Heiligenbilder und Heuschrecken
Buy Now
By using these links, you support READO. We receive an affiliate commission without any additional costs to you.
Description
Ein abgelegenes Dorf in Südspanien: Eine Enkelin und ihre Großmutter leben in einfachsten Verhältnissen im alten Haus der Familie - mit Unbehagen beäugt von den restlichen Dorfbewohnern. Denn sie scheinen in einer unheimlichen Verbindung zu stehen mit dem Haus und den Seelen seiner Verstorbenen.
Dann verschwindet der Sohn der mächtigsten Familie des Ortes, unter Aufsicht der Enkelin. Nur ein Zufall? Bald schon fällt der Verdacht auf die beiden Frauen.
Eine feministische Rachegeschichte in der spanischen Provinz - rau im Ton, geschliffen in der Sprache und mit einem Schuss magischem Realismus.
Book Information
Author Description
Layla Martínez, geboren 1987 in Madrid, ist Autorin zahlreicher Erzählungen und Artikel, die in diversen Anthologien erschienen sind. Sie arbeitet als Übersetzerin und schreibt über Musik in El Salto und über Serien und das Fernsehen in La Última Hora. Seit 2014 ist sie Teil des Leitungsteams des Indie-Verlags Antipersona.
Characteristics
1 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Posts
"Meiner Enkelin hätte ich auch mehr als einmal eine mit dem Absatz mitgeben sollen. Oder eine schöne Backpfeife. Ich hätte ihr das, was in ihr ist, rausreißen müssen, bevor es Wurzeln schlagen und sich in ihren Eingeweiden einnisten konnte." "Niemand kommt von hier weg, und die, die es doch schaffen, die kommen am Ende zurück." "In diesem Haus leben die Toten zu lange und die Lebenden zu kurz. Die dazwischen hängen, wie wir, tun weder das eine noch das andere. Das Haus lässt uns nicht sterben, und woanders leben können wir auch nicht." Ich weiß noch gar nicht, was ich von diesem Buch halten soll. Es waren mir einfach zu viele Geister und Tote in allen Ecken des Hauses und zu wenig Geschichte, vieles wiederholt sich. Irgendwie bedrückend, mich hat diese Atmosphäre teilweise runtergezogen. Die Sprache ist sehr einfach und roh, was aber zur Stimmung des Buches passt. Das war einfach nicht mein Buch, aber das muss jeder für sich selbst entscheiden, es gibt ja viele begeisterte Stimmen dazu.
HEILIGENBILDER UND HEUSCHRECKEN Layla Martínez „Die Schatten hier im Haus, die kann ich auch sehen. Ich sehe, wie sie sich über die Treppe und durch die Flure schleppen, wie sie übers Dach krauchen, hinter Türen lauern. Das ganze Haus ist voll mit ihnen.“ (S. 33) In dem kleinen südspanischen Dorf wohnt die Enkelin mit ihrer Großmutter und allen Geistern. Einige der Geister sind bereits seit dem Bau des Hauses da, andere zogen erst später ein. In den drei Kriegsjahren und den vierzig Nachkriegsjahren beschützten diese das Haus. Die Nachbarn halten die Enkelin und die Großmutter für verrückt, gleichzeitig sind sie auf der Hut vor ihnen, denn Ihnen werden teuflische Magie unterstellt. Ehemänner hat es mal in dem Haus gegeben, aber diese verstarben früh, das Haus hatte sie vertrocknet. Doch nun ist die Enkelin in Verruf geraten. Der Sohn einer reichen Familie ist verschwunden und ausgerechnet die Enkelin war diejenige, die fürs Hüten bezahlt wurde. Die Polizei verhaftet sie und das Dorfgerede ist groß … Ein Buch, das sich nur schwer in Worte fassen lässt: Magisch, unheimlich – vielleicht auch ein wenig skurril. Die derbe Sprache der Enkelin will oft nicht so recht zur feinen, fast poetischen Geschichte passen, die sich in dem Buch verbirgt. Die körperliche Züchtigung des Personals scheint anachronistisch – und doch befinden wir uns in der Gegenwart, wie das Smartphone der Enkelin verdeutlicht. Trotzdem: eine kraftvolle, feministische Erzählung! Sicherlich nicht jedermanns Geschmack, aber mich hat dieses Buch gefesselt – und ich habe den Stimmen der Geister gerne gelauscht. 4½/5

Im unheiligen Haus
In einem kleinen Dorf, in einem Haus, das von den meisten Menschen gemieden wird, betet man zu den Heiligen aber versteckt die Teufel unter dem Bett und im Schrank. Es gibt einfach nichts, was an diesem Roman nicht herausragend wäre. Die sich gegenseitig ergänzenden Blickwinkel der im Haus lebenden Großmutter und ihrer Enkelin waren durch ihren derben und authentischen Ton einerseits humorvoll und andererseits bitterböse. Merkwürdige Ereignisse aus Vergangenheit und Gegenwart bilden dabei am Ende ein großes Ganzes und üben auf intelligente und außergewöhnliche Weise Kritik an Klassismus und sozialen Schieflagen der Gesellschaft, die nur das Schlechteste aus den Menschen presst, bis diese selbst nur noch eine Hülle sind. Doch vor allem das zentrale Element des Romans, das Haus, versprüht einen so atmosphärischen Grusel, dass das man gar nicht mehr unter das eigene Bett schauen möchte. Gleichzeitig lassen sich viele der magischen Elemente metaphorisch deuten und sind damit kein Mittel zum Zweck, sondern hohe literarische Kunst. Nichts wurde hier dem Zufall überlassen und somit ist dieser Roman definitiv ein Jahreshighlight.
"Wir Frauen in dieser Familie werden schnell Witwen. Die Männer rauchen sich schneller auf als die Wachskerzen in der Kirche; ganz kurz nach der Hochzeit bleibt bloß ein Schmutzrand auf den Bettlaken zurück, der nicht mehr rausgeht, egal wie du dir die Hände wundschrubbst." Ich gebe zu, es mag weird sein, dass ich zurzeit so gerne Bücher darüber lese, dass Männer sterben oder verschwinden. Aber hey, wir leben im Patriarchat, und ein bisschen fiktive Rache rückt zumindest in meinem Universum die Welt temporär etwas zurecht. Having said that: ich liebe dieses Buch! Eine namenlose Enkelin und ihre ebenfalls namenlose Großmutter leben in einem düsteren Haus in Südspanien, das sich seit Generationen im Familienbesitz befindet und von allen im Dorf gefürchtet wird. Denn alle wissen: wer dort reingeht, kommt nur selten wieder raus, und wer dort lebt, führt nichts Gutes im Schilde. Mit viel Witz beschreiben die beiden Protagonistinnen, wie verflucht das Haus ist, in dem sie leben. Sie haben sich längst an die Füße unter ihrem Bett gewöhnt, die Schatten im Schrank und die, die sie aus dem Nichts mit Tassen bewerfen oder ihnen ein Bein stellen. Denn die Frauen haben verstanden, dass das wahre Grauen nicht von den Gespenstern ausgeht, sondern von den mächtigen Männern, die immer wieder Unglück über ihre Leben bringen. Nach und nach erfährt man, abwechselnd erzählt von beiden Frauen, was der Familie über die Jahre zugestoßen ist, an wem Rache geübt wurde und wie, und für welche dunklen Geheimnisse die Enkelin und die Großmutter selbst verantwortlich sind. Das ganze Buch ist grotesk im besten Sinne, es amüsiert an den richtigen Stellen, doch sehr dicht unter der Oberfläche sitzt eine unbändige Wut und Verzweiflung über die Ungerechtigkeiten, die vor allem armen Frauen zustoßen. Es steckt so viel in diesem Buch, z.B. auch über Klassismus und die spanische Geschichte, dass mein einziger Kritikpunkt die Länge ist: anstatt 157 Seiten hätte ich gerne doppelt so viel gelesen. Große Empfehlung! Übersetzt von Christiane Quandt. CN: Abl3ismus, Zwangspr0stitution, G3walt, T0d, Tierle1d, M0rd, B0dyshaming, Krankheit, Kindst0d, Femiz1d
Ein völlig anderes - und genau deshalb richtig besonderes - Buch 😍
Ein Dorfleben früher wie heute - wer nicht zu den anderen passt, wer sich nicht der Norm entsprechend verhält, wer nicht dem Trott der Gemeinschaft folgt, wird ausgegrenzt und geächtet. Da können Generationen die vorherigen und die davor überleben, das wird sich niemals ändern. So geht es auch einer jungen Frau und ihrer Großmutter in Südspanien. Sie haben nie dazu gehört, sie wurden schon immer gemieden, ihr Ruf eilt ihnen voraus. Doch sie werden sich rächen - mit ihren eigenen, unvergleichlichen Mitteln. Diejenigen, die Leid über die Familie gebracht haben, sollen dafür bezahlen. 🦗🦗🦗 Schon ganz früh ist zu spüren, dass die Enkelin und die Großmutter über höhere Mächte verfügen. Doch, was sich zuerst nach einem Schauerroman anfühlt, nimmt für mich nach ein paar Kapiteln einen ganz besondere Entwicklung. Denn dass der Tod im Haus der beiden Frauen sein Unwesen treibt, wird von gruselig zu spannend zu magisch (im positivsten Sinne). Es ist gar nicht schlimm, dass Geister, Schatten und übernatürliche Kräfte beteiligt sind am Alltag dieses Hauses. Im Gegenteil, ich fiebere mit, habe Spaß an den Ritualen, bin gespannt, wann die Heiligen sich als nächstes blicken lassen. Und ich wünsche mir, dass das Haus immer mächtiger wird, dass es die bösen Menschen im Dorf in die Mangel nimmt, die der Familie unrecht getan haben. Es ist eine Geschichte über neu erstarkte Frauen, die sich rächen für ihr eigenes Schicksal und für die Frauen, die einst in diesem Dorf und in diesem Haus unterdrückt, verdammt und verstoßen, gequält und missh*ndelt wurden. Es ist eine Geschichte über Feminismus, über Machtmissbr*uch, über Misogynie, über Gerechtigkeit und Genugtuung und über die Hilfe von „oben“, die man sich im echten Leben so oft wünschen würde. Ich hatte eine wahre Freude am Lesen und ich habe die Paukenschläge geliebt, die das Dorf immer wieder zum Beben brachten.

Ein Horrorroman, der Ungleichheit, Spukhäuser und Rache vor einer chauvinistischen und heteronormierten Gesellschaft kombiniert 👻
„Sobald ich über die Schwelle war, hat sich das Haus auf mich gestürzt“. Nur dieser erste Satz reichte mir, um zu wissen, was für eine Art Buch ich hier vor mir habe: Geheimnis, Dunkelheit, Mystik und vor allem die Anwesenheit von etwas Unheimlichem, das erstickend scheint. In der Tat waren all dies die Komponenten, die diesen Roman ausmachten, aber es gab noch mehr: „Heiligenbilder und Heuschrecken“ ist kein Buch, das auf einen Satz reduziert werden kann. Aber lasst uns zur Geschichte selbst kommen. Entlang der Story haben wir ein paar interessante Charaktere, aber keine, die so eine starke und überwältigende Präsenz wie die des Hauses haben. Das Haus ist alles, was man von dem typischen genretypischen Stereotyp erwartet: groß, alt, unheimlich und behaftet mit einer erstickenden Geschichte, die sich im Laufe der Jahre fortsetzt und in seine Wände überträgt und diejenigen infiziert, die es bewohnen. In diesem Sinne funktioniert das Haus als eine Darstellung der Familie und spiegelt alles Schlechte, die Schatten, die jede Generation gesammelt hat - auch in gewisser Weise die Gesellschaft und die sich durchsetzenden geschlechtsspezifischen Bedingungen wider; in diesem Fall an diese Frauen, die Hass und Groll erben und sie mitreißen, die sie im Wesentlichen zu Opfern machen, sie aber auch gleichzeitig Opfer bringen lassen. Und ja, das Haus ist ein Käfig, aber auch eine Zone des Komforts und des Schutzes: Jenseits der Türen erweist sich die Welt als nicht viel besser. Durch die Geschichten unserer beiden Protagonisten, der Großmutter und ihrer Enkelin, wird eine ganze Abfolge von Fakten und Hintergründen entwirrt, die die weibliche Abstammung beeinflusste. Ein anderes Wort, das diesen Roman charakterisiert, ist Rache, verbunden mit einer Geschichte, die durch häuslichen und sexuellen Missbrauch, Gewalt und Klassismus befleckt ist. Aber es handelt sich nicht nur um eine Konfrontation zwischen zwei Geschlechtern, sondern die Autorin porträtiert auch die Misshandlung von ihnen und durch sie, wobei die Unvollkommenheiten der Familie zu Tage treten. Die Autorin ist präzise und aufschlussreich, wenn es darum geht, die Unterschiede in der Behandlung von Frauen im Allgemeinen, aber besonders von Frauen aus der Unterschicht, aufzuzeigen. Die Geschichte selbst fühlt sich sehr weltlich, realistisch an, das Haus selbst ist kein typisches Herrenhaus dieser Engländerinnen. Trotz des magischen Realismus, der im Hintergrund fließt, vermittelt die Erzählung Menschlichkeit (was auch immer das bedeutet). Es hat einen Hauch von Mystik, fühlte sich phantasievoll an. Es gab sogar eine Kritik am Bürgerkrieg in Spanien - daher möchte ich die Bedeutung des Gedächtnisses betonen, den Versuch, das Ausstehende zu lösen, die kollektiven Traumata, die weit entfernt, fremd erscheinen mögen, aber ohne dass diese es bemerken, Menschen definieren, sie zu dem machen, wer sie sind, ihre Identität ausbilden, praktisch so, als wären sie ein historisches Produkt. Ein Buch, das ich laut vorlesen musste, um den Zorn, die Rache und die Wut unserer Protagonisten zu spüren. Ein Horrorroman, der Ungleichheit, Spukhäuser und Rache vor einer chauvinistischen und heteronormierten Gesellschaft kombiniert, die, anstatt zu helfen und zu wachsen, in der Welt, in der wir leben, mehr ins Elend versenkt. Die Lektüre hat mich verblüfft, sowohl im positiven als auch im negativen Sinne. Positiv, weil die sehr starken Argumente über die Bedingungen der Armut und vor allem über die soziale Situation der Frau in einer vom Mann beherrschten Welt, in der sie als nur als Dienerin oder als Hausfrau gilt. Es ist nicht leicht, diese Situationen zu lesen, auch weil die Autorin zu Recht die Hand auf die Bosheiten legt, die der Mensch (Mann) der Frau zufügen kann. Denn das zuerst originell anmutende Schreiben der Autorin hatte mich zunächst neugierig gemacht und ließ mich meist befremdlich und erschöpft zurück, von den rohen Bildern des gelebten Lebens, erzählt als ein langer innerer Monolog mit somnambulen Spitzen und an der Grenze zum Halluzinogenen. Negativ hingegen, weil mich das Schreiben mit Fortschreiten der Seiten und Kapiteln ein wenig von der Geschichte entfernt hat, an einigen Stellen habe ich den Faden verloren und narrative Löcher hinter mir gelassen. Schließlich wurde die Geschichte zu nebulös, vielleicht wurde sie speziell von der Autorin kreiert, um die behandelten Argumente stärker zu betonen? Leider hat dies auch dazu geführt, dass ich abschweifte und mich nicht sehr in die Geschichte involviert fühlte. Insgesamt eine gute Entdeckung! Ich werde wieder etwas von der Autorin lesen und hoffe, dann nicht mehr auf meine hier angeführten Kritikpunkte zu stoßen.
Rachedurst
Sehr eindringliche und besondere Geschichte über Rache, fehlende Chancengleichheit, Missstände und Armut. Und über zwei Frauen, die in einem Haus mit den Toten leben und die es Männern nicht durchgehen lassen, von den Frauen zu leben. Großartig anders und absurd- auf die gute Art und Weise.
„Heiligenbilder und Heuschrecken“ von Layla Martínez ist eine außergewöhnliche feministische Rachegeschichte, die durch ihren magischen Realismus und ihre erzählerische Brillanz besticht. In einem abgelegenen Dorf in Südspanien leben eine Enkelin und ihre resolute Großmutter als Außenseiterinnen in einem von Geheimnissen behafteten Haus, das von Schatten und unheimlichen Geräuschen heimgesucht wird. Als der kleine Sohn der einflussreichsten Familie des Dorfes verschwindet, geraten die beiden Frauen ins Visier des Dorfes und müssen sich ihrer eigenen düsteren Vergangenheit stellen. Das Buch entfaltet seine Geschichte in wechselnden Kapiteln aus der Perspektive der beiden Frauen. Während die Enkelin verzweifelt versucht, dem Haus und seinem bedrückenden Erbe zu entkommen, kämpft sie gegen das Schicksal und ihre Vergangenheit, die sie wie ein Netz gefangen hält. Ihre fest in ihrem Glauben verankerte Großmutter hingegen, weiß genau, mit welchen Heiligen sie für ihre Anliegen in Kontakt treten muss und kämpft mit unerschütterlicher Entschlossenheit gegen die Unterdrückung durch die patriarchale Gesellschaft. Martínez zeichnet ein düsteres Bild der Ausbeutung der Armen durch die Reichen und der Unterdrückung der Frauen. Dabei schafft sie eine eindringliche Atmosphäre und verleiht ihren beiden Protagonistinnen eine einzigartige Widerstandskraft. Die Erzählung ist temporeich und stimmungsvoll, die Sprachführung des Romans ebenso dynamisch wie seine Handlung, was dem Buch eine einzigartige Intensität verleiht. Atemlose, lange Sätze spiegeln die Unruhe und das Temperament der Enkelin wider, während die Großmutter in ruhigeren, geordneten Worten ihre Sicht der Dinge erzählt. Die Themen Gerechtigkeit, Unterdrückung, transgenerationale Traumata und weibliche Wut werden gekonnt miteinander verwoben, während die Geschichte unaufhaltsam auf einen atemberaubenden Höhepunkt zusteuert. Auf knapp 160 Seiten gelingt es Martínez, ein intensive Familiengeschichte voller Spannung, Atmosphäre und unerwarteter Wendungen zu erschaffen, die sowohl die Härte des Alltags als auch die gesellschaftlichen Missstände meisterhaft beleuchtet. „Heiligenbilder und Heuschrecken" ist ein fesselnder Roman, der mit seiner tiefgründigen Erzählweise, den lebendigen Charakteren und der wilden Mischung aus Horror und Feminismus nachhaltig beeindruckt. Eine ganz klare Leseempfehlung für alle, die literarische Kunst auf höchstem Niveau schätzen. Aus dem Spanischen von Christiane Quandt.

Bereits im Frühjahr erschien „Heiligenbilder und Heuschrecken“ von Layla Martínez und hat dort bereits meine Neugier geweckt. Da es inhaltlich eine düstere Atmosphäre verspricht, habe ich es erst im Herbst gelesen. Diese Geschichte begleitet zwei Frauen, welche sich für die Unterdrückung und Misshandlung rächen, die ihnen angetan wurde. Der Fokus liegt dabei auf dem Machtmissbrauch von Männern gegenüber Frauen im Patriarchat. Die ganze Story spielt in einem verfluchten Haus, in dem allerlei Kurioses in den Schatten wohnt. Mit viel Humor werden die Gespenster geschrieben, wodurch klar wird, dass die Frauen mehr Angst von den mächtigen Männern haben, als vor dem Übernatürlichen im Haus. Für feministische Rachegeschichten mit einer gewissen Absurdität bin ich immer zu haben, dementsprechend hat das Buch komplett meinen Geschmack getroffen. 🍂🌚🖤

In einem alten Haus irgendwo im Nirgendwo Südspaniens leben eine Großmutter und ihre Enkeltochter. Mit ihnen tauchen im Haus immer wieder die Schatten Verstorbener und Heilige, welche der Großmutter erscheinen und ihr zu Diensten sind, auf. Die Frauen leben ein einfaches Leben und sind im Dorf verschrien als Sonderlinge. Die Enkelin beginnt gegen den Willen ihrer Großmutter für eine reiche Familie im Dorf zu arbeiten, welche ihre Bediensteten schlecht behandelt und unterbezahlt. Eines Abends verschwindet der Sohn dieser Familie genau dann, als die Enkeltochter auf ihn aufpassen soll. Schnell wird sie zur Verdächtigen... Die Geschichte klingt wirklich gut, finde ich. Der Aufbau und die Sprache des Romans haben es mir allerdings sehr schwer gemacht, das Buch genießen zu können. Zum Verschwinden des Jungen kommt es nämlich erst nach circa zwei Dritteln des Buches. Bis dahin wird lange über die Familiengeschichte der zwei Frauen erzählt und wie die Frauen der Familie es schon immer schwer hatten, nicht zuletzt wegen Männern, die sie schlecht behandelt haben. Auch ok, aber irgendwie wäre ich gerne schneller zum eigentlichen Thema des Buches gekommen. Die Sprache fand ich richtig müßig. Es gibt zum Beispiel keine Kommasetzung bei Aufzählungen und es wird ohne Unterlass das Wörtchen "wie" anstelle von "als" verwendet. Alles nicht schlimm, aber ich bleibe bei solchen Sachen dann einfach ständig hängen. Als positiv empfand ich die feministischen Gedanken, die zahlreich im Buch untergebracht sind, zum Beispiel, dass es egal ist, in welchem Milieu du lebst, Frauen können immer schlecht durch Männer behandelt werden. Es war ein kurzes Buch, das mich aber doch etwas Zeit gekostet hat, da ich leider nie so richtig in den Lesefluss gekommen bin.

Grandios
•Buchrezi• 😨 Zum Inhalt: Irgendwo in Spanien steht ein Haus. Dort leben eine Großmutter und ihre Enkelin. In diesem Haus lauern Seelen, manchmal gucken Schuhe unter dem Bett hervor, manchmal hört man Schritte, ab und zu tauchen sogar Gestalten auf. Die Nachbarn reden… die Enkelin ist im Ort in Verruf geraten. Sie sollte den Nachbarsjungen hüten, der daraufhin spurlos verschwunden ist. Sie schweigt jedoch. Was ist dem Jungen also zugestoßen? Was hat es mit dem Haus auf sich, welches schon seit Generationen im Familienbesitz ist? Warum haben ausgerechnet dort die Toten entschieden zu verweilen? Mein Fazit: Was für ein Buch auf 160 Seiten. Horror, Feminismus, Frauen, die in ihrer persönlichen Hölle gefangen sind… Das Buch wird abwechselnd aus der Sicht der Enkelin und der Großmutter erzählt. Der Schreibstil ist sehr umgangssprachlich. Wer hier erwartet, dass das Buch in einer anderen Zeit spielt, täuscht sich. Auch wenn man wenig erfährt, spielt die Geschichte zum Großteil in der Gegenwart. Was mich zwar gewundert hat, mir aber trotzdem gut gefiel. Die beiden Frauen leben ein karges Leben, in einem speziellen Haus. Welches für die beiden aber nicht gruselig ist, allenfalls mal lästig, manchmal auch interessant. Wer „Die Farbe von Milch“ mochte, wird dieses Buch lieben. Ich mochte alles daran! Auch wenn der Schreibstil super gewöhnungsbedürftig ist, hat er perfekt zur Atmosphäre gepasst. Die Charakter sind kernig/rotzig, genau wie das Essen 😅. Auch der feministische Ansatz ist hier gut eingearbeitet worden. Ich vergebe volle ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️!

"[A]us diesem Haus kommt niemand weg. Wir sitzen hier fest, wir und die Schatten. So hat es meine Mutter immer gesagt. Wir sitzen hier fest, bis sie uns mitnehmen, das hat sie immer gesagt." (S. 67) Ein Haus, das seine Bewohner verschluckt, ein Schrank, der flüstert und Heiligenbilder, die die einen schützen und die anderen verfluchen sollen. Ein karges Dorf in Spanien ist der Handlungsort dieser Geschichte, die uns im Wechsel von einer Großmutter und ihrer Enkelin erzählt wird. Eine Geschichte, die sich auf ähnliche Weise stetig zu wiederholen scheint. Das Haus, in dem die beiden Frauen leben, steht für eine Welt, in der Frauen buckeln müssen, sich unterordnen, kaputtgehen, sich Verbündete suchen und doch keine Unterstützung erfahren. Stattdessen verschwinden sie und was bleibt, sind ihre Geister und Dämonen. Sprachlich stark, schreibt Layla Martínez in "Heiligenbilder und Heuschrecken", wie sich eine generationenlange Wut entlädt. Der Roman ist eine feministische Rachegeschichte, die gesellschaftliche Themen wie Misogynie, Klassenunterschiede und Gewalt aufgreift. Auf mich ist die Kraft ihrer Erzählung jedoch nicht übergesprungen. Die Erzählstränge waren mir oft mühsam und die Gefühlswelt der beiden Frauen konnte mich nicht einnehmen. Obwohl die Geschichte viele Themen anspricht, blieb sie für mich emotional distanziert.
1,5 Sterne Rüde Sprache, in ungelenken Satzstellungen, die den Kontrast zur Oberschicht aufmachen soll. Eine Familie aus ärmlichen Verhältnissen, von Hunger und Elend durch Generationen geplagt, als Dienstkräfte der feinen Gesellschaft, Häme und unwürdiger Behandlung ausgesetzt, schlittert zusätzlich in gewalttätige und missbräuchliche Verhältnisse mit Männern. Das Buch legt die Geschichte der Familie deterministisch an. Niemand kommt aus diesem Sozialgefüge heraus. Das lebendige Haus, in dem die Schatten und Geister sich tummeln, als Symbol des Gefängnisses dieser Frauen und der Männer, die diesem einverleibt wurden. Der magische Realismus ist in seiner Symbolik plump und plakativ gehalten. Wackelnde Wände, Nebel aus dem Kleiderschrank, klapperndes Geschirr, schlagende Türen. Die Sprache öffnet nicht. Man stolpert darüber. Nach und nach entblättert sich die Geschichte von Großmutter ihrer Tochter und der Enkelin. Dies geschieht in kreisenden Bewegungen, um Hass, Wut und Machtlosigkeit. Im realen Leben ist keine Selbstermächtigung zu erwarten. Also müssen die Heiligenfiguren dies übernehmen. Es werden magische Knoten geknüpft, gebetet, beschworen und siehe da, es geschehen den verhassten Menschen böse Dinge. In der Kürze liest sich das Buch äußerst redundant. Die erzählenden Figuren, Großmutter und Enkelin nutzen wiederholend dieselben Phrasen und drehen sich um dieselben Gedanken. Das, was die Autorin letztendlich erzähl, ist viel zu wenig und wird zudem äußerst distanziert aufgebaut. Wut und Verderben, werden hauptsächlich durch Worte geschildert. Die Autorin verpasst es dieses Schmerzvolle in echtes Erleben zu weben. Am ehesten erinnert mir dieser Versuch der Autorin an eine Kombination aus [b:Paradais|59072193|Paradais|Fernanda Melchor|https://i.gr-assets.com/images/S/compressed.photo.goodreads.com/books/1632559541l/59072193._SY75_.jpg|87638086], um die Atmosphäre und den Klassismus zu entleihen und [b:Die Kinder der Toten|1956230|Die Kinder der Toten|Elfriede Jelinek|https://i.gr-assets.com/images/S/compressed.photo.goodreads.com/books/1459626531l/1956230._SY75_.jpg|3157432], in der Wut und der Heimsuchung der Toten.
Characteristics
1 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Description
Ein abgelegenes Dorf in Südspanien: Eine Enkelin und ihre Großmutter leben in einfachsten Verhältnissen im alten Haus der Familie - mit Unbehagen beäugt von den restlichen Dorfbewohnern. Denn sie scheinen in einer unheimlichen Verbindung zu stehen mit dem Haus und den Seelen seiner Verstorbenen.
Dann verschwindet der Sohn der mächtigsten Familie des Ortes, unter Aufsicht der Enkelin. Nur ein Zufall? Bald schon fällt der Verdacht auf die beiden Frauen.
Eine feministische Rachegeschichte in der spanischen Provinz - rau im Ton, geschliffen in der Sprache und mit einem Schuss magischem Realismus.
Book Information
Author Description
Layla Martínez, geboren 1987 in Madrid, ist Autorin zahlreicher Erzählungen und Artikel, die in diversen Anthologien erschienen sind. Sie arbeitet als Übersetzerin und schreibt über Musik in El Salto und über Serien und das Fernsehen in La Última Hora. Seit 2014 ist sie Teil des Leitungsteams des Indie-Verlags Antipersona.
Posts
"Meiner Enkelin hätte ich auch mehr als einmal eine mit dem Absatz mitgeben sollen. Oder eine schöne Backpfeife. Ich hätte ihr das, was in ihr ist, rausreißen müssen, bevor es Wurzeln schlagen und sich in ihren Eingeweiden einnisten konnte." "Niemand kommt von hier weg, und die, die es doch schaffen, die kommen am Ende zurück." "In diesem Haus leben die Toten zu lange und die Lebenden zu kurz. Die dazwischen hängen, wie wir, tun weder das eine noch das andere. Das Haus lässt uns nicht sterben, und woanders leben können wir auch nicht." Ich weiß noch gar nicht, was ich von diesem Buch halten soll. Es waren mir einfach zu viele Geister und Tote in allen Ecken des Hauses und zu wenig Geschichte, vieles wiederholt sich. Irgendwie bedrückend, mich hat diese Atmosphäre teilweise runtergezogen. Die Sprache ist sehr einfach und roh, was aber zur Stimmung des Buches passt. Das war einfach nicht mein Buch, aber das muss jeder für sich selbst entscheiden, es gibt ja viele begeisterte Stimmen dazu.
HEILIGENBILDER UND HEUSCHRECKEN Layla Martínez „Die Schatten hier im Haus, die kann ich auch sehen. Ich sehe, wie sie sich über die Treppe und durch die Flure schleppen, wie sie übers Dach krauchen, hinter Türen lauern. Das ganze Haus ist voll mit ihnen.“ (S. 33) In dem kleinen südspanischen Dorf wohnt die Enkelin mit ihrer Großmutter und allen Geistern. Einige der Geister sind bereits seit dem Bau des Hauses da, andere zogen erst später ein. In den drei Kriegsjahren und den vierzig Nachkriegsjahren beschützten diese das Haus. Die Nachbarn halten die Enkelin und die Großmutter für verrückt, gleichzeitig sind sie auf der Hut vor ihnen, denn Ihnen werden teuflische Magie unterstellt. Ehemänner hat es mal in dem Haus gegeben, aber diese verstarben früh, das Haus hatte sie vertrocknet. Doch nun ist die Enkelin in Verruf geraten. Der Sohn einer reichen Familie ist verschwunden und ausgerechnet die Enkelin war diejenige, die fürs Hüten bezahlt wurde. Die Polizei verhaftet sie und das Dorfgerede ist groß … Ein Buch, das sich nur schwer in Worte fassen lässt: Magisch, unheimlich – vielleicht auch ein wenig skurril. Die derbe Sprache der Enkelin will oft nicht so recht zur feinen, fast poetischen Geschichte passen, die sich in dem Buch verbirgt. Die körperliche Züchtigung des Personals scheint anachronistisch – und doch befinden wir uns in der Gegenwart, wie das Smartphone der Enkelin verdeutlicht. Trotzdem: eine kraftvolle, feministische Erzählung! Sicherlich nicht jedermanns Geschmack, aber mich hat dieses Buch gefesselt – und ich habe den Stimmen der Geister gerne gelauscht. 4½/5

Im unheiligen Haus
In einem kleinen Dorf, in einem Haus, das von den meisten Menschen gemieden wird, betet man zu den Heiligen aber versteckt die Teufel unter dem Bett und im Schrank. Es gibt einfach nichts, was an diesem Roman nicht herausragend wäre. Die sich gegenseitig ergänzenden Blickwinkel der im Haus lebenden Großmutter und ihrer Enkelin waren durch ihren derben und authentischen Ton einerseits humorvoll und andererseits bitterböse. Merkwürdige Ereignisse aus Vergangenheit und Gegenwart bilden dabei am Ende ein großes Ganzes und üben auf intelligente und außergewöhnliche Weise Kritik an Klassismus und sozialen Schieflagen der Gesellschaft, die nur das Schlechteste aus den Menschen presst, bis diese selbst nur noch eine Hülle sind. Doch vor allem das zentrale Element des Romans, das Haus, versprüht einen so atmosphärischen Grusel, dass das man gar nicht mehr unter das eigene Bett schauen möchte. Gleichzeitig lassen sich viele der magischen Elemente metaphorisch deuten und sind damit kein Mittel zum Zweck, sondern hohe literarische Kunst. Nichts wurde hier dem Zufall überlassen und somit ist dieser Roman definitiv ein Jahreshighlight.
"Wir Frauen in dieser Familie werden schnell Witwen. Die Männer rauchen sich schneller auf als die Wachskerzen in der Kirche; ganz kurz nach der Hochzeit bleibt bloß ein Schmutzrand auf den Bettlaken zurück, der nicht mehr rausgeht, egal wie du dir die Hände wundschrubbst." Ich gebe zu, es mag weird sein, dass ich zurzeit so gerne Bücher darüber lese, dass Männer sterben oder verschwinden. Aber hey, wir leben im Patriarchat, und ein bisschen fiktive Rache rückt zumindest in meinem Universum die Welt temporär etwas zurecht. Having said that: ich liebe dieses Buch! Eine namenlose Enkelin und ihre ebenfalls namenlose Großmutter leben in einem düsteren Haus in Südspanien, das sich seit Generationen im Familienbesitz befindet und von allen im Dorf gefürchtet wird. Denn alle wissen: wer dort reingeht, kommt nur selten wieder raus, und wer dort lebt, führt nichts Gutes im Schilde. Mit viel Witz beschreiben die beiden Protagonistinnen, wie verflucht das Haus ist, in dem sie leben. Sie haben sich längst an die Füße unter ihrem Bett gewöhnt, die Schatten im Schrank und die, die sie aus dem Nichts mit Tassen bewerfen oder ihnen ein Bein stellen. Denn die Frauen haben verstanden, dass das wahre Grauen nicht von den Gespenstern ausgeht, sondern von den mächtigen Männern, die immer wieder Unglück über ihre Leben bringen. Nach und nach erfährt man, abwechselnd erzählt von beiden Frauen, was der Familie über die Jahre zugestoßen ist, an wem Rache geübt wurde und wie, und für welche dunklen Geheimnisse die Enkelin und die Großmutter selbst verantwortlich sind. Das ganze Buch ist grotesk im besten Sinne, es amüsiert an den richtigen Stellen, doch sehr dicht unter der Oberfläche sitzt eine unbändige Wut und Verzweiflung über die Ungerechtigkeiten, die vor allem armen Frauen zustoßen. Es steckt so viel in diesem Buch, z.B. auch über Klassismus und die spanische Geschichte, dass mein einziger Kritikpunkt die Länge ist: anstatt 157 Seiten hätte ich gerne doppelt so viel gelesen. Große Empfehlung! Übersetzt von Christiane Quandt. CN: Abl3ismus, Zwangspr0stitution, G3walt, T0d, Tierle1d, M0rd, B0dyshaming, Krankheit, Kindst0d, Femiz1d
Ein völlig anderes - und genau deshalb richtig besonderes - Buch 😍
Ein Dorfleben früher wie heute - wer nicht zu den anderen passt, wer sich nicht der Norm entsprechend verhält, wer nicht dem Trott der Gemeinschaft folgt, wird ausgegrenzt und geächtet. Da können Generationen die vorherigen und die davor überleben, das wird sich niemals ändern. So geht es auch einer jungen Frau und ihrer Großmutter in Südspanien. Sie haben nie dazu gehört, sie wurden schon immer gemieden, ihr Ruf eilt ihnen voraus. Doch sie werden sich rächen - mit ihren eigenen, unvergleichlichen Mitteln. Diejenigen, die Leid über die Familie gebracht haben, sollen dafür bezahlen. 🦗🦗🦗 Schon ganz früh ist zu spüren, dass die Enkelin und die Großmutter über höhere Mächte verfügen. Doch, was sich zuerst nach einem Schauerroman anfühlt, nimmt für mich nach ein paar Kapiteln einen ganz besondere Entwicklung. Denn dass der Tod im Haus der beiden Frauen sein Unwesen treibt, wird von gruselig zu spannend zu magisch (im positivsten Sinne). Es ist gar nicht schlimm, dass Geister, Schatten und übernatürliche Kräfte beteiligt sind am Alltag dieses Hauses. Im Gegenteil, ich fiebere mit, habe Spaß an den Ritualen, bin gespannt, wann die Heiligen sich als nächstes blicken lassen. Und ich wünsche mir, dass das Haus immer mächtiger wird, dass es die bösen Menschen im Dorf in die Mangel nimmt, die der Familie unrecht getan haben. Es ist eine Geschichte über neu erstarkte Frauen, die sich rächen für ihr eigenes Schicksal und für die Frauen, die einst in diesem Dorf und in diesem Haus unterdrückt, verdammt und verstoßen, gequält und missh*ndelt wurden. Es ist eine Geschichte über Feminismus, über Machtmissbr*uch, über Misogynie, über Gerechtigkeit und Genugtuung und über die Hilfe von „oben“, die man sich im echten Leben so oft wünschen würde. Ich hatte eine wahre Freude am Lesen und ich habe die Paukenschläge geliebt, die das Dorf immer wieder zum Beben brachten.

Ein Horrorroman, der Ungleichheit, Spukhäuser und Rache vor einer chauvinistischen und heteronormierten Gesellschaft kombiniert 👻
„Sobald ich über die Schwelle war, hat sich das Haus auf mich gestürzt“. Nur dieser erste Satz reichte mir, um zu wissen, was für eine Art Buch ich hier vor mir habe: Geheimnis, Dunkelheit, Mystik und vor allem die Anwesenheit von etwas Unheimlichem, das erstickend scheint. In der Tat waren all dies die Komponenten, die diesen Roman ausmachten, aber es gab noch mehr: „Heiligenbilder und Heuschrecken“ ist kein Buch, das auf einen Satz reduziert werden kann. Aber lasst uns zur Geschichte selbst kommen. Entlang der Story haben wir ein paar interessante Charaktere, aber keine, die so eine starke und überwältigende Präsenz wie die des Hauses haben. Das Haus ist alles, was man von dem typischen genretypischen Stereotyp erwartet: groß, alt, unheimlich und behaftet mit einer erstickenden Geschichte, die sich im Laufe der Jahre fortsetzt und in seine Wände überträgt und diejenigen infiziert, die es bewohnen. In diesem Sinne funktioniert das Haus als eine Darstellung der Familie und spiegelt alles Schlechte, die Schatten, die jede Generation gesammelt hat - auch in gewisser Weise die Gesellschaft und die sich durchsetzenden geschlechtsspezifischen Bedingungen wider; in diesem Fall an diese Frauen, die Hass und Groll erben und sie mitreißen, die sie im Wesentlichen zu Opfern machen, sie aber auch gleichzeitig Opfer bringen lassen. Und ja, das Haus ist ein Käfig, aber auch eine Zone des Komforts und des Schutzes: Jenseits der Türen erweist sich die Welt als nicht viel besser. Durch die Geschichten unserer beiden Protagonisten, der Großmutter und ihrer Enkelin, wird eine ganze Abfolge von Fakten und Hintergründen entwirrt, die die weibliche Abstammung beeinflusste. Ein anderes Wort, das diesen Roman charakterisiert, ist Rache, verbunden mit einer Geschichte, die durch häuslichen und sexuellen Missbrauch, Gewalt und Klassismus befleckt ist. Aber es handelt sich nicht nur um eine Konfrontation zwischen zwei Geschlechtern, sondern die Autorin porträtiert auch die Misshandlung von ihnen und durch sie, wobei die Unvollkommenheiten der Familie zu Tage treten. Die Autorin ist präzise und aufschlussreich, wenn es darum geht, die Unterschiede in der Behandlung von Frauen im Allgemeinen, aber besonders von Frauen aus der Unterschicht, aufzuzeigen. Die Geschichte selbst fühlt sich sehr weltlich, realistisch an, das Haus selbst ist kein typisches Herrenhaus dieser Engländerinnen. Trotz des magischen Realismus, der im Hintergrund fließt, vermittelt die Erzählung Menschlichkeit (was auch immer das bedeutet). Es hat einen Hauch von Mystik, fühlte sich phantasievoll an. Es gab sogar eine Kritik am Bürgerkrieg in Spanien - daher möchte ich die Bedeutung des Gedächtnisses betonen, den Versuch, das Ausstehende zu lösen, die kollektiven Traumata, die weit entfernt, fremd erscheinen mögen, aber ohne dass diese es bemerken, Menschen definieren, sie zu dem machen, wer sie sind, ihre Identität ausbilden, praktisch so, als wären sie ein historisches Produkt. Ein Buch, das ich laut vorlesen musste, um den Zorn, die Rache und die Wut unserer Protagonisten zu spüren. Ein Horrorroman, der Ungleichheit, Spukhäuser und Rache vor einer chauvinistischen und heteronormierten Gesellschaft kombiniert, die, anstatt zu helfen und zu wachsen, in der Welt, in der wir leben, mehr ins Elend versenkt. Die Lektüre hat mich verblüfft, sowohl im positiven als auch im negativen Sinne. Positiv, weil die sehr starken Argumente über die Bedingungen der Armut und vor allem über die soziale Situation der Frau in einer vom Mann beherrschten Welt, in der sie als nur als Dienerin oder als Hausfrau gilt. Es ist nicht leicht, diese Situationen zu lesen, auch weil die Autorin zu Recht die Hand auf die Bosheiten legt, die der Mensch (Mann) der Frau zufügen kann. Denn das zuerst originell anmutende Schreiben der Autorin hatte mich zunächst neugierig gemacht und ließ mich meist befremdlich und erschöpft zurück, von den rohen Bildern des gelebten Lebens, erzählt als ein langer innerer Monolog mit somnambulen Spitzen und an der Grenze zum Halluzinogenen. Negativ hingegen, weil mich das Schreiben mit Fortschreiten der Seiten und Kapiteln ein wenig von der Geschichte entfernt hat, an einigen Stellen habe ich den Faden verloren und narrative Löcher hinter mir gelassen. Schließlich wurde die Geschichte zu nebulös, vielleicht wurde sie speziell von der Autorin kreiert, um die behandelten Argumente stärker zu betonen? Leider hat dies auch dazu geführt, dass ich abschweifte und mich nicht sehr in die Geschichte involviert fühlte. Insgesamt eine gute Entdeckung! Ich werde wieder etwas von der Autorin lesen und hoffe, dann nicht mehr auf meine hier angeführten Kritikpunkte zu stoßen.
Rachedurst
Sehr eindringliche und besondere Geschichte über Rache, fehlende Chancengleichheit, Missstände und Armut. Und über zwei Frauen, die in einem Haus mit den Toten leben und die es Männern nicht durchgehen lassen, von den Frauen zu leben. Großartig anders und absurd- auf die gute Art und Weise.
„Heiligenbilder und Heuschrecken“ von Layla Martínez ist eine außergewöhnliche feministische Rachegeschichte, die durch ihren magischen Realismus und ihre erzählerische Brillanz besticht. In einem abgelegenen Dorf in Südspanien leben eine Enkelin und ihre resolute Großmutter als Außenseiterinnen in einem von Geheimnissen behafteten Haus, das von Schatten und unheimlichen Geräuschen heimgesucht wird. Als der kleine Sohn der einflussreichsten Familie des Dorfes verschwindet, geraten die beiden Frauen ins Visier des Dorfes und müssen sich ihrer eigenen düsteren Vergangenheit stellen. Das Buch entfaltet seine Geschichte in wechselnden Kapiteln aus der Perspektive der beiden Frauen. Während die Enkelin verzweifelt versucht, dem Haus und seinem bedrückenden Erbe zu entkommen, kämpft sie gegen das Schicksal und ihre Vergangenheit, die sie wie ein Netz gefangen hält. Ihre fest in ihrem Glauben verankerte Großmutter hingegen, weiß genau, mit welchen Heiligen sie für ihre Anliegen in Kontakt treten muss und kämpft mit unerschütterlicher Entschlossenheit gegen die Unterdrückung durch die patriarchale Gesellschaft. Martínez zeichnet ein düsteres Bild der Ausbeutung der Armen durch die Reichen und der Unterdrückung der Frauen. Dabei schafft sie eine eindringliche Atmosphäre und verleiht ihren beiden Protagonistinnen eine einzigartige Widerstandskraft. Die Erzählung ist temporeich und stimmungsvoll, die Sprachführung des Romans ebenso dynamisch wie seine Handlung, was dem Buch eine einzigartige Intensität verleiht. Atemlose, lange Sätze spiegeln die Unruhe und das Temperament der Enkelin wider, während die Großmutter in ruhigeren, geordneten Worten ihre Sicht der Dinge erzählt. Die Themen Gerechtigkeit, Unterdrückung, transgenerationale Traumata und weibliche Wut werden gekonnt miteinander verwoben, während die Geschichte unaufhaltsam auf einen atemberaubenden Höhepunkt zusteuert. Auf knapp 160 Seiten gelingt es Martínez, ein intensive Familiengeschichte voller Spannung, Atmosphäre und unerwarteter Wendungen zu erschaffen, die sowohl die Härte des Alltags als auch die gesellschaftlichen Missstände meisterhaft beleuchtet. „Heiligenbilder und Heuschrecken" ist ein fesselnder Roman, der mit seiner tiefgründigen Erzählweise, den lebendigen Charakteren und der wilden Mischung aus Horror und Feminismus nachhaltig beeindruckt. Eine ganz klare Leseempfehlung für alle, die literarische Kunst auf höchstem Niveau schätzen. Aus dem Spanischen von Christiane Quandt.

Bereits im Frühjahr erschien „Heiligenbilder und Heuschrecken“ von Layla Martínez und hat dort bereits meine Neugier geweckt. Da es inhaltlich eine düstere Atmosphäre verspricht, habe ich es erst im Herbst gelesen. Diese Geschichte begleitet zwei Frauen, welche sich für die Unterdrückung und Misshandlung rächen, die ihnen angetan wurde. Der Fokus liegt dabei auf dem Machtmissbrauch von Männern gegenüber Frauen im Patriarchat. Die ganze Story spielt in einem verfluchten Haus, in dem allerlei Kurioses in den Schatten wohnt. Mit viel Humor werden die Gespenster geschrieben, wodurch klar wird, dass die Frauen mehr Angst von den mächtigen Männern haben, als vor dem Übernatürlichen im Haus. Für feministische Rachegeschichten mit einer gewissen Absurdität bin ich immer zu haben, dementsprechend hat das Buch komplett meinen Geschmack getroffen. 🍂🌚🖤

In einem alten Haus irgendwo im Nirgendwo Südspaniens leben eine Großmutter und ihre Enkeltochter. Mit ihnen tauchen im Haus immer wieder die Schatten Verstorbener und Heilige, welche der Großmutter erscheinen und ihr zu Diensten sind, auf. Die Frauen leben ein einfaches Leben und sind im Dorf verschrien als Sonderlinge. Die Enkelin beginnt gegen den Willen ihrer Großmutter für eine reiche Familie im Dorf zu arbeiten, welche ihre Bediensteten schlecht behandelt und unterbezahlt. Eines Abends verschwindet der Sohn dieser Familie genau dann, als die Enkeltochter auf ihn aufpassen soll. Schnell wird sie zur Verdächtigen... Die Geschichte klingt wirklich gut, finde ich. Der Aufbau und die Sprache des Romans haben es mir allerdings sehr schwer gemacht, das Buch genießen zu können. Zum Verschwinden des Jungen kommt es nämlich erst nach circa zwei Dritteln des Buches. Bis dahin wird lange über die Familiengeschichte der zwei Frauen erzählt und wie die Frauen der Familie es schon immer schwer hatten, nicht zuletzt wegen Männern, die sie schlecht behandelt haben. Auch ok, aber irgendwie wäre ich gerne schneller zum eigentlichen Thema des Buches gekommen. Die Sprache fand ich richtig müßig. Es gibt zum Beispiel keine Kommasetzung bei Aufzählungen und es wird ohne Unterlass das Wörtchen "wie" anstelle von "als" verwendet. Alles nicht schlimm, aber ich bleibe bei solchen Sachen dann einfach ständig hängen. Als positiv empfand ich die feministischen Gedanken, die zahlreich im Buch untergebracht sind, zum Beispiel, dass es egal ist, in welchem Milieu du lebst, Frauen können immer schlecht durch Männer behandelt werden. Es war ein kurzes Buch, das mich aber doch etwas Zeit gekostet hat, da ich leider nie so richtig in den Lesefluss gekommen bin.

Grandios
•Buchrezi• 😨 Zum Inhalt: Irgendwo in Spanien steht ein Haus. Dort leben eine Großmutter und ihre Enkelin. In diesem Haus lauern Seelen, manchmal gucken Schuhe unter dem Bett hervor, manchmal hört man Schritte, ab und zu tauchen sogar Gestalten auf. Die Nachbarn reden… die Enkelin ist im Ort in Verruf geraten. Sie sollte den Nachbarsjungen hüten, der daraufhin spurlos verschwunden ist. Sie schweigt jedoch. Was ist dem Jungen also zugestoßen? Was hat es mit dem Haus auf sich, welches schon seit Generationen im Familienbesitz ist? Warum haben ausgerechnet dort die Toten entschieden zu verweilen? Mein Fazit: Was für ein Buch auf 160 Seiten. Horror, Feminismus, Frauen, die in ihrer persönlichen Hölle gefangen sind… Das Buch wird abwechselnd aus der Sicht der Enkelin und der Großmutter erzählt. Der Schreibstil ist sehr umgangssprachlich. Wer hier erwartet, dass das Buch in einer anderen Zeit spielt, täuscht sich. Auch wenn man wenig erfährt, spielt die Geschichte zum Großteil in der Gegenwart. Was mich zwar gewundert hat, mir aber trotzdem gut gefiel. Die beiden Frauen leben ein karges Leben, in einem speziellen Haus. Welches für die beiden aber nicht gruselig ist, allenfalls mal lästig, manchmal auch interessant. Wer „Die Farbe von Milch“ mochte, wird dieses Buch lieben. Ich mochte alles daran! Auch wenn der Schreibstil super gewöhnungsbedürftig ist, hat er perfekt zur Atmosphäre gepasst. Die Charakter sind kernig/rotzig, genau wie das Essen 😅. Auch der feministische Ansatz ist hier gut eingearbeitet worden. Ich vergebe volle ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️!

"[A]us diesem Haus kommt niemand weg. Wir sitzen hier fest, wir und die Schatten. So hat es meine Mutter immer gesagt. Wir sitzen hier fest, bis sie uns mitnehmen, das hat sie immer gesagt." (S. 67) Ein Haus, das seine Bewohner verschluckt, ein Schrank, der flüstert und Heiligenbilder, die die einen schützen und die anderen verfluchen sollen. Ein karges Dorf in Spanien ist der Handlungsort dieser Geschichte, die uns im Wechsel von einer Großmutter und ihrer Enkelin erzählt wird. Eine Geschichte, die sich auf ähnliche Weise stetig zu wiederholen scheint. Das Haus, in dem die beiden Frauen leben, steht für eine Welt, in der Frauen buckeln müssen, sich unterordnen, kaputtgehen, sich Verbündete suchen und doch keine Unterstützung erfahren. Stattdessen verschwinden sie und was bleibt, sind ihre Geister und Dämonen. Sprachlich stark, schreibt Layla Martínez in "Heiligenbilder und Heuschrecken", wie sich eine generationenlange Wut entlädt. Der Roman ist eine feministische Rachegeschichte, die gesellschaftliche Themen wie Misogynie, Klassenunterschiede und Gewalt aufgreift. Auf mich ist die Kraft ihrer Erzählung jedoch nicht übergesprungen. Die Erzählstränge waren mir oft mühsam und die Gefühlswelt der beiden Frauen konnte mich nicht einnehmen. Obwohl die Geschichte viele Themen anspricht, blieb sie für mich emotional distanziert.
1,5 Sterne Rüde Sprache, in ungelenken Satzstellungen, die den Kontrast zur Oberschicht aufmachen soll. Eine Familie aus ärmlichen Verhältnissen, von Hunger und Elend durch Generationen geplagt, als Dienstkräfte der feinen Gesellschaft, Häme und unwürdiger Behandlung ausgesetzt, schlittert zusätzlich in gewalttätige und missbräuchliche Verhältnisse mit Männern. Das Buch legt die Geschichte der Familie deterministisch an. Niemand kommt aus diesem Sozialgefüge heraus. Das lebendige Haus, in dem die Schatten und Geister sich tummeln, als Symbol des Gefängnisses dieser Frauen und der Männer, die diesem einverleibt wurden. Der magische Realismus ist in seiner Symbolik plump und plakativ gehalten. Wackelnde Wände, Nebel aus dem Kleiderschrank, klapperndes Geschirr, schlagende Türen. Die Sprache öffnet nicht. Man stolpert darüber. Nach und nach entblättert sich die Geschichte von Großmutter ihrer Tochter und der Enkelin. Dies geschieht in kreisenden Bewegungen, um Hass, Wut und Machtlosigkeit. Im realen Leben ist keine Selbstermächtigung zu erwarten. Also müssen die Heiligenfiguren dies übernehmen. Es werden magische Knoten geknüpft, gebetet, beschworen und siehe da, es geschehen den verhassten Menschen böse Dinge. In der Kürze liest sich das Buch äußerst redundant. Die erzählenden Figuren, Großmutter und Enkelin nutzen wiederholend dieselben Phrasen und drehen sich um dieselben Gedanken. Das, was die Autorin letztendlich erzähl, ist viel zu wenig und wird zudem äußerst distanziert aufgebaut. Wut und Verderben, werden hauptsächlich durch Worte geschildert. Die Autorin verpasst es dieses Schmerzvolle in echtes Erleben zu weben. Am ehesten erinnert mir dieser Versuch der Autorin an eine Kombination aus [b:Paradais|59072193|Paradais|Fernanda Melchor|https://i.gr-assets.com/images/S/compressed.photo.goodreads.com/books/1632559541l/59072193._SY75_.jpg|87638086], um die Atmosphäre und den Klassismus zu entleihen und [b:Die Kinder der Toten|1956230|Die Kinder der Toten|Elfriede Jelinek|https://i.gr-assets.com/images/S/compressed.photo.goodreads.com/books/1459626531l/1956230._SY75_.jpg|3157432], in der Wut und der Heimsuchung der Toten.
























