Und Federn überall
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Description
Wie bleiben wir menschlich, wenn das Leben immer härter wird? Der neue Roman der Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin. Eine Kleinstadt in der norddeutschen Provinz. Sechs Menschen, die ein neues Kapitel in ihrem Leben aufschlagen. Ein Tag, der alles verändert.
Nebel liegt über den Feldern und dem Kanal. Es ist, als ob der Winter nicht zu Ende gehen will in der kleinen Stadt Lasseren im Emsland. Hier auf dem platten Land ist jahrein, jahraus nicht viel los. Wer Arbeit sucht, kommt an Möllring nicht vorbei, dem riesigen Geflügelschlachthof am Stadtrand. Für eine Handvoll Menschen beginnt dieser Montagmorgen mit großen Erwartungen. Sonia, alleinerziehende Mutter, hofft auf einen Job weit weg vom Hühnchen-Zerlege-Fließband. Für die junge Ingenieurin Anna steht mit dem Testlauf eines neuen Automatisierungsverfahrens bei Möllring so gut wie alles auf dem Spiel. Merkhausen wiederum, verlassener Ehemann mit einem Faible für Polinnen und zuständig für die Prozessoptimierung im Schlachtbetrieb, fiebert einem Date am Abend entgegen. Und dann ist da noch der geflüchtete Afghane Nassim, der sich in eine Affäre mit der zwanzig Jahre älteren Justyna verstrickt und fest daran glaubt, dass seine Gedichte die deutschen Beamten erweichen werden. Um diese zu übersetzen, ist Roshi, deutsch-iranische Autorin, extra aus Köln angereist. Als ein rücksichtsloser Fahrradfahrer dem sehbehinderten Mann mitten im Ort den Blindenstock kaputt fährt, bringt Nassim es mithilfe des örtlichen Radiosenders nicht nur zu lokaler Berühmtheit. Er bringt auch die Menschen dazu, der eigenen Wahrheit ins Auge zu sehen.
Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin Nava Ebrahimi taucht ein in das Leben einer kleinen Stadt im Emsland und verknüpft die Geschichten von sechs Menschen zu einem mitreißenden Gesellschaftsroman über die Frage: Wie bleiben wir menschlich, wenn das Leben immer härter wird?
Book Information
Author Description
Nava Ebrahimi, 1978 in Teheran geboren, zählt zu den wichtigen Stimmen der deutschsprachigen Literatur. Sie erhielt 2021 den Ingeborg-Bachmann-Preis. Ihr Roman »Und Federn überall« war für den Deutschen Buchpreis 2025 nominiert und gilt als einer der »100 besten Romane des Jahres« (DIE ZEIT). Er wurde mit dem Péter-Horváth-Preis ausgezeichnet.Für ihr Debüt »Sechzehn Wörter« wurde sie mit dem Österreichischen Buchpreis, Kategorie Debüt, sowie dem Morgenstern-Preis ausgezeichnet. Nava Ebrahimi ist regelmäßige Kolumnistin der Süddeutschen Zeitung. Sie lebt mit ihrer Familie in Graz.
Characteristics
2 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Posts
Nur 1 Tag...und trotzdem so viel Tiefe in den 350 Seiten !!! Großes Kompliment dafür, wie die Autorin es schafft, uns 6 sehr unterschiedliche Menschen so nahe zu bringen, indem sie uns einen Tag in ihrem Leben schildert. Ich hatte das Gefühl, sie schon länger zu kennen! Sehr raffiniert fand ich die Idee, wie sich diese 6 Personen im Laufe dieses Tages tangieren . Die Themen des Romans sind sehr vielschichtig, es geht um Migration, Mobbing, Stress, Krieg, Arbeitslager und vieles mehr. Mit dem Schluss konnte ich leider nichts anfangen.Und die Hühnerthematik wird mich wohl noch einige Zeit beschäftigen...
Die Ereignisse eines Tages in der norddeutschen Provinz inklusive Migration. Sehr interessant und vielschichtig, gesellschaftskritisch, ehrlich. Lesenswert. In den ersten Kapiteln lernen wir die Hauptprotagonisten in ihrem Alltag kennen, jeder gestresst, jeder an der Belastungsgrenze, keiner glücklich. Eine interessante Ausgangslage und man fragt sich, wie diese Menschen verbunden werden, wobei der Geflügelbetrieb im niedersächsischen, dünn besiedelten Land für alle mehr oder weniger eine Rolle spielt. Der Text lässt sich gut und flüssig lesen und man kann sich alles ausgezeichnet vorstellen, verliert sogar fast die Lust auf Hähnchenfleisch bei der Beschreibung der Schlachtung und Zerlegung der Tiere und der dabei entstehenden Gerüche. Und die Probleme die Sonja, alleinerziehend, mit ihrer pupertierenden Tochter hat, fühlen sich so real an, dass man am liebsten helfend eingreifen möchte. Beim Lesen ist eine düstere Stimmung fast greifbar, da jeder Charakter Probleme hat, sich überfordert fühlt, keiner einem anderen Menschen wirklich nah ist oder Geborgenheit fühlt. Auch die Liebe scheint hoffnungs- und perspektivlos. Sehr schön deutlich gemacht werden auch die Unterschiede im Denken und Fühlen zwischen der Polin, dem afghanischen Flüchtling, der deutschen oder der Menschen mit Migrationshintergrund und deren Bedürfnisse. Und es wird aufgezeigt, wie wichtig Vergangenheit ist, denn nur wer die Vergangenheit kennt, kann Zukunft gestalten. Im Laufe des Romans wird immer deutlicher, wo Migration tatsächlich eine Rolle spielt und die Handlungen beeinflusst. Das überrascht und ist gut gelungen. Und ein Plädoyer für ein harmonisches Miteinander. Nava Ebrahimi ist es gelungen, dem Lesenden die Charaktere so nahe zu bringen, dass man mitfühlt. Dadurch entsteht ab ca. der Mitte des Buches ein Spannungsbogen, so dass man das Buch kaum weg legen mag. Und man liest und hofft und wüscht, dass es für alle ein gutes Ende nimmt. Am liebsten würde man noch ein paar Tage da bleiben ...
Ein Geflügelimperium und die Menschen in einem kleinen Ort im Emsland. Die alleinerziehende Sonia, gefangen in einem harten Job im Geflügelschlachthof, ist zunehmend überfordert mit ihrer Arbeit und ihren pubertierenden Kindern. Sie hofft auf einen besseren Job. Merkhausen ist in dieser Firma in einer leitenden Position tätig, sucht eine Frau fürs Leben mit polnischen Wurzeln. Nassim, ein Flüchtling mit einer Augenkrankheit, schreibt Gedichte und ist auf der Suche nach einem bessern Leben. Die Polin Justyna trifft Nassim gelegentlich. Sie mag ihn sehr aber mehr als eine Freundschaft Plus ist für sie nicht drin. Er ist zwanzig Jahre jünger und sie auf der Suche nach einem deutschen Mann via Internet. Roshi ist eine iranische Schriftstellerin. Nassim versucht sie zu überzeugen seine Gedichte ins Deutsche zu übersetzen. Anna verkauft eine selbstentwickelte Software zur Überprüfung der Fleischqualität an die Firma, so können zukünftig Arbeitsplätze eingespart werden. Diese Personen und deren komplexe Beziehung untereinander werden verwebt zu einer gemeinsamen Geschichte, in der Flucht, Geschlechterrollen und Migration eine große Rolle spielen. Im Mittelpunkt steht der Geflügelkonzern. Die Arbeit dort ist anstrengend und monoton. Einfühlsam und poetisch erzählt wird dieser gesellschaftskritische Roman, der berührt und fasziniert zugleich. Jeder kämpft für sich allein, hat eigene Sorgen und Nöte. Trotz der vielen Protagonisten kommen wir den einzelnen Menschen sehr nah, bekommen Einblicke in ihre Gedanken und Gefühle. Eine Momentaufnahme aus der Realität stellvertretend für viele andere Menschen. Ich hab den Roman sehr gern gelesen, allerdings kam mir das Ende zu schnell. Da hätte es sich für mich gern noch einiges aufklären dürfen. Für alle Liebhaber von gesellschaftskritischen Romanen, in denen Migration eine große Rolle spielt, ist dieses Buch eine Empfehlung.
Das Buch spielt im Emsland an einem einzigen Tag, rund um eine riesige Hähnchenfabrik. Erzählt wird die Geschichte bzw die Ereignisse an diesem Tag aus 6 unterschiedlichen Perspektiven völlig unterschiedlicher Personen. Alle sind an diesem Tag irgendwie miteinander verbunden, wissen aber zum Teil noch nicht wie. Ich liebe diese Art des Storytellings, vor allem, wenn - wie in diesem Buch - die Charaktere so empathisch und vielschichtig beschrieben werden, mit ihren Verletzlichkeiten, guten und auch mit ihren schlechten Seiten. Wirklich jede einzelne Geschichte/ jeder einzelne Charakter war interessant für mich und ich habe es genossen, dieses Buch zu lesen. Einen Stern Abzug gab es lediglich für das Ende, das ich etwas unglaubwürdig und in der Form auch unnötig fand Das sollte aber niemanden davon abhalten, dieses tolle Buch zu lesen PS: auch wenn keine dezidierten Grausamkeiten beschrieben werden: wenn man nicht ohnehin vorher schon vegetarisch gelebt hat, sollte nach diesem Buch das Bedürfnis nach Hähnchenfleisch eigentlich verschwunden sein...
"Wir leben in einer Zeit des Umbruchs, da gibt es Gewinner und Verlierer, das ist seit Menschengedenken so." S. 219 Als Leser*in liest man hier über sechs verschiedene Personen aus unterschiedlichen Schichten, die sich nicht kennen, jedoch alle irgendwie miteinander verbunden sind. Die Handlung spielt im niedersächsischen Emsland, vordergründig in einem großen Geflügel(mast)betrieb, in dem Hühner (weiter-)verarbeitet werden. Insgesamt behandelt das Buch einige gesellschaftsrelevante Themen, denn jede*r der Protas hat ein Päckchen zu tragen. Der sehbehinderte, geflohene Nassim, der hofft Asylrecht zu erhalten, die alleinerziehende Mutter, deren Tochter zum Mobbingopfer wird, der Geschäftsmann, der eine Vorliebe für Polinnen hat, da ihn der Akzent an seine Großmutter erinnert, ... Dieses Buch lässt mich etwas zwiegespalten zurück. Einerseits mochte ich die Verkettung von Handlungssträngen, die am Ende alle zusammenführen und aus vielen einzelnen Geschichten eine große Ganze schaffen. Andererseits war der Weg dorthin streckenweise etwas holprig, denn nicht jede der sechs Perspektiven war für mich gleichermaßen interessant. Dies ist definitiv kein Buch für mal eben zwischendurch und erfordert etwas Konzentration, um den Überblick zu behalten und erfassen. Der Erzählfluss plätschert fortwährend gemächlich dahin und Spannung gibt es eher keine, dafür einen kritischen Blick auf die verschiedenen Personen unserer Gesellschaft. Wem beispielsweise Unterleuten gefallen hat, für den könnte auch das was sein.
Ein interessanter Einblick...
...in die Gedankenwelt von sechs unterschiedlichen Personen in der norddeutschen Provinz. An sich hat mir das Buch gefallen, aber es hätte, meiner Meinung nach, noch weitergehen sollen. Ich hätte gerne gewusst, ob und wenn ja was dieser Tag im Leben der Protagonisten ändert. All das bleibt offen und der Phantasie des Lesers überlassen. Schade.
Ein Roman der einen Tag im Leben von sechs, zum Teil sehr unterschiedlichen Menschen, schildert. Im Zentrum steht ein großer Geflügelkonzern im Emsland, der als wichtiges Bindeglied zwischen den ProtagonistInnen fungiert. Die Geschichten der Menschen überschneiden sich immer wieder, bevor sie am Ende zusammenlaufen. Die Themen des Buches sind so breit gefächert wie sein Personal. Es werden uns die Leiden des Prozessoptimierers in Führungsposition näher gebracht, aber auch die Nöte eines dichtenden Asylbewerbers aus Afghanistan. Jeder hat in seiner kleinen Welt die eigenen Kämpfe mit sich selbst und der Welt zu kämpfen. Alle sechs Figuren sind interessant und vieldimensioniert gezeichnet. Vor allem traut sich die Autorin, sie alle sehr ambivalent darzustellen und sie immer wieder moralisch mehr als fragwürdig handeln zu lassen. Die Geschichte bleibt durchgehend mit Empathie und ohne zu werten bei den Charakteren, so dass auch beim lesen wenig Impuls zur Anklage entsteht, sondern stattdessen vielmehr Neugier auf die Gedankenwelt der verschiedenen Menschen. Ein Buch, das mir fast durchgehend gut gefallen hat. Einzig der Schluss des Romans ist mir zu überkonstruiert und er wird mit einer für mich etwas befremdlichen Form von Pathos abgeschlossen.
“Es saßen bereits alle am Konferenztisch wie Hühner auf der Stange, selbstverständlich wie Hühner auf Stangen idyllischer Bauernhöfe, wie sie nur noch für touristische Zwecke existierten.” (S. 127) Ein Tag im Emsland; im fiktiven Ort Lasseren, dem Sitz des Geflügelschlachthofs Möllring. Dieser ist sowohl für den Ort, als auch für Handlung und Personen des Romans Dreh- und Angelpunkt. Erzählt wird die Geschichte eines einzigen Tages aus der Perspektive von sechs Hauptfiguren, die alle ihre ganz eigenen Herausforderungen und Konflikte, aber auch ihren jeweils individuellen Charme und Sound haben. Da ist Sonja, die im Schlachthof am Band arbeitet und alleinerziehend in Hoffnung auf einen beruflichen Aufstieg lebt. Ebenso im Betrieb tätig ist Merkhausen, der allerdings als leitender Angestellter mit seinen beruflichen als auch mit privaten Herausforderungen ringt. Mit einer seiner Herausforderungen verknüpft ist die ambitionierte Ingenieurin Anna, die für die Einführung eines automatisierten Verfahrens zur Qualitätskontrolle zuständig ist. Zusätzlich ist da der afghanische Flüchtling Nassim, der in seinem Asylverfahren auf die Kraft der Lyrik setzen will. Hierbei soll ihm die deutsch-iranische Autorin Roshi durch die Übersetzung seiner Gedichte ins Deutsche helfen. Nicht zuletzt ist Justyna, polnische Arbeiterin und in einer Beziehung mit dem deutlich jüngeren Nassim, Teil der Personenkonstellation. Zusätzlich zu den auf den ersten Blick bestehenden Beziehungen zwischen den Personen ergeben sich im Verlauf mehr und mehr Schnittpunkte und zusätzliche Verbindungen zwischen den Personen und Perspektiven. Mich hat die Darstellung der verschiedenen Figuren, die tiefgründig und einfühlsam, aber vielfach auch mit einem Augenzwinkern gezeichnet sind, sowie die Konstruktion der Schnittpunkte zwischen den Personen absolut überzeugt. Jede Person mit ihren ganz eigenen Träumen, Sorgen und Konflikten steht für sich und überzeugt durch eine komplexe, authentische Darstellung. Durch die Verwebung der sechs Perspektiven werden zudem große, gesamtgesellschaftlich relevante Themen und Fragestellungen wie Migration, Zugehörigkeit, Geschlechterrollen, soziales Gefälle und nicht zuletzt menschliche Würde wie durch ein Brennglas in einen Mikrokosmos kondensiert. Absolute Leseempfehlung für alle, die gesellschaftskritische Romane mit komplexen Figuren und einem gewissen Augenzwinkern in der Darstellung der Charaktere mögen!
Die erwähnten Personen vom Klappentext erzählen diese Geschichte. Und zunächst war mir eine Person unsympathischer als die vorherige Person. Wir erleben sie in ihrem Alltag mit all ihren Schwächen, ja eigentlich heißt es Stärken und Schwäche, aber genau diese guten Seiten fehlen zunächst. Aber immer mehr wechselt es ins grau, denn nichts ist jemals nur schwarz oder weiß. Die Perspektiven zeigen was ihre Leben aus ihnen gemacht haben. Je weiter ich die Personen kennenlernt habe, umso mehr kam in mir auch Mitgefühl und an der einen oder anderen Stelle auch Verständnis auf, nicht für jede Person und jede Handlung, aber doch für den größten Teil. Das Buch spielt an einem einzigen Tag und dieser Tag verändert für die einzelnen Person mitunter viel. Einige Perspektiven haben mich mehr interessiert als andere und die eine oder anderes Perspektive war mir am Ende zu offen gelassen. Und von mancher Person hätte ich gern weniger erfahren. Die Verknüpfungen zum Schluss der einzelnen Person war teilweise nicht sehr überraschend aber widerum doch spannend mitzuerleben. Neben den unterschiedlichen Leben der Figuren verknüpft die Autorin geschichtliches der Vergangenheit mit der Gegenwart. Und greift auch Themen auf, die man nicht unbedingt auf den Schirm hat und womit man wahrscheinlich in einem Buch weniger rechnet. Es sind mitunter viele Themen, aber dadurch, dass diese auf die unterschiedlichen Figuren verteilt sind, wirkt es an keiner Stelle überladen. Besonders mochte ich die Szenen zwischen Roshi und Nassim in dem Café und das Gedicht zum Schluss war ein toller Zusatz. Mich persönlich stört einwenig das offene Ende aber das ist meckern auf sehr hohem Niveau.
Sternebewertung fiktiv
Zurecht auf der Longlist gelandet. Eine Coverwahl zu Beginn und eine Geschichte, die mich berührt, beschäftigt und betrübt hat. Nava Ebrahimi führt mich in eine Kleinstadt im Emsland, wo der Geflügelschlachthof Möllring der wichtigste Arbeitgeber ist. Hier kreuzen sich die Geschichten von sechs Menschen, die auf unterschiedliche Weise miteinander verbunden sind und deren Schicksale doch so verschieden verlaufen. Da ist Sonia, alleinerziehende Mutter, die an ihrem wichtigen Tag bei der Arbeit aus der Verzweiflung heraus, ihre pubertierende Tochter einschließt, bevor sie zur Arbeit fährt. Sich selber mit Mantras am Laufen hält, um vielleicht genau an diesem Tag, eine bessere Anstellung im Betrieb zu bekommen. Sie träumt von einem Wechsel in die Verwaltung, raus aus der anstrengenden, monotonen Arbeit. Anna, Ingenieurin aus Hamburg, soll eine Maschine installieren, die fehlerhafte Filets aussortiert und was dazu führen könnte, das Arbeitsplätze wegfallen, beispielsweise der von Sonia. Dann lernen wir Peter Merkhausen kennen, leitender Angestellter und auf der Suche nach einer klassisch traditionellen Ehe, aber mit einer polnischen Frau. Dem Glück versucht er nachzuhelfen, in dem er dies im Internet auf Seiten macht, die auf genau diese Mann Frau Konstellation spezialisiert sind. Er lernt auch eine kennen, Justyna. Justyna führt allerdings eine Art Friendship mit Benefits. Er 20 Jahre jünger, Nassim, mit einer Augenkrankheit und geflüchtet aus Afghanistan, auf der Suche nach einem sicheren Leben, dass ihn seinen Traum des Schreibens verwirklichen lässt. Die Autorin verwebt diese Stimmen zu einem dichten Netz aus Abhängigkeit, Sehnsucht und Hoffnung. Sie zeigt eine Welt, in der Arbeit alles bestimmt, in der Migration, Herkunft und soziale Umstände ebenso unbarmherzig wirken wie die Akkordarbeit am Band. Das Emsland wird so zum Spiegel der Gegenwart. Stillstand, Zerrissenheit, aber auch Aufbruch. „Und Federn überall“ ist ein präziser, gesellschaftskritischer Roman über Arbeit, Migration, Familie und das Ringen um Selbstbestimmung. Nava Ebrahimi gelingt es, große Fragen in scheinbar kleinen Geschichten zu stellen und so einen Roman zu schaffen, der nachhallt. Auch gewährt sie mir einen Einblick in die deutsch polnische Geschichte des 2. Weltkrieges. Ein Roman, der sich so real anfühlt und womöglich genau so unweit von uns in echt gelebt wird.
Ein Montag in Niedersachsen
"Und Federn überall" von von Nava Ebrahimi ist ein ganz anderer Roman, der mir nach ein paar Anfangsschwierigkeiten doch sehr gut gefallen hat. Wir erleben einen Tag in einem Ort in Niedersachsen aus der Sicht von sechs Personen. Alle haben bzw. bekommen auf unterschiedlichste Weise mit dem Hauptarbeitgeber im Ort, der Geflügelfabrik Möllring zu tun. Das sind zuerst Roshi und Nassim. Roshi ist aus Köln angereist, um Nassim bei einer Übersetzung behilflich zu sein. Nassim ist Afghane, hat eine Augenkrankheit und hofft, durch seine Gedichte bei der Ausländerbehörde die Beamten zu einer für ihn positiven Entscheidung zu bringen. Er lebt im Keller unter Jystina, ab und an schlafen sie miteinander. Jystina ist vor 30 Jahren aus Polen nach Deutschland gekommen und von Beruf Altenpflegerin. Sonia arbeitet bei Möllring am Fließband, hat eine pubertierende Tochter und einen Sohn. Sie ist mit der Arbeit in der Fabrik unzufrieden und mit ihren Kindern überfordert. Anna , eine junge Ingenieurin, erhofft sich durch die Inbetriebnahme einer Automatisierungsanlage bei Möllring einen Karriereschub. Und dann gibt es noch Merkhausen, Abteilungsleiter bei Möllring und auf der Suche nach einer polnischen Frau, mit der er glücklich werden kann. Diese ganz unterschiedlichen Charaktere kommen im Roman im Wechsel zu Wort. Im Verlauf dieses einen Montags erfahren wir immer mehr über jede einzelne Peron und die Zusammenhänge zwischen ihnen. Ebrahimi greift durch ihre Sprache und die Beschreibung der einzelnen Charaktere unterschiedliche gesellschaftspolitische Themen auf, drohende Arbeitslosigkeit, Migration, Alter, Mobbing. Als Lesende war ich mittendrin in Lasseren, bei Möllring am Fließband (der für mich unschönste Teil) auf den Straßen und in den Wohnungen der Protagonist*innen. Nava Ebrahimi hat mich traurig und wütend gemacht, mich aber auch zum Schmunzeln und Nachdenken gebracht hat. Dazu habe ich auch noch etwas über die Geschichte Polens gelernt. Ebrahimis Sprache ist klar, präzise und bildhaft. Ein Werk, das ich gerne weiterempfehle. Es gehört zu den Büchern, die ich noch ein zweites Mal lesen werde. Sehr gute 4 Sterne gibt es von mir!
Schicksalhaft
1 Tag in Lasseren rund um den Betrieb der Hühner verarbeitet. 6 Personen, jede mit ihren persönlichen Problemen. Der einsame Manager, die allein erziehende Mutter die schon in der dritten Generation in der Fabrikation arbeitet und sich gerne hoch arbeiten möchte, die Polin die sich von Job zu Job durchschlägt und darauf hofft mit einem deutschen Mann zur Ruhe zu kommen, der afghanische geflüchtete der auf einen Aufenthaltstitel hofft, die Entwicklungs Ingenieurin die die Prozesse optimieren soll und die Schriftstellerin die in den Ort gekommen ist um dem Afghanen bei der Übersetzung seiner Gedichte helfen will. Es geht um Einsamkeit und Vorurteile, die Wunden die die Geschichte, sowohl die persönliche als auch die allgemeine geschlagen haben. Authentische Figuren und berührende Figuren. Am Ende des Tages schließt sich der Kreis. Definitiv lesenswert.
Eine kleine Stadt im Emsland, ein Geflügelschlachthof, und sechs Menschen, deren Lebenswege sich dort an einem Tag überschneiden. Mir hat die wechselnde Erzählweise aus Sicht der unterschiedlichen Figuren gut gefallen, allerdings wurden so viele Themen angesprochen, dass es fast ein bisschen zu viel war. So konnte alles nur angeschnitten werden, immer wieder gab es neue Schlaglichter auf neue Figuren, ohne bei einem Punkt wirklich in die Tiefe zu gehen. So hätte jeder Erzählstrang sein eigenes Buch verdient. Völlig neu war mir der Aspekt der polnischen Enklave im Emsland, da musste ich nach der Lektüre erstmal recherchieren.
Schön geschrieben, aber haut mich nicht um
Ich mochte vor allem den Schreibstil der Autorin und ihr Gespür für Charaktere. Die hat sie wirklich sehr intensiv ausgearbeitet und alle passen auch sehr gut in die Umgebung im Emsland, wo das Buch spielt. Auch die Story entwickelt sich toll, sodass am Ende alle Charaktere irgendwie aufeinander treffen oder zumindest an irgendeinem Punkt etwas miteinander zu tun haben. Mir persönlich ging nach einer Weile die Fixierung auf die polnisch-deutsche Geschichte rund ums Emsland auf die Nerven, das hätte man kürzen können. Die Nominierung für den Buchpreis kann ich nicht nachvollziehen, dafür ist es mir dann doch etwas zu flach in jeglicher Hinsicht. Aber all in all ein schönes Buch, was man gut und flüssig durchlesen kann.
Gelungene Perspektivwechsel
"Wie bleiben wir menschlich, wenn das Leben immer härter wird?" , das fragt sich die Autorin in diesem Roman über sechs Menschen in einer kleinen Stadt im Emsland. Alle sechs Menschen mit ihren unterschiedlichen Lebenswegen haben eines gemeinsam, irgendwie haben sie eine Beziehung zu Möllring, dem Geflügelschlachthof. Da ist z.B. die alleinerziehnde Mitarbeiterin Sonia am Fließband, die eigentlich keine Lust mehr hat "die "Wooden Breast" der Hühner zu fühlen und gerne in die Verwaltung wechseln würde... Hier wird die Überforderung sowohl als alleinerziehnde und auch Fließbandarbeiterin mehr als deutlich. Auf der anderen Seite gibt es den Prozessoptimierer, Peter Merkhausen, die junge Ingenieurin Anna, die ein Automatierungsvergahren bei Möllring testet. Eine großen Teil der Geschichten nimmt der blinde Asylbewerber Nassim ein, dem von einem rücksichtslosen Radfahrer der Blindenstock kaputt gefahren wird.....und der von der Firma Möllring eine eine durch Medienspektakel begleitetete Spende erhält... Alle Lebensgeschichten, jede einzelne für sich, werden durch die Autorin sehr differenziert und authentisch dargestellt, dass man sich gut in die einzelnen einfühlen kann und dabei geschichtliches wie auch aktuelles lernen kann. Das Buch regt u.a. zum zum Nachdenken über unseren Konsum an, besonders über den Verzehr von weißem Fleisch den ja alle so propagieren. Ich finde: weniger ist mehr für alle, für uns Menschen wie auch für die Milliarden Hühner 🐔 🐓, die unnötig gezüchtet und gequält werden. Eine Leseempfehlung
Leider nichts für mich
Nun sitze ich seit knapp einer Woche über diesem Buch und es fällt mir immer schwerer, es wieder zur Hand zu nehmen. Sprachlich ist es sicher toll, auch die angesprochenen Themen sind durchaus wichtig, doch ich finde so gar nicht in die Geschichte hinein. Für mich ist es immer mehr nur eine Aneinanderreihung von Szenen aus den Leben unterschiedlicher Personen, die alle ihre ganz eigenen Probleme und irgendwie gemeinsam haben, mehr oder weniger direkt mit dem ortsansässigen Geflügelschlachtbetrieb verbunden zu sein. Ich bin erst auf Seite 104 angekommen und habe mich nun entschieden, das Buch nicht weiterlesen zu wollen. Es kann mich gar nicht einfangen, es ist mir zu permanent düster, fast schon deprimierend. Zu viele zu große Themen werden in diesem Buch angesprochen, das kann doch nicht alles vernünftig abgeschlossen werden….?
Unaufgeregt aufregend.
Ebrahimis Buch legt den Fokus auf eine Handvoll Charaktere die den Tagesablauf des Buches bestimmen und bei denen letztendlich alle Fäden zusammenlaufen. Dabei wirkt der ganze Tag unglaublich rund und organisch. Ihre Charaktere zeichnet sie schon fast nüchtern mit ihren Stärken und Schwächen, sodass sie so unperfekt sind, dass sie dreidimensional und glaubwürdig wirken. Und am Ende sind es jene Charaktere, die einen in den Bann ziehen, die zum Nachdenken anregen, ohne dass die Autorin es ist, die mit dem Finger auf ein Thema zeigt. Das ist bemerkenswert.
ganz großes Kino
Es hat mich umgehauen! Jeder Perspektivwechsel, jeder Plot war so unglaublich geschickt eingebaut, dass ich garnicht aufhören konnte zu lesen. Meiner Meinung nach zurecht für den deutschen Buchpreis 2025 nominiert, schafft es Nava Ebrahimi mit dieser Erzählung über einen Tag im Emsland unsere gesamte Gesellschaft kritisch und äußerst spannend darzustellen.

UND FEDERN ÜBERALL Nava Ebrahimi ET: 29.8.25 In einem kleinen Ort im Emsland werden in der Geflügelfabrik Möllring täglich 650.000 Hühner geschlachtet. Hier begleitet Nava Ebrahimi sechs ganz unterschiedliche Menschen durch einen einzigen Tag – Menschen, deren Leben auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben und die doch auf vielfältige Weise miteinander verknüpft sind. Da ist zum Beispiel Sonja, die längst von Hühnern träumt. Eigentlich wollte sie nie in der Fabrik arbeiten – es sollte nur eine Übergangslösung sein, bis sich etwas Besseres findet. Doch dann durfte ihr kleiner Sohn in den betriebseigenen Kindergarten, und der war außergewöhnlich gut. Wie hätte sie ihn da wieder herausnehmen können? Nun steht sie Tag für Tag am Fließband, verdient wenig und sieht auch in ihrer Zukunft vor allem: Huhn. Ihre Tochter wiederum begegnet ihr mit Schweigen – ein stiller Protest gegen all den Frust, den sie aus der Schule mitbringt. Heute Nachmittag will Sonja sich für einen Job in der Verwaltung bewerben. Sonja ist nur eine von sechs Stimmen, die Ebrahimi in diesem Roman zu Wort kommen lässt. Sie erzählt von Migration, vom Alltag Alleinerziehender, von Selbstbestimmung und von den leisen wie lauten Kämpfen des Lebens. Jede Figur bekommt ihren eigenen Raum, ihre eigene Sprache – das hat mir besonders gut gefallen. Allerdings gab es für mich auch einige Längen, vor allem in der Geschichte von Peters Großmutter, die mich irgendwann etwas verloren hat. Trotzdem: Und Federn überall ist ein eindringliches Buch über Menschen, die noch auf der Suche nach ihrem Platz in der Welt sind – und darüber, wie schwer dieses Suchen sein kann. Fazit: Ein kluges, fein beobachtetes Buch über das Leben am Rand und die Sehnsucht nach einem „Mehr“. Empfehlenswert – gerade für alle, die Fleisch essen. 3,5 /5

“und Federn überall” von Nava Ebrahimi handelt von Bewohner*innen eines Dorfs bzw. einer Kleinstadt im Emsland, in der sich alles um die dortige Hühnerfabrik dreht. Erzählt wird ein Tag aus Sicht einer Fließbandarbeiterin, eines Managers, einer Ingenieurin für Prozessoptimierung, eines halbblinden afghanischen geflüchteten Lyrikers, einer iranischen Schriftstellerin, die seine Gedichte übersetzen soll und einer Polin, die sich mit Schwarzarbeit über Wasser hält. Die Autorin schafft es, mit ihrer leichten, eindringlichen Sprache die Schicksale aller handelnden Personen geschickt miteinander zu verknüpfen und auf über 350 Seiten die Ereignisse eines einzigen Tages, die sich immer weiter zuspitzen, so fesselnd zu erzählen, dass man der Handlung in Echtzeit - ohne das Buch wegzulegen - folgen möchte. Die einzelnen Handlungsteile sind dabei sehr originell, in ihrer Gesamtheit aber auch tragisch. Besonders das Ende ist toll durchkomponiert und vor meinem inneren Auge ist ein Zeitlupenfilm abgefahren. Mir hat außerdem gefallen, dass ich etwas Neues über Deutsche Geschichte erfahren habe, denn eine polnische Enklave, wie sie im Buch eine Rolle spielt, gab es tatsächlich im Emsland. Für mich ist “Und Federn überall” ein ganz großartiger Roman über Fremdsein, die Herausforderungen des Lebens und weibliche Selbst- bzw. Fremdbestimmung. *Das ebook wurde mir kostenfrei vom Verlag zur Verfügung gestellt.
Wunderbar!
Was für ein sprachgewaltiges Buch. Und dabei kommt es so leise daher. Die Autorin schafft es von Seite an eins an, mich in diese Geschichte abtauchen, die Charaktere spüren zu lassen. Ihre Ohnmacht, Wut, Nöte. Alle Protagonist*innen müssen sich beweisen. Als Mutter, als Mann auf der Suche nach einer Frau, als Mitarbeiterin. Wir begleiten sie dabei, wie sie sehnsüchtige Blicke auf Fremde und deren angebliche Sorglosigkeit werfen. Dabei können sie gar nicht wissen, was diese Menschen bewegt, welche Nöte sie haben. Es ist ein Buch über das Scheitern, über Hilflosigkeit. So wie wir sie alle schon mal in der ein, oder anderen Situation erlebt haben. Es geht um Entscheidungen. Gegen das Herz, für die Vernunft. Und das macht die Protagonisten in diesem Buch so nahbar. Sie sind wie du und ich. Mit allen Ecken und Kanten. Es geht in dieser Geschichte um Entfremdung und darum Heimat zu finden. Ein Buch das mich beeindruckt hat und dessen Protagonisten mich einfach so sehr berührt haben. Alle auf ihre ganz eigene Art. Mit ihrer Wut, ihrer Angst, aber auch der zarten Hoffnung. Ich denke unheimlich oft an das Buch zurück. Der wunderbare Schreibstil von Nava Ebrahimi hat mich nur so durch die Seiten fliegen lassen. Auf der gesamten Szenerie liegt etwas drückendes. Ich konnte es nicht greifen, aber schon alleine die Hühner-Schlachtanlage als Handlungsort machte mich beim Lesen ganz leise. Und das hier, auf die eine oder andere Art, alle Stränge zusammenlaufen, an diesem eigentlich unwirtliche Ort, ein Platz der Kälte und der Endlichkeit, steht einfach für sich. Für mich ein wunderbares Buch über Menschen und ihre Leben. Mit kleinen, feinen Nuancen. Ich empfehle dieses Buch sehr gerne weiter.

Der Roman beschreibt das Leben in einer kleinen Stadt im Emsland, und es sind sechs Menschen und ihr (teilweise auch zusammenhängenden) Schicksale, die wir als Leser:innen begleiten, bis sie am Schluss im Foyer des Geflügelschlachthofes Möllring alle zusammentreffen. Ein kurzweilig erzähltes Buch, das viel aus unserem gegenwärtigen Alltag in die Handlung aufgenommen hat. Leider zwischendurch ein paar Längen, die ich als etwas mühsam empfunden habe.
Fesselnd von Anfang bis Ende
In dem Buch, was vorerst erscheint wie eine Sammlung unverknüpfter Gedankenwelten unterschiedlichster Personen, verknüpft die Autorin die verschiedenen Schicksale gekonnt miteinander. Die Charaktere kommen vorerst in Klischees daher, nur um später mit ihnen zu brechen. Die Wechselwirkungen, die sich tagtäglich in unserer Gesellschaft zutragen, werden durch ständigen Perspektivwechsel sichtbar. Im großen, wie im Kleinen. Ein sehr relevantes Buch für unsere Zeit - einfühlsam und authentisch geschrieben.

Im Zentrum von „Und Federn überall“ von Nava Ebrahimi steht eine fiktive Kleinstadt im Emsland, in der sich innerhalb eines Tages die Wege von sechs Figuren kreuzen, deren Leben auf unterschiedliche Weise von einem Geflügelschlachthof abhängen. Da ist der sehbehinderte afghanische Dichter Nassim, der auf Anerkennung und ein Bleiberecht hofft, die polnische Pflegekraft Justyna, die zwischen finanzieller Verantwortung und persönlicher Sehnsucht schwankt, sowie die alleinerziehende Sonia, die am Fließband ums Überleben kämpft und die Ingenieurin Anna, die eine neue Rationalisierungssoftware im Schlachthof installiert und dabei vom Prozessoptimierer Merkhausen überwacht wird, der Effizienz über Empathie stellt. Beobachtet und lose verbunden werden die Protagonist:innen durch Roshi, eine Schriftstellerin, die zur Übersetzung von Nassims Gedichten anreist und deren Geschichte als einziges in der Ich-Form erzählt bekommen. Das fand ich sehr spannend und hat wunderbar zur Geschichte gepasst, genauso wie der präzise und atmosphärische Schreibstil, der von einem feinen Humor begleitet wird. Besonders interessant fand ich aber die historischen Hintergründe der polnischen Geschichte in der Region, die bis in die Nachkriegszeit zurückreicht. Darüber hat die Autorin auch einiges in ihrer Lesung im Literaturhaus in Köln erzählt, die ich schon im Oktober besucht habe. Dadurch konnte ich noch einmal einen ganz anderen Zugang zu dem Roman erhalten und beim Lesen viel verknüpfen. Einen kleinen Kritikpunkt habe ich dennoch, durch die vielen Themen und Perspektiven wirkte die Geschichte etwas überladen und nicht jede Figur erhält die gleiche emotionale Tiefe. Für mich trotzdem ein kluger und vielschichtiger Roman, der lange in mir nachhallt und dessen erzeugte Bilder sich wirklich stark eingeprägt haben.
Der Roman vereint schriftstellerisches Können mit einer scharfen Beobachtungsgabe und einem analytischen Blick auf die Gesellschaft.
Ein ganz gewöhnlicher Tag im Emsland, sechs Personen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und doch überraschend viel gemeinsam haben; sechs Perspektiven aus verschiedenen sozialen Milieus und ethnischen Gruppen, die sich ganz natürlich und mühelos zu einem facettenreichen Portrait der deutschen Gesellschaft ineinander fügen. Nava Ebrahimi ist mit ihrem neuen Roman (wieder einmal) ein Kunstwerk gelungen, dass auf eine unaufdringliche Art und Weise unglaublich viel vermittelt – nicht zuletzt ein nahezu vergessenes Stück deutsch-polnischer Geschichte. Der Roman spielt im fiktiven Dorf Lasseren; das einzig bemerkenswerte an diesem Ort ist der Geflügelschlachtbetrieb Möllring, Hauptarbeitgeber der Region und zentraler Schauplatz der Geschichte. Sonia, eine alleinerziehende Mutter ist Arbeiterin im Betrieb; Peter Merkhausen ist Abteilungsleiter mit einem Faible für Polinnen und einer überraschenden Familiengeschichte; die ehrgeizige Anna Seiwerth soll eine neue Technologie im Betrieb installieren. Dann gibt es da noch den afghanischen Lyriker Nassim, der unter einer Sehbeeinträchtigung leidet und kurz vor seiner Anhörung im Asylverfahren steht, Roshi eine Schriftstellerin mit iranischen Wurzeln und Justyna eine Polin, die das Studium ihrer Tochter mit Gelegenheitsjobs finanziert und die Männer abgeschrieben hat – oder doch nicht? Nava Ebrahimis Stil ist einfach und doch schafft sie es ihre Figuren durch kleine, wohl gewählte Details lebendig werden zu lassen und ihnen Tiefe zu verleihen. Ihre Charaktere sind alles andere als perfekt, wirken aber gerade wegen ihrer Fehler unglaublich authentisch und mitunter trotzdem ganz unerwartet liebenswürdig. Die Dynamiken zwischen den Protagonist:innen zeigen Machtverhältnisse auf und viele gesellschaftlich relevante Themen wie Mutterschaft, Fremd- und Mehrsprachigkeit, Umgang mit Menschen mit Behinderung, Migrations- und Fluchterfahrungen etc. werden so thematisiert. Der Roman vereint schriftstellerisches Können mit einer scharfen Beobachtungsgabe und einem analytischen Blick auf die Gesellschaft. Für mich auf jeden Fall ein Highlight!
Characteristics
2 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Description
Wie bleiben wir menschlich, wenn das Leben immer härter wird? Der neue Roman der Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin. Eine Kleinstadt in der norddeutschen Provinz. Sechs Menschen, die ein neues Kapitel in ihrem Leben aufschlagen. Ein Tag, der alles verändert.
Nebel liegt über den Feldern und dem Kanal. Es ist, als ob der Winter nicht zu Ende gehen will in der kleinen Stadt Lasseren im Emsland. Hier auf dem platten Land ist jahrein, jahraus nicht viel los. Wer Arbeit sucht, kommt an Möllring nicht vorbei, dem riesigen Geflügelschlachthof am Stadtrand. Für eine Handvoll Menschen beginnt dieser Montagmorgen mit großen Erwartungen. Sonia, alleinerziehende Mutter, hofft auf einen Job weit weg vom Hühnchen-Zerlege-Fließband. Für die junge Ingenieurin Anna steht mit dem Testlauf eines neuen Automatisierungsverfahrens bei Möllring so gut wie alles auf dem Spiel. Merkhausen wiederum, verlassener Ehemann mit einem Faible für Polinnen und zuständig für die Prozessoptimierung im Schlachtbetrieb, fiebert einem Date am Abend entgegen. Und dann ist da noch der geflüchtete Afghane Nassim, der sich in eine Affäre mit der zwanzig Jahre älteren Justyna verstrickt und fest daran glaubt, dass seine Gedichte die deutschen Beamten erweichen werden. Um diese zu übersetzen, ist Roshi, deutsch-iranische Autorin, extra aus Köln angereist. Als ein rücksichtsloser Fahrradfahrer dem sehbehinderten Mann mitten im Ort den Blindenstock kaputt fährt, bringt Nassim es mithilfe des örtlichen Radiosenders nicht nur zu lokaler Berühmtheit. Er bringt auch die Menschen dazu, der eigenen Wahrheit ins Auge zu sehen.
Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin Nava Ebrahimi taucht ein in das Leben einer kleinen Stadt im Emsland und verknüpft die Geschichten von sechs Menschen zu einem mitreißenden Gesellschaftsroman über die Frage: Wie bleiben wir menschlich, wenn das Leben immer härter wird?
Book Information
Author Description
Nava Ebrahimi, 1978 in Teheran geboren, zählt zu den wichtigen Stimmen der deutschsprachigen Literatur. Sie erhielt 2021 den Ingeborg-Bachmann-Preis. Ihr Roman »Und Federn überall« war für den Deutschen Buchpreis 2025 nominiert und gilt als einer der »100 besten Romane des Jahres« (DIE ZEIT). Er wurde mit dem Péter-Horváth-Preis ausgezeichnet.Für ihr Debüt »Sechzehn Wörter« wurde sie mit dem Österreichischen Buchpreis, Kategorie Debüt, sowie dem Morgenstern-Preis ausgezeichnet. Nava Ebrahimi ist regelmäßige Kolumnistin der Süddeutschen Zeitung. Sie lebt mit ihrer Familie in Graz.
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Nur 1 Tag...und trotzdem so viel Tiefe in den 350 Seiten !!! Großes Kompliment dafür, wie die Autorin es schafft, uns 6 sehr unterschiedliche Menschen so nahe zu bringen, indem sie uns einen Tag in ihrem Leben schildert. Ich hatte das Gefühl, sie schon länger zu kennen! Sehr raffiniert fand ich die Idee, wie sich diese 6 Personen im Laufe dieses Tages tangieren . Die Themen des Romans sind sehr vielschichtig, es geht um Migration, Mobbing, Stress, Krieg, Arbeitslager und vieles mehr. Mit dem Schluss konnte ich leider nichts anfangen.Und die Hühnerthematik wird mich wohl noch einige Zeit beschäftigen...
Die Ereignisse eines Tages in der norddeutschen Provinz inklusive Migration. Sehr interessant und vielschichtig, gesellschaftskritisch, ehrlich. Lesenswert. In den ersten Kapiteln lernen wir die Hauptprotagonisten in ihrem Alltag kennen, jeder gestresst, jeder an der Belastungsgrenze, keiner glücklich. Eine interessante Ausgangslage und man fragt sich, wie diese Menschen verbunden werden, wobei der Geflügelbetrieb im niedersächsischen, dünn besiedelten Land für alle mehr oder weniger eine Rolle spielt. Der Text lässt sich gut und flüssig lesen und man kann sich alles ausgezeichnet vorstellen, verliert sogar fast die Lust auf Hähnchenfleisch bei der Beschreibung der Schlachtung und Zerlegung der Tiere und der dabei entstehenden Gerüche. Und die Probleme die Sonja, alleinerziehend, mit ihrer pupertierenden Tochter hat, fühlen sich so real an, dass man am liebsten helfend eingreifen möchte. Beim Lesen ist eine düstere Stimmung fast greifbar, da jeder Charakter Probleme hat, sich überfordert fühlt, keiner einem anderen Menschen wirklich nah ist oder Geborgenheit fühlt. Auch die Liebe scheint hoffnungs- und perspektivlos. Sehr schön deutlich gemacht werden auch die Unterschiede im Denken und Fühlen zwischen der Polin, dem afghanischen Flüchtling, der deutschen oder der Menschen mit Migrationshintergrund und deren Bedürfnisse. Und es wird aufgezeigt, wie wichtig Vergangenheit ist, denn nur wer die Vergangenheit kennt, kann Zukunft gestalten. Im Laufe des Romans wird immer deutlicher, wo Migration tatsächlich eine Rolle spielt und die Handlungen beeinflusst. Das überrascht und ist gut gelungen. Und ein Plädoyer für ein harmonisches Miteinander. Nava Ebrahimi ist es gelungen, dem Lesenden die Charaktere so nahe zu bringen, dass man mitfühlt. Dadurch entsteht ab ca. der Mitte des Buches ein Spannungsbogen, so dass man das Buch kaum weg legen mag. Und man liest und hofft und wüscht, dass es für alle ein gutes Ende nimmt. Am liebsten würde man noch ein paar Tage da bleiben ...
Ein Geflügelimperium und die Menschen in einem kleinen Ort im Emsland. Die alleinerziehende Sonia, gefangen in einem harten Job im Geflügelschlachthof, ist zunehmend überfordert mit ihrer Arbeit und ihren pubertierenden Kindern. Sie hofft auf einen besseren Job. Merkhausen ist in dieser Firma in einer leitenden Position tätig, sucht eine Frau fürs Leben mit polnischen Wurzeln. Nassim, ein Flüchtling mit einer Augenkrankheit, schreibt Gedichte und ist auf der Suche nach einem bessern Leben. Die Polin Justyna trifft Nassim gelegentlich. Sie mag ihn sehr aber mehr als eine Freundschaft Plus ist für sie nicht drin. Er ist zwanzig Jahre jünger und sie auf der Suche nach einem deutschen Mann via Internet. Roshi ist eine iranische Schriftstellerin. Nassim versucht sie zu überzeugen seine Gedichte ins Deutsche zu übersetzen. Anna verkauft eine selbstentwickelte Software zur Überprüfung der Fleischqualität an die Firma, so können zukünftig Arbeitsplätze eingespart werden. Diese Personen und deren komplexe Beziehung untereinander werden verwebt zu einer gemeinsamen Geschichte, in der Flucht, Geschlechterrollen und Migration eine große Rolle spielen. Im Mittelpunkt steht der Geflügelkonzern. Die Arbeit dort ist anstrengend und monoton. Einfühlsam und poetisch erzählt wird dieser gesellschaftskritische Roman, der berührt und fasziniert zugleich. Jeder kämpft für sich allein, hat eigene Sorgen und Nöte. Trotz der vielen Protagonisten kommen wir den einzelnen Menschen sehr nah, bekommen Einblicke in ihre Gedanken und Gefühle. Eine Momentaufnahme aus der Realität stellvertretend für viele andere Menschen. Ich hab den Roman sehr gern gelesen, allerdings kam mir das Ende zu schnell. Da hätte es sich für mich gern noch einiges aufklären dürfen. Für alle Liebhaber von gesellschaftskritischen Romanen, in denen Migration eine große Rolle spielt, ist dieses Buch eine Empfehlung.
Das Buch spielt im Emsland an einem einzigen Tag, rund um eine riesige Hähnchenfabrik. Erzählt wird die Geschichte bzw die Ereignisse an diesem Tag aus 6 unterschiedlichen Perspektiven völlig unterschiedlicher Personen. Alle sind an diesem Tag irgendwie miteinander verbunden, wissen aber zum Teil noch nicht wie. Ich liebe diese Art des Storytellings, vor allem, wenn - wie in diesem Buch - die Charaktere so empathisch und vielschichtig beschrieben werden, mit ihren Verletzlichkeiten, guten und auch mit ihren schlechten Seiten. Wirklich jede einzelne Geschichte/ jeder einzelne Charakter war interessant für mich und ich habe es genossen, dieses Buch zu lesen. Einen Stern Abzug gab es lediglich für das Ende, das ich etwas unglaubwürdig und in der Form auch unnötig fand Das sollte aber niemanden davon abhalten, dieses tolle Buch zu lesen PS: auch wenn keine dezidierten Grausamkeiten beschrieben werden: wenn man nicht ohnehin vorher schon vegetarisch gelebt hat, sollte nach diesem Buch das Bedürfnis nach Hähnchenfleisch eigentlich verschwunden sein...
"Wir leben in einer Zeit des Umbruchs, da gibt es Gewinner und Verlierer, das ist seit Menschengedenken so." S. 219 Als Leser*in liest man hier über sechs verschiedene Personen aus unterschiedlichen Schichten, die sich nicht kennen, jedoch alle irgendwie miteinander verbunden sind. Die Handlung spielt im niedersächsischen Emsland, vordergründig in einem großen Geflügel(mast)betrieb, in dem Hühner (weiter-)verarbeitet werden. Insgesamt behandelt das Buch einige gesellschaftsrelevante Themen, denn jede*r der Protas hat ein Päckchen zu tragen. Der sehbehinderte, geflohene Nassim, der hofft Asylrecht zu erhalten, die alleinerziehende Mutter, deren Tochter zum Mobbingopfer wird, der Geschäftsmann, der eine Vorliebe für Polinnen hat, da ihn der Akzent an seine Großmutter erinnert, ... Dieses Buch lässt mich etwas zwiegespalten zurück. Einerseits mochte ich die Verkettung von Handlungssträngen, die am Ende alle zusammenführen und aus vielen einzelnen Geschichten eine große Ganze schaffen. Andererseits war der Weg dorthin streckenweise etwas holprig, denn nicht jede der sechs Perspektiven war für mich gleichermaßen interessant. Dies ist definitiv kein Buch für mal eben zwischendurch und erfordert etwas Konzentration, um den Überblick zu behalten und erfassen. Der Erzählfluss plätschert fortwährend gemächlich dahin und Spannung gibt es eher keine, dafür einen kritischen Blick auf die verschiedenen Personen unserer Gesellschaft. Wem beispielsweise Unterleuten gefallen hat, für den könnte auch das was sein.
Ein interessanter Einblick...
...in die Gedankenwelt von sechs unterschiedlichen Personen in der norddeutschen Provinz. An sich hat mir das Buch gefallen, aber es hätte, meiner Meinung nach, noch weitergehen sollen. Ich hätte gerne gewusst, ob und wenn ja was dieser Tag im Leben der Protagonisten ändert. All das bleibt offen und der Phantasie des Lesers überlassen. Schade.
Ein Roman der einen Tag im Leben von sechs, zum Teil sehr unterschiedlichen Menschen, schildert. Im Zentrum steht ein großer Geflügelkonzern im Emsland, der als wichtiges Bindeglied zwischen den ProtagonistInnen fungiert. Die Geschichten der Menschen überschneiden sich immer wieder, bevor sie am Ende zusammenlaufen. Die Themen des Buches sind so breit gefächert wie sein Personal. Es werden uns die Leiden des Prozessoptimierers in Führungsposition näher gebracht, aber auch die Nöte eines dichtenden Asylbewerbers aus Afghanistan. Jeder hat in seiner kleinen Welt die eigenen Kämpfe mit sich selbst und der Welt zu kämpfen. Alle sechs Figuren sind interessant und vieldimensioniert gezeichnet. Vor allem traut sich die Autorin, sie alle sehr ambivalent darzustellen und sie immer wieder moralisch mehr als fragwürdig handeln zu lassen. Die Geschichte bleibt durchgehend mit Empathie und ohne zu werten bei den Charakteren, so dass auch beim lesen wenig Impuls zur Anklage entsteht, sondern stattdessen vielmehr Neugier auf die Gedankenwelt der verschiedenen Menschen. Ein Buch, das mir fast durchgehend gut gefallen hat. Einzig der Schluss des Romans ist mir zu überkonstruiert und er wird mit einer für mich etwas befremdlichen Form von Pathos abgeschlossen.
“Es saßen bereits alle am Konferenztisch wie Hühner auf der Stange, selbstverständlich wie Hühner auf Stangen idyllischer Bauernhöfe, wie sie nur noch für touristische Zwecke existierten.” (S. 127) Ein Tag im Emsland; im fiktiven Ort Lasseren, dem Sitz des Geflügelschlachthofs Möllring. Dieser ist sowohl für den Ort, als auch für Handlung und Personen des Romans Dreh- und Angelpunkt. Erzählt wird die Geschichte eines einzigen Tages aus der Perspektive von sechs Hauptfiguren, die alle ihre ganz eigenen Herausforderungen und Konflikte, aber auch ihren jeweils individuellen Charme und Sound haben. Da ist Sonja, die im Schlachthof am Band arbeitet und alleinerziehend in Hoffnung auf einen beruflichen Aufstieg lebt. Ebenso im Betrieb tätig ist Merkhausen, der allerdings als leitender Angestellter mit seinen beruflichen als auch mit privaten Herausforderungen ringt. Mit einer seiner Herausforderungen verknüpft ist die ambitionierte Ingenieurin Anna, die für die Einführung eines automatisierten Verfahrens zur Qualitätskontrolle zuständig ist. Zusätzlich ist da der afghanische Flüchtling Nassim, der in seinem Asylverfahren auf die Kraft der Lyrik setzen will. Hierbei soll ihm die deutsch-iranische Autorin Roshi durch die Übersetzung seiner Gedichte ins Deutsche helfen. Nicht zuletzt ist Justyna, polnische Arbeiterin und in einer Beziehung mit dem deutlich jüngeren Nassim, Teil der Personenkonstellation. Zusätzlich zu den auf den ersten Blick bestehenden Beziehungen zwischen den Personen ergeben sich im Verlauf mehr und mehr Schnittpunkte und zusätzliche Verbindungen zwischen den Personen und Perspektiven. Mich hat die Darstellung der verschiedenen Figuren, die tiefgründig und einfühlsam, aber vielfach auch mit einem Augenzwinkern gezeichnet sind, sowie die Konstruktion der Schnittpunkte zwischen den Personen absolut überzeugt. Jede Person mit ihren ganz eigenen Träumen, Sorgen und Konflikten steht für sich und überzeugt durch eine komplexe, authentische Darstellung. Durch die Verwebung der sechs Perspektiven werden zudem große, gesamtgesellschaftlich relevante Themen und Fragestellungen wie Migration, Zugehörigkeit, Geschlechterrollen, soziales Gefälle und nicht zuletzt menschliche Würde wie durch ein Brennglas in einen Mikrokosmos kondensiert. Absolute Leseempfehlung für alle, die gesellschaftskritische Romane mit komplexen Figuren und einem gewissen Augenzwinkern in der Darstellung der Charaktere mögen!
Die erwähnten Personen vom Klappentext erzählen diese Geschichte. Und zunächst war mir eine Person unsympathischer als die vorherige Person. Wir erleben sie in ihrem Alltag mit all ihren Schwächen, ja eigentlich heißt es Stärken und Schwäche, aber genau diese guten Seiten fehlen zunächst. Aber immer mehr wechselt es ins grau, denn nichts ist jemals nur schwarz oder weiß. Die Perspektiven zeigen was ihre Leben aus ihnen gemacht haben. Je weiter ich die Personen kennenlernt habe, umso mehr kam in mir auch Mitgefühl und an der einen oder anderen Stelle auch Verständnis auf, nicht für jede Person und jede Handlung, aber doch für den größten Teil. Das Buch spielt an einem einzigen Tag und dieser Tag verändert für die einzelnen Person mitunter viel. Einige Perspektiven haben mich mehr interessiert als andere und die eine oder anderes Perspektive war mir am Ende zu offen gelassen. Und von mancher Person hätte ich gern weniger erfahren. Die Verknüpfungen zum Schluss der einzelnen Person war teilweise nicht sehr überraschend aber widerum doch spannend mitzuerleben. Neben den unterschiedlichen Leben der Figuren verknüpft die Autorin geschichtliches der Vergangenheit mit der Gegenwart. Und greift auch Themen auf, die man nicht unbedingt auf den Schirm hat und womit man wahrscheinlich in einem Buch weniger rechnet. Es sind mitunter viele Themen, aber dadurch, dass diese auf die unterschiedlichen Figuren verteilt sind, wirkt es an keiner Stelle überladen. Besonders mochte ich die Szenen zwischen Roshi und Nassim in dem Café und das Gedicht zum Schluss war ein toller Zusatz. Mich persönlich stört einwenig das offene Ende aber das ist meckern auf sehr hohem Niveau.
Sternebewertung fiktiv
Zurecht auf der Longlist gelandet. Eine Coverwahl zu Beginn und eine Geschichte, die mich berührt, beschäftigt und betrübt hat. Nava Ebrahimi führt mich in eine Kleinstadt im Emsland, wo der Geflügelschlachthof Möllring der wichtigste Arbeitgeber ist. Hier kreuzen sich die Geschichten von sechs Menschen, die auf unterschiedliche Weise miteinander verbunden sind und deren Schicksale doch so verschieden verlaufen. Da ist Sonia, alleinerziehende Mutter, die an ihrem wichtigen Tag bei der Arbeit aus der Verzweiflung heraus, ihre pubertierende Tochter einschließt, bevor sie zur Arbeit fährt. Sich selber mit Mantras am Laufen hält, um vielleicht genau an diesem Tag, eine bessere Anstellung im Betrieb zu bekommen. Sie träumt von einem Wechsel in die Verwaltung, raus aus der anstrengenden, monotonen Arbeit. Anna, Ingenieurin aus Hamburg, soll eine Maschine installieren, die fehlerhafte Filets aussortiert und was dazu führen könnte, das Arbeitsplätze wegfallen, beispielsweise der von Sonia. Dann lernen wir Peter Merkhausen kennen, leitender Angestellter und auf der Suche nach einer klassisch traditionellen Ehe, aber mit einer polnischen Frau. Dem Glück versucht er nachzuhelfen, in dem er dies im Internet auf Seiten macht, die auf genau diese Mann Frau Konstellation spezialisiert sind. Er lernt auch eine kennen, Justyna. Justyna führt allerdings eine Art Friendship mit Benefits. Er 20 Jahre jünger, Nassim, mit einer Augenkrankheit und geflüchtet aus Afghanistan, auf der Suche nach einem sicheren Leben, dass ihn seinen Traum des Schreibens verwirklichen lässt. Die Autorin verwebt diese Stimmen zu einem dichten Netz aus Abhängigkeit, Sehnsucht und Hoffnung. Sie zeigt eine Welt, in der Arbeit alles bestimmt, in der Migration, Herkunft und soziale Umstände ebenso unbarmherzig wirken wie die Akkordarbeit am Band. Das Emsland wird so zum Spiegel der Gegenwart. Stillstand, Zerrissenheit, aber auch Aufbruch. „Und Federn überall“ ist ein präziser, gesellschaftskritischer Roman über Arbeit, Migration, Familie und das Ringen um Selbstbestimmung. Nava Ebrahimi gelingt es, große Fragen in scheinbar kleinen Geschichten zu stellen und so einen Roman zu schaffen, der nachhallt. Auch gewährt sie mir einen Einblick in die deutsch polnische Geschichte des 2. Weltkrieges. Ein Roman, der sich so real anfühlt und womöglich genau so unweit von uns in echt gelebt wird.
Ein Montag in Niedersachsen
"Und Federn überall" von von Nava Ebrahimi ist ein ganz anderer Roman, der mir nach ein paar Anfangsschwierigkeiten doch sehr gut gefallen hat. Wir erleben einen Tag in einem Ort in Niedersachsen aus der Sicht von sechs Personen. Alle haben bzw. bekommen auf unterschiedlichste Weise mit dem Hauptarbeitgeber im Ort, der Geflügelfabrik Möllring zu tun. Das sind zuerst Roshi und Nassim. Roshi ist aus Köln angereist, um Nassim bei einer Übersetzung behilflich zu sein. Nassim ist Afghane, hat eine Augenkrankheit und hofft, durch seine Gedichte bei der Ausländerbehörde die Beamten zu einer für ihn positiven Entscheidung zu bringen. Er lebt im Keller unter Jystina, ab und an schlafen sie miteinander. Jystina ist vor 30 Jahren aus Polen nach Deutschland gekommen und von Beruf Altenpflegerin. Sonia arbeitet bei Möllring am Fließband, hat eine pubertierende Tochter und einen Sohn. Sie ist mit der Arbeit in der Fabrik unzufrieden und mit ihren Kindern überfordert. Anna , eine junge Ingenieurin, erhofft sich durch die Inbetriebnahme einer Automatisierungsanlage bei Möllring einen Karriereschub. Und dann gibt es noch Merkhausen, Abteilungsleiter bei Möllring und auf der Suche nach einer polnischen Frau, mit der er glücklich werden kann. Diese ganz unterschiedlichen Charaktere kommen im Roman im Wechsel zu Wort. Im Verlauf dieses einen Montags erfahren wir immer mehr über jede einzelne Peron und die Zusammenhänge zwischen ihnen. Ebrahimi greift durch ihre Sprache und die Beschreibung der einzelnen Charaktere unterschiedliche gesellschaftspolitische Themen auf, drohende Arbeitslosigkeit, Migration, Alter, Mobbing. Als Lesende war ich mittendrin in Lasseren, bei Möllring am Fließband (der für mich unschönste Teil) auf den Straßen und in den Wohnungen der Protagonist*innen. Nava Ebrahimi hat mich traurig und wütend gemacht, mich aber auch zum Schmunzeln und Nachdenken gebracht hat. Dazu habe ich auch noch etwas über die Geschichte Polens gelernt. Ebrahimis Sprache ist klar, präzise und bildhaft. Ein Werk, das ich gerne weiterempfehle. Es gehört zu den Büchern, die ich noch ein zweites Mal lesen werde. Sehr gute 4 Sterne gibt es von mir!
Schicksalhaft
1 Tag in Lasseren rund um den Betrieb der Hühner verarbeitet. 6 Personen, jede mit ihren persönlichen Problemen. Der einsame Manager, die allein erziehende Mutter die schon in der dritten Generation in der Fabrikation arbeitet und sich gerne hoch arbeiten möchte, die Polin die sich von Job zu Job durchschlägt und darauf hofft mit einem deutschen Mann zur Ruhe zu kommen, der afghanische geflüchtete der auf einen Aufenthaltstitel hofft, die Entwicklungs Ingenieurin die die Prozesse optimieren soll und die Schriftstellerin die in den Ort gekommen ist um dem Afghanen bei der Übersetzung seiner Gedichte helfen will. Es geht um Einsamkeit und Vorurteile, die Wunden die die Geschichte, sowohl die persönliche als auch die allgemeine geschlagen haben. Authentische Figuren und berührende Figuren. Am Ende des Tages schließt sich der Kreis. Definitiv lesenswert.
Eine kleine Stadt im Emsland, ein Geflügelschlachthof, und sechs Menschen, deren Lebenswege sich dort an einem Tag überschneiden. Mir hat die wechselnde Erzählweise aus Sicht der unterschiedlichen Figuren gut gefallen, allerdings wurden so viele Themen angesprochen, dass es fast ein bisschen zu viel war. So konnte alles nur angeschnitten werden, immer wieder gab es neue Schlaglichter auf neue Figuren, ohne bei einem Punkt wirklich in die Tiefe zu gehen. So hätte jeder Erzählstrang sein eigenes Buch verdient. Völlig neu war mir der Aspekt der polnischen Enklave im Emsland, da musste ich nach der Lektüre erstmal recherchieren.
Schön geschrieben, aber haut mich nicht um
Ich mochte vor allem den Schreibstil der Autorin und ihr Gespür für Charaktere. Die hat sie wirklich sehr intensiv ausgearbeitet und alle passen auch sehr gut in die Umgebung im Emsland, wo das Buch spielt. Auch die Story entwickelt sich toll, sodass am Ende alle Charaktere irgendwie aufeinander treffen oder zumindest an irgendeinem Punkt etwas miteinander zu tun haben. Mir persönlich ging nach einer Weile die Fixierung auf die polnisch-deutsche Geschichte rund ums Emsland auf die Nerven, das hätte man kürzen können. Die Nominierung für den Buchpreis kann ich nicht nachvollziehen, dafür ist es mir dann doch etwas zu flach in jeglicher Hinsicht. Aber all in all ein schönes Buch, was man gut und flüssig durchlesen kann.
Gelungene Perspektivwechsel
"Wie bleiben wir menschlich, wenn das Leben immer härter wird?" , das fragt sich die Autorin in diesem Roman über sechs Menschen in einer kleinen Stadt im Emsland. Alle sechs Menschen mit ihren unterschiedlichen Lebenswegen haben eines gemeinsam, irgendwie haben sie eine Beziehung zu Möllring, dem Geflügelschlachthof. Da ist z.B. die alleinerziehnde Mitarbeiterin Sonia am Fließband, die eigentlich keine Lust mehr hat "die "Wooden Breast" der Hühner zu fühlen und gerne in die Verwaltung wechseln würde... Hier wird die Überforderung sowohl als alleinerziehnde und auch Fließbandarbeiterin mehr als deutlich. Auf der anderen Seite gibt es den Prozessoptimierer, Peter Merkhausen, die junge Ingenieurin Anna, die ein Automatierungsvergahren bei Möllring testet. Eine großen Teil der Geschichten nimmt der blinde Asylbewerber Nassim ein, dem von einem rücksichtslosen Radfahrer der Blindenstock kaputt gefahren wird.....und der von der Firma Möllring eine eine durch Medienspektakel begleitetete Spende erhält... Alle Lebensgeschichten, jede einzelne für sich, werden durch die Autorin sehr differenziert und authentisch dargestellt, dass man sich gut in die einzelnen einfühlen kann und dabei geschichtliches wie auch aktuelles lernen kann. Das Buch regt u.a. zum zum Nachdenken über unseren Konsum an, besonders über den Verzehr von weißem Fleisch den ja alle so propagieren. Ich finde: weniger ist mehr für alle, für uns Menschen wie auch für die Milliarden Hühner 🐔 🐓, die unnötig gezüchtet und gequält werden. Eine Leseempfehlung
Leider nichts für mich
Nun sitze ich seit knapp einer Woche über diesem Buch und es fällt mir immer schwerer, es wieder zur Hand zu nehmen. Sprachlich ist es sicher toll, auch die angesprochenen Themen sind durchaus wichtig, doch ich finde so gar nicht in die Geschichte hinein. Für mich ist es immer mehr nur eine Aneinanderreihung von Szenen aus den Leben unterschiedlicher Personen, die alle ihre ganz eigenen Probleme und irgendwie gemeinsam haben, mehr oder weniger direkt mit dem ortsansässigen Geflügelschlachtbetrieb verbunden zu sein. Ich bin erst auf Seite 104 angekommen und habe mich nun entschieden, das Buch nicht weiterlesen zu wollen. Es kann mich gar nicht einfangen, es ist mir zu permanent düster, fast schon deprimierend. Zu viele zu große Themen werden in diesem Buch angesprochen, das kann doch nicht alles vernünftig abgeschlossen werden….?
Unaufgeregt aufregend.
Ebrahimis Buch legt den Fokus auf eine Handvoll Charaktere die den Tagesablauf des Buches bestimmen und bei denen letztendlich alle Fäden zusammenlaufen. Dabei wirkt der ganze Tag unglaublich rund und organisch. Ihre Charaktere zeichnet sie schon fast nüchtern mit ihren Stärken und Schwächen, sodass sie so unperfekt sind, dass sie dreidimensional und glaubwürdig wirken. Und am Ende sind es jene Charaktere, die einen in den Bann ziehen, die zum Nachdenken anregen, ohne dass die Autorin es ist, die mit dem Finger auf ein Thema zeigt. Das ist bemerkenswert.
ganz großes Kino
Es hat mich umgehauen! Jeder Perspektivwechsel, jeder Plot war so unglaublich geschickt eingebaut, dass ich garnicht aufhören konnte zu lesen. Meiner Meinung nach zurecht für den deutschen Buchpreis 2025 nominiert, schafft es Nava Ebrahimi mit dieser Erzählung über einen Tag im Emsland unsere gesamte Gesellschaft kritisch und äußerst spannend darzustellen.

UND FEDERN ÜBERALL Nava Ebrahimi ET: 29.8.25 In einem kleinen Ort im Emsland werden in der Geflügelfabrik Möllring täglich 650.000 Hühner geschlachtet. Hier begleitet Nava Ebrahimi sechs ganz unterschiedliche Menschen durch einen einzigen Tag – Menschen, deren Leben auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben und die doch auf vielfältige Weise miteinander verknüpft sind. Da ist zum Beispiel Sonja, die längst von Hühnern träumt. Eigentlich wollte sie nie in der Fabrik arbeiten – es sollte nur eine Übergangslösung sein, bis sich etwas Besseres findet. Doch dann durfte ihr kleiner Sohn in den betriebseigenen Kindergarten, und der war außergewöhnlich gut. Wie hätte sie ihn da wieder herausnehmen können? Nun steht sie Tag für Tag am Fließband, verdient wenig und sieht auch in ihrer Zukunft vor allem: Huhn. Ihre Tochter wiederum begegnet ihr mit Schweigen – ein stiller Protest gegen all den Frust, den sie aus der Schule mitbringt. Heute Nachmittag will Sonja sich für einen Job in der Verwaltung bewerben. Sonja ist nur eine von sechs Stimmen, die Ebrahimi in diesem Roman zu Wort kommen lässt. Sie erzählt von Migration, vom Alltag Alleinerziehender, von Selbstbestimmung und von den leisen wie lauten Kämpfen des Lebens. Jede Figur bekommt ihren eigenen Raum, ihre eigene Sprache – das hat mir besonders gut gefallen. Allerdings gab es für mich auch einige Längen, vor allem in der Geschichte von Peters Großmutter, die mich irgendwann etwas verloren hat. Trotzdem: Und Federn überall ist ein eindringliches Buch über Menschen, die noch auf der Suche nach ihrem Platz in der Welt sind – und darüber, wie schwer dieses Suchen sein kann. Fazit: Ein kluges, fein beobachtetes Buch über das Leben am Rand und die Sehnsucht nach einem „Mehr“. Empfehlenswert – gerade für alle, die Fleisch essen. 3,5 /5

“und Federn überall” von Nava Ebrahimi handelt von Bewohner*innen eines Dorfs bzw. einer Kleinstadt im Emsland, in der sich alles um die dortige Hühnerfabrik dreht. Erzählt wird ein Tag aus Sicht einer Fließbandarbeiterin, eines Managers, einer Ingenieurin für Prozessoptimierung, eines halbblinden afghanischen geflüchteten Lyrikers, einer iranischen Schriftstellerin, die seine Gedichte übersetzen soll und einer Polin, die sich mit Schwarzarbeit über Wasser hält. Die Autorin schafft es, mit ihrer leichten, eindringlichen Sprache die Schicksale aller handelnden Personen geschickt miteinander zu verknüpfen und auf über 350 Seiten die Ereignisse eines einzigen Tages, die sich immer weiter zuspitzen, so fesselnd zu erzählen, dass man der Handlung in Echtzeit - ohne das Buch wegzulegen - folgen möchte. Die einzelnen Handlungsteile sind dabei sehr originell, in ihrer Gesamtheit aber auch tragisch. Besonders das Ende ist toll durchkomponiert und vor meinem inneren Auge ist ein Zeitlupenfilm abgefahren. Mir hat außerdem gefallen, dass ich etwas Neues über Deutsche Geschichte erfahren habe, denn eine polnische Enklave, wie sie im Buch eine Rolle spielt, gab es tatsächlich im Emsland. Für mich ist “Und Federn überall” ein ganz großartiger Roman über Fremdsein, die Herausforderungen des Lebens und weibliche Selbst- bzw. Fremdbestimmung. *Das ebook wurde mir kostenfrei vom Verlag zur Verfügung gestellt.
Wunderbar!
Was für ein sprachgewaltiges Buch. Und dabei kommt es so leise daher. Die Autorin schafft es von Seite an eins an, mich in diese Geschichte abtauchen, die Charaktere spüren zu lassen. Ihre Ohnmacht, Wut, Nöte. Alle Protagonist*innen müssen sich beweisen. Als Mutter, als Mann auf der Suche nach einer Frau, als Mitarbeiterin. Wir begleiten sie dabei, wie sie sehnsüchtige Blicke auf Fremde und deren angebliche Sorglosigkeit werfen. Dabei können sie gar nicht wissen, was diese Menschen bewegt, welche Nöte sie haben. Es ist ein Buch über das Scheitern, über Hilflosigkeit. So wie wir sie alle schon mal in der ein, oder anderen Situation erlebt haben. Es geht um Entscheidungen. Gegen das Herz, für die Vernunft. Und das macht die Protagonisten in diesem Buch so nahbar. Sie sind wie du und ich. Mit allen Ecken und Kanten. Es geht in dieser Geschichte um Entfremdung und darum Heimat zu finden. Ein Buch das mich beeindruckt hat und dessen Protagonisten mich einfach so sehr berührt haben. Alle auf ihre ganz eigene Art. Mit ihrer Wut, ihrer Angst, aber auch der zarten Hoffnung. Ich denke unheimlich oft an das Buch zurück. Der wunderbare Schreibstil von Nava Ebrahimi hat mich nur so durch die Seiten fliegen lassen. Auf der gesamten Szenerie liegt etwas drückendes. Ich konnte es nicht greifen, aber schon alleine die Hühner-Schlachtanlage als Handlungsort machte mich beim Lesen ganz leise. Und das hier, auf die eine oder andere Art, alle Stränge zusammenlaufen, an diesem eigentlich unwirtliche Ort, ein Platz der Kälte und der Endlichkeit, steht einfach für sich. Für mich ein wunderbares Buch über Menschen und ihre Leben. Mit kleinen, feinen Nuancen. Ich empfehle dieses Buch sehr gerne weiter.

Der Roman beschreibt das Leben in einer kleinen Stadt im Emsland, und es sind sechs Menschen und ihr (teilweise auch zusammenhängenden) Schicksale, die wir als Leser:innen begleiten, bis sie am Schluss im Foyer des Geflügelschlachthofes Möllring alle zusammentreffen. Ein kurzweilig erzähltes Buch, das viel aus unserem gegenwärtigen Alltag in die Handlung aufgenommen hat. Leider zwischendurch ein paar Längen, die ich als etwas mühsam empfunden habe.
Fesselnd von Anfang bis Ende
In dem Buch, was vorerst erscheint wie eine Sammlung unverknüpfter Gedankenwelten unterschiedlichster Personen, verknüpft die Autorin die verschiedenen Schicksale gekonnt miteinander. Die Charaktere kommen vorerst in Klischees daher, nur um später mit ihnen zu brechen. Die Wechselwirkungen, die sich tagtäglich in unserer Gesellschaft zutragen, werden durch ständigen Perspektivwechsel sichtbar. Im großen, wie im Kleinen. Ein sehr relevantes Buch für unsere Zeit - einfühlsam und authentisch geschrieben.

Im Zentrum von „Und Federn überall“ von Nava Ebrahimi steht eine fiktive Kleinstadt im Emsland, in der sich innerhalb eines Tages die Wege von sechs Figuren kreuzen, deren Leben auf unterschiedliche Weise von einem Geflügelschlachthof abhängen. Da ist der sehbehinderte afghanische Dichter Nassim, der auf Anerkennung und ein Bleiberecht hofft, die polnische Pflegekraft Justyna, die zwischen finanzieller Verantwortung und persönlicher Sehnsucht schwankt, sowie die alleinerziehende Sonia, die am Fließband ums Überleben kämpft und die Ingenieurin Anna, die eine neue Rationalisierungssoftware im Schlachthof installiert und dabei vom Prozessoptimierer Merkhausen überwacht wird, der Effizienz über Empathie stellt. Beobachtet und lose verbunden werden die Protagonist:innen durch Roshi, eine Schriftstellerin, die zur Übersetzung von Nassims Gedichten anreist und deren Geschichte als einziges in der Ich-Form erzählt bekommen. Das fand ich sehr spannend und hat wunderbar zur Geschichte gepasst, genauso wie der präzise und atmosphärische Schreibstil, der von einem feinen Humor begleitet wird. Besonders interessant fand ich aber die historischen Hintergründe der polnischen Geschichte in der Region, die bis in die Nachkriegszeit zurückreicht. Darüber hat die Autorin auch einiges in ihrer Lesung im Literaturhaus in Köln erzählt, die ich schon im Oktober besucht habe. Dadurch konnte ich noch einmal einen ganz anderen Zugang zu dem Roman erhalten und beim Lesen viel verknüpfen. Einen kleinen Kritikpunkt habe ich dennoch, durch die vielen Themen und Perspektiven wirkte die Geschichte etwas überladen und nicht jede Figur erhält die gleiche emotionale Tiefe. Für mich trotzdem ein kluger und vielschichtiger Roman, der lange in mir nachhallt und dessen erzeugte Bilder sich wirklich stark eingeprägt haben.
Der Roman vereint schriftstellerisches Können mit einer scharfen Beobachtungsgabe und einem analytischen Blick auf die Gesellschaft.
Ein ganz gewöhnlicher Tag im Emsland, sechs Personen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und doch überraschend viel gemeinsam haben; sechs Perspektiven aus verschiedenen sozialen Milieus und ethnischen Gruppen, die sich ganz natürlich und mühelos zu einem facettenreichen Portrait der deutschen Gesellschaft ineinander fügen. Nava Ebrahimi ist mit ihrem neuen Roman (wieder einmal) ein Kunstwerk gelungen, dass auf eine unaufdringliche Art und Weise unglaublich viel vermittelt – nicht zuletzt ein nahezu vergessenes Stück deutsch-polnischer Geschichte. Der Roman spielt im fiktiven Dorf Lasseren; das einzig bemerkenswerte an diesem Ort ist der Geflügelschlachtbetrieb Möllring, Hauptarbeitgeber der Region und zentraler Schauplatz der Geschichte. Sonia, eine alleinerziehende Mutter ist Arbeiterin im Betrieb; Peter Merkhausen ist Abteilungsleiter mit einem Faible für Polinnen und einer überraschenden Familiengeschichte; die ehrgeizige Anna Seiwerth soll eine neue Technologie im Betrieb installieren. Dann gibt es da noch den afghanischen Lyriker Nassim, der unter einer Sehbeeinträchtigung leidet und kurz vor seiner Anhörung im Asylverfahren steht, Roshi eine Schriftstellerin mit iranischen Wurzeln und Justyna eine Polin, die das Studium ihrer Tochter mit Gelegenheitsjobs finanziert und die Männer abgeschrieben hat – oder doch nicht? Nava Ebrahimis Stil ist einfach und doch schafft sie es ihre Figuren durch kleine, wohl gewählte Details lebendig werden zu lassen und ihnen Tiefe zu verleihen. Ihre Charaktere sind alles andere als perfekt, wirken aber gerade wegen ihrer Fehler unglaublich authentisch und mitunter trotzdem ganz unerwartet liebenswürdig. Die Dynamiken zwischen den Protagonist:innen zeigen Machtverhältnisse auf und viele gesellschaftlich relevante Themen wie Mutterschaft, Fremd- und Mehrsprachigkeit, Umgang mit Menschen mit Behinderung, Migrations- und Fluchterfahrungen etc. werden so thematisiert. Der Roman vereint schriftstellerisches Können mit einer scharfen Beobachtungsgabe und einem analytischen Blick auf die Gesellschaft. Für mich auf jeden Fall ein Highlight!






































