Halbe Leben

Halbe Leben

Hardback
4.2141

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Description

Ein sensibler, literarischer Roman über die Zerrissenheit der Frauen zwischen Beruf und Familie – Susanne Gregor »beleuchtet psychologisch scharfsichtig Fremdheit und Entfremdung«. (Katja Gasser, ORF) Klara ist tot, beim Wandern abgestürzt. Bei ihr war nur Paulína, eine Slowakin, die Klara nach dem Schlaganfall ihrer Mutter eingestellt hat. Endlich war die Mutter versorgt gewesen. Klara konnte sich wieder ihrer Karriere widmen, ihr Mann seine Freiheit genießen. Paulínas eigene Kinder wurden in der Zwischenzeit in der Slowakei von der Schwiegermutter betreut. Alles wunderbar organisiert, alles ganz einfach. Alle mochten Paulína, dankten ihr mit großzügigen Geschenken für Dienste und Extradienste. War man nicht eigentlich sogar schon befreundet? In einer klaren, unprätentiösen Sprache widmet sich Susanne Gregor den großen Themen, die uns alle betreffen, und erzählt von der Ungleichheit – zwischen zwei Frauen, zwischen zwei Leben.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Hardback
Pages
192
Price
23.70 €

Author Description

Susanne Gregor, geboren 1981 in Žilina (Tschechoslowakei), zog 1990 mit ihrer Familie nach Österreich und lebt heute in Wien. Für ihre literarischen Arbeiten wurde sie bereits mehrfach ausgezeichnet. Zuletzt erschienen die Romane »Das letzte rote Jahr« (2019), »Wir werden fliegen« (2023) und bei Zsolnay »Halbe Leben« (2025).

Characteristics

1 reviews

Mood

Sad
Funny
Scary
Erotic
Exciting
Romantic
Disturbing
Thoughtful
Informative
Heartwarming
40%
N/A
22%
N/A
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74%
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32%
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Protagonist(s)

Likable
Credible
Developing
Multifaceted
84%
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90%
90%

Pace

Fast100%
Slow0%
Moderate0%
Variable0%

Writing Style

Simple0%
Complex100%
Moderate0%
Bildhaft (100%)Außergewöhnlich (100%)

Posts

39
All
4

"Halbe Leben" ist ein eher ruhiger Roman über Schuld, Zerrissenheit und Grenzen - sowohl aufgabentechnischer als auch emotionaler Natur - zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer; wobei aber Verständnis für beide Seiten vermittelt wird. Mit viel Feingefühl beschreibt Susanne Gregor vom ungleichen Machtverhältnis zwischen der osteuropäischen Pflegekraft Paulina und dem österreichischen Ehepaar Steiner, insbesondere Klara. Durch die wechselnden Erzählperspektiven kann man sich gut in die jeweiligen Protagonisten hineinversetzen.

4

Die slowakische Krankenschwester Paulina fängt beim österreichischen Ehepaar Klara und Jakob als Pflegerin von Klaras Mutter Irene an, die einen Schlaganfall hatte. Paulina hat zwei kleine Söhne, die bei ihrer Schwiegermutter leben während Paulina im 2-Wochen-Rhythmus in Österreich arbeitet. Sie macht ihre Sache so gut, dass Klara und Jakob sie immer stärker einspannen. Die ganze Konstellation führt zu immer mehr Konflikten. Für mich ein Buch über Familie, vor allem Mutter-Kind-Beziehungen, Generationen-Konflikte, Alt werden und Krankheit und Erinnerungen. Und über Eigenverantwortung und Konsequenzen des eigenen Handelns. Dinge, mit denen sich der Mensch nicht so gerne beschäftigt, und deshalb manchmal ein unbequemes Buch. Dafür aber großartig erzählt und mit authentischen, nachvollziehbaren Figuren, die alle nicht durchweg gut wegkommen.

5

"In kleinen Dosen serviert, das weiß sie, wirkt Zurückweisung am Stärksten."

Wer ein Buch über das Leben an den Folgen eines Schlaganfalls erkrankter, bzw. derren Pflege sucht ist hier nicht ganz richtig. Herkunft und Stand, wie man unter welchen Umständen seinen Lebensunterhalt verdient, wie man sich eigentlich sein Leben vorgestellt hat. Unter welchen Umständen man aufwächst. Wie schnell Dankbarkeit hinter den eigenen Bedürfnissen steht, wenn man nur auf sich selbst blickt. Mich hat die Sprache besonders getroffen, das auseinander setzen mit dem Thema. Der klare Blick auf Klara und Paulina. Dann machte auch der Titel für mich Sinn, denn alle führen nur das halbe Leben das sie wollen, keiner das Leben das er sich vorgestellt hat, oder wovon man evtl. geträumt hat. Wie oft sind wir eigentlich übergriffig und merken es nicht einmal, oder ist es uns einfach nur egal? Was mir extrem aufgefallen ist, das die Frauen in diesem Roman viel mehr "ein Gesicht" haben als die männlichen Protagonisten. Selbst Jacob war für mich nicht zu fassen. Ganz klare Leseempfehlung

5

"In kleinen Dosen serviert, wirkt Zurückweisung am stärksten" (Seite 171) Das schmale, nur 189 Seiten umfassende Werk ist von einem interessanten Cover umgeben. Sind dort zwei Freundinnen bei einer Rast gezeichnet worden? Vordergründig geht es in der Handlung tatsächlich um zwei Frauen. Klara, 38 Jahre, engagierte Innenarchitektin, Mutter einer 11jährigen Tochter, im 4. Monat schwanger und Paulina, Krankenschwester aus der Slowakei, ebenfalls 38, Mutter von zwei Söhnen (10 und 16 Jahre). Paulina ist zu Klara und deren Familie gezogen, nachdem Klaras Mutter Irene nach zwei Schlaganfällen hilfsbedürftig wurde. Sie betreut die vergessliche, launische Irene im zweiwöchigen Wechsel mit dem Pfleger Radek. Paulina muss in den Wochen, wenn sie in Österreich arbeitet, ihre Söhne zur Schwiegermutter bringen. "Halbe Leben" beginnt mit dem Tod von Klara. Sie stirbt nach einem Absturz beim Spaziergang im Krankenwagen. Was ist passiert? War es ein Unfall? In drei Abschnitten erzählt die Autorin von den vorausgegangenen Monaten und gibt dabei einen großen Blick in die Gefühls- und Gedankenwelt der Hauptpersonen. Susanne Gregor beschreibt faszinierend authentisch und lebensnah, beleuchtet die ungleichen Lebensverhältnisse von Klara und Paulina. Besonders beeindruckt hat mich dabei die immer größer werdende innere Zerrissenheit der Slowakin, die eigentlich viel mehr Zeit mit ihren Söhnen verbringen möchte, sich aber von Klara und deren Familie immer mehr vereinnahmen lässt. Das Buch beschreibt Macht und Ausbeutung sowie den Versuch, Familie, Beruf und Pflegesituation geregelt zu bekommen. Es schildert den Alltag vieler Pflegekräfte, die in einem anderen Haushalt einen 24 Stunden Dienst leisten. Mich hat "Halbe Leben" berührt und wird mich gedanklich noch länger beschäftigen, obwohl oder gerade weil es leise und gefühlvoll verfasst ist.

5

Zwei Welten In dem Roman „ Halbe Leben“ stellt die Autorin Susanne Gregor die Leben zweier Frauen gegenüber, die Eine, eine wohl-situierte Österreicherin , die Andere eine 24Std Pflegekraft aus Slowakien. Als Pflegerin zieht Paulina bei Klara ein, und pendelt fortan für jeweils vierzehn Tage zwischen Österreich und ihrer Heimat. Beide Frauen haben ein ähnliches Alter, beide sind sie Mütter. Wenn Klara manchmal denkt, sie könnten auch Freundinnen sein, ist diese Vorstellung für Paulina absurd . Sie spürt nur zu deutlich das Machtgefälle zwischen ihnen. Mit der Zeit kippt die Stimmung im Haus. Die zu Beginn ihrer Anstellung schüchterne Paulina hat genug und fühlt sich immer mehr innerlich zerrissen, lässt sie doch die eigenen Kinder bei der Schwiegermutter, um das dringend benötigte Geld mit der Pflege einer fremden Frau zu verdienen. Gleich auf den ersten Seiten des Romans kommt Klara bei einer Wanderung ums Leben. Da sie von der Pflegerin ihrer Mutter begleitet wurde und es keine Unfallzeugen gibt, fragt man sich natürlich, ob Paulina bei dem Sturz nachgeholfen haben könnte. Es geht also direkt spannend los und die Autorin schreibt so kurzweilig, beschreibt Dinge auf den Punkt, dass man ihr gerne folgt. Der Roman ist besonders auf der psychologischen Ebene fein konstruiert. Die Personen fühlen sich sehr authentisch an. Ich konnte die Positionen beider Frau sehr gut nachvollziehen. Man verstand auch Klara, die ihre Mutter nach ihrem Schlaganfall gut versorgt wissen wollte, der aber auch ihre Karriere wichtig war und die dank der Pflegekraft auf nichts verzichten musste. Im Gegensatz zu Klara verzichtete Paulina auf ein halbes Leben. Das ist ganz schön hart und macht nachdenklich. Ein starkes Buch, dass ich wirklich empfehlen kann!

5

✨ Leseempfehlung ✨ Psychologisch scharfsichtig beleuchtet wird hier Care-Arbeit.

✨ Leseempfehlung ✨ Stimmen zum Buch: Worum geht’s? Zwei Frauen, zwei Leben, Zerrissenheit zwischen Job und Familie, Fremdheit und Entfremdung, Care-Arbeit Mein Leseeindruck: Zum Weltfrauentag möchte ich gerne dieses Buch empfehlen. Man erhält hier eine geballte Ladung auf 192 Seiten, es packte mich von der ersten Seite an. Das Eingangssetting und der Klappentext erinnert förmlich an einen Krimi „Es ist ein stiller Tod.“ „Klara ist tot, beim Wandern abgestürzt. Bei ihr war nur Paulína, eine Slowakin, die Klara nach dem Schlaganfall ihrer Mutter eingestellt hat“. Diese spannende Dynamik bleibt, das mochte ich sehr, konnte das sensibel, psychologisch klug konstruierte, intensive Buch nicht mehr aus der Hand legen, nur zum Innenhalten und Verinnerlichen. Das war für mich ehrlicherweise das erste Buch, in das ich ganz viele Zettelchen gepinnt habe. Susanne Gregor hat einen angenehmen Schreibstil, hat die Charaktere sehr gut ausgearbeitet, man fühlt mit beiden Frauen mit, kann ihre Handlungen und Gedanken nachvollziehen, das Setting ebenso. Dieser Roman gehört ehrlicherweise zu denen, wo es mir unheimlich schwer fällt/fiel, einen Leseeindruck zu verfassen. Deshalb bleibt von mir einfach nur zu sagen, dass ich ihm eine ganz große Leserschaft wünsche. Cover und Titel passen perfekt. Fazit: Zwei Halbe Leben ergeben noch lange kein ganzes. Ich wünsche diesem Buch eine große Leserschaft, denn es ist meines Erachtens ein starkes Buch zum Thema Pflege bzw. Care-Arbeit.

✨ Leseempfehlung ✨

Psychologisch scharfsichtig beleuchtet wird hier Care-Arbeit.
4

Unterschiede

Die Geschichte beginnt damit, dass Klara in den Tod stürzt. Als einzige bei ihr war Paulína, die Pflegekraft, die von der Familie eingestellt wurde, um sich um Klaras Mutter zu kümmern, die einen Schlaganfall hatte. Danach erfahren wir im Rückblick, was vor diesem Ereignis passiert ist und wie das Verhältnis zwischen beiden Frauen war. Der Schreibstil ist klar und nüchtern, die Ereignisse werden relativ wertfrei dargelegt. Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven, hauptsächlich aus Klaras und Paulínas. Aber zwischendurch wird die Geschichte auch mal aus der Sicht von den anderen Figuren, wie Klaras Mann oder Paulínas Sohn, gezeigt. Dadurch bekommen die Lesenden Einblicke in die Gefühlswelten der verschiedenen Personen. Vorrangig geht es aber um die beiden Frauen, die karriereorientierte Mutter Klara und die aus der Slowakei kommende Pflegekraft Paulína, um deren Söhne sich ihre Schwiegermutter kümmert, während sie für Klaras Familie arbeitet. Die Unterschiede zwischen den Lebenswelten der beiden Frauen werden leise aufgezeigt und auch das Machtgefälle zwischen ihnen wird gut offengelegt. Trotz der Kürze des Buches wurde die Geschichte tiefgründig beschrieben und hat mich zum Nachdenken gebracht. Und obwohl kein großer Spannungsbogen herrscht, wird die Geschichte nicht langweilig.

3.5

Zwei Frauen, zwei Welten und am Ende eine ( unvermeidliche ?) Katastrophe

Der Roman beginnt mit dem tödlichen Absturz einer der zwei Protagonistinnen während einer Wanderung in den Bergen ... ....um zurück zu den Anfängen zu gehen, dem WARUM auf die Spur zu kommen....denn dass es sich hier nicht um einen Unfall handelt, wird schnell offensichtlich. Die Leben der beiden so unterschiedlichen Frauen - Klara, erfolgreiche Architektin, lebt mit Tochter und Mann gut situiert im Einfamilienhaus in Österreich und Paulina, slowakische Pflegefachkraft, geschieden, lebt mit 2 Söhnen in einfachen Verhältnissen, wird durch die Pflege der zunehmend dementen Mutter Klaras verwoben. Paulina entpuppt sich für die Familie als wahrer Glückgriff, erfüllt sie doch zuverlässig und widerspruchslos alle Anforderungen, zunächst als Betreuerin für die alte Mutter, dann als Haushälterin, Köchin, Kindbespaßerin, Hundesitterin etc. Sie wird zunehmend vereinnahmt, ohne dass man ihre Zerrissenheit und Überforderung wahrnimmt, ihr Heimweh und das schlechte Gewissen den Söhnen gegenüber, die während ihrer Abwesenheit von der Schwiegermutter betreut werden. Schleichend bemerkt man Veränderungen, ahnt, dass sich die Pflegekraft ausgenutzt und missachtet fühlt, dass eine Eskalation droht... Der Roman ist leise und sensibel, profitiert vom Perspektivenwechsel der erzählenden Personen. Dennoch konnte mich die Geschichte nicht vollends begeistern. Verglichen mit dem Roman " Meine Name ist Estela" von Alia Trabucco Zerán, der eine ähnliche Thematik behandelt und der mich vollends ! begeistert hat, bleibt dieses Buch für mich etwas blass.

4

Wie funktioniert das System, wenn einerseits eine gut situierte Familie Hilfe bei der Pflege der Mutter braucht und andererseits jemand seine eigene Familie zurücklassen muss, um den Lebensunterhalt zu verdienen? Klara ist tot, verunglückt bei einer Wanderung. Soviel wissen wir direkt zum Einstieg. Klara lebte ein rundes Leben, möchte man meinen. Gemeinsam mit ihrem Mann Jakob hat sie eine Tochter, bewohnt ein chices Haus in malerischer Umgebung und hat einen Job, der ihr Aufstiegschancen verspricht. Doch nach dem Schlaganfall ihrer Mutter braucht sie Hilfe bei deren Pflege, weshalb sie über eine Agentur Unterstützung organisiert. Paulína aus der Slowakei ist genau diese Unterützung, wird von allen gemocht und schnell zur guten Seele des Hauses, kümmert sich um Klaras Mutter und übernimmt schon bald immer mehr Aufgaben, die eigentlich nicht dazugehören. Klara und sie sind etwa im gleichen Alter, entwickelt sich vielleicht sogar eine Art Freundschaft? Nein, irgendwann kommt eine Art Kipppunkt. Immer deutlicher werden die unterschiedlichen Lebenswelten der beiden Frauen, in der die eine meint, alles mit Geld kompensieren zu können und die andere ihren Unmut über das Leben bei der fremden Familie und das verpasste Leben bei der eigenen Familie herunterschluckt, weil sie den Job und das Geld braucht. Susanne Gregor zeichnet hier durch Blicke in die Gedankenwelten und treffsichere Dialoge unglaublich klare Charaktere und lässt die unterschiedlichen Wirklichkeiten für mich als Leserin unglaublich greifbar und nachfühlbar werden. Leise und doch so auf den Punkt. Ein Roman über soziale Unterschiede, die Pflege, und das Frausein in zwei verschiedenen Welten. Habe ich sehr gern gelesen.

5

"Entlang der Straßen sprießen staubig grüne Büsche bis zur Fahrbahn heran, gefolgt von Flecken trockener Erde, einem Feld voller Sonnenblumen mit abgewandten Köpfen, dann wieder einen flachen See mit Schilf, gefühlt um die Ecke ein dichter Mischwald, auf der Spitze eines Felsens eine Burgruine." Oh, wow, das ging tief, das hat mich voll erreicht! Susanne Gregor skizziert hier auf wenigen 189 Seiten die Geschichte der slowakischen Pflegekraft Paulina, die im Zweiwochenwechsel nach Österreich fährt, um ihrer Arbeitgeberin Klara und deren Familie, besonders deren pflegebedürftiger Mutter im Alltag zu helfen. Alle mögen Paulina! Stets freundlich, verständnisvoll, fleißig, ordentlich und hilfsbereit, kann man sich auf Paulina verlassen. Dass dieser dafür die eigenen beiden Söhne zu Hause in der Slowakei langsam aus den Händen gleiten, weil sie sie von ihrer Schwiegermutter betreuen lassen muss, ist für Paulinas "Arbeitgeber-Familie" in Österreich nebensächlich. Susanne Gregor schreibt so dicht, so berührend und mit einer latenten zynischen Bedrohlichkeit-ich konnte den Roman nicht aus der Hand legen!

4.5

Subtiler und tiefgründiger Roman über die Ausbeutung von Pflegekräften aus dem Ausland. Ruhiger und dennoch mitreißender Erzählstil 👌

4

„Sie wollen einfach, dass ich ein bisschen auf die alte Dame aufpasse, etwas für sie koche, sie in den Supermarkt begleite und darauf achte, dass sie nicht ausbüxt.“ Dafür lebt Paulína entfernt von ihren Kindern bei einer anderen Familie. Die zwischenmenschlichen Beziehungen werden hier eindringlich beleuchtet.

5

Überraschend intensive Geschichte

Die Geschichte beginnt mit einem schrecklichen Unfall. Bei einer Wanderung stürzt und verstirbt die schwangere Klara, die nur von der Pflegerin ihrer Mutter Irene, Paulína, begleitet wurde. Auf knapp 200 Seiten lesen wir dann, wie es dazu kam. Wie Klara verzweifelt Hilfe für die Pflege der Mutter suchte, da sie selbst voll und ganz in ihrem Job als Architektin aufging und das Thema Carearbeit ihr einfach nie so richtig lag. Wie Paulína in die Familie kam und schon bald nicht nur Irene, sondern die ganze Familie umsorgte, einschließlich Hund Charlie, weil ihre Arbeitgeber ihr einfach immer mehr Bereiche anvertrauten und übergaben. Und wie dabei Paulínas eigene Familie in Slowenien immer kürzer kam und sie sich bald hin- und hergerissen fühlte, zwischen zwei gänzlich unterschiedlichen Welten. Dies ist ein Roman, der auf ganz leisen Sohlen von Hinten angeschlichen kommt und einen dann mit voller Wucht umhaut. Als Leserin habe ich mit jeder Seite mehr gespürt, wie unachtsam Klara und ihr Mann Jakob mit Paulína umgingen und wie wenig sie darauf geben konnten, dass Paulína auch Mutter ist, die ihr eigenes Leben führt, welches genauso wichtig ist, wie das der österreichischen Familie rund um Klara und Jakob. Durch Kleinigkeiten, wie die Tatsache dass Paulínas Kinder immer nur "Sohn" und nie beim Namen von Klara und Jakob benannt werden, wird immer mehr das Gefühl vermittelt, dass Paulínas Leben nur eine Nebenrolle spielt. Spätestens als ihr Sohn Rišo einen Unfall hat und Klara und Jakob Paulína nicht zu ihm gehen lassen, war ich nur noch wütend und gleichzeitig war mir übel, durch die Art und Weise, wie perfide Klara und Jakob ihr überhebliches Verhalten Paulína gegenüber an den Tag legen. Stets geben sie die netten und mitfühlenden Arbeitgeber*innen, die Paulína vermeintlich eine Wahl lassen und doch fühlt diese sich ständig gedrängt und sieht sich nicht in der Lage Widerworte zu geben oder einfach mal "Nein" zu sagen, da sie ja "so viel" als Ausgleich bekommt - mal ein Kuvert mit einem Extrahunderter, mal ein Wellnesswochenende auf Kosten des Ehepaars. Neben Paulína selbst bleiben dabei besonders ihre beiden Söhne auf der Strecke, die ihre Mutter immer weniger zu Gesicht bekommen. Auch aus deren Perspektive lesen wir ein paar Mal. Die vielen Blickwinkel auf die Geschichte haben mir besonders gefallen, da sie sich immer sehr authentisch angefühlt haben. Ich konnte mit vielen Figuren unglaublich gut mitfühlen. Eine Story, die mich echt nicht viel hat erwarten lassen und mich dann eiskalt erwischt hat. Vorsicht: dieses Buch macht wütend!

Überraschend intensive Geschichte
5

Komplexes und emotionales Meisterwerk

Entwurzelung in der Fremde Das Leben von Klara, der erfolgreichen Innenarchitektin, ist völlig auf den Kopf gestellt, als ihre Mutter Irene einen Schlaganfall erleidet und ihr Leben nicht mehr alleine bewerkstelligen kann. Sie wird, wie übrigens in Deutschland knapp 5 Millionen andere Menschen auch, pflegebedürftig. Es wird klar, dass Hilfe benötigt wird, die in Form von Paulina, einer slowakischen Pflegerin herbeieilt und der ganzen Familie wieder Halt und Normalität zurückbringt. Eindrücklich sehen wir, wie Paulina das Leben der ganzen Familie erleichtert, es besser macht, die Familie wieder funktionieren lässt- doch für welchen Preis? Der wird schnell ersichtlich, der Preis ist die Entwurzelung ihres eigenen Lebens, die Entfremdung der eigenen Söhne, die Sehnsucht nach einer besseren Zukunft, der Zwiespalt zwischen finanzieller Unabhängigkeit und ihrem Dasein, dem körperlichen Anwesendsein als Mutter. Denn Paulina lässt für die Arbeit ihre eigenen Kinder immer zwei Wochen bei der Schwiegermutter, die sie in dieser Zeit betreut. Wird Paulina in Klaras Welt immer mehr in die Familie integriert und ein fester Bestandteil von dieser, bröckelt doch langsam ihr Leben in der Heimat. Die Söhne ziehen sich zurück, ihre eigene Zugehörigkeit scheint ihr zu entgleiten und die Heimat fühlt sich nur noch nebulös nach einer Heimat an. Und obwohl ihre Arbeit von der Familie geschätzt wird, ist es doch immer ein Leben im Verborgenen, eine Arbeit in der vieles noch immer als selbstverständlich gesehen wird. Es ist ein halbes Leben. Ein so vielschichtiger und wichtiger Roman, dass er kaum in Worte zu fassen ist. Ein Roman, der die Belastung, die es als Familie bedeutet, sich um einen Familienangehörigen zu kümmern und für diesen alles zurückzustellen, Ausdruck verleiht, greifbare und feinsinnige Emotionen gibt. Er macht das Zusammenspiel der Generation sichtbar, wie sie sich gegenseitig beeinflussen, er zeigt Mütter die wieder selbst zu Kindern werden, Schuldgefühle und die Aufopferung, mit der ausländische Pflegekräfte ihre so wichtige Arbeit verrichten und dabei ihr eigenes Leben auf der Strecke bleibt. Und sichtbar macht, dass sich nicht jede Mutter perfekt in das vorgefertigte Rollenbild fügt und manchmal weit hinter veralteten Erwartungen der Gesellschaft, aber auch ihren eigenen, zurückbleibt. Beeindruckend, emotional und absolut lesenswert.

4.5

Aufrüttelnde Gesellschaftskritik

Susanne Gregor erzählt in ihrem Roman „Halbe Leben“ eine spannende und tiefgründige Geschichte. Auf wenigen Seiten behandelt sie ein wichtiges Thema: Ungleichheit und Abhängigkeit in der häuslichen Pflege. Gleich zu Beginn erfährt man vom plötzlichen Tod von Klara. Sie ist eine erfolgreiche Architektin, Mutter und Ehefrau. Doch als ihre eigene Mutter nach einem Schlaganfall Pflege braucht, holt sie Paulína aus der Slowakei als 24h Pflege in ihr Haus. Zunächst scheint alles gut zu funktionieren, doch wird das so bleiben? Gregor schreibt klar und eindringlich. Die Beziehungen zwischen den Figuren sind toll ausgearbeitet. Besonders die Frauenfiguren sind vielschichtig, inklusive der zu pflegenden Mutter. Der Roman wirft wichtige Fragen auf: Wer kümmert sich um unsere Angehörigen? Und welche Auswirkungen hat die Pflegearbeit auf die Pflegenden und deren Familien? Das Buch macht nachdenklich. Es zeigt, wie schwierig und ungerecht die Situation oft ist. Ein wichtiges Thema, über das viel zu wenig gesprochen wird und das mich noch lange beschäftigen wird. Absolut lesenswert! 4,5/5 Sterne

4

In "Halbe Leben" erzählt Susanne Gregor von einer Zweckwohngemeinschaft aus dem Blickwinkel von drei Frauen: aus dem Blickwinkel der beruflich erfolgreichen Architektin Klara, die mit ihrem Mann und ihrer Tochter Ada in einem Haus in Oberösterreich wohnt; aus dem ihrer Mutter Irene, die nach einem Schlaganfall bei ihnen einzieht und Unterstützung benötigt, und aus dem von Paulína, der 24-Stunden-Pflegerin aus der Slowakei, die im Zwei-Wochen-Rhythmus zwischen diesem Haushalt und ihrer Familie in der Slowakei pendelt. Susanne Gregor entwickelt durch den Perspektivenwechsel und eine klare Sprache eine wunderbare Geschichte, die viel offenbart. Schnell wird klar, Selbst- und Fremdbild unterscheiden sich deutlich. Was die eine als Geschenk versteht, nimmt die andere als Übergriff war ... Dennoch wirkt jede der Frauenfiguren für sich authentisch und agiert in ihren Eigenlogik nachvollziehbar. Das Buch holt mich als Leserin Schritt für Schritt sehr gut ab und macht die komplexen Ebenen dieser Zweckgemeinschaft deutlich. So stellt sich beispielsweise die Frage, für wen Paulína arbeitet: für Irene, der sie assistiert, oder für Klara, die sie bezahlt. Und wie lassen sich deren unterschiedliche Bedürfnisse unter einen Hut bringen? Es sind die kleinen Gefallen und Grenzüberschreitungen sowie die kleinen dosierten Zurückweisungen, die diesen Roman auszeichnen. Das Cover mit zwei Frauen beim Picknick lässt den Eindruck entstehen, es bestünde Harmonie. Mit seinen bunten Farben offenbart es aber nicht, was dahinter liegt. Auf knapp 200 Seiten erzählt Susanne Gregor einzelne Teile der Geschichte, die mit Irenes Schlaganfall und Paulínas Einzug beginnt. Gerne wäre ich noch tiefer in diese Geschichte eingetaucht. Aufgrund der klaren und schönen Sprache, der interessanten Frauenfiguren und der Wichtigkeit des Themas eine klare Leseempfehlung!

Mit „Halbe Leben“ gelingt Susanne Gregor ein intensiver und gleichzeitig leiser Roman, der die sozialen und emotionalen Spannungsfelder zwischen einer österreichischen Familie und der slowakischen Pflegekraft Paulína auslotet. In klarer, schnörkelloser Sprache erzählt Gregor nicht nur von den Lebensrealitäten zweier Frauen, sondern auch von den subtilen Machtstrukturen und Ungleichheiten, die ihre Beziehung prägen. Die Handlung setzt unmittelbar nach dem tödlichen Absturz von Klara ein. Paulína war die einzige Zeugin, und man wird unmittelbar in ein Netz aus Neugier, Zweifel und Fragen hineingezogen: Was ist passiert? Wie war das Verhältnis zwischen Paulína und Klara? In Rückblicken wird dieses ungleiche Verhältnis aufgearbeitet, das zwischen professioneller Distanz und persönlicher Nähe oszilliert. Gregor gelingt es, dabei stets die Spannung zu halten und die Geschichte in einem ruhigen, aber fesselnden Ton zu erzählen. Paulína ist eine Figur, die beeindruckt und berührt. Sie hat ihre eigenen Kinder in der Slowakei zurückgelassen, um als Pflegekraft in Österreich zu arbeiten – ein Schicksal, das viele osteuropäische Frauen teilen. Gregor zeichnet sie als einfühlsam, fleißig und bemüht, sich anzupassen, während sie gleichzeitig mit den emotionalen und praktischen Herausforderungen ihres Lebens kämpft. Klara hingegen ist eine Karrierefrau, die in ihrer privilegierten Welt oft gedankenlos agiert, ohne bewusst ausbeuterisch zu sein. Diese Diskrepanz zwischen den Lebensrealitäten der beiden Frauen wird von der Autorin fein herausgearbeitet, ohne zu moralisieren. Der Roman ist mehr als nur eine Geschichte über zwei Frauen. Es ist eine kritische Auseinandersetzung mit sozialen Ungleichheiten und den unausgesprochenen Hierarchien in Beziehungen, die durch ökonomische Abhängigkeit geprägt sind. Gregor zeigt mit beeindruckender Subtilität, wie die scheinbare Nähe zwischen Paulína und der Familie von Klara immer wieder durch Grenzen der Klasse und Herkunft aufgebrochen wird. Die klare Sprache und die präzisen Beobachtungen der Autorin schaffen eine beklemmende Atmosphäre, die die Lesenden zum Nachdenken zwingt. Der Titel „Halbe Leben“ ist dabei programmatisch: Er verweist auf die fragmentierte Existenz von Paulína, die zwischen ihrer Rolle als Mutter in der Slowakei und der Pflegekraft in Österreich hin- und hergerissen ist, aber auch auf die halbe Nähe und das unausgesprochene Unbehagen in der Beziehung zu Klara. „Halbe Leben“ ist ein kluges, einfühlsames und gesellschaftlich relevantes Buch, das mit wenig Text eine erstaunliche Tiefe erreicht. Es wirft Fragen auf, die weit über die Beziehung der beiden Protagonistinnen hinausgehen, und lädt dazu ein, die eigenen Privilegien und Vorurteile zu hinterfragen. Ein literarisches Kleinod, das nachhallt. Uneingeschränkte Leseempfehlung!

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4

Ein kurzes Buch (192 Seiten), das nachklingt und auf stille Weise von den extrem unterschiedlichen Lebensumständen zweier gleichaltriger Frauen (38 J.) erzählt. Das Ende - der Unfalltod von Klara - wird vorweg genommen. Paulinás Ersparnisse sind aufgebraucht und mit ihrem Lohn als Krankenschwester in der Slowakei werden sie und ihre Söhne (10 und 16 J.) kaum über die Runden kommen. So entschließt sie sich, sich von einer Agentur als Pflegekraft nach Österreich vermitteln zu lassen. Paulína soll Klara die Sorgen um ihre Mutter Irene abnehmen, damit die sich wieder voll und ganz ihrer eigenen Welt zuwenden kann. Jeweils für 14 Tage zieht Paulína in das Haus von Irene und Jakob. Unten wohnen die Eheleute mit ihrer 10-jährigen Tochter Ada. Oben haben sie eine kleine Einliegerwohnung für Irene und ihre Pflegekraft eingerichtet. Klara hat keine gute Beziehung zu ihrer 10-jährigen Tochter Ada, Ada entzieht sich ihr. Ihre Söhne seien schon groß erzählt Paulína Klara, würden sie im Zwei-Wochen-Rhythmus nicht entbehren. Die Schwiegermutter kümmere sich in ihrer Abwesenheit um die Beiden. Tatsächlich wirft vor allem Paulínas älterer Sohn ihr vor, sie im Stich gelassen zu haben. Paulína freut sich zunächst über das Lob der Eheleute. Doch umso länger sie pendelt zwischen ihrem und dem anderen Leben, desto mehr empfindet sie die Entfremdung von ihren Söhnen und desto kritischer betrachtet sie Klara und Jakob. Zulange, so denkt sie nach dem Unfalltod von Klara, "war sie von zu Hause weg gewesen, und das war ein Fehler, sie hat sich furchtbar geirrt, aber jetzt kann sie sich wieder an die Ordnung der Dinge erinnern".

4

Sehr gerne gelesen! Susanne Gregor schreibt unaufgeregt, subtil und weist trotz wertfreier Erzählweise auf vorhandene gesellschaftliche Missstände hin. Ich mag sie!

5

Oh wow. So leise, unaufgeregt, gefühlvoll aber heftig. Susanne Gregor hat ein unglaubliches Gefühl für die menschlichen Feinheiten - auch die unausgesprochenen...

4

Schicksalhafte Begegnung zweier Lebenswelten

Nach dem Schlaganfall ihrer Mutter besorgt sich Klara Unterstützung. Pauline kümmert sich vorbildlich. Klara kann sich wieder ihrer Karriere widmen, ihr Mann seine Freiheit genießen. Paulínas Kinder werden in der Zwischenzeit in der Slowakei von der Schwiegermutter betreut. Alles wunderbar organisiert, alles ganz einfach. Das Buch zeigt, wie zwei Familien vor dem Hintergrund der häuslichen Pflege in ihren Lebenswelten aufeinanderprallen. Abhängigkeit und Erwartungen entstehen, Dritte müssen aufstecken oder werden vernachlässigt. Das Buch wirft Fragen auf, wie man sein Leben im Umbruch organisiert, welche Hilfe man benötigt, und welche Opfer man für seinen Lebenstil bringt. Welche Herausforderungen kann man stemmen? Ist einem der Job, oder die Familie wichtig? Kann und muss man es allen recht machen? Eindringlich, intim und intensiv schafft Susanne Gregor die Zerrissenheit, die Bedürfnisse und Hilflosigkeit der Protagonisten zu beschreiben. Ein aufwühlendes Buch, dass LeserInnen zur Selbstreflektion zwingt. Eine klare Empfehlung für LeserInnen zum Thema Mehrgenerationen, Pflege und Familie.

4

Ein so dünnes, aber gehaltvolles Buch! Die Autorin beschreibt ruhig, aber eindringlich gesellschaftspolitische Probleme: Väter, die sich ihrer Verantwortung entziehen, Frauen, die sich zwischen Kind, Karriere und Pflege zerrissen fühlen und nicht zuletzt, wie wir mit Pflegekräften aus dem Ausland umgehen, die ihre Familie verlassen, um unsere Eltern/Großeltern zu unterstützen.

4

Eine sehr bewegende Geschichte über das Leben.

4.5

Habe es in einem Rutsch durchgelesen

Das Buch „Halbe Leben" von Susanne Gregor vereint viele Themen in einer Geschichte: Ungleiche Lebensverhältnisse und -realitäten, die auf soziale Schichten zurückzuführen sind, Machtgefälle, gesellschaftliche und familäre Erwartungen an Frauen und Mütter und viele mehr. Paulina kommt als 24- Stunden Pflegekraft aus dem Ausland in die Familie von Klara, um deren Mutter zu betreuen, die einen Schlaganfall erlitten hat. Man erfährt viel über die Gedanken- und Gefühlswelt der beiden Frauen. Klara hat Schwierigkeiten ihre Karriere und Mutterrolle unter einen Hut zu bekommen und hadert mit dem Kinderwunsch ihres Ehemannes. Paulina hat den Job angenommen, um finanzielle Unabhängigkeit zu erlangen, muss aber feststellen, dass sich ihre Söhne zunehmend von ihr entfremden, da sie 14 Tage am Stück bei Klaras Familie wohnt. Es ist schwer für sie eine Balance zwischen ihrer Familie und den Verpflichtungen ihrer Arbeit zu erreichen. Die Geschichte wird hauptsächlich aus der Perspektive der beiden Frauen erzählt. Ich habe das Buch an einem Tag gelesen, was mitunter an dem tollen Schreibstil lag. Allerdings habe ich keinen allzu starken emotionalen Zugang zu den Figuren bekommen.

4

Macht sensibel und fordert auf, über den eigenen Tellerrand zu schauen, denn die anderen Menschen haben auch ihren Kummer, der nicht sofort erkennbar ist!

5

Was ist uns im Leben wichtig?

Gleich zu Beginn passiert die Tragödie: Klara stürzt beim Wandern ab. Sie ist in Begleitung von Paulina, der Pflegerin ihrer Mutter. War es ein Unfall? Mit dieser im Raum stehenden Frage beginnt die 192 Seiten umfassende Erzählung in der es um eine Familie geht, deren Gefüge durch die Betreuung der nach einem Schlaganfall nicht mehr allein lebenden Mutter von Klara geht. Klara selbst geht leidenschaftlich in ihrem Beruf als Architektin auf, um ihre Tochter Ada hat sich bislang hauptsächlich ihre Mutter Irene gekümmert. Ihr Mann ist als freiberuflich und hält den Haushalt am Laufen. Doch nun gibt es Brüche im Gefüge der Familie und als Clara ihre Mutter mit ins Haus holt wird rasch klar, dass die Familie Hilfe braucht. Erst als die Slowakin Paulina von der Agentur geschickt wird, bekommt die Familie wirklich Hilfe. Irene akzeptiert Paulina, die mit deren Eigenheiten umzugehen weiß. Die alleinerziehende Paulina lässt ihre beiden Kinder für die Arbeit in Deutschland bei ihrer Schwiegermutter, was alles andere als leicht für sie ist. In einer ruhigen Erzählweise lenkt die österreichische Autorin @susanne__gregor den Blick auf Themen, die die Situation in vielen Familien mit alternden Eltern derzeit beherrschen. Was ist die richtige Form von Pflege für die Familie? Wie gehen wir mit den Pflegekräften um? Was bedeutet es für jemanden in ein fremdes Land zu kommen und dort direkt in einer unbekannten Familie zu landen? Wie weit geht die Verbindung? Und wie sichern Angehörige ihr Einkommen und die Abgrenzung der eigenen Bedürfnisse? Ich habe das Buch sehr gern gelesen, da es auf sachliche aber auch sehr empathische Weise und unschwere Weise die Gefühle aller Beteiligten einbezieht und mir den Blick so immer wieder in eine andere Richtung gelenkt hat. Das hat mich zum Nachdenken und Innehalten gebracht. Eine klare Leseempfehlung für alle, die sich mit dem Thema Pflegebedürftigkeit und den Auswirkungen beschäftigen und gerne einen sehr gut geschriebenen Roman darüber lesen mögen.

5

Unaufgeregt, tief ergreifend und anrührend

Dieses Buch gehört für mich zu meinen Favoriten in diesem Jahr. Es ist total unaufgeregt, wechselt in der Erzählweise stets zwischen den Perspektiven der Personen. Der Wechsel passiert ebenso unaufgeregt, keine Kapitelüberschrift oder ein Verweis auf die Namen. Es ist einfach so und trotzdem konnte ich mich sofort in jede Perspektive einfinden. Das Buch zeigt im Verlauf die Entfremdung der Pflegekraft "Paulina" auf, die eigentlich nur eine bessere Zukunft für sich und ihre Kinder möchte, sich diesen aber genau dadurch mehr und mehr entfremdet, Teil der anderen Familie wird, bis sie "erwacht" und sich die Beziehungen zwischen den Personen kaum merklich verändern. Dieses Buch berührt, bleibt auch nach dem Lesen noch lange im Kopf.

4.5

Das war gut! Wie klar und deutlich, psychologisch genau entwirft die Autorin die zwei Frauen, deren Leben sich so stark unterscheiden, aber dennoch voneinander abhängig sind. Paulína ist Klaras angestellte Pflegerin, die es ihr und ihrem Mann ermöglicht trotz des Schlaganfalls der Mutter, ihr Leben und ihre Karriere weiter aufzubauen. Was Paulìna in ihrer slowakischen Heimat dafür vernachlässigt ist nichts weniger, als ihre beiden Söhne. Im zweiwöchigen Rhythmus kommt sie heim. Ein immer schlechteres Gewissen plagt sie, doch andererseits ist sie auf das Geld angewiesen. Schließlich muss sie immer mehr kleine Extraaufgaben übernehmen, die sie einen immer größer werdenden Groll entwickeln lassen.. ist das Geld die Entfremdung von ihren Söhne wert? Toll geschrieben, schnörkellos und klar, schonungslos und mit einer wachsenden, unterschwelligen Bedrohung.

3

Leichter Spannungsbogen

Ih hatte mir mehr unter diesem Buch . Leichter Spannungsbogen , der schnell wieder abfällt. Paulina betreut eine ältere Demenz kranke Dame. Klara umd ihre Familie heisst sie herzlich willkommen. Anfangs kümmert sich Pauline auch umd die Famile. Kocht und wäscht für sie. Doch mach ein paar Monaten ändert sich vieles. Von mir leider nur drei Sterne 🌟

4

„In kleinen Dosen serviert, das weiß sie, wirkt Zurückweisung am stärksten.“ (171) »Halbe Leben« von Susanne Gregor hat mich überrascht, eingesogen, wieder ausgespuckt, roh zurück gelassen. Ein Stückchen Leben von Paulina, die ihre Kinder alle zwei Wochen bei der Schwiegermutter in der Slowakei lässt, um ein Stückchen von Irenes Leben zu pflegen, die seit ihrem Schlaganfall bei ihrer Tochter Klara eingezogen ist, die ein Stückchen ihres Lebens mit Arbeiten verbringt und versucht ein Stückchen des Lebens ihrer Familie zu begreifen. Generationen, Lebensrealitäten, Entfremdung, Zusammenwachsen, Vertrauen schenken, Zeit opfern, vermissen, zerrissen fühlen, atmen, warten, träumen. Dieser Roman hat so viel in mir ausgelöst, ausgelost, eine Kugel in das Emotionenroulette geschmissen. Aua. „…gerade sie, die keine Ahnung hat, was es bedeutet, wenn man etwas geben möchte und keiner da ist, der es haben will.“ (176)

4

Klara ist tot, beim Wandern einen Abhang hinunter gestürzt. Bei ihr war nur Paulína, eine Slowakin, die Klara nach dem Schlaganfall ihrer Mutter als Pflegekraft eingestellt hat. Alles lief zunächst gut mit Paulína, Klaras Mutter mochte sie, sie kochte gut und Klara konnte sich endlich wieder entspannen, sogar nach 11 Jahren über ein weiteres Kind nachdenken. Für Extraarbeit wurde die Pflegekraft natürlich entlohnt, die Familie pflegte ein fast freundschaftliches Verhältnis mit ihr. Paulínas Kinder wurden derweil in ihrer Abwesenheit von der Schwiegermutter betreut, alle zwei Wochen war sie wieder bei ihnen. Alles schien gut organisiert - doch nach und nach setzt die Entfremdung der Kinder ein und Paulína wird klar, welchen Platz sie in Klaras Familie wirklich einnimmt. Susanne Gregor erzählt in ihrem Roman "Halbe Leben" von den Schattenseiten der 24-Stunden-Pflege, von der Zerrissenheit zweier Frauen inmitten von Lohn- und Care-Arbeit und von der Ungleichheit zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Schichten. Aus mehreren Blickwinkeln erzählt sie diese Geschichte, deren tragisches Ende bereits mit den ersten Seiten feststeht. Ich habe mit jeder Zeile mehr gefühlt, wie die Stimmung in diesem großen, unpersönlichen Haus langsam kippt, wie die drohende Katastrophe über den Figuren schwebt. Kombiniert mit Susanne Gregors eher nüchternem Schreibstil ist "Halbe Leben" ein eindrücklicher Roman, der trotz Snack-Format schwer im Magen liegt.

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4.5

Ein kurzes Buch, das es ganz schön in sich hat 😱

4

Ein ruhiges Buch mit ordentlich Tiefgang.

5

Konnte Paulina so gut nachempfinden

In einer klaren, unprätentiösen Sprache widmet sich Susanne Gregor den großen Themen, die uns alle betreffen, und erzählt von der Ungleichheit – zwischen zwei Frauen, zwischen zwei Leben. Ein sensibler, literarischer Roman über die Zerrissenheit der Frauen zwischen Beruf und Familie – Susanne Gregor »beleuchtet psychologisch scharfsichtig Fremdheit und Entfremdung

5

Ein äußerst feinfühlig Roman über die Arbeit der 24 Stunden Pflegerinnen. Er erzählt über die Zerrissenheit der Frauen zwischen Familie und Beruf.

5

Ein Buch das zum Nachdenken anregt

Eine Geschichte, zwei Familien. Während die eine Familie neue Freiheiten erfährt, zerfällt die andere. Paulina übernimmt die Pflege von Klaras Mutter, die einen Schlaganfall erlitten hat. Nach und nach erfährt man was diese Konstellation mit dem direkten Umfeld der beiden Frauen macht. Beide habe eine Familie. Und während die eine Familie immer weiter zusammenwächst, werden die Risse in der anderen immer größer. Mich hat der Roman sehr zum nachdenken gebracht- wir brauchen mehr Pflegekräfte und holen sie teilweise aus dem Ausland zu uns. Für die ist der Verdienst hier eine Chance ihre Familie zu versorgen und ihnen Dinge zu ermöglichen, die so nicht möglich wären. Aber zu welchem Preis? Mich hat das Buch sehr berührt, ich konnte beide Frauen verstehen, war aber immer mehr auf Paulinas Seite.

4

Sehr authentisch.

"Halbe Leben" erzählt die Geschichte von zwei Frauen, deren Lebensrealitäten nicht unterschiedlicher sein könnten. Klara lebt für ihre Karriere, hat keinerlei Geldsorgen. Um ihre Tochter kümmert sich überwiegend ihre Mutter. Ihr Mann ist ein Tagträumer, dessen größte Leidenschaft sie Fotographie ist. Als Klaras Mutter einen Schlaganfall erleidet, tritt Paulína in das Leben von Klara. Paulína kommt aus Slowenien. Um ihren Söhnen ein besseres Leben bieten zu können, arbeitet sie den halben Monat bei Klara in Österreich und pflegt Irene. Während Paulína weg ist, kümmert sich die Schwiegermutter um ihre beiden Söhne. Zu Beginn des Buches stirbt Klara bei einer gemeinsamen Wanderung mit Paulína. Die genauen Umstände von Klaras Tod sind dem Leser unbekannt und es ist unklar, ob es ein Unfall war oder Paulína schuld an Klaras Tod hat. Im weiteren Verlauf des Buches springen wir in die Vergangenheit zurück und lernen die beiden Frauen besser kennen und verstehen und verfolgen mit, wie es zu Klaras Tod kommen konnte. Die Geschichte ist sehr nüchtern erzählt. Dennoch bekommt der Leser tiefgreifende Einblicke in die Gefühls und Gedankenwelt von Klara und Paulína, sowie kleine Eindrücke in die Gedankenwelt der weiteren Familienmitglieder. Ich fand die beiden Protagonistinnen sehr authentisch und konnte mich in beide gut hineinversetzen und konnte die Sorgen und Ängste nachvollziehen. Das Buch ließ sich super angenehm und flüssig lesen und auch wenn kein großer Spannungsbogen vorhanden war, fand ich es zu keinen Zeitpunkt langweilig. Das Buch hätte gerne noch etwas länger sein dürfen. Das Ende kam mir persönlich dann etwas zu abrupt und ich habe noch einige offene Fragen. Insgesamt kann ich das Buch weiterempfehlen.

1

Klara stürzt in den Tod und nur Paulína, die slowakische Pflegerin ihrer Mutter, weiß was geschehen ist. Ich hatte mich so auf das Buch gefreut, aber leider wurde ich enttäuscht. Die Geschichte startet stark mit einem Cold Opener. Klara ist tot und man will unbedingt wissen was passiert ist. So versetzt uns die Geschichte in die Monate vor Klaras Tod. Thematisch geht es viel um Entfremdung auf verschiedensten Ebenen. Kulturelle Entfremdung, soziale Entfremdung, Entfremdung der eigenen Familie, Entfremdung seiner selbst. Die Prämisse hat mir gefallen, aber leider hat mich der Text sehr schnell nicht mehr abgeholt. Ich musste irgendwann immer längere Lesepausen einlegen, weil mir der Text immer langatmiger wurde, bis zu dem Moment in dem ich mich regelrecht durchkämpfen musste. Bei nur knapp 190 Seiten ist das für mich schon eine arge Enttäuschung. Ich kann auch ehrlich nicht sagen, ob es vielleicht aktuell auch an mir liegt oder es der Schreibstil war, der mich nicht abgeholt hat. Unter dem Umstand kann ich es leider nicht weiterempfehlen, so leid mir das tut. 1/5 ⭐️

5

"...weder die Alten noch die Pflegenden sind je hier gewesen, es sind die Angehörigen, die hier die Verbindungen knüpfen und die Fäden ziehen. Es sind Klara selbst und die blonde Frau, die mit verschränkten Armen vor ihr sitzt, die hier Entscheidungen treffen, wie zwei Schachspieler sitzen sie einander gegenüber, bewegen die Figuren auf dem Schachbrett, werfen sie raus, tauschen sie ein." Buchzitat S. 58 (E-Book) In ihrem Roman „Halbe Leben“ beleuchtet Susanne Gregor die ungleichen Lebensrealitäten zweier Frauen: Klara, eine wohlhabende Karrierefrau, und Paulína, ihre slowakische Pflegerin. Die 1981 in der Tschechoslowakei geborene Autorin kam 1990 nach Österreich und wurde bereits mehrfach für ihre literarischen Werke ausgezeichnet. In klarer Sprache erzählt sie in diesem Roman von Klassengegensätzen, Machtverhältnissen und gesellschaftlichen Erwartungen an Frauen. Worum geht’s genau? Nach dem Schlaganfall ihrer Mutter engagiert Klara Paulína als Pflegerin. Eine scheinbar perfekte Lösung – Klara kann sich wieder ihrer Karriere widmen, während Paulína ihre eigenen Kinder in der Slowakei zurücklässt. Sie wird geschätzt, erhält großzügige Geschenke – fast wie eine Freundin, oder? Doch dann stürzt Klara beim Wandern in den Tod, und es bleiben viele unbeantwortete Fragen. Gregor erzählt die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven, unter anderem aus der Sicht von Paulína, ihrer Söhne und Klaras Familie. Dabei wird die ungleiche Beziehung zwischen den beiden Frauen zunehmend spürbar. Was als pragmatische Lösung beginnt, entpuppt sich als vielschichtige Auseinandersetzung mit Abhängigkeiten und Privilegien. Meine Meinung Das Buch war für mich ein Überraschungshit. Der Klappentext hat mich sofort angesprochen, und ich wurde nicht enttäuscht. Der Schreibstil ist einfach, direkt und lässt sich gut nachvollziehen. Die klare Sprache unterstreicht die Gegensätze zwischen den Frauen und bringt die Thematik präzise auf den Punkt. Besonders beeindruckt hat mich die unterschwellige Spannung, die sich über den gesamten Roman aufbaut. Obwohl von Anfang an klar ist, dass Klara sterben wird, bleibt vieles ungewiss und klärt sich erst gegen Ende auf. Die Dynamik zwischen Klara und Paulína ist eindringlich dargestellt – gerade Klaras fast naive Art im Umgang mit Paulína hat bei mir mit der Zeit Fremdscham und sogar Wut ausgelöst. Der unbewusste Hochmut, mit dem sie ihrer Pflegerin begegnet, zeigt eindrucksvoll, wie Privilegien das Verhalten beeinflussen. Die Kluft zwischen den beiden Frauen wird von Gregor geschickt herausgearbeitet: Einerseits scheint sie oberflächlich betrachtet gar nicht so groß – beide sind Frauen, beide Mütter im gleichen Alter. Doch in Wahrheit trennen sie Welten. Während Klara durch ihren Wohlstand abgesichert ist, kämpft Paulína um ihre Existenz, lebt als unsichtbare Arbeitskraft im Haushalt der Familie und bleibt trotz Nähe eine Fremde. Ein weiteres Highlight für mich war die multiperspektivische Erzählweise. Besonders die Abschnitte aus der Sicht von Paulínas Kindern oder Klaras Mutter haben das Bild erweitert und die Tragweite der Ereignisse noch greifbarer gemacht. Kleine Kritikpunkte gibt es dennoch: Für fünf Sterne hat es nicht gereicht, weil nicht gegendert wurde und weil die direkte Rede nicht in Anführungszeichen steht – daran musste ich mich erst gewöhnen. Auch die Einteilung in nur drei große Kapitel hat mich zu Beginn irritiert. Das Ende hat mich zudem etwas unbefriedigt zurückgelassen – ich hätte mir noch mehr Details zur Auflösung und zum weiteren Verlauf der Geschichten der Beteiligten gewünscht. Doch im Grunde kann man sich selbst gut denken, wie es weitergeht. Fazit „Halbe Leben“ ist ein eindrucksvoller Roman über Klassenunterschiede, Machtverhältnisse und das, was Menschen verbindet – oder trennt. Gregor schafft es, mit leisen Zwischentönen viel zu vermitteln und eine unterschwellige Spannung aufzubauen, die mich durch das ganze Buch getragen hat. Trotz kleiner stilistischer Hürden war ich durchgehend gefesselt. Eine klare Empfehlung – 4,5 von 5 Sternen.

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