Der Fall

Der Fall

Softcover
3.8119

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Description

«Der vielleicht schönste und am wenigsten verstandene seiner Romane» (Jean-Paul Sartre) in neuer Übersetzung.

Im Amsterdamer Hafenviertel legt Jean-Baptiste Clamence, ehemals angesehener Anwalt, eine atemberaubende Beichte ab: Selbstgefälligkeit und Opportunismus seien die eigentlichen Triebfedern seines Rechtsbewusstseins gewesen. Denn als er eines Nachts eine Frau auf einer Brücke stehen sah, im Begriff, in den Fluss zu springen, hat er sie nicht daran gehindert. Seitdem befindet sich sein Leben im freien Fall, und er stellt sich selbst und den anderen Fragen: Warum tut man, was man tut? Warum lebt man, wie man lebt?

Dieser Roman, einer der berühmtesten Texte des Existenzialismus, ist Camus’ letztes vollendetes Prosawerk. Ein Jahr nach seinem Erscheinen erhielt der Autor den Literaturnobelpreis. Mit einem Nachwort von Iris Radisch.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Classics
Format
Softcover
Pages
128
Price
14.40 €

Author Description

Albert Camus wurde am 7. November 1913 als Sohn einer Spanierin und eines Elsässers in Mondovi, Algerien, geboren. Er studierte an der Universität Algier Philosophie, 1935 trat er der Kommunistischen Partei Algeriens bei und gründete im Jahr darauf das «Theater der Arbeit». 1937 brach er mit der KP. 1938 entstand sein erstes Drama, Caligula, das 1945 uraufgeführt wurde, 1947 sein Roman «Die Pest». Neben seinen Dramen begründeten der Roman Der Fremde und der Essay Der Mythos des Sisyphos sein literarisches Ansehen. 1957 erhielt Albert Camus den Nobelpreis für Literatur. Am 4. Januar 1960 starb er bei einem Autounfall.Das Gesamtwerk von Albert Camus liegt im Rowohlt Verlag vor.

Characteristics

1 reviews

Mood

Sad
Funny
Scary
Erotic
Exciting
Romantic
Disturbing
Thoughtful
Informative
Heartwarming
N/A
65%
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35%
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37%
85%
63%
N/A

Protagonist(s)

Likable
Credible
Developing
Multifaceted
33%
63%
91%
99%

Pace

Fast0%
Slow0%
Moderate0%
Variable100%

Writing Style

Simple0%
Complex0%
Moderate100%
Bildhaft (100%)Poetisch (100%)Außergewöhnlich (100%)

Posts

14
All
4

Lesenswert

Ich freue mich schon auf die anderen Bücher. Das soll ja angeblich nicht das Beste sein. Es ist zeitweise amüsant und regt zum nachdenken an

Lesenswert
4

Eine Gesellschaftskritik in aussergewöhnlichem Schreibstil!

Albert Camus' Der Fall ist ein herrlich zynischer und selbstverliebter Monolog eines zutiefst egozentrischen und selbstgerechten Menschen. Johannes Clamans erzählt seine Geschichte, die eines Anwalts, der versucht sein Leben mehrfach zu verändern, aber sich selbst dabei immer am nächsten steht. Die Geschichte ist ein Symbol dafür, dass jeder Mensch bei sich selber anfangen muss, die Schuld der gesellschaftlichen Abgründe zu suchen . Denn nach Camus sind alle Menschen schuldig. Camus gibt viele Beispiele dafür. Der Protagonist zeigt überspitzt wie unsere Gesellschaft wirklich ist. Hinter der Maske von Mitgefühl, Freundschaft, Menschlichkeit und Verbundenheit sitzt eine hässliche Fratze, die lediglich aus Eigeninteresse und Egoismus handelt. Jeder ist sich selbst der Nächste und Beste. Es wird gelogen, Wahrheiten gebogen und die Realität verblendet. Die Prahlerei mit Menschlichkeit und Guten Taten, hinter der aber dann doch nur das eigene Ego steckt. Man geiert nach Annerkennung und will letztendlich nur ein positives Urteil bzw die Bestätigung durch andere ergaunern. Wir streben dannach von unseren schlechten Taten freigesprochen zu werden. Camus Schreibstil ist aussergewöhnlich und einfach toll!

Eine Gesellschaftskritik in aussergewöhnlichem Schreibstil!
4

Wir haben den Dialog durch die Mitteilung ersetzt.

Ein außergewöhnlicher Roman oder besser ein auf Papier gebundener Monolog, mit dem der:die Leser:in erst warm werden muss, der dann aber durch Scharfsinn, Selbstironie und Tiefsinn besticht. Ein narzisstischer Anwalt aus der Pariser Oberschicht legt einem Landsmann in einer Amsterdamer Seemannskneipe seine Weltsicht dar. Neben reichlich zelebrierter Selbstdarstellung und Lobhudelei (die aber freilich nie dem Selbstzweck dient), zieht der Protagonist Clement auch über die konstant monierenden und verurteilenden Pariser Eliten her. Er berichtet von seinem Treiben als Lebemann, Casanova, Bußrichter, Philanthrop und nicht zuletzt als Papst - nur scheinbar nebensächlich berichtet er vom Suizid einer jungen Frau, der zu helfen er sich zu fein war. Ein Leben als Fassade, um ein tiefes Trauma zu verbergen. Richter gegenüber der gesamten Menschheit, nur um dem Selbsturteil zu entfliehen. Bis ihm nur noch die vage Hoffnung bleibt eines Tages doch durch das Urteil eines anderen von der eingenen Schuld erlöst zu werden.

Wir haben den Dialog durch die Mitteilung ersetzt.
4

„Ab und zu lassen die Herren ihr Messer oder ihren Revolver spielen, aber glauben Sie ja nicht, dass sie besonders darauf erpicht wären. Das gehört einfach zu ihrer Rolle; doch fällt ihnen das Herz in die Hosen, wenn sie ihre letzten Patronen verschießen. Was nicht hindert, dass ich sie moralischer finde als jene anderen, die im Familienkreis durch allmähliche Abnutzung töten…“ Empfehlung…es macht nachdenklich.

4

Als Hörspiel sogar noch besser

In , Der Fall’ begleiten wir den Protagonisten Jean-Baptiste (JB) als stumme Begleitende. Er erzählt von seinem Beruf als Bußrichter und spinnt dabei eine Figur um sich selbst herum, der es an Souveränität und Charme nicht mangelt. Doch in der typischen Manier von Camus hinterlässt der Charakter ein gewisses Unbehagen. In der Stillstellung des Dialogpartners entpuppt sich das Gespräch zu einem Monolog. Der Grad an Inszenierung und die nur latent angedeuteten Gesprächsöffnungen werden als Machtpraktiken sichtbar. Die Personen, denen er begegnet, werden wie in einem Schaustück so kuratiert, dass sein Charakter die Rolle des souveränen Charmeurs einnehmen kann und als Protagonist hervorgeht. So richtig kauft man ihm das jedoch nicht ab. Inmitten all der Lobpreisungen auf sich selbst fragt man sich, ob JB diese überspitzte Deutung seiner Person aufrechterhalten kann oder ob irgendwann der Bruch im Handeln folgt, indem er seine hoheitliche Figur eben nicht in das Tun übersetzen kann. Zwischendurch bricht der Stil der Erzählung, und man gewinnt den Eindruck, JB sei endlich aufrichtig – insbesondere an der Stelle am Fluss, in der er das Lachen einer anderen Person hört und von der Protagonistenrolle schlagartig zum Zuschauer wird. Mit einem Wimpernschlag verliert er die Signifikanz und diskursive Macht. Hier drückt sich die Absurdität des Lebens durch, die schier endlose Möglichkeiten des Seins und der Sinnzuschreibung eröffnet. So versteht man, dass JB eben in all diesen Optionen entscheidet, eine solch machtvolle Position zu bekleiden – selbst zugunsten der Bruchstellen zwischen Innen und Außen. Es gab zahlreiche weitere Stellen, über die man lang oder kurz nachdenken kann.

3

Damals das ganz neue Ding. Nobelpreis 1957 dafür. Heute wirkt das Buch merkwürdig in die Jahre gekommen. Das Thema bleibt natürlich aktuell. Wie finde ich meinen Platz in der Gesellschaft, ohne mich zu verbiegen oder zum Despoten zu werden? Die Frage nach Macht, egoistischer Selbstzufriedheit und die Folgen davon stehen im Zentrum der Lebenbeichte des Protagonisten.

3.5

Langatmig, aber interessant

Es ist schwierig, ein solches Buch zu bewerten. „Die Pest“ fand ich deutlich bewertbarer. Clamence ist ein merkwürdiger, aber hoch interessanter Protagonist, dem man im Verlaufe des Buchs immer weniger glaubt. Er wirkt äußerst manipulativ - und das Makabre ist, dass er es selbst zugibt. Jegliche seiner Charaktereigenschaften treibt er auf die Spitze und findet in jedem anfänglich noblen Aspekt seiner Persönlichkeit eine doppeldeutige, ich-bezogene Überheblichkeit. Der Schluss bringt nochmal frischen Wind in die sonst ausschweifenden und langatmigen Passagen, indem Clarence offen anspricht, den Zuhörer manipulieren zu wollen und sich über diesen zu stellen. Die angesprochene Langatmigkeit und auch der vollkommen aus der Zeit gefallene Schreibstil lässt mich das Buch dennoch nicht besser bewerten, als ich es bewertet habe

2.5

Sehr zäh am Anfamg, aber je weiter man kommt desto besser wird es. Dennoch kein must-read

3

Kaum zu glauben, dass Camus dafür einen Nobelpreis erhalten hat. Ein über 120 Seiten gehender Monolog, eine vermeintliche Beichte dient für halboriginelle bis mäßig originelle philosophisch anmutende Gedankenergüsse, bei denen es mir schwer fiel die Augen offen zu halten und zu folgen. Nicht, weil sie gar anspruchsvoll waren, sondern weil sie eben nur mäßig originell (wenn überhaupt) daher kommen und in mir an keiner Stelle das Gefühl aufkam, hier etwas neues zu lesen oder eine interessante Perspektive präsentiert zu bekommen. Trotzdem enthält das Buch einige amüsante Stellen, die durch die zynische Kälte des Protagonisten, der sich selbst nicht allzu ernst zu nehmen scheint, zustande kommen. Alles in allem aber nichts was man gelesen haben muss.

2

Nicht ganz mein Fall

Ich habe dieses Buch durch das Event "Lesen um die Welt" auf einem Discordserver entdeckt und dachte mir, dass es sich ganz interessant anhört. Dadurch dass es aber ein über 3 Stunden langer Monolog war, hat es mir das zuhören leider erschwert. Auch war es nicht wirklich spannend oder konnte mich richtig begeistern. An den Schreibstil konnte ich mich zwar nach einer Weile gewöhnen, genauso wie die Hörbuchsprecherstimme, aber der Inhalt konnte mich nicht fesseln. Für mich ist es kein must-read, wie ich im Internet gelesen habe

5

Der dritte und letzte zu Lebzeiten veröffentlichte Roman von Camus. Er unterscheidet sich sowohl vom Setting als auch von der Erzählweise sehr von „Die Pest“ und „Der Fremde“, was der Qualität des Buches allerdings nicht schadet. Auch wenn es ein einziger Monolog ist, ist es doch sehr gut zu lesen und größtenteils auch gut zu verstehen. Das Buch hat mir, wie seine anderen Werke, sehr gut gefallen.

3

"[...]So if you were to arrest me, that would be a good start. Then perhaps they'd take care of the rest; for instance, they might guillotine me, I wouldn't be afraid of dying any longer, I'd be saved. And you could lift my newly severed head above the crowd, so that they could recognize themselves in it and I would dominate them once more, as an example to them. All would be consummated: unseen, unknown, I should have finished my career as a false prophet crying in the desert and refusing to come forth.[...]"

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