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Gefühlt, habe ich in diesem Jahr hauptsächlich Debütromane von Frauen gelesen. Auch dieser hier ist so einer. Einer der mich von der ersten Seite an gefangen genommen und umgehauen hat, mich tief in die Geschichte eingesogen hat. Dieses unglaublich atmosphärische, diese Tiefe in dem ganzen Ungesagten. Aus der Sicht von Georg, genannt Jirka, wird die Geschichte seiner Kindheit auf einem heruntergewirtschafteten Hof im Sauerland erzählt, die mich von Anfang an betroffen macht. Georg, genannt nach seinem Vater, so wie dieser nach seinem Vater benannt wurde. "Ich hatte nur einen Namen. Und der gehörte nicht mal mir, sondern meinem Vater. So wie auf den Höfen der Gegend alle erstgeborenen Söhne die Namen ihrer Väter trugen. Und die Erwartungen." Doch die Erwartungen seines Vaters kann Jirka nicht erfüllen. Weder als Sohn noch als Schüler. Als Jirka,aus Scham, nicht am Schwimmunterricht teilnehmen will, damit niemand die vielen blauen Flecken sieht, wirft ihn sein Vater ins hofeigene Wasserbecken, drückt ihn immer wieder zurück, ertränkt ihn fast. Wenn ihm sonst sein Sohn quer kommt, schließt er ihn in der Hundezwinger ein. Nur Vilém, der Vater von Leander, Flüchtlingsseele aus Sudetendeutschland und letzter Hofverwalter, hilft Jirka und gibt ihm einen eigenen Namen. Mit seiner Schwester Malene hatte er als Kind eine innige Beziehung. In Leander war er verliebt. Die Mutter früh verstorben. Als Jirka jetzt, nach 5 Jahren Internat zurück auf den Hof kommt, gibt es nur noch Leander Malene und die demente Oma Agnes, die nie eine liebende, sondern eine harte, strenge Großmutter war. "Agnes verschränkt die Arme vor der Brust. Diese Arme, die so vieles stemmen und halten. Aber nichts, gar nichts von Trost wissen." Und es gibt diese ganzen ungesagten Gefühle und Verletzungen. Dinge die der Vater tat und die hier nur fragmentarisch erwähnt werden. Doch jetzt ist der Vater verschwunden und niemand beantwortet Jirkas Fragen nach dessen Verbleib. Beklemmend folge ich der Geschichte dieser drei jungen Menschen, die in den 80iger Jahren spielt und ich rechne nach und merke, Jirka muss mit seinen 19 Jahren, mein Jahrgang sein. Ich höre dieses "woll", was mein Vater, aus dem Sauerland stammend, auch immer benutzt hat und das jetzt so fehlt. Es bewegt mich so sehr, dass Jirka seine Gefühle zu Leander nicht zu äußern wagt, diese Beschähmung eine "scheiß Schwuchtel" zu sein. Die Sprünge in den Zeiten, die für andere lese-hemmend wirkten, haben für mich dem Ganzen noch mehr Tiefe gegeben. Für mich ein ganz großartiges, melancholisches und schwermütiges Buch, was ich regelrecht verschlungen habe und was sicherlich noch lange nachwirken wird.
Jul 12, 2025
Gefühlt, habe ich in diesem Jahr hauptsächlich Debütromane von Frauen gelesen. Auch dieser hier ist so einer. Einer der mich von der ersten Seite an gefangen genommen und umgehauen hat, mich tief in die Geschichte eingesogen hat. Dieses unglaublich atmosphärische, diese Tiefe in dem ganzen Ungesagten. Aus der Sicht von Georg, genannt Jirka, wird die Geschichte seiner Kindheit auf einem heruntergewirtschafteten Hof im Sauerland erzählt, die mich von Anfang an betroffen macht. Georg, genannt nach seinem Vater, so wie dieser nach seinem Vater benannt wurde. "Ich hatte nur einen Namen. Und der gehörte nicht mal mir, sondern meinem Vater. So wie auf den Höfen der Gegend alle erstgeborenen Söhne die Namen ihrer Väter trugen. Und die Erwartungen." Doch die Erwartungen seines Vaters kann Jirka nicht erfüllen. Weder als Sohn noch als Schüler. Als Jirka,aus Scham, nicht am Schwimmunterricht teilnehmen will, damit niemand die vielen blauen Flecken sieht, wirft ihn sein Vater ins hofeigene Wasserbecken, drückt ihn immer wieder zurück, ertränkt ihn fast. Wenn ihm sonst sein Sohn quer kommt, schließt er ihn in der Hundezwinger ein. Nur Vilém, der Vater von Leander, Flüchtlingsseele aus Sudetendeutschland und letzter Hofverwalter, hilft Jirka und gibt ihm einen eigenen Namen. Mit seiner Schwester Malene hatte er als Kind eine innige Beziehung. In Leander war er verliebt. Die Mutter früh verstorben. Als Jirka jetzt, nach 5 Jahren Internat zurück auf den Hof kommt, gibt es nur noch Leander Malene und die demente Oma Agnes, die nie eine liebende, sondern eine harte, strenge Großmutter war. "Agnes verschränkt die Arme vor der Brust. Diese Arme, die so vieles stemmen und halten. Aber nichts, gar nichts von Trost wissen." Und es gibt diese ganzen ungesagten Gefühle und Verletzungen. Dinge die der Vater tat und die hier nur fragmentarisch erwähnt werden. Doch jetzt ist der Vater verschwunden und niemand beantwortet Jirkas Fragen nach dessen Verbleib. Beklemmend folge ich der Geschichte dieser drei jungen Menschen, die in den 80iger Jahren spielt und ich rechne nach und merke, Jirka muss mit seinen 19 Jahren, mein Jahrgang sein. Ich höre dieses "woll", was mein Vater, aus dem Sauerland stammend, auch immer benutzt hat und das jetzt so fehlt. Es bewegt mich so sehr, dass Jirka seine Gefühle zu Leander nicht zu äußern wagt, diese Beschähmung eine "scheiß Schwuchtel" zu sein. Die Sprünge in den Zeiten, die für andere lese-hemmend wirkten, haben für mich dem Ganzen noch mehr Tiefe gegeben. Für mich ein ganz großartiges, melancholisches und schwermütiges Buch, was ich regelrecht verschlungen habe und was sicherlich noch lange nachwirken wird.
Jul 12, 2025






