Dann schlaf auch du

Dann schlaf auch du

Hardback
3.7312
Moderne FamilieFamiliendramaNannyKinder

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Description

Der Preis des Glücks

Sie wollen das perfekte Paar sein, Kinder und Beruf unter einen Hut bringen, alles irgendwie richtig machen. Und sie finden die ideale Nanny, die ihnen das alles erst möglich macht. Doch wie gut kann man einen fremden Menschen kennen? Und wie sehr kann man ihm vertrauen?

Sie haben Glück gehabt, denken sich Myriam und Paul, als sie Louise einstellen - eine Nanny wie aus dem Bilderbuch, die auf ihre beiden kleinen Kinder aufpasst, in der schönen Pariser Altbauwohnung im 10. Arrondissement. Wie mit unsichtbaren Fäden hält Louise die Familie zusammen, ebenso unbemerkt wie mächtig. In wenigen Wochen schon ist sie unentbehrlich geworden. Myriam und Paul ahnen nichts von den Abgründen und von der Verletzlichkeit der Frau, der sie das Kostbarste anvertrauen, das sie besitzen. Von der tiefen Einsamkeit, in der sich die fünfzigjährige Frau zu verlieren droht. Bis eines Tages die Tragödie über die kleine Familie hereinbricht. Ebenso unaufhaltsam wie schrecklich.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Hardback
Pages
224
Price
20.60 €

Author Description

Die französisch-marokkanische Autorin Leïla Slimani gilt als eine der wichtigsten literarischen Stimmen Frankreichs. Ihre Bücher sind internationale Bestseller. Slimani, 1981 in Rabat geboren, wuchs in Marokko auf und studierte an der Pariser Eliteuniversität Sciences Po. Für den Roman »Dann schlaf auch du« wurde ihr der renommierte Prix Goncourt zuerkannt. Zuletzt erschien im Luchterhand Literaturverlag die Romane »Das Land der Anderen«, »Schaut, wie wir tanzen« sowie »Trag das Feuer weiter«. Sie sind Teil einer Trilogie, die auf der Geschichte von Leïla Slimanis eigener Familie beruht. »Leïla Slimani hat auf traumhaft schöne, lebendige, mitreißende Weise Weltgeschichte in Literatur verwandelt, die uns über drei Generationen trägt.« (Volker Weidermann, DIE ZEIT)

Characteristics

1 reviews

Mood

Sad
Funny
Scary
Erotic
Exciting
Romantic
Disturbing
Thoughtful
Informative
Heartwarming
65%
N/A
86%
N/A
69%
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100%
85%
51%
N/A

Protagonist(s)

Likable
Credible
Developing
Multifaceted
14%
70%
87%
100%

Pace

Fast0%
Slow100%
Moderate0%
Variable0%

Writing Style

Simple0%
Complex0%
Moderate100%

Posts

53
All
5

Danach konnte ich nicht schlafen

Klassikerpotenzial!!!

Danach konnte ich nicht schlafen
4

Beklemmend, düster und tieftraurig

Dieser mit dem Prix Concourt ausgezeichnete Roman nimmt die unermessliche Tragödie, den brutalen Mord an zwei kleinen Kindern durch ihre Nanny, gleich am Anfang vorweg und schildert in nüchternem, klaren Ton die vermeintlichen Gründe, die zur Katastrophe geführt haben (könnten). Die Autorin rollt das Dilemma des Aufeinanderprallens unterschiedlicher sozialer Milieus auf, ebenso wie die Überforderung berufstätiger Mütter, beidseitiger falscher Erwartungen und den psychischen Verfall der einsamen, emotional lablilen einzelgängerischen Kinderfrau. Der Anfang des Romans ist schwer zu ertragen, der verzweifelte, fassungslose Schrei der Mutter bem Auffinden ihrer toten Kinder geht durch Mark und Bein ! Im Verlauf der nun folgenden Retrospektive wird zunehmend deutlich, in welch prekären Verhältnissen, sowohl finanziell als auch emotional die "Nanny" lebt, wie sie gedanklich immer mehr mit ihrer Arbeitgeberfamilie verschmilzt, sich unentbehrlich macht, die Perle und gute Fee der Familie wird- von den Kindern geliebt, von den Eltern als selbstverständlich erachtet. Die genauen Motive der Täterin bleiben im Dunkeln - es wird weder eine Verurteilung für die unvorstellbar brutale Tat vorgenommen, noch der Versuch gemacht, Entschuldigungen zu suchen. Die Geschichte hat mich bewegt, der Erzählton hat mir gefallen, wenngleich es zwischendurch die oder andere Länge gab. Möglicherweise ist dies der Tatsache geschuldet, dass man bereits zu Beginn mit der Tragödie konfrontiert war ?!

Beklemmend, düster und tieftraurig
4

📚 Inhalt Myriam und Paul hatten glück mit ihrer neuen Kindernanny. Sie ist wie aus dem Bilderbuch und passt gut auf die Kindern des Paares auf. Das denken Myriam und Paul zumindest. Denn sie ahnen nichts von den Abgründen und der Verletzlichkeit der Frau, die auf ihre Kinder aufpasst. Bis sich eines Tages die schreckliche Tragödie ereignet. 📖 Meinung Die Geschichte startet mit dem Ende. Wir erleben direkt zu Beginn die Tragödie, die angesprochen wurde: die Kinder sind tot. Und man fragt sich, wie es dazu kommen konnte. Was musste passieren, dass die beiden Kinder sterben mussten? Fortgesetzt wird das Buch mit Rückblenden, bei denen man die unterschiedlichen Figuren besser kennen lernt, mit einem besonderen Fokus auf das Kindermädchen Louise. Während des ganzes Buches über hat man unterschwellig ein Gefühl der Bedrohung, denn man wartet förmlich auf den grossen Knall, den auslösenden Faktor für den Tod der Kinder. Der Schreibstil wirkt distanziert und weit weg, doch dieses Stilmittel passt für mich perfekt zum Thema. Man kann nicht recht (be)greifen, wie es zu einer solch schrecklichen Tat kommt. Und obwohl man die Charaktere in den Rückblenden gut kennen lernt, bleiben sie einem doch irgendwie distanziert und weit entfernt. Besonders Louises Charakter finde ich sehr spannend aufgebaut. Seite um Seite wird die Mauer um sie herum aufgebrochen und nach und nach abgerissen. Man erhält mehr und mehr Einblicke hinter ihre perfekt aufgebaute Fassade, die aber wirklich nur zum Schein ist. Auch Myriam finde ich eine spannende Figur, die man gut kennen lernen kann. Denn sie ist zerrissen zwischen Karriere und Muttersein. Dieser innerliche Kampf wird meiner Meinung nach gut von der Autorin dargelegt und beschrieben, hat mir sehr gut gefallen. Die angesprochenen Themen rund um den Plot finde ich äusserst wichtig und haben mich auf jeden Fall zum Nachdenken angeregt. Die Geschichte ist wirklich sehr schlimm und tragisch, aber ich finde sie äusserst wichtig zu lesen. Ich kann sie nur weiter empfehlen, man muss sich aber bewusst sein, was auf einen zukommen wird.

4.5

Angenehmer Sprachstil, der die Abgründe der Protagonistin stetig durchschimmern und erahnen lässt. Der Leserschaft wird häppchenweise so die anstehende Tragödie eröffnet.

4.5

Wow. Hat mich sprachlos zurückgelassen. Ich wusste nicht, worauf ich mich hier einlassen würde. Ohne es zu wissen, bzw. gleich zu merken, bekommt man tiefe Einblicke in den Kopf einer Kindesmörderin. Was ist passiert? Wie konnte es so weit kommen? Hätte man das alles verhindern können? Wer trägt hier aller Schuld? Jedes Kapitel wirft mehr Fragen auf und lässt einen das eben gelesene nochmal Revue passieren und überdenken, ohne dass man sich allzusehr anstrengen muss. Man fliegt über die Seiten und trotz der emotionalen Themen, gelingt es der Autorin Situation ganz sachlich darzustellen, aber ohne, dass es emotionslos ist. Keine leichte Kost, und dennoch könnte ich mich Stunden über dieses Buch austauschen.

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5

Krass

•Buchrezi• 🥺 Zum Inhalt: „Das Baby ist tot.“ Myriam und Paul leben mit ihren beiden Kindern, Mila und Adam, in einer Wohnung in Paris. Er: ein mittelmäßig erfolgreicher Musikproduzent. Sie: eine ausgebildete Anwältin, die ihre Karriere der Kinder wegen vorerst pausiert hat. Doch Myriam fühlt sich leer, eingesperrt – sie will zurück ins Berufsleben, wieder sie selbst sein. Da kommt Louise wie gerufen. Die perfekte Nanny: still, ordentlich, liebevoll. Sie kocht, putzt, bringt Struktur in den Alltag. Die Kinder lieben sie. Schon bald wirkt es, als wäre sie nicht einfach nur die Nanny, sondern ein Teil der Familie. Sie fährt mit in den Urlaub, übernimmt den Haushalt, bringt die Kinder ins Bett – während Myriam und Paul sich endlich ihrer Karriere widmen. Doch nach und nach verschwimmen die Grenzen. Und während das Ehepaar sich immer mehr zurückzieht, beginnt Louise, sich zu verlieren ,in ihrer Rolle, in ihren Erwartungen, in einer dunklen Obsession. Doch wie gut kennen Myriam und Paul sie wirklich? Mein Fazit: Dieses Buch ist krass. Was sich anfangs wie ein Thriller liest, ist in Wahrheit ein Blick in menschliche Abgründe – subtil, realistisch, erschütternd. Louise ist zu perfekt, zu angepasst. Und genau darin liegt das Unheil. Anfangs dachte ich, es geht um Überforderung, um Einsamkeit, um soziale Ausgrenzung. Darum geht es… aber auch um so viel mehr. Myriam und Paul betonen immer wieder, dass Louise „zur Familie gehört“. Aber was heißt „dazugehören“, wenn Machtverhältnisse, Klasse und Abhängigkeit im Spiel sind? Was mich zutiefst schockiert hat, war die Art, wie Louise behandelt wird. Ihre Aufopferung wird als selbstverständlich hingenommen, Übergriffigkeit getarnt als „Gefallen“. Niemand fragt, was sie will. Auch das Rollenbild hat mich wütend gemacht: Myriam wird als Rabenmutter abgestempelt, weil sie arbeiten will. Paul hingegen? Der wird in seiner Vaterrolle kein einziges Mal hinterfragt. Louises schleichender Kontrollverlust, ihre stille Besessenheit – all das entwickelt sich so beiläufig und doch ist er von Anfang an spürbar. Ein Buch, das tief unter die Haut geht. Brutal, nüchtern und verstörend realistisch. Absolute Leseempfehlung. ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

Krass
4

Der Mord passiert direkt auf der ersten Seite und es geht im Folgenden darum, wie es dazu gekommen ist und welche Vorzeichen es evtl gab. Die Eltern befinden sich in dem Konflikt die Betreuung ihrer Kinder für ein funktionierendes Leben abgeben zu müssen und auch nicht vollständig kontrollieren zu können. Es geht um Abhängigkeiten voneinander und darum, wie die Carearbeit zwischen sozialen Schichten weitergegeben wird. Wie nahe und intim sich die Menschen aus verschiedenen Schichten im Haus der Familie begegnen, in der die Nanny sich um die Kinder kümmert und den Haushalt schmeißt, und wie entfernt sie gleichzeitig voneinander sind und wie einseitig das Wissen übereinander ist. In der Geschichte werden Erklärungsansätze angeboten, aber keine fertige Erklärung präsentiert. Die Tat wird nicht entschuldigt, aber die Komplexität der Ursachen wird beschrieben.

4

Spannendes Thema, kurze Kapitel, flüssiger Schreibstil.

Spannend, aber nicht fesselnd. Man weiß bereits am Anfang, was Geschehen ist und möchte das „Warum?“ erfahren. Was waren die Beweggründe? Man bekommt einen Einblick in das private Leben der Nanny. Über ihre Gedankenwelt. Über ihren (sozialen) Status. Über die moderne Familie, die eine Nanny benötigt um sich selbst und den Kindern gerecht zu werden.

4.5

Ein leises Buch mit einem heftigen Thema.

Dieses Buch erzählt unaufgeregt aber fesselnd eine Geschichte über eine Familie, die durch eine schlimme Tat zerbricht. Die Autorin hat einen tollen Schreibstil, der den Leser durch das Buch gleiten lässt, wie ein Messer durch warme Butter. Kein Schnörkel, kein Schnickschnack, klipp und klar erzählt. Ich hab es gern gelesen, hätte mir am Ende dann doch ein wenig mehr Tiefgang über die benannte Tat gewünscht. Aber auf jeden Fall eine Leseempfehlung!

2

Fängt interessant an, wird aber immer langweiliger.

Ich habe dieses Buch im Rahmen eines Buchclubs gelesen. Ohne diesen wäre ich niemals auf das Buch gestoßen und hätte es vermutlich nie gelesen. Der Anfang find sehr interessant und anders als andere Bücher an. Es wurde nämlich direkt im ersten Satz geschrieben, wie das Buch vermutlich ausgehen wird. Das restliche Buch war also die Vorgeschichte zum Prolog. Der Schreibstil ist einfach und man kann das Buch schnell lesen. Zu Beginn war ich sehr interessiert daran wie das Buch weitergehen wird und wie es zu der Situation, die am Anfang geschildert wurde, kommen konnte. Aber von Kapitel zu Kapitel wurde es immer langweiliger. Ich wurde mit Louise von Anfang an nicht warm und habe mich jedesmal gefreut, wenn das Kapitel aus ihrer Sicht endete. Ich fand sie regelrecht unangenehm. Auch die anderen Charaktere wurde sehr flach und oberflächlich beschrieben. Das Ende hat mich sehr enttäuscht. Achtung Spoiler: Ich finde es einfach unbefriedigend ein Buch zu lesen, bei dem auf der ersten Seite geschrieben wird, dass jemand ungebraucht wird und dann bis zum Ende hin nicht klar wird, wie und warum genau. Man erfährt zwar nach und nach dass Louises Leben alles andere als toll war, aber dennoch wurde ich mit dem Ende nicht warm. Insgesamt vergebe ich 2 Sterne für den flüssigen Schreibstil und den interessanten Anfang.

3

>>Die Einsamkeit wirkte wie eine Droge, von der sie nicht sicher war, ob sie ohne sie auskommen wollte. ...<< "Dann schlaf auch du" von Leila Slimani beginnt auf den ersten Seiten schon mit einer unglaublich schockierenden Tat. Letztlich zeigt die Rückblende, dass diese Tat nur das Ergebnis vieler Dinge ist, die zusammenspielen... So steht das WARUM hier ganz klar im Fokus und Leila Slimani lies mich als Leser aus den verschiedenen Blickwinkeln auf das Leben der einzelnen Charaktere werfen und eben deren Zusammenspiel, was mitunter sehr interessant war. Bis zu einem gewissen Punkt hatte ich das Gefühl der Nanny Louise sehr nah kommen zu können, doch wurde mir letztlich nicht ganz klar, warum sie manche Dinge so gehandhabt hat, wie sie es eben tat, denn gerade zum Ende empfand ich die4 Auflösung als zu wenig für so Großes... Auch die Entwicklung zwischen dem Ehepaar Myriam und Paul konnte ich ungefähr ab der Hälfte nicht mehr nachvollziehen... klar wird, dass die beiden sich insbesondere innerlich voneinander distanzieren, aber im gesamtem Konstrukt, auch in Kombination mit dem Kindermädchen war der Bruch, den man hier als Leser beobachtet für mich nicht ganz schlüssig. Insgesamt hätte ich mir auch noch viel mehr Einblicke aus Sicht der Kinder gewünscht, denn auch da gab es Vorkommnisse, die mir persönlich zu nebenbei abgetan wurden... die aber meiner Meinung nach wichtig gewesen wären als Leser im Detail zu erfahren, um tiefer eintauchen zu können und zu verstehen. So blieb einfach unglaublich viel Raum für eigene Interpretationen, was für den einen vielleicht ein positiver Aspekt sein kann, für mich war es eher hinderlich, da ich das Gefühl hatte, das WARUM nicht vernünftig greifen zu können. Trotz meiner Kritik muss man aber auch sagen, dass die Autorin sehr fesselnd schreibt, was mir wirklich gut gefallen hat!

1

Ich dachte das Buch wäre spannender. Dafür dass das Buch Preise gewonnen hat, ist es echt langweilig und das Ende nicht sehr aufschlussreich. Leider ein Flop.

4

Spannendes Buch über ein junges Paar mit zwei kleinen Kindern, die meinen, die perfekte Nanny gefunden zu haben. Sie vertrauen ihr alles an, und müssen sich irgendwann fragen ob das richtig war.

5

Kann man nicht aus der Hand legen. Erschütternd und fesselnd.

4

3.5 stars Das Baby ist tot. Mit diesem grausamen Satz beginnt Leila Slimanis preisgekrönter Roman, der vergangenes Jahr pünktlich zur Frankfurter Buchmesse mit dem Ehrengast Frankreich auf Deutsch erschien. Das Ende des Buches wird also vorweggenommen, und nicht nur das Baby ist tot, sondern auch die vierjährige Mila ist von ihrer Nanny, die doch eigentlich so perfekt und liebevoll war, getötet worden. Wie konnte es zu der unfassbaren Tat kommen? Rückblende. Myriam will nach der Geburt ihres zweiten Kindes wieder an ihrer Karriere arbeiten und erhält ein tolles Jobangebot von einem Studienkollegen. Doch Paul und Myriam gehören zu den Eltern, die zu viel verdienen, um ihre Kinder auf Staatskosten versorgen zu lassen, aber zu wenig, um sich eine Nanny leisten zu können. Oder können sie vielleicht doch? Eine Kandidatin sticht heraus: die adrette, fürsorgliche und verantwortungsbewusste Louise. Und kaum beginnt sie mit ihrer Arbeit im Haushalt von Paul und Myriam, ist sie auch schon unentbehrlich für die Familie. Sie kümmert sich nicht nur aufopfernd um die Kinder, sondern übernimmt die gesamte Hausarbeit und kocht täglich – und zwar hervorragend. Schon bald ist es für das Paar undenkbar, wieder ohne Louise auskommen zu können. Sogar mit in den Urlaub nehmen sie sie. Was den jungen Yuppies, die nun beide extrem viel arbeiten und wenig zu Hause sind, entgeht, ist Louises Seelenleben. Dass sie mit dem Geld, das sie verdient, kaum überleben kann. Dass sie zermürbt wird von Existenzängsten und der Gedankenlosigkeit ihrer Arbeitgeber. Und so entsteht langsam ein Groll in der perfekten Nanny, der sich schließlich in ihrer schrecklichen Tat entlädt. Slimanis Geschichte ist trotz des bekannten Endes durchweg spannend. Dies liegt unter anderem daran, dass eine Erklärung für die Tötung der Kinder so unvorstellbar scheint, es ist hochinteressant, zu verfolgen, wie Louise immer mehr an den Abgrund gedrängt wird, ohne dass die Eltern der Kinder irgendetwas ahnen. Im Verlauf der Geschichte mehren sich langsam die Konflikte zwischen der Nanny und den Eltern und dennoch sind diese weit entfernt davon, zu ahnen, wie sich die Perle Louise fühlt. Was mich gestört hat an dem Buch ist die häufige Verwendung des Perfekts, um von der Vergangenheit zu berichten. Das störte mich wesentlich mehr als das ebenfalls häufig gebrauchte Präsens. Ich weiß nicht, ob dies eine Idee der Übersetzerin war oder ob es im französischen Original auch so ist. Eine Erklärung könnte im letzteren Fall sein, dass die Autorin eine möglichst große Nähe zur Gegenwart erzeugen wollte. Dieser Effekt hätte jedoch auch mit dem Einsatz des Präsens erzielt werden können, was ja auch teilweise der Fall ist. Doch beim Perfekt zuckte ich jedesmal ein bisschen zusammen, jedenfalls am Anfang. Das Perfekt gehört für mich nicht in die Schriftsprache, sondern in die gesprochene Sprache. Dieser Effekt wurde möglicherweise durch das Hörbuchformat noch verstärkt. Abgesehen von dieser Schwäche empfand ich „Dann schlaf auch du“ als gelungene und interessante Charakterstudie. Ein definitiv lesenswertes Buch.

3

Das Buch ist weniger ein Thriller, sondern befasst eher mit den Ursachen, die zum Mord geführt haben. Dadurch, dass es ein eher kurzes Buch ist, konnte man es sehr gut lesen, jedoch gab es kaum noch einen Spannungsfaktor, da die Spannung schon von Anfang an genommen wurde. Kann man lesen, muss man aber nicht.

4

Mit „Dann schlaf auch du“ baut Leïla Slimani ein eindringliches Portrait einer Familie auf, wie man sie aus Filmen oder Büchern kennt: Mann und Frau arbeiten Vollzeit und sehr energisch ihren ehrgeizigen beruflichen Zielen entgegen, während die Kinder von einer Nanny gehütet werden. Doch das war nicht immer so, denn Myriam ringt zunächst mit sich selbst, ob sie ihr Heiligstes einer Tagesmutter überlassen möchte, bevor sie wieder ins Karriereleben einsteigt. Ihr Mann Paul unterstützt sie und gemeinsam machen die Beiden sich auf die Suche nach der perfekten Nanny. Auftritt Louise: Die Frau mittleren Alters wohnt alleine und ist komplett flexibel. Ihr ganzes Leben lang hütet sie schon die Kinder anderer. Die Referenzen sind toll, die Nanny macht einen guten Eindruck und versteht sich auf Anhieb mit den Kindern — das muss das Kindermädchen ihrer Träume sein! Es entwickelt sich eine starke Abhängigkeit, nicht nur Pauls und Myriams von Louise, sondern auch umgekehrt: An den Wochenenden oder an freien Tagen sehnt sich die Nanny nach den Kindern, nach dem Haushalt „ihrer“ Familie, verliert sich immer tiefer in ein tiefes Loch, bis eines Tages die sonst stets gefasste Fassade der perfekten Kinderfrau zu brechen droht. „Meine Nanny ist eine Fee.“ Das sagt Myriam, wenn sie erzählt, wie Louise in ihren Alltag geplatzt ist. „Das Baby ist tot.“ — Mit diesem Satz beginnt Leïla Slimanis preisgekröntes Buch. Der Leser findet sich in einem Scherbenhaufen wieder, einer Szene, der Probleme, Streits und Eskalation vorangehen müssten – bis auf die Tatsache, dass es kaum etwas derartiges gab. Die mustergültige Nanny erledigte ihren Job tadellos, liebte die beiden Kinder abgöttisch und verlor so gut wie nie die Fassade. Bis auf die Male, wo sie sich auf die Nachbarin ihrer Familie stürzt und sie um Arbeit anfleht, damit sie ihre Rechnungen bezahlen kann. Die Leere, die sie einhüllt, sobald sie nach Hause fahren muss. Das endlose Schwarz, das ihr Leben ist. Doch genügen diese Gründe, um einen Mord an zwei kleinen Kindern zu verüben? Leïla Slimani hebt den Leser in die Rolle des Richters, der anhand der ihm vorliegenden Geschichte urteilen muss, ob es Gründe gab. Gründe, die Louises Tat in irgendeiner Weise rechtfertigen. Wir erfahren die Hintergründe der Nanny, ihre Vergangenheit wird uns in einigen Kapiteln näher gebracht. Wir erfahren, wie Paul und Myriam besorgt um die Gesundheit der Nanny sind, die ein leicht zwanghaftes Verhalten an den Tag legt und strikt gegen Verschwendung vorgeht, indem sie die Kinder beispielsweise ein von Myriam bereits weggeworfenes Hühnchen aus dem Müll fischt und bis zum Knochen verspeisen lässt. Wir erfahren, wie trist Louises Alltag außerhalb ihrer Arbeit ist, wie sie sich selbst und vor allem ihre Seele immer weiter in Richtung eines schwarzen Loch treiben lässt, wie sie immer abhängiger von ihrer Arbeit wird und Paul und Myriam sogar heimlich ihren Wunsch nach einem dritten Kind unterschmuggeln will, das die Beiden „für sie“ zeugen sollen, damit sie als Nounou der Kinder nicht ausgedient hat und sich die Familie noch weiter von ihr abhängig macht. Mit Schrecken kann der Leser beobachten, welche Abgründe sich während Myriams und Pauls Abwesenheit in Louise auftun, und wenn wir als Leser nicht schon den schlimmen Ausgang kennen würden, würde man ihn doch im Verlauf des Buchs irgendwann vermuten. Louise hat sich gegen Ende der Geschichte so sehr in das Leben der Familie eingenistet, dass selbst, als ihr Verhalten eine Grenze überschreitet, Myriam und Paul ratlos sind, wie sie die Nanny wieder loswerden können. Die vollständige Rezension findet ihr auf meinem Blog: http://killmonotony.de

4

Das Baby ist tot. Wenige Sekunden haben genügt. Der Arzt hat versichert, dass es nicht leiden musste. Schockiere deine Leserschaft! Ich kann mich nicht erinnern, wann ein Buch mit den ersten drei oben genannten Sätzen, mich derart verstört hat. Der kleine Adam wurde von seiner Babysitterin ermordet. Auch seine größere Schwester wurde mit dem Sushimesser durchlöchert und wird den Tag nicht überleben. Die Frage, die das Buch im Folgenden beantworten will, lautet: wie konnte es soweit kommen? Kann ein Buch noch spannend sein, wenn die Tat am Anfang steht und die Mörderin, selbst im Koma liegend nach dem Suizidversuch, schon feststeht? Ja, das funktioniert, selbst wenn es keine großen Überraschungen danach gibt. Vielmehr sind es die alltäglich anzutreffenden Verhaltensmuster von bestimmten Personenkreisen, die zum Unglück führten: der geschäftigen Vater Paul, der seine Familienrolle allenfalls im Urlaub auslebt. Die mit ihrer Rolle als Hausfrau unzufriedene Mutter Myriam, die wieder in Vollzeit ins Karriereberufsleben einsteigt, nachdem sie die (ohne Migrationshintergrund) alleinstehende Louise als Kinderfrau engagieren konnten. Louise macht sich unentbehrlich, gehört bald zur Familie, doch plötzlich wird die Beziehung zwischen dem Paar und der Nanny zu eng und alles steuert auf die Katastrophe zu. Der Schreibstil Slimanis ist gewöhnungsbedürftig. Kühl, nüchtern, fast schon protokollarisch und leider auch im unsäglichen Präsens, was ich hierfür nicht passend empfand. Doch wenn ich meine subjektive Vorliebe für Erzählstile mal beiseite lasse, dann muss ich zugeben, dass Leïla Slimani dies sehr konsequent und raffiniert konzipiert hat. Es ist hervorragend geschrieben in seiner Kühle und Distanziertheit. Es ist erstaunlicherweise nie wertend, nie ironisch oder sarkastisch. Es bleibt völlig nüchtern bis zum Ende. Paul und Myriam werden nicht vorgeführt als schreckliche Karrieremenschen. Das Bild ist selbstverständlich in manchen Punkten schonungslos gemalt, gerade wenn Myriam denkt, dass die Kinder sie auffressen und sie lieber wieder in ihren Beruf möchte. Es ist für mich daher auch weniger eine Gesellschaftsstudie, sondern einfach eine zufällig gewählte Dreiecksbeziehung Paul-Myriam-Louise, die für mich zeigt, dass niemand sich richtig die Zeit nimmt, sich mit der anderen Person zu beschäftigen. Keiner kennt den Anderen genau, selbst die Eheleute untereinander nicht. Es ist eine Kritik an der oberflächlichen Wahrnehmung der anderen Mitmenschen. Und dann passieren derartige Katastrophen, weil man die Nanny auf Distanz halten will. Unter dem Motto: Komm in mein Haus, werde mein Partner oder meine Nanny, verhalte dich aber am besten unauffällig und strebsam. Ein außergewöhnliches Buch.

4

Mit „Dann schlaf auch du“ baut Leïla Slimani ein eindringliches Portrait einer Familie auf, wie man sie aus Filmen oder Büchern kennt: Mann und Frau arbeiten Vollzeit und sehr energisch ihren ehrgeizigen beruflichen Zielen entgegen, während die Kinder von einer Nanny gehütet werden. Doch das war nicht immer so, denn Myriam ringt zunächst mit sich selbst, ob sie ihr Heiligstes einer Tagesmutter überlassen möchte, bevor sie wieder ins Karriereleben einsteigt. Ihr Mann Paul unterstützt sie und gemeinsam machen die Beiden sich auf die Suche nach der perfekten Nanny. Auftritt Louise: Die Frau mittleren Alters wohnt alleine und ist komplett flexibel. Ihr ganzes Leben lang hütet sie schon die Kinder anderer. Die Referenzen sind toll, die Nanny macht einen guten Eindruck und versteht sich auf Anhieb mit den Kindern — das muss das Kindermädchen ihrer Träume sein! Es entwickelt sich eine starke Abhängigkeit, nicht nur Pauls und Myriams von Louise, sondern auch umgekehrt: An den Wochenenden oder an freien Tagen sehnt sich die Nanny nach den Kindern, nach dem Haushalt „ihrer“ Familie, verliert sich immer tiefer in ein tiefes Loch, bis eines Tages die sonst stets gefasste Fassade der perfekten Kinderfrau zu brechen droht. „Meine Nanny ist eine Fee.“ Das sagt Myriam, wenn sie erzählt, wie Louise in ihren Alltag geplatzt ist. „Das Baby ist tot.“ — Mit diesem Satz beginnt Leïla Slimanis preisgekröntes Buch. Der Leser findet sich in einem Scherbenhaufen wieder, einer Szene, der Probleme, Streits und Eskalation vorangehen müssten – bis auf die Tatsache, dass es kaum etwas derartiges gab. Die mustergültige Nanny erledigte ihren Job tadellos, liebte die beiden Kinder abgöttisch und verlor so gut wie nie die Fassade. Bis auf die Male, wo sie sich auf die Nachbarin ihrer Familie stürzt und sie um Arbeit anfleht, damit sie ihre Rechnungen bezahlen kann. Die Leere, die sie einhüllt, sobald sie nach Hause fahren muss. Das endlose Schwarz, das ihr Leben ist. Doch genügen diese Gründe, um einen Mord an zwei kleinen Kindern zu verüben? Leïla Slimani hebt den Leser in die Rolle des Richters, der anhand der ihm vorliegenden Geschichte urteilen muss, ob es Gründe gab. Gründe, die Louises Tat in irgendeiner Weise rechtfertigen. Wir erfahren die Hintergründe der Nanny, ihre Vergangenheit wird uns in einigen Kapiteln näher gebracht. Wir erfahren, wie Paul und Myriam besorgt um die Gesundheit der Nanny sind, die ein leicht zwanghaftes Verhalten an den Tag legt und strikt gegen Verschwendung vorgeht, indem sie die Kinder beispielsweise ein von Myriam bereits weggeworfenes Hühnchen aus dem Müll fischt und bis zum Knochen verspeisen lässt. Wir erfahren, wie trist Louises Alltag außerhalb ihrer Arbeit ist, wie sie sich selbst und vor allem ihre Seele immer weiter in Richtung eines schwarzen Loch treiben lässt, wie sie immer abhängiger von ihrer Arbeit wird und Paul und Myriam sogar heimlich ihren Wunsch nach einem dritten Kind unterschmuggeln will, das die Beiden „für sie“ zeugen sollen, damit sie als Nounou der Kinder nicht ausgedient hat und sich die Familie noch weiter von ihr abhängig macht. Mit Schrecken kann der Leser beobachten, welche Abgründe sich während Myriams und Pauls Abwesenheit in Louise auftun, und wenn wir als Leser nicht schon den schlimmen Ausgang kennen würden, würde man ihn doch im Verlauf des Buchs irgendwann vermuten. Louise hat sich gegen Ende der Geschichte so sehr in das Leben der Familie eingenistet, dass selbst, als ihr Verhalten eine Grenze überschreitet, Myriam und Paul ratlos sind, wie sie die Nanny wieder loswerden können. Die vollständige Rezension findet ihr auf meinem Blog: http://killmonotony.de

4

Ein Buch voller Raffinesse

Der Roman beginnt mit der Schlimmstmöglichen Wendung und entfaltet danach Schritt für Schritt die Tiefe der Psyche.

3

Der Anfang lässt einen echt erschrecken und man möchte direkt das ganze Buch lesen. Das Ende lässt viele Fragen offen und alles dazwischen ist irgendwie ganz nett.

4

Das Baby ist tot. Wenige Sekunden haben genügt. Der Arzt hat versichert, dass es nicht leiden musste. Schockiere deine Leserschaft! Ich kann mich nicht erinnern, wann ein Buch mit den ersten drei oben genannten Sätzen, mich derart verstört hat. Der kleine Adam wurde von seiner Babysitterin ermordet. Auch seine größere Schwester wurde mit dem Sushimesser durchlöchert und wird den Tag nicht überleben. Die Frage, die das Buch im Folgenden beantworten will, lautet: wie konnte es soweit kommen? Kann ein Buch noch spannend sein, wenn die Tat am Anfang steht und die Mörderin, selbst im Koma liegend nach dem Suizidversuch, schon feststeht? Ja, das funktioniert, selbst wenn es keine großen Überraschungen danach gibt. Vielmehr sind es die alltäglich anzutreffenden Verhaltensmuster von bestimmten Personenkreisen, die zum Unglück führten: der geschäftigen Vater Paul, der seine Familienrolle allenfalls im Urlaub auslebt. Die mit ihrer Rolle als Hausfrau unzufriedene Mutter Myriam, die wieder in Vollzeit ins Karriereberufsleben einsteigt, nachdem sie die (ohne Migrationshintergrund) alleinstehende Louise als Kinderfrau engagieren konnten. Louise macht sich unentbehrlich, gehört bald zur Familie, doch plötzlich wird die Beziehung zwischen dem Paar und der Nanny zu eng und alles steuert auf die Katastrophe zu. Der Schreibstil Slimanis ist gewöhnungsbedürftig. Kühl, nüchtern, fast schon protokollarisch und leider auch im unsäglichen Präsens, was ich hierfür nicht passend empfand. Doch wenn ich meine subjektive Vorliebe für Erzählstile mal beiseite lasse, dann muss ich zugeben, dass Leïla Slimani dies sehr konsequent und raffiniert konzipiert hat. Es ist hervorragend geschrieben in seiner Kühle und Distanziertheit. Es ist erstaunlicherweise nie wertend, nie ironisch oder sarkastisch. Es bleibt völlig nüchtern bis zum Ende. Paul und Myriam werden nicht vorgeführt als schreckliche Karrieremenschen. Das Bild ist selbstverständlich in manchen Punkten schonungslos gemalt, gerade wenn Myriam denkt, dass die Kinder sie auffressen und sie lieber wieder in ihren Beruf möchte. Es ist für mich daher auch weniger eine Gesellschaftsstudie, sondern einfach eine zufällig gewählte Dreiecksbeziehung Paul-Myriam-Louise, die für mich zeigt, dass niemand sich richtig die Zeit nimmt, sich mit der anderen Person zu beschäftigen. Keiner kennt den Anderen genau, selbst die Eheleute untereinander nicht. Es ist eine Kritik an der oberflächlichen Wahrnehmung der anderen Mitmenschen. Und dann passieren derartige Katastrophen, weil man die Nanny auf Distanz halten will. Unter dem Motto: Komm in mein Haus, werde mein Partner oder meine Nanny, verhalte dich aber am besten unauffällig und strebsam. Ein außergewöhnliches Buch.

4

Das Baby ist tot. Wenige Sekunden haben genügt. Der Arzt hat versichert, dass es nicht leiden musste. Schockiere deine Leserschaft! Ich kann mich nicht erinnern, wann ein Buch mit den ersten drei oben genannten Sätzen, mich derart verstört hat. Der kleine Adam wurde von seiner Babysitterin ermordet. Auch seine größere Schwester wurde mit dem Sushimesser durchlöchert und wird den Tag nicht überleben. Die Frage, die das Buch im Folgenden beantworten will, lautet: wie konnte es soweit kommen? Kann ein Buch noch spannend sein, wenn die Tat am Anfang steht und die Mörderin, selbst im Koma liegend nach dem Suizidversuch, schon feststeht? Ja, das funktioniert, selbst wenn es keine großen Überraschungen danach gibt. Vielmehr sind es die alltäglich anzutreffenden Verhaltensmuster von bestimmten Personenkreisen, die zum Unglück führten: der geschäftigen Vater Paul, der seine Familienrolle allenfalls im Urlaub auslebt. Die mit ihrer Rolle als Hausfrau unzufriedene Mutter Myriam, die wieder in Vollzeit ins Karriereberufsleben einsteigt, nachdem sie die (ohne Migrationshintergrund) alleinstehende Louise als Kinderfrau engagieren konnten. Louise macht sich unentbehrlich, gehört bald zur Familie, doch plötzlich wird die Beziehung zwischen dem Paar und der Nanny zu eng und alles steuert auf die Katastrophe zu. Der Schreibstil Slimanis ist gewöhnungsbedürftig. Kühl, nüchtern, fast schon protokollarisch und leider auch im unsäglichen Präsens, was ich hierfür nicht passend empfand. Doch wenn ich meine subjektive Vorliebe für Erzählstile mal beiseite lasse, dann muss ich zugeben, dass Leïla Slimani dies sehr konsequent und raffiniert konzipiert hat. Es ist hervorragend geschrieben in seiner Kühle und Distanziertheit. Es ist erstaunlicherweise nie wertend, nie ironisch oder sarkastisch. Es bleibt völlig nüchtern bis zum Ende. Paul und Myriam werden nicht vorgeführt als schreckliche Karrieremenschen. Das Bild ist selbstverständlich in manchen Punkten schonungslos gemalt, gerade wenn Myriam denkt, dass die Kinder sie auffressen und sie lieber wieder in ihren Beruf möchte. Es ist für mich daher auch weniger eine Gesellschaftsstudie, sondern einfach eine zufällig gewählte Dreiecksbeziehung Paul-Myriam-Louise, die für mich zeigt, dass niemand sich richtig die Zeit nimmt, sich mit der anderen Person zu beschäftigen. Keiner kennt den Anderen genau, selbst die Eheleute untereinander nicht. Es ist eine Kritik an der oberflächlichen Wahrnehmung der anderen Mitmenschen. Und dann passieren derartige Katastrophen, weil man die Nanny auf Distanz halten will. Unter dem Motto: Komm in mein Haus, werde mein Partner oder meine Nanny, verhalte dich aber am besten unauffällig und strebsam. Ein außergewöhnliches Buch.

4

Wer einen Blick in eine düstere traurige Seele sucht ist hier goldrichtig! *** Wie konnte es dazu kommen? Warum tötet das Kindermädchen ihre geliebten Schützlinge? Ein distanzierter Blick auf eine dunkle Geschichte. Das Buch hat viel Aufruhr verursacht. Die Autorin wurde sehr für ihr Debüt gefeiert. Kann ich mich dem Hype anschließen? Ja. Das Buch ist wirklich außergewöhnlich aufwühlend. Das Ende ist der Anfang. Gleich das erste Kapitel lässt einen schwer schlucken. Die Nanny eines Pariser Ehepaars tötet die beiden kleinen Kinder. Dann springt die Erzählung zum Davor. Die beiden Eltern suchen mit Bedacht nach einem Kindermädchen. Fleißig und liebevoll soll sie sein. Auf jeden Fall legal im Land. Schließlich vertraut man dieser Person seine Kinder an, da darf man kein Auge zudrücken. Sie finden Louise – sie ist perfekt. Nicht nur kümmert sie sich rührend um die Kinder, auch die Wohnung bringt sie auf Vordermann. Doch das Glück währt nicht lange, langsam schleichen sich Zweifel ein. Louise übertritt mehr als einmal eine unsichtbare Grenze zwischen Privatsphäre und Arbeit. Der Leser verfolgt alles mit angehaltenem Atem, schließlich weiß man worauf das ganze hinausläuft. Man fragt sich: Hätte man es eher bemerken müssen? Das Buch ist eine emotionale Hausnummer! Definitiv nichts für zartbeseitete-Happy-End-Liebhaber. Der Hype rührt sicher auch daher, dass dieses Thema sehr düster ist. Geschieben ist das Buch laut Lehrbuch. Klar durchgetaktet und gewürzt mit Details.

4

Frauen* sind nie genug. Zu perfekt, zu zielstrebig, nicht genug für die Kinder da, zu viel für die Kinder da. Und wenn sie doch perfekt sind, dann werden sie als "Angestellte" abgestempelt und von oben herab behandelt. Gesellschaftskritik verpackt als subtiler Thriller. Obwohl fast ausschließlich ordinäre Alltagsszenen beschrieben wurden, war das Buch spannend von Anfang bis Ende.

3

Zu Beginn harte Kost, aber zum Ende hin platt. Mir hat mehr Tiefe der Charaktere gefehlt und vorallem der Beweggrund.

2.5

Kann man lesen, muss man aber nicht.

Nachdem meine Mama und ich eigentlich einen sehr ähnlichen Geschmack haben, was Bücher betrifft und sie mir nur Bücher weiter gibt, die ihr gefallen haben, die lesenswert sind, habe ich mich durchs Buch "gequält". Ohne diesen Hintergrund hätte ich es wohl schon recht früh abgebrochen... Aus meiner Sicht passiert in dem Buch nicht viel, es gibt nicht viele Erklärungen, es wird einfach nur unnötig viel erzählt und in den Schreibstil habe ich auch nicht wirklich rein gefunden 🙈

2

Die Geschichte beginnt mit dem Ende: Das Baby ist tot. Das Kleinkind lebt noch, wird es aber nicht schaffen. Das Kindermädchen überlebt. Leila Slimani erzählt hier die Geschichte von dem Kindermädchen Louise, die sich um Myriams und Pauls Kinder kümmert. Auch im Übrigen erleichtert sie das Leben der berufstätigen Eltern, indem sie putzt und kocht. Zunächst wähnen sich Myriam und Paul im Glück. Wie es endet, wissen wir bereits - doch wie kam es dazu? Tja, so richtig weiß ich es immer noch nicht. Die Auflösung erfolgt nur in Andeutungen und hat mich ratlos zurückgelassen. Leider hat mir dieser Roman insgesamt nicht gefallen. Zwar hatte ich das Buch schnell gelesen, jedoch ist der Schreibstil nicht so ganz meins. Mir ist er zu reduziert. Die Geschichte hat durchaus Potential. Allerdings hat mir die Umsetzung nicht gefallen.

2.5

Starker Einstieg, der im Verlauf abflacht und die Frage nach dem „Warum“ mit viel Interpretationsspielraum offen lässt.

Leïla Slimani bietet Leser*innen bereits zu Anfang des Buches eine düstere Stimmung, denn sie nimmt bereits das Ende vorweg. Im Verlauf nimmt Dich die Autorin in den Familienalltag Paul und Myriam mit. Sie skizziert dabei die Charaktere und deren Bedürfnisse extrem. Mit Lousie, dem Engel in der Not und deren Zauber alle verfallenen, schafft Slimani ein konträres Bild zu Paul und Myriam. Was stark angefangen, Neugier in mir geweckt und sogar kriminalistische Züge angenommen hat, hat mich im Verlauf verloren. Leider eher oberflächlich werden die Charaktere dargestellt. Das Ende hat leider die von mir erhoffte Wendung nicht bereitgehalten, sodass die Frage nach dem „Warum“ und einer Auflösung offen blieb. Letztendlich ist mein Resümee, dass ich eine falsche Erwartungshaltung und eine andere Geschichte erwartet hatte. ━ 𝖥𝖠𝖹𝖨𝖳 ━ Starker Einstieg, der im Verlauf abflacht und die Frage nach dem „Warum“ mit viel Interpretationsspielraum offen lässt. 2,5 | 5 Sterne 🌟 ________________________ Buchige Grüße 📚📖, Jeanette.

Starker Einstieg, der im Verlauf abflacht und die Frage nach dem „Warum“ mit  viel Interpretationsspielraum offen lässt.
3

Mittelmäßig. Gesellschaftskritik im Gewand einer Tragödie

Mein erstes Buch von der Autorin. Ich mochte sowohl den trockenen, ungeschönten Schreibstil, der dem Thema die nötige Ernsthaftigkeit verlieh, als auch die Handlung: Was treibt ein bodenständiges Kindermädchen dazu, zwei Kinder zu ermorden? Stück für Stück lernt der Leser Louise kennen. Diese organisierte, penible und ja auch irgendwie sympathische Frau, die sehr gut mit Kindern kann. Wie bei einer Zwiebel legt Leïla Slimani Schicht um Schicht frei und enthüllt das wahre Gesicht des Kindermädchens. Was mit persönlich allerdings etwas zu oberflächlich blieb. Ich hätte mir vor allem bei Lousise mehr Tiefgang und Details gewünscht. Die Gesellschaftskritik wurde nett verpackt, aber daraus konnte ich jetzt auch keinen wirklichen Nutzen ziehen. Daher "nur" drei Sterne.

3.5

"Das Baby ist tot" - als das Buch so begann und die ersten Seiten nicht weniger dramatisch wurden, war ich mir sicher es kaum aushalten zu können. So viel Trauer und Schmerz. Leider ließ die Spannung immer weiter ab, das Ende war nüchternd und in dem Fall hätte ich mir einen Abschluss gewünscht.

5

Ein Kindermädchen ermordet die ihr anvertrauten Kinder. So beginnt der Roman, und in Rückblenden wird erzählt, wie es dazu kommen konnte. Erniedrigung , Schulden, Existenzängste werden u.a. thematisiert. Harter Stoff, sehr fesselnd, kein Krimi!

4

Bleibt manchmal irgendwie oberflächlich/kurz, dafür dass es andererseits so den Finger in die Wunde legt. Nichts für schwache Nerven aber schon wirklich gut gemacht und interessante Themen wie Klassizismus, Elternschaft im Kapitalismus etc.

4

Wer einen Blick in eine düstere traurige Seele sucht ist hier goldrichtig! *** Wie konnte es dazu kommen? Warum tötet das Kindermädchen ihre geliebten Schützlinge? Ein distanzierter Blick auf eine dunkle Geschichte. Das Buch hat viel Aufruhr verursacht. Die Autorin wurde sehr für ihr Debüt gefeiert. Kann ich mich dem Hype anschließen? Ja. Das Buch ist wirklich außergewöhnlich aufwühlend. Das Ende ist der Anfang. Gleich das erste Kapitel lässt einen schwer schlucken. Die Nanny eines Pariser Ehepaars tötet die beiden kleinen Kinder. Dann springt die Erzählung zum Davor. *** Die beiden Eltern suchen mit Bedacht nach einem Kindermädchen. Fleißig und liebevoll soll sie sein. Auf jeden Fall legal im Land. Schließlich vertraut man dieser Person seine Kinder an, da darf man kein Auge zudrücken. Sie finden Louise – sie ist perfekt. Nicht nur kümmert sie sich rührend um die Kinder, auch die Wohnung bringt sie auf Vordermann. *** Doch das Glück währt nicht lange, langsam schleichen sich Zweifel ein. Louise übertritt mehr als einmal eine unsichtbare Grenze zwischen Privatsphäre und Arbeit. Der Leser verfolgt alles mit angehaltenem Atem, schließlich weiß man worauf das ganze hinausläuft. Man fragt sich: Hätte man es eher bemerken müssen? *** Das Buch ist eine emotionale Hausnummer! Definitiv nichts für zartbeseitete-Happy-End-Liebhaber. Der Hype rührt sicher auch daher, dass dieses Thema sehr düster ist. Geschieben ist das Buch laut Lehrbuch. Klar durchgetaktet und gewürzt mit Details.

4

Spannend und dramatisch!

3

Ein starker Beginn, der aber zum Ende hin immer mehr abflacht. Gut gemacht sind die Einschübe, die etwas mehr Hintergrund zu Louise geben. Ansonsten wurde ich mit keinem der drei Protagonisten richtig warm. Alles keine Sympathieträger. Gerade mit der Tat zu beginnen fand ich gelungen, mir hat allerdings gegen Ende hin die Analyse gefehlt wieso Louise so gehandelt und warum.

3

Gesellschaftskritisches Drama

Kurz zur Handlung: Zwei Kinder werden von ihrer Nanny ermordet. Einem Paukenschlag gleich, stößt uns die Autorin in diese grausame Eröffnungsszene. Dann begeben wir uns auf die Spurensuche, nach dem Wieso. Wie sehr kann man einen fremden Menschen vertrauen? Was heißt es, Mutter zu sein und gleichzeitig zu arbeiten? All diese gesellschaftspolitischen Fragen wirft die Autorin auf. Meine Meinung: Ich mag es, wenn Geschichten rückwärtserzählt werden, und die Frage nach dem Wieso im Vordergrund steht, deshalb war ich sehr gespannt darauf, was die Autorin aus diesem Szenario macht. Leider passiert dann leider erstmal gar nicht so viel. Wir lernen die Eltern der beiden Kinder kennen, und können erkennen, wie schwierig es für die Mutter ist in ihrem Beruf Fuß zu fassen.  Und hier kommt die Nanny Louise ins Spiel. Je erfolgreicher die Mutter wird, desto mehr baut sich Louise ein Nest in der Familie. Trotz all dieser Bilder und der vielen gesellschaftspolitischen Themen, die von der Autorin aufgeworfen werden, bleibt viel von den Charakteren auf der Strecke. Auch die Auflösung des Dramas wird lediglich angedeutet. Viele Themen in diesem Roman sind wichtig, doch trotzdem konnte das Buch mich nicht komplett überzeugen. Leider! Mit Louise und ihrer Art wurde ich von Anfang an nicht warm, auch die Eltern der beiden Kinder waren mir nicht wirklich sympathisch. Schon allein dieser Fakt machte es mir schwer, in die Geschichte einzutauchen. Natürlich weiß ich als berufstätige Mutter, wie schwer die Kleinkindjahre sind, doch hier wurden nur die Extreme gezeigt. Von mir gibt es für dieses Drama lediglich 3 von 5 Sternen. Mehr als einmal wollte ich das Buch abbrechen, habe es dann jedoch durchgezogen. Einige Aspekte haben mir gefallen, doch leider keiner wirklich begeistert. Dies ist aber meine ganz persönliche Meinung und ich freue mich für jeden, den dieses Buch begeistert hat.

4.5

Sehr spannendes Buch, liest sich sehr flott und ist schön geschrieben. Zeigt mitunter sehr deutlich, wie die care Arbeit im Patriarchalen System von der Mutter, die dem Hausfrauentum entfliehen kann, auf eine andere , unprivilegierte Frau abgewälzt wird.

5

Krass. Traurig. Berührend.

Sie wollen das perfekte Paar sein, Kinder und Beruf unter einen Hut bringen, alles irgendwie richtig machen. Und sie finden die ideale Nanny, die ihnen das alles erst möglich macht. Doch wie gut kann man einen fremden Menschen kennen? Und wie sehr kann man ihm vertrauen? Sie haben Glück gehabt, denken sich Myriam und Paul, als sie Louise einstellen - eine Nanny wie aus dem Bilderbuch, die auf ihre beiden kleinen Kinder aufpasst, in der schönen Pariser Altbauwohnung im 10. Arrondissement. Sie ahnen nichts von den Abgründen und von der Verletzlichkeit der Frau, der sie das Kostbarste anvertrauen. Von der tiefen Einsamkeit, in der sich Louise zu verlieren droht. Bis eines Tages die Tragödie über die kleine Familie hereinbricht. Ebenso unaufhaltsam wie schrecklich.

2

Was ein Durcheinander. Idee gut Umsetzung sehr passabel!

2

„Dann schlaf auch Du“ behandelt ein ziemlich dramatisches Thema, nämlich den Verlust der eigenen Kinder. Wie sicher kann man sich in seinem Leben fühlen? Wie sehr kann man anderen Menschen vertrauen? Diese Fragen wirft das Buch auf und zeigt: Am besten gar nicht. Paul und Myriam sind ein typisches Ehepaar. Pariser Altbauwohnung, zwei Kinder, ein Leben, das bezahlt werden will. Als Myriam nach Geburt des zweiten Kindes wieder anfangen möchte zu arbeiten und rauszukommen, muss ein Kindermädchen her. Mit Louise scheinen sie die perfekte Nanni gefunden zu haben. Sehr dezent drängt sie sich in das Leben der Familie, übernimmt mehr als sie muss, beschwert sich nie, nistet sich peu à peu ein. Doch sie tut dies nicht aus Selbstlosigkeit, sondern weil ihr eigenes Leben so einsam und leer ist. Paul und Myriam merken das nicht, bzw. es interessiert sie nicht. Louise ist da um ihnen alles abzunehmen und mehr kümmert sie nicht, auch wenn sie ihr natürlich dankbar sind. Doch so unreflektiert wie sie sind, merken sie nicht, dass Louise nicht perfekt ist, sondern in Problemen versinkt. Und so merken sie auch nicht, worauf es hinausläuft. Das Buch beginnt direkt ganz krass mit den schlimmen Ereignissen. Schockierend und unvorbereitet trifft es den Leser. Man weiß, was passiert, aber nicht warum. Diese Geschichte wird in Rückblenden Stück für Stück erzählt. Sie beleuchtet alle Seiten, auch die von Louise, sodass der Leser früher als das Ehepaar merkt, dass etwas nicht ganz stimmt mit dieser Frau. Zwischendrin wird wieder in die Gegenwart gesprungen, z.B. zum Prozess. Auch hier werden verschiedene Perspektiven beleuchtet. Ich finde diese Erzählmethode sehr gut gewählt. Sie rüttelt den Leser immer wieder ein bisschen auf, der es sich sonst in den Rückblenden allzu sorglos bequem machen könnte. Woran es dem Buch mangelt ist Tiefe der Charaktere. Sie wirken alle unsympathisch und die Autorin schafft es nicht ihre Verletzlichkeit ergreifend darzustellen. Zudem ist mir das Ende etwas zu offen, man hätte auch hier deutlich mehr auf die Personen eingehen sollen. Nachdem ich den Anfang gelesen hatte, dachte ich, es wird mehr wie ein Krimi / Thriller, aber dieses Buch konzentriert sich nicht so sehr auf das was, als auf das wieso. Ich finde, man kann es teilweise als sozialkritisch betrachten, vor allem aber ist es einfach eine tragische Geschichte, die aus dem echten Leben stammen könnte.

2

Was ein Durcheinander. Idee gut Umsetzung sehr passabel!

3

3,5 Sterne Es handelt sich hier nicht um ein Buch das sich mit dem Verlust der eigenen Kinder beschäftigt, ebenso wenig um ein Buch das die jedes einzelne Motiv zur Tat ins kleinste Detail aufklärt und damit auch nicht um einen Thriller oder Krimi. Viel eher handelt es sich um einen gesellschaftskritischen Roman. Slimani zeigt die unterschiedlichsten sozialen Schichten der französischen Gesellschaft auf, die so auch in Deutschland vorkommen. Jede Schicht hat ihre eigenen Probleme und ist blind für die Sorgen des anderen. Slimani analysiert diese Ängste und Sorgen sehr ausführlich, in einem nüchternen fast schon sachlichen Ton. Dieser Ton erlaubt es dem Leser alle Personen objektiv betrachten zu können und ist so ganz anders als der effektheischende Stil den man aus Thrillern gewohnt ist, oder der emtoionale Stil den man aus vielen Gesellschaftsroman kennt. Dieser Schreibstil hat die graue, triste Pariser Vorstadt betont. Kein schillerndes, mondänes Paris der Künstler und Freidenker, sondern eine stinkende, dreckige, kalte Großstadt. Das passt so gar nicht zu dem Bild von Paris das sich dem Touristen offenbart, der vielleicht höchstens ausversehen an den Rand einer Banlieue gerät und kuckt dass er schnell wieder weg kommt. Auch mit meinem Eindruck von Paris kollidiert Slimanis Darstellung krass, gehört Paris doch zu meinen Lieblingsstädten mit seiner bunten, lebhaften Atmosphäre. Aber will ich eine Autorin abstrafen nur weil sie ein Traumbild zerstört, dass ich mir in meiner egoistischen Denkweise lieber erhalten möchte, obwohl ich doch sowieso weiß dass meine Idealvorstellung eben nicht real ist? Eigentlich müsste ich der Autorin hoch anrechnen dass sie es schafft in mir eine Abneigung gegen meine Lieblingsstadt zu wecken. Auf die Handlung selbst möchte ich hier gar nicht eingehen, außer dass Slimani sich tiefgehend mit der Psyche ihrer Charaktere beschäftigt aber nie ganz klärt woher die Störungen kommen. Es werden sowohl Stärken als auch Schwächen der Personen näher beleuchtet, wobei die Schwächen eindeutig überwiegen. Hier wird man keinen wirklich "sympathischen" Charakter finden und genau das lässt das Buch meiner Meinung nach so realitätsnah wirken. Es finden sich zwei bzw. zwei Zeitebenen. Die Vergangenheit des Kindermädchens und schließlich die Gegenwart die unweigerlich auf die Katastrophe hinausläuft. Slimani bietet keine Lösung an, sie moralisiert nicht, sie sagt nicht was wir ändern müssen/sollen. Sie zeigt nur extrem schonungslos die Realität auf, ohne jemals wirklich brutal zu werden. So wird die blutige Tat selbst nicht beschrieben, nur das Ergebnis und auch hier wird nicht viel auf Ekel gesetzt. Was der Leser daraus mitnimmt is jedem selbst überlassen. Ich kann die 5 Sterne Bewertungen gut nachvollziehen und habe selbst lange zwischen drei und vier Sternen geschwankt. Das Buch hat mich noch lange nach Beenden beschäftigt und mir viel Denkstoff geliefert. Genau das erwarte ich von gesellschaftskritischen Romanen und kann auch nicht behaupten dass meine Erwartungen nicht erfüllt wurden. Der hoffnungslose Schreibstil wird der Handlung gerecht, für mich persönlich war es gerade leider nicht das Richtige.

4

Tolles Buch nur das Ende war zu offen.

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