Wassermusik
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Description
Zocker und Voyeure, Hexen und Sadisten, Huren, fremdartige Schönheiten und schottische Kleinbürger: T.C. Boyle erzählt die überbordende Geschichte von Mungo Parks, der sich um das Jahr 1800 auf die Suche nach dem Niger machte, und vom Schicksal eines Londoner Trickbetrügers namens Ned Rise. Leonhard Koppelmann schuf ein Hörspiel, das raffiniert die Erzählstränge in Afrika, London und Schottland miteinander verschränkt - voller ironischer Kommentare und schwarzem Humor.
(4 CDs, Laufzeit: 5h 10)
Book Information
Author Description
Tom Coraghessan Boyle, geboren 1948 in Peekskill, N.Y., ist der Autor von zahlreichen Romanen und Erzählungen, die in viele Sprachen übersetzt wurden. Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit lehrte Boyle bis 2012 Creative Writing an der University of Southern California in Los Angeles. Von ihm erschienen zuletzt u.a. »Blue Skies« (Roman, 2023), »I Walk Between the Raindrops« (Stories, 2024) und »No Way Home« (Roman, 2025).
Posts
Der 1982 erstmals erschienene Debüt-Roman des inzwischen berühmten und von mir sehr geschätzten T.C. Boyle erzählt die auf wahren Begebenheiten basierende Geschichte des Arztes und Afrikaforschers Mungo Park, der sich Ende des 18. Jahrhunderts nach Westafrika aufmacht, mit dem Auftrag, den Verlauf des Nigers zu entdecken und vielleicht schon Handelsbeziehungen mit den dort lebenden Menschen aufzubauen. Das von sich aus schon beinahe unmögliche Unterfangen wird noch erschwert, da kaum jemand der afrikanischen Stämme jemals zuvor einen weissen Menschen gesehen haben und diesem eher mit Misstrauen oder Angst begegnen, sich aber auf vielfältige Arten gegen ihn zu wehren wissen. Boyle hält sich an die historische Vorlage, behält Namen bei, webt aber auch einige fiktive Personen mit ein, die der Geschichte so noch mehr Lebendigkeit einhauchen. Der insgesamt sehr erschütternde Verlauf der Geschichte wird immer wieder durch viel drastischem Humor aufgelockert, ohne das der Eindruck der Lächerlichkeit entsteht. Es ist sehr beeindruckend zu erleben, wie geschickt der Autor gerade auch in diesem Werk mit Sprache umgehen kann, er scheint mit Worten jonglieren zu können, spielt mit Vergleichen, die derart ausgefeilt wirken und dennoch immer wieder überraschen. Dabei nimmt Boyle keinesfalls ein Blatt vor den Mund, er nennt immer wieder schonungslos die Dinge beim Namen, so sehr, dass ich mich manchmal schon auch etwas über-stimuliert fühlte. Er findet wunderschöne Worte, um uns gleich darauf das abgrundtief Hässlichste, Drastischste oder Vulgärste um die Ohren zu schlagen. Lebendiger und greifbarer geht es nicht. Wir sind dabei, leiden mit Mungo und seinen Kumpanen in Afrika und Schottland. Aber auch die anderen Protagonisten bekommen eine würdige Bühne, die sie alle auch sehr gut ausfüllen. Hier handelt es sich um ein Meisterwerk, was zu Recht über all die Jahre gewürdigt wurde und wird. Ein Klassiker, der jede Minute des Lesens wert ist. Aber es kann auch schnell überwältigen und jetzt brauche ich als nächstes vielleicht etwas weniger intensives
„Expedition ins Chaos – wild, schmutzig und urkomisch“
Wassermusik von T.C. Boyle ist wie ein wilder Fiebertraum über Entdeckerlust und totalen Irrsinn. Auf der einen Seite der reale Afrika-Forscher Mungo Park, auf der anderen der Trickbetrüger Ned Rise – beide stolpern am Ende des 18. Jahrhunderts durch ein dreckiges London und ein gnadenloses Westafrika. Boyle nimmt das historische Abenteuerroman-Genre, dreht die Lautstärke voll auf und mischt Slapstick, Grausamkeit und Sprachwitz, bis einem schwindelig wird. Das ist nichts für alle, die es ordentlich und nüchtern mögen aber wenn man sich auf den Übermut, die derben Bilder und den rabenschwarzen Humor einlässt, bekommt man eine der verrücktesten und lebendigsten Abenteuergeschichten überhaupt.
Dieser Debütroman von TC Boyle aus dem Jahr 1981 war mein vierter Roman des Autors. Da ich ihn bislang nur als kritischen, spöttischen Beobachter des zeitgenössischen Amerikas kannte, war ich überrascht, dass er mit einem historischen Roman seine Karriere begann. Aber zum Glück ist das hier mehr Vermessung der Welt als Wanderhure oder Medicus. Die Geschichte des schottischen Afrika-Forschers Mungo Park, der mit zwei Expedition um 1800 den Flusslauf des Nigers „entdecken“ wollte, ist schon alleine eine Erzählung wert. Die geschichtlichen Fakten reichert Boyle mit einer Vielzahl von fiktiven Nebenfiguren an, die einen wunderbaren Eindruck über die Härten des Lebens vor über 200 Jahren geben. Im Gegensatz zu den glattgewaschenen Straßen von Kingsbridge, geht es bei Boyle in den Straßen Londons, Edinburghs und vor allem in der westafrikanischen Sahelzone derb und dreckig zu. Würde ein Roman heute noch in dieser Sprache geschrieben werden? Die Afrikaner sind wilde Barbaren und das ominöse N-Wert lautet hier nicht Neger sondern Nigger. Der ganz Hochmut der Kolonialmacht bringt der Autor durch seine Spitzen zum Ausdruck, wenn er beispielsweise Mungo Park an vielen Stellen als „der Entdecker“ bezeichnet. Genauso sieht sich der junge Schotte, der von Afrika nicht viel Ahnung hat vor seiner ersten Reise. "Zwar war der Entdeckungsreisende von freundlichem und entgegenkommendem Naturell, doch wiesen seine Kenntnisse des Arabischen gewisse Lücken auf". Aber dieses unerschöpfliche Selbstverständnis, dass er sich als ein Entdecker sieht, während die einheimischen Bevölkerung sich fragt, was dieses lachhafte Bleichgesicht bei ihnen sucht, ist einfach herrlich karikiert. Es geht nur um den billigen Ruhm, Erster zu sein, im eigenen Land zu glänzen, auch wenn dies zu Lasten seiner jungen Familie geht. Wenn historische Romane immer so geschrieben wären, würde ich vielleicht sogar Anhänger dieses Genre werden. Ein wunderbarer Abenteuerroman und meiner Ansicht nach zurecht das bestbewerteste Buch von TC Boyle hier auf Goodreads. Sehr lesenswert.
Dieser Debütroman von TC Boyle aus dem Jahr 1981 war mein vierter Roman des Autors. Da ich ihn bislang nur als kritischen, spöttischen Beobachter des zeitgenössischen Amerikas kannte, war ich überrascht, dass er mit einem historischen Roman seine Karriere begann. Aber zum Glück ist das hier mehr Vermessung der Welt als Wanderhure oder Medicus. Die Geschichte des schottischen Afrika-Forschers Mungo Park, der mit zwei Expedition um 1800 den Flusslauf des Nigers „entdecken“ wollte, ist schon alleine eine Erzählung wert. Die geschichtlichen Fakten reichert Boyle mit einer Vielzahl von fiktiven Nebenfiguren an, die einen wunderbaren Eindruck über die Härten des Lebens vor über 200 Jahren geben. Im Gegensatz zu den glattgewaschenen Straßen von Kingsbridge, geht es bei Boyle in den Straßen Londons, Edinburghs und vor allem in der westafrikanischen Sahelzone derb und dreckig zu. Würde ein Roman heute noch in dieser Sprache geschrieben werden? Die Afrikaner sind wilde Barbaren und das ominöse N-Wert lautet hier nicht Neger sondern Nigger. Der ganz Hochmut der Kolonialmacht bringt der Autor durch seine Spitzen zum Ausdruck, wenn er beispielsweise Mungo Park an vielen Stellen als „der Entdecker“ bezeichnet. Genauso sieht sich der junge Schotte, der von Afrika nicht viel Ahnung hat vor seiner ersten Reise. "Zwar war der Entdeckungsreisende von freundlichem und entgegenkommendem Naturell, doch wiesen seine Kenntnisse des Arabischen gewisse Lücken auf". Aber dieses unerschöpfliche Selbstverständnis, dass er sich als ein Entdecker sieht, während die einheimischen Bevölkerung sich fragt, was dieses lachhafte Bleichgesicht bei ihnen sucht, ist einfach herrlich karikiert. Es geht nur um den billigen Ruhm, Erster zu sein, im eigenen Land zu glänzen, auch wenn dies zu Lasten seiner jungen Familie geht. Wenn historische Romane immer so geschrieben wären, würde ich vielleicht sogar Anhänger dieses Genre werden. Ein wunderbarer Abenteuerroman und meiner Ansicht nach zurecht das bestbewerteste Buch von TC Boyle hier auf Goodreads. Sehr lesenswert.
Absurd, Wendungsreich, spannend.
Mehrere Geschichten, die irgendwann sich verweben und als Leser wartet man ab, wann es soweit ist. Absurditäten, Wendungen und immer wieder Anspannung. Das Buch ist eine Reise durch die Welt und ein klasse Buch. Man verfolgt die Protagonisten und staunt immer wieder oder der Atem stockt! Lohnt sich!
Herrlich grotesk und zeitweise brutal beschreibt T.C. Boyle in seinem Debüt die zwei Expeditionen Mungo Parks, der den Verlauf des Niger erforschen will. Angesiedelt im späten 18. Jahrhundert hat die dichte Atmosphäre, die Boyle zeichnet, wenig gemein mit den verklärenden Kostümfilmen, die diese Zeit oft idealisieren. Die beiden Schauplätze – Westafrika und London – sind gleichermaßen geprägt von Krankheit, Rohheit und den Abgründen der menschlichen Natur. Diese düstere Darstellung der Epoche konterkariert Boyle immer wieder mit einem fast komikhaften Humor, der den Abenteuerroman überraschend kurzweilig und unterhaltsam macht. Das liegt auch an der Erzählweise: Wir folgen nicht nur Mungo Park auf seiner Erkundung, sondern begegnen mit Ned Rise einem zweiten Protagonisten, der Parks ehrbare Naivität mit der Durchtriebenheit eines Londoner Lebenskünstlers und Kleinkriminellen kontrastiert. Während beide Handlungsstränge anfangs parallel verlaufen, entfaltet das Zusammentreffen der beiden im letzten Drittel eine spannende Dynamik, da sie sich gegenseitig immer wieder durch die Perspektive des jeweils anderen spiegeln. Beide Erzählstränge sind geprägt von einzelnen Etappen und Episoden, die teils für sich stehen, teils später wieder aufgegriffen werden und so einige befriedigende narrative Klammern schaffen. Wassermusik entführt für knapp 600 Seiten auf eine wechselhafte Erkundungstour durch Zentralafrika, die über den gesamten Verlauf hinweg außergewöhnlich gut unterhält.
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Zocker und Voyeure, Hexen und Sadisten, Huren, fremdartige Schönheiten und schottische Kleinbürger: T.C. Boyle erzählt die überbordende Geschichte von Mungo Parks, der sich um das Jahr 1800 auf die Suche nach dem Niger machte, und vom Schicksal eines Londoner Trickbetrügers namens Ned Rise. Leonhard Koppelmann schuf ein Hörspiel, das raffiniert die Erzählstränge in Afrika, London und Schottland miteinander verschränkt - voller ironischer Kommentare und schwarzem Humor.
(4 CDs, Laufzeit: 5h 10)
Book Information
Author Description
Tom Coraghessan Boyle, geboren 1948 in Peekskill, N.Y., ist der Autor von zahlreichen Romanen und Erzählungen, die in viele Sprachen übersetzt wurden. Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit lehrte Boyle bis 2012 Creative Writing an der University of Southern California in Los Angeles. Von ihm erschienen zuletzt u.a. »Blue Skies« (Roman, 2023), »I Walk Between the Raindrops« (Stories, 2024) und »No Way Home« (Roman, 2025).
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Der 1982 erstmals erschienene Debüt-Roman des inzwischen berühmten und von mir sehr geschätzten T.C. Boyle erzählt die auf wahren Begebenheiten basierende Geschichte des Arztes und Afrikaforschers Mungo Park, der sich Ende des 18. Jahrhunderts nach Westafrika aufmacht, mit dem Auftrag, den Verlauf des Nigers zu entdecken und vielleicht schon Handelsbeziehungen mit den dort lebenden Menschen aufzubauen. Das von sich aus schon beinahe unmögliche Unterfangen wird noch erschwert, da kaum jemand der afrikanischen Stämme jemals zuvor einen weissen Menschen gesehen haben und diesem eher mit Misstrauen oder Angst begegnen, sich aber auf vielfältige Arten gegen ihn zu wehren wissen. Boyle hält sich an die historische Vorlage, behält Namen bei, webt aber auch einige fiktive Personen mit ein, die der Geschichte so noch mehr Lebendigkeit einhauchen. Der insgesamt sehr erschütternde Verlauf der Geschichte wird immer wieder durch viel drastischem Humor aufgelockert, ohne das der Eindruck der Lächerlichkeit entsteht. Es ist sehr beeindruckend zu erleben, wie geschickt der Autor gerade auch in diesem Werk mit Sprache umgehen kann, er scheint mit Worten jonglieren zu können, spielt mit Vergleichen, die derart ausgefeilt wirken und dennoch immer wieder überraschen. Dabei nimmt Boyle keinesfalls ein Blatt vor den Mund, er nennt immer wieder schonungslos die Dinge beim Namen, so sehr, dass ich mich manchmal schon auch etwas über-stimuliert fühlte. Er findet wunderschöne Worte, um uns gleich darauf das abgrundtief Hässlichste, Drastischste oder Vulgärste um die Ohren zu schlagen. Lebendiger und greifbarer geht es nicht. Wir sind dabei, leiden mit Mungo und seinen Kumpanen in Afrika und Schottland. Aber auch die anderen Protagonisten bekommen eine würdige Bühne, die sie alle auch sehr gut ausfüllen. Hier handelt es sich um ein Meisterwerk, was zu Recht über all die Jahre gewürdigt wurde und wird. Ein Klassiker, der jede Minute des Lesens wert ist. Aber es kann auch schnell überwältigen und jetzt brauche ich als nächstes vielleicht etwas weniger intensives
„Expedition ins Chaos – wild, schmutzig und urkomisch“
Wassermusik von T.C. Boyle ist wie ein wilder Fiebertraum über Entdeckerlust und totalen Irrsinn. Auf der einen Seite der reale Afrika-Forscher Mungo Park, auf der anderen der Trickbetrüger Ned Rise – beide stolpern am Ende des 18. Jahrhunderts durch ein dreckiges London und ein gnadenloses Westafrika. Boyle nimmt das historische Abenteuerroman-Genre, dreht die Lautstärke voll auf und mischt Slapstick, Grausamkeit und Sprachwitz, bis einem schwindelig wird. Das ist nichts für alle, die es ordentlich und nüchtern mögen aber wenn man sich auf den Übermut, die derben Bilder und den rabenschwarzen Humor einlässt, bekommt man eine der verrücktesten und lebendigsten Abenteuergeschichten überhaupt.
Dieser Debütroman von TC Boyle aus dem Jahr 1981 war mein vierter Roman des Autors. Da ich ihn bislang nur als kritischen, spöttischen Beobachter des zeitgenössischen Amerikas kannte, war ich überrascht, dass er mit einem historischen Roman seine Karriere begann. Aber zum Glück ist das hier mehr Vermessung der Welt als Wanderhure oder Medicus. Die Geschichte des schottischen Afrika-Forschers Mungo Park, der mit zwei Expedition um 1800 den Flusslauf des Nigers „entdecken“ wollte, ist schon alleine eine Erzählung wert. Die geschichtlichen Fakten reichert Boyle mit einer Vielzahl von fiktiven Nebenfiguren an, die einen wunderbaren Eindruck über die Härten des Lebens vor über 200 Jahren geben. Im Gegensatz zu den glattgewaschenen Straßen von Kingsbridge, geht es bei Boyle in den Straßen Londons, Edinburghs und vor allem in der westafrikanischen Sahelzone derb und dreckig zu. Würde ein Roman heute noch in dieser Sprache geschrieben werden? Die Afrikaner sind wilde Barbaren und das ominöse N-Wert lautet hier nicht Neger sondern Nigger. Der ganz Hochmut der Kolonialmacht bringt der Autor durch seine Spitzen zum Ausdruck, wenn er beispielsweise Mungo Park an vielen Stellen als „der Entdecker“ bezeichnet. Genauso sieht sich der junge Schotte, der von Afrika nicht viel Ahnung hat vor seiner ersten Reise. "Zwar war der Entdeckungsreisende von freundlichem und entgegenkommendem Naturell, doch wiesen seine Kenntnisse des Arabischen gewisse Lücken auf". Aber dieses unerschöpfliche Selbstverständnis, dass er sich als ein Entdecker sieht, während die einheimischen Bevölkerung sich fragt, was dieses lachhafte Bleichgesicht bei ihnen sucht, ist einfach herrlich karikiert. Es geht nur um den billigen Ruhm, Erster zu sein, im eigenen Land zu glänzen, auch wenn dies zu Lasten seiner jungen Familie geht. Wenn historische Romane immer so geschrieben wären, würde ich vielleicht sogar Anhänger dieses Genre werden. Ein wunderbarer Abenteuerroman und meiner Ansicht nach zurecht das bestbewerteste Buch von TC Boyle hier auf Goodreads. Sehr lesenswert.
Dieser Debütroman von TC Boyle aus dem Jahr 1981 war mein vierter Roman des Autors. Da ich ihn bislang nur als kritischen, spöttischen Beobachter des zeitgenössischen Amerikas kannte, war ich überrascht, dass er mit einem historischen Roman seine Karriere begann. Aber zum Glück ist das hier mehr Vermessung der Welt als Wanderhure oder Medicus. Die Geschichte des schottischen Afrika-Forschers Mungo Park, der mit zwei Expedition um 1800 den Flusslauf des Nigers „entdecken“ wollte, ist schon alleine eine Erzählung wert. Die geschichtlichen Fakten reichert Boyle mit einer Vielzahl von fiktiven Nebenfiguren an, die einen wunderbaren Eindruck über die Härten des Lebens vor über 200 Jahren geben. Im Gegensatz zu den glattgewaschenen Straßen von Kingsbridge, geht es bei Boyle in den Straßen Londons, Edinburghs und vor allem in der westafrikanischen Sahelzone derb und dreckig zu. Würde ein Roman heute noch in dieser Sprache geschrieben werden? Die Afrikaner sind wilde Barbaren und das ominöse N-Wert lautet hier nicht Neger sondern Nigger. Der ganz Hochmut der Kolonialmacht bringt der Autor durch seine Spitzen zum Ausdruck, wenn er beispielsweise Mungo Park an vielen Stellen als „der Entdecker“ bezeichnet. Genauso sieht sich der junge Schotte, der von Afrika nicht viel Ahnung hat vor seiner ersten Reise. "Zwar war der Entdeckungsreisende von freundlichem und entgegenkommendem Naturell, doch wiesen seine Kenntnisse des Arabischen gewisse Lücken auf". Aber dieses unerschöpfliche Selbstverständnis, dass er sich als ein Entdecker sieht, während die einheimischen Bevölkerung sich fragt, was dieses lachhafte Bleichgesicht bei ihnen sucht, ist einfach herrlich karikiert. Es geht nur um den billigen Ruhm, Erster zu sein, im eigenen Land zu glänzen, auch wenn dies zu Lasten seiner jungen Familie geht. Wenn historische Romane immer so geschrieben wären, würde ich vielleicht sogar Anhänger dieses Genre werden. Ein wunderbarer Abenteuerroman und meiner Ansicht nach zurecht das bestbewerteste Buch von TC Boyle hier auf Goodreads. Sehr lesenswert.
Absurd, Wendungsreich, spannend.
Mehrere Geschichten, die irgendwann sich verweben und als Leser wartet man ab, wann es soweit ist. Absurditäten, Wendungen und immer wieder Anspannung. Das Buch ist eine Reise durch die Welt und ein klasse Buch. Man verfolgt die Protagonisten und staunt immer wieder oder der Atem stockt! Lohnt sich!
Herrlich grotesk und zeitweise brutal beschreibt T.C. Boyle in seinem Debüt die zwei Expeditionen Mungo Parks, der den Verlauf des Niger erforschen will. Angesiedelt im späten 18. Jahrhundert hat die dichte Atmosphäre, die Boyle zeichnet, wenig gemein mit den verklärenden Kostümfilmen, die diese Zeit oft idealisieren. Die beiden Schauplätze – Westafrika und London – sind gleichermaßen geprägt von Krankheit, Rohheit und den Abgründen der menschlichen Natur. Diese düstere Darstellung der Epoche konterkariert Boyle immer wieder mit einem fast komikhaften Humor, der den Abenteuerroman überraschend kurzweilig und unterhaltsam macht. Das liegt auch an der Erzählweise: Wir folgen nicht nur Mungo Park auf seiner Erkundung, sondern begegnen mit Ned Rise einem zweiten Protagonisten, der Parks ehrbare Naivität mit der Durchtriebenheit eines Londoner Lebenskünstlers und Kleinkriminellen kontrastiert. Während beide Handlungsstränge anfangs parallel verlaufen, entfaltet das Zusammentreffen der beiden im letzten Drittel eine spannende Dynamik, da sie sich gegenseitig immer wieder durch die Perspektive des jeweils anderen spiegeln. Beide Erzählstränge sind geprägt von einzelnen Etappen und Episoden, die teils für sich stehen, teils später wieder aufgegriffen werden und so einige befriedigende narrative Klammern schaffen. Wassermusik entführt für knapp 600 Seiten auf eine wechselhafte Erkundungstour durch Zentralafrika, die über den gesamten Verlauf hinweg außergewöhnlich gut unterhält.













