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Die Tauben werden ihren Weg nach Hause allein finden müssen. Sie werden wiederkommen. Sie müssen. - Zitat, Seite 8 Von Tauben und Träumen - so lautet eine Überschrift in Abbas Khiders Roman, ein Werk welches ebenso erschüttert wie verzaubert. Wie bewahrt man sich sein Menschsein und wie äußert sich Menschlichkeit in absolut menschlichenfeindlichen Zeiten? - Noah - in dem Namen des 14jährigen Protagonisten schwingt Hoffnung mit, doch die Macht der Mudschahedin hängt wie ein drohendes Damoklesschwert über dem Himmel, in welchen der junge Taubenzüchter seine Lieblinge ausschwärmen lässt. Diese Sommerferien sind definitiv anders, es sind Zeiten der Willkür und die Welt bekommt für den Schüler eine gewisse Unschärfe. Menschen verschwinden oder transformieren sich und "die Tränen meiner Mutter fallen auf das Foto, das all das zeigt, was Bakir [der erste Sohn] hätte bleiben können" (Zitat, Seite 58). Mit der Taubenzucht scheint Noah eine Nische gefunden zu haben, die ihn ein wenig von der Realität des Alltags abschirmt und die Beschäftigung mit den faszinierenden Tieren schenkt ihm Zuversicht. Doch ist der Taubenzüchterverein, dem auch sein Onkel Ali angehört, wirklich so harmlos? Oder werden die gefiederten Freunde als Schmuggler oder gar als Informanten über Landesgrenzen hinweg eingesetzt? Und wie wird sich Noah in diesen Zeiten positionieren? Man hat das Gefühl, als wäre in diesem Roman jedes Wort mit einer angespitzten Feder sehr sorgfältig aufs Papier gesetzt worden - damit auch kein Tropfen Tinte verloren geht. Man hat das Gefühl, als liege eine funkelnde Seele in diesem Schreiben, die all diese Gedanken und Handlungen im Roman trägt. Den Worten Raum gibt, welche die Sprach- und Fassungslosigkeit mancher Szene überwindet. Man hat das Gefühl, die flimmernde Hitze dieses Sommers zu spüren, auch wenn draußen Schnee und Eis aus den Wolken fällt. Auf leisen Sohlen folgt man Noah durch die schmalen Gassen und wendet schockiert den Blick ab, wenn "Ungläubige" mitten am Tage der Lynchjustiz zum Opfer fallen. Man hat das Gefühl, einen unglaublich packenden, atmosphärisch dichten und lyrisch angehauchten Roman zu lesen, der trotz des Schreckens der Realität einer Existenz in einem totalitären Systems leise Klänge von Menschlichkeit und Hoffnung erklingen lässt. Und diese Melodie berührt - wie der Flügelschlag einer Taube! FAZIT Auch wenn meine persönlichen Beobachtungen von Tauben sich nicht unbedingt mit den Beschreibungen der gefiederten Schützlinge im Roman deckten, hat mich diese Lektüre von Anfang an abgeholt. Das Schreiben von Abbas Khider, der 1973 in Bagdad geboren wurde und seit 2000 in Deutschland lebt, wo er Literatur und Philosophie studierte, hat mich tief beeindruckt. Ganz sicher werde ich weitere Texte des Schriftstellers belesen. Eine klare Leseempfehlung.
Mar 26, 2026
Die Tauben werden ihren Weg nach Hause allein finden müssen. Sie werden wiederkommen. Sie müssen. - Zitat, Seite 8 Von Tauben und Träumen - so lautet eine Überschrift in Abbas Khiders Roman, ein Werk welches ebenso erschüttert wie verzaubert. Wie bewahrt man sich sein Menschsein und wie äußert sich Menschlichkeit in absolut menschlichenfeindlichen Zeiten? - Noah - in dem Namen des 14jährigen Protagonisten schwingt Hoffnung mit, doch die Macht der Mudschahedin hängt wie ein drohendes Damoklesschwert über dem Himmel, in welchen der junge Taubenzüchter seine Lieblinge ausschwärmen lässt. Diese Sommerferien sind definitiv anders, es sind Zeiten der Willkür und die Welt bekommt für den Schüler eine gewisse Unschärfe. Menschen verschwinden oder transformieren sich und "die Tränen meiner Mutter fallen auf das Foto, das all das zeigt, was Bakir [der erste Sohn] hätte bleiben können" (Zitat, Seite 58). Mit der Taubenzucht scheint Noah eine Nische gefunden zu haben, die ihn ein wenig von der Realität des Alltags abschirmt und die Beschäftigung mit den faszinierenden Tieren schenkt ihm Zuversicht. Doch ist der Taubenzüchterverein, dem auch sein Onkel Ali angehört, wirklich so harmlos? Oder werden die gefiederten Freunde als Schmuggler oder gar als Informanten über Landesgrenzen hinweg eingesetzt? Und wie wird sich Noah in diesen Zeiten positionieren? Man hat das Gefühl, als wäre in diesem Roman jedes Wort mit einer angespitzten Feder sehr sorgfältig aufs Papier gesetzt worden - damit auch kein Tropfen Tinte verloren geht. Man hat das Gefühl, als liege eine funkelnde Seele in diesem Schreiben, die all diese Gedanken und Handlungen im Roman trägt. Den Worten Raum gibt, welche die Sprach- und Fassungslosigkeit mancher Szene überwindet. Man hat das Gefühl, die flimmernde Hitze dieses Sommers zu spüren, auch wenn draußen Schnee und Eis aus den Wolken fällt. Auf leisen Sohlen folgt man Noah durch die schmalen Gassen und wendet schockiert den Blick ab, wenn "Ungläubige" mitten am Tage der Lynchjustiz zum Opfer fallen. Man hat das Gefühl, einen unglaublich packenden, atmosphärisch dichten und lyrisch angehauchten Roman zu lesen, der trotz des Schreckens der Realität einer Existenz in einem totalitären Systems leise Klänge von Menschlichkeit und Hoffnung erklingen lässt. Und diese Melodie berührt - wie der Flügelschlag einer Taube! FAZIT Auch wenn meine persönlichen Beobachtungen von Tauben sich nicht unbedingt mit den Beschreibungen der gefiederten Schützlinge im Roman deckten, hat mich diese Lektüre von Anfang an abgeholt. Das Schreiben von Abbas Khider, der 1973 in Bagdad geboren wurde und seit 2000 in Deutschland lebt, wo er Literatur und Philosophie studierte, hat mich tief beeindruckt. Ganz sicher werde ich weitere Texte des Schriftstellers belesen. Eine klare Leseempfehlung.
Mar 26, 2026








