Kruso

Kruso

Softcover
3.147
HiddenseeDdrFlucht Aus Der DdrErzählungen

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Description

Als seine Freundin verunglückt und er in ein tiefes Loch zu stürzen droht, beschließt Edgar Bendler, nach Hiddensee zu fliehen – auf jene legendenumwobene Insel, die schon vielen Gestrandeten als Zuflucht diente. Er wird Abwäscher im Klausner, einer Kneipe hoch über dem Meer, und lernt Alexander Krusowitsch kennen – Kruso. Eine schwierige, zärtliche Freundschaft beginnt. Von Kruso, dem Meister und Inselpaten, wird Ed eingeweiht in die Rituale der Saisonarbeiter und die Gesetze ihrer Nächte. Nach und nach erschließen sich ihm die Geheimnisse der Insel und des Klausners. Als Ed schon glaubt, wieder einen Platz im Leben gefunden zu haben, erschüttert der Herbst 89 das fragile Gefüge der Inselbewohner. Am Ende steht ein Kampf auf Leben und Tod – und ein Versprechen. Inselabenteuer und Geschichte einer außergewöhnlichen Freundschaft – Lutz Seilers preisgekrönter Roman schlägt einen Bogen vom Sommer 89 bis in die Gegenwart. Die einzigartige Recherche, die diesem Buch zugrunde liegt, folgt den Spuren jener Menschen, die bei ihrer Flucht über die Ostsee verschollen sind, und führt uns dabei bis nach Kopenhagen, in die Katakomben der dänischen Staatspolizei.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Softcover
Pages
480
Price
14.40 €

Author Description

Lutz Seiler (geboren 1963) wuchs in Ostthüringen auf. Sein Heimatdorf Culmitzsch wurde 1968 für den Uranbergbau geschleift. In Gera schloss er eine Lehre als Baufacharbeiter ab und arbeitete als Zimmermann und Maurer. Während seiner Armeezeit begann er sich für Literatur zu interessieren und selbst zu schreiben. Bis Anfang 1990 studierte er Geschichte und Germanistik an der Martin-Luther-Universität in Halle (Saale). 1990 ging Seiler nach Berlin, wo er einige Jahre als Kellner arbeitete. Längere Auslandsaufenthalte in Rom, Los Angeles und Paris. Seit 1997 leitet er das literarische Programm im Peter-Huchel-Haus bei Potsdam. Seiler lebt als freier Schriftsteller mit seiner Frau in Wilhelmshorst und Stockholm. Von 1993 bis 1998 war Seiler Mitbegründer und Mitherausgeber der Literaturzeitschrift moosbrand. Er schrieb zunächst vor allem Gedichte (fünf Gedichtsammlungen sind erschienen) und Essays, später auch Erzählungen und Romane. Für die Erzählung Turksib wurde Seiler 2007 mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet. Für sein Romandebüt Kruso erhielt er 2014 den Deutschen Buchpreis. Der Roman wurde in 25 Sprachen übersetzt, mehrfach für das Theater adaptiert und von der UFA verfilmt. Sein zweiter Roman Stern 111 wurde 2020 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet. Im August 2021 erschien der Gedichtband schrift für blinde riesen. 2023 wird Lutz Seiler mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet.

Posts

7
All
3

Schon von daher lag seine Nähe zu Kruso auf der Hand, ein Freitag an der Seite Robinsons, und niemand musste sich besonders wundern darüber, dass beide immer öfter zusammen anzutreffen waren. Dabei ging es in der Regel nur um die täglichen Unterweisungen Eds, des neuen Abwäschers und Heizers. Ed bestaunte die Veränderungen, und wieder einmal wunderte er sich darüber, dass er es selbst war, dem all das geschah. Ab und zu tauchte jenes verschämte Glück auf, das sich weigerte, direkt mit ihm in Verbindung zu treten, und manchmal, ganz unvermittelt, stand ihm G. plötzlich vor Augen - er hatte keinen Einfluss darauf. Warum tat es so gut, wenig zu reden? Er hatte das nicht vorgehabt, aber dann Begriff Ed, dass das Schweigen innerster Bestandteil seiner Flucht war, inzwischen nannte er es so. Er musste einfach für sich bleiben, aber er wusste auch, dass er jetzt nicht allein sein durfte ... Im Geist hatte er es versehentlich umgekehrt formuliert und doch genau so gemeint: Ich möchte einen Platz auf der Welt, der mich aus allem heraushält. - Zitat, Seiten 108, 109 Insel Hiddensee, Sommer 1989: hier finden Touristen, Andersdenkende, Individualisten und Träumer eine Nische. Ein kleines Utopia, welches sie vor dem politischen Wahnsinn des Festlandes bewahrt - und sei es nur ein paar Tage lang! Wie der Schriftsteller selbst, so heuert auch sein Protagonist Ed im "Klausner" an. Hier kann er zwischen schwitzenden Leibern und schmutzigen Geschirr seine schweren Gedanken verdrängen, aber kann man die Traurigkeit wie Abwasser mit Seifenschaum verschwinden lassen? "Ich hatte dich geträumt." - Wie in der klassischen Vorlage begegnet der charismatische Kruso, der mit bürgerlichen Namen Alexander Krusowitsch heißt, unserem Protagonisten. Mit dieser Begegnung entspinnt sich eine ganz besondere Freundschaft, die eine fast irritierende Zärtlichkeit hat, aber auch von Ambivalenzen geprägt ist. Beide verbindet die Leidenschaft für die Gedichte von Georg Trakl, dem expressionitischen Dichter, und die Trauer um eine geliebten weiblichen Menschen. Doch als Kruso, den Ed bald bei dem Freundesnamen Losch ruft, in seine Mission einbezieht, die "Schiffbrüchigen" durch eine besondere Behandlung von ihrer Flucht abzuhalten und ihnen neuen Lebensmut und Durchhaltevermögen einzuflösen, entwickeln die Dinge eine ungeahnte und zunehmend unkontrollierte Dynamik. Wie wird dieses Abenteuer enden? Die Geschichte wird auch durch die spannenden Entwicklungen eines untergehenden politischen Systems vorangetrieben, obwohl diese im Hintergrund stattfinden. Im letzten Teil des Romans verändert Lutz Seiler außerdem die Grundstimmung und schickt seinen Protagonisten, der hier zum Ich-Erzähler mutiert, erneut auf eine Reise, aber diesmal ist nicht er der Flüchtige, vielmehr widmet sich dieses Kapitel den Flüchtlingen, die ein nasses Grab in der Ostsee fanden und anonym im fremden Dänemark bestattet wurden. Gelingt es Ed, den Schleier des Vergessens zu heben und wenigstens einem der Toten ein Gesicht und damit eine Erinnerung zu schaffen? Die Themen des Buches tragen zur eher schwermütigen Stimmung des Buches bei, die Sommerfrische kann sich und soll sich auch nicht durchsetzen. Gerade zu Beginn der Geschichte vermag der Autor doch sehr sensibel auch humoristische Elemente einzubringen und die Belegschaft des Klausner Teams gleicht einer gelungenen Karikatur in ihrer Skizzierung. Es kann außerdem nicht schaden, wenn man den Lebenslauf und auch das eine oder andere Gedicht von Georg Trakl kennt, um besser in die Handlung einzutauchen. Allerdings kann Lutz Seiler das hohe erzählerische Niveau auf Dauer nicht halten. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass viele selbst erlebte Elemente des Schriftstellers im Verlauf der Handlung weniger werden und die Geschichte zunehmend von erwachten bzw frei erfundenen Szenen geprägt ist. Das ist an der Stelle natürlich rein spekulativ und gibt nur den subjektiven Eindruck einer leider oft sehr diffus bis völlig abstrus wirkenden Handlung wider. Erst im letzten Teil, der wieder sehr authentisch wirkt, findet man beim Lesen Anschluss. Insgesamt eine interessante und anspruchsvolle Lektüre, deren Geschichte sich zwischendurch etwas verliert, aber dann doch ein zufriedenstellendes Ende findet. FAZIT Diesen Roman las ich aufgrund einer interessanten Besprechung der ZEIT in der Vorstellung der 100 lesenswerten Bücher. Es war tatsächlich nicht der Abenteuerroman, den ich eigentlich erwartet hatte, aber es war eine interessante Lektüre. Der Roman setzt sich auf seine ganz eigene Art mit deutscher Geschichte und auch philosophischen Betrachtungen über das Erinnern und Verschwinden auseinander. Das ist sicher nicht für jeden etwas, aber wer sich durch das anfängliche Zitat und durch diesen Beitrag angesprochen fühlt, mag einen Versuch wagen!

5

"Wenn Ed sich morgens aufsetze in seinem Bett, sah er das Meer, das genügte für alles." (S. 62)

Kennt ihr das, wenn man sich wünscht, dass ein Buch nie zu Ende geht? Das hier war so eines für mich, alles, was ich mir von einem Buch erhoffe. Ein wunderschönes, poetisches Meisterwerk über eine Freundschaft, die wichtiger ist als der Untergang eines Landes und es doch nicht schafft, größer zu bleiben.

"Wenn Ed sich morgens aufsetze in seinem Bett, sah er das Meer, das genügte für alles." (S. 62)
5

Sehr guter, aber nicht sehr leicht zugänglicher Roman über die Aussteiger auf der Insel Hiddensee.

5

„*Kruso*“ von Lutz Seiler hat mich mit seiner dichten Sprache und atmosphärischen Erzählweise beeindruckt. Die Geschichte von Edgar, der nach Hiddensee flieht und dort auf den charismatischen Kruso trifft, fängt die besondere Stimmung der letzten Tage der DDR ein. Seiler thematisiert philosophische Fragen nach Freiheit und Zugehörigkeit. Auch wenn der Roman stellenweise anspruchsvoll und langsam erzählt ist, habe ich genau das als reizvoll empfunden. Die fast mystische Atmosphäre und die komplexen Figuren machen „Kruso“ zu einer tiefgründigen und nachhaltigen Lektüre.

4

Leicht, witzig und spannend

5

Ich hab mich am Anfang schwer getan, hätte fast abgebrochen, bin aber am Schluss begeistert von der Vielschichtigkeit des Buchs und von der dichten Atmosphäre, die es erzeugt.

Nach 70 Seiten Abbruch Hab mir schon gedacht, dass das ne harte Nuss wird. Hatte es vor Jahren aus einem öffentlichen Bücherschrank gegriffen, als es vielfach besprochen wurde. Versuch kann nicht schaden. Schreibstil und Stimmung, die dadurch transportiert wird, sind gar nicht mein Fall. Erinnert mich an die nüchternen deutschen Film und Serienformate, die einen ganz seltsamen Unterton haben. Bereit mir keine Freude

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