Untergrundkrieg
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Description
Book Information
Author Description
Haruki Murakami, geboren 1949 in Kyoto, ist der international gefeierte und mit den höchsten japanischen Literaturpreisen ausgezeichnete Autor zahlreicher Romane und Erzählungen. Sein Roman "Gefährliche Geliebte" entzweite das Literarische Quartett, mit "Mister Aufziehvogel" schrieb er das Kultbuch seiner Generation. Ferner hat er die Werke von Raymond Chandler, John Irving, Truman Capote und Raymond Carver ins Japanische übersetzt.
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Dokumentation in Buchform
Ähnlich wie bei True-Crime-Dokus hat mich die tragische Thematik des Anschlags fasziniert und in ihren Bann gezogen. So ähnlich beschreibt es Murakami in dem Roman auch selbst, in dem er anfangs sein Motiv zu diesem Projekt darlegt. Mit großem Arbeitsaufwand recherchiert und auf seiner eigenene Art in Form gebracht, ist es dem Autor gelungen mich mit seinem einmaligen Einfühlungsvermögen ab Seite 1 zu fesseln. Man könnte meinen, dass sich die Berichterstattung ab einem gewissen Punkt in die Länge ziehen könnte, das ist aber zu keinem Zeitpunkt der Fall. Murakami gibt sowohl den Opfern als auch Gegenseite eine Stimme und ergänzt diese mit seinen eigenen Beobachtungen und Überlegungen. Ich kann diesen Roman sowohl allen Doku-Liebhabern, als auch Interessenten an Japans Gesellschaftsgeschichte empfehlen!
Untergrundkrieg beschäftigt sich mit den Giftgasanschlägen der Aum-Sekte im März 1995 in der Tokioter U-Bahn, bei denen mehrere Menschen starben und tausende verletzt wurden. Murakami nähert sich dem Geschehen nicht über eine klassische Rekonstruktion der Tat, sondern über Gespräche: zunächst mit Betroffenen und Angehörigen, später mit Mitgliedern und ehemaligen Mitgliedern der Sekte. Sehr eindrücklich ist dabei, wie viele der Opfer noch Jahre später – teils bis heute – unter körperlichen und psychischen Spätfolgen leiden und wie lange sie mit diesen Folgen allein gelassen wurden. Die Gegenüberstellung dieser Stimmen wirkt stark. Auf der einen Seite das reale, anhaltende Leid, auf der anderen Aussagen aus dem Umfeld der Sekte, die oft ausweichend, entrückt oder unangenehm glatt wirken. Selbst dort, wo die Anschläge klar verurteilt werden, bleibt ein bitterer Nachgeschmack. Murakami greift ein, hakt nach und widerspricht, wenn Verantwortung relativiert wird, und gibt dem Buch damit eine klare Haltung. Am Ende bleibt kein Gefühl von Abschluss oder Erklärung, sondern Unruhe. Untergrundkrieg beruhigt nicht, sondern arbeitet nach – als ernstes, unbequemes Buch über Verblendung, Verantwortung und die langfristigen Folgen eines fanatischen Systems.
Untergrundkrieg – Der Anschlag von Tokio ist ein Buch, das einen lange nicht loslässt. Haruki Murakami gibt darin den Opfern, den Angehörigen der Getöteten, aber auch ehemaligen Mitgliedern der Aum-Sekte eine Stimme. Die vielen persönlichen Berichte machen das Ausmaß dieses Anschlags auf die Tokioter U-Bahn von 1995 in einer Weise sichtbar, die sachliche Berichte allein kaum erreichen könnten. Gerade diese leisen, unaufgeregten Stimmen der Betroffenen entfalten eine enorme Wucht und hinterlassen beim Lesen ein tiefes Gefühl der Betroffenheit. Murakami zeichnet die Schicksale der Opfer mit großer Sensibilität nach. Dabei wird deutlich, wie unterschiedlich die Folgen des Anschlags für jeden Einzelnen waren — von körperlichen Spätfolgen bis hin zu lebenslangen psychischen Belastungen. Das stille, fast zurückhaltende Tonfall des Buches verstärkt die Tragik dieser Schicksale noch und regt intensiv zum Nachdenken an. Besonders verstörend wirkt, dass Murakami auch Mitglieder der Sekte selbst zu Wort kommen lässt. Viele von ihnen äußern rückblickend, ihre Zeit in der Gruppe nicht zu bereuen, auch wenn sie die Anschläge verurteilen und von Unwissenheit sprechen. Dieser Widerspruch wirkt beunruhigend und wirft Fragen nach Manipulation, Gruppendynamiken und der fortdauernden Existenz der Organisation — wenn auch unter anderem Namen — auf. Die Möglichkeit, dass solche Ideologien weiterhin Anhänger finden könnten, bleibt ein bedrückender Gedanke. Murakamis Buch ist kein reißerischer Bericht, sondern ein ausgesprochen stilles, nachdenkliches Werk. Gerade dadurch wirkt es so intensiv. Die Interviews hallen lange nach und man erwischt sich noch lange danach bei dem Versuch, das Gelesene einzuordnen. Fazit: Untergrundkrieg ist ein empfehlenswertes, erschütterndes und tief bewegendes Buch, das die menschliche Seite einer Tragödie beleuchtet und zu einem sehr umfassenden Nachdenken über Verantwortung, Gemeinschaft und Verwundbarkeit moderner Gesellschaften anregt.
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Haruki Murakami, geboren 1949 in Kyoto, ist der international gefeierte und mit den höchsten japanischen Literaturpreisen ausgezeichnete Autor zahlreicher Romane und Erzählungen. Sein Roman "Gefährliche Geliebte" entzweite das Literarische Quartett, mit "Mister Aufziehvogel" schrieb er das Kultbuch seiner Generation. Ferner hat er die Werke von Raymond Chandler, John Irving, Truman Capote und Raymond Carver ins Japanische übersetzt.
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Dokumentation in Buchform
Ähnlich wie bei True-Crime-Dokus hat mich die tragische Thematik des Anschlags fasziniert und in ihren Bann gezogen. So ähnlich beschreibt es Murakami in dem Roman auch selbst, in dem er anfangs sein Motiv zu diesem Projekt darlegt. Mit großem Arbeitsaufwand recherchiert und auf seiner eigenene Art in Form gebracht, ist es dem Autor gelungen mich mit seinem einmaligen Einfühlungsvermögen ab Seite 1 zu fesseln. Man könnte meinen, dass sich die Berichterstattung ab einem gewissen Punkt in die Länge ziehen könnte, das ist aber zu keinem Zeitpunkt der Fall. Murakami gibt sowohl den Opfern als auch Gegenseite eine Stimme und ergänzt diese mit seinen eigenen Beobachtungen und Überlegungen. Ich kann diesen Roman sowohl allen Doku-Liebhabern, als auch Interessenten an Japans Gesellschaftsgeschichte empfehlen!
Untergrundkrieg beschäftigt sich mit den Giftgasanschlägen der Aum-Sekte im März 1995 in der Tokioter U-Bahn, bei denen mehrere Menschen starben und tausende verletzt wurden. Murakami nähert sich dem Geschehen nicht über eine klassische Rekonstruktion der Tat, sondern über Gespräche: zunächst mit Betroffenen und Angehörigen, später mit Mitgliedern und ehemaligen Mitgliedern der Sekte. Sehr eindrücklich ist dabei, wie viele der Opfer noch Jahre später – teils bis heute – unter körperlichen und psychischen Spätfolgen leiden und wie lange sie mit diesen Folgen allein gelassen wurden. Die Gegenüberstellung dieser Stimmen wirkt stark. Auf der einen Seite das reale, anhaltende Leid, auf der anderen Aussagen aus dem Umfeld der Sekte, die oft ausweichend, entrückt oder unangenehm glatt wirken. Selbst dort, wo die Anschläge klar verurteilt werden, bleibt ein bitterer Nachgeschmack. Murakami greift ein, hakt nach und widerspricht, wenn Verantwortung relativiert wird, und gibt dem Buch damit eine klare Haltung. Am Ende bleibt kein Gefühl von Abschluss oder Erklärung, sondern Unruhe. Untergrundkrieg beruhigt nicht, sondern arbeitet nach – als ernstes, unbequemes Buch über Verblendung, Verantwortung und die langfristigen Folgen eines fanatischen Systems.
Untergrundkrieg – Der Anschlag von Tokio ist ein Buch, das einen lange nicht loslässt. Haruki Murakami gibt darin den Opfern, den Angehörigen der Getöteten, aber auch ehemaligen Mitgliedern der Aum-Sekte eine Stimme. Die vielen persönlichen Berichte machen das Ausmaß dieses Anschlags auf die Tokioter U-Bahn von 1995 in einer Weise sichtbar, die sachliche Berichte allein kaum erreichen könnten. Gerade diese leisen, unaufgeregten Stimmen der Betroffenen entfalten eine enorme Wucht und hinterlassen beim Lesen ein tiefes Gefühl der Betroffenheit. Murakami zeichnet die Schicksale der Opfer mit großer Sensibilität nach. Dabei wird deutlich, wie unterschiedlich die Folgen des Anschlags für jeden Einzelnen waren — von körperlichen Spätfolgen bis hin zu lebenslangen psychischen Belastungen. Das stille, fast zurückhaltende Tonfall des Buches verstärkt die Tragik dieser Schicksale noch und regt intensiv zum Nachdenken an. Besonders verstörend wirkt, dass Murakami auch Mitglieder der Sekte selbst zu Wort kommen lässt. Viele von ihnen äußern rückblickend, ihre Zeit in der Gruppe nicht zu bereuen, auch wenn sie die Anschläge verurteilen und von Unwissenheit sprechen. Dieser Widerspruch wirkt beunruhigend und wirft Fragen nach Manipulation, Gruppendynamiken und der fortdauernden Existenz der Organisation — wenn auch unter anderem Namen — auf. Die Möglichkeit, dass solche Ideologien weiterhin Anhänger finden könnten, bleibt ein bedrückender Gedanke. Murakamis Buch ist kein reißerischer Bericht, sondern ein ausgesprochen stilles, nachdenkliches Werk. Gerade dadurch wirkt es so intensiv. Die Interviews hallen lange nach und man erwischt sich noch lange danach bei dem Versuch, das Gelesene einzuordnen. Fazit: Untergrundkrieg ist ein empfehlenswertes, erschütterndes und tief bewegendes Buch, das die menschliche Seite einer Tragödie beleuchtet und zu einem sehr umfassenden Nachdenken über Verantwortung, Gemeinschaft und Verwundbarkeit moderner Gesellschaften anregt.








