Die Fletchers von Long Island
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Description
"Ein herrlich saftiges Familien-Epos, sehr jüdisch-amerikanisch und dementsprechend überbordend an Details, Fabulierlust und exzentrischen Figuren. Taffy Brodesser-Akner segelt mit lakonischer Distanz zu ihnen, aber nie ohne Liebe und Mitgefühl, mitten hinein ins Auge des Sturms." SÜDDEUTSCHE ZEITUNG
1980 im wohlhabenden Long Island: Carl Fletcher wird vor seinem Haus gekidnappt. Kurz darauf, nach Zahlung eines üppigen Lösegelds, wird er freigelassen, und die Familie versucht, den Vorfall hinter sich zu lassen. Doch als sie vierzig Jahre später bei einer Feier wieder zusammentrifft, wird klar, dass die lange zurückliegende Entführung unerwartete Spuren hinterlassen hat - und zwar nicht nur bei Carl, sondern bei der ganzen Familie. Und diese Auswirkungen gestalten sich mal verstörend und mal überaus amüsant!
Eine große jüdisch-amerikanische Familiengeschichte, Jahrzehnte umspannend, die sich bereits jetzt wie ein Klassiker liest: sprachlich virtuos, fein beobachtet und sehr, sehr lustig.
»Dieses Buch steht Klassikern wie DIE KORREKTUREN und MIDDLESEX in nichts nach.« LOS ANGELES TIMES
Book Information
Author Description
Taffy Brodesser-Akner schreibt für das NEW YORK TIMES MAGAZINE, für GQ und viele andere Medien und ist Autorin des internationalen Bestsellers FLEISHMAN STECKT IN SCHWIERIGKEITEN, der in mehr als ein Dutzend Sprachen übersetzt wurde. Sie hat außerdem das Drehbuch für die gleichnamige Serie verfasst und war als Producerin tätig. DIE FLETCHERS VON LONG ISLAND ist ihr zweiter Roman.
Posts
Der Roman behandelt die Geschichte einer reichen und reichlich dysfunktionalen jüdischen Familie, deren Leben von der Entführung des Vaters (Carl) geprägt wird. Das betrifft insbesondere die Ehefrau und die Kinder, die damals teilweise noch gar nicht geboren waren: Beamer, Nathan und Jenny, die erst nach den Ereignissen geboren wurden. Carl kommt nie über das Erlebte hinweg, seine Frau Ruth muss den Laden zusammenhalten, Beamer flüchtet sich in Drogeneskapaden, Nathan will absolute Sicherheut und Jenny bandelt mit sozialistischen Ideen an. So geht es jahrzehntelang gut, bis die eigentliche Matriarchin der Familie (Carls Mutter) stirbt. Dann treffen die Familienmitglieder plus Anhänge aufeinander und dann passieren auch noch andere Dinge... Sehr viele Rückblenden, da die Geschehnisse bzw. die Auswirkungen für jeden Charakter geschildert werden. Beamer macht da den Anfang und das ist herrlich, ich habe sehr gelacht (und den Kopf geschüttelt). Leider ist es dann bei den anderen nicht mehr ganz so herrlich, das hat es mit ein bisschen vermiest.
DIE FLETCHERS VON LONG ISLAND Taffy Brodesser-Akner Der Fabrikbesitzer Carl Fletcher wird in den 1980er-Jahren direkt vor seiner Haustür entführt. Nachdem seine Familie ein hohes Lösegeld zahlt, lassen ihn die Entführer nach einer Woche frei. Doch Carl erholt sich nie wieder vollständig von den körperlichen und seelischen Qualen. Seine beiden Söhne sind zum Zeitpunkt der Entführung noch Kinder, seine Tochter wurde noch nicht einmal geboren - und doch hinterlässt das Verbrechen auch bei ihnen Spuren. Sie wachsen mit einem Vater auf, der zwar physisch anwesend ist, aber innerlich oft unerreichbar bleibt. Als Erwachsene schlagen sich die drei Geschwister mehr schlecht als recht durchs Leben. Trotz ihres privilegierten Aufwachsens gelingt es keinem, wirklich Fuß zu fassen. Die erfolgreiche Styropor-Fabrik der Familie will keiner übernehmen - obwohl ihr jüdischer Großvater Zelig Fletcher, der 1940 vor den Nationalsozialisten in die USA floh, das Unternehmen mit Fleiß, Mut und einer geheimen Formel, die ihm ein verstorbener Mann vermachte, aufgebaut hat. Taffy Brodesser-Akner erzählt die bewegende Geschichte einer wohlhabenden Familie aus Long Island mit all ihren Sorgen und Nöten. Inspiriert wurde sie dabei von der Entführung Jack Teichs im Jahr 1974. Der Roman ist oft bunt erzählt, und es gab Momente, in denen ich regelrecht an den Seiten klebte. Dennoch konnte mich das Buch nicht durchgehend fesseln. Mein Leseerlebnis war ein ständiges Auf und Ab - mehr als einmal war ich kurz davor, es zur Seite zu legen. Nicht alle Figuren waren mir sympathisch, manche blieben blass. Ob es an den langen Kapiteln lag oder am detailverliebten, oft wechselnden Schreibstil, kann ich nicht genau sagen. Insgesamt war es für mich nur ein mittelmäßiges Buch. 3/5

Wenn der Wohlstand den Untergang bringt
Die Fletchers, eine jüdisch-amerikanische Familie haben es über drei Generationen zu einem unverhältnismäßigem Reichtum gebracht. Alles scheint für sie wie ein amerikanischer Traum zu verlaufen, bis Carl, der die Fabrik der Familie leitet, entführt wird. Nach dieser Entführung stürzt es die Familie in derartig viele Krisen, dass man die generationsübergreifenden Traumata auf jeden Fall nicht mehr an einer Hand abzählen kann. Der Roman wird aus der Perspektive von Carls drei Kindern erzählt, die bereits in das reiche Leben hineingeboren wurden und sich nie Sorgen um Geld machen mussten. Ihren Charakteren hat das, um es mal milde auszudrücken, nicht unbedingt gut getan. Alle drei versuchen die hohen Erwartungen zu erfüllen, die von familiärer und auch gesellschaftlicher Seite an sie gestellt werden, doch das Trauma der Entführung überschattet ihre Kindheit genauso wie ihr erwachsenes Leben. Es sind drei Mini Lebensgeschichten, die so intensiv, flapsig und in einem durchaus großartigen Schreibstil erzählt werden, dass man das Gefühl hat, man hätte die drei schon sein Leben lang gekannt. Ihre Arroganz, Naivität, Neurosen, Ängste und Hoffnungen werden uns offenbart und wir sind bei ihnen als klar wird, dass ihr Leben nie wieder so sein wird, wie es war. So grandios diese Geschichten der Geschwister auch erzählt werden, so statisch machen sie auch den ganzen Roman. Denn eine wirkliche zusammenhängende Geschichte wird es für mich leider nicht und auch die Spannung leidet an vielen Stellen für die lange Reise in die Vergangenheit. Noch dazu kommt, dass die gesamte Familie die unsympathischste ist, von der ich je in einem Familienepos gelesen haben. Natürlich zeigt genau das den Kern der Geschichte auf: Was macht Geld aus Menschen? Wie verändert es, welchen Einfluss hat es auf das Verhalten? Die Antwort des Romans: es macht Sie zu Arschlöchern. Für mich leider zu uninspirierend und auch absolut gar nichts Neues.
Langatmig und anstrengend „Die Fletcher‘s von Long Island“ ist ein opulente Familiengeschichte, die mich leider nicht ganz überzeugen konnte. Die Fletcher‘s sind eine jüdisch - amerikanische Familie, in der der Großvater einst aus Deutschland nach New York fliehen konnte und es mit einer cleveren Geschäftsidee zu einem beachtlichen Vermögen brachte. Sein Sohn Carl trat in die Fußstapfen des Vaters, übernahm dessen Fabrik und lebte ebenfalls mit seiner Frau und den beiden Söhnen in einer großzügigen Villa in Middle Rock auf Long Island. Das Leben veränderte sich jedoch schlagartig als Carl auf dem Weg zur Arbeit entführt wurde. Er überlebte den Überfall zwar körperlich, war aber nie wieder der, der er vor diesem Ereignis gewesen war. Das Trauma des Vaters beeinflusst nachhaltig das Leben seiner Kinder, selbst die zum Zeitpunkt der Entführung noch gar nicht geborene Tochter Jenny erbt dieses Trauma. Die Autorin erzählt sehr langatmig in teils komplexen Schachtelsätzen wie jedes der Kinder im Erwachsenenleben scheitert. Der Älteste Nathan hat Panikattacken und erwartet ständig die große Katastrophe. Bernhard, genannt Beamer ist Drehbuchautor, kann aber nur Drehbücher schreiben in denen es um Entführungen geht. Er lebt seine perversen sexuellen Fantasien im Drogenrausch aus, und es war wirklich nicht angenehm seitenlangen Praktiken mit seiner Domina und Zusammensetzungen seiner Drogencocktails zu lesen. An dieser Stelle war ich kurz davor das Buch auch abzubrechen. Jenny weiß überhaupt nicht was sie will, studiert mal dies mal das, hat keine Freunde und vereinsamt immer mehr. Die Eltern sind ihren erwachsenen Kindern keine Hilfe. Sie kommen kaum selbst zurecht. Die angeheirateten Ehepartner sind mit der Heirat gesellschaftlich und finanziell aufgestiegen und verstehen die Gefühlswelt ihrer Partner nicht wirklich. Die Geschichte ist insgesamt sehr skurril und gesellschaftskritisch. Ich hätte mir die Erzählweise etwas humorvoller gewünscht. Gemeinsam ist dieser Mehrgenerationenfamilie ihr Unglück. Jeder ist auf seine Weise unglücklich. „ Ob du aus eigener Kraft erfolgreich bist oder einen Sprung in der Schüssel hast, wird von den Umständen bestimmt, in die du geboren wirst.“ Armut ist einerseits ein starker Antrieb alles zu geben sein Leben zu verbessern. Hat man es dann geschafft, ist die Verlustangst allgegenwärtig. Ist man in Reichtum geboren, wird man leicht träge, was kein Wunder ist, da man sich nie aus eigener Kraft ernähren musste. Die Lektüre dieses Buches verlangt einiges vom Leser, besonders Durchhaltevermögen. Als ich Beamer‘s Geschichte einmal durchgestanden hatte, gab es aber auch durchaus interessante Passagen, die ich gerne gelesen habe. Insgesamt war mir dieses Buch aber viel zu langatmig. 200 Seiten weniger hätten dem Roman sicher gut getan.
Tragischkomischer Familienroman
Unterhaltsamer Familienroman, der tragisch und dennoch unterhaltsam mit Feingefühl und Humor die Geschichte der Familie Fletcher aus Middle Rock erzählt. Die generationenübergreifende Geschichte ist aus meiner Sicht klug und vielschichtig beschrieben. Als Leserin bin ich tief in die Gefühlswelt der Charaktere eingetaucht und mitgenommen worden. Am Ende bleibt eine tragische Familiengeschichte. Einzig die Länge hat mich davon abgehalten diesem Buch die vollen 5 Punkte zu geben. Sehr lesenswert!

Interessante Themen, aber langweilig umgesetzt
Ich mag ja Bücher mit vielen Seiten. Doch manchmal gibt es auch Bücher, bei denen man jede Seite merkt. Und hier spürt man, wie lang sich knapp 600 Seiten anfühlen können. Verstörend und amüsant steht sogar im Klappentext. Hmm, fand ich jetzt leider nicht. Auch wenn wirklich immer etwas passiert, ist es oft einfach überzeichnet und dabei so langatmig inszeniert, dass es mich nicht wirklich abholen konnte. Auch die Charaktere sind vielschichtig, bleiben aber leider unter der Oberfläche etwas flach – hier hätte ich mir mehr emotionale Tiefe gewünscht. So waren mir die meisten Charaktere in ihren exzentrischen Lebensstilen ziemlich egal, weil das einfach nicht meine Welt ist. Arme reiche Leute und das viele Geld die ein Trauma überwinden müssen, welches ich etwas aufgesetzt empfand. Positiv hervorheben möchte ich jedoch das Überthema der jüdisch-amerikanischen Familie. Immer wieder gibt es Einblicke in die Vergangenheit und diese Momente fand ich interessant geschrieben. Auch so mancher innere Konflikt der Charaktere hatte durchaus Potenzial – da hätte mehr draus gemacht werden können. Und abseits der Charaktere, für die ich gern mehr Sympathien gehabt hätte, hat mir der Schreibstil der Autorin gut gefallen. Manche Momente lesen sich bissig und ließen mich überlegen, ob hier wirklich alles ernst gemeint ist. Aber ja, das ist es, dafür gibt es einfach zu viele wichtige Themen über Trauma und dysfunktionale Familie – die für mich aber in langweiligen Problemen reicher Menschen etwas untergehen. Nicht grausig, aber auch nicht gut.

»Sie hatten Glück, die Fletchers. Das Schicksal meinte es gut mit ihnen. Sie nutzten jeden Vorteil, der sich ihnen bot, schritten unbeirrbar voran in eine sichere Zukunft voller Hoffnung und Erfolg, die Straßen mit Gold gepflastert, die früheren Rückschläge und Niederlagen platt gewalzt, ohne Konsequenzen. Die Fletchers waren die strahlende Verwirklichung des jüdisch-amerikanischen Traums, eine Familie, die sich die Teller füllen konnten mit allem, was das Land zu bieten hatte (S. 43).« 1942 gelingt es Zelig Fletcher, als blinder Passagier per Ozeandampfer, von Polen nach Amerika zu kommen. Das Schicksal meint es gut mit Zelig, innerhalb kürzester Zeit arbeitet er sich an die Spitze einer Polystyrolfabrik. Zelig gründet eine Familie und die Fabrik geht irgendwann über an seinen Sohn Carl. Auch Carl gründet eine Familie mit seiner Frau Ruth und die beiden bekommen zwei Kinder — Nathan und Beamer (Berndhard). Die Familie lebt in Middle Rock, Long Island, einem Vorort, in dem sich die wohlhabende Oberschicht niederlässt. Die Menschen hier sind buchstäblich entführungswürdig reich! Der Kurs des Schicksals ändert sich schlagartig von gut zu weniger gut und genau hier steigen wir in die 576 Seiten starke Geschichte der Autorin Taffy Brodesser-Akner ein. Carl Fletcher wird entführt und anschließend wird eine enorm hohe Summe Lösegeld, im Tausch gegen das Leben von Carl Fletcher gefordert. Die Entführung hinterlässt nicht nur Spuren bei Carl und mit Jenny schwangere Ruth, auch die jungen Kinder Nathan und Beamer sind Betroffene dieses Vorfalls. Gekonnt und mit Spannung schildert Taffy Brodesser-Akner die Entfühungsszene mit anschließender Freilassung. Um die 40 Seiten benötigt die Autorin für diesen Akt. Was passiert auf den restlichen Seiten? Hier kommen wir zum eigentlichen Schlamassel. Die Kinder Nathan, Beamer und Jenny sind inzwischen erwachsene Menschen – Nathan ist Anwalt für Bodenrecht, Beamer Filmproduzent und Jenny Studentin und Gewerkschaftsmitglied. Alle drei leben und scheitern, doch kein Problem. Durch die finanziellen Polster der Firma fallen die Kinder von Carl und Ruth weich. Mit schwarzem Humor und Situationskomik verfolgen wir das Leben der drei Geschwister, die vom Regen in die Traufe kommen. Ihre Erlebnisse sind urkomisch, skurril und obszön. »Aber die Leute, die sich aus eigener Kraft hocharbeiten, verlieren nie die Angst vor dem Absturz, und die, die das Glück hatten, in Sicherheit und Bequemlichkeit geboren zu werden, entwickeln sich gar nicht erst zu vollständigen Menschen« (S. 568). Kurzweilig und unterhaltsam schreibt Taffy Brodesser-Akner über die Auswirkungen eines Traumas, welches nie durch die einzelnen Familienmitglieder bzw. gemeinsam als Familie aufgearbeitet wurde. Eine Familienstammbaum und eine Karte von Middle Rock oder der Fabrik wären noch total coole Add-ons für dieses Buch gewesen. »Die Fletchers von Long Island« – ein total witziger rise and fall einer ganzen Familie. Ich konnte mich bei diesem Buch köstliche amüsieren und hoffe auf die Verfilmung des Ganzen.
Die Geschichte über eine Familie, die von mehr als einem Trauma über Generationen hinweg zerstört wird. Ich fand die Geschichte kurzweilig und tief. Es ist toll geschrieben, berührend und hart zugleich, auch humorvoll. Wer gerne über Familien und deren Abgründe liest, sollte mit diesem eine gute Wahl getroffen haben.
Die Geschichte einer reichen jüdischen Familie, in deren Zentrum die Auswirkungen der Entführung von Carl steht, der als Fabrikbesitzer eine Woche entführt und dadurch stark traumatisiert wurde. Das restliche Lösegeld und der Drahtzieher der Entführung wurden nie gefunden, nur die direkten Täter landen im Knast.. Das Motto seiner Mutter „Das ist nur deinem Körper passiert und nicht dir.“ bestimmt fortan das Familienleben, das Trauma wird totgeschwiegen und pflanzt sich fort. Alle drei mittlerweile erwachsenen Kinder, Beamer, Nathan und Jenny, haben Probleme und ihr Werdegang wird in einzelnen Abschnitten des Buches beleuchtet. Das alles wird mit einer lebendigen Sprache und viel bissigem Humor erzählt. Allerdings hat sich die Geschichte für mich an einigen Stellen zu sehr in die Länge gezogen in ihrer Ausführlichkeit.
"Gene können schlafen, aber sie verwässern nicht - selbst die Rezessiven stehen im Kostüm in den Kulissen und warten auf ihren Auftritt" Nach der Entführung des wohlhabenden Fabrikbesitzers Carl Fletcher, trägt die gesamte Familie unbehandelte Traumata davon. Im Zentrum stehen dabei die drei Kinder des Entführten: Beamer, Nathan und Jenny. Beamer, ein talentloser und ohne seinen Partner auch erfolgloser Drehbuchautor, kann lediglich über ein einziges Thema schreiben: Entführungen. Seinen Alltag verbringt er zwischen Medikamenten und Dominas, um immer wieder nachzuempfinden, was seinem Vater vor Jahrzehnten geschehen ist. Nathan wird vollends von seiner Hypochondrie und Paranoia eingenommen. Entweder sendet sein Körper ihm ständig neue Signale einer ernsten Erkrankung oder er wird beobachtet, verfolgt und womöglich gekidnappt. Bei den kleinsten (und größten) Katastrophen, wird er in seiner Annahme bestätigt, dass sein Leben nur Leiden bedeutet. Jenny stürzt sich im Kontrast zu Nathan in eine aktive Haltung entgegen ihrer Familie und kämpft für eine Studierendengewerkschaft an ihrer Universität. Trotz ihrer Abkehr von ihrer Familie und dem Kapitalismus lebt sie, genau wie ihre Brüder, von den quartalsweisen Ausschüttungen des nicht unerheblichen Fonds der Familie Fletcher. Ein wirklich gelungener Familienroman, der mit viel Humor und schrägen Charakteren ein Bild der jüdisch-amerikanischen Oberschicht von Long Island zeichnet und darlegt, wie sich ein Trauma über eine ganze Familie stülpt und sich der Frage widmet, ob ein vermeintlich sorgenfreies Leben, geprägt von dem Wohlstand des eigenen Elternhauses, zu einer Handlungsunfähigkeit und ausbleibenden Persönlichkeitsentwicklung führen kann.
Bist du auf der Suche nach einem Familiendrama in dem sich alles nur um die Konsequenzen von Macht und Wohlstand dreht…dann kann ich dir „Die Fletchers von Long Island“ ans Herz legen! Ich persönlich bin etwas zweigeteilter Meinung, wenn es um die Geschichte der Fletchers geht. Es fängt alles an, mit der dramatischen Entführung von Carls Fletcher. Diesen Teil des Buches liebe ich. Schnell und mit großen Bildern erzählt Brodesser- Akner das Geschehene. Carl kommt wenig später körperliche intakt zurück, ist aber seelisch tief gehend mitgenommen. Und so fängt der Absturz der mentalen Gesundheit der ganzen Familie an. Einen großen Teil trägt auch die fehlende Aufarbeitung der Entführung bei. Da gibt es einmal Beamer, Carls Sohn und wahrscheinliche die tragischste selbstzerstörerischste Figur. Sein Bruder Nathan, der Anwalt mit allerlei Ängsten und Jenny, die Anwältin gegen Menschenrechtsverletzungen, die nicht versteht, wie ihr Familie so mit ihren Arbeitern umgehen kann. Jedoch ist sie hin und her gerissen, da sich sie von den Einnahmen der Firma der Familie gut lebt. Bei allem was in dieser Familie schief läuft, obwohl ihnen das Geld eigentlich Sicherheit geben sollte, ist es kein Wunder das diese Kinder zu so kaputten Menschen werden. Brodesser- Akner beschreibt ihre Charaktere extrem gut und man fiebert und leidet doch mit ihnen mit. Jedoch fand ich vieles was sich abspielt sehr vorhersehbar. Ebenso habe ich mir das Ende so vorgestellt… jedoch hätte ich mir persönlich ein anderes Ende gewünscht. Etwas unerwartetes wäre schön gewesen. Obwohl das Ende wahrscheinlich das in einer Hinsicht realistischste war. Die Schreibweise ist sehr modern und lässt sich gut lesen. Ich nehme an, die gute Übersetzung von Sophie Zeitz trägt ihren Teil dazu bei. Jedoch finde ich persönlich einige Wortwechsel zwischen den Charakteren hätten kürzer sein können oder auch allgemein einige Textpassagen! Einige Stellen waren etwas langatmig. Man hätte sich auch kürzer, präziser fassen können. Ich denke Brodesser- Akners Werk ist als eine Kritik an der heutigen Gesellschaft zu sehen, vor allem an denen, denen es scheinbar an nichts fehlt. Ebenso wie an der Kaltherzigkeit des Kapitalismus. Auch darf man dieses wunderbare Cover nicht vergessen zu erwähnen… quasi ein Filmplakat im Retrostil! Es ist ein gutes Buch! Unterhaltsam, vor allem bei Liebhabern von schwarzem Humor! Jedoch war es für mich persönlich nur „okay“! Schade, eigentlich! 3/5 ⭐️
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"Ein herrlich saftiges Familien-Epos, sehr jüdisch-amerikanisch und dementsprechend überbordend an Details, Fabulierlust und exzentrischen Figuren. Taffy Brodesser-Akner segelt mit lakonischer Distanz zu ihnen, aber nie ohne Liebe und Mitgefühl, mitten hinein ins Auge des Sturms." SÜDDEUTSCHE ZEITUNG
1980 im wohlhabenden Long Island: Carl Fletcher wird vor seinem Haus gekidnappt. Kurz darauf, nach Zahlung eines üppigen Lösegelds, wird er freigelassen, und die Familie versucht, den Vorfall hinter sich zu lassen. Doch als sie vierzig Jahre später bei einer Feier wieder zusammentrifft, wird klar, dass die lange zurückliegende Entführung unerwartete Spuren hinterlassen hat - und zwar nicht nur bei Carl, sondern bei der ganzen Familie. Und diese Auswirkungen gestalten sich mal verstörend und mal überaus amüsant!
Eine große jüdisch-amerikanische Familiengeschichte, Jahrzehnte umspannend, die sich bereits jetzt wie ein Klassiker liest: sprachlich virtuos, fein beobachtet und sehr, sehr lustig.
»Dieses Buch steht Klassikern wie DIE KORREKTUREN und MIDDLESEX in nichts nach.« LOS ANGELES TIMES
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Taffy Brodesser-Akner schreibt für das NEW YORK TIMES MAGAZINE, für GQ und viele andere Medien und ist Autorin des internationalen Bestsellers FLEISHMAN STECKT IN SCHWIERIGKEITEN, der in mehr als ein Dutzend Sprachen übersetzt wurde. Sie hat außerdem das Drehbuch für die gleichnamige Serie verfasst und war als Producerin tätig. DIE FLETCHERS VON LONG ISLAND ist ihr zweiter Roman.
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Der Roman behandelt die Geschichte einer reichen und reichlich dysfunktionalen jüdischen Familie, deren Leben von der Entführung des Vaters (Carl) geprägt wird. Das betrifft insbesondere die Ehefrau und die Kinder, die damals teilweise noch gar nicht geboren waren: Beamer, Nathan und Jenny, die erst nach den Ereignissen geboren wurden. Carl kommt nie über das Erlebte hinweg, seine Frau Ruth muss den Laden zusammenhalten, Beamer flüchtet sich in Drogeneskapaden, Nathan will absolute Sicherheut und Jenny bandelt mit sozialistischen Ideen an. So geht es jahrzehntelang gut, bis die eigentliche Matriarchin der Familie (Carls Mutter) stirbt. Dann treffen die Familienmitglieder plus Anhänge aufeinander und dann passieren auch noch andere Dinge... Sehr viele Rückblenden, da die Geschehnisse bzw. die Auswirkungen für jeden Charakter geschildert werden. Beamer macht da den Anfang und das ist herrlich, ich habe sehr gelacht (und den Kopf geschüttelt). Leider ist es dann bei den anderen nicht mehr ganz so herrlich, das hat es mit ein bisschen vermiest.
DIE FLETCHERS VON LONG ISLAND Taffy Brodesser-Akner Der Fabrikbesitzer Carl Fletcher wird in den 1980er-Jahren direkt vor seiner Haustür entführt. Nachdem seine Familie ein hohes Lösegeld zahlt, lassen ihn die Entführer nach einer Woche frei. Doch Carl erholt sich nie wieder vollständig von den körperlichen und seelischen Qualen. Seine beiden Söhne sind zum Zeitpunkt der Entführung noch Kinder, seine Tochter wurde noch nicht einmal geboren - und doch hinterlässt das Verbrechen auch bei ihnen Spuren. Sie wachsen mit einem Vater auf, der zwar physisch anwesend ist, aber innerlich oft unerreichbar bleibt. Als Erwachsene schlagen sich die drei Geschwister mehr schlecht als recht durchs Leben. Trotz ihres privilegierten Aufwachsens gelingt es keinem, wirklich Fuß zu fassen. Die erfolgreiche Styropor-Fabrik der Familie will keiner übernehmen - obwohl ihr jüdischer Großvater Zelig Fletcher, der 1940 vor den Nationalsozialisten in die USA floh, das Unternehmen mit Fleiß, Mut und einer geheimen Formel, die ihm ein verstorbener Mann vermachte, aufgebaut hat. Taffy Brodesser-Akner erzählt die bewegende Geschichte einer wohlhabenden Familie aus Long Island mit all ihren Sorgen und Nöten. Inspiriert wurde sie dabei von der Entführung Jack Teichs im Jahr 1974. Der Roman ist oft bunt erzählt, und es gab Momente, in denen ich regelrecht an den Seiten klebte. Dennoch konnte mich das Buch nicht durchgehend fesseln. Mein Leseerlebnis war ein ständiges Auf und Ab - mehr als einmal war ich kurz davor, es zur Seite zu legen. Nicht alle Figuren waren mir sympathisch, manche blieben blass. Ob es an den langen Kapiteln lag oder am detailverliebten, oft wechselnden Schreibstil, kann ich nicht genau sagen. Insgesamt war es für mich nur ein mittelmäßiges Buch. 3/5

Wenn der Wohlstand den Untergang bringt
Die Fletchers, eine jüdisch-amerikanische Familie haben es über drei Generationen zu einem unverhältnismäßigem Reichtum gebracht. Alles scheint für sie wie ein amerikanischer Traum zu verlaufen, bis Carl, der die Fabrik der Familie leitet, entführt wird. Nach dieser Entführung stürzt es die Familie in derartig viele Krisen, dass man die generationsübergreifenden Traumata auf jeden Fall nicht mehr an einer Hand abzählen kann. Der Roman wird aus der Perspektive von Carls drei Kindern erzählt, die bereits in das reiche Leben hineingeboren wurden und sich nie Sorgen um Geld machen mussten. Ihren Charakteren hat das, um es mal milde auszudrücken, nicht unbedingt gut getan. Alle drei versuchen die hohen Erwartungen zu erfüllen, die von familiärer und auch gesellschaftlicher Seite an sie gestellt werden, doch das Trauma der Entführung überschattet ihre Kindheit genauso wie ihr erwachsenes Leben. Es sind drei Mini Lebensgeschichten, die so intensiv, flapsig und in einem durchaus großartigen Schreibstil erzählt werden, dass man das Gefühl hat, man hätte die drei schon sein Leben lang gekannt. Ihre Arroganz, Naivität, Neurosen, Ängste und Hoffnungen werden uns offenbart und wir sind bei ihnen als klar wird, dass ihr Leben nie wieder so sein wird, wie es war. So grandios diese Geschichten der Geschwister auch erzählt werden, so statisch machen sie auch den ganzen Roman. Denn eine wirkliche zusammenhängende Geschichte wird es für mich leider nicht und auch die Spannung leidet an vielen Stellen für die lange Reise in die Vergangenheit. Noch dazu kommt, dass die gesamte Familie die unsympathischste ist, von der ich je in einem Familienepos gelesen haben. Natürlich zeigt genau das den Kern der Geschichte auf: Was macht Geld aus Menschen? Wie verändert es, welchen Einfluss hat es auf das Verhalten? Die Antwort des Romans: es macht Sie zu Arschlöchern. Für mich leider zu uninspirierend und auch absolut gar nichts Neues.
Langatmig und anstrengend „Die Fletcher‘s von Long Island“ ist ein opulente Familiengeschichte, die mich leider nicht ganz überzeugen konnte. Die Fletcher‘s sind eine jüdisch - amerikanische Familie, in der der Großvater einst aus Deutschland nach New York fliehen konnte und es mit einer cleveren Geschäftsidee zu einem beachtlichen Vermögen brachte. Sein Sohn Carl trat in die Fußstapfen des Vaters, übernahm dessen Fabrik und lebte ebenfalls mit seiner Frau und den beiden Söhnen in einer großzügigen Villa in Middle Rock auf Long Island. Das Leben veränderte sich jedoch schlagartig als Carl auf dem Weg zur Arbeit entführt wurde. Er überlebte den Überfall zwar körperlich, war aber nie wieder der, der er vor diesem Ereignis gewesen war. Das Trauma des Vaters beeinflusst nachhaltig das Leben seiner Kinder, selbst die zum Zeitpunkt der Entführung noch gar nicht geborene Tochter Jenny erbt dieses Trauma. Die Autorin erzählt sehr langatmig in teils komplexen Schachtelsätzen wie jedes der Kinder im Erwachsenenleben scheitert. Der Älteste Nathan hat Panikattacken und erwartet ständig die große Katastrophe. Bernhard, genannt Beamer ist Drehbuchautor, kann aber nur Drehbücher schreiben in denen es um Entführungen geht. Er lebt seine perversen sexuellen Fantasien im Drogenrausch aus, und es war wirklich nicht angenehm seitenlangen Praktiken mit seiner Domina und Zusammensetzungen seiner Drogencocktails zu lesen. An dieser Stelle war ich kurz davor das Buch auch abzubrechen. Jenny weiß überhaupt nicht was sie will, studiert mal dies mal das, hat keine Freunde und vereinsamt immer mehr. Die Eltern sind ihren erwachsenen Kindern keine Hilfe. Sie kommen kaum selbst zurecht. Die angeheirateten Ehepartner sind mit der Heirat gesellschaftlich und finanziell aufgestiegen und verstehen die Gefühlswelt ihrer Partner nicht wirklich. Die Geschichte ist insgesamt sehr skurril und gesellschaftskritisch. Ich hätte mir die Erzählweise etwas humorvoller gewünscht. Gemeinsam ist dieser Mehrgenerationenfamilie ihr Unglück. Jeder ist auf seine Weise unglücklich. „ Ob du aus eigener Kraft erfolgreich bist oder einen Sprung in der Schüssel hast, wird von den Umständen bestimmt, in die du geboren wirst.“ Armut ist einerseits ein starker Antrieb alles zu geben sein Leben zu verbessern. Hat man es dann geschafft, ist die Verlustangst allgegenwärtig. Ist man in Reichtum geboren, wird man leicht träge, was kein Wunder ist, da man sich nie aus eigener Kraft ernähren musste. Die Lektüre dieses Buches verlangt einiges vom Leser, besonders Durchhaltevermögen. Als ich Beamer‘s Geschichte einmal durchgestanden hatte, gab es aber auch durchaus interessante Passagen, die ich gerne gelesen habe. Insgesamt war mir dieses Buch aber viel zu langatmig. 200 Seiten weniger hätten dem Roman sicher gut getan.
Tragischkomischer Familienroman
Unterhaltsamer Familienroman, der tragisch und dennoch unterhaltsam mit Feingefühl und Humor die Geschichte der Familie Fletcher aus Middle Rock erzählt. Die generationenübergreifende Geschichte ist aus meiner Sicht klug und vielschichtig beschrieben. Als Leserin bin ich tief in die Gefühlswelt der Charaktere eingetaucht und mitgenommen worden. Am Ende bleibt eine tragische Familiengeschichte. Einzig die Länge hat mich davon abgehalten diesem Buch die vollen 5 Punkte zu geben. Sehr lesenswert!

Interessante Themen, aber langweilig umgesetzt
Ich mag ja Bücher mit vielen Seiten. Doch manchmal gibt es auch Bücher, bei denen man jede Seite merkt. Und hier spürt man, wie lang sich knapp 600 Seiten anfühlen können. Verstörend und amüsant steht sogar im Klappentext. Hmm, fand ich jetzt leider nicht. Auch wenn wirklich immer etwas passiert, ist es oft einfach überzeichnet und dabei so langatmig inszeniert, dass es mich nicht wirklich abholen konnte. Auch die Charaktere sind vielschichtig, bleiben aber leider unter der Oberfläche etwas flach – hier hätte ich mir mehr emotionale Tiefe gewünscht. So waren mir die meisten Charaktere in ihren exzentrischen Lebensstilen ziemlich egal, weil das einfach nicht meine Welt ist. Arme reiche Leute und das viele Geld die ein Trauma überwinden müssen, welches ich etwas aufgesetzt empfand. Positiv hervorheben möchte ich jedoch das Überthema der jüdisch-amerikanischen Familie. Immer wieder gibt es Einblicke in die Vergangenheit und diese Momente fand ich interessant geschrieben. Auch so mancher innere Konflikt der Charaktere hatte durchaus Potenzial – da hätte mehr draus gemacht werden können. Und abseits der Charaktere, für die ich gern mehr Sympathien gehabt hätte, hat mir der Schreibstil der Autorin gut gefallen. Manche Momente lesen sich bissig und ließen mich überlegen, ob hier wirklich alles ernst gemeint ist. Aber ja, das ist es, dafür gibt es einfach zu viele wichtige Themen über Trauma und dysfunktionale Familie – die für mich aber in langweiligen Problemen reicher Menschen etwas untergehen. Nicht grausig, aber auch nicht gut.

»Sie hatten Glück, die Fletchers. Das Schicksal meinte es gut mit ihnen. Sie nutzten jeden Vorteil, der sich ihnen bot, schritten unbeirrbar voran in eine sichere Zukunft voller Hoffnung und Erfolg, die Straßen mit Gold gepflastert, die früheren Rückschläge und Niederlagen platt gewalzt, ohne Konsequenzen. Die Fletchers waren die strahlende Verwirklichung des jüdisch-amerikanischen Traums, eine Familie, die sich die Teller füllen konnten mit allem, was das Land zu bieten hatte (S. 43).« 1942 gelingt es Zelig Fletcher, als blinder Passagier per Ozeandampfer, von Polen nach Amerika zu kommen. Das Schicksal meint es gut mit Zelig, innerhalb kürzester Zeit arbeitet er sich an die Spitze einer Polystyrolfabrik. Zelig gründet eine Familie und die Fabrik geht irgendwann über an seinen Sohn Carl. Auch Carl gründet eine Familie mit seiner Frau Ruth und die beiden bekommen zwei Kinder — Nathan und Beamer (Berndhard). Die Familie lebt in Middle Rock, Long Island, einem Vorort, in dem sich die wohlhabende Oberschicht niederlässt. Die Menschen hier sind buchstäblich entführungswürdig reich! Der Kurs des Schicksals ändert sich schlagartig von gut zu weniger gut und genau hier steigen wir in die 576 Seiten starke Geschichte der Autorin Taffy Brodesser-Akner ein. Carl Fletcher wird entführt und anschließend wird eine enorm hohe Summe Lösegeld, im Tausch gegen das Leben von Carl Fletcher gefordert. Die Entführung hinterlässt nicht nur Spuren bei Carl und mit Jenny schwangere Ruth, auch die jungen Kinder Nathan und Beamer sind Betroffene dieses Vorfalls. Gekonnt und mit Spannung schildert Taffy Brodesser-Akner die Entfühungsszene mit anschließender Freilassung. Um die 40 Seiten benötigt die Autorin für diesen Akt. Was passiert auf den restlichen Seiten? Hier kommen wir zum eigentlichen Schlamassel. Die Kinder Nathan, Beamer und Jenny sind inzwischen erwachsene Menschen – Nathan ist Anwalt für Bodenrecht, Beamer Filmproduzent und Jenny Studentin und Gewerkschaftsmitglied. Alle drei leben und scheitern, doch kein Problem. Durch die finanziellen Polster der Firma fallen die Kinder von Carl und Ruth weich. Mit schwarzem Humor und Situationskomik verfolgen wir das Leben der drei Geschwister, die vom Regen in die Traufe kommen. Ihre Erlebnisse sind urkomisch, skurril und obszön. »Aber die Leute, die sich aus eigener Kraft hocharbeiten, verlieren nie die Angst vor dem Absturz, und die, die das Glück hatten, in Sicherheit und Bequemlichkeit geboren zu werden, entwickeln sich gar nicht erst zu vollständigen Menschen« (S. 568). Kurzweilig und unterhaltsam schreibt Taffy Brodesser-Akner über die Auswirkungen eines Traumas, welches nie durch die einzelnen Familienmitglieder bzw. gemeinsam als Familie aufgearbeitet wurde. Eine Familienstammbaum und eine Karte von Middle Rock oder der Fabrik wären noch total coole Add-ons für dieses Buch gewesen. »Die Fletchers von Long Island« – ein total witziger rise and fall einer ganzen Familie. Ich konnte mich bei diesem Buch köstliche amüsieren und hoffe auf die Verfilmung des Ganzen.
Die Geschichte über eine Familie, die von mehr als einem Trauma über Generationen hinweg zerstört wird. Ich fand die Geschichte kurzweilig und tief. Es ist toll geschrieben, berührend und hart zugleich, auch humorvoll. Wer gerne über Familien und deren Abgründe liest, sollte mit diesem eine gute Wahl getroffen haben.
Die Geschichte einer reichen jüdischen Familie, in deren Zentrum die Auswirkungen der Entführung von Carl steht, der als Fabrikbesitzer eine Woche entführt und dadurch stark traumatisiert wurde. Das restliche Lösegeld und der Drahtzieher der Entführung wurden nie gefunden, nur die direkten Täter landen im Knast.. Das Motto seiner Mutter „Das ist nur deinem Körper passiert und nicht dir.“ bestimmt fortan das Familienleben, das Trauma wird totgeschwiegen und pflanzt sich fort. Alle drei mittlerweile erwachsenen Kinder, Beamer, Nathan und Jenny, haben Probleme und ihr Werdegang wird in einzelnen Abschnitten des Buches beleuchtet. Das alles wird mit einer lebendigen Sprache und viel bissigem Humor erzählt. Allerdings hat sich die Geschichte für mich an einigen Stellen zu sehr in die Länge gezogen in ihrer Ausführlichkeit.
"Gene können schlafen, aber sie verwässern nicht - selbst die Rezessiven stehen im Kostüm in den Kulissen und warten auf ihren Auftritt" Nach der Entführung des wohlhabenden Fabrikbesitzers Carl Fletcher, trägt die gesamte Familie unbehandelte Traumata davon. Im Zentrum stehen dabei die drei Kinder des Entführten: Beamer, Nathan und Jenny. Beamer, ein talentloser und ohne seinen Partner auch erfolgloser Drehbuchautor, kann lediglich über ein einziges Thema schreiben: Entführungen. Seinen Alltag verbringt er zwischen Medikamenten und Dominas, um immer wieder nachzuempfinden, was seinem Vater vor Jahrzehnten geschehen ist. Nathan wird vollends von seiner Hypochondrie und Paranoia eingenommen. Entweder sendet sein Körper ihm ständig neue Signale einer ernsten Erkrankung oder er wird beobachtet, verfolgt und womöglich gekidnappt. Bei den kleinsten (und größten) Katastrophen, wird er in seiner Annahme bestätigt, dass sein Leben nur Leiden bedeutet. Jenny stürzt sich im Kontrast zu Nathan in eine aktive Haltung entgegen ihrer Familie und kämpft für eine Studierendengewerkschaft an ihrer Universität. Trotz ihrer Abkehr von ihrer Familie und dem Kapitalismus lebt sie, genau wie ihre Brüder, von den quartalsweisen Ausschüttungen des nicht unerheblichen Fonds der Familie Fletcher. Ein wirklich gelungener Familienroman, der mit viel Humor und schrägen Charakteren ein Bild der jüdisch-amerikanischen Oberschicht von Long Island zeichnet und darlegt, wie sich ein Trauma über eine ganze Familie stülpt und sich der Frage widmet, ob ein vermeintlich sorgenfreies Leben, geprägt von dem Wohlstand des eigenen Elternhauses, zu einer Handlungsunfähigkeit und ausbleibenden Persönlichkeitsentwicklung führen kann.
Bist du auf der Suche nach einem Familiendrama in dem sich alles nur um die Konsequenzen von Macht und Wohlstand dreht…dann kann ich dir „Die Fletchers von Long Island“ ans Herz legen! Ich persönlich bin etwas zweigeteilter Meinung, wenn es um die Geschichte der Fletchers geht. Es fängt alles an, mit der dramatischen Entführung von Carls Fletcher. Diesen Teil des Buches liebe ich. Schnell und mit großen Bildern erzählt Brodesser- Akner das Geschehene. Carl kommt wenig später körperliche intakt zurück, ist aber seelisch tief gehend mitgenommen. Und so fängt der Absturz der mentalen Gesundheit der ganzen Familie an. Einen großen Teil trägt auch die fehlende Aufarbeitung der Entführung bei. Da gibt es einmal Beamer, Carls Sohn und wahrscheinliche die tragischste selbstzerstörerischste Figur. Sein Bruder Nathan, der Anwalt mit allerlei Ängsten und Jenny, die Anwältin gegen Menschenrechtsverletzungen, die nicht versteht, wie ihr Familie so mit ihren Arbeitern umgehen kann. Jedoch ist sie hin und her gerissen, da sich sie von den Einnahmen der Firma der Familie gut lebt. Bei allem was in dieser Familie schief läuft, obwohl ihnen das Geld eigentlich Sicherheit geben sollte, ist es kein Wunder das diese Kinder zu so kaputten Menschen werden. Brodesser- Akner beschreibt ihre Charaktere extrem gut und man fiebert und leidet doch mit ihnen mit. Jedoch fand ich vieles was sich abspielt sehr vorhersehbar. Ebenso habe ich mir das Ende so vorgestellt… jedoch hätte ich mir persönlich ein anderes Ende gewünscht. Etwas unerwartetes wäre schön gewesen. Obwohl das Ende wahrscheinlich das in einer Hinsicht realistischste war. Die Schreibweise ist sehr modern und lässt sich gut lesen. Ich nehme an, die gute Übersetzung von Sophie Zeitz trägt ihren Teil dazu bei. Jedoch finde ich persönlich einige Wortwechsel zwischen den Charakteren hätten kürzer sein können oder auch allgemein einige Textpassagen! Einige Stellen waren etwas langatmig. Man hätte sich auch kürzer, präziser fassen können. Ich denke Brodesser- Akners Werk ist als eine Kritik an der heutigen Gesellschaft zu sehen, vor allem an denen, denen es scheinbar an nichts fehlt. Ebenso wie an der Kaltherzigkeit des Kapitalismus. Auch darf man dieses wunderbare Cover nicht vergessen zu erwähnen… quasi ein Filmplakat im Retrostil! Es ist ein gutes Buch! Unterhaltsam, vor allem bei Liebhabern von schwarzem Humor! Jedoch war es für mich persönlich nur „okay“! Schade, eigentlich! 3/5 ⭐️



















