Trag das Feuer weiter

Trag das Feuer weiter

Hardback
4.339

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Description

»Eine atemberaubende Lektüre.« Martina Läubli, Neue Zürcher Zeitung

»Ein literarisches Meisterwerk.« DER SPIEGEL
Von der beeindruckenden Suche zweier Schwestern nach Freiheit: der neue große Roman des literarischen Weltstars Leïla Slimani. SPIEGEL-Bestsellerautorin. Prix-Goncourt-Preisträgerin. Der faszinierende Abschluss der Familientrilogie - nach »Das Land der Anderen« und »Schaut, wie wir tanzen«.


Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit »brain fog«, einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt. Auf Anraten ihres Arztes reist sie nach Marokko, in das Land ihrer Kindheit, das sie als junge Frau verlassen hat. Als sie auf der Farm ihrer Großeltern in Meknès eintrifft, hat sie das Gefühl eine Fremde zu sein. Sie fragt sich, wer sie ohne die Erinnerungen an ihre Familie ist. Und taucht ein in ihre eigene Geschichte. Eine Geschichte, die auf ganz eigene Weise vom Kampf gegen gesellschaftliche Grenzen erzählt - und von dem Streben nach Freiheit.

Rabat, 1980. Mia ist sechs Jahre alt, als ihre Schwester Ines geboren wird. Ihre Mutter ist Gynäkologin. Ihr Vater leitet eine Bank. Die beiden Schwestern könnten nicht unterschiedlicher sein. Mit stillem Befremden verfolgt Mia, wie mühelos sich Ines anpasst, und es braucht Jahre, bis die beiden Schwestern einander näherkommen. Als Mia zum Studium nach Paris zieht, ist es ein Aufbruch in die Freiheit: Zum ersten Mal kann sie dort ihre Homosexualität offen leben. Und es ist ein Versprechen an ihren Vater: das Feuer, das in ihrem Innern brennt, weiterzutragen. So wie Mathilde, ihre Großmutter, und Aisha, ihre Mutter, entscheidet sie sich für einen ganz eigenen Weg.

»So schafft es Leila Slimani wieder einmal Frauenfiguren zu erschaffen, die einem enorm nahe kommen in ihrem Witz, ihrer Wut.« Marie Schoeß, Deutschlandfunk

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Hardback
Pages
448
Price
25.70 €

Author Description

Die französisch-marokkanische Autorin Leïla Slimani gilt als eine der wichtigsten literarischen Stimmen Frankreichs. Ihre Bücher sind internationale Bestseller. Slimani, 1981 in Rabat geboren, wuchs in Marokko auf und studierte an der Pariser Eliteuniversität Sciences Po. Für den Roman »Dann schlaf auch du« wurde ihr der renommierte Prix Goncourt zuerkannt. Zuletzt erschien im Luchterhand Literaturverlag die Romane »Das Land der Anderen«, »Schaut, wie wir tanzen« sowie »Trag das Feuer weiter«. Sie sind Teil einer Trilogie, die auf der Geschichte von Leïla Slimanis eigener Familie beruht. »Leïla Slimani hat auf traumhaft schöne, lebendige, mitreißende Weise Weltgeschichte in Literatur verwandelt, die uns über drei Generationen trägt.« (Volker Weidermann, DIE ZEIT)

Posts

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All
5

Slimani ist einfach eine der besten Autor:innen unserer Zeit. Jede Seite ist ein Genuss, eine Bereicherung, großartig.

4

Ein besonderer Abschluss Normalerweise lese ich Reihen nie komplett hintereinander. Aber bei dieser Familiensaga konnte ich einfach nicht anders. Ich war so in der Geschichte drin, dass ich unbedingt wissen wollte, wie es mit der Familie weitergeht. Die starken Charaktere vor dem Hintergrund von Marokko haben mich wieder sehr berührt. Leïla Slimani schafft es einfach unglaublich gut, jede Figur lebendig wirken zu lassen. Man versteht ihre Gedanken, ihre Zweifel und die Schwierigkeiten, die durch die unterschiedlichen kulturellen Prägungen entstehen. Mit Mia und Inès stehen zwei sehr unterschiedliche Frauen im Mittelpunkt, die die Geschichte auf ihre ganz eigene Weise tragen. Gerade diese Gegensätze haben das Buch für mich besonders gemacht. Für mich persönlich war dieser Band ein klein wenig schwächer als die ersten beiden Teile, was aber eher daran liegt, dass der Fokus sich etwas von der historischen Entwicklung Marokkos wegbewegt und andere Themen stärker in den Vordergrund rücken. Trotzdem ist es ein stimmiger und gelungener Abschluss, der die Geschichte dieser Familie rund abschließt und mir schöne Lesestunden geschenkt hat.

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5

Ein feministischer Familienroman aus Marokko

Trag das Feuer weiter ist der 3. Roman aus einer Triologie. Leila Slimami eine marokkanisch-französische Autorin beschreibt hier die Familiengeschichte einer Familie der Oberschicht über 3 Generationen. Per Zufall bin ich in der FAZ auf den Roman aufmerksam geworden. Normalerweise lese ich immer erst den ersten und dann die weiteren Bände einer Triologie. Hier habe ich es das erste Mal anders gemacht. Der Roman erzählt die Geschichte der Schwestern Mia und Ines von der Geburt bis zum ca 30 Lebensjahr. Ihre Kindheit haben sie in Marokko verbracht und sind dann zum Studium nach Paris gegangen. Es geht im dem Roman um die moderne marokkanische Gesellschaft und besonders die Stellung der Frau in dieser Gesellschaft. Trag das Feuer weiter ist ein durch und durch feministischer Roman, der klar macht, wie schwer es Frauen in großen Teilen der Welt auch heute noch haben. Sprachlich ist der Roman ein absoluter Genuss. Es war bisher mein Lieblingsroman 2026!

4

Eine so eindrucksvolle Familientrilogie - sie hat mich von der ersten bis zur letzten Seite vollkommen in ihren Bann gezogen. Erst als ich 'Trag das Feuer weiter' in den Händen hielt, bemerkte ich, dass es sich um den dritten Band handelt. Deshalb habe ich zuvor die beiden ersten Teile, 'Das Land der Anderen' und anschließend 'Schaut, wie wir tanzen' als Hörbuch gehört - und das war genau die richtige Entscheidung. Die gesamte Familiengeschichte zu kennen, verleiht dem dritten Band noch einmal eine ganz andere Tiefe und ein intensiveres Verständnis für die Figuren. Leïla Slimani beginnt ihre marrokanisch-französischen Familienchronik kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Die abenteuerlustige und leidenschaftlich Elsässerin Mathilde verliebt sich in den marrokanischen Offizier Amine und folgt ihm in seine Heimat. Dort ist sie die Fremde - konfrontiert mit einer anderen Mentalität, schwierigen Lebensumständen und einem traditionellen Frauenbild, mit dem sie erst umgehen lernen muss. Ich mochte Mathilde sehr: sie ist stark, lebensfroh und unangepasst. Bis zum Ende der Trilogie bleibt sie meine absolute Lieblingsfigur. Der zweite Band spielt in den 1960er- und 1970er- Jahren. Wir begleiten Aïcha, die Tochter von Mathilde und Amine, nach ihrem Medizinstudium: wie sie lebt, liebt und und sich beruflich Respekt verschafft. Gleichzeitig zeichnet der Roman ein eindrucksvolles Bild des politischen und gesellschaftlichen Umbruchs in Marroko. Aïchas Bruder Selim hingegen zerbricht am Druck seines Vaters und an den Erwartungen, die auf ihm lasten - auch das wird sehr bewegend geschildert. Im dritten Teil treten Mathilde und Amine leider etwas in den Hintergrund, was ich persönlich schade fand, ohne das es die Qualität des Romans mindert. Nun steht die dritte Generation im Mittelpunkt: Aïchas und Mehdis Töchter Mia und Inès Ringen mit ihren eigenen Herausforderungen. Vieles ähnelt den Konflikten der vorherigen Generationen - und ist doch ganz anders. Auch diese jungen Frauen haben mein Herz erobert. Ebenso Selma, Amines Schwester: Als schönes, aber eingeengtes junges Mädchen geboren, kämpft sie unbeirrbar für ihre Unabhängigkeit. Trotz schwerer Schicksalsschläge bleibt sie aufmüpfig und stark. Die Trilogie basiert auf der eigenen Familiengeschichte Slimanis, was den Romanen eine besondere Authentizität verleiht. Alles wirkt glaubwürdig und lebendig, die Figuren erscheinen nahbar und echt. Zudem ist die kulturelle Dimension äußerst spannend und bereichernd. Ich habe alle drei Bände sehr genossen. Hervorragend gesprochen von Wiebke Puls, sensibel und flüssig übersetzt von Amelie Thoma - und großartig geschrieben von Leïla Slimani.

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4.5

Endlich ist er da, der dritte Teil der marokkanisch-französischen Familienchronik der wunderbaren Leïla Slimani. Trag das Feuer weiter ist ein eindringliches, persönliches Buch über Herkunft, Identität und weibliche Selbstbestimmung. Mit klarer, an vielen Stellen poetischer Sprache verbindet die Autorin familiäre Geschichte mit gesellschaftlichen Fragen der 1990er und 2000er Jahre in der arabischen Welt. Slimani schreibt reflektiert und ehrlich, ohne zu idealisieren. Ein ruhiger, vielschichtiger Roman über Herkunft, Verantwortung und das, was wir bewusst oder unbewusst weitervererben. "Sie waren dazu verdammt, in einer Art Fegefeuer zu leben, im Klammergriff zwischen dem Hass der Islamisten und der Ignoranz des Westens. Er fragte sich: Kann man ein Land lieben, das einen nicht liebt? Kann man zugleich hier und dort hingehören?" (S. 365) Mich hat auch der dritte und letzte Teil sehr beeindruckt. Besonders die starken weiblichen Charaktere bleiben in Erinnerung. Obwohl die Erzählstränge oft wechseln, kann man der Geschichte mMn gut folgen, wobei es sicherlich von Vorteil ist, wenn man auch die ersten beiden Teile gelesen hat. Viele Passagen haben mich außerdem zum Nachdenken gebracht und lange beschäftigt. Für mich ist das Buch ein großes Epos und ein grandioser und würdiger Abschluss der Familientrilogie. Absolute Leseempfehlung!

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5

Zwei sehr unterschiedliche Schwestern

Mia und Inés sind zwei sehr unterschiedliche Schwestern. Als Mia die ältere erfährt, dass sie ein Geschwisterchen bekommt ist sie gar nicht begeistert, Und als die kleine Inés auf der Welt ist hat sie keine Liebe für sie, im Gegenteil sie hasst sie. Die Mutter der beiden ist Gynäkologin, der Vater Banker. Nur was der Vater so beruflich macht weiß keiner so genau. Mia geht zum Studieren nach Paris, hier kennt sie keiner und sie fühlt sich freier, Mia ist homosexuell. Eines Tages folgt ihr Ines, werden sie sich endlich besser verstehen? Marokko und Frankreich zwei sehr unterschiedliche Kulturen werden einem in diesem Buch sehr gut beschrieben und nahe gebracht. Ich habe die beiden ersten Bände der Trilogie bisher nicht gelesen, konnte mich aber sehr gut in die Familiengeschichte einfinden. Es ist ein sehr großartiges Buch das ich auf jeden Fall weiter empfehlen kann.

4

Historisch und erzählerisch interessant

Das Buch lässt sich aufgrund des deskriptiven Stils und der Länge nicht schnell durchlesen, aber ich hatte trotzdem nicht das Gefühl, dass es sich zu sehr zieht. Durch die vielen Perspektivwechsel war ich zwar emotional nicht durchgehend mitgerissen, habe aber einen guten Überblick über die Familienmitglieder und ihre Dynamik erhalten. Dieser Fokus war meiner Meinung nach eine gute Entscheidung der Autorin. Vielleicht hätte ich am Anfang der Trilogie anfangen sollen, aber auch ohne die beiden anderen Bücher gelesen zu haben kam ich einigermaßen mit und bin froh, das Buch zufällig gefunden zu haben.

5

Ein krönender Abschluss einer Familiensaga!

„Trag das Feuer weiter“ von Leila Slimani ist der Abschluss einer Familiensaga, in der es vor allem um Mia geht, die in Paris als Schriftstellerin lebt. Sie reist nach Marokko, in das Land ihrer Kindheit und rekonstruiert die Geschichte ihrer Eltern und Großeltern, um herauszufinden, was sie ausmacht. Denn obwohl sie in Frankreich ihre Definition von Freiheit leben kann, fragt sie sich immer wieder, wo sie hingehört. In dem Roman geht es um das Leben zwischen zwei Welten, die Suche nach Identität und um die Selbstverwirklichung. Mia fühlt sich in Marokko fremd, hat aber auch in Frankreich mit Vorurteilen zu kämpfen. Der Leser wird im Laufe des Buches in verschiedene Zeiten versetzt und Zeuge von einzigartigen Geschichten, die sich über drei Generationen hinweg erstrecken. Ich mochte die philosophischen Aspekte des Buches, das Kreisen um die Fragen nach Zugehörigkeit, Freiheit und Integration. Gut fand ich auch, so viele starke Frauen in einem Buch vereint zu sehen, die alle auf ihre Art, ihrem selbst bestimmten Weg folgen, ihr Feuer weitertragen. Die Geschichte lebt von inneren Konflikten der Protagonisten, die sehr nachvollziehbar dargestellt wurden. Der Autorin ist hoch anzurechnen, dass sie offen über die Schattenseiten des Lebens in Marokko geschrieben und ihr Heimatland nicht als Paradies verklärt hat. Ihre Erzählungen wirkten authentisch, tiefgründig und waren an vielen Stellen sehr bewegend. Man braucht durchaus ein wenig Zeit, um mit den Figuren warm zu werden, wenn man, wie ich mit dem dritten Teil der Trilogie startet. Nichtdestotrotzt bekamen die Protagonisten mit der Zeit auch klare Konturen und wurden einem dank dem ruhigen, reflektierten Schreibstil vertraut. Das Buch hat mich auf jeden Fall neugierig auf die zwei vorherigen Bände gemacht, da die Geschichten so vielschichtig sind, dass man noch mehr in sie eintauchen möchte.

4

Ein kraftvoll erzählter Familienroman über Freiheit, Herkunft, Zugehörigkeit, Träume und Identität. Leïla Slimani schreibt klug, sinnlich und politisch zugleich.

Man wird nicht Schriftsteller, indem man sich im Spiegel betrachtet. Die Geschichten beginnen, wenn man durch ihn hindurchgeht.“ (S. 214) Mit "Trag das Feuer weiter" legt Leïla Slimani (übersetzt von Amelie Thoma) den dritten Band ihrer Familienroman-Reihe vor, erschienen beim Luchterhand Verlag. Der Roman erzählt von einer marokkanisch-französischen Familie zwischen Casablanca, Rabat und Paris. Von Eltern und Töchtern, von Migration, Anpassung und dem schmerzhaften Wunsch nach Freiheit. Auch ohne die vorherigen Bände gelesen zu haben, lässt sich dieses Buch eigenständig lesen, wenngleich ich jetzt rückblickend empfehlen würde, ganz vorne zu starten. Meine Meinung Das Zentrum der Geschichte bilden vor allem Mehdi, Aïcha und ihre Töchter Mia und Inès. Slimani zeichnet ihre Figuren mit großer psychologischer Tiefe und sprachlichen Wucht, besonders dort, wo es um Erwartungen, Geschlechterrollen und das ständige Aushandeln von Zugehörigkeit geht. Mich hat vor allem gecatcht, wie sehr sie Freiheit körperlich und emotional denkt: „Freiheit, überlegte er, schreibt sich in den Körper ein, in die Muskeln, die Bewegungen.“ (S. 177) Gleichzeitig ist das Buch schonungslos in der Darstellung von Konformität, Schweigen und Heuchelei: innerhalb der Familie ebenso wie gesamtgesellschaftlich. Das zeigen die vielen Passagen über das Nicht-Sagen-Dürfen, das bewusste Weglassen ganzer Lebensrealitäten wie bspw. hier: „Ihre Eltern waren Heuchler, und es beschämte Mia, festzustellen, dass sie nicht frei waren. [...] Nicht beschreiben, wie wir leben, was wir essen, trinken, sagen und woran wir glauben. [...] Niemals über den König reden, die manipulierten Wahlen, weder den Namen Oufkir aussprechen noch den des Straflagers dort unten im Süden des Landes. [...] Ihre Eltern hatten akzeptiert, in dieser moralischen Verwirrung zu leben, sie hatten sie an ihre Kinder weitergegeben, und Mia wusste jetzt, dass sie ihr niemals helfen könnten, die Frage >>Wer bin ich?<< zu beantworten.“ (S. 223/224) Formal bin ich beim Lesen immer wieder kurz ins Stolpern geraten, weil die Erzählstimmen häufig wechseln, ohne klar gekennzeichnet zu sein. Kapitelüberschriften mit Namen hätten mir hier wahrscheinlich sehr geholfen. Mein Rettungsanker war tatsächlich das Personenverzeichnis am Anfang, ohne das wäre ich stellenweise verloren gewesen. Gleichzeitig habe ich gemerkt, dass diese Schwierigkeiten wohl vor allem daher rühren, dass mir die beiden Vorgängerbände fehlen: Als Quereinsteigerin blieben einige Nebenfiguren für mich blasser, obwohl sich der Roman grundsätzlich auch eigenständig lesen lässt. Trotzdem: Slimanis Sprache ist wunderschön, klug und voller Bilder. Besonders der titelgebende Moment, wenn Mehdi seiner Tochter zuruft, sie solle ihre Freiheit verteidigen und das Feuer weitertragen hat sich tief eingebrannt: „Diese Sache mit den Wurzeln dient nur dazu, dich am Boden festzunageln, während die Vergangenheit, das Haus, die Dinge, die Erinnerungen unwichtig sind. Entfache einen großen Brand und trag das Feuer weiter.“ (S. 237) Fazit "Trag das Feuer weiter" ist ein vielschichtiger, trauriger Roman über Identität, Familie, verlorene Träume und den Preis der Freiheit. Für alle, die literarische Familiengeschichten, postkoloniale Perspektiven und feministische Fragen mögen, aber nichts für Leser:innen, die eine klar geführte, lineare Erzählung erwarten. Mich hat das Buch trotz kleiner Kritikpunkte sehr beeindruckt und neugierig auf mehr gemacht. Danke an den Luchterhand Verlag und Vorablesen für das Rezensionsexemplar.

Ein kraftvoll erzählter Familienroman über Freiheit, Herkunft, Zugehörigkeit, Träume und Identität. Leïla Slimani schreibt klug, sinnlich und politisch zugleich.
4.5

Lange Zeit auf den Abschluss dieser großartigen Familiensaga gewartet und ich bin schnell wieder eingetaucht in die Geschichten rund um Mathilde, Aicha, Mehdi, Mia und Ines. Sehr schön geschrieben, aber die ersten beiden Bände haben mich noch mehr mitgerissen.

4

Rabat, 1980: Mia ist sechs Jahre alt, als ihre Schwester Ines geboren wird. Während Ines zu ihrer großen Schwester aufblickt, ist Mia von Hass erfüllt, denn Ines ist das genaue Gegenteil von ihr. Wo Mia kantig ist, ist Ines weich und gefällig, während Mia als nicht besonders hübsch und eher maskulin gilt, wird Ines stets für ihre Schönheit bewundert. Sie wachsen in einem Marokko auf, das Weltoffenheit vorgibt und doch harte gesellschaftliche Grenzen setzt. Ihre Mutter Aisha arbeitet als Gynäkologin, ihr Vater leitet eine Bank. Mia wird zum ersten Mal in ihrer Schulzeit klar, dass sie anders ist, als sie sich in eine Mitschülerin verliebt, mit harten Konsequenzen. Erst ein Umzug zum Studium nach Paris bringt ihr Freiheit - aber auch eine Einsamkeit, die sie nie ganz abschütteln kann. Mit "Trag das Feuer weiter" findet die Familientrilogie von Leïla Slimani ihren Abschluss - ein würdiges Ende, wie ich finde! Die Trilogie ist angelehnt an die eigene Familiengeschichte der Autorin und erzählt von drei Generationen, teils in Marokko, teils in Paris. Den Handlungsrahmen setzt in "Trag das Feuer weiter" ein Ausschnitt aus Mias Leben während der Corona-Pandemie. Sie ist mittlerweile erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, leidet aber nach einer Corona-Infektion an "Brain Fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt. Um wieder Struktur in ihre Erinnerungen zu bringen, reist sie nach Marokko auf die Farm ihrer Großeltern, spürt dort ihrer Oma Mathilde nach und erinnert sich an ihren Vater, der später in seinem Leben inhaftiert wurde. Ich fand den Roman wieder sehr spannend und bin gerne in das Marokko der 80er und 90er Jahre gereist, allerdings hatte das Buch für mich auch einige Längen. Empfehlen möchte ich es dennoch, vor allem wenn man - wie ich - die beiden Vorbände gelesen hat. Es ist schön zu wissen, wie die Geschichten um Mathilde und Aisha ausgehen. Übersetzt von Amelie Thoma.

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5

Großartiger Abschluss der Marokkanisch-Französischen Familiengeschichte. Wunderbar erzählt, mit glaubwürdigen Figuren.

Sechs Jahre ist es her, seit Leïla Slimani mit Das Land der Anderen ihre autobiografisch gefärbte Familientrilogie begann. Beide Vorgängerromane (zuletzt war Schau, wie wir tanzen erschienen) waren sehr erfolgreich. Sie verhalfen Slimani, die schon zuvor 2017 den Prix Goncourt erhalten hatte, zu großem literarischen Ansehen und waren weltweit Bestseller. Nun ist der abschließende dritte Teil Trag das Feuer weiter erschienen. Dieser Roman hat alle Zutaten, die Erfolgsgeschichte weiter zu schreiben. Dabei ist das 486 Seiten starke Werk alles andere als leichte Kost. Er verlangt den LeserInnen viel ab. Belohnt sie dafür mit einem mitreißenden literarischen Sog von Figuren und Geschichten, mit einer Reise durch die 1980er bis 2000er Jahre, die in Marokko und Frankreich spielt. Es wird kaum ein Thema ausgelassen. Dennoch ist Slimani eng an den Figuren, hauptsächlich Mädchen und Frauen; darunter ihr Alter Ego Mia, die die Hauptfigur ist. Ein reiner Frauenroman ist es dennoch nicht; zu wichtig ist die Vaterfigur (Mehdi) und der im Hintergrund wirkende Großvater Amine. Sie geben der Geschichte die Balance. Trag das Feuer weiter ist eine Metapher für eine über Generationen andauernde Suche nach Identität, dem Streben nach Idealen, der Verwirklichung von Träumen. Die Trilogie war im Zweiten Weltkrieg gestartet (mit Amine und Mathilde als Hauptfiguren), ging über die 1960er und 1970er Jahre (mit Aïcha und Mehdi) und dann weiter in die 1980er und 1990er bis heute (mit den heranwachsenden Kindern Mia und Inés). Manche Figuren ziehen sich über alle drei Bände, alten quasi mit. Auch ohne die vorherigen zwei Bände zu kennen, ist man in der Lage, dem Buch zu folgen (Ein Personenverzeichnis mit Kurzbiografien erleichtert das Lesen). Es macht eher Lust darauf, alle Teile zu entdecken. Mia, die älteste Tochter von Aicha und Mehdi Daoud, beides Akademiker, wächst mit ihrer jüngeren Schwester Inès auf dem ländlichen Anwesen der Familie in Méknes/Marokko auf. Beide besuchen ein französisches Gymnasium, zählen zu den privilegierten Kindern im Land. Wie ihre Eltern genießen sie die Vorteile der französisch-marokkanischen Herkunft, die ihnen nicht nur materielle sondern auch kulturelle und religiöse Freiheiten beschert. Während der Vater (ein früherer Sozialist mit dem Spitznamen “Karl Marx”) eine Karriere bei der Entwicklungsbank in Casablanca macht, arbeitet die Mutter Aicha als Gynäkologin. Dann ist da noch Selma, die jüngere Schwester von Amine, die eine besonders starke Frauenrolle innehat. Konflikte, die sich aus einer privilegierten Herkunft (französisch-marokkanische Elite) ergeben, werden zum emotionalen Lauffeuer für die Geschichte. Doch was ist das Besondere an Slimanis’ Trilogie? Es ist die schonungslose Härte ihrer psychologischen Analyse aber auch die Sympathie und Wärme für ihre Figuren, die viele helle und dunkle Seiten durchmisst. Nichts wird ausgespart, keine Schwäche oder Stärke verschwiegen. Es sind viele präzise Details, die die Romane so lebendig machen, als hätte Slimani alle Situationen selbst durchlebt. Trag das Feuer weiter ist, sei es Fantasie oder Autobiografie, authentisch im storytelling, es nimmt langsam Fahrt auf und entfaltet dann seine ganze Wucht. Sie findet dafür ihre eigene, meist elegante aber auch drastische Sprache, um den Ereignissen, die allen Figuren widerfährt, gerecht zu werden. Doch wie beschreibt man den Geruch einer sommerlichen Geburtsstation, den Winterregen, der auf einen fällt, während man auf Einlass wartet, das Kochen von Hühnchen und Tajine zum Leichenschmaus ? Slimani will es beschreiben und kann es auch. Nichts wirkt gestellt oder ist der Szene wegen inszeniert. Fast jedenfalls. Um einen Epochenwechsel darzustellen, wird der Tod des Großvaters mit den Anschlägen des 11. Septembers verknüpft, das ist dann etwas zu viel des Guten. Literatur spielt im Roman eine wichtige Rolle, ohne sich im Referenziellen zu verlieren. Es ist Mehdi, der Vater, der durch die Weitergabe von Büchern an seine Tochter Mia sein eigenes Feuer, weitergibt. Es ist auch seine eigene (und oft einzige) Art der Kommunikation mit seiner ältesten Tochter. Fast ist man verwundert, dass die 1981 geborene Slimani wenig auf sensiblen Umgang mit politischer Korrektheit, Wokeness und Feminismus hält. Es geht mitten rein ins Gefecht. Gelüste der Frauen werden explizit. Frauen nehmen sich was sie wollen, werden gnadenlos ausgebeutet, schlagen aber auch zurück. Sie trinken, kiffen, fallen aus der Rolle. Frauen wie Aicha, machen Karriere und bekommen Kinder. Lehnen den Feminismus ab. Männer streben nach Idealen, Macht, Ruhm und Ehre, fallen dafür umso tiefer. Männerrollen, Frauenrollen – es gibt kein klassisches Opfer/Täter-Schema, wenig Schwarz-Weiß, die Linien verwischen. Etliche Zeit Sprünge, die aber klar motiviert und gekennzeichnet sind, bringen eine eigne Dynamik in die Erzählung. Das Erinnern, die Zeit an die zwar turbulente aber immer auch liebevolle Familienzeit ist dabei das Wertvollste, was alle Familienmitglieder besitzen. Einmal sagt Mehdi “Du musst die Insel verlassen um sie wirklich wahrzunehmen”. Beide Kinder werden das ländliche Paradies in Marokko verlassen, werden in Paris und London unterschiedliche Werdegänge haben. Ihre Heimat wird sie jedoch nicht loslassen.Manchmal ist es fast zu viel, was sie alles aushalten müssen: Pubertät, Trennung, Fremde, Kälte, Unfälle, Verrat, Gefängnis, Verlust und Tod. Dazu kommen die gesellschaftlichen Verwerfungen, der Aufstieg und der Frust des Postkolonialen Marokko, das elitäre Leben der Bourgeoisie, zu der die Familie zählt, später der aufkeimende Islamismus. Wem das nicht reicht, hat viel Freude an der genauen Beschreibung von Nebensächlichkeiten wie der Fußballbegeisterung (die hochschwangere Mutter Aicha muss das Ende des Länderspiels abwarten, ehe sie ins Krankenhaus darf) oder dem leckeren marokkanischen Essen. Das großartige Gefühl, dabei sein zu dürfen, diese, zum Teil extreme Familie begleiten zu dürfen; ihre Höhenflüge und zu Asche gewordenen Träume mit zu erleben bleibt bis zum Schluss. Trag das Feuer weiter ist großes Kino der Literatur. Eine Geschichte, die eigentlich nie enden sollte, ist zu Ende. Man wird alle vermissen, das Feuer ist nicht erloschen.

4

Guter Generationenroman

Rezensionsexemplar Auch wenn man diesen Roman eigenständig lesen kann, stellt er doch ein weiteres Abbild der selben Familie, wie in den vorherigen zwei Teilen dar. Leïla slimani porträtiert hier wieder mal äußerst gekonnt, eine aus vielen Teilen bestehende Familie und konzentriert sich diesmal vor allem auf die jüngste, nämlich Mia. Der Schreibstil lässt sich sehr gut weglesen. Die Beschreibungen und Erklärungen des Marokkos von vor ~50 Jahren lassen einen sehr gut eintauchen in diese (mir) entfernte Welt. Mia wird durchweg sehr nachvollziehbar dargestellt und man kann förmlich ihre Probleme spüren und mit ihr mitfühlen. Die Übersetzung ist gut gelungen, vor allem durch seltene Fußnoten, die bestimmte Begriffe oder den historischen Kontext liefern. Das war äußerst hilfreich. Leider war der Roman, vor allem, im ersten viertel, doch ziemlich repetetiv und konnte nie wirklich einen spannungsbogen aufziehen. Trotzdem ein wieder mal gut gelungenes Buch.

4

Ein tiefgründiger, generationsübergreifender Roman über Identität, Freiheit und das Weitertragen des inneren Feuers – elegant erzählt, bewegend und literarisch stark.

Mit Trag das Feuer weiter führt Leïla Slimani ihre Trilogie um Familie, Herkunft und Freiheit auf beeindruckende Weise zum Abschluss. Der Roman folgt der erfolgreichen Pariser Schriftstellerin Mia, die unter einem lähmenden „brain fog“ leidet – einem Nebel, der ihre Erinnerungen und ihre Kreativität trübt. Auf ärztlichen Rat kehrt sie in das Marokko ihrer Kindheit zurück, zur Farm ihrer Großeltern in Meknès, und begibt sich dort auf eine Reise in ihre eigene Geschichte und damit auch in das kollektive Erbe ihrer Familie. Der erzählerische Bogen des Romans spannt sich weit. Von Mias frühen Jahren in Rabat, wo sie und ihre Schwester Inès in sehr unterschiedlichen Lebenswelten aufwachsen, bis zu ihrem Studium in Paris, wo sie zum ersten Mal offen ihre Homosexualität leben kann. Diese Rückkehr in die Vergangenheit ist zugleich ein innerer Befreiungsprozess, der den Kampf gegen gesellschaftliche Grenzen und das Streben nach Selbstbestimmung in den Mittelpunkt rückt. Slimanis Stärke liegt nicht nur in ihrer präzisen Beobachtungsgabe, sondern auch im nuancierten Porträt ihrer Figuren. Mia ist keine klassische Heldin. Sie ist verletzlich, mit Zweifeln und Erinnerungen beladen, und doch stark in ihrem Drang, das Feuer weiterzutragen, das ihr ihre Mutter und Großmutter vorgelebt haben. Ihre inneren Konflikte, ihre Suche nach Zugehörigkeit und Freiheit machen die Geschichte berührend und nachvollziehbar. Die Sprache Slimanis ist klar, bedacht und literarisch, wodurch sich der Roman sowohl als Familiengeschichte als auch als Reflexion über kulturelle Zugehörigkeiten und Selbstverwirklichung liest. Trag das Feuer weiter fordert dazu auf, über die Grenzen von Identität und Tradition nachzudenken und bleibt dabei stets nah an den Menschen, von denen sie erzählt.

4

Grundsätzlich wieder sehr schön in diese Familiensaga und die Geschichte einzutauchen. Die zweite ersten Bände hatten mich allerdings mehr mitgerissen, aber es liest sich wieder super und sehr schnell.

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