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Nicht so meines ....
Oct 5, 2023
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Oct 5, 2023
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Der große europäische Roman | Deutscher Buchpreis 2017
In Brüssel laufen die Fäden zusammen – und ein Schwein durch die Straßen.
Fenia Xenopoulou, Beamtin in der Generaldirektion Kultur der Europäischen Kommission, steht vor einer schwierigen Aufgabe. Sie soll das Image der Kommission aufpolieren. Aber wie? Sie beauftragt den Referenten Martin Susman, eine Idee zu entwickeln. Die Idee nimmt Gestalt an – die Gestalt eines Gespensts aus der Geschichte, das für Unruhe in den EU-Institutionen sorgt. David de Vriend dämmert in einem Altenheim gegenüber dem Brüsseler Friedhof seinem Tod entgegen. Als Kind ist er von einem Deportationszug gesprungen, der seine Eltern in den Tod führte. Nun soll er bezeugen, was er im Begriff ist zu vergessen. Auch Kommissar Brunfaut steht vor einer schwierigen Aufgabe. Er muss aus politischen Gründen einen Mordfall auf sich beruhen lassen; ≫zu den Akten legen≪ wäre zu viel gesagt, denn die sind unauffindbar. Und Alois Erhart, Emeritus der Volkswirtschaft, soll in einem Think-Tank der Kommission vor den Denkbeauftragten aller Länder Worte sprechen, die seine letzten sein könnten.
In seinem neuen Roman spannt Robert Menasse einen weiten Bogen zwischen den Zeiten, den Nationen, dem Unausweichlichen und der Ironie des Schicksals, zwischen kleinlicher Bürokratie und großen Gefühlen.
Und was macht Brüssel? Es sucht einen Namen – für das Schwein, das durch die Straßen läuft. Und David de Vriend bekommt ein Begräbnis, das stillschweigend zum Begräbnis einer ganzen Epoche wird: der Epoche der Scham.
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Oct 5, 2023
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Ein Kommissar mit gesundheitlichen Problemen, ein Holocaust-Überlebender, der in ein Altenheim ziehen muss, ein Professor der Volkswirtschaft im Ruhestand, ein einflussreicher österreichischer Schweinebauer, etliche Beamte der EU-Kommission verschiedener Nationalität und unterschiedlichen Ranges und schließlich … ein Schwein. Robert Menasse bietet in seinem mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichneten Roman eine umfangreiche Besetzung auf. Nun könnte man angesichts dieses Casts (mit Ausnahme des Schweins) einen Roman erwarten, in dem es trocken und bürokratisch zugeht. Zunächst ist auch erst einmal schwierig, dem Geschehen zu folgen. Menasse wirft den Leser ins kalte Wasser und eine Fülle von Charakteren her, als nämlich das besagte Schwein durch Brüssel rennt und von einigen unserer Protagonisten gesehen wird. Das Schwein (keineswegs ein Wild- sondern ein Hausschwein) soll später einen quasilegendären Status erringen. Hat man etwas Geduld mit dem Buch, steigt man irgendwann auch durch, wer wer ist in diesem Buch, nach einer Weile ergeben sich auch die Zusammenhänge, und die sind keineswegs trocken. Sogar einen Mordfall gibt es, der allerdings nicht auf konventionell-kriminalistische Art gelöst wird. Wer nicht viel darüber weiß, wie es in den Institutionen der EU tatsächlich zugeht, erhält in diesem Buch manchen Einblick, insbesondere in die Beschaffenheit und Abhängigkeiten in der Europäischen Kommission. Eine der Hauptfiguren des Romans, Fenia Xenopoulou, möchte gern das Ressort wechseln und sich mit einem erfolgreichen Projekt zur Feier des 50-jährigen Bestehens der Kommission profilieren, ein weiterer Hauptcharakter wird hierfür verpflichtet, der wiederum der Bruder des österreichischen Schweinebauers ist, der gegen Unstimmigkeiten in der EU bezüglich des Handels mit Schweinefleisch vorgehen will und stimmt, da war doch die Sache mit dem Schwein. Das Schwein stellt uns nicht nur verschiedene Charaktere vor, sondern rennt wie ein roter Faden durch das ganze Buch. Robert Menasse schafft es, einen kritischen EU-Roman vorzulegen, der letztendlich jedoch eine Vision für Europa vertritt: Es ist bekannt, dass Menasse Befürworter eines Europas der Regionen ist. Entsprechend finden sich in dem Roman einige faszinierende Gedankenspiele, unter anderem eben für eine europäische Hauptstadt (und zwar nicht Brüssel), sodass der Titel des Romans zweideutig wird. Nicht vergessen will ich, das der Roman auch in sprachlicher Hinsicht Spaß macht, Menasse schreibt auf hohem Niveau. Als einzige Kritik fällt mir ein, dass die Passage von David de Vriend, dem Holocaustüberleben gegen Ende des Buches meiner Meinung nach etwas zu lang geraten ist. (Möglicherweise entsteht dieser Eindruck auch durch das Hörbuchformat.) Ich war skeptisch, ob mich dieses Buch würde fesseln können, in diesem Fall ist es tatsächlich dem Deutschen Buchpreis zu verdanken, dass ich mich dafür entschieden habe, und ich bin froh es gelesen zu haben. Die Hörbuchform verhindert zwar das Notieren von Zitaten (und eventuell einer Liste der Charaktere…), ist aber ansonsten durchweg empfehlenswert, Berkel ist ein geübter Sprecher, der darüber hinaus die Aussprache von französischen, niederländischen und sonstigen fremdsprachigen Namen tadellos meistert.
Sep 28, 2022
Ein Kommissar mit gesundheitlichen Problemen, ein Holocaust-Überlebender, der in ein Altenheim ziehen muss, ein Professor der Volkswirtschaft im Ruhestand, ein einflussreicher österreichischer Schweinebauer, etliche Beamte der EU-Kommission verschiedener Nationalität und unterschiedlichen Ranges und schließlich … ein Schwein. Robert Menasse bietet in seinem mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichneten Roman eine umfangreiche Besetzung auf. Nun könnte man angesichts dieses Casts (mit Ausnahme des Schweins) einen Roman erwarten, in dem es trocken und bürokratisch zugeht. Zunächst ist auch erst einmal schwierig, dem Geschehen zu folgen. Menasse wirft den Leser ins kalte Wasser und eine Fülle von Charakteren her, als nämlich das besagte Schwein durch Brüssel rennt und von einigen unserer Protagonisten gesehen wird. Das Schwein (keineswegs ein Wild- sondern ein Hausschwein) soll später einen quasilegendären Status erringen. Hat man etwas Geduld mit dem Buch, steigt man irgendwann auch durch, wer wer ist in diesem Buch, nach einer Weile ergeben sich auch die Zusammenhänge, und die sind keineswegs trocken. Sogar einen Mordfall gibt es, der allerdings nicht auf konventionell-kriminalistische Art gelöst wird. Wer nicht viel darüber weiß, wie es in den Institutionen der EU tatsächlich zugeht, erhält in diesem Buch manchen Einblick, insbesondere in die Beschaffenheit und Abhängigkeiten in der Europäischen Kommission. Eine der Hauptfiguren des Romans, Fenia Xenopoulou, möchte gern das Ressort wechseln und sich mit einem erfolgreichen Projekt zur Feier des 50-jährigen Bestehens der Kommission profilieren, ein weiterer Hauptcharakter wird hierfür verpflichtet, der wiederum der Bruder des österreichischen Schweinebauers ist, der gegen Unstimmigkeiten in der EU bezüglich des Handels mit Schweinefleisch vorgehen will und stimmt, da war doch die Sache mit dem Schwein. Das Schwein stellt uns nicht nur verschiedene Charaktere vor, sondern rennt wie ein roter Faden durch das ganze Buch. Robert Menasse schafft es, einen kritischen EU-Roman vorzulegen, der letztendlich jedoch eine Vision für Europa vertritt: Es ist bekannt, dass Menasse Befürworter eines Europas der Regionen ist. Entsprechend finden sich in dem Roman einige faszinierende Gedankenspiele, unter anderem eben für eine europäische Hauptstadt (und zwar nicht Brüssel), sodass der Titel des Romans zweideutig wird. Nicht vergessen will ich, das der Roman auch in sprachlicher Hinsicht Spaß macht, Menasse schreibt auf hohem Niveau. Als einzige Kritik fällt mir ein, dass die Passage von David de Vriend, dem Holocaustüberleben gegen Ende des Buches meiner Meinung nach etwas zu lang geraten ist. (Möglicherweise entsteht dieser Eindruck auch durch das Hörbuchformat.) Ich war skeptisch, ob mich dieses Buch würde fesseln können, in diesem Fall ist es tatsächlich dem Deutschen Buchpreis zu verdanken, dass ich mich dafür entschieden habe, und ich bin froh es gelesen zu haben. Die Hörbuchform verhindert zwar das Notieren von Zitaten (und eventuell einer Liste der Charaktere…), ist aber ansonsten durchweg empfehlenswert, Berkel ist ein geübter Sprecher, der darüber hinaus die Aussprache von französischen, niederländischen und sonstigen fremdsprachigen Namen tadellos meistert.
Sep 28, 2022

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“Er hatte vergessen wollen, aber das hatte nur dazu geführt, dass er vergessen wurde.” Ein Buch, in welchem ein Mordfall, EU-Politik und Satire aufeinandertreffen. Wer mit vielen Charakteren und deren unterschiedlichen Handlungssträngen zurecht kommt und sich für Skuriles begeistern kann, wird hier einzigartiges Lesematerial für sich finden können.
Nov 23, 2023
“Er hatte vergessen wollen, aber das hatte nur dazu geführt, dass er vergessen wurde.” Ein Buch, in welchem ein Mordfall, EU-Politik und Satire aufeinandertreffen. Wer mit vielen Charakteren und deren unterschiedlichen Handlungssträngen zurecht kommt und sich für Skuriles begeistern kann, wird hier einzigartiges Lesematerial für sich finden können.
Nov 23, 2023
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Author
Robert Menasse wurde 1954 in Wien geboren und ist auch dort aufgewachsen. Er studierte Germanistik, Philosophie sowie Politikwissenschaft in Wien, Salzburg und Messina und promovierte im Jahr 1980 mit einer Arbeit über den »Typus des Außenseiters im Literaturbetrieb«. Menasse lehrte anschließend sechs Jahre – zunächst als Lektor für österreichische Literatur, dann als Gastdozent am Institut für Literaturtheorie – an der Universität São Paulo. Dort hielt er vor allem Lehrveranstaltungen über philosophische und ästhetische Theorien ab, u.a. über: Hegel, Lukács, Benjamin und Adorno. Seit seiner Rückkehr aus Brasilien 1988 lebt Robert Menasse als Literat und kulturkritischer Essayist hauptsächlich in Wien.
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