Der Schlächter
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Description
Pennsylvania, Anfang des 19. Jahrhunderts. Dr. Silas Weir ist ein junger Arzt aus gutem Hause, doch ohne Charisma und Talent. Beim Anblick von Blut wird er ohnmächtig, Frauenkörper stoßen ihn ab. Um seinen strengen Vater zu beeindrucken, versucht er, auf unorthodoxe Weise als Chirurg voranzukommen, was ihn gesellschaftlich isoliert. Dann wird er durch eine Aneinanderreihung von Zufällen Direktor der Staatlichen Heilanstalt für weibliche Geisteskranke in New Jersey. Hier beginnt Weir, vorgeblich im Dienste des medizinischen Fortschritts, Experimente an den meist schwarzen und irischen Insassinnen durchzuführen. Bald gilt er als führender, wenn auch berüchtigter Experte für Gynäkologie und Psychiatrie. Bis eine junge Dienstmagd zu seiner Obsession, seinem wichtigsten Versuchsobjekt und schließlich zu seinem Verhängnis wird.
»Oates' Anklage gegen die physische und psychische Behandlung von Frauen durch das medizinische Establishment ist eine fesselnde, anspruchsvolle Lektüre.« Publishers Weekly
Book Information
Author Description
Joyce Carol Oates wurde 1938 in Lockport, New York geboren. Sie zählt zu den bedeutendsten und vielseitigsten amerikanischen Autorinnen der Gegenwart. Für ihre mehr als 60 Romane und über 300 Erzählungen wurde sie vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem National Book Award. Joyce Carol Oates lebt in Princeton, New Jersey, wo sie Kreatives Schreiben unterrichtet. Sie war mehrfach für den Pulitzer-Preis nominiert und gilt seit Jahren als Anwärterin auf den Nobelpreis für Literatur.
Characteristics
2 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Posts
Anders als erwartet. Fiktive Geschichte mit Vorkommnissen, die an die reale Vergangenheit geknüpft sind
Ich hätte mir tatsächlich mit dem Titel und mit der Geschichte etwas anderes erwartet. Eingestellt war ich irgendwo zwischen Texas Chainsaw Massacre und krankem Psycho-Thriller. Am Ende war es eine nicht weniger entsetzliche Geschichte, die aus der schlimmen Vergangenheit von weiblichen Patienten einer Nervenheilanstalt in New Jersey durch die Hand von irrgeleiteten, hochmütigen und ahnungslosen weißer Männer stammen. Nur, dass diese Grausamkeiten und Fehlinterpretationen allesamt in diesem Roman auf eine Person projiziert werden. Der Akteur des "Schlächters" ist durch und durch medizinisch untauglich, inkompetent und stur. Seine weiblichen Gehilfinnen, trotz "mangelnder Bildung" ein vielfaches gewitzter und intelligenter, vor allem im medizinischen Bereich. Es ist erschreckend, wie die Autorin uns gespielt in diesem Roman in die Abgründe der psychologischen Medizin und Nervenheilkunde des 19. Jahrhunderts in Amerika führt. Sehr zu empfehlen, wenn man sich diesem Thema mehr näher möchte... Aber es ist, vor allem zum Schluss, wenn manche Dinge dann doch einmal namentlich genannt werden, schon harter Tobak, der sich dort präsentiert... Wobei sich vieles schon innerhalb des Buches immer wieder spiegelt und man einfach nur geschockt den Kopf und seinen ganzen Körper schüttelt, was für medizinische Fehleinschätzungen und "Ideen" zur Heilung damals als Standard galten und wie wenig ein Menschenleben (vor allem ein in deren Augen Verwirrtes) gezählt hat. Einizger Minuspunkt ist, dass es mir an manchen Stellen etwas zu lang gezogen war.
"Im Medizinstudium wurde uns beigebracht, & die Erfahrung hat es weithin bestätigt, dass Frauen anfälliger für Wahnsinn sind, als Männer, ist der Sitz der Hysterie doch der Uterus." Selten hat mich ein Buch so unfassbar wütend gemacht, wie dieses Werk. Es mag daran liegen, dass ich es aus heutiger Sicht, mit dem heutigen Wissen über Medizin gelesen habe. Aber auch, das es aus der Sicht eines so unfassbar arroganten, versnobten und überheblichen "Arzt" verfasst ist. Wie kann sich ein Mann Arzt nennen, der nichts von der Anatomie einer Frau weiß, sich kaum traut diese anzuschauen, geschweige denn anzufassen & sich trotzdem so Gottgleich aufführt. Der Roman fasst die Autobiografien dreier Ärzte aus dem 19. Jahrhundert zusammen & schöpft dabei aus den Schriften einer dieser Männer. Silas Weir, ungeliebter Sohn, unscheinbar & Weichei, der Angst vor Blut hat, will seinem Vater beweisen, das er herausragende Leistungen in der Frauenheilkunde vollbringen kann. Wo gelingt das besser als in einer Irrenanstalt, wo sich die Insassinnen nicht wehren können. Beginnen tut er seine Kariere als Arzt, der zu Geburten hinzugezogen wird. Läuft was schief, sind die "unwissenden Hebammen" schuld. In der Psychiatrie wurden die Frauen dann grausam in Versuchen missbraucht. Meist ohne Betäubung, denn diese niederen Kreaturen spüren ja nichts. Gefesselt, in heißes Wasser getaucht, sterilisiert, operiert & gedemütigt, siechen sie dahin. Nur zwei Schwestern versuchen dem "Schlächter" Dr. Bluthand Einhalt zu gebieten. Dr. Weir entwickelt tatsächlich auch eine Operationsmethode, wo Frauen wirklich geholfen werden konnte, doch der Preis war trotzdem hoch. "Es ist wahr: ich verdanke Silas Aloysius Weir mein Leben. Wahr ist auch: Silas Aloysius Weir war ein Schlächter, dem Mädchen & und Frauen zum Opfer gefallen sind." Auch die Sklaverei ist großes Thema der Geschichte und wird glaubhaft & nachvollziehbar eingebunden. Das macht das Buch nicht herzlicher. Denn auch die Schwestern sind nicht freiwillig in der Klinik, sie haben eine Schuld abzuarbeiten. Wenn sie nicht aufmüpfig werden, oder krank, verlängert sich die Pflicht vielleicht auch nicht über das 20. Lebensjahr hinaus. Irgendwie also auch Sklaverei. Alles läuft in dem Roman auf einen großen Showdown hinaus! Störte euch das & im Lesefluss? Mich zu Anfang schon ein bisschen, es zieht sich durch das gesamte Werk. Überhaupt ist es etwas sperrig zu lesen, ist weder ein Wohlfühl- noch ein leicht zu lesender Roman. Mich hat er trotzdem sehr bereichert. Zu empfehlen allerdings nur den nicht ganz so zart besaiteten LeserInnen unter uns.

Highlight
Eine fiktive Biografie, basierend auf einer echten Persönlichkeit. James Marion Sims aus dem 19 Jahrhundert. Chirurg und Arzt. Besonders die Gynäkologie hat er stark beeinflusst. Er hat an weiblichen Sklaven experimentiert. Die Experimente und Versuche sind schrecklich und in Einzelheiten beschrieben. . Dieses Buch handelt von einem fiktiven Arzt der seine Experimente an weiblichen Insassen einer Heilanstalt durchführt. Wir erleben seine Anfänge und seinen Werdegang. Erste zarte Versuche, bis hin zum totalen Horror für die Patienten. Auch die Persönlichkeit unseres Protagonisten ist gut ausgearbeitet. Geschildert wird es aus der Sicht seines ältesten Sohnes. Der sich immer wieder auf Aufzeichnungen und Hinterlassenschaften bezieht. Aber auch aus der Sicht des Arztes selbst. . Er ist besessen davon, ein anerkannter Arzt zu werden. Ein berühmter Arzt und bereits am Anfang erleben wir ein Experiment an einem 5 Monate alten weiblichen Babys. Medizinisch ist dieses Buch sehr interessant. Die einzelnen Ansichten zu damaligen Zeit, die Behandlungsmethoden und die Stellung des Arztes. Aber es ist auch erschreckend, wie primitiv teilweise über den weiblichen Körper gedacht wurde. Dennoch, das Buch fesselt. . Die Entwicklung unseres Protagonisten ist spannend. Vom schüchternen und unbeholfenen Studenten, zum selbstsicheren und fanatischen Arztes. Die Experimente sind sehr bildhaft beschrieben. Wir bekommen alles aus der Sicht des Täters, aber auch der Sicht der Opfer geschildert. Es gibt hier sehr viele wahre Fakten. Sowohl medizinisch als auch Politisch. . Das Buch war sehr emotional, in seiner ganzen Grausamkeit. Es halt noch nach. Große Empfehlung. .

Faszinierend und verstörend zugleich
Auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte über die Anfänge der Medizin in Anstalten für Frauen - geplagt von Wahnsinn und gestörter Psyche! In sehr bildhafter Sprache werden die Eingriffe der leitenden Artzes Dr. Weird; auch Dr. Bluthand genannt; geschildert - alles zum Wohle der Genesung und im Sinne der Forschung. Eindrucksvolles und wortgewandtes Buch - wenn auch nichts für schwache Nerven!
Characteristics
2 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Description
Pennsylvania, Anfang des 19. Jahrhunderts. Dr. Silas Weir ist ein junger Arzt aus gutem Hause, doch ohne Charisma und Talent. Beim Anblick von Blut wird er ohnmächtig, Frauenkörper stoßen ihn ab. Um seinen strengen Vater zu beeindrucken, versucht er, auf unorthodoxe Weise als Chirurg voranzukommen, was ihn gesellschaftlich isoliert. Dann wird er durch eine Aneinanderreihung von Zufällen Direktor der Staatlichen Heilanstalt für weibliche Geisteskranke in New Jersey. Hier beginnt Weir, vorgeblich im Dienste des medizinischen Fortschritts, Experimente an den meist schwarzen und irischen Insassinnen durchzuführen. Bald gilt er als führender, wenn auch berüchtigter Experte für Gynäkologie und Psychiatrie. Bis eine junge Dienstmagd zu seiner Obsession, seinem wichtigsten Versuchsobjekt und schließlich zu seinem Verhängnis wird.
»Oates' Anklage gegen die physische und psychische Behandlung von Frauen durch das medizinische Establishment ist eine fesselnde, anspruchsvolle Lektüre.« Publishers Weekly
Book Information
Author Description
Joyce Carol Oates wurde 1938 in Lockport, New York geboren. Sie zählt zu den bedeutendsten und vielseitigsten amerikanischen Autorinnen der Gegenwart. Für ihre mehr als 60 Romane und über 300 Erzählungen wurde sie vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem National Book Award. Joyce Carol Oates lebt in Princeton, New Jersey, wo sie Kreatives Schreiben unterrichtet. Sie war mehrfach für den Pulitzer-Preis nominiert und gilt seit Jahren als Anwärterin auf den Nobelpreis für Literatur.
Posts
Anders als erwartet. Fiktive Geschichte mit Vorkommnissen, die an die reale Vergangenheit geknüpft sind
Ich hätte mir tatsächlich mit dem Titel und mit der Geschichte etwas anderes erwartet. Eingestellt war ich irgendwo zwischen Texas Chainsaw Massacre und krankem Psycho-Thriller. Am Ende war es eine nicht weniger entsetzliche Geschichte, die aus der schlimmen Vergangenheit von weiblichen Patienten einer Nervenheilanstalt in New Jersey durch die Hand von irrgeleiteten, hochmütigen und ahnungslosen weißer Männer stammen. Nur, dass diese Grausamkeiten und Fehlinterpretationen allesamt in diesem Roman auf eine Person projiziert werden. Der Akteur des "Schlächters" ist durch und durch medizinisch untauglich, inkompetent und stur. Seine weiblichen Gehilfinnen, trotz "mangelnder Bildung" ein vielfaches gewitzter und intelligenter, vor allem im medizinischen Bereich. Es ist erschreckend, wie die Autorin uns gespielt in diesem Roman in die Abgründe der psychologischen Medizin und Nervenheilkunde des 19. Jahrhunderts in Amerika führt. Sehr zu empfehlen, wenn man sich diesem Thema mehr näher möchte... Aber es ist, vor allem zum Schluss, wenn manche Dinge dann doch einmal namentlich genannt werden, schon harter Tobak, der sich dort präsentiert... Wobei sich vieles schon innerhalb des Buches immer wieder spiegelt und man einfach nur geschockt den Kopf und seinen ganzen Körper schüttelt, was für medizinische Fehleinschätzungen und "Ideen" zur Heilung damals als Standard galten und wie wenig ein Menschenleben (vor allem ein in deren Augen Verwirrtes) gezählt hat. Einizger Minuspunkt ist, dass es mir an manchen Stellen etwas zu lang gezogen war.
"Im Medizinstudium wurde uns beigebracht, & die Erfahrung hat es weithin bestätigt, dass Frauen anfälliger für Wahnsinn sind, als Männer, ist der Sitz der Hysterie doch der Uterus." Selten hat mich ein Buch so unfassbar wütend gemacht, wie dieses Werk. Es mag daran liegen, dass ich es aus heutiger Sicht, mit dem heutigen Wissen über Medizin gelesen habe. Aber auch, das es aus der Sicht eines so unfassbar arroganten, versnobten und überheblichen "Arzt" verfasst ist. Wie kann sich ein Mann Arzt nennen, der nichts von der Anatomie einer Frau weiß, sich kaum traut diese anzuschauen, geschweige denn anzufassen & sich trotzdem so Gottgleich aufführt. Der Roman fasst die Autobiografien dreier Ärzte aus dem 19. Jahrhundert zusammen & schöpft dabei aus den Schriften einer dieser Männer. Silas Weir, ungeliebter Sohn, unscheinbar & Weichei, der Angst vor Blut hat, will seinem Vater beweisen, das er herausragende Leistungen in der Frauenheilkunde vollbringen kann. Wo gelingt das besser als in einer Irrenanstalt, wo sich die Insassinnen nicht wehren können. Beginnen tut er seine Kariere als Arzt, der zu Geburten hinzugezogen wird. Läuft was schief, sind die "unwissenden Hebammen" schuld. In der Psychiatrie wurden die Frauen dann grausam in Versuchen missbraucht. Meist ohne Betäubung, denn diese niederen Kreaturen spüren ja nichts. Gefesselt, in heißes Wasser getaucht, sterilisiert, operiert & gedemütigt, siechen sie dahin. Nur zwei Schwestern versuchen dem "Schlächter" Dr. Bluthand Einhalt zu gebieten. Dr. Weir entwickelt tatsächlich auch eine Operationsmethode, wo Frauen wirklich geholfen werden konnte, doch der Preis war trotzdem hoch. "Es ist wahr: ich verdanke Silas Aloysius Weir mein Leben. Wahr ist auch: Silas Aloysius Weir war ein Schlächter, dem Mädchen & und Frauen zum Opfer gefallen sind." Auch die Sklaverei ist großes Thema der Geschichte und wird glaubhaft & nachvollziehbar eingebunden. Das macht das Buch nicht herzlicher. Denn auch die Schwestern sind nicht freiwillig in der Klinik, sie haben eine Schuld abzuarbeiten. Wenn sie nicht aufmüpfig werden, oder krank, verlängert sich die Pflicht vielleicht auch nicht über das 20. Lebensjahr hinaus. Irgendwie also auch Sklaverei. Alles läuft in dem Roman auf einen großen Showdown hinaus! Störte euch das & im Lesefluss? Mich zu Anfang schon ein bisschen, es zieht sich durch das gesamte Werk. Überhaupt ist es etwas sperrig zu lesen, ist weder ein Wohlfühl- noch ein leicht zu lesender Roman. Mich hat er trotzdem sehr bereichert. Zu empfehlen allerdings nur den nicht ganz so zart besaiteten LeserInnen unter uns.

Highlight
Eine fiktive Biografie, basierend auf einer echten Persönlichkeit. James Marion Sims aus dem 19 Jahrhundert. Chirurg und Arzt. Besonders die Gynäkologie hat er stark beeinflusst. Er hat an weiblichen Sklaven experimentiert. Die Experimente und Versuche sind schrecklich und in Einzelheiten beschrieben. . Dieses Buch handelt von einem fiktiven Arzt der seine Experimente an weiblichen Insassen einer Heilanstalt durchführt. Wir erleben seine Anfänge und seinen Werdegang. Erste zarte Versuche, bis hin zum totalen Horror für die Patienten. Auch die Persönlichkeit unseres Protagonisten ist gut ausgearbeitet. Geschildert wird es aus der Sicht seines ältesten Sohnes. Der sich immer wieder auf Aufzeichnungen und Hinterlassenschaften bezieht. Aber auch aus der Sicht des Arztes selbst. . Er ist besessen davon, ein anerkannter Arzt zu werden. Ein berühmter Arzt und bereits am Anfang erleben wir ein Experiment an einem 5 Monate alten weiblichen Babys. Medizinisch ist dieses Buch sehr interessant. Die einzelnen Ansichten zu damaligen Zeit, die Behandlungsmethoden und die Stellung des Arztes. Aber es ist auch erschreckend, wie primitiv teilweise über den weiblichen Körper gedacht wurde. Dennoch, das Buch fesselt. . Die Entwicklung unseres Protagonisten ist spannend. Vom schüchternen und unbeholfenen Studenten, zum selbstsicheren und fanatischen Arztes. Die Experimente sind sehr bildhaft beschrieben. Wir bekommen alles aus der Sicht des Täters, aber auch der Sicht der Opfer geschildert. Es gibt hier sehr viele wahre Fakten. Sowohl medizinisch als auch Politisch. . Das Buch war sehr emotional, in seiner ganzen Grausamkeit. Es halt noch nach. Große Empfehlung. .

Faszinierend und verstörend zugleich
Auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte über die Anfänge der Medizin in Anstalten für Frauen - geplagt von Wahnsinn und gestörter Psyche! In sehr bildhafter Sprache werden die Eingriffe der leitenden Artzes Dr. Weird; auch Dr. Bluthand genannt; geschildert - alles zum Wohle der Genesung und im Sinne der Forschung. Eindrucksvolles und wortgewandtes Buch - wenn auch nichts für schwache Nerven!











