Botanik des Wahnsinns

Botanik des Wahnsinns

Hardback
3.9868

By using these links, you support READO. We receive an affiliate commission without any additional costs to you.

Description

Als bei der Zwangsräumung der Wohnung seiner Mutter durch eine Verwechslung alles von Wert in die Müllverbrennungsanlage wandert, bleibt dem Erzähler wortwörtlich nur der Abfall der eigenen Familiengeschichte. Wie hat es so weit kommen können? Der Erzähler blickt auf die Biografie seiner Familie: ein Stammbaum des Wahnsinns. Die Großmutter bipolar, zwölf Suizidversuche, der Großvater Stammkunde in Steinhof, die Mutter Alkoholikerin, der Vater depressiv. Und er blickt auf seinen eigenen Weg: Eine Kindheit im Münchner Arbeiterviertel. Die frühe Angst, verrückt zu werden. Die Flucht vor der Familie ins entfernte New York. Jahre in Wien mit Freud im Kaffeehaus. Und wie er schließlich doch in der Anstalt landet – als Psychologe. Bei der Arbeit mit den Patienten lernt er, dass ein Mensch immer mehr ist als seine Krankheit, dass Zuhören wichtiger ist als Diagnostizieren. Vor allem aber muss er sich bald die Frage stellen, was das sein soll: ein normaler Mensch. Eine aus dem Ruder gelaufene Familienanamnese? Ein Schelmenroman? Ein Lehrstück in Empathie? Leon Englers Debüt ist all das und mehr, ein zärtlicher Befreiungsschlag, die Geschichte einer Versöhnung. Lieblingsbuch des Schweizer Buchhandels 2026. Nominiert für den ZDF-aspekte-Literaturpreis 2025. »Ein fantastisches Buch – abgrundtief und doch tröstend. Hab’s verschlungen.« DORIS DÖRRIE »Unwiderstehlich. Leichtfüßig und ernst, zärtlich und brutal, ironisch und ehrlich.« SIRI HUSTVEDT

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Hardback
Pages
208
Price
23.70 €

Author Description

LEON ENGLER wuchs in München auf und studierte Theater-, Film-, Medien-, Kulturwissenschaft und Psychologie in Wien, Paris und Berlin. Er veröffentlichte zahlreiche Theaterstücke, Hörspiele und Kurzgeschichten und wurde 2022 mit dem 3sat-Preis beim Bachmann-Wettbewerb ausgezeichnet. Er ist tätig als Autor, Psychologe und Dozent für Psychologie und Literarisches Schreiben. ›Botanik des Wahnsinns‹ ist sein Debütroman, mit dem er auf der Shortlist für den aspekte-Literaturpreis stand.

Characteristics

15 reviews

Mood

Sad
Funny
Scary
Erotic
Exciting
Romantic
Disturbing
Thoughtful
Informative
Heartwarming
71%
31%
9%
2%
44%
9%
65%
85%
79%
37%

Protagonist(s)

Likable
Credible
Developing
Multifaceted
62%
85%
71%
76%

Pace

Fast0%
Slow27%
Moderate53%
Variable20%

Writing Style

Simple7%
Complex40%
Moderate53%
Bildhaft (43%)Minimalistisch (21%)Poetisch (50%)Außergewöhnlich (57%)

Posts

190
All
5

Ich bin sehr begeistert von diesem Buch. Nach dem Tod der Mutter unseres Protagonisten blickt er zurück auf seine Familiengeschichte die geprägt ist von verschiedensten psychischen Erkrankungen. Schon als Kind, als er in der Schule Vererbungslehre durchnimmt, wird ihm bewusst, wie schlecht seine Chancen stehen dem ganzen " Wahnsinn " zu entkommen, so ist es doch auch seinen Eltern, die sich der Gefahr ebenfalls bewusst waren, letztendlich nicht gelungen ein gesundes Leben zu führen. Er beschließt dem Thema 'psychisch krank' nicht als Patient, sondern als Psychologe näher zu kommen, und hofft so, dem ' Verrückt werden' zu entkommen, und mehr über die Krankheiten zu erfahren die ihn und seine Familie so verfolgen. Wir erfahren die Lebens- und Krankheitsgeschichten Eltern und Großeltern, darin eingewoben die zu der Zeit gerade aktuellen Behandlungsmethoden und - ansätze. Hier auch viele Zitate bekannter Psychologen u. Ä. Während seines Studiums arbeitet er in der Psychiatrie und beobachtet, wie individuell jede Krankheit ist, auch wenn sie diesen oder jenen Namen trägt, kann sie doch völlig verschieden verlaufen. Und behandelt werden, kann nur, wer auch behandelt werden will. Besonders haben mich hier die differenzierten Beschreibungen des Autors beeindruckt, und wie reflektiert er hier erzählt. Es gibt viele Zeitsprünge die aber immer gut nachvollziehbar sind. Toller Schreibstil, nüchtern und doch emotional, sehr tiefgehend und berührend. Hier ein kleines von vielen wunderbaren Zitaten: " Die Mutter meiner Mutter war wie Wasser. Heute Dampf, morgen Eis. " Ganz tolle, sehr eindrückliche Geschichte.

5

Der Spaziergang durch den verwilderten Garten im Kopf zeigt, dass „Wahnsinn“ und Menschlichkeit ganz nah beinander liegen - klug und aufblühend erzählt!

4

Wenn Rückfälle das Leben bestimmen

"Botanik des Wahnsinns" von Leon Engler hat mich auf eine sehr eindringliche Weise beeindruckt. Besonders die Geschichte der Eltern des Protagonisten ist mir im Kopf geblieben – die vielen Rückfälle, die Ortswechsel, die festgefahrenen Verhaltensmuster und vor allem, wie schwer es ist, sich aus einer solchen Krankheit zu befreien. Sehr intensiv fand ich auch, in was sich Betroffene flüchten – neben dem Alkohol vor allem dieses Fernweh des Vaters, verbunden mit der Hoffnung auf einen Neuanfang. Diese Mischung aus Realität und innerem Ausbruch war durchgehend spürbar. Gleichzeitig bekommt man einen sehr direkten Einblick in das Leben eines psychisch kranken Menschen: sein Verhalten, die Symptome und auch die verschiedenen Behandlungsansätze und Medikation. Gerade die Abläufe und Methoden innerhalb einer Psychiatrie waren für mich als Laien besonders interessant und informativ. Ebenso wie viele verschiedene Arten von psychischen Erkrankungen es gibt: Schizophrenie, Manie ... Der Stil ist dabei durchgehend nüchtern und faktenorientiert, was die Wirkung eher noch verstärkt. Nichts wird dramatisiert – und genau das macht es so bedrückend. Am Ende bleibt vor allem eine sehr schwere, beklemmende Stimmung zurück. Ein Buch, das nicht leicht zu verdauen ist und definitiv noch lange nachwirkt. Jedem der interessiert an diesem Thema ist, kann ich das Buch empfehlen.

Wenn Rückfälle das Leben bestimmen
3

Als Hörbuch gekauft. Fand es ein sehr interessantes Thema. Der Autor hat es sehr gut geschafft die verschiedenen Krankheitsgeschichten der ganzen Familienangehörigen des Protagonisten aufzuzeigen. Es ist sehr flüssig geschrieben, was man auch sehr gut beim Hörbuch heraushört. Der Sprecher macht ebenfalls einen sehr guten Job. Ein Buch dass möglicherweise aber nicht für jeden etwas ist, da die ganzen Krankheiten wirklich gut beschrieben sind und es für manche Lesende zu nah gehen kann. Dennoch ein empfehlenswerter Roman.

4

Die Angst vor den eigenen Genen

Vorweg: Ich habe das Hörbuch gehört und der Sprecher hat mich mit seiner unaufgeregten (manchmal leicht ironischen) Art zu sprechen gut abgeholt. Ein ernstes Thema, dass durchaus spannend erzählt wird: Leons Leben steht im Schatten der zahlreichen psychischen Störungen und Diagnosen naher Verwandter (Mutter, Vater, Großeltern) – mehr, als er sich manchmal eingestehen will. Bei dem Buch handelt es sich um eine teils fiktionale Autobiographie des Autors, der hier Wahrheit und Fiktion zu einer fesselnden Geschichte vermengt.

Die Angst vor den eigenen Genen
4

Was ist Realität? Und was ist Fiktion?

Botanik des Wahnsinns hat mich vor allem durch seine Atmosphäre und Sprache beeindruckt. Der Roman ist düster, intensiv und stellenweise fast beklemmend, gleichzeitig aber unglaublich poetisch geschrieben. Besonders gelungen fand ich, wie Erinnerungen, Trauma und Wahnsinn miteinander verwoben werden, sodass man als Leser:in selbst manchmal nicht mehr sicher ist, was Realität und was verzerrte Wahrnehmung ist. Die Figuren wirken verletzlich und authentisch, vor allem die familiären Dynamiken und der Umgang mit Verlust haben mich berührt. Manche Passagen waren sprachlich wirklich wunderschön und haben lange nachgewirkt. Einen Stern ziehe ich ab, weil die Handlung zwischendurch etwas schwer zugänglich und fragmentarisch war. Teilweise hätte ich mir mehr Klarheit oder einen stärkeren roten Faden gewünscht. Trotzdem ist es ein besonderes Buch, das sich deutlich von typischen Romanen abhebt und vor allem durch Stimmung und Sprache überzeugt

Was ist Realität? Und was ist Fiktion?
5

"Man gewöhnt sich an alles hier im Grand Hotel zur lockeren Schraube."

Ich war Vom ersten Satz an gefesselt. Eine präzise Sezierung ("wie die Botaniker es mit den Pflanzen tun") der verschiedenen Schichten von Wahnsinn (psychische Erkrankungen) am Beispiel der eigenen Familiengeschichte. Und über die Angst, diesem Wahnsinn selbst zu verfallen. Zum Teil Familienchronik, zum Teil psychologischer Erfahrungsbericht (?), Zum Teil Beobachtung des menschlichen seelischen Leidens. "Es ist gar nicht so einfach zu unterscheiden wer heilt und wer geheilt werden sollte." Hochinteressant und mit viel Gespür für Sprache meisterhaft erzählt. Ein ganz beeindruckendes Debüt!

5

Was vererbt uns unsere Familie? Augenfarbe, Körpergröße – Wahnsinn? Mit dieser Frage beginnt Leon Englers Roman »Botanik des Wahnsinns«. Der namenlose Erzähler wächst in einer Familie auf, in der psychische Erkrankungen fest zur Familiengeschichte gehören. Depressionen, Alkoholabhängigkeit, Bipolarität und Psychosen ziehen sich durch die Generationen wie die Äste eines Stammbaums. Für den Erzähler wird die Angst, selbst eines Tages „verrückt“ zu werden, früh zum ständigen Begleiter. Schon als Schüler versucht er, sie mit Logik zu bändigen und rechnet im Biologieunterricht nüchtern Wahrscheinlichkeiten aus: Wie groß ist die Chance, dass es auch ihn trifft? Später entscheidet er sich ausgerechnet für ein Psychologiestudium und landet schließlich dort, wo sich vieles von dem bündelt, wovor er sich immer am meisten gefürchtet hat: in der Psychiatrie. Allerdings nicht als Patient, sondern als Psychologe. Der Roman erzählt diese Familiengeschichte nicht als lineare Chronik. Stattdessen entfaltet sie sich in kurzen, oft fragmentarischen Kapiteln, in denen Erinnerungen, Beobachtungen und Reflexionen nebeneinanderstehen. Vergangenheit und Gegenwart greifen dabei immer wieder ineinander. Die Lebensgeschichten der Großeltern und Eltern, Eindrücke aus dem Klinikalltag und die Reflexionen des Erzählers verbinden sich zu dem Versuch, zu verstehen, welche Rolle Herkunft, Veranlagung und Lebensumstände beim Entstehen psychischer Erkrankungen spielen. Ausgangspunkt dieser Rückschau ist ein Moment des Verlusts: Als die Wohnung seiner Mutter zwangsgeräumt wird und viele persönliche Erinnerungsstücke unwiederbringlich verloren gehen, beginnt der Erzähler, die Geschichte seiner Familie aufzuschreiben. So entsteht nach und nach eine Art literarischer Stammbaum, in dem sich die Brüche, Diagnosen und Lebensgeschichten der Angehörigen zu einem vielschichtigen Familienporträt zusammenfügen. Besonders beeindruckt hat mich der Ton des Romans. Engler schreibt über schwere Themen – Depression, Sucht, Psychosen – und schafft es dennoch, eine erstaunliche Leichtigkeit im Erzählen zu bewahren. Seine Sprache ist beobachtend und präzise, oft lakonisch und von einer feinen, manchmal fast trockenen Ironie geprägt. Immer wieder findet er unerwartete Bilder und Vergleiche, mit denen er komplexe Gefühle und familiäre Dynamiken in wenigen Sätzen greifbar macht. Viele Passagen wirken dabei beinahe essayistisch: Immer wieder hält der Erzähler inne, beobachtet, denkt weiter und tastet sich an Fragen heran. Gerade diese Mischung aus erzählerischer Beobachtung, gedanklicher Reflexion und stiller Komik verleiht dem Roman eine besondere Leichtigkeit und verhindert, dass er trotz seiner Themen jemals pathetisch oder übermäßig düster wirkt. Spannend fand ich auch, wie der Roman persönliche Erfahrung mit fachlichem Wissen verbindet. Leon Engler arbeitet selbst als Psychologe und dieses Wissen fließt immer wieder in die Erzählung ein. Der Erzähler denkt über Diagnosen, Vererbung und die Frage nach, was eigentlich als „normal“ gilt – ohne dass diese Passagen je trocken oder belehrend wirken. Vielmehr entstehen sie ganz selbstverständlich aus den Erinnerungen und Begegnungen des Erzählers heraus. Für mich war »Botanik des Wahnsinns« ein echtes Herzensbuch. Besonders Englers Sprache hat mich begeistert. Seine Sätze sind präzise, klug und zugleich überraschend poetisch – immer wieder musste ich beim Lesen innehalten, weil einzelne Gedanken so treffend formuliert sind, dass ich sie sofort unterstreichen wollte, um später noch einmal zu ihnen zurückzukehren. Am Ende wirkt dieser Roman tatsächlich wie eine kleine „Botanik“ der eigenen Familie: ein vorsichtiges Kartieren von Wurzeln, Brüchen und Verzweigungen. Kein Versuch, dieses Geflecht ganz zu entwirren – eher der Versuch, etwas Licht hineinfallen zu lassen. Ich hoffe sehr, dass Leon Engler noch viele weitere Bücher schreiben wird.

Post image
4

Schonungsloses Buch über psychische Störungen

Vorab: man merkt dass der Autor sehr tief im Thema ist, und es verwundert auch nicht, dass er selbst Psychologe ist. Ob etwas autobiographischen dabei ist? Es geht um psychische Erkrankungen, deren Vererbarkeit, um Muster des Leides, die sich durch Familien fressen. Um Sprachlosigkeit. Um den Kampf der Familiegeschichte zu entfliehen, um den Wechsel auf die andere Seite der Psychatrie um zu verstehen. Um zu lernen dass die Vermessbarkeit und Klassifizierbarkeit, eben die Botanik des Wahnsinns auch nichts anderes ist als eine Illusion. Ein gutes Buch, aber sicher kein easy read.

4

Manchmal beendet man ein Buch und denkt: War gut – aber das Ende… hm. 😅 So ging es mir hier auch. Irgendwie hat mich das Ende ein bisschen enttäuscht, gleichzeitig hatte ich genau so etwas schon geahnt. Trotzdem hat mir das Buch insgesamt wirklich gut gefallen. Die Geschichte war anders als vieles, was ich sonst lese. Besonders mochte ich den eher nüchternen, fast emotionslosen Stil. Ich glaube, wäre das emotionaler geschrieben gewesen, hätte mich das Ganze deutlich mehr runtergezogen. Die Beschreibungen und Erzählungen über Depressionen fand ich treffend und haben mich sehr berührt. Zwischendurch blitzte immer wieder ein trockener Humor auf – den habe ich sehr genossen. Davon hätte ich mir ehrlich gesagt noch etwas mehr gewünscht.

4

“Botanik des Wahnsinns” von Leon Engler seziert eine Familie anhand ihrer geistigen Verfassung und widmet sich vermeintlich autofiktional der Familiengeschichte des Autors. Darüber hinaus wird auf das grundsätzliche Wesen von Sucht, Schizophrenie und Depression eingegangen. Engler nimmt seine Vorfahren und deren Lebensumstände, genau wie seine eigenen, Stück für Stück auseinander, auch der Titel des Buches findet Erklärung, auch wenn es eine dezidierte Handlung vermissen lässt. Mir hat die wortgewandte und scharfsinnige Analyse jedoch sehr gut gefallen, auch wenn die Versuche, geistige Normalität und psychische Störung abzugrenzen, letztliche scheitern (müssen). Weiterhin gibt es etliche Erklärungen und sprachliche Wendungen, über die man stolpert und die hängen bleiben wollen. Obwohl mir das Hörbuch und Sprecher Johannes Nussbaum mir hier sehr zugesagt haben, würde ich dennoch Lesen vorziehen, weil sich bemerkenswerte Passagen so besser markieren lassen. *Das Hörbuch wurde mir kostenfrei von netgalley zur Verfügung gestellt.

4.5

Interessantes Verweben und Reflektieren der eigenen Familiengeschichte mit dem eigenem Leben und Beruf

Beim Lesen ist ein guter Lesefluss entstanden. Sehr interessant war das Verweben der eigenen Familiengeschichte, der eigenen Reflexion darüber, die Sorge, dass einem das gleiche Schicksal trifft sowie vor allem die Arbeit in der Psychiatrie vor diesem familiären und persönlichem Hintergrund.

5

"Es gibt keine Erlösung, keine Vergebung, nur die Akzeptanz dessen, was ist. Ich muss mich geschlagen geben. Es ist nicht mein Kampf, den ich verliere, aber ich verliere dennoch, ich verliere meine Eltern. Endlich gebe ich die Hoffnung auf. Ich bin nicht imstande, sie zu trösten, nicht so gut wie der Wein und die Einsamkeit." Eine Familiengeschichte auf 200 Seiten. Nein, eher eine Familienanamnese auf 200 Seiten. 200 Seiten Wahnsinn, Einsamkeit, Sucht, Schizophrenie, Depressionen, Hilfe, Entzug, Umkehr und Verlust. Eigentlich sollte der Junge Noel heißen, da sie Weihnachten liebten, aber es war zu modern, sie drehten die Buchstaben und nannten ihn Leon. Leon der Ich-Erzähler erzählt die Geschichte seiner Familie, alle waren sie verfallen entweder der Sucht, der Einsamkeit oder dem Wahn. Er versucht dem Theater zu entfliehen, schafft es nur halb. Am Ende wird er seine Eltern gehen lassen... Eine wunderbare Geschichte über die Außergewöhnlichkeit einer Familie. Keiner kann sich seine aussuchen. Ich bin positive überrascht. Kritik war viel zu hören, aber ich finde es ein super Debütroman.

5

„Aber wenn ich eines in meinem Studium gelernt habe, dann, dass die Seele eine vage Idee ist. Sie entwischt dem menschlichen Wunsch nach Eindeutigkeit immerzu.“ Das ist nur eine von vielen Passagen aus Leon Englers Buch, die mich beim Lesen dazu gebracht haben, innezuhalten, nachzudenken und nachzufühlen. In Botanik des Wahnsinns begleiten wir den Erzähler, einen jungen Mann, der bei der Wohnungsauflösung seiner Mutter feststellt, dass keinerlei Erinnerungen, Dokumente oder Fotos mehr geblieben sind, die die Geschichte seiner Familie dokumentieren. Der Urgroßvater war Suchtkrank, die Großmutter ebenfalls und dazu bipolar, die Mutter Alkoholikerin, der Vater depressiv. Welche Diagnose wird ihn also ereilen? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, taucht er tief in die Familiengeschichte ein und entscheidet sich schließlich selbst für die Psychiatrie- allerdings als Psychiater. Er arbeitet dort auf verschiedenen Stationen und begegnet dort vielen Krankheitsbildern, die auch in seiner Familie vorkommen. Dabei lernt er viel, was weit über das hinausgeht, was man aus Lehrbüchern über psychische Erkrankungen lernt. Die Angst vor dem eigenen Verrücktwerden ist dabei immer präsent. Doch was ist das eigentlich- verrückt sein? Wo fängt Wahnsinn an und hört er wirklich bei demjenigen auf, der ihn diagnostiziert? Und wie definiert sich der Zustand „geheilt“? Botanik des Wahnsinns hatte mich von der ersten Seite an. Auch, weil ich die Angst des Erzählers davor, selbst krank oder „verrückt“ zu werden irgendwie nachfühlen kann. Und auch, weil hier die Geschichte einer Arbeiterfamilie erzählt wird und ich finde, das mehr Geschichten aus dieser Bevölkerungsschicht erzählt werden müssen. Obwohl man beim Lesen oft in die tiefen Abgründe der menschlichen Psyche blickt, hat mich das Buch nicht runtergezogen. Leon Engler schreibt in der ersten Person, was Nähe schafft. Allerdings ist sein Erzähler wenig emotional, was wiederum Distanz bringt und ich denke, damit wird hier für mich genau der richtige Ton getroffen, der dazu führt, dass einem die Story nicht runterzieht. Bei der Darstellung des Psychiatrie-Alltags wurden die Missstände und unser unzureichendes Gesundheitssystem deutlich hervorgehoben. Ich denke, wir müssen mehr über psychische Gesundheit und Krankheit sprechen, mehr darüber lesen und kann Botanik des Wahnsinns daher nur empfehlen!

3

„Während ich versuche, meine Patienten besser zu verstehen, versuche ich auch, meine Familie besser zu verstehen.“ Durch all die Referenzen zur Psychotherapie wirkte die Familiengeschichte weniger einfühlsam.

3.5

Zuallererst, echt props an den Designer dieses Buchcovers, ich glaube das ist wirklich mein allerliebstes Lieblingscover jemals! ❤️‍🔥 Und jetzt zum wichtigeren Teil und mir fällt es gar nicht so leicht Worte für dieses Buch zu finden. Einerseits fand ich es gut und sprachlich auch wirklich sehr gekonnt, aber andererseits hat mir auch einfach was gefehlt, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Der Klappentext klang wahnsinnig vielversprechend und ich hatte riesige Lust auf den Roman, aber der Inhalt konnte da nicht ganz mithalten. Ich bin mir sehr sicher, dass es ein absolutes me-problem ist, weil ich mit falschen Erwartungen in dieses Buch gegangen bin. Ich hab mir ausgehend vom Klappentext eine wilde und vielleicht sogar unhinged Story versprochen, aber der Ton und Verlauf der Geschichte blieb doch recht sachlich, ruhig und analytisch; was nicht negativ ist, aber einfach nicht das, was ich mir son bisschen erhofft hatte. Trotzdem kann ich die begeisterten Stimmen absolut nachvollziehen und ich könnte mir gut vorstellen, dass ich bei einem 2. Durchgang noch viel mehr davon mitnehmen würde!

4

Tragisch und morbide humorvoll! Exzellenter Schreibstil und kluge, wohlklingende Sprache!

Lieber verrückt als einer von euch Zunächst ist es bei diesem Roman sicherlich das psychedelische Cover, das einen wortwörtlich sofort ins Auge sticht. Es verbindet den Titel und den Inhalt des Buchs sehr anschaulich und sorgt für Unruhe beim Betrachten. Aus der Ich-Perspektive wird die gesamte Familiengeschichte erzählt, das Aufwachsen der Mutter, die Vergangenheit des Vaters, Einblicke in die Welt der Großmutter und der Entstehungs-/Schaffensweg des Erwachsenen Erzählers. Sowohl die Figur im Roman als auch der Autor Leon Engler haben einige Parallelen, zumindest in Ausbildung und Beruflicher Laufbahn (Theaterwissenschaften und Psychologie), sowie Lebensorte, wodurch wohl ein autobiografischer Aspekt vorhanden ist. Ich finde gerade den Aufbau zu Beginn mit Rückblick auf die Familiengeschichte und ihre "Biografie des Wahnsinns" und den folgenden Eintritt des Erzählers in die Psychiatrie, aber als Psychologe, äußerst gelungen. In seiner anschließenden Arbeitszeit dort, wechselt er mehrmals die Stationen: Ein grausamer Blick in die (wahrhaftige) Realität von Schizophrenen und ihre eigentliche Einsamkeit, die tiefste Traurigkeit und die für sie anders vergehende Zeit der Depressiven und in der Entzugsabteilung das ständige Problem nicht abzustumpfen, dem Zynismus und der Verbitterung zu verfallen, aufgrund der unumgänglichen Rückfälle der Patienten. Der Titel des Romans erschließt sich im Laufe der Handlung, da Pflanzen ständige Begleiter des Hauptprotagonisten sind und die ersten Einteilungen der psychischen Erkrankungen sollen nach dem gleichen Prinzip wie die, der Präzision der Botanik von Pflanzen erfolgt sein(Thomas Sydenham). Der Schreibstil hat definitiv einen sehr zynischen, vielleicht sarkastischen Touch mit ein wenig Wiener "Schmäh" und Insidern, die man wahrscheinlich nur versteht, wenn man einige Zeit in Wien gelebt hat (z.B. die viele Nackte auf der Bühne des Burgtheater oder der Narrenturm). In kursiver Schrift sind zahlreiche Zitate von verschiedenen Werken von etwa Friedrich Nietzsche, Sigmund Freud oder Arthur Schopenhauer eingebaut, die am Ende des Buchs im "Notizbuch des Nachbarn" als Literaturnachweis aufgelistet sind. Zudem stellen sich zahlreiche rhetorische Fragen, die zur Selbstreflexion anregen und das Mensch-sein an sich hinterfragen ("Was war ein richtiger Mann? Was ist ein richtiger Vater? War es das Nichts-tun, das sie so lähmte? Weil die Sucht ein Destillat einer unstillbaten Sehnsucht ist?"). Eine besondere Eigenheit ist der morbide Humor, bei dem das Sprichwort "zu lachen um nicht weinen zu müssen" wie die Faust aufs Auge passt, so beschreibt er z.B. Liebe auf den ersten Blick als Lobotomie. Aber es ist genau dies und die ausgewählte, schöne deutsche Sprache, die diesen Roman zu etwas sehr Besonderem machen. Fazit: Empfehlenswert ist dieser Roman in meinen Augen vorallem, wenn man selbst aus dem Fach Psychologie kommt.

 Tragisch und morbide humorvoll! Exzellenter Schreibstil und kluge, wohlklingende Sprache!
3

Der Autor erzählt von seiner Familie. Einer zerfallenen Familie. So viele Probleme, Krankheiten, Nöte. Ein Vater, mit Erinnerungslücken, der alle Pflanzennamen kennt, ihm, dem Sohn, aber nichts beibrachte. Eine getrennt lebende, zwangsgeräumte Mutter. Alle Familienerinnerungen versehentlich vernichtet. Beide Eltern krank, auch depressiv, genau wie deren Vorfahren. Und er erzählt von der Angst, selbst an einer psychosomatischen Störung zu erkranken. Man merkt, dass der Autor Psychologie studierte. Sein Text ist mit entsprechenden, passenden Zitaten gespickt. Er erzählt, wie er seine Familie wahrnimmt und der Lesende spürt, dass hier ein Betroffener, kein Literat, erzählt. Der Ton der Erzählung ist sachlich, teils schwermütig und ruhig. Manchmal verliert man den Überblick bei all dem Hintergrundwissen und Zitaten. Man spürt, wie sehr sich Leon Engler in das Leben seiner Vorfahren hineinfühlt um zu verstehen und Hilfe für sich selbst zu finden. Er präsentiert keine Lösungen für all die Probleme, er will nur das Warum ergründen. Gleichzeitig überrascht er mit Hoffnung und Zuversicht. Ein Buch, auf das man sich einlassen muss. Die melanchonische Schreibweise war nicht immer meins. Aber die Geschichte berührt, und lässt einen nachdenklichen Lesenden zurück.

5

Doch, ich fand das Buch auch so gut, wie es besprochen wird - trotz meiner Skepsis vor männlichen Psychologen / Psychotherapeuten. Die kurzen Kapitel sorgen für gute und schnelle Lesbarkeit und das Konzept taugt: er bringt sein im Psychologiestudium erworbenes Fachwissen und die Erfahrungen aus seiner Tätigkeit in einer psychiatrischen Klinik zusammen mit seiner Familiengeschichte und den Erkrankungen von Eltern und Großeltern. In allen Beschreibungen ist viel Menschlichkeit und Besorgnis vor dem eigenen Abstumpfen erkennbar, was ich so gerne gelesen habe.

4

Der Lieblingsbaum des Nachbarn ist halb Orange, halb Zitrone. "Die Literatur, das seien die Zitronen, die Psychologie die Orangen. Beides eine Familie, beides hänge am selben Stamm." Die Wohnung derMutter ist zwangsgeräumt worden und aus Versehen wurden die Kartons mit den wertvollen Dingen vernichtet und die mit dem Müll eingelagert. Fassungslos steht der junge Mann davor und versucht aus diesem Müll die Geschichte seiner Familie zu fischen, damit sie nicht verloren geht, alles in Vergessenheit gerät. Die Familie, in der alle eine Suchtproblematik und oder psychische Erkrankungen hatten. Aus Angst selbst zu erkranken, wird er Psychologe und arbeitet in einer Fachklinik für psychisch Kranke. "Wir versuchen hier, schreckliches Elend in ganz normales Unglück zu verwandeln. " Sehr bald wird ihm klar: "Kein Mensch ist verrückt, sein Verhalten wird nur so von uns genannt." In Verbindung mit den verschiedenen Stationen dieser Klinik erzählt der Autor die Geschichte seiner Vorfahren und deren Erkrankungen. Gerade die von seiner Mutter und von seinem Vater sind sehr bewegend. Trotzdem lässt mich der Roman seltsam kalt, bleibe ich unbeteiligt. Das liegt eventuell an der distanzierten Art des Aufbaus, aber auch an den Teilen des Buchs, die eher eines Sachbuchs gleichen. Ich habe das Buch sehr gerne gelesen, die kurzen Kapitel und die angehme, kluge Schreibweise haben das leicht gemacht. Lange in Erinnerung wird es mir aber wahrscheinlich nicht bleiben.

5

Hochintelligent und zutiefst demütig.

Dazu fällt mir ein Zitat von Hemingway ein: „Write hard and clear about what hurts“. Das scheint Leon Engler hier getan zu haben. Mit messerscharfen Sätzen, die das Potenzial haben ins Fleisch zu schneiden und eine vielgeliebte Narbe zu hinterlassen, führt der Autor uns hier seine Familienanamnese vor. Mein Fazit: Hier wird jeder auf mitreißende Art enttarnt- die Großeltern, die Eltern, der Autor…. und auch der Leser selbst, wenn er sich denn traut.

1.5

zwischen anspruch und erschöpfung

botanik des wahnsinns klang für mich im vorfeld sehr vielversprechend. der klappentext hat sofort mein interesse geweckt und ich habe eine tiefgründige, bewegende geschichte erwartet. an einigen stellen blitzt dieses potenzial auch auf: einzelne formulierungen sind gelungen, regen zum nachdenken an und zeigen sprachliches feingefühl. auch die wortspiele haben mir stellenweise gut gefallen. das buch bewegt sich zwischen autobiografischen elementen und fiktion. eine mischung, die grundsätzlich sehr spannend sein kann. in diesem fall hat sie für mich jedoch nicht richtig funktioniert. schon zu beginn hatte ich das gefühl, keinen richtigen zugang zur geschichte zu finden. der schreibstil wirkte oft sehr nüchtern und distanziert, fast wie ein sachtext, wodurch mir die emotionale nähe gefehlt hat. viele passagen zogen sich in die länge und machten das lesen eher anstrengend als fesselnd. auch inhaltlich blieb für mich vieles hinter den erwartungen zurück. gerade weil diese kombination aus persönlicher erfahrung und fiktion viel raum für tiefe und emotion bietet, hätte ich mir mehr verbindung zur geschichte gewünscht. stattdessen blieb vieles auf distanz, sodass ich kaum mitfühlen konnte. insgesamt hinterlässt botanik des wahnsinns bei mir vor allem enttäuschung. nicht, weil es keine guten ansätze gibt, sondern weil diese ihr potenzial für mich nicht entfalten konnten.

4

Gut und interessant erzählt

Man geht mit einem Mann auf die Suche nach seiner Familiengeschichte im psychologischen Sinne. Es sind viele Sprünge in der Zeit, als auch in den Familiensträngen, daher ist es immer etwas schwierig einzuordnen. Das war mir teilweise zu wirr. Man erfährt einzeln eingestreut vieles über die Geschichte der Psychologie. War richtig gut. Auch wie die Menschen mit Ihren Erkrankungen menschlich eingefangen und nahbar gemacht werden, ist gut gelungen. Erst ein großartiges Buch mit tollen Sätzen gerade am Anfang, danach fällt es meiner Meinung nach hinten ab. Da war es mir eindeutig zu schwermütig, so ganz ohne Hoffnung. Aber auch das passt dann wieder im wahren Leben zur Depression. Jedenfalls ein Buch welches nicht vergessen wird.

4

Toller Roman, der sehr lebensnah ist, der aufwühlend ist, der viele Fragen zum Leben, zu Menschen, zu Familienverhältnissen stellt. Schöne Sprache, fesselnd geschrieben und bleibt mit Sicherheit im Gedächtnis

5

Treffender könnte ein Buchtitel nicht sein! Treffender könnte ein Buch nicht sein! Treffender könnte diese Geschichte eine*n nicht treffen!

Botanik des Wahnsinns ist ein Buch, das dorthin geht, wo viele Texte nicht hinsehen wollen: in die inneren Räume von Depression oder Schwermut was mir mehr zusagt als Beschreibung , Sucht und familiären Verletzungen. Der Autor findet Worte für Zustände, die sonst oft stumm bleiben. Er beschreibt die Schwere der Depression und die zerstörerische Logik der Alkoholsucht mit einer Klarheit, die fast körperlich wirkt. Nichts ist überladen, nichts beschönigt — gerade diese Nüchternheit macht den Text so eindringlich. Die Sprache ist knapp, direkt und präzise. Jeder Satz trägt Gewicht. Vieles bleibt zwischen den Zeilen, aber alles Wesentliche ist gesagt. Das Buch zeigt, wie sich psychische Krisen anfühlen können, ohne in Dramatik oder Klischees zu verfallen. Es ist ein Blick in einen Abgrund, der erschüttert, weil er so genau beobachtet ist. Eine der stärksten Szenen ist das Bild des vergossenen Alkohols und der langsam abbrennenden Zigarette auf dem Grab des Großvaters. Es ist ein stiller, roher Moment, der zeigt, wie Trauer, Wut, Erinnerung und Abschied ineinanderfließen können. Keine große Geste, kein Pathos — nur ein schlichtes Ritual, das ausdrückt, wie man mit Verlust und den Spuren einer schwierigen Kindheit weiterlebt, dies werde ich wohl nachmachen müssen und somit endlich mal ans Grab meiner Mutter gehen Wichtig bleibt: Dieses Buch ist nicht für jeden geeignet. Wer selbst in einer mentalen Krise steckt oder in der Familie mit Sucht, Depression oder anderen Belastungen konfrontiert ist, sollte sehr vorsichtig sein. Die Intensität der Beschreibungen kann überfordern oder alte Wunden berühren. Dieses Buch verlangt Stabilität und die Fähigkeit, Abstand zu halten. Für mich persönlich wird dieses Buch ein Klassiker, den ich immer wieder lesen werde. Es erinnert mich daran, wie es ist, mit solchen Eltern oder Geschwistern aufzuwachsen — und wie sehr man selbst mit diesem Erbe ringt. Es hält fest, was oft unaussprechlich bleibt, und genau deshalb bleibt es.

4

Eigentlich möchte ich gar nichts zur Bewertung sagen, weil ich gleichermaßen begeistert bin, mir aber auch etwas fehlt.

Botanik des Wahnsinns hat mich von Anfang an neugierig gemacht – schon der Titel weckt Bilder von etwas, das zugleich wächst und kaum zu bändigen ist. Beim Lesen habe ich viele Passagen gefunden, die mich persönlich berührt haben, gerade weil ich im Bereich Sucht arbeite. Manche Aussagen über Abhängigkeit, über den Kreislauf von Verzweiflung und Selbstzerstörung, fand ich erschreckend treffend formuliert. Besonders spannend fand ich auch die Idee, Psychologie zu studieren, nicht aus rein akademischem Interesse, sondern als ein Versuch, den familiären Wahnsinn zu durchbrechen. Der Gedanke, dass man durch Verständnis und Wissen nicht in den gleichen Mustern wie Großmutter, Großvater, Vater oder Mutter enden muss, ist für mich einer der stärksten Aspekte des Buches. Dieses Motiv hat eine große Strahlkraft, gerade für Menschen, die ihre eigenen familiären Abgründe reflektieren. Trotzdem blieb ich am Ende mit einem Gefühl der Leere zurück. Ich habe die zentrale Botschaft nicht klar greifen können, auch wenn einzelne Bilder und Gedanken noch lange nachwirkten. Es ist ein Werk, das weniger Antworten gibt, als Fragen aufwirft – und genau darin liegt seine Kraft. Während einzelne Szenen stark nachhallten, fehlte mir ein übergeordnetes „Warum“ oder ein eindeutiger roter Faden. Das Hörbuch war sehr gut umgesetzt, sprachlich eine super tolle Atmosphäre. Dem Sprecher habe ich sehr gern zugehört. Fazit: Dieses Buch ist für alle, die nicht nur Geschichten lesen, sondern Atmosphären spüren wollen. Für Menschen, die den Wahnsinn aus der Nähe kennen – sei es beruflich oder persönlich – und bereit sind, sich auf ein Werk einzulassen, das keine Antworten liefert, sondern Fragen ins Herz pflanzt.

4

„Botanik des Wahnsinns“ von Leon Engler erzählt nüchtern und eindringlich von einem transgenerationalen Familientrauma und einer schweren Familiengeschichte. Gerade der klare, unaufgeregte Schreibstil war für mich besonders wirkungsvoll. Das Buch hat mich stark zum Nachdenken angeregt, vor allem darüber, wie sich solche Prägungen über Generationen hinweg fortsetzen und ob man sich daraus lösen kann. Es ist ein Werk, das Meinungen teilen könnte, aber besonders für Leser wie mich mit Interesse an Psychologie sehr überzeugend war.

3

"lies alles, dann vergiss alles."

Was für ein schönes Cover, auch der Titel wirkt interessant und gelungen. Leon Engler schreibt seinen Debüt-Roman in der ersten Person, was einen autobiographischen Eindruck macht, wahrscheinlich aber wohl eher autofiktional gemeint ist. Beide haben den Beruf des Psychologen gewählt und lebten an den gleichen Orten. Wir erfahren die Lebens- und vor allem Leidensgeschichte der Familie des Protagonisten, alle litten mindestens an einer psychischen Krankheit. Da der Erzähler nichts mehr fürchtet, als irgendwann selbst verrückt zu werden, beginnt er, die zum Teil verschütteten Krankheitsgeschichten seiner Verwandten zu recherchieren. Und er beginnt, uns diese Geschichten zu erzählen. Leon Engler schreibt wie eine Fachperson über die verschiedenen psychischen Diagnosen, natürlich auch über den Werdegang der Diagnosefindung, so wie der Therapie-Ansätze. Für einen Laien ist dies vielleicht interessant. Der Autor scheint hier mehr als Psychologe aufzutreten und obwohl er ein gewisses Talent zum Schreiben zeigt, wird es von der Fachperson der Psyche überstrahlt. Dies tut dem Buch nicht so gut. In auffallend kurzen Sätzen werden viel psychologische Fakten eingebracht, was oft wie eine Aufzählung wirkt und mir, obwohl im Bereich Psyche und Therapie vorgebildet, oft zu viel des Guten und zu zusammenhangsarm war. Die Kürze der Sätze hindern den Autoren nicht daran, recht gebündeltes Wissen mit schnell wechselnden Ereignissen, dann wieder Nebensächlichkeiten in kurzer Zeit auf den Leser einprasseln zu lassen. Dies schafft eine derartige und nach meinem Eindruck unnötige Unruhe, dass ich mich fragte, warum sich der Autor wohl so beeilt. Sehr detailliert wird das Leiden beschrieben und für mich zu oft wiederholt, die endlose Spirale der Depression bis in den Verlust jeglichen Lebensmuts schafft eine sehr trübsinnige Stimmung. Dies Buch wird als «tröstend» tituliert, ich konnte keinen Trost finden. Vielleicht geeignet als kurze Informationsreise in Richtung Psychiatrie und der Leidensgeschichte psychisch erkrankten Menschen. Für einen literarischen Genuss jedoch zu wenig für mich

5

Ein Muss

Schon das Cover hatte mich in seinen Bann gezogen und ich finde, es trifft die Stimmung dieser Geschichte einfach wunderschön und absolut zutreffend. Ein visueller Auftakt, der mich sofort neugierig gemacht hat. ​Leon Engler besitzt einen Schreibstil, der mich tief berührt hat: klar und verständlich, dabei aber durchzogen von einem feinen Charme und einer tiefen Wehmut. Obwohl die Thematik das Leben mit psychisch kranken Eltern unbestreitbar schwer ist, fliegt man regelrecht durch die Seiten. Der Text ist so zugänglich, dass man wunderbar mitkommt, ohne in der Schwere der Gefühle oder der Fakten zu "stolpern". ​Dieses Buch hat mir hautnah vermittelt, was es bedeutet, als Kind in einer solchen Familie aufzuwachsen. Der Autor beschreibt diese konstante, lähmende Angst, selbst so zu werden, die verzweifelte Hoffnung, dass Mutter und Vater die Kraft finden, etwas zu ändern, und die schmerzhafte, tief sitzende Enttäuschung, wenn diese Hoffnung zerbricht. Man wird Zeuge, wie man irgendwann aufgibt und zur Zuschauerin des eigenen Leides wird. Das hat mich emotional sehr mitgenommen. ​Was "Botanik des Wahnsinns" für mich aber so wertvoll macht, ist der unglaubliche Lerneffekt. Ich habe hier wirklich viel über Depressionen, psychische Krankheiten und das Thema Psychologie gelernt. Engler klärt auf, erläutert feine Unterschiede zwischen den Krankheitsbildern und liefert wichtige geschichtliche Erläuterungen zu deren Entwicklung. ​Mir persönlich hat dieses Buch enorm geholfen, noch mehr Verständnis für die Komplexität psychischer Erkrankungen zu entwickeln. Es ist eine ehrliche, schonungslose und zugleich poetische Auseinandersetzung mit einem Thema, das uns alle betrifft.

4

Interessante Auseinandersetzung mit der menschlichen Psyche

Einerseits im Allgemeinen, anhand von Zitaten bekannter/erfolgreicher Intellektueller dieser Fachrichtung. Anderseits anhand von Beispielen innerhalb der Familie des Protagonisten (Autors). Hier gibt es kein schwarz, kein weiß und keine allgemeingültige Definition. Sehr interessante Gedankengänge.

3

Zwischen Angst und Analyse

Hier begleiten wir eine Hauptfigur, die große Angst davor hat, selbst verrückt zu werden. Diese Angst entsteht vor allem aus der eigenen Familiengeschichte, in der verschiedene Krankheiten eine prägende Rolle spielen. Immer wieder steht die Frage im Raum, ob sich etwas davon in ihm fortsetzt und ob er seinem vermeintlichen Schicksal entkommen kann. Besonders spannend fand ich den Strang, in dem er schließlich in einer psychiatrischen Klinik arbeitet. Er befindet sich dort nicht als Patient, sondern als behandelnder Arzt. Genau dieses Spannungsfeld zwischen seiner inneren Unsicherheit und seiner professionellen Rolle fand ich sehr interessant. Was mir beim Lesen jedoch immer wieder aufgefallen ist, sind die stark verwobenen Zeitstränge. Die Handlung springt häufig, wodurch ich mich oft neu orientieren musste. Der Schreibstil ist anspruchsvoll und teilweise anstrengend. Ich musste sehr konzentriert bleiben, um den Faden nicht zu verlieren. Das hat das Lesen stellenweise mühsam gemacht. Gleichzeitig gibt es wirklich schöne Sätze und prägnante Zitate im Buch. Manche Passagen haben mich zum Nachdenken gebracht und wirken fast philosophisch. Ich kann gut verstehen, warum viele Leserinnen und Leser gerade diese sprachlichen Momente loben. Auch das Cover hat mich sofort angesprochen und neugierig gemacht. Trotz der starken sprachlichen Elemente hat mich die Geschichte insgesamt nicht vollständig abgeholt. Neben dem interessanten Klinikstrang blieb mir vieles etwas zu distanziert. Für mich war es ein Buch mit einzelnen sehr gelungenen, inspirierenden Momenten, aber insgesamt auch eine recht anstrengende Lektüre. Noch einmal lesen würde ich es vermutlich nicht, auch wenn einige Gedanken daraus im Kopf bleiben.

3

Ein junger Mann mit Angst davor, verrückt zu werden, landet in der Psychiatrie - als Psychologe! Skurril, poetisch, berührend

Leon Engler erschafft eine Familie, deren Mitglieder mit diversen psychischen Erkrankungen zu kämpfen haben. Die Schwächen der Charaktere sind nicht zu übersehen, aber immer wieder scheint ein Sonnenstrahl auf sie. Der Auto verurteilt seine Figuren nie, sondern beschreibt sie schon fast liebevoll. Besonders dieser Umgang mit der Thematik gefällt mir gut. Weniger gut gefällt mir die Struktur des Buches. Die zeitliche Abfolge verlangt vom Lesenden große Konzentration. Das Buch beinhaltet außerdem eher Momentaufnahmen als eine durchgängige Handlung. Diese sind aber ziemlich düster und bedrückend. Herausragend ist aber Leon Englers Schreibstil. Seine Worte sind sowohl poetisch als auch präzise. Jeder einzelne Satz trifft sein Ziel. Zahlreiche Passagen lassen einen nachdenklich zurück.

4

Die Furcht vor dem Verrücktwerden

Wenn deinen Stammbaum Suizid, Sucht und Depressionen prägen, wie viel davon steckt dann in dir? Ab der Zwangsräumung der Wohnung der Mutter begleitet man den namenlosen Protagonisten. Der Erzähler nimmt einen in seine Kindheit und die Vergangenheit seiner Familie mit und erzählt von seinem Aufenthalt in einer Klinik - als Psychologe. Hätte ich das Buch physisch in der Hand gehalten, hätte ich sehr viele Stellen im Buch markiert. Der Autor, Leon Engler, schafft es psychologische Verhaltensmuster schon fast philosophisch und realitätsnah auszudrücken, was mich sehr zum Nachdenken angeregt hat. Die Tiefe und Ernsthaftigkeit dieser Themen konnte der Autor sehr gut herüberbringen. Ich habe das Hörbuch sehr gerne gehört, doch herausfordernd waren die viele Zeitsprünge. Das hat den Hörfluss etwas erschwert. Trotzdem muss ich sagen, dass das ein sehr gut psychologisch aufbereiteter, biographartiger Debütroman war, der von mir 4 von 5⭐️ bekommt. *Werbung || Rezensionsexemplar*

5

Bewegend und berührend

Je länger der Ich-Erzähler von den psychischen Krankheiten in seiner Familie spricht, desto mehr Frage ich mich: Wie viel Wahnsinn steckt in mir und in jedem Mensch? Wie viel sollte darin stecken? Tolles Buch und großartiges Cover.

4

Schwierig zu beschreiben, Psychogramm? Sachbuch? Familienroman? Irgendwie von allem etwas, weckte bei mir aber auch mehr Verständnis für Menschen mit verschiedenen psychischen Erkrankungen.

5

„Ich glaube an eine Bedeutung der Krankheit, an eine Symbolik. Manchmal sind Traurigkeit und Energielosigkeit die passende Art, um auf das Leben zu reagieren. Schließlich nutzte mein Vater, der schweigsame Mann, seinen Körper, um zu sprechen. Er sagte: „Ich kann nicht mehr“. Wie viel Verdrängung, wie viel Verdrängtwerden kann ein Mensch aushalten?“ Aus Leons Familie war eigentlich jeder schon in der Psychiatrie. Suchtverhalten gab es immer schon, auch Depressionen und bipolare Störungen. Die Großmutter hat zahlreiche Suizidversuche hinter sich. Wie lebt Leon damit? Er hat Angst früher oder später auch dort zu landen. Das tut er auch, allerdings um dort zu arbeiten. Dort beginnt er sich nicht nur mit seinen Patienten auseinandersetzen, sondern auch mit seiner eigenen Familiengeschichte. Ehrlich, klug und mit psychologischem Tiefgang wird hier erzählt. Schonungslos und verletzlich schreibt Leon Engler von seiner Familie, die nie so für ihn da sein konnte. Jeder war mit sich beschäftigt, kämpfte mit den eigenen Dämonen. Mal ist die Sprache ganz leicht, mal humorvoll. Das lässt das Thema auf jeden Fall besser aushalten als Leser. Interessant waren auch die Abschnitte zu den psychischen Erkrankungen und der Geschichte dazu. Da hatte der Roman schon fast Sachbuch-Charakter. Dann immer wieder seine persönliche, traurige Geschichte. Engler klagt nicht an, will verstehen, verarbeiten. Ich hoffe sehr es ist ihm gelungen. Mein Herz hat er auf jeden Fall mit diesem Buch. Ein großartiges Buch darüber sich selbst zu finden, mit belastenden Wurzeln, die sich niemand aussuchen kann. Ja und was ist eigentlich noch normal und was schon nicht mehr? Eine ganz große Empfehlung ❤️.

4.5

Deprimierend, liest sich gut, Familiendynamiken. Alles was ich gern lese auf einem Haufen. Habe mich und meine Familie auf eine Art hier wiedergefunden

4.5

Tolle Sprache

Mit einem unfassbar feinen, bildhaften, intensiven und teilweise melancholischen Schreibstil erzählt Leon Engler eine tragische Familiengeschichte, die geprägt ist von Depressionen und Suchterkrankungen. Inhaltlich ist das Buch schwer, aber Engler schafft es immer wieder mit einer Prise Humor, dass es einen als Leser:in nicht zu schwer wird, ohne dass das Thema an Bedeutung und Intensität verliert. Es ist ein aufwühlendes Buch, welches einen nachdenklich zurücklässt, aber vor allem ist es ein Buch, welches wichtige Themen bearbeitet. Mir hat das Buch wirklich sehr gut gefallen, was vor allem an Englers Art zu schreiben liegt.

5

Ein Meisterwerk der Psychoanalyse

Botanik des Wahnsinns von Leon Engler In diesem Buch werde wir als Leser und Leserinnen Zeuge einer familiären Psychoanalyse und wie es ist, nicht selbst dabei wahnsinnig zu werden. Ich habe dieses Buch vor wenigen Wochen als Rezensionsexemplar erhalten und wusste so gar nicht, wohin das Buch möchte. Doch kaum lass ich den ersten Satz, hatte mich das Buch sofort in seinen Bann gezogen. Es geht hier um einen jungen Protagonisten, der mit allerhand psychischen Erkrankungen innerhalb seiner eigenen Familie konfrontiert ist. Das fängt bei einer Depression an, geht weiter mit einer Suchterkrankung und hört noch lange nicht bei Klinikaufenthalten auf. Selbst wird der Protagonist ein Psychologe in einer Klinik und lernt so die verschiedenen Krankheitsbilder kennen und wie man mit ihnen arbeitet. Zur gleichen Zeit muss er mit den fortschreitenden Erkrankungen seiner Lieben umgehen lernen. Jeder der mich und meinen Kanal kennt, weis das genau dieses Buch meinen Buchgeschmack vollends trifft. Ich habe es in meinem Urlaub inhaliert und in nur 2 Tagen ausgelesen. Ich mochte die Tiefe in diesem Buch und die schon fast sprachliche Kunst, mit dem der Text an den Leser und an die Leserin geführt wird. Ich konnte an jeder Figur gefallen finden und kann euch aufgrund dessen, das Buch wirklich nur empfehlen. 5 Sterne für die Botanik des Wahnsinns

Ein Meisterwerk der Psychoanalyse
4.5

»Zu lange habe er in den Büchern gelebt, ein Fehler, er sei dem Leben so aus dem Weg gegangen.«

Alles beginnt damit, dass bei der Zwangsräumung der Wohnung seiner Mutter die Sachen von Wert mit den nutzlosen verwechselt wurden und alles, was ihm nun bleibt, Nichtigkeiten aus dem gemeinsamen Leben sind. Nichtigkeiten, aus bewegten Leben, die alle ihre eigenen Kämpfe zu bestreiten hatten. Seien es seine Eltern oder gar Großeltern – sich selbst nicht ausgenommen. Der Vergangenheit zugewandt erzählt der Protagonist Leon von seiner Familie, von Suizid, Abhängigkeiten und der stetigen Hoffnung auf ein besseres Leben. In seinen Erinnerungen begegnet er sich selbst und seiner größten Angst, auch so zu enden, sodass am Ende von ihm nichts bleibt – mit Ausnahme eines Haufens von Nichtigkeiten. Voller Schmerz, Sorge und aufkeimender Hoffnung hinsichtlich der Familie, die doch immer mehr in Hoffnungslosigkeit umschlägt, erzählt der Protagonist seine eigene Geschichte und zugleich die seiner gesamten Familie. Selten habe ich ein derartiges Buch gelesen, mit so vielen klugen Sätzen, in denen man sich selbst wiederzufinden scheint und die einen auf unverhoffte Weise mehr berühren, als sie es vielleicht sollten. Jedoch fiel es mir schwer, allen einzelnen Schicksalen zu folgen, einfach weil bei jedem Einzelnen so viel bei passiert und man schnell den Überblick hinsichtlich der Handlung und den erwähnten Figuren verliert. Der Hauptstrang – das Leben des Protagonisten selbst – führte die ausschweifenden Handlungen wieder zusammen und machte deutlich, dass man wahrscheinlich gar nicht alles verstanden haben muss, sondern diese Überforderung an Schicksalen, mit welcher der Protagonist konfrontiert wird, auf die Leser*innen übergehen soll. Besonders gelungen fand ich die essayistischen Einflechtungen über Literatur, Philosophie und Psychologie. Der Autor wollte mit seinem Buch viel – vielleicht zu viel? – und hat es auch damit erreicht, denn ganz sicher wird man so ein Buch selten nochmal zu lesen bekommen.

»Zu lange habe er in den Büchern gelebt, ein Fehler, er sei dem Leben so aus dem Weg gegangen.«
5

Botanik des Wahnsinns erzählt die Familiengeschichte des Ich-Erzählers, die auch gleichzeitig die Geschichte der psychischen Erkrankungen in der Familie ist. In erster Linie geht es dabei um die Angst vor möglicher genetischer Veranlagung zum Wahnsinn und aber auch zu großen Teilen um die innere Aussöhnung mit diesem möglichen Erbe. In diesem Roman hat es mir ganz besonders der empathische Blick auf psychisch kranke Menschen, der das Buch komplett durchdringt, angetan. Die klare Botschaft, es gibt nicht die psychisch Kranken oder die Süchtigen, es gibt nur Menschen mit Suchterkrankungen, Menschen mit psychischen Erkrankungen. Niemand ist seine Krankheit oder seine Sucht. Und sind die gesunden die "normalen"? Warum eigentlich? Wer entscheidet das? Und vor allem "Was ist ist ein normaler Mensch?.... Hast du schon einen getroffen?" (S. 29) Mit dem Protagonisten bin ich gerne mitgegangen, habe mich wohl gefühlt in seinem Kopf und seiner Geschichte. Auch die Nebencharaktere waren sehr gute und einprägsame Figuren, die mir tatsächlich sehr schnell jeweils ans Herz gewachsen sind. Leon Englers Debüt liest sich kurzweilig, witzig und erhellend. Viele Sätze habe ich mir angestrichen, teilweise weil sie meinem Weltbild so sehr entsprechen, aber auch teilweise weil sie mir Denkanstöße gegeben haben. Sehr empfehlenswert!

4

Als nach dem Tod seiner Mutter das Entrümpelungsunternehmen die falschen Sachen entsorgt und am Ende nur 7 Kisten Müll zurück bleiben, beginnt Leon Engler die Geschichte seiner Familie zu rekobstruieren und aufzuschreiben. Es ist eine Geschichte voller psychischer Erkrankungen, Ausnahmezustände und Abstürze aller Art. Aber auch immer wieder Kämpfev zurück ins (Erwerbs-) Leben. Wie befreit man sich aus diesem belastenden Erbe und geht das überhaupt? Als Engler in einer Psychiatrie zu arbeiten beginnt, bekommt er nochmal einen neuen Blick auf die menschliche Psyche und deren Anfälligkeit. Ein sehr persönliches, trauriges und zugleich sehr interessantes Buch.

5

Ich möchte dieses Buch umarmen. Dieses Buch hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen, um mich gleich wieder aufzufangen. Ich bin froh, dass es vorbei ist, weil ich beim Lesen nicht mehr traurig sein muss, und bin traurig, weil es vorbei ist. So sprachlos bin ich nur nach ganz besonderen Büchern.

3.5

Ein faszinierender Tauchgang in die menschliche Psyche

- Worum gehts? - In seinem Roman "Botanik des Wahnsinns" beleuchtet Leon Engler die Familiengeschichte eines jungen Mannes, der aus einer von psychischen Erkrankungen geprägten Familie stammt. Seine Großmutter ist bipolar, der Großvater schizophren, die Mutter alkoholkrank und der Vater depressiv. Aus Angst, selbst dem „Wahnsinn“ zu verfallen, flüchtet der Protagonist in seiner Jugend aus seiner Heimat. Doch anstatt sein Erbe abzulegen, beginnt er ironischerweise selbst als Psychologe in einer psychiatrischen Anstalt zu arbeiten. Dort lernt er, dass Zuhören wichtiger ist als Diagnostizieren und stellt sich die grundlegende Frage, was "Normalität" eigentlich bedeutet. - Meine Meinung - Das Buch fand ich sehr interessant, da es umfangreiche Einblicke in die Psychologie und Psychiatrie bietet. Besonders die historischen Rückblicke sind super spannend und zeigen, wie sich die Behandlung psychischer Erkrankungen über die Zeit verändert hat. Fesselnd fand ich auch die Einblicke in die Gedanken und inneren Welten der Menschen mit den unterschiedlichsten Krankheitsbildern. Die gesamte Dynamik der Familie war sehr aufschlussreich, auch wenn sie an manchen Stellen etwas verwirrend war. Trotz der interessanten Inhalte fand ich das Buch an manchen Stellen etwas schwerfällig zu lesen. Es war für mich zu trocken und sachlich. Aber alles in allem ist es ein sehr interessanter Roman mit einer spannenden Lebensgeschichte. - Fazit - Wenn du dich für die Verflechtungen von Familiengeschichten und psychischer Gesundheit interessierst, dann ist "Botanik des Wahnsinns" eine klare Empfehlung. Das Buch gibt spannende Einblicke in die Gedankenwelt der Charaktere und beleuchtet auf eindrucksvolle Weise, wie familiäre Hintergründe die eigene Identität prägen.

3.5

Das Buch war nicht meins. Es hatte ein paar gute Stellen und es waren tolle Zitate enthalten, dennoch ist es sehr düster und für mich zu ruhig.

4.5

Ist Wahnsinn genetisch und vererbbar. Diese Frage stellt der Autor.

Das Schicksal seiner Großeltern und Eltern, die ihr Leben zeitweise in der Psychiatrie verbrachten, lässt unseren Protagonisten fürchten, dass er dort selbst landet und er sucht nach einem Ausweg. Das Buch ist sehr gut geschrieben und es liest sich bis über die Mitte hinweg sehr gut, doch dann wird es etwas verwirrend und mir gefiel es weniger. Es scheint überhaupt keine Lebensfreude da zu sein, es ist auch Alkoholsucht die das Leben beeinträchtigt. Ich war nach dem Ende eher vom Inhalt niedergedrückt. Deshalb Leseempfehlung nur wenn Du Dich gerade stabil fühlst

4

Botanik des Wahnsinns - eine Erzählung über Menschen über die sonst niemand schreibt

Eine ganz andere Familiengeschichte. Eine Familiengeschichte geprägt von psychischen Problemen und Erkrankungen und doch: das Leben geht weiter und jeder lebt es so gut er kann.

4

Die Geschichte von Leon und seiner Familiengeschichte ist sehr Interessant und keine leichte Kost. Die Angst, selber psychisch Krank zu werden, wenn man so eine grosse Krankheitsgeschichte mit sich trägt ist in meinen Augen komplett verständlich. Am meisten hat mir am Buch der Mix aus Erzählung, Fakten und Zitaten gefallen. Ich habe schon lange nicht mehr so viele Sätze in einem Buch markiert. Für alle die sich für Psychologie interessieren oder mehr darüber erfahren möchten ist dieses Buch eine super Empfehlung.

5

Psychische Erkrankungen, transgeneteationales Traumata verpackt in einen Roman. Ein sehr lehrreiches und absolut lesenswertes Buch über die Geschichte einer Familie. Über die Angst, so zu werden wie die Eltern und Großeltern.

5

Mensch sein

Sehr berührend. Ich danke dem Autor für diesen würdevollen, liebevollen Blick auf verzweifelte Menschen.

Create Post