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Mal wieder ein Schlink. Immer wieder beeindruckend, wie dieser Autor in nüchterner, distanzierter Sprache, oft mit trockenem Humor, teilweise hochbewegende Schicksale geradezu seziert. Sicher nicht jedermanns Sache - aber meine, jedenfalls in der genialen, von Burghart Klaußner eingelesenen Hörbuchfassung! Das Schicksal, das Schlink in diesem Buch darstellt, ist das der titelgebenden Olga, einer klugen wie charakterstarken Frau mit einem gefestigten Wertesystem, die im Sommer 1971 im Alter von 88 Jahren bei einem Sprengstoffanschlag auf ein Bismarck-Denkmal verstarb. Olga kämpfte sich nicht nur durch ganz schwere Zeiten, sie (ver)zweifelte auch zeitlebens an Männern, die sich durch den Kampf für falsche oder fragliche Ideale selbst beweisen wollten. Genannt seien hier nur ihre "Wald-und-Wiesen-Liebe", der so grundverschiedenene Herbert (anglehnt an den realen Polarforscher Herbert Schröder-Stranz), ein menschenscheuer Eigenbrötler, der vor den Menschen ungeachtet der Liebe zu Olga durch Reisen und Expeditionen in die Einsamkeit flüchtete, bis er 1912 nicht mehr von einer schlecht vorbereiteten "Nordostland"-Expedition zurückkehrte. Olga nannte Herbert in ihren Briefen übrigens selbst einen "Ritter der traurigen Gestalt". Und da ist ihr Sohn Eik (von dem der Erzeuger Herbert übrigens nichts wusste, weil er immer unterwegs war), der den Nazis hinterher rannte und von dem sie sich deshalb lossagte. Das sind nur zwei der Männer, die Olga mit ihrem Männlichkeitswahn zur Verzweiflung trieben. Heute kennt man sie als "alte weiße Männer". Schlink rekonstruiert Olgas Leben bis hin zum überraschenden Finale in drei Teilen: teils als Erzähler, teils aus Erinnerungen von Olgas Vertrautem Ferdinand, teils aus Briefen, die Olga in ihrer Verzweiflung über vier Jahre Richtung Norden geschickt hat, ohne jemals eine Antwort zu erhalten. Und immer baut er elegant Bezüge zur Zeitgeschichte ein. Ich habe nun schon einige Bücher von Bernhard Schlink gelesen, gehört und genossen. Das ist für mich - mit dem "Vorleser" zusammen - sein bestes!
Oct 11, 2025
Mal wieder ein Schlink. Immer wieder beeindruckend, wie dieser Autor in nüchterner, distanzierter Sprache, oft mit trockenem Humor, teilweise hochbewegende Schicksale geradezu seziert. Sicher nicht jedermanns Sache - aber meine, jedenfalls in der genialen, von Burghart Klaußner eingelesenen Hörbuchfassung! Das Schicksal, das Schlink in diesem Buch darstellt, ist das der titelgebenden Olga, einer klugen wie charakterstarken Frau mit einem gefestigten Wertesystem, die im Sommer 1971 im Alter von 88 Jahren bei einem Sprengstoffanschlag auf ein Bismarck-Denkmal verstarb. Olga kämpfte sich nicht nur durch ganz schwere Zeiten, sie (ver)zweifelte auch zeitlebens an Männern, die sich durch den Kampf für falsche oder fragliche Ideale selbst beweisen wollten. Genannt seien hier nur ihre "Wald-und-Wiesen-Liebe", der so grundverschiedenene Herbert (anglehnt an den realen Polarforscher Herbert Schröder-Stranz), ein menschenscheuer Eigenbrötler, der vor den Menschen ungeachtet der Liebe zu Olga durch Reisen und Expeditionen in die Einsamkeit flüchtete, bis er 1912 nicht mehr von einer schlecht vorbereiteten "Nordostland"-Expedition zurückkehrte. Olga nannte Herbert in ihren Briefen übrigens selbst einen "Ritter der traurigen Gestalt". Und da ist ihr Sohn Eik (von dem der Erzeuger Herbert übrigens nichts wusste, weil er immer unterwegs war), der den Nazis hinterher rannte und von dem sie sich deshalb lossagte. Das sind nur zwei der Männer, die Olga mit ihrem Männlichkeitswahn zur Verzweiflung trieben. Heute kennt man sie als "alte weiße Männer". Schlink rekonstruiert Olgas Leben bis hin zum überraschenden Finale in drei Teilen: teils als Erzähler, teils aus Erinnerungen von Olgas Vertrautem Ferdinand, teils aus Briefen, die Olga in ihrer Verzweiflung über vier Jahre Richtung Norden geschickt hat, ohne jemals eine Antwort zu erhalten. Und immer baut er elegant Bezüge zur Zeitgeschichte ein. Ich habe nun schon einige Bücher von Bernhard Schlink gelesen, gehört und genossen. Das ist für mich - mit dem "Vorleser" zusammen - sein bestes!
Oct 11, 2025






