Lebensversicherung
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Author Description
Kathrin Bach, 1988 in Wiesbaden geboren, studierte Literarisches Schreiben in Hildesheim und ist ausgebildete Buchhändlerin. 2017 erschien ihr Lyrikdebüt "Schwämme", 2024 ihr zweiter Lyrikband "Gips" (beide parasitenpresse). Für die Arbeit an ihrem Romanprojekt "Lebensversicherung" erhielt sie u.a. 2022 das Residenzstipendium für Literatur im Künstlerhaus Lauenburg. Sie lebt als freie Autorin und Lektorin in Berlin, wo sie auch regelmäßig Collagen klebt und Schreibworkshops hält. "Lebensversicherung" ist ihr Romandebüt.
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Mein bisheriges Highlight aus der Buchpreis-Longlist 2025! Kathrin Bach erzählt vom Aufwachsen in den 90ern in einer Neubausiedlung auf dem Dorf, von ererbten Ängsten, Emetophobie, Angsterkrankungen, dunklen Familiengeheimnissen, das Leben auf dem Dorf und ganz viel über Versicherungen, denn ihr Vater und Großvater hatten eine Versicherungsagentur. Sie wählt dafür einen außergewöhnlichen Stil, immer wieder durchbrochen durch thematisch passende sachliche Infos zu den verschiedenen Versicherungsarten, erzählt sie teilweise in Listen oder in Notizen oder kurzen Tagebucheinträgen eine Geschichte, die unter die Haut geht. ---- und trotzdem ein großes Lesevergnügen ist! Dafür, dass es Kathrin Bach gelungen ist, das Thema psychische Erkrankung so einfühlsam und trotzdem immer wieder so humorvoll zu erzählen, wünsche ich mir für sie mindestens einen Platz auf der diesjährigen Shortlist. Unbedingt lesen!!
Was passiert, wenn man in eine Dynastie von Versicherungsverkäufern hineingeboren wird? Man schaut etwas anders auf das Leben und so ergeht es auch der Erzählerin, die in kleinen Textpassagen Anekdoten schildert. Es gibt unzählige Versicherungen. Das weiß man natürlich, wenn man so aufwächst. Und man weiß auch, wer im Dorf wie versichert ist und was alles schief laufen kann. Eigentlich wandelt man als potentieller Versicherungsfall durchs Leben. Das kann gut gehen, muss es aber nicht und das schürt natürlich Ängste im Inneren...
"Ich bin vierunddreißig Jahre alt und habe Angst." Ich frage mich, kann Angst genetisch vererbt werden, wenn schon die Eltern und die Großeltern eine Versicherungsagentur haben, die mit der Angst der Menschen Geld verdienen. Die Angst, das immer was passieren kann. Als nächstes denke ich, dass die Autorin genau das Dorf in Hessen beschreibt in dem ich lebe, exakt so, nur ohne die Bäckerei und, soviel ich weiß, auch ohne ein Versicherungsbüro. Verrückt! Überhaupt ist das Buch so anders, als alles was ich bisher gelesen habe. Das fängt schon beim Aufbau des Textes an. Jedem Kapitel wird die Vorstellung einer Versicherung vorangestellt und immer denke ich entweder: habe ich, oder: braucht eines meiner Kinder. Die Kapitel dann bestehen oft nur aus kurzen frakmentarischen Sätzen. Das macht es für mich unglaublich eindringlich und echt. Apropos echt. Die Autorin schildert hier die Leben der Bürger in Deutschland, die so sicherlich millionenfach in den 80iger und 90iger Jahren gelebt wurden. Die Fernsehserien, die Umstände, die Gespräche. "Un, wie is? Immer so weider." Nach und nach erfahren wir nicht nur, wie gefrühstückt wird, woran die Nachbarn gestorben sind und warum eine zusätzliche private Krankenversicherung nützlich ist, sondern auch, warum die Protagonistin so eine tiefsitzende Angst vor Rettungswagen und Krankenhäusern hat. Für mich ein toller, ganz besonderer Roman und Spiegel unserer Gesellschaft auf den ganz privaten Rahmen reduziert. Ich finde ihn zurecht auf der Longlist des deutschen Buchpreises und wünsche mir das Buch mindestens noch auf der Shortlist! " - Un, wie is? - Zu Ende. "

"Manchmal drehe sich plötzlich alles, nachdem ich vom Schreibtisch aufgestanden sei. Manchmal müsse ich mich dann auf den Boden legen und warten, bis alles nicht mehr so schwanke." S. 104 Liest sich wacker weg, die (Lebens-)Geschichte der Autorin als Aneinanderreihung von Anekdoten, Erinnerungsfragmenten und Stichworten/-punkten aus ihrer Kindheit und Jugend. Hat mich inhaltlich (-> aufwachsen in den 90ern) jetzt nicht umgehauen, war aber was die Versicherungsthematik angeht ganz unterhaltsam.
Versichern kann man sich gegen alles mögliche - Brände, Unfälle, Diebstahl und Berufsunfähigkeit. Doch sicher ist in Wirklichkeit nichts, am allerwenigsten das eigene Leben. Diese profunde Erkenntnis erlangt die Erzählerin dieses Romans schon in ihrer Kindheit. Die Eltern verkaufen Versicherungen in einem kleinen Dorf in Hessen und wissen über jede Katastrophe in der Nachbarschaft Bescheid. Kathrin Bach ist bisher als Lyrikerin bekannt, mit "Lebensversicherung" hat sie nun ihren ersten Roman veröffentlicht und es damit direkt auf die Longlist des Deutschen Buchpreises geschafft. Sie erzählt die Geschichte in kurzen Kapiteln, teils ins Listen, und durchsetzt mit Auszügen einer Versicherungsbroschüre, die erklärt, welche Versicherungen es gibt und was sie im Ernstfall bringen. Fast nichts, das ist die grausame Wahrheit. Versicherungen schützen vor nichts, allenfalls entschädigen sie, aber was ist das schon für ein Trost? Immerhin deckt die Krankenversicherung die wöchentlichen Therapiegespräche ab, mit denen die Erzählerin gegen die Angst angeht, die trotz ihres beachtlichen Versicherungsportfolios immer da ist. Bach findet in ihrem ersten Roman eine originelle und humorvolle Art, vom Aufwachsen in der hessischen Provinz zu erzählen, vom eigentlich staubtrockenen Versicherungs-Thema und von der Angst, die so viele Menschen umtreibt.
Erfrischend anders
Ich gehöre zu den Menschen, die chronisch unterversichert sind. Ich hab nur das Nötigste und manchmal mache ich mir, natürlich schon Gedanken darüber ob ich mich nicht noch besser gegen etwaige Unglücke absichern könnte. In der Familie, der ICH-Erzählerin ist das nicht der Fall. Hier gehen alle auf Nummer sicher, denn sie kommen aus dem Versicherungsgewerbe. Schon die Großeltern beiderseits übten diese Tätigkeit aus und vererbten sie quasi an ihre Kinder. Das ganze Dorf sowie die halbe Umgebung hat ihre Policen bei der Familie liegen. Das bedeutet natürlich, dass sie viel über die Menschen dort wissen und das Unglück allgegenwärtig scheint. Passiert etwas, so ist die Familie umgehend involviert und oft genauso schnell zur Stelle wie die Feuerwehr. Die ICH-Erzählerin bekommt schon als kleines Kind viel mit. Wer sich wann umgebracht hat, wo Unfälle passiert sind, wo Geld fehlt. Sie wird sogar selbst Opfer eines Unfalls, der Spuren hinterlässt. Dass sie auf kleinste Unannehmlichkeiten unterschiedlichster Art mit Übelkeit reagiert könnte ein Symptom für die omnipräsente Unglückswahrscheinlichkeit sein. Auf jeden Fall trägt sie ständig einen Zipperbeutel mit Medikamenten mit sich rum, schläft mit einer Plastikschüssel im Bett und wird des Öfteren auch in der Öffentlichkeit von Brechreiz geplagt. Das Buch ist auf vielfältige Art sehr besonders. Fangen wir mal mit dem Aufbau an: Wir haben hier keinen Fließtext, der uns die Geschichte einer Familie erzählt, sondern kleine, meist halbseitige Abschnitte die verschiedene Themen behandeln, die sich mit Versicherungen im Allgemeinen und der Familie im Besonderen beschäftigen. Die ICH-Erzählerin arbeitet mit Listen kurzen Absätzen und kleinen Fragmenten, die sich zum Teil anhören, als hätte eine Viertklässlerin einen Aufsatz für die Schule geschrieben. Vor jedem Kapitel gibt es eine Beschreibungen unterschiedlichster Versicherungen. Die Themen, die in diesen kurzen Textpassagen versteckt sind, haben es allerdings in sich. Es geht hier um die Endlichkeit von Absicherung, körperliche Versehrtheit und den allgegenwärtigen Tod, der ausführliche Besprechung erfährt. Wir erfahren genaustens, wie welcher Verwandte gestorben ist und wie die Beerdigungen waren. So setzt sich nach und nach das Bild einer Familie zusammen dies es nicht immer leicht hatte, in ihrem Job aber eine gewisse Sicherheit gibt und gleichzeitig sucht. Und die ICH- Erzählerin musste sich aus dieser Familie befreien, um Zuversicht auf ein einigermaßen glückliches Leben haben zu können. Wie schon gesagt ist die Machart des Textes sehr ungewöhnlich, und das macht das Ganze so interessant. Die Geschichte wäre ansonsten schnell erzählt. Wir haben hier Raum für Interpretation. Nicht alles ist auserzählt, doch vieles ist möglich. Die Grundangst vor dem Ende unseres Daseins transportiert sich gut. Die besondere Form macht das Lesen kurzweilig und auf eine spezielle Art interessant. Und ich denke, dass das ein Grund war, es auf die Longlist zu setzen. Ich finde das auf jeden Fall erfrischend anders und eine Abwechslung sowie Bereicherung in meinem Leseleben. Ich empfehle das Buch nun allen, die nach dem besonderen Suchen, sich auf Experimente einlassen können und nicht zwangsläufig eine spannende Geschichte erwarten.
“Lebensversicherung” von Kathrin Bach erzählt ein Leben, dass sich um die grundlegende Angst der Ich-Erzählerin dreht, verursacht durch ihre Eltern und Großeltern, alle Versicherungsmakler, und die Schicksale des gesamten Ortes, die mit den betreuten Versicherungen in Zusammenhang stehen. In Schnipseln, Listen, kurzen Textpassagen wird ihr Leben puzzleartig zu einem Ganzen zusammen gefügt und man erschließt sich das Umfeld, in dem das Buch spielt, erkennt das Milieu wieder und bekommt einen sehr klaren Eindruck der Lebensumstände der Familie. Das Format, in dem die Autorin geschrieben hat, ist für einen Roman sehr ungewöhnlich, aber total catchy und ich fand es spannend, mir den Plot nach und nach zu erschließen. Auch wenn es eigentlich gar keine große Handlung gibt, hat mich das Buch gefesselt und spukt in Details noch nach Tagen in mir herum. Für mich hätte “Lebensversicherung” auf jeden Fall auf die Shortlist für den Deutschen Buchpreis gehört. Ganz große Empfehlung! *Das ebook wurde mir kostenfrei vom Verlag zur Verfügung gestellt.
In kurzen Textpassagen, teils auch nur durch Listen, schildert die Ich Erzählerin das Leben mit ihrer Familie in irgendeiner Kleinstadt in Deutschland. Sicherlich ein ungewöhnlicher Schreibstil, aber jeder der eine ähnliche Kibdheir verbracht hat, wird sich sofort in dem Buch wiederfinden. Und gerade weil es so framgmentarisch geschrieben ist, lässt das Buch Raum für eigene Erinnerungen und eigenes Empfinden. Deshalb ist es für mich eine absolute Entdeckung und eines der wenigen Bücher, das ich immer wieder lesen würde.
Ungewohnt kurze Kapitel
Wie gesagt: ungewohnt kurze Kapitel, die das lesen einfach machen, so dass man das Buch auch gut an einem Tag durchbekommen kann. Ein Teil des Lebens der Protagonistin wird in Geschichten dargestellt, die sich anhand von all möglichen Versicherungen als roten Faden entlanghangeln. Wenig Tiefe meines Empfinden nach auch wenn die einzelnen Charaktere ihrer Familie ein kurze Kapitel bekommen (warum ist der so wie er ist, wie wurde der und der zum Versicherungskaufmann). Ist teilweise wie ein Wikipedia-Eintrag gehalten hatte ich den Eindruck. Spannung war hier leider nicht gegeben, es gab für mich keinen Punkt, zu dem alles hinsteuert. Es hörte einfach dann auf. War ganz nett, aber muss man sich nun nicht unbedingt antun wenn man es nicht gerade umsonst bekommt, etc.
Bachs Roman ist nicht nur ein subjektives Abbild einer scheinbaren, bürgerlichen Normbiografie, sondern beeindruckt durch eine unscheinbare, aber beständig präsente Kritik am Zeitgeist des Spätkapitalismus. Galant führt sie durch die Wahl eines biografischen Zugangs in das systematische Spiel mit der Angst ein, die am Ende so groß und übermächtig wird, dass sie die eigene Psyche beherrscht.
»Immer, wenn meine Mutter in meiner Kindheit das Haus verlässt und mit dem Auto wegfährt, sage ich: Pass auf dich auf, fahr vorsichtig. Ich hänge die Worte so dicht aneinander, dass sie wie ein einzelnes langes Zauberwort klingen. Passaufdichauffahrvorsichtig. Ich darf nicht vergessen es zu sagen. Sonst passiert meiner Mutter etwas.« aus „Lebensversicherung“ (2025) von Kathrin Bach, S. 139, Voland & Quist »Ich wisse, dass es keine Sicherheit gebe. Und ein Leben, in dem ich nicht mehr schreiben und lesen könne, wolle ich mir nicht vorstellen.« aus „Lebensversicherung“ (2025) von Kathrin Bach, S. 213, Voland & Quist „Ich bin vierunddreißig Jahre alt und habe Angst. [...] Ich habe Angst, seitdem ich drei bin. Ich habe meine Angst und die Angst meiner Mutter. Ich habe die Angst meines Vaters. Die Angst von Oma F und Opa F. Die Angst von Oma G und Opa O. Ich habe die Angst unseres Dorfes und die Angst des Neubaugebietes. Ich habe Angst, weil immer etwas passieren kann. Ich habe alle Versicherungen.“ (S. 7) Mit diesem Beginn werden wir in Kathrin Bachs „Lebensversicherung“ eingelassen und in Kombination mit dem Titel des Buches lässt sich schon erahnen, worum es gehen kann. Die namenlose Ich-Erzählerin und Lyrikerin entführt uns biografisch in eine westdeutsche Provinz; in ihre Familiengeschichte in Form von Versicherungskapiteln. Aber warum Versicherungen? Die Eltern der Protagonistin sind Versicherungskauffrau und -mann und kennen ihr Dorf, dessen Rituale, ihre Einwohner*innen, ihre Makel und wissen darum, warum es besser sei, abgesichert - ich meine natürlich versichert - zu sein. „Ungefähr neunzig Prozent der Autos, Häuser und Tiere im Dorf sind bei uns versichert. Dazu kommen Familien, Autos, Firmen und Tiere aus den Nachbardörfern und den nächstgelegenen Städten.“ (S. 35) Stellenweise protokollarisch, stellenweise tagebuchähnlich bekommt man beschrieben, wofür beispielsweise eine Wohngebäudeversicherung gut sei, warum man eine Haftpflichtversicherung brauche, warum man eine Berufsunfähigkeitsversicherung so früh wie möglich abschließen sollte - und begleitet gleichzeitig in einfühlsamer Weise die Protagonistin in ihrer durch Angst durchzogenen Lebensgeschichte mit den dazugehörigen Querverweisen. Ich neige fast dazu zu behaupten, durch das Lesen überkommt einen das bedrückende Gefühl, mit-ten-drin im Kleingedruckten eines Versicherungkaufvertrags zu stecken, den man gleich unterschreiben wird, weil man weiß, dass man eh nicht alles begreifen können wird - aber am Ende lockt die käufliche Versuchung eines diffusen Sicherheitsgefühls. Bachs Roman ist nicht nur ein subjektives Abbild einer scheinbaren, bürgerlichen Normbiografie, sondern beeindruckt durch eine unscheinbare, aber beständig präsente Kritik am Zeitgeist des Spätkapitalismus. Galant führt sie durch die Wahl eines biografischen Zugangs in das systematische Spiel mit der Angst ein, die am Ende so groß und übermächtig wird, dass sie die eigene Psyche beherrscht. Der menschliche Wunsch nach Absicherung verkümmert zusehends, wird schleichend durch einen Kontrollverlust ersetzt - und endet doch mit einem hoffnungsvoll-versöhnlichen Auflehnen gegen das eigen Erlebte. Ein tolles Lesevergnügen, das nebenbei auch optisch durch seinen dunkelblauen Druck entzückt. P. S.: Falls ihr immer noch nicht überzeugt seid, die letzten paar Seiten nach der Danksagung waren mein persönliches, kleines Highlight - aber findet es doch am besten selbst heraus! ;)

Gegen das Leben versichern Ungewöhnlicher Schreibstil
Dieses Buch ist für den Buchpreis 2025 nominiert Ich wollte mal was anderes lesen. Es ist anders. Es geht um eine Familie und ihre Versicherungen. Die Protagonistin ist eine junge Frau mit einer Angststörung. Ihre Eltern machen mit der Angst Geld. Sie verkaufen Versicherungen. Im Dorf hat jeder eine oder mehrere. Man kann sich nicht für alles versichern. Dies ist ein Appell ans Leben, den Mut die Freude am Leben ohne Angst zu haben, das etwas passiert.
"Immer, wenn ich meinen Eltern Tschüss sage, habe ich Angst, dass ich ihnen gerade zum letzten Mal Tschüss sage. Dass das der Moment ist, an den ich mich später erinnern werde, wenn ich darüber nachdenke, wann ich meine Mutter, wann ich meinen Vater zum letzten Mal gesehen habe, Ich versuche also so Tschüss zu sagen, wie es mir in Anbetracht meiner Befürchtung adäquat erscheint, und gleichzeitig so, als sähe ich sie in ein paar Stunden schon wieder." Die Ich-Erzählerin in Kathrin Bachs Debütroman wächst in einem Fertighaus in einem Dorf in der westdeutschen Provinz auf. Im Haus befindet sich auch das Versicherungsbüro ihres Vaters, den Kundenstamm hat er von seinem Schwiegervater übernommen. Es gibt niemanden im Dorf, der keine Versicherung bei ihrer Familie hat: Hausratversicherungen, Rechtschutzversicherungen, Berufsunfähigkeitsversicherungen, Wohngebäudeversicherungen, private Unfallversicherungen - alle möchten für den Ernstfall abgesichert sein. Deshalb ist die Familie der Protagonistin auch immer am besten über alle Geschehnisse im Dorf informiert. In der Ich-Erzählerin selbst steckt aber auch sehr viel Angst, seit sie in ihrer Kindheit einen schlimmen Unfall erlitten hat. Kathrin Bach beschäftigt sich in "Lebensversicherung" mit der so deutschen Angewohnheit, gegen alle Eventualitäten versichert sein zu wollen - am liebsten auch gegen die eigene Sterblichkeit und die der Liebsten, was natürlich nicht möglich ist. Durch den eng gesetzten Dorf-Kosmos und die kurzen Kapitel, die manchmal auch nur aus Listen bestehen, hat sie eine ganz besondere, unterhaltsame Form für ihren Roman gefunden, die mir ausgesprochen gut gefallen hat. Das Buch ist humorvoll und bedrückend zugleich und lässt sich ganz flott lesen - bleibt danach aber noch lange im Kopf. Für mich bislang das überraschendste und außergewöhnlichste Buch auf der diesjährigen Longlist des Buchpreis, inklusive vieler auch nostalgischer Gefühle, konnte ich mich doch sehr mit der Protagonistin identifizieren und fühlte mich oft in meine eigene Kindheit zurück versetzt.

Gegen das Leben versichern?
Ha, willkommen in meiner Welt! Wie, Du hast keine Rentenversicherung? Du hast keine Berufsunfähigkeitsversicherung? Das könnte ich ja nicht! Selbstständig arbeiten? Das wäre mir zu unsicher. Du arbeitest nicht jeden Tag? Hast Du denn genug Geld? -Danke, Zeit ist mir wichtiger als Geld Ja, wenn es denn reicht? Aber du musst ja auch für dich vorsorgen! Wildfremde Menschen, mit denen ich gerade mal 5 Minuten spreche, nehmen sich die Übergriffkeit heraus, mich mit all diesen Äußerungen zu belästigen. Aber Sicherheit ist dem durchschnittlichen Deutschen wichtiger als Glück, Freiheit, Gesundheit. Und dies führt dazu, dass ich seit vielen Jahren Meinungen höre, ohne danach gefragt zu haben. Stellt euch vor, ich würde durch die Welt laufen, und allen erzählen, was ich von ihrem Leben halte. Ohne Angst lässt sich nichts verkaufen. Keine Politik und keine Versicherung. Scheinbar satirisch nimmt der Roman von Kathrin Bach diesen Umstand aufs Korn. Doch unter der Ironie lauert ein Trauma als vielarmige Krake, die die versicherte Welt zersetzt. Der Wunsch, sich gegen alles zu versichern, ist groß. Doch gegen das Leben kann sich niemand versichern. Und so ist Lebensversicherung ein Appell an das Leben. An den Mut, die Freude, das Loslassen von Angst. Die Lektüre hat mir Spaß gemacht. Der Text zoomt in die Verhältnisse eines kleinen, hessischen Dorfs, indem jeder alles über den anderen weiß. Je weiter wir kommen, desto mehr Risse bekommt die Fassade. Ich bin mir nicht sicher, ob dies ein Kandidat für die Shortlist ist, aber es lässt sich hervorragend lesen und zeigte unerwartete Parallelen zu meinem Leben. Danke an netgalleyde und Voland & Quist für das Rezensionsexemplar!
Lebensversicherung hat mich begeistert, durch seine innovative, kreative Form, die mir die Hauptfigur und deren Lebenswelt auf ganz besondere Weise, unfassbar empathisch, nah gebracht hat. Es ist bemerkenswert, wie die Autorin mit so wenigen Pinselstrichen, insbesondere die Erzählerin, so gut darstellen und in ihren Ängsten und Themen begreifbar machen kann. Das Buch punktet außerdem mit ganz hohem Identifikationspotential und auch prägnanten und pointiertenHumor. Ich bin absolut angetan und empfehle es uneingeschränkt.
Eine Versicherung für (fast) alle Fälle und diese Sache mit der Angst, die sich trotz allem nicht wegversichern lässt
Ein kurzweiliger Roman in fragmentarischen Episoden aus dem Leben der Protagonistin sowie dem Leben im Dorf und Nachbardorf. Da die Familie im Versicherungsgeschäft tätig ist, wächst die Protagonistin nicht nur mit dem Wissen über sämtliche Versicherungsfälle auf, sondern auch mit den Schicksalen der Familie und Nachbarn im Dorf, wenn den Eltern leider wieder einmal ein Versicherungsfall gemeldet wird. Die Folgen? Andauernde Übelkeit, Unsicherheit trotz Absicherung und die Frage, was bleibt.
Ohne Worte - tief berührt
Ich habe das Buch vor knapp 2 Stunden zum ersten Mal aufgeschlagen und es direkt durchgelesen. Ich konnte nicht aufhören und werde es definitiv noch mehrmals lesen. Ich fühlte mich in meine eigene Kindheit zurückversetzt. In die Ängste und Sorgen meiner Eltern und Großeltern (auch wenn es andere als im Buch beschrieben waren) und in die Zeit, in der man so viel mitbekommt und doch weder versteht was es bedeutet, noch was es mit einem macht. Ob das Buch Personen anspricht, die vor 1985 oder nach 1993 geboren sind, weiß ich nicht. Für mich ist das Buch ein absolutes Highlight!
Ein außergewöhnlich eindrucksvolles Buch, das ich uneingeschränkt weiterempfehlen kann.
„Lebensversicherung“ von Kathrin Bach erzählt von Verlust, familiären Prägungen und der Frage, wie sehr uns unsere Herkunft ein Leben lang begleitet. 📖✨ In einer eindringlichen und zugleich nüchternen Sprache zeichnet Bach das Porträt einer Protagonistin, die versucht, sich zwischen Erinnerung, Schmerz und Selbstbehauptung zu orientieren. Dabei entsteht ein Roman, der persönliche Erfahrungen mit gesellschaftlichen Themen verbindet und lange nachhallt. 💭 Mich hat das Buch vollkommen überzeugt und ich finde die Nominierung für den Deutschen Buchpreis 2025 absolut verdient. 🏆 Die Geschichte ist schonungslos und brutal ehrlich erzählt, dabei aber zugleich von einer großen poetischen Kraft getragen. Besonders beeindruckt hat mich die klare, sachliche Sprache, mit der Kathrin Bach selbst intensive und schmerzhafte Momente beschreibt. ✍️ Gerade diese Mischung aus emotionaler Wucht und sprachlicher Präzision macht den Roman so besonders. Für mich war „Lebensversicherung“ ein außergewöhnlich eindrucksvolles Buch, das ich uneingeschränkt weiterempfehlen kann. 📚💫 Herzlichen Dank an @volandquist für das Rezensionsexemplar! 🫶🏻
Fragmentarisch
Das Buch ist in Fragmenten geschrieben, kurze Kapitel die beschreiben wie das Dorf ist, das Haus in dem die Familie lebt, wie die Menschen miteinander umgehen, wie die Menschen aus der Familie und dem Umfeld gestorben sind und einiges mehr . Was mir missfällt ist, dass es keine Kommunikation, keinerlei miteinander gibt. Jeder ist nach seinem Versicherungsstatus bewertet. Die familiären Beziehungen bleiben gefühllos. Was mich angesprochen hat ist wie die Autorin dem Leser durch diese merkwürdige Darstellung nahebringt das auch das beste Versicherungspaket nicht vor Leid schützt, eventuell sogar die Angst schürt. Es ließt sich leicht und kurzweilig.
Als die Buchpreis-Longlist veröffentlicht wurde, war "Lebensversicherung" gar nicht direkt auf meinem Radar; dann hat mein Mann es aus der Bib mitgebracht, ich wollte nur mal kurz reinschauen, und zack, war ich komplett in den Bann gezogen. Der Plot ist simpel erklärt: die Protagonistin führt uns durch das Dorf ihrer Kindheit, nimmt uns mit in ihre Familie, bei prägenden Ereignissen, durch ihr Aufwachsen. Das alles jedoch nicht in klassischem Prosa-Text, sondern anhand von kurzen Beschreibungen, Listen, Bildern und dem Hauptthema des Buches: Versicherungen. Denn das ist es, was ihre Eltern verkauft haben und was für die Protagonistin ein zentrales Thema ihres bisherigen Lebens darstellt. Ich hätte niemals erwartet, dass eine Geschichte in solch einer Form entstehen und Spannung und Emotionen aufbauen kann. Nicht nur, dass viele Beschreibungen für alle in den späten 90ern und frühen 2000ern Aufgewachsenen sehr relatable sind, wir können als Lesende auch eine erstaunliche Nähe zur Protagonistin aufbauen. Mir hat so gut gefallen, wie durch eine Mischung aus on-point-Humor und auch einer Ernsthaftigkeit und teilweise sogar Schwere eine wirklich spannende Story entstanden ist, die ich nicht mehr zur Seite legen wollte. Für mich wirklich ein absolut positives Überraschungsbuch zum wegsnacken, das trotzdem zum Denken anregt und nachhallt. Empfehlung!
Eine ungewöhnliche Art, einen Roman zu schreiben, sehr erfrischend. Das Buch ist definitiv nichts für Menschen, die es akut oder chronisch mit Ängsten zu tun haben. Für mich - nach überwundener Angststörung - war es immer wieder wichtig, mich abzugrenzen, zugleich aber interessant, von einer ganz anderen Angstgeschichte zu lesen. Jedenfalls konnte mich der ganze Absicherungswahnsinn nicht anstecken.
Lest dieses Buch! Humorvoll, poetisch und mitreißend!
. Hast du Lust auf eine Lebensgeschichte mal anders erzählt? Dann solltest du „Lebensversicherung“ unbedingt lesen! Eine Familiengeschichte in Form eines Fragebogens. Originell und humorvoll bearbeitet Bach das ewige Bestreben nach Sicherheit und die Auswirkungen von permanenter Angst. . Aber worum geht es genau… Westdeutsche Provinz in den neunziger Jahren! Ein typisch deutsches Dorf in das unsere Ich- Erzählerin in eine Versicherungsvertreterfamilie in zweiter Generation hineingeboren wird. So ist das Leben der Erzählerin von Wohlstand, aber auch ständiger Angst vor der nächsten Unglück geprägt. . In „Lebensversicherung“ begleiten wir die Ich- Erzählerin durch die Geschichte, wobei diese nicht in einem klassischen Text geschrieben ist, sondern in einer Art Fragebogen passend zu den verschiedenen Versicherungen, die man abschließen sollte um vermeintliche Sicherheit im Leben zu haben. Ebenso erzählt „Lebensversicherung“ von der ständigen Angst, die über Generationen weitergegeben wird. Vor allem, wenn man wie unsere Protagonistin in der zweiten Generation einer Familie aufwächst in der wirklich jeder Versicherungen verkauft. So erhalten wir als Leser einen Einblick, wie es ist mit ständiger Angst vor dem großen Notfall zu leben und wie es ist, wenn er dann wirklich eintritt. Humorvoll, poetisch und mitreißend nimmt uns Bach mit in eine kleine idyllische Dorfgemeinschaft und schafft trotz allem ein Buch, das für die Lust am Leben spricht. So erscheint es mir zumindest. Lasst euch nicht von den Ängsten euren Liebsten leiten…. lasst euch nicht nur von euren Ängsten leiten…. Genießt das Leben! Das Drama kommt so oder so… man kann sich nicht vor allem schützen! Leben bedeutet,das immer ein kleines Restrisiko mitschwingt! Dieses Buch hat zwar nicht den Buchpreis gewonnen… nichtsdestotrotz ist es grandios und sehr lesenswert!

„natürlich hab ich angst, wir alle haben angst. die angst beherrscht uns und wenn du keine angst hast siehst du nicht genau genug hin.“ - heisskalt. angstzustände, panikfragmente, herzrasen. weswegen? eigentlich nichts. und eigentlich doch allem. leben eben. alles daran. in „lebensversicherung“ geht es um eine familien geschichte, könnte man meinen. eine dorf geschichte, vielleicht schon eher. in fragmenten erzählt die protagonistin von jeglichen versicherungen, die ihre eltern an die dorfbewohner:innen bereits verkauft haben. sie ummantelt das gefühl, machtlos gegenüber dem leben & dessen geschehnissen zu sein. makaber verzweifelt händeringend etwas dagegen tun zu wollen - dem glauben nicht nachgehen zu wollen, ohnmächtig zu bleiben. verpackt in die einfachsten worte, die gleichzeitig nicht malerischer sein könnten. listen, fakten, zitate. so blühend nüchtern, man glaubt es kaum. aber erzählen wir hier wirklich eine geschichte? nicht eher eine metapher? denn eins kann euch versichert werden - nichts kann wirklich sicher sein, während alles versichert wird. ob ich mir sicher bin? wohl kaum. nie. und ist angst das gegenteil von sicherheit? ok, nochmal von vorne: selbst eine lebensversicherung versichert nicht das leben, sondern den tod. crazy oder? was wäre wenn und hätte hätte. kathrin bach zieht hier eine spirale der wenn und abers, der man sich kaum entziehen kann. und setzt den ganzen fragezeichen am ende ein ausrufezeichen entgegen. für mich ein kleines meisterwerk & ein buch, das ich definitiv irgendwann nochmal lesen möchte, das weiß ich jetzt schon. denn ich drehte mich selbst mit im kreis der protagonistin - ich habe angst. vor was? weiß ich nicht genau. aber hauptsache irgendwas tun. dann hab ich’s dieser angst aber so richtig gezeigt. und dem leben & meiner eigenen sterblichkeit und irrelevanz sowieso. ganz bestimmt. „die welt ist eine tür, keine angst ist der schlüssel.“ - maeckes lest.dieses.buch. ok?
Eine Kindheit und Jugend in ständiger Angst verbringen dass etwas passiert. Angst vor dem Tod naher Menschen. Das kenne ich. Die vage Möglichkeit sich gegen diese und andere Ängste versichern zu können. Und doch zu merken, das haut nicht wirklich hin. Gegen den Tod kann man sich nicht versichern. Für mich schien die Rückkehr der Autorin nach Berlin wie ein Auftauchen aus der Herkunftsfamilie. Die Chance ein anderes Leben führen zu können.
Das Buch ist für das, was es sein will, perfekt. Es ist keine durcherzählte Geschichte wie „Krieg & Frieden“, klar. Aber dafür eine ganz eigene Poetik in der Prosa. Ein Roman, der in Listen, Berichten tja und in Versicherungen auf das Aufwachsen in der BRD seit den 90ern schaut. Das ist poetisch, toll beobachtet und trägt durch seine tolle Form tolle Blüten. Große Empfehlung.
Buchpreislesen Nr. 1 Ein erfrischender Schreibstil, der erzählende Abschnitte über die Familiengeschichte, manche davon auch nur ein paar Wörter, mit Listen und Erklärungen zu allen möglichen Arten von Versicherungen mischt. Es freut mich, dass es ein etwas unkonventioneller Titel wie dieser auf die Longlist des deutschen Buchpreises geschafft und war ein sehr guter Start für mich mit der diesjährigen Liste
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Book Information
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Kathrin Bach, 1988 in Wiesbaden geboren, studierte Literarisches Schreiben in Hildesheim und ist ausgebildete Buchhändlerin. 2017 erschien ihr Lyrikdebüt "Schwämme", 2024 ihr zweiter Lyrikband "Gips" (beide parasitenpresse). Für die Arbeit an ihrem Romanprojekt "Lebensversicherung" erhielt sie u.a. 2022 das Residenzstipendium für Literatur im Künstlerhaus Lauenburg. Sie lebt als freie Autorin und Lektorin in Berlin, wo sie auch regelmäßig Collagen klebt und Schreibworkshops hält. "Lebensversicherung" ist ihr Romandebüt.
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Mein bisheriges Highlight aus der Buchpreis-Longlist 2025! Kathrin Bach erzählt vom Aufwachsen in den 90ern in einer Neubausiedlung auf dem Dorf, von ererbten Ängsten, Emetophobie, Angsterkrankungen, dunklen Familiengeheimnissen, das Leben auf dem Dorf und ganz viel über Versicherungen, denn ihr Vater und Großvater hatten eine Versicherungsagentur. Sie wählt dafür einen außergewöhnlichen Stil, immer wieder durchbrochen durch thematisch passende sachliche Infos zu den verschiedenen Versicherungsarten, erzählt sie teilweise in Listen oder in Notizen oder kurzen Tagebucheinträgen eine Geschichte, die unter die Haut geht. ---- und trotzdem ein großes Lesevergnügen ist! Dafür, dass es Kathrin Bach gelungen ist, das Thema psychische Erkrankung so einfühlsam und trotzdem immer wieder so humorvoll zu erzählen, wünsche ich mir für sie mindestens einen Platz auf der diesjährigen Shortlist. Unbedingt lesen!!
Was passiert, wenn man in eine Dynastie von Versicherungsverkäufern hineingeboren wird? Man schaut etwas anders auf das Leben und so ergeht es auch der Erzählerin, die in kleinen Textpassagen Anekdoten schildert. Es gibt unzählige Versicherungen. Das weiß man natürlich, wenn man so aufwächst. Und man weiß auch, wer im Dorf wie versichert ist und was alles schief laufen kann. Eigentlich wandelt man als potentieller Versicherungsfall durchs Leben. Das kann gut gehen, muss es aber nicht und das schürt natürlich Ängste im Inneren...
"Ich bin vierunddreißig Jahre alt und habe Angst." Ich frage mich, kann Angst genetisch vererbt werden, wenn schon die Eltern und die Großeltern eine Versicherungsagentur haben, die mit der Angst der Menschen Geld verdienen. Die Angst, das immer was passieren kann. Als nächstes denke ich, dass die Autorin genau das Dorf in Hessen beschreibt in dem ich lebe, exakt so, nur ohne die Bäckerei und, soviel ich weiß, auch ohne ein Versicherungsbüro. Verrückt! Überhaupt ist das Buch so anders, als alles was ich bisher gelesen habe. Das fängt schon beim Aufbau des Textes an. Jedem Kapitel wird die Vorstellung einer Versicherung vorangestellt und immer denke ich entweder: habe ich, oder: braucht eines meiner Kinder. Die Kapitel dann bestehen oft nur aus kurzen frakmentarischen Sätzen. Das macht es für mich unglaublich eindringlich und echt. Apropos echt. Die Autorin schildert hier die Leben der Bürger in Deutschland, die so sicherlich millionenfach in den 80iger und 90iger Jahren gelebt wurden. Die Fernsehserien, die Umstände, die Gespräche. "Un, wie is? Immer so weider." Nach und nach erfahren wir nicht nur, wie gefrühstückt wird, woran die Nachbarn gestorben sind und warum eine zusätzliche private Krankenversicherung nützlich ist, sondern auch, warum die Protagonistin so eine tiefsitzende Angst vor Rettungswagen und Krankenhäusern hat. Für mich ein toller, ganz besonderer Roman und Spiegel unserer Gesellschaft auf den ganz privaten Rahmen reduziert. Ich finde ihn zurecht auf der Longlist des deutschen Buchpreises und wünsche mir das Buch mindestens noch auf der Shortlist! " - Un, wie is? - Zu Ende. "

"Manchmal drehe sich plötzlich alles, nachdem ich vom Schreibtisch aufgestanden sei. Manchmal müsse ich mich dann auf den Boden legen und warten, bis alles nicht mehr so schwanke." S. 104 Liest sich wacker weg, die (Lebens-)Geschichte der Autorin als Aneinanderreihung von Anekdoten, Erinnerungsfragmenten und Stichworten/-punkten aus ihrer Kindheit und Jugend. Hat mich inhaltlich (-> aufwachsen in den 90ern) jetzt nicht umgehauen, war aber was die Versicherungsthematik angeht ganz unterhaltsam.
Versichern kann man sich gegen alles mögliche - Brände, Unfälle, Diebstahl und Berufsunfähigkeit. Doch sicher ist in Wirklichkeit nichts, am allerwenigsten das eigene Leben. Diese profunde Erkenntnis erlangt die Erzählerin dieses Romans schon in ihrer Kindheit. Die Eltern verkaufen Versicherungen in einem kleinen Dorf in Hessen und wissen über jede Katastrophe in der Nachbarschaft Bescheid. Kathrin Bach ist bisher als Lyrikerin bekannt, mit "Lebensversicherung" hat sie nun ihren ersten Roman veröffentlicht und es damit direkt auf die Longlist des Deutschen Buchpreises geschafft. Sie erzählt die Geschichte in kurzen Kapiteln, teils ins Listen, und durchsetzt mit Auszügen einer Versicherungsbroschüre, die erklärt, welche Versicherungen es gibt und was sie im Ernstfall bringen. Fast nichts, das ist die grausame Wahrheit. Versicherungen schützen vor nichts, allenfalls entschädigen sie, aber was ist das schon für ein Trost? Immerhin deckt die Krankenversicherung die wöchentlichen Therapiegespräche ab, mit denen die Erzählerin gegen die Angst angeht, die trotz ihres beachtlichen Versicherungsportfolios immer da ist. Bach findet in ihrem ersten Roman eine originelle und humorvolle Art, vom Aufwachsen in der hessischen Provinz zu erzählen, vom eigentlich staubtrockenen Versicherungs-Thema und von der Angst, die so viele Menschen umtreibt.
Erfrischend anders
Ich gehöre zu den Menschen, die chronisch unterversichert sind. Ich hab nur das Nötigste und manchmal mache ich mir, natürlich schon Gedanken darüber ob ich mich nicht noch besser gegen etwaige Unglücke absichern könnte. In der Familie, der ICH-Erzählerin ist das nicht der Fall. Hier gehen alle auf Nummer sicher, denn sie kommen aus dem Versicherungsgewerbe. Schon die Großeltern beiderseits übten diese Tätigkeit aus und vererbten sie quasi an ihre Kinder. Das ganze Dorf sowie die halbe Umgebung hat ihre Policen bei der Familie liegen. Das bedeutet natürlich, dass sie viel über die Menschen dort wissen und das Unglück allgegenwärtig scheint. Passiert etwas, so ist die Familie umgehend involviert und oft genauso schnell zur Stelle wie die Feuerwehr. Die ICH-Erzählerin bekommt schon als kleines Kind viel mit. Wer sich wann umgebracht hat, wo Unfälle passiert sind, wo Geld fehlt. Sie wird sogar selbst Opfer eines Unfalls, der Spuren hinterlässt. Dass sie auf kleinste Unannehmlichkeiten unterschiedlichster Art mit Übelkeit reagiert könnte ein Symptom für die omnipräsente Unglückswahrscheinlichkeit sein. Auf jeden Fall trägt sie ständig einen Zipperbeutel mit Medikamenten mit sich rum, schläft mit einer Plastikschüssel im Bett und wird des Öfteren auch in der Öffentlichkeit von Brechreiz geplagt. Das Buch ist auf vielfältige Art sehr besonders. Fangen wir mal mit dem Aufbau an: Wir haben hier keinen Fließtext, der uns die Geschichte einer Familie erzählt, sondern kleine, meist halbseitige Abschnitte die verschiedene Themen behandeln, die sich mit Versicherungen im Allgemeinen und der Familie im Besonderen beschäftigen. Die ICH-Erzählerin arbeitet mit Listen kurzen Absätzen und kleinen Fragmenten, die sich zum Teil anhören, als hätte eine Viertklässlerin einen Aufsatz für die Schule geschrieben. Vor jedem Kapitel gibt es eine Beschreibungen unterschiedlichster Versicherungen. Die Themen, die in diesen kurzen Textpassagen versteckt sind, haben es allerdings in sich. Es geht hier um die Endlichkeit von Absicherung, körperliche Versehrtheit und den allgegenwärtigen Tod, der ausführliche Besprechung erfährt. Wir erfahren genaustens, wie welcher Verwandte gestorben ist und wie die Beerdigungen waren. So setzt sich nach und nach das Bild einer Familie zusammen dies es nicht immer leicht hatte, in ihrem Job aber eine gewisse Sicherheit gibt und gleichzeitig sucht. Und die ICH- Erzählerin musste sich aus dieser Familie befreien, um Zuversicht auf ein einigermaßen glückliches Leben haben zu können. Wie schon gesagt ist die Machart des Textes sehr ungewöhnlich, und das macht das Ganze so interessant. Die Geschichte wäre ansonsten schnell erzählt. Wir haben hier Raum für Interpretation. Nicht alles ist auserzählt, doch vieles ist möglich. Die Grundangst vor dem Ende unseres Daseins transportiert sich gut. Die besondere Form macht das Lesen kurzweilig und auf eine spezielle Art interessant. Und ich denke, dass das ein Grund war, es auf die Longlist zu setzen. Ich finde das auf jeden Fall erfrischend anders und eine Abwechslung sowie Bereicherung in meinem Leseleben. Ich empfehle das Buch nun allen, die nach dem besonderen Suchen, sich auf Experimente einlassen können und nicht zwangsläufig eine spannende Geschichte erwarten.
“Lebensversicherung” von Kathrin Bach erzählt ein Leben, dass sich um die grundlegende Angst der Ich-Erzählerin dreht, verursacht durch ihre Eltern und Großeltern, alle Versicherungsmakler, und die Schicksale des gesamten Ortes, die mit den betreuten Versicherungen in Zusammenhang stehen. In Schnipseln, Listen, kurzen Textpassagen wird ihr Leben puzzleartig zu einem Ganzen zusammen gefügt und man erschließt sich das Umfeld, in dem das Buch spielt, erkennt das Milieu wieder und bekommt einen sehr klaren Eindruck der Lebensumstände der Familie. Das Format, in dem die Autorin geschrieben hat, ist für einen Roman sehr ungewöhnlich, aber total catchy und ich fand es spannend, mir den Plot nach und nach zu erschließen. Auch wenn es eigentlich gar keine große Handlung gibt, hat mich das Buch gefesselt und spukt in Details noch nach Tagen in mir herum. Für mich hätte “Lebensversicherung” auf jeden Fall auf die Shortlist für den Deutschen Buchpreis gehört. Ganz große Empfehlung! *Das ebook wurde mir kostenfrei vom Verlag zur Verfügung gestellt.
In kurzen Textpassagen, teils auch nur durch Listen, schildert die Ich Erzählerin das Leben mit ihrer Familie in irgendeiner Kleinstadt in Deutschland. Sicherlich ein ungewöhnlicher Schreibstil, aber jeder der eine ähnliche Kibdheir verbracht hat, wird sich sofort in dem Buch wiederfinden. Und gerade weil es so framgmentarisch geschrieben ist, lässt das Buch Raum für eigene Erinnerungen und eigenes Empfinden. Deshalb ist es für mich eine absolute Entdeckung und eines der wenigen Bücher, das ich immer wieder lesen würde.
Ungewohnt kurze Kapitel
Wie gesagt: ungewohnt kurze Kapitel, die das lesen einfach machen, so dass man das Buch auch gut an einem Tag durchbekommen kann. Ein Teil des Lebens der Protagonistin wird in Geschichten dargestellt, die sich anhand von all möglichen Versicherungen als roten Faden entlanghangeln. Wenig Tiefe meines Empfinden nach auch wenn die einzelnen Charaktere ihrer Familie ein kurze Kapitel bekommen (warum ist der so wie er ist, wie wurde der und der zum Versicherungskaufmann). Ist teilweise wie ein Wikipedia-Eintrag gehalten hatte ich den Eindruck. Spannung war hier leider nicht gegeben, es gab für mich keinen Punkt, zu dem alles hinsteuert. Es hörte einfach dann auf. War ganz nett, aber muss man sich nun nicht unbedingt antun wenn man es nicht gerade umsonst bekommt, etc.
Bachs Roman ist nicht nur ein subjektives Abbild einer scheinbaren, bürgerlichen Normbiografie, sondern beeindruckt durch eine unscheinbare, aber beständig präsente Kritik am Zeitgeist des Spätkapitalismus. Galant führt sie durch die Wahl eines biografischen Zugangs in das systematische Spiel mit der Angst ein, die am Ende so groß und übermächtig wird, dass sie die eigene Psyche beherrscht.
»Immer, wenn meine Mutter in meiner Kindheit das Haus verlässt und mit dem Auto wegfährt, sage ich: Pass auf dich auf, fahr vorsichtig. Ich hänge die Worte so dicht aneinander, dass sie wie ein einzelnes langes Zauberwort klingen. Passaufdichauffahrvorsichtig. Ich darf nicht vergessen es zu sagen. Sonst passiert meiner Mutter etwas.« aus „Lebensversicherung“ (2025) von Kathrin Bach, S. 139, Voland & Quist »Ich wisse, dass es keine Sicherheit gebe. Und ein Leben, in dem ich nicht mehr schreiben und lesen könne, wolle ich mir nicht vorstellen.« aus „Lebensversicherung“ (2025) von Kathrin Bach, S. 213, Voland & Quist „Ich bin vierunddreißig Jahre alt und habe Angst. [...] Ich habe Angst, seitdem ich drei bin. Ich habe meine Angst und die Angst meiner Mutter. Ich habe die Angst meines Vaters. Die Angst von Oma F und Opa F. Die Angst von Oma G und Opa O. Ich habe die Angst unseres Dorfes und die Angst des Neubaugebietes. Ich habe Angst, weil immer etwas passieren kann. Ich habe alle Versicherungen.“ (S. 7) Mit diesem Beginn werden wir in Kathrin Bachs „Lebensversicherung“ eingelassen und in Kombination mit dem Titel des Buches lässt sich schon erahnen, worum es gehen kann. Die namenlose Ich-Erzählerin und Lyrikerin entführt uns biografisch in eine westdeutsche Provinz; in ihre Familiengeschichte in Form von Versicherungskapiteln. Aber warum Versicherungen? Die Eltern der Protagonistin sind Versicherungskauffrau und -mann und kennen ihr Dorf, dessen Rituale, ihre Einwohner*innen, ihre Makel und wissen darum, warum es besser sei, abgesichert - ich meine natürlich versichert - zu sein. „Ungefähr neunzig Prozent der Autos, Häuser und Tiere im Dorf sind bei uns versichert. Dazu kommen Familien, Autos, Firmen und Tiere aus den Nachbardörfern und den nächstgelegenen Städten.“ (S. 35) Stellenweise protokollarisch, stellenweise tagebuchähnlich bekommt man beschrieben, wofür beispielsweise eine Wohngebäudeversicherung gut sei, warum man eine Haftpflichtversicherung brauche, warum man eine Berufsunfähigkeitsversicherung so früh wie möglich abschließen sollte - und begleitet gleichzeitig in einfühlsamer Weise die Protagonistin in ihrer durch Angst durchzogenen Lebensgeschichte mit den dazugehörigen Querverweisen. Ich neige fast dazu zu behaupten, durch das Lesen überkommt einen das bedrückende Gefühl, mit-ten-drin im Kleingedruckten eines Versicherungkaufvertrags zu stecken, den man gleich unterschreiben wird, weil man weiß, dass man eh nicht alles begreifen können wird - aber am Ende lockt die käufliche Versuchung eines diffusen Sicherheitsgefühls. Bachs Roman ist nicht nur ein subjektives Abbild einer scheinbaren, bürgerlichen Normbiografie, sondern beeindruckt durch eine unscheinbare, aber beständig präsente Kritik am Zeitgeist des Spätkapitalismus. Galant führt sie durch die Wahl eines biografischen Zugangs in das systematische Spiel mit der Angst ein, die am Ende so groß und übermächtig wird, dass sie die eigene Psyche beherrscht. Der menschliche Wunsch nach Absicherung verkümmert zusehends, wird schleichend durch einen Kontrollverlust ersetzt - und endet doch mit einem hoffnungsvoll-versöhnlichen Auflehnen gegen das eigen Erlebte. Ein tolles Lesevergnügen, das nebenbei auch optisch durch seinen dunkelblauen Druck entzückt. P. S.: Falls ihr immer noch nicht überzeugt seid, die letzten paar Seiten nach der Danksagung waren mein persönliches, kleines Highlight - aber findet es doch am besten selbst heraus! ;)

Gegen das Leben versichern Ungewöhnlicher Schreibstil
Dieses Buch ist für den Buchpreis 2025 nominiert Ich wollte mal was anderes lesen. Es ist anders. Es geht um eine Familie und ihre Versicherungen. Die Protagonistin ist eine junge Frau mit einer Angststörung. Ihre Eltern machen mit der Angst Geld. Sie verkaufen Versicherungen. Im Dorf hat jeder eine oder mehrere. Man kann sich nicht für alles versichern. Dies ist ein Appell ans Leben, den Mut die Freude am Leben ohne Angst zu haben, das etwas passiert.
"Immer, wenn ich meinen Eltern Tschüss sage, habe ich Angst, dass ich ihnen gerade zum letzten Mal Tschüss sage. Dass das der Moment ist, an den ich mich später erinnern werde, wenn ich darüber nachdenke, wann ich meine Mutter, wann ich meinen Vater zum letzten Mal gesehen habe, Ich versuche also so Tschüss zu sagen, wie es mir in Anbetracht meiner Befürchtung adäquat erscheint, und gleichzeitig so, als sähe ich sie in ein paar Stunden schon wieder." Die Ich-Erzählerin in Kathrin Bachs Debütroman wächst in einem Fertighaus in einem Dorf in der westdeutschen Provinz auf. Im Haus befindet sich auch das Versicherungsbüro ihres Vaters, den Kundenstamm hat er von seinem Schwiegervater übernommen. Es gibt niemanden im Dorf, der keine Versicherung bei ihrer Familie hat: Hausratversicherungen, Rechtschutzversicherungen, Berufsunfähigkeitsversicherungen, Wohngebäudeversicherungen, private Unfallversicherungen - alle möchten für den Ernstfall abgesichert sein. Deshalb ist die Familie der Protagonistin auch immer am besten über alle Geschehnisse im Dorf informiert. In der Ich-Erzählerin selbst steckt aber auch sehr viel Angst, seit sie in ihrer Kindheit einen schlimmen Unfall erlitten hat. Kathrin Bach beschäftigt sich in "Lebensversicherung" mit der so deutschen Angewohnheit, gegen alle Eventualitäten versichert sein zu wollen - am liebsten auch gegen die eigene Sterblichkeit und die der Liebsten, was natürlich nicht möglich ist. Durch den eng gesetzten Dorf-Kosmos und die kurzen Kapitel, die manchmal auch nur aus Listen bestehen, hat sie eine ganz besondere, unterhaltsame Form für ihren Roman gefunden, die mir ausgesprochen gut gefallen hat. Das Buch ist humorvoll und bedrückend zugleich und lässt sich ganz flott lesen - bleibt danach aber noch lange im Kopf. Für mich bislang das überraschendste und außergewöhnlichste Buch auf der diesjährigen Longlist des Buchpreis, inklusive vieler auch nostalgischer Gefühle, konnte ich mich doch sehr mit der Protagonistin identifizieren und fühlte mich oft in meine eigene Kindheit zurück versetzt.

Gegen das Leben versichern?
Ha, willkommen in meiner Welt! Wie, Du hast keine Rentenversicherung? Du hast keine Berufsunfähigkeitsversicherung? Das könnte ich ja nicht! Selbstständig arbeiten? Das wäre mir zu unsicher. Du arbeitest nicht jeden Tag? Hast Du denn genug Geld? -Danke, Zeit ist mir wichtiger als Geld Ja, wenn es denn reicht? Aber du musst ja auch für dich vorsorgen! Wildfremde Menschen, mit denen ich gerade mal 5 Minuten spreche, nehmen sich die Übergriffkeit heraus, mich mit all diesen Äußerungen zu belästigen. Aber Sicherheit ist dem durchschnittlichen Deutschen wichtiger als Glück, Freiheit, Gesundheit. Und dies führt dazu, dass ich seit vielen Jahren Meinungen höre, ohne danach gefragt zu haben. Stellt euch vor, ich würde durch die Welt laufen, und allen erzählen, was ich von ihrem Leben halte. Ohne Angst lässt sich nichts verkaufen. Keine Politik und keine Versicherung. Scheinbar satirisch nimmt der Roman von Kathrin Bach diesen Umstand aufs Korn. Doch unter der Ironie lauert ein Trauma als vielarmige Krake, die die versicherte Welt zersetzt. Der Wunsch, sich gegen alles zu versichern, ist groß. Doch gegen das Leben kann sich niemand versichern. Und so ist Lebensversicherung ein Appell an das Leben. An den Mut, die Freude, das Loslassen von Angst. Die Lektüre hat mir Spaß gemacht. Der Text zoomt in die Verhältnisse eines kleinen, hessischen Dorfs, indem jeder alles über den anderen weiß. Je weiter wir kommen, desto mehr Risse bekommt die Fassade. Ich bin mir nicht sicher, ob dies ein Kandidat für die Shortlist ist, aber es lässt sich hervorragend lesen und zeigte unerwartete Parallelen zu meinem Leben. Danke an netgalleyde und Voland & Quist für das Rezensionsexemplar!
Lebensversicherung hat mich begeistert, durch seine innovative, kreative Form, die mir die Hauptfigur und deren Lebenswelt auf ganz besondere Weise, unfassbar empathisch, nah gebracht hat. Es ist bemerkenswert, wie die Autorin mit so wenigen Pinselstrichen, insbesondere die Erzählerin, so gut darstellen und in ihren Ängsten und Themen begreifbar machen kann. Das Buch punktet außerdem mit ganz hohem Identifikationspotential und auch prägnanten und pointiertenHumor. Ich bin absolut angetan und empfehle es uneingeschränkt.
Eine Versicherung für (fast) alle Fälle und diese Sache mit der Angst, die sich trotz allem nicht wegversichern lässt
Ein kurzweiliger Roman in fragmentarischen Episoden aus dem Leben der Protagonistin sowie dem Leben im Dorf und Nachbardorf. Da die Familie im Versicherungsgeschäft tätig ist, wächst die Protagonistin nicht nur mit dem Wissen über sämtliche Versicherungsfälle auf, sondern auch mit den Schicksalen der Familie und Nachbarn im Dorf, wenn den Eltern leider wieder einmal ein Versicherungsfall gemeldet wird. Die Folgen? Andauernde Übelkeit, Unsicherheit trotz Absicherung und die Frage, was bleibt.
Ohne Worte - tief berührt
Ich habe das Buch vor knapp 2 Stunden zum ersten Mal aufgeschlagen und es direkt durchgelesen. Ich konnte nicht aufhören und werde es definitiv noch mehrmals lesen. Ich fühlte mich in meine eigene Kindheit zurückversetzt. In die Ängste und Sorgen meiner Eltern und Großeltern (auch wenn es andere als im Buch beschrieben waren) und in die Zeit, in der man so viel mitbekommt und doch weder versteht was es bedeutet, noch was es mit einem macht. Ob das Buch Personen anspricht, die vor 1985 oder nach 1993 geboren sind, weiß ich nicht. Für mich ist das Buch ein absolutes Highlight!
Ein außergewöhnlich eindrucksvolles Buch, das ich uneingeschränkt weiterempfehlen kann.
„Lebensversicherung“ von Kathrin Bach erzählt von Verlust, familiären Prägungen und der Frage, wie sehr uns unsere Herkunft ein Leben lang begleitet. 📖✨ In einer eindringlichen und zugleich nüchternen Sprache zeichnet Bach das Porträt einer Protagonistin, die versucht, sich zwischen Erinnerung, Schmerz und Selbstbehauptung zu orientieren. Dabei entsteht ein Roman, der persönliche Erfahrungen mit gesellschaftlichen Themen verbindet und lange nachhallt. 💭 Mich hat das Buch vollkommen überzeugt und ich finde die Nominierung für den Deutschen Buchpreis 2025 absolut verdient. 🏆 Die Geschichte ist schonungslos und brutal ehrlich erzählt, dabei aber zugleich von einer großen poetischen Kraft getragen. Besonders beeindruckt hat mich die klare, sachliche Sprache, mit der Kathrin Bach selbst intensive und schmerzhafte Momente beschreibt. ✍️ Gerade diese Mischung aus emotionaler Wucht und sprachlicher Präzision macht den Roman so besonders. Für mich war „Lebensversicherung“ ein außergewöhnlich eindrucksvolles Buch, das ich uneingeschränkt weiterempfehlen kann. 📚💫 Herzlichen Dank an @volandquist für das Rezensionsexemplar! 🫶🏻
Fragmentarisch
Das Buch ist in Fragmenten geschrieben, kurze Kapitel die beschreiben wie das Dorf ist, das Haus in dem die Familie lebt, wie die Menschen miteinander umgehen, wie die Menschen aus der Familie und dem Umfeld gestorben sind und einiges mehr . Was mir missfällt ist, dass es keine Kommunikation, keinerlei miteinander gibt. Jeder ist nach seinem Versicherungsstatus bewertet. Die familiären Beziehungen bleiben gefühllos. Was mich angesprochen hat ist wie die Autorin dem Leser durch diese merkwürdige Darstellung nahebringt das auch das beste Versicherungspaket nicht vor Leid schützt, eventuell sogar die Angst schürt. Es ließt sich leicht und kurzweilig.
Als die Buchpreis-Longlist veröffentlicht wurde, war "Lebensversicherung" gar nicht direkt auf meinem Radar; dann hat mein Mann es aus der Bib mitgebracht, ich wollte nur mal kurz reinschauen, und zack, war ich komplett in den Bann gezogen. Der Plot ist simpel erklärt: die Protagonistin führt uns durch das Dorf ihrer Kindheit, nimmt uns mit in ihre Familie, bei prägenden Ereignissen, durch ihr Aufwachsen. Das alles jedoch nicht in klassischem Prosa-Text, sondern anhand von kurzen Beschreibungen, Listen, Bildern und dem Hauptthema des Buches: Versicherungen. Denn das ist es, was ihre Eltern verkauft haben und was für die Protagonistin ein zentrales Thema ihres bisherigen Lebens darstellt. Ich hätte niemals erwartet, dass eine Geschichte in solch einer Form entstehen und Spannung und Emotionen aufbauen kann. Nicht nur, dass viele Beschreibungen für alle in den späten 90ern und frühen 2000ern Aufgewachsenen sehr relatable sind, wir können als Lesende auch eine erstaunliche Nähe zur Protagonistin aufbauen. Mir hat so gut gefallen, wie durch eine Mischung aus on-point-Humor und auch einer Ernsthaftigkeit und teilweise sogar Schwere eine wirklich spannende Story entstanden ist, die ich nicht mehr zur Seite legen wollte. Für mich wirklich ein absolut positives Überraschungsbuch zum wegsnacken, das trotzdem zum Denken anregt und nachhallt. Empfehlung!
Eine ungewöhnliche Art, einen Roman zu schreiben, sehr erfrischend. Das Buch ist definitiv nichts für Menschen, die es akut oder chronisch mit Ängsten zu tun haben. Für mich - nach überwundener Angststörung - war es immer wieder wichtig, mich abzugrenzen, zugleich aber interessant, von einer ganz anderen Angstgeschichte zu lesen. Jedenfalls konnte mich der ganze Absicherungswahnsinn nicht anstecken.
Lest dieses Buch! Humorvoll, poetisch und mitreißend!
. Hast du Lust auf eine Lebensgeschichte mal anders erzählt? Dann solltest du „Lebensversicherung“ unbedingt lesen! Eine Familiengeschichte in Form eines Fragebogens. Originell und humorvoll bearbeitet Bach das ewige Bestreben nach Sicherheit und die Auswirkungen von permanenter Angst. . Aber worum geht es genau… Westdeutsche Provinz in den neunziger Jahren! Ein typisch deutsches Dorf in das unsere Ich- Erzählerin in eine Versicherungsvertreterfamilie in zweiter Generation hineingeboren wird. So ist das Leben der Erzählerin von Wohlstand, aber auch ständiger Angst vor der nächsten Unglück geprägt. . In „Lebensversicherung“ begleiten wir die Ich- Erzählerin durch die Geschichte, wobei diese nicht in einem klassischen Text geschrieben ist, sondern in einer Art Fragebogen passend zu den verschiedenen Versicherungen, die man abschließen sollte um vermeintliche Sicherheit im Leben zu haben. Ebenso erzählt „Lebensversicherung“ von der ständigen Angst, die über Generationen weitergegeben wird. Vor allem, wenn man wie unsere Protagonistin in der zweiten Generation einer Familie aufwächst in der wirklich jeder Versicherungen verkauft. So erhalten wir als Leser einen Einblick, wie es ist mit ständiger Angst vor dem großen Notfall zu leben und wie es ist, wenn er dann wirklich eintritt. Humorvoll, poetisch und mitreißend nimmt uns Bach mit in eine kleine idyllische Dorfgemeinschaft und schafft trotz allem ein Buch, das für die Lust am Leben spricht. So erscheint es mir zumindest. Lasst euch nicht von den Ängsten euren Liebsten leiten…. lasst euch nicht nur von euren Ängsten leiten…. Genießt das Leben! Das Drama kommt so oder so… man kann sich nicht vor allem schützen! Leben bedeutet,das immer ein kleines Restrisiko mitschwingt! Dieses Buch hat zwar nicht den Buchpreis gewonnen… nichtsdestotrotz ist es grandios und sehr lesenswert!

„natürlich hab ich angst, wir alle haben angst. die angst beherrscht uns und wenn du keine angst hast siehst du nicht genau genug hin.“ - heisskalt. angstzustände, panikfragmente, herzrasen. weswegen? eigentlich nichts. und eigentlich doch allem. leben eben. alles daran. in „lebensversicherung“ geht es um eine familien geschichte, könnte man meinen. eine dorf geschichte, vielleicht schon eher. in fragmenten erzählt die protagonistin von jeglichen versicherungen, die ihre eltern an die dorfbewohner:innen bereits verkauft haben. sie ummantelt das gefühl, machtlos gegenüber dem leben & dessen geschehnissen zu sein. makaber verzweifelt händeringend etwas dagegen tun zu wollen - dem glauben nicht nachgehen zu wollen, ohnmächtig zu bleiben. verpackt in die einfachsten worte, die gleichzeitig nicht malerischer sein könnten. listen, fakten, zitate. so blühend nüchtern, man glaubt es kaum. aber erzählen wir hier wirklich eine geschichte? nicht eher eine metapher? denn eins kann euch versichert werden - nichts kann wirklich sicher sein, während alles versichert wird. ob ich mir sicher bin? wohl kaum. nie. und ist angst das gegenteil von sicherheit? ok, nochmal von vorne: selbst eine lebensversicherung versichert nicht das leben, sondern den tod. crazy oder? was wäre wenn und hätte hätte. kathrin bach zieht hier eine spirale der wenn und abers, der man sich kaum entziehen kann. und setzt den ganzen fragezeichen am ende ein ausrufezeichen entgegen. für mich ein kleines meisterwerk & ein buch, das ich definitiv irgendwann nochmal lesen möchte, das weiß ich jetzt schon. denn ich drehte mich selbst mit im kreis der protagonistin - ich habe angst. vor was? weiß ich nicht genau. aber hauptsache irgendwas tun. dann hab ich’s dieser angst aber so richtig gezeigt. und dem leben & meiner eigenen sterblichkeit und irrelevanz sowieso. ganz bestimmt. „die welt ist eine tür, keine angst ist der schlüssel.“ - maeckes lest.dieses.buch. ok?
Eine Kindheit und Jugend in ständiger Angst verbringen dass etwas passiert. Angst vor dem Tod naher Menschen. Das kenne ich. Die vage Möglichkeit sich gegen diese und andere Ängste versichern zu können. Und doch zu merken, das haut nicht wirklich hin. Gegen den Tod kann man sich nicht versichern. Für mich schien die Rückkehr der Autorin nach Berlin wie ein Auftauchen aus der Herkunftsfamilie. Die Chance ein anderes Leben führen zu können.
Das Buch ist für das, was es sein will, perfekt. Es ist keine durcherzählte Geschichte wie „Krieg & Frieden“, klar. Aber dafür eine ganz eigene Poetik in der Prosa. Ein Roman, der in Listen, Berichten tja und in Versicherungen auf das Aufwachsen in der BRD seit den 90ern schaut. Das ist poetisch, toll beobachtet und trägt durch seine tolle Form tolle Blüten. Große Empfehlung.
Buchpreislesen Nr. 1 Ein erfrischender Schreibstil, der erzählende Abschnitte über die Familiengeschichte, manche davon auch nur ein paar Wörter, mit Listen und Erklärungen zu allen möglichen Arten von Versicherungen mischt. Es freut mich, dass es ein etwas unkonventioneller Titel wie dieser auf die Longlist des deutschen Buchpreises geschafft und war ein sehr guter Start für mich mit der diesjährigen Liste







































