Die rote Frau
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Description
Wien, 1920: Die Stadt von Kriminalinspektor August Emmerich ist ein Ort der Extreme, zwischen bitterer Not, politischen Unruhen und wildem Nachtleben. Während seine Kollegen den aufsehenerregenden Mordfall an dem beliebten Stadtrat Richard Fürst bearbeiten, müssen Emmerich und sein Assistent Ferdinand Winter Kindermädchen für eine berühmte Schauspielerin spielen, die um ihr Leben fürchtet. Dabei stoßen sie nicht nur auf eine ominöse Verbindung zu Fürst, sondern kommen einem perfiden Mordkomplott auf die Spur. Es beginnt ein dramatischer Wettlauf mit der Zeit, der sie in die Abgründe der Stadt und deren Einwohner blicken lässt.
Book Information
Author Description
Alex Beer, geboren in Bregenz, hat Archäologie studiert und lebt in Wien. Ihre spannende Krimi-Reihe um den Ermittler August Emmerich ist preisgekrönt – neben zahlreichen Shortlist-Nominierungen (u.a. für den Friedrich Glauser Preis, Viktor Crime Award, Crime Cologne Award) erhielt sie den Leo-Perutz-Preis für Kriminalliteratur 2017 und 2019 und wurde ausgezeichnet mit dem Krimi-Publikumspreis des Deutschen Buchhandels MIMI 2020. Alex Beer wurde außerdem der Österreichische Krimipreis 2019 verliehen. Neben dem Wiener Kriminalinspektor hat Alex Beer mit Isaak Rubinstein eine weitere faszinierende Figur erschaffen, die in der Reihe »Unter Wölfen« während des Zweiten Weltkriegs in Nürnberg ermittelt.
Posts
Alex Beer entführt den Leser wieder ins Wien der Zwischenkriegszeit, atmosphärisch dicht, historisch fesselnd, aber spannungstechnisch mit Durchhängern. Wer Lokalkolorit schätzt, wird belohnt, wer knackige Krimispannung sucht, muss Geduld mitbringen.
Als ich die erste Seite von „Die rote Frau” aufschlug, war es, als würde ich durch ein altes Tor in ein Wien treten, das längst vergangen ist und doch erschreckend nah wirkt. Die Gassen der Zwischenkriegszeit, die Schatten an den Hauswänden, die Stimmen einer Stadt im Umbruch. Alex Beer hat mich wieder in ihre Welt gezogen. Ich bin gerne mit Kommissar Emmerich durch dieses Wien gestreift. Im zweiten Band der Reihe begleitete ich ihn durch einen neuen Fall, der mich tiefer in die Abgründe der 1920er Jahre geführt hat. Die Atmosphäre ist greifbar, das Lokalkolorit sitzt wie ein maßgeschneiderter Mantel. Beer versteht es, historische Details so einzuweben, dass man das Kopfsteinpflaster unter den Füßen spürt und den Rauch der Kaffeehäuser riecht. Der Fall selbst ist vielschichtig konstruiert, die Spannung baut sich behutsam auf manchmal vielleicht etwas zu behutsam. Die Stärke des Buches liegt eindeutig in seiner Atmosphäre und den historischen Bezügen. Beer schafft es, das Wien der 1920er Jahre lebendig werden zu lassen, ohne in bloße Geschichtsstunden zu verfallen. Emmerich bleibt eine facettenreiche Figur, deren innere Konflikte nachvollziehbar sind. Besonders beeindruckend ist die Verbindungen zur Gegenwart. Themen wie politische Radikalisierung, gesellschaftliche Spaltung und die Mechanismen von Propaganda fühlen sich beklemmend aktuell an. Man liest Geschichte und denkt unweigerlich an heute. So atmosphärisch das Buch ist, so sehr fehlt ihm stellenweise der Biss. Die Handlung plätschert über weite Strecken dahin, die Spannung kommt erst spät in Fahrt. Manche Wendungen waren vorhersehbar, andere wirkten etwas konstruiert. Auch die Nebencharaktere bleiben teilweise blass, Schatten statt vollständiger Personen. Für einen Krimi hätte ich mir mehr Tempo und schärfere Kontraste gewünscht. Am Ende fühlte sich „Die rote Frau” an wie ein Spaziergang durch ein Museum bei Dämmerlicht, faszinierend in seiner Detailtreue, aber nicht immer packend genug, um einen vollständig in den Bann zu ziehen. Trotzdem ist es ein solides, atmosphärisches Wiedersehen mit Emmerich, das vor allem durch seine historischen Parallelen zum Nachdenken anregt.
So eine tolle Reihe!
Alex Beer hat es auch diesmal geschafft, mich vollkommen in die Zeit zurückzuziehen. Die rote Frau ist nicht nur spannend erzählt, sondern überzeugt vor allem durch die sorgfältig eingearbeiteten historischen Hintergründe, die dem Roman Tiefe und Glaubwürdigkeit verleihen. Besonders beeindruckt hat mich, wie feinfühlig die Figuren entwickelt werden. August Emmerich bleibt für mich eine der faszinierendsten Ermittlerfiguren, voller Ecken und Kanten – und sein Assistent Winter steht ihm in nichts nach, wenn auch auf ganz andere Art und Weise. Er ist der perfekte Kontrast zu Emmerich, ohne, dass es zu gewollt wirkt. Gemeinsam bilden die beiden ein Duo, dem man einfach gern folgt, gerade weil sie so menschlich, verletzlich und zugleich entschlossen sind. Das Buch ist fesselnd und hat mich bis zur letzten Seite begeistert. Für alle, die historische Krimis lieben und Wert auf lebendige Charaktere legen, ist Die rote Frau ein echtes Highlight.
Ein toller Band 2
August Emmerich wird in seiner Kriminalabteilubg 'Leib und Leben' einfach nicht gesehen. Vor allem seit sein ehemaliger Chef nun einen höheren Rang inne hat. Er und sein Assistent Winter werden für die niederen Arbeiten in der Abteilung missbraucht. Da Emmerich sehr arm ist, lebt er in einem Armenhaus für Männer. Plötzlich wird ein Kamerad von ihm wegen eines Mordes verhaftet. Keiner kann sich vorstellen, dass Peppi den Fürst umgebracht hat. Denn dieser hat ihm als Kriegsversehrten Prothesen verschafft und war ihm wohl gesonnen. Doch alle Indizien sprechen gegen Peppi. August Emmerich beginnt zu ermitteln und findet auf seinem Weg noch mehr Tote. Er muss für sich erstmal prüfen, wem er trauen kann, denn er legt sich mit sehr mächtigen Männern an. Weiterhin begleitet uns auch die private Geschichte von August und Luise. Ein wunderbarer Krimi, der absolut spannend und lesenswert ist!
Wie immer begeistert mich Alex Beer. Der zweite Teil rund um August Emmerich ist gelungen und bringt neben spannenden Kriminalfällen auch politische Entwicklungen in die Handlung mit ein. Dazu sozialpolitische Entwicklungen, die ein bildhaftes Szenario von Wien 1920 zeichnen und damit auch extrem lehrreich ist. Mit Emmerich hat die Autorin eine Figur entwickelt, die moralisch nicht immer klar und deutlich zu fassen ist, der aber einen kompass hat, der für Gerechtigkeit steht.
Die rote Frau ist nicht nur ein spannender Krimi, sondern auch ein eindrucksvolles Gesellschaftsporträt, das die dunklen Seiten und die kalte Realität der Zwischenkriegszeit schonungslos beleuchtet.
Die rote Frau von Alex Beer ist eine gelungene Fortsetzung der August Emmerich-Reihe, die den Leser tief in das von Krieg und Armut gezeichnete Wien des Jahres 1920 eintauchen lässt. Sie fängt den Zeitgeist der Zwischenkriegszeit mit einem beeindruckendem Schreibstil ein und schafft es, historische Details durch umwerfende Recherche nahtlos in die Handlung einzubinden. Die Nachwehen des Ersten Weltkriegs, Hunger, Not und gesellschaftliche Ungleichheit, ziehen sich durch das gesamte Buch und verleihen der Geschichte eine erschütternde Atmosphäre. Besonders toll ist die Playlist, die am Ende des Buches zu finden ist und perfekt zu den einzelnen Szenen passt. Sie verstärkt das Leseerlebnis und transportiert den Leser noch intensiver in die düsteren karbidbeleuchteten Schauplätze, wie Lokale des Wiener Nachtleben z.B. die roten Bretze. Weitere Schauplätz sind unter Anderem der böhmische Prater, das Männerwohnheim in der Meldemannstraße und das Hofwaffenmuseum (heute das Heeresgeschichtliche Museum (HGM)). Kleiner Tipp: Wer die Erzählung noch intensiver erleben will, sollte die Schauplätze besuchen. Sehr zu empfehlen sind die Ausstellungen im HGM über den ersten Weltkrieg und die Zwischenkriegszeit! Kaltblütige Morde, unerwartete Wendungen und scharfsinnige Ermittlungsarbeit erwarten den Leser in diesem Band. Emmerich will einen Unschuldigen aus dem Gefängnis holen und riskiert dafür seine Stelle bei “Leib und Leben”, da er wieder mal unverfroren auf eigene Faust ermittelt. August Emmerich ist eine liebenswerte und faszinierende Hauptfigur. Skrupellos, unkonventionell, zynisch und von einem unerschütterlichen Gerechtigkeitssinn getrieben. Doch hinter seiner rauen Fassade gibt es einen weichen, verletzlichen Kern. Emmerichs Sorge um Luise und die Kinder, Winter und Peppi ist herzzerreißend. Die rote Frau ist nicht nur ein spannender Krimi, sondern auch ein eindrucksvolles Gesellschaftsporträt, das die dunklen Seiten und die kalte Realität der Zwischenkriegszeit schonungslos beleuchtet. Der Krimi unterhält nicht nur sondern regt auch zum Nachdenken an.

Wieder hat mir ehrlich gesagt vor allem die herausragende Lesung von Cornelius Obonya gefallen. Zeitweise war es fast wie einem richtig guten Hörspiel zu lauschen. Ich finde er hat die Atmosphäre der Geschichte total gut eingefangen und es ist erstaunlich, wie Obonya es schafft jeder Figur eine eigene Stimme zu geben. Deshalb habe ich auch wieder eine Ausnahme gemacht und ein gekürztes Hörbuch gehört. Das mag ich an sich nämlich nicht so gerne. Aber die Kürzungen fand ich diesmal gelungener, bei Band 1 sind sie mir stärker aufgefallen. Hier eigentlich kaum. Ich mag Emmerich, aber auch vor alle seinen Assistenten Winter, der so herrlich unbedarft ist und für mich daher immer für ein paar Lacher gut ist. Gleichzeitig wird deutlicher das er durchaus ein guter Polizist ist, wenn man ihn lässt. Er ist mutiger als ihm Emmerich oft zugesteht. Auch der historische Rahmen war wieder interessant für mich, mit den Entwicklungen in Österreich nach dem ersten Weltkrieg kenne ich mich kaum aus. Daher finde ich es interessant, das überhaupt mal dieser Blickwinkel beleuchtet wird. Auch hier spielt wieder der Gegensatz zwischen Hunger und Elend auf der einen Seite und der Dekadenz und Herrschsucht der reicheren Gesellschaft eine tragende Rolle. Mir persönlich hat der Kriminalfall dabei nicht so ganz gefallen, ich fand die Geschichte an der Stelle etwas überladen mit Verschwörungstheorien und korrupten dekadenten Menschen. Zwar versucht die Autorin hier schwarz und weiß aufzubrechen und auch aufzuzeigen, welche unterschiedlichen Weltbilder hier aufeinander prallen, aber in Zusammenhang mit dem Mordfall lockte mich das jetzt eher weniger. Zugegebener maßen ist die Auflösung aber besser als in Band 1 mit der Handlung verknüpft. Das Ganze passiert nicht gar so stark aus heiterem Himmel und ich fand es gab mehr Chancen, auch als Leser*inn mit zugrübeln, wer dahinter steckt und wer nicht. Insgesamt mag ich persönlich einfach gerne das Wienersetting, Emmerich und Winter und freue mich trotz meiner Kritikpunkte auf Band 3.
Diesen zweiten Teil habe ich als Hörbuch gehört. Auch wenn ich mich anfangs über den Hinweis "gekürzt" nicht gefreut habe, hat Cornelius Obonya als Sprecher dies mehr als wett gemacht! Man merkt ihm an, dass er in diesem Bereich sowohl als Schauspieler als auch als Sprecher (In Österreich kennt man seine Stimme vor allem durch diverse Natur-Dokus, die er aus dem Off begleitet) sehr viel Erfahrung mitbringt. Unterschiedliche Stimmlagen und Dialekte bringt er wirklich sehr, sehr gekonnt rüber. Dies macht es dem Hörer nicht schwer, sich von der Geschichte ein weiteres Mal in das Wien der Nachkriegsjahre entführen zu lassen. "Die rote Frau" setzt dabei dort ein, wo wir August Emmerich und Ferdinand Winter verlassen haben. Die beiden haben es dabei nicht leicht, denn statt Fälle zu lösen, werden sie von ihren neuen Kollegen als Sekretärinnen missbraucht und als "Krüppelbrigade" bezeichnet. Emmerichs Starrsinn - und natürlich ein Mord - helfen ihm aber auch hier, sich gegen alle Widrigkeiten zu behaupten und auf eigene Faust verschiedenen Spuren zu folgen. Ich weiß, ich habe es schon bei Band 1 geschrieben, aber ich wiederhole mich gern: Die Autorin versteht es auch in dieser Geschichte sehr geschickt, das Wien dieser Zeit in all seinen Facetten lebendig werden zu lassen. Den Krimi selbst fand ich an einigen Stellen allerdings etwas haarsträubend, auch die Auflösung kam für meinen Geschmack ein klein bisschen zu schnell und vor allem zu "phantastisch". Wie schon bei Teil 1 lässt auch hier Alex Beer eine Kleinigkeit offen, weshalb es bestimmt interessant sein wird zu sehen, was sich die Autorin für die Zukunft der beiden Figuren ausgedacht hat. Trotz dieser kleinen Schönheitsfehler spreche ich auch hier gerne wieder eine Empfehlung für alle aus, die sowohl historische Krimis als auch den Wiener Schmäh mögen :).
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Wien, 1920: Die Stadt von Kriminalinspektor August Emmerich ist ein Ort der Extreme, zwischen bitterer Not, politischen Unruhen und wildem Nachtleben. Während seine Kollegen den aufsehenerregenden Mordfall an dem beliebten Stadtrat Richard Fürst bearbeiten, müssen Emmerich und sein Assistent Ferdinand Winter Kindermädchen für eine berühmte Schauspielerin spielen, die um ihr Leben fürchtet. Dabei stoßen sie nicht nur auf eine ominöse Verbindung zu Fürst, sondern kommen einem perfiden Mordkomplott auf die Spur. Es beginnt ein dramatischer Wettlauf mit der Zeit, der sie in die Abgründe der Stadt und deren Einwohner blicken lässt.
Book Information
Author Description
Alex Beer, geboren in Bregenz, hat Archäologie studiert und lebt in Wien. Ihre spannende Krimi-Reihe um den Ermittler August Emmerich ist preisgekrönt – neben zahlreichen Shortlist-Nominierungen (u.a. für den Friedrich Glauser Preis, Viktor Crime Award, Crime Cologne Award) erhielt sie den Leo-Perutz-Preis für Kriminalliteratur 2017 und 2019 und wurde ausgezeichnet mit dem Krimi-Publikumspreis des Deutschen Buchhandels MIMI 2020. Alex Beer wurde außerdem der Österreichische Krimipreis 2019 verliehen. Neben dem Wiener Kriminalinspektor hat Alex Beer mit Isaak Rubinstein eine weitere faszinierende Figur erschaffen, die in der Reihe »Unter Wölfen« während des Zweiten Weltkriegs in Nürnberg ermittelt.
Posts
Alex Beer entführt den Leser wieder ins Wien der Zwischenkriegszeit, atmosphärisch dicht, historisch fesselnd, aber spannungstechnisch mit Durchhängern. Wer Lokalkolorit schätzt, wird belohnt, wer knackige Krimispannung sucht, muss Geduld mitbringen.
Als ich die erste Seite von „Die rote Frau” aufschlug, war es, als würde ich durch ein altes Tor in ein Wien treten, das längst vergangen ist und doch erschreckend nah wirkt. Die Gassen der Zwischenkriegszeit, die Schatten an den Hauswänden, die Stimmen einer Stadt im Umbruch. Alex Beer hat mich wieder in ihre Welt gezogen. Ich bin gerne mit Kommissar Emmerich durch dieses Wien gestreift. Im zweiten Band der Reihe begleitete ich ihn durch einen neuen Fall, der mich tiefer in die Abgründe der 1920er Jahre geführt hat. Die Atmosphäre ist greifbar, das Lokalkolorit sitzt wie ein maßgeschneiderter Mantel. Beer versteht es, historische Details so einzuweben, dass man das Kopfsteinpflaster unter den Füßen spürt und den Rauch der Kaffeehäuser riecht. Der Fall selbst ist vielschichtig konstruiert, die Spannung baut sich behutsam auf manchmal vielleicht etwas zu behutsam. Die Stärke des Buches liegt eindeutig in seiner Atmosphäre und den historischen Bezügen. Beer schafft es, das Wien der 1920er Jahre lebendig werden zu lassen, ohne in bloße Geschichtsstunden zu verfallen. Emmerich bleibt eine facettenreiche Figur, deren innere Konflikte nachvollziehbar sind. Besonders beeindruckend ist die Verbindungen zur Gegenwart. Themen wie politische Radikalisierung, gesellschaftliche Spaltung und die Mechanismen von Propaganda fühlen sich beklemmend aktuell an. Man liest Geschichte und denkt unweigerlich an heute. So atmosphärisch das Buch ist, so sehr fehlt ihm stellenweise der Biss. Die Handlung plätschert über weite Strecken dahin, die Spannung kommt erst spät in Fahrt. Manche Wendungen waren vorhersehbar, andere wirkten etwas konstruiert. Auch die Nebencharaktere bleiben teilweise blass, Schatten statt vollständiger Personen. Für einen Krimi hätte ich mir mehr Tempo und schärfere Kontraste gewünscht. Am Ende fühlte sich „Die rote Frau” an wie ein Spaziergang durch ein Museum bei Dämmerlicht, faszinierend in seiner Detailtreue, aber nicht immer packend genug, um einen vollständig in den Bann zu ziehen. Trotzdem ist es ein solides, atmosphärisches Wiedersehen mit Emmerich, das vor allem durch seine historischen Parallelen zum Nachdenken anregt.
So eine tolle Reihe!
Alex Beer hat es auch diesmal geschafft, mich vollkommen in die Zeit zurückzuziehen. Die rote Frau ist nicht nur spannend erzählt, sondern überzeugt vor allem durch die sorgfältig eingearbeiteten historischen Hintergründe, die dem Roman Tiefe und Glaubwürdigkeit verleihen. Besonders beeindruckt hat mich, wie feinfühlig die Figuren entwickelt werden. August Emmerich bleibt für mich eine der faszinierendsten Ermittlerfiguren, voller Ecken und Kanten – und sein Assistent Winter steht ihm in nichts nach, wenn auch auf ganz andere Art und Weise. Er ist der perfekte Kontrast zu Emmerich, ohne, dass es zu gewollt wirkt. Gemeinsam bilden die beiden ein Duo, dem man einfach gern folgt, gerade weil sie so menschlich, verletzlich und zugleich entschlossen sind. Das Buch ist fesselnd und hat mich bis zur letzten Seite begeistert. Für alle, die historische Krimis lieben und Wert auf lebendige Charaktere legen, ist Die rote Frau ein echtes Highlight.
Ein toller Band 2
August Emmerich wird in seiner Kriminalabteilubg 'Leib und Leben' einfach nicht gesehen. Vor allem seit sein ehemaliger Chef nun einen höheren Rang inne hat. Er und sein Assistent Winter werden für die niederen Arbeiten in der Abteilung missbraucht. Da Emmerich sehr arm ist, lebt er in einem Armenhaus für Männer. Plötzlich wird ein Kamerad von ihm wegen eines Mordes verhaftet. Keiner kann sich vorstellen, dass Peppi den Fürst umgebracht hat. Denn dieser hat ihm als Kriegsversehrten Prothesen verschafft und war ihm wohl gesonnen. Doch alle Indizien sprechen gegen Peppi. August Emmerich beginnt zu ermitteln und findet auf seinem Weg noch mehr Tote. Er muss für sich erstmal prüfen, wem er trauen kann, denn er legt sich mit sehr mächtigen Männern an. Weiterhin begleitet uns auch die private Geschichte von August und Luise. Ein wunderbarer Krimi, der absolut spannend und lesenswert ist!
Wie immer begeistert mich Alex Beer. Der zweite Teil rund um August Emmerich ist gelungen und bringt neben spannenden Kriminalfällen auch politische Entwicklungen in die Handlung mit ein. Dazu sozialpolitische Entwicklungen, die ein bildhaftes Szenario von Wien 1920 zeichnen und damit auch extrem lehrreich ist. Mit Emmerich hat die Autorin eine Figur entwickelt, die moralisch nicht immer klar und deutlich zu fassen ist, der aber einen kompass hat, der für Gerechtigkeit steht.
Die rote Frau ist nicht nur ein spannender Krimi, sondern auch ein eindrucksvolles Gesellschaftsporträt, das die dunklen Seiten und die kalte Realität der Zwischenkriegszeit schonungslos beleuchtet.
Die rote Frau von Alex Beer ist eine gelungene Fortsetzung der August Emmerich-Reihe, die den Leser tief in das von Krieg und Armut gezeichnete Wien des Jahres 1920 eintauchen lässt. Sie fängt den Zeitgeist der Zwischenkriegszeit mit einem beeindruckendem Schreibstil ein und schafft es, historische Details durch umwerfende Recherche nahtlos in die Handlung einzubinden. Die Nachwehen des Ersten Weltkriegs, Hunger, Not und gesellschaftliche Ungleichheit, ziehen sich durch das gesamte Buch und verleihen der Geschichte eine erschütternde Atmosphäre. Besonders toll ist die Playlist, die am Ende des Buches zu finden ist und perfekt zu den einzelnen Szenen passt. Sie verstärkt das Leseerlebnis und transportiert den Leser noch intensiver in die düsteren karbidbeleuchteten Schauplätze, wie Lokale des Wiener Nachtleben z.B. die roten Bretze. Weitere Schauplätz sind unter Anderem der böhmische Prater, das Männerwohnheim in der Meldemannstraße und das Hofwaffenmuseum (heute das Heeresgeschichtliche Museum (HGM)). Kleiner Tipp: Wer die Erzählung noch intensiver erleben will, sollte die Schauplätze besuchen. Sehr zu empfehlen sind die Ausstellungen im HGM über den ersten Weltkrieg und die Zwischenkriegszeit! Kaltblütige Morde, unerwartete Wendungen und scharfsinnige Ermittlungsarbeit erwarten den Leser in diesem Band. Emmerich will einen Unschuldigen aus dem Gefängnis holen und riskiert dafür seine Stelle bei “Leib und Leben”, da er wieder mal unverfroren auf eigene Faust ermittelt. August Emmerich ist eine liebenswerte und faszinierende Hauptfigur. Skrupellos, unkonventionell, zynisch und von einem unerschütterlichen Gerechtigkeitssinn getrieben. Doch hinter seiner rauen Fassade gibt es einen weichen, verletzlichen Kern. Emmerichs Sorge um Luise und die Kinder, Winter und Peppi ist herzzerreißend. Die rote Frau ist nicht nur ein spannender Krimi, sondern auch ein eindrucksvolles Gesellschaftsporträt, das die dunklen Seiten und die kalte Realität der Zwischenkriegszeit schonungslos beleuchtet. Der Krimi unterhält nicht nur sondern regt auch zum Nachdenken an.

Wieder hat mir ehrlich gesagt vor allem die herausragende Lesung von Cornelius Obonya gefallen. Zeitweise war es fast wie einem richtig guten Hörspiel zu lauschen. Ich finde er hat die Atmosphäre der Geschichte total gut eingefangen und es ist erstaunlich, wie Obonya es schafft jeder Figur eine eigene Stimme zu geben. Deshalb habe ich auch wieder eine Ausnahme gemacht und ein gekürztes Hörbuch gehört. Das mag ich an sich nämlich nicht so gerne. Aber die Kürzungen fand ich diesmal gelungener, bei Band 1 sind sie mir stärker aufgefallen. Hier eigentlich kaum. Ich mag Emmerich, aber auch vor alle seinen Assistenten Winter, der so herrlich unbedarft ist und für mich daher immer für ein paar Lacher gut ist. Gleichzeitig wird deutlicher das er durchaus ein guter Polizist ist, wenn man ihn lässt. Er ist mutiger als ihm Emmerich oft zugesteht. Auch der historische Rahmen war wieder interessant für mich, mit den Entwicklungen in Österreich nach dem ersten Weltkrieg kenne ich mich kaum aus. Daher finde ich es interessant, das überhaupt mal dieser Blickwinkel beleuchtet wird. Auch hier spielt wieder der Gegensatz zwischen Hunger und Elend auf der einen Seite und der Dekadenz und Herrschsucht der reicheren Gesellschaft eine tragende Rolle. Mir persönlich hat der Kriminalfall dabei nicht so ganz gefallen, ich fand die Geschichte an der Stelle etwas überladen mit Verschwörungstheorien und korrupten dekadenten Menschen. Zwar versucht die Autorin hier schwarz und weiß aufzubrechen und auch aufzuzeigen, welche unterschiedlichen Weltbilder hier aufeinander prallen, aber in Zusammenhang mit dem Mordfall lockte mich das jetzt eher weniger. Zugegebener maßen ist die Auflösung aber besser als in Band 1 mit der Handlung verknüpft. Das Ganze passiert nicht gar so stark aus heiterem Himmel und ich fand es gab mehr Chancen, auch als Leser*inn mit zugrübeln, wer dahinter steckt und wer nicht. Insgesamt mag ich persönlich einfach gerne das Wienersetting, Emmerich und Winter und freue mich trotz meiner Kritikpunkte auf Band 3.
Diesen zweiten Teil habe ich als Hörbuch gehört. Auch wenn ich mich anfangs über den Hinweis "gekürzt" nicht gefreut habe, hat Cornelius Obonya als Sprecher dies mehr als wett gemacht! Man merkt ihm an, dass er in diesem Bereich sowohl als Schauspieler als auch als Sprecher (In Österreich kennt man seine Stimme vor allem durch diverse Natur-Dokus, die er aus dem Off begleitet) sehr viel Erfahrung mitbringt. Unterschiedliche Stimmlagen und Dialekte bringt er wirklich sehr, sehr gekonnt rüber. Dies macht es dem Hörer nicht schwer, sich von der Geschichte ein weiteres Mal in das Wien der Nachkriegsjahre entführen zu lassen. "Die rote Frau" setzt dabei dort ein, wo wir August Emmerich und Ferdinand Winter verlassen haben. Die beiden haben es dabei nicht leicht, denn statt Fälle zu lösen, werden sie von ihren neuen Kollegen als Sekretärinnen missbraucht und als "Krüppelbrigade" bezeichnet. Emmerichs Starrsinn - und natürlich ein Mord - helfen ihm aber auch hier, sich gegen alle Widrigkeiten zu behaupten und auf eigene Faust verschiedenen Spuren zu folgen. Ich weiß, ich habe es schon bei Band 1 geschrieben, aber ich wiederhole mich gern: Die Autorin versteht es auch in dieser Geschichte sehr geschickt, das Wien dieser Zeit in all seinen Facetten lebendig werden zu lassen. Den Krimi selbst fand ich an einigen Stellen allerdings etwas haarsträubend, auch die Auflösung kam für meinen Geschmack ein klein bisschen zu schnell und vor allem zu "phantastisch". Wie schon bei Teil 1 lässt auch hier Alex Beer eine Kleinigkeit offen, weshalb es bestimmt interessant sein wird zu sehen, was sich die Autorin für die Zukunft der beiden Figuren ausgedacht hat. Trotz dieser kleinen Schönheitsfehler spreche ich auch hier gerne wieder eine Empfehlung für alle aus, die sowohl historische Krimis als auch den Wiener Schmäh mögen :).




















