Kleine Schwächen

Kleine Schwächen

Hardback
4.088

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Description

Ein zweifelhafter Hinweis genügt und schon wird die zehnjährige Lucy des Mordes an einer jüngeren Spielgefährtin verdächtigt. Der Fall spaltet die Gesellschaft. Denn während das Opfer aus gutem Hause kam, lebt Lucy Anfang der 1990er-Jahre mit ihrer jungen irischen Mutter Carmel in einer Südlondoner Sozialsiedlung. Lucy ist schon häufiger auffällig geworden, und Carmel ist vor allem Männern ein Dorn im Auge. Sie ist schön, aber abweisend, gebrochen und unerreichbar. Als ein Journalist versucht, Carmels Vertrauen zu gewinnen, bahnt sich eine mediale Hetzjagd an, angefeuert von Fremdenhass und Misogynie. Und Carmel und Lucy blicken erneut in die Abgründe, die sie aus Irland hierhergeführt haben. »Adolescence« hat uns wachgerüttelt, was männliche Täterschaft angeht. Aber was, wenn die Täterin ein Mädchen ist? Eine packende, psychologisch scharfsinnige Geschichte über Klasse und Trauma, Scham und Gewalt

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Hardback
Pages
256
Price
24.70 €

Author Description

Megan Nolan wurde 1990 in Waterford, Irland, geboren. Sie hat Essays für die »New York Times« und den »Guardian« geschrieben. 2021 erschien ihr Debüt »Verzweiflungstaten. »Kleine Schwächen« ist Megan Nolans erster Roman im Kjona Verlag.

Posts

24
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3

Eine Familiengeschichte über Trauma, Schweigen und die Frage, wie viel Herkunft ein Leben bestimmt.

Triggerwarnung: Dieses Buch thematisiert unter anderem Gewalt unter Minderjährigen, ein Tötungsdelikt, Alkoholismus, Vernachlässigung, Kindeswohlgefährdung, ungewollte Schwangerschaft, psychische Erkrankungen, Machtmissbrauch, Scham, Misogynie und Klassismus. In Kleine Schwächen steht die zehnjährige Lucy im Mittelpunkt, die Anfang der 1990er-Jahre in einer Londoner Sozialsiedlung lebt und plötzlich unter Mordverdacht gerät. Während Polizei, Nachbarschaft und Medien versuchen, aus dem Fall eine klare Geschichte zu machen, entfaltet sich nach und nach das Porträt einer Familie, die seit Generationen von Armut, Scham, emotionaler Vernachlässigung und ungelösten Traumata geprägt ist. Meine Erwartungen an das Buch gingen zunächst in eine ganz andere Richtung, vor allem wegen des Klappentextes. Ich dachte, der Fokus würde viel stärker auf dem Fall des toten Mädchens liegen und auf der Frage, was genau passiert ist. Stattdessen entpuppt sich der Roman eher als Familiengeschichte beziehungsweise als Familientragödie. Nach und nach werden die verschiedenen Familienmitglieder vorgestellt, ihre Geschichten entfalten sich durch Rückblicke und Zeitsprünge. Dabei geht es letztlich weniger um den eigentlichen „Fall“, sondern vielmehr um das große Ganze drum herum – die Menschen, ihre Vergangenheit und das System, in dem sie leben. Besonders stark fand ich die Darstellung davon, wie sich Traumata und dysfunktionale Muster über Generationen hinweg weitervererben. Niemand in dieser Familie wirkt wirklich grausam oder „böse“ im klassischen Sinne, sondern vielmehr emotional beschädigt, überfordert oder nie in der Lage gewesen, sich Hilfe zu holen. Das Buch zeigt sehr eindringlich, wie Armut, Alkoholismus, emotionale Vernachlässigung und Scham Menschen formen und wie schwer es ist, aus solchen Strukturen auszubrechen. Gerade dadurch wirkte die Geschichte auf mich oft unglaublich bedrückend. Man merkt bei fast jeder Figur, dass sie selbst schon als Kind geprägt oder verletzt wurde und diese Verletzungen dann wiederum weitergibt. Vor allem die Familiengeschichte, die im Verlauf immer weiter aufgefächert wird, fand ich wirklich stark. Die Kapitel über John, seine Mutter, Louise, Rose, Richie und schließlich Carmel zeigen sehr deutlich, wie sich bestimmte Muster durch die Generationen ziehen. Niemand spricht offen über Gefühle, niemand verarbeitet seine Traumata richtig und stattdessen werden Schweigen, Scham und Verdrängung weitergegeben. Besonders tragisch fand ich dabei, dass Lucy im Grunde von Anfang an in ein völlig dysfunktionales Umfeld hineingeboren wurde und schon als Kind emotional sich selbst überlassen war. Auch gesellschaftlich behandelt das Buch viele interessante Themen. Es beschreibt sehr gut, wie Menschen oft allein dafür verurteilt werden, wo sie herkommen, in welches soziale System sie geboren wurden und wie ihre Familie nach außen wirkt. Carmel wird dabei zur Projektionsfläche für Misogynie, Klassismus und Vorurteile. Gleichzeitig zeigt der Roman, wie sensationsgierig Medien mit solchen Fällen umgehen und wie schnell aus menschlichem Leid eine Schlagzeile gemacht wird. Der Journalist Tom erfüllt dabei eine wichtige Funktion für die Geschichte, weil durch ihn diese mediale Dynamik sichtbar wird. Trotzdem muss ich sagen, dass ich mich mit seiner Perspektive etwas schwergetan habe. Ich verstehe absolut, warum die Rolle der Presse für den Plot wichtig war, und thematisch passt das auch gut zum Roman. Aber der Spannungsbogen, der mit und um Tom aufgebaut wurde, wurde für mich am Ende nicht wirklich eingelöst. Teilweise hatte ich sogar das Gefühl, dass seine Kapitel den eigentlichen Kern der Geschichte eher unterbrechen, weil mich die Familiengeschichte selbst deutlich mehr interessiert hat. Mein größtes Problem mit dem Buch war aber der Schreibstil beziehungsweise die emotionale Distanz. Obwohl man sehr viel über die Vergangenheit und die inneren Konflikte der Figuren erfährt, blieb für mich trotzdem alles seltsam weit weg. Ich konnte mit kaum einer Figur wirklich mitfühlen oder eine echte emotionale Bindung aufbauen. Gerade weil das Buch von so schweren Themen lebt, hätte ich mir gewünscht, emotional stärker hineingezogen zu werden. Stattdessen hatte ich oft das Gefühl, die Figuren eher von außen zu beobachten. Dadurch fiel es mir leider auch schwer, richtig durch das Buch zu kommen. Obwohl es gar nicht besonders viele Seiten hat, habe ich ungewöhnlich lange dafür gebraucht. Nicht, weil es schlecht geschrieben wäre – im Gegenteil, viele Beobachtungen und Gedanken fand ich sehr klug –, sondern weil mir einfach eine Figur gefehlt hat, zu der ich wirklich eine Verbindung aufbauen konnte. Trotzdem finde ich, dass Kleine Schwächen ein interessantes und wichtiges Buch ist, das viele gesellschaftliche und familiäre Themen sehr differenziert behandelt. Besonders die Darstellung von generationenübergreifenden Traumata und emotionaler Vernachlässigung ist eindringlich gelungen. Für mich persönlich blieb das Buch emotional aber zu distanziert, weshalb es mich trotz der starken Themen nicht vollständig überzeugen konnte.

4.5

"Carmel war nicht grausam zu dem Kind. Sie schlug Lucy nicht, ging nicht grob mit ihr im. Ihre Worte waren knapp, aber nicht harsch. Sie hatte lediglich alles so eingerichtet, dass sie nicht der wahnwitzigen Sache ins Gesicht sehen müsste, dass dieses DING aus ihr uns Derek wirklich existierte" 💔🖤

⭐⭐⭐⭐⭐☆ (4,5 von 5 Sternen) Im Innenhof eines Londoner Mietshauses treffen sich in den 90er-Jahren Kinder zum Spielen, bis die dreijährige Mia tot aufgefunden wird. 🕊️ Zufällig ist an diesem Tag der junge Journalist Tom in der Nachbarschaft unterwegs und wittert die Story seines Lebens. 📰 Schnell fällt der Verdacht auf die zehnjährige Lucy Green, die zuletzt mit Mia gesehen wurde. Doch dieses Buch ist weit mehr als ein Kriminalfall. Auf rund 250 Seiten entfaltet sich eine zutiefst erschütternde Familientragödie. 💔 Es geht weniger um die Tat selbst als um die Frage, wie es überhaupt so weit kommen konnte und wie gnadenlos schnell eine Gesellschaft urteilt. Besonders dann, wenn die Betroffenen aus einer sozial schwachen Schicht stammen. Im Kern erzählt die Geschichte von Klassenunterschieden, Vorurteilen und dem gefährlichen Halbwissen, das Menschen so bereitwillig zu „Wahrheiten“ formen. Es geht um eigene Überzeugungen, um voreilige Schlüsse und darum, wie wenig Raum manchmal für echte Hintergründe bleibt. Erschreckend ist vor allem, wie schnell ein besonderes, ohnehin verletzliches Mädchen in ein bestimmtes Licht gerückt wird, ohne eine echte Chance, sich zu erklären. Man glaubt ihr nicht. Man will ihr vielleicht auch gar nicht glauben. 😔 Und genau das macht diese Geschichte so beklemmend, weil es in der Realität viel zu oft genauso geschieht. Nach und nach erfahren wir, was in der Vergangenheit der Familie Green geschehen ist und unter welchen Umständen Lucy aufgewachsen ist. Themen wie Alkoholmissbrauch, Verwahrlosung, fetales Alkoholsyndrom und Gewalt werden schonungslos und gleichzeitig sensibel behandelt. Es ist schmerzhaft zu lesen, wie sehr Herkunft, Umfeld und fehlende Unterstützung ein Kinderleben prägen können und wie schnell daraus ein Stempel wird, den man nicht mehr loswird. ⚖️ Den halben Stern ziehe ich ab, weil mir die Perspektive der Familie des Opfers etwas zu kurz kam. Hier hätte ich mir mehr Tiefe und emotionalen Einblick gewünscht. Trotzdem – oder gerade deshalb – ist es ein sehr beeindruckendes Buch. Bewegend, aufwühlend und lange nachhallend. ✨ Ich habe es innerhalb von zwei Tagen verschlungen und konnte es kaum aus der Hand legen. 📖

"Carmel war nicht grausam zu dem Kind. Sie schlug Lucy nicht, ging nicht grob mit ihr im. Ihre Worte waren knapp, aber nicht harsch. Sie hatte lediglich alles so eingerichtet, dass sie nicht der wahnwitzigen Sache ins Gesicht sehen müsste, dass dieses DING aus ihr uns Derek wirklich existierte" 💔🖤
4

"Inzwischen wusste sie, dass es so einfach nicht war, dass alles was man getan und versäumt hatte, nicht einfach überschrieben werden konnte, nicht einmal durch Liebe." Ein Buch darüber was vorschnelles Urteilen, Glaubenssätze und Stereotype anrichten können. Wie wichtig es ist, dass wir unseren Kindern Vertrauen und Glauben schenken. Wie wichtig das Gefühl ist, welches wir unseren Kindern in den ersten Lebensjahren mitgeben... dass wir damit den Grundstein legen. Der Schreibstil gefiel mir sehr gut. Manchmal wurden Dinge nur angedeutet und ich hätte mir gewünscht dort noch mehr rein zu gehen, aber vielleicht macht genau das den Charme aus, dass auch in unseren Köpfen durch Andeutungen Bilder und Geschichten entstehen und wir uns nicht sicher sein können... sondern nur mutmaßen.

"Inzwischen wusste sie, dass es so einfach nicht war, dass alles was man getan und versäumt hatte, nicht einfach überschrieben werden konnte, nicht einmal durch Liebe." 

Ein Buch darüber was vorschnelles Urteilen, Glaubenssätze und Stereotype anrichten können. Wie wichtig es ist, dass wir unseren Kindern Vertrauen und Glauben schenken. Wie wichtig das Gefühl ist, welches wir unseren Kindern in den ersten Lebensjahren mitgeben... dass wir damit den Grundstein legen. 

Der Schreibstil gefiel mir sehr gut. Manchmal wurden Dinge nur angedeutet und ich hätte mir gewünscht dort noch mehr rein zu gehen, aber vielleicht macht genau das den Charme aus, dass auch in unseren Köpfen durch Andeutungen Bilder und Geschichten entstehen und wir uns nicht sicher sein können... sondern nur mutmaßen.
4

»Das Geheimnis ist, dass wir eine ganz gewöhnliche Familie sind«

Die zehnjährige Lucy wird verdächtigt einem Mord an ihrer Spielgefährtin Mia verübt zu haben. Zumindest wurde sie als letztes mit ihr gesehen. Ihr Bruder Richie hätte eigentlich auf sie aufpassen sollen, war aber wie immer zu betrunken. Und Lucys Mutter Carmel? Sie spürte, seitdem sie Gewissheit erlangt hatte, dass sie schwanger war, Abneigung gegenüber ihrem Kind. Dementsprechend nahm ihre Mutter – Lucys Oma Rose – die Erziehung in den Griff, damit Lucy sich nicht in weitere Vorfälle verwickelt wiederfand und dadurch auf die schiefe Bahn gerät. Zeitgleich zu dem tragischen Vorfall zwischen den beiden Mädchen, befand sich der Journalist Tom in eben jener Londoner Sozialsiedlung, bekam Wind davon und hörte sich bereits bei den Nachbarn um – insbesondere, ob diese Familie Anlass zu diesem Vorfall gab. Seite für Seite entfaltet der Roman nach und nach die Geschichte der Familie, über den von Carmel stets geheim gehaltenen Vater von Lucy und deren anfangs hoffnungsvoll anbahnende Liebesgeschichte, die dieser jäh zerbrechen lässt. Carmel bemerkt erst Wochen später ihre Schwangerschaft, möchte wie nicht wahrhaben und nimmt alles dafür in Kauf, dass sie das Kind nicht gebären muss. Ein Roman, in dessen Mittelpunkt zwar der Mord an dem Mädchen Mia steht, doch dessen Stärke sich über die – wie ein Puzzle – zusammensetzende Geschichte der Familie definiert.

3.5

Der Roman kreist um die zehnjährige Lucy, die Anfang der 1990er-Jahre in einer Südlondoner Sozialsiedlung lebt und plötzlich unter Mordverdacht steht. Ihre Mutter Carmel – jung, schön, abweisend, verletzlich – wird zur Projektionsfläche einer Gesellschaft, die Klassismus, Misogynie und Fremdenhass bereitwillig auf eine Familie lädt, die sich kaum wehren kann. Ein Journalist dringt in ihr Leben ein, und die mediale Dynamik wird zum zweiten, ebenso zerstörerischen Tatort. Nolan zeichnet Carmel nicht als Opfer, sondern als komplexe Figur, deren Härte, Scham und Überlebenswille sich aus biografischen Brüchen speisen. Die wechselnden Blickwinkel – von der Mutter über den Reporter bis hin zu gesellschaftlichen Stimmen – erzeugen ein Panorama, das an ein Gerichtsverfahren erinnert und zugleich ein Familienpsychogramm bleibt. Die Südlondoner Siedlung, die irische Herkunft, die prekären Lebensverhältnisse – all das wird ohne Voyeurismus, aber mit scharfem Blick erzählt. Nolan schreibt klar, direkt, ohne ornamentale Ablenkung. Die Sprache ist präzise, atmosphärisch und unaufgeregt, was die Wucht der Themen noch verstärkt. Besonders gelungen ist, wie sie soziale Gewalt – strukturell wie intim – in kleinen Gesten sichtbar macht. "Kleine Schwächen" ist ein intensiver, klug komponierter Roman, der soziale Verwundbarkeit und weibliche Verletzlichkeit ohne Sentimentalität erzählt. Seine größte Stärke liegt in der psychologischen Genauigkeit und der sozialen Schärfe; seine Schwäche in einer gelegentlich zu offensichtlichen Dramatisierung. Trotzdem: ein Roman, der lange nachhallt und die Frage stellt, wie schnell eine Gesellschaft bereit ist, Schuldige zu finden – und wie selten sie bereit ist, hinzusehen.

4

Ehrlich, schonungslos, roh und dennoch sensibel 🩶

Meine Erwartungen an Kleine Schwächen gingen zunächst in eine ganz andere Richtung. Ich dachte, der Fokus würde viel stärker auf dem Fall des toten Mädchens liegen. Stattdessen entpuppt sich das Buch eher als Familiengeschichte – oder besser gesagt als Familientragödie. Nach und nach werden die verschiedenen Familienmitglieder vorgestellt, ihre Geschichten entfalten sich durch Rückblicke und Sprünge in die Gegenwart. Im Kern erzählt der Roman vor allem von Klassenunterschieden und davon, wie gefährlich Vorurteile sein können – besonders dann, wenn sie schnell zu Vorverurteilungen führen. Durch die Perspektiven der anderen Familienmitglieder wird zunehmend verständlicher, unter welchen Umständen die zehnjährige Lucy, die des Mordes verdächtigt wird, aufwächst. Themen wie Alkoholmissbrauch, Verwahrlosung und Gewalt spielen dabei eine zentrale Rolle. Die Geschichte wirkt sehr ehrlich und schonungslos, gleichzeitig werden die schwierigen Themen sensibel behandelt. Auch wenn ich ursprünglich etwas anderes erwartet hatte, wurde ich letztlich nicht enttäuscht. Allerdings kam mir die Sicht der Opferfamilie deutlich zu kurz. Insgesamt eine tragische Geschichte, die zum mitfühlen anregt 💔

Ehrlich, schonungslos, roh und dennoch sensibel 🩶
5

KLEINE SCHWÄCHEN Megan Nolan ET: 17.02.26 Die kleine Mia ist tot. Zuletzt wurde sie beim Spielen mit der zehnjährigen Lucy gesehen. Im Londoner Viertel scheint der Fall schnell klar zu sein: Lucy ist das jüngste Kind einer als „asozial“ abgestempelten Familie, die einst aus Dublin eingewandert ist. Gerüchte verbreiten sich rasch, und während die Nachbarschaft das Mädchen bereits verurteilt, nimmt die Polizei sie in Gewahrsam. Der Journalist Tom stößt zufällig auf den Fall und wittert die Chance auf eine große Story. Die Zeitung bietet der Familie an, sie in einem abgelegenen Hotel unterzubringen – angeblich zu ihrem Schutz. Doch Tom verfolgt eigene Ziele: Er will mehr über die Vergangenheit der Familie erfahren und die Gründe für ihren Wegzug aus Dublin aufdecken. In Rückblenden entfaltet sich nach und nach die Geschichte dieser Familie – eine Geschichte, die von scheinbar „kleinen Schwächen“ geprägt ist, mit weitreichenden Folgen. Was für ein beeindruckendes Buch! In diesem schmalen Band steckt unglaublich viel: Es geht um Vorurteile gegenüber Iren in England, um Vernachlässigung und Gewalt innerhalb von Familien und um all das Ungesagte und Verdrängte, das in den 90er-Jahren lange Zeit als normal galt. Der Schreibstil von Megan Nolan ist unglaublich stark und ließ mich nur so durch die Seiten fliegen. Fazit: Ein kluger, beklemmender Roman über Schuld, Wahrnehmung und die fatalen Folgen dessen, was wir allzu leicht als „kleine Schwächen“ abtun. 5/5

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Was passiert, wenn ein Verdacht genügt, um ein Kind zur Täterin zu machen? „Kleine Schwächen“ von Megan Nolan ist kein Kriminalroman und keine Schauergeschichte über ein „böses“ Mädchen. Es ist ein erschütterndes Sozialdrama über Klasse, Trauma und die zerstörerische Macht öffentlicher Zuschreibungen – erzählt mit großer psychologischer Genauigkeit und ohne jeden moralischen Trost. Im Südosten Londons der frühen 1990er-Jahre wird ein kleines Mädchen tot aufgefunden. Der Verdacht fällt rasch auf die zehnjährige Lucy, die mit ihrer jungen irischen Mutter Carmel in einer Sozialsiedlung lebt. Lucy ist „auffällig“, Carmel schön, verschlossen und unbequem – genug, um in den Augen von Nachbarn, Polizei und Presse als Projektionsfläche zu dienen. Während das Opfer aus gutem Hause stammt, gehört Lucys Familie zur Unterschicht. Diese Konstellation genügt, um ein gesellschaftliches Urteil zu fällen, lange bevor ein rechtliches überhaupt denkbar wäre. Megan Nolan richtet den Blick nicht auf die Frage nach Schuld oder Unschuld, sondern auf das Innenleben einer Familie, die seit Jahren im Ausnahmezustand lebt. Carmel wurde als Teenagerin ungewollt schwanger und floh aus dem streng katholischen Irland nach England. Um sie herum: ein alkoholkranker Bruder, ein gebrochener Vater, eine Großmutter, die verzweifelt versucht, Halt zu geben. Lucy wächst in einem fragilen Gefüge auf, in dem Fürsorge und Überforderung, Nähe und Vernachlässigung unauflöslich ineinandergreifen. Dass sie in den Fokus eines Mordverdachts gerät, wirkt weniger wie ein Ausreißer als wie die brutale Zuspitzung eines ohnehin prekären Lebens. Besonders scharf zeichnet Nolan die Rolle der Medien. Der Reporter Tom, der sich als Beschützer inszeniert, verfolgt in Wahrheit vor allem sein eigenes berufliches Fortkommen. Er hört Gerüchte, reproduziert Vorurteile und verkauft Nachbarschaftsmeinungen als Tatsachen. Die Hetzjagd auf Lucy und ihre Familie zeigt exemplarisch, wie Skandaljournalismus funktioniert: Schuld wird konstruiert, nicht ermittelt. Ob Lucy tatsächlich etwas mit dem Tod des Mädchens zu tun hat, wird dabei nebensächlich. Sprachlich bleibt der Roman nüchtern und kontrolliert. Nolan verzichtet auf Effekte, auf Überzeichnung oder Sensation. Gerade diese Zurückhaltung macht die Beklemmung so groß. Die Perspektive ist nah an den Figuren, ihre inneren Risse und unausgesprochenen Ängste werden schonungslos sichtbar. „Kleine Schwächen“ zeigt, wie Gewalt sich fortsetzt – nicht nur in Taten, sondern in Blicken, Worten, institutionellem Versagen und öffentlicher Verachtung. Dieser Roman ist schwer auszuhalten, weil er so realistisch ist. Er erzählt von einer Gesellschaft, die lieber Schuldige sucht als Strukturen hinterfragt, und von einem Kind, das unter der Last kollektiver Projektionen zusammenzubrechen droht. „Kleine Schwächen“ ist ein leises, wuchtiges Buch, das lange nachwirkt – und das eindringlich daran erinnert, wie schnell Mitgefühl in Vorverurteilung kippen kann. Ein außergewöhnlicher, beklemmender Roman, der genau hinsieht, wo andere wegschauen. Aus dem Englischen von Stefanie Ochel.

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4.5

Leise und doch laut

„Kleine Schwächen“ ist mein zweites Buch aus dem Lesen ist Liebe Abo und definitiv hat es mir sehr viel besser gefallen als das erste. Der Schreibstil ist sehr angenehm. Dieses Buch fühlt sich sehr leise an und doch sind die Themen der Familie so laut. Die Emotionen der Protagonisten sind so greifbar und tief beschrieben, dass man sehr schnell mitfühlt. Ich habe einen kurzen Moment gebraucht um in die Story rein zu kommen, da man gefühlt direkt rein geworfen wird. Es gibt keine große Dramatik, keinen greifbaren „Höhepunkt“, die Erzählgeschwindigkeit ist ruhig und trotzdem fesselt es einen weil es so viel Tiefe hat. Ich mag es sehr. Auch dieses Buch hätte ich mir wahrscheinlich nicht gekauft, nur dieses Mal bin ich sehr froh es bekommen und gelesen zu haben.

5

Schuld & Vorurteile - ein kluger Gesellschaftsroman

Im Mittelpunkt steht Lucy, Carmels Tochter, ein Mädchen aus einer irischen Einwandererfamilie, das in einer Londoner Sozialbausiedlung aufwächst. Als ein Mädchen aus der Nachbarschaft verschwindet und später tot aufgefunden wird, gerät Lucy plötzlich unter Mordverdacht. Schnell richtet sich die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sie und ihre Familie. Und genau hier setzt der Roman an: Wie schnell entsteht ein Bild von Schuld, wenn jemand ohnehin am Rand der Gesellschaft steht? Ein Kind aus einer armen, dysfunktionalen Familie – für viele scheint es fast naheliegend, dass Lucy die Täterin sein könnte. Doch Megan Nolan interessiert sich weniger für die Tat als für das Umfeld dieser Familie. Nach und nach entfaltet sich ein Bild ihres Lebens – geprägt von Klassismus, gesellschaftlicher Verachtung, Alkoholabhängigkeit und dem Gefühl, nie wirklich dazuzugehören. Besonders eindrücklich fand ich die Beziehung zwischen Lucy und ihrer Mutter Carmel. Zwischen ihnen besteht nie eine klassische Mutter-Tochter-Dynamik. Carmel wirkt oft überfordert und emotional distanziert – zugleich steht sie als junge, attraktive Frau ständig unter gesellschaftlicher Bewertung, wodurch auch Misogynie spürbar wird. Beim Lesen hat mich immer wieder eine Frage begleitet: Könnte Lucy wirklich zu so einer Tat fähig sein – oder ist sie einfach das perfekte Ziel für eine Gesellschaft, die schnell jemanden zum Schuldigen machen möchte? Auch der Schreibstil hat mich sehr beeindruckt. Megan Nolan schreibt ruhig, präzise und fast kühl beobachtend – und genau das macht die Geschichte so stark. Sie taucht tief in die psychologischen Abgründe ihrer Figuren ein, ohne sie zu verurteilen. Ich fand es unglaublich spannend, wie sie diese inneren Konflikte und sozialen Spannungen sichtbar macht. Ein leiser, kluger und psychologisch sehr fein gezeichneter Roman über Familie, Herkunft und gesellschaftliche Zuschreibungen.

Schuld  & Vorurteile - ein kluger Gesellschaftsroman
4.5

Die Macht von äußeren Umständen

Ich hatte schon oft mit Familien zu tun, bei denen ich mich frage, wie sie in die Misere rein geraten konnten, in der sie sich gerade befinden. Manchmal sind es nur kleine Stellschrauben, Abzweigung auf dem Lebensweg oder äußere Einflüsse, oft aber mehrere Parameter zusammen, die es schaffen, Menschen aus der Bahn zu werfen. In diesem Buch erleben wir, wie weit das gehen kann und wie eine ganze Familie strauchelt und in den Abgrund zu stürzen droht. Carmel verliebt sich in Derrek, so wie es junge Frauen tun, mit Haut und Haaren, mit Leib und Seele und sie glaubt, dass dies der Mann für den Rest ihres Lebens ist. Als er ihr eröffnet, dass er einen Job außerhalb angenommen hat und für ihn auch der Lebensabschnitt mit ihr als Freundin endet, bleibt sie zurück – schwanger und ohne Perspektive. Denn wir sind in Irland 1990 und wenn man jung und alleinstehend, schwanger wird, hat man nur zwei Möglichkeiten: man heiratet schnell, oder man beendet das bisherige Leben wie auch immer. Carmel entscheidet sich für eine dritte Variante – sie ignoriert ihren Zustand einerseits und versucht ihn gleichzeitig loszuwerden. Kein leichtes Unterfangen in einem Land, das strengen katholischen Glaubenssätzen folgt. Als ihr Zustand unübersehbar wird, entscheidet ihre Mutter Rose mit der ganzen Familie nach England zu ziehen, wo sie niemanden kennt und einen Neuanfang möglich scheint. 10 Jahre später, das nicht gewollte Kind. Lucy ist dünn, nervös und nach dem Tod von ihrer Oma völlig auf sich selbst gestellt, obwohl sie eine Familie hat. Eines Tages passiert etwas schreckliches. Ein kleines Mädchen kommt zu Tode, und Lucy scheint maßgeblich dafür verantwortlich zu sein. Das ruft Tom auf dem Plan, einen Journalisten, der eine sensationelles Story wittert. Er möchte sie schreiben, komme was da wolle. Es entspinnt sich nun ein Kreislauf aus einer Rahmenerzählung und den Lebensbeichten der einzelnen Familiemitglieder. Nolan hat in ihrem Roman große Themen der gesellschaftlichen Ächtung gepackt, die auch heute noch nicht Geschichte sind. Ungewollte Schwangerschaft und keine Möglichkeit zur Abtreibung, Verwahrlosung, Alkoholismus, Homosexualität, Krankheiten, die überlebenswichtige Anker aus dem Leben reißen und mangelnde Absicherung bei Verlust der Existenz– wenn das zusammenkommt hat man eigentlich keine Chance auf ein friedliches Leben. Im Mittelpunkt stehen immer die Missverhältnisse in Beziehungen, die es unmöglich machen das jeweilige gegenüber richtig zu verstehen. Wie sehr diese auf das ungewollte Kind eingewirkt haben, dass zwar lebt aber kaum noch zur Kenntnis genommen wird, ist in diesem Roman deutlich heraus gezeichnet. Es tut weh, mitzuerleben wie Carmel versucht die Balance zu halten für ein Kind, das eigentlich nicht auf der Welt sein sollte. Es muss sehr anstrengend für Rose gewesen sein, vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Zwänge des Gesicht zu wahren und ihren moralischen Kompass nicht zu verlieren. Der Alkoholismus von Richie war für mich die übelste Darstellung, weil sie so realistisch ist. Und die Gefühle von John haben sich für mich sehr nah angefühlt. Was das mit so einem kleinen Menschen wie Lucy macht, liegt auf der Hand und die Konsequenzen werden in uns diesem Buch schonungslos gezeigt. Das war mit unwirklich aufwühlend zu lesen. Toms Rolle ich ebenfalls sehr vielschichtig dargestellt. Ich hatte ein bisschen Probleme in die Geschichte rein zu finden, auch aufgrund seiner Stimme. Doch am Ende ist dieser Roman so gut und für mich alles rund. Tom steht für die große Masse von Menschen, die zuschauen und sich an Sensationen erregen, vielleicht sogar wissen, wie ungerecht so vieles ist, aber nicht aktiv unterstützen. „Wo käme man denn hin, wenn einem hinterher klar würde, dass man auch als Kollektiv eine Verantwortung hat“. Für mich ist Megan Nolan eine große Stimme, der irischen Literatur. Das liegt auch an ihrem sachlichen Erzählstil, der gerade durch die etwas berichthafte Art Emotionen deutlicher werden lässt. Viele ihrer Gedanken, die sie den Protagonisten in den Kopf legt, haben eine gehaltvolle Botschaft. Für mich war das eine sehr spannende und aufreibende Geschichte, die ich ganz besonders für Leserrunden empfehlen würde. Hier habt ihr Diskussionsstoff der Euch vielleicht fordert. Auf jeden Fall habt ihr aber eine spannende und aufwühlende Lektüre, die unbequem und gleichzeitig einleuchtend ist.

5

Sternebewertung fiktiv

„Kleine Schwächen“ ist für mich ein Roman, der genau das fortsetzt, was ich schon an Megan Nolans erstem Buch so intensiv fand, ein schonungsloser, direkter Schreibstil, der nicht ausweicht und emotional mitten ins Herz trifft. Die Geschichte spielt im Süden Londons in den 90igern. Wir lernen die Familie Green kennen, Carmel und ihre Tochter Lucy. Als ein kleines Mädchen aus gutem Hause verschwindet und später tot aufgefunden wird, gerät ausgerechnet die zehnjährige Lucy ins Visier der Polizei. Weil sie schon immer als verhaltensauffällig galt, scheint niemand wirklich bereit zu sein, genauer hinzusehen. Lucy wird verhaftet und in eine Einrichtung gebracht. Parallel dazu begegnen wir dem Journalisten Tom, der zufällig zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. Für ihn ist die Geschichte gleichzeitig Chance und moralisches Dilemma. Wahrheit aufdecken oder die große Story sichern? Er bringt Carmel in einem Hotel unter und versucht durch Gespräche und Fragen herauszufinden, was wirklich passiert ist. Dabei entfaltet sich Stück für Stück Carmels Vergangenheit, ihre schwere Jugend, die ungewollte Schwangerschaft mit sechzehn und ein Leben geprägt von schwierigen Entscheidungen, Alkoholmissbrauch und sozial schwachen Verhältnissen. Besonders eindringlich fand ich die Passagen rund um Carmels Entdeckung der eigenen Schwangerschaft und dem Versuch diese zu beenden. Megan Nolan schreibt hier brutal ehrlich und ohne Beschönigung, definitiv mit Triggerpotenzial. Gleichzeitig bekommen wir durch Lucys Gespräche in der Einrichtung Einblick in ihre Gedankenwelt, was die Geschichte noch intensiver macht. Der Roman liest sich stellenweise wie eine tragische True-Crime-Erzählung. Eine Familie am Rand der Gesellschaft, eine Tote aus gutem Hause und viele Vorurteile, die schneller urteilen als verstehen. Die Figuren wirken roh, real und emotional aufgeladen, genau das hat mich gefesselt. Mich hat „Kleine Schwächen“ sehr aufgewühlt und lange beschäftigt. Im direkten Vergleich hat mir dieser Roman sogar noch besser gefallen als Nolans erstes Buch. Ein intensives, unbequemes und sehr eindringliches Leseerlebnis. Übersetzt von @translatoese Stefanie Ochel

4.5

Erschütternd. Gut.

Süd-London in den frühen 1990er Jahren: Lucy Green ist 10 Jahre alt, als sie beschuldigt wird, ein Nachbarskind getötet zu haben. Ein Vorwurf, der eine beispiellose mediale Hetzjagd auslöst und ein zutiefst erschütterndes Familiendrama ans Licht bringt, das wirklich niemanden kalt lässt. Vorangestellt ist immer die Frage, ob es wirklich sein, dass ein Kind ein anderes Kind töten kann. Als ich das Buch begonnen hatte, dachte ich, dass es einem um einen Kriminalfall geht. Aber in »Kleine Schwächen« geht es um so vieles mehr: Anstatt sich ausschließlich auf den Fall zu konzentrieren, fragt Megan Nolan, wie und warum es überhaupt zu dieser Tragödie gekommen ist. Mit ihrem ungeschönten und direkten Schreibstil zeigt sie dabei auf, dass unsere Gesellschaft schneller als ein Wimpernschlag urteilt — v.a. wenn es um Personen aus sozialschwachen Milieus geht. Mir hat es gut gefallen, dass die einzelnen Mitglieder der Familie Green ihren eigenen Raum in der Geschichte erhalten. So kann man als Leser:in hinter die Fassade blicken und erfährt so, dass eben nicht alles zu 100% so ist, wie es nach außen scheint. Außerdem bekommt man so einen umfassenderen Blick auf Lucys Leben und Aufwachsen in der Sozialsiedlung. Besonders krass und erschütternd fand ich die Perspektive von ihrer Mutter Carmel und wie sie damals auf ihre Schwangerschaft reagiert hat.😓🫣 Krass war zu lesen, welchen Einfluss die Medien auf die allgemeine Wahrnehmung auf den Fall haben. Würde der Roman jetzt zu unserer Zeit spielen, würde die Familie besonders auf Social Media in den Kommentaren durch den Dreck gezogen werden. Aus dem Englischen übersetzt von Stefanie Ochel.

4

Das entscheiden wir. Was wir für feste Kategorien halten, ist nur eine Frage der Wortwahl.

Gib den Dingen einen anderen Namen und schon sind sie etwas anderes. Es ist Nacht, wenn wir wollen, denn egal was es ist - es ist deine Zeit.

4.5

Wenn sich die Schwächen einer Familie aufgrund gesellschaftlicher Umstände offenbaren

4

Schuld wird konstruiert und nicht ermittelt.

3

Nicht wirklich überzeugend

Ich habe mich etwas schwer getan mit der Geschichte. Irgendwie hat’s die Perspektive von Tom für mich nicht gebraucht für den Plot? Die Familiengeschichte, die im Verlauf dann so auseinander gefächert wurde, fand ich als solche stark und ich verstehe, dass die Rolle der Presse für den Plot eine bestimmte Funktion hatte. Jedoch wurde der Spannungsbogen, der mit und um Tom konstruiert wurde, für mich am Ende nicht wirklich eingelöst. Besonders stark wiederum fand ich das Ende und das ging mir auch wirklich nah: Mutter und Tochter, die auf einem Schutthaufen von Leben irgendwie versuchen, zueinander zu finden, zurechtzukommen - ein Happy End und wiederum auch gar nicht. Alles in allem hat die Geschichte aber wenig mit mir gemacht, leider.

4

Ein intensives, tiefgehendes Buch, das lange nachhallt

Ein berührender Roman über Schuld, Familie und verlorene Träume. Im Zentrum steht der Tod der 3-jährigen Mia – war es ein Unfall oder doch Mord? Verdächtigt wird die 10-jährige Lucy, ein Kind aus einer zerrütteten Familie: eine junge Mutter, die überfordert ist, ein alkoholkranker Onkel, ein Vater, der aufgegeben hat, und dessen Frau, die alles zusammenhält – bis sie stirbt. Ein Reporter wittert eine große Story. Doch im Kern geht es um viel mehr: um das Scheitern von Träumen, um soziale Ungleichheit, um familiäre Abgründe – und darum, ob Wiedergutmachung überhaupt möglich ist. Das Ende stimmt versöhnlich – Mutter und Tochter nähern sich wieder an. Ein intensives, tiefgehendes Buch, das lange nachhallt.

3.5

Kleine Schwächen beschreibt, dass man leider viel zu oft dafür verurteilt wird, wo man herkommt, in welches System man geboren wird und wie die eigenen Eltern mit einem umgehen. Im Buch geht es weniger um den anfangs beschriebenen Fall, es geht um das große Ganze drum herum - die Menschen, deren Geschichten und das System. Tolles Buch!

4

Große Liebe für „Kleine Schwächen“

„Kleine Schwächen“ ist ein großes literarisches Werk Diesem Buch muss ich unbedingt eine Triggerwarnung vorausschicken, denn es thematisiert Gewalt unter Minderjährigen und explizit ein Tötungsdelikt, sowie Alkoholismus, Klassismus, ungewollte Schwangerschaft, Kindeswohlgefährund, Vernachlässigung, Machtmissbrauch, Scham und Misogynie. Anschließend muss ich aber sofort und eindringlich meine Empfehlung für das Buch aussprechen um keine Leser*innen zu verschrecken. Denn die Autorin Megan Nolan schreibt faszinierend feinsinnig und so gut lesbar, dass es trotz der Thematik ein literarischer Hochgenuss ist. Es ist der zweite Roman der 36jährigen irischen Autorin und der erste im Kjona Verlag. Die Übersetzung hat Stefanie Ochel geleistet. Der Roman spielt in den 90er Jahren in Südlondoner Sozialsiedlung und könnte auch als Kriminalroman gelesen werden, denn schließlich soll doch herausgefunden werden, wer für den gewaltsamen Tod eines vermissten, dreijährigen Mädchens verantwortlich ist. Sehr schnell gerät die zehnjährige Lucy Green in Verdacht. Lucy war bereits auffällig geworden und stammt außerdem aus einer Familie, die von der gesamten Nachbarschaft als sehr suspekt beschrieben wird. Aus Irland stammend, leben sie anfangs zu fünft in der kleinen Sozialwohnung. Kurz nach dem Einzug bekommt die hochschwangere Carmel ihr Kind, Lucy. Ein Kind, welches bereits in den ersten Lebensmonaten die Nachbarschaft zur Verzweiflung treibt, denn das Baby schreit ununterbrochen. Die junge Mutter ist überfordert, ihr Bruder ein alkoholabhängiger Nichtsnutz. Von den Eltern bemüht sich lediglich Rose, jetzt Oma, alles am Laufen zu halten. Nur über sie finden die Befragten einige gute Worte, aber Rose lebt inzwischen nicht mehr und seitdem geht es mit der Familie nur noch bergab. Da Mia zuletzt mit Lucy gesehen wurde, scheint der Fall schnell klar zu sein, denn die Vorverurteilung war deutlich schneller als die Ermittlungen je sein könnten. Dazu trägt auch Tom bei, der als Boulevard-Journalist auf eine exklusive Story hofft und versucht, sich das Vertrauen der prekär lebenden Familie zu erschleichen. Wie bei einer Ermittlung erfahren wir Lesenden in Rückblenden nach und nach immer mehr über diese Familie und wie die einzelnen Familienmitglieder zu dem geworden sind, was sie heute sind. Nach und nach entfaltet sich ein Panorama an Lebenswegen und Schicksalen, an wenigen guten und vielen falschen Entscheidungen, aber vor allem an ganz normalen, kleinen menschlichen Schwächen, die sich in der Tragödie kumulieren.

4

Einblick in ein kaputtes Familienleben

In dem Buch geht es in der Gegenwart um einen traurigen Mord und nach und nach wird die Lebensgeschichte, beziehungsweise kleine Anekdoten der Familienmitglieder der Verdächtigen erzählt. Jedes Familienmitglied für sich hatte sein Päckchen zu tragen und ich fand die Geschichten sehr spannend, sie haben auch zum Nachdenken bewegt! Mir hat das Buch wirklich gut gefallen, auch wenn es etwas melancholisch war und schwierige Themen bearbeitet… ☺️

Einblick in ein kaputtes Familienleben
4.5

Ich bin ein guter Mensch und andere Menschen finden das auch.

"Kleine Schwächen" von Megan Nolan beginnt als Krimi um einen Tod eines Mädchens. Doch schnell entwickelt sich der Roman zu einem tieferen Einblick in eine Familie, die von Armut, Klassenunterschieden, Gewalt, Alkohol und Traumata geprägt ist und sich dabei einerseits ganz nah ist, aber andererseits auch von den eigenen Erfahrungen und der Sprachlosigkeit getrennt wird. Besonders gefallen hat mit der echte und schonungslose Blick auf eine ungewollte Schwangerschaft und auf die Auswirkungen auf die Familie, die Verbindungen untereinander und die Auswirkungen auf das Leben der Beteiligten - insbesondere auf die Mutter-Kind-Beziehung. Das tut weh, das ist manchmal nicht leicht zu ertragen, aber es zeigt auch gesellschaftliche Lücken auf, die nicht vor Scham ausgeblendet werden sollten, sondern bei denen es wichtig ist, hinzuschauen.

4

Ein Roman über menschliche Schwächen innerhalb der Familie

Ein berührender Roman über Schuld, Familie und verlorene Träume. Im Zentrum steht der Tod der 3-jährigen Mia – war es ein Unfall oder doch Mord? Verdächtigt wird die 10-jährige Lucy, ein Kind aus einer zerrütteten Familie: eine junge Mutter, die überfordert ist, ein alkoholkranker Onkel, ein Vater, der aufgegeben hat, und dessen Frau, die alles zusammenhält – bis sie stirbt. Ein Reporter wittert eine große Story. Doch im Kern geht es um viel mehr: um das Scheitern von Träumen, um soziale Ungleichheit, um familiäre Abgründe – und darum, ob Wiedergutmachung überhaupt möglich ist. Das Ende stimmt versöhnlich – Mutter und Tochter nähern sich wieder an. Ein intensives, tiefgehendes Buch, das lange nachhallt.

4

Very introspective and immensely interesting!

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