Das Schwarz an den Händen meines Vaters

Das Schwarz an den Händen meines Vaters

Hardback
4.2517

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Description

»Motte« wird die Ich-Erzählerin von ihrem Vater genannt. Der Vater ist Arbeiter, Spieler, Trinker. Eigentlich hat Motte sogar zwei Väter: den einen, der schnell rennen kann, beim Spielen alle Verstecke kennt und sich auf alle Fragen eine Antwort ausdenkt. Und den anderen, der von der Werkshalle ins Büro versetzt wird, damit er sich nicht volltrunken die Hand absägt. Und das mit dem Alkohol, sagt die Mutter, war eigentlich bei allen Männern in der Familie so.
Auch Motte trinkt längst mehr, als ihr gut tut. Schon als Kind hat sie beim Schützenfest Kellnerin gespielt und die Reste getrunken, bis ihr warm wurde. Jetzt, als junge Frau, schläft sie manchmal im Hausflur, weil sie mit dem Schlüssel nicht mehr das Schloss trifft. Ihr Freund stützt sie, aber der kann meistens selbst nicht mehr richtig stehen. Nur ihr Bruder, der Erzieher geworden ist, schaut jeden Tag nach ihr. Als bei ihrem Vater Krebs im Endstadium diagnostiziert wird, sucht Motte nach einem Weg, sich zu verabschieden – vom Vater und vom Alkohol.
»Das Schwarz an den Händen meines Vaters« von Lena Schätte ist ein bewegender Roman über das Aufwachsen in einer Familie, die in den sogenannten einfachen Verhältnissen lebt und die zugleich, wenn es darauf ankommt, zusammenhält. Es ist ein harter, zarter Roman über die Liebe zu einem schwierigen Vater und den Weg ins Leben.

»Die Wucht des sich behutsam entfaltenden Textes trifft unmittelbar.« Aus der Begründung zur Verleihung des W.-G.-Sebald-Preises

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Hardback
Pages
192
Price
24.70 €

Author Description

Lena Schätte, geboren 1993 in Lüdenscheid, debütierte 2014 mit dem Roman »Ruhrpottliebe«. In den Folgejahren arbeitete sie als Psychiatriekrankenschwester im Ruhrgebiet, bis sie 2020 ein Studium des Literarischen Schreibens am Deutschen Literaturinstitut Leipzig aufnahm. Heute betreut sie suchtkranke Menschen in Lüdenscheid – und schreibt. Für ihren Roman »Das Schwarz an den Händen meines Vaters« wurde Lena Schätte mit dem W.-G.-Sebald-Literaturpreis und dem Förderpreis Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet; der Roman stand zudem auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2025.

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5

"Als ich noch ein Kind bin, denke ich oft, ich habe zwei Väter. Den einen nüchternen, der schnell rennen kann und gute Verstecke kennt. Der auf alle Fragen eine Antwort weiß und wenn nicht, sich eine gute ausdenkt. .... Und dann gibt es noch den anderen Vater. Der sich darüber legt und ihn verschwinden lässt." "Je älter ich werde, desto seltener sehe ich meinen ersten Vater. Manchmal starre ich dem zweiten lange in die Augen und Frage mich, ob der erste da noch irgendwo ist." "Von Anfang an möchte ich besoffen sein. Ich trinke mich an diesen Punkt heran, an dem alles gleichgültig wird. Die Welt weit weg und dumpf erscheint, ich mir selbst von außen zusehen." "Es ist schwierig, Kind", sagt sie einmal zu mir, als ich an ihrem Bett heule. "Wenn er betrunken ist, packst du deine Koffer. Und wenn er nüchtern ist, packst du sie wieder aus. Und so läufst du dein ganzes Leben lang in knubbeligen Blusen herum und siehst beschissen aus." Die Geschichte einer Familie, in der sich der Alkoholmissbrauch durch die Generationen zieht. Sehr realistisch und eindringlich beschreibt Lena Schätte in kurzen, zwischen den Generationen wechselnden Kapiteln, was Alkoholsucht zerstört. Nicht nur die Gesundheit der Betroffenen, auch das Leben der Familie wird radikal beeinflusst. Eine unbeschwerte Kindheit kann nicht stattfinden, alles richtet sich nach dem Alkoholpegel aus. Ein sehr intensives Buch, das mich wahrscheinlich noch eine Weile beschäftigen wird. Von mir gibt es eine ganz klare Leseempfehlung ⭐

4

Alkohol zieht Menschen in den Abgrund - auch die, die gar nicht trinken

„Aber sie bringt uns auch bei, dass alles in Ordnung ist, solange sie nur am Wochenende trinken. Nur wer wochentags trinkt, ist süchtig.“ „Sie bringt uns bei, dass Schnaps Ärger bedeutet. Dass Männer, die Bier trinken, harmlos sind: Sie tanzen und lallen und plaudern private Dinge aus, doch schließlich lassen sie sich ins Bett schubsen und schlafen friedlich ihren Rausch aus. Männer, die Schnaps trinken hingegen, werden aggressiv, suchen Streit …“ Dieses Buch hat mich emotional gefordert, denn auch ich weiß wie es ist, wenn das Wochenende von einem Familienmitglied dem Alkohol gewidmet ist und man sonntags möglichst unsichtbar bleibt. Alkohol gehörte in den 80ern in Büros zu einem festen Feierabend-Ritual, in das ich als Berufsanfängerin eingeführt wurde. Jeden Donnerstag hieß es ab 18 Uhr „die nötige Gleichgültigkeit antrinken“ 😆 Und auch in den Jahren danach ist Alkohol überall präsent. Das sogenannte Wegebier in den Öffis zum Feierabend gehört für viele zum Ritual. Und seitdem ich Alkohol nicht mehr vertrage, ist mein Blick nochmals geschärft wie normal für viele das abendliche „Aperölchen“ & Co. ist. Das Buch ist manchmal verwirrend, weil es zwischen der kindlichen und erwachsenen Ich von „Motte“ springt. Ansonsten Leseempfehlung.

5

Sehr berührend und gut geschrieben

4.5

Bedrückende Geschichte über die Auswirkungen eines trinkenden Vaters auf die Familie

Wir lesen in kurzen Kapiteln und mit vielen Zeitsprüngen die Geschichte von Motte und ihrer Familie. Ihr Leben ist geprägt von der Alkohol- und Spielsucht des Vaters. Die Co-abhängige Mutter versucht die Sucht gegenüber Nachbar*innen im Dorf zu relativieren. Ein Verhalten, dass die Kinder der Familie kopieren. Motte kümmert sich bereits als Kind um den Vater, wenn er bspw. betrunken im Badezimmer liegt. Auch wenn der Vater seinen Kindern gegenüber liebevoll ist, sich Geschichten ausdenkt und mit ihnen herum albert, ist es doch sehr bedrückend, weil dieser Vater zunehmend verschwindet. Zitat S. 39: Als ich noch ein Kind bin, denke ich oft, ich habe zwei Väter. Den einen nüchternen, der schnell rennen kann und gut Verstecke kennt. (...) Und dann gibt es noch den anderen Vater. Der sich darüber legt und ihn verschwinden lässt. In anderen Zeitebenen begleiten wir Motte im jungen Erwachsenenalter. Sie hat ebenso ein problematisches Trinkverhalten entwickelt, hat Abstürze und trägt dabei Verletzungen davon. Zeitgleich wird ihr Vater schwer krank. Sie muss sich verabschieden und sich auch mit ihrem eigenen Suchtverhalten auseinandersetzen. Die Geschichte fand ich sehr bedrückend und wenig hoffnungsvoll, auch weil sich die trinkenden Männer durch die Generationen ziehen und das Leben der Frauen und deren Möglichkeiten extrem einschränken. Ich empfehle es dennoch, den es ist gut zu lesen und ermöglicht einen Blick, den man in dieser klaren Sprache nur selten liest. Die Zeitspanne erfordern etwas Konzentration, haben mich aber nicht gestört.

4

Seit ihrer Kindheit ist es Motte, die Erzählerin, gewöhnt, dass Alkohol eine große, wichtige Rolle im Familienleben spielt. Wir erfahren wie es ist in einer Familie mit alkoholkranken Menschen aufzuwachsen. So ist es verständlich, dass auch sie sehr früh in die Abhängigkeit gerät. Gleichzeitig erzählt die Geschichte von der Liebe zwischen Vater und Tochter und zeigt den Alkoholmissbrauch über Generationen in einer Familie. Der Schreibstil ist nüchtern und klar, erzählt nur das Notwendige und trotzdem entstehen Bilder von Augen, die soviel mehr sagen als die Worte. Die Kapitel springen in den Zeiten zwischen Kindheit und Erwachsenenalter von Motte hin und her. Das stört nicht, denn man versteht leicht und schnell in welcher Phase man sich befindet und somit wird der Hintergrund für die Handlungen der Familienmitglieder unterstrichen. Das hat mir gut gefallen. Die Geschichte von Motte und ihrer Familie ist nicht rund, nicht abgeschlossen, lässt Spielraum für eine Zukunft, die noch zu gestalten ist und die uns hoffen lässt. Ein Buch dass ein schwieriges Thema aufgreift, nicht moralisiert, das die Tragik ebenso aufgreift wie die Möglichkeit eines hoffnungsvollen, erfüllten Lebens.

5

„Es ist schwierig, Kind, sagt sie einmal zu mir, als ich an ihrem Bett heule. Wenn er betrunken ist, packst du deine Koffer. Und wenn er nüchtern ist, packst du sie wieder aus. Und so läufst du dein ganzes Leben lang in knubbeligen Blusen herum und siehst beschissen aus.“ „Motte“ hat eigentlich zwei Väter: den einen, der schnell rennen kann, beim Spielen alle Verstecke kennt und sich auf alle Fragen eine Antwort ausdenkt. Und den anderen, der von der Werkshalle ins Büro versetzt wird, damit er sich nicht volltrunken die Hand absägt. Und das mit dem Alkohol, sagt die Mutter, war eigentlich bei allen Männern in der Familie so. Als „Motte“ erwachsen ist hat sie selber einen Freund, der zu viel trinkt. Und auch sie trinkt, um zu vergessen, nichts mehr zu spüren, weil sie es so gelernt hat. Zum Glück ist da noch ihr Bruder, er arbeitet als Erzieher, auf ihn kann sie sich verlassen. Ein unheimlich ergreifendes Buch, über die Macht des Alkohols über Menschen und was dadurch angerichtet wird. Motte liebt ihren Vater, außer wenn er wieder zu viel getrunken hat. Da ist er ganz anders. Ihrer Mutter fällt es auch immer schwerer auszuhalten, sie ist zunehmend erschöpft und steht manchmal gar nicht mehr auf. Da müssen dann die Kinder da sein. Motte muss zusehen wie ihre Familie langsam verschwindet, viel ist nicht mehr übrig von dem was sie mal ausgemacht hat. Ihre Eltern kennen es auch nicht anders, haben es bei ihren Eltern so gesehen. Trotzdem halten sie zusammen, sie lieben sich, auch wenn sie das nicht sagen können. Der Roman hat kurze Kapitel aber die haben es in sich. Die Worte auf den Punkt, kein unnötiges Drumrum. Er liest sich großartig, trifft mitten ins Herz, tut weh und ist dabei voller Liebe. Ein wunderbar zarter aber auch rauer Roman über die Kraft der Familie, Selbstaufgabe und wie es denen eigentlich geht, die dabei zusehen müssen. Ein wichtiges und verdammt ehrliches Buch. Unbedingt lesen!

4

"Als ich noch ein Kind bin, denke ich oft, ich habe zwei Väter. Einen nüchternen, der schnell rennen kann und gute Verstecke kennt. ..... Und dann gibt es da noch den anderen Vater. Der sich darüber legt und ihn verschwinden lässt." Es ist die traurige Geschichte so vieler Menschen auf der Welt, die der Alkohosucht verfallen sind. Täuscht sie doch Wohlbefinden und Vergessen vor. Alkohol ist gesellschaftlich anerkannt und dadurch noch gefährlicher. Das zeigt auch diese Geschichte, erzählt von der namenlosen Tochter, vom Vater liebevoll Motte genannt. Überhaupt war das für mich die große Überraschung der Geschichte, wie liebevoll und zugewandt alle miteinander sind. Natürlich nur dann, wenn es gerade möglich ist. Der Vater nicht betrunken, die Mutter nicht überarbeitet und krank. Wenn das Geld wieder knapp ist und der Rest versoffen oder verspielt wird, ist es anders. Mich hat die nüchterne (habe überlegt ob ich das Wort in diesem Zusammenhang nutzen kann) Erzählweise überzeugt. Hier wird nichts dramatisiert, aber auch nichts beschönigt. Gerade dadurch erhält die Geschichte eine Tiefe, die einen mitnimmt. Das über Generationen vererbte Krankheitsbild, dass auch vor der Protagonistin nicht halt macht. "Ich trinke, bis alles dumpf und leise ist. Ich trinke, bis nichts mehr weh tut." Großer Fels in der Brandung ist der zwei Jahre ältere Bruder, der einem wirklich ans Herz wächst. Die vielen kleinen zärtlichen Gesten untereinander geben Halt. Innen und außen. Leseempfehlung für alle die dadurch Thema Alkoholsucht nicht schreckt und einen klaren und trotzdem empathischen Stil mögen. Thema Shortlist? Ich denke eher nicht.

3.5

"Das Schwarz an den Händen meines Vaters" ist ein bewegender Roman über die Kindheit und die frühe Prägung der Protagonistin "Motte", die im Schatten der Alkoholabhängigkeit ihres Vaters aufwächst und diese auch übernimmt. Wobei sich der Alkoholmissbrauch wie ein roter Faden durch drei Generationen Alkoholkranker zieht: Großvater, Vater, Tochter, was sehr deutlich die tiefgreifende Prägung von Verhaltensmustern in Suchtfamilien aufzeigt. Was mich persönlich etwas 'gestört' hat, ist, dass der Roman nicht linear erzählt wird - er springt zwischen den Zeiten hin und her und ich brauchte immer einen Moment um mich zu orientieren. Leseempfehlung für alle, die ein gutes Buch über die Themen Alkoholmissbrauch und Co-Abhängigkeit lesen möchten.

5

Das war wirklich harte Kost. Motte wird die Ich-Erzählerin von ihrem Vater genannt. Sie erzählt von ihrer Familie. Abwechselnd sind wir innerhalb sehr kurzer Kapitel mal in der Kindheit der Protagonistin und dann wieder in der Gegenwart. Wir erfahren, wie es ist in einer Familie aufzuwachsen, die keiner richtig sieht und wahrnimmt. Der Vater ist Alkoholiker. Die Familie hält zusammen und versucht, Dinge zu vertuschen…. So gut es eben geht. Man erfährt, wie es ist, wenn sich diese Problematik durch Generationen zieht. Wie manche zum Glück verschont bleiben und andere wiederum den gleichen Weg einschlagen. Ich möchte hier aber nicht allzu sehr vorgreifen. Lena Schätte schafft es, den relativ kurzen Text mit seinen knappen Kapiteln, sehr authentisch und intensiv zu erzählen. Zwischendurch musste ich schon das Buch aus der Hand legen und pausieren. Mich hat das Schicksal der Familie tief bewegt. Vor allen Dingen hatte ich Mitgefühl mit den Familienmitgliedern, die trotzdem liebenswert beschrieben wurden. Die ihre Wunden und Verletzungen hatten. Eine große Leseempfehlung.

5

Das Buch war kurzweilig aber sehr ausdrucksstark. In kurzen Kapiteln erzählt die Ich Erzählerin, wie das Leben ihrer Familie durch Alkoholabhängigkeit geprägt wird. Die schnellen Zeitsprünge ließen sich für mich gut nachvollziehen. Trotz der kritischen und schweren Umstände, fand ich die Familie auf ihre Art symphatisch. Für mich ist dieses Buch zurecht für den deutschen Buchpreis 2025 nominiert.

4

Wie der Alkohol mehrere Generationen zerstören kann

Die Ich-Erzählerin beschreibt in Fragmenten, die teilweise unzusammenhängend wirken, ihre Kindheit, Jugend und frühes Erwachsenenalter mit einem Vater, der Trinker und Spieler ist. Sie selbst macht, wie es in solchen Familien oft üblich ist, keine Ausbildung und arbeitet als Putzkraft in einem Krankenhaus. Auch die Ich-Erzählerin konsumiert phasenweise große Mengen Alkohol, Der Bruder ist Kindergärtner und rettet die Ich-Erzählerin immer wieder vor schweren Abstürzen. Lena Schättes Roman Das Schwarz an den Händen meines Vaters hat mich sehr nachdenklich über den unbefangenen Umgang mit Alkohol in unserer Gesellschaft gemacht. Der Roman beschreibt sehr realistisch, wie Alkohol Familien zerstören kann und daher kann er Betroffene und ihre Angehörigen triggern. Ich kann Lena Schättes Roman uneingeschränkt empfehlen für Menschen, die sozialkritische Gegenwartsliteratur mögen.

4

Wo Liebe und Abhängigkeit ineinanderfließen.

„Montags grau, über die Woche immer dunkler. An Freitagen ist das Schwarz in jede Rille seiner Hornhaut gekrochen […]“. Mit solchen eindringlichen Bildern beschreibt der Roman die Beziehung zwischen einer Tochter und ihrem alkoholkranken Vater. Mit sprachlicher Präzision und einer dichten Atmosphäre zeichnet die Autorin das Porträt einer Bindung, die zwischen Zuneigung, Schmerz und Erinnerungen schwankt. Der Stil ist stark und stimmig, die Emotionen glaubwürdig. Lediglich die Zeitsprünge erschweren stellenweise die Orientierung, und Mottos eigenes Leben bleibt eher im Hintergrund. Dennoch ein sensibles, intensives Buch über Abhängigkeit, Liebe und Loslassen.

5

Zitat des Jahres

Seit vielen Jahren begleite ich Menschen durch psychische Erkrankungen und Suchterkrankungen. Einige trifft man ein einziges Mal, verliert den Anschluss an ihre Geschichte, hofft dass sie sie gut weiterschreiben, was auch immer das bedeuten mag. Andere begleiten mich bereits mein Berufsleben lang. Ich kenne ihre Familien, ich weiß, wie ihre Haustieren heißen. Ich weiß, dass eine Suchterkrankung, die Leben der Betroffenen und all jener um sie herum beeinflusst, in Phasen des Konsums und der Abstinenz. Ich weiß, dass die Betroffenen ihren Lebensweg gehen, Schritt für Schritt mit der Erkrankung. Dass ein Weg dadurch entsteht, dass man ihn geht. Ich weiß, wie schockierend ein schwerer oder komplikativer Entzug aussehen kann. Ich weiß, dass Entstigmatisierung essentiell ist und die Würde des Menschen zu jedem Zeitpunkt unantastbar ist. Und aufgrund all dessen sind meine Ansprüche an die Lektüre von Büchern, die sich mit dieser Thematik beschäftigen, hoch. Geht es doch letztlich darum, die gesundheitlichen, psychischen und sozialen Folgen dieser Erkrankung für alle Beteiligten realistisch in all ihrer Schmerzhaftigkeit abzubilden und sie dennoch nicht zu entmenschlichen. Wir begleiten die Ich-Erzählerin Motte durch die Abgründe der eigenen Suchterkrankung und im Rahmen ihrer Reflektion über das Thema Alkoholabhängigkeit in den letzten beiden Generationen ihrer Familie. Dreh- und Angelpunkt ist ihr Vater, dem sich wie keinem anderen Menschen verbunden fühlt und dessen Verhalten und sukzessiven Verfall sie dennoch kaum ertragen kann. Lena Schätte ist aus meiner Sicht ein Meisterwerk gelungen. Man merkt sofort, dass sie sich aufgrund ihres beruflichen Werdegangs extrem gut mit allen Aspekten, die hier relevant sind, auskennt. Was für ein Geschenk so schreiben zu können! Sie findet die perfekte Balance aus der Schilderung dessen, was Generationen-übergreifende Abhängigkeitserkrankungen bedeuten, bis in die tiefsten Täler der Verzweiflung hinab. Sie zeichnet aber auch Szenen der Resilienz, Verbundenheit und Liebe. Durch die charakteristisch kurz gehaltenen Kapitel und die nicht stringent chronologisch gestaltete Abfolge der Episoden und Erinnerungen entsteht nach und nach ein Mosaik einer Familiengeschichte mit all ihren Facetten im Schatten der Suchterkrankung. Besonders gut gefiel mir, wie das Thema „Würde“ auch in der Titel-gebenden Metapher „Das Schwarz an den Händen meines Vaters“ aufgegriffen wurde. Eine Passage aus diesem umwerfenden Debüt ist mir besonders in Erinnerung geblieben, wird mich von hier an begleiten. Mein bisheriges Zitat des Jahres. „Zwei Mädchen stehen auf dem Innenhof, streiten sich um ein Armband aus kleinen blauen Perlen, zerren daran. Als es reißt, rollen die Perlen davon, ein Mädchen läuft weg, das andere bleibt da und fängt an zu weinen. Mein Bruder kommt raus und hockt sich neben sie. Soll ich dir mal einen Trick verraten?, fragt er. Das Mädchen nickt und wischt sich die Tränen mit dem Ärmel ab. Wenn dir dein Lieblingsarmband reißt oder deine Perlenkette oder ganz egal was. Dann ist es schlau, ganz ruhig zu bleiben. Guck genau hin, wo die Perlen hin rollen, folge ihnen mit deinem Blick bis in jede Ecke. Mein Bruder geht auf die Knie, fährt mit den Fingern durch die Fugen des Pflasters, malt den Weg nach, den eine blaue Perle gerollt ist, hebt sie schließlich auf. So findest du sie alle wieder, und es ist ganz leicht, die Kette wieder aufzufädeln.“

5

Dieses Buch ist schmal und (leider) sehr schnell gelesen, dafür ist es umso intensiver. Ein Highlight. Hart und gleichzeitig irgendwie auch zart ist die Geschichte von Motte und ihrer Familie: Ihrem alkoholkranken Vater, der auch zunehmend spielt, ihrer Mutter, die sich mal trennt, ihren Mann aber dann doch wieder zu Hause aufnimmt, ihrer großen Schwester, die schon früh ausgezogen ist und ihrem großen Bruder, der jedenfalls vermeintlich alles unter Kontrolle hat. Motte kämpft zunehmend selbst mit der Alkoholsucht und sucht nach einem Leben ohne den Alkohol und ihren sterbenden Vater.

3

Für Zwischendurch...

Ehrlich gesagt, es liest sich flüssig und wenn man die drei Zeitebenen durchschaut, kommt man damit gut zurecht. Aber das Buch hat mir jetzt nichts gegeben. Ich habe kaum Emotionen beim Lesen verspürt und gebe ihm deshalb neutrale 3 Punkte

5

Mottes Vater hat zwei Seiten: eine fröhliche, kreative und liebevolle sowie eine besoffene schlecht gelaunte und unberechenbare. Nichts in ihrer Familie ist planbar oder vorhersagbar, alles hängt vom Grad der Nüchternheit und der Stimmung des Vaters ab. Der Alkohol bestimmt über die ganze Familie. In ihrem autofiktionalen Buch beschreibt Lena Schätte das Aufwachsen mit einem Alkoholiker-Vater und das macht sie mit relativ wenigen Worten so gut, dass man sich in die Charaktere sehr gut einfühlen kann. Ein liebevolles und zugleich trauriges Buch. Schön, dass es auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis 2025 ist. Ich wünsche dem Buch viele Leser*innen.

3.5

Das Schwarz an den Händen meines Vaters von Lena Schätte

Die Ich-Erzählerin, von ihrem Vater nur „Motte“ genannt, wächst in schwierigen Verhältnissen auf. Dominiert wird das Leben der Familie von der Alkoholsucht des Vaters, den die Kinder jedoch über alles lieben, besonders Motte hat eine spezielle Verbindung zu ihm. Doch auch sie trinkt mehr als ihr gut tut und als ihr Vater an Krebs erkrankt und sein Leben dahinschwindet, sucht sie nach einem Weg das zu verarbeiten und selbst von der Sucht loszukommen. Das Buch erzählt sehr viel zwischen den Zeilen und legt den Finger auch auf unangenehme Seiten. Es wird nichts beschönigt oder ausgelassen, immerhin handelt die Geschichte vom Niedergang eines suchtkranken Menschen. Und auch von generationsübergreifenden Traumata. Der Vater hat es an den Sohn weiter gegeben und dieser an seine Tochter. Immerhin wird auch erwähnt, dass die Kinder es so gelernt haben und der Kontrast zu anderen Familien erheblich ist. Erzählt wird die Geschichte in kurzen prägnanten Kapiteln, sehr eindringlich und viel aus der Sicht eines Kindes, dass das beste aus der Situation gemacht hat. Vermeintlich. In der Rekapitulation wird schon erkannt, dass vieles nicht gestimmt hat, dass diese Kindheit nicht gut war und nachwirkt. Dennoch ist da auch die Liebe zu dem Vater, der ebenfalls sein Bestes gegeben hat, dem aber auch niemand helfen konnte. Auch spielt die Gesellschaft eine große Rolle. Jene Menschen, die nicht genau hinschauen wollten, die Problemen nicht sehen wollten, um nicht helfen zu müssen. So erlebt das auch Motte in ihrem erwachsenen Leben. Keiner sagt was, wenn sie übertreibt. Man setzt sie nur ins Taxi, sie wird schon irgendwie nach Hause kommen. Hilfe bietet ihr niemand so richtig an. Was mich gestört hat, waren die massiven Zeitsprünge. Die Geschichte wird nicht linear erzählt, sondern eher wie unstete Gedanken und Erinnerungen, die einem wirr durch den Kopf gehen. Vielleicht sollte das auch so sein, ich weiß es nicht, mich hat es oft herausgerissen, weil ich im ersten Moment nie wusste, wo man zeitlich ist. Ist das jetzt wieder eine Erinnerung aus ihrer Kindheit? Oder geht es um ihr gegenwärtiges Ich? Fand ich schwierig. Weiter muss man noch sagen, dass man für den Preis ein sehr dünnes Buch bekommt. Die Geschichte wird auf gerade mal 192 Seiten entfaltet. Es ist keine leichte Kost für zwischendurch und meines Erachtens auch nicht zur Unterhaltung gedacht. Es regt schon zum sehr Nachdenken an.

4

Eine Geschichte bei der sich der die Alkoholsucht durch Generationen zieht

Die Kapitel sind sehr kurz und das Buch ist schnell gelesen. Es gibt drei Zeitsprünge die man anfangs erst einmal erkennen muss. Ich finde Lena Schätte beschreibt die Leiden der Sucht ehrlich und mitfühlend. Ein paar Sätze treffen einen mitten ins Herz.

5

Schmerzhafte Lektüre: Ehrlich, berührend und leise!

**** Worum geht es? & Mein Eindruck **** Dieses Buch erschüttert bereits in den ersten Zeilen. Wahre Worte, mitten aus dem Leben gegriffen, und doch zutiefst schmerzlich und traurig. Motte kennt das Leben nicht anders – ihr Vater im Suff oder eben auch mal nicht. Leise sein, nicht auffallen, sich kümmern. Das Buch ist in kurzen Szenen geschrieben, zwischen damals und der großen Motte heute, die selbst mit dem Alkohol zu kämpfen hat. Als Leserin stand ich zwischen Mitgefühl, Wut, Verurteilung und Verständnis. Gerade Mottes Bruder löste diesen Zwiespalt besonders aus: Er, der immer da ist, der sich kümmert und nie Ruhe vor all dem bekommt und selbst keinen Tropfen trinkt. In den Szenen lernen wir die Familie kennen und werden Teil dieser selbstzerstörerischen Welt. Leise und sanft entführt die Autorin in die schmerzlichen Momente und gibt Raum, trotz der kurzen Kapitel, selbst darüber zu entscheiden. Es gibt keine Vorgaben, nur ein Kind, das einen Vater hat und diesen eben trotz allem liebt. Das Buch steckt voller reiner, unbewehrter Gefühle und eines Problems, das Generationen bis heute prägt. Motte eroberte mit den zarten Tönen der Erzählung mein Herz. Ich konnte sie trotz allem nicht verurteilen, niemanden, und das ist für mich die besondere Kunst des Buches. **** Empfehlung? **** Das Buch ist roh und leise, schmerzhaft real und kann mit dem Thema Alkoholismus triggern. Wer sich diesem Thema widmen möchte, bekommt hier beste Lektüre geboten.

4

Sehr eindrückliches Buch über Alkoholismus und wie er Familien zerstört ❤️‍🩹

5

DAS SCHWARZ AN DEN HÄNDEN MEINES VATERS Lena Schätte „Meine Mutter bringt uns Töchtern Dinge bei. Andere Dinge, als mit geraden Rücken am Esstisch zu sitzen, als Danke und Bitte zu sagen, andere Dinge als ihrem Sohn. Sie bringt uns bei, dass Schnaps Ärger bedeutet. Dass Männer, die Bier trinken, harmlos sind: Sie tanzen und lallen und plaudern private Dinge aus, doch schließlich lassen sie sich ins Bett schubsen und schlafen friedlich ihren Rausch aus. Männer, die Schnaps trinken hingegen, werden aggressiv, suchen Streit, werden von der Polizei nach Hause gebracht oder kommen gar nicht erst Heim.“ S. ( 7) Motte, die Ich-Erzählerin, wächst mit einem alkoholkranken Vater auf – eine Krankheit, die sich wie ein dunkler Faden durch die Generationen ihrer Familie zieht. Auch sie selbst beginnt als Erwachsene zu trinken, bis sie alles vergisst. In kurzen, eindringlichen Kapiteln und mit großer sprachlicher Präzision führt uns Lena Schätte durch dieses Familienporträt. Ihr Staccato-Stil lässt uns durch die Seiten fliegen, während sich das Bild einer Kindheit entfaltet, in der Scham, Ausreden und das Schweigen zur Normalität wurden. Motte und ihre Familie entwickeln eine fast professionelle Routine darin, Lügen zu erfinden, Geschichten zu konstruieren, um das Bild des Vaters zu schützen – oder zumindest zu retten, was noch zu retten ist. „Das Schwarz an den Händen meines Vaters“ ist ein ist ein autofiktionaler Roman. Schätte gelingt es, einen vielschichtigen, authentischen Blick auf das Leben mit einem trinkenden Elternteil zu werfen – und auf das, was davon übrig bleibt, schließlich auch auf den Versuch des Abschiednehmens, als bei ihm Krebs im Endstadium diagnostiziert wird.. Ein ehrliches, bewegendes Buch, das mitten ins Herz trifft. Ich wünsche dem Buch eine große Lerschaft. 5/5

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5

*Werbung/Rezensionsexemplar Erzählt wird aus der Sicht von Motte, der Tochter eines Vaters, der zwischen den Welten lebt: dem nüchternen, fürsorglichen Mann, und dem alkoholkranken Vater, dessen Hände symbolisch „schwarz“ sind – schwer von Arbeit, Alkohol, von dem Versuch, zu bestehen. Motte wächst in einem Umfeld auf, in dem Alkohol zum Alltag gehört. Heimlichkeiten, Scham, Verdrängung – all das prägt sie. Als der Vater schließlich an Krebs erkrankt, steht sie vor der Frage, wie Abschied aussehen kann – vom Vater, vom vertrauten Schmerz, von sich selbst. Das Schwarz an den Händen meines Vaters ist kein Buch, das man schnell vergisst. Es ist schonungslos und sensibel zugleich, brutal und zärtlich – und verlangt dem Lesenden einiges ab. Wer sich auf diesen Roman einlässt, wird nicht nur Zeuge einer schwierigen Vater-Tochter-Beziehung, sondern auch einer Geschichte über Herkunft, Schuld, Liebe und Abschied. Ein Buch, das mich lange hat nicht loslassen – und das ich jedem empfehle, der tiefgehende Literatur und Ehrlichkeit schätzt.

4.5

"Wenn er betrunken ist, packst du deine Koffer. Und wenn er nüchtern ist, packst du sie wieder aus. Und so läufst du dein ganzes Leben lang in knubbeligen Blusen herum und siehst beschissen aus." Im Fokus der Erzählung stehen die Tochter und der Vater. Ein recht herkömmliches, recht einfaches Leben, zumindest von außen. Der Vater trinkt gerne mal einen über den Durst und verhält sich danach auffällig, meist unangenehm. Der Rausch wird ausgeschlafen, das Leben geht weiter. "Eigentlich hat Motte sogar zwei Väter: den einen, der schnell rennen kann, beim Spielen alle Verstecke kennt und sich auf alle Fragen eine Antwort ausdenkt. Und den anderen, der von der Werkshalle ins Büro versetzt wird, damit er sich nicht volltrunken die Hand absägt." Die Mutter ist bemüht und engagiert, ihrem Alltag und ihrer Familie gerecht zu werden. Über viele Jahre hinweg ist das ein Zustand, der irgendwie aushaltbar ist, nicht schön, aber okay. Das geht eine ganze Weile gut; Angehörige halten das aus, gefangen in einer Co-Abhängigkeit. Dem Betroffenen macht es das nur noch leichter, immer tiefer in diesen Strudel zu geraten, da ist eine Konstante, die ihn auffängt - Familie, Freunde. Auch hier könnte es also schlimmer sein und es wird wie folgt weitergemacht. Irgendwann resignieren die einen und die anderen nehmen sich ein Beispiel, machen mit. Es ist das was man kennt und irgendwie auch ein Stück weit gewohnte Sicherheit. In diesem Fall zieht die Tochter dem Vater nach, es baut sich eine Form der Verbindung auf. Es zeigt eine Wirklichkeit wie sie viele begleitet, oft kaum wahrnehmbar. Es gehört doch auch irgendwie dazu, das Trinken. Es ist doch so gesellschaftsfähig, jeder tut das mal; die wenigsten denken da gleich an eine Gesellschaftsdroge. In der Zahl aber gar nicht mehr so harmlos: 7,9 Millionen Menschen – so hoch ist die Zahl der Bevölkerung in Deutschland, die Alkohol in gesundheitlich riskanter Form konsumiert. Das sind 14,8 % der erwachsenen Bevölkerung zwischen 16 und 64 Jahren. Die Geschichte schockiert im Hintergrund, sie bewegt, zeigt auf, was sein kann - eine Erzählung und doch für viele die bittere, tägliche oder auch phasenweise Realität. Das Buch wurde zurecht für den Deutschen Buchpreis nominiert. Eine kleine Kritik gibt es doch, es befinden sich einige Fehler im Buch, was den Lesefluss manchmal etwas stocken lässt. Ich trinke in der Regel keinen Tropfen Alkohol. Von vielen als völlig überzogen eingestuft, halte ich ihn schlichtweg für gefährlich. Auf eine sehr persönliche Weise berührte mich dieses Buch.

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4.5

Ergreifend und erschütternd

Die Autorin erzählt in der Ich-Perspektive die Geschichte von Motte und ihr Aufwachsen in einer Familie, in der die Alkoholkrankheit des Vaters eine tragende Rolle spielt. Auf den wenigen Seiten wird sehr eindrücklich beschrieben, wie die Familie damit umgeht, wie viel auch totgeschwiegen wird. Auch zeigt sich, wie sich die Volksdroge Alkohol über mehrere Generationen trägt. Einziger kleiner Punkt Abzug sind die sehr kurzen Kapitel. Sie bringen einen schnell durch das Buch, man kommt aber den Charakteren emotional nicht sehr nah. Das Buch ist insgesamt eine sehr starke Empfehlung meinerseits.

4

"... Dann trinkt er ein Weizenbier und verschwindet. Und noch eins und verschwindet noch ein bisschen mehr. Bis er weg ist." S. 41 Die namenlose Erzählerin schildert ihre Kindheit und das Aufwachsen mit einem alkoholabhängigen Vater. Traurig zu lesen und trotzdem liest man von der Liebe und den allgegenwärtigen Sorgen zwischen den Zeilen. Fand ich sehr berührend.

1.5

Klappe, die zweite: Mein Versuch, einen modernen Roman zu finden, der mir gefällt. Um die Worte einer weisen Person zu zitieren: thank you, next. Die Erzählweise war extrem wirr, ständig wurde zwischen verschiedenen Zeitebenen hin- und hergesprungen. Irgendwann habe ich komplett den Überblick verloren, und damit ging für mich auch der rote Faden der Geschichte verloren. Oder gab es den überhaupt? Ich weiß es nicht. Das Thema an sich fand ich sehr interessant: Alkoholismus in der Familie und wie weitreichend aber auch verschieden die Auswirkungen für alle Beteiligten sind. Die Umsetzung hat mich leider nicht überzeugt. Ich werde das Gefühl nicht los, dass Bücher, die Preise gewinnen, einfach nichts für mich sind.

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3.5

Longlist Nr.1- speziell

Fragmentartig wird im Heute und in Rückblicken ein Leben mit dem alkoholkranken Vater beschrieben. Kurze Kapitel, wenige Worte und manchmal etwas kryptisch.

3.5

"Das Schwarz an den Händen meines Vaters" ist eine nüchterne und ungeschönte Darstellung einer Familie mit einem alkoholkranken Vater und den Auswirkungen auf seine Familienmitglieder. Der Roman bleibt emotional eher oberflächlich, genau wie die namenlosen Charaktere. Die wechselnden Zeitebenen sind gewöhnungsbedürftig, empfand ich teilweise als chaotisch. Für zwischendurch ein lesenswerter Roman. Mir persönlich hat jedoch der Tiefgang gefehlt.

4

Das Buch ist für mich ein Beweis der Liebe zum Vater. Ein Vater, der viel getrunken hat. Kein Vater, der im Suff missbraucht, sondern ein Vater, der total betrunken auf der Couch liegt, zu nichts mehr zu gebrauchen ist und erst mal den Rausch ausschlafen muss. Sprich: ein Vater, der im Vollrausch nicht mehr vorhanden ist. Erzählt wird die Geschichte in kurzen Kapiteln, fragmentarisch, von der Tochter. Immer wieder Szenen, die nüchtern erzählt werden, ohne tiefer darauf einzugehen. Ich hab es wirklich schnell durchgelesen, aber ich muss gestehen, dass nach dem Lesen nicht mehr viel übrig geblieben ist. Das fällt mir besonders jetzt auf, wo ich darüber schreibe. Ich weiß noch, dass der Bruder die vernünftigste und nüchternste Person hier war. Dass ich ihn sehr mochte. Dass ich es schrecklich fand, wie die Alkoholsucht dazu geführt hat, dass die Familie sich wohnlich immer weiter verkleinern musste. Und dass ich es erstaunlich fand, wie diese schreckliche Alkoholsucht über Generationen vererbt wurde und auch die Tochter als Erwachsene trinkt. Es ist berührend, aber nicht schmerzlich. Ich würde sagen, es hat sogar eher ein wenig Witz in sich. Wer, wie ich, gerne den Schmerz beim Lesen spürt, wird diesen hier weniger empfinden. Dafür die Liebe zum Vater. Wer Schmerzen beim Lesen fürchtet, aber sich trotzdem mit schweren Themen wie Alkoholsucht auseinandersetzen möchte, dem kann ich dieses Buch wärmstens empfehlen. S.7 „Aber sie bringt uns auch bei, dass alles in Ordnung ist, solange sie nur am Wochenende trinken. Nur wer wochentags trinkt, ist süchtig. Und sie bringt uns bei, dass eine Frau immer Fluchtgeld haben muss.“ S.24 „Mein Freund bekommt an der Supermarktkasse einen dieser Familienkalender geschenkt und hängt ihn in meine Küche. Er ist bunt und fröhlich und hat dutzende Spalten und Zeilen, für die Termine dutzender Kinder, doch wir sind zu zweit. Ich schreibe über eine Zeile Bier, über die andere Schnaps. Wenn einer von uns getrunken hat, mache ich ein Kreuz in das Feld des jeweiligen Tages, und am Ende des Monats rechne ich die Tage zusammen.“ S.39 „Als ich noch ein Kind bin, denke ich oft, ich habe zwei Väter. Den einen nüchternen, der schnell rennen kann und gute Verstecke kennt. Der auf alle Fragen eine Antwort weiß und wenn nicht, sich eine gute ausdenkt.[…]Und dann gibt es noch den anderen Vater. Der sich darüber legt und ihn verschwinden lässt.“ S.41 „Je älter ich werde, desto seltener sehe ich meinen ersten Vater. Manchmal starre ich dem zweiten lange in die Augen und frage mich, ob der erste noch irgendwo ist.“

4

Das Buch war auf der Shortlist für den deutschen Buchpreis. Und ich muss sagen es hat mir sehr gut gefallen. Sonst bin ich eher vorsichtig was so Buchpreis Nominierte und Gewinner angeht, da es in der Regel nicht so meins ist. Doch finde ich dass dieses Buch wirklich gut geschrieben wurde. Man darf sich von den Zeitsprüngen nicht zu fest verwirren lassen. Deshalb nur 4 statt 5 Sterne da mir der rote Faden irgendwie ein bisschen gefehlt hat. Trotzdem klare Empfehlung!

4.5

Die Ich-Erzählerin berichtet über ihr Leben, ihre Kindheit mit einem Vater, einem Arbeiter, der mehr trinkt, als gut für alle ist und über ihr Erwachsenenleben, in dem sie auch gern mal viel zu sehr über die Strenge schlägt. Der Titel ist relativ schnell erklärt, hat etwas mit dem Job des Vaters zu tun. Doch als Leser ist man schnell in der eigentlichen Thematik drin. Der übermäßige Alkoholkonsum einiger Protagonisten in diesem Buch und dass es beinahe selbstverständlich ist. Wer weiß, wie es ist, einen Alkoholiker in der Familie zu haben, kann dieses Buch so gut verstehen. Erschreckend real erzählt die Autorin. Doch dann ist da noch die tiefe Liebe, die "Motte", wie die Erzählerin von ihrem Vater genannt wird, genau diesem entgegenbringt. Hier wird der Zwiespalt zwischen dem Abscheu des sich ständig wiederholenden vernichtenden Verhalten des Vaters und der alles umfassenden Liebe eines Kindes so gut nachvollziehbar auf den Punkt gebracht.

4

Viele Zeitebenen, manchmal fehlt die Tiefe und doch zeigt das Buch gut, wie das Leben mit alkoholkrankem Vater ablaufen kann. Ein Auf & Ab der Gefühle, eigene Sucht und eine Verharmlosung und gleichzeitig ein Ignotieren von Außen, aber auch von Innen.

4

Es fällt mir etwas schwer, dieses Buch zu bewerten. Es lässt mich deprimiert und sehr nachdenklich zurück, da es eine Welt beschreibt, die mir fremd ist. Das Leben, das die Tochter Motte beschreibt, ist oft schwer auszuhalten. Es hat mich wütend gemacht, wie die Außenwelt meist weg schaut, obwohl es so offensichtlich ist, was sich in dieser Familie abspielt. Mir war nicht bewusst, dass sich ein Alkoholproblem von Generation zu Generation " vererbt " und es darum als " normal" gesehen wird, es ertragen zu müssen. Es ist ein wichtiges Buch und ruft auf, nicht weg zusehen.Die Schreibweise ist etwas schwierig, da die Kapitel in verschiedenen Zeitebenen hin- und herspringen und ich oft überlegen musste, wo wir gerade sind.

5

Darum geht es: Lena Schätte erzählt die Geschichte von Motte, einer jungen Frau, die in einer Familie aufwächst, die von Alkoholismus und schwierigen Verhältnissen geprägt ist. Sie selbst kämpft auch mit Alkoholproblemen und muss sich um ihren Vater kümmern, bei dem Krebs im Endstadium diagnostiziert wurde. Motte macht sich auf die Suche nach einem Weg, sich vom Vater und vom Alkohol zu verabschieden. Mein Leseeindruck: Der Roman „Das Schwarz an den Händen meines Vaters" hat mich mit voller, gewaltiger, emotionaler Wucht getroffe Die Autorin Lena Schätte hat eine bemerkenswerte Erzählhaltung. Trotz aller Schwierigkeiten zeigt die Geschichte di Liebe und den Zusammenhalt innerhalb der Familie. Die Beschreibungen der beiden Vaterfiguren, die eine voller Lebensfreude und Abenteuer, die andere von der Sucht gezeichnet und geprägt, sind sehr mächtig und führen vor Augen, die Komplexität der Beziehungen innerhalb dieser Familie. Das ist der Autorin außergewöhnlich gut gelungen. Kurzgefasst: Die Beziehung zwischen Motte und ihrem Vater ist herzbewegend und aufwühlend. Die Art und Weise, wie sie sich um ihn sorgt und ihn liebt, trotz all seiner Fehler und Schwächen, ist bemerkenswert. Ihre eigene Geschichte ist ebenfalls tief bewegend. Ich hätte Motte so gerne in die Arme genommen und festgedrückt. Fazit: Verdiente 5 von 5 Sterne! Die knapp 200 Seiten haben meinem Herzen so viel abverlangt. Große Leseempfehlung!

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5

Eindrücklich wie die Autorin mit knappen Worten innere Bilder entstehen lässt, die mir direkt ins Herz gefahren sind. Ohne Sentimentalität erzählt die Autorin von der Kindheit mit einem alkoholkranken Vater.

5

Ein berührendes Buch. Eine Tochter erzählt vom Aufwachsen mit einem alkoholsüchtigen Vater. Keine lineare Erzählung, der Text springt zeitlich zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Man kann jedoch gut folgen.

5

»Wenn man immer nach dem Schlechten sucht, sieht irgendwann alles scheiße aus«

Von ihrem Vater wird sie zärtlich Motte genannt. Ein bisschen euphemistisch, da sie ihn einerseits zwar liebt, andererseits er selbst einen Keil zwischen ihre Beziehung geschoben hat – seinen übermäßigen Alkoholkonsum. Darunter leidet nicht nur sie, sondern auch ihre Mutter, ihre Geschwister sowie die gesamte Familie und der immer weniger werdende Freundeskreis. Schließlich trinkt auch ihr Opa über den Durst, gleichfalls ihr Freund und sie neigt ebenfalls dazu, diesem zu verfallen… Anfangs war ich skeptisch. Die Sprache erschien mir zu nüchtern und zugleich zu distanziert. Dazu noch die Zeitsprünge, die ich noch nicht wirklich zuordnen konnte. Je mehr ich jedoch las, desto klarer wurde mir, dass die Autorin genau die richtige Erzählweise gefunden hat, um diese Geschichte zu erzählen. Es bedarf keiner langen Sätze und zu emotionaler Beschreibungen, sondern diese kühlen, schlichten und prägnanten Sätze, die sachlich bleiben und einen dennoch treffen. Mit dem immer fortschreitenden Verlauf des Buchs, ließ sich erkennen, wie sehr alle geschilderten Figuren unter dem Alkoholkonsum und dessen Missbrauch leiden. Jeder, auf seine Weise. Manche versuchten es zu überspielen und eher zu ignorieren, während andere selbst darin Trost zu finden suchten und ebenfalls in den Teufelskreis gerieten. Darüberhinaus wird das Thema Tod umkreist, welches ein ständiger Begleiter ist und gegen Ende auch als Form der Trauerbewältigung Erwähnung findet. Die Art und Weise wie Lena Schätte dabei erzählt und dadurch einen Sog bei den Leser*innen erzeugt, ist wirklich bewundernswert. Genau deshalb brennt sich dieser Text ein und wird trotz der nicht mal 200 Seiten für immer Bestand haben. Besonders, da es anhand einer beispielhaften Familie ein Thema schildert, das allgegenwärtig ist und trotzdem gerne übersehen wird. Der Roman scheint genauso undurchsichtig, wie er klar und bewusst erzählt ist. Ein ganz großer Roman!

»Wenn man immer nach dem Schlechten sucht, sieht irgendwann alles scheiße aus«
5

Ein harter, schonungslos ehrlicher Roman, welcher aus der Perspektive der Tochter, mit dem Spitznamen “Motte”, geschildert wird. Es geht um die Liebe zu einem Vater der dem Alkohol verfallen ist. Dabei begleitet die Erkrankung die Familie schon über mehrere Generationen hinweg und droht sie mit jedem weiteren Schluck weiter zu zerreissen. Es macht deutlich, wie sehr die Abhängigkeit die Kindheit und das Erwachsenwerden der Geschwister auf unterschiedlichste Weise geprägt hat. Trotz all der Vorkommnisse zeichnet sich hier ein Familienbild voller tiefer Verbundenheit ab. Bestehend aus kurzen und präzisen Kapiteln, die es in sich haben. Eine nüchterne Erzählweise, wodurch die Emotionen kaum erkennbar sind. Klare Empfehlung!

4

Der soziale Abstieg auf der Basis von Alkoholismus

Ich habe zu älteren Herren, die in der Kneipe sitzen und schon nachmittags Bier trinken ein ambivalentes Gefühl. Einerseits finde ich das tragisch und auch ein wenig abstoßend, oft versteckt sich hinter einer spießigen und normalen Fassade Alkoholismus, der mit einigen Bier täglich inklusive ein paar Schnäpsen daherkommt. Meinem Empfinden nach kann man da schon von Abhängigkeit sprechen. Andererseits hab ich als Kneipenkind viel Kontakt zu solchen Männern gehabt und – man möge es mir glauben oder nicht – viele gute Gespräche gehabt. Meistens wollten die nur erzählen und irgendwie habe ich ein Herz für diese Spezies. Die namenlose Erzählerin in diesem Text hat es da härter angetroffen. Ihr Vater ist das, was man einen Hardcore- Alkoholiker nennt. Ohne geht nicht! Und dafür verspielt er Haus, Hof, Job und fast seine Familie. Für die Erzählerin fühlt es sich an, als ob sie zwei Väter hat: den Fürsorglichen, Lustigen, der Geschichten erzählt, sie zum Lachen bringt oder mit ihr kleine Abenteuer erlebt. Aber auch den Volltrunkenenen, der sich in Klamotten aufs Bett legt, schon mal nicht nach Hause kommt und aus den Augenwinkeln zur Kenntnis genommen wird. Eigentlich gibt es auch noch einen dritten Vater: der, der mit einem dicken Schädel aufwacht, Lügengeschichten erfindet, um seine Ausfälle zu erklären und dafür auch unsere ICH Erzählerin grenzenlos manipuliert oder sie als Komplizin zu gewinnen versucht. Als erwachsene Frau trinkt sie selber, möchte sich erst in den Vater reinfühlen und rutscht nach und nach in die gleiche Krankheit. Sie ist ein Papakind, das merkt man schnell und umso schmerzhafter ist mit anzusehen, wie sich ihre Liebe und Sorge in Verachtung und Flucht verwandelt. Lena Schätte erzählt den sozialen Abstieg einer Familie aufgrund von Alkoholismus und wendet einen pragmatischen Ton an. Sie versucht jegliche Gefühlsduselei außen vor zu lassen und schafft es trotzdem, den Text sehr nahbar zu machen. Der Bruder ist der einzige Dreh und Angelpunkt, der einem ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Seine unbeschwerte Art, die er sich wie auch immer erhalten konnte (oder ist sie nur Fassade?) macht die Personenzeichnung abwechslungsreich. Man hat zwar eine ungefähre Ahnung davon wie die Mutter sich fühlen mag doch sie blieb mir am weitesten weg – mal abgesehen von der Schwester, die nur am Rande vorkommt. Durch das ist nicht schlimm, denn dies ist eine Geschichte von Vater und Tochter, die in den von Ihm verschuldeten, prekären Verhältnissen versuchen das unmögliche zu schaffen - sich eine positive Beziehung zu erhalten. Dass dieser Roman nicht lösungsorientiert arbeitet, fühlt sich ebenfalls als Plus an. Es ist kein Ratgeber, sondern die Darstellung von Familienleben, wie es das in Deutschland tausendfach gibt. Mich hat diese Geschichte sehr berührt, es gab Momente, da standen mir die Tränen in den Augen. Und ich musste an die vielen Familien denken, die ich kenne, denen ähnliches widerfahren ist. Ich empfehle das Buch allen die einen knappen Erzählstil mögen und die die Augen vor viel gelebten Realitäten nicht verschließen möchten.

5

Eine Familie, die zerissen ist und doch immer wieder für einander einsteht. Der Vater, der wie schon seine Vorfahren dem Alkohol verfallen ist und sich doch in nüchternen Phasen liebevoll um seine Kinder sorgt. Die Mutter, die das Bild nach außen aufrecht erhält, alles rechtfertigt oder herunterspielt und doch immer auf gepackten Koffern sitzt. "Und sie bringt uns bei, dass eine Frau immer Fluchtgeld haben muss." Die Kinder, die das Umfeld nicht anders kennengelernt haben. Für die es zur Normalität wurde, wenn der Vater wegblieb und erst am nächsten Morgen heimkam. Mit sehr geradliniger, fast stacccato-artiger Sprache lässt Lena Schätte die Tochter der Familie erzählen. Vom Aufwachsen in armen Verhältnissen, von selbstzerstörerischer Alkoholsucht, aber eben auch von tiefer Verbundenheit und der Sehnsucht nach elterlicher Liebe. Kurze Sätze, von denen jeder einzelne eine eigene Geschichte erzählt, Emotionen nur knapp anreist. Und doch glaube ich als Leserin genau zu wissen, welche Gefühle hinter dieser nüchternen Erzählweise stecken. Ein Zerissensein zwischen Abscheu, einem 'das wird schon wieder' und einem doch füreinander Dasein, wenn es nötig scheint. "Wir denken nicht nach in dieser Familie, über die Reihenfolge der Dinge oder darüber, wer wen aufhebt." Auf nicht einmal 190 Seiten ist hier eine Famileingeschichte entstanden, die ganz ohne Pathos und Beschuldigung auskommt. Die von Sucht erzählt, die im Innen die Familie zerreißt und im Außen weggeschwiegen wird.

4

"Wenn er betrunken ist, packst du deine Koffer. Und wenn er nüchtern ist, packst du sie wieder aus. Und so läufst du dein ganzes Leben lsng in knubbeligen Blusen herum und siehst beschissen aus." Einer von vielen Sätzen aus diesem Buch, die nachwirken. Kurze und doch sehr einprägsame Kapitel. Dieses Buch hat mir sehr gut gefallen. Lediglich die Zeitsprünge fande ich sehr anstrengend.

4

Beeindruckend erzählte Familiengeschichte, die das Thema Alkoholsucht und ihre Auswirkungen auf due Familie beleuchtet.

3

Vor meiner Bewertung muss ich noch einwerfen, dass ich in meiner Familie in der näheren Verwandtschaft auch einen Fall von Alkoholismus mit Todesfolge und in der Bekanntschaft meiner Eltern so einige kannte, die mit diesem Stoff doch sehr auf Du waren. Daher hat mich dieses Buch sehr interessiert und hat mich mit seinem Ton schon eingeholt, auch wenn ich es für mich insgesamt als Mittelmaß einordnen würde. Also ein Buch, bei dem leider nicht so viel haften bleibt, was ich schon merke, während ich diese Zeilen verfasse, denn ich kann ohne nachzuschauen, kaum noch etwas groß zum genaueren Inhalt sagen. Stilistisch hat mich das Buch sehr abgeholt. Ich fand die einfache Sprache passend zum Thema und auch die zeitlichen Sprünge ohne eine Zuordnung in den Kapiteln empfand ich als positiv herausfordernd, da man sich beim Lesen immer wieder orientieren musste, wo man denn nun genau zeitlich sich einordnen muss. Doch irgendwie hat mir in der gesamten Geschichte das Besondere gefehlt, eine Entwicklung der Figuren, die hängen bleibt. Ich hatte das Gefühl, dass das alles durch die kurzen, einfachen Sätze und Kapitel alles zu schnell abgehandelt wird und kaum Raum für eine Entwicklung der Figuren war. Alles sehr geradlinig, sehr vorhersehbar. Es ist wirklich traurig zu sehen, wie vor allem die Männer in der Familienlinie in der Suchtschleife zu hängen scheinen und die Frauen das irgendwie zu Hause abfangen, verschweigen und über sich ergehen lassen. Alles Dinge, die ich in milderen Umständen auch bei mir zu Hause hatte. Ich nannte das für mich im Nachhinein den soften Alkoholismus, der sich nicht durch Brutalität gezeigt hat, sondern vielmehr durch Tristesse und seelische Gewalt, was man da alles mit ansehen musste in jungen Jahren. Doch in Textform war mir das zu generisch (?), zu einfach gehalten. Da war nix dabei, was mich wirklich in den Text ziehen wollte und darüber nachdenken lässt, wie man diesen Kreis durchbrechen könnte. Alles in allem als Fazit: Inhaltlich leider zu wenig, aber sprachlich fand ich es gut umgesetzt.

4

Eine sehr rohe, ehrliche Darstellung der "Familienerkrankung" Alkoholismus. Sehr kurze, überschaubare Kapitel. Die Zeitsprünge waren passend gewählt, allerdings manchmal nicht sehr einfach, bzw.schnell erfassbar (für mich).

4

Alkoholsucht betrifft nie nur eine Person in der Familie. Lena Schätte beschreibt das Leben einer, zunächst vom alkoholkranken Vater betroffenen Familie, aus der Sicht der jüngsten Tochter „Motte“ und der Auswirkungen auf das Leben aller Familienmitglieder und ihrer Beziehungen untereinander. Die Geschichte wird in 3 Zeitebenen erzählt und ich brauchte eine Weile bis ich das auseinander halten konnte. Der Autorin gelingt es, dass man die Gefühle, die Abstürze und den sozialen Abstieg der einzelnen Familienmitglieder real mitlebt und -fühlt. Ein trauriges aber sehr besonderes Buch.

4

Ein schmales Buch, leicht in der Hand, schwer auf der Brust.

"Meine Mutter bringt uns Töchter Dinge bei. ... Sie bringt uns bei, dass Schnaps Ärger bedeutet. Dass Männer, die Bier trinken, harmlos sind." Alkoholismus, der sich wie ein roter Faden durch eine Familie zieht und dort Spuren hinterlässt.

4.5

Bedrückend. Sehr auf den Punkt geschrieben, kein Wort zuviel.

5

Ein schonungsloser Roman, bei dem ich an manchen Kapitelenden erstmal kurz tief durchatmen musste, um weiterlesen zu können. Das suchtgeprägte Leben rund um „Motte“ und ihrer Familie hat mich sehr berührt. Dank der Leipziger Buchmesse habe ich ein signiertes Exemplar ergattert 🥰. Auf weitere Bücher von Lena Schätte bin ich sehr gespannt!

4.5

Das Leben is Maloche

Das Buch hat eine Massage ohne viel drum rum zu reden. Es gibt viel Spielraum für eigene Interpretationen, weil es nicht sehr detailliert geschrieben ist. Einige kommen vermutlich damit nicht zurecht. Es ist das Bild von vielen Familien, mit Sicherheit & ohne das schönreden, das „ich mach es anders“ - sondern wie das Leben wirklich spielt. Es las sich flüssig, durch die kurzen Kapitel und die unkomplizierten Sätze. Und ja das Leben ist Maloche.

4.5

Das Buch fand ich ganz besonders. Das Thema "Alkoholmissbrauch" ist mir schon in einigen Büchern begegnet, aber noch nie habe ich eine derartige Geschichte gelesen. Mir gefiel sehr gut, dass Alkohol nicht als Treibstoff für Gewalt und/ oder psychischen Missbrauch benutzt wurde. Der liebende Vater bleibt der liebende Vater - nur mit anderem Gesicht. Warum Alkohol trotzdem das Leben der Protagonistin und ihrer Familie zerstört, zeigt das Buch mit seinen kurzen, knallharten Kapiteln hervorragend.

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