Der Fremde
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Description
«Mir wurde klar, dass ich das Gleichgewicht des Tages zerstört hatte, die außergewöhnliche Stille eines Strandes, an dem ich glücklich gewesen war. Da habe ich noch viermal auf einen leblosen Körper geschossen, in den die Kugeln eindrangen, ohne dass man es ihm ansah. Und es war wie vier kurze Schläge, mit denen ich an das Tor des Unglücks hämmerte.»
Die Geschichte eines jungen Franzosen in Algerien, den ein lächerlicher Zufall zum Mörder macht, wurde 1942 im besetzten Frankreich zu einer literarischen Sensation. Der Roman bedeutete den schriftstellerischen Durchbruch für Albert Camus und gilt heute als einer der Haupttexte des Existenzialismus.
Book Information
Author Description
Albert Camus wurde am 7. November 1913 als Sohn einer Spanierin und eines Elsässers in Mondovi, Algerien, geboren. Er studierte an der Universität Algier Philosophie, 1935 trat er der Kommunistischen Partei Algeriens bei und gründete im Jahr darauf das «Theater der Arbeit». 1937 brach er mit der KP. 1938 entstand sein erstes Drama, Caligula, das 1945 uraufgeführt wurde, 1947 sein Roman «Die Pest». Neben seinen Dramen begründeten der Roman Der Fremde und der Essay Der Mythos des Sisyphos sein literarisches Ansehen. 1957 erhielt Albert Camus den Nobelpreis für Literatur. Am 4. Januar 1960 starb er bei einem Autounfall.Das Gesamtwerk von Albert Camus liegt im Rowohlt Verlag vor.
Characteristics
14 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Posts
„Abends hat Marie mich abgeholt und hat mich gefragt, ob ich sie heiraten wollte. Ich habe gesagt, das wäre mir egal, und wir könnten es tun, wenn sie es wollte.“
Albert Camus „Der Fremde“ ist ein Roman, bei dem man schnell merkt, warum er so oft gelesen und diskutiert wird – auch wenn ich am Ende eher zwiegespalten zurückbleibe. Die philosophischen Fragen rund um Sinn, Schuld und die Absurdität des Lebens werden sehr deutlich, vor allem durch die Erkenntnis ganz am Schluss. Dieses Ende verleiht der Geschichte im Nachhinein viel Gewicht und macht deutlich, worauf Camus eigentlich hinauswill. Der extrem trockene, nüchterne und fast schon stumpfsinnig deprimierende Schreibstil passt zwar perfekt zur Hauptfigur Meursault und bringt seinen Charakter sehr gut rüber, kann aber auch anstrengend sein. Gleichzeitig hat genau diese Trockenheit etwas Unterhaltsames, weil sie so konsequent durchgezogen ist und stellenweise fast absurd wirkt. Trotz der Kürze hatte der Roman für mich einige Längen. Manche Passagen ziehen sich, ohne wirklich Neues beizutragen, was das Lesen stellenweise zäh macht. Gerade deshalb war ich etwas enttäuscht, denn von einem so gefeierten Klassiker hatte ich mir insgesamt mehr erhofft. Unterm Strich ist „Der Fremde“ ein wichtiges Buch mit starken philosophischen Gedanken und einem einprägsamen Ende, das meinen Erwartungen aber nur teilweise gerecht wurde.

'Der Fremde' liest man in einem Zug und denkt ein Leben lang darüber nach. Ein schmales Buch mit großem Schweigen.
„Heute ist Mama gestorben. Oder vielleicht gestern, ich weiß es nicht.“ – Kaum ein erster Satz der Weltliteratur verrät so viel über seinen Protagonisten und lässt gleichzeitig so viel im Dunkeln. In dieser lakonischen Distanz offenbart sich bereits das ganze Wesen von Meursault, der zentralen Figur in Albert Camus Debütroman ‚Der Fremde‘. Meursault existiert. Er schwitzt in der algerischen Hitze, er isst, er schläft, er geht sogar eine Liebesbeziehung mit einer Frau namens Marie ein. Doch während die Welt um ihn herum in Bedeutungen schwelgt, treibt Meursault lediglich auf der Oberfläche des bloßen Seins. Als seine Mutter stirbt, kann er weder weinen noch andere Arten der Trauer zeigen. Als Marie ihm ihre Liebe gesteht, antwortet er mit der Wahrheit: Wahrscheinlich liebt er sie nicht, aber das spielt ohnehin keine Rolle. Und als er an einem gleißenden Mittag in Algier einen Araber erschießt, geschieht dies nicht aus Hass, sondern weil ihm die Sonne zu sehr ins Auge geschienen hat. Der Mord ist für ihn also kein moralisches Verbrechen, sondern ein fatales Naturereignis. Albert Camus schrieb ‚Der Fremde‘ im Jahr 1942, zeitgleich mit seinem philosophischen Essay ‚Der Mythos des Sisyphos‘. Die beiden Werke sind untrennbar: Während der Essay das Absurde theoretisch herleitet, gibt Meursault ihm ein Gesicht. Was auf den ersten Blick wie emotionale Taubheit wirkt, ist bei genauerem Hinsehen eine radikale, konsequente Aufrichtigkeit. Meursault ist kein Monster, sondern ein Mensch, der die kleinen sozialen Lügen verweigert, die das gesellschaftliche Getriebe erst möglich machen. Man kann ihn sozusagen als den ‚absurden Menschen‘ betrachten, der die Illusion aufgegeben hat, dass die Welt ein sinnhaftes Fundament besitzt. Die Genialität des Romans liegt meiner Meinung nach in seinem zweiten Teil: Meursault wird überhaupt nicht für den Mord hingerichtet, sondern für seine Unfähigkeit, Gefühle zu zeigen. Im Gerichtssaal wird nämlich nicht über die Tat, sondern über seine Seele verhandelt. Die Gesellschaft kann ihm den scheinbar sinnlosen Mord verzeihen, aber sie kann nicht dulden, dass Meursault ihre moralischen Übereinkünfte und Traditionen ignoriert. Damit legt Camus einen wunden Punkt offen: Jede soziale Ordnung beruht primär auf Konformität, nicht auf Wahrheit. Kurz vor der Hinrichtung findet Meursault keine Reuegefühle, sondern eine paradoxe Erlösung. In der Erkenntnis, dass die Welt ihm gegenüber gleichgültig ist, findet er schließlich seine persönliche Ruhe. Es ist die Geburtsstunde der Revolte – nicht nur im Buch, sondern auch in Camus Philosophie: Die Weigerung, vor der Sinnlosigkeit zu kapitulieren oder sich in metaphysische Tröster zu flüchten. Camus’ Schreibstil ist so konsequent wie seine Weltsicht: knapp, protokollarisch, sogar fast bürokratisch. Der Text besteht überwiegend aus kurzen Hauptsätzen, die ohne Gefühle oder anderweitige Psychologisierung auskommen. Unter dieser äußerlich kühlen Narration brodelt jedoch die existenzielle Frage, wie man leben soll, wenn man einmal begriffen hat, dass kein Gott, kein Schicksal und keine Moral einem die Arbeit für ein erfüllendes Leben abnehmen. Man kann heute kaum über ‚Der Fremde‘ sprechen, ohne den blinden Fleck zu erwähnen: Das Opfer bleibt namen- und gesichtslos, ein Statist in der französischen Kolonialkulisse. Erst Kamel Daoud hat dem Getöteten Jahrzehnte später in ‚Der Fall Meursault‘ eine Stimme gegeben. Doch trotz dieser historischen Limitierung bleibt Camus’ Werk eine unumgängliche Wucht – ein literarisches Meisterwerk über die Freiheit, die in der absoluten Ehrlichkeit liegt.

Albert Camus’ „Der Fremde“ gilt als Klassiker der Existenzphilosophie – doch trotz seines literarischen Rufs konnte mich das Buch leider nicht überzeugen. Die Geschichte um Meursault, einen emotional distanzierten Mann, der scheinbar gleichgültig auf das Leben und den Tod reagiert, wirkt zwar tiefgründig angelegt, bleibt aber für mich zu kühl und schwer zugänglich. Der nüchterne Schreibstil, der wohl die innere Leere des Protagonisten widerspiegeln soll, lässt die Handlung seltsam leblos erscheinen. Viele Passagen ziehen sich, und Meursaults Gleichgültigkeit macht es schwer, irgendeine emotionale Bindung zu ihm oder zur Geschichte aufzubauen. Auch wenn die philosophische Botschaft über Sinnlosigkeit und gesellschaftliche Erwartungen interessant ist, verliert sie durch die monotone Erzählweise an Wirkung. Insgesamt ist „Der Fremde“ sicherlich ein bedeutendes Werk der Weltliteratur, aber als Leseerlebnis fand ich es eher anstrengend und wenig mitreißend. Für mich persönlich überwiegt die theoretische Bedeutung den tatsächlichen Lesegenuss – daher nur 2 von 5 Sternen.
Vom Versuch, der Sinnlosigkeit einen Sinn zuzuschreiben - und umgekehrt
Gar nicht so leicht, das Buch zu bewerten - denn der Titel ist Programm: Der Protagonist Meursault ist seiner Welt fremd und die Welt ist ihm fremd; er passt sich ihr an und gleichzeitig hält er sich weder an gesellschaftliche Konventionen noch an moralische Maximen, hat weder Gemeinschaftssinn noch handelt er egoistisch - er lässt alles geschehen, ohne darin einen Sinn zu suchen oder dem Geschehen selbst einen Sinn zu geben. Dabei ist er weder komplett teilnahmslos noch nimmt er auch nur im Ansatz am Leben teil. Das Leben passiert schlichtweg und er passiert mit. Über die erste Hälfte des Buchs habe ich mir die ganze Zeit die Frage gestellt, warum Meursault so ist, wie er ist. Wie später auch das Gericht versucht, eine scheinbar so sinnentleerte Tat wie der Protagonist sie begeht mit Bedeutung zu füllen, habe auch ich die ganze Zeit versucht, die Figur charakterlich zu verorten und bin daran gescheitert, dass er sich gewissermaßen außerhalb des gesellschaftlichen und literarischen Rasters bewegt. Am Ende habe ich den Versuch aufgegeben: Eine Identifikation mit der Figur kann nicht gelingen, eine Sympathie kann nicht aufgebaut werden, und doch wäre es nicht richtig, Meursault zu verurteilen, weil seine pathologisch anmutende Gleichgültigkeit ein Urteil verbietet, das ich lediglich aus Kategorien bilden kann, die der Protagonist nicht kennt und nicht verstehen kann. Auch wenn mich die dauerhafte Verwendung des Perfekt im ersten Teil wahnsinnig gemacht hat, war die Leseerfahrung total spannend und lässt mich vermutlich noch eine ganze Weile grübeln. Denn am Ende bleibt eine Leerstelle, die sich scheinbar jeglicher Bedeutungszuschreibung entzieht - das ist die hohe Kunst in Albert Camus "Der Fremde". Empfehlung? Ich bin mir sicher, die Bewertung sähe anders aus, wenn ich mich im Vorfeld mit dem Buch, dem Thema, der Strömung oder dem Inhalt auseinandergesetzt hätte. Vermutlich hätte ich es gar nicht gelesen; mit Sicherheit wäre ich genervter von dem kindlichen Schreibstil der ersten 100 Seiten gewesen. Letzten Endes hat mich das Buch aber nicht nur aufgrund seines letzten Kapitels, sondern auch wegen der Möglichkeit überzeugt, nun einen Blick fürs Ganze zu haben. Dennoch würde ich das Buch nur einem recht speziellen Publikum empfehlen, das sich auf experimentelle Literatur einlassen kann und nicht nur Bücher wegen ihrer interessanten Story oder ihrem Worldbuilding herunterlesen möchte.
Die Leere des Anderen: Camus’ Blick auf das fremde Ich?
Das Werk bietet einen leicht verständlichen Zugang zu komplexen psychologischen Themen; die Kritik am Justizsystem ist zudem ein wertvoller Diskussionspunkt. Obwohl das Buch kurz und in einer klaren Sprache geschrieben ist, hinterlässt es einen tiefen Eindruck. Besonders aktuell wirkt Meursault, den man heute fast als jemanden mit anhedonischen oder schizoiden Zügen beschreiben könnte. Seine extreme Empfindlichkeit gegenüber Licht, Lärm und Hitze deutet zudem auf ein überreiztes Nervensystem hin – ein unbewusster Abwehrmechanismus, der emotionale Taubheit erzeugt. Aus dieser Sicht könnte seine Tat als plötzliche Entladung einer lang angestauten inneren Spannung interpretiert werden. Es ist faszinierend, wie der ehrgeizige und erfolgreiche Albert Camus einen Charakter schuf, der das exakte Gegenteil seiner eigenen Vitalität verkörpert. Er scheint die Frage zu stellen: Wie ist es möglich, so passiv durch das Leben zu gehen? Camus nutzt den anschließenden Prozess, um die Unfähigkeit eines Gerichts aufzuzeigen, einen Menschen wirklich zu richten. Da Geschworene nicht in das Herz eines Mannes blicken können, lassen sie sich von rhetorischen Spielen und Vorurteilen leiten. Dies führt vor Augen, warum die Todesstrafe keine Entscheidung sein sollte, die Menschen über ihre Mitmenschen fällen dürfen. Die Geschichte führt konsequent zum Thema Tod. Dort liegt für mich der Kern. Stellt sich der Autor die Frage: Erkennen Menschen, die so „leer“ gelebt haben, im letzten Moment, dass sie ihre Zeit verschwendet haben? Erlangen sie doch noch ein Bewusstsein? Ein tiefgründiges Werk, das mich sehr beeindruckt hat und mich dazu bewegt, weitere Bücher dieses Autors zu lesen.
Schwieriger Leserhythmus
Die Art wie es geschrieben ist hat mir das lesen schwer gemacht da ich keinen richtigen Rhythmus bekommen hab. Mit ist klar das es so geschrieben wurde um den Protagonisten der anfangs ein wenig dümmlich scheint dem Leser näher zu bringen. Alles in allem ist die Geschichte selbst aber absolut Lesenswert da der Protagonist mich auf eine eigenartige Weise fasziniert hat so das ich trotz des ungewöhnlichen Leserhythmus dran bleiben wollte.
Um mich dem Existenzialiamus zu nähern griff ich zu Camus Werk, welches mich etwas ratlos zurückließ. Ein unterkühlter Mensch der sich schuldig machte, durch mangelnde Trauer über den Tod seiner Mutter. Interessant, eine andere Perspektive, aber auch irritierend. Ich hoffe niemand liest meine nichtsaussagenden Zeilen.
„Es ist so, dass ich nie viel zu sagen habe. Dann schweige ich“
Ein sehr spannendes und nachdenklich machendes Buch. Besonders die Diskussion zwischen dem Protagonisten und dem Priester kurz vor Ende bringt die zentralen Themen wie Sinnlosigkeit, Gleichgültigkeit des Lebens und den Konflikt mit dem christlichen Glauben stark zum Ausdruck. Meursault ist ein widersprüchlicher Charakter: Einerseits fühlt man mit ihm und hofft auf seine Freisprechung, andererseits stößt seine Gefühllosigkeit auch ab. Insgesamt ein sehr gutes Buch mit vielen Zitaten, die zum Nachdenken anregen, und absolut empfehlenswert.
Ich fand das Buch wirklich gut. Besonders beeindruckt hat mich die Gefühllosigkeit des Hauptcharakters, diese distanzierte und gleichgültige Art hat mich sehr zum Nachdenken gebracht. Die Sprache ist zwar eher einfach und nicht besonders spannend, aber genau das passt gut zur Figur und verstärkt die Wirkung der Geschichte. Insgesamt hat mich das Buch trotz der schlichten Sprache inspiriert und ich finde es sehr lesenswert.

Interessante Massage und Langweiliger Verpackung
Ich möchte gleich zu Anfang sagen, dass ich die Hörbuch-Version dieses Werkes gehört habe, und ich war wirklich sehr gespannt, da es ein Klassiker sein soll, den man mal gelesen haben sollte. Leider hat mich die Geschichte gar nicht abgeholt, und ich verstehe die Botschaft, die man übermitteln möchte, aber die Verpackung ist für meinen Geschmack zu zäh. Der Schreibstil ist sehr einfach, zu einfach, meiner Meinung nach. Es fehlt an Abwechslung und kreativen Einflüssen im Stil, was das Ganze leider etwas eintönig macht. Dazu kommt der Sprecher in der Hörbuch-Version, der das Ganze mit einer gleichgültigen Stimme vorträgt, was das Hören manchmal anstrengend macht. In der Tat passt seine Art zu sprechen jedoch sehr gut zu dem Charakter, der die Geschichte erzählt, und ist somit gut ausgesucht. Für meinen Geschmack war es trotzdem ein zu krampfhaftes Erlebnis und das Buch hat leider nicht meinen Geschmack getroffen.
Kurz aber tiefsinnig
Das Werk gilt als Schlüsseltext des Existenzialismus bzw. des Absurden, warum ich aus Interesse das Buch gelesen habe. Erzählt wird die Geschichte von Meursault, einem emotional distanzierten Mann, dem Tod seiner Mutter und der darauf folgenden Ereignisse, welche sein Leben auf den Kopf stellten. Durch die nüchterne, klare Sprache des Schreibstils wird die Distanz des Protagonisten zu seiner Umwelt verstärkt und macht so die Erzählungen teilweise beklemmend und faszinierend. 🦈
Das Buch Brauch ein wenig um zu wirken.
Zu allererst hatte ich etwas Probleme mit dem Schreibstil. Sehr kurze, abgehackte Sätze, die Sprache an sich recht einfach gehalten, war für den Lesefluss etwas hinderlich. Gerade im zweiten Teil des Buches wurde es aber deutlich angenehmer zu lesen und wirkte nicht mehr so entmenschlicht. Ich kam dann letztlich zu dem Schluss, dass es ggf. Sogar so gewollt ist und ein bewusstes Stilmittel ist. Der Protagonisten ist teils so gleichgültig und letargisch, dass ich etwas brauchte mit diesem warm zu werden. Doch am Ende macht alles dann doch irgendwie einen Sinn und ergibt ein rundes Bild. Es ist nicht der schönste Klassiker den ich je gelesen habe, jedoch weiß er zu gefallen. Man muss sich ein wenig auf das Buch einlassen.
Das Buch ist in zwei Teile aufgeteilt. Im ersten Teil geht es um einen jungen Franzosen in Algerien, der den Tod seiner Mutter gefühlslos lässt. Sich gleichgültig mit einer Frau einlässt und später einen Araber erschießt. In Teil zwei geht es um den Gerichts Prozess, die Gedanken des Franzosen und einen Gespräch mit einem Geistlichen. Der Fremde ist von einer Gleichgültigkeit und Teilnahmslosigkeit geprägt, der von Albert Camus wunderbar erzählt wird. Der Schreibstil ist daher in sehr einfachen knappen Sätzen gehalten. So wirkt alles recht trostlos, fast schon lieblos, genau wie der Protagonist. Ich das Buch sehr anstrengend zum Lesen. Die Art dieser Erzählung ist einfach nicht meins.
„Der Fremde“ von Albert Camus bietet einen interessanten Einblick in die Gedankenwelt einer Person, die nicht ins gesellschaftliche Raster passt. Der Protagonist Meursault wirkt wie ein Außenseiter, fast wie ein Alien unter Menschen, nicht weil er anderen schaden will , sondern weil er einfach ist, wie er ist und die gesellschaftlichen Spielregeln nicht versteht. Seine Taten und seine gleichgültige Haltung wirken auf viele befremdlich oder sogar provozierend und doch scheint darin auch eine stille Sehnsucht nach Ruhe und Authentizität zu liegen. Ein stilles, aber starkes Buch, das zum Nachdenken anregt.
Wie ein Blick in die Leere
„Der Fremde“ von Albert Camus ist ein außergewöhnlicher Roman, der mich von der ersten bis zur letzten Seite in seinen Bann gezogen hat – nicht zuletzt wegen seines unkonventionellen Protagonisten Meursault. Was mich besonders fasziniert hat, ist, wie radikal sich dieser Charakter von den üblichen literarischen Helden abhebt. Wo man sonst eine emotionale Verbindung aufbaut, sich mit den Gedanken und Gefühlen der Hauptfigur identifiziert oder ihre inneren Konflikte nachvollzieht, bleibt Meursault seltsam entrückt. Seine distanzierte, beinahe gleichgültige Haltung gegenüber dem Leben und seinen Mitmenschen wirft nicht nur Fragen auf, sondern zieht einen auch auf eine ganz eigene Weise in die Geschichte hinein. Gerade diese Emotionslosigkeit – das scheinbare Desinteresse an allem, sei es der Tod seiner Mutter oder die eigenen Konsequenzen nach dem Mord ist es, was das Buch so besonders macht. Camus bricht bewusst mit Erwartungen und gewohnten Leserhaltungen. Statt uns einen Protagonisten zu geben, in den man sich hineinversetzen kann, hält er uns Meursault wie einen kalten Spiegel vors Gesicht. Und genau das war für mich äußerst erfrischend und spannend. Es war, als würde man eine komplett neue Perspektive kennenlernen, eine Sicht auf die Welt, die so ganz anders ist als die eigene. Auch die Handlung selbst ist eindringlich und fesselnd. Der Übergang von Meursaults monotonem Alltag hin zu dem scheinbar grundlosen Mord kommt unerwartet und verstört – und macht das Buch gleichzeitig so mitreißend. Mit jedem Kapitel wird die Geschichte dichter, dunkler, und je näher man dem Ende kommt, desto mehr nimmt die Spannung zu. Besonders beeindruckend fand ich, wie Camus es schafft, diese düstere Entwicklung so nüchtern und gleichzeitig so intensiv zu schildern. Der Fremde ist für mich eines der Bücher, die nicht nur beim Lesen faszinieren, sondern lange danach im Kopf bleiben. Es regt zum Nachdenken an – über Moral, Gleichgültigkeit, den Sinn des Lebens und unsere Erwartungen an andere Menschen. Es gehört definitiv zu meinen Lieblingsbüchern und ich kann es jedem empfehlen, der bereit ist, sich auf eine ungewöhnliche, tiefgründige und verstörend ehrliche Lektüre einzulassen.
Ein philosophischer, gesellschaftskritischer und absolut lesenswerter Klassiker.
Wir alle kennen Rollenerwartungen der Gesellschaft. Genau hier setzt Camus "Der Fremde“ an. Der Roman erzählt von einem Mann, der sich weigert (oder vielleicht einfach nicht fähig ist), Gefühle zu inszenieren und gesellschaftliche Rollen zu erfüllen. Und genau dafür wird er beurteilt. Camus zeigt eindrücklich, wie schnell Menschen nicht nach ihren Handlungen, sondern nach Erwartungen, Emotionen und Anpassung bewertet werden. Rollenerwartungen wirken dabei wie unausgesprochene Regeln: Man fügt sich ein – oder man fällt heraus. Der Roman ist weniger Handlung als Provokation und stellt unbequeme Fragen: Müssen Gefühle gezeigt werden, um gültig zu sein? Ist Anpassung wichtiger als Ehrlichkeit? Was bleibt, ist nicht die Gleichgültigkeit der Hauptfigur, sondern die Erkenntnis, wie wenig Raum unsere Gesellschaft für Menschen lässt, die anders fühlen, anders Handeln – oder sich nicht erklären wollen. Für mich ein philosophischer, gesellschaftskritischer und absolut lesenswerter Klassiker.

Gilt als Klassiker und Paradebeispiel des Existentialismus ist aber teils echt trocken.
Ich habe Camus mit diesem Buch begonnen zu lesen und muss sagen auf den ersten Blick war ich sehr enttäuscht und fande es sehr ernüchternd, wie auch viele in den Rezensionen hier beschrieben haben. Die Handlung an sich ist extrem zäh und hat mich persönlich garnicht gecatched, da habe ich mich teils durchgequält. Der Punkt ist, dass das Existentialismus gelebt in reiner Form ist. Camus zeigt hier deutlich, wie die Gesellschaft einen Sinn im Leben als selbstverständlich annimmt und was geschieht, wenn sich jemand diesen konsequent widersetzt. Diese Spannung ist sehr interessant und das Fazit, dass ich daraus nehme, dass jeder Mensch sich seinen Sinn selbst schaffen kann ist stark, allerdings auch gefährlich, wenn man bedenkt, wie tief man in dieses Loch der Sinnlosigkeit fallen kann. Im großen und Ganzen so ein mittleres Ding, da es doch sehr anstrengend war, aber die Botschaft ist klar.
Hin und hergerissen
Das Buch hat mich einerseits interessiert, weil es so direkt und ehrlich erzählt ist, andererseits blieb ich oft auf Distanz so wie der Erzähler selbst. Meursaults Gleichgültigkeit wirkt befremdlich, aber sie hat etwas Ehrliches, das einen nachdenken lässt. Kein Buch, das man unbedingt liebt, aber seinen Eindruck hinterlässt.
Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt
Irgendwie passiert das ganze Buch über nichts, aber das ist ein Eindruck, der durch Meursaults Gleichgültigkeit hervorgerufen wird. Er ist ein junger Mann, der den Ton abstellt, weil ihm vieles oft zu laut wird. Er beerdigt seine Mutter, geht schwimmen, begeht einen Mord, weil die Sonne sticht. Mehr Handlung gibt es kaum. Das Buch liest sich sehr rasch, aber es lässt einen trotzdem mit viel zurück. Für mich war es ein Gefühl der Entlastung und sogar Mitgefühl. Meursault zeigt keine Emotionen, als seine Mutter stirbt, was nachvollziehbar ist, denn sie hatten keine enge Beziehung. Genauso ist es mit dem Mord: Er tötet ohne echten Grund. Keine Wut, keine Rache. Es passiert einfach. Hört man ihm zu, bekommt man oft den Eindruck, ihm sei alles „einerlei". Aber ist dem wirklich so? Vielleicht liegt es vielmehr daran, dass sein Weltverständnis schlicht ist und deshalb in seiner scheinbaren Bedeutungslosigkeit für andere so erschreckend wirkt. Er hat erkannt, dass es ein „egal" gibt und dass jede Handlung oder Entscheidung im Großen und Ganzen bedeutungslos und absurd bleibt. Vielleicht hat er sogar recht. Denn warum sonst fühlt man sich angegriffen und bestraft andere für ein Handeln, das vielleicht sogar einer universellen Wahrheit entspricht? Besonders eindringlich wird dies im Gerichtsprozess deutlich. Hier offenbart sich unsere gesellschaftliche Maschinerie aus vorgetäuschter Moral, Sensationslust und gespielter Empathie. Niemand interessiert für das genommene Leben, sondern dafür, dass Meursault nicht um seine Mutter geweint hat. Das zeigt die willkürliche Logik, nach der wir als Gesellschaft Entscheidungen von unseren selbst kreierten Normen ableiten. Ich wurde oft an die eigene Dauerschleife aus Empörung und Verachtung, die wir heute untereinander produzieren und für die wir uns gegenseitig loben, erinnert. Und unweigerlich an den daraus resultierenden Unwillen, sich mit den Handlungen anderer außerhalb der eigenen moralischen Perspektive auseinanderzusetzen. Anders ist halt doof und gefährlich. Denn wenn ich nicht mehr zu glauben vermag, was bin ich dann noch? Das sieht man auch an den Nebencharakteren: Sie verlangen Konformität, um sich ihrer selbst zu vergewissern. Meursault kann (oder will) sie ihnen nicht geben, daher wird diese schließlich auf ihn projiziert. Ein anderer würde sich rechtfertigen, ein Selbstbild konstruieren, denn der Mensch möchte sich seiner Existenz durch Selbstdarstellung versichern. Doch Meursault verweigert sich diesem gesellschaftlichen Theater und entlarvt dadurch die Selbstvergewisserungsrituale der anderen. Dafür muss er sterben. Was ich in diesem Zusammenhang interessant fand: Camus’ Absurdismus ist nicht nur nihilistisch, sondern hat eine fast positive Antwort auf die Sinnlosigkeit des Universums. Camus hat mal gesagt, dass es nur eine wirklich ernste philosophische Frage gibt: den Selbstmord. Oder anders gesagt, die Entscheidung zwischen Selbstmord und einer Tasse Kaffee. Beides gleich bedeutungslos, aber die Entscheidung macht den Unterschied. Ich habe das Buch nun erneut nach meiner Jugend gelesen und kam nicht umhin, das Ganze mitunter im Kontext psychologischer Abwehrmechanismen zu betrachten: Ist Meursaults Gleichgültigkeit wirklich philosophische Klarheit/Überzeugung oder psychologischer Selbstschutz? Ehrlich betrachtet trifft Letzteres wohl auf viele von uns zu. Doch selbst wenn es Selbstschutz wäre, änderte das nichts an seiner gesellschaftlichen Funktion als Spiegel, der anderen die Risse ihrer eigenen Projektionen zeigt. Das ist beschämend. Unsere Tendenz, andere abzulehnen, ohne uns um Verständnis zu bemühen. Meursault verdient kein Lob, aber er verdient Verständnis. Zumindest den Versuch dessen. Nicht als Entschuldigung, sondern als menschliche Grundhaltung. Trotz aller Kälte zeigt Meursault menschliche Momente: wenn er am Strand das Salz schmeckt, im Gefängnis Geräusche “wie Muscheln” sammelt oder an seine “Mama” denkt. Sein Herz ist da. Winzig, stoisch, aber wahrnehmbar. Sein finaler Triumph liegt in der Erkenntnis, sich niemandem mehr rechtfertigen zu müssen. Er öffnet sich “der sanften Gleichgültigkeit der Welt”. Eine Befreiung, die gleichzeitig berührt und beunruhigt. Camus’ Schreibstil besticht durch Klarheit und Präzision. Die Dialoge sind bildlich und manchmal schmerzhaft treffend. Bemerkenswert ist auch der bewusste Stilwechsel von kurzen, sachlichen Sätzen zu längeren, fließenderen Passagen. Oder auch kurz gesagt: Definitiv empfehlenswert, wenn man Lust auf ein Buch hat, das einen zum Nachdenken bringt, ohne zu kompliziert zu werden, es sei denn, man möchte es. Ich liebe es.
Stark!
Sehr starkes Buch, insbesondere im Kontext der philosophischen Sicht die Albert Camus prägte. Der Hauptcharakter ist sehr glaubwürdig in seinem Handeln, die Monotonie und emotionale Distanz die den Leser durch das gesamte Buch begleitet sind ein tolles Stilmittel welche der gesamten Geschichte ein einzigartiges Leseerlebnis geben. Ebenso sind die Nebencharaktere gut platziert, um dem Leser noch mehr Einblick in den Hauptcharakter zu geben. Ich hätte mir gewünscht, dass das Ende etwas länger geschrieben wäre aber wie es ist ist auch mehr als in Ordnung.
Abgebrochen
Leider konnte ich mit der Philosophie des Absurdismus von Camus nichts anfangen. Im Gegenteil, mich hat es erschrocken. Der Anfang war in Ordnung, ich war fasziniert. Doch es fiel mir nach einer Weile schwer mich weiter darauf einzulassen. Leider musste ich das Buch abbrechen weil es mir damit einfach nicht gut ging. Vielleicht war ich auch etwas zu sensibel bei einigen Themen, die vorkamen. Vielleicht versuche ich zu einem anderen Zeitpunkt noch mal mit dem Buch anzufangen, beschäftige mich aber zunächst lieber mit anderen Philosophen.
Ich habe Der Fremde eher spontan gelesen, da ich mir vorgenommen habe, regelmässiger auch klassische Literatur in meine Lesemonate einzubauen. Leider konnte ich mit diesem Buch wenig bis gar nichts anfangen. Selbst nachdem ich mich intensiver mit Camus' Philosophie und den Gedanken hinter dem Werk auseinandergesetzt habe, hat sich mein Eindruck nicht wirklich verändert. Trotz seines geringen Umfangs zog sich das Buch für mich sehr in die Länge – vermutlich wegen des extrem reduzierten, nüchternen Schreibstils. Die Hauptfigur Meursault liess mich völlig kalt. Es fühlte sich an, als würde ich die Geschichte einer leeren Hülle lesen, ohne greifbares Innenleben. Camus beschreibt Meursault als jemanden, der das Absurde akzeptiert und dennoch weiterlebt – frei und ehrlich. Ja, ehrlich war er zweifellos, aber frei? Für mich wirkte er keineswegs frei. Er unterwirft sich vielen gesellschaftlichen Konventionen: Er gibt seinem „Freund“ recht, obwohl dieser moralisch fragwürdig handelt, besucht die Beerdigung seiner Mutter, führt eine Beziehung, obwohl keine wirklichen Gefühle im Spiel sind, hat den Impuls Hände zu schütteln weil das so gemacht wird. Doch dann – ausgerechnet im zentralen Moment der Geschichte – bricht er mit all dem und zieht den Abzug. Diese plötzliche Abkehr von den Konventionen wirkte auf mich nicht wie ein Ausdruck von Freiheit, sondern wie eine distanzierte, vielleicht auch resignierte Reaktion auf die Welt. Meursault erscheint mir eher wie ein Beobachter – jemand, der das äussere Geschehen registriert, ohne es auf sich selbst zu beziehen oder daraus etwas für sein eigenes Leben abzuleiten. Er bleibt auf halber Strecke stehen. Stellenweise wirkte er auf mich fast kindlich trotzig: Er begeht eine Tat, übernimmt aber keine Verantwortung und schiebt sie indirekt den Umständen zu. Der Satz „Aber natürlich konnte ich in der Lage, in die man mich gebracht hatte, mit niemandem in diesem Ton reden“ hat mich in dieser Hinsicht besonders irritiert. Letztlich war das Buch in diesem Moment einfach nichts für mich. Vielleicht werde ich es eines Tages mit einem anderen Blickwinkel noch einmal lesen – wer weiss, ob ich dann mehr daraus mitnehmen kann.

verdient zeitloser Text
Der Fremde ist eine Geschichte, die man sacken lassen muss. Diese Rezension schreibe ich aber wenige Minuten nach dem Beenden des Buchs. Vielleicht werde ich die Bewertung später anpassen, vielleicht auch nicht. Der Schreibstil ist mir erst negativ aufgefallen. Klar, es ist ein altes Buch, aber nicht das erste, was ich lese, und gerade die Pest ist hervorragend geschrieben. Nach und nach zeigte sich aber, dass der Schreibstil zum Erzähler passte: es ist egal, wie etwas formuliert ist, ob es angenehm zu lesen ist oder nicht; wenn es nur die Informationen überbringt. Diese Konstante zieht sich durch die gesamte Geschichte, durch jede Reaktion des Erzählers, einschließlich des Endes. Er schreibt von Gefühlsausbrüchen, aber sie sein nun mal da und gehörten dazu, daher sein sie weder auszuschmücken noch zu verheimlichen. Diese Geschichte ist für mich ein Erlebnis. Sie reißt nicht mit oder rührt einen nicht zu Tränen, aber sie ist poliert, deutlich, konsequent und bietet Raum für Interpretationen. Und mit dem Aufeinandertreffen des Geistlichen bietet sie einen Höhepunkt der Gegensätze, die in einer Zeit der Religionsvorherrschaft, in der das Buch veröffentlicht wurde, wie ein Schlag vor den Kopf gewesen sein muss. Hier wird jemand verurteilt, der anders denkt, der anders ist, und das nur, weil er anders ist. Er wird völlig außen vor gelassen, wenn es um seine Verhandlung geht, weil die Leute sich nicht mit ihm auseinandersetzen wollen oder können. Damit ist der Fremde thematisch sehr nah an dem Fall, betrachtet eine sehr ähnliche Aussage aber aus einem anderen Blickwinkel, der für mich deutlicher dargestellt wird und eine größere Einschlagskraft hat.
❗️Achtung leichte Spoiler❗️ In "der Fremde" tötet ein Franzose einen Araber ohne es gewollt zu haben, aber Reue empfindet er dabei auch keine. Camus' Roman behandelt u.a. die Philosophie des Existentialismus' und des Absurden. 8/10
Der Franzose Meursault lebt in Algerien (auch Camus lebte lange dort) und vermeintlich aus Zufall wird er zum Mörder. Meursault ist vieles gleichgültig, sein moralischer Kompass scheint kaputt zu sein, oder zumindest starke Bruchstellen aufzuweisen und er hat kaum eine eigene Meinung. Seine Entscheidungen und auch die, die er nicht trifft, ziehen ihn in sein absurdes Verderben. Die Sprache ist sehr banal, vllt. auch etwas zu simpel, aber man gewöhnt sich mit der Zeit daran, finde ich. Außerdem fande ich die Fragen spannend, die Camus mit der Figur Meursault und seiner Geschichte aufmacht. Ich denke, Meursault ist in der Absurdität seines Lebens gefangen, doch zugleich ist er selbst mit seinem Verhalten dafür verantwortlich, was ihm "widerfährt". Der Mensch gibt dem Leben erst durch sein Handeln einen Sinn, der Kern des Existentialismus Tut er das nicht, bleibt das Leben absurd.
„Mein Schicksal wurde geregelt, ohne dass man nach meiner Meinung fragte“ Das Buch war super gut und absolut empfehlenswert! Es zeigt klar die Gleichgültigkeit des Lebens und am Ende sogar dessen Konfrontation mit dem christlichen Glauben, was wirklich interessant war. Die mürrische Laune des Protagonisten zog sich durch das ganze Buch, aber das gefiel mir, denn das macht die Geschichte aus. Ich hatte zwar manchmal das Gefühl, dass alles ein wenig langatmig ist, aber gleichzeitig passierte so viel innerhalb weniger Seiten. Immer wieder traf ich auf Zitate, die mich selbst zum Nachdenken anregten, was ich super spannend fand. Die Gefühle des Protagonisten waren eine echte Achterbahnfahrt, die gleichermaßen eingefroren wirkte. Wirklich ein tolles Buch, das man gelesen haben sollte!
Einstieg schwierig; aber stilistisch grandios.
Anfangs hatte ich echt zu tun in die Geschichte reinzukommen. Es hat mich richtiggehend gelangweilt. Aber ich denke, das war auch der Effekt, der erzielt werden sollte; um so die Gleichgültigkeit des Protagonisten an den Leser zu bringen. Super fand ich dann den Wechsel zum zweiten Teil des Buches. Wo zuvor ganz kurze abgehakte Sätze Vorrang hatten, hörten die Sätze hier nun kaum mehr auf. Da ihm klar wird, dass seine Meinung nun nicht mehr wichtig ist, hat er plötzlich eine Meinung. Dinge bewegen und beschäftigen ihn, eben weil ihm die Hände gebunden sind. Plötzlich kriegen diese Gedanken auch mehr Raum, sätzelang, seitenlang, der Lesefluss nimmt zu, alles wird dynamischer. Und das nur, weil ihn im Gegensatz zum Anfang endlich etwas erreicht und bewegt hat. Stilistisch wurde der Wechsel zwischen Desinteresse/Interesse absolut gut dargestellt. Vor der Hälfte hatte ich das Buch schon fast aufgegeben. Aber danach fing die Art und Weise wie es geschrieben wurde langsam aber sicher an Sinn zu ergeben.
Anfang hat sich gezogen und es war nicht deutlich, in welche Richtung die Geschichte gehen wird. Mit der Einführung von Raymond wurde das Ganze zunehmend klarer und auch spannender. Der Protagonist verkörpert maximale Gleichgültigkeit, das lernt der Leser erst mit den Seiten zu erkennen. Diese Trockenheit und Leere in den unbekümmerten wie knappen Feststellungen des Protagonisten kam bei mir gut an, während es gleichzeitig auf eine positive Art zunehmend schwieriger wird, Sympathien für ihn aufzubringen, bevor das starke Ende den Eindruck teils zu kippen versucht. "Kann ihn etwas verstehen", war dann mein Gedanke nach Abschluss und es regt zumindest kurzweilig zum Nachdenken an. Trotz der von ihm festgestellten Fehler an der "Maschine", bleibt das Verbrechen, also RIP an den Arab Dude. Buch geht insgesamt klar.
Ein wunderbares Werk aus dem man etwas mitnehmen kann!
Camus' Philosophie des Absurden ist in erster Linie erstmal abschreckend, nimmt es dem Leben doch jeglichen Sinn. Beim genaueren hinschauen aber, und beim Lesen dieses Buches, erkennt man aber genau das Gegenteil von Abschreckung, sondern eher Hoffnung. Oder Erleichterung. Es nimmt nämlich eben diesen Druck, den uns unsere heutige Gesellschaft macht. Du musst das, dies und jenes. Man sollte nichts verpassen und man muss das glauben, den lieben und für jenes einstehen. Protagonist Mersault ist ein Mensch der in der absoluten Gegenwart lebt. Er bereut nichts in seinem Leben, er hat keine Wünsche aber ebenso auch keinen Missmut und keine Trauer. Er erwartet nichts vom Leben und lebt es so, wie es kommt. So bekommt er jedes kleineDetail seiner Gegenwart zu fassen und ist, wenn man ehrlich ist, die Achtsamkeit in Person. Das, wonach wir heutzutage alle Streben. Das schöne im Detail erkennen, Zufriedenheit im Leben erfahren. In Camus Der Fremde erfährt man, dass Moral und Glaube eine Erfindung des Menschen ist, die ebenso nur dazu dient, Menschen ein gesellschaftliches Gefüge unterzuordnen. Mersaults Gleichgültigkeit wirkt banal, absurd und teils erschreckend. Aber ebenso befreiend. Camus Schreibstil ist wunderbar klar und verständlich. Einfach gehalten und unaufgeregt. Man fühlt sich schnell in die Welt hineingesetzt. Es wird eine ruhige Atmosphäre vermittelt und man würde am liebsten 700 Seiten über Mersaults Beobachtungen von seinem Balkon folgen. Die gewisse Priese Sarkasmus lässt einen das ein und andere mal herzhaft lachen. „Wollen sie ihre tote Mutter nochmal sehen?“ - „Nein, Danke“

Existentialismus galore
Nachdem ich unlängst Die Pest von Camus beendet und vollkommen begeistert verschlungen habe, waren meine Erwartungen an Der Fremde entsprechend groß. Anfänger Fehler, da Stil und Bedeutung beider Werke kaum vergleichbar sind. Nachdem ich nach gut einem Drittel ein bisschen Recherche betrieben hab, weil ich das Gefühl hatte, Der Fremde will mir etwas sagen, das ich ohne Kontext nicht verstehe, habe ich begonnen zu verstehen, worum es geht. Existentialismus. Mit dem Kontext las sich der Rest des Buchs sehr viel eindringlicher. Gerade den zweiten Teil konnte ich kaum weglegen. Ich weiß nicht, ob Der Fremde ein Werk ist, das ich weiterempfehlen werde oder über das ich großartig viele Worte verlieren werde, da ich auch nicht weiß, ob ich Existentialismus überhaupt verstehe. Dennoch ist es ein Buch, über das ich noch sehr viel nachdenken werde. Über das ich gern sprechen und philosophieren würde. Wie gern wäre ich ein alter weißer Mann im letzten Jahrhundert, der so tut, als wüsste er genau, worum es Camus geht. Aber vielleicht geht es bei Existentialismus auch genau darum, es eigentlich nicht zu wissen und sich seine eigene Essenz, sein eigenes Verständnis zu bilden.
Langweilig aber in anstrengend?
Nachdem ich „Der Gast“ von Camus schon gelesen habe, habe ich von diesem Buch tatsächlich mehr erwartet. Leider fand ich sowohl Schreibstil als auch Story gleichzeitig brutal langweilig als auch sehr verwirrend, sodass man als Leser:in nicht mehr mitgekommen ist. Ich hab nicht so ganz verstanden, was jetzt das Besondere sein soll 🤷♀️
Ich hab so lang gebraucht um zu verstehen was mit la bière gemeint ist.. 🥲 Abgesehen davon ist das Buch großartig, dieser gleichgültige Schreibstil! Ich denke direkt an das Rauchverhalten von M. Meursault… einfach toll! Schreibstil: 5/5 Thema: 3,5/5 Charaktere: 4,5/5 Pacing: 3/5 Besondere Momente: 3/5
Zeitweilig langatmig, einfach nicht so ganz meins gewesen, dennoch spannende Thematiken
Der Roman Der Fremde von Albert Camus erzählt die Geschichte des Franzosen Meursault, der in Algerien lebt und sich durch eine auffallende emotionale Distanz gegenüber seiner Umwelt auszeichnet. Die Handlung beginnt mit dem Tod seiner Mutter. Meursault reist zum Altersheim, um an der Beerdigung teilzunehmen, zeigt dabei jedoch kaum Trauer oder Betroffenheit. Stattdessen beschäftigt er sich mit banalen Dingen wie der Hitze oder seinem körperlichen Befinden. Schon hier wird deutlich, dass Meursault anders auf Ereignisse reagiert als die Menschen um ihn herum. Nach der Beerdigung kehrt er in seinen Alltag zurück. Er beginnt eine Beziehung mit seiner ehemaligen Kollegin Marie und freundet sich mit seinem Nachbarn Raymond an, der in zwielichtige Geschäfte verwickelt ist. Durch Raymond gerät Meursault in einen Konflikt mit einigen arabischen Männern. Bei einem Ausflug ans Meer eskaliert die Situation: In der drückenden Hitze und geblendet vom Sonnenlicht erschießt Meursault einen der Männer am Strand – scheinbar ohne klares Motiv. Der zweite Teil des Romans beschreibt den Prozess gegen Meursault. Dabei steht weniger die Tat selbst im Mittelpunkt als vielmehr seine Persönlichkeit und sein Verhalten, insbesondere seine emotionale Gleichgültigkeit beim Tod seiner Mutter. Vor Gericht wird ihm seine fehlende Reue und seine Gleichgültigkeit gegenüber gesellschaftlichen Erwartungen vorgeworfen. Schließlich wird er zum Tode verurteilt. Der Roman behandelt zentrale Themen des Existenzialismus und des Absurden. Ein wichtiges Thema ist die Absurdität des Lebens: Camus zeigt, dass das Leben keinen objektiven Sinn besitzt und der Mensch mit dieser Sinnlosigkeit umgehen muss. Meursault verkörpert diese Haltung, da er die Welt nüchtern und ohne Illusionen wahrnimmt. Ein weiteres Thema ist die Fremdheit gegenüber der Gesellschaft. Meursault passt nicht in die sozialen Normen, weil er Gefühle und moralische Erwartungen nicht so zeigt, wie es von ihm verlangt wird. Deshalb wird er von der Gesellschaft verurteilt, nicht nur wegen seiner Tat, sondern vor allem wegen seines Andersseins. Zudem thematisiert der Roman Wahrheit, Freiheit und die Konfrontation mit dem Tod. Erst am Ende, als Meursault seine Hinrichtung akzeptiert, erkennt er die Gleichgültigkeit der Welt und empfindet eine Art innere Freiheit. So zeigt der Roman eindringlich, wie ein Mensch, der sich nicht den gesellschaftlichen Erwartungen anpasst und die Sinnlosigkeit des Lebens akzeptiert, zum Außenseiter wird und schließlich an der Gesellschaft scheitert.
Es fällt einem beim Lesen sehr schwer in irgendeiner Hinsicht mit dem Protagonisten mitzufühlen und die Geschichte ist zum größten Teil sinnlos. Aber genau dies nutzt Camus als Stilmitel in seinen Werken, um die Sinnlosigkeit des Lebens zu deuten. Der Fremde reißt einen aus den gewohnten normen von Erzählungen, was das Buch meiner Meinung nach außergewöhnlich macht und dementsprechend den Literaturnobelpreis verdient. Man stellt sich als Leser viele Fragen über das kuriose und oft absurde Handeln sowie auch Denken von Merseult, dem Protagonisten. Man sollte dem Buch auf jeden Fall eine Chance geben!
Wenn Teilnahmslosigkeit plötzlich Sinn ergibt
„Der Fremde“ hat mich anfangs irritiert: Meursaults Teilnahmslosigkeit wirkte befremdlich und ließ den ersten Teil fast monoton erscheinen. Doch im zweiten Teil fügt sich alles zusammen. Plötzlich verstand ich, dass er tatsächlich der Fremde ist – nicht nur für andere, sondern in einer Welt, deren Regeln er nicht teilt. Besonders der Prozess und das letzte Kapitel haben mich beeindruckt: Die Klarheit, mit der sich Meursault seiner eigenen Wahrheit stellt, empfand ich als grandios und unerwartet kraftvoll.
Characteristics
14 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Description
«Mir wurde klar, dass ich das Gleichgewicht des Tages zerstört hatte, die außergewöhnliche Stille eines Strandes, an dem ich glücklich gewesen war. Da habe ich noch viermal auf einen leblosen Körper geschossen, in den die Kugeln eindrangen, ohne dass man es ihm ansah. Und es war wie vier kurze Schläge, mit denen ich an das Tor des Unglücks hämmerte.»
Die Geschichte eines jungen Franzosen in Algerien, den ein lächerlicher Zufall zum Mörder macht, wurde 1942 im besetzten Frankreich zu einer literarischen Sensation. Der Roman bedeutete den schriftstellerischen Durchbruch für Albert Camus und gilt heute als einer der Haupttexte des Existenzialismus.
Book Information
Author Description
Albert Camus wurde am 7. November 1913 als Sohn einer Spanierin und eines Elsässers in Mondovi, Algerien, geboren. Er studierte an der Universität Algier Philosophie, 1935 trat er der Kommunistischen Partei Algeriens bei und gründete im Jahr darauf das «Theater der Arbeit». 1937 brach er mit der KP. 1938 entstand sein erstes Drama, Caligula, das 1945 uraufgeführt wurde, 1947 sein Roman «Die Pest». Neben seinen Dramen begründeten der Roman Der Fremde und der Essay Der Mythos des Sisyphos sein literarisches Ansehen. 1957 erhielt Albert Camus den Nobelpreis für Literatur. Am 4. Januar 1960 starb er bei einem Autounfall.Das Gesamtwerk von Albert Camus liegt im Rowohlt Verlag vor.
Posts
„Abends hat Marie mich abgeholt und hat mich gefragt, ob ich sie heiraten wollte. Ich habe gesagt, das wäre mir egal, und wir könnten es tun, wenn sie es wollte.“
Albert Camus „Der Fremde“ ist ein Roman, bei dem man schnell merkt, warum er so oft gelesen und diskutiert wird – auch wenn ich am Ende eher zwiegespalten zurückbleibe. Die philosophischen Fragen rund um Sinn, Schuld und die Absurdität des Lebens werden sehr deutlich, vor allem durch die Erkenntnis ganz am Schluss. Dieses Ende verleiht der Geschichte im Nachhinein viel Gewicht und macht deutlich, worauf Camus eigentlich hinauswill. Der extrem trockene, nüchterne und fast schon stumpfsinnig deprimierende Schreibstil passt zwar perfekt zur Hauptfigur Meursault und bringt seinen Charakter sehr gut rüber, kann aber auch anstrengend sein. Gleichzeitig hat genau diese Trockenheit etwas Unterhaltsames, weil sie so konsequent durchgezogen ist und stellenweise fast absurd wirkt. Trotz der Kürze hatte der Roman für mich einige Längen. Manche Passagen ziehen sich, ohne wirklich Neues beizutragen, was das Lesen stellenweise zäh macht. Gerade deshalb war ich etwas enttäuscht, denn von einem so gefeierten Klassiker hatte ich mir insgesamt mehr erhofft. Unterm Strich ist „Der Fremde“ ein wichtiges Buch mit starken philosophischen Gedanken und einem einprägsamen Ende, das meinen Erwartungen aber nur teilweise gerecht wurde.

'Der Fremde' liest man in einem Zug und denkt ein Leben lang darüber nach. Ein schmales Buch mit großem Schweigen.
„Heute ist Mama gestorben. Oder vielleicht gestern, ich weiß es nicht.“ – Kaum ein erster Satz der Weltliteratur verrät so viel über seinen Protagonisten und lässt gleichzeitig so viel im Dunkeln. In dieser lakonischen Distanz offenbart sich bereits das ganze Wesen von Meursault, der zentralen Figur in Albert Camus Debütroman ‚Der Fremde‘. Meursault existiert. Er schwitzt in der algerischen Hitze, er isst, er schläft, er geht sogar eine Liebesbeziehung mit einer Frau namens Marie ein. Doch während die Welt um ihn herum in Bedeutungen schwelgt, treibt Meursault lediglich auf der Oberfläche des bloßen Seins. Als seine Mutter stirbt, kann er weder weinen noch andere Arten der Trauer zeigen. Als Marie ihm ihre Liebe gesteht, antwortet er mit der Wahrheit: Wahrscheinlich liebt er sie nicht, aber das spielt ohnehin keine Rolle. Und als er an einem gleißenden Mittag in Algier einen Araber erschießt, geschieht dies nicht aus Hass, sondern weil ihm die Sonne zu sehr ins Auge geschienen hat. Der Mord ist für ihn also kein moralisches Verbrechen, sondern ein fatales Naturereignis. Albert Camus schrieb ‚Der Fremde‘ im Jahr 1942, zeitgleich mit seinem philosophischen Essay ‚Der Mythos des Sisyphos‘. Die beiden Werke sind untrennbar: Während der Essay das Absurde theoretisch herleitet, gibt Meursault ihm ein Gesicht. Was auf den ersten Blick wie emotionale Taubheit wirkt, ist bei genauerem Hinsehen eine radikale, konsequente Aufrichtigkeit. Meursault ist kein Monster, sondern ein Mensch, der die kleinen sozialen Lügen verweigert, die das gesellschaftliche Getriebe erst möglich machen. Man kann ihn sozusagen als den ‚absurden Menschen‘ betrachten, der die Illusion aufgegeben hat, dass die Welt ein sinnhaftes Fundament besitzt. Die Genialität des Romans liegt meiner Meinung nach in seinem zweiten Teil: Meursault wird überhaupt nicht für den Mord hingerichtet, sondern für seine Unfähigkeit, Gefühle zu zeigen. Im Gerichtssaal wird nämlich nicht über die Tat, sondern über seine Seele verhandelt. Die Gesellschaft kann ihm den scheinbar sinnlosen Mord verzeihen, aber sie kann nicht dulden, dass Meursault ihre moralischen Übereinkünfte und Traditionen ignoriert. Damit legt Camus einen wunden Punkt offen: Jede soziale Ordnung beruht primär auf Konformität, nicht auf Wahrheit. Kurz vor der Hinrichtung findet Meursault keine Reuegefühle, sondern eine paradoxe Erlösung. In der Erkenntnis, dass die Welt ihm gegenüber gleichgültig ist, findet er schließlich seine persönliche Ruhe. Es ist die Geburtsstunde der Revolte – nicht nur im Buch, sondern auch in Camus Philosophie: Die Weigerung, vor der Sinnlosigkeit zu kapitulieren oder sich in metaphysische Tröster zu flüchten. Camus’ Schreibstil ist so konsequent wie seine Weltsicht: knapp, protokollarisch, sogar fast bürokratisch. Der Text besteht überwiegend aus kurzen Hauptsätzen, die ohne Gefühle oder anderweitige Psychologisierung auskommen. Unter dieser äußerlich kühlen Narration brodelt jedoch die existenzielle Frage, wie man leben soll, wenn man einmal begriffen hat, dass kein Gott, kein Schicksal und keine Moral einem die Arbeit für ein erfüllendes Leben abnehmen. Man kann heute kaum über ‚Der Fremde‘ sprechen, ohne den blinden Fleck zu erwähnen: Das Opfer bleibt namen- und gesichtslos, ein Statist in der französischen Kolonialkulisse. Erst Kamel Daoud hat dem Getöteten Jahrzehnte später in ‚Der Fall Meursault‘ eine Stimme gegeben. Doch trotz dieser historischen Limitierung bleibt Camus’ Werk eine unumgängliche Wucht – ein literarisches Meisterwerk über die Freiheit, die in der absoluten Ehrlichkeit liegt.

Albert Camus’ „Der Fremde“ gilt als Klassiker der Existenzphilosophie – doch trotz seines literarischen Rufs konnte mich das Buch leider nicht überzeugen. Die Geschichte um Meursault, einen emotional distanzierten Mann, der scheinbar gleichgültig auf das Leben und den Tod reagiert, wirkt zwar tiefgründig angelegt, bleibt aber für mich zu kühl und schwer zugänglich. Der nüchterne Schreibstil, der wohl die innere Leere des Protagonisten widerspiegeln soll, lässt die Handlung seltsam leblos erscheinen. Viele Passagen ziehen sich, und Meursaults Gleichgültigkeit macht es schwer, irgendeine emotionale Bindung zu ihm oder zur Geschichte aufzubauen. Auch wenn die philosophische Botschaft über Sinnlosigkeit und gesellschaftliche Erwartungen interessant ist, verliert sie durch die monotone Erzählweise an Wirkung. Insgesamt ist „Der Fremde“ sicherlich ein bedeutendes Werk der Weltliteratur, aber als Leseerlebnis fand ich es eher anstrengend und wenig mitreißend. Für mich persönlich überwiegt die theoretische Bedeutung den tatsächlichen Lesegenuss – daher nur 2 von 5 Sternen.
Vom Versuch, der Sinnlosigkeit einen Sinn zuzuschreiben - und umgekehrt
Gar nicht so leicht, das Buch zu bewerten - denn der Titel ist Programm: Der Protagonist Meursault ist seiner Welt fremd und die Welt ist ihm fremd; er passt sich ihr an und gleichzeitig hält er sich weder an gesellschaftliche Konventionen noch an moralische Maximen, hat weder Gemeinschaftssinn noch handelt er egoistisch - er lässt alles geschehen, ohne darin einen Sinn zu suchen oder dem Geschehen selbst einen Sinn zu geben. Dabei ist er weder komplett teilnahmslos noch nimmt er auch nur im Ansatz am Leben teil. Das Leben passiert schlichtweg und er passiert mit. Über die erste Hälfte des Buchs habe ich mir die ganze Zeit die Frage gestellt, warum Meursault so ist, wie er ist. Wie später auch das Gericht versucht, eine scheinbar so sinnentleerte Tat wie der Protagonist sie begeht mit Bedeutung zu füllen, habe auch ich die ganze Zeit versucht, die Figur charakterlich zu verorten und bin daran gescheitert, dass er sich gewissermaßen außerhalb des gesellschaftlichen und literarischen Rasters bewegt. Am Ende habe ich den Versuch aufgegeben: Eine Identifikation mit der Figur kann nicht gelingen, eine Sympathie kann nicht aufgebaut werden, und doch wäre es nicht richtig, Meursault zu verurteilen, weil seine pathologisch anmutende Gleichgültigkeit ein Urteil verbietet, das ich lediglich aus Kategorien bilden kann, die der Protagonist nicht kennt und nicht verstehen kann. Auch wenn mich die dauerhafte Verwendung des Perfekt im ersten Teil wahnsinnig gemacht hat, war die Leseerfahrung total spannend und lässt mich vermutlich noch eine ganze Weile grübeln. Denn am Ende bleibt eine Leerstelle, die sich scheinbar jeglicher Bedeutungszuschreibung entzieht - das ist die hohe Kunst in Albert Camus "Der Fremde". Empfehlung? Ich bin mir sicher, die Bewertung sähe anders aus, wenn ich mich im Vorfeld mit dem Buch, dem Thema, der Strömung oder dem Inhalt auseinandergesetzt hätte. Vermutlich hätte ich es gar nicht gelesen; mit Sicherheit wäre ich genervter von dem kindlichen Schreibstil der ersten 100 Seiten gewesen. Letzten Endes hat mich das Buch aber nicht nur aufgrund seines letzten Kapitels, sondern auch wegen der Möglichkeit überzeugt, nun einen Blick fürs Ganze zu haben. Dennoch würde ich das Buch nur einem recht speziellen Publikum empfehlen, das sich auf experimentelle Literatur einlassen kann und nicht nur Bücher wegen ihrer interessanten Story oder ihrem Worldbuilding herunterlesen möchte.
Die Leere des Anderen: Camus’ Blick auf das fremde Ich?
Das Werk bietet einen leicht verständlichen Zugang zu komplexen psychologischen Themen; die Kritik am Justizsystem ist zudem ein wertvoller Diskussionspunkt. Obwohl das Buch kurz und in einer klaren Sprache geschrieben ist, hinterlässt es einen tiefen Eindruck. Besonders aktuell wirkt Meursault, den man heute fast als jemanden mit anhedonischen oder schizoiden Zügen beschreiben könnte. Seine extreme Empfindlichkeit gegenüber Licht, Lärm und Hitze deutet zudem auf ein überreiztes Nervensystem hin – ein unbewusster Abwehrmechanismus, der emotionale Taubheit erzeugt. Aus dieser Sicht könnte seine Tat als plötzliche Entladung einer lang angestauten inneren Spannung interpretiert werden. Es ist faszinierend, wie der ehrgeizige und erfolgreiche Albert Camus einen Charakter schuf, der das exakte Gegenteil seiner eigenen Vitalität verkörpert. Er scheint die Frage zu stellen: Wie ist es möglich, so passiv durch das Leben zu gehen? Camus nutzt den anschließenden Prozess, um die Unfähigkeit eines Gerichts aufzuzeigen, einen Menschen wirklich zu richten. Da Geschworene nicht in das Herz eines Mannes blicken können, lassen sie sich von rhetorischen Spielen und Vorurteilen leiten. Dies führt vor Augen, warum die Todesstrafe keine Entscheidung sein sollte, die Menschen über ihre Mitmenschen fällen dürfen. Die Geschichte führt konsequent zum Thema Tod. Dort liegt für mich der Kern. Stellt sich der Autor die Frage: Erkennen Menschen, die so „leer“ gelebt haben, im letzten Moment, dass sie ihre Zeit verschwendet haben? Erlangen sie doch noch ein Bewusstsein? Ein tiefgründiges Werk, das mich sehr beeindruckt hat und mich dazu bewegt, weitere Bücher dieses Autors zu lesen.
Schwieriger Leserhythmus
Die Art wie es geschrieben ist hat mir das lesen schwer gemacht da ich keinen richtigen Rhythmus bekommen hab. Mit ist klar das es so geschrieben wurde um den Protagonisten der anfangs ein wenig dümmlich scheint dem Leser näher zu bringen. Alles in allem ist die Geschichte selbst aber absolut Lesenswert da der Protagonist mich auf eine eigenartige Weise fasziniert hat so das ich trotz des ungewöhnlichen Leserhythmus dran bleiben wollte.
Um mich dem Existenzialiamus zu nähern griff ich zu Camus Werk, welches mich etwas ratlos zurückließ. Ein unterkühlter Mensch der sich schuldig machte, durch mangelnde Trauer über den Tod seiner Mutter. Interessant, eine andere Perspektive, aber auch irritierend. Ich hoffe niemand liest meine nichtsaussagenden Zeilen.
„Es ist so, dass ich nie viel zu sagen habe. Dann schweige ich“
Ein sehr spannendes und nachdenklich machendes Buch. Besonders die Diskussion zwischen dem Protagonisten und dem Priester kurz vor Ende bringt die zentralen Themen wie Sinnlosigkeit, Gleichgültigkeit des Lebens und den Konflikt mit dem christlichen Glauben stark zum Ausdruck. Meursault ist ein widersprüchlicher Charakter: Einerseits fühlt man mit ihm und hofft auf seine Freisprechung, andererseits stößt seine Gefühllosigkeit auch ab. Insgesamt ein sehr gutes Buch mit vielen Zitaten, die zum Nachdenken anregen, und absolut empfehlenswert.
Ich fand das Buch wirklich gut. Besonders beeindruckt hat mich die Gefühllosigkeit des Hauptcharakters, diese distanzierte und gleichgültige Art hat mich sehr zum Nachdenken gebracht. Die Sprache ist zwar eher einfach und nicht besonders spannend, aber genau das passt gut zur Figur und verstärkt die Wirkung der Geschichte. Insgesamt hat mich das Buch trotz der schlichten Sprache inspiriert und ich finde es sehr lesenswert.

Interessante Massage und Langweiliger Verpackung
Ich möchte gleich zu Anfang sagen, dass ich die Hörbuch-Version dieses Werkes gehört habe, und ich war wirklich sehr gespannt, da es ein Klassiker sein soll, den man mal gelesen haben sollte. Leider hat mich die Geschichte gar nicht abgeholt, und ich verstehe die Botschaft, die man übermitteln möchte, aber die Verpackung ist für meinen Geschmack zu zäh. Der Schreibstil ist sehr einfach, zu einfach, meiner Meinung nach. Es fehlt an Abwechslung und kreativen Einflüssen im Stil, was das Ganze leider etwas eintönig macht. Dazu kommt der Sprecher in der Hörbuch-Version, der das Ganze mit einer gleichgültigen Stimme vorträgt, was das Hören manchmal anstrengend macht. In der Tat passt seine Art zu sprechen jedoch sehr gut zu dem Charakter, der die Geschichte erzählt, und ist somit gut ausgesucht. Für meinen Geschmack war es trotzdem ein zu krampfhaftes Erlebnis und das Buch hat leider nicht meinen Geschmack getroffen.
Kurz aber tiefsinnig
Das Werk gilt als Schlüsseltext des Existenzialismus bzw. des Absurden, warum ich aus Interesse das Buch gelesen habe. Erzählt wird die Geschichte von Meursault, einem emotional distanzierten Mann, dem Tod seiner Mutter und der darauf folgenden Ereignisse, welche sein Leben auf den Kopf stellten. Durch die nüchterne, klare Sprache des Schreibstils wird die Distanz des Protagonisten zu seiner Umwelt verstärkt und macht so die Erzählungen teilweise beklemmend und faszinierend. 🦈
Das Buch Brauch ein wenig um zu wirken.
Zu allererst hatte ich etwas Probleme mit dem Schreibstil. Sehr kurze, abgehackte Sätze, die Sprache an sich recht einfach gehalten, war für den Lesefluss etwas hinderlich. Gerade im zweiten Teil des Buches wurde es aber deutlich angenehmer zu lesen und wirkte nicht mehr so entmenschlicht. Ich kam dann letztlich zu dem Schluss, dass es ggf. Sogar so gewollt ist und ein bewusstes Stilmittel ist. Der Protagonisten ist teils so gleichgültig und letargisch, dass ich etwas brauchte mit diesem warm zu werden. Doch am Ende macht alles dann doch irgendwie einen Sinn und ergibt ein rundes Bild. Es ist nicht der schönste Klassiker den ich je gelesen habe, jedoch weiß er zu gefallen. Man muss sich ein wenig auf das Buch einlassen.
Das Buch ist in zwei Teile aufgeteilt. Im ersten Teil geht es um einen jungen Franzosen in Algerien, der den Tod seiner Mutter gefühlslos lässt. Sich gleichgültig mit einer Frau einlässt und später einen Araber erschießt. In Teil zwei geht es um den Gerichts Prozess, die Gedanken des Franzosen und einen Gespräch mit einem Geistlichen. Der Fremde ist von einer Gleichgültigkeit und Teilnahmslosigkeit geprägt, der von Albert Camus wunderbar erzählt wird. Der Schreibstil ist daher in sehr einfachen knappen Sätzen gehalten. So wirkt alles recht trostlos, fast schon lieblos, genau wie der Protagonist. Ich das Buch sehr anstrengend zum Lesen. Die Art dieser Erzählung ist einfach nicht meins.
„Der Fremde“ von Albert Camus bietet einen interessanten Einblick in die Gedankenwelt einer Person, die nicht ins gesellschaftliche Raster passt. Der Protagonist Meursault wirkt wie ein Außenseiter, fast wie ein Alien unter Menschen, nicht weil er anderen schaden will , sondern weil er einfach ist, wie er ist und die gesellschaftlichen Spielregeln nicht versteht. Seine Taten und seine gleichgültige Haltung wirken auf viele befremdlich oder sogar provozierend und doch scheint darin auch eine stille Sehnsucht nach Ruhe und Authentizität zu liegen. Ein stilles, aber starkes Buch, das zum Nachdenken anregt.
Wie ein Blick in die Leere
„Der Fremde“ von Albert Camus ist ein außergewöhnlicher Roman, der mich von der ersten bis zur letzten Seite in seinen Bann gezogen hat – nicht zuletzt wegen seines unkonventionellen Protagonisten Meursault. Was mich besonders fasziniert hat, ist, wie radikal sich dieser Charakter von den üblichen literarischen Helden abhebt. Wo man sonst eine emotionale Verbindung aufbaut, sich mit den Gedanken und Gefühlen der Hauptfigur identifiziert oder ihre inneren Konflikte nachvollzieht, bleibt Meursault seltsam entrückt. Seine distanzierte, beinahe gleichgültige Haltung gegenüber dem Leben und seinen Mitmenschen wirft nicht nur Fragen auf, sondern zieht einen auch auf eine ganz eigene Weise in die Geschichte hinein. Gerade diese Emotionslosigkeit – das scheinbare Desinteresse an allem, sei es der Tod seiner Mutter oder die eigenen Konsequenzen nach dem Mord ist es, was das Buch so besonders macht. Camus bricht bewusst mit Erwartungen und gewohnten Leserhaltungen. Statt uns einen Protagonisten zu geben, in den man sich hineinversetzen kann, hält er uns Meursault wie einen kalten Spiegel vors Gesicht. Und genau das war für mich äußerst erfrischend und spannend. Es war, als würde man eine komplett neue Perspektive kennenlernen, eine Sicht auf die Welt, die so ganz anders ist als die eigene. Auch die Handlung selbst ist eindringlich und fesselnd. Der Übergang von Meursaults monotonem Alltag hin zu dem scheinbar grundlosen Mord kommt unerwartet und verstört – und macht das Buch gleichzeitig so mitreißend. Mit jedem Kapitel wird die Geschichte dichter, dunkler, und je näher man dem Ende kommt, desto mehr nimmt die Spannung zu. Besonders beeindruckend fand ich, wie Camus es schafft, diese düstere Entwicklung so nüchtern und gleichzeitig so intensiv zu schildern. Der Fremde ist für mich eines der Bücher, die nicht nur beim Lesen faszinieren, sondern lange danach im Kopf bleiben. Es regt zum Nachdenken an – über Moral, Gleichgültigkeit, den Sinn des Lebens und unsere Erwartungen an andere Menschen. Es gehört definitiv zu meinen Lieblingsbüchern und ich kann es jedem empfehlen, der bereit ist, sich auf eine ungewöhnliche, tiefgründige und verstörend ehrliche Lektüre einzulassen.
Ein philosophischer, gesellschaftskritischer und absolut lesenswerter Klassiker.
Wir alle kennen Rollenerwartungen der Gesellschaft. Genau hier setzt Camus "Der Fremde“ an. Der Roman erzählt von einem Mann, der sich weigert (oder vielleicht einfach nicht fähig ist), Gefühle zu inszenieren und gesellschaftliche Rollen zu erfüllen. Und genau dafür wird er beurteilt. Camus zeigt eindrücklich, wie schnell Menschen nicht nach ihren Handlungen, sondern nach Erwartungen, Emotionen und Anpassung bewertet werden. Rollenerwartungen wirken dabei wie unausgesprochene Regeln: Man fügt sich ein – oder man fällt heraus. Der Roman ist weniger Handlung als Provokation und stellt unbequeme Fragen: Müssen Gefühle gezeigt werden, um gültig zu sein? Ist Anpassung wichtiger als Ehrlichkeit? Was bleibt, ist nicht die Gleichgültigkeit der Hauptfigur, sondern die Erkenntnis, wie wenig Raum unsere Gesellschaft für Menschen lässt, die anders fühlen, anders Handeln – oder sich nicht erklären wollen. Für mich ein philosophischer, gesellschaftskritischer und absolut lesenswerter Klassiker.

Gilt als Klassiker und Paradebeispiel des Existentialismus ist aber teils echt trocken.
Ich habe Camus mit diesem Buch begonnen zu lesen und muss sagen auf den ersten Blick war ich sehr enttäuscht und fande es sehr ernüchternd, wie auch viele in den Rezensionen hier beschrieben haben. Die Handlung an sich ist extrem zäh und hat mich persönlich garnicht gecatched, da habe ich mich teils durchgequält. Der Punkt ist, dass das Existentialismus gelebt in reiner Form ist. Camus zeigt hier deutlich, wie die Gesellschaft einen Sinn im Leben als selbstverständlich annimmt und was geschieht, wenn sich jemand diesen konsequent widersetzt. Diese Spannung ist sehr interessant und das Fazit, dass ich daraus nehme, dass jeder Mensch sich seinen Sinn selbst schaffen kann ist stark, allerdings auch gefährlich, wenn man bedenkt, wie tief man in dieses Loch der Sinnlosigkeit fallen kann. Im großen und Ganzen so ein mittleres Ding, da es doch sehr anstrengend war, aber die Botschaft ist klar.
Hin und hergerissen
Das Buch hat mich einerseits interessiert, weil es so direkt und ehrlich erzählt ist, andererseits blieb ich oft auf Distanz so wie der Erzähler selbst. Meursaults Gleichgültigkeit wirkt befremdlich, aber sie hat etwas Ehrliches, das einen nachdenken lässt. Kein Buch, das man unbedingt liebt, aber seinen Eindruck hinterlässt.
Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt
Irgendwie passiert das ganze Buch über nichts, aber das ist ein Eindruck, der durch Meursaults Gleichgültigkeit hervorgerufen wird. Er ist ein junger Mann, der den Ton abstellt, weil ihm vieles oft zu laut wird. Er beerdigt seine Mutter, geht schwimmen, begeht einen Mord, weil die Sonne sticht. Mehr Handlung gibt es kaum. Das Buch liest sich sehr rasch, aber es lässt einen trotzdem mit viel zurück. Für mich war es ein Gefühl der Entlastung und sogar Mitgefühl. Meursault zeigt keine Emotionen, als seine Mutter stirbt, was nachvollziehbar ist, denn sie hatten keine enge Beziehung. Genauso ist es mit dem Mord: Er tötet ohne echten Grund. Keine Wut, keine Rache. Es passiert einfach. Hört man ihm zu, bekommt man oft den Eindruck, ihm sei alles „einerlei". Aber ist dem wirklich so? Vielleicht liegt es vielmehr daran, dass sein Weltverständnis schlicht ist und deshalb in seiner scheinbaren Bedeutungslosigkeit für andere so erschreckend wirkt. Er hat erkannt, dass es ein „egal" gibt und dass jede Handlung oder Entscheidung im Großen und Ganzen bedeutungslos und absurd bleibt. Vielleicht hat er sogar recht. Denn warum sonst fühlt man sich angegriffen und bestraft andere für ein Handeln, das vielleicht sogar einer universellen Wahrheit entspricht? Besonders eindringlich wird dies im Gerichtsprozess deutlich. Hier offenbart sich unsere gesellschaftliche Maschinerie aus vorgetäuschter Moral, Sensationslust und gespielter Empathie. Niemand interessiert für das genommene Leben, sondern dafür, dass Meursault nicht um seine Mutter geweint hat. Das zeigt die willkürliche Logik, nach der wir als Gesellschaft Entscheidungen von unseren selbst kreierten Normen ableiten. Ich wurde oft an die eigene Dauerschleife aus Empörung und Verachtung, die wir heute untereinander produzieren und für die wir uns gegenseitig loben, erinnert. Und unweigerlich an den daraus resultierenden Unwillen, sich mit den Handlungen anderer außerhalb der eigenen moralischen Perspektive auseinanderzusetzen. Anders ist halt doof und gefährlich. Denn wenn ich nicht mehr zu glauben vermag, was bin ich dann noch? Das sieht man auch an den Nebencharakteren: Sie verlangen Konformität, um sich ihrer selbst zu vergewissern. Meursault kann (oder will) sie ihnen nicht geben, daher wird diese schließlich auf ihn projiziert. Ein anderer würde sich rechtfertigen, ein Selbstbild konstruieren, denn der Mensch möchte sich seiner Existenz durch Selbstdarstellung versichern. Doch Meursault verweigert sich diesem gesellschaftlichen Theater und entlarvt dadurch die Selbstvergewisserungsrituale der anderen. Dafür muss er sterben. Was ich in diesem Zusammenhang interessant fand: Camus’ Absurdismus ist nicht nur nihilistisch, sondern hat eine fast positive Antwort auf die Sinnlosigkeit des Universums. Camus hat mal gesagt, dass es nur eine wirklich ernste philosophische Frage gibt: den Selbstmord. Oder anders gesagt, die Entscheidung zwischen Selbstmord und einer Tasse Kaffee. Beides gleich bedeutungslos, aber die Entscheidung macht den Unterschied. Ich habe das Buch nun erneut nach meiner Jugend gelesen und kam nicht umhin, das Ganze mitunter im Kontext psychologischer Abwehrmechanismen zu betrachten: Ist Meursaults Gleichgültigkeit wirklich philosophische Klarheit/Überzeugung oder psychologischer Selbstschutz? Ehrlich betrachtet trifft Letzteres wohl auf viele von uns zu. Doch selbst wenn es Selbstschutz wäre, änderte das nichts an seiner gesellschaftlichen Funktion als Spiegel, der anderen die Risse ihrer eigenen Projektionen zeigt. Das ist beschämend. Unsere Tendenz, andere abzulehnen, ohne uns um Verständnis zu bemühen. Meursault verdient kein Lob, aber er verdient Verständnis. Zumindest den Versuch dessen. Nicht als Entschuldigung, sondern als menschliche Grundhaltung. Trotz aller Kälte zeigt Meursault menschliche Momente: wenn er am Strand das Salz schmeckt, im Gefängnis Geräusche “wie Muscheln” sammelt oder an seine “Mama” denkt. Sein Herz ist da. Winzig, stoisch, aber wahrnehmbar. Sein finaler Triumph liegt in der Erkenntnis, sich niemandem mehr rechtfertigen zu müssen. Er öffnet sich “der sanften Gleichgültigkeit der Welt”. Eine Befreiung, die gleichzeitig berührt und beunruhigt. Camus’ Schreibstil besticht durch Klarheit und Präzision. Die Dialoge sind bildlich und manchmal schmerzhaft treffend. Bemerkenswert ist auch der bewusste Stilwechsel von kurzen, sachlichen Sätzen zu längeren, fließenderen Passagen. Oder auch kurz gesagt: Definitiv empfehlenswert, wenn man Lust auf ein Buch hat, das einen zum Nachdenken bringt, ohne zu kompliziert zu werden, es sei denn, man möchte es. Ich liebe es.
Stark!
Sehr starkes Buch, insbesondere im Kontext der philosophischen Sicht die Albert Camus prägte. Der Hauptcharakter ist sehr glaubwürdig in seinem Handeln, die Monotonie und emotionale Distanz die den Leser durch das gesamte Buch begleitet sind ein tolles Stilmittel welche der gesamten Geschichte ein einzigartiges Leseerlebnis geben. Ebenso sind die Nebencharaktere gut platziert, um dem Leser noch mehr Einblick in den Hauptcharakter zu geben. Ich hätte mir gewünscht, dass das Ende etwas länger geschrieben wäre aber wie es ist ist auch mehr als in Ordnung.
Abgebrochen
Leider konnte ich mit der Philosophie des Absurdismus von Camus nichts anfangen. Im Gegenteil, mich hat es erschrocken. Der Anfang war in Ordnung, ich war fasziniert. Doch es fiel mir nach einer Weile schwer mich weiter darauf einzulassen. Leider musste ich das Buch abbrechen weil es mir damit einfach nicht gut ging. Vielleicht war ich auch etwas zu sensibel bei einigen Themen, die vorkamen. Vielleicht versuche ich zu einem anderen Zeitpunkt noch mal mit dem Buch anzufangen, beschäftige mich aber zunächst lieber mit anderen Philosophen.
Ich habe Der Fremde eher spontan gelesen, da ich mir vorgenommen habe, regelmässiger auch klassische Literatur in meine Lesemonate einzubauen. Leider konnte ich mit diesem Buch wenig bis gar nichts anfangen. Selbst nachdem ich mich intensiver mit Camus' Philosophie und den Gedanken hinter dem Werk auseinandergesetzt habe, hat sich mein Eindruck nicht wirklich verändert. Trotz seines geringen Umfangs zog sich das Buch für mich sehr in die Länge – vermutlich wegen des extrem reduzierten, nüchternen Schreibstils. Die Hauptfigur Meursault liess mich völlig kalt. Es fühlte sich an, als würde ich die Geschichte einer leeren Hülle lesen, ohne greifbares Innenleben. Camus beschreibt Meursault als jemanden, der das Absurde akzeptiert und dennoch weiterlebt – frei und ehrlich. Ja, ehrlich war er zweifellos, aber frei? Für mich wirkte er keineswegs frei. Er unterwirft sich vielen gesellschaftlichen Konventionen: Er gibt seinem „Freund“ recht, obwohl dieser moralisch fragwürdig handelt, besucht die Beerdigung seiner Mutter, führt eine Beziehung, obwohl keine wirklichen Gefühle im Spiel sind, hat den Impuls Hände zu schütteln weil das so gemacht wird. Doch dann – ausgerechnet im zentralen Moment der Geschichte – bricht er mit all dem und zieht den Abzug. Diese plötzliche Abkehr von den Konventionen wirkte auf mich nicht wie ein Ausdruck von Freiheit, sondern wie eine distanzierte, vielleicht auch resignierte Reaktion auf die Welt. Meursault erscheint mir eher wie ein Beobachter – jemand, der das äussere Geschehen registriert, ohne es auf sich selbst zu beziehen oder daraus etwas für sein eigenes Leben abzuleiten. Er bleibt auf halber Strecke stehen. Stellenweise wirkte er auf mich fast kindlich trotzig: Er begeht eine Tat, übernimmt aber keine Verantwortung und schiebt sie indirekt den Umständen zu. Der Satz „Aber natürlich konnte ich in der Lage, in die man mich gebracht hatte, mit niemandem in diesem Ton reden“ hat mich in dieser Hinsicht besonders irritiert. Letztlich war das Buch in diesem Moment einfach nichts für mich. Vielleicht werde ich es eines Tages mit einem anderen Blickwinkel noch einmal lesen – wer weiss, ob ich dann mehr daraus mitnehmen kann.

verdient zeitloser Text
Der Fremde ist eine Geschichte, die man sacken lassen muss. Diese Rezension schreibe ich aber wenige Minuten nach dem Beenden des Buchs. Vielleicht werde ich die Bewertung später anpassen, vielleicht auch nicht. Der Schreibstil ist mir erst negativ aufgefallen. Klar, es ist ein altes Buch, aber nicht das erste, was ich lese, und gerade die Pest ist hervorragend geschrieben. Nach und nach zeigte sich aber, dass der Schreibstil zum Erzähler passte: es ist egal, wie etwas formuliert ist, ob es angenehm zu lesen ist oder nicht; wenn es nur die Informationen überbringt. Diese Konstante zieht sich durch die gesamte Geschichte, durch jede Reaktion des Erzählers, einschließlich des Endes. Er schreibt von Gefühlsausbrüchen, aber sie sein nun mal da und gehörten dazu, daher sein sie weder auszuschmücken noch zu verheimlichen. Diese Geschichte ist für mich ein Erlebnis. Sie reißt nicht mit oder rührt einen nicht zu Tränen, aber sie ist poliert, deutlich, konsequent und bietet Raum für Interpretationen. Und mit dem Aufeinandertreffen des Geistlichen bietet sie einen Höhepunkt der Gegensätze, die in einer Zeit der Religionsvorherrschaft, in der das Buch veröffentlicht wurde, wie ein Schlag vor den Kopf gewesen sein muss. Hier wird jemand verurteilt, der anders denkt, der anders ist, und das nur, weil er anders ist. Er wird völlig außen vor gelassen, wenn es um seine Verhandlung geht, weil die Leute sich nicht mit ihm auseinandersetzen wollen oder können. Damit ist der Fremde thematisch sehr nah an dem Fall, betrachtet eine sehr ähnliche Aussage aber aus einem anderen Blickwinkel, der für mich deutlicher dargestellt wird und eine größere Einschlagskraft hat.
❗️Achtung leichte Spoiler❗️ In "der Fremde" tötet ein Franzose einen Araber ohne es gewollt zu haben, aber Reue empfindet er dabei auch keine. Camus' Roman behandelt u.a. die Philosophie des Existentialismus' und des Absurden. 8/10
Der Franzose Meursault lebt in Algerien (auch Camus lebte lange dort) und vermeintlich aus Zufall wird er zum Mörder. Meursault ist vieles gleichgültig, sein moralischer Kompass scheint kaputt zu sein, oder zumindest starke Bruchstellen aufzuweisen und er hat kaum eine eigene Meinung. Seine Entscheidungen und auch die, die er nicht trifft, ziehen ihn in sein absurdes Verderben. Die Sprache ist sehr banal, vllt. auch etwas zu simpel, aber man gewöhnt sich mit der Zeit daran, finde ich. Außerdem fande ich die Fragen spannend, die Camus mit der Figur Meursault und seiner Geschichte aufmacht. Ich denke, Meursault ist in der Absurdität seines Lebens gefangen, doch zugleich ist er selbst mit seinem Verhalten dafür verantwortlich, was ihm "widerfährt". Der Mensch gibt dem Leben erst durch sein Handeln einen Sinn, der Kern des Existentialismus Tut er das nicht, bleibt das Leben absurd.
„Mein Schicksal wurde geregelt, ohne dass man nach meiner Meinung fragte“ Das Buch war super gut und absolut empfehlenswert! Es zeigt klar die Gleichgültigkeit des Lebens und am Ende sogar dessen Konfrontation mit dem christlichen Glauben, was wirklich interessant war. Die mürrische Laune des Protagonisten zog sich durch das ganze Buch, aber das gefiel mir, denn das macht die Geschichte aus. Ich hatte zwar manchmal das Gefühl, dass alles ein wenig langatmig ist, aber gleichzeitig passierte so viel innerhalb weniger Seiten. Immer wieder traf ich auf Zitate, die mich selbst zum Nachdenken anregten, was ich super spannend fand. Die Gefühle des Protagonisten waren eine echte Achterbahnfahrt, die gleichermaßen eingefroren wirkte. Wirklich ein tolles Buch, das man gelesen haben sollte!
Einstieg schwierig; aber stilistisch grandios.
Anfangs hatte ich echt zu tun in die Geschichte reinzukommen. Es hat mich richtiggehend gelangweilt. Aber ich denke, das war auch der Effekt, der erzielt werden sollte; um so die Gleichgültigkeit des Protagonisten an den Leser zu bringen. Super fand ich dann den Wechsel zum zweiten Teil des Buches. Wo zuvor ganz kurze abgehakte Sätze Vorrang hatten, hörten die Sätze hier nun kaum mehr auf. Da ihm klar wird, dass seine Meinung nun nicht mehr wichtig ist, hat er plötzlich eine Meinung. Dinge bewegen und beschäftigen ihn, eben weil ihm die Hände gebunden sind. Plötzlich kriegen diese Gedanken auch mehr Raum, sätzelang, seitenlang, der Lesefluss nimmt zu, alles wird dynamischer. Und das nur, weil ihn im Gegensatz zum Anfang endlich etwas erreicht und bewegt hat. Stilistisch wurde der Wechsel zwischen Desinteresse/Interesse absolut gut dargestellt. Vor der Hälfte hatte ich das Buch schon fast aufgegeben. Aber danach fing die Art und Weise wie es geschrieben wurde langsam aber sicher an Sinn zu ergeben.
Anfang hat sich gezogen und es war nicht deutlich, in welche Richtung die Geschichte gehen wird. Mit der Einführung von Raymond wurde das Ganze zunehmend klarer und auch spannender. Der Protagonist verkörpert maximale Gleichgültigkeit, das lernt der Leser erst mit den Seiten zu erkennen. Diese Trockenheit und Leere in den unbekümmerten wie knappen Feststellungen des Protagonisten kam bei mir gut an, während es gleichzeitig auf eine positive Art zunehmend schwieriger wird, Sympathien für ihn aufzubringen, bevor das starke Ende den Eindruck teils zu kippen versucht. "Kann ihn etwas verstehen", war dann mein Gedanke nach Abschluss und es regt zumindest kurzweilig zum Nachdenken an. Trotz der von ihm festgestellten Fehler an der "Maschine", bleibt das Verbrechen, also RIP an den Arab Dude. Buch geht insgesamt klar.
Ein wunderbares Werk aus dem man etwas mitnehmen kann!
Camus' Philosophie des Absurden ist in erster Linie erstmal abschreckend, nimmt es dem Leben doch jeglichen Sinn. Beim genaueren hinschauen aber, und beim Lesen dieses Buches, erkennt man aber genau das Gegenteil von Abschreckung, sondern eher Hoffnung. Oder Erleichterung. Es nimmt nämlich eben diesen Druck, den uns unsere heutige Gesellschaft macht. Du musst das, dies und jenes. Man sollte nichts verpassen und man muss das glauben, den lieben und für jenes einstehen. Protagonist Mersault ist ein Mensch der in der absoluten Gegenwart lebt. Er bereut nichts in seinem Leben, er hat keine Wünsche aber ebenso auch keinen Missmut und keine Trauer. Er erwartet nichts vom Leben und lebt es so, wie es kommt. So bekommt er jedes kleineDetail seiner Gegenwart zu fassen und ist, wenn man ehrlich ist, die Achtsamkeit in Person. Das, wonach wir heutzutage alle Streben. Das schöne im Detail erkennen, Zufriedenheit im Leben erfahren. In Camus Der Fremde erfährt man, dass Moral und Glaube eine Erfindung des Menschen ist, die ebenso nur dazu dient, Menschen ein gesellschaftliches Gefüge unterzuordnen. Mersaults Gleichgültigkeit wirkt banal, absurd und teils erschreckend. Aber ebenso befreiend. Camus Schreibstil ist wunderbar klar und verständlich. Einfach gehalten und unaufgeregt. Man fühlt sich schnell in die Welt hineingesetzt. Es wird eine ruhige Atmosphäre vermittelt und man würde am liebsten 700 Seiten über Mersaults Beobachtungen von seinem Balkon folgen. Die gewisse Priese Sarkasmus lässt einen das ein und andere mal herzhaft lachen. „Wollen sie ihre tote Mutter nochmal sehen?“ - „Nein, Danke“

Existentialismus galore
Nachdem ich unlängst Die Pest von Camus beendet und vollkommen begeistert verschlungen habe, waren meine Erwartungen an Der Fremde entsprechend groß. Anfänger Fehler, da Stil und Bedeutung beider Werke kaum vergleichbar sind. Nachdem ich nach gut einem Drittel ein bisschen Recherche betrieben hab, weil ich das Gefühl hatte, Der Fremde will mir etwas sagen, das ich ohne Kontext nicht verstehe, habe ich begonnen zu verstehen, worum es geht. Existentialismus. Mit dem Kontext las sich der Rest des Buchs sehr viel eindringlicher. Gerade den zweiten Teil konnte ich kaum weglegen. Ich weiß nicht, ob Der Fremde ein Werk ist, das ich weiterempfehlen werde oder über das ich großartig viele Worte verlieren werde, da ich auch nicht weiß, ob ich Existentialismus überhaupt verstehe. Dennoch ist es ein Buch, über das ich noch sehr viel nachdenken werde. Über das ich gern sprechen und philosophieren würde. Wie gern wäre ich ein alter weißer Mann im letzten Jahrhundert, der so tut, als wüsste er genau, worum es Camus geht. Aber vielleicht geht es bei Existentialismus auch genau darum, es eigentlich nicht zu wissen und sich seine eigene Essenz, sein eigenes Verständnis zu bilden.
Langweilig aber in anstrengend?
Nachdem ich „Der Gast“ von Camus schon gelesen habe, habe ich von diesem Buch tatsächlich mehr erwartet. Leider fand ich sowohl Schreibstil als auch Story gleichzeitig brutal langweilig als auch sehr verwirrend, sodass man als Leser:in nicht mehr mitgekommen ist. Ich hab nicht so ganz verstanden, was jetzt das Besondere sein soll 🤷♀️
Ich hab so lang gebraucht um zu verstehen was mit la bière gemeint ist.. 🥲 Abgesehen davon ist das Buch großartig, dieser gleichgültige Schreibstil! Ich denke direkt an das Rauchverhalten von M. Meursault… einfach toll! Schreibstil: 5/5 Thema: 3,5/5 Charaktere: 4,5/5 Pacing: 3/5 Besondere Momente: 3/5
Zeitweilig langatmig, einfach nicht so ganz meins gewesen, dennoch spannende Thematiken
Der Roman Der Fremde von Albert Camus erzählt die Geschichte des Franzosen Meursault, der in Algerien lebt und sich durch eine auffallende emotionale Distanz gegenüber seiner Umwelt auszeichnet. Die Handlung beginnt mit dem Tod seiner Mutter. Meursault reist zum Altersheim, um an der Beerdigung teilzunehmen, zeigt dabei jedoch kaum Trauer oder Betroffenheit. Stattdessen beschäftigt er sich mit banalen Dingen wie der Hitze oder seinem körperlichen Befinden. Schon hier wird deutlich, dass Meursault anders auf Ereignisse reagiert als die Menschen um ihn herum. Nach der Beerdigung kehrt er in seinen Alltag zurück. Er beginnt eine Beziehung mit seiner ehemaligen Kollegin Marie und freundet sich mit seinem Nachbarn Raymond an, der in zwielichtige Geschäfte verwickelt ist. Durch Raymond gerät Meursault in einen Konflikt mit einigen arabischen Männern. Bei einem Ausflug ans Meer eskaliert die Situation: In der drückenden Hitze und geblendet vom Sonnenlicht erschießt Meursault einen der Männer am Strand – scheinbar ohne klares Motiv. Der zweite Teil des Romans beschreibt den Prozess gegen Meursault. Dabei steht weniger die Tat selbst im Mittelpunkt als vielmehr seine Persönlichkeit und sein Verhalten, insbesondere seine emotionale Gleichgültigkeit beim Tod seiner Mutter. Vor Gericht wird ihm seine fehlende Reue und seine Gleichgültigkeit gegenüber gesellschaftlichen Erwartungen vorgeworfen. Schließlich wird er zum Tode verurteilt. Der Roman behandelt zentrale Themen des Existenzialismus und des Absurden. Ein wichtiges Thema ist die Absurdität des Lebens: Camus zeigt, dass das Leben keinen objektiven Sinn besitzt und der Mensch mit dieser Sinnlosigkeit umgehen muss. Meursault verkörpert diese Haltung, da er die Welt nüchtern und ohne Illusionen wahrnimmt. Ein weiteres Thema ist die Fremdheit gegenüber der Gesellschaft. Meursault passt nicht in die sozialen Normen, weil er Gefühle und moralische Erwartungen nicht so zeigt, wie es von ihm verlangt wird. Deshalb wird er von der Gesellschaft verurteilt, nicht nur wegen seiner Tat, sondern vor allem wegen seines Andersseins. Zudem thematisiert der Roman Wahrheit, Freiheit und die Konfrontation mit dem Tod. Erst am Ende, als Meursault seine Hinrichtung akzeptiert, erkennt er die Gleichgültigkeit der Welt und empfindet eine Art innere Freiheit. So zeigt der Roman eindringlich, wie ein Mensch, der sich nicht den gesellschaftlichen Erwartungen anpasst und die Sinnlosigkeit des Lebens akzeptiert, zum Außenseiter wird und schließlich an der Gesellschaft scheitert.
Es fällt einem beim Lesen sehr schwer in irgendeiner Hinsicht mit dem Protagonisten mitzufühlen und die Geschichte ist zum größten Teil sinnlos. Aber genau dies nutzt Camus als Stilmitel in seinen Werken, um die Sinnlosigkeit des Lebens zu deuten. Der Fremde reißt einen aus den gewohnten normen von Erzählungen, was das Buch meiner Meinung nach außergewöhnlich macht und dementsprechend den Literaturnobelpreis verdient. Man stellt sich als Leser viele Fragen über das kuriose und oft absurde Handeln sowie auch Denken von Merseult, dem Protagonisten. Man sollte dem Buch auf jeden Fall eine Chance geben!
Wenn Teilnahmslosigkeit plötzlich Sinn ergibt
„Der Fremde“ hat mich anfangs irritiert: Meursaults Teilnahmslosigkeit wirkte befremdlich und ließ den ersten Teil fast monoton erscheinen. Doch im zweiten Teil fügt sich alles zusammen. Plötzlich verstand ich, dass er tatsächlich der Fremde ist – nicht nur für andere, sondern in einer Welt, deren Regeln er nicht teilt. Besonders der Prozess und das letzte Kapitel haben mich beeindruckt: Die Klarheit, mit der sich Meursault seiner eigenen Wahrheit stellt, empfand ich als grandios und unerwartet kraftvoll.





















































