Alle wissen hier alles
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Description
»Glück ist gar nicht das, was ich anstrebe«
Martina Voß kennt sich aus mit den nicht so schlimmen Kleinigkeiten, die einer Frau zustoßen können. Deshalb nimmt sie ohne lange nachzudenken Kasia und ihre Tochter auf. Platz hat sie in ihrem großen Haus, nachdem sie sich von ihrem Mann getrennt hat.
Außerdem ist Sommer, und die Welt verliert ihre Ecken und Kanten, wenn die beiden Frauen Apfelsaft mit Wodka trinken. Aber lange kann das nicht gutgehen. Denn im Dorf wissen immer alle alles.
Zielstrebig und intelligent, ohnmächtig und töricht: Als unzuverlässige Erzählerin bietet diese Heldin keine einfachen Wahrheiten an. Ein Roman der leisen, fast unbewussten Revolte und eine verunsicherte Heldin, die uns unrettbar in ihre Welt mitnimmt.
»Krügel schreibt mit Gefühl, schwarzem Humor und Wucht.« Emotion
Für Leser:innen von Julia Schoch und Claudia Schumacher
Book Information
Author Description
Mareike Krügel, 1977 in Kiel geboren, wurde für ihr Werk mit zahlreichen Stipendien und Preisen ausgezeichnet, unter anderen mit dem Friedrich-Hebbel-Preis. Bis heute erschienen von ihr sechs Romane, zuletzt »Schwester« und »Alle wissen hier alles«. Mareike Krügel lebt zusammen mit dem Schriftsteller Jan Christophersen und den gemeinsamen Kindern an der Schleswig-Holsteinischen Küste.
Characteristics
1 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Posts
Dieses schmale Buch (208 Seiten) hat mich ganz schnell gefangen genommen und obwohl so viele sensible Themen aufgegriffen werden, war es niemals überfrachtet. In kurzer Zeit entwickeln sich Konflikte und Bedrohungen aus Beendigung einer Ehe, vor dörflichen Strukturen mit verkrusteten weiblichen Rollenbildern, aus Überforderungsgefühlen, Ängsten vor Gewalt, unverarbeiteten Traumata und einem Aufbegehren gegen vorgeschriebenen Verhaltensmustern. Dieses Buch reicht keine Lösungen oder kittet alles mit einer neuen Liebe, es konfrontiert mit Ausweglosigkeit, zwingt zu Kompromissen und gibt Fehlverhalten und Verzweiflung Raum. Im Mittelpunkt steht Martina, die nicht mitansehen kann, wie einer anderen Frau Gewalt angetan wird. Ihre helfende Hand ist aber auch gleichzeitig eine Suche nach Orientierung und Neuausrichtung. Martina reibt sich an den alten Rollenvorgaben, nach denen die Dorfgemeinschaft funktioniert. Gleichzeitig findet sie aber auch in sich selbst keine Sicherheit und erzählt Geschichten über eine Welt voller Möglichkeiten. Sie belässt es nicht bei verbalen Provokationen, sondern überschreitet die engen moralischen Grenzen. Gekonnt spitzt die Autorin die Situation der beiden Frauen immer weiter zu bis ein Ausweg nur noch in Träumerei möglich zu sein scheint. Empfehlung für Fans von realistischen Alltagskonfrontationen von Frauen und Mütter. (Unzuverlässige Erzählerin)

Martina lebt mit ihrer kleinen Tochter Annalena und getrennt von ihrem Mann Carsten auf dem Land, in einem Haus, das sie von ihrer Großmutter geerbt hat. Eines Tages gabelt sie in der Kita ihrer Tochter Kasia und deren Tochter Danuta auf, nachdem Kasia deutlich sichtbar von ihrem Mann verprügelt wurde, und lässt sie bei sich wohnen. Sowohl Kasia und Martina als auch ihre beiden Töchter verstehen sich sehr gut, allerdings ist die Idylle brüchig. Kasias Mann möchte gern, dass Frau und Tochter wieder zu ihm zurückkehren, und auch der sanfte Carsten möchte mehr Zeit mit seiner Tochter verbringen. Irgendwann verliert Martina ihre Putzjobs, mit denen sie sich finanziell über Wasser hält, und es passieren leicht unheimliche Dinge... Ich stehe diesem Buch etwas ambivalent gegenüber. Es war nicht schlecht, hat mir stellenweise sogar gut gefallen. Aber bei einigen Passagen hatte ich irgendwie das Gefühl, dass das Buch ein wenig auf provokante Passagen und kleine Schockmomente optimiert ist. Ich kann es nicht besser in Worte fassen, aber nach meinem Eindruck ist es ein bisschen sehr gewollt und sehr gewollt drüber. Ich habe ein wenig zwischen 4 und 3.5 Sternen geschwankt und letztendlich 3.5 gewählt.
Ihr kennt doch sicher alle diese (meist hässlichen) Becher, Schilder und anderen Dinge, die mit allen möglichen Vornamen beschriftet sind? Die man meist in so Ramschläden kaufen kann? Als Kind war ich immer traurig, weil es meinen Namen da - wenn wir nicht gerade in Polen zu Besuch waren - nicht gab. Ehrlicherweise habe ich dieses Buch unter anderem deshalb gekauft. Weil die eine Protagonistin so heißt wie ich. Und zwar wirklich. Aber zurück zum Anfang: Martina lebt mit ihrer Tochter Annalena auf dem Dorf in einem Haus, dass sie und ihr Bruder von den Großeltern geerbt haben. Ihr Mann Carsten ist ausgezogen und akzeptiert die (gar nicht mehr so frische) Trennung zu Beginn des Buches noch nicht so ganz. Eines Tages trifft Martina beim Abholen im Kindergarten auf Kasia (Katarzyna), die Mutter von Danuta, die eine riesige Platzwunde auf der Stirn hat, die ihr Dieter, ihr Mann, zugefügt hat. Martina nimmt Kasia und Danuta daraufhin kurzerhand mit zu sich. Soviel zur Geschichte. Und wie ich es fand? Hm. Ich bin etwas unschlüssig. Einerseits fand ich es stellenweise richtig gut, wie eindringlich und beklemmend die Situation der beiden Frauen beschrieben wird. In einem Dorf, in dem jeder jeden kennt. In dem Dieter, Carsten und natürlich auch der creepy Nachbar von Martina gemeinsam bei der Freiwilligen Feuerwehr sind. In dem ein „Fehler" unmittelbar dazu führen kann, dass niemand mehr etwas mit einem zu tun haben will. Aber so richtig durchgedrungen ist das Buch andererseits nicht zu mir. Und das Ende? Ich kann dazu nicht so viel sagen, um nicht zu spoilern. Und es ist auch grundsätzlich völlig legitim nicht jeden Erzählstrang bis ins letzte Detail auszuerzählen. Aber das?! Hm. Sehr unbefriedigend.
Dieser Roman erzählt von Martina Voß, die für ein Dorfleben mächtig aus der Reihe tanzt. Sie ist freiwillig alleinerziehend, solidarisiert sich bedingungslos mit einer misshandelten Frau, hat eine Affäre mit dem verheirateten Bürgermeister und ist definitiv nicht die gute Mutter, die sich die Kindergärtnerinnen vorstellen. Der Roman wird eingeleitet von einem bekannten Zitat von Margaret Atwood, nach dem Männer äußern Angst zu haben, von Frauen ausgelacht zu werden. Frauen hingegen geben als schlimmste Angst an, von einem Mann getötet werden zu können. Für mich eine passende Einleitung, da Martina Voß für ihr abweichendes Verhalten schnell von der Dorfgemeinschaft bestraft wird und das Leben für sie und die misshandelte Mutter, die bei ihr unterkommt, nicht sicher zu sein scheint. Die Situation ist nicht unbedingt lebensbedrohlich unsicher, aber es wird deutlich, wie viel Macht auch über die Kinder der beiden Frauen ausgeübt werden kann. Besonders eindrücklich fand ich, dass Handlungen, die für jeden Mann normal wären, im Dorf für Empörung sorgen. Verstärkt wird dies durch den Buschfunk, der in Dörfern typischerweise existiert durch WhatsApp ein kaum zu überschauendes Tempo entwickelt. Nebenbei werden viele weitere patriarchale Probleme angesprochen. Besonders gut gefällt mir, dass nicht ausgelassen wird, wie benachteiligend das Patriarchat auch für Männer sein kann. So muss beispielsweise der wirklich liebenswerte Ex von Martina um den Umgang mit seiner Tochter außerhalb des mütterlichen Territoriums kämpfen. Sophie Passman schreibt in "Pick Me Girls", dass wir mehr Bücher von Frauen über Frauen brauchen, um zu verstehen, was es heißt, Frau zu sein. Wenn ihr nur ein Buch lesen wollt, um das zu verstehen, lest dieses. Ich habe bisher keines gefunden, das so klar beschreibt, wie es ist, Mädchen, Frau und Mutter zu sein. Gleichzeitig ist dieser Roman so spannend wie ein Thriller. Ich konnte ihn kaum aus der Hand legen und habe ihn in zwei Tagen verschlungen. Absolute Leseempfehlung und Highlight.
Ich bin gut durchs Buch gekommen. Kann man lesen, ist keine Verschwendung, muss man aber auch nicht.
Spoiler: Ich habs gelesen, dann umgeblättert und bemerkt das es bereits zuende war. Das Ende bleibt gewissermaßen offen. Was mich überrascht hat. Ich bin schnell durchgekommen. Es gab einige interessante Szenen. Ich mochte die Charaktere. Carsten war teils ok, und dann wiederum völlig daneben. Dieter ist ein Arschloch, aber von dem gab's nicht so viel zu lesen.
Schöne Geschichte übers Dorfleben
Wenn man wissen möchte, wie das Leben im Dorf so ist, wo jeder jeden kennt, ist dies eine schöne Geschichte. Lässt sich leicht lesen. Das Ende verstehe ich nicht.. wo sind die restlichen Seiten? 😅 Leider nur 2,5 Sterne. Hat mich gar nicht gepackt. Weder emotional noch sonst wie.

"Warum konnten sie uns nicht einfach in Ruhe lassen?" (S. 170) Alle wissen hier alles. Und damit ist eigentlich auch schon alles über Menschen im Allgemeinen und Menschen auf dem platten Land im Speziellen gesagt. Martina hat sich vor kurzem von ihrem Mann Carsten getrennt. Seitdem lebt sie mit der gemeinsamen Tochter Annalena in ihrem Elternhaus und bestreitet ihren Lebensunterhalt mit Putzjobs. Dass sie allein deswegen kritisch beäugt wird, versteht sich von selbst. An Carsten ist nichts auszusetzen - er bekocht sie sogar weiterhin während seiner regelmäßigen Besuche. Das Kind wird gewiss einen Schaden davontragen, da sind sich die Erzieherinnen im Kindergarten sicher. Als Martina dann auch noch Kasia und deren Tochter Danuta bei sich aufnimmt, bekommt der Buschfunk so richtig Zunder. Dass Kasia offensichtlich von ihrem Mann misshandelt wird und nicht tollpatschig gegen Schränke läuft, davon will niemand wissen. Warum auch? Wer braucht Gründe, wenn er seine ganz eigenen Wahrheiten verbreiten kann, die doch viel schöner ins Bild passen?! So oft möchte Martina verschwinden, nicht existieren oder einfach sterben. Doch am selben Strang mit Kasia zieht sich das Leben plötzlich viel leichter. Das hatte sie gebraucht: eine Verbündete. Sollen sie sich doch alle ihr Maul zerreißen! Aber das dicke Fell wird nach und nach lichter und am Ende schlägt vor allem das zu Buche, was die beiden Frauen gar nicht selbst verschuldet hatten. "Wir mussten eine Normalität herstellen, die von außen gut aussah." (S. 195) In Mareike Krügels Geschichte steckt der leise Versuch gelebter Schwesternschaft, die jedoch gegen die Macht von Konventionen und den Zusammenhalt verletzter Egos nicht ankommt. Mit ihrer Protagonistin positioniert sie außerdem den zentralen Konflikt des Romans: die Rolle der Mutter als moralisch erpressbare, gesellschaftlich kontrollierte Figur. Ein herrlich bissiger Roman, dessen Zynismus mir letztlich dennoch im Halse stecken blieb. Denn: If you know, you know.
Die Tücken des Dorflebens... ... und des Frau seins
Als meine Buchhändlerin meinte, dieses Buch sei leicht zu lesen, hab ich sie offensichtlich falsch verstanden. Aber niemand hat von leichter Kost gesprochen und leicht lesen liess sich dieses Buch mit teilweise schwerem Inhalt. Als Martina kurzentschlossen eine andere Kindergartenmutter bei sich aufnimmt, deren Platzwunde verdächtig nach häuslicher Gewalt aussieht, beginnt die Gerüchteküche im Dorf zu brodeln. Schnell wird deutlich, dass Loyalitäten unter Feuerwehrkameraden schwerer wiegen als unbewiesene Aussagen polnischer Ehefrauen. Auch sonst spricht sich Fehlverhalten schnell herum und kann auf dem Dorf weitreichende Konsequenzen haben. Mareike Krügel schafft es geschickt, aufzuzeigen, wie sehr offensichtliche und subtile Gewalt zum Leben jeder Frau gehören, wie gaslighting und patriarchale Strukturen Rollenbilder bestärken und Perspektiven verzerren können. Ich war von der Wucht des Inhalts überrascht und fand das Buch großartig. Nur mit dem Ende des Buches bin ich überhaupt nicht einverstanden. Dafür gab es von mir einen halben Stern Abzug. Große Leseempfehlung!!!
Characteristics
1 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
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»Glück ist gar nicht das, was ich anstrebe«
Martina Voß kennt sich aus mit den nicht so schlimmen Kleinigkeiten, die einer Frau zustoßen können. Deshalb nimmt sie ohne lange nachzudenken Kasia und ihre Tochter auf. Platz hat sie in ihrem großen Haus, nachdem sie sich von ihrem Mann getrennt hat.
Außerdem ist Sommer, und die Welt verliert ihre Ecken und Kanten, wenn die beiden Frauen Apfelsaft mit Wodka trinken. Aber lange kann das nicht gutgehen. Denn im Dorf wissen immer alle alles.
Zielstrebig und intelligent, ohnmächtig und töricht: Als unzuverlässige Erzählerin bietet diese Heldin keine einfachen Wahrheiten an. Ein Roman der leisen, fast unbewussten Revolte und eine verunsicherte Heldin, die uns unrettbar in ihre Welt mitnimmt.
»Krügel schreibt mit Gefühl, schwarzem Humor und Wucht.« Emotion
Für Leser:innen von Julia Schoch und Claudia Schumacher
Book Information
Author Description
Mareike Krügel, 1977 in Kiel geboren, wurde für ihr Werk mit zahlreichen Stipendien und Preisen ausgezeichnet, unter anderen mit dem Friedrich-Hebbel-Preis. Bis heute erschienen von ihr sechs Romane, zuletzt »Schwester« und »Alle wissen hier alles«. Mareike Krügel lebt zusammen mit dem Schriftsteller Jan Christophersen und den gemeinsamen Kindern an der Schleswig-Holsteinischen Küste.
Posts
Dieses schmale Buch (208 Seiten) hat mich ganz schnell gefangen genommen und obwohl so viele sensible Themen aufgegriffen werden, war es niemals überfrachtet. In kurzer Zeit entwickeln sich Konflikte und Bedrohungen aus Beendigung einer Ehe, vor dörflichen Strukturen mit verkrusteten weiblichen Rollenbildern, aus Überforderungsgefühlen, Ängsten vor Gewalt, unverarbeiteten Traumata und einem Aufbegehren gegen vorgeschriebenen Verhaltensmustern. Dieses Buch reicht keine Lösungen oder kittet alles mit einer neuen Liebe, es konfrontiert mit Ausweglosigkeit, zwingt zu Kompromissen und gibt Fehlverhalten und Verzweiflung Raum. Im Mittelpunkt steht Martina, die nicht mitansehen kann, wie einer anderen Frau Gewalt angetan wird. Ihre helfende Hand ist aber auch gleichzeitig eine Suche nach Orientierung und Neuausrichtung. Martina reibt sich an den alten Rollenvorgaben, nach denen die Dorfgemeinschaft funktioniert. Gleichzeitig findet sie aber auch in sich selbst keine Sicherheit und erzählt Geschichten über eine Welt voller Möglichkeiten. Sie belässt es nicht bei verbalen Provokationen, sondern überschreitet die engen moralischen Grenzen. Gekonnt spitzt die Autorin die Situation der beiden Frauen immer weiter zu bis ein Ausweg nur noch in Träumerei möglich zu sein scheint. Empfehlung für Fans von realistischen Alltagskonfrontationen von Frauen und Mütter. (Unzuverlässige Erzählerin)

Martina lebt mit ihrer kleinen Tochter Annalena und getrennt von ihrem Mann Carsten auf dem Land, in einem Haus, das sie von ihrer Großmutter geerbt hat. Eines Tages gabelt sie in der Kita ihrer Tochter Kasia und deren Tochter Danuta auf, nachdem Kasia deutlich sichtbar von ihrem Mann verprügelt wurde, und lässt sie bei sich wohnen. Sowohl Kasia und Martina als auch ihre beiden Töchter verstehen sich sehr gut, allerdings ist die Idylle brüchig. Kasias Mann möchte gern, dass Frau und Tochter wieder zu ihm zurückkehren, und auch der sanfte Carsten möchte mehr Zeit mit seiner Tochter verbringen. Irgendwann verliert Martina ihre Putzjobs, mit denen sie sich finanziell über Wasser hält, und es passieren leicht unheimliche Dinge... Ich stehe diesem Buch etwas ambivalent gegenüber. Es war nicht schlecht, hat mir stellenweise sogar gut gefallen. Aber bei einigen Passagen hatte ich irgendwie das Gefühl, dass das Buch ein wenig auf provokante Passagen und kleine Schockmomente optimiert ist. Ich kann es nicht besser in Worte fassen, aber nach meinem Eindruck ist es ein bisschen sehr gewollt und sehr gewollt drüber. Ich habe ein wenig zwischen 4 und 3.5 Sternen geschwankt und letztendlich 3.5 gewählt.
Ihr kennt doch sicher alle diese (meist hässlichen) Becher, Schilder und anderen Dinge, die mit allen möglichen Vornamen beschriftet sind? Die man meist in so Ramschläden kaufen kann? Als Kind war ich immer traurig, weil es meinen Namen da - wenn wir nicht gerade in Polen zu Besuch waren - nicht gab. Ehrlicherweise habe ich dieses Buch unter anderem deshalb gekauft. Weil die eine Protagonistin so heißt wie ich. Und zwar wirklich. Aber zurück zum Anfang: Martina lebt mit ihrer Tochter Annalena auf dem Dorf in einem Haus, dass sie und ihr Bruder von den Großeltern geerbt haben. Ihr Mann Carsten ist ausgezogen und akzeptiert die (gar nicht mehr so frische) Trennung zu Beginn des Buches noch nicht so ganz. Eines Tages trifft Martina beim Abholen im Kindergarten auf Kasia (Katarzyna), die Mutter von Danuta, die eine riesige Platzwunde auf der Stirn hat, die ihr Dieter, ihr Mann, zugefügt hat. Martina nimmt Kasia und Danuta daraufhin kurzerhand mit zu sich. Soviel zur Geschichte. Und wie ich es fand? Hm. Ich bin etwas unschlüssig. Einerseits fand ich es stellenweise richtig gut, wie eindringlich und beklemmend die Situation der beiden Frauen beschrieben wird. In einem Dorf, in dem jeder jeden kennt. In dem Dieter, Carsten und natürlich auch der creepy Nachbar von Martina gemeinsam bei der Freiwilligen Feuerwehr sind. In dem ein „Fehler" unmittelbar dazu führen kann, dass niemand mehr etwas mit einem zu tun haben will. Aber so richtig durchgedrungen ist das Buch andererseits nicht zu mir. Und das Ende? Ich kann dazu nicht so viel sagen, um nicht zu spoilern. Und es ist auch grundsätzlich völlig legitim nicht jeden Erzählstrang bis ins letzte Detail auszuerzählen. Aber das?! Hm. Sehr unbefriedigend.
Dieser Roman erzählt von Martina Voß, die für ein Dorfleben mächtig aus der Reihe tanzt. Sie ist freiwillig alleinerziehend, solidarisiert sich bedingungslos mit einer misshandelten Frau, hat eine Affäre mit dem verheirateten Bürgermeister und ist definitiv nicht die gute Mutter, die sich die Kindergärtnerinnen vorstellen. Der Roman wird eingeleitet von einem bekannten Zitat von Margaret Atwood, nach dem Männer äußern Angst zu haben, von Frauen ausgelacht zu werden. Frauen hingegen geben als schlimmste Angst an, von einem Mann getötet werden zu können. Für mich eine passende Einleitung, da Martina Voß für ihr abweichendes Verhalten schnell von der Dorfgemeinschaft bestraft wird und das Leben für sie und die misshandelte Mutter, die bei ihr unterkommt, nicht sicher zu sein scheint. Die Situation ist nicht unbedingt lebensbedrohlich unsicher, aber es wird deutlich, wie viel Macht auch über die Kinder der beiden Frauen ausgeübt werden kann. Besonders eindrücklich fand ich, dass Handlungen, die für jeden Mann normal wären, im Dorf für Empörung sorgen. Verstärkt wird dies durch den Buschfunk, der in Dörfern typischerweise existiert durch WhatsApp ein kaum zu überschauendes Tempo entwickelt. Nebenbei werden viele weitere patriarchale Probleme angesprochen. Besonders gut gefällt mir, dass nicht ausgelassen wird, wie benachteiligend das Patriarchat auch für Männer sein kann. So muss beispielsweise der wirklich liebenswerte Ex von Martina um den Umgang mit seiner Tochter außerhalb des mütterlichen Territoriums kämpfen. Sophie Passman schreibt in "Pick Me Girls", dass wir mehr Bücher von Frauen über Frauen brauchen, um zu verstehen, was es heißt, Frau zu sein. Wenn ihr nur ein Buch lesen wollt, um das zu verstehen, lest dieses. Ich habe bisher keines gefunden, das so klar beschreibt, wie es ist, Mädchen, Frau und Mutter zu sein. Gleichzeitig ist dieser Roman so spannend wie ein Thriller. Ich konnte ihn kaum aus der Hand legen und habe ihn in zwei Tagen verschlungen. Absolute Leseempfehlung und Highlight.
Ich bin gut durchs Buch gekommen. Kann man lesen, ist keine Verschwendung, muss man aber auch nicht.
Spoiler: Ich habs gelesen, dann umgeblättert und bemerkt das es bereits zuende war. Das Ende bleibt gewissermaßen offen. Was mich überrascht hat. Ich bin schnell durchgekommen. Es gab einige interessante Szenen. Ich mochte die Charaktere. Carsten war teils ok, und dann wiederum völlig daneben. Dieter ist ein Arschloch, aber von dem gab's nicht so viel zu lesen.
Schöne Geschichte übers Dorfleben
Wenn man wissen möchte, wie das Leben im Dorf so ist, wo jeder jeden kennt, ist dies eine schöne Geschichte. Lässt sich leicht lesen. Das Ende verstehe ich nicht.. wo sind die restlichen Seiten? 😅 Leider nur 2,5 Sterne. Hat mich gar nicht gepackt. Weder emotional noch sonst wie.

"Warum konnten sie uns nicht einfach in Ruhe lassen?" (S. 170) Alle wissen hier alles. Und damit ist eigentlich auch schon alles über Menschen im Allgemeinen und Menschen auf dem platten Land im Speziellen gesagt. Martina hat sich vor kurzem von ihrem Mann Carsten getrennt. Seitdem lebt sie mit der gemeinsamen Tochter Annalena in ihrem Elternhaus und bestreitet ihren Lebensunterhalt mit Putzjobs. Dass sie allein deswegen kritisch beäugt wird, versteht sich von selbst. An Carsten ist nichts auszusetzen - er bekocht sie sogar weiterhin während seiner regelmäßigen Besuche. Das Kind wird gewiss einen Schaden davontragen, da sind sich die Erzieherinnen im Kindergarten sicher. Als Martina dann auch noch Kasia und deren Tochter Danuta bei sich aufnimmt, bekommt der Buschfunk so richtig Zunder. Dass Kasia offensichtlich von ihrem Mann misshandelt wird und nicht tollpatschig gegen Schränke läuft, davon will niemand wissen. Warum auch? Wer braucht Gründe, wenn er seine ganz eigenen Wahrheiten verbreiten kann, die doch viel schöner ins Bild passen?! So oft möchte Martina verschwinden, nicht existieren oder einfach sterben. Doch am selben Strang mit Kasia zieht sich das Leben plötzlich viel leichter. Das hatte sie gebraucht: eine Verbündete. Sollen sie sich doch alle ihr Maul zerreißen! Aber das dicke Fell wird nach und nach lichter und am Ende schlägt vor allem das zu Buche, was die beiden Frauen gar nicht selbst verschuldet hatten. "Wir mussten eine Normalität herstellen, die von außen gut aussah." (S. 195) In Mareike Krügels Geschichte steckt der leise Versuch gelebter Schwesternschaft, die jedoch gegen die Macht von Konventionen und den Zusammenhalt verletzter Egos nicht ankommt. Mit ihrer Protagonistin positioniert sie außerdem den zentralen Konflikt des Romans: die Rolle der Mutter als moralisch erpressbare, gesellschaftlich kontrollierte Figur. Ein herrlich bissiger Roman, dessen Zynismus mir letztlich dennoch im Halse stecken blieb. Denn: If you know, you know.
Die Tücken des Dorflebens... ... und des Frau seins
Als meine Buchhändlerin meinte, dieses Buch sei leicht zu lesen, hab ich sie offensichtlich falsch verstanden. Aber niemand hat von leichter Kost gesprochen und leicht lesen liess sich dieses Buch mit teilweise schwerem Inhalt. Als Martina kurzentschlossen eine andere Kindergartenmutter bei sich aufnimmt, deren Platzwunde verdächtig nach häuslicher Gewalt aussieht, beginnt die Gerüchteküche im Dorf zu brodeln. Schnell wird deutlich, dass Loyalitäten unter Feuerwehrkameraden schwerer wiegen als unbewiesene Aussagen polnischer Ehefrauen. Auch sonst spricht sich Fehlverhalten schnell herum und kann auf dem Dorf weitreichende Konsequenzen haben. Mareike Krügel schafft es geschickt, aufzuzeigen, wie sehr offensichtliche und subtile Gewalt zum Leben jeder Frau gehören, wie gaslighting und patriarchale Strukturen Rollenbilder bestärken und Perspektiven verzerren können. Ich war von der Wucht des Inhalts überrascht und fand das Buch großartig. Nur mit dem Ende des Buches bin ich überhaupt nicht einverstanden. Dafür gab es von mir einen halben Stern Abzug. Große Leseempfehlung!!!














