Der Ekel

Der Ekel

Softcover
3.4117
CampusDie FliegenKlassikerEkel

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Description

Für Antoine Roquentin, Einzelgänger und Außenseiter in einer Provinzstadt, verliert das Leben plötzlich seine Selbstverständlichkeit. Unnachsichtig um Selbsterforschung bemüht, versucht er seinem immer stärkeren Ekel vor Dingen und Menschen auf den Grund zu gehen. Die Erfahrungen, Empfindungen und Visionen des Helden dieses ersten und bedeutendsten Romans des Existentialismus gaben Anstöße zu einer neuen Lebensphilosophie, die bis heute nichts von ihrer Brisanz eingebüßt hat.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Classics
Format
Softcover
Pages
352
Price
15.50 €

Author Description

Geboren am 21.06.1905, wuchs er nach dem frühen Tod seines Vaters im Jahre 1906 bis zur Wiederheirat seiner Mutter im Jahre 1917 bei seinen Großeltern Schweitzer in Paris auf. 1929, vor seiner Agrégation in Philosophie, lernte er seine Lebensgefährtin Simone de Beauvoir kennen, mit der er eine unkonventionelle Bindung einging, die für viele zu einem emanzipatorischen Vorbild wurde. 1931-1937 war er Gymnasiallehrer in Philosophie in Le Havre und Laon und 1937-1944 in Paris. 1933 Stipendiat des Institut Français in Berlin, wo er sich mit der Philosophie Husserls auseinandersetzte.Am 02.09.1939 wurde er eingezogen und geriet 1940 in deutsche Kriegsgefangenschaft, aus der er 1941 mit gefälschten Entlassungspapieren entkam. Noch 1943 wurde unter deutscher Besatzung sein erstes Theaterstück «Die Fliegen» aufgeführt; im selben Jahr erschien sein philosophisches Hauptwerk «Das Sein und das Nichts». Unmittelbar nach dem Krieg wurde Sartres Philosophie unter dem journalistischen Schlagwort «Existenzialismus»zu einem modischen Bezugspunkt der Revolte gegen bürgerliche Lebensformen. 1964 lehnte er die Annahme des Nobelpreises ab. Zahlreiche Reisen führten ihn in die USA, die UdSSR, nach China, Haiti, Kuba, Brasilien, Nordafrika, Schwarzafrika, Israel, Japan und in fast alle Länder Europas. Er traf sich mit Roosevelt, Chruschtschow, Mao Tse-tung, Castro, Che Guevara, Tito, Kubitschek, Nasser, Eschkol. Sartre starb am 15.4.1980 in Paris.Auszeichnungen: Prix du Roman populiste für «Le mur» (1940); Nobelpreis für Literatur (1964, abgelehnt); Ehrendoktor der Universität Jerusalem (1976).

Posts

20
All
3

Reread.First Read (2009): 4 *Second Read (2026): 3 to 3.5 *Als ich "Der Ekel" im Jahr 2009 zum ersten Mal während des Studiums las, empfand ich die radikale Subjektivität Roquentins noch interessant – damals waren die vier Sterne eine logische Konsequenz meiner jugendlichen Begeisterung für Sartres philosophische Konzepte. Doch die Zweitlektüre heute hinterlässt einen völlig anderen Eindruck.​Was mir einst als tiefgründige Analyse des Seins erschien, wirkt nun eher wie die prätentiöse Pose eines Mannes, der sich in seiner eigenen Wahrnehmung regelrecht suhlt. Roquentins Episodenhaftigkeit hat etwas Ermüdendes; er agiert weniger wie eine lebendige Figur, sondern vielmehr wie ein theoretisches Konstrukt, das Sartre durch die Straßen von Bouville schiebt, um seine Thesen zu illustrieren. Diese fast schon eitle Selbstbespiegelung im Angesicht der Kontingenz verliert in meinem Reread massiv an Reiz.​Albert Camus "Der Fremde" und Fjodor Dostojewskis "Aufzeichnungen aus dem Kellerloch" waren für mich greifbarer als jenes abstrakte episodenhafte Werk von Sartre. Der entscheidende Unterschied liegt für mich in der Unmittelbarkeit. Während Sartre uns seitenlang erklärt, warum die Welt klebrig und sinnlos ist, lässt uns Camus in Der Fremde die flirrende Hitze und das bleierne Schweigen der Welt so greifbar spüren, dass man die Absurdität gar nicht mehr intellektuell herleiten muss – sie ist einfach da. Er verweigert die theoretische Herleitung und etabliert stattdessen einen Absurdismus, der in der flirrenden Hitze und dem bleiernen Schweigen der Welt einfach präsent ist.Camus nannte seine Philosophie den „Absurdismus“. Während der Existenzialist (Sartre) sagt: „Die Welt ist sinnlos, also erschaffe ich mir meinen eigenen Sinn“, sagt der Absurdist (Camus): „Die Welt ist sinnlos, ich erkenne das an und lebe trotzdem mit Leidenschaft.“ ​​Bei Kafka hingegen wird die existentielle Erfahrung noch radikaler; er ist der Chronist der existentiellen Angst. Er liefert keine philosophischen Begründungen, sondern wirft einen direkt in eine albtraumhafte Ohnmacht. Das ist kein "Ekel" aus der Distanz, sondern eine beklemmende Ausweglosigkeit und das Gefühl des Ausgeliefertseins, die weitaus tiefer geht als Roquentins gepflegtes Unbehagen. Und wo Sartre eine bloße Bestandsaufnahme macht, erleben wir bei Dostojewski in den Aufzeichnungen aus dem Kellerloch einen echten psychologischen Ausnahmezustand. Bei ihm ist die Krise kein Thema, über das man reflektiert, sondern ein pulsierender, oft hässlicher und zutiefst menschlicher Prozess.Sartre liefert die Vorlesung zum Existenzialismus, während die anderen das Leben in all seiner Unbequemlichkeit abbilden.

5

„Der Ekel“ von Jean-Paul Sartre ist ein intensiver, philosophischer Roman über Absurdität und Existenzangst. Ein Meilenstein des Existentialismus…

Roquentin, ein Historiker in der Provinzstadt Bouville, erlebt plötzlich Ekel vor der Kontingenz aller Dinge – vor Gegenständen, Menschen und der eigenen Existenz. In seinem Tagebuch notiert er Beobachtungen, die das Leben als sinnlos und zufällig entlarven. Treffen mit Freunden und eine Jazzplatte bieten kurz Ablenkung, doch die Krise zwingt ihn, frei zu entscheiden. Sartre schreibt klar und direkt, mit langen inneren Monologen, die die Übelkeit des Seins greifbar machen. Themen wie Freiheit, Authentizität und Absurdität dominieren, ohne belehrend zu wirken. Bouville steht für die spießige Bourgeoisie. Insgesamt ein Meilenstein des Existentialismus, der fordert und verändert – für Leser, die tiefe Fragen mögen.

„Der Ekel“ von Jean-Paul Sartre ist ein intensiver, philosophischer Roman über Absurdität und Existenzangst. Ein Meilenstein des Existentialismus…
1.5

„Mein Gott…tu etwas, irgendwas! Aber höre auf zu jammern!“…

… so ähnlich erging es mir den ganzen Roman über. Ein depressiver Mann in seiner Midlife-Crisis denkt über sein Leben nach. Er hasst es, er empfindet keine Freude mehr und es ekelt ihn an zu existieren. Zudem hat er eine dicke Anpassungsstörung und sozipathische Züge. Er kann sich nicht gesellschaftlich einfügen. Empfindet nur selten Empathie. Die nie endenden depressiven Gedanken wechseln sich ab mit absurden Situationen, in denen ich wenig Sinn erkannte. Die Message des Buches hätte auch auf ein Bruchteil des Buches gepasst. Ich musste mich durchkämpfen und wurde emotionslos bzw. eher gelangweilt zurück gelassen. Nicht einmal die Charaktere hatten irgendwas sympathisches an sich. Sartres Schreibstil kann ich ebenfalls nichts abgewinnen. Wenn ich französischen Existenzialismus lesen möchte, bleibe ich zukünftig lieber bei Camus.

„Mein Gott…tu etwas, irgendwas! Aber höre auf zu jammern!“…
4

Wo fängt man da an? Die Suche nach dem Anfang, nach einer Form..

Der Ekel tritt auf als Irritation, als Erkennen der Dinge wie sie sind. Als Erkennen der Differenz von Existenz und Bedeutung. Eine leibliche Anrufung die mit Worten zwar umschrieben aber nicht gefasst werden kann. Diese Kerngedanken hat der Roman bei mir hinterlassen. Ein wirklich spannendes Phänomen, teilweise war der Text aber schwer zugänglich. Nicht unbedingt nur weil es sprachlich auf hohem Niveau und sehr malerisch verfasst ist. Zwischen sehr dichten Passagen und eher losen ist man beim lesen aufgefordert auf Spuren suche zugehen.

3.5

Reading Sartre’s Nausea gave me a philosophical kick suddenly every human felt like an existential ick. - Patrick Star

5

Sehr gut.

Das Buch Konsumiert einen wirklich komplett (zumindest war es bei mir so!) ohne das man es merkt. Meiner Meinung nach der perfekte Einstieg in den Existenzialismus, da es einem die Idee in Form von Derealisation (wovon viele betroffen sind) überragend präsentiert.

5

Ich hatte mich zuletzt mit dem Existentialismus vor 30 Jahren beschäftigt als ich Camus las. Der philosophische Grundgedanke war mir als gläubiger Mensch damals fremd, aber auch irgendwie interessant. Da ich wieder mehr Fronzosen lesen wollte, griff ich nun zu Satre. Es läßt sich sehr schwer eine Rezension zu dem Buch in Kurzform schreiben. Es geht ja in erster Linie darum, dass der Protagonist sich daran stört, wie alle Dinge eine Wesenbegründung von den Menschen erhalten, also ihre Essenz bestimmt bekommen. Er trennt die Existenz von der Essenz. Der Mensch sei der Einzige bei dem die Existenz vor der Essenzbildung kommt. Wir haben also die Freiheit und selbst zu definieren, was wir sein wollen, werden wollen. Wenn wir so sind, wie wir sind, sind wir authentisch. Zumindest habe ich es so verstanden. Die Philsophen unter euch mögen die Augen rollen. Damit hat aber unser Protagonist und Ich-Erzähler, Schriftsteller von Beruf, so seine Probleme, denn er sieht, mit was sich die Menschen in ihrem kleinbürgerlichen Alltag beschäftigen, wie sie verzweifelt versuchen, ihrem Sein einen Sinn zu geben. Und dabei empfindet er deren Sein und sein Sein, also quasi die Existenz als solches für überflüssig. Quasi ein Staubkorn im Nichts des Universums. Das ist kein Buch, für einen vergnüglichen Leseabend. Wenn man Lektüre sucht, die einen garantiert nach unten zieht, kann ich Sartre unbedingt empfehlen. Aber Literatur ist ja nicht dazu da, uns zu beglücken. Das sagt auch der Ich-Erzähler im Buch, als er sich über die Menschen lustig macht, die ihre Kraft und Lebensmut aus den schönen Künsten ziehen. Literatur soll ja etwas bewegen im Leser und das gelingt Satre hervorragend. Obwohl die Gedanken doch in einfache Worte gepackt sind, muss man immer wieder innehalten und das Gelesene wirken lassen. Das ist schon schwere Kost, aber sprachlich auf brillantem Niveau. Ich konnte die Gedanken oft sehr gut nachvollziehen, ich spüre diesen Ekel auch, aber habe ihn mir nie so gut ausformuliert bzw. auch versucht, ihn nicht zuzulassen, denn als Soziophobiker will ich die Menschen ja trotzdem lieben. Die Handlung spielt eine untergeordnete Rolle in dem Buch. Es gibt zwei zentrale Figuren, die der Existentialist im Buch trifft: auf der einen Seite sein Pendant die Ex-Freundin, die er gerne lieben würde, an die er sich trotz seines Ekels vor den Menschen anbinden würde (hier merkt man die Ängste, die er hat vor dem Leben und Sterben) und auf der anderen Seite der Antipode, der Menschenfreund, Humanist und Autodidakt, der letztlich an seiner Menschenliebe zugrunde geht, da er die Liebe auch jungen Knaben schenkt. Ich empfinde es als sehr aktuelles Buch und musste oft daran denken, was wohl Satre zu unserer digitalisierten Welt sagen würde. Wo bestimmen wir denn heute unsere Essenz? Wir verlassen die Authentizität, verbringen mehr Zeit in der virtuellen Welt und verschleudern unsere Freiheit durch Social Media. Die Existenz hängt am Userprofil von Instagram, die Wesensbildung erfolgt über Fotos vom Abendessen im Netz. Wie überflüssig würde Satre dieses Leben wohl empfinden? Ich bin gewiss kein Anhänger seiner Philosophie geworden nach der Lektüre. Ich freue mich immer noch an den Gedanken, dass es ein höheres Wesen gibt, dass mir eine Essenz gibt, die Existenz verdanke ich meinen Eltern. Das Problem am Existentialismus ist meiner Ansicht nach, dass es eine Philsophie ohne Lösung und Hoffnung ist, zutiefst pessimistisch, zumindest so, wie es in diesem Buch eingearbeitet ist. Ich bin beeindruckt von dem Roman, aber brauche jetzt wieder etwas Positives.

Was Der Ekel mit mir gemacht hat? Weniger als ich erwartet hätte und mehr als er intendiert. Nostalgie befallen Aus Kindes Zeiten Wo man er-wachsen Wollte und seither Erwachsener nie erschien Und zugleich eine Frage - Sollte ich es Früher lesen?

2.5

Ein etwas depressiver dude bekommt den „ick“ und ekelt sich vor seinem ganzen Leben irgendwie? Ich versteh es nicht so ganz. Geht’s bei „existenzialismus“ einfach darum dass das Leben sinnlos ist? 😅

3

Puh...

Harter Stoff. Ich denke, Sartre und ich werden keine Freund:innen. Ich bin dennoch froh, es gelesen zu haben. Es kann jedoch sehr runter ziehen. Während Corona war es ein Tipp. Das kann ich nicht nachvollziehen, da während der Zeit jede Zerstreuung mehr Wert hatte.

3

Atemberaubender Anfang mit langem Atem

Leider eines der Bücher die ich einfach nicht zu Ende lesen konnte. Am Anfang war ich absolut überwältigt. Die bildhafte aber sachliche Sprache zu einem Gemisch aus Poesie und Alltagstrott vereint. Durch und durch Melancholisch aber Interesse weckend alles zu beobachten. Mitzukriegen wie der Protagonist die Welt erlebt, welche "nichtigen" Begebenheiten er uns mitteilt und warum ihm dies wohl so und nicht anders wichtig oder unwichtig ist. Die Sprache, der Schreibstil hatten mich so beeindruckt, dass ich das Buch nicht weg legen wollte. ABER ab einem gewissen Punkt wurde ich ungeduldig. Ja langsam aber sicher zermürbte mich das Geplänkel und vor sich hindümpeln bedeutungsloser Begebenheiten. Mit seinen endlos sich wiederholenden Straßennamen. Diese sind dem Autor irgendwie besonders wi chig denn er reiht unentwegt Straßennamen and Straßennamen, als würde sich einem die Welt nur so erschließen. Am Ende habe ich mich also hinreißen lassen vorzublättern um zu wissen, ob nicht doch all das zu einem tieferen Eindruck seiner selbst, einem Einblick in seine Psyche führt, so wie der Klappentext es versprach. Ich fand es nicht. Ich nahm es nochmal in die Hand aber gab es letztlich auf. Zu viele Straßennahmen und ein toter Spannungsbogen haben es letztlich auf Seite 53 für mich beendet.

4

Interessanter Einblick in die Empfindungen eines Menschen

Liest sich flüssig. Rein die Architektur des Buches betrachtend, verliert man zwischendurch stark das Gefühl ein Tagebuch zu lesen. Was meiner Meinung nach die Wahl dieses Stilmittel gegen Ende überflüssig macht. Inhaltlich gesehen mag ich diese Form von lebensphilosohischen Beobachtungen zum mitlesen. Ich kann nicht sagen jedem Gedankengang auf analytische Weise folgen zu können oder die Verwendung mancher Symbolik nachzuvollziehen, aber dennoch ist das Buch in sich schlüssig und “kommt zum Punkt” etwas, dass nicht alle philosophisch angehauchten Bücher schaffen.

1

Um Himmels Willen, nein!!!! Es mag Weltliteratur sein, ja. Aber nein!!!!

Dieser arme Mann, Jean-Paul Satre, Ist das beste Beispiel dafür, dass das Leben, wenn man über ein gewisses Maß an Intelligenz verfügt, im Grunde kaum zu ertragen ist. Ich habe fast ein Jahr gebraut, um mich durch dieses Buch zu kämpfen. Ich möchte gar nicht darauf eingehen, was darin vorkommt. Aber gerne darüber was ich beim lesen empfunden habe: Wenn man der Ekel liest, umgibt dich keine Farbe. Nur ein deprimierender grauer feuchter Nebel. Wie Asche die aus dem Schornstein träge um dich herum wirbelt dir teilweise in die Nase kriecht. Manchmal riecht es nach heißem Teer, manchmal nach verstorbenen Fleisch. Teilweise ist es wie Fingernägel auf einer Tafel. Und es ist kalt. Einfach nicht lange zu ertragen. Besser kann ich es nicht beschreiben. Ich bin froh, dass es vorbei ist. Wenn Satre diese Empfindungen wecken wollte und dem Leser großes Unbehagen beim Lesen zufügen wollte, dann ist es tatsächlich Meisterhaft

5

Ich hatte mich zuletzt mit dem Existentialismus vor 30 Jahren beschäftigt als ich Camus las. Der philosophische Grundgedanke war mir als gläubiger Mensch damals fremd, aber auch irgendwie interessant. Da ich wieder mehr Fronzosen lesen wollte, griff ich nun zu Satre. Es läßt sich sehr schwer eine Rezension zu dem Buch in Kurzform schreiben. Es geht ja in erster Linie darum, dass der Protagonist sich daran stört, wie alle Dinge eine Wesenbegründung von den Menschen erhalten, also ihre Essenz bestimmt bekommen. Er trennt die Existenz von der Essenz. Der Mensch sei der Einzige bei dem die Existenz vor der Essenzbildung kommt. Wir haben also die Freiheit und selbst zu definieren, was wir sein wollen, werden wollen. Wenn wir so sind, wie wir sind, sind wir authentisch. Zumindest habe ich es so verstanden. Die Philsophen unter euch mögen die Augen rollen. Damit hat aber unser Protagonist und Ich-Erzähler, Schriftsteller von Beruf, so seine Probleme, denn er sieht, mit was sich die Menschen in ihrem kleinbürgerlichen Alltag beschäftigen, wie sie verzweifelt versuchen, ihrem Sein einen Sinn zu geben. Und dabei empfindet er deren Sein und sein Sein, also quasi die Existenz als solches für überflüssig. Quasi ein Staubkorn im Nichts des Universums. Das ist kein Buch, für einen vergnüglichen Leseabend. Wenn man Lektüre sucht, die einen garantiert nach unten zieht, kann ich Sartre unbedingt empfehlen. Aber Literatur ist ja nicht dazu da, uns zu beglücken. Das sagt auch der Ich-Erzähler im Buch, als er sich über die Menschen lustig macht, die ihre Kraft und Lebensmut aus den schönen Künsten ziehen. Literatur soll ja etwas bewegen im Leser und das gelingt Satre hervorragend. Obwohl die Gedanken doch in einfache Worte gepackt sind, muss man immer wieder innehalten und das Gelesene wirken lassen. Das ist schon schwere Kost, aber sprachlich auf brillantem Niveau. Ich konnte die Gedanken oft sehr gut nachvollziehen, ich spüre diesen Ekel auch, aber habe ihn mir nie so gut ausformuliert bzw. auch versucht, ihn nicht zuzulassen, denn als Soziophobiker will ich die Menschen ja trotzdem lieben. Die Handlung spielt eine untergeordnete Rolle in dem Buch. Es gibt zwei zentrale Figuren, die der Existentialist im Buch trifft: auf der einen Seite sein Pendant die Ex-Freundin, die er gerne lieben würde, an die er sich trotz seines Ekels vor den Menschen anbinden würde (hier merkt man die Ängste, die er hat vor dem Leben und Sterben) und auf der anderen Seite der Antipode, der Menschenfreund, Humanist und Autodidakt, der letztlich an seiner Menschenliebe zugrunde geht, da er die Liebe auch jungen Knaben schenkt. Ich empfinde es als sehr aktuelles Buch und musste oft daran denken, was wohl Satre zu unserer digitalisierten Welt sagen würde. Wo bestimmen wir denn heute unsere Essenz? Wir verlassen die Authentizität, verbringen mehr Zeit in der virtuellen Welt und verschleudern unsere Freiheit durch Social Media. Die Existenz hängt am Userprofil von Instagram, die Wesensbildung erfolgt über Fotos vom Abendessen im Netz. Wie überflüssig würde Satre dieses Leben wohl empfinden? Ich bin gewiss kein Anhänger seiner Philosophie geworden nach der Lektüre. Ich freue mich immer noch an den Gedanken, dass es ein höheres Wesen gibt, dass mir eine Essenz gibt, die Existenz verdanke ich meinen Eltern. Das Problem am Existentialismus ist meiner Ansicht nach, dass es eine Philsophie ohne Lösung und Hoffnung ist, zutiefst pessimistisch, zumindest so, wie es in diesem Buch eingearbeitet ist. Ich bin beeindruckt von dem Roman, aber brauche jetzt wieder etwas Positives.

5

Literally THE BEST Piece of reading for an introverted overthinker.

4

This is one of those books that take you a while to get through even though quite slim. Sometimes you need to go back and read the paragraph again because it was a) simply beautifully written or b) your thoughts just got twisted or maybe both of it. And it is a book that makes you think, it's philosophical and it has a certain point of view on the world and on life. And even if you don't share that point and if you start the book thinking that you don't agree with Sartre's opinion, he somehow manages that everything makes sense and that you start thinking that it is actually quite logical. It surely is a depressive book (we accompany our main character through a time of an essential crisis) and it makes you think about what you expect from life and what you understand what is life. As I am not familiar with Sartre's background I have the feeling that I missed something, luckily I've found this online lecture to learn some more on the philosophic messages in the book: http://youtu.be/UUulxkAk68o :)

3

shockingly relatable. The thought of getting nauseated by looking in the mirror stuck with me for quite some time.

3

Reread. First Read (2009): 4 * Second Read (2026): 3 to 3.5 * Als ich "Der Ekel" im Jahr 2009 zum ersten Mal während des Studiums las, empfand ich die radikale Subjektivität Roquentins noch interessant – damals waren die vier Sterne eine logische Konsequenz meiner jugendlichen Begeisterung für Sartres philosophische Konzepte. Doch die Zweitlektüre heute hinterlässt einen völlig anderen Eindruck. ​Was mir einst als tiefgründige Analyse des Seins erschien, wirkt nun eher wie die prätentiöse Pose eines Mannes, der sich in seiner eigenen Wahrnehmung regelrecht suhlt. Roquentins Episodenhaftigkeit hat etwas Ermüdendes; er agiert weniger wie eine lebendige Figur, sondern vielmehr wie ein theoretisches Konstrukt, das Sartre durch die Straßen von Bouville schiebt, um seine Thesen zu illustrieren. Diese fast schon eitle Selbstbespiegelung im Angesicht der Kontingenz verliert in meinem Reread massiv an Reiz. ​Albert Camus "Der Fremde" und Fjodor Dostojewskis "Aufzeichnungen aus dem Kellerloch" waren für mich greifbarer als jenes abstrakte episodenhafte Werk von Sartre. Der entscheidende Unterschied liegt für mich in der Unmittelbarkeit. Während Sartre uns seitenlang erklärt, warum die Welt klebrig und sinnlos ist, lässt uns Camus in Der Fremde die flirrende Hitze und das bleierne Schweigen der Welt so greifbar spüren, dass man die Absurdität gar nicht mehr intellektuell herleiten muss – sie ist einfach da. Er verweigert die theoretische Herleitung und etabliert stattdessen einen Absurdismus, der in der flirrenden Hitze und dem bleiernen Schweigen der Welt einfach präsent ist. Camus nannte seine Philosophie den „Absurdismus“. Während der Existenzialist (Sartre) sagt: „Die Welt ist sinnlos, also erschaffe ich mir meinen eigenen Sinn“, sagt der Absurdist (Camus): „Die Welt ist sinnlos, ich erkenne das an und lebe trotzdem mit Leidenschaft.“ ​ ​Bei Kafka hingegen wird die existentielle Erfahrung noch radikaler; er ist der Chronist der existentiellen Angst. Er liefert keine philosophischen Begründungen, sondern wirft einen direkt in eine albtraumhafte Ohnmacht. Das ist kein "Ekel" aus der Distanz, sondern eine beklemmende Ausweglosigkeit und das Gefühl des Ausgeliefertseins, die weitaus tiefer geht als Roquentins gepflegtes Unbehagen. Und wo Sartre eine bloße Bestandsaufnahme macht, erleben wir bei Dostojewski in den Aufzeichnungen aus dem Kellerloch einen echten psychologischen Ausnahmezustand. Bei ihm ist die Krise kein Thema, über das man reflektiert, sondern ein pulsierender, oft hässlicher und zutiefst menschlicher Prozess. Sartre liefert die Vorlesung zum Existenzialismus, während die anderen das Leben in all seiner Unbequemlichkeit abbilden.

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