An Rändern
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Description
Nachdem Angelo Tijssens Kritiker:innen und Zuschauer:innen auf der ganzen Welt mit seinem Film Close begeistert hat, legt der flämische Drehbuchautor nun sein kunstvoll erzähltes, außerordentlich berührendes Romandebüt vor.
Wie überlebt man die größte Einsamkeit, den tiefsten Schmerz? Und wie wird aus erfahrener Ablehnung mutige Selbstbehauptung? Ein junger Mann kehrt nach dem Tod der Mutter in seine Heimat, an die Küste Flanderns zurück. Hier trifft er nach vielen Jahren seine erste große Liebe wieder, die ihm nach wie vor Nähe und Zuflucht spendet. Er stellt sich aber auch den schmerzhaften Erinnerungen an seine traumatische Kindheit. Es sind Reminiszenzen an seine ihn misshandelnde Mutter und die Entdeckung seiner Homosexualität in einer Welt, in der es dafür keinen Platz gab. Seine Reise verbindet Liebesgeschichte, Abschied von der Vergangenheit und hoffnungsvollen Neubeginn auf eindrucksvolle Weise.
An Rändern ist ein schmaler Roman mit größter Wirkung: Auf wenigen Seiten entfaltet er eine ungeheure Wucht, ist verstörend und herzerwärmend, traurig und unglaublich empowernd zugleich. Ein Text mit Nachhall.
Ausgezeichnet als eines der Schönsten Deutschen Bücher 2024 der Stiftung Buchkunst.
»großartig!« Deutschlandfunk Kultur
«Ein bestechender, leuchtender Text, der in eindringlichen Bildern vom Wesentlichen erzählt.» Yael Inokai
« An Rändern ist ein kleines Meisterwerk. Ein bewegender Text, der von Traumata erzählt, die für viele queere Menschen Teil ihres Heranwachsens und ihres Lebens sind. Ein Text über die erste Liebe, Schmerz, Heimkehr, Verlust und Ankunft – tieftraurig und doch voller Hoffnung.» Florian Valerius
«Ein neuer Klassiker der queeren Literatur.» Samuel Benke
Book Information
Author Description
Angelo Tijssens, geboren 1986 im belgischen Blankenberge, ist ein international gefeierter Drehbuchautor. Seine Arbeiten wurden zahlreich ausgezeichnet, der Film Close, für den Tijssens das Drehbuch verfasste, war 2023 für den Oscar und den Europäischen Filmpreis nominiert und gewann u. a. den Großen Preis der Jury in Cannes. Bereits 2019 wurde Tijssens für das Drehbuch von Girl mehrfach international gewürdigt, gemeinsam mit seinem künstlerischen Partner Lukas Dhont erhielt er hierfür die Caméra d‘Or. An Rändern ist sein hochgelobtes Romandebüt, das ins Englische, Französische und Spanische übersetzt wurde.
Posts
Puh… „An Rändern“ war für mich kein leichtes Buch. Sprachlich wirklich stark, richtig intensiv geschrieben. Man merkt total, wie viel dahinter steckt. Die Themen, Schmerz, Scham, Trostlosigkeit, aber auch Hoffnung ziehen sich durch das ganze Buch und machen es emotional ziemlich schwer. Trotzdem habe ich irgendwie keinen richtigen Zugang gefunden. Der Protagonist bleibt namenlos, was zwar sicher gewollt ist, für mich aber dazu geführt hat, dass ich auf Distanz geblieben bin und keine wirkliche Nähe aufbauen konnte. Es ist definitiv kein schlechtes Buch, im Gegenteil, handwerklich wirklich gut gemacht. Aber für mich persönlich war es einfach nicht das Richtige.
Zwischen Leid und Liebe
Ein dünnes Buch, dass es inhaltlich in sich trägt. Wir begleiten den Protagonisten in seine Vergangenheit, zu seiner ersten Liebe und zu seiner ihn quälenden Mutter. Der Autor bringt uns den Protagonisten sehr schnell sehr nahe. Es ist ein melancholisches Buch, das gefühlstechnisch unter die Haut geht.
Ein sehr reduzierter, aber kraftvoller Roman, der auf wenigen Seiten sehr viel aussagt. Ein junger Mann kehrt an den Ort seiner Kindheit zurück. Ein Ort, an dem er der Gewalt seiner Mutter ausgeliefert war und aufgrund seiner Sexualität ein Außenseiter und missverstanden war. Aber auch der Ort seiner ersten großen Liebe. Mich hat das Buch emotional total erreicht und ich bin nur so durch die Seiten geflogen. Eine traurige Geschichte, verpackt in einer wunderschönen Sprache. Definitiv eine Leseempfehlung ⭐
Heimkehr
Es die Geschichte eines Mannes, der nach vielen Jahren wieder an den Ort seiner Kindheit zurückkehrt. Dort trifft er nicht nur seine erste große Liebe wieder, sondern auch eine Menge schmerzhafter Erinnerungen an seine Kindheit. Der Roman ist anders, voller Nostalgie der ersten Liebe, wieder aufkommende Gefühle für den Menschen, der für immer bleibt. Aber auch voller Schmerz über die Gewalt der eigenen Mutter, das Trauma das sie hinterließ und seine Homosexualität, die sie und alle um ihn herum nicht akzeptieren konnten. Und auch er, die erste Liebe, auch er konnte sie nicht akzeptieren- vor allem nicht seine eigene. Der Schreibstil ist abgehackt, fast Stakkato artig, nicht fließend und gleichbleibend und war dadurch für mich auch oft wirr. Genauso wie die Zeitsprünge, bei denen man oft nicht weiß, wo in der Geschichte man sich befindet. Die Gefühle übermittelt der Roman gut, eindrücklich und doch bekam ich vieles von dem Roman nicht richtig zu fassen.
Küste Flandern. Ein junger Mann kehrt nach vielen Jahren in seine Heimat zurück. Alte & traumatisierende Erinnerungen holen ihn ein. Die seelischen & körperlichen Misshandlungen seiner Mutter sind allgegenwärtig. Dort trifft er auch einen besonderen Menschen, seine 1. große Liebe. ********************* Die Beerdigung der Mutter ist vorüber. Als Leser*in muss es schlimm klingen, bei der Beisetzung nicht dabei zu sein, nach dem Roman sieht man es (vielleicht) anders. Die Mutter, Alkoholikerin, missbrauchte ihren eigenen Sohn, körperlich als auch seelisch. Liebe & Gefühle seitens der Mutter Fehlanzeige, Gewalt ist vorhanden. Ein anderes Thema ist die Identifikation der eigenen Sexualität. In seiner Jugendzeit wird er Opfer von Vergewaltigung. Er lernt ein Mann kennen, die 1.große Liebe. Bei ihm findet er Zärtlichkeit & Nähe. Beide haben nicht daran gedacht, dass sie sich nach den Jahren wiedersehen. Die schönen Erinnerungen & Gefühle kehren zurück. Was ist aus beiden geworden? Was beide wissen sobald einer geht, geht er für immer… Der Roman switcht zwischen der Vergangenheit & Gegenwart. Tijssens schreibt in der ICH-Form, manchmal in der DU-Form, versucht er dann die Story auf Distanz zu halten? Eine düstere Atmosphäre herrscht & wenig Luft zum Atmen bleibt. Auf wenigen Seiten, die keine Seitenzahlen besitzen, schafft er eine aufwühlende & tiefgründige Lektüre. Eine schnörkellose Sprache, voller Emotionen. Hoffnung gibt der Roman das im Heute vieles besser ist. Der Titel beschreibt die Typografie, an den oberen Rand ist der Text gedrängt. Intensive Melancholie gepaart mit Hoffnung ist ein Roman der lange nachhallt.

Ein schmaler, schlanker Roman, doch zwischen den beiden Buchdeckeln verbirgt sich eine Wucht an Emotionen.
Ein sehr aufwühlendes, trauriges und schmerzhaftes Buch. Kraftvoll und gleichzeitig irgendwie sanft und zerbrechlich. Ich bin sehr erstaunt darüber, wieviel Kraft in diesem Sprach - und Schreibstil liegt. Jede der beschriebenen Szenen, ob früher, die Auszüge aus Kindertagen, oder die Parallelen zum Heute, waren so aufwühlend und haben geschmerzt. Ich glaube, es ist auch das erste Buch, bei dem ich wirklich Wut empfunden habe. Wut auf diese Mutter und unendlich tiefes Mitgefühl mit ihrem Sohn, den sie gebrochen und gezeichnet hat für sein ganzes Leben. Wie kann man sowas nur einem Menschen, seinem Kind (!), antun? Ich habe mich tatsächlich mehrfach gefragt: Wie hat das der arme Junge nur überlebt? Die Misshandlungen seiner Mutter, das Mobbing der Klassenkameraden, diese Einsamkeit. Die Antwort... wahrscheinlich durch seinen damaligen Schulfreund, den er geliebt hat, der auch ihn geliebt hat, und wahrscheinlich werden sie einander immer lieben, ohne es je laut auszusprechen. Das Buch zeigt sehr deutlich, wie sich die Erfahrungen/Erlebnisse in der Kindheit und der Umgang der Eltern mit ihren Kindern auf deren erwachsenen Leben auswirkt. Auf die emotionale und zwischenmenschliche Entwicklung, und nicht zuletzt auf das eigene Ich ...
Beeindruckend, wie konsequent die Form des Buches mit Inhalt im Einklang steht, aber gleichzeitig auch im eklatanten Widerspruch zum bruchstückhaften Innewohnendem, dem postmodernen Charakter des Buches - ein ganz besonderes Buch!
Angelo Tijssens Roman „An Rändern“ erschien mir sowohl durch dessen weitreichende Präsenz im Rahmen der Leipziger Buchmesse 2024 als auch durch die nachfolgende vielfältig wohlwollende und umfangreiche Besprechung als unausweichlich. Nach einem Jahr und ohne dem Fazit zu sehr vorgreifen zu wollen: Ich sehe und verstehe auch, wieso unausweichlich. Unvermittelt wird man als Leser*in in die Welt des namenlosen Protagonisten und Ich-Erzählers geworfen, der aufgrund eines familiären Ereignisses zurück in den Ort seiner Kindheit muss. Dieser Ort wird nicht näher spezifiziert, liegt jedoch am Rand zum Meer. Dort trifft er zwar bewusst gewollt, doch nicht ersichtlich mit welcher Intention, auf seine erste männliche, aber auch namenlose Liebe. Wie in einem Erinnerungsrausch erfährt man von ihren sozialen Querverbindungen, von ihrer Begierde und ihrer Beziehung bzw. Nichtbeziehung zueinander - aber auch von sozialräumlichen Veränderungen im Ort und grenzüberschreitenden (Gewalt)Erfahrungen, die beide in ihrer Vergangenheit machen mussten und die teilweise mit zynischer Egalität durch den Protagonisten geschildert werden. Schlussendlich verfolgt man mit der fragmentarischen Erzählung unweigerlich einen tragischen Dissoziationsprozess der Identität des Ich-Erzählers, der jeglichen Halt zu verlieren scheint. Wortwörtlich gibt die innenliegende Titelseite einen Rahmen mittels eines schwarzen Randes vor, in dem sich der Inhalt bis zum Ende des Romans erstreckt - obwohl er es nicht müsste, da die schwarzen Ränder der Titelseite nicht fortdauern. An den Rändern der übrigen Seiten befindet sich ein leerer Platz für eigene Interpretationen, während man sich etwas orientierungslos, weil seitenlos, von Kapitel zu Kapitel durchhangelt. Es ist wahrlich beeindruckend, wie konsequent die Form des Buches mit Inhalt im Einklang steht, aber gleichzeitig auch im eklatanten Widerspruch zum bruchstückhaften Innewohnendem, dem postmodernen Charakter des Buches. Ein fantastisch konzentriertes Kunstwerk. Vielen Dank auch an Stefanie Ochel für die Übersetzung aus dem Niederländischen.

Ein großartiges Werk!
Dieses Buch ist anders, und dabei ganz großartig. Keine leichte Kost, aber mit viel Sog. Es geht um eine Rückkehr an einen Ort von Misshandlung, aber auch der ersten Liebe. Der namenlose Protagonist erzählt in Rückblicken von der schlimmen Zeit mit der gewalttätigen Mutter und seinen ersten Erfahrungen mit der Männerwelt. In der Gegenwart trifft er auf seine damalige Liebe, der Schreibstil ist dabei so ungewohnt anders, dass das Lesen an ein Gedicht oder Essay erinnert. Eine absolute Empfehlung an alle, die sich für queere Literatur interessieren und für alle anderen sowieso!
„Drohungen funktionieren, wenn du jedes Wort glaubst, weil du es genau so schon mal erlebt hast.“
Ein schmerzhaftes Buch über Missbrauch, Homophobie und Abhängigkeit. Der intuitive, an Bewusstseinsstrom erinnernde Stil hat mir gefallen, auch wenn mich das Ende (eigentlich das ganze Buch) sehr traurig gemacht hat. Die besondere Randgestaltung mit viel Weißraum verstärkt das Gefühl von Leere, lässt aber zugleich ein zwiespältiges Gefühl zurück, u.a. weil Figuren namenlos bleiben und durch die Kürze des Romans etwas ungesagt wirkt. 3,75 ⭐️

Innerlich und äußerlich wunderschön ist wohl die beste Beschreibung für Angelo Tijssens „An Rändern“. Ein junger homosexueller Mann reist zurück in sein Heimatdorf. Dort begegnet er nicht nur seiner Jugendliebe, sondern muss sich auch den traumatischen Erfahrungen seiner Kindheit stellen. Im Dorf wurde er abgelehnt aufgrund seiner Homosexualität und zu Hause misshandelt von seiner Mutter. Es ist ein unfassbar trauriges Buch, welches gleichzeitig so atemberaubend schön geschrieben ist. Ein Buch das auch auf wenigen Seiten große Emotionen auslöst. 🩷

Die Aufarbeitung einer traumatischen Kindheit, eine Auseiandersetzung mit der eigenen Homosexualität, ein Blick nach vorn, in einer Welt, die vor Ungerechtigkeit und Ablehnung nur so trieft. Sprachlich außergewöhnlich, schafft es Tijssens auf gerade mal 128 Seiten eindrucksvoll den Weg des kleinen Jungen zum Erwachsenen abzubilden und die Geister der Vergangenheit und Gegenwart zu benennen. Große Empfehlung.
Rau und doch voller Emotionen
Dieses Buch hat es auf den wenigen Seiten geschafft so viele verschiedene Emotionen in mir auszulösen, allen voran aber wohl definitiv Traurigkeit und Wut. Der Schreibstil wirkte auf mich anfangs etwas wirr, aber nach 2-3 Seiten konnte ich mich total drauf einlassen und empfand ihn mehr als passend. Besonders mitgenommen haben mich die Rückblenden in die Vergangenheit, was er alles durch seine ihn misshandelnde Mutter erleben musste und wie diese Erlebnisse sich auch in der Gegenwart immer wieder an die Oberfläche kämpfen. Definitiv kein leichtes Buch, aber dennoch auf eine ganz eigene Art irgendwie schön.
Ein kurzes aber wunderschönes Buch über Liebe und Schmerz. Ich habe es in einem Rutsch durchgelesen, nicht nur weil es ein ziemlich kurzes Buch ist, auch weil ich die Geschichte so gut fand, dass ich das Buch gar nicht erst unterbrechen wollte. Angelo Tijssens Buch "An Rändern" wird dem aktuellen Hype definitiv gerecht!
Innerlich und äußerlich wunderschön!
bewegende, kurze und ehrliche Geschichte – traurig, düster und trotzdem auf eine eigene Weise schön zu lesen. Das Layout mit dem an den Rand gerückten Text macht das Buch besonders und greift das Thema der Leere gestalterisch perfekt auf. Titel, Inhalt und Design fügen sich zu einem tollen und stimmigen Gesamtbild zusammen. Ich habe das Buch sehr gerne gelesen – und doch bleibt es nach dem Lesen schmerzlich und nachhaltig im Gedächtnis.
Tiefgreifend aber auch wirr
Es ist tatsächlich sehr schwer den Inhalt des Romans zusammenzufassen. Es ist eine traurige und tiefgreifende Geschichte über die Gegenwart und Vergangenheit eines jungen Mannes der seine Homosexualität und dessen „Probleme“ entdeckt. Auch ist seine von Misshandlungen geprägte Kindheit Fokus der Handlung. Ein wirklich sehr kurzweiliges Buch, was zeitweise für mich etwas zu wirr war. Trotzdem auf jeden Fall lesenswert.
Warum dieses Buch ein Lesebändchen hat, weiß ich nicht. Denn man braucht es nicht. Ich jedenfalls bin durchgerauscht durch diese sehr berührende, traurige, bedrückende, gleichzeitig aber wunderschöne Geschichte. Die Geschichte des namenlosen Erzählers, der nach dem Tod seiner Mutter in seine Heimat zurückkehrt um dort das Nötige zu regeln. Wo er mit schmerzhaften Erinnerungen an seine ihn misshandelnde Mutter und die Entdeckung seiner eigenen Homosexualität konfrontiert wird. Aber eben auch mit ihm. Seiner ersten großen Liebe, die ihn genau so wenig vergessen hat. Sprachlich einfach wunderschön. Ein definitives Highlight, das ich vermutlich noch mindestens einmal lesen werde.
Ein kurzweiliges Buch, dass so viel Tiefe und Schmerz beinhaltet. Über eine traumatische Kindheit und wie es ist, an diesen Ort zurückzukehren. Über die erste Liebe und all die Wunden, die hinterlassen wurden. Angelo Tijssens schafft es auf nur wenigen Seiten so kraftvolle Worte zu finden, dass man noch eine ganze Weile darüber nachdenkt.
“Zum ersten Mal seit Jahren weinst du. Nicht um ihn, was kümmert er dich. Nicht um sie, wieso auch. Um dich, um den, der du warst,…”
„Zum ersten Mal seit Jahren weinst du … um den, der du warst“ ist der leise Kern von An Rändern. Dieses Buch trauert nicht laut, es zieht sich zurück, tastet die Bruchstellen ab und zwingt dich, hinzusehen. Nicht auf die anderen, sondern auf das verlorene Selbst, das zwischen Anpassung und Schweigen verblutet ist. An Rändern liest sich wie ein Spiegel, den man weglegen möchte und doch nicht kann. Bedrückend, schonungslos, traurig, weil es zeigt, dass der größte Verlust oft der ist, den man zu lange ignoriert hat.
Queere Literatur
„An Rändern“ ist ein Buch über viel Schmerz, der Suche nach der eigenen Intimität, der Scham des eigenen Seins, dass am Rand die Hoffnung kaum durchscheinen mag. Ein junger Mann kehrt nach dem Tod seiner gewalttätigen Mutter in seine Heimat zurück. Zurück nach Hause, in sein Heim, in dem an ihm als Kind herumgezerrt, geprügelt, schikaniert und misshandelt wurde. Diese Buchsequenzen, diese Rückblicke an eine geschundene Kindheit mit einer kranken und abhängigen Mutter sind ungeschönt und ohne Euphemismen zu Papier gebracht worden. Angelo Tijssens traut in diesen Momenten seinem Leser viel Schmerz zu, der ausgehalten werden will. Schmerz, den auch der Junge ob seiner Homosexualität ertragen musste. Ebenso intensiv, suchend und auch findent, lesen wir über schönen queeren Sex und dem Fallenlassen, dem Vertrauen, der Liebe, dem Geliebt werden. Denn unser Protagonist trifft nach all den Jahren, die er seiner Heimat fern war den Menschen wieder, an dem er sein Herz verlor. Ein starkes, queeres, mutiges Debüt. Geschickt geschrieben, als spähe man verbotenerweise durch ein Schlüsselloch und darf Zeuge eines zarten Wachsens werden.
Eigentlich möchte ich dem Buch gar keine Bewertung geben, weil es sich für mich ob der angesprochenen Themen nicht richtig anfühlt. Sehr emotional belastend, sehr aufwühlend, sehr eindrucksvolle Sprache. Mir gefällt der Schreibstil (indirekte Rede, Aufzählungen, Situationsbeschreibungen, Lesende werden angesprochen). Ich hab sonst eigentlich nicht viel dazu zu sagen, außer dass mich das Buch wirklich traurig gemacht hat. Hab es nicht aus der Hand legen können und nach dem Lesen echt lange gegrübelt. Vor dem Lesen bitte unbedingt CN/Trigger beachten (sexualisierte Gewalt, sexualisierte Gewalt ggü Kinder, Drogen, Tod).
DNF bei 85%
Das Buch war prinzipiell sehr schön geschrieben, wenn auch ein bisschen wirr. Ich konnte hier aber irgendwie keine Beziehung zu den Personen im Buch aufbauen (vielleicht durch den wirren Schreibstil?) weshalb ich auch kein Interesse mehr hatte das Buch zu beenden. Habe das Gefühl der Autor wollte einen ähnlichen Vibe wie in den Büchern von Philippe Besson schaffen aber irgendwie hat das nicht ganz geklappt. Könnte natürlich auch an der Übersetzung liegen, vielleicht gebe ich dem Buch auf Englisch nochmal eine Chance.
Bewältigung in ihrer schönsten Form
Ich habe diesen Text in einem durchgelesen, weil er mich so gefesselt hat. Wir begleiten den Protagonisten zurück an den Ort seiner Kindheit, an dem er, in Ausschnitten erzählt, diverse Traumata erfahren hat. Das tut beim Lesen richtig weh und gleichzeitig beeindruckt der Protagonist mit seiner hoffnungsvollen und für eine funktionale Verarbeitung sprechenden Sicht aus dem Jetzt. Etwas anders sieht der Umgang mit der ersten Liebe des Protagonisten aus :) und das ist wohl das Leben, dass Entwicklung nicht linear verläuft. Die Erzählweise ist in Teilen anspruchsvoll, aber auch einzigartig und wunderschön. Wirkt auf jeden Fall nach!
Description
Nachdem Angelo Tijssens Kritiker:innen und Zuschauer:innen auf der ganzen Welt mit seinem Film Close begeistert hat, legt der flämische Drehbuchautor nun sein kunstvoll erzähltes, außerordentlich berührendes Romandebüt vor.
Wie überlebt man die größte Einsamkeit, den tiefsten Schmerz? Und wie wird aus erfahrener Ablehnung mutige Selbstbehauptung? Ein junger Mann kehrt nach dem Tod der Mutter in seine Heimat, an die Küste Flanderns zurück. Hier trifft er nach vielen Jahren seine erste große Liebe wieder, die ihm nach wie vor Nähe und Zuflucht spendet. Er stellt sich aber auch den schmerzhaften Erinnerungen an seine traumatische Kindheit. Es sind Reminiszenzen an seine ihn misshandelnde Mutter und die Entdeckung seiner Homosexualität in einer Welt, in der es dafür keinen Platz gab. Seine Reise verbindet Liebesgeschichte, Abschied von der Vergangenheit und hoffnungsvollen Neubeginn auf eindrucksvolle Weise.
An Rändern ist ein schmaler Roman mit größter Wirkung: Auf wenigen Seiten entfaltet er eine ungeheure Wucht, ist verstörend und herzerwärmend, traurig und unglaublich empowernd zugleich. Ein Text mit Nachhall.
Ausgezeichnet als eines der Schönsten Deutschen Bücher 2024 der Stiftung Buchkunst.
»großartig!« Deutschlandfunk Kultur
«Ein bestechender, leuchtender Text, der in eindringlichen Bildern vom Wesentlichen erzählt.» Yael Inokai
« An Rändern ist ein kleines Meisterwerk. Ein bewegender Text, der von Traumata erzählt, die für viele queere Menschen Teil ihres Heranwachsens und ihres Lebens sind. Ein Text über die erste Liebe, Schmerz, Heimkehr, Verlust und Ankunft – tieftraurig und doch voller Hoffnung.» Florian Valerius
«Ein neuer Klassiker der queeren Literatur.» Samuel Benke
Book Information
Author Description
Angelo Tijssens, geboren 1986 im belgischen Blankenberge, ist ein international gefeierter Drehbuchautor. Seine Arbeiten wurden zahlreich ausgezeichnet, der Film Close, für den Tijssens das Drehbuch verfasste, war 2023 für den Oscar und den Europäischen Filmpreis nominiert und gewann u. a. den Großen Preis der Jury in Cannes. Bereits 2019 wurde Tijssens für das Drehbuch von Girl mehrfach international gewürdigt, gemeinsam mit seinem künstlerischen Partner Lukas Dhont erhielt er hierfür die Caméra d‘Or. An Rändern ist sein hochgelobtes Romandebüt, das ins Englische, Französische und Spanische übersetzt wurde.
Posts
Puh… „An Rändern“ war für mich kein leichtes Buch. Sprachlich wirklich stark, richtig intensiv geschrieben. Man merkt total, wie viel dahinter steckt. Die Themen, Schmerz, Scham, Trostlosigkeit, aber auch Hoffnung ziehen sich durch das ganze Buch und machen es emotional ziemlich schwer. Trotzdem habe ich irgendwie keinen richtigen Zugang gefunden. Der Protagonist bleibt namenlos, was zwar sicher gewollt ist, für mich aber dazu geführt hat, dass ich auf Distanz geblieben bin und keine wirkliche Nähe aufbauen konnte. Es ist definitiv kein schlechtes Buch, im Gegenteil, handwerklich wirklich gut gemacht. Aber für mich persönlich war es einfach nicht das Richtige.
Zwischen Leid und Liebe
Ein dünnes Buch, dass es inhaltlich in sich trägt. Wir begleiten den Protagonisten in seine Vergangenheit, zu seiner ersten Liebe und zu seiner ihn quälenden Mutter. Der Autor bringt uns den Protagonisten sehr schnell sehr nahe. Es ist ein melancholisches Buch, das gefühlstechnisch unter die Haut geht.
Ein sehr reduzierter, aber kraftvoller Roman, der auf wenigen Seiten sehr viel aussagt. Ein junger Mann kehrt an den Ort seiner Kindheit zurück. Ein Ort, an dem er der Gewalt seiner Mutter ausgeliefert war und aufgrund seiner Sexualität ein Außenseiter und missverstanden war. Aber auch der Ort seiner ersten großen Liebe. Mich hat das Buch emotional total erreicht und ich bin nur so durch die Seiten geflogen. Eine traurige Geschichte, verpackt in einer wunderschönen Sprache. Definitiv eine Leseempfehlung ⭐
Heimkehr
Es die Geschichte eines Mannes, der nach vielen Jahren wieder an den Ort seiner Kindheit zurückkehrt. Dort trifft er nicht nur seine erste große Liebe wieder, sondern auch eine Menge schmerzhafter Erinnerungen an seine Kindheit. Der Roman ist anders, voller Nostalgie der ersten Liebe, wieder aufkommende Gefühle für den Menschen, der für immer bleibt. Aber auch voller Schmerz über die Gewalt der eigenen Mutter, das Trauma das sie hinterließ und seine Homosexualität, die sie und alle um ihn herum nicht akzeptieren konnten. Und auch er, die erste Liebe, auch er konnte sie nicht akzeptieren- vor allem nicht seine eigene. Der Schreibstil ist abgehackt, fast Stakkato artig, nicht fließend und gleichbleibend und war dadurch für mich auch oft wirr. Genauso wie die Zeitsprünge, bei denen man oft nicht weiß, wo in der Geschichte man sich befindet. Die Gefühle übermittelt der Roman gut, eindrücklich und doch bekam ich vieles von dem Roman nicht richtig zu fassen.
Küste Flandern. Ein junger Mann kehrt nach vielen Jahren in seine Heimat zurück. Alte & traumatisierende Erinnerungen holen ihn ein. Die seelischen & körperlichen Misshandlungen seiner Mutter sind allgegenwärtig. Dort trifft er auch einen besonderen Menschen, seine 1. große Liebe. ********************* Die Beerdigung der Mutter ist vorüber. Als Leser*in muss es schlimm klingen, bei der Beisetzung nicht dabei zu sein, nach dem Roman sieht man es (vielleicht) anders. Die Mutter, Alkoholikerin, missbrauchte ihren eigenen Sohn, körperlich als auch seelisch. Liebe & Gefühle seitens der Mutter Fehlanzeige, Gewalt ist vorhanden. Ein anderes Thema ist die Identifikation der eigenen Sexualität. In seiner Jugendzeit wird er Opfer von Vergewaltigung. Er lernt ein Mann kennen, die 1.große Liebe. Bei ihm findet er Zärtlichkeit & Nähe. Beide haben nicht daran gedacht, dass sie sich nach den Jahren wiedersehen. Die schönen Erinnerungen & Gefühle kehren zurück. Was ist aus beiden geworden? Was beide wissen sobald einer geht, geht er für immer… Der Roman switcht zwischen der Vergangenheit & Gegenwart. Tijssens schreibt in der ICH-Form, manchmal in der DU-Form, versucht er dann die Story auf Distanz zu halten? Eine düstere Atmosphäre herrscht & wenig Luft zum Atmen bleibt. Auf wenigen Seiten, die keine Seitenzahlen besitzen, schafft er eine aufwühlende & tiefgründige Lektüre. Eine schnörkellose Sprache, voller Emotionen. Hoffnung gibt der Roman das im Heute vieles besser ist. Der Titel beschreibt die Typografie, an den oberen Rand ist der Text gedrängt. Intensive Melancholie gepaart mit Hoffnung ist ein Roman der lange nachhallt.

Ein schmaler, schlanker Roman, doch zwischen den beiden Buchdeckeln verbirgt sich eine Wucht an Emotionen.
Ein sehr aufwühlendes, trauriges und schmerzhaftes Buch. Kraftvoll und gleichzeitig irgendwie sanft und zerbrechlich. Ich bin sehr erstaunt darüber, wieviel Kraft in diesem Sprach - und Schreibstil liegt. Jede der beschriebenen Szenen, ob früher, die Auszüge aus Kindertagen, oder die Parallelen zum Heute, waren so aufwühlend und haben geschmerzt. Ich glaube, es ist auch das erste Buch, bei dem ich wirklich Wut empfunden habe. Wut auf diese Mutter und unendlich tiefes Mitgefühl mit ihrem Sohn, den sie gebrochen und gezeichnet hat für sein ganzes Leben. Wie kann man sowas nur einem Menschen, seinem Kind (!), antun? Ich habe mich tatsächlich mehrfach gefragt: Wie hat das der arme Junge nur überlebt? Die Misshandlungen seiner Mutter, das Mobbing der Klassenkameraden, diese Einsamkeit. Die Antwort... wahrscheinlich durch seinen damaligen Schulfreund, den er geliebt hat, der auch ihn geliebt hat, und wahrscheinlich werden sie einander immer lieben, ohne es je laut auszusprechen. Das Buch zeigt sehr deutlich, wie sich die Erfahrungen/Erlebnisse in der Kindheit und der Umgang der Eltern mit ihren Kindern auf deren erwachsenen Leben auswirkt. Auf die emotionale und zwischenmenschliche Entwicklung, und nicht zuletzt auf das eigene Ich ...
Beeindruckend, wie konsequent die Form des Buches mit Inhalt im Einklang steht, aber gleichzeitig auch im eklatanten Widerspruch zum bruchstückhaften Innewohnendem, dem postmodernen Charakter des Buches - ein ganz besonderes Buch!
Angelo Tijssens Roman „An Rändern“ erschien mir sowohl durch dessen weitreichende Präsenz im Rahmen der Leipziger Buchmesse 2024 als auch durch die nachfolgende vielfältig wohlwollende und umfangreiche Besprechung als unausweichlich. Nach einem Jahr und ohne dem Fazit zu sehr vorgreifen zu wollen: Ich sehe und verstehe auch, wieso unausweichlich. Unvermittelt wird man als Leser*in in die Welt des namenlosen Protagonisten und Ich-Erzählers geworfen, der aufgrund eines familiären Ereignisses zurück in den Ort seiner Kindheit muss. Dieser Ort wird nicht näher spezifiziert, liegt jedoch am Rand zum Meer. Dort trifft er zwar bewusst gewollt, doch nicht ersichtlich mit welcher Intention, auf seine erste männliche, aber auch namenlose Liebe. Wie in einem Erinnerungsrausch erfährt man von ihren sozialen Querverbindungen, von ihrer Begierde und ihrer Beziehung bzw. Nichtbeziehung zueinander - aber auch von sozialräumlichen Veränderungen im Ort und grenzüberschreitenden (Gewalt)Erfahrungen, die beide in ihrer Vergangenheit machen mussten und die teilweise mit zynischer Egalität durch den Protagonisten geschildert werden. Schlussendlich verfolgt man mit der fragmentarischen Erzählung unweigerlich einen tragischen Dissoziationsprozess der Identität des Ich-Erzählers, der jeglichen Halt zu verlieren scheint. Wortwörtlich gibt die innenliegende Titelseite einen Rahmen mittels eines schwarzen Randes vor, in dem sich der Inhalt bis zum Ende des Romans erstreckt - obwohl er es nicht müsste, da die schwarzen Ränder der Titelseite nicht fortdauern. An den Rändern der übrigen Seiten befindet sich ein leerer Platz für eigene Interpretationen, während man sich etwas orientierungslos, weil seitenlos, von Kapitel zu Kapitel durchhangelt. Es ist wahrlich beeindruckend, wie konsequent die Form des Buches mit Inhalt im Einklang steht, aber gleichzeitig auch im eklatanten Widerspruch zum bruchstückhaften Innewohnendem, dem postmodernen Charakter des Buches. Ein fantastisch konzentriertes Kunstwerk. Vielen Dank auch an Stefanie Ochel für die Übersetzung aus dem Niederländischen.

Ein großartiges Werk!
Dieses Buch ist anders, und dabei ganz großartig. Keine leichte Kost, aber mit viel Sog. Es geht um eine Rückkehr an einen Ort von Misshandlung, aber auch der ersten Liebe. Der namenlose Protagonist erzählt in Rückblicken von der schlimmen Zeit mit der gewalttätigen Mutter und seinen ersten Erfahrungen mit der Männerwelt. In der Gegenwart trifft er auf seine damalige Liebe, der Schreibstil ist dabei so ungewohnt anders, dass das Lesen an ein Gedicht oder Essay erinnert. Eine absolute Empfehlung an alle, die sich für queere Literatur interessieren und für alle anderen sowieso!
„Drohungen funktionieren, wenn du jedes Wort glaubst, weil du es genau so schon mal erlebt hast.“
Ein schmerzhaftes Buch über Missbrauch, Homophobie und Abhängigkeit. Der intuitive, an Bewusstseinsstrom erinnernde Stil hat mir gefallen, auch wenn mich das Ende (eigentlich das ganze Buch) sehr traurig gemacht hat. Die besondere Randgestaltung mit viel Weißraum verstärkt das Gefühl von Leere, lässt aber zugleich ein zwiespältiges Gefühl zurück, u.a. weil Figuren namenlos bleiben und durch die Kürze des Romans etwas ungesagt wirkt. 3,75 ⭐️

Innerlich und äußerlich wunderschön ist wohl die beste Beschreibung für Angelo Tijssens „An Rändern“. Ein junger homosexueller Mann reist zurück in sein Heimatdorf. Dort begegnet er nicht nur seiner Jugendliebe, sondern muss sich auch den traumatischen Erfahrungen seiner Kindheit stellen. Im Dorf wurde er abgelehnt aufgrund seiner Homosexualität und zu Hause misshandelt von seiner Mutter. Es ist ein unfassbar trauriges Buch, welches gleichzeitig so atemberaubend schön geschrieben ist. Ein Buch das auch auf wenigen Seiten große Emotionen auslöst. 🩷

Die Aufarbeitung einer traumatischen Kindheit, eine Auseiandersetzung mit der eigenen Homosexualität, ein Blick nach vorn, in einer Welt, die vor Ungerechtigkeit und Ablehnung nur so trieft. Sprachlich außergewöhnlich, schafft es Tijssens auf gerade mal 128 Seiten eindrucksvoll den Weg des kleinen Jungen zum Erwachsenen abzubilden und die Geister der Vergangenheit und Gegenwart zu benennen. Große Empfehlung.
Rau und doch voller Emotionen
Dieses Buch hat es auf den wenigen Seiten geschafft so viele verschiedene Emotionen in mir auszulösen, allen voran aber wohl definitiv Traurigkeit und Wut. Der Schreibstil wirkte auf mich anfangs etwas wirr, aber nach 2-3 Seiten konnte ich mich total drauf einlassen und empfand ihn mehr als passend. Besonders mitgenommen haben mich die Rückblenden in die Vergangenheit, was er alles durch seine ihn misshandelnde Mutter erleben musste und wie diese Erlebnisse sich auch in der Gegenwart immer wieder an die Oberfläche kämpfen. Definitiv kein leichtes Buch, aber dennoch auf eine ganz eigene Art irgendwie schön.
Ein kurzes aber wunderschönes Buch über Liebe und Schmerz. Ich habe es in einem Rutsch durchgelesen, nicht nur weil es ein ziemlich kurzes Buch ist, auch weil ich die Geschichte so gut fand, dass ich das Buch gar nicht erst unterbrechen wollte. Angelo Tijssens Buch "An Rändern" wird dem aktuellen Hype definitiv gerecht!
Innerlich und äußerlich wunderschön!
bewegende, kurze und ehrliche Geschichte – traurig, düster und trotzdem auf eine eigene Weise schön zu lesen. Das Layout mit dem an den Rand gerückten Text macht das Buch besonders und greift das Thema der Leere gestalterisch perfekt auf. Titel, Inhalt und Design fügen sich zu einem tollen und stimmigen Gesamtbild zusammen. Ich habe das Buch sehr gerne gelesen – und doch bleibt es nach dem Lesen schmerzlich und nachhaltig im Gedächtnis.
Tiefgreifend aber auch wirr
Es ist tatsächlich sehr schwer den Inhalt des Romans zusammenzufassen. Es ist eine traurige und tiefgreifende Geschichte über die Gegenwart und Vergangenheit eines jungen Mannes der seine Homosexualität und dessen „Probleme“ entdeckt. Auch ist seine von Misshandlungen geprägte Kindheit Fokus der Handlung. Ein wirklich sehr kurzweiliges Buch, was zeitweise für mich etwas zu wirr war. Trotzdem auf jeden Fall lesenswert.
Warum dieses Buch ein Lesebändchen hat, weiß ich nicht. Denn man braucht es nicht. Ich jedenfalls bin durchgerauscht durch diese sehr berührende, traurige, bedrückende, gleichzeitig aber wunderschöne Geschichte. Die Geschichte des namenlosen Erzählers, der nach dem Tod seiner Mutter in seine Heimat zurückkehrt um dort das Nötige zu regeln. Wo er mit schmerzhaften Erinnerungen an seine ihn misshandelnde Mutter und die Entdeckung seiner eigenen Homosexualität konfrontiert wird. Aber eben auch mit ihm. Seiner ersten großen Liebe, die ihn genau so wenig vergessen hat. Sprachlich einfach wunderschön. Ein definitives Highlight, das ich vermutlich noch mindestens einmal lesen werde.
Ein kurzweiliges Buch, dass so viel Tiefe und Schmerz beinhaltet. Über eine traumatische Kindheit und wie es ist, an diesen Ort zurückzukehren. Über die erste Liebe und all die Wunden, die hinterlassen wurden. Angelo Tijssens schafft es auf nur wenigen Seiten so kraftvolle Worte zu finden, dass man noch eine ganze Weile darüber nachdenkt.
“Zum ersten Mal seit Jahren weinst du. Nicht um ihn, was kümmert er dich. Nicht um sie, wieso auch. Um dich, um den, der du warst,…”
„Zum ersten Mal seit Jahren weinst du … um den, der du warst“ ist der leise Kern von An Rändern. Dieses Buch trauert nicht laut, es zieht sich zurück, tastet die Bruchstellen ab und zwingt dich, hinzusehen. Nicht auf die anderen, sondern auf das verlorene Selbst, das zwischen Anpassung und Schweigen verblutet ist. An Rändern liest sich wie ein Spiegel, den man weglegen möchte und doch nicht kann. Bedrückend, schonungslos, traurig, weil es zeigt, dass der größte Verlust oft der ist, den man zu lange ignoriert hat.
Queere Literatur
„An Rändern“ ist ein Buch über viel Schmerz, der Suche nach der eigenen Intimität, der Scham des eigenen Seins, dass am Rand die Hoffnung kaum durchscheinen mag. Ein junger Mann kehrt nach dem Tod seiner gewalttätigen Mutter in seine Heimat zurück. Zurück nach Hause, in sein Heim, in dem an ihm als Kind herumgezerrt, geprügelt, schikaniert und misshandelt wurde. Diese Buchsequenzen, diese Rückblicke an eine geschundene Kindheit mit einer kranken und abhängigen Mutter sind ungeschönt und ohne Euphemismen zu Papier gebracht worden. Angelo Tijssens traut in diesen Momenten seinem Leser viel Schmerz zu, der ausgehalten werden will. Schmerz, den auch der Junge ob seiner Homosexualität ertragen musste. Ebenso intensiv, suchend und auch findent, lesen wir über schönen queeren Sex und dem Fallenlassen, dem Vertrauen, der Liebe, dem Geliebt werden. Denn unser Protagonist trifft nach all den Jahren, die er seiner Heimat fern war den Menschen wieder, an dem er sein Herz verlor. Ein starkes, queeres, mutiges Debüt. Geschickt geschrieben, als spähe man verbotenerweise durch ein Schlüsselloch und darf Zeuge eines zarten Wachsens werden.
Eigentlich möchte ich dem Buch gar keine Bewertung geben, weil es sich für mich ob der angesprochenen Themen nicht richtig anfühlt. Sehr emotional belastend, sehr aufwühlend, sehr eindrucksvolle Sprache. Mir gefällt der Schreibstil (indirekte Rede, Aufzählungen, Situationsbeschreibungen, Lesende werden angesprochen). Ich hab sonst eigentlich nicht viel dazu zu sagen, außer dass mich das Buch wirklich traurig gemacht hat. Hab es nicht aus der Hand legen können und nach dem Lesen echt lange gegrübelt. Vor dem Lesen bitte unbedingt CN/Trigger beachten (sexualisierte Gewalt, sexualisierte Gewalt ggü Kinder, Drogen, Tod).
DNF bei 85%
Das Buch war prinzipiell sehr schön geschrieben, wenn auch ein bisschen wirr. Ich konnte hier aber irgendwie keine Beziehung zu den Personen im Buch aufbauen (vielleicht durch den wirren Schreibstil?) weshalb ich auch kein Interesse mehr hatte das Buch zu beenden. Habe das Gefühl der Autor wollte einen ähnlichen Vibe wie in den Büchern von Philippe Besson schaffen aber irgendwie hat das nicht ganz geklappt. Könnte natürlich auch an der Übersetzung liegen, vielleicht gebe ich dem Buch auf Englisch nochmal eine Chance.
Bewältigung in ihrer schönsten Form
Ich habe diesen Text in einem durchgelesen, weil er mich so gefesselt hat. Wir begleiten den Protagonisten zurück an den Ort seiner Kindheit, an dem er, in Ausschnitten erzählt, diverse Traumata erfahren hat. Das tut beim Lesen richtig weh und gleichzeitig beeindruckt der Protagonist mit seiner hoffnungsvollen und für eine funktionale Verarbeitung sprechenden Sicht aus dem Jetzt. Etwas anders sieht der Umgang mit der ersten Liebe des Protagonisten aus :) und das ist wohl das Leben, dass Entwicklung nicht linear verläuft. Die Erzählweise ist in Teilen anspruchsvoll, aber auch einzigartig und wunderschön. Wirkt auf jeden Fall nach!


































