Ich drücke Autor Thomas Manne die Daumen für den Deutschen Buchpreis.

Ein schwieriges Buch zu einem Thema, dem ich mich in dieser Intensität noch nicht gewidmet habe (und zum Glück auch nicht musste) - das mich aber stark fesselte und berührte.
Der Plot ist schnell erzählt und es passiert auch faktisch nicht viel - dafür ist die Erzählstruktur und die Sprache wirklich bemerkenswert. Das was die Krankheit des manisch-depressiven Ich Erzählers ausmacht, das finde ich auch im formalen Aufbau. Dieses Hoch und Tief, diese ständigen Schwankungen , die Verzweiflung, die Trauer, aber auch die Hoffnung und der Trost, dies alles erliest und fühlt man in ständigem Wechsel. Zum Teil fühlte ich mich selbst wie in einem Wahn. Alles ist wirklich grandios erzählt - in einer feinen, poetischen Sprache. Neben dem wirklich beeindruckenden und überzeugenden Einblick in die Krankheit (hier weiß einer, worüber er schreibt), wird zudem der Umgang unserer Gesellschaft mit psychischen Erkrankungen beleuchtet und die Bedeutung von Träumen thematisiert. Wirklich große Literatur!
Schläft oder letzte Station vor dem Tod?
Bei einer bipolaren Störung sind Stimmungsschwankungen sehr ausgeprägt. Tiefe Depressionen und überschäumende Manien treten ohne äußeren Anlass, episodenhaft auf und können Tage, Monate, ja sogar Jahre andauern. Dabei werden Beruf, Beziehungen und Alltag massiv beeinträchtig. In manischen Phasen können Betroffene riskantes oder unüberlegtes Verhalten zeigen, das sie später bereuen, in depressiven Phasen können Suizidgedanken auftreten. Thomas Melle leidet an dieser psychischen Erkrankung, wie wir aus seinem Buch „Die Welt im Rücken“ wissen und so liegt es nah, dass sein ICH-Erzähler direkt mit seiner Person in Verbindung gebracht wird. Dieser möchte nun definitiv sterben. Doch in seiner Welt gibt es das Haus zur Sonne, eine Art Sanatorium , in dem dir der Tod garantiert wird, dir aber vorher deine Wünsche erfüllt werden. Begleitet werden ihm immer wieder Möglichkeiten aufzeigt. Dabei geht es nicht unbedingt um materielle Dinge. Oft wird sich auf das zwischenmenschliche konzentriert, soziale Interaktionen jeglicher Art oder Lebensläufe, die vom wirklichen abweichen. Sogar der Tod findet seinen Platz auf dem Wunschzettel. Diese Situationen werden simuliert und fühlen sich real an. Manchmal ist er der aktive Part, manchmal ist er der Zuschauende. Er lernt viele Menschen kennen. Zur wichtigsten Personen mutiert Vera. Mit ihr spricht er über die Widersprüche zwischen Simulation und Wirklichkeit, über Lebensmüdigkeit und über die Frage, ob die Erfüllung von Wünschen überhaupt helfen kann. Sie ist keine Lehrerin, sondern eher eine fragile Gefährtin, die dieselben existenziellen Fragen umtreibt. Währenddessen sind wir auch mit Rückblicken auf sein Leben konfrontiert und wer den Vorgängerband nicht gelesen hat, bekommt angemessen Input, über Erkrankung, Form und Auswirkungen, die sie auf das Leben des Erzählers genommen hat Kernthema aber ist die Frage danach, was den Todeswillen, verstärkt oder ihn aufhalten kann und das wird sehr differenziert betrachtet. Möchte man immer noch sterben, wenn einem jeder Wunsch erfüllt wird? Ich gebe zu, ich hatte sehr großen Respekt vor diesem Buch. Einerseits ist die Thematik für mich sehr schwer auszuhalten. Und so machte sich auch schnell ein beklemmendes Gefühl in mir breit, sobald der Autor uns zu den Auswirkungen dieser Erkrankung führte. Andererseits konnte ich mir nicht vorstellen, dass er mich über 300 Seiten faszinieren konnte – doch er hat es geschafft! Das lag vor allem an der einnehmende Erzählweise, die mich an Melles Lippen hängen ließ. Hier ist nichts verschnörkelt, nichts kompliziert, aber auch nicht gradlinig oder süffig. Es ist der Plauderton, der mich mit Pragmatismus und einer Beiläufigkeit die Emotionen transportiert, bei der Stange hielt. Ich könnte mir vorstellen, dass es Melle viel Kraft gekostet hat sich so intensiv mit dem erwünschten Tod und den erforderlichen Bedürfnissen, um Lebenswillen zu produzieren, zu beschäftigen. Bisweilen ist das Buch etwas redundant. Ich konnte das aber gut aushalten, da der Stoff schon komplex ist und das ständige wiederholen von leicht abgeänderten Szenen und Gesprächen, umso eindringlicher für mich wurde. Ich empfehle das Buch also allen, die sich mit gehaltvollen Büchern und psychischen Erkrankungen beschäftigen möchten und dabei einen angenehmen Schreibstil schätzen.
Ein Highlight!
Wow. Dieses Buch hat mich extrem berührt. Die Herangehensweise an dieses harte Thema fand ich unfassbar spannend. Ich musste mir Zeit lassen, weil es mich teilweise zu sehr „mitgenommen“ hat und ich Pausen brauchte um das gelesene zu reflektieren. Das tut dem Buch aber keinen Abbruch - ganz im Gegenteil. Von Anfang bis zum Ende war dieses Buch ein echtes Highlight für mich.
Ein Buch dass sehr realistisch und authentisch über das Thema bipolarer Störung informiert und uns diese Sicht zeigt.
Ein Buch das bestimmt nicht für jedenwas ist, weil wie hier unseren Protagonisten begleiten, der immer wieder grübelt und sich manche Sachen wiederholt. Finde aber genau das, dass ist es was das Buch authentisch und realistisch macht. Auch wenn ich mich bipolarer Störung keine Berührungspunkte habe, hat mich dies in diesem eher dystopischen Setting überzeugt. Nur bin ich persönlich mit dem Ende nicht zufrieden. Wer hat das Buch schon gelesen und was sagt ihr dazu? Brauche unbedingt jemand zum Austausch! Bitte melden. Danke 😊
Für mich ein absolutes Jahres - Highlight. Eine Mischung aus autobiographischen Roman und Fiktion. Sterben oder Leben... Ich erkenne auch Parallelen zu Thomas Manns "Der Zauberberg". Ein ganz besonderer Roman aus Offenheit, Reflexion, menschliche Tiefe und literarische Anspruch. So sehr die Geschichte von Hoffnungslosigkeit getragen wird, so blitzen dennoch immer wieder Momente des Lichts auf. Ein sehr beeindruckendes Werk!
Für mich ist 𝘏𝘢𝘶𝘴 𝘻𝘶𝘳 𝘚𝘰𝘯𝘯𝘦 ein wichtiges Buch, weil es eine Seite des Lebens zeigt, die wenige kennen und über die noch weniger offen gesprochen wird. Gleichzeitig muss man klar sagen: Es ist KEIN Buch für Menschen, die Schwierigkeiten haben, Texte über Depression und su!zidale Gedanken zu lesen. Diese Themen nehmen einen sehr großen Raum ein, die innere Zerrissenheit des Protagonisten dreht sich immer wieder darum.
💡 𝘋𝘪𝘦 𝘝𝘦𝘳𝘯𝘪𝘤𝘩𝘵𝘶𝘯𝘨 𝘩𝘢𝘵𝘵𝘦 𝘨𝘦𝘸𝘶̈𝘵𝘦𝘵 𝘪𝘮 𝘒𝘰𝘴𝘵𝘶̈𝘮 𝘦𝘪𝘯𝘦𝘴 𝘣𝘰̈𝘴𝘦𝘯 𝘊𝘭𝘰𝘸𝘯𝘴. 𝘞𝘦𝘯𝘯 𝘮𝘢𝘯 𝘣𝘦𝘥𝘦𝘯𝘬𝘵, 𝘥𝘢𝘴𝘴 𝘔𝘢𝘯𝘪𝘦𝘯 𝘮𝘦𝘪𝘴𝘵 𝘯𝘶𝘳 𝘞𝘰𝘤𝘩𝘦𝘯 𝘥𝘢𝘶𝘦𝘳𝘯, 𝘬𝘢𝘯𝘯 𝘮𝘢𝘯 𝘴𝘪𝘤𝘩 𝘴𝘤𝘩𝘰𝘯 𝘧𝘳𝘢𝘨𝘦𝘯, 𝘸𝘪𝘦𝘴𝘰 𝘢𝘶𝘴𝘨𝘦𝘳𝘦𝘤𝘩𝘯𝘦𝘵 𝘪𝘤𝘩 𝘥𝘪𝘦𝘴𝘦𝘴 𝘢𝘣𝘴𝘶𝘳𝘥𝘦 𝘑𝘢𝘩𝘳𝘦𝘴𝘭𝘰𝘴 𝘨𝘦𝘻𝘰𝘨𝘦𝘯 𝘩𝘢𝘵𝘵𝘦. [...] 𝘋𝘢𝘯𝘯 𝘧𝘰𝘭𝘨𝘵𝘦𝘯 𝘻𝘸𝘦𝘪 𝘸𝘦𝘪𝘵𝘦𝘳𝘦 𝘑𝘢𝘩𝘳𝘦 𝘢𝘭𝘴 𝘥𝘦𝘱𝘳𝘦𝘴𝘴𝘪𝘷𝘦𝘴 𝘌𝘭𝘦𝘯𝘥, 𝘷𝘰𝘭𝘭𝘦𝘳 𝘚𝘤𝘩𝘢𝘮 𝘶𝘯𝘥 𝘚𝘤𝘩𝘢𝘯𝘥𝘦, 𝘦𝘪𝘨𝘦𝘯𝘵𝘭𝘪𝘤𝘩 𝘶𝘯𝘧𝘢̈𝘩𝘪𝘨 𝘻𝘶 𝘭𝘦𝘣𝘦𝘯 ⁽ᵁᴺᴮᴱᶻᴬᴴᴸᵀᴱ ᵂᴱᴿᴮᵁᴺᴳ ⁻ ᴿᴱᶻᴱᴺˢᴵᴼᴺˢᴱˣᴱᴹᴾᴸᴬᴿ⁾ 💭 Danke an @kiwi_verlag für das Rezensionsexemplar! 𝘏𝘢𝘶𝘴 𝘻𝘶𝘳 𝘚𝘰𝘯𝘯𝘦 von Thomas Melle ist ein eindringliches und zugleich schweres Buch, das mich nachhaltig beschäftigt hat. Es ist autofiktional angelegt und beschreibt den Absturz in eine tiefe Depression nach einer langen manischen Phase. Gerade dieser extreme Kontrast zwischen Hochgefühl und totaler Hoffnungslosigkeit wird hier schonungslos greifbar gemacht. Melle führt vor Augen, wie sich Scham über das in der Manie Geschehene mit Kraftlosigkeit und Verzweiflung in der Depression verbindet. Es wirkt so nachvollziehbar, dass es mir beim Lesen den Atem nahm. Besonders eindrucksvoll ist die Passage, in der der Erzähler die Zusage für das 𝘏𝘢𝘶𝘴 𝘻𝘶𝘳 𝘚𝘰𝘯𝘯𝘦 bekommt. Eine Einrichtung, in der letzte Wünsche erfüllt werden, bevor die Bewohner ihrem Leben ein Ende setzen. Doch schnell stellt sich die Frage: Ist das hier wirklich Sterbehilfe, oder gleicht es nicht doch eher Mord? Wir lernen andere Bewohner kennen, die sich in Simulationen ihre Wünsche erfüllen lassen: eine Umarmung, ein Date, Machtfantasien oder sogar das Durchleben verschiedener Todesarten. Teilweise begleiten wir den Erzähler selbst in diese Simulationen, doch auch hier stößt er immer wieder an Grenzen, fühlt sich unverstanden oder bemerkt technische Störungen, die die Illusion brüchig machen. Und dann steht noch die Frage im Raum: Was passiert, wenn ein Bewohner plötzlich doch seine Meinung ändert? Für mich ist 𝘏𝘢𝘶𝘴 𝘻𝘶𝘳 𝘚𝘰𝘯𝘯𝘦 ein wichtiges Buch, weil es eine Seite des Lebens zeigt, die wenige kennen und über die noch weniger offen gesprochen wird. Gleichzeitig muss man klar sagen: Es ist KEIN Buch für Menschen, die Schwierigkeiten haben, Texte über Depression und su!zidale Gedanken zu lesen. Diese Themen nehmen einen sehr großen Raum ein, die innere Zerrissenheit des Protagonisten dreht sich immer wieder darum. Trotzdem – oder gerade deswegen – ist es eine sehr besondere Lektüre. Ich bin froh, dass ich sie gelesen habe, und bin mir sicher, dass ich mir auch Melles anderes Werk sowie künftige Bücher noch genauer anschauen werde. ⭐️⭐️⭐️⭐️☆,₅

Ein beeindruckendes Werk
"Haus zur Sonne" von Thomas Melle befindet sich meiner Meinung nach zu Recht auf der Shortlist des Deutschen Buchpreis 2025. Ich habe es als Hörbuch gehört, eingelesen von Jens Harzer. Mit "Haus zu Sonne" knüpft Thomas Melle an sein Werk "Die Welt im Rücken" an, in dem er sein eigenes Leben mit einer bipolaren Störung beschreibt. In diesem Buch nimmt er das Thema wieder auf und beschreibt teils autobiographisch, teils fiktional sein weiteres Leben. Nach einer langen manischen Phase, in der er sich um fast alles gebracht hat, befindet sich der Protagonist in der depressiven Phase und möchte nicht mehr weiter leben. Es fällt ihm der Flyer vom "Haus zu Sonne" in die Hand. Dort soll er sein Leben, aber auch seinen Tod, selbst bestimmen können. Dazu werden den Kunden/Klienten im Haus der Sonne Wünsche erfüllt. Nichts ist unmöglich, bedient sich dieses Haus doch modernster Technik. Aber kann die Erfüllung dieser Wünsche den Klienten helfen? Der Protagonist lernt andere Personen mit den gleichen Problemen kennen, führt tief gehende Gespräche über das Leben, aber auch über den Tod. Diesen Roman konnte ich nicht ohne Pause hören, zu tief hat mich die Geschichte berührt und ich brauchte immer wieder eine Unterbrechung, um Gehörtes sacken zu lassen und zu verarbeiten. Die Kombination aus Wirklichkeit und Fiktion ist Melle überzeugend gelungen. Seine Art zu (be)schreiben hat mich tief beeindruckt. Er versteht es, seine Depression und Todessehnsucht fühlbar zu machen. Dabei weckt er auch das Verständnis für die Menschen, die unter einer bipolaren Störung leiden und macht vieles klar, baut Vorurteile ab. Am Anfang fand ich die Stimme von Jens Harzer etwas gewöhnungsbedürftig. Aber: seine Art zu lesen und auch die Stimme passen hervorragend zu diesem schweren Thema. Er hat das Gefühl für Nuancen und vermittelt diese sehr empathisch. Dieses Werk von Thomas Melle ist kein leichter Stoff, den man einfach so durchliest. Aber gerade die Pausen, die ich eingelegt habe, haben das Werk für mich umso intensiver gemacht. Ich wünsche Thomas Melle den Deutschen Buchpreis 2025 von ganzem Herzen! Von mir bekommen Autor und Werk volle 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung!
Hoch interessant aber für mich zu lang gezogen.
Im Buch „Haus zur Sonne“ geht es um eine Person mit einer Bipolaren Störung, die keinen Ausweg außer den Tod findet. Sie entschließt sich bei der Institution Haus der Sonne zu bewerben. Da wird einem jeder Wunsch erfüllt aber am Ende stirbt jeder. Das ist die Voraussetzung. Die Lektüre ist nicht ohne! Wenn man vor hat dieses Buch zu lesen, sollte man sich mit der Erkrankung Bioplare Störung auseinandersetzen. Die Themen Sui*id und T*d sind hier auch schwerpunktmäßig vertreten. An sich fand ich es sehr interessant ein Buch von einer Person zu lesen, die selbst von dieser Erkrankung betroffen ist. Ich konnte mich gut in die Gedanken & Gefühle hineinversetzen. Ich konnte das Buch nicht komplett an einem Stück lesen und das obwohl die Kapitel sehr kurz sind und das Buch relativ dünn ist. Ich musste zwischen den Kapiteln eine Pause machen um darüber nachzudenken was ich da gelesen habe. Die Handlung an sich war zum Ende hin sehr lang gezogen und ich hatte das Gefühl, dass sich die Handlung immer und immer wiederholt. Ich empfehle es weiter, wenn man sich mit den oben genannten Themen beschäftigen möchte. *Rezensionsexemplar
Sehr tolles und wichtiges Buch!
„Ich will mir keine Gewalt antun. Ich will nur weg sein. Keiner hat mich gefragt, ob ich überhaupt da sein wollte.“ S. 208 Haus zur Sonne war für mich ein Buch, das ich irgendwie schnell hinter mich bringen wollte. Nicht weil es schlecht war, sondern weil es einen Sog entwickelt. Je länger ich darin verweile, desto tiefer zieht es mich hinein. Haus zur Sonne ist ein besonderes Buch, weil der Autor an einer ebenso schweren Erkrankung leidet wie der bipolar gestörte, namenlose Protagonist. Dieser findet sich in einer fiktiven Hospiz-Ähnlichen Einrichtung wieder, wo ihm vor seinem Ableben noch einmal alle Wünsche erfüllt werden können. Doch was wünscht sich ein Mensch, der als einzigen Ausweg aus seiner Krankheit das Verschwinden wählt? Wer ein chronologisches, sinnstiftendes Erzählen sucht, ist hier falsch. Stattdessen verlieren wir uns in den Gedankenschleifen eines manisch-depressiven Bewusstseins: ein nicht enden wollender Strudel. Trotz dieses Chaos ist das Buch unfassbar präzise geschrieben und zeugt von einer intellektuellen Schärfe in der Wortwahl. Es erinnert weniger inhaltlich als formal an Dostojewskis Aufzeichnungen aus dem Kellerloch: dieselbe kreisende Selbstbefragung, dieselbe aggressive Intimität des Bewusstseins.
"Und deshalb willst du aufgeben? Kann damit nicht leben, mit den richtigen Medikamenten? Manchmal helfen sie eben doch nicht. Und die letzte Manie war so stark, dass nun kaum mehr was übrig ist. Das wird nichts mehr mit mir. Ich bin nur noch ein Rest, ein Sumpf, mehr nicht." Stell dir vor du leidest an einer psychischen Erkrankung oder einer körperlichen Einschränkung und der Leidensdruck ist so hoch, dass keine Heilung möglich ist und du dein Leben beenden möchtest. Für diesen Wunsch gibt es einen Ort, keine Klinik, kein Sanatorium und es wird sogar vorm Staat finanziert. Schon unglaublich. Der Hauptcharakter im Roman leidet an an einer bipolaren Störung. Nach einer 2 jährigen manischen Phase, hängt er jetzt in einer tiefen Depression fest und will nicht mehr. Da entdeckt er Werbung vom "Haus zur Sonne". Eine Einrichtung die, die letzten Tage, Wochen so angenehm wie möglich gestalten möchte. Mit Hilfe von Traumfrequenzen, welche alle mögliche Wünsche erfüllen, ist dies möglich. Doch der eigene Tod ist das Ende des Aufenthalts und wird immer wieder in den Fokus geschoben... Doch langsam treten Zweifel auf, will ich noch abtreten, oder doch weiter leben, hänge ich in eine Frequenz fest - was ist Traum, Wunsch und Realität. Ein wunderbarer, grausamer, erschreckender und nachdenkender Roman von Thomas Melle. Wie schnell man auf eine Werbung reinfällt und den Unterschied zwischen Traum und Realität verliert. Ich hoffe er gewinnt den Buchpreis 2025. Auf alle Fälle eine Leseempfehlung
Es ist wirklich schwierig sich in seinem Umfeld mit psychischen Erkrankungen auseinander zu setzen. Wie so vieles, gehören psychische Erkrankungen zu Dingen über die nicht gesprochen wird! Wie schrecklich und unfair, ganz besonders für Menschen die betroffen sind und deren Angehörigen! Umso wichtiger sind Bücher wie diese! Was gibt es im Leben noch zu leben wenn durch eine psychische Erkrankung alles zerstört wurde? In der Institution „Haus zur Sonne“ sollen Menschen die des Lebens leid sind ihr letztes Glück finden können, und das erleben was sie schon lange herbei sehnen, den Tod! Puh, ich bin in das Buch irgendwie reingeraten. Ich wollte die sechs Bücher der Short List lesen und habe mich mit dem Inhalt des Buches zu erst gar nicht gross beschäftigt. Nach den ersten Zeilen dann aber schon. Manien, Selbstmord und psychische Erkennungen sind normalerweise nicht der Inhalt von Büchern die ich sonst so lese. Lange hab ich überlegt ob ich das Buch wirklich lesen will! Aber ich habe! Und es war so gut! Psychische Erkrankungen gehören nun mal zum Leben dazu! Es ist schlimm zu lesen wie alleine und Selbstaufgebend sich Menschen mit diesen Erkrankungen fühlen. Das Haus zur Sonne war auch erschreckend! Mit den Ängsten, Hoffnungen und Sorgen der Menschen Geld zu verdienen ist immer unvorstellbar grausam! Nicht mehr zu wissen ob man leben oder sterben will, unvorstellbar. Wenn man dann noch den Hintergrund kennt, der Autor ist selbst erkrankt, macht mich das einfach nachdenklich. Einige Stellen warne mir ein wenig zu langatmig, aber das war vielleicht auch nötig um alles überhaupt verdauen zu können. Schwere Kost, aber ein wichtiger Beitrag für mehr gesehen werden in der heutigen Gesellschaft!
Nicht nur raumsemantisch behandelt das Buch ein wichtiges Motiv: Das Durchbrechen von Grenzen jeglicher Art (und dabei v. a. die situative Begrenzheit des eigenen Horizonts) für mehr Vertrauen, Zuversicht und Resilienz.
"Etwas funkelte auf, ein Streif im Schwarzen, vielleicht eine Lichtspiegelung, es glitzerte und funkelte, und ich wusste, dass das der Zaun sein könnte und dass der Zaun die Grenze war und dass, wenn ich diese Grenze überquerte, ich entweder frei oder weg wäre. Machte es noch einen Unterschied? Es gab kein Zurück mehr. Das Funkeln kam näher und näher, und ich meinte ein elektrisches Knistern zu hören. Das Knistern übernahm, war überall in der Atmosphäre, in meinen Gehörgängen, in der Luft, in meinem Kopf. Ich lief schneller, noch schneller. Die Füße stampften in den Waldboden. Nie mehr zurück, nie wieder, nirgendshin. Langsam wurde es heller."
Berührend, aber zu lang.
Die Stärke dieses Buches ist für mich, dass ich als Leserin ohne Depressionen einen Eindruck – und damit auch mehr Verständnis – für das Leben mit Depressionen (und hier speziell mit einer bipolaren Störung) bekommen habe. Mich hat das tief berührt und mit viel Empathie zurückgelassen. Wie viele Höhen und Tiefen kann ein Mensch ertragen? Ja. 1,5 Sterne Abzug gibt’s für die Länge des Buches. Es hätten ruhig 100 Seiten weniger sein können. Auch in der Grundidee des Hauses zur Sonne wurde meiner Meinung nach zu viel Potenzial liegen gelassen. Das Ende war enttäuschend.
Richtig harter Stoff, also unbedingt vorher mit dem Inhalt beschäftigen und gut für sich abwägen, ob man das gut verkraften wird. Ich fand die Sprache toll und das Thema wichtig und eigentlich auch sehr spannend, aber irgendwie ist das Buch so 100-150 Seiten zu lang und verliert dadurch bei mir den letzten Punkt.
Idee und Motive unheimlich innovativ, aber musste es abbrechen, da sich Inhalte der Gedankenwelt derart wiederholt und langwierig gestaltet haben, so dass es ein Kampf war bis zur nächsten Seite zu kommen.
Ein Protagonist, der sich immerwährend um sich selbst dreht und die spannende Vision des Haus der Sonne verliert schnell an Reiz.
Das Buch hat sich angefühlt wie ein Fiebertraum, ich könnte nicht wiedergeben, was genau ich gelesen habe, aber konnte das Buch auch nicht aus der Hand legen. Durch die kurzen Kapitel wollte ich immer noch eines mehr lesen. Die Einblicke ins Innenleben eines Manisch-depressiven sind sehr spannend geschildert auch wenn es sehr viele dieser Einblicke gibt, die sich inhaltlich manchmal wiederholen und gleichzeitig trotzdem Neues vermitteln. Generell hat es der Autor geschafft Gefühle aufs Papier zu bringen, was das Buch aber definitiv nicht zu einem feel good Roman macht. Einiges hätte schon kürzer sein können, vor allem die ersten 2/3 und gegen Ende ist dann relativ viel passiert, gleichzeitig passt diese Art des Aufbaus aber auch zum Buch. Nichts für zwischendurch, man sollte sich schon darauf einlassen da es meiner Meinung nach kein Buch ist, dass man in wenigen „Sitzungen" durch hat. Trotzdem ein sehr spannender Zugang zum Thema Tod und der Manischen Depression und definitiv auch etwas für Psychologie interessierte.
Der Ich-Erzähler in Thomas Melles Roman "Haus zur Sonne" hat eine bipolare Störung, zu Beginn der Geschichte taucht er gerade aus einer sehr lange andauernden manischen Phase auf und steht vor dem Nichts: Kein Geld, keine Freund*innen, kein Beruf, kein Rückzugsort. Bei einem Termin auf dem Arbeitsamt eröffnet sich ihm unverhofft eine neue Perspektive, die er zunächst für einen schlechten Scherz hält. Finanziell unterstützt von der Regierung wurde das "Haus zur Sonne" eröffnet, eine Einrichtung, in die Menschen gehen können, wenn sie ihren Lebenswillen verloren haben. Vor ihrem Tod dürfen sie in verschiedenen Illusionsszenarien all ihre Wünsche durchleben, der Tod selbst wird begleitet von medizinischem Personal. Der Erzähler entscheidet sich für einen Aufenthalt im "Haus zur Sonne" - ohne eine Chance auf Rückkehr in sein bisheriges Leben. Thomas Melles Roman ist eine äußerst bedrückende Lektüre, die Fragen aufwirft, die mich beim Lesen stark beschäftigt haben: Wie viel Selbstbestimmung ist möglich, wenn das Leben von einer psychischen Krankheit fremdgesteuert ist? Wollen Menschen, die nicht mehr leben möchten, wirklich sterben? Ist eine Einrichtung wie das "Haus zur Sonne" tatsächlich so selbstlos, oder soll hier vielmehr der "Ballast" der Gesellschaft ohne großes Aufsehen entsorgt werden? Thomas Melle hat selbst eine bipolare Störung, weiß also sehr genau, von was er in seinem neuen Buch schreibt. Es ist sehr Ich-bezogen, was hier aber durchaus gut passt, das Lesen an der ein oder anderen Stelle aber etwas zäh gestaltet, vor allem wenn eine "Was wäre wenn"-Illusion nach der anderen geschildert wird. Mich hat "Haus zur Sonne" auch lange nach dem Lesen noch lange beschäftigt, ein extremer, nüchterner und sehr persönlicher Roman.

Der Einstieg in das Buch war wirklich stark - atmosphärisch dicht und mit einem spannenden Konzept. Doch je weiter die Geschichte fortschritt, desto mehr verlor sie für mich an Schwung. Der namenlose Protagonist, der mit seiner bipolaren Störung, zwischen Manie und Depression, hin- und hergerissen ist, wirkt unglaublich authentisch - aber genau das macht das Lesen teilweise auch anstrengend. Man ist so sehr in seinen Gedankenschleifen gefangen, dass es schwerfällt, noch Spannung oder Entwicklung zu spüren. Die vielen Simulationen, die er durchlebt, waren zu Beginn faszinierend, nutzen sich aber mit der Zeit ab. Die Nebenfiguren hätten für mich mehr Tiefe vertragen - vieles wurde angerissen, aber nicht wirklich ausgeführt. Besonders das Haus zur Sonne hatte so viel erzählerisches Potenzial, das leider kaum genutzt wurde. Positiv fand ich die kurzen Kapitel und einige wirklich zitierwürdige Passagen, die zeigen, wie sprachlich stark das Buch an vielen Stellen ist. Gesellschaftlich ist es ohne Frage relevant und verdient, dass es für den Deutschen Buchpreis nominiert wurde. Thematisch ist es kein leichtes Werk, aber ein wichtiges. Das Ende hat mich dann allerdings enttäuscht. Ich hatte mit vielem gerechnet, aber nicht damit - und es hat für mich leider nicht ganz rund abgeschlossen. Fazit: Empfehlen würde ich das Buch vor allem wegen seiner tiefgehenden und ehrlichen Einblicke in die Themen bipolarer Störung, Manie und Depression. Als Geschichte selbst konnte es mich nicht vollständig überzeugen, aber die psychologische Perspektive und die gesellschaftliche Relevanz machen es trotzdem lesenswert. - - - Danke an NetGalley und Kiepenheuer & Witsch für das Rezensionsexemplar!
4,25 ✨️ Das Buch schafft es wirklich, beim Leser ein Gefühl der depressiven Lethargie und Unentschlossenheit zu erwecken, dadurch fühlt man mit dem Protagisten regelrecht mit. Das Ende hat mich überrascht, da ich selbst bereits mit der Figur abgeschlossen hatte. Offene Enden sind eigentlich nicht meins, aber hier fand ich es passend - der Leser kann entscheiden, was für ihn die "richtige" Fortsetzung ist. Für meinen Teil weiß ich, dass der Weg noch weiterging.
Das Haus zur Sonne ist eine staatlich finanzierte Einrichtung für Menschen, die nicht mehr können. Wer dort aufgenommen wird, checkt für mehrere Wochen ein, mit der Bedingung: Am Ende muss jede*r sterben. Davor jedoch werden im „Haus zur Sonne“, mithilfe von hochkomplexen Simulationen, alle Wünsche erfüllt. einmal Diktator*in sein, ein Leben ohne psychische Krankheit erleben, die Welt aus der Sicht eines Tieres sehen oder die Geheimnisse des Universums entschlüsseln. Alles ist möglich. Nur am Ende steht die Entscheidung über die eigene Todesart. Verführerisch und furchteinflößend zugleich. Autor Thomas Melle, selbst an einer bipolaren Störung erkrankt, schreibt hier autofiktional und schonungslos ehrlich. Er beschreibt Depressionen, wie sie sind: grau, verzweifelt, ungeschönt, und zeigt dabei eine entwaffnende Offenheit und Verletzlichkeit. Wir begleiten ihn auf seinem Weg durch das Haus zur Sonne, tauchen in seine Simulationen ein und fragen uns unweigerlich: Was würden wir uns simulieren lassen? Den Super-Bowl-Sieg der Bills? Live dabei? Man wird ja wohl noch simulieren dürfen. Am Ende steht der Ich-Erzähler da, unsicher, ob das wirklich alles gewesen sein soll. Vielleicht ist draußen gar nicht alles so schlimm? Aber gibt es überhaupt noch ein Draußen, oder ist er längst an Ende angekommen? Ein starkes Buch – unheimlich(,)ehrlich, unbedingt lesenswert.
Zwischen Leben und Letztem – Melles literarische Grenzerfahrung
Zwischen Klinikflur und kosmischer Sehnsucht – Thomas Melle schickt mich in ein Gedankenkarussell, das sich irgendwo zwischen Lebensmüdigkeit und Überlebenskunst dreht. Haus zur Sonne klingt ja erstmal nett – fast wie ein Kurhotel mit Frühstücksbuffet und Sonnenliege. In Wahrheit ist es aber eine literarische Todeszelle mit Wellnessprogramm. Menschen dürfen hier ihre letzten Wünsche erfüllen, bevor sie ganz legal den Stecker ziehen. Klingt makaber? Ist es auch. Aber Melle schreibt das so gnadenlos ehrlich, so schwarz-humorig und gleichzeitig so zärtlich, dass man gar nicht anders kann, als ihm zu folgen – mitten rein in die dunklen Ecken der Seele. Ich hab gelacht, geschluckt, und mich zwischendurch gefragt, ob der Autor gerade mein Innerstes auswringt oder mir einfach nur einen Kaffee anbietet. Dieser Roman ist keine leichte Kost – eher eine bittere Praline: süß verpackt, aber mit echtem Wumms im Abgang. Es geht ums Sterben, ums Loslassen, um die Absurdität des Lebens, wenn es von Krankheit fremdgesteuert wird. Und doch steckt da so viel Liebe und Lebenshunger drin, dass man am Ende fast selbst einchecken möchte – nur um zu sehen, ob man nochmal richtig Sonne tanken kann, bevor das Licht ausgeht. Melle schreibt, als würde er einem die Synapsen auf links drehen. Jede Seite ist ein Schlagabtausch zwischen Tod und Trost, zwischen Zynismus und zarter Hoffnung. Das ist nicht einfach ein Roman – das ist literarische Elektrotherapie mit Tiefgang. Fazit: Düster, komisch, brillant. Wer denkt, das Leben sei zu ernst, sollte Haus zur Sonne lesen – danach sieht man selbst die Dunkelheit in einem ganz neuen Licht.

Anders als erwartet - empfehlenswert!
Ich war irgendwie total neugierig auf dieses Buch und dessen Umsetzung und muss sagen es war komplett anders als ich zuerst erwartet habe. Mir hat der Schreibstil total gefallen! Ich fand es großartig wie Thomas Melle sich ausdrückt und den Leser an dieser Krankheit teilweise mitfühlen lässt. Man wurde einfach mitgenommen und durch die Sprache wurde einem ein total persönlicher Zugang zum „Patienten“ ermöglicht. Ich merke jetzt schon das ich noch etwas länger über dieses Buch nachdenken muss.
Ein starkes und wichtiges Buch.
Ich war unglaublich berührt vom Buch. Thomas Melle hat mir einen Zugang zu einer Lebenswelt bzw. einer Perspektive geschaffen, in die ich sonst nicht in dieser Tiefe und Neugier hätte vordringen können. Ich finde das Buch insofern spannend, als dass es eine sehr gewichtige Ambivalenz zugänglich macht. Ich bin dankbar und berührt und werde nun „Die Welt im Rücken“ lesen.






















































