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Das Schwarz an den Händen meines Vaters

4.2(570)
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About the book

Ingeborg-Bachmann-Preis 2026 für Lena Schätte!

»Motte« wird die Ich-Erzählerin von ihrem Vater genannt. Der Vater ist Arbeiter, Spieler, Trinker. Eigentlich hat Motte sogar zwei Väter: den einen, der schnell rennen kann, beim Spielen alle Verstecke kennt und sich auf alle Fragen eine Antwort ausdenkt. Und den anderen, der von der Werkshalle ins Büro versetzt wird, damit er sich nicht volltrunken die Hand absägt. Und das mit dem Alkohol, sagt die Mutter, war eigentlich bei allen Männern in der Familie so.
Auch Motte trinkt längst mehr, als ihr gut tut. Schon als Kind hat sie beim Schützenfest Kellnerin gespielt und die Reste getrunken, bis ihr warm wurde. Jetzt, als junge Frau, schläft sie manchmal im Hausflur, weil sie mit dem Schlüssel nicht mehr das Schloss trifft. Ihr Freund stützt sie, aber der kann meistens selbst nicht mehr richtig stehen. Nur ihr Bruder, der Erzieher geworden ist, schaut jeden Tag nach ihr. Als bei ihrem Vater Krebs im Endstadium diagnostiziert wird, sucht Motte nach einem Weg, sich zu verabschieden – vom Vater und vom Alkohol.
»Das Schwarz an den Händen meines Vaters« von Lena Schätte ist ein bewegender Roman über das Aufwachsen in einer Familie, die in den sogenannten einfachen Verhältnissen lebt und die zugleich, wenn es darauf ankommt, zusammenhält. Es ist ein harter, zarter Roman über die Liebe zu einem schwierigen Vater und den Weg ins Leben.

»Die Wucht des sich behutsam entfaltenden Textes trifft unmittelbar.« Aus der Begründung zur Verleihung des W.-G.-Sebald-Preises

Editions (2)

ISBN9783103976571
PublisherS. FISCHER
Publication Date03/12/25
Pages192

Characteristics

2 reviews

SimpleMinimalisticCredibleDisturbingSadMultifaceted

Reviews & Ratings

570 ratings

119 reviews

4.2

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  • _butterblume_
    _butterblume_

    595 Followers

    5.0

    "Als ich noch ein Kind bin, denke ich oft, ich habe zwei Väter. Den einen nüchternen, der schnell rennen kann und gute Verstecke kennt. Der auf alle Fragen eine Antwort weiß und wenn nicht, sich eine gute ausdenkt. .... Und dann gibt es noch den anderen Vater. Der sich darüber legt und ihn verschwinden lässt." "Je älter ich werde, desto seltener sehe ich meinen ersten Vater. Manchmal starre ich dem zweiten lange in die Augen und Frage mich, ob der erste da noch irgendwo ist." "Von Anfang an möchte ich besoffen sein. Ich trinke mich an diesen Punkt heran, an dem alles gleichgültig wird. Die Welt weit weg und dumpf erscheint, ich mir selbst von außen zusehen." "Es ist schwierig, Kind", sagt sie einmal zu mir, als ich an ihrem Bett heule. "Wenn er betrunken ist, packst du deine Koffer. Und wenn er nüchtern ist, packst du sie wieder aus. Und so läufst du dein ganzes Leben lang in knubbeligen Blusen herum und siehst beschissen aus." Die Geschichte einer Familie, in der sich der Alkoholmissbrauch durch die Generationen zieht. Sehr realistisch und eindringlich beschreibt Lena Schätte in kurzen, zwischen den Generationen wechselnden Kapiteln, was Alkoholsucht zerstört. Nicht nur die Gesundheit der Betroffenen, auch das Leben der Familie wird radikal beeinflusst. Eine unbeschwerte Kindheit kann nicht stattfinden, alles richtet sich nach dem Alkoholpegel aus. Ein sehr intensives Buch, das mich wahrscheinlich noch eine Weile beschäftigen wird. Von mir gibt es eine ganz klare Leseempfehlung ⭐

    Apr 21, 2025

  • bea777
    bea777

    484 Followers

    4.5

    Bedrückende Geschichte über die Auswirkungen eines trinkenden Vaters auf die Familie

    Wir lesen in kurzen Kapiteln und mit vielen Zeitsprüngen die Geschichte von Motte und ihrer Familie. Ihr Leben ist geprägt von der Alkohol- und Spielsucht des Vaters. Die Co-abhängige Mutter versucht die Sucht gegenüber Nachbar*innen im Dorf zu relativieren. Ein Verhalten, dass die Kinder der Familie kopieren. Motte kümmert sich bereits als Kind um den Vater, wenn er bspw. betrunken im Badezimmer liegt. Auch wenn der Vater seinen Kindern gegenüber liebevoll ist, sich Geschichten ausdenkt und mit ihnen herum albert, ist es doch sehr bedrückend, weil dieser Vater zunehmend verschwindet. Zitat S. 39: Als ich noch ein Kind bin, denke ich oft, ich habe zwei Väter. Den einen nüchternen, der schnell rennen kann und gut Verstecke kennt. (...) Und dann gibt es noch den anderen Vater. Der sich darüber legt und ihn verschwinden lässt. In anderen Zeitebenen begleiten wir Motte im jungen Erwachsenenalter. Sie hat ebenso ein problematisches Trinkverhalten entwickelt, hat Abstürze und trägt dabei Verletzungen davon. Zeitgleich wird ihr Vater schwer krank. Sie muss sich verabschieden und sich auch mit ihrem eigenen Suchtverhalten auseinandersetzen. Die Geschichte fand ich sehr bedrückend und wenig hoffnungsvoll, auch weil sich die trinkenden Männer durch die Generationen ziehen und das Leben der Frauen und deren Möglichkeiten extrem einschränken. Ich empfehle es dennoch, den es ist gut zu lesen und ermöglicht einen Blick, den man in dieser klaren Sprache nur selten liest. Die Zeitspanne erfordern etwas Konzentration, haben mich aber nicht gestört.

    Dec 5, 2025

  • theagri
    theagri

    779 Followers

    4.0

    Seit ihrer Kindheit ist es Motte, die Erzählerin, gewöhnt, dass Alkohol eine große, wichtige Rolle im Familienleben spielt. Wir erfahren wie es ist in einer Familie mit alkoholkranken Menschen aufzuwachsen. So ist es verständlich, dass auch sie sehr früh in die Abhängigkeit gerät. Gleichzeitig erzählt die Geschichte von der Liebe zwischen Vater und Tochter und zeigt den Alkoholmissbrauch über Generationen in einer Familie. Der Schreibstil ist nüchtern und klar, erzählt nur das Notwendige und trotzdem entstehen Bilder von Augen, die soviel mehr sagen als die Worte. Die Kapitel springen in den Zeiten zwischen Kindheit und Erwachsenenalter von Motte hin und her. Das stört nicht, denn man versteht leicht und schnell in welcher Phase man sich befindet und somit wird der Hintergrund für die Handlungen der Familienmitglieder unterstrichen. Das hat mir gut gefallen. Die Geschichte von Motte und ihrer Familie ist nicht rund, nicht abgeschlossen, lässt Spielraum für eine Zukunft, die noch zu gestalten ist und die uns hoffen lässt. Ein Buch dass ein schwieriges Thema aufgreift, nicht moralisiert, das die Tragik ebenso aufgreift wie die Möglichkeit eines hoffnungsvollen, erfüllten Lebens.

    Jul 9, 2025

3 of 119 reviews

SocialReads

Page-based comments

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valuna
valuna4 days ago

Das Bild, dass der Vater nach Alkoholkonsum verschwindet, finde ich sehr passend und gleichzeitig unglaublich traurig, besonders dann den letzten Satz in Kapitel 13 ("Je älter ich werde, desto seltener sehe ich meinen ersten Vater. Manchmal starre ich dem zweiten lange in die Augen und frage mich, ob der erste da noch irgendwo ist.") Interessant eigentlich, dass die meisten Menschen ja denken, dass sie durch Alkoholkonsum "lockerer" werden, sich mehr trauen, zu zeigen, wer sie sind... Wobei es hier vermutlich mehr darum geht, Wahrheiten auszusprechen, die man sich nüchtern nicht traut, auszusprechen...

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Author

About Lena Schätte

Lena Schätte, geboren 1993 in Lüdenscheid, debütierte 2014 mit dem Roman »Ruhrpottliebe«. In den Folgejahren arbeitete sie als Psychiatriekrankenschwester im Ruhrgebiet, bis sie 2020 ein Studium des Literarischen Schreibens am Deutschen Literaturinstitut Leipzig aufnahm. Für einen Ausschnitt aus dem Roman »Das Schwarz an den Händen meines Vaters« erhielt Lena Schätte den W.-G.-Sebald-Literaturpreis 2024, der Roman stand 2025 auf der Longlist des Deutschen Buchpreises und wurde mit dem Förderpreis Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet. 2026 erhielt Lena Schätte den Ingeborg-Bachmann-Preis.

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