Leute von früher
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Description
»Ein zärtlich-böser Roman über das Jungsein, über die Faszination des Alten und unsere Hilflosigkeit, wenn die Geschichte uns tatsächlich einholt.« Antje Rávik Strubel
Marlene hat gerade ihr Studium beendet und fängt als Verkäuferin in einem Erlebnisdorf an, in dem alles so ist wie um 1900 – Brauchtum, Handwerk, Kleidung. Die aufwändige Inszenierung wird von zahlreichen Saisonkräften aufrechterhalten, die jenseits der »Kostümgrenze« in einfachen Baracken wohnen. Bald lernt Marlene Janne kennen, die hier aufgewachsen ist, und fühlt sich ungewohnt stark zu ihr hingezogen. Doch nicht nur die Gefühle für sie, auch die Insel selbst scheint Marlenes Wahrnehmung zu verändern. Im Watt erinnern die Überreste der versunkenen Stadt Rungholt ständig daran, welches Unheil durch den steigenden Meeresspiegel droht. Je näher sie und Janne sich kommen, desto deutlicher spürt Marlene, dass Janne ein Geheimnis hat, das weit in die Vergangenheit der Insel reicht. Und sie ist nicht die Einzige. Immer öfter beobachtet Marlene merkwürdige Vorfälle, bis sie schließlich einen Zusammenhang erahnt.
Strand war eine Insel in der Nordsee, von der heute nur Pellworm und Nordstrand übrig sind. Leute von früher erzählt vom Bewahren und Verschwinden, von Abschied und Neubeginn. Von alten Legenden und moderner Lohnarbeit, vom Verliebtsein und von der Suche nach einem Platz im Leben. Humorvoll, klug und mit großer Wärme.
Book Information
Author Description
Kristin Höller, geboren 1996, aufgewachsen in Bonn. Sie studierte bis 2019 Sprach-, Literatur-und Kulturwissenschaften in Dresden. Freie Mitarbeit bei mehreren Zeitungen und Zeitschriften. 2016 Finalistin des 24. Open Mike, 2017 Teilnehmerin der Autorenwerkstatt Prosa des LCB. 2018 Preisträgerin des Schweizer Literaturfestivals Literaare. Bis 2019 Mitveranstalterin von OstKap, der Dresdner Lesereihe für junge Literatur. Sie schreibt Hörspiele, Theaterstücke und Romane, für die sie mit mehreren Stipendien und Preisen ausgezeichnet wurde, u. a. mit dem Kranichsteiner Jugendliteraturstipendium 2019 für ihren Debütroman Schöner als überall. Kristin Höller ist Mitveranstalterin der queeren Lesereihe und Karaokeshow SMASH und lebt in Leipzig.
Characteristics
2 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Posts
Bei Insel und Meer hat man mich ja sofort und ich habe mich sehr auf dieses Buch mit dem interessanten Setting gefreut! Marlene zieht für ein halbes Jahr auf die Insel Strand, um dort in einem historischem Ort zu arbeiten, mit Kostüm und allem drum und dran. Sie bezieht eine kleine Baracke und fängt in einem kleinen Laden zu arbeiten, in dem es Souveniers und selbsthergestelltes gibt..... selbsthergestellt?? Nein, die Kekse werden aus der Verpackung genommen und in Gläser getan, Senf und Marmelade einfach umgefüllt und neu beschriftet. Alles nur Fassade. "Unbewusst war sie davon ausgegangen, dass die Kulissen sich abends zusammenschoben, um sich im Morgengrauen wieder auseinander zu falten, eine Geisterstadt, die nachts verschwand." Dann verliebt sich Marlene in Janne. Für mich blieben leider alle Figuren unnahbar. Es sollte ein gewisses übersinnliches Gefühl erzeugt werden, aber alles blieb oberflächlich und wurde nur angekrazt. Nicht eine Protagonistin oder Protagonist erhielt ein Tiefe, auch die Hauptfigur, Marlene, nicht. Einzig Janne fand ich ansatzweise interessant. Mein Fazit, nettes Buch, kann man lesen, aber man verpasst nicht viel, wenn man es nicht tut.
Marlene & Janne
Eine richtig starke Geschichte und eine Sprache mit der ich zu Beginn erst warm werden musste. Als das passierte, ich mich einlassen konnte, war das Buch wie festgeklebt in meinen Händen. Zum Ende wurde es mir nur zu schnell, auf einmal musste alles passieren hatte ich den Eindruck und gerne hätte ich das die Geschichte weitergeht. Da fehlt doch was… Die Wendungen und Überraschungen waren grandios, dass war fast unheimlich und anderes war wirklich beängstigend.
Ein phantastisches Buch mit einer schönen Mischung aus Sommer, Sonne, Deich und Meer, einer Prise Drama und Mystik vor folklorer Kulisse. 🌊
Marlene hat ihren Master und zieht für einen Saisonarbeitsplatz als Statistin für einen Sommer auf die Insel Strand in eine Baracke in ein historisches Feriendorf. Dort arbeitet sie im Kramladen bei Arno. Marlenes Mutter ist auf Reisen, zu ihrer Om hält sie über regelmäßige Postkarten Kontakt, die diese mit SMS voller Abkürzungen beantwortet. Eine wirklich schöne Art, wie zwei Generationen den Kontakt über die ihr jeweils entfremdet Medien halten und wie sich dieser oberflächliche Austausch durch das Buch zieht. Oberflächlich, denn Marlenes Familie glaubt sie in Hamburg zu wissen. Nur Marlenes Mitbewohner Robert und ihre beste Freundin Luzia wissen von ihrem neuen Job. Im Feriendorf schließt Marlene neue Kontakte, zu denen sich unterschiedliche Beziehungen aufbauen. Die junge Dascha weckt bei Marlene Beschützergefühle, zumal diese sexuelle Belästigung durch ihren Vorgesetzten erlebt und gleichzeitig eine Beziehung zum viel älteren Zappo eingeht. Barbara nimmt eine schützende Rolle ein und bietet ihr regelmäßig das Legen von Tatotkarten an. Arno ist Marlenes Vorgesetzter im Laden und nimmt sie unvoreingenommen in seinem Laden und seiner Familie auf. Janne fasziniert Marlene und von der ersten Stunde an und auch das Dorf mit seinen vielen historischen Details sorgt für Faszination. So historisch korrekt zeigt sich die Realität dann aber doch nicht. Abgesehen von der Regendusche in den örtlichen Hotelzimmern, den mit Glitzerfäden duchwirkten Kostümen vom Theater und der möglichen Kartenzahlung im Laden, werden auch die Waren im Laden zu Marlenes Verblüffung nicht in Handarbeit produziert, sondern im Schatten der Nacht umgefüllt und mit neuen Etiketten versehen. Folklorismus statt ein Leben wie um 1900... Doch nicht nur hier scheinen mysteriöse Dinge im Schutz der Dunkelheit vor sich zu gehen. Die einheimischen Dorfbewohner scheinen Geheimnisse zu hüten und die versunkene Insel Rungholt scheint ein Teil davon zu sein. Die letzten Seiten haben mich sehr ergriffen, steigern die Dramatik und lassen die Leserin mit einem Blick in die Bedeutung einer Flucht in die Einsamkeit zurück.
Eine Reise in eine andere Zeit und an die raue Nordsee
Ich habe jede Seite inhaliert und habe das Buch an einem Wochenende gelesen. Die Autorin hat so wunderschön und poetisch geschrieben, dass ich es richtig genossen habe Marlene auf die Insel Strand zu begleiten, das Wattenmeer zu erkunden und die Liebe zu Janne auflodern zu spüren. Am liebsten würde ich jetzt auch einen Sommer kostümiert auf Strand verbringen und ein Teil der Leute von früher sein.
Ein Roman mit Tiefgang und Nordseefeeling
Marlene die Hauptfigur verbringt einen Sommer als Mitarbeiterin in einem Museumsdorf auf der Nordseeinsel Strand vor Husum. Mit knapp 30 Jahren hat Marlene ihr Studium abgeschlossen und weiß noch nicht, wo die Lebensreise sie hinführt. Sprachlich ist Kristin Höllers Buch sehr ansprechend. Mich hat es zum Nachdenken über meine eigene Vita angeregt und die Frage für mich aufgeworfen, ob der gradlinige Weg immer der Richtige ist und ob man nicht gemäß dem Carpe Diem Lebenskonzept jeden Tag so leben sollte, als könne es der letzte Tag sein.
Hatte mir mehr erhofft
Leute von früher Eine kleine Insel im nordfriesischen Wattenmeer unweit von Husum ist der Schauplatz dieser Geschichte. Die Insel lockt Touristen mit ihrem historischen Flair, einem Erlebnisdorf das neben dem alten Krämerladen so manch ein vergessenes Handwerk präsentiert und deren „Bewohner“ in historisch wirkenden Kostümen wie um 1900 herumlaufen. Alles ist eine große Kulisse, selbst die Kekse, die man in hübschen Gläsern im Lädchen erwerben kann, sind umgefüllte Industrieware anstelle von selbstgebackener Köstlichkeit. Marlene, die nach ihrem Studium merkt, wie aussichtslos es ist einen Job zu finden, hat auf der Insel einen Saisonarbeitsplatz als Verkäuferin bekommen. Ich fand es ganz nett über diesen ganz Touristennepp zu lesen, Marlene‘s Alltag erzählt zu bekommen, ein Gefühl dafür zu bekommen wie es ist, nach einem vollendeten Arbeitstag die „Kostümgrenze“ zu überschreiten und sich in eine Mitarbeiterbaracke zurückzuziehen und einige wenige Kontakte zu anderen Saisonkräften aufzubauen. Allerdings plätscherte die Geschichte doch sehr vor sich hin, und ich bin weder der Protagonistin noch den Nebenfiguren sehr nah gekommen. Selbst Janne, die auf der Insel aufgewachsen ist und in die sich Marlene verliebt, blieb mir irgendwie fremd, auch wenn ich sie insgesamt noch am interessantesten fand. Janne hat dann auch ein mystisches Geheimnis. Bei magischem Realismus bin ich tatsächlich selten begeistert. Zugegeben es passte zur Atmosphäre und hat ein paar Gruselvibes gebracht, aber ich hätte es nicht gebraucht. Den überraschenden Schluß fand ich dann wieder sehr gelungen. Fazit: Es war wohl nicht ganz mein Buch. Trotzdem würde ich jetzt nicht davon abraten. Ich kann mir vorstellen, dass es auch begeisterte Leser gibt.
"Es war beruhigend, sich in ein Regelwerk hineinzudenken, das nichts mit der realen Welt zu tun hatte. Etwas, das mit nichts sonst zusammenhing - ein Gefühl wie losgelöst im All." "Die tun ja nichts. Das sind einfach nur Leute von früher."
Hier wird eine wunderschöne, zarte Liebesgeschichte mit dem Grusel des Klimawandels und modernen Tourismus verwoben. Dazu noch einige rätselhafte Ereignisse und eine mysteriöse Stimmung, die sich durch das ganze Buch zieht. Ich habe es wahnsinnig gern gelesen und das Ende hat mir Gänsehaut bereitet. Ganz große Empfehlung! 😍
"Sie betrachtete das Fachwerk und die Strohdächer links und rechts des Weges. Alles wirkte unnatürlich geordnet, als würde jeder Kopfstein poliert, als wüchsen die knospenden Sträucher unter strengster Kontrolle, und es würde sie nicht wundern, wenn sich unter den Haustüren bloß weites, flaches Land befände. Es lag eine Stille über dem Ort, die sie schaudern ließ und zugleich alles in eine Schläfrigkeit kleidete. Es war, als beträte sie ein Gemälde." Kristin Höller ist eine unglaublich gute Beobachterin und eine noch bessere Beschreiberin dessen, was sie sieht. Mit ihrer Geschichte über Marlene, die als Saison-Aushilfe in einem Erlebnisdorf auf einer nordfriesischen Insel anheuern, über Janne, die attraktive geheimnisvolle Einheimische, von gruseligen nächtlichen Begebenheiten, einer untergegangenen Stadt und einer Stimmung bei staubigtrockenen Sommertagen bis hin zu wildstürmischen peitschenden Wellen - mit all dem hat mich die Autorin gefesselt und gekonnt überrascht.
Insgesamt ein für mich total gelungener Roman, der mich sehr positiv überrascht hat. Sehr facettenreich, nachdenklich machend und auf jeden Fall Empfehlenswert!
Mein Vorteil beim Lesen physischer Bücher ist ja, dass ich den Klappentext einmal in der Buchhandlung überfliege und dann für immer vergesse (oder ihn gar nicht lese 😂). Das ist mir auch hier so gegangen & deswegen bin ich ganz unvoreingenommen in eine schöne Geschichte über Liebe, Work-Life-Balance und Folklorismus gestolpert. Spoiler ganz unten. (Folklorismus = kapitalistische Form von Tradition; Brauchtum wird umgestaltet bzw. nur mehr „aufgeführt“ um damit Kapital schlagen zu können —> Beispiele sind das Oktoberfest, Perchtenläufe, Flamenco-Abende oder eben Vergangenheits-Freizeitparks wie im Buch) Die Geschichte hat mich rasch abgeholt. Ich hab wieder mal gemerkt, wie sehr ich die persönliche Erzählung aus der 3. Person gern hab, wenn die Narration nicht ständig von einem Charakter zum nächsten hüpft. An einigen Stellen hätte ich mir mehr Tiefgang gewünscht, aber das hätte zeitgleich das Buch auch in die Länge gezogen. Deswegen kann ich schon nachvollziehen, wieso da nicht weitere Türen aufgemacht werden. Besonders gut gefallen hat mir der Austausch zwischen Hauptprotagonistin (Marlene) und ihrer Oma per Brief bzw. SMS: Hier hat die Autorin besonders gut aufgezeigt, wie unterschiedlich Generationen sich Medien aneignen und diese verwenden. Nachdenklich gestimmt hat mich die gesamte Arbeitssituation auf der Insel. Hier wird Work-Life-Balance so nebenbei und doch mittendrin verhandelt, dass es sich richtig real anfühlt. Im Verlauf der Geschichte erfahren wir mehr über die sexuelle Identität von Marlene und sie verliebt sich in eine Frau (Janne), die auf der Insel aufgewachsen ist. Sie verbirgt ein (fantastisches) Geheimnis, was am Ende des Buches aufgelöst wird - wirklich gelungen! ‼️ Achtung ‼️ Spoiler ‼️ : Ich hätte gerne mehr über die Beziehung/Machtmissbrauch zwischen Dascha (sehr junges Mädchen) und dem älteren Mann (Zappo) gelesen, der sie nachts im Zimmer besucht. Hier hat mich die Ambivalenz sehr überrascht, da Dascha auch von einem anderen alten Mann (nameloser Koch) sexualisierte Gewalt erfährt, aber den anderen älteren Mann (Zappo) Konsens gibt. Das wurde mir zu wenig aufgezeigt - ich hätte gerne die Beweggründe erkunden können. ‼️Achtung ‼️ Spoiler ‼️ Ende ‼️
Gelungenes Abtauchen in die Vergangenheit.
Es geht um Marlene, um die 30, die nach ihrem Studium etwas orientierungslos ist und für die Sommersaison auf eine Nordseeinsel als Saisonkraft in einem Erlebnisdorf anheuert. Das Dorf und die Insel sind auf alt gemacht, alle Beschäftigten müssen bei der Arbeit Kostüm tragen. Marlene hat nur wenig Kontakt zu Freund*innen und Familie auf dem Festland. Auf der Insel lernt sie die etwa Gleichaltrige Janne kennen, über die sie mehr über sich, aber auch die Geschichte der Insel erfährt. Die erste Hälfte des Buches las sich für mich etwas zäh, obwohl ich recht schnell mit Marlene auf der Insel war. Es ist kein aufregender, aber ein sehr atmosphärischer Schreibstil. Ab der Mitte des Buches entwickelt die Geschichte einen unheimlichen Sog und ich wollte es gar nicht mehr aus der Hand legen. Als Leserin konnte ich gut in die Gefühlswelt von Marlene eintauchen. Höllers Naturbeschreibungen lassen die Insel lebendig werden. Am Ende wollte ich gar nicht mehr weg von dort - obwohl es recht stürmisch wird.
Untergegangene Inseln tragen immer gerne zur Mythenbildung einer Kultur bei. In der Nordsee ist es die Insel Strand mit dem legendären untergegangenen Ort Rungholt, der die Menschen an der Künste und darüber hinaus noch bis heute fasziniert. Obwohl es die Insel Strand heute nicht mehr als Ganzes gibt (die Reste der Insel sind heute die Inseln Nordstrand, Pellworm und die Hallig Nordstrandischmoor), bezeichnet Kristin Höller ihren Schauplatz in “Leute von Früher” schlichtweg als Insel “Strand”. Auf Strand heuert die 29-jährige Marlene aus Hamburg als Saisonkraft in einem Museumsdorf an. Schnell wird das Leben zwischen Containerunterkunft und Kostümgrenze mit ihrem Arbeitsplatz im Kramladen bei Arno zur eingespielten Routine. Ihr Leben in Hamburg, die noch junge Beziehung zu Paul, ihre besten Freund:innen Luzia und Robert, die Eltern, die einen Prozess am Laufen haben - alles nur noch eine ferne Erinnerung. Dazu trägt auch die geheimnisvolle Janne bei, die in der Fischräucherei arbeitet. Die Frauen kommen sich näher, doch was ist auf der Insel im Wattermeer überhaupt echt und was nur Kulisse? Dieser Roman ist Eskapismus pur. Ich möchte nach der Lektüre jetzt bitte auch gerne ganz dringend nach Strand, um kostümiert in diesem Dorf zu arbeiten. Ich will mit den Bewohner:innen der Insel das Johannisfest feiern, ich möchte eine Janne und ihren Räucherduft kennenlernen, ich will diesen älteren Kollegen beobachten, der immer die Sportschau auf dem Handy schaut. Natürlich möchte ich auch mit Arno und seinen Kindern einen Auflauf essen und mir von Barbara die Karten legen lassen. Aber wenn ich dann so darüber nachdenke: Vielleicht möchte ich es auch wieder nicht - und das hat nicht nur mit den Geistern der Insel zu tun, sondern auch mit dem steigenden Meeresspiegel… Erzählweise und Sprachstil dieses auch optisch wunderschön gestalteten Buches sind unaufgeregt, bildhaft und gleichzeitig schnörkellos modern. Es wird in jedem Fall eine bestechend maritime und mystische Atmosphäre erzeugt, ohne dass es jemals “drüber” ist. Wer Freude an metaphorischen Umschreibungen für das lesbische Liebesspiel hat, wird hier auch einige finden, ich sage nur Austern und Orangenschale. Man sollte auch für magischen Realismus etwas übrig haben, denn ganz ohne ihn kommt dieses Buch nicht aus. Was mir besonders gefallen hat, ist die Topographie der Insel. Hier wird eine sehr spannende erzählerische Welt erschaffen, die einem schon nach kurzer Zeit sehr vertraut vorkommt. Obwohl dem Buch keine “Landkarte” beigegeben ist, baut sich die Insel im Kopf der Leser:innen zu einem perfekten Mikrokosmos auf - vom reetgedeckten Edeka, über den “Friedhof der Namenlosen” bis hin zur Fischräucherei und Jannes Zuhause in der ehemaligen Vogelwarte. Auch die ganze Mystik und Legendenbildung, um die sich alles dreht, hat mich hier nicht abgeschreckt, sondern zur Spannung des Plots beigetragen. Die erzählerische Detailverliebtheit hat mir ebenfalls sehr gefallen, vor allem wenn es um die genaue Beschreibung der Nahrungsmittel, das Umetikettieren, die Fischereiprodukte, etc. ging. Das Thema Schein und Sein wurde jedenfalls für meine Begriffe perfekt umgesetzt. Was soll ich noch sagen, außer: Ich habe dieses Buch sehr gerne gelesen und kann es allen empfehlen, die gute Geschichten zu schätzen wissen.

"Es war ein Wetter ohne Jahreszeit: vierzehn Grad und ein schwerer Himmel. ... Es war, als hielte alles hier die Luft an, oder vielmehr: als würde vorher nochmal Luft geholt. Marlene schaute aufs Wasser, in der Erwartung, dass es etwas in ihr auslösen würde. Aber das Meer glich dem Himmel darüber, bloß auf den Kopf gestellt." (S. 9) Nach dem Abschluss ihres Studiums sehnt Marlene sich nach Halt, doch in ihr ist eine große Leere: Sie fühlt sich eingeengt von den Erwartungen der Gesellschaft an sie als junge Frau, und gleichzeitig verloren in ihrer Erwartungslosigkeit an eine mögliche Zukunft. Sie braucht Abstand. Von den fragenden Blicken, von ihrem Leben und beschließt daher, für den Sommer in einem Erlebnisdorf im nordfriesischen Wattenmeer zu arbeiten. Auf der Insel Strand scheint die Zeit stillzustehen: In altertümlichen Trachten, die sie innerhalb der „Kostümgrenze“ zu tragen haben, bewirten die zahlreichen Saisonkräfte die Urlaubsgäste, verkaufen authentische Handwerkskunst und frisch geräucherten Fisch. Marlene ist für die Zeit ihres Aufenthalts im Hofladen eingeteilt; jeden Morgen versteckt sie ihre Haare unter einer Spitzenhaube, bindet sich die schweren Schnürstiefel, streift Bluse und Rock über, und verkauft Kekse, Inselhonig und Sanddornbonbons, bis die Abenddämmerung den Horizont färbt. Bald lernt Marlene Janne kennen, die auf der Insel aufgewachsen ist. Es kribbelt in ihrer Brust, wenn sie an sie denkt, ihr Herz klopft schneller, wenn sie sie unter der Traufe der Räucherei stehen sieht. Je näher sie einander kennenlernen, ihre Geschichten und Körper erkunden, desto mehr verändert sich Marlenes Wahrnehmung der Insel und ihrer Bewohner:innen. Sie beginnt, sich für das Unsichtbare zu interessieren, das, was hinter alldem liegt, was den Urlauber:innen tagtäglich vorgespielt wird. Aber auch Janne hat Geheimnisse, die sie nicht greifen. „[Durch die Glasscheibe sah Marlene] eine in Packpapier eingewickelte Makrele [auf der Fensterbank liegen]. Auf dem Papier stand mit Edding ‚Bis nächste Woche‘ geschrieben. Nervös zählte sie an den Fingern die Nächte bis Johannisnacht ab: Es waren sechs.“ (S. 180) Diese ersten Seiten, das fühlte sich an wie das Betreten einer anderen Welt, wie Urlaub: salziger Wind, Sand zwischen den Zehen, Wellenrauschen. Am liebsten wäre ich direkt in die Bahn gestiegen und ab ans Meer, im Handgepäck: „Leute von früher“ von Kristin Höller. Von Urlaub kann Marlene in diesen ersten Tagen auf Strand nur träumen. Ihre Gedanken wiegen schwer, der Geburtstagskuchen knistert in der Plastikfolie, als sie ihr Zimmer für den Sommer bezieht, doch die Neugier über das, was sie erwartet, tritt mit jedem Schritt in den Vordergrund. Und mit der Neugier auch die Beklemmung. Ich lerne Marlene als eine rastlose, emphatische junge Frau kennen, die zuhört und anpackt, uneitel und pragmatisch ist, und von sich selbst sagt, dass sie „absichtlich unachtsam“ sei, und nie gelernt hätte, in sich hineinzuhören. Eng an ihrer Seite: ihre besten Freund:innen Luzia und Robert. Sie hatten sich zu Beginn des Studiums kennengelernt und sind einander Ohr und Schulter. Und Kühlpack-Halter, Wartezimmer-Begleitung, In-den-Schlaf-gleit-Beschützer. Wir alle brauchen einen Robert in unserem Leben. Das Verhältnis zu ihren Eltern hingegen ist distanziert, angespannt; wie ihre Großmutter, der sie jede Woche eine Postkarte schreibt, wissen sie nichts von Marlenes Sommerjob. "Die tun ja nichts. Das sind nur Leute von früher." (S. 301) Als Marlene Janne kennenlernt, verändert sie sich. Sie wird offener, sich selbst und ihrer Gefühle bewusster, verletzlicher. Ihre Beziehung beginnt leise, ein heimliches Kribbeln wird zu einem klopfen Herzen, zärtlich schwebend ist ihre Annäherung, gewinnt immer mehr an Konturen, bis auch diese unter der Anziehung verschmelzen. Sie sind fühlbar aufregend wärmend und gleichermaßen subtil tastend neugierig, diese Blitze zwischen ihnen, die Worte, die Kristin Höller für das Zwischenmenschliche findet, beklemmend die Atmosphäre, die auf der Insel vorherrscht. Immer satter wird das Bild des Urlaubsdorfes und seiner Schausteller:innen, der Strukturen des Tourismus und die Auswirkungen des Klimawandels auf das Inselleben und seine Menschen. Doch kein Licht ohne Schatten. Vielleicht wollte ich festhalten an dem Zauber, diesem Leben in der Schwebe, denn, nachdem ich mich auf den ersten zweihundert Seiten komplett verloren habe, quasi auf der Insel gelebt habe, hat mich das Ende verloren. Something was off, die Magie war weg. Und ich ziemlich gefrustet. Vielleicht kam es zu schnell, vielleicht habe ich es auch einfach nicht verstanden? In meinem Kopf bleibt das Bild der schwankenden Fähre, der ersten unsicheren Schritte auf dem sandigen Boden - und diese zarte Liebe.
Das wären 5 Sterne wenn das Ende anders wäre
Von Kristin Höller habe ich auch schon das erste Buch gelesen & sehr geliebt. Genauso ging es mir auch mit diesem. Der Schreibstil ist so schön flüssig zum lesen & man rutscht quasi einfach so durch. Ich mochte die Figuren, das Setting (auch wenn ich mir beim Klappentext nicht sicher war) & die Geschichte. Ich liebe es, dass es eine queere Liebesgeschichte gibt und das mal NICHT fett auf dem Cover und sonstwo stand, sondern ganz normal ist. Was ich gar nicht liebe, wirklich überhaupt gar nicht: Das offene Ende. Ja, man kann sich irgendwie denken, wie es ausgeht. Aber warummmm kann‘s nicht einfach fix irgendwie ausgehen? Das war echt ein Dämpfer am Ende vom Buch & ich bin ziemlich enttäuscht zurück geblieben. Dafür gibt es den Stern Abzug, ansonsten wäre das ein 5/5 Buch gewesen.
Marlene ist fast 30, hat gerade ihr Studium beendet und weiß nicht wirklich, wie ihr Leben weitergehen soll. Um sich eine Verschnaufpause zu verschaffen, nimmt sie einen Saisonjob auf der Nordseeinsel Strand an. Dort wird ein Ferienidyll "wie früher" geschaffen, die Häuser sind in altem Stil um 1900 gehalten, die Beschäftigten sollen Kostüme tragen, alles ist mehr Schein als Sein. Marlene fängt in einem Kramladen als Verkäuferin an und trifft gleich am ersten Tag auf die Einheimische Janne, von der sie sofort fasziniert ist. Marlene und Janne verlieben sich ineinander - doch es lauert etwas Unheimliches auf der Insel. "Leute von früher" von Kristin Höller ist queere Liebesgeschichte, Schauerroman und Klimafiktion in einem und hat für mich wirklich gut funktioniert! Obwohl mir die Protagonist*innen nicht so richtig sympathisch waren, fand ich vor allem das Setting auf Strand, einer Nordseeinsel, die es früher wirklich gab und im 14. Jahrhundert überflutet wurde, total spannend. Heute sind von Strand nur noch Nordstrand und Pellworm übrig, der bekannteste Ort von Strand war der Handelsort Rungholt, der mit der Flut unterging. An windstillen Tagen soll man noch heute die Glocken Rungholts hören - auch das fließt in Kristin Höllers Roman ein. Fiktion trifft hier auf Wirklichkeit, die Vergangenheit holt die Gegenwart auf gruselige Weise ein. Wer Lust auf einen echt innovativen Roman mit fulminantem Ende für den Sommer hat, sollte zu "Leute von früher" greifen!

Auf das neue Buch „Leute von früher“ von Kristin Höller bin ich vor allem aufmerksam geworden, weil die Gestaltung des Covers einfach wunderschön ist. Nun aber zum Inhalt des Buches. 🌊 Marlene hat ihr Studium beendet und hängt in der Schwebe. Um sich erstmal zu orientieren fängt sie einen Job in einem Erlebnisdorf auf einer Insel an. Die Einführung in die Geschichte fand ich noch sehr schön geschrieben. Es herrscht zwar ein ruhiger Ton, aber die Beschreibungen der Landschaft haben mir sehr gefallen. Nach dem ersten Drittel verliert die Geschichte für mich an Fahrt. Wir haben zwar die sich anbahnenden Liebe zwischen der Protagonistin und Janne, aber mehr passiert nicht. Dann kommen die Mysterien der Insel zum Vorschein, welche sich auch auf die „Leute von früher“ des Titels beziehen. Da kam für mich schon mehr Spannung auf. Leider schlägt das Ende für mich persönlich fehl. Ich hätte mir da gerne einen weniger offenen Schluss gewünscht. In Summe kein Buch, das man gelesen haben muss. Es ist eine nette Lektüre für den Sommer, aber nichts, was mich noch lange beschäftigen wird.

Rauh wie die Nordsee
- Rezensionsexemplar - "Leute von Früher" von Kristin Höller zieht den Leser schnell in seinen Bann, zieht ihn immer tiefer hinein und spuckt ihn am Ende mit einer seltsamen Leere im Bauch wieder aus. Das klingt zunächst negativ, zeigt aber wie sehr die Geschichte in ihren Bann zieht. Das Cover zeigt sich um aufgeregt und beinahe selbst altertümlich. Der Name des Buchs wirkt zunächst belanglos, bekommt aber ebenso noch Bedeutung je länger man liest. Auch der Schreibstil, der sich oft liest wie wenn man einer kleinen Drohne, angefüttert mit den Gedanken der Hauptperson Marlene, auf der Insel Strand folgt. Zunächst alles sehr distanziert, später immer weiter auf die Person zentriert. Die vermittelte Atmosphäre ist rau und unwirklich obwohl es mitten in einem Urlaubsgebiet spielt. Trotz alledem schafft es Kristin Höller mit "Leute von Früher" eine unglaublich gute Geschichte zu präsentieren die noch viel Spielraum für die eigenen Gedanken lässt und bis zum Ende nicht mehr loslässt.

Ein sehr unterhaltsamer, aber auch mitreißender Roman, obwohl er eine so ruhige Geschichte erzählt. Mit einem leicht mystischen Touch und vielschichtigen Charakteren.
Nach fast einem Jahrzehnt Studium hat Marlene endlich ihren Abschluss in den Händen, aber keinen Plan für‘s Leben. Um sich damit auch bloß nicht weiter befassen zu müssen, untervermietet sie kurzer Hand ihr Zimmer in der WG mit ihrem guten Freund Robert und lässt ihn und die beste Freundin Luzia in Hamburg zurück, um auf der Insel Strand in einem Erlebnisdorf zu arbeiten. Oder wird alles wie um 1900 gehalten: alte Häuser, Kostüme für die Angestellten und das angebotene Handwerk. Marlene reiht sich in zahlreiche Saisonkräfte ein und beginnt die Arbeit in dem Kaufmannsladen des Dorfes. Dort lernt sie Janne kennen, welche in der Räucherei nebenan arbeitet, und selbst von der Insel stammt. Je näher sie sich kommen, desto mehr erfährt Marlene auch über die Geschichte der Insel und das Dorf Rungholt vor ihren Stränden, welches schon vor Jahren von den Fluten verschlungen wurden. „Leute von früher“ ist ein ruhiger, aber gleichzeitig auch unheimlich mitreißender und unterhaltsamer Roman. Gemeinsam mit Marlene versinkt man in der Welt hinter den Kulissen des Erlebnisdorfes und entdeckt die Geheimnisse der Insel und ihrer Bewohner. Ein wundervoller Roman über neue Liebe, die Suche nach dem eigenen Platz in der Welt und den alten Sagen der Nordsee.
In ihrem Werk „Leute von Früher“ beschreibt Kristin Höller eine Insel im nordfriesischen Wattenmeer. Dort nimmt Marlene eine Stelle als Verkäuferin in einem Erlebnisdorf an, das im Stil der Jahrhundertwende um 1900 gehalten ist. Sie lernt Janne kennen, die auf der Insel aufgewachsen ist, und verliebt sich in sie. Als sich die beiden näherkommen, spürt Marlene jedoch, dass Janne ein Geheimnis hütet, das tief in der Vergangenheit der Insel verwurzelt ist. Das Buch handelt vom Bewahren und Verschwinden alter Legenden sowie von neuer Liebe. Es endet mit der Enthüllung des Geheimnisses und einem hoffnungsvollen Ausblick. Das Werk ist humorvoll, klug und mit viel Wärme geschrieben.
Fehlgeleitet
Klappentext, Cover und Titel haben mich irgendwie fehlgeleitet. Das Buch war nicht, was ich mir vorgestellt habe. Die Vergangenheit und Geschichte von der Insel Sand spielt wirklich nur am Rand eine Rolle und bildet nicht das Fundament der Story, wie ich erwartet hätte. Marlene beginnt auf Sand einen Ferienjob in einer historischen Siedlung. Eigentlich eine Tourifalle mit geheuchelter Authentizität. Marlene wirkt ziemlich lost in ihrem Leben und in ihren Beziehungen. Man kann sie nicht wirklich fassen. Das wird mit ihrer Beziehung zur mysteriösen Janne besser, aber verschwindet nie ganz. Das Buch konnte nicht wirklich mein Herz gewinnen, weil weder die Figuren besonders ausgearbeitet waren, noch die Story superspannend, oder der historische Hintergrund mir neue Erkenntnisse gebracht hätte. Bis auf diesen Funfact: Angeblich trugen Piraten ihre Augenklappe, um ein Auge ständig an die Dunkelheit gewöhnt zu haben und im Inneren des Schiffes schnell umswitchen zu können.
Interessant
Ich mochte den Schreibstil sehr, weshalb ich schnell durch das Buch kam. Die Story ist super umgesetzt und es hat mich einfach in den Bann gezogen, nicht aufhören zu können damit. Das Cover ist schlicht gehalten, weshalb ich es angenehm finde. Ich kann dieses Buch sehr empfehlen, da es mich von vorne bis zum Ende absolut überzeugt hat. Absolute Leseempfehlung. Es war für mich ein sehr interessantes Buch, da ich mich gut in die Geschichte einfinden konnte und alles gut nachempfinden konnte. Ich bin auch anfangs gut in das Buch reingekommen, was bei mir ein positives Zeichen ist. Das Buch konnte mich samt der Geschichte überzeugen. Ich konnte es wie gesagt nicht aus der Hand legen und habe habe es innerhalb eines Tages beendet. Die Umsetzung im Allgemeinen ist sehr gut gelungen, weshalb es ein weiter Grund ist, dieses Buch weiterzuempfehlen.
Wiedermal ein toller Fund in meiner Lieblings-Buchhandlung
Dieses Buch hat mir richtig gut gefallen, bis auf eine Kleinigkeit. Die Hauptperson Marlene mochte ich immer mehr je weiter die Geschichte voran ging. Identifizieren konnte ich mich wegen ihres und meines Alters nicht mit ihr, eher mit Barbara,die sie in dem Dorf kennenlernt. Obwohl die Geschichte sehr gemächlich dahin fließt, war es mir nie langweilig und ich fand es auch spannend weiter zu lesen und mehr über die Insel und ihre Bewohner zu erfahren. Da sind wir dann auch schon an dem Punkt der mir nicht wirklich gefallen hat. Die ganze Geschichte ist ja fiktiv aber so geschrieben, das man sich die Situation sehr gut als real vorstellen kann. Als es dann spannend wird und man dem Geheimnis von Janne und anderen Insulanern näher kommt, stellt sich heraus das es kein wirkliches Geheimnis ist, irgendwie ist das „Geheimnis“ um Janne ja nur Tünkram also Seemannsgarn . Ich will nichts Spoilern aber das ist so fiktiv das man es sich eben nicht als real vorstellen kann. Mir ist schon klar, was es aussagen soll und was alle Insulaner miteinander verbindet. Aber das ganze Buch über wird nicht wirklich mit Metaphern gearbeitet und dann aber gegen Ende diese eine riesig große Methaper, das war für mich nicht stimmig und passte nicht so wirklich gut zum Rest des Buches. Das Ende war etwas unerwartet aber ich fand es gut, es läßt einem ein bisschen Freiraum für das eigentliche Finale.
Nordfriesland Roman 🌊
Marlene begibt sich auf die Insel Strand im nordfriesischen Wattenmeer, um dort für eine Saison in einem Erlebnisdorf zu arbeiten. Dort schafft man für Touristen eine Kulisse aus alten Geschäften und verkleideten Mitarbeitern, um ein Leben wie früher nachzuahmen. Dort lernt Marlene die Inselbewohnerin Janne kennen und verliebt sich sofort in sie. Doch ein altes Geheimnis der Insel stellt sich bald zwischen die beiden. Mir hat es sehr gefallen, wie die Autorin es schafft dem Leser das Leben auf einer Insel in der Nordsee näherzubringen. Dass der Alltag maßgeblich durch die Gezeiten, die Jahreszeit und das Wetter bestimmt wird. Wenn sie auf typische nordfriesische Dinge wie Wattknistern, Queller oder auf die Legenden um die versunkene Stadt Rungholt eingeht, wirkt es nicht gewollt, sondern immer passend und wichtig für die Geschichte. Eine ganz nette Lektüre, ich hatte mir aufgrund des Vorgängerromans der Autorin jedoch mehr erhofft.
Für zwischendurch okay
3,5 ⭐️ Ein kurzer Ausflug an die wunderschöne Nordsee. Die Protagonistin Marlene hat ihr Studium beendet und weiß momentan nicht, was sie mit ihrem Leben anfangen soll. Sie tritt ein Sommerjob auf einer Nordseeinsel als Verkäuferin in einem historischen Erlebnisdorf an. Die Geschichte beginnt ein bisschen schleppend und kommt erst im 2. Teil des Buches in Fahrt durch den mysteriösen Hintergrund der Insel und anbahnenden Romanze. Mir gefiel der Schreibstil gut, man konnte das Buch schnell durchlesen. Besonders bei der Beschreibung der Landschaft konnte man sich zum Teil gut in die Charaktere reinfühlen. Die Geschichte hätte meiner Meinung nach noch mehr Potenzial gehabt besonders das Ende. Es ist eine gute Lektüre für zwischendurch oder für den Sommerurlaub.
Sprachlich wunderschön und besonders, inhaltlich grade zum Ende nicht ganz meins. Insgesamt sehr spannend zu lesen, habe bei manchen Figuren aber damit gerechnet, dass sie noch ein wenig mehr Tiefe bekommen - das Potential wäre auf jeden Fall da gewesen. Auf den letzten 40 Seiten hat sich ein Spannungsbogen mit einer derartigen Wucht aufgebaut, das nicht genügend zu lesende Seiten verblieben um all das zu verarbeiten. Alles in allem eine ganz andere Inselgeschichte mit einigen Überraschungen. Wenn man eine gewisse Offenheit für alternative Ausgänge mitbringt, kann man sich hervorragend von diesem Buch mitreißen lassen.
Nordseefeeling pur, mit kleinen Makeln
Als Nordseefan hat mir natürlich besonders die Kulisse von „Leute von früher“ gefallen. Durch die detaillierten Naturbeschreibungen konnte ich mir sehr gut vorstellen, wie es ist auf Strand zu leben. Auch das Dorf und die ganze Atmosphäre hat mir super gefallen. Als Marlene merkt, dass Kekse, Bonbons und Co. im Laden aus der Packung sind, war mir Arno fast noch ein wenig sympathischer, denn nichts ist auf der Insel so perfekt, wie es für die Touristen dargestellt wird. Was mir leider nicht gefallen hat, waren die teilweise flachen Charaktere, die zum Teil auch nicht besonders sympathisch waren, vor allen Marlene selbst und ihre Freunde aus der Heimat kommen insgesamt nicht so gut weg. Marlene wirkt noch sehr unreif, aber auf Strand scheint sie zu wachsen. Die Geschichte um Janne hat mir grundsätzlich gut gefallen, aber dieses betonte „anders sein“ und Marlenes Erfurcht davor fand ich manchmal etwas anstrengend. *SPOILER* Ebenso hat mir leider der mystische Aspekt am Schluss gar nicht gefallen und passt meiner Meinung nach überhaupt nicht zur Story. Da wurde seitenlang etwas angedeutet, nur um es dann mit dem Satz „die tun ja nichts, das sind nur Leute von früher“ kurz und bündig abzuhaken. Entweder führt man das Thema noch weiter aus oder lässt es ganz. Das Ende fand ich von der Idee gut und passt gut zum Mythos der untergegangen Stadt Runghold, nur leider fehlten mir hier auch wieder ein wenig die Emotionen. Ja, es gibt ein kleinen Hoffnungsschimmer, aber eben nur für eine Person. Insgesamt nett, würde ich aber nicht noch mal lesen. Die langen Schachtelsätze und die nicht eindeutigen zugeordneten Dialoge haben auch leider oft meinen Lesefluss gestört.
Ein atmosphärisch starker Roman über die Rückkehr in die Heimat, der weh tut, weil er so ehrlich ist. Perfekt für alle, die sich manchmal fragen, wer sie ohne ihre Vergangenheit wären.
Kristin Höller hat mit „Leute von früher“ ein Buch geschrieben, das sich anfühlt wie der Moment, in dem man nach Jahren wieder durch sein altes Kinderzimmer geht: vertraut, aber irgendwie auch fremd. Das Cover ist ein absoluter Traum und hat mich sofort angesprochen. Aber auch der Inhalt überzeugt durch eine messerscharfe Beobachtungsgabe. Die Autorin fängt die Dynamik zwischen alten Freunden perfekt ein – dieses krampfhafte Festhalten an Rollen, die man längst entwachsen ist. Der Schreivstil ist sehr modern und bildhaft. Man spürt die Hitze des Sommers und die Enge der Kleinstadt in jedem Satz. Warum „nur“ 4 Sterne? Die Handlung ist sehr ruhig. Das passt zwar zur lethargischen Stimmung der Protagonistin, führt aber im Mittelteil dazu, dass sich die Geschichte für mich ein wenig gezogen hat. Ein bisschen mehr Drive hätte der Erzählung gutgetan. Fazit: Ein kluges Porträt einer Generation zwischen Nostalgie und Aufbruch. Wer Bücher über Identität und das Erwachsenwerden mag, wird es lieben!
2,5 Sterne Der Schreibstil transportiert eine sehr melancholische Grundstimmung und eine gewisse Distanz zu den Figuren, auch zur Hauptfigur, weshalb ich mit allen nicht wirklich warm wurde. Die Story an sich war ganz nett, bis dieser mystische Touch gegen Ende kam, von dem ich jetzt nicht so angetan war. Alles Geschmackssache, meins war's eher nicht.
Anders als erwartet
Irgendwie hatte ich mich auf eine Geschichte über alte Geheimnisse der Inselbewohner eingestellt, aber auf ganz andere als die hier beschriebenen. Die Geschichte plätschert zunächst dahin. Ein bisschen wie die Nordsee, wenn Ebbe herrscht. Fast wäre ich wieder an Land gewatet. Aber die Flut kommt zurück und das ungefähr im letzten Drittel. Dann wird es spannend und die Auflösung ist ganz anders als erwartet. Die queere Lovestory war süß, ein langsames Herantasten. Auch wenn mir unsere Hauptdarstellerin über die gesamte Zeit ein wenig fremd blieb, mochte ich die Geschichte am Ende doch ganz gern.
Das Setting des Buches fand ich ganz gut. Die Idee, dass man auf eine Insel als Saisonarbeiter geht und dort in einem alten Dorf so lebt wie früher. Die Idee fand ich ganz spannend, auch dass sich Marlene dort selber kennen lernt und auch ihre eigene Sexualität begreifen lernt… Aber der Beginn der Geschichte zog sich wie zäher Kaugummi. Als sie dann Janne kennen gelernt hat, wurde es besser. Aber mich hat es irgendwie gestört, dass so viele Andeutungen auch zu ihren Eltern gemacht wurde, man aber nichts genaues wusste… 🤷🏼♀️ Und können wir kurz über das Ende reden?? Wie offen will man bleiben? Insgesamt hat es mich nicht überzeugt !
Mein Highlight beim Lesen von "Leute von früher" von Kristin Höller war unter anderem tatsächlich der Moment, als der Titel im Buch vorkam und mir bewusst wurde, dass ich den Titel bis dato anders interpretiert habe. Bis kurz vor dem Ende dachte ich immer, dass es sich dabei lediglich um eine Beschreibung der Szenerie/Handlung/des Plots handelt. Vorsicht Spoiler: mir war nicht bewusst, dass man den Titel doppeldeutig verstehen kann und damit auch die Leute gemeint sind, welche auf See gestorben sind. Und so schaurig sich diese Stelle auch angehört hat - auch ich fand es nicht gruselig, sondern auf eine gewisse Art und Weise bewegend. Abgesehen von dem Highlight lies sich die Geschichte auch sehr schnell und zum Großteil auch sehr einfach lesen (dies ist tatsächlich das erste Buch, welches ich an einem Tag durchgelesen habe), leider fand ich aber die Dialoge teilweise "schwierig" zu lesen, da ich manchmal nochmal zurückgehen und schauen musste, wer denn nun was gesagt hat. Auch wenn mir Marlene zu Anfang ziemlich komisch oder sonderbar vorkam und ich sie leider bis zum Ende nicht richtig "verstanden" habe, habe ich mich für sie mitgefreut, als es ihr zeitweise richtig gut ging. Leider habe ich ihre Wahrnehmungen über ihren Körper und ihr Bewusstsein der Welt nicht ganz verstanden. Richtig schön, und mit unter anderem auch der Grund warum ich das Buch unbedingt lesen wollte, ist die Tatsache, dass die Nordsee und ihre Natur und ihre Wunder so schön beschrieben werden. Beispielhaft bei der kleinen Wanderung durch das Watt nach Südfall konnte ich Schritt für Schritt wirklich nachempfinden, wie sich das Schlick gerade unter den Füßen und zwischen den Zehen anfühlt. Die Parts wurden sehr schön und nahhaft beschrieben. Einerseits ein bisschen vorhersehbar fand ich auf den letzten Seiten dann das Ende bzw. dachte ich mir, dass der Sturm doch nicht so nahtlos an Strand vorbeigeht. Schön fand ich dann aber allerdings den allerletzten Abschnitt, welcher den Leser*innen den Freiraum lässt, auf ein Happy End zu hoffen. Dementsprechend kann ich "Leute von früher" gerne Menschen empfehlen, welche die Nordsee genauso lieben wie ich und welche gerne mal eine Geschichte mit "echten"/"nahbaren" Charakteren lesen möchten.
Das war irgendwie...langweilig. Ich habe mich ewig durch die ersten 100 Seiten gekämpft und brauchte eine ganze Weile, um ins Buch hineinzufinden. Das lag einerseits daran, dass ich die Protagonistin ziemlich unsympathisch/nervig fand (die Art, wie sie ihre Probleme zu Hause ignoriert hat, hat mich wahnsinnig gemacht), andererseits passiert auch einfach nicht viel. Für Menschen, die stimmungsvolle, langsame Lektüre mögen, ist dieses Buch wohl eher was, für mich wars leider nichts. Und dann der Schluss...die lang ersehnte Auflösung war mir persönlich zu surreal, aber für Leute, die mystische Enden mögen, könnte das passen.
Ich habe es in zwei Rutschen gelesen, weil die erste Hälfte sich zog, ich fand nicht in die Geschichte und keinen Bezug zu den Menschen. Dann wurde es besser und die letzten 30 Seiten gingen einfach zu schnell. Das Ende war für mich irgendwie abrupt und nicht ganz rund. Dennoch hinterlässt das Buch mir einen bleibenden Eindruck, ich kann ihn nur noch nicht ganz einordnen. Nachtrag: Das Ende schwirrt mlr viel im Kopf rum. Aber auch so an sich das letzte Viertel: Es wurde dann richtig interessant, aber es war, als wenn die Autorin kein Bock mehr hätte und schnell fertig werden wollte. Werde ich es nochmal lesen? Bestimmt, da icv die Atmosphäre toll fand, auch wenn die Figuren etwas fremd blieben.
Das Setting hat mich sehr angesprochen, leider hat mich das Buch aber nicht so richtig packen können. Ab etwa der Hälfte des Buches wurde die Handlung nur zäh weitergeführt und die Liebesgeschichte stand im Vordergrund. Ich hätte mir gewünscht, dass diese noch mehr mit den Geheimnissen der Insel verbunden worden wäre. Hier wurde meiner Meinung nach viel Potential verschwendet. Erst gegen Ende wurden spannende Aspekte der Insel erwähnt und dann leider nicht viel damit gemacht. Was hätte spannend werden können würde dann recht schnell abgefrühstückt. Die Figuren blieben für mich auch wenig greifbar und Marlene war mir leider auch nicht so sympathisch. Leider war es nicht mein Buch. Einige Aspekte, wie die Kommunikation mit der Großmutter, das Setting in dem historischen Feriendorf und die Bedeutung von Kulinarik haben mir aber auch gut gefallen.
Was zunächst wie ein seichter Insel-Roman mit zarter Lovestory erscheint ist in Wahrheit ziemlich dark. Margarete ist Ende 20 und hat gerade ihren Abschluss gemacht, jedoch keinen Job in Sicht und möglicherweise auch gar nicht wirklich Bock drauf. So hat sie sich entschlossen, einen Sommer lang auf "Strand" zu arbeiten, eine Insel in der Nordsee, die als eine Art Freilichtmuseum funktioniert. Alles hier soll wirken wie vor hundert Jahren. Die Touris finden das toll, kaufen im Kramladen "hausgemachte" Marmeladen, während des nachts die Lieferungen vom Festland kommen und die Aldi-Produkte zu Großmutters' Beste umetikettiert werden. Alles hier ist Kulisse und basically scam, aber es funktioniert. Margarete gewöhnt sich schnell an die Kostüme, an den Rhythmus auf der Insel und freundet sich mit den anderen Saisonkräften an. Zuhause in Hamburg warten ihr liebenswerter Mitbewohner Robert, die beste Freundin Luzia und Paul, bei dem nicht so richtig klar ist, ob er ihr "fester Freund" ist oder nicht. Dann begegnet sie Janne, einer einheimischen, irgendwie geheimnisvollen jungen Frau und verliebt sich. Doch "Leute von Früher" ist keine Romanze. Dunkle Geheimnisse der Vergangenheit, Geistergeschichten und eine unglaubliche Schwermut, die über allen Figuren zu hängen scheint, machen diesen Roman zu einem eher düsteren Leseerlebnis. Das mochte ich sehr. Was ich nicht ganz so mochte: es war mir alles zu viel und zu viele der aufgeworfenen Themen bleiben als lose Enden liegen: Die Story von Margaretes Eltern hätte ich nicht gebraucht, die Figur des Weert hatte viel mehr Potenzial und die zugrundeliegende Idee - ein Investor kauft eine Insel auf und erschafft eine Fantasie für Bürgi-Tourist*innen, die sich nach einem vermeintlich besseren (weißen!) Früher sehnen - fand ich viel interessanter als das bi-awakening von Margarete. Alles in allem hab ich "Leute von Früher" aber richtig gern gelesen und werde es dieses Jahr sehr oft Menschen empfehlen, die was für den Urlaub suchen, aber keine Lust auf Strandschmonzetten haben.
Characteristics
2 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Description
»Ein zärtlich-böser Roman über das Jungsein, über die Faszination des Alten und unsere Hilflosigkeit, wenn die Geschichte uns tatsächlich einholt.« Antje Rávik Strubel
Marlene hat gerade ihr Studium beendet und fängt als Verkäuferin in einem Erlebnisdorf an, in dem alles so ist wie um 1900 – Brauchtum, Handwerk, Kleidung. Die aufwändige Inszenierung wird von zahlreichen Saisonkräften aufrechterhalten, die jenseits der »Kostümgrenze« in einfachen Baracken wohnen. Bald lernt Marlene Janne kennen, die hier aufgewachsen ist, und fühlt sich ungewohnt stark zu ihr hingezogen. Doch nicht nur die Gefühle für sie, auch die Insel selbst scheint Marlenes Wahrnehmung zu verändern. Im Watt erinnern die Überreste der versunkenen Stadt Rungholt ständig daran, welches Unheil durch den steigenden Meeresspiegel droht. Je näher sie und Janne sich kommen, desto deutlicher spürt Marlene, dass Janne ein Geheimnis hat, das weit in die Vergangenheit der Insel reicht. Und sie ist nicht die Einzige. Immer öfter beobachtet Marlene merkwürdige Vorfälle, bis sie schließlich einen Zusammenhang erahnt.
Strand war eine Insel in der Nordsee, von der heute nur Pellworm und Nordstrand übrig sind. Leute von früher erzählt vom Bewahren und Verschwinden, von Abschied und Neubeginn. Von alten Legenden und moderner Lohnarbeit, vom Verliebtsein und von der Suche nach einem Platz im Leben. Humorvoll, klug und mit großer Wärme.
Book Information
Author Description
Kristin Höller, geboren 1996, aufgewachsen in Bonn. Sie studierte bis 2019 Sprach-, Literatur-und Kulturwissenschaften in Dresden. Freie Mitarbeit bei mehreren Zeitungen und Zeitschriften. 2016 Finalistin des 24. Open Mike, 2017 Teilnehmerin der Autorenwerkstatt Prosa des LCB. 2018 Preisträgerin des Schweizer Literaturfestivals Literaare. Bis 2019 Mitveranstalterin von OstKap, der Dresdner Lesereihe für junge Literatur. Sie schreibt Hörspiele, Theaterstücke und Romane, für die sie mit mehreren Stipendien und Preisen ausgezeichnet wurde, u. a. mit dem Kranichsteiner Jugendliteraturstipendium 2019 für ihren Debütroman Schöner als überall. Kristin Höller ist Mitveranstalterin der queeren Lesereihe und Karaokeshow SMASH und lebt in Leipzig.
Posts
Bei Insel und Meer hat man mich ja sofort und ich habe mich sehr auf dieses Buch mit dem interessanten Setting gefreut! Marlene zieht für ein halbes Jahr auf die Insel Strand, um dort in einem historischem Ort zu arbeiten, mit Kostüm und allem drum und dran. Sie bezieht eine kleine Baracke und fängt in einem kleinen Laden zu arbeiten, in dem es Souveniers und selbsthergestelltes gibt..... selbsthergestellt?? Nein, die Kekse werden aus der Verpackung genommen und in Gläser getan, Senf und Marmelade einfach umgefüllt und neu beschriftet. Alles nur Fassade. "Unbewusst war sie davon ausgegangen, dass die Kulissen sich abends zusammenschoben, um sich im Morgengrauen wieder auseinander zu falten, eine Geisterstadt, die nachts verschwand." Dann verliebt sich Marlene in Janne. Für mich blieben leider alle Figuren unnahbar. Es sollte ein gewisses übersinnliches Gefühl erzeugt werden, aber alles blieb oberflächlich und wurde nur angekrazt. Nicht eine Protagonistin oder Protagonist erhielt ein Tiefe, auch die Hauptfigur, Marlene, nicht. Einzig Janne fand ich ansatzweise interessant. Mein Fazit, nettes Buch, kann man lesen, aber man verpasst nicht viel, wenn man es nicht tut.
Marlene & Janne
Eine richtig starke Geschichte und eine Sprache mit der ich zu Beginn erst warm werden musste. Als das passierte, ich mich einlassen konnte, war das Buch wie festgeklebt in meinen Händen. Zum Ende wurde es mir nur zu schnell, auf einmal musste alles passieren hatte ich den Eindruck und gerne hätte ich das die Geschichte weitergeht. Da fehlt doch was… Die Wendungen und Überraschungen waren grandios, dass war fast unheimlich und anderes war wirklich beängstigend.
Ein phantastisches Buch mit einer schönen Mischung aus Sommer, Sonne, Deich und Meer, einer Prise Drama und Mystik vor folklorer Kulisse. 🌊
Marlene hat ihren Master und zieht für einen Saisonarbeitsplatz als Statistin für einen Sommer auf die Insel Strand in eine Baracke in ein historisches Feriendorf. Dort arbeitet sie im Kramladen bei Arno. Marlenes Mutter ist auf Reisen, zu ihrer Om hält sie über regelmäßige Postkarten Kontakt, die diese mit SMS voller Abkürzungen beantwortet. Eine wirklich schöne Art, wie zwei Generationen den Kontakt über die ihr jeweils entfremdet Medien halten und wie sich dieser oberflächliche Austausch durch das Buch zieht. Oberflächlich, denn Marlenes Familie glaubt sie in Hamburg zu wissen. Nur Marlenes Mitbewohner Robert und ihre beste Freundin Luzia wissen von ihrem neuen Job. Im Feriendorf schließt Marlene neue Kontakte, zu denen sich unterschiedliche Beziehungen aufbauen. Die junge Dascha weckt bei Marlene Beschützergefühle, zumal diese sexuelle Belästigung durch ihren Vorgesetzten erlebt und gleichzeitig eine Beziehung zum viel älteren Zappo eingeht. Barbara nimmt eine schützende Rolle ein und bietet ihr regelmäßig das Legen von Tatotkarten an. Arno ist Marlenes Vorgesetzter im Laden und nimmt sie unvoreingenommen in seinem Laden und seiner Familie auf. Janne fasziniert Marlene und von der ersten Stunde an und auch das Dorf mit seinen vielen historischen Details sorgt für Faszination. So historisch korrekt zeigt sich die Realität dann aber doch nicht. Abgesehen von der Regendusche in den örtlichen Hotelzimmern, den mit Glitzerfäden duchwirkten Kostümen vom Theater und der möglichen Kartenzahlung im Laden, werden auch die Waren im Laden zu Marlenes Verblüffung nicht in Handarbeit produziert, sondern im Schatten der Nacht umgefüllt und mit neuen Etiketten versehen. Folklorismus statt ein Leben wie um 1900... Doch nicht nur hier scheinen mysteriöse Dinge im Schutz der Dunkelheit vor sich zu gehen. Die einheimischen Dorfbewohner scheinen Geheimnisse zu hüten und die versunkene Insel Rungholt scheint ein Teil davon zu sein. Die letzten Seiten haben mich sehr ergriffen, steigern die Dramatik und lassen die Leserin mit einem Blick in die Bedeutung einer Flucht in die Einsamkeit zurück.
Eine Reise in eine andere Zeit und an die raue Nordsee
Ich habe jede Seite inhaliert und habe das Buch an einem Wochenende gelesen. Die Autorin hat so wunderschön und poetisch geschrieben, dass ich es richtig genossen habe Marlene auf die Insel Strand zu begleiten, das Wattenmeer zu erkunden und die Liebe zu Janne auflodern zu spüren. Am liebsten würde ich jetzt auch einen Sommer kostümiert auf Strand verbringen und ein Teil der Leute von früher sein.
Ein Roman mit Tiefgang und Nordseefeeling
Marlene die Hauptfigur verbringt einen Sommer als Mitarbeiterin in einem Museumsdorf auf der Nordseeinsel Strand vor Husum. Mit knapp 30 Jahren hat Marlene ihr Studium abgeschlossen und weiß noch nicht, wo die Lebensreise sie hinführt. Sprachlich ist Kristin Höllers Buch sehr ansprechend. Mich hat es zum Nachdenken über meine eigene Vita angeregt und die Frage für mich aufgeworfen, ob der gradlinige Weg immer der Richtige ist und ob man nicht gemäß dem Carpe Diem Lebenskonzept jeden Tag so leben sollte, als könne es der letzte Tag sein.
Hatte mir mehr erhofft
Leute von früher Eine kleine Insel im nordfriesischen Wattenmeer unweit von Husum ist der Schauplatz dieser Geschichte. Die Insel lockt Touristen mit ihrem historischen Flair, einem Erlebnisdorf das neben dem alten Krämerladen so manch ein vergessenes Handwerk präsentiert und deren „Bewohner“ in historisch wirkenden Kostümen wie um 1900 herumlaufen. Alles ist eine große Kulisse, selbst die Kekse, die man in hübschen Gläsern im Lädchen erwerben kann, sind umgefüllte Industrieware anstelle von selbstgebackener Köstlichkeit. Marlene, die nach ihrem Studium merkt, wie aussichtslos es ist einen Job zu finden, hat auf der Insel einen Saisonarbeitsplatz als Verkäuferin bekommen. Ich fand es ganz nett über diesen ganz Touristennepp zu lesen, Marlene‘s Alltag erzählt zu bekommen, ein Gefühl dafür zu bekommen wie es ist, nach einem vollendeten Arbeitstag die „Kostümgrenze“ zu überschreiten und sich in eine Mitarbeiterbaracke zurückzuziehen und einige wenige Kontakte zu anderen Saisonkräften aufzubauen. Allerdings plätscherte die Geschichte doch sehr vor sich hin, und ich bin weder der Protagonistin noch den Nebenfiguren sehr nah gekommen. Selbst Janne, die auf der Insel aufgewachsen ist und in die sich Marlene verliebt, blieb mir irgendwie fremd, auch wenn ich sie insgesamt noch am interessantesten fand. Janne hat dann auch ein mystisches Geheimnis. Bei magischem Realismus bin ich tatsächlich selten begeistert. Zugegeben es passte zur Atmosphäre und hat ein paar Gruselvibes gebracht, aber ich hätte es nicht gebraucht. Den überraschenden Schluß fand ich dann wieder sehr gelungen. Fazit: Es war wohl nicht ganz mein Buch. Trotzdem würde ich jetzt nicht davon abraten. Ich kann mir vorstellen, dass es auch begeisterte Leser gibt.
"Es war beruhigend, sich in ein Regelwerk hineinzudenken, das nichts mit der realen Welt zu tun hatte. Etwas, das mit nichts sonst zusammenhing - ein Gefühl wie losgelöst im All." "Die tun ja nichts. Das sind einfach nur Leute von früher."
Hier wird eine wunderschöne, zarte Liebesgeschichte mit dem Grusel des Klimawandels und modernen Tourismus verwoben. Dazu noch einige rätselhafte Ereignisse und eine mysteriöse Stimmung, die sich durch das ganze Buch zieht. Ich habe es wahnsinnig gern gelesen und das Ende hat mir Gänsehaut bereitet. Ganz große Empfehlung! 😍
"Sie betrachtete das Fachwerk und die Strohdächer links und rechts des Weges. Alles wirkte unnatürlich geordnet, als würde jeder Kopfstein poliert, als wüchsen die knospenden Sträucher unter strengster Kontrolle, und es würde sie nicht wundern, wenn sich unter den Haustüren bloß weites, flaches Land befände. Es lag eine Stille über dem Ort, die sie schaudern ließ und zugleich alles in eine Schläfrigkeit kleidete. Es war, als beträte sie ein Gemälde." Kristin Höller ist eine unglaublich gute Beobachterin und eine noch bessere Beschreiberin dessen, was sie sieht. Mit ihrer Geschichte über Marlene, die als Saison-Aushilfe in einem Erlebnisdorf auf einer nordfriesischen Insel anheuern, über Janne, die attraktive geheimnisvolle Einheimische, von gruseligen nächtlichen Begebenheiten, einer untergegangenen Stadt und einer Stimmung bei staubigtrockenen Sommertagen bis hin zu wildstürmischen peitschenden Wellen - mit all dem hat mich die Autorin gefesselt und gekonnt überrascht.
Insgesamt ein für mich total gelungener Roman, der mich sehr positiv überrascht hat. Sehr facettenreich, nachdenklich machend und auf jeden Fall Empfehlenswert!
Mein Vorteil beim Lesen physischer Bücher ist ja, dass ich den Klappentext einmal in der Buchhandlung überfliege und dann für immer vergesse (oder ihn gar nicht lese 😂). Das ist mir auch hier so gegangen & deswegen bin ich ganz unvoreingenommen in eine schöne Geschichte über Liebe, Work-Life-Balance und Folklorismus gestolpert. Spoiler ganz unten. (Folklorismus = kapitalistische Form von Tradition; Brauchtum wird umgestaltet bzw. nur mehr „aufgeführt“ um damit Kapital schlagen zu können —> Beispiele sind das Oktoberfest, Perchtenläufe, Flamenco-Abende oder eben Vergangenheits-Freizeitparks wie im Buch) Die Geschichte hat mich rasch abgeholt. Ich hab wieder mal gemerkt, wie sehr ich die persönliche Erzählung aus der 3. Person gern hab, wenn die Narration nicht ständig von einem Charakter zum nächsten hüpft. An einigen Stellen hätte ich mir mehr Tiefgang gewünscht, aber das hätte zeitgleich das Buch auch in die Länge gezogen. Deswegen kann ich schon nachvollziehen, wieso da nicht weitere Türen aufgemacht werden. Besonders gut gefallen hat mir der Austausch zwischen Hauptprotagonistin (Marlene) und ihrer Oma per Brief bzw. SMS: Hier hat die Autorin besonders gut aufgezeigt, wie unterschiedlich Generationen sich Medien aneignen und diese verwenden. Nachdenklich gestimmt hat mich die gesamte Arbeitssituation auf der Insel. Hier wird Work-Life-Balance so nebenbei und doch mittendrin verhandelt, dass es sich richtig real anfühlt. Im Verlauf der Geschichte erfahren wir mehr über die sexuelle Identität von Marlene und sie verliebt sich in eine Frau (Janne), die auf der Insel aufgewachsen ist. Sie verbirgt ein (fantastisches) Geheimnis, was am Ende des Buches aufgelöst wird - wirklich gelungen! ‼️ Achtung ‼️ Spoiler ‼️ : Ich hätte gerne mehr über die Beziehung/Machtmissbrauch zwischen Dascha (sehr junges Mädchen) und dem älteren Mann (Zappo) gelesen, der sie nachts im Zimmer besucht. Hier hat mich die Ambivalenz sehr überrascht, da Dascha auch von einem anderen alten Mann (nameloser Koch) sexualisierte Gewalt erfährt, aber den anderen älteren Mann (Zappo) Konsens gibt. Das wurde mir zu wenig aufgezeigt - ich hätte gerne die Beweggründe erkunden können. ‼️Achtung ‼️ Spoiler ‼️ Ende ‼️
Gelungenes Abtauchen in die Vergangenheit.
Es geht um Marlene, um die 30, die nach ihrem Studium etwas orientierungslos ist und für die Sommersaison auf eine Nordseeinsel als Saisonkraft in einem Erlebnisdorf anheuert. Das Dorf und die Insel sind auf alt gemacht, alle Beschäftigten müssen bei der Arbeit Kostüm tragen. Marlene hat nur wenig Kontakt zu Freund*innen und Familie auf dem Festland. Auf der Insel lernt sie die etwa Gleichaltrige Janne kennen, über die sie mehr über sich, aber auch die Geschichte der Insel erfährt. Die erste Hälfte des Buches las sich für mich etwas zäh, obwohl ich recht schnell mit Marlene auf der Insel war. Es ist kein aufregender, aber ein sehr atmosphärischer Schreibstil. Ab der Mitte des Buches entwickelt die Geschichte einen unheimlichen Sog und ich wollte es gar nicht mehr aus der Hand legen. Als Leserin konnte ich gut in die Gefühlswelt von Marlene eintauchen. Höllers Naturbeschreibungen lassen die Insel lebendig werden. Am Ende wollte ich gar nicht mehr weg von dort - obwohl es recht stürmisch wird.
Untergegangene Inseln tragen immer gerne zur Mythenbildung einer Kultur bei. In der Nordsee ist es die Insel Strand mit dem legendären untergegangenen Ort Rungholt, der die Menschen an der Künste und darüber hinaus noch bis heute fasziniert. Obwohl es die Insel Strand heute nicht mehr als Ganzes gibt (die Reste der Insel sind heute die Inseln Nordstrand, Pellworm und die Hallig Nordstrandischmoor), bezeichnet Kristin Höller ihren Schauplatz in “Leute von Früher” schlichtweg als Insel “Strand”. Auf Strand heuert die 29-jährige Marlene aus Hamburg als Saisonkraft in einem Museumsdorf an. Schnell wird das Leben zwischen Containerunterkunft und Kostümgrenze mit ihrem Arbeitsplatz im Kramladen bei Arno zur eingespielten Routine. Ihr Leben in Hamburg, die noch junge Beziehung zu Paul, ihre besten Freund:innen Luzia und Robert, die Eltern, die einen Prozess am Laufen haben - alles nur noch eine ferne Erinnerung. Dazu trägt auch die geheimnisvolle Janne bei, die in der Fischräucherei arbeitet. Die Frauen kommen sich näher, doch was ist auf der Insel im Wattermeer überhaupt echt und was nur Kulisse? Dieser Roman ist Eskapismus pur. Ich möchte nach der Lektüre jetzt bitte auch gerne ganz dringend nach Strand, um kostümiert in diesem Dorf zu arbeiten. Ich will mit den Bewohner:innen der Insel das Johannisfest feiern, ich möchte eine Janne und ihren Räucherduft kennenlernen, ich will diesen älteren Kollegen beobachten, der immer die Sportschau auf dem Handy schaut. Natürlich möchte ich auch mit Arno und seinen Kindern einen Auflauf essen und mir von Barbara die Karten legen lassen. Aber wenn ich dann so darüber nachdenke: Vielleicht möchte ich es auch wieder nicht - und das hat nicht nur mit den Geistern der Insel zu tun, sondern auch mit dem steigenden Meeresspiegel… Erzählweise und Sprachstil dieses auch optisch wunderschön gestalteten Buches sind unaufgeregt, bildhaft und gleichzeitig schnörkellos modern. Es wird in jedem Fall eine bestechend maritime und mystische Atmosphäre erzeugt, ohne dass es jemals “drüber” ist. Wer Freude an metaphorischen Umschreibungen für das lesbische Liebesspiel hat, wird hier auch einige finden, ich sage nur Austern und Orangenschale. Man sollte auch für magischen Realismus etwas übrig haben, denn ganz ohne ihn kommt dieses Buch nicht aus. Was mir besonders gefallen hat, ist die Topographie der Insel. Hier wird eine sehr spannende erzählerische Welt erschaffen, die einem schon nach kurzer Zeit sehr vertraut vorkommt. Obwohl dem Buch keine “Landkarte” beigegeben ist, baut sich die Insel im Kopf der Leser:innen zu einem perfekten Mikrokosmos auf - vom reetgedeckten Edeka, über den “Friedhof der Namenlosen” bis hin zur Fischräucherei und Jannes Zuhause in der ehemaligen Vogelwarte. Auch die ganze Mystik und Legendenbildung, um die sich alles dreht, hat mich hier nicht abgeschreckt, sondern zur Spannung des Plots beigetragen. Die erzählerische Detailverliebtheit hat mir ebenfalls sehr gefallen, vor allem wenn es um die genaue Beschreibung der Nahrungsmittel, das Umetikettieren, die Fischereiprodukte, etc. ging. Das Thema Schein und Sein wurde jedenfalls für meine Begriffe perfekt umgesetzt. Was soll ich noch sagen, außer: Ich habe dieses Buch sehr gerne gelesen und kann es allen empfehlen, die gute Geschichten zu schätzen wissen.

"Es war ein Wetter ohne Jahreszeit: vierzehn Grad und ein schwerer Himmel. ... Es war, als hielte alles hier die Luft an, oder vielmehr: als würde vorher nochmal Luft geholt. Marlene schaute aufs Wasser, in der Erwartung, dass es etwas in ihr auslösen würde. Aber das Meer glich dem Himmel darüber, bloß auf den Kopf gestellt." (S. 9) Nach dem Abschluss ihres Studiums sehnt Marlene sich nach Halt, doch in ihr ist eine große Leere: Sie fühlt sich eingeengt von den Erwartungen der Gesellschaft an sie als junge Frau, und gleichzeitig verloren in ihrer Erwartungslosigkeit an eine mögliche Zukunft. Sie braucht Abstand. Von den fragenden Blicken, von ihrem Leben und beschließt daher, für den Sommer in einem Erlebnisdorf im nordfriesischen Wattenmeer zu arbeiten. Auf der Insel Strand scheint die Zeit stillzustehen: In altertümlichen Trachten, die sie innerhalb der „Kostümgrenze“ zu tragen haben, bewirten die zahlreichen Saisonkräfte die Urlaubsgäste, verkaufen authentische Handwerkskunst und frisch geräucherten Fisch. Marlene ist für die Zeit ihres Aufenthalts im Hofladen eingeteilt; jeden Morgen versteckt sie ihre Haare unter einer Spitzenhaube, bindet sich die schweren Schnürstiefel, streift Bluse und Rock über, und verkauft Kekse, Inselhonig und Sanddornbonbons, bis die Abenddämmerung den Horizont färbt. Bald lernt Marlene Janne kennen, die auf der Insel aufgewachsen ist. Es kribbelt in ihrer Brust, wenn sie an sie denkt, ihr Herz klopft schneller, wenn sie sie unter der Traufe der Räucherei stehen sieht. Je näher sie einander kennenlernen, ihre Geschichten und Körper erkunden, desto mehr verändert sich Marlenes Wahrnehmung der Insel und ihrer Bewohner:innen. Sie beginnt, sich für das Unsichtbare zu interessieren, das, was hinter alldem liegt, was den Urlauber:innen tagtäglich vorgespielt wird. Aber auch Janne hat Geheimnisse, die sie nicht greifen. „[Durch die Glasscheibe sah Marlene] eine in Packpapier eingewickelte Makrele [auf der Fensterbank liegen]. Auf dem Papier stand mit Edding ‚Bis nächste Woche‘ geschrieben. Nervös zählte sie an den Fingern die Nächte bis Johannisnacht ab: Es waren sechs.“ (S. 180) Diese ersten Seiten, das fühlte sich an wie das Betreten einer anderen Welt, wie Urlaub: salziger Wind, Sand zwischen den Zehen, Wellenrauschen. Am liebsten wäre ich direkt in die Bahn gestiegen und ab ans Meer, im Handgepäck: „Leute von früher“ von Kristin Höller. Von Urlaub kann Marlene in diesen ersten Tagen auf Strand nur träumen. Ihre Gedanken wiegen schwer, der Geburtstagskuchen knistert in der Plastikfolie, als sie ihr Zimmer für den Sommer bezieht, doch die Neugier über das, was sie erwartet, tritt mit jedem Schritt in den Vordergrund. Und mit der Neugier auch die Beklemmung. Ich lerne Marlene als eine rastlose, emphatische junge Frau kennen, die zuhört und anpackt, uneitel und pragmatisch ist, und von sich selbst sagt, dass sie „absichtlich unachtsam“ sei, und nie gelernt hätte, in sich hineinzuhören. Eng an ihrer Seite: ihre besten Freund:innen Luzia und Robert. Sie hatten sich zu Beginn des Studiums kennengelernt und sind einander Ohr und Schulter. Und Kühlpack-Halter, Wartezimmer-Begleitung, In-den-Schlaf-gleit-Beschützer. Wir alle brauchen einen Robert in unserem Leben. Das Verhältnis zu ihren Eltern hingegen ist distanziert, angespannt; wie ihre Großmutter, der sie jede Woche eine Postkarte schreibt, wissen sie nichts von Marlenes Sommerjob. "Die tun ja nichts. Das sind nur Leute von früher." (S. 301) Als Marlene Janne kennenlernt, verändert sie sich. Sie wird offener, sich selbst und ihrer Gefühle bewusster, verletzlicher. Ihre Beziehung beginnt leise, ein heimliches Kribbeln wird zu einem klopfen Herzen, zärtlich schwebend ist ihre Annäherung, gewinnt immer mehr an Konturen, bis auch diese unter der Anziehung verschmelzen. Sie sind fühlbar aufregend wärmend und gleichermaßen subtil tastend neugierig, diese Blitze zwischen ihnen, die Worte, die Kristin Höller für das Zwischenmenschliche findet, beklemmend die Atmosphäre, die auf der Insel vorherrscht. Immer satter wird das Bild des Urlaubsdorfes und seiner Schausteller:innen, der Strukturen des Tourismus und die Auswirkungen des Klimawandels auf das Inselleben und seine Menschen. Doch kein Licht ohne Schatten. Vielleicht wollte ich festhalten an dem Zauber, diesem Leben in der Schwebe, denn, nachdem ich mich auf den ersten zweihundert Seiten komplett verloren habe, quasi auf der Insel gelebt habe, hat mich das Ende verloren. Something was off, die Magie war weg. Und ich ziemlich gefrustet. Vielleicht kam es zu schnell, vielleicht habe ich es auch einfach nicht verstanden? In meinem Kopf bleibt das Bild der schwankenden Fähre, der ersten unsicheren Schritte auf dem sandigen Boden - und diese zarte Liebe.
Das wären 5 Sterne wenn das Ende anders wäre
Von Kristin Höller habe ich auch schon das erste Buch gelesen & sehr geliebt. Genauso ging es mir auch mit diesem. Der Schreibstil ist so schön flüssig zum lesen & man rutscht quasi einfach so durch. Ich mochte die Figuren, das Setting (auch wenn ich mir beim Klappentext nicht sicher war) & die Geschichte. Ich liebe es, dass es eine queere Liebesgeschichte gibt und das mal NICHT fett auf dem Cover und sonstwo stand, sondern ganz normal ist. Was ich gar nicht liebe, wirklich überhaupt gar nicht: Das offene Ende. Ja, man kann sich irgendwie denken, wie es ausgeht. Aber warummmm kann‘s nicht einfach fix irgendwie ausgehen? Das war echt ein Dämpfer am Ende vom Buch & ich bin ziemlich enttäuscht zurück geblieben. Dafür gibt es den Stern Abzug, ansonsten wäre das ein 5/5 Buch gewesen.
Marlene ist fast 30, hat gerade ihr Studium beendet und weiß nicht wirklich, wie ihr Leben weitergehen soll. Um sich eine Verschnaufpause zu verschaffen, nimmt sie einen Saisonjob auf der Nordseeinsel Strand an. Dort wird ein Ferienidyll "wie früher" geschaffen, die Häuser sind in altem Stil um 1900 gehalten, die Beschäftigten sollen Kostüme tragen, alles ist mehr Schein als Sein. Marlene fängt in einem Kramladen als Verkäuferin an und trifft gleich am ersten Tag auf die Einheimische Janne, von der sie sofort fasziniert ist. Marlene und Janne verlieben sich ineinander - doch es lauert etwas Unheimliches auf der Insel. "Leute von früher" von Kristin Höller ist queere Liebesgeschichte, Schauerroman und Klimafiktion in einem und hat für mich wirklich gut funktioniert! Obwohl mir die Protagonist*innen nicht so richtig sympathisch waren, fand ich vor allem das Setting auf Strand, einer Nordseeinsel, die es früher wirklich gab und im 14. Jahrhundert überflutet wurde, total spannend. Heute sind von Strand nur noch Nordstrand und Pellworm übrig, der bekannteste Ort von Strand war der Handelsort Rungholt, der mit der Flut unterging. An windstillen Tagen soll man noch heute die Glocken Rungholts hören - auch das fließt in Kristin Höllers Roman ein. Fiktion trifft hier auf Wirklichkeit, die Vergangenheit holt die Gegenwart auf gruselige Weise ein. Wer Lust auf einen echt innovativen Roman mit fulminantem Ende für den Sommer hat, sollte zu "Leute von früher" greifen!

Auf das neue Buch „Leute von früher“ von Kristin Höller bin ich vor allem aufmerksam geworden, weil die Gestaltung des Covers einfach wunderschön ist. Nun aber zum Inhalt des Buches. 🌊 Marlene hat ihr Studium beendet und hängt in der Schwebe. Um sich erstmal zu orientieren fängt sie einen Job in einem Erlebnisdorf auf einer Insel an. Die Einführung in die Geschichte fand ich noch sehr schön geschrieben. Es herrscht zwar ein ruhiger Ton, aber die Beschreibungen der Landschaft haben mir sehr gefallen. Nach dem ersten Drittel verliert die Geschichte für mich an Fahrt. Wir haben zwar die sich anbahnenden Liebe zwischen der Protagonistin und Janne, aber mehr passiert nicht. Dann kommen die Mysterien der Insel zum Vorschein, welche sich auch auf die „Leute von früher“ des Titels beziehen. Da kam für mich schon mehr Spannung auf. Leider schlägt das Ende für mich persönlich fehl. Ich hätte mir da gerne einen weniger offenen Schluss gewünscht. In Summe kein Buch, das man gelesen haben muss. Es ist eine nette Lektüre für den Sommer, aber nichts, was mich noch lange beschäftigen wird.

Rauh wie die Nordsee
- Rezensionsexemplar - "Leute von Früher" von Kristin Höller zieht den Leser schnell in seinen Bann, zieht ihn immer tiefer hinein und spuckt ihn am Ende mit einer seltsamen Leere im Bauch wieder aus. Das klingt zunächst negativ, zeigt aber wie sehr die Geschichte in ihren Bann zieht. Das Cover zeigt sich um aufgeregt und beinahe selbst altertümlich. Der Name des Buchs wirkt zunächst belanglos, bekommt aber ebenso noch Bedeutung je länger man liest. Auch der Schreibstil, der sich oft liest wie wenn man einer kleinen Drohne, angefüttert mit den Gedanken der Hauptperson Marlene, auf der Insel Strand folgt. Zunächst alles sehr distanziert, später immer weiter auf die Person zentriert. Die vermittelte Atmosphäre ist rau und unwirklich obwohl es mitten in einem Urlaubsgebiet spielt. Trotz alledem schafft es Kristin Höller mit "Leute von Früher" eine unglaublich gute Geschichte zu präsentieren die noch viel Spielraum für die eigenen Gedanken lässt und bis zum Ende nicht mehr loslässt.

Ein sehr unterhaltsamer, aber auch mitreißender Roman, obwohl er eine so ruhige Geschichte erzählt. Mit einem leicht mystischen Touch und vielschichtigen Charakteren.
Nach fast einem Jahrzehnt Studium hat Marlene endlich ihren Abschluss in den Händen, aber keinen Plan für‘s Leben. Um sich damit auch bloß nicht weiter befassen zu müssen, untervermietet sie kurzer Hand ihr Zimmer in der WG mit ihrem guten Freund Robert und lässt ihn und die beste Freundin Luzia in Hamburg zurück, um auf der Insel Strand in einem Erlebnisdorf zu arbeiten. Oder wird alles wie um 1900 gehalten: alte Häuser, Kostüme für die Angestellten und das angebotene Handwerk. Marlene reiht sich in zahlreiche Saisonkräfte ein und beginnt die Arbeit in dem Kaufmannsladen des Dorfes. Dort lernt sie Janne kennen, welche in der Räucherei nebenan arbeitet, und selbst von der Insel stammt. Je näher sie sich kommen, desto mehr erfährt Marlene auch über die Geschichte der Insel und das Dorf Rungholt vor ihren Stränden, welches schon vor Jahren von den Fluten verschlungen wurden. „Leute von früher“ ist ein ruhiger, aber gleichzeitig auch unheimlich mitreißender und unterhaltsamer Roman. Gemeinsam mit Marlene versinkt man in der Welt hinter den Kulissen des Erlebnisdorfes und entdeckt die Geheimnisse der Insel und ihrer Bewohner. Ein wundervoller Roman über neue Liebe, die Suche nach dem eigenen Platz in der Welt und den alten Sagen der Nordsee.
In ihrem Werk „Leute von Früher“ beschreibt Kristin Höller eine Insel im nordfriesischen Wattenmeer. Dort nimmt Marlene eine Stelle als Verkäuferin in einem Erlebnisdorf an, das im Stil der Jahrhundertwende um 1900 gehalten ist. Sie lernt Janne kennen, die auf der Insel aufgewachsen ist, und verliebt sich in sie. Als sich die beiden näherkommen, spürt Marlene jedoch, dass Janne ein Geheimnis hütet, das tief in der Vergangenheit der Insel verwurzelt ist. Das Buch handelt vom Bewahren und Verschwinden alter Legenden sowie von neuer Liebe. Es endet mit der Enthüllung des Geheimnisses und einem hoffnungsvollen Ausblick. Das Werk ist humorvoll, klug und mit viel Wärme geschrieben.
Fehlgeleitet
Klappentext, Cover und Titel haben mich irgendwie fehlgeleitet. Das Buch war nicht, was ich mir vorgestellt habe. Die Vergangenheit und Geschichte von der Insel Sand spielt wirklich nur am Rand eine Rolle und bildet nicht das Fundament der Story, wie ich erwartet hätte. Marlene beginnt auf Sand einen Ferienjob in einer historischen Siedlung. Eigentlich eine Tourifalle mit geheuchelter Authentizität. Marlene wirkt ziemlich lost in ihrem Leben und in ihren Beziehungen. Man kann sie nicht wirklich fassen. Das wird mit ihrer Beziehung zur mysteriösen Janne besser, aber verschwindet nie ganz. Das Buch konnte nicht wirklich mein Herz gewinnen, weil weder die Figuren besonders ausgearbeitet waren, noch die Story superspannend, oder der historische Hintergrund mir neue Erkenntnisse gebracht hätte. Bis auf diesen Funfact: Angeblich trugen Piraten ihre Augenklappe, um ein Auge ständig an die Dunkelheit gewöhnt zu haben und im Inneren des Schiffes schnell umswitchen zu können.
Interessant
Ich mochte den Schreibstil sehr, weshalb ich schnell durch das Buch kam. Die Story ist super umgesetzt und es hat mich einfach in den Bann gezogen, nicht aufhören zu können damit. Das Cover ist schlicht gehalten, weshalb ich es angenehm finde. Ich kann dieses Buch sehr empfehlen, da es mich von vorne bis zum Ende absolut überzeugt hat. Absolute Leseempfehlung. Es war für mich ein sehr interessantes Buch, da ich mich gut in die Geschichte einfinden konnte und alles gut nachempfinden konnte. Ich bin auch anfangs gut in das Buch reingekommen, was bei mir ein positives Zeichen ist. Das Buch konnte mich samt der Geschichte überzeugen. Ich konnte es wie gesagt nicht aus der Hand legen und habe habe es innerhalb eines Tages beendet. Die Umsetzung im Allgemeinen ist sehr gut gelungen, weshalb es ein weiter Grund ist, dieses Buch weiterzuempfehlen.
Wiedermal ein toller Fund in meiner Lieblings-Buchhandlung
Dieses Buch hat mir richtig gut gefallen, bis auf eine Kleinigkeit. Die Hauptperson Marlene mochte ich immer mehr je weiter die Geschichte voran ging. Identifizieren konnte ich mich wegen ihres und meines Alters nicht mit ihr, eher mit Barbara,die sie in dem Dorf kennenlernt. Obwohl die Geschichte sehr gemächlich dahin fließt, war es mir nie langweilig und ich fand es auch spannend weiter zu lesen und mehr über die Insel und ihre Bewohner zu erfahren. Da sind wir dann auch schon an dem Punkt der mir nicht wirklich gefallen hat. Die ganze Geschichte ist ja fiktiv aber so geschrieben, das man sich die Situation sehr gut als real vorstellen kann. Als es dann spannend wird und man dem Geheimnis von Janne und anderen Insulanern näher kommt, stellt sich heraus das es kein wirkliches Geheimnis ist, irgendwie ist das „Geheimnis“ um Janne ja nur Tünkram also Seemannsgarn . Ich will nichts Spoilern aber das ist so fiktiv das man es sich eben nicht als real vorstellen kann. Mir ist schon klar, was es aussagen soll und was alle Insulaner miteinander verbindet. Aber das ganze Buch über wird nicht wirklich mit Metaphern gearbeitet und dann aber gegen Ende diese eine riesig große Methaper, das war für mich nicht stimmig und passte nicht so wirklich gut zum Rest des Buches. Das Ende war etwas unerwartet aber ich fand es gut, es läßt einem ein bisschen Freiraum für das eigentliche Finale.
Nordfriesland Roman 🌊
Marlene begibt sich auf die Insel Strand im nordfriesischen Wattenmeer, um dort für eine Saison in einem Erlebnisdorf zu arbeiten. Dort schafft man für Touristen eine Kulisse aus alten Geschäften und verkleideten Mitarbeitern, um ein Leben wie früher nachzuahmen. Dort lernt Marlene die Inselbewohnerin Janne kennen und verliebt sich sofort in sie. Doch ein altes Geheimnis der Insel stellt sich bald zwischen die beiden. Mir hat es sehr gefallen, wie die Autorin es schafft dem Leser das Leben auf einer Insel in der Nordsee näherzubringen. Dass der Alltag maßgeblich durch die Gezeiten, die Jahreszeit und das Wetter bestimmt wird. Wenn sie auf typische nordfriesische Dinge wie Wattknistern, Queller oder auf die Legenden um die versunkene Stadt Rungholt eingeht, wirkt es nicht gewollt, sondern immer passend und wichtig für die Geschichte. Eine ganz nette Lektüre, ich hatte mir aufgrund des Vorgängerromans der Autorin jedoch mehr erhofft.
Für zwischendurch okay
3,5 ⭐️ Ein kurzer Ausflug an die wunderschöne Nordsee. Die Protagonistin Marlene hat ihr Studium beendet und weiß momentan nicht, was sie mit ihrem Leben anfangen soll. Sie tritt ein Sommerjob auf einer Nordseeinsel als Verkäuferin in einem historischen Erlebnisdorf an. Die Geschichte beginnt ein bisschen schleppend und kommt erst im 2. Teil des Buches in Fahrt durch den mysteriösen Hintergrund der Insel und anbahnenden Romanze. Mir gefiel der Schreibstil gut, man konnte das Buch schnell durchlesen. Besonders bei der Beschreibung der Landschaft konnte man sich zum Teil gut in die Charaktere reinfühlen. Die Geschichte hätte meiner Meinung nach noch mehr Potenzial gehabt besonders das Ende. Es ist eine gute Lektüre für zwischendurch oder für den Sommerurlaub.
Sprachlich wunderschön und besonders, inhaltlich grade zum Ende nicht ganz meins. Insgesamt sehr spannend zu lesen, habe bei manchen Figuren aber damit gerechnet, dass sie noch ein wenig mehr Tiefe bekommen - das Potential wäre auf jeden Fall da gewesen. Auf den letzten 40 Seiten hat sich ein Spannungsbogen mit einer derartigen Wucht aufgebaut, das nicht genügend zu lesende Seiten verblieben um all das zu verarbeiten. Alles in allem eine ganz andere Inselgeschichte mit einigen Überraschungen. Wenn man eine gewisse Offenheit für alternative Ausgänge mitbringt, kann man sich hervorragend von diesem Buch mitreißen lassen.
Nordseefeeling pur, mit kleinen Makeln
Als Nordseefan hat mir natürlich besonders die Kulisse von „Leute von früher“ gefallen. Durch die detaillierten Naturbeschreibungen konnte ich mir sehr gut vorstellen, wie es ist auf Strand zu leben. Auch das Dorf und die ganze Atmosphäre hat mir super gefallen. Als Marlene merkt, dass Kekse, Bonbons und Co. im Laden aus der Packung sind, war mir Arno fast noch ein wenig sympathischer, denn nichts ist auf der Insel so perfekt, wie es für die Touristen dargestellt wird. Was mir leider nicht gefallen hat, waren die teilweise flachen Charaktere, die zum Teil auch nicht besonders sympathisch waren, vor allen Marlene selbst und ihre Freunde aus der Heimat kommen insgesamt nicht so gut weg. Marlene wirkt noch sehr unreif, aber auf Strand scheint sie zu wachsen. Die Geschichte um Janne hat mir grundsätzlich gut gefallen, aber dieses betonte „anders sein“ und Marlenes Erfurcht davor fand ich manchmal etwas anstrengend. *SPOILER* Ebenso hat mir leider der mystische Aspekt am Schluss gar nicht gefallen und passt meiner Meinung nach überhaupt nicht zur Story. Da wurde seitenlang etwas angedeutet, nur um es dann mit dem Satz „die tun ja nichts, das sind nur Leute von früher“ kurz und bündig abzuhaken. Entweder führt man das Thema noch weiter aus oder lässt es ganz. Das Ende fand ich von der Idee gut und passt gut zum Mythos der untergegangen Stadt Runghold, nur leider fehlten mir hier auch wieder ein wenig die Emotionen. Ja, es gibt ein kleinen Hoffnungsschimmer, aber eben nur für eine Person. Insgesamt nett, würde ich aber nicht noch mal lesen. Die langen Schachtelsätze und die nicht eindeutigen zugeordneten Dialoge haben auch leider oft meinen Lesefluss gestört.
Ein atmosphärisch starker Roman über die Rückkehr in die Heimat, der weh tut, weil er so ehrlich ist. Perfekt für alle, die sich manchmal fragen, wer sie ohne ihre Vergangenheit wären.
Kristin Höller hat mit „Leute von früher“ ein Buch geschrieben, das sich anfühlt wie der Moment, in dem man nach Jahren wieder durch sein altes Kinderzimmer geht: vertraut, aber irgendwie auch fremd. Das Cover ist ein absoluter Traum und hat mich sofort angesprochen. Aber auch der Inhalt überzeugt durch eine messerscharfe Beobachtungsgabe. Die Autorin fängt die Dynamik zwischen alten Freunden perfekt ein – dieses krampfhafte Festhalten an Rollen, die man längst entwachsen ist. Der Schreivstil ist sehr modern und bildhaft. Man spürt die Hitze des Sommers und die Enge der Kleinstadt in jedem Satz. Warum „nur“ 4 Sterne? Die Handlung ist sehr ruhig. Das passt zwar zur lethargischen Stimmung der Protagonistin, führt aber im Mittelteil dazu, dass sich die Geschichte für mich ein wenig gezogen hat. Ein bisschen mehr Drive hätte der Erzählung gutgetan. Fazit: Ein kluges Porträt einer Generation zwischen Nostalgie und Aufbruch. Wer Bücher über Identität und das Erwachsenwerden mag, wird es lieben!
2,5 Sterne Der Schreibstil transportiert eine sehr melancholische Grundstimmung und eine gewisse Distanz zu den Figuren, auch zur Hauptfigur, weshalb ich mit allen nicht wirklich warm wurde. Die Story an sich war ganz nett, bis dieser mystische Touch gegen Ende kam, von dem ich jetzt nicht so angetan war. Alles Geschmackssache, meins war's eher nicht.
Anders als erwartet
Irgendwie hatte ich mich auf eine Geschichte über alte Geheimnisse der Inselbewohner eingestellt, aber auf ganz andere als die hier beschriebenen. Die Geschichte plätschert zunächst dahin. Ein bisschen wie die Nordsee, wenn Ebbe herrscht. Fast wäre ich wieder an Land gewatet. Aber die Flut kommt zurück und das ungefähr im letzten Drittel. Dann wird es spannend und die Auflösung ist ganz anders als erwartet. Die queere Lovestory war süß, ein langsames Herantasten. Auch wenn mir unsere Hauptdarstellerin über die gesamte Zeit ein wenig fremd blieb, mochte ich die Geschichte am Ende doch ganz gern.
Das Setting des Buches fand ich ganz gut. Die Idee, dass man auf eine Insel als Saisonarbeiter geht und dort in einem alten Dorf so lebt wie früher. Die Idee fand ich ganz spannend, auch dass sich Marlene dort selber kennen lernt und auch ihre eigene Sexualität begreifen lernt… Aber der Beginn der Geschichte zog sich wie zäher Kaugummi. Als sie dann Janne kennen gelernt hat, wurde es besser. Aber mich hat es irgendwie gestört, dass so viele Andeutungen auch zu ihren Eltern gemacht wurde, man aber nichts genaues wusste… 🤷🏼♀️ Und können wir kurz über das Ende reden?? Wie offen will man bleiben? Insgesamt hat es mich nicht überzeugt !
Mein Highlight beim Lesen von "Leute von früher" von Kristin Höller war unter anderem tatsächlich der Moment, als der Titel im Buch vorkam und mir bewusst wurde, dass ich den Titel bis dato anders interpretiert habe. Bis kurz vor dem Ende dachte ich immer, dass es sich dabei lediglich um eine Beschreibung der Szenerie/Handlung/des Plots handelt. Vorsicht Spoiler: mir war nicht bewusst, dass man den Titel doppeldeutig verstehen kann und damit auch die Leute gemeint sind, welche auf See gestorben sind. Und so schaurig sich diese Stelle auch angehört hat - auch ich fand es nicht gruselig, sondern auf eine gewisse Art und Weise bewegend. Abgesehen von dem Highlight lies sich die Geschichte auch sehr schnell und zum Großteil auch sehr einfach lesen (dies ist tatsächlich das erste Buch, welches ich an einem Tag durchgelesen habe), leider fand ich aber die Dialoge teilweise "schwierig" zu lesen, da ich manchmal nochmal zurückgehen und schauen musste, wer denn nun was gesagt hat. Auch wenn mir Marlene zu Anfang ziemlich komisch oder sonderbar vorkam und ich sie leider bis zum Ende nicht richtig "verstanden" habe, habe ich mich für sie mitgefreut, als es ihr zeitweise richtig gut ging. Leider habe ich ihre Wahrnehmungen über ihren Körper und ihr Bewusstsein der Welt nicht ganz verstanden. Richtig schön, und mit unter anderem auch der Grund warum ich das Buch unbedingt lesen wollte, ist die Tatsache, dass die Nordsee und ihre Natur und ihre Wunder so schön beschrieben werden. Beispielhaft bei der kleinen Wanderung durch das Watt nach Südfall konnte ich Schritt für Schritt wirklich nachempfinden, wie sich das Schlick gerade unter den Füßen und zwischen den Zehen anfühlt. Die Parts wurden sehr schön und nahhaft beschrieben. Einerseits ein bisschen vorhersehbar fand ich auf den letzten Seiten dann das Ende bzw. dachte ich mir, dass der Sturm doch nicht so nahtlos an Strand vorbeigeht. Schön fand ich dann aber allerdings den allerletzten Abschnitt, welcher den Leser*innen den Freiraum lässt, auf ein Happy End zu hoffen. Dementsprechend kann ich "Leute von früher" gerne Menschen empfehlen, welche die Nordsee genauso lieben wie ich und welche gerne mal eine Geschichte mit "echten"/"nahbaren" Charakteren lesen möchten.
Das war irgendwie...langweilig. Ich habe mich ewig durch die ersten 100 Seiten gekämpft und brauchte eine ganze Weile, um ins Buch hineinzufinden. Das lag einerseits daran, dass ich die Protagonistin ziemlich unsympathisch/nervig fand (die Art, wie sie ihre Probleme zu Hause ignoriert hat, hat mich wahnsinnig gemacht), andererseits passiert auch einfach nicht viel. Für Menschen, die stimmungsvolle, langsame Lektüre mögen, ist dieses Buch wohl eher was, für mich wars leider nichts. Und dann der Schluss...die lang ersehnte Auflösung war mir persönlich zu surreal, aber für Leute, die mystische Enden mögen, könnte das passen.
Ich habe es in zwei Rutschen gelesen, weil die erste Hälfte sich zog, ich fand nicht in die Geschichte und keinen Bezug zu den Menschen. Dann wurde es besser und die letzten 30 Seiten gingen einfach zu schnell. Das Ende war für mich irgendwie abrupt und nicht ganz rund. Dennoch hinterlässt das Buch mir einen bleibenden Eindruck, ich kann ihn nur noch nicht ganz einordnen. Nachtrag: Das Ende schwirrt mlr viel im Kopf rum. Aber auch so an sich das letzte Viertel: Es wurde dann richtig interessant, aber es war, als wenn die Autorin kein Bock mehr hätte und schnell fertig werden wollte. Werde ich es nochmal lesen? Bestimmt, da icv die Atmosphäre toll fand, auch wenn die Figuren etwas fremd blieben.
Das Setting hat mich sehr angesprochen, leider hat mich das Buch aber nicht so richtig packen können. Ab etwa der Hälfte des Buches wurde die Handlung nur zäh weitergeführt und die Liebesgeschichte stand im Vordergrund. Ich hätte mir gewünscht, dass diese noch mehr mit den Geheimnissen der Insel verbunden worden wäre. Hier wurde meiner Meinung nach viel Potential verschwendet. Erst gegen Ende wurden spannende Aspekte der Insel erwähnt und dann leider nicht viel damit gemacht. Was hätte spannend werden können würde dann recht schnell abgefrühstückt. Die Figuren blieben für mich auch wenig greifbar und Marlene war mir leider auch nicht so sympathisch. Leider war es nicht mein Buch. Einige Aspekte, wie die Kommunikation mit der Großmutter, das Setting in dem historischen Feriendorf und die Bedeutung von Kulinarik haben mir aber auch gut gefallen.
Was zunächst wie ein seichter Insel-Roman mit zarter Lovestory erscheint ist in Wahrheit ziemlich dark. Margarete ist Ende 20 und hat gerade ihren Abschluss gemacht, jedoch keinen Job in Sicht und möglicherweise auch gar nicht wirklich Bock drauf. So hat sie sich entschlossen, einen Sommer lang auf "Strand" zu arbeiten, eine Insel in der Nordsee, die als eine Art Freilichtmuseum funktioniert. Alles hier soll wirken wie vor hundert Jahren. Die Touris finden das toll, kaufen im Kramladen "hausgemachte" Marmeladen, während des nachts die Lieferungen vom Festland kommen und die Aldi-Produkte zu Großmutters' Beste umetikettiert werden. Alles hier ist Kulisse und basically scam, aber es funktioniert. Margarete gewöhnt sich schnell an die Kostüme, an den Rhythmus auf der Insel und freundet sich mit den anderen Saisonkräften an. Zuhause in Hamburg warten ihr liebenswerter Mitbewohner Robert, die beste Freundin Luzia und Paul, bei dem nicht so richtig klar ist, ob er ihr "fester Freund" ist oder nicht. Dann begegnet sie Janne, einer einheimischen, irgendwie geheimnisvollen jungen Frau und verliebt sich. Doch "Leute von Früher" ist keine Romanze. Dunkle Geheimnisse der Vergangenheit, Geistergeschichten und eine unglaubliche Schwermut, die über allen Figuren zu hängen scheint, machen diesen Roman zu einem eher düsteren Leseerlebnis. Das mochte ich sehr. Was ich nicht ganz so mochte: es war mir alles zu viel und zu viele der aufgeworfenen Themen bleiben als lose Enden liegen: Die Story von Margaretes Eltern hätte ich nicht gebraucht, die Figur des Weert hatte viel mehr Potenzial und die zugrundeliegende Idee - ein Investor kauft eine Insel auf und erschafft eine Fantasie für Bürgi-Tourist*innen, die sich nach einem vermeintlich besseren (weißen!) Früher sehnen - fand ich viel interessanter als das bi-awakening von Margarete. Alles in allem hab ich "Leute von Früher" aber richtig gern gelesen und werde es dieses Jahr sehr oft Menschen empfehlen, die was für den Urlaub suchen, aber keine Lust auf Strandschmonzetten haben.























































