Das Echo der Sommer
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Description
Vor einem Panorama überwältigender Natur – drei unnachgiebige Frauen einer sámischen Familie kämpfen um ihre Heimat
Jedes Jahr im Frühling kehren sie nach dem Winter in ihr »Sommerland« am See im Nordwesten Schwedens zurück. Doch in diesem Frühjahr ist alles anders: Als die dreizehnjährige Iŋgá mit den Rentieren, Mutter und Tante das Tal erreicht, ist ihr Dorf versunken. Birken, Hütten, das Hab und Gut der Familie und vor allem das Grab des Vaters – alles unter Wasser, rücksichtslos geopfert für die Wasserkraftproduktion und den Profit der Städte im Süden. Es beginnt ein jahrzehntelanger Kampf gegen die Mächtigen des Landes, der nicht nur die drei Frauen, sondern das ganze sámische Dorf vor eine Zerreißprobe stellt.
Elin Anna Labba erzählt die weitgehend unbekannte Geschichte ihrer Gemeinschaft und schafft ein unvergessliches Zeugnis für das Recht auf Selbstbestimmung und die tiefe Verbundenheit von Mensch und Natur. Ein hochaktueller Roman von ungeheuer erzählerischer Kraft.
Book Information
Author Description
Elin Anna Labba, 1980 im nordschwedischen Kiruna geboren, ist eine schwedisch-sámische Journalistin und Autorin. Sie studierte Journalistik an der Universität Göteborg, bevor sie 2020 ihr erstes Buch zur Zwangsumsiedlung der Sámi schrieb, um die eigene Familiengeschichte besser zu verstehen. In der Kategorie Sachbuch gewann sie damit den wichtigsten schwedischen Buchpreis, den August-Preis, sowie 2021 den renommierten Norrlands-Literaturpreis. »Das Echo der Sommer« ist ihr erster Roman. Elin Anna Labba arbeitet heute für das sámische Schriftstellerzentrum Tjállegoahte und lebt in Jokkmokk.
Posts
Leseprojekt 2026: 26x Europa - Land 12: Schweden Die Schwestern Rávdná und Ánne sowie Rávdnás Tochter Iŋga wechseln halbjährlich ihren Wohnort. Als sie in diesem Sommer bei ihrer Kote ankommen, ist sie dabei zu versinken, genauso wie das restliche Dorf, weil die Regierung den Stausee geöffnet hat und die Landschaft flutet. Elin Anna Labba gelingt es in ihrem Debütroman sofort, die besondere, teilweise untergegangen Landschaft vor dem inneren Auge der Lesenden entstehen zu lassen. Ich war sofort in der Handlung drin und habe mit Iŋga, Rávdná und Ánne um ihre Kote getrauert. Zurück in ihrem Winterquartier bestellt Rávdná die Zeitungsleute zu sich nach Hause, damit sie davon berichten, dass die Regierung ihr als Sami verbietet, ein festes Haus aus Steinen zu errichten. Ich mochte die Ruhe des Romans. Das dargestellte Leben der Sami ist schon hart genug. Da war ich froh, dass die Autorin sich weder für schnelle Orts- oder Perspektivwechsel noch für eine Zuspitzung der Dramatik entschieden hat. Ich wusste vorher (peinlicherweise) nichts über die Sami Und bin sehr froh über diese Empfehlung von toni_reads, denn sie hat im Rahmen meines Europaprojekts mal wieder meinen Horizont erweitert! Alles in allem ist dieser Roman ein starkes Beispiel dafür, was Menschen anderen Menschen und der Natur antun können, ohne sich im Unrecht zu fühlen. [Im Rahmen meines Europaprojekts 2026 habe ich bisher Texte aus folgenden Ländern gelesen; in alphabetischer Reihenfolge: Albanien, Belgien, Bosnien, Deutschland, Italien, Island, Irland, Österreich, Russland, Schweiz, Spanien.]
Ánne, Rávdná und Iŋgá gehören zum Volk der Samen. Abwechselnd leben sie in ihrer Kote am See im Sommer und ziehen im Winter mit den Rentieren durch den Norden. Am See soll ein Staudamm für ein Wasserkraftwerk gebaut werden und und die drei Frauen bangen um ihre Habseligkeiten und ihre Lebensgrundlage. Rávdná will kämpfen, doch ist der Staat auch der Meinung, dass Samen nicht sesshaft werden können. Sie kämpft weiter und bekommt immer mehr Zuspruch. Ein eindringliches und emotionales Buch über das schwere Leben der Samen. Sie wurden diskriminiert, geächtet und ihnen wurde immer wieder gezeigt, dass sie weniger wert sind. Ich mochte in diesem Buch sehr gern die Naturverbundenheit der Samen und auch die wunderschönen Naturbeschreibungen. Was soll an diesem Leben so falsch sein? Traurig was diese Menschen erleben mussten. Es ist jetzt bereits das dritte Buch, das ich zu dem Thema lese und ich bin immer wieder schockiert. Die drei Frauen haben so viel erlebt und sind unfassbar willensstark und autark. Das war für mich sehr beeindruckend geschrieben, wie auch die wunderschöne Natur. Ein Roman, der mich nachdenklich zurücklässt und den ich gern weiterempfehle.
Unterdrückung der Lebensweise der schwedischen Sámi
Iɲgá, ihre Mutter Rávdná und ihre Tante Anné sind sámische Nomaden, die mit ihrer Rentierherde je nach Jahreszeit in das Winter- oder Sommerlager ziehen. Zu Beginn der Geschichte ist alles anders. Als sie das Sommerlager erreichen, ist der See überflutet worden und alles steht unter Wasser. Die Natur, die Behausungen der Sámi und sogar das Grab des Vaters sind dadurch mutwillig zerstört worden. Der Roman erzählt von einem indigenen Volk zwischen Tradition und der modernen schwedischen Bevölkerung in den 40er Jahren des letztenJahrhunderts. Rávdná wehrt sich gegen die Unterdrückung der Regierung, die ihr verbietet ein Haus zu bauen, mit der Begründung, die nomadischen Sámi dürften nicht sesshaft werden. Gleichzeitig zerstören sie ihren Lebensraum. Durch die Flutung wurden z.B. die Fischbestände des Sees ausgemerzt, die eine Lebensgrundlage der Sámi gebildet haben. Sich anzupassen, ihren Namen und ihre Identität abzulegen und vielleicht sogar für das nahegelegene Kraftwerk zu arbeiten kommt für Rávdná nicht in Frage. Sie baut das Haus trotzdem. Dieses Buch ist eine ganz besondere Geschichte, in der ich viel über die Lebensweise, Kleidung und Gesänge (Joiks) der Sámi erfahren habe. Ihr Leben im Einklang mit der Natur wird frei von Kitsch in schlichten Worten von der sámischstämmigen Autorin beschrieben. Trotzdem gehen diese Worte unter die Haut. Karg und poetisch beschreibt sie drei starke Frauencharaktere, deren Stimme noch lange in mir nachhallen werden. Ich finde, dass das ein ganz außergewöhnlicher Roman ist, dem man Zeit geben muss, nachzuhallen. Ich kann jedem empfehlen sich auf Youtube Joiks anzuhören. Die Gesänge sind wirklich schön. Das Buch selbst ist eine absolute Leseempfehlung von mir!
Nomaden versus Staudamm
Als großer Schwedenfan, der auch schon den hohen Norden Schwedens bereist hat, wollte ich das Buch unbedingt mögen. Anfangs, d.h. die ersten 100 Seiten, habe ich mich extrem schwergetan und wollte schon abbrechen. Die Sprache ist besonders, entrückt, mäandernd und mit samischen Worten gespickt. Umso mehr Wucht entfaltet es im Nachhinein, wenn man versteht, was tatsächlich passiert ist. Ich habe parallel gegoogelt und auch im Nachwort steht es, dass innerhalb mehrerer Jahre ein riesiger Staudamm gebaut wurde und die nomadisch lebenden Samen immer höher fliegen mussten. Anfang wurden sie quasi ihrem Schicksal überlassen, später verdienten sie an der Rodung ihrer eigenen Wälder mit. Das Land gehörte ihnen jedoch nicht laut Staat und sie erhielten kaum Entschädigung. Diese Perfidität ist besonders bitter. Die sparsamen Samen, die von Rentierzucht und Fischfang lebten, wurden übers Ohr gehauen und in Siedlungen gezwungen, wo sie unter erbärmlichen Umständen lebten. Und immer träumten sie sich zurück in ihr altes Leben. Insgesamt ein starkes Stück Geschichte, bewegend geschrieben.

Sternebewertung fiktiv
Elin Anna Labba erzählt in ihrem Roman die Geschichte dreier Generationen sämischer Frauen. Im Jahr 1942 kehren Inga, ihre Mutter Rávdná und Tante Ánne in ihr Sommerland zurück, doch das Land ist überflutet, das Wasserkraftwerk der Städter hat alles genommen, sogar das Grab des Vaters. Ohne gefragt zu werden, verlieren sie ihr Zuhause und ihre Lebensgrundlage. Die Familie kämpft ums Überleben, lebt in Baracken ohne Strom oder Wasser und bekommt selbst für den Bau eines Hauses keinen Kredit. Trotzdem geben sie nicht auf. Die Geschichte ist poetisch, eindringlich und oft erschütternd. Sie zeigt den stillen Widerstand und die Würde eines Volkes, das überhört wird. Ich fand das Buch sehr bewegend. Der Stil ist wunderschön, aber auch fordernd. Die vielen sämischen Begriffe ohne Glossar haben mir das Lesen schwer gemacht, aber vielleicht ist das nur mein persönlicher Eindruck. Trotzdem, habe ich viel gelernt, viel gefühlt und bin dankbar für diesen Einblick in eine Kultur, die viel zu oft übersehen wird.
Drei Frauen, ein Tal und der ganz große Kampf
Na gut, dieses Buch hat mich mit einem leichten Rentiergeweih auf dem Kopf und nassen Füßen erwischt – „Das Echo der Sommer“ von Elin Anna Labba ist kein Roman, den man einfach mal eben wegliest. Nee, das Ding hallt nach. Ich dachte zuerst: Natur, Sámi, Heimat – klingt nach stillen Seen und viel Moos. Aber zack, da kommt die Flut, und das ganze Sommerland geht baden. Und damit nicht nur ein paar Hütten, sondern gleich ein ganzes Stück Identität. Die kleine große Heldin, stapft da mit 13 durch die nasse Tragödie ihres Lebens, während Mutter und Tante den Behörden zeigen, was eine Rentierkeule ist. Die Frauen sind zäh wie Trockenfleisch und gefühlvoll wie Rentieraugen im Morgengrauen. Kein Witz – selten hab ich Figuren so intensiv erlebt. Die Wut, die Hilflosigkeit, die Liebe zur Heimat – alles drin, ohne dass es pathetisch wird. Eher leise wütend. Und poetisch wie ein Schneesturm, der dir eine Ohrfeige gibt. Was mir gefallen hat? Die Sprache! Hanna Granz hat hier keinen trockenen Brocken übersetzt, sondern was Lebendiges, das singt, beißt und leise jault. Was mir gefehlt hat? Ein bisschen mehr Tempo zwischendurch. Ich hab ein paar Mal gedacht: Okay, schön, aber darf’s jetzt mal weitergehen? Nicht schlimm, aber erwähnenswert. Am Ende bleibt ein warmes Ziehen im Herzen – und die Frage: Wie viel kann ein Mensch (oder ein Volk) verlieren, bevor er sich selbst verliert? Große Fragen, leise Töne, starke Frauen. Ich zieh meinen (unsichtbaren) Hut. Vier Sterne, weil fünf schon wieder kitschig wären.

*Lappen seien verpflichtet, auf dem Staatsgebiet traditionell zu bauen. Keine Fenster, kein Ofen, kein Dielenboden. Ihr Haus sei Illegal. Es sei zu hell für sie. Nicht angemessen. - aus «Das Echo der Sommer» - * Schweden, 1940er Jahre. Inga ist Sámi, sie wohnt mit ihrer Mutter Rávdná und Anné im Sommer traditionell in einer Torfkote im Sommerland, in der rauen nordischen Natur, und im Winter in einer Baracke in einem Dorf. Sie leben im Einklang mit der Natur, früher von der Rentierzucht, nun vom Fischfang – mehr schlecht als recht. Der schwedische Staat schert sich nicht um diese Urvölker und so werden die Sámi nicht informiert, als ihr Sommerdorf mit ihren Torfkoten geschwemmt wird für einen Staudamm um Strom für den Süden des Landes zu gewinnen. Als sie ins Sommerland kommen steht das Land unter Wasser – ihr weniges Hab und Gut, ihre Behausung, alles. Es bleibt Inga Rávdná und Anné nichts anderes übrig als ihre Kote weiter oben, mit genügend Abstand zum Stausee neu zu bauen. Auf Entschädigung oder Hilfe warten sie vergeblich. Die Erhöhung des Stausees und somit die Überschwemmung der samischen Sommerdörfer geschieht nicht einmalig, sondern über 50 Jahre vier Mal – die letzte Flutung war 1972. Irgendwann reichte es nicht mehr weiter oben neu zu bauen, die Sámi wurden aus ihrem Sommerland vertrieben – es blieb ihnen nichts anderes übrig. Fazit: Das Buch wird abwechselnd aus der Sicht von Inga und Rávdná geschrieben, der erste Teil in den 1940 Jahren der zweite Ende der 1960er/Anfang 1970er Jahre. Die ganze Erzählung dreht sich um die Flutungen und die Folgen für die betroffenen Personen und Familien, über das harte und entbehrungsreiche Leben und über die Tatsache, als Sámen am Rand der schwedischen Gesellschaft zu leben – ohne Rechte und ohne Unterstützung, höchstens geduldet, niemals miteinbezogen. Das ganze Buch ist in einer sehr melancholischen, bedrückenden Stimmung gehalten, was anhand der Thematik nicht verwunderlich ist. Jedoch hätte ich mir ein klein wenig Helligkeit innerhalb der Familie von Inga gewünscht, jedoch herrschte auch dort kaum Freude, alles wird getrübt von Trauer, Verlust und Wut. Es tat mir in der Seele weh, hat mir zeitweise aufs Gemüt gedrückt, was jedoch bei dieser Thematik kaum verwunderlich ist, jedenfalls war ich froh, als ich es beendet hatte. Dennoch ist es lesenswert und ein wichtiges Buch darüber, wie erniedrigend mit den indigenen Völkern in Skandinavien umgegangen worden ist.

Beeindruckende Geschichte von drei Frauen
Elin Anna Labba schreibt in ihrem Roman über eine wahre Begebenheit. Die Geschichte handelt von drei Frauen, welche sich für den Sommer auf den Weg in das Sommerland machen. Leider wird das Dorf durch eine Firma welche Wasserkraft produziert, überschwemmt. Das Buch zeigt den Kampf, auf welcher Die drei Frauen und noch weitere Menschen in dem Dorf durchleben müssen. Die Natur ist wundervoll beschrieben und lässt schöne Bilder im Kopf entstehen. Besonders gut gut gefallen haben mir die drei Charaktere, alle drei sind einzigartig, sehr unterschiedlich, aber doch teilweise sehr gleich. Elin Anna Labba schafft es, die Problematik rund um den Staudamm und die gefluteten Dörfer stilvoll darzulegen. Auch das Cover hat mir sehr gut gefallen, es ist sehr bunt und ansprechend gestaltet und der Titel findet sich im Buch wieder. Beeindruckende Geschichte!
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Vor einem Panorama überwältigender Natur – drei unnachgiebige Frauen einer sámischen Familie kämpfen um ihre Heimat
Jedes Jahr im Frühling kehren sie nach dem Winter in ihr »Sommerland« am See im Nordwesten Schwedens zurück. Doch in diesem Frühjahr ist alles anders: Als die dreizehnjährige Iŋgá mit den Rentieren, Mutter und Tante das Tal erreicht, ist ihr Dorf versunken. Birken, Hütten, das Hab und Gut der Familie und vor allem das Grab des Vaters – alles unter Wasser, rücksichtslos geopfert für die Wasserkraftproduktion und den Profit der Städte im Süden. Es beginnt ein jahrzehntelanger Kampf gegen die Mächtigen des Landes, der nicht nur die drei Frauen, sondern das ganze sámische Dorf vor eine Zerreißprobe stellt.
Elin Anna Labba erzählt die weitgehend unbekannte Geschichte ihrer Gemeinschaft und schafft ein unvergessliches Zeugnis für das Recht auf Selbstbestimmung und die tiefe Verbundenheit von Mensch und Natur. Ein hochaktueller Roman von ungeheuer erzählerischer Kraft.
Book Information
Author Description
Elin Anna Labba, 1980 im nordschwedischen Kiruna geboren, ist eine schwedisch-sámische Journalistin und Autorin. Sie studierte Journalistik an der Universität Göteborg, bevor sie 2020 ihr erstes Buch zur Zwangsumsiedlung der Sámi schrieb, um die eigene Familiengeschichte besser zu verstehen. In der Kategorie Sachbuch gewann sie damit den wichtigsten schwedischen Buchpreis, den August-Preis, sowie 2021 den renommierten Norrlands-Literaturpreis. »Das Echo der Sommer« ist ihr erster Roman. Elin Anna Labba arbeitet heute für das sámische Schriftstellerzentrum Tjállegoahte und lebt in Jokkmokk.
Posts
Leseprojekt 2026: 26x Europa - Land 12: Schweden Die Schwestern Rávdná und Ánne sowie Rávdnás Tochter Iŋga wechseln halbjährlich ihren Wohnort. Als sie in diesem Sommer bei ihrer Kote ankommen, ist sie dabei zu versinken, genauso wie das restliche Dorf, weil die Regierung den Stausee geöffnet hat und die Landschaft flutet. Elin Anna Labba gelingt es in ihrem Debütroman sofort, die besondere, teilweise untergegangen Landschaft vor dem inneren Auge der Lesenden entstehen zu lassen. Ich war sofort in der Handlung drin und habe mit Iŋga, Rávdná und Ánne um ihre Kote getrauert. Zurück in ihrem Winterquartier bestellt Rávdná die Zeitungsleute zu sich nach Hause, damit sie davon berichten, dass die Regierung ihr als Sami verbietet, ein festes Haus aus Steinen zu errichten. Ich mochte die Ruhe des Romans. Das dargestellte Leben der Sami ist schon hart genug. Da war ich froh, dass die Autorin sich weder für schnelle Orts- oder Perspektivwechsel noch für eine Zuspitzung der Dramatik entschieden hat. Ich wusste vorher (peinlicherweise) nichts über die Sami Und bin sehr froh über diese Empfehlung von toni_reads, denn sie hat im Rahmen meines Europaprojekts mal wieder meinen Horizont erweitert! Alles in allem ist dieser Roman ein starkes Beispiel dafür, was Menschen anderen Menschen und der Natur antun können, ohne sich im Unrecht zu fühlen. [Im Rahmen meines Europaprojekts 2026 habe ich bisher Texte aus folgenden Ländern gelesen; in alphabetischer Reihenfolge: Albanien, Belgien, Bosnien, Deutschland, Italien, Island, Irland, Österreich, Russland, Schweiz, Spanien.]
Ánne, Rávdná und Iŋgá gehören zum Volk der Samen. Abwechselnd leben sie in ihrer Kote am See im Sommer und ziehen im Winter mit den Rentieren durch den Norden. Am See soll ein Staudamm für ein Wasserkraftwerk gebaut werden und und die drei Frauen bangen um ihre Habseligkeiten und ihre Lebensgrundlage. Rávdná will kämpfen, doch ist der Staat auch der Meinung, dass Samen nicht sesshaft werden können. Sie kämpft weiter und bekommt immer mehr Zuspruch. Ein eindringliches und emotionales Buch über das schwere Leben der Samen. Sie wurden diskriminiert, geächtet und ihnen wurde immer wieder gezeigt, dass sie weniger wert sind. Ich mochte in diesem Buch sehr gern die Naturverbundenheit der Samen und auch die wunderschönen Naturbeschreibungen. Was soll an diesem Leben so falsch sein? Traurig was diese Menschen erleben mussten. Es ist jetzt bereits das dritte Buch, das ich zu dem Thema lese und ich bin immer wieder schockiert. Die drei Frauen haben so viel erlebt und sind unfassbar willensstark und autark. Das war für mich sehr beeindruckend geschrieben, wie auch die wunderschöne Natur. Ein Roman, der mich nachdenklich zurücklässt und den ich gern weiterempfehle.
Unterdrückung der Lebensweise der schwedischen Sámi
Iɲgá, ihre Mutter Rávdná und ihre Tante Anné sind sámische Nomaden, die mit ihrer Rentierherde je nach Jahreszeit in das Winter- oder Sommerlager ziehen. Zu Beginn der Geschichte ist alles anders. Als sie das Sommerlager erreichen, ist der See überflutet worden und alles steht unter Wasser. Die Natur, die Behausungen der Sámi und sogar das Grab des Vaters sind dadurch mutwillig zerstört worden. Der Roman erzählt von einem indigenen Volk zwischen Tradition und der modernen schwedischen Bevölkerung in den 40er Jahren des letztenJahrhunderts. Rávdná wehrt sich gegen die Unterdrückung der Regierung, die ihr verbietet ein Haus zu bauen, mit der Begründung, die nomadischen Sámi dürften nicht sesshaft werden. Gleichzeitig zerstören sie ihren Lebensraum. Durch die Flutung wurden z.B. die Fischbestände des Sees ausgemerzt, die eine Lebensgrundlage der Sámi gebildet haben. Sich anzupassen, ihren Namen und ihre Identität abzulegen und vielleicht sogar für das nahegelegene Kraftwerk zu arbeiten kommt für Rávdná nicht in Frage. Sie baut das Haus trotzdem. Dieses Buch ist eine ganz besondere Geschichte, in der ich viel über die Lebensweise, Kleidung und Gesänge (Joiks) der Sámi erfahren habe. Ihr Leben im Einklang mit der Natur wird frei von Kitsch in schlichten Worten von der sámischstämmigen Autorin beschrieben. Trotzdem gehen diese Worte unter die Haut. Karg und poetisch beschreibt sie drei starke Frauencharaktere, deren Stimme noch lange in mir nachhallen werden. Ich finde, dass das ein ganz außergewöhnlicher Roman ist, dem man Zeit geben muss, nachzuhallen. Ich kann jedem empfehlen sich auf Youtube Joiks anzuhören. Die Gesänge sind wirklich schön. Das Buch selbst ist eine absolute Leseempfehlung von mir!
Nomaden versus Staudamm
Als großer Schwedenfan, der auch schon den hohen Norden Schwedens bereist hat, wollte ich das Buch unbedingt mögen. Anfangs, d.h. die ersten 100 Seiten, habe ich mich extrem schwergetan und wollte schon abbrechen. Die Sprache ist besonders, entrückt, mäandernd und mit samischen Worten gespickt. Umso mehr Wucht entfaltet es im Nachhinein, wenn man versteht, was tatsächlich passiert ist. Ich habe parallel gegoogelt und auch im Nachwort steht es, dass innerhalb mehrerer Jahre ein riesiger Staudamm gebaut wurde und die nomadisch lebenden Samen immer höher fliegen mussten. Anfang wurden sie quasi ihrem Schicksal überlassen, später verdienten sie an der Rodung ihrer eigenen Wälder mit. Das Land gehörte ihnen jedoch nicht laut Staat und sie erhielten kaum Entschädigung. Diese Perfidität ist besonders bitter. Die sparsamen Samen, die von Rentierzucht und Fischfang lebten, wurden übers Ohr gehauen und in Siedlungen gezwungen, wo sie unter erbärmlichen Umständen lebten. Und immer träumten sie sich zurück in ihr altes Leben. Insgesamt ein starkes Stück Geschichte, bewegend geschrieben.

Sternebewertung fiktiv
Elin Anna Labba erzählt in ihrem Roman die Geschichte dreier Generationen sämischer Frauen. Im Jahr 1942 kehren Inga, ihre Mutter Rávdná und Tante Ánne in ihr Sommerland zurück, doch das Land ist überflutet, das Wasserkraftwerk der Städter hat alles genommen, sogar das Grab des Vaters. Ohne gefragt zu werden, verlieren sie ihr Zuhause und ihre Lebensgrundlage. Die Familie kämpft ums Überleben, lebt in Baracken ohne Strom oder Wasser und bekommt selbst für den Bau eines Hauses keinen Kredit. Trotzdem geben sie nicht auf. Die Geschichte ist poetisch, eindringlich und oft erschütternd. Sie zeigt den stillen Widerstand und die Würde eines Volkes, das überhört wird. Ich fand das Buch sehr bewegend. Der Stil ist wunderschön, aber auch fordernd. Die vielen sämischen Begriffe ohne Glossar haben mir das Lesen schwer gemacht, aber vielleicht ist das nur mein persönlicher Eindruck. Trotzdem, habe ich viel gelernt, viel gefühlt und bin dankbar für diesen Einblick in eine Kultur, die viel zu oft übersehen wird.
Drei Frauen, ein Tal und der ganz große Kampf
Na gut, dieses Buch hat mich mit einem leichten Rentiergeweih auf dem Kopf und nassen Füßen erwischt – „Das Echo der Sommer“ von Elin Anna Labba ist kein Roman, den man einfach mal eben wegliest. Nee, das Ding hallt nach. Ich dachte zuerst: Natur, Sámi, Heimat – klingt nach stillen Seen und viel Moos. Aber zack, da kommt die Flut, und das ganze Sommerland geht baden. Und damit nicht nur ein paar Hütten, sondern gleich ein ganzes Stück Identität. Die kleine große Heldin, stapft da mit 13 durch die nasse Tragödie ihres Lebens, während Mutter und Tante den Behörden zeigen, was eine Rentierkeule ist. Die Frauen sind zäh wie Trockenfleisch und gefühlvoll wie Rentieraugen im Morgengrauen. Kein Witz – selten hab ich Figuren so intensiv erlebt. Die Wut, die Hilflosigkeit, die Liebe zur Heimat – alles drin, ohne dass es pathetisch wird. Eher leise wütend. Und poetisch wie ein Schneesturm, der dir eine Ohrfeige gibt. Was mir gefallen hat? Die Sprache! Hanna Granz hat hier keinen trockenen Brocken übersetzt, sondern was Lebendiges, das singt, beißt und leise jault. Was mir gefehlt hat? Ein bisschen mehr Tempo zwischendurch. Ich hab ein paar Mal gedacht: Okay, schön, aber darf’s jetzt mal weitergehen? Nicht schlimm, aber erwähnenswert. Am Ende bleibt ein warmes Ziehen im Herzen – und die Frage: Wie viel kann ein Mensch (oder ein Volk) verlieren, bevor er sich selbst verliert? Große Fragen, leise Töne, starke Frauen. Ich zieh meinen (unsichtbaren) Hut. Vier Sterne, weil fünf schon wieder kitschig wären.

*Lappen seien verpflichtet, auf dem Staatsgebiet traditionell zu bauen. Keine Fenster, kein Ofen, kein Dielenboden. Ihr Haus sei Illegal. Es sei zu hell für sie. Nicht angemessen. - aus «Das Echo der Sommer» - * Schweden, 1940er Jahre. Inga ist Sámi, sie wohnt mit ihrer Mutter Rávdná und Anné im Sommer traditionell in einer Torfkote im Sommerland, in der rauen nordischen Natur, und im Winter in einer Baracke in einem Dorf. Sie leben im Einklang mit der Natur, früher von der Rentierzucht, nun vom Fischfang – mehr schlecht als recht. Der schwedische Staat schert sich nicht um diese Urvölker und so werden die Sámi nicht informiert, als ihr Sommerdorf mit ihren Torfkoten geschwemmt wird für einen Staudamm um Strom für den Süden des Landes zu gewinnen. Als sie ins Sommerland kommen steht das Land unter Wasser – ihr weniges Hab und Gut, ihre Behausung, alles. Es bleibt Inga Rávdná und Anné nichts anderes übrig als ihre Kote weiter oben, mit genügend Abstand zum Stausee neu zu bauen. Auf Entschädigung oder Hilfe warten sie vergeblich. Die Erhöhung des Stausees und somit die Überschwemmung der samischen Sommerdörfer geschieht nicht einmalig, sondern über 50 Jahre vier Mal – die letzte Flutung war 1972. Irgendwann reichte es nicht mehr weiter oben neu zu bauen, die Sámi wurden aus ihrem Sommerland vertrieben – es blieb ihnen nichts anderes übrig. Fazit: Das Buch wird abwechselnd aus der Sicht von Inga und Rávdná geschrieben, der erste Teil in den 1940 Jahren der zweite Ende der 1960er/Anfang 1970er Jahre. Die ganze Erzählung dreht sich um die Flutungen und die Folgen für die betroffenen Personen und Familien, über das harte und entbehrungsreiche Leben und über die Tatsache, als Sámen am Rand der schwedischen Gesellschaft zu leben – ohne Rechte und ohne Unterstützung, höchstens geduldet, niemals miteinbezogen. Das ganze Buch ist in einer sehr melancholischen, bedrückenden Stimmung gehalten, was anhand der Thematik nicht verwunderlich ist. Jedoch hätte ich mir ein klein wenig Helligkeit innerhalb der Familie von Inga gewünscht, jedoch herrschte auch dort kaum Freude, alles wird getrübt von Trauer, Verlust und Wut. Es tat mir in der Seele weh, hat mir zeitweise aufs Gemüt gedrückt, was jedoch bei dieser Thematik kaum verwunderlich ist, jedenfalls war ich froh, als ich es beendet hatte. Dennoch ist es lesenswert und ein wichtiges Buch darüber, wie erniedrigend mit den indigenen Völkern in Skandinavien umgegangen worden ist.

Beeindruckende Geschichte von drei Frauen
Elin Anna Labba schreibt in ihrem Roman über eine wahre Begebenheit. Die Geschichte handelt von drei Frauen, welche sich für den Sommer auf den Weg in das Sommerland machen. Leider wird das Dorf durch eine Firma welche Wasserkraft produziert, überschwemmt. Das Buch zeigt den Kampf, auf welcher Die drei Frauen und noch weitere Menschen in dem Dorf durchleben müssen. Die Natur ist wundervoll beschrieben und lässt schöne Bilder im Kopf entstehen. Besonders gut gut gefallen haben mir die drei Charaktere, alle drei sind einzigartig, sehr unterschiedlich, aber doch teilweise sehr gleich. Elin Anna Labba schafft es, die Problematik rund um den Staudamm und die gefluteten Dörfer stilvoll darzulegen. Auch das Cover hat mir sehr gut gefallen, es ist sehr bunt und ansprechend gestaltet und der Titel findet sich im Buch wieder. Beeindruckende Geschichte!












