Landgericht

Landgericht

Softcover
4.129

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Description

Was muss einer fürchten, was darf einer hoffen, der 1947 aus dem Exil nach Deutschland zurückkehrtRichard Kornitzer ist Richter von Beruf und ein Charakter von Kohlhaas’schen Dimensionen. Die Nazizeit mit ihren absurden und tödlichen Regeln zieht sich als Riss durch sein Leben. Danach ist nichts mehr wie vorher, die kleine Familie zwischen dem Bodensee, Mainz und England versprengt, und die Heimat beinahe fremder als das in magisches Licht getauchte Exil in Havanna. Die deutsche Nachkriegszeit, die zwischen Depression und Aufbruch schwankt, ist der Hintergrund der fast parabelhaft tragischen Geschichte von einem, der nicht mehr ankommt. Mit sprachlicher Behutsamkeit und einer insistierenden Zuneigung lässt Landgericht den Figuren späte Gerechtigkeit widerfahren. Ein Roman über eine deutsche Familie, der zugleich mit großer Wucht von den Gründungsjahren einer Republik erzählt.Ausgezeichnet mit dem Deutschen Buchpreis 2012

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
N/A
Format
Softcover
Pages
560
Price
20.60 €

Author Description

Geboren 1947 in Trier, seit 1974 zahlreiche Veröffentlichungen – Theaterstücke, Gedichte, Hörspiele, Romane, Essays. Für ihre Romane Shanghai fern von wo (2008), Landgericht (2012) und Geisterbahn (2018) wurde sie vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Joseph-Breitbach-Preis, dem Deutschen Buchpreis und dem Jean-Paul-Preis. 2025 erhielt sie den Georg-Büchner-Preis. Ursula Krechel lebt in Berlin.

Posts

6
All
4

Deutscher Buchpreis 2012

Dieses Buch ist tatsächlich gehypt 🤭, auch wenn es nicht so aussieht und vom Inhalt her nicht so rüberkommt. Das war mein erstes Buch von Ursula Krechel und darum geht es: Richard Kornitzer ist Richter und muss vor den Nazis nach Havanna flüchten. Als er 1947 zurückkehrt, hat sich sein Leben komplett verändert und seine alte Heimat will ihn eigentlich gar nicht mehr haben. Ich finde das Buch sehr lesenswert, auch wenn es einiges an Zeit in Anspruch nimmt. Das Thema ist wichtig und die Autorin hat einen zwar eher distanzierten, aber dennoch einnehmenden Schreibstil. Es gab keine Seite, auf der ich nicht weiterlesen wollte. Die Geschichte entfaltet sich insgesamt aber anders als man evtl. erwartet. Die größte „Ungereimtheit“ in meiner Gefühlswelt (nicht im Buch) war, dass ich erwartet hatte, mit Richard mitzuleiden und dass er mir automatisch (als klares Opfer der Nationalsozialismus) sympathisch sein und ich mit ihm Mitgefühl haben würde. Dem war nur bedingt so, also Mitgefühl natürlich schon, aber Frau Krechel hat ihren Protagonisten schwer zugänglich gezeichnet und ihn Dinge tun lassen, die ihn nicht so toll dastehen lassen. Das klingt etwas komisch, weil ich nichts spoilern möchte. Findet es gern selbst heraus. Etwas kritisch / übertrieben fand ich die Aussagen der Autorin selbst bzgl. dessen was sie mit dem Buch vorhatte. Das ist wohl nämlich die größte Frage, die am Ende offen bleibt. Für wen ist das Buch? Sie sagte wohl, es wäre eine Wiedergutmachung, was schon etwas hoch gegriffen ist. Eine einzelne Person kann das gar nicht leisten. Viel Stoff zum Nachdenken und Diskutieren. Deshalb mag ich solche Bücher sehr gern. Macht Euch gern ein eigenes Bild! 4/5⭐️⭐️⭐️⭐️

Deutscher Buchpreis 2012
4

Das Leben der Familie Kornitzer von 1933-1970. Dr.Richard Kornitzer - Jude - emigriert nach Kuba Claire Kornitzer - nicht jüdisch- bleibt in Deutschland Kinder Selma und Georg kommen mit dem Kindertransport für 10 Jahre nach England Alle überleben- die Familie ist nie wieder eine richtige Familie.

Das Buch berührt sehr, obwohl es gar nicht so wahnsinnig emotional geschrieben ist. Es ist sehr gut recherchiert und besonders die Bürokratie , die Gesetze, die Rechtsprechung vor dem Krieg- aber auch danach - macht deutlich, wie schnell es ging, alles zu verlieren und dann fast nichts zurück zu bekommen. Verlust der Kinder, des Partners, des Berufes, des Landes, des ganz normalen Lebens. Besonders auch nach dem Krieg habe ich oft beim Lesen gedacht- das kann doch nicht wahr sein- das muss doch anders laufen- hätte doch anders laufen müssen… Der Roman entlässt einen nicht mit einem erhobenen Zeigefinger- aber sehr nachdenklich!

4.5

Ein monumentales Werk. Ursula Krechels Landgericht hat mich tief beeindruckt. Der Roman verbindet auf eindrucksvolle Weise literarische Erzählkunst mit dokumentarischer Genauigkeit. Besonders bewegend fand ich den verzweifelten Kampf der Hauptfigur gegen die Ohnmacht – nicht nur während der NS-Zeit, sondern auch im zähen Ringen um Gerechtigkeit nach dem Krieg. Die psychische Belastung und der schwierige Umgang mit den eigenen Kindern sind beklemmend und realistisch geschildert. Trotz der unchronologischen Erzählstruktur blieb das Buch für mich gut nachvollziehbar – sie unterstreicht sogar die Zerrissenheit der Lebensläufe in dieser Zeit. Landgericht ist ein wichtiges, bewegendes Buch, das Geschichte spürbar macht. 9/10

3

Tut mir leid, Frau Krechel. Ich hab nicht verstanden, was sie mit ihrem Roman aussagen wollen. Die Geschichte der Familie Kornitzer ist es allemal wert, erzählt zu werden. Da sind wir uns einig. Aber warum nur dieser trockene, distanzierte Erzählstil? Warum die nicht chronologische Erzählweise? Warum der Versuch, wirklich alle Probleme (Judenverfolgung, Kindertransporte nach England, abwertende Stellung der Frau als Unternehmerin, Identitätssuche im Nachkriegsdeutschland, Exilleben im Kuba, Provinzialismus in der BRD, verkrustete Strukturen im Justizwesen, nicht enden wollender Antisemitismus, Kampf um Anerkennung und Gerechtigkeit etc.) mit der gleichen Gewichtung in den Roman zu thematisieren? Und warum überhaupt ein fiktionaler Roman, wo doch die zu Grunde liegende wahre Geschichte der Eheleute Michaelis nahezu identisch auf die fiktive Familie Kornitzer übertragen wurde? Hatten sie Bedenken vor eine Biografie? Und wenn sie es schon ins Fiktionale übertragen, warum dann so wenig Mut, die nicht recherchierbaren Teile, wie Emotionen und Gedanken, durch ihre Phantasie zu befüllen? Der jüdische Richter Kornitzer flieht aus Nazideutschland ins kubanische Exil und läßt seine protestantische Frau in Berlin zurück. Die beiden Kinder hatten sie zuvor im Rahmen der Kindertransporte nach England in Pflegefamilien zur Sicherheit bringen lassen. Der Roman beginnt mit der Rückkehr Kornitzers paar Jahre nach Kriegsende ins zerstörte Deutschland. Er will wieder als Richter arbeiten und findet eine Anstellung im Landgericht Mainz. Es gelingt nicht mehr, eine innige Bindung zu den Kindern herzustellen, deren Herz mittlerweile an England hängt. Der Kampf um Wiedergutmachung und Entschädigung für das ertragende Leid zermürbt die Eheleute. Wie gesagt, eine interessante Geschichte, die ich gerne von einen der bekannten Nachkriegsschriftstellern gelesen hätte. Die Zeit lobte den „kühlen, distanzierten, bisweilen analytischen und essayistischen Erzählstil", den der Autorin meisterhaft gelungen sei. Genau dieser kühle, distanzierte, bisweilen analytische und essayistische Erzählstil hat mir nicht gefallen. Die Figuren bleiben schablonenhaft und die Geschichte wirkt gegen Ende einfach nur noch wie von einer Chronistin herunter erzählt. Insgesamt kein schlechter Roman, der auf jeden Fall drei Sterne von mir verdient hat, aber auch nicht mehr.

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Tut mir leid, Frau Krechel. Ich hab nicht verstanden, was sie mit ihrem Roman aussagen wollen. Die Geschichte der Familie Kornitzer ist es allemal wert, erzählt zu werden. Da sind wir uns einig. Aber warum nur dieser trockene, distanzierte Erzählstil? Warum die nicht chronologische Erzählweise? Warum der Versuch, wirklich alle Probleme (Judenverfolgung, Kindertransporte nach England, abwertende Stellung der Frau als Unternehmerin, Identitätssuche im Nachkriegsdeutschland, Exilleben im Kuba, Provinzialismus in der BRD, verkrustete Strukturen im Justizwesen, nicht enden wollender Antisemitismus, Kampf um Anerkennung und Gerechtigkeit etc.) mit der gleichen Gewichtung in den Roman zu thematisieren? Und warum überhaupt ein fiktionaler Roman, wo doch die zu Grunde liegende wahre Geschichte der Eheleute Michaelis nahezu identisch auf die fiktive Familie Kornitzer übertragen wurde? Hatten sie Bedenken vor eine Biografie? Und wenn sie es schon ins Fiktionale übertragen, warum dann so wenig Mut, die nicht recherchierbaren Teile, wie Emotionen und Gedanken, durch ihre Phantasie zu befüllen? Der jüdische Richter Kornitzer flieht aus Nazideutschland ins kubanische Exil und läßt seine protestantische Frau in Berlin zurück. Die beiden Kinder hatten sie zuvor im Rahmen der Kindertransporte nach England in Pflegefamilien zur Sicherheit bringen lassen. Der Roman beginnt mit der Rückkehr Kornitzers paar Jahre nach Kriegsende ins zerstörte Deutschland. Er will wieder als Richter arbeiten und findet eine Anstellung im Landgericht Mainz. Es gelingt nicht mehr, eine innige Bindung zu den Kindern herzustellen, deren Herz mittlerweile an England hängt. Der Kampf um Wiedergutmachung und Entschädigung für das ertragende Leid zermürbt die Eheleute. Wie gesagt, eine interessante Geschichte, die ich gerne von einen der bekannten Nachkriegsschriftstellern gelesen hätte. Die Zeit lobte den „kühlen, distanzierten, bisweilen analytischen und essayistischen Erzählstil", den der Autorin meisterhaft gelungen sei. Genau dieser kühle, distanzierte, bisweilen analytische und essayistische Erzählstil hat mir nicht gefallen. Die Figuren bleiben schablonenhaft und die Geschichte wirkt gegen Ende einfach nur noch wie von einer Chronistin herunter erzählt. Insgesamt kein schlechter Roman, der auf jeden Fall drei Sterne von mir verdient hat, aber auch nicht mehr.

4

Absolute Leseempfehlung, nicht nur für Juristen! Jüdischer Landgerichtsrat macht im modernen Berlin der späten 1920er Jahre Karriere und gründet eine Familie, dann kommt Hitler an die Macht. Zunächst werden die Kinder nach England verschickt, er muß dann ins Exil, landet in Kuba, die beruflich erfolgreiche Ehefrau bleibt zurück. Am Bodensee begegnen sie sich wieder, dann faßt er langsam, gegen Widerstände wieder Fuß in der Justiz, kommt nach Mainz. Bleibt fremd, verkämpft sich, begehrt auf gegen die Schlußstrichmentalität.

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