Das schönste aller Leben
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Book Information
Author Description
Betty Boras, geboren 1984 in Arad/Rumänien, kam als Kind nach Deutschland. Sie studierte Germanistik, Philosophie und Spanisch in Tübingen, arbeitet als Gymnasiallehrerin und lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in der Nähe von Stuttgart. »Das schönste aller Leben« ist ihr Debüt.
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Protagonist(s)
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Den Debütroman von Betty Boras „Das schönste aller Leben“ habe ich sehr gern gelesen. Es ist die Geschichte von Vio und ihrer Vorfahrin Theresia, die im 18. Jahrhundert im rumänischen Banat gelebt hatte. Vio ist als Kind mit ihren Eltern aus Rumänien nach Deutschland gekommen. Sie stammen von den Banater Schwaben ab, die sich vor dreihundert Jahren in Rumänien angesiedelt hatten. Wir begleiten Vio durch ihre Kindheit in Deutschland. Ihre Eltern sprechen einen auffälligen Dialekt und kleiden sich anders als „die Hiesigen“. Der Vater arbeitet in einer Fabrik, die Mutter in einer Bäckerei. Vio ist sehr gut in der Schule und wechselt nach der Grundschule aufs Gymnasium, danach studiert sie Lehramt. Als ihre kleine Tochter zwei Jahre alt ist, passiert ein Unglück, nach dem das Kleinkind Narben im Gesicht davonträgt. Für Vio bricht eine Welt zusammen, sie verfällt in Depressionen. Zum einen gibt sie sich die Schuld für den Unfall, zum anderen glaubt sie, dass es für eine Frau bzw. ein Mädchen unheimlich wichtig sei, schön zu sein. Wie oft haben ihre Eltern mit ihrer hübschen Enkelin geprahlt, wie oft wurde ihre Schönheit von anderen bewundert. Vio glaubt, dass ihre Tochter mit Narben im Gesicht kaum noch Chancen hat, zu heiraten, Kinder zu bekommen, glücklich zu werden. Vios Vorfahrin Theresia kannte ihren Vater nicht, ihre Mutter hat sie früh verloren. Nach ihrem Tod wurde das kleine Mädchen von einer Familie im Dorf aufgenommen, die einen gleichaltrigen Sohn hatte. Hans und Theresia wuchsen wie Geschwister auf, bis sich Hans in die schöne Theresia verliebt hatte. Doch diese hatte ihr Herz bereits an einen anderen verloren, von dem sie schwanger wurde. Theresias Schicksal wird von der Keuschheitskommission besiegelt, die sie ins Banat verbannt. Die Kapitel erzählen abwechselnd Vios und Theresias Geschichte. Zwischendurch erzählt uns die Banater Erde ihre Geschichte. Vio war mir nicht durchgehend sympathisch, oft drehten sich ihre Gedanken im Kreis: Um ihre Schuld am Unfall und die dadurch zerstörten Zukunftsperspektiven ihrer Tochter. In der Therapie erfährt sie, dass ihre Depressionen genetisch bedingt sind. Vio hatte als 13jährige eine depressive Episode, als sie gegen die beginnende Skoliose ein Korsett tragen musste. Einige Jahre später hat sie sich geweigert, eine Zahnspange zu tragen – noch ein Opfer wollte sie um der Schönheit willen nicht bringen. Der Schreibstil von Betty Boras ist poetisch und bildhaft, ich konnte mich gut in die Protagonistinnen versetzen. Beide Geschichten haben mich sehr berührt, der Neubeginn in Deutschland brachte Erinnerungen in mir hoch, da auch ich als Kind meine Heimat verlassen musste. Ein gelungener Debütroman, für den ich fünf Sterne vergebe und den ich gerne weiterempfehle.
Ich folge Betty Boras schon seit einiger Zeit auf Instagram, weil ich ihre Rezensionen gerne lese und ihr Lesegeschmack meinem ähnlich ist. Natürlich war ich neugierig auf ihren Roman, aber gleichzeitig auch etwas zurückhaltend. Ich fragte mich, wie es für mich wäre, wenn ihr Buch mich nicht vollständig erreichen würde. Ich kann auf jeden Fall sagen, diese Zweifel waren unbegründet. Es gefällt mir unglaublich gut! In diesem Roman geht es um zwei Frauen, allerdings auf drei Ebenen erzählt. Eine davon ist Vio als junges Mädchen. Aus dieser Perspektive lernen wir Violas Vergangenheit, ihre Eltern und Großeltern näher kennen. Sie ist in Rumänien geboren, wuchs im Banat auf und ist nach dem Sturz der Diktatur gemeinsam mit ihren Eltern nach Deutschland geflohen. Anpassen, fleißig sein und nicht auffallen ist die Devise. Die nächste Erzählebene stammt ebenfalls von Viola, jedoch aus der Gegenwart und wird aus der Ich-Perspektive erzählt, als Mutter einer zweijährigen Tochter. Diese Tochter hat Vios Glück vervollständigt, bis ein Unfall die vollkommene Schönheit ihrer Tochter bedroht und Vio innerlich an ihren Selbstvorwürfen zerbricht. Der letzte Erzählstrang handelt von Theresia, einer Frau aus dem 18. Jahrhundert. Diese ist sie gezwungen, Österreich zu verlassen und sich im Banat niederzulassen. Zwischendurch meldet sich auch die Banater Erde und erzählt anschaulich ihre Geschichte aus einer sehr mütterlichen Sicht. Dieses Buch hat eine unglaubliche Sogkraft. Die unterschiedlichen Perspektiven erzeugen eine so große Spannung, dass ich nur so durch die Seiten geflogen bin. Alle Frauen in diesem Buch waren so interessante gezeichnet und so gut miteinander verwoben, dass ich ihnen meine vollste Aufmerksamkeit schenken wollte. Ich hatte beim Lesen die ganze Zeit eine melancholische Stimmung gespürt, die jedoch nicht zu bedrückend war. Ich konnte so vieles nachvollziehen, die Schönheitsideale, die uns von der Gesellschaft aufgezwungen werden und die wir in uns tragen, auch wenn wir denken, nicht „so oberflächlich“ zu sein. Auch wie stark unsere eigenen Erfahrungen unser Leben prägen. Das Gefühl, als Mutter versagt zu haben und die Anpassung eines Menschen, der nicht in dem Land geboren ist, in dem er aufwächst. Hier ist Schönheit aber nicht nur ein Segen, denn Theresia wird diese Schönheit zum Verhängnis. Neid und Missgunst ihrer Mitmenschen führen dazu, dass sie ihr geliebtes Leben in Wien aufgeben muss. Ein sehr warmes Buch über Herkunft, Schönheitsideale und Muttersein. Für mich eine absolute Leseempfehlung und ein gutes Debüt und ich hoffe, es kommen noch weitere Bücher von Betty Boras. S.33 „Wir lesen das Buch zu Ende, am Schluss vertraut sich das Mädchen seinen Eltern an und erkennt, dass es auf die inneren Werte ankommt. Leider erbärmlich unrealistisch. Ja, natürlich sind die inneren Werte wichtiger, aber solange die Gesellschaft weiterhin nach äußeren beurteilt, nützt diese Erkenntnis nichts und bleibt eine hohle Phrase.“ S.110 „Eine Schwangere, die dick wurde und wie ein Hefekloß aufging und Pickel bekam, trug eher ein Mädchen aus, das der Mutter die Schönheit nahm. Als meine Tochter geboren wurde, hörte meine Oma auf, mich „meine Schöne“ zu nennen, die Anrede ging fließend auf sie über. So hatte sie mir meine Schönheit wirklich genommen, und ich gönnte es ihr von Herzen.“ S.152 „Ich hatte noch nie eine besonders starke Verbindung zu meiner Identität, meinem inneren Kern. Mein Ich hat sich angepasst. Es ist wachsam für die Wünsche und Träume anderer gewesen, hat sie aufgenommen, sich angeeignet, sie in Worte umgewandelt, die wie meine klingen sollen. Hauptsache, nicht auffallen, nicht anders sein.“
Mit „Das schönste aller Leben“ legt Betty Boras ein beeindruckendes, still erschütterndes Debüt vor, das lange nachwirkt. Der Roman erzählt von Herkunft und Migration, von Mutterschaft, Schuld und Scham – und vor allem vom gnadenlosen Druck weiblicher Schönheitsideale, der sich über Jahrhunderte hinweg in Körper und Biografien einschreibt. Im Zentrum steht Vio, die kurz nach dem Sturz der rumänischen Diktatur mit ihren Eltern aus dem Banat nach Deutschland kommt. Anpassung wird zur Überlebensstrategie: nicht auffallen, fleißig sein, schön sein. Trotz aller inneren und äußeren Widerstände findet Vio ihren Platz. Doch als ihre kleine Tochter bei einem Unfall schwere Narben davonträgt, bricht etwas in ihr auf, das lange unter der Oberfläche lag. Die Selbstvorwürfe, die gesellschaftlichen Erwartungen an „gute“ Mutterschaft und die Frage nach Schuld treiben Vio in eine tiefe Krise. Boras beschreibt diesen Zustand mit großer psychologischer Genauigkeit und Zärtlichkeit – ohne Pathos, aber mit einer Intensität, die unmittelbar berührt. Parallel dazu erzählt der Roman von Theresia im 18. Jahrhundert. Sie wird für ihre Schönheit und ihr Begehren bestraft, gerät ins Visier der Wiener Keuschheitskommission und wird ins Banat verschleppt. Auch ihr Körper wird zum Schauplatz von Macht, Kontrolle und Gewalt. Die beiden Frauenfiguren sind über Zeit und Raum hinweg miteinander verbunden – nicht nur durch die Banater Erde, sondern durch ein gemeinsames Erbe aus Schmerz, Anpassung und Überlebenswillen. Besonders eindrücklich sind die Passagen, in denen die Erde selbst zu Wort kommt: Die Banater Erde wird zur Zeugin von Vertreibung, Migration und enttäuschten Hoffnungen. Diese poetische Perspektive verleiht dem Roman eine zusätzliche, fast mythische Tiefe und macht deutlich, wie sehr Geschichte, Herkunft und Körper miteinander verwoben sind. Betty Boras’ Sprache ist fein, präzise und von großer emotionaler Kraft. Sie urteilt nicht, sie erklärt nicht – sie zeigt. Dabei gelingt ihr das Kunststück, schwere Themen wie Schuld, Trauma und gesellschaftliche Zwänge mit einer leisen Schönheit zu erzählen, die niemals verharmlost. Der Roman stellt unbequeme Fragen: Wie tief sitzen Erwartungen an Frauen? Wie sehr prägen Herkunft und Fremdzuschreibung unser Selbstbild? Und was bedeutet es wirklich, „das schönste aller Leben“ zu wollen – für sich selbst, für die eigenen Kinder? „Das schönste aller Leben“ ist ein intensiver, vielschichtiger Roman über weibliche Erfahrungen über Generationen hinweg. Ein Debüt von großer literarischer Reife, das leise erschüttert, tief berührt und noch lange im Inneren weiterarbeitet. Eine klare Leseempfehlung für alle, die literarische Tiefe, gesellschaftliche Relevanz und sprachliche Sensibilität schätzen.

Tolles Debüt
Ich hatte große Erwartungen an das Buch, weil es im Vorfeld so stark beworben wurde. Und natürlich Angst, dass diese Erwartungen nicht erfüllt werden könnten. Erzählweise, Sprache und die Geschichte haben meine Erwartungen jedoch noch übertroffen! Auf zwei Erzählebenen begegnen wir zwei starken Frauenfiguren, Theresia, die etwa im 19. Jahrhundert im Banat, in Rumänien lebt und Viola, die zur jetzigen Zeit lebt. Beide erleben Schicksalsschläge, die man nicht vergleichen kann, die jedoch etwas gemeinsam haben. Das eigene Aussehen, die Schönheit, und deren Umgang und deren Erwartungen und Folgen. Viola möchte das „schönste aller Leben“ für ihre Tochter ist damit doch auch gefangen in ihrer eigenen Erziehung, denn „was sollen denn die Nachbarn denken“ zieht sich wie ein roter Faden von Theresias Anschuldigungen der Keuschheitskommission bis ins Jetzt zu Viola. Betty Boras schreibt poetisch, kraftvoll und so voller Wärme und Kraft, dass mir warm ums Herz wurde. Ihr Sprachstil hat mich sehr an Iris Wolff erinnert, die ich sehr schätze. Es bleiben viele Dinge, die nachhallen und eine Geschichte, die mit einer Linde einen Kreis schließt, ein gelungenes Debüt!
»DAS SCHÖNSTE ALLER LEBEN« ist der Debütroman der Autorin & Buchbloggerin Betty Boras. Wie sie bereits auf Instagram geteilt hat, sind einige Elemente von ihrem eigenen Leben und Familiengeschichte inspiriert. Sie schreibt in ihrem Debütroman u.a. über Pretty Privilege, Familiengeschichte, transgenerationale Traumata, Migration & Identität. »Mit jeder Faser spürte sie ihre Verlassenheit. Sie hatte kein Zuhause mehr, keine Familie. Und auch wenn sie schon immer das Gefühl gehabt hatte, nirgends richtig dazuzugehören, so hatte ihre jetzige Einsamkeit eine neue Dimension erreicht.« THERESIA (20) Der Roman erzählt auf mehreren Zeitebenen das Leben von zwei Frauen einer Familie, die aus Deutschland über das Wiener Umland in den rumänischen Banat umgesiedelt, und im 20. Jahrhundert zurück ins Schwabenland gekehrt sind. Aus Sicht der jeweiligen Protagonistin wird deren Leben erzählt: THERESIA, die im 18. Jhd. in den Banat geflüchtet ist, in einem Arbeitslager unter schwersten Bedingungen arbeitet und nach einem selbstbestimmten Leben strebt. VIO, die als Kind im 20. Jhd. mit ihren Eltern als Kind zurück nach Deutschland kommt, in Deutschland nach Anerkennung, Identität und Zugehörigkeit sucht. Als dritte Zeitebene lesen wir von Vio aus der ICH-Perspektive als Erwachsene. Dazwischen baut die Autorin ein Stilelement ein, dass Lesende bspw. von Eilf Shafak kennen und lässt ‚DIE BANATER ERDE‘ kurz sprechen. Alle drei Perspektiven zeichnet aus, dass sie sich mit einem selbstbestimmten Leben als Frau, gesellschaftlichen Erwartungen und Schönheit beschäftigen. »Wie sehr mich jedes Lachen über den Makel eines Kindes trifft. Ich bin eine von ihnen. Die Mutter eines makelhaften Kindes.« ICH (92) Ich finde die erzählte Perspektive der erwachsenen Vio (Erzählperson: ICH) sehr problematisch. 🚩Ihre Tochter trägt aufgrund von eines Unfall Narben im Gesicht davon und Vio, kann nach diesem Unfall ihre bislang wunderschöne Tochter nicht einmal mehr als ihre Tochter benennen. Ich finde zum Einen hoch problematisch, wie sehr Schönheitsnormen hier reproduziert werden, ohne diese wirklich kritisch zu hinterfragen. Zum Anderen hat dies eine weitreichende Dimension auf Themen wie Gesundheit und Behinderung. (BTW: Auch der Satz ‚Hauptsache das Kind ist gesund‘ ist problematisch und ableistisch …) Dieser Teil des Romans nimmt immer mehr Raum ein. (Immerhin beginnt Vio im Laufe des Romans eine Therapie.) Für mich hat diese Perspektive die anderen sehr überschattet. Es hätte durchaus viel mehr Fokus auf Themen wie Freundschaft, Abschied, Flucht, Diskrimminierung geben können, die im Kontext der deutschen Minderheit in Rumänien literarisch verarbeitet werden können, wie wir es zum Beispiel bei der Schriftstellerin Iris Wolff sehr poetisch und literarisch lesen können. Die teilweise sehr schweren Themen bei der Protagonistin THERESIA werden aber so viel kürzer als VIO’s Geschichte erzählt. Das finde ich sehr schade und hat mich leider nicht überzeugen können. So bleiben die Figuren und Themen für mich relativ flach. Ich hätte den Roman so gerne gemocht, aber leider sollte es für mich nicht passen — und das ist völlig OK. Ich bin mir sicher, dass der Roman seine Leser*innen finden wird und wünsche Betty alles Liebe ♥ und ganz viel Freude auf Lesereise mit ihrem Debüt.

DAS SCHÖNSTE ALLER LEBEN Betty Boras ET: 17.02.26 In ihrem Debütroman verwebt Betty Boras drei Erzählstränge zu einer vielschichtigen Familiengeschichte über Herkunft, Zugehörigkeit und die Last der Erwartungen. Vio verlässt 1989 mit ihren Eltern kurz nach dem Sturz der kommunistischen Diktatur die rumänische Region Banat und flieht nach Deutschland. Obwohl sie Deutsch sprechen, bleiben sie Fremde. Unauffällig sein, nicht anecken, bloß keinen Anlass für Gerede geben – so lautet das unausgesprochene Lebensmotto. Die Eltern arbeiten hart, sind pflichtbewusst und fleißig, und doch stellt sich das Gefühl des Angekommenseins nie ein. Erst Vio scheint all das zu verkörpern, worauf sie hoffen: gute Noten, deutsche Freundinnen, die Empfehlung fürs Gymnasium. Schön und klug, so glauben die Eltern, könnte sie es eines Tages schaffen, wirklich dazuzugehören. Ein weiterer Erzählstrang führt ins 18. Jahrhundert. Die Waise Theresia wächst in einer wohlhabenden Familie auf, die sie wie eine Tochter behandelt. Doch ihre Schönheit bleibt nicht unbemerkt, Gerüchte machen die Runde, auch der Sohn des Hauses begehrt sie. Schließlich gerät Theresia ins Visier der Keuschheitskommission und wird in ein Arbeitslager verschleppt – mit einem Geheimnis, das dort niemand erfahren darf. Die dritte Stimme gehört einer Ich-Erzählerin aus der Gegenwart. Sie bringt ein wunderschönes Mädchen zur Welt, auf dem die Hoffnungen mehrerer Generationen lasten. Zum ersten Mal steht auf einer Geburtsurkunde als Geburtsort Deutschland. Doch ein Moment der Unachtsamkeit genügt: Heißer Tee verbrüht die Hälfte des kindlichen Gesichts – und mit einem Schlag scheinen all die Erwartungen der Familie zerbrochen. Liebe Betty, wir kennen uns von Bookstagram, und ehrlich gesagt hatte ich Respekt davor, deinen Debütroman zu lesen. Die Sorge, ihn vielleicht nicht zu mögen, war völlig unbegründet. Ich bin durch die Seiten geflogen, konnte das Buch kaum aus der Hand legen und war am Ende tief bewegt. Dein Schreibstil ist eigenständig und eindringlich. Danke, dass du einen Teil deiner Familiengeschichte mit uns geteilt hast. Fazit: Ein autofiktionaler Roman über Vorfahren, die alles liegen und stehen gelassen haben um den nachfolgenden Generationen ein besseres Leben zu ermöglichen. Große Leseempfehlung von mir. 5/5

Schön verwobenes Portarait verschiedener Frauen aus unterschiedlichen Generationen. Tolle Sprache, zum Nachdenken. Sehr eindringlich und zugänglich geschrieben. Banat, Rumänien, Deutschland, Österreich. Kleine historische Bezüge fließen ebenfalls mit ein und wie das Thema Zugehörigkeit immer eine Rolle spielt, sowie das Öffentliche Ansehen von Frauen.
Mutterboden
Betty Boras hat es sich nicht leicht gemacht. Auf nur 238 Seiten verknüpft sie vier Erzählstimmen, drei Zeitebenen und greift zahlreiche thematische Schwerpunkte wie Migration, kulturelle Identität, Mutterschaft, Schuld, gesellschaftliches Optimierungsstreben, Stigmatisierung, Diskriminierung, weibliche Sozialisation und Rollenbilder sowie psychische Gesundheit auf. Aus meiner Sicht spielen Aspekte der transgenerationalen Weitergabe von Narben und Traumata eine übergeordnete Rolle in diesem Debüt. Der Banater Erde kommt in diesem Roman eine eigene Erzählstimme zu, die mir besonders gut gefallen hat. Diese Erzählperspektive vereint in ihrer Rolle als Mutterboden Motive wie Mutterschaft, Herkunft und Verlust melancholisch und kraftvoll miteinander. Die anderen Erzählebenen sind weniger mystisch gewählt: Wir begleiten Vio, auf zwei Zeitebenen, ihre Ahnin Theresia und zwischen diesen beiden Generationen Margarete und Rosalia. Diese Frauen eint, dass sie um verlorene Welten trauern: Theresia wird die Missgunst zum Verhängnis, die ihre Schönheit auslöst. Sie findet sich unter prekären Bedingungen in der historischen Region des Banats als eine der unfreiwilligen Siedlerinnen, die man „Banater Schwaben“ nennt, wieder. Das gewohnte Leben und die Heimat sind verloren. Margarete trauert um ihren Lindenbaum, nachdem sie sich ihrer Tochter Rosalia folgend selbst entwurzelte, um nach Deutschland auszuwandern und um all das, was starke Baum symbolisierte. Aufgrund der Muttersprache und Herkunft der Vorfahren fühlt sich das neue Leben gleichermaßen nach Heimkehr und Entfremdung an. Wenn Rosalia um etwas trauert, dann um das Gefühl der Achtung, des Prestiges und des Überblicks über die sozialen Spielregeln in der alten Heimat. Wir erhalten wenig Einblick in ihr Seelenleben. Das steht symbolhaft dafür, dass inmitten all der Arbeit, die sie leistet, um für ihre Familie Assimilation, Aufstieg und Achtung zu erreichenn, kaum Raum für einen Zugang zu diesen Regungen besteht. Vio begleiten wir auf zwei Zeitebenen. Während ihres Heranwachsens trauern wir mit ihr um die Unbeschwertheit ihrer Jugend und um den Verlust ihrer Autonomie. Sie trägt die Last, den Standards an Schönheit und Leistung zu entsprechen, sich Prestige und Zugehörigkeit zu erarbeiten und es in ihrer Optik zu symbolisieren. In diesem Kontext stellen vor allem das schulische Leben und die Folgen einer Skoliosebehandlung mittels Korsetts die Gussform für Narben dar, die sie für den Rest ihres Lebens prägen werden. In der Erzählebene von Vios konfrontiert sie sich mit der Schuld, die sie aus ihrer Sicht an einem Unfall trägt, in dessen Rahmen ihre Tochter Narben im Gesicht davonträgt. Sie trauert um die „heile“ Welt davor und wir begleiten sie dabei, wie sich ihr Blickfeld wahnhaft immer weiter auf diese Schuldthematik eingeengt. Das Trauma, das auch sie im Rahmen dieses Unfalls erlitten hat und für das es anscheinend keine erste Hilfe gab, bricht sich seinen Weg und zeigt sich in psychischen Symptomen. Ihre Wahrheit über ihre Schuld ist in diesem Kontext wahrer als wahr. Absolution wird ihr nur von denen erteilt, deren Worte für sie kein Gewicht haben oder von denen verwehrt, von denen sie sie erfleht. Ihre Tochter spielt lange Zeit lediglich als Projektion ihrer Selbstwert-definierenden Leistung als Mutter eine Rolle. Erst später tritt sie als eigenes Individuum abseits dieses defizitorientierten Blicks in Erscheinung. In Motiven wie dem parallel gestalteten Aufmaß für Korsett und Hochzeitskleid oder den wertenden Kommentaren zur Optik bis hin zur Aufbahrung brachten die Allgegenwärtigkeit von Schönheitsidealen, denen Frauen ausgesetzt sind, beklemmend zum Ausdruck. Den Schreibstil empfand ich als poetisch bildgewaltig und anklagend kraftvoll. Betty Boras ist es in ihrem Debüt gelungen, die eingangs erwähnten thematischen Schwerpunkte auf kleinem Raum hochwertig miteinander zu verweben. Ich bin beeindruckt und freue mich auf mehr.
Klug und einzigartig
Mich hat das Buch auf jeden Fall überzeugt und auch berührt. Ich brauchte zwar ein paar Seiten, um reinzukommen, aber dann hat mich die Geschichte bzw. haben mich die Geschichten der Frauen auf den verschiedenen Zeitebenen wirklich verschluckt und ich mochte das Buch kaum mehr aus der Hand legen. Mal abgesehen davon, dass es ohnehin einige der Kriterien erfüllt, die meinen persönlichen Geschmack ausmachen, hatte ich wirklich das Gefühl, mal etwas anderes zu lesen. Betty (ich kenne sie durchs Bloggen) hat das Thema Schönheit klug und tiefgründig mit dem Plot und auch anderen bewegenden Themen wie Fluchterfahrungen und transgenerationalen Traumata verwoben. Ein tolles feministisches Debüt!
„Das schönste aller Leben“ erzählt von zwei Frauen, die Jahrhunderte trennen und doch durch Herkunft, Schmerz und gesellschaftliche Erwartungen verbunden sind. Vios Geschichte nach der Flucht aus dem rumänischen Banat hat mich sehr mitgenommen. Der Anpassungsdruck, das stille Funktionieren, die Schuldgefühle als Mutter nach dem Unfall ihrer Tochter, all das ist eindringlich und feinfühlig erzählt. Ihr Weg hat mich wirklich gepackt. Der historische Strang um Theresia im 18. Jahrhundert war atmosphärisch stark, konnte mich emotional aber nicht so berühren, wie ich gehofft hatte. Trotzdem ist es ein schönes, berührendes Buch über weibliche Verletzlichkeit und Herkunft, auch wenn der Funke für mich nicht ganz übergesprungen ist.

Irgendwie habe ich mir von diesem Roman mehr erwartet, vermutlich weil man es bereits seit einiger Zeit dauernd auf Instagram sieht. Ich fand die Geschichte nicht uninteressant, aber ganz so packen konnte sie mich auch nicht. Anfangs habe ich mir ein wenig schwer getan, um reinzukommen. Für mich war es leider nur ein "okay" Buch.
Sehr authentisch
Schöne Menschen haben es im Leben leichter: Sie haben in der Regel mehr Freunde, verdienen mehr Geld und werden eher bevorzugt. Selbst es Babys erhalten sie mehr Zuneigung. Dieser Tatsache scheint sich Viola sehr bewusst zu sein. Ihr großer Wunsch war es, ein schönes Kind zu haben. Nun ist das Gesicht ihrer Tochter nach einem Unfall jedoch nicht mehr dasselbe. Zu diesem Albtraum aller Eltern kommt hinzu, dass Viola sich selbst für dieses Unglück verantwortlich macht. Neben Violas Erzählung gibt es noch drei weitere. Dabei ist das Buch geschickt konstruiert: die vier Perspektiven sind eigentlich nur drei, wie sich recht bald zeigt. Denn tatsächlich wissen wir zunächst gar nicht, wer erzählt, die Erzählerin ist namenlos. Doch recht bald wird klar, dass es sich bei der Perspektive von Vio um die Kindheit bzw. Jugend von Violas handelt, die nun auch ihren Namen bekommt. Die Einordnung von Theresia dauert dagegen etwas länger. Ihre Geschichte spielt in der Vergangenheit, wobei das genaue Jahr länger im Dunklen bleibt. Auch in ihrer Geschichte spielt Schönheit eine Rolle, wobei sie Theresia eher zum Verhängnis wird. Schließlich gibt es noch eine ganz besondere Sichtweise, nämlich die Banater Erde. Sie hält alles zusammen, ist aber auch Fluch und Segen zugleich. Das schönste aller Leben enthält eine Vielzahl von Themen: Herkunft, Zugehörigkeit, Schönheit, Ausgrenzung… Dabei wirkt der Roman aber weder überfrachtet, noch entsteht der Eindruck, etwas wäre nur angerissen worden und käme zu kurz. Alles ist wohl durchdacht. Gleichzeitig gelingt es Berry Boras, Figuren zu erschaffen, ich die ich mich äußerst gut einfühlen konnte und deren Schicksal mir sehr nahe ging. Die Autorin, die selbst aus dem Banat stammt und seit vielen Jahren in Deutschland lebt, beschreibt sehr authentisch, welche Auswirkungen die Entwurzelung für die unterschiedlichen Generationen hat: Violas kommt einigermaßen gut damit klar, auch wenn ihr ihre Herkunft immer bewusst ist. Ihren Großeltern dagegen fällt sie viel schwerer, denn alte Bäume verpflanzt man nicht. Auch sprachlich gefiel mir Das schönste aller Leben wirklich gut. Die Worte sind wohlüberlegt und alles hat einen ganz besonderen Ton, der sich durch das gesamte Buch trägt. Betty hat einen wunderbaren Roman verfasst, welcher nicht nur aus anderen Debüts hervorsticht, sondern auch aus der Vielzahl an Büchern, die sich mit Herkunft beschäftigen.
In ihrem Debütroman erzählt Betty Boras die Geschichte zweier Frauen, die Geschichte von Vio und Theresia. Zwei Leben weit voneinander entfernt und doch verbunden, denn die eine legt irgendwie auch den Grundstein für das Leben der anderen. In einem Erzählstrang erfahren wir, wie Theresia Ende des 18. Jahrhunderts ihre Schönheit zum Verhängnis wird, und sie für Strafarbeiten von Wien ins Banat gebracht wird. Genau wie Theresia, ist Vio schön. Und sie ist mit bestimmten Idealen aufgewachsen. Wurde groß gezogen mit den Glaubenssätzen, dass Angepasstheit und Schönheit, Makellosigkeit und Fleiß ihr die besten Voraussetzungen für ein erfolgreiches und glückliches Leben bescheren würden. Und der Stellenwert dieser elterlichen Erwartungen ist besonders hoch, weil die Familie aus dem deutschsprachigen Banat nach Deutschland flieht und die Tochter bestenfalls nur positiv auffallen soll . Heute ist Vio selbst frisch gebackene Mutter und wünscht sich für ihre eigene Tochter das schönste aller Leben. Doch ein Schicksalsschlag zwingt sie nun, diese Denkweise zu hinterfragen. Zu hinterfragen, warum all das so tief in ihr verankert ist. Und wie sie die zermürbenden Schuldgefühle überwinden kann. Nur sehr langsam gelingt ihr der Weg aus der Endlosspirale aus Selbstvorwürfen und Traurigkeit. Betty Boras legt mütterliche Urängste offen. Und sie trifft auch bei mir wunde Punkte. Immer durch die Augen der anderen gesehen werden, bewertet werden, unauffällig sein, angepasst und nett sein. Wie fest sich das setzt und wie schwer es ist, sich davon zu lösen. " 'Wie wichtig war es in Ihrer Familie, was andere von Ihnen dachten?'. Darüber muss ich nicht lange nachdenken. ' Es war das Allerwichtigste.'" (S.210) Die Autorin verwebt hier gleich mehrere Themen. Kindliche Prägung, Traumabewältigung, Schuld, Depression, Fluchtgeschichte und das für mich bisher vollkommen unbekannte Banat.
Ein tief bewegendes Debüt
„Ich möchte eine schöne Tochter.“ Mit diesem Satz beginnt der Roman Immer noch ist es (auch) Schönheit, die Mütter ihren Töchtern wünschen, in ihren Gesichtern suchen von klein auf. Auch ich. Im Romandebüt von Betty Boras spielt Schönheit neben Herkunft ein wichtige Rolle, eine zweischneidige. Der Roman begeistert mich mit seinen verschiedenen weiblichen Erzählstimmen. Da sind zum einen Theresia und Vio, zwei Frauen einer Familie. Sie bilden Anfang und Ende einer Familiengeschichte im sogenannten Banat in Rumänien. Die eine wird unfreiwillig ins Banat verschleppt und entschließt sich schlussendlich freiwillig dort zu bleiben. Die andere verlässt mehr als 200 Jahre später wiederum unfreiwillig als Kind das Banat und geht mit den Eltern nach Deutschland. Doch es gibt noch eine dritte weibliche Stimmen: die Banater Erde. Sie erklärt, philosophiert, klagt und öffnet eine Klammer, ohne sie am Ende endgültig zu schließen. Besonders berührt hat mich die Geschichte auch deshalb, weil die Darstellung der intensiven Körperlichkeit und des körperlichen wie seelischen Leidens der beiden Frauen mich eine große Nähe zu ihnen empfinden ließ. Ein Debüt, das die Frage nach Heimat und Herkunft auf besondere Weise mit den Lasten des Frau- und Mutterseins verbindet. Auf eines möchte ich noch hinweisen: Ich hatte bei der Lektüre seit langer Zeit mal wieder intensiv die Bilder rund um einen schweren Unfall meiner jüngsten Tochter vor über zehn Jahren im Kopf. Falls ihr vielleicht sogar erst kürzlich ein entsprechendes Trauma erlebt habt, prüft bitte für euch, ob das gerade die richtige Lektüre ist. Ansonsten große Leseempfehlung
Vielschichtig und bereichernd
Es ist ja immer so eine Sache, ein Buch zu rezensieren von einem lieben Menschen, den man persönlich kennt. Einerseits möchte man das Werk unbedingt lesen und freut sich richtig drauf, andererseits hat man große Angst, dass es einem nicht gefallen könnte. Wie dann damit umgehen? Bei Bettys Debüt wurde mein Lächeln im Gesicht mit jeder gelesenen Seite breiter. Es ist sooo gut! Vio ist das Kind von so genannten Banater Schwaben, einer deutschsprachigen Minderheit in Rumänien, die im 18. Jahrhundert aus unterschiedlichen Gründen ihre Heimat in Deutschland verlassen haben, um dort Land zu erwerben und ein besseres Leben zu erhoffen. Vio kehrt nach dem Sturz Ceausescus in die deutsche Heimat zurück, die ihr fremd ist, deren Sprache sie aber mit kleinen Schnörkel spricht. 100 DM haben die Eltern in der Tasche und ein Auto das fast auseinanderfällt bringt sie in die Nähe von Stuttgart. Vio ist 6, und sie geht ihren Weg. Ihre Mutter ist sehr stolz darauf, dass ihr Kind von „richtigen“ Deutschen nicht mehr zu unterscheiden ist. In einem weiteren Zeitstrang erleben wir Vio als Mutter einer Tochter, deren Versehrtheit sichtbar wurde. Ein Unfall zerstört Äußerliches und Vio stürzt mit ihrer Schuld in eine Tiefe Krise, die ihr nicht mehr möglich macht, ihr Kind als das zu sehen, was es wirklich ist, ein wunderschönes Wesen. Die dritte Zeitebene führt uns in die Migrationsgeschichte einer jungen Frau, die das Banat gegen ihren Willen kennen lernt. Theresia erzählt uns von der Macht und Verblendung der Jesuiten die Einfluss auf das Leben vieler Frauen genommen haben und ihnen die ohnehin schon oft zerstörte Würde endgültig nehmen. Alle drei Teile, die sich abwechseln, haben ihre eigene Melodie. Einmal das „Coming of Age“ - hafte, manchmal Amüsante, manchmal Trotzige und häufig Melancholische einer Heranwachsenden, die sich zwischen zwei Arten deutsch zu sein, stabil halten muss, und das zusätzlich erschwer durch ein Korsett, dass sie in tiefe Verzweiflung stürzt, (ich hatte als Kind so eine schreckliche Zahnspange mit Außenbogen – ich konnte mich da so gut reinfühlen). Mein Mitgefühl floss in diesem Teil nur so über. Es bot mir eine hohe Identifikationmöglichkeit, auch wenn meine migrantische Geschichte etwas anders ist. Sowas finde ich immer sehr bereichernd. Dann die junge Frau, die vor lauter Sorge um den Verlust der Schönheit ihrer Tochter in Gefahr gerät, vieles zu zerstören, die Beziehung zu ihrem Kind, zu ihrem Mann und letztenendes zu sich selbst. Dieser Teil wirft viele Fragen auf, die mich zum nachdenken angeregt haben. Was ist die Schönheit, die wir glauben, anderen zeigen zu müssen. Wie viel tun wir für uns selbst? Und was tun wir für andere? Besonders die letzte Frage hat auch meine Kindheit maßgeblich beeinflusst und war mir oft ein Dorn im Stachel meiner Eitelkeit. Vielleicht hab ich diese deshalb in weiten Teilen abgelegt. Und dann die wunderschöne Therese, die aufgrund ihrer Schönheit in den Morast gestoßen wird. Auch hier hat sich wieder ein Fenster für mich aufgetan, dass mir bisher unbekannt war. Das hier stilistisch auch etwas anders gearbeitet wurde, hat mir besonders gut gefallen und gab meinem Empfinden nach dem Roman, das gewisse etwas. Übertroffen wurde das nur noch von den Einschüben der Banater Erde. Sie sprechen zu lassen, hat mich tief berührt. Das Ende fand ich so gelungen, dass mir Tränen in die Augen geschossen sind. Die Antwort von Vio auf eine lange gefürchtete Frage hat meine gestreckte Faust in den Himmel boxen lassen!💪🏻💫✨ Und einen Daniel im Leben zu haben, der nicht nur geduldig und verständnisvoll, sondern auch verzweifelt und sehr kreativ ist, das wünscht sich doch eigentlich jeder, der gerade mit dem Leben strugglet. Ein vielschichtiges Debüt dass mein Herz hüpfen lässt und mein Regal um ein Highlight bereichert! Das hatte ich gehofft, und mein Wunsch hat sich erfüllt. Ein Roman der Horizonte erweitert Emotionen hervorruft und Güte verbreitet, wenn ihr sowas sucht, dann greift unbedingt zu Bettys Buch!
Berührend
Als erstes hat mich das Cover angezogen und dann hat mich der Klappentext sehr neugierig gemacht. Jetzt habe ich das Buch gelesen und musste tatsächlich erstmal durchatmen. Am Anfang habe ich mich etwas schwer getan in die Geschichte zu finden auch weil es mir schwergefallen ist zwischen den verschiedenen Zeiten im Kopf umzuschalten allerdings circa ab der Hälfte des Buches wollte ich es garnicht mehr weg legen und fand es sehr emotional und schön geschrieben. Dafür das das ein Debüt ist wirklich super gelungen! Über die Geschichte des Banats wusste ich noch nicht so viel und mir war auch nicht wirklich bewusst was dort passiert ist, ich finde es toll das dies Platz in diesem Buch findet. Auch wenn das Buch "nur" 240 Seiten hat, denke ich noch drüber nach und merke das emotional einen Punkt getroffen hat. Empfehlung geht aufjedenfall raus. :)
„Zu viel Schönheit hat noch keinem Weib was Gut’s bracht.“ (S. 20) Es ist fast ein kleines Familienepos, das Betty Boras hier auf rund 240 Seiten erzählt. Und doch ist "Das schönste aller Leben" weit mehr als die Geschichte einer einzelnen Familie. Es ist die Geschichte vieler Frauen. Frauen, die unter den Blicken anderer heranwachsen. Die lernen, sich selbst durch fremde Augen zu betrachten. Die hineinwachsen in eine Gesellschaft, in der eine schier untragbare Last von Erwartungen auf ihnen liegt. Im Zentrum steht Vio, die in einem rumänischen Dorf im Banat aufwächst und als Kind mit ihrer Familie nach Deutschland geht – zurück in ein Land, aus dem ihre Vorfahren einst fortgingen. Migration ist hier kein einmaliger Akt, sondern ein Zustand. Ein Dazwischen, das sich durch Generationen zieht. Vios Leben wird nicht eindimensional erzählt. Wir begegnen ihr aus auktorialer Perspektive sowie in unmittelbaren Ich-Kapiteln, die sie als erwachsene Frau und Mutter im Hier und Jetzt zeigen. Diese Gegenwart ist geprägt von einem Einschnitt, der kaum auszuhalten ist: einem Unfall, bei dem ihre kleine Tochter verletzt wird und Narben davonträgt. Vio gerät ins Wanken – als Mutter, als Frau, als jemand, die früh erfahren hat, dass Körper bewertet werden. Dass Schönheit Schutz verspricht und Abweichung bestraft wird. Sie weiß, wie es sich anfühlt, nicht nur sprichwörtlich im Korsett gesellschaftlicher Erwartungen festzustecken. Parallel dazu öffnet der Roman den Blick weit zurück, bis ins 18. Jahrhundert. Dort begegnen wir Theresia, einer Urahnin Vios. An ihr wird mit aller Härte sichtbar, wie früh weibliche Körper kontrolliert, beurteilt, sanktioniert wurden. Theresia gerät ins Visier einer moralischen Ordnung, die Frauen auf Keuschheit, Gehorsam und Nützlichkeit reduziert – und verliert alles: ihre Rechte, ihre Freiheit, ihre Selbstbestimmung. Es ist vor allem die Stimmung, die durch diesen Roman trägt. Schon der Prolog steckt voller schmerzhafter Wahrheiten, die kaum jemand ausspricht und doch so viele denken. Es geht um die Wertigkeit von Schönheit und Prestige. Um Aussehen versus Ansehen. Die Zuschreibungen sind klar verteilt. Wie sehr sind wir das, was andere in uns sehen? Zu wem werden wir unter den Blicken anderer? Und wie früh beginnen wir, uns selbst zu kontrollieren? Wir sollen schön sein. Von der Wiege bis zum Sterbebett. "Das schönste aller Leben" ist ein Roman über Mütter und Töchter. Darüber, was sie einander sind. Was sie voneinander lernen. Und was sie – bewusst oder unbewusst – weitergeben. Für unsere Kinder wollen wir nur das Beste. Doch welchen Boden braucht Glück, um gedeihen zu können? Wie groß ist die Verantwortung der Eltern für das Glück ihrer Kinder? Und wie schwer wiegt die eigene Schuld, wenn es ihnen nicht gelingt? Immer wieder verhandelt der Text die Frage nach Heimat und Verwurzelung. Von Wurzeln, an denen Heimaterde haften bleibt – egal, wie oft man sie verpflanzt. Davon, wie sehr wir ins Bild passen wollen – passen müssen –, um dazuzugehören. Wie ein kleiner Makel genügt, um ausgegrenzt zu werden. Es ist die Geschichte versehrter Körper und versehrter Seelen. Und vielleicht auch die eines versehrten Landes, dem Betty Boras eine Stimme gibt. Es ist eines der klügsten Bücher, die ich je gelesen habe. Voller Weisheit. Voller leiser, tiefer Gedanken. Ich lege es euch mit aller Kraft ans Herz.
Als Vios Tochter bei einem schlimmen Unglück verletzt wird zerfällt ihr Leben. Sie verliert ihren Halt und ihre Wurzeln, die sie sich so mühsam jahrelang erkämpft hat. Wer ist sie wirklich und wie möchte sie sein. Darf sie weiterhin so leben, lachen und sich sicher fühlen wie vor der Tragödie ? Und kann sie das überhaupt ? Boras erzählt hier die Geschichte zweier Frauen einer Familie die sehr intensiv für ihr Glück kämpfen müssen. Beide Schicksale haben mich sofort in ihren Bann gezogen. Ein Buch das zeigt und hinterfragt mit welchen Frauenbildern wir groß werden und welche Attribute und Komplimente uns tatsächlich helfen oder aber zerstören,da wir nach Idealen streben die uns so oft eingebläut wurden das wir sie als selbstverständlich erachten und erstrebenswert. Packend, ehrlich, regt zum Nachdenken an und hallt lange nach. Eine Stimme von der ich mir noch ganz viele Geschichten wünsche ….
Eine sehr berührende Familiengeschichte
📖Als Vio noch klein war, sind ihre Eltern mit ihr aus Rumänien geflohen, mit nicht viel mehr als der Hoffnung auf ein besseres Leben im Gepäck. Angekommen in Deutschland fällt es ihnen schwer Anschluss zu finden und ein Spagat zwischen zwei Welten beginnt. Jahre später hat Vio ihre eigene kleine Familie und muss durch einen tragischen Unfall feststellen, dass sie ihre Vergangenheit nie ganz abstreifen konnte. 💫Ein sehr berührender Roman über die eigenen Erwartungen, die im Konflikt stehen mit denen der Eltern, den Mitmenschen und den historisch geprägten Idealvorstellungen der Gesellschaft. Vio versucht permanent ihren Platz im Leben zu finden und den Idealvorstellungen gerecht zu werden. Dabei droht sie ihre Wurzeln zu verlieren und entfremdet sich zunehmen von ihrer Familie. Am Ende trennt sie sich von den falschen Vorstellungen und erkennt und vor allem akzeptiert sie ihre Wurzeln, und kann sich dadurch erst so richtig auf ihr Leben und vor allem ihre Mutterschaft einlassen. 💫Die Autorin setzt sich einfühlsam mit dem Thema „Generationstraumata“ auseinander und wie sich diese wie ein roter Faden durch mehrere Generationen ziehen können. Zusätzlich greift sie die gesellschaftlichen Rollenbilder und Schönheitsideale auf, in die wir Frauen seit Jahrhunderten gedrängt werden. Diese bricht sie mit ihren beiden Protagonistinnen Vio und Theresia auf, in dem sie sie zu selbst bestimmten, starken Frauen heranwachsen lässt. 💫Sprachlich sehr schön geschrieben. Das die Geschichte überwiegend aus der Perspektive von Theresia, der jungen Vio und der erwachsenen Vio erzählt wird, hat mir richtig gut gefallen. „Die Banater Erde“ kommt auch kurz zu Wort, was die ganze Geschichte noch mal aufgelockert hat und auch zeigt, wie gespalten und zerrissen das Land selber ist, nach dem so viele Menschen es verlassen haben. 💫Definitiv eins meiner Jahres-Highlights
Schönes Buch, das mich am Ende zu Tränen gerührt hat
Eine Familiengeschichte über mehrere Generationen, die ungeschönt erzählt wird. Sehr authentische und nicht immer leicht zu mögende Protagonistinnen, die versuchen das beste aus dem zu machen, was sie haben. Für 240 Seiten eine trotzdem umfangreich erzählte Geschichte, die oft sehr bedrückend und zeitgleich fesselnd ist.
Kurz nach dem Sturz der Diktatur flieht Vio mit ihren Eltern aus dem rumänischen Banat nach Deutschland. Dort vermisst sie insbesondere ihre Großeltern schrecklich und zerbricht fast unter dem Druck der Anpassung an die Gesellschaft. Sie soll lieb und schön sein, nicht auffallen, immer im Kopf behalten, was die anderen von ihr denken könnten. Als Erwachsene erlebt sie den Albtraum aller Eltern: Ihr Kind trägt bei einem Unfall im häuslichen Umfeld Narben im Gesicht davon. Im 18. Jahrhundert erfährt Vios Vorfahrin Theresia die Schattenseiten ihrer Schönheit am eigenen Leib: Die Keuschheitskommission wird auf sie aufmerksam und verschleppt sie in ein Arbeitslager im Banat. Betty Boras Debütroman "Das schönste aller Leben" beschäftigt sich zum einen mit weiblichen Schönheitsbildern, zum anderen mit der historischen Region Banat und den Banater Schwaben. Auf mehreren Zeitebenen lässt die Autorin Vio und Theresia zu Wort kommen. Vios Perspektive spaltet sich auf in ihr Aufwachsen im Banat und später, nach der Auswanderung, in Deutschland und ihre Zeit als Mutter einer Tochter, die nach einem Unfall Verbrennungen im Gesicht behält. Ich habe vor dem Lesen nicht erwartet, dass mir das Buch als frisch gebackene Mama so zu Herzen gehen würde, insbesondere der Erzählstrang der erwachsenen Vio hat mich beschäftigt und berührt. Aber auch Theresias Geschichte fand ich sehr krass und spannend zu lesen, hier hätte ich aber gerne noch etwas mehr zum historischen Hintergrund erfahren - es hat sich fast so angefühlt, als hätte Theresias Story ein eigenes Buch füllen können. Das verbindende Element zwischen Theresia und Vio ist das weibliche Schönheitsideal, das von der Gesellschaft diktiert wird und wie es zum Verhängnis werden kann, egal ob es erfüllt wird oder nicht. Ich mochte Bettys Debüt sehr und hoffe, noch viel von ihr zu lesen!

»Sie wollte nicht mehr erklären müssen, was so offensichtlich war. Das Leben fand ohne sie statt. Ihre Hoffnung lag in der Zukunft.«
Ein Wechselspiel aus drei – genau genommen vier – Perspektiven, erzählt die Geschichte einer Familie. Heimat, als Ort des Ankommens und die Unwissenheit, wo dieser Platz wirklich zu sein scheint. In Deutschland oder Rumänien? Diese Fragen stellen sich Vio und ihre Eltern, nachdem sie aus dem rumänischen Banat nach Deutschland geflohen sind. Wie sehr der äußere Eindruck und die Meinung fremder Leute wiegt, weiß Vio aus ihrer Kindheit. Nachdem ihre Tochter, nach einem Unfall, Verbrennungsnarben davonträgt, wird sie daran erinnert und gibt sich die Schuld, das schöne Gesicht ihres Kindes für immer genommen zu haben. Etwa drei Jahrhunderte früher verlieben sich Theresia und der neue Diakon Ferdinand ineinander. Als die Keuschheitskommission davon erfährt, steht außer Frage, dass sie ihn verführt hat und dafür büßen muss. Was macht Schönheit aus, wenn auch die positive Seite Negatives mit sich ziehen kann? Wir lassen zu, dass andere über uns oder Menschen, die uns wichtig sind, bestimmen und sich Einfluss nehmen, der ihnen eigentlich gar nicht zusteht. Was schön ist und was nicht, bestimmen wir selbst. Dafür plädiert dieser Roman, auch wenn er noch viel mehr ist und ihr ihn deshalb schlichtweg selbst lesen müsst! Was hatte ich erwartet? Ehrlich gesagt etwas ganz anderes … Was Betty Boras mit ihrem ersten Roman geschafft hat, ist keineswegs nur ein lobenswertes Debüt, sondern ein Buch, das von so vielen Themen, Schicksalen und dem Leben als Ganzes erzählt und das auf so eindringliche, bewegende und nahegehende Art, die keine simple Erzählweise, sondern ausschließlich eine komplexe, wahnsinnig gut durchdachte Sprache hervorrufen kann. Ein Roman als Kunstwerk, der sich während des Lesens immer weiter entfaltet und welchen man mehrmals lesen muss. „Das Schönste aller Leben“ ist – und damit lehne ich mich sicher nicht bereits zu Beginn des Jahres zu weit aus dem Fenster –, eines der besten Debüts dieses Jahres.

Wie bedeutend ist Schönheit?
Von der Handlung her hat mir das Buch weitestgehend gefallen. Die Geschichte spielt auf verschiedenen Zeitebenen. So begleiten wir Vio, die mit ihren Eltern aus Rumänien gekommen ist, durch ihre Kindheit und Jugend. Gleichzeitig wird erzählt, wie ein Unglück ihr Leben als Mutter verändert. Und zum Schluss wird noch die Geschichte von Theresia erzählt, mit der vor ungefähr 300 Jahren das Leben von Vios Familie in Rumänien begann. Die Handlung fließt eher langsam dahin und verzichtet auf unnötige Spannung. Der Erzählstil ist klar und gut lesbar. Die Charaktere wirken authentisch und ihrer Zeit entsprechend. Man kann sich gut in ihre Gefühle hereinversetzen. Nur manchmal habe ich ein paar Probleme damit gehabt, dass für einige Charaktere das Thema Schönheit eine zu zentrale und bedeutende Rolle eingenommen hat. Schönheit und die rumänische Heimat scheint das Thema zu sein, welches alle Protagonisten und alle Handlungsstränge miteinander verbindet.
Dieses Buch hat mich tief bewegt und ich bin sicher, dass meine Worte ihm nicht annähernd gerecht werden...
Ich liebe es, neben den Geschichten, die mir Bücher schenken, auch Neues zu lernen. Bei diesem Buch lag eine kurze Recherche zum Banat, einer Region im heutigen Rumänien, Serbien und Ungarn, nahe. Eine Gegend, geprägt von Migration, Vertreibung und dem Nebeneinander verschiedener Kulturen, deren Geschichte bis heute nachwirkt. "Das schönste aller Leben" von @bettyboras, erschienen bei @hanserblau Im Roman wird diese Landschaft teilweise selbst zur Erzählerin. Das Banat spricht ruhig, fast zurückhaltend und doch eindringlich. Es trägt Erinnerungen in sich, bewahrt Erfahrungen und gibt sie weiter. Dadurch entsteht das Gefühl, dass das, was den Figuren passiert, nicht nur individuell ist, sondern von diesem Ort bedingt ist. Im Zentrum steht Vio, die im Banat aufwächst und später in Deutschland lebt. In der Vergangenheit hat sie stets versucht, ihrer Familie alles Recht zu machen, in der Gegenwart kämpft sie mit der Schuld, dass ihre kleine Tochter von schlimmen Verbrennungen im Gesicht gezeichnet ist. Parallel dazu gibt es eine zweite Erzählebene um Theresia im 18. Jahrhundert. Beide Geschichten sind lose miteinander verbunden und kreisen um ähnliche Fragen. Es geht um Herkunft, Weiblichkeit und die Vorstellung davon, was ein „schönes“ Leben eigentlich ist und wie wichtig Äußerlichkeiten in diesem Zusammenhang sind. Besonders eindrücklich sind die verschiedenen Blickwinkel. Vio in der Gegenwart, Theresia als historisches Echo, die familiären Prägungen, die sich weitertragen, und das Banat selbst als sprechende, erinnernde Instanz. Der Schreibstil ist ruhig, klar und sehr reduziert. Keine großen dramatischen Ausbrüche, vieles passiert zwischen den Zeilen. Gerade diese Zurückhaltung macht den Roman so intensiv. Man liest nicht schnell, sondern tastet sich durch Gedanken und Stimmungen. Dieses Buch hat mich tief bewegt und ich bin sicher, dass meine Worte ihm nicht annähernd gerecht werden... Es ist sicherlich kein leichtes Buch, aber ein starkes Debüt, das durch seine besondere Erzählweise, Tiefe und Atmosphäre überzeugt und lange nachhallt.
Betty Boras verhandelt die Themen Schönheit, Herkunft, Emigration, Frausein. .
"Das schönste aller Leben" - wie sähe dieses aus? Für Vio, die als Kind mit ihrem Eltern aus dem Banat/Rumänien nach Deutschland auswandert, eine fleißige Schülerin und später eine schöne erwachsene Frau wird, scheint es der derzeitige Moment zu sein. Sie ist mittlerweile verheiratet und hat eine süße, wunderschöne zweijährige Tochter. Doch der perfekte Lebensentwurf scheint zu bröckeln und tiefe Risse zu bekommen, als ihre Tochter durch einen Unfall und durch Vios Verschulden entstellt ist. Die Selbstvorwürfe scheinen Vio zu zerstören. In einem anderen Handlungsstrang begegnen wir Vios Ahnin Theresia, 1760, nunmehr volljährig, die bald ihre Ziehfamilie verlassen muss. Sie möchte selbstbestimmt leben, hat jedoch nicht besonders viele Möglichkeiten: heiraten oder ins Kloster gehen. Doch ihre Schönheit wird ihr zum Verhängnis. In diesen drei Handlungssträngen, aus der Perspektive von Theresia, Vio als Kind und als Mutter, verhandelt Betty Boras das Thema Schönheit, dem in unserer Gesellschaft eine große Bedeutung zugesprochen wird. Es geht aber auch um die Themen Mutterschaft, Emigration und das Frausein, ist also auch zutiefst feministisch. Zwischendurch lässt die Autorin auch die Banater Erde auf berührende Art und Weise zu Wort kommen. Wenn man sich einmal an die rasch wechselnden Perspektiven gewöhnt hat und herausfindet, was mit Vios Tochter passiert ist, kann man sich in die einzelnen Charaktere auch gut einfühlen. Denn wer möchte nicht das schönste aller Leben für sich und seine Familie? Berührend fand ich vor allem auch das Thema Herkunft und wie es auf das eigene Leben einwirkt. Schließlich bemüht sich Vio als Kind, besser als alle anderen zu werden, um gut genug zu sein. In dieses Erzählen reihen sich für mich auch die autobiographischen Romane "Ein schönes Ausländerkind" von Toxische Pommes und "Ostblockherz" von Didi Drobna - die ich euch an dieser Stelle ebenfalls ans Herz legen kann. Danke Betty Boras für deinen Roman und diesen Blick auf die Welt.
Worum geht es: Flucht. Flucht prägt. Durch Flucht verlässt man die Heimat, seine Heimat In diesem Buch geht es um eine Familie, die durch eben diese Flucht geprägt ist. Mehr als das. Sie haben Flucht erlebt, gelitten, geweint und vieles hinter sich lassen müssen. Doch es bleibt die Heimat. Für alle gleich wichtig: Schönheit Mein Eindruck: Ich weiß nicht, ob ich mir anmaßen darf, hier überhaupt ein großes Urteil zu fällen. Ich habe ein bisschen gebraucht, um in die Geschichte reinzukommen. Das wird wahrscheinlich daran liegen, da mein Fokus ansonsten auf Thriller liegt und nicht auf emotionalen und sehr realen Romanen. Aber ich bin unglaublich froh und dankbar darüber, dass ich dieses Buch lesen durfte. Erschüttert bin ich zugleich, wie Schönheitsideale ein Leben beeinflussen und lenken können. Wie wichtig Schönheit für viele unter uns ist. Es ist nicht unbedingt ein Ding der Frauen, keineswegs. Aber zur damaligen Zeit, teilweise auch um 18. Jahrhundert hatten Frauen nun mal leider keine anderen Aufgaben. Sie mussten schön sein und tüchtig im Haushalt. Ich bin froh, dass wir aus diesem Klischee der verkappten Rollenverteilung heraus sind - zumindest teilweise. Ich bin sehr berührt und sehr beeindruckt, wie sich die Geschichten allmählich zusammen fügten, obwohl Generationen zwischen Ihnen liegen. Vielen Dank für ein solches tolles Werk, in dem Heimatgefühl, die Rolle der Frau, Mutterschaft und Ideale im Vordergrund stehen. Bewertung: 🦌🦌🦌🦌🦌
Ein gelungener Roman über Migration, Anpassung und gesellschaftliche Erwartungen, die sich in uns eingraben.
Der Roman "Das schönste aller Leben" von Betty Borș erzählt mehrere miteinander verwobene Lebensgeschichten aus einer Familie. Besonders spannend fand ich dabei den Gedanken, der immer wieder anklingt: dass es drei Generationen braucht: eine, die alles aufbaut und leidet, eine, die sich anpasst und absichert, und erst eine dritte, die vielleicht wirklich frei leben kann. Dieser Gedanke bildet für mich den konzeptionellen Rahmen des Romans. Besonders eindrücklich ist die Geschichte von Theresia, die im rumänischen Banat lebt und nach einer Schwangerschaft durch den Pfarrer ihres Dorfes in ein Lager gebracht wird, wo sie Zwangsarbeit leisten muss. Der Roman beschreibt, wie sie Mutterschaft unter Bedingungen von Gewalt und Gefangenschaft erlebt. Daneben gibt es die Geschichte von Vio, die man zunächst als Kind und junge Frau in der dritten Person kennenlernt: beim Aufwachsen in Rumänien, später bei der Migration nach Deutschland und in dem ständigen Versuch, sich anzupassen und ein „besseres“ Leben zu führen. Besonders interessant fand ich dabei, dass dieselbe Figur in einem weiteren Strang in der Ich-Perspektive erzählt wird. Dadurch entsteht eine große Nähe und gleichzeitig das Gefühl, dass man eine Person in ihrer Vielschichtigkeit und Biographie kennenlernt. Die erwachsene Vio hat inzwischen selbst ein Kind, das nach einem Unfall Brandnarben im Gesicht trägt; einen Unfall, für den Vio sich selbst verantwortlich macht. Diese Schuld begleitet sie permanent. Darüber verhandelt der Roman sehr sensibel Themen wie Schönheitsideale, gesellschaftliche Erwartungen und die Angst davor, wie andere einen wahrnehmen. Gerade dieser Druck, schön, angepasst und „richtig“ zu sein, zieht sich durch alle Generationen und Kulturen des Buches. Besonders gelungen fand ich, wie collageartig die verschiedenen Erzählstränge miteinander verwoben werden. Viele Bilder, Motive und auch die erzählerischen Techniken fand ich originell. Gleichzeitig bekommt man einen spannenden Einblick in die rumänische Kultur. Ganz gepackt hat mich das Buch emotional allerdings nicht. Mir hat stellenweise ein wenig der erzählerische Sog gefehlt. Deshalb würde ich persönlich einen Stern abziehen. Trotzdem fand ich "Das schönste aller Leben" insgesamt sehr lesenswert, vor allem wegen seiner ungewöhnlichen Struktur, seiner starken Themen und der Art, wie persönliche Familiengeschichte mit Fragen nach Migration, Weiblichkeit und gesellschaftlichem Druck verbunden wird.
Schuld, Schönheit, Zugehörigkeit
„Das schönste aller Leben“ erzählt aus vier Perspektiven: der Sicht der Banater Erde, der jungen Vio, der erwachsenen Vio und der Figur Theresia aus dem 18. Jahrhundert. Im Zentrum steht Vio, die in den 90er Jahren mit ihren Eltern als Aussiedler aus dem rumänischen Banat nach Deutschland kommen. Wie viele Banater Schwaben hat ihre Familie deutsche Wurzeln. Sie fühlt sich jedoch weder ganz in Rumänien noch in Deutschland wirklich zugehörig. Parallel dazu wird die Geschichte von Theresia erzählt, deren Schicksal im 18. Jahrhundert ebenfalls von gesellschaftlichen Normen und Schuldzuweisungen geprägt ist. Beide Frauen verbindet Leid, Schicksal und Schuld. Besonders stark arbeitet Boras heraus, welche Rolle Schönheit im Leben von Frauen spielt. Theresia wird als „schuldig“ dargestellt, weil sie einen Diakon verführt haben soll. Schliesslich, so die Logik der Gesellschaft, konnte er sich als Mann ihrer Schönheit kaum entziehen. Auch Vio wächst mit der Botschaft auf, dass Schönheit über Chancen im Leben entscheidet. Mädchen lernen früh, dass sie in ein bestimmtes Korsett passen müssen. Sogar die Namen von Mädchen spiegeln oft Erwartungen und Tugenden wider („lieb“, „brav“), orientieren sich an Blumen oder bedeuten in der Übersetzung „die Schöne“. So zeigt der Roman eindrücklich, dass Schönheit eine gesellschaftliche Erwartung ist, die entweder Glück bringen oder auch zum Verhängnis werden kann. Überzeugend fand ich, wie stark Mädchen schon früh von Schönheitsidealen geprägt werden. Dies wird vor allem an der Figur Vio deutlich. Zeitweise fand ich sie allerdings etwas anstrengend, weil sich ihre Gedanken sehr stark darum drehten, was andere über sie oder später über ihre Tochter denken könnten. Nachdem ihre Tochter durch einen Unfall Narben behält, wird diese Sorge beinahe zum einzigen Thema. Dieser Teil zog sich etwas in die Länge. Positiv fand ich aber, dass Vio eine Entwicklung durchmacht. Am Ende wird deutlich, dass die Außenwelt zwar hart urteilt, Eltern ihren Kindern aber Resilienz und Selbstakzeptanz mitgeben können und sich für ihr Kind immer das schönste aller Leben wünschen.
Ein Buch über Schönheit, Mutterschaft, Frausein, Identität und Herkunft. Intensiv und emotional.
„Das schönste aller Leben“ ist der Debütroman von Betty Boras. Er hat mich sehr berührt und begeistert! Aber zunächst kurz zum Inhalt: Vio flieht als Sechsjährige mit ihren Eltern aus Rumänien nach Deutschland und tut ihr Leben lang alles um sich anzupassen, dazugehören und den Erwartungen ihrer Eltern und der Gesellschaft gerecht zu werden. Erst der tragische Unfall mit ihrer Tochter bringt zum Vorschein, welche Wunden aus ihrer Vergangenheit nicht geheilt wurden und welche Muster sie unbewusst durch die Erziehung und Sozialisation übernommen hat. Vios Gedanken kreisen nämlich ständig um das Aussehen ihrer Tochter nach dem Unfall und darum, wie andere sie wahrnehmen. Parallel dazu lernen wir Theresia kennen, die im 18. Jahrhundert ein Leben voller Entbehrungen und Schicksalsschläge erleidet. Beide Frauen entstammen derselben Ahnenreihe und sind durch die Themen Schönheit und Anpassung miteinander verbunden. Das Buch ist unglaublich emotional und voller Schmerz. Es setzt sich mit den Themen Identität, Herkunft, Mutterrolle, Schuldgefühle, Familiendynamiken und Migrationserfahrungen auseinander. Auf den 240, zum Teil sehr intensiven Seiten sitzt jeder Satz, kein Wort ist überflüssig. Und zwischen den Zeilen schwingt eine große emotionale Tiefe mit. Betty Boras erzählt sehr dicht, teilweise provokativ und ungeschönt von den Kämpfen, die Frauen seit Jahrhunderten in ihren Familien, in der Gesellschaft, aber auch mit sich selbst austragen müssen. Mich hat diese Geschichte trotz ihrer Heftigkeit mit einem guten Gefühl zurückgelassen. Absolut lesenswert und beeindruckend, wie gut ein Debüt gelingen kann!
Das Schönste aller Leben ist eine einfühlsame und spannende Migrationsgeschichte, die in verschiedenen Zeitebenen das Leben von den Banater Schwaben erzählt. Wir haben zum einen Theresia, die gegen ihren Willen und auf Grund des gelebten Frauenhasses ins Banat verschleppt wird. Dann haben wir Vio, die mit ihren Eltern als Kind zurück nach Deutschland auswandert und noch eine Ich-Erzählerin, die erwachsene Vio, die mit den Verbrennungen ihrer Tochter zu kämpfen hat. Mich haben alle drei Zeiteben berührt, insbesondere die von Theresia im Banat.
Schuldgefühle
Der Debütroman "Das Schönste aller Leben" von Betty Boras begleitet Vio, die nach einem schrecklichen Unfall, welchen sie verursacht hat und ihre kleine Tochter mit einem vernarbten Gesicht zurücklässt, von Schuldgefühlen und Zweifeln zerfressen wird. Parallel blicken wir auf die Geschichte von Vios Vorfahrin Theresia, die von der Keuschheitskommission zur Zwangsarbeit verurteilt wird. In diesem vergleichbar kurzen Roman erleben wir mehrere Zeitebenen und Perspektiven sowie zahlreiche Themen wie weibliche Schönheitsideale, Mutterschaft, Migration, Rechte von Frauen, etc. Dies mag sowohl Stärke als auch Schwäche des Romans sein. Für mich persönlich war die Geschichte grundsätzlich etwas "zu voll", gleichzeitig findet sicherlich jede Leserin einen Aspekt in diesem Buch, der sie bewegen wird. Mich hat tatsächlich Vios Geschichte am meisten interessiert und bewegt. Als Mutter zerreißt es mir das Herz nur daran zu denken, was die Protagonistin in ihrer Situation an Schuldgefühlen ihrer Tochter gegenüber empfinden muss. Vio ist in ihren Gefühlen brutal ehrlich und beschönigt nichts, was ich sehr authentisch fand. Denn in Zeiten, wo Mobbing dank Sozialer Medien immer krasser und der Druck bestimmten Schönheitsbildern zu entsprechen für junge Frauen immer stärker wird, kann ich die Sorge um ihre Tochter absolut nachvollziehen. Vios Tochter wird es mit ihren Narben schwer haben, das steht trotz der wachsenden "Body Positivity"-Bewegung außer Frage. Von mir gibt es für das Buch eine klare Leseempfehlung, denn gerade die aufgegriffene Frage von Schönheit, aber auch die Sprache des Romans haben mich überzeugt! Ich freue mich auf weitere Bücher der Autorin.
Ein sehr schöner und trauriger Debütroman, der sehr zum nachdenken anregt. Es geht unter anderem um die Themen: Herkunft, Schuld und Scham, Mutter sein und Schönheitsideale. Ich war auf der Lesung der Autorin, wo sie aus jeder Sicht, eine Textpassage vorlas. Ich wurde immer neugieriger auf das Buch und musste es unbedingt kaufen und lesen. Keinen Tag lag es auf meinem SUB und schon war es auch schon beendet. Es geht um sehr wichtige Themen, wie oben schon geschrieben. Keine leichte Kost also. Ich kann das Buch einfach uneingeschränkt empfehlen, das es wie schon sehr gesagt wichtige Themen enthält und einen sehr zum nachdenken anregt. Ich finde jeder sollte es gelesen haben, denn es ist für jeden thematisch etwas dabei und ein sehr wichtiges Buch finde ich.
Viel Potenzial, aber kaum Tiefe
"Ich muss so vieles wiedergutmachen. Aber es gibt kein Gutmachen, weil es nicht mehr gut wird, nur vielleicht ein bisschen weniger schlimm." - S. 32 Leider hat es mich insgesamt nicht überzeugt. Ich war mehr als einmal kurz davor, das Buch abzubrechen, weil mich die Geschichte nicht richtig packen konnte. Der Roman erzählt auf mehreren Zeitebenen von Theresia und Vio. Grundsätzlich finde ich solche Erzählweisen spannend, hier hat es für mich aber nicht richtig funktioniert. Die einzelnen Handlungsstränge konnten mich nicht wirklich fesseln und wirkten stellenweise eher langatmig. Was für mich am schwersten gewogen hat, war die fehlende emotionale Verbindung zu den Charakteren. Ich konnte keinen richtigen Draht zu ihnen aufbauen, wodurch mich viele Entwicklungen kalt gelassen haben. Die Figuren blieben für mich zu oberflächlich und ich hatte oft das Gefühl, ihnen eher von außen zuzusehen, statt wirklich mit ihnen mitzufühlen. "Love it. Change it. Or leave it. Aber alles davon ist unmöglich. Ich hasse es. Ich kann es nicht ändern. Und verlassen kann ich höchstens mich selbst." - S. 31 Auch inhaltlich hatte ich mir mehr Tiefe erhofft. Viele Themen werden angesprochen, aber für mich nicht ausreichend ausgearbeitet. Dadurch wirkt das Buch stellenweise etwas überladen, ohne wirklich in die Tiefe zu gehen. Es bleibt vieles an der Oberfläche, obwohl eigentlich viel Potenzial da gewesen wäre. Der Schreibstil ließ sich zwar gut lesen, konnte aber für mich nicht ausgleichen, dass mich die Geschichte insgesamt nicht wirklich erreicht hat. Am Ende sind es für mich 2 von 5 Sternen. Eine interessante Idee, die mich in der Umsetzung leider nicht überzeugen konnte.

"Das Schönste aller Leben" erzählt die Geschichten von Vio und Theresia. Vio wächst den größten Teil ihres Lebens in Deutschland auf und fühlt sich doch nicht so, als würde sie dazugehören. Ihre Eltern sind mit ihr und ihren Großeltern aus Rumänien geflohen. Für Vio ist das neue Leben in Deutschland nicht leicht, alles kommt ihr fremd vor, sie fühlt sich bewertet - von ihren Eltern, aber auch von ihren Mitschülern. Als Erwachsene erlebt sie ein traumatisches Erlebnis, als ihre Tochter bei einem Unfall Narben davonträgt. Vio macht sich Vorwürfe und fragt sich, was bleibt ihrer Tochter, wenn es nicht die eigene Schönheit ist? Theresia besitzt - außer ihrer Schönheit - nichts mehr. Als uneheliches Kind von einer geächteten Mutter wird sie verstoßen, wächst bei einer Bauernfamilie auf. Als sie älter ist, hat sie eine Affäre mit einem Pfarrer, die von der Keuschheitskommission entdeckt wird. Als Strafe wird sie verschleppt. Vios und Theresias Geschichten sind anders, aber dennoch verbindet sie eine Herkunft, eine Generationenlinie. Obwohl beide Frauen in unterschidelichen Jahrhunderten aufwachsen, zeigt Betty Boras in ihrem Debüt, dass Frauen oft immer noch nach den gleichen Maßstäben bewertet werden. Dazu gehört ihr Äußeres, aber auch ihr Verhalten, als Frau, Mutter, Ehefrau. Der Roman hat so viele interessante Aspekte aufgegriffen, die mir bisher neu waren und über die ich - zumindest aktiv - noch nicht so wirklich nachgedacht habe. Etwa in wie weit die Schönheit der Frauen oder eben auch der Tochter ein wichtiges Gut ist. Ich habe außerdem auch sehr viel über den Banat und Rumänien gelernt. Mich hat "Das Schönste aller Leben" sehr berührt, wütend gemacht, fassungslos, aber auch hoffnungsvoll. Betty Boras hat einen wirklich tollen Generationenroman erschaffen, der zwei Generationen einer Familie zusammenwebt und über die Jahre hinweg verbindet. Definitv eine Empfehlung!
Characteristics
1 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Description
Book Information
Author Description
Betty Boras, geboren 1984 in Arad/Rumänien, kam als Kind nach Deutschland. Sie studierte Germanistik, Philosophie und Spanisch in Tübingen, arbeitet als Gymnasiallehrerin und lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in der Nähe von Stuttgart. »Das schönste aller Leben« ist ihr Debüt.
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Den Debütroman von Betty Boras „Das schönste aller Leben“ habe ich sehr gern gelesen. Es ist die Geschichte von Vio und ihrer Vorfahrin Theresia, die im 18. Jahrhundert im rumänischen Banat gelebt hatte. Vio ist als Kind mit ihren Eltern aus Rumänien nach Deutschland gekommen. Sie stammen von den Banater Schwaben ab, die sich vor dreihundert Jahren in Rumänien angesiedelt hatten. Wir begleiten Vio durch ihre Kindheit in Deutschland. Ihre Eltern sprechen einen auffälligen Dialekt und kleiden sich anders als „die Hiesigen“. Der Vater arbeitet in einer Fabrik, die Mutter in einer Bäckerei. Vio ist sehr gut in der Schule und wechselt nach der Grundschule aufs Gymnasium, danach studiert sie Lehramt. Als ihre kleine Tochter zwei Jahre alt ist, passiert ein Unglück, nach dem das Kleinkind Narben im Gesicht davonträgt. Für Vio bricht eine Welt zusammen, sie verfällt in Depressionen. Zum einen gibt sie sich die Schuld für den Unfall, zum anderen glaubt sie, dass es für eine Frau bzw. ein Mädchen unheimlich wichtig sei, schön zu sein. Wie oft haben ihre Eltern mit ihrer hübschen Enkelin geprahlt, wie oft wurde ihre Schönheit von anderen bewundert. Vio glaubt, dass ihre Tochter mit Narben im Gesicht kaum noch Chancen hat, zu heiraten, Kinder zu bekommen, glücklich zu werden. Vios Vorfahrin Theresia kannte ihren Vater nicht, ihre Mutter hat sie früh verloren. Nach ihrem Tod wurde das kleine Mädchen von einer Familie im Dorf aufgenommen, die einen gleichaltrigen Sohn hatte. Hans und Theresia wuchsen wie Geschwister auf, bis sich Hans in die schöne Theresia verliebt hatte. Doch diese hatte ihr Herz bereits an einen anderen verloren, von dem sie schwanger wurde. Theresias Schicksal wird von der Keuschheitskommission besiegelt, die sie ins Banat verbannt. Die Kapitel erzählen abwechselnd Vios und Theresias Geschichte. Zwischendurch erzählt uns die Banater Erde ihre Geschichte. Vio war mir nicht durchgehend sympathisch, oft drehten sich ihre Gedanken im Kreis: Um ihre Schuld am Unfall und die dadurch zerstörten Zukunftsperspektiven ihrer Tochter. In der Therapie erfährt sie, dass ihre Depressionen genetisch bedingt sind. Vio hatte als 13jährige eine depressive Episode, als sie gegen die beginnende Skoliose ein Korsett tragen musste. Einige Jahre später hat sie sich geweigert, eine Zahnspange zu tragen – noch ein Opfer wollte sie um der Schönheit willen nicht bringen. Der Schreibstil von Betty Boras ist poetisch und bildhaft, ich konnte mich gut in die Protagonistinnen versetzen. Beide Geschichten haben mich sehr berührt, der Neubeginn in Deutschland brachte Erinnerungen in mir hoch, da auch ich als Kind meine Heimat verlassen musste. Ein gelungener Debütroman, für den ich fünf Sterne vergebe und den ich gerne weiterempfehle.
Ich folge Betty Boras schon seit einiger Zeit auf Instagram, weil ich ihre Rezensionen gerne lese und ihr Lesegeschmack meinem ähnlich ist. Natürlich war ich neugierig auf ihren Roman, aber gleichzeitig auch etwas zurückhaltend. Ich fragte mich, wie es für mich wäre, wenn ihr Buch mich nicht vollständig erreichen würde. Ich kann auf jeden Fall sagen, diese Zweifel waren unbegründet. Es gefällt mir unglaublich gut! In diesem Roman geht es um zwei Frauen, allerdings auf drei Ebenen erzählt. Eine davon ist Vio als junges Mädchen. Aus dieser Perspektive lernen wir Violas Vergangenheit, ihre Eltern und Großeltern näher kennen. Sie ist in Rumänien geboren, wuchs im Banat auf und ist nach dem Sturz der Diktatur gemeinsam mit ihren Eltern nach Deutschland geflohen. Anpassen, fleißig sein und nicht auffallen ist die Devise. Die nächste Erzählebene stammt ebenfalls von Viola, jedoch aus der Gegenwart und wird aus der Ich-Perspektive erzählt, als Mutter einer zweijährigen Tochter. Diese Tochter hat Vios Glück vervollständigt, bis ein Unfall die vollkommene Schönheit ihrer Tochter bedroht und Vio innerlich an ihren Selbstvorwürfen zerbricht. Der letzte Erzählstrang handelt von Theresia, einer Frau aus dem 18. Jahrhundert. Diese ist sie gezwungen, Österreich zu verlassen und sich im Banat niederzulassen. Zwischendurch meldet sich auch die Banater Erde und erzählt anschaulich ihre Geschichte aus einer sehr mütterlichen Sicht. Dieses Buch hat eine unglaubliche Sogkraft. Die unterschiedlichen Perspektiven erzeugen eine so große Spannung, dass ich nur so durch die Seiten geflogen bin. Alle Frauen in diesem Buch waren so interessante gezeichnet und so gut miteinander verwoben, dass ich ihnen meine vollste Aufmerksamkeit schenken wollte. Ich hatte beim Lesen die ganze Zeit eine melancholische Stimmung gespürt, die jedoch nicht zu bedrückend war. Ich konnte so vieles nachvollziehen, die Schönheitsideale, die uns von der Gesellschaft aufgezwungen werden und die wir in uns tragen, auch wenn wir denken, nicht „so oberflächlich“ zu sein. Auch wie stark unsere eigenen Erfahrungen unser Leben prägen. Das Gefühl, als Mutter versagt zu haben und die Anpassung eines Menschen, der nicht in dem Land geboren ist, in dem er aufwächst. Hier ist Schönheit aber nicht nur ein Segen, denn Theresia wird diese Schönheit zum Verhängnis. Neid und Missgunst ihrer Mitmenschen führen dazu, dass sie ihr geliebtes Leben in Wien aufgeben muss. Ein sehr warmes Buch über Herkunft, Schönheitsideale und Muttersein. Für mich eine absolute Leseempfehlung und ein gutes Debüt und ich hoffe, es kommen noch weitere Bücher von Betty Boras. S.33 „Wir lesen das Buch zu Ende, am Schluss vertraut sich das Mädchen seinen Eltern an und erkennt, dass es auf die inneren Werte ankommt. Leider erbärmlich unrealistisch. Ja, natürlich sind die inneren Werte wichtiger, aber solange die Gesellschaft weiterhin nach äußeren beurteilt, nützt diese Erkenntnis nichts und bleibt eine hohle Phrase.“ S.110 „Eine Schwangere, die dick wurde und wie ein Hefekloß aufging und Pickel bekam, trug eher ein Mädchen aus, das der Mutter die Schönheit nahm. Als meine Tochter geboren wurde, hörte meine Oma auf, mich „meine Schöne“ zu nennen, die Anrede ging fließend auf sie über. So hatte sie mir meine Schönheit wirklich genommen, und ich gönnte es ihr von Herzen.“ S.152 „Ich hatte noch nie eine besonders starke Verbindung zu meiner Identität, meinem inneren Kern. Mein Ich hat sich angepasst. Es ist wachsam für die Wünsche und Träume anderer gewesen, hat sie aufgenommen, sich angeeignet, sie in Worte umgewandelt, die wie meine klingen sollen. Hauptsache, nicht auffallen, nicht anders sein.“
Mit „Das schönste aller Leben“ legt Betty Boras ein beeindruckendes, still erschütterndes Debüt vor, das lange nachwirkt. Der Roman erzählt von Herkunft und Migration, von Mutterschaft, Schuld und Scham – und vor allem vom gnadenlosen Druck weiblicher Schönheitsideale, der sich über Jahrhunderte hinweg in Körper und Biografien einschreibt. Im Zentrum steht Vio, die kurz nach dem Sturz der rumänischen Diktatur mit ihren Eltern aus dem Banat nach Deutschland kommt. Anpassung wird zur Überlebensstrategie: nicht auffallen, fleißig sein, schön sein. Trotz aller inneren und äußeren Widerstände findet Vio ihren Platz. Doch als ihre kleine Tochter bei einem Unfall schwere Narben davonträgt, bricht etwas in ihr auf, das lange unter der Oberfläche lag. Die Selbstvorwürfe, die gesellschaftlichen Erwartungen an „gute“ Mutterschaft und die Frage nach Schuld treiben Vio in eine tiefe Krise. Boras beschreibt diesen Zustand mit großer psychologischer Genauigkeit und Zärtlichkeit – ohne Pathos, aber mit einer Intensität, die unmittelbar berührt. Parallel dazu erzählt der Roman von Theresia im 18. Jahrhundert. Sie wird für ihre Schönheit und ihr Begehren bestraft, gerät ins Visier der Wiener Keuschheitskommission und wird ins Banat verschleppt. Auch ihr Körper wird zum Schauplatz von Macht, Kontrolle und Gewalt. Die beiden Frauenfiguren sind über Zeit und Raum hinweg miteinander verbunden – nicht nur durch die Banater Erde, sondern durch ein gemeinsames Erbe aus Schmerz, Anpassung und Überlebenswillen. Besonders eindrücklich sind die Passagen, in denen die Erde selbst zu Wort kommt: Die Banater Erde wird zur Zeugin von Vertreibung, Migration und enttäuschten Hoffnungen. Diese poetische Perspektive verleiht dem Roman eine zusätzliche, fast mythische Tiefe und macht deutlich, wie sehr Geschichte, Herkunft und Körper miteinander verwoben sind. Betty Boras’ Sprache ist fein, präzise und von großer emotionaler Kraft. Sie urteilt nicht, sie erklärt nicht – sie zeigt. Dabei gelingt ihr das Kunststück, schwere Themen wie Schuld, Trauma und gesellschaftliche Zwänge mit einer leisen Schönheit zu erzählen, die niemals verharmlost. Der Roman stellt unbequeme Fragen: Wie tief sitzen Erwartungen an Frauen? Wie sehr prägen Herkunft und Fremdzuschreibung unser Selbstbild? Und was bedeutet es wirklich, „das schönste aller Leben“ zu wollen – für sich selbst, für die eigenen Kinder? „Das schönste aller Leben“ ist ein intensiver, vielschichtiger Roman über weibliche Erfahrungen über Generationen hinweg. Ein Debüt von großer literarischer Reife, das leise erschüttert, tief berührt und noch lange im Inneren weiterarbeitet. Eine klare Leseempfehlung für alle, die literarische Tiefe, gesellschaftliche Relevanz und sprachliche Sensibilität schätzen.

Tolles Debüt
Ich hatte große Erwartungen an das Buch, weil es im Vorfeld so stark beworben wurde. Und natürlich Angst, dass diese Erwartungen nicht erfüllt werden könnten. Erzählweise, Sprache und die Geschichte haben meine Erwartungen jedoch noch übertroffen! Auf zwei Erzählebenen begegnen wir zwei starken Frauenfiguren, Theresia, die etwa im 19. Jahrhundert im Banat, in Rumänien lebt und Viola, die zur jetzigen Zeit lebt. Beide erleben Schicksalsschläge, die man nicht vergleichen kann, die jedoch etwas gemeinsam haben. Das eigene Aussehen, die Schönheit, und deren Umgang und deren Erwartungen und Folgen. Viola möchte das „schönste aller Leben“ für ihre Tochter ist damit doch auch gefangen in ihrer eigenen Erziehung, denn „was sollen denn die Nachbarn denken“ zieht sich wie ein roter Faden von Theresias Anschuldigungen der Keuschheitskommission bis ins Jetzt zu Viola. Betty Boras schreibt poetisch, kraftvoll und so voller Wärme und Kraft, dass mir warm ums Herz wurde. Ihr Sprachstil hat mich sehr an Iris Wolff erinnert, die ich sehr schätze. Es bleiben viele Dinge, die nachhallen und eine Geschichte, die mit einer Linde einen Kreis schließt, ein gelungenes Debüt!
»DAS SCHÖNSTE ALLER LEBEN« ist der Debütroman der Autorin & Buchbloggerin Betty Boras. Wie sie bereits auf Instagram geteilt hat, sind einige Elemente von ihrem eigenen Leben und Familiengeschichte inspiriert. Sie schreibt in ihrem Debütroman u.a. über Pretty Privilege, Familiengeschichte, transgenerationale Traumata, Migration & Identität. »Mit jeder Faser spürte sie ihre Verlassenheit. Sie hatte kein Zuhause mehr, keine Familie. Und auch wenn sie schon immer das Gefühl gehabt hatte, nirgends richtig dazuzugehören, so hatte ihre jetzige Einsamkeit eine neue Dimension erreicht.« THERESIA (20) Der Roman erzählt auf mehreren Zeitebenen das Leben von zwei Frauen einer Familie, die aus Deutschland über das Wiener Umland in den rumänischen Banat umgesiedelt, und im 20. Jahrhundert zurück ins Schwabenland gekehrt sind. Aus Sicht der jeweiligen Protagonistin wird deren Leben erzählt: THERESIA, die im 18. Jhd. in den Banat geflüchtet ist, in einem Arbeitslager unter schwersten Bedingungen arbeitet und nach einem selbstbestimmten Leben strebt. VIO, die als Kind im 20. Jhd. mit ihren Eltern als Kind zurück nach Deutschland kommt, in Deutschland nach Anerkennung, Identität und Zugehörigkeit sucht. Als dritte Zeitebene lesen wir von Vio aus der ICH-Perspektive als Erwachsene. Dazwischen baut die Autorin ein Stilelement ein, dass Lesende bspw. von Eilf Shafak kennen und lässt ‚DIE BANATER ERDE‘ kurz sprechen. Alle drei Perspektiven zeichnet aus, dass sie sich mit einem selbstbestimmten Leben als Frau, gesellschaftlichen Erwartungen und Schönheit beschäftigen. »Wie sehr mich jedes Lachen über den Makel eines Kindes trifft. Ich bin eine von ihnen. Die Mutter eines makelhaften Kindes.« ICH (92) Ich finde die erzählte Perspektive der erwachsenen Vio (Erzählperson: ICH) sehr problematisch. 🚩Ihre Tochter trägt aufgrund von eines Unfall Narben im Gesicht davon und Vio, kann nach diesem Unfall ihre bislang wunderschöne Tochter nicht einmal mehr als ihre Tochter benennen. Ich finde zum Einen hoch problematisch, wie sehr Schönheitsnormen hier reproduziert werden, ohne diese wirklich kritisch zu hinterfragen. Zum Anderen hat dies eine weitreichende Dimension auf Themen wie Gesundheit und Behinderung. (BTW: Auch der Satz ‚Hauptsache das Kind ist gesund‘ ist problematisch und ableistisch …) Dieser Teil des Romans nimmt immer mehr Raum ein. (Immerhin beginnt Vio im Laufe des Romans eine Therapie.) Für mich hat diese Perspektive die anderen sehr überschattet. Es hätte durchaus viel mehr Fokus auf Themen wie Freundschaft, Abschied, Flucht, Diskrimminierung geben können, die im Kontext der deutschen Minderheit in Rumänien literarisch verarbeitet werden können, wie wir es zum Beispiel bei der Schriftstellerin Iris Wolff sehr poetisch und literarisch lesen können. Die teilweise sehr schweren Themen bei der Protagonistin THERESIA werden aber so viel kürzer als VIO’s Geschichte erzählt. Das finde ich sehr schade und hat mich leider nicht überzeugen können. So bleiben die Figuren und Themen für mich relativ flach. Ich hätte den Roman so gerne gemocht, aber leider sollte es für mich nicht passen — und das ist völlig OK. Ich bin mir sicher, dass der Roman seine Leser*innen finden wird und wünsche Betty alles Liebe ♥ und ganz viel Freude auf Lesereise mit ihrem Debüt.

DAS SCHÖNSTE ALLER LEBEN Betty Boras ET: 17.02.26 In ihrem Debütroman verwebt Betty Boras drei Erzählstränge zu einer vielschichtigen Familiengeschichte über Herkunft, Zugehörigkeit und die Last der Erwartungen. Vio verlässt 1989 mit ihren Eltern kurz nach dem Sturz der kommunistischen Diktatur die rumänische Region Banat und flieht nach Deutschland. Obwohl sie Deutsch sprechen, bleiben sie Fremde. Unauffällig sein, nicht anecken, bloß keinen Anlass für Gerede geben – so lautet das unausgesprochene Lebensmotto. Die Eltern arbeiten hart, sind pflichtbewusst und fleißig, und doch stellt sich das Gefühl des Angekommenseins nie ein. Erst Vio scheint all das zu verkörpern, worauf sie hoffen: gute Noten, deutsche Freundinnen, die Empfehlung fürs Gymnasium. Schön und klug, so glauben die Eltern, könnte sie es eines Tages schaffen, wirklich dazuzugehören. Ein weiterer Erzählstrang führt ins 18. Jahrhundert. Die Waise Theresia wächst in einer wohlhabenden Familie auf, die sie wie eine Tochter behandelt. Doch ihre Schönheit bleibt nicht unbemerkt, Gerüchte machen die Runde, auch der Sohn des Hauses begehrt sie. Schließlich gerät Theresia ins Visier der Keuschheitskommission und wird in ein Arbeitslager verschleppt – mit einem Geheimnis, das dort niemand erfahren darf. Die dritte Stimme gehört einer Ich-Erzählerin aus der Gegenwart. Sie bringt ein wunderschönes Mädchen zur Welt, auf dem die Hoffnungen mehrerer Generationen lasten. Zum ersten Mal steht auf einer Geburtsurkunde als Geburtsort Deutschland. Doch ein Moment der Unachtsamkeit genügt: Heißer Tee verbrüht die Hälfte des kindlichen Gesichts – und mit einem Schlag scheinen all die Erwartungen der Familie zerbrochen. Liebe Betty, wir kennen uns von Bookstagram, und ehrlich gesagt hatte ich Respekt davor, deinen Debütroman zu lesen. Die Sorge, ihn vielleicht nicht zu mögen, war völlig unbegründet. Ich bin durch die Seiten geflogen, konnte das Buch kaum aus der Hand legen und war am Ende tief bewegt. Dein Schreibstil ist eigenständig und eindringlich. Danke, dass du einen Teil deiner Familiengeschichte mit uns geteilt hast. Fazit: Ein autofiktionaler Roman über Vorfahren, die alles liegen und stehen gelassen haben um den nachfolgenden Generationen ein besseres Leben zu ermöglichen. Große Leseempfehlung von mir. 5/5

Schön verwobenes Portarait verschiedener Frauen aus unterschiedlichen Generationen. Tolle Sprache, zum Nachdenken. Sehr eindringlich und zugänglich geschrieben. Banat, Rumänien, Deutschland, Österreich. Kleine historische Bezüge fließen ebenfalls mit ein und wie das Thema Zugehörigkeit immer eine Rolle spielt, sowie das Öffentliche Ansehen von Frauen.
Mutterboden
Betty Boras hat es sich nicht leicht gemacht. Auf nur 238 Seiten verknüpft sie vier Erzählstimmen, drei Zeitebenen und greift zahlreiche thematische Schwerpunkte wie Migration, kulturelle Identität, Mutterschaft, Schuld, gesellschaftliches Optimierungsstreben, Stigmatisierung, Diskriminierung, weibliche Sozialisation und Rollenbilder sowie psychische Gesundheit auf. Aus meiner Sicht spielen Aspekte der transgenerationalen Weitergabe von Narben und Traumata eine übergeordnete Rolle in diesem Debüt. Der Banater Erde kommt in diesem Roman eine eigene Erzählstimme zu, die mir besonders gut gefallen hat. Diese Erzählperspektive vereint in ihrer Rolle als Mutterboden Motive wie Mutterschaft, Herkunft und Verlust melancholisch und kraftvoll miteinander. Die anderen Erzählebenen sind weniger mystisch gewählt: Wir begleiten Vio, auf zwei Zeitebenen, ihre Ahnin Theresia und zwischen diesen beiden Generationen Margarete und Rosalia. Diese Frauen eint, dass sie um verlorene Welten trauern: Theresia wird die Missgunst zum Verhängnis, die ihre Schönheit auslöst. Sie findet sich unter prekären Bedingungen in der historischen Region des Banats als eine der unfreiwilligen Siedlerinnen, die man „Banater Schwaben“ nennt, wieder. Das gewohnte Leben und die Heimat sind verloren. Margarete trauert um ihren Lindenbaum, nachdem sie sich ihrer Tochter Rosalia folgend selbst entwurzelte, um nach Deutschland auszuwandern und um all das, was starke Baum symbolisierte. Aufgrund der Muttersprache und Herkunft der Vorfahren fühlt sich das neue Leben gleichermaßen nach Heimkehr und Entfremdung an. Wenn Rosalia um etwas trauert, dann um das Gefühl der Achtung, des Prestiges und des Überblicks über die sozialen Spielregeln in der alten Heimat. Wir erhalten wenig Einblick in ihr Seelenleben. Das steht symbolhaft dafür, dass inmitten all der Arbeit, die sie leistet, um für ihre Familie Assimilation, Aufstieg und Achtung zu erreichenn, kaum Raum für einen Zugang zu diesen Regungen besteht. Vio begleiten wir auf zwei Zeitebenen. Während ihres Heranwachsens trauern wir mit ihr um die Unbeschwertheit ihrer Jugend und um den Verlust ihrer Autonomie. Sie trägt die Last, den Standards an Schönheit und Leistung zu entsprechen, sich Prestige und Zugehörigkeit zu erarbeiten und es in ihrer Optik zu symbolisieren. In diesem Kontext stellen vor allem das schulische Leben und die Folgen einer Skoliosebehandlung mittels Korsetts die Gussform für Narben dar, die sie für den Rest ihres Lebens prägen werden. In der Erzählebene von Vios konfrontiert sie sich mit der Schuld, die sie aus ihrer Sicht an einem Unfall trägt, in dessen Rahmen ihre Tochter Narben im Gesicht davonträgt. Sie trauert um die „heile“ Welt davor und wir begleiten sie dabei, wie sich ihr Blickfeld wahnhaft immer weiter auf diese Schuldthematik eingeengt. Das Trauma, das auch sie im Rahmen dieses Unfalls erlitten hat und für das es anscheinend keine erste Hilfe gab, bricht sich seinen Weg und zeigt sich in psychischen Symptomen. Ihre Wahrheit über ihre Schuld ist in diesem Kontext wahrer als wahr. Absolution wird ihr nur von denen erteilt, deren Worte für sie kein Gewicht haben oder von denen verwehrt, von denen sie sie erfleht. Ihre Tochter spielt lange Zeit lediglich als Projektion ihrer Selbstwert-definierenden Leistung als Mutter eine Rolle. Erst später tritt sie als eigenes Individuum abseits dieses defizitorientierten Blicks in Erscheinung. In Motiven wie dem parallel gestalteten Aufmaß für Korsett und Hochzeitskleid oder den wertenden Kommentaren zur Optik bis hin zur Aufbahrung brachten die Allgegenwärtigkeit von Schönheitsidealen, denen Frauen ausgesetzt sind, beklemmend zum Ausdruck. Den Schreibstil empfand ich als poetisch bildgewaltig und anklagend kraftvoll. Betty Boras ist es in ihrem Debüt gelungen, die eingangs erwähnten thematischen Schwerpunkte auf kleinem Raum hochwertig miteinander zu verweben. Ich bin beeindruckt und freue mich auf mehr.
Klug und einzigartig
Mich hat das Buch auf jeden Fall überzeugt und auch berührt. Ich brauchte zwar ein paar Seiten, um reinzukommen, aber dann hat mich die Geschichte bzw. haben mich die Geschichten der Frauen auf den verschiedenen Zeitebenen wirklich verschluckt und ich mochte das Buch kaum mehr aus der Hand legen. Mal abgesehen davon, dass es ohnehin einige der Kriterien erfüllt, die meinen persönlichen Geschmack ausmachen, hatte ich wirklich das Gefühl, mal etwas anderes zu lesen. Betty (ich kenne sie durchs Bloggen) hat das Thema Schönheit klug und tiefgründig mit dem Plot und auch anderen bewegenden Themen wie Fluchterfahrungen und transgenerationalen Traumata verwoben. Ein tolles feministisches Debüt!
„Das schönste aller Leben“ erzählt von zwei Frauen, die Jahrhunderte trennen und doch durch Herkunft, Schmerz und gesellschaftliche Erwartungen verbunden sind. Vios Geschichte nach der Flucht aus dem rumänischen Banat hat mich sehr mitgenommen. Der Anpassungsdruck, das stille Funktionieren, die Schuldgefühle als Mutter nach dem Unfall ihrer Tochter, all das ist eindringlich und feinfühlig erzählt. Ihr Weg hat mich wirklich gepackt. Der historische Strang um Theresia im 18. Jahrhundert war atmosphärisch stark, konnte mich emotional aber nicht so berühren, wie ich gehofft hatte. Trotzdem ist es ein schönes, berührendes Buch über weibliche Verletzlichkeit und Herkunft, auch wenn der Funke für mich nicht ganz übergesprungen ist.

Irgendwie habe ich mir von diesem Roman mehr erwartet, vermutlich weil man es bereits seit einiger Zeit dauernd auf Instagram sieht. Ich fand die Geschichte nicht uninteressant, aber ganz so packen konnte sie mich auch nicht. Anfangs habe ich mir ein wenig schwer getan, um reinzukommen. Für mich war es leider nur ein "okay" Buch.
Sehr authentisch
Schöne Menschen haben es im Leben leichter: Sie haben in der Regel mehr Freunde, verdienen mehr Geld und werden eher bevorzugt. Selbst es Babys erhalten sie mehr Zuneigung. Dieser Tatsache scheint sich Viola sehr bewusst zu sein. Ihr großer Wunsch war es, ein schönes Kind zu haben. Nun ist das Gesicht ihrer Tochter nach einem Unfall jedoch nicht mehr dasselbe. Zu diesem Albtraum aller Eltern kommt hinzu, dass Viola sich selbst für dieses Unglück verantwortlich macht. Neben Violas Erzählung gibt es noch drei weitere. Dabei ist das Buch geschickt konstruiert: die vier Perspektiven sind eigentlich nur drei, wie sich recht bald zeigt. Denn tatsächlich wissen wir zunächst gar nicht, wer erzählt, die Erzählerin ist namenlos. Doch recht bald wird klar, dass es sich bei der Perspektive von Vio um die Kindheit bzw. Jugend von Violas handelt, die nun auch ihren Namen bekommt. Die Einordnung von Theresia dauert dagegen etwas länger. Ihre Geschichte spielt in der Vergangenheit, wobei das genaue Jahr länger im Dunklen bleibt. Auch in ihrer Geschichte spielt Schönheit eine Rolle, wobei sie Theresia eher zum Verhängnis wird. Schließlich gibt es noch eine ganz besondere Sichtweise, nämlich die Banater Erde. Sie hält alles zusammen, ist aber auch Fluch und Segen zugleich. Das schönste aller Leben enthält eine Vielzahl von Themen: Herkunft, Zugehörigkeit, Schönheit, Ausgrenzung… Dabei wirkt der Roman aber weder überfrachtet, noch entsteht der Eindruck, etwas wäre nur angerissen worden und käme zu kurz. Alles ist wohl durchdacht. Gleichzeitig gelingt es Berry Boras, Figuren zu erschaffen, ich die ich mich äußerst gut einfühlen konnte und deren Schicksal mir sehr nahe ging. Die Autorin, die selbst aus dem Banat stammt und seit vielen Jahren in Deutschland lebt, beschreibt sehr authentisch, welche Auswirkungen die Entwurzelung für die unterschiedlichen Generationen hat: Violas kommt einigermaßen gut damit klar, auch wenn ihr ihre Herkunft immer bewusst ist. Ihren Großeltern dagegen fällt sie viel schwerer, denn alte Bäume verpflanzt man nicht. Auch sprachlich gefiel mir Das schönste aller Leben wirklich gut. Die Worte sind wohlüberlegt und alles hat einen ganz besonderen Ton, der sich durch das gesamte Buch trägt. Betty hat einen wunderbaren Roman verfasst, welcher nicht nur aus anderen Debüts hervorsticht, sondern auch aus der Vielzahl an Büchern, die sich mit Herkunft beschäftigen.
In ihrem Debütroman erzählt Betty Boras die Geschichte zweier Frauen, die Geschichte von Vio und Theresia. Zwei Leben weit voneinander entfernt und doch verbunden, denn die eine legt irgendwie auch den Grundstein für das Leben der anderen. In einem Erzählstrang erfahren wir, wie Theresia Ende des 18. Jahrhunderts ihre Schönheit zum Verhängnis wird, und sie für Strafarbeiten von Wien ins Banat gebracht wird. Genau wie Theresia, ist Vio schön. Und sie ist mit bestimmten Idealen aufgewachsen. Wurde groß gezogen mit den Glaubenssätzen, dass Angepasstheit und Schönheit, Makellosigkeit und Fleiß ihr die besten Voraussetzungen für ein erfolgreiches und glückliches Leben bescheren würden. Und der Stellenwert dieser elterlichen Erwartungen ist besonders hoch, weil die Familie aus dem deutschsprachigen Banat nach Deutschland flieht und die Tochter bestenfalls nur positiv auffallen soll . Heute ist Vio selbst frisch gebackene Mutter und wünscht sich für ihre eigene Tochter das schönste aller Leben. Doch ein Schicksalsschlag zwingt sie nun, diese Denkweise zu hinterfragen. Zu hinterfragen, warum all das so tief in ihr verankert ist. Und wie sie die zermürbenden Schuldgefühle überwinden kann. Nur sehr langsam gelingt ihr der Weg aus der Endlosspirale aus Selbstvorwürfen und Traurigkeit. Betty Boras legt mütterliche Urängste offen. Und sie trifft auch bei mir wunde Punkte. Immer durch die Augen der anderen gesehen werden, bewertet werden, unauffällig sein, angepasst und nett sein. Wie fest sich das setzt und wie schwer es ist, sich davon zu lösen. " 'Wie wichtig war es in Ihrer Familie, was andere von Ihnen dachten?'. Darüber muss ich nicht lange nachdenken. ' Es war das Allerwichtigste.'" (S.210) Die Autorin verwebt hier gleich mehrere Themen. Kindliche Prägung, Traumabewältigung, Schuld, Depression, Fluchtgeschichte und das für mich bisher vollkommen unbekannte Banat.
Ein tief bewegendes Debüt
„Ich möchte eine schöne Tochter.“ Mit diesem Satz beginnt der Roman Immer noch ist es (auch) Schönheit, die Mütter ihren Töchtern wünschen, in ihren Gesichtern suchen von klein auf. Auch ich. Im Romandebüt von Betty Boras spielt Schönheit neben Herkunft ein wichtige Rolle, eine zweischneidige. Der Roman begeistert mich mit seinen verschiedenen weiblichen Erzählstimmen. Da sind zum einen Theresia und Vio, zwei Frauen einer Familie. Sie bilden Anfang und Ende einer Familiengeschichte im sogenannten Banat in Rumänien. Die eine wird unfreiwillig ins Banat verschleppt und entschließt sich schlussendlich freiwillig dort zu bleiben. Die andere verlässt mehr als 200 Jahre später wiederum unfreiwillig als Kind das Banat und geht mit den Eltern nach Deutschland. Doch es gibt noch eine dritte weibliche Stimmen: die Banater Erde. Sie erklärt, philosophiert, klagt und öffnet eine Klammer, ohne sie am Ende endgültig zu schließen. Besonders berührt hat mich die Geschichte auch deshalb, weil die Darstellung der intensiven Körperlichkeit und des körperlichen wie seelischen Leidens der beiden Frauen mich eine große Nähe zu ihnen empfinden ließ. Ein Debüt, das die Frage nach Heimat und Herkunft auf besondere Weise mit den Lasten des Frau- und Mutterseins verbindet. Auf eines möchte ich noch hinweisen: Ich hatte bei der Lektüre seit langer Zeit mal wieder intensiv die Bilder rund um einen schweren Unfall meiner jüngsten Tochter vor über zehn Jahren im Kopf. Falls ihr vielleicht sogar erst kürzlich ein entsprechendes Trauma erlebt habt, prüft bitte für euch, ob das gerade die richtige Lektüre ist. Ansonsten große Leseempfehlung
Vielschichtig und bereichernd
Es ist ja immer so eine Sache, ein Buch zu rezensieren von einem lieben Menschen, den man persönlich kennt. Einerseits möchte man das Werk unbedingt lesen und freut sich richtig drauf, andererseits hat man große Angst, dass es einem nicht gefallen könnte. Wie dann damit umgehen? Bei Bettys Debüt wurde mein Lächeln im Gesicht mit jeder gelesenen Seite breiter. Es ist sooo gut! Vio ist das Kind von so genannten Banater Schwaben, einer deutschsprachigen Minderheit in Rumänien, die im 18. Jahrhundert aus unterschiedlichen Gründen ihre Heimat in Deutschland verlassen haben, um dort Land zu erwerben und ein besseres Leben zu erhoffen. Vio kehrt nach dem Sturz Ceausescus in die deutsche Heimat zurück, die ihr fremd ist, deren Sprache sie aber mit kleinen Schnörkel spricht. 100 DM haben die Eltern in der Tasche und ein Auto das fast auseinanderfällt bringt sie in die Nähe von Stuttgart. Vio ist 6, und sie geht ihren Weg. Ihre Mutter ist sehr stolz darauf, dass ihr Kind von „richtigen“ Deutschen nicht mehr zu unterscheiden ist. In einem weiteren Zeitstrang erleben wir Vio als Mutter einer Tochter, deren Versehrtheit sichtbar wurde. Ein Unfall zerstört Äußerliches und Vio stürzt mit ihrer Schuld in eine Tiefe Krise, die ihr nicht mehr möglich macht, ihr Kind als das zu sehen, was es wirklich ist, ein wunderschönes Wesen. Die dritte Zeitebene führt uns in die Migrationsgeschichte einer jungen Frau, die das Banat gegen ihren Willen kennen lernt. Theresia erzählt uns von der Macht und Verblendung der Jesuiten die Einfluss auf das Leben vieler Frauen genommen haben und ihnen die ohnehin schon oft zerstörte Würde endgültig nehmen. Alle drei Teile, die sich abwechseln, haben ihre eigene Melodie. Einmal das „Coming of Age“ - hafte, manchmal Amüsante, manchmal Trotzige und häufig Melancholische einer Heranwachsenden, die sich zwischen zwei Arten deutsch zu sein, stabil halten muss, und das zusätzlich erschwer durch ein Korsett, dass sie in tiefe Verzweiflung stürzt, (ich hatte als Kind so eine schreckliche Zahnspange mit Außenbogen – ich konnte mich da so gut reinfühlen). Mein Mitgefühl floss in diesem Teil nur so über. Es bot mir eine hohe Identifikationmöglichkeit, auch wenn meine migrantische Geschichte etwas anders ist. Sowas finde ich immer sehr bereichernd. Dann die junge Frau, die vor lauter Sorge um den Verlust der Schönheit ihrer Tochter in Gefahr gerät, vieles zu zerstören, die Beziehung zu ihrem Kind, zu ihrem Mann und letztenendes zu sich selbst. Dieser Teil wirft viele Fragen auf, die mich zum nachdenken angeregt haben. Was ist die Schönheit, die wir glauben, anderen zeigen zu müssen. Wie viel tun wir für uns selbst? Und was tun wir für andere? Besonders die letzte Frage hat auch meine Kindheit maßgeblich beeinflusst und war mir oft ein Dorn im Stachel meiner Eitelkeit. Vielleicht hab ich diese deshalb in weiten Teilen abgelegt. Und dann die wunderschöne Therese, die aufgrund ihrer Schönheit in den Morast gestoßen wird. Auch hier hat sich wieder ein Fenster für mich aufgetan, dass mir bisher unbekannt war. Das hier stilistisch auch etwas anders gearbeitet wurde, hat mir besonders gut gefallen und gab meinem Empfinden nach dem Roman, das gewisse etwas. Übertroffen wurde das nur noch von den Einschüben der Banater Erde. Sie sprechen zu lassen, hat mich tief berührt. Das Ende fand ich so gelungen, dass mir Tränen in die Augen geschossen sind. Die Antwort von Vio auf eine lange gefürchtete Frage hat meine gestreckte Faust in den Himmel boxen lassen!💪🏻💫✨ Und einen Daniel im Leben zu haben, der nicht nur geduldig und verständnisvoll, sondern auch verzweifelt und sehr kreativ ist, das wünscht sich doch eigentlich jeder, der gerade mit dem Leben strugglet. Ein vielschichtiges Debüt dass mein Herz hüpfen lässt und mein Regal um ein Highlight bereichert! Das hatte ich gehofft, und mein Wunsch hat sich erfüllt. Ein Roman der Horizonte erweitert Emotionen hervorruft und Güte verbreitet, wenn ihr sowas sucht, dann greift unbedingt zu Bettys Buch!
Berührend
Als erstes hat mich das Cover angezogen und dann hat mich der Klappentext sehr neugierig gemacht. Jetzt habe ich das Buch gelesen und musste tatsächlich erstmal durchatmen. Am Anfang habe ich mich etwas schwer getan in die Geschichte zu finden auch weil es mir schwergefallen ist zwischen den verschiedenen Zeiten im Kopf umzuschalten allerdings circa ab der Hälfte des Buches wollte ich es garnicht mehr weg legen und fand es sehr emotional und schön geschrieben. Dafür das das ein Debüt ist wirklich super gelungen! Über die Geschichte des Banats wusste ich noch nicht so viel und mir war auch nicht wirklich bewusst was dort passiert ist, ich finde es toll das dies Platz in diesem Buch findet. Auch wenn das Buch "nur" 240 Seiten hat, denke ich noch drüber nach und merke das emotional einen Punkt getroffen hat. Empfehlung geht aufjedenfall raus. :)
„Zu viel Schönheit hat noch keinem Weib was Gut’s bracht.“ (S. 20) Es ist fast ein kleines Familienepos, das Betty Boras hier auf rund 240 Seiten erzählt. Und doch ist "Das schönste aller Leben" weit mehr als die Geschichte einer einzelnen Familie. Es ist die Geschichte vieler Frauen. Frauen, die unter den Blicken anderer heranwachsen. Die lernen, sich selbst durch fremde Augen zu betrachten. Die hineinwachsen in eine Gesellschaft, in der eine schier untragbare Last von Erwartungen auf ihnen liegt. Im Zentrum steht Vio, die in einem rumänischen Dorf im Banat aufwächst und als Kind mit ihrer Familie nach Deutschland geht – zurück in ein Land, aus dem ihre Vorfahren einst fortgingen. Migration ist hier kein einmaliger Akt, sondern ein Zustand. Ein Dazwischen, das sich durch Generationen zieht. Vios Leben wird nicht eindimensional erzählt. Wir begegnen ihr aus auktorialer Perspektive sowie in unmittelbaren Ich-Kapiteln, die sie als erwachsene Frau und Mutter im Hier und Jetzt zeigen. Diese Gegenwart ist geprägt von einem Einschnitt, der kaum auszuhalten ist: einem Unfall, bei dem ihre kleine Tochter verletzt wird und Narben davonträgt. Vio gerät ins Wanken – als Mutter, als Frau, als jemand, die früh erfahren hat, dass Körper bewertet werden. Dass Schönheit Schutz verspricht und Abweichung bestraft wird. Sie weiß, wie es sich anfühlt, nicht nur sprichwörtlich im Korsett gesellschaftlicher Erwartungen festzustecken. Parallel dazu öffnet der Roman den Blick weit zurück, bis ins 18. Jahrhundert. Dort begegnen wir Theresia, einer Urahnin Vios. An ihr wird mit aller Härte sichtbar, wie früh weibliche Körper kontrolliert, beurteilt, sanktioniert wurden. Theresia gerät ins Visier einer moralischen Ordnung, die Frauen auf Keuschheit, Gehorsam und Nützlichkeit reduziert – und verliert alles: ihre Rechte, ihre Freiheit, ihre Selbstbestimmung. Es ist vor allem die Stimmung, die durch diesen Roman trägt. Schon der Prolog steckt voller schmerzhafter Wahrheiten, die kaum jemand ausspricht und doch so viele denken. Es geht um die Wertigkeit von Schönheit und Prestige. Um Aussehen versus Ansehen. Die Zuschreibungen sind klar verteilt. Wie sehr sind wir das, was andere in uns sehen? Zu wem werden wir unter den Blicken anderer? Und wie früh beginnen wir, uns selbst zu kontrollieren? Wir sollen schön sein. Von der Wiege bis zum Sterbebett. "Das schönste aller Leben" ist ein Roman über Mütter und Töchter. Darüber, was sie einander sind. Was sie voneinander lernen. Und was sie – bewusst oder unbewusst – weitergeben. Für unsere Kinder wollen wir nur das Beste. Doch welchen Boden braucht Glück, um gedeihen zu können? Wie groß ist die Verantwortung der Eltern für das Glück ihrer Kinder? Und wie schwer wiegt die eigene Schuld, wenn es ihnen nicht gelingt? Immer wieder verhandelt der Text die Frage nach Heimat und Verwurzelung. Von Wurzeln, an denen Heimaterde haften bleibt – egal, wie oft man sie verpflanzt. Davon, wie sehr wir ins Bild passen wollen – passen müssen –, um dazuzugehören. Wie ein kleiner Makel genügt, um ausgegrenzt zu werden. Es ist die Geschichte versehrter Körper und versehrter Seelen. Und vielleicht auch die eines versehrten Landes, dem Betty Boras eine Stimme gibt. Es ist eines der klügsten Bücher, die ich je gelesen habe. Voller Weisheit. Voller leiser, tiefer Gedanken. Ich lege es euch mit aller Kraft ans Herz.
Als Vios Tochter bei einem schlimmen Unglück verletzt wird zerfällt ihr Leben. Sie verliert ihren Halt und ihre Wurzeln, die sie sich so mühsam jahrelang erkämpft hat. Wer ist sie wirklich und wie möchte sie sein. Darf sie weiterhin so leben, lachen und sich sicher fühlen wie vor der Tragödie ? Und kann sie das überhaupt ? Boras erzählt hier die Geschichte zweier Frauen einer Familie die sehr intensiv für ihr Glück kämpfen müssen. Beide Schicksale haben mich sofort in ihren Bann gezogen. Ein Buch das zeigt und hinterfragt mit welchen Frauenbildern wir groß werden und welche Attribute und Komplimente uns tatsächlich helfen oder aber zerstören,da wir nach Idealen streben die uns so oft eingebläut wurden das wir sie als selbstverständlich erachten und erstrebenswert. Packend, ehrlich, regt zum Nachdenken an und hallt lange nach. Eine Stimme von der ich mir noch ganz viele Geschichten wünsche ….
Eine sehr berührende Familiengeschichte
📖Als Vio noch klein war, sind ihre Eltern mit ihr aus Rumänien geflohen, mit nicht viel mehr als der Hoffnung auf ein besseres Leben im Gepäck. Angekommen in Deutschland fällt es ihnen schwer Anschluss zu finden und ein Spagat zwischen zwei Welten beginnt. Jahre später hat Vio ihre eigene kleine Familie und muss durch einen tragischen Unfall feststellen, dass sie ihre Vergangenheit nie ganz abstreifen konnte. 💫Ein sehr berührender Roman über die eigenen Erwartungen, die im Konflikt stehen mit denen der Eltern, den Mitmenschen und den historisch geprägten Idealvorstellungen der Gesellschaft. Vio versucht permanent ihren Platz im Leben zu finden und den Idealvorstellungen gerecht zu werden. Dabei droht sie ihre Wurzeln zu verlieren und entfremdet sich zunehmen von ihrer Familie. Am Ende trennt sie sich von den falschen Vorstellungen und erkennt und vor allem akzeptiert sie ihre Wurzeln, und kann sich dadurch erst so richtig auf ihr Leben und vor allem ihre Mutterschaft einlassen. 💫Die Autorin setzt sich einfühlsam mit dem Thema „Generationstraumata“ auseinander und wie sich diese wie ein roter Faden durch mehrere Generationen ziehen können. Zusätzlich greift sie die gesellschaftlichen Rollenbilder und Schönheitsideale auf, in die wir Frauen seit Jahrhunderten gedrängt werden. Diese bricht sie mit ihren beiden Protagonistinnen Vio und Theresia auf, in dem sie sie zu selbst bestimmten, starken Frauen heranwachsen lässt. 💫Sprachlich sehr schön geschrieben. Das die Geschichte überwiegend aus der Perspektive von Theresia, der jungen Vio und der erwachsenen Vio erzählt wird, hat mir richtig gut gefallen. „Die Banater Erde“ kommt auch kurz zu Wort, was die ganze Geschichte noch mal aufgelockert hat und auch zeigt, wie gespalten und zerrissen das Land selber ist, nach dem so viele Menschen es verlassen haben. 💫Definitiv eins meiner Jahres-Highlights
Schönes Buch, das mich am Ende zu Tränen gerührt hat
Eine Familiengeschichte über mehrere Generationen, die ungeschönt erzählt wird. Sehr authentische und nicht immer leicht zu mögende Protagonistinnen, die versuchen das beste aus dem zu machen, was sie haben. Für 240 Seiten eine trotzdem umfangreich erzählte Geschichte, die oft sehr bedrückend und zeitgleich fesselnd ist.
Kurz nach dem Sturz der Diktatur flieht Vio mit ihren Eltern aus dem rumänischen Banat nach Deutschland. Dort vermisst sie insbesondere ihre Großeltern schrecklich und zerbricht fast unter dem Druck der Anpassung an die Gesellschaft. Sie soll lieb und schön sein, nicht auffallen, immer im Kopf behalten, was die anderen von ihr denken könnten. Als Erwachsene erlebt sie den Albtraum aller Eltern: Ihr Kind trägt bei einem Unfall im häuslichen Umfeld Narben im Gesicht davon. Im 18. Jahrhundert erfährt Vios Vorfahrin Theresia die Schattenseiten ihrer Schönheit am eigenen Leib: Die Keuschheitskommission wird auf sie aufmerksam und verschleppt sie in ein Arbeitslager im Banat. Betty Boras Debütroman "Das schönste aller Leben" beschäftigt sich zum einen mit weiblichen Schönheitsbildern, zum anderen mit der historischen Region Banat und den Banater Schwaben. Auf mehreren Zeitebenen lässt die Autorin Vio und Theresia zu Wort kommen. Vios Perspektive spaltet sich auf in ihr Aufwachsen im Banat und später, nach der Auswanderung, in Deutschland und ihre Zeit als Mutter einer Tochter, die nach einem Unfall Verbrennungen im Gesicht behält. Ich habe vor dem Lesen nicht erwartet, dass mir das Buch als frisch gebackene Mama so zu Herzen gehen würde, insbesondere der Erzählstrang der erwachsenen Vio hat mich beschäftigt und berührt. Aber auch Theresias Geschichte fand ich sehr krass und spannend zu lesen, hier hätte ich aber gerne noch etwas mehr zum historischen Hintergrund erfahren - es hat sich fast so angefühlt, als hätte Theresias Story ein eigenes Buch füllen können. Das verbindende Element zwischen Theresia und Vio ist das weibliche Schönheitsideal, das von der Gesellschaft diktiert wird und wie es zum Verhängnis werden kann, egal ob es erfüllt wird oder nicht. Ich mochte Bettys Debüt sehr und hoffe, noch viel von ihr zu lesen!

»Sie wollte nicht mehr erklären müssen, was so offensichtlich war. Das Leben fand ohne sie statt. Ihre Hoffnung lag in der Zukunft.«
Ein Wechselspiel aus drei – genau genommen vier – Perspektiven, erzählt die Geschichte einer Familie. Heimat, als Ort des Ankommens und die Unwissenheit, wo dieser Platz wirklich zu sein scheint. In Deutschland oder Rumänien? Diese Fragen stellen sich Vio und ihre Eltern, nachdem sie aus dem rumänischen Banat nach Deutschland geflohen sind. Wie sehr der äußere Eindruck und die Meinung fremder Leute wiegt, weiß Vio aus ihrer Kindheit. Nachdem ihre Tochter, nach einem Unfall, Verbrennungsnarben davonträgt, wird sie daran erinnert und gibt sich die Schuld, das schöne Gesicht ihres Kindes für immer genommen zu haben. Etwa drei Jahrhunderte früher verlieben sich Theresia und der neue Diakon Ferdinand ineinander. Als die Keuschheitskommission davon erfährt, steht außer Frage, dass sie ihn verführt hat und dafür büßen muss. Was macht Schönheit aus, wenn auch die positive Seite Negatives mit sich ziehen kann? Wir lassen zu, dass andere über uns oder Menschen, die uns wichtig sind, bestimmen und sich Einfluss nehmen, der ihnen eigentlich gar nicht zusteht. Was schön ist und was nicht, bestimmen wir selbst. Dafür plädiert dieser Roman, auch wenn er noch viel mehr ist und ihr ihn deshalb schlichtweg selbst lesen müsst! Was hatte ich erwartet? Ehrlich gesagt etwas ganz anderes … Was Betty Boras mit ihrem ersten Roman geschafft hat, ist keineswegs nur ein lobenswertes Debüt, sondern ein Buch, das von so vielen Themen, Schicksalen und dem Leben als Ganzes erzählt und das auf so eindringliche, bewegende und nahegehende Art, die keine simple Erzählweise, sondern ausschließlich eine komplexe, wahnsinnig gut durchdachte Sprache hervorrufen kann. Ein Roman als Kunstwerk, der sich während des Lesens immer weiter entfaltet und welchen man mehrmals lesen muss. „Das Schönste aller Leben“ ist – und damit lehne ich mich sicher nicht bereits zu Beginn des Jahres zu weit aus dem Fenster –, eines der besten Debüts dieses Jahres.

Wie bedeutend ist Schönheit?
Von der Handlung her hat mir das Buch weitestgehend gefallen. Die Geschichte spielt auf verschiedenen Zeitebenen. So begleiten wir Vio, die mit ihren Eltern aus Rumänien gekommen ist, durch ihre Kindheit und Jugend. Gleichzeitig wird erzählt, wie ein Unglück ihr Leben als Mutter verändert. Und zum Schluss wird noch die Geschichte von Theresia erzählt, mit der vor ungefähr 300 Jahren das Leben von Vios Familie in Rumänien begann. Die Handlung fließt eher langsam dahin und verzichtet auf unnötige Spannung. Der Erzählstil ist klar und gut lesbar. Die Charaktere wirken authentisch und ihrer Zeit entsprechend. Man kann sich gut in ihre Gefühle hereinversetzen. Nur manchmal habe ich ein paar Probleme damit gehabt, dass für einige Charaktere das Thema Schönheit eine zu zentrale und bedeutende Rolle eingenommen hat. Schönheit und die rumänische Heimat scheint das Thema zu sein, welches alle Protagonisten und alle Handlungsstränge miteinander verbindet.
Dieses Buch hat mich tief bewegt und ich bin sicher, dass meine Worte ihm nicht annähernd gerecht werden...
Ich liebe es, neben den Geschichten, die mir Bücher schenken, auch Neues zu lernen. Bei diesem Buch lag eine kurze Recherche zum Banat, einer Region im heutigen Rumänien, Serbien und Ungarn, nahe. Eine Gegend, geprägt von Migration, Vertreibung und dem Nebeneinander verschiedener Kulturen, deren Geschichte bis heute nachwirkt. "Das schönste aller Leben" von @bettyboras, erschienen bei @hanserblau Im Roman wird diese Landschaft teilweise selbst zur Erzählerin. Das Banat spricht ruhig, fast zurückhaltend und doch eindringlich. Es trägt Erinnerungen in sich, bewahrt Erfahrungen und gibt sie weiter. Dadurch entsteht das Gefühl, dass das, was den Figuren passiert, nicht nur individuell ist, sondern von diesem Ort bedingt ist. Im Zentrum steht Vio, die im Banat aufwächst und später in Deutschland lebt. In der Vergangenheit hat sie stets versucht, ihrer Familie alles Recht zu machen, in der Gegenwart kämpft sie mit der Schuld, dass ihre kleine Tochter von schlimmen Verbrennungen im Gesicht gezeichnet ist. Parallel dazu gibt es eine zweite Erzählebene um Theresia im 18. Jahrhundert. Beide Geschichten sind lose miteinander verbunden und kreisen um ähnliche Fragen. Es geht um Herkunft, Weiblichkeit und die Vorstellung davon, was ein „schönes“ Leben eigentlich ist und wie wichtig Äußerlichkeiten in diesem Zusammenhang sind. Besonders eindrücklich sind die verschiedenen Blickwinkel. Vio in der Gegenwart, Theresia als historisches Echo, die familiären Prägungen, die sich weitertragen, und das Banat selbst als sprechende, erinnernde Instanz. Der Schreibstil ist ruhig, klar und sehr reduziert. Keine großen dramatischen Ausbrüche, vieles passiert zwischen den Zeilen. Gerade diese Zurückhaltung macht den Roman so intensiv. Man liest nicht schnell, sondern tastet sich durch Gedanken und Stimmungen. Dieses Buch hat mich tief bewegt und ich bin sicher, dass meine Worte ihm nicht annähernd gerecht werden... Es ist sicherlich kein leichtes Buch, aber ein starkes Debüt, das durch seine besondere Erzählweise, Tiefe und Atmosphäre überzeugt und lange nachhallt.
Betty Boras verhandelt die Themen Schönheit, Herkunft, Emigration, Frausein. .
"Das schönste aller Leben" - wie sähe dieses aus? Für Vio, die als Kind mit ihrem Eltern aus dem Banat/Rumänien nach Deutschland auswandert, eine fleißige Schülerin und später eine schöne erwachsene Frau wird, scheint es der derzeitige Moment zu sein. Sie ist mittlerweile verheiratet und hat eine süße, wunderschöne zweijährige Tochter. Doch der perfekte Lebensentwurf scheint zu bröckeln und tiefe Risse zu bekommen, als ihre Tochter durch einen Unfall und durch Vios Verschulden entstellt ist. Die Selbstvorwürfe scheinen Vio zu zerstören. In einem anderen Handlungsstrang begegnen wir Vios Ahnin Theresia, 1760, nunmehr volljährig, die bald ihre Ziehfamilie verlassen muss. Sie möchte selbstbestimmt leben, hat jedoch nicht besonders viele Möglichkeiten: heiraten oder ins Kloster gehen. Doch ihre Schönheit wird ihr zum Verhängnis. In diesen drei Handlungssträngen, aus der Perspektive von Theresia, Vio als Kind und als Mutter, verhandelt Betty Boras das Thema Schönheit, dem in unserer Gesellschaft eine große Bedeutung zugesprochen wird. Es geht aber auch um die Themen Mutterschaft, Emigration und das Frausein, ist also auch zutiefst feministisch. Zwischendurch lässt die Autorin auch die Banater Erde auf berührende Art und Weise zu Wort kommen. Wenn man sich einmal an die rasch wechselnden Perspektiven gewöhnt hat und herausfindet, was mit Vios Tochter passiert ist, kann man sich in die einzelnen Charaktere auch gut einfühlen. Denn wer möchte nicht das schönste aller Leben für sich und seine Familie? Berührend fand ich vor allem auch das Thema Herkunft und wie es auf das eigene Leben einwirkt. Schließlich bemüht sich Vio als Kind, besser als alle anderen zu werden, um gut genug zu sein. In dieses Erzählen reihen sich für mich auch die autobiographischen Romane "Ein schönes Ausländerkind" von Toxische Pommes und "Ostblockherz" von Didi Drobna - die ich euch an dieser Stelle ebenfalls ans Herz legen kann. Danke Betty Boras für deinen Roman und diesen Blick auf die Welt.
Worum geht es: Flucht. Flucht prägt. Durch Flucht verlässt man die Heimat, seine Heimat In diesem Buch geht es um eine Familie, die durch eben diese Flucht geprägt ist. Mehr als das. Sie haben Flucht erlebt, gelitten, geweint und vieles hinter sich lassen müssen. Doch es bleibt die Heimat. Für alle gleich wichtig: Schönheit Mein Eindruck: Ich weiß nicht, ob ich mir anmaßen darf, hier überhaupt ein großes Urteil zu fällen. Ich habe ein bisschen gebraucht, um in die Geschichte reinzukommen. Das wird wahrscheinlich daran liegen, da mein Fokus ansonsten auf Thriller liegt und nicht auf emotionalen und sehr realen Romanen. Aber ich bin unglaublich froh und dankbar darüber, dass ich dieses Buch lesen durfte. Erschüttert bin ich zugleich, wie Schönheitsideale ein Leben beeinflussen und lenken können. Wie wichtig Schönheit für viele unter uns ist. Es ist nicht unbedingt ein Ding der Frauen, keineswegs. Aber zur damaligen Zeit, teilweise auch um 18. Jahrhundert hatten Frauen nun mal leider keine anderen Aufgaben. Sie mussten schön sein und tüchtig im Haushalt. Ich bin froh, dass wir aus diesem Klischee der verkappten Rollenverteilung heraus sind - zumindest teilweise. Ich bin sehr berührt und sehr beeindruckt, wie sich die Geschichten allmählich zusammen fügten, obwohl Generationen zwischen Ihnen liegen. Vielen Dank für ein solches tolles Werk, in dem Heimatgefühl, die Rolle der Frau, Mutterschaft und Ideale im Vordergrund stehen. Bewertung: 🦌🦌🦌🦌🦌
Ein gelungener Roman über Migration, Anpassung und gesellschaftliche Erwartungen, die sich in uns eingraben.
Der Roman "Das schönste aller Leben" von Betty Borș erzählt mehrere miteinander verwobene Lebensgeschichten aus einer Familie. Besonders spannend fand ich dabei den Gedanken, der immer wieder anklingt: dass es drei Generationen braucht: eine, die alles aufbaut und leidet, eine, die sich anpasst und absichert, und erst eine dritte, die vielleicht wirklich frei leben kann. Dieser Gedanke bildet für mich den konzeptionellen Rahmen des Romans. Besonders eindrücklich ist die Geschichte von Theresia, die im rumänischen Banat lebt und nach einer Schwangerschaft durch den Pfarrer ihres Dorfes in ein Lager gebracht wird, wo sie Zwangsarbeit leisten muss. Der Roman beschreibt, wie sie Mutterschaft unter Bedingungen von Gewalt und Gefangenschaft erlebt. Daneben gibt es die Geschichte von Vio, die man zunächst als Kind und junge Frau in der dritten Person kennenlernt: beim Aufwachsen in Rumänien, später bei der Migration nach Deutschland und in dem ständigen Versuch, sich anzupassen und ein „besseres“ Leben zu führen. Besonders interessant fand ich dabei, dass dieselbe Figur in einem weiteren Strang in der Ich-Perspektive erzählt wird. Dadurch entsteht eine große Nähe und gleichzeitig das Gefühl, dass man eine Person in ihrer Vielschichtigkeit und Biographie kennenlernt. Die erwachsene Vio hat inzwischen selbst ein Kind, das nach einem Unfall Brandnarben im Gesicht trägt; einen Unfall, für den Vio sich selbst verantwortlich macht. Diese Schuld begleitet sie permanent. Darüber verhandelt der Roman sehr sensibel Themen wie Schönheitsideale, gesellschaftliche Erwartungen und die Angst davor, wie andere einen wahrnehmen. Gerade dieser Druck, schön, angepasst und „richtig“ zu sein, zieht sich durch alle Generationen und Kulturen des Buches. Besonders gelungen fand ich, wie collageartig die verschiedenen Erzählstränge miteinander verwoben werden. Viele Bilder, Motive und auch die erzählerischen Techniken fand ich originell. Gleichzeitig bekommt man einen spannenden Einblick in die rumänische Kultur. Ganz gepackt hat mich das Buch emotional allerdings nicht. Mir hat stellenweise ein wenig der erzählerische Sog gefehlt. Deshalb würde ich persönlich einen Stern abziehen. Trotzdem fand ich "Das schönste aller Leben" insgesamt sehr lesenswert, vor allem wegen seiner ungewöhnlichen Struktur, seiner starken Themen und der Art, wie persönliche Familiengeschichte mit Fragen nach Migration, Weiblichkeit und gesellschaftlichem Druck verbunden wird.
Schuld, Schönheit, Zugehörigkeit
„Das schönste aller Leben“ erzählt aus vier Perspektiven: der Sicht der Banater Erde, der jungen Vio, der erwachsenen Vio und der Figur Theresia aus dem 18. Jahrhundert. Im Zentrum steht Vio, die in den 90er Jahren mit ihren Eltern als Aussiedler aus dem rumänischen Banat nach Deutschland kommen. Wie viele Banater Schwaben hat ihre Familie deutsche Wurzeln. Sie fühlt sich jedoch weder ganz in Rumänien noch in Deutschland wirklich zugehörig. Parallel dazu wird die Geschichte von Theresia erzählt, deren Schicksal im 18. Jahrhundert ebenfalls von gesellschaftlichen Normen und Schuldzuweisungen geprägt ist. Beide Frauen verbindet Leid, Schicksal und Schuld. Besonders stark arbeitet Boras heraus, welche Rolle Schönheit im Leben von Frauen spielt. Theresia wird als „schuldig“ dargestellt, weil sie einen Diakon verführt haben soll. Schliesslich, so die Logik der Gesellschaft, konnte er sich als Mann ihrer Schönheit kaum entziehen. Auch Vio wächst mit der Botschaft auf, dass Schönheit über Chancen im Leben entscheidet. Mädchen lernen früh, dass sie in ein bestimmtes Korsett passen müssen. Sogar die Namen von Mädchen spiegeln oft Erwartungen und Tugenden wider („lieb“, „brav“), orientieren sich an Blumen oder bedeuten in der Übersetzung „die Schöne“. So zeigt der Roman eindrücklich, dass Schönheit eine gesellschaftliche Erwartung ist, die entweder Glück bringen oder auch zum Verhängnis werden kann. Überzeugend fand ich, wie stark Mädchen schon früh von Schönheitsidealen geprägt werden. Dies wird vor allem an der Figur Vio deutlich. Zeitweise fand ich sie allerdings etwas anstrengend, weil sich ihre Gedanken sehr stark darum drehten, was andere über sie oder später über ihre Tochter denken könnten. Nachdem ihre Tochter durch einen Unfall Narben behält, wird diese Sorge beinahe zum einzigen Thema. Dieser Teil zog sich etwas in die Länge. Positiv fand ich aber, dass Vio eine Entwicklung durchmacht. Am Ende wird deutlich, dass die Außenwelt zwar hart urteilt, Eltern ihren Kindern aber Resilienz und Selbstakzeptanz mitgeben können und sich für ihr Kind immer das schönste aller Leben wünschen.
Ein Buch über Schönheit, Mutterschaft, Frausein, Identität und Herkunft. Intensiv und emotional.
„Das schönste aller Leben“ ist der Debütroman von Betty Boras. Er hat mich sehr berührt und begeistert! Aber zunächst kurz zum Inhalt: Vio flieht als Sechsjährige mit ihren Eltern aus Rumänien nach Deutschland und tut ihr Leben lang alles um sich anzupassen, dazugehören und den Erwartungen ihrer Eltern und der Gesellschaft gerecht zu werden. Erst der tragische Unfall mit ihrer Tochter bringt zum Vorschein, welche Wunden aus ihrer Vergangenheit nicht geheilt wurden und welche Muster sie unbewusst durch die Erziehung und Sozialisation übernommen hat. Vios Gedanken kreisen nämlich ständig um das Aussehen ihrer Tochter nach dem Unfall und darum, wie andere sie wahrnehmen. Parallel dazu lernen wir Theresia kennen, die im 18. Jahrhundert ein Leben voller Entbehrungen und Schicksalsschläge erleidet. Beide Frauen entstammen derselben Ahnenreihe und sind durch die Themen Schönheit und Anpassung miteinander verbunden. Das Buch ist unglaublich emotional und voller Schmerz. Es setzt sich mit den Themen Identität, Herkunft, Mutterrolle, Schuldgefühle, Familiendynamiken und Migrationserfahrungen auseinander. Auf den 240, zum Teil sehr intensiven Seiten sitzt jeder Satz, kein Wort ist überflüssig. Und zwischen den Zeilen schwingt eine große emotionale Tiefe mit. Betty Boras erzählt sehr dicht, teilweise provokativ und ungeschönt von den Kämpfen, die Frauen seit Jahrhunderten in ihren Familien, in der Gesellschaft, aber auch mit sich selbst austragen müssen. Mich hat diese Geschichte trotz ihrer Heftigkeit mit einem guten Gefühl zurückgelassen. Absolut lesenswert und beeindruckend, wie gut ein Debüt gelingen kann!
Das Schönste aller Leben ist eine einfühlsame und spannende Migrationsgeschichte, die in verschiedenen Zeitebenen das Leben von den Banater Schwaben erzählt. Wir haben zum einen Theresia, die gegen ihren Willen und auf Grund des gelebten Frauenhasses ins Banat verschleppt wird. Dann haben wir Vio, die mit ihren Eltern als Kind zurück nach Deutschland auswandert und noch eine Ich-Erzählerin, die erwachsene Vio, die mit den Verbrennungen ihrer Tochter zu kämpfen hat. Mich haben alle drei Zeiteben berührt, insbesondere die von Theresia im Banat.
Schuldgefühle
Der Debütroman "Das Schönste aller Leben" von Betty Boras begleitet Vio, die nach einem schrecklichen Unfall, welchen sie verursacht hat und ihre kleine Tochter mit einem vernarbten Gesicht zurücklässt, von Schuldgefühlen und Zweifeln zerfressen wird. Parallel blicken wir auf die Geschichte von Vios Vorfahrin Theresia, die von der Keuschheitskommission zur Zwangsarbeit verurteilt wird. In diesem vergleichbar kurzen Roman erleben wir mehrere Zeitebenen und Perspektiven sowie zahlreiche Themen wie weibliche Schönheitsideale, Mutterschaft, Migration, Rechte von Frauen, etc. Dies mag sowohl Stärke als auch Schwäche des Romans sein. Für mich persönlich war die Geschichte grundsätzlich etwas "zu voll", gleichzeitig findet sicherlich jede Leserin einen Aspekt in diesem Buch, der sie bewegen wird. Mich hat tatsächlich Vios Geschichte am meisten interessiert und bewegt. Als Mutter zerreißt es mir das Herz nur daran zu denken, was die Protagonistin in ihrer Situation an Schuldgefühlen ihrer Tochter gegenüber empfinden muss. Vio ist in ihren Gefühlen brutal ehrlich und beschönigt nichts, was ich sehr authentisch fand. Denn in Zeiten, wo Mobbing dank Sozialer Medien immer krasser und der Druck bestimmten Schönheitsbildern zu entsprechen für junge Frauen immer stärker wird, kann ich die Sorge um ihre Tochter absolut nachvollziehen. Vios Tochter wird es mit ihren Narben schwer haben, das steht trotz der wachsenden "Body Positivity"-Bewegung außer Frage. Von mir gibt es für das Buch eine klare Leseempfehlung, denn gerade die aufgegriffene Frage von Schönheit, aber auch die Sprache des Romans haben mich überzeugt! Ich freue mich auf weitere Bücher der Autorin.
Ein sehr schöner und trauriger Debütroman, der sehr zum nachdenken anregt. Es geht unter anderem um die Themen: Herkunft, Schuld und Scham, Mutter sein und Schönheitsideale. Ich war auf der Lesung der Autorin, wo sie aus jeder Sicht, eine Textpassage vorlas. Ich wurde immer neugieriger auf das Buch und musste es unbedingt kaufen und lesen. Keinen Tag lag es auf meinem SUB und schon war es auch schon beendet. Es geht um sehr wichtige Themen, wie oben schon geschrieben. Keine leichte Kost also. Ich kann das Buch einfach uneingeschränkt empfehlen, das es wie schon sehr gesagt wichtige Themen enthält und einen sehr zum nachdenken anregt. Ich finde jeder sollte es gelesen haben, denn es ist für jeden thematisch etwas dabei und ein sehr wichtiges Buch finde ich.
Viel Potenzial, aber kaum Tiefe
"Ich muss so vieles wiedergutmachen. Aber es gibt kein Gutmachen, weil es nicht mehr gut wird, nur vielleicht ein bisschen weniger schlimm." - S. 32 Leider hat es mich insgesamt nicht überzeugt. Ich war mehr als einmal kurz davor, das Buch abzubrechen, weil mich die Geschichte nicht richtig packen konnte. Der Roman erzählt auf mehreren Zeitebenen von Theresia und Vio. Grundsätzlich finde ich solche Erzählweisen spannend, hier hat es für mich aber nicht richtig funktioniert. Die einzelnen Handlungsstränge konnten mich nicht wirklich fesseln und wirkten stellenweise eher langatmig. Was für mich am schwersten gewogen hat, war die fehlende emotionale Verbindung zu den Charakteren. Ich konnte keinen richtigen Draht zu ihnen aufbauen, wodurch mich viele Entwicklungen kalt gelassen haben. Die Figuren blieben für mich zu oberflächlich und ich hatte oft das Gefühl, ihnen eher von außen zuzusehen, statt wirklich mit ihnen mitzufühlen. "Love it. Change it. Or leave it. Aber alles davon ist unmöglich. Ich hasse es. Ich kann es nicht ändern. Und verlassen kann ich höchstens mich selbst." - S. 31 Auch inhaltlich hatte ich mir mehr Tiefe erhofft. Viele Themen werden angesprochen, aber für mich nicht ausreichend ausgearbeitet. Dadurch wirkt das Buch stellenweise etwas überladen, ohne wirklich in die Tiefe zu gehen. Es bleibt vieles an der Oberfläche, obwohl eigentlich viel Potenzial da gewesen wäre. Der Schreibstil ließ sich zwar gut lesen, konnte aber für mich nicht ausgleichen, dass mich die Geschichte insgesamt nicht wirklich erreicht hat. Am Ende sind es für mich 2 von 5 Sternen. Eine interessante Idee, die mich in der Umsetzung leider nicht überzeugen konnte.

"Das Schönste aller Leben" erzählt die Geschichten von Vio und Theresia. Vio wächst den größten Teil ihres Lebens in Deutschland auf und fühlt sich doch nicht so, als würde sie dazugehören. Ihre Eltern sind mit ihr und ihren Großeltern aus Rumänien geflohen. Für Vio ist das neue Leben in Deutschland nicht leicht, alles kommt ihr fremd vor, sie fühlt sich bewertet - von ihren Eltern, aber auch von ihren Mitschülern. Als Erwachsene erlebt sie ein traumatisches Erlebnis, als ihre Tochter bei einem Unfall Narben davonträgt. Vio macht sich Vorwürfe und fragt sich, was bleibt ihrer Tochter, wenn es nicht die eigene Schönheit ist? Theresia besitzt - außer ihrer Schönheit - nichts mehr. Als uneheliches Kind von einer geächteten Mutter wird sie verstoßen, wächst bei einer Bauernfamilie auf. Als sie älter ist, hat sie eine Affäre mit einem Pfarrer, die von der Keuschheitskommission entdeckt wird. Als Strafe wird sie verschleppt. Vios und Theresias Geschichten sind anders, aber dennoch verbindet sie eine Herkunft, eine Generationenlinie. Obwohl beide Frauen in unterschidelichen Jahrhunderten aufwachsen, zeigt Betty Boras in ihrem Debüt, dass Frauen oft immer noch nach den gleichen Maßstäben bewertet werden. Dazu gehört ihr Äußeres, aber auch ihr Verhalten, als Frau, Mutter, Ehefrau. Der Roman hat so viele interessante Aspekte aufgegriffen, die mir bisher neu waren und über die ich - zumindest aktiv - noch nicht so wirklich nachgedacht habe. Etwa in wie weit die Schönheit der Frauen oder eben auch der Tochter ein wichtiges Gut ist. Ich habe außerdem auch sehr viel über den Banat und Rumänien gelernt. Mich hat "Das Schönste aller Leben" sehr berührt, wütend gemacht, fassungslos, aber auch hoffnungsvoll. Betty Boras hat einen wirklich tollen Generationenroman erschaffen, der zwei Generationen einer Familie zusammenwebt und über die Jahre hinweg verbindet. Definitv eine Empfehlung!

















































