Loyalitäten
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DELPHINE DE VIGAN, geboren 1966, erreichte ihren endgültigen Durchbruch als Schriftstellerin mit dem Roman ›No & ich‹ (2007), für den sie 2008 mit dem Prix des Libraires und 2009 mit dem Prix Rotary International ausgezeichnet wurde. Ihr Roman ›Nach einer wahren Geschichte‹ (DuMont 2016) stand wochenlang auf der Bestsellerliste in Frankreich und erhielt 2015 den Prix Renaudot. Zuletzt erschien bei DuMont ihr Roman ›Dankbarkeiten‹ (2019). Die Autorin lebt mit ihren Kindern in Paris.
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Sehr schnell zu lesen, aber sehr schweres bedrückendes Thema.
Dieses Buch lässt sich trotz des schweren Themas sehr schnell lesen. Es ist aus vier sichten geschrieben aber jede Sicht ist gleich wichtig und lässt sich gut auseinanderhalten. Es fühlt sich sehr bedrückend an und man merkt wie es immer mehr zu einer Katastrophe hinaus läuft, weshalb es eine starke sog Wirkung hat.
Überraschend vielschichtig und aufwühlend, inklusive Sogwirkung. Großartig 👌🏻✨
„Loyalitäten“ von Delphine de Vigan erzählt von Menschen unterschiedlicher Generationen, die Verletzungen aus ihrer Kindheit mit sich tragen. Im Zentrum steht Théo, ein Scheidungskind, das zwischen seinen Eltern aufgerieben wird. Über ihn erfährt man sehr genau, wie das Zusammenleben mit den einzelnen Elternteilen aussieht, wie viel Druck auf ihm lastet und wie wenig Raum ihm bleibt. Gleichzeitig wird die Geschichte aus weiteren Perspektiven erzählt. Dadurch wird sichtbar, wie ein System entsteht, in dem Verantwortung verschoben wird und Wegsehen zur Normalität wird. Hélène, Théos Lehrerin, spürt, dass es ihm nicht gut geht, und versucht einzugreifen, stößt dabei aber an die Grenzen einer Institution und an Kolleg:innen, die nicht hinschauen wollen. Théo zu verfolgen, war für mich schmerzhaft. Er ist keine Figur, der man sofort nahe ist, und dennoch hat Delphine de Vigan bei mir viel Empathie ausgelöst. Man versteht, wie sehr er zwischen den Fronten steht, ohne einen sicheren Ort zu haben. Seine Eltern sind mit sich selbst beschäftigt, ohne die Folgen für ihr Kind mitzudenken. Und um ihn herum gibt es Erwachsene, die Hinweise erkennen, sie aber nicht konsequent ernst nehmen. Ich wollte das Buch nicht aus der Hand legen und habe mir gleichzeitig gewünscht, jemand würde Théo endlich schützen. Für mich ist Loyalitäten ein aufwühlendes und zugleich unglaublich starkes Buch.
Ein intensiver, eindringlicher Roman über familiäre Brüche, krankhafte Beziehungen, Verantwortung und vom Hin- und Wegschauen. Ein Kind flüchtet sich in den Alkohol, weil es die Welt nicht mehr erträgt. Gefangen in seiner Loyalität, wagt es nicht um Hilfe zu bitten. Ein Buch, das lange nachhallen wird... Viel Inhalt auf gerade mal 174 Seiten. Unbedingt lesen!!
Ein so erschütterndes Buch. Théo, der im Wechselmodell bei den geschiedenen Eltern lebt und sich hier in der ständigen Position befindet, sich loyal verhalten zu „müssen“. Ebenso Cécile, die Mutter seines besten Freundes Mathis ggü. ihres Mannes und Mathis, der zwischen seiner Mutter und seinem Freund steht. Théos und Mathis anfängliches „Spiel“, sich mit Alkohol ein gutes Gefühl zu bescheren, gerät schnell aus den Fugen und endet für Théo absehbar gefährlich. Die einzige Person, die das stumme Leiden des 12jährigen sieht, ist seine Lehrerin, die selbst mit den Dämonen ihrer Kindheit zu kämpfen hat.
Erschütternd. Das Wort fasst meine Gefühle für dieses Buch ziemlich gut zusammen. Grossartig und schonungslos geschrieben aus vielfältigen Perspektiven. Interessant fand ich, dass die Sicht der Erwachsenen in Ich-Perspektive geschrieben wurde, die von Théo und Marhis dagegen in der dritten Person. Das habe ich bewusst so noch nicht gelesen. Und der Titel des Buches könnte nicht passender gewählt sein. Es geht in dem Buch um die Loyalität, die Trennungskind Théo jedem seiner Elternteile entgegenbringt, aber auch die Loyalität Mathis’ gegenüber seinem Freund ist ein großes Thema. Wird jemand für diese Loyalität letzten Endes einen zu hohen Preis bezahlen?
"Er wusste, dass ich es wusste und dass ich nichts für ihn tun konnte. Das war es, was ich in diesem Augenblick dachte. Und mit einem Mal war meine Kehle wie zugeschnürt." Seite 17, Zitat Auch wenn den Protagonisten manchmal die Worte für all die schwer ertragbaren Gefühle fehlen, gibt ihnen Delphine de Vigan eine Stimme und macht dem Leser deren Lebenswelt greifbar. Das ist ein unglaubliches Talent, diese Geschichte ohne Sentimentalität zu erzählen. Und wessen Wange bleibt nach dieser Lektüre trocken? Unbedingt lesenswert.
Trotz der schweren Thematik ein grandioses Buch, auch sprachlich nicht zu toppen.
Beeindruckend Delphine de Vigan haut mich mit ihrem Roman „Loyalitäten“ einfach um. Nicht nur sprachlich ist das Buch außergewöhnlich, auch erstaunt mich, wie man in noch nicht einmal 200 Seiten soviel Inhalt packen kann. Jeder Satz sitzt und trifft den Punkt. Der Titel könnte ebenfalls nicht besser gewählt sein. Im Zentrum der Geschichte steht der 12 jährige Theo. Die Eltern sind geschieden. Die Trennung war sehr unschön, die Wunden wurden nie aufgearbeitet und der Junge steht zwischen den Fronten. Er entdeckt in seinen jungen Jahren den Alkohol als Seelentröster. Es ist herzzerreißend. Das Buch ist aus mehreren Perspektiven geschrieben. Neben Theo‘s Sicht gibt es noch die Perspektive des besten Freundes, Mathis. Außerdem kommt dessen Mutter Cécile zu Wort, die sich Sorgen macht und befürchtet, dass Theo der falsche Umgang für ihren Sohn ist. Und zu guter Letzt wird die Innenansicht von Hélène gespiegelt. Sie ist die Lehrerin von Mathis, hat selbst eine schwierige Kindheit hinter sich und pocht immer wieder darauf, dass mit Theo irgendetwas nicht stimmt. Die beiden Frauen werden jeweils in der Ichperspektive geschrieben, was sie einem noch etwas näher bringt. Durch den schnellen Personen und Perspektivwechsel wird eine unheimliche Sogwirkung erzeugt, so dass man das Buch kaum zur Seite legen kann. Jede der Charaktere kämpft mit ihren Loyalitäten und will doch nur das Richtige tun. Der Roman ist wirklich sehr eindringlich, das Thema unendlich traurig und doch ist diese schwere Thematik mit einer gewissen Leichtigkeit geschrieben, die ich kaum beschreiben kann. Der Roman ist natürlich auch ein Appell nicht wegzusehen, auf sein Bauchgefühl zu hören und achtsam zu sein. Das offene Ende fand ich sehr gelungen. Es hat sich wunderbar in die Geschichte eingefügt. Ich kann den Roman nur wärmstens empfehlen. Für mich ist er eines meiner Jahreshighlights.
Eine Frau und Mutter, eine Lehrerin und zwei Freunde erzählen ihre Geschichte. . Dieses Buch ist ein Plädoyer für die Loyalität und gleichzeitig stellt es sie auch in Frage. Es ist eine Geschichte über das Patriarchat, festgefahrene Beziehungsmuster und den Zwiespalt, sich mit seinem Schicksal abgefunden zu haben aber gleichzeitig daraus ausbrechen zu wollen. Sie zeigt auf, wie beschäftigt man manchmal mit seinen eigenen Problemen ist und dadurch das große Ganze aus den Augen verlieren kann. . Und mittendrin der 12-jährige Mathis, der seinen gleichaltrigen Freund Théo deckt. Heimlich trinken sie in einem Versteck in der Schule regelmäßig Alkohol. Als die Grenze zwischen verbotenem Abenteuer und Exzessivität verschwimmt, wird es selbst Mathis zu viel. Doch Théo hört nicht auf. Auch eine aufmerksame Lehrerin bemerkt, dass mit Théo etwas nicht stimmt, dringt aber nicht zu ihm durch. Wie entscheidet Mathis sich, loyal gegenüber seinem Freund zu bleiben oder das Umfeld einzuschalten und damit sein Geheimnis zu verraten? . Wo fängt Loyalität an und wo hört sie auf? Wo ist der schmale Grat zwischen Überfürsorge und Aufmerksamkeit? Und ist ein Geheimnis bewahren immer seinen Preis wert? . #buchtipp #buch #bookstagram #booklovers #buchempfehlung

Dicht, eindringlich
Die Geschichte wird aus der Perspektive von vier Personen erzählt: den beiden Schülern Théo und Mathis, der Lehrerin Hélène und Mathis' Mutter Cécile. Théo ist ein guter Schüler, dennoch fällt er seiner Lehrerin auf. Es ist eine sehr eindrucksvolle Geschichte. Sie handelt von Familie, Beziehungen, Verantwortungen, Loyalität und Alkohol.
Was für ein wahnsinnig gut geschriebenes Buch. Ich werde mich mit Sicherheit noch sehr lange daran erinnern. De Vigan beschreibt sehr gut die zwischenmenschlichen Beziehungen und wie Brücken gebaut aber auch wieder eingerissen werden können.... durch eine Geste, einen Blick oder eine Handlung. Es ist beeindruckend, wie hingeschaut wird ohne etwas zu sehen bzw. es sehen zu wollen..... Loyalitäten eben. Diese 176 Seiten haben mich extrem berühren können.
Ich bin zutiefst erschüttert. Mein ganzer Körper bebt. Dieser Roman ist heftig. Das Gelesene muss ich erstmal verarbeiten. Obwohl mir einiges davon nicht fremd ist. Ich kann nicht anders, als zu hoffen, dass Hélène nicht zu spät gekommen ist. Eine andere Vorstellung halte ich nicht aus. Unbeschreiblich, was Delphine de Vigan dort erschaffen hat. 💔
Loyalitäten. Théo ist 13 Jahre alt und verbirgt hinter einer ruhigen Fassade ein Geheimnis. Seine Klassenlehrerin Hélène bemerkt jedoch, dass mit dem Jungen etwas nicht stimmt. Allerdings gelingt es ihr nicht, an ihn heranzukommen. Auch gegen die „Wegschau-Mentalität“ an ihrer Schule kann sie nicht ankommen. Mathis, Théos bester Freund versucht seinen Freund zu schützen und gerät dabei selbst in Schwierigkeiten, die seine Mutter Cécile dazu bringen ihm den Umgang mit Théo zu verbieten. „Loyalitäten“ von Delphine de Vigan (ü: Doris Heinemann) handelt nicht nur von einem Jungen, der sich zurückzieht, um die häuslichen Problem nach der Trennung seiner Eltern zu verbergen. Dieser Roman verdeutlicht, was passiert, wenn Menschen zu lange wegschauen. Was es heißt in einem Netz aus Loyalitäten gefesselt zu sein. Die Figuren sind in unterschiedlichen Loyalitätsgefühlen gefangen, die es ihnen scheinbar unmöglich machen aus ihrer persönlichen Situation herauszutreten. Durch die häufigen Perspektivwechsel und die Darstellung der unterschiedlichen Gefühlswelten der Charaktere, lässt sich das Buch sehr schnell und flüssig lesen. Mir hat dieser Roman, trotz der Schwere des Themas sehr gut gefallen. (TW: häusliche Gewalt/ sexueller Missbrauch)
Théo ist 12 und leidet unter der Scheidung seiner Eltern. Die Mutter wird von Hass und Bitterkeit gesteuert und nimmt den Namen des Vaters nicht mehr in den Mund. Der Vater wird von seiner zunehmenden Depression, der er sich geschlagen gibt, ans Bett gefesselt. Théo bleibt beiden gegenüber loyal, so wie das Kinder eben machen, bis sie ihre eigene Identität finden und sich von den Eltern abgrenzen können. Helène ist Théos Lehrerin und nimmt dessen zunehmende Wesensveränderung, auch aufgrund eigener Lebenserfahrungen sensibilisiert, wahr. Wenn sie wüsste, dass Théo seit Wochen mit seinem ebenfalls 12-jährigen Freund Mathis im Schulgebäude immer wieder starken Alkohol trinkt und sich in der Sucht danach verlieren droht… Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Dieses schmale Buch ist ein Meisterinnenwerk. Selten habe ich so eindrücklich gelesen, wie es sich anfühlt, Scheidungskind im unguten zu sein. Durch den ständigen Perspektivwechsel (2 Frauen, 2 Jugendliche) wird das Spannungsfeld Heranwachsender und Erwachsener mit eigenen ungelösten Traumata brillant verwoben. An Männern/Vätern lässt de Vigan dabei kein gutes Haar. Und natürlich sucht sich Théo, der noch viel zu jung ist, ein Ventil für die irrationale Loyalität gegenüber seiner versagenden Eltern: den Alkohol. Gut, dass de Vigan diesen ausgewählt hat. So sind große Teile der Gesellschaft Teil dieses anprangernden wertvollen Gesellschaftsromans. Ein Roman, der schonungslos und präzise mahnend zeigt, wie die Erwachsenden die Heranwachsenen nachhaltig zerstören können. „Manchmal denke ich, das Erwachsenwerden ist nur dazu da: die Verluste und Schäden der Anfänge zu reparieren. Und die Versprechen des Kindes zu halten, das wir gewesen sind.“
Bitte lesen!
Noch nie hat mich ein Buch zum Weinen gebracht. Heulen. Verzweiflung. Hoffnung... Delphine de Vigan haut dem Leser schonungslos die katastrophal leise anwachsende Überforderubg des zwölfjährige Théo um die Ohren, dessen Eltern nach einer hässlichen Trennung keine Kapazitäten für die Erfüllung ihrer elterlichen Pflichten haben. Théo versucht zu retten, was durch ihn nicht zu retten ist und verliert sich im Alkohol. Ein Zwölfjähriger! Schnell will Théo nicht mehr trinken um die Störgeräusche leiser zu stellen, sondern um komplett zu verschwinden. Tatsächlich gibt es in Théos Umfeld mehrere Menschen, die ein Unheil kommen sehen, aber derer Handlungsspielrahmen ist begrenzt. Oder: sie begrenzen ihn selbst. Allein sein gleichaltrigen Freund schafft es, seine selbstgezimmerte Barriere zu durchbrechen - aus echter Loyalität zum Leben des Freundes. Ob es noch rechtzeitig ist...lässt de Vigan offen. Ich weine immer noch. Ich bin immer noch wie gelähmt. Von der Geschichte. Von der Sprache de Vigans. Von dem Schmerz des kleinen Théo... Ein Buch, das aufrüttelt. Das schreit, nach mehr Courage. Mehr Handeln. Mehr Empathie. Bitte lest dieses Buch.

Wow, dieses Buch weist einen wirklich in seine Schranken. Es zeigt, wie schnell man eine Kinderseele zerstören kann, ohne es wirklich zu merken oder gar absichtlich zu tun. Am liebsten würde ich es direkt einigen jungen Eltern zum Lesen geben. Auch ich wünschte mir auf mancher Seite, diese Einsicht schon vor 20 Jahren gehabt zu haben. Lieblingszitat: "Im Grunde weiß ich es. Ich weiß, dass Kinder ihre Eltern schützen und dass dieser Pakt des Stillschweigens sie manchmal sogar das Leben kostet. Manchmal denke ich, das Erwachsenwerden ist nur dazu da: die Verluste und Schäden der Anfänge zu reparieren. Und die Versprechen des Kindes zu halten, das wir gewesen sind."
"Im Grunde weiß ich es. Ich weiß, dass Kinder ihre Eltern schützen und dass dieser Pakt des Stillschweigens sie manchmal sogar das Leben kostet." (S. 134)
Ein eindringliches Buch über die Last, die auf den Schultern eines Kindes lastet, dessen Eltern sich nicht nur trennen, sondern gegenseitig zerreißen. Die Geschichte einer Überlebenden und ihren siebten Sinn für andere. Noch eine Geschichte: die einer Frau, die von ihrem Mann gegaslighted wird. Und die Geschichte eines Freundes, der in die Dunkelheit miteinbezogen wird. 💔

Loyalitäten ist mein erstes Buch von Delphine de Vigan, wird aber bestimmt nicht mein letztes bleiben. Kein anderes Buch hat mich die letzten Monate mehr beschäftigt und berührt. Meine Meinung Jeder will loyal sein, aber was sind Loyalitäten und ist es immer gut loyal zu sein? „Das sind die Sprungbretter, auf denen sich unsere Kräfte entfalten, und die Gruben, in denen wir unsere Träume begraben“ (Zitat, S.5) Ich finde, diese Zitat trifft es genau, denn davon handelt das neue Buch von Delphine de Virgan. Die Geschichte wird aus vier unterschiedlichen Perspektiven erzählt und schildert einerseits nüchtern, andererseits tief ergreifend, die Chronik eines Absturzes. Im Mittelpunkt der Geschichte steht der 12jährige Théo. Seine Eltern sind geschieden, die Mutter verbittert, der Vater vollkommen überfordert und kurz vor dem totalen sozialen Abstieg. Théo steht dazwischen, will alles richtig machen, sowohl mit Vater und Mutter als auch in der Schule. Da er dies mit seinen 12 Jahren nicht leisten kann, ist schlussendlich der Alkohol seine letzte Zuflucht geworden. Hélène, seine Lehrerin, die als Kind missbraucht wurde, erkennt, dass mit Théo etwas nicht stimmt, deutet aber, geprägt durch ihre eigenen Erfahrungen, die Anzeichen falsch. Mathis, der beste Freund von Théo, weiß um das Alkoholproblem Théos, ist aber auch hilflos überfordert und schweigt: aus (falscher?) Loyalität? Zuletzt noch Cécile, die Mutter von Mathis, der sich Mathis gerne anvertrauen würde um seinen Freund zu helfen; Cécile ist aber selber eine Gefangene mit ganz anderen, eigenen Problemen. Dieses instabile Beziehungsgeflecht beschreibt Delphine de Vigan so exakt und eindringlich, dass ich von der ersten Seite an gefesselt war. Der Schreibstil lässt sich schwer beschreiben, einerseits nüchtern, andererseits so intensiv dass ich es kaum ausgehalten habe. Fazit Ein unglaublich berührender, ergreifender, realistischer und schockierender Roman, der mich am Ende fast sprachlos zurückließ. Wenn ich dieses Jahr nur ein Buch empfehlen dürfte, dann wäre es dieses! Es lässt sich schwer in Worte fassen, einfach selber lesen!

Sehr eindringliche Geschichte.
Der 12-jährige Théo lebt als Kind geschiedener Eltern wöchentlich wechselnd mal bei dem Vater, mal bei der Mutter. Die Eltern pflegen keinen Kontakt mehr zueinander und den zunehmend verwahrlosten Zustand seines Vaters verschweigt er seiner Mutter, von der er ebenfalls nur wenig Zuneigung und Liebe erfährt. Théo flüchtet sich in Alkohol, um seine familiären Probleme zu vergessen; nur sein bester Freund Mathis weiss davon. So loyal, wie Théo sich seinen Eltern gegenüber verhält, so loyal verhält sich Mathis seinem Freund gegenüber. Lediglich Lehrerin Hélène hat eine Vermutung, selbst vorbelastet durch eigene schlimme Kindheitserlebnisse, doch dieser wird kein Gehör geschenkt. "Ich bin da", ein Satz am Schluss der Geschichte, den man sich in diesem Fall so sehr am Anfang gewünscht hätte. Ein offenes Ende, dass mich sehr bewegt/berührt hat. Große Empfehlung für dieses Buch.

Es ist eine bedrückende Geschichte, die Delphine de Vigan in "Loyalitäten" erzählt. Der Titel ist dabei durchaus themengebend, denn im Prinzip kreist die gesamte, aus vier Perspektiven erzählte Handlung um dieses eine Wort. Da ist zunächst der 12-jährige Théo, eigentlich der Protagonist des Romans. Trotz seines jungen Alters hat er schon viel mitgemacht. Die Trennung seiner Eltern stürzt ihn in eine tiefe Zerissenheit, die er mit Alkohol zu füllen sucht. Befindet er sich in der Obhut der Mutter, ist der Vater allein und niemand kümmert sich um ihn. Lebt er beim Vater, ist die Mutter einsam und verletzt - ein wöchentlich wechselndes Spiel, das der Junge nur verlieren kann. Denn wie soll er sich da auf eine Seite schlagen? Seine Lehrerin Helena wurde in ihrer Kindheit vom Vater misshandelt und hat daher umso feinere Antennen für das Leid ihrer Schüler. Théo möchte sie unbedingt vor dem drohenden Absturz bewahren, ihn beschützen - doch niemand will ihr so recht zuhören. Denn an sich hat der Junge ja keine schlechten Noten und zum Unterricht erscheint er ebenfalls regelmäßig. Kollegen und Schulleitung scheint das zu genügen, eine Tatsache, die Helena gleichermaßen fassungslos und wütend macht. Mathis sieht der Veränderung seines besten Freundes Théo hilflos zu. Wie kann er ihm helfen, ohne ihn an die Erwachsenen zu verraten? Aber inzwischen hat Mathis schon selbst keine Lust mehr auf das ständige Sich-Betrinken. Auch seine Mutter Cécile ist bereits stutzig geworden und beginnt, ihn auszufragen. Dabei steht diese plötzlich vor den Scherben ihrer Ehe und muss sich selbst neu definieren. Wie soll sie gleichzeitig ihren Sohn retten, wenn dessen Vater immer nur lapidar verkündet, sie übertreibe doch. Und will sie tatsächlich zu solch einem Mann noch länger loyal sein? Die Autorin zeichnet ein düsteres Bild in ihrem Roman. Eigentlich gibt es keine Hauptperson, die ein normales, glückliches Leben führt. Die Erwachsenen sind ausnahmslos unglücklich oder unzufrieden und tragen mehr oder minder große Geheimnisse mit sich herum. Mittendrin die beiden 12-Jährigen, die nicht wissen, wie sie mit all dem umgehen sollen. Man muss sich bei der Lektüre immer wieder vor Augen halten, wie jung diese zwei sind und wie erschreckend es ist, dass sich Kinder schon in diesem Alter in den Alkohol flüchten. Doch von wem sollen sie denn auch den richtigen Umgang mit Problemen lernen, wenn nicht einmal die eigenen Eltern ihnen das vorleben können? Und so kämpft Helena einen aussichtslosen Kampf. Einen Kampf gegen Kollegen, die es lieben, ihre Schüler zu demütigen. Gegen den Schulleiter, der sich bloß nicht zu weit aus dem Fenster lehnen will. Und gegen Eltern, die nicht wahrhaben wollen, dass ihre Söhne ihretwegen leiden. Es sind zahlreiche Themen, die in dieser Geschichte zur Sprache kommen: Gewalt, Missbrauch, Scheidung, Alkoholsucht, Arbeitslosigkeit, Ehebruch usw. Der Schreibstil ist durch die wechselnden Perspektiven sehr sprunghaft und doch immer nah an den Charakteren. Die beiden Frauen erzählen emotionaler und aus der Ich-Perspektive, die beiden Jungen schmuckloser und aus der Er-Perspektive. Unaufhörlich steuert die Handlung auf die unvermeidliche Katastrophe zu. Bei jeder umgeblätterten Seite bereitet man sich als Leser auf das Schlimmste vor - und doch lässt einen das Ende schließlich mit gemischten Gefühlen zurück. Ich nehme an, Delphine de Vigan wollte gerade diesen Effekt erzeugen, dennoch hätte ich mir für die Geschichte einen anderen Schluss gewünscht. Aber wie in der Handlung selbst bekommt man im Leben eben nicht immer das, was man möchte. Fazit: Ein bewegender Roman mit einem unbefriedigenden Ende
Ich kann mich den vielen begeisterten Meinungen leider nicht anschließen. Anfangs war ich noch sehr erschüttert von der Geschichte und Théo tat mir unendlich leid. Aber mit der Zeit fand ich es einfach zu viel. Jede Person in diesem Buch ist ein Wrack. Das hat mich zum Ende hin nur noch genervt und war einfach zu übertrieben. Das Ende fand ich auch sehr unbefriedigend.
Delphine de Vigan schreibt gerne über Traumata. Sicher ein Thema, das sich gut verkaufen läßt. Doch in diesem kleinen Buch hat sie es mit den abgehandelten Themen wahrlich übertrieben. Auf den 178 Seiten sollen gefühlt alle wesentlichen sozialen Missstände in unserer Gesellschaft abgehandelt werden. Als wesentliche Thematik dient der Alkoholmissbrauch von Minderjährigen, doch auch sexueller Missbrauch, Verantwortung der Lehrerschaft, das Schulwesen, Scheidungskinder, Verwahrlosung, Perspektivlosigkeit, Depression, Demütigung, Hass im Internet, unehrliche Partnerschaften etc. tragen ihren Teil zur Dramaturgie bei. Das war einfach zu viel für mich. An sich ist das Handeln der Personen schlüssig und die Geschichte flüssig und spannend geschrieben. Spannend wäre aber auch gewesen, den Titel des Buchs fundierter zu beleuchten. Was bedeuten denn Loyalität im Familienverbund? Können 12jährige sich schon loyal verhalten gegenüber den Eltern? Was hat die Flucht in den Alkohol, um die Lebensumstände zu vergessen, mit Loyalität zu tun? Ist das nicht ein zutiefst egoistisches Verhalten? Verhalten sich denn nicht alle Personen hier im Buch egoistisch, selbst in ihrer Hilfsbereitschaft? Man hätte aus dem Thema echt was machen können, um die Phantasie anzuregen. Doch auch die nimmt die Autorin der Leserschaft ab, denn sie erzählt jedes Handeln und jedes Gefühl, da bleibt kein Platz für Phantasie. So gar noch schlimmer: da einige Kapitel aus der Perspektive der Mütter und Lehrerin erzählt werden, hat man das Gefühl, dass die handelnden Personen sich schon sehr gut selbst reflektieren können. Dafür, dass alle Personen im Buch so gestört sind, eine recht erstaunliche, persönliche Kompetenz. Grammatikalisch geht es durcheinander daher, mal im Perfekt, mal im Präsens, manche Kapitel in erster Person, manche Kapitel in dritter Person geschrieben, ohne das ich einen Sinn dahinter entdecken konnte. Und am Ende des phantasielosen Kämpfens durch die Abgründe des menschlichen Miteinanders, läßt die Autorin das Buch offen enden. Darauf hatte ich dann auch keine Lust mehr, mir ein Ende nach meinem Geschmack auszudenken.
„Vor langer Zeit hat mich ein Mann verlassen, weil ich keine Kinder bekommen konnte. Heute bleibt er jeden Abend lange im Büro und fährt möglichst spät heim, um seine Familie nicht sehen zu müssen.“ (S. 134) Der 12jährige Théo, Scheidungskind, wandert wöchentlich zwischen seinen getrennten Eltern hin und her; auf den ersten Blick ein „normaler“ Teenager, der manchmal im Unterricht abschweift, den Weg des geringsten Widerstandes geht, dennoch durchschnittlich gut. Seine Mutter will nie wieder über den Vater sprechen, der Vater ist völlig am Ende. Innerlich ist Théo zerrissen, überfordert, und versucht diese Leere mit Alkohol zu versenken. Seine Klassenlehrerin Hélene scheint dieses Problem zu sehen und beginnt eine Art Detektivarbeit. Théo findet das Verhalten der Lehrerin komisch und ist froh, dass sein bester Freund Mathis das gleichsieht. Doch Mathis‘ Mutter Cécile sieht es nicht wie ihr Sohn, ganz im Gegenteil. Sie möchte nicht, dass ihr Sohn sich weiter mit Théo herumtreibt, der einen schlechten Einfluss auf ihn hat. Und es scheint, dass Théo einen üblen Weg einschlägt und sich die Befürchtungen aller bewahrheiten. Delphine de Vigan erzählt die Geschichte aus den vier Perspektiven von Théo, Hélene, Cécile und Mathis, was für mich diesen Sog bewirkte, sodass ich das Buch nicht weglegen konnte. Durch diese unterschiedlichen Zugänge aus Erwachsenen- und Kindersicht fühlt sich die Geschichte leichter an, als sie schließlich ist. Denn sie ist im Grund gewaltig: nämlich für den jungen Théo. In die Schwere zeichnet De Vigan, eine authentische Geschichte und beleuchtet das Thema „Loyalität“ aus unterschiedlichen Perspektiven. Wem gegenüber „muss“ man loyal sein? „Muss“ man loyal sein? Und wann „MUSS“ man Loyalität aufgeben, um ein Leben zu retten (egal in welcher Form)? Die Autorin schreibt über familiäre Missstände und was Kindern in der „Sandwich-Position“ blühen kann, wenn Eltern ihre „Kriege“ über selbige austragen. Wenn Eltern es nicht schaffen, in ihrer Rolle Verantwortung zu übernehmen. Wenn Erwachsene es nicht schaffen, ihr Leben auf die Reihe zu bekommen. Ich war an vielen Stellen so verärgert und betroffen, was diesem Kind aufgebürdet wird, während die Erwachsenen sich in ihrer Opferrolle und ihren Befindlichkeiten suhlen, wie kleine Schweinchen. Sei’s drum … das Ende war etwas abrupt – vielleicht braucht es auch nicht mehr. . „Théo steckt es ein, sein zarter Körper ist von Wörtern durchlöchert, doch sie sieht es nicht. Die Wörter zerstören ihn, es ist ein unerträglicher Ultraschall, ein Larsen-Effekt, den nur er zu hören scheint, eine unhörbare Frequenz, die ihm das Hirn zerreißt.“ (S. 22) . Mich hat diese Geschichte nachhaltig im Herzen gepackt, und wie auch schon „Dankbarkeiten“, ist es eine Lektüre der Autorin, die zu meinen Highlights zählt! Ergreifend, tiefsinnig und fein geschrieben über familiäre und soziale Strukturen. . Klare #Leseempfehlung!
Ein dünnes Büchlein, dass mich vollauf überzeugen konnte. Die Geschichte hat trotz der wenigen Seiten soviel Inhalt, sie ist aus vier Perspektiven sehr prägnant erzählt. Es ist eine sehr klare intensive Sprache, man fliegt nur so durch die Seiten. Aber es werden sehr viele menschliche und zwischenmenschliche Probleme angesprochen. Leider bleiben einige Probleme ungelöst. Achtung Spoiler: Das Ende ist absolut offen und ich wünschte mir, alles wird gut.
Delphine de Vigan schreibt gerne über Traumata. Sicher ein Thema, das sich gut verkaufen läßt. Doch in diesem kleinen Buch hat sie es mit den abgehandelten Themen wahrlich übertrieben. Auf den 178 Seiten sollen gefühlt alle wesentlichen sozialen Missstände in unserer Gesellschaft abgehandelt werden. Als wesentliche Thematik dient der Alkoholmissbrauch von Minderjährigen, doch auch sexueller Missbrauch, Verantwortung der Lehrerschaft, das Schulwesen, Scheidungskinder, Verwahrlosung, Perspektivlosigkeit, Depression, Demütigung, Hass im Internet, unehrliche Partnerschaften etc. tragen ihren Teil zur Dramaturgie bei. Das war einfach zu viel für mich. An sich ist das Handeln der Personen schlüssig und die Geschichte flüssig und spannend geschrieben. Spannend wäre aber auch gewesen, den Titel des Buchs fundierter zu beleuchten. Was bedeuten denn Loyalität im Familienverbund? Können 12jährige sich schon loyal verhalten gegenüber den Eltern? Was hat die Flucht in den Alkohol, um die Lebensumstände zu vergessen, mit Loyalität zu tun? Ist das nicht ein zutiefst egoistisches Verhalten? Verhalten sich denn nicht alle Personen hier im Buch egoistisch, selbst in ihrer Hilfsbereitschaft? Man hätte aus dem Thema echt was machen können, um die Phantasie anzuregen. Doch auch die nimmt die Autorin der Leserschaft ab, denn sie erzählt jedes Handeln und jedes Gefühl, da bleibt kein Platz für Phantasie. So gar noch schlimmer: da einige Kapitel aus der Perspektive der Mütter und Lehrerin erzählt werden, hat man das Gefühl, dass die handelnden Personen sich schon sehr gut selbst reflektieren können. Dafür, dass alle Personen im Buch so gestört sind, eine recht erstaunliche, persönliche Kompetenz. Grammatikalisch geht es durcheinander daher, mal im Perfekt, mal im Präsens, manche Kapitel in erster Person, manche Kapitel in dritter Person geschrieben, ohne das ich einen Sinn dahinter entdecken konnte. Und am Ende des phantasielosen Kämpfens durch die Abgründe des menschlichen Miteinanders, läßt die Autorin das Buch offen enden. Darauf hatte ich dann auch keine Lust mehr, mir ein Ende nach meinem Geschmack auszudenken.
Vor “Loyalitäten” habe ich noch nie etwas von Delphine de Vigan gelesen. Ihre Bücher haben mich bisher nicht angesprochen. Da sieht man mal wieder was ein gutes Cover nicht alles bewirken kann. Loyalitäten hat nämlich vor allem aufgrund der Aufmachung mein Interesse geweckt - um mich dann mit seinem Inhalt absolut zu überzeugen! Ein erschreckender, aufrüttelnder Kurzroman über menschliche Abgründe, über dunkle Seiten, über Geheimnisse. Aber Vigan versuch zusätzlich noch die Frage zu beantworten, wie weit wir gehen würden, um jemanden zu retten. Wieviel lassen wir uns von Freunden und Familie gefallen, bevor wir sie ihrem Schicksal überlassen und was muss passieren, damit wir uns in das Leben Fremder einmischen? Ganz sicher ist es nicht der erste Roman, der sich mit diesen Themen beschäftigt, aber er ist authentisch, ehrlich und zeitweise brutal in seiner Darstellung menschlicher Abgründe und Empfindungen. Uneingeschränkte Leseempfehlung, wenn auch vielleicht etwas kurz! Bin auf jeden Fall begeistert von meinem ersten kleinen Ausflug in die Erzählwelt von de Vigan.
Meine Meinung zu Loyalitäten von Delphine de Vigan: Wie weit würdest du gehen, um Jemanden zu retten? Für mich ist es das erste Buch der Autorin, ich bin mir aber sicher, dass weitere bei mir einziehen werden. Der Schreibstil hat mich von Beginn an überzeugen und fesseln können. Die Geschichte wird von verschiedenen Personen erzählt, die mehr oder minder miteinander zusammenhängen und sich gegenüber loyal verhalten. De Vigan gibt einen Einblick in verschiedene soziale Strukturen sowie familiäre Beziehungen. Es ist eine erschütternd reale und zugleich literarisch begeisternde Geschichte über die menschlichen Abgründe und Geheimnisse. Auch mit oben gestellter Frage beschäftigt sich de Vigan in diesem Kurzroman.
Theo ist 12 Jahre alt, seine Eltern sind geschieden, der Vater verwahrlost in seiner Wohnung, jedoch darf niemand davon wissen. Seine Mutter kommt über die Trennung nicht hinweg und lässt ihre Wut über den Vater an ihrem Sohn aus. Theo versucht sich anzupassen und sich zu betäuben. Deshalb trinkt er heimlich Alkohol und braucht immer mehr um sich damit betäuben zu können. Mathis, Theos bester Freund, macht auch mit, doch merkt schnell, dass es für Theo kein Spiel mehr ist. Ich habe bisher noch nie ein Buch von Delphine de Vigan gelesen und für mich ist diese Autorin eine Neuentdeckung. Ich habe dieses Buch durch Zufall mal bei Instagram gesehen und mir dieses dann gekauft. Jedoch habe ich nicht damit gerechnet, dass mich dieses Buch so sehr überzeugen kann. Delphine de Vigan beschreibt in diesem Buch wichtige und sensible Themen und zeigt einem, wie es Kindern geht, die in einer zerrütteten Familie aufwachsen, gefangen in Ängsten. Diese Geschichte hat mich total mitgenommen. Alleine durch die Thematik wurde ich so sehr an dieses Buch gefesselt. Theos Eltern sind getrennt und in diesem Buch wird sehr deutlich, wie sehr Kinder unter dieser Trennung leiden und das sie sich oft zwischen ihren Eltern entscheiden müssen, auch wenn sie das gar nicht wollen. Dass sein Vater sich nicht um ihn kümmert, ist furchtbar und hat mir total mein Herz gebrochen. Und zu seiner Mutter fallen mir einfach keine Worte ein. Aber dennoch ist es so wichtig über emotionalen Missbrauch zu reden, es existiert genauso! Die Sicht von Theo hat mir so sehr das Herz zerrissen. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie schlimm es für ihn sein muss, zu seiner eigenen Last auch noch diese von seinem Vater und diese von seiner Mutter tragen zu müssen. Wie soll man denn da noch Kind sein dürfen? Ich kann seine Gedankengänge und Handlungen so gut nachvollziehen und finde es grausam, dass Theo keinen anderen Weg findet, damit klar zu kommen. Gottseidank hat er seinen Freund Mathis an seiner Seite! Der Schreibstil von Delphine de Vigan hat mich absolut in ihren Bann ziehen können. Bisher habe ich noch gar kein Buch von ihr gelesen gehabt, aber alleine mit diesem Buch konnte sie mich komplett überzeugen. Sie hat einen ganz besonderen Schreibstil, den man in jedem Buch wieder erkennen würde. Ich liebe dieses flüssige und emotionale, was sie in ihre Bücher mit einbaut. Ich wollte dieses Buch gar nicht aus der Hand legen. Auch der Lesefluss wurde hierbei in keiner Weise gestört. ,,Loyalitäten‘‘ ist ein Buch, dass mir den Boden unter den Füßen weggerissen hat. Die Autorin beschreibt diese Dinge auf so eine erschreckende Art und Weise und zieht einen damit absolut in den Bann. Ich finde es so mutig, dass Delphine de Vigan so wichtige Themen allein in einem ganzen Buch mit eingebaut hat. Depressionen, emotionaler Missbrauch, Selbstverletzung, Trennung, aufwachsen ohne Liebe. Diese Themen zerreißen einem das Herz und sorgen dafür, dass die eine oder andere Träne über deine Wange laufen wird. Außerdem zeigt uns dieses Buch auch, dass es so wichtig ist, dass man Hilferufe von jüngeren Kindern und Jugendlichen unbedingt ernst nehmen sollte und nicht erst dann, wenn alles zu spät ist. Also achtet bitte auf eure Mitmenschen und nehmt Hilferufe wahr, wenn ihr sie merkt! Von mir gibt es für dieses Buch eine ganz klare Lese- und Kaufempfehlung!
" Loyalitäten - das sind die unsichtbaren Verbindungen, die uns mit den anderen- den Toten wie den Lebenden- verbinden, leise gemachte Versprechungen, deren Auswirkungen wir nicht kennen, still gehaltenen Treue, das sind Verträge, die wir zuallermeist, mit uns selbst geschlossen haben, Befehle, die wir hingenommen, aber nie gehört haben, und in den Nischen unserer Erinnerungen nistende Schulden. " Die großartige Delphine de Vigan hat mich auch mit dieser Geschichte wieder komplett begeistert. Kein einfaches Buch, ein schwerer Plot, Geheimnisse und ungeheure Belastungen unter denen die Protagonisten zu leiden haben. Besonders mit Théo habe ich sehr mitgelitten. Mit einer unglaublich schönen Sprache erzählt die Autorin von den großen Problemen mitten im kleinen einfachen Leben. Auf knapp 180 Seiten erzählt sie intensiv und voller Tiefe eine Geschichte vom Aufgeben aber auch von Hoffnung.
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DELPHINE DE VIGAN, geboren 1966, erreichte ihren endgültigen Durchbruch als Schriftstellerin mit dem Roman ›No & ich‹ (2007), für den sie 2008 mit dem Prix des Libraires und 2009 mit dem Prix Rotary International ausgezeichnet wurde. Ihr Roman ›Nach einer wahren Geschichte‹ (DuMont 2016) stand wochenlang auf der Bestsellerliste in Frankreich und erhielt 2015 den Prix Renaudot. Zuletzt erschien bei DuMont ihr Roman ›Dankbarkeiten‹ (2019). Die Autorin lebt mit ihren Kindern in Paris.
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Sehr schnell zu lesen, aber sehr schweres bedrückendes Thema.
Dieses Buch lässt sich trotz des schweren Themas sehr schnell lesen. Es ist aus vier sichten geschrieben aber jede Sicht ist gleich wichtig und lässt sich gut auseinanderhalten. Es fühlt sich sehr bedrückend an und man merkt wie es immer mehr zu einer Katastrophe hinaus läuft, weshalb es eine starke sog Wirkung hat.
Überraschend vielschichtig und aufwühlend, inklusive Sogwirkung. Großartig 👌🏻✨
„Loyalitäten“ von Delphine de Vigan erzählt von Menschen unterschiedlicher Generationen, die Verletzungen aus ihrer Kindheit mit sich tragen. Im Zentrum steht Théo, ein Scheidungskind, das zwischen seinen Eltern aufgerieben wird. Über ihn erfährt man sehr genau, wie das Zusammenleben mit den einzelnen Elternteilen aussieht, wie viel Druck auf ihm lastet und wie wenig Raum ihm bleibt. Gleichzeitig wird die Geschichte aus weiteren Perspektiven erzählt. Dadurch wird sichtbar, wie ein System entsteht, in dem Verantwortung verschoben wird und Wegsehen zur Normalität wird. Hélène, Théos Lehrerin, spürt, dass es ihm nicht gut geht, und versucht einzugreifen, stößt dabei aber an die Grenzen einer Institution und an Kolleg:innen, die nicht hinschauen wollen. Théo zu verfolgen, war für mich schmerzhaft. Er ist keine Figur, der man sofort nahe ist, und dennoch hat Delphine de Vigan bei mir viel Empathie ausgelöst. Man versteht, wie sehr er zwischen den Fronten steht, ohne einen sicheren Ort zu haben. Seine Eltern sind mit sich selbst beschäftigt, ohne die Folgen für ihr Kind mitzudenken. Und um ihn herum gibt es Erwachsene, die Hinweise erkennen, sie aber nicht konsequent ernst nehmen. Ich wollte das Buch nicht aus der Hand legen und habe mir gleichzeitig gewünscht, jemand würde Théo endlich schützen. Für mich ist Loyalitäten ein aufwühlendes und zugleich unglaublich starkes Buch.
Ein intensiver, eindringlicher Roman über familiäre Brüche, krankhafte Beziehungen, Verantwortung und vom Hin- und Wegschauen. Ein Kind flüchtet sich in den Alkohol, weil es die Welt nicht mehr erträgt. Gefangen in seiner Loyalität, wagt es nicht um Hilfe zu bitten. Ein Buch, das lange nachhallen wird... Viel Inhalt auf gerade mal 174 Seiten. Unbedingt lesen!!
Ein so erschütterndes Buch. Théo, der im Wechselmodell bei den geschiedenen Eltern lebt und sich hier in der ständigen Position befindet, sich loyal verhalten zu „müssen“. Ebenso Cécile, die Mutter seines besten Freundes Mathis ggü. ihres Mannes und Mathis, der zwischen seiner Mutter und seinem Freund steht. Théos und Mathis anfängliches „Spiel“, sich mit Alkohol ein gutes Gefühl zu bescheren, gerät schnell aus den Fugen und endet für Théo absehbar gefährlich. Die einzige Person, die das stumme Leiden des 12jährigen sieht, ist seine Lehrerin, die selbst mit den Dämonen ihrer Kindheit zu kämpfen hat.
Erschütternd. Das Wort fasst meine Gefühle für dieses Buch ziemlich gut zusammen. Grossartig und schonungslos geschrieben aus vielfältigen Perspektiven. Interessant fand ich, dass die Sicht der Erwachsenen in Ich-Perspektive geschrieben wurde, die von Théo und Marhis dagegen in der dritten Person. Das habe ich bewusst so noch nicht gelesen. Und der Titel des Buches könnte nicht passender gewählt sein. Es geht in dem Buch um die Loyalität, die Trennungskind Théo jedem seiner Elternteile entgegenbringt, aber auch die Loyalität Mathis’ gegenüber seinem Freund ist ein großes Thema. Wird jemand für diese Loyalität letzten Endes einen zu hohen Preis bezahlen?
"Er wusste, dass ich es wusste und dass ich nichts für ihn tun konnte. Das war es, was ich in diesem Augenblick dachte. Und mit einem Mal war meine Kehle wie zugeschnürt." Seite 17, Zitat Auch wenn den Protagonisten manchmal die Worte für all die schwer ertragbaren Gefühle fehlen, gibt ihnen Delphine de Vigan eine Stimme und macht dem Leser deren Lebenswelt greifbar. Das ist ein unglaubliches Talent, diese Geschichte ohne Sentimentalität zu erzählen. Und wessen Wange bleibt nach dieser Lektüre trocken? Unbedingt lesenswert.
Trotz der schweren Thematik ein grandioses Buch, auch sprachlich nicht zu toppen.
Beeindruckend Delphine de Vigan haut mich mit ihrem Roman „Loyalitäten“ einfach um. Nicht nur sprachlich ist das Buch außergewöhnlich, auch erstaunt mich, wie man in noch nicht einmal 200 Seiten soviel Inhalt packen kann. Jeder Satz sitzt und trifft den Punkt. Der Titel könnte ebenfalls nicht besser gewählt sein. Im Zentrum der Geschichte steht der 12 jährige Theo. Die Eltern sind geschieden. Die Trennung war sehr unschön, die Wunden wurden nie aufgearbeitet und der Junge steht zwischen den Fronten. Er entdeckt in seinen jungen Jahren den Alkohol als Seelentröster. Es ist herzzerreißend. Das Buch ist aus mehreren Perspektiven geschrieben. Neben Theo‘s Sicht gibt es noch die Perspektive des besten Freundes, Mathis. Außerdem kommt dessen Mutter Cécile zu Wort, die sich Sorgen macht und befürchtet, dass Theo der falsche Umgang für ihren Sohn ist. Und zu guter Letzt wird die Innenansicht von Hélène gespiegelt. Sie ist die Lehrerin von Mathis, hat selbst eine schwierige Kindheit hinter sich und pocht immer wieder darauf, dass mit Theo irgendetwas nicht stimmt. Die beiden Frauen werden jeweils in der Ichperspektive geschrieben, was sie einem noch etwas näher bringt. Durch den schnellen Personen und Perspektivwechsel wird eine unheimliche Sogwirkung erzeugt, so dass man das Buch kaum zur Seite legen kann. Jede der Charaktere kämpft mit ihren Loyalitäten und will doch nur das Richtige tun. Der Roman ist wirklich sehr eindringlich, das Thema unendlich traurig und doch ist diese schwere Thematik mit einer gewissen Leichtigkeit geschrieben, die ich kaum beschreiben kann. Der Roman ist natürlich auch ein Appell nicht wegzusehen, auf sein Bauchgefühl zu hören und achtsam zu sein. Das offene Ende fand ich sehr gelungen. Es hat sich wunderbar in die Geschichte eingefügt. Ich kann den Roman nur wärmstens empfehlen. Für mich ist er eines meiner Jahreshighlights.
Eine Frau und Mutter, eine Lehrerin und zwei Freunde erzählen ihre Geschichte. . Dieses Buch ist ein Plädoyer für die Loyalität und gleichzeitig stellt es sie auch in Frage. Es ist eine Geschichte über das Patriarchat, festgefahrene Beziehungsmuster und den Zwiespalt, sich mit seinem Schicksal abgefunden zu haben aber gleichzeitig daraus ausbrechen zu wollen. Sie zeigt auf, wie beschäftigt man manchmal mit seinen eigenen Problemen ist und dadurch das große Ganze aus den Augen verlieren kann. . Und mittendrin der 12-jährige Mathis, der seinen gleichaltrigen Freund Théo deckt. Heimlich trinken sie in einem Versteck in der Schule regelmäßig Alkohol. Als die Grenze zwischen verbotenem Abenteuer und Exzessivität verschwimmt, wird es selbst Mathis zu viel. Doch Théo hört nicht auf. Auch eine aufmerksame Lehrerin bemerkt, dass mit Théo etwas nicht stimmt, dringt aber nicht zu ihm durch. Wie entscheidet Mathis sich, loyal gegenüber seinem Freund zu bleiben oder das Umfeld einzuschalten und damit sein Geheimnis zu verraten? . Wo fängt Loyalität an und wo hört sie auf? Wo ist der schmale Grat zwischen Überfürsorge und Aufmerksamkeit? Und ist ein Geheimnis bewahren immer seinen Preis wert? . #buchtipp #buch #bookstagram #booklovers #buchempfehlung

Dicht, eindringlich
Die Geschichte wird aus der Perspektive von vier Personen erzählt: den beiden Schülern Théo und Mathis, der Lehrerin Hélène und Mathis' Mutter Cécile. Théo ist ein guter Schüler, dennoch fällt er seiner Lehrerin auf. Es ist eine sehr eindrucksvolle Geschichte. Sie handelt von Familie, Beziehungen, Verantwortungen, Loyalität und Alkohol.
Was für ein wahnsinnig gut geschriebenes Buch. Ich werde mich mit Sicherheit noch sehr lange daran erinnern. De Vigan beschreibt sehr gut die zwischenmenschlichen Beziehungen und wie Brücken gebaut aber auch wieder eingerissen werden können.... durch eine Geste, einen Blick oder eine Handlung. Es ist beeindruckend, wie hingeschaut wird ohne etwas zu sehen bzw. es sehen zu wollen..... Loyalitäten eben. Diese 176 Seiten haben mich extrem berühren können.
Ich bin zutiefst erschüttert. Mein ganzer Körper bebt. Dieser Roman ist heftig. Das Gelesene muss ich erstmal verarbeiten. Obwohl mir einiges davon nicht fremd ist. Ich kann nicht anders, als zu hoffen, dass Hélène nicht zu spät gekommen ist. Eine andere Vorstellung halte ich nicht aus. Unbeschreiblich, was Delphine de Vigan dort erschaffen hat. 💔
Loyalitäten. Théo ist 13 Jahre alt und verbirgt hinter einer ruhigen Fassade ein Geheimnis. Seine Klassenlehrerin Hélène bemerkt jedoch, dass mit dem Jungen etwas nicht stimmt. Allerdings gelingt es ihr nicht, an ihn heranzukommen. Auch gegen die „Wegschau-Mentalität“ an ihrer Schule kann sie nicht ankommen. Mathis, Théos bester Freund versucht seinen Freund zu schützen und gerät dabei selbst in Schwierigkeiten, die seine Mutter Cécile dazu bringen ihm den Umgang mit Théo zu verbieten. „Loyalitäten“ von Delphine de Vigan (ü: Doris Heinemann) handelt nicht nur von einem Jungen, der sich zurückzieht, um die häuslichen Problem nach der Trennung seiner Eltern zu verbergen. Dieser Roman verdeutlicht, was passiert, wenn Menschen zu lange wegschauen. Was es heißt in einem Netz aus Loyalitäten gefesselt zu sein. Die Figuren sind in unterschiedlichen Loyalitätsgefühlen gefangen, die es ihnen scheinbar unmöglich machen aus ihrer persönlichen Situation herauszutreten. Durch die häufigen Perspektivwechsel und die Darstellung der unterschiedlichen Gefühlswelten der Charaktere, lässt sich das Buch sehr schnell und flüssig lesen. Mir hat dieser Roman, trotz der Schwere des Themas sehr gut gefallen. (TW: häusliche Gewalt/ sexueller Missbrauch)
Théo ist 12 und leidet unter der Scheidung seiner Eltern. Die Mutter wird von Hass und Bitterkeit gesteuert und nimmt den Namen des Vaters nicht mehr in den Mund. Der Vater wird von seiner zunehmenden Depression, der er sich geschlagen gibt, ans Bett gefesselt. Théo bleibt beiden gegenüber loyal, so wie das Kinder eben machen, bis sie ihre eigene Identität finden und sich von den Eltern abgrenzen können. Helène ist Théos Lehrerin und nimmt dessen zunehmende Wesensveränderung, auch aufgrund eigener Lebenserfahrungen sensibilisiert, wahr. Wenn sie wüsste, dass Théo seit Wochen mit seinem ebenfalls 12-jährigen Freund Mathis im Schulgebäude immer wieder starken Alkohol trinkt und sich in der Sucht danach verlieren droht… Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Dieses schmale Buch ist ein Meisterinnenwerk. Selten habe ich so eindrücklich gelesen, wie es sich anfühlt, Scheidungskind im unguten zu sein. Durch den ständigen Perspektivwechsel (2 Frauen, 2 Jugendliche) wird das Spannungsfeld Heranwachsender und Erwachsener mit eigenen ungelösten Traumata brillant verwoben. An Männern/Vätern lässt de Vigan dabei kein gutes Haar. Und natürlich sucht sich Théo, der noch viel zu jung ist, ein Ventil für die irrationale Loyalität gegenüber seiner versagenden Eltern: den Alkohol. Gut, dass de Vigan diesen ausgewählt hat. So sind große Teile der Gesellschaft Teil dieses anprangernden wertvollen Gesellschaftsromans. Ein Roman, der schonungslos und präzise mahnend zeigt, wie die Erwachsenden die Heranwachsenen nachhaltig zerstören können. „Manchmal denke ich, das Erwachsenwerden ist nur dazu da: die Verluste und Schäden der Anfänge zu reparieren. Und die Versprechen des Kindes zu halten, das wir gewesen sind.“
Bitte lesen!
Noch nie hat mich ein Buch zum Weinen gebracht. Heulen. Verzweiflung. Hoffnung... Delphine de Vigan haut dem Leser schonungslos die katastrophal leise anwachsende Überforderubg des zwölfjährige Théo um die Ohren, dessen Eltern nach einer hässlichen Trennung keine Kapazitäten für die Erfüllung ihrer elterlichen Pflichten haben. Théo versucht zu retten, was durch ihn nicht zu retten ist und verliert sich im Alkohol. Ein Zwölfjähriger! Schnell will Théo nicht mehr trinken um die Störgeräusche leiser zu stellen, sondern um komplett zu verschwinden. Tatsächlich gibt es in Théos Umfeld mehrere Menschen, die ein Unheil kommen sehen, aber derer Handlungsspielrahmen ist begrenzt. Oder: sie begrenzen ihn selbst. Allein sein gleichaltrigen Freund schafft es, seine selbstgezimmerte Barriere zu durchbrechen - aus echter Loyalität zum Leben des Freundes. Ob es noch rechtzeitig ist...lässt de Vigan offen. Ich weine immer noch. Ich bin immer noch wie gelähmt. Von der Geschichte. Von der Sprache de Vigans. Von dem Schmerz des kleinen Théo... Ein Buch, das aufrüttelt. Das schreit, nach mehr Courage. Mehr Handeln. Mehr Empathie. Bitte lest dieses Buch.

Wow, dieses Buch weist einen wirklich in seine Schranken. Es zeigt, wie schnell man eine Kinderseele zerstören kann, ohne es wirklich zu merken oder gar absichtlich zu tun. Am liebsten würde ich es direkt einigen jungen Eltern zum Lesen geben. Auch ich wünschte mir auf mancher Seite, diese Einsicht schon vor 20 Jahren gehabt zu haben. Lieblingszitat: "Im Grunde weiß ich es. Ich weiß, dass Kinder ihre Eltern schützen und dass dieser Pakt des Stillschweigens sie manchmal sogar das Leben kostet. Manchmal denke ich, das Erwachsenwerden ist nur dazu da: die Verluste und Schäden der Anfänge zu reparieren. Und die Versprechen des Kindes zu halten, das wir gewesen sind."
"Im Grunde weiß ich es. Ich weiß, dass Kinder ihre Eltern schützen und dass dieser Pakt des Stillschweigens sie manchmal sogar das Leben kostet." (S. 134)
Ein eindringliches Buch über die Last, die auf den Schultern eines Kindes lastet, dessen Eltern sich nicht nur trennen, sondern gegenseitig zerreißen. Die Geschichte einer Überlebenden und ihren siebten Sinn für andere. Noch eine Geschichte: die einer Frau, die von ihrem Mann gegaslighted wird. Und die Geschichte eines Freundes, der in die Dunkelheit miteinbezogen wird. 💔

Loyalitäten ist mein erstes Buch von Delphine de Vigan, wird aber bestimmt nicht mein letztes bleiben. Kein anderes Buch hat mich die letzten Monate mehr beschäftigt und berührt. Meine Meinung Jeder will loyal sein, aber was sind Loyalitäten und ist es immer gut loyal zu sein? „Das sind die Sprungbretter, auf denen sich unsere Kräfte entfalten, und die Gruben, in denen wir unsere Träume begraben“ (Zitat, S.5) Ich finde, diese Zitat trifft es genau, denn davon handelt das neue Buch von Delphine de Virgan. Die Geschichte wird aus vier unterschiedlichen Perspektiven erzählt und schildert einerseits nüchtern, andererseits tief ergreifend, die Chronik eines Absturzes. Im Mittelpunkt der Geschichte steht der 12jährige Théo. Seine Eltern sind geschieden, die Mutter verbittert, der Vater vollkommen überfordert und kurz vor dem totalen sozialen Abstieg. Théo steht dazwischen, will alles richtig machen, sowohl mit Vater und Mutter als auch in der Schule. Da er dies mit seinen 12 Jahren nicht leisten kann, ist schlussendlich der Alkohol seine letzte Zuflucht geworden. Hélène, seine Lehrerin, die als Kind missbraucht wurde, erkennt, dass mit Théo etwas nicht stimmt, deutet aber, geprägt durch ihre eigenen Erfahrungen, die Anzeichen falsch. Mathis, der beste Freund von Théo, weiß um das Alkoholproblem Théos, ist aber auch hilflos überfordert und schweigt: aus (falscher?) Loyalität? Zuletzt noch Cécile, die Mutter von Mathis, der sich Mathis gerne anvertrauen würde um seinen Freund zu helfen; Cécile ist aber selber eine Gefangene mit ganz anderen, eigenen Problemen. Dieses instabile Beziehungsgeflecht beschreibt Delphine de Vigan so exakt und eindringlich, dass ich von der ersten Seite an gefesselt war. Der Schreibstil lässt sich schwer beschreiben, einerseits nüchtern, andererseits so intensiv dass ich es kaum ausgehalten habe. Fazit Ein unglaublich berührender, ergreifender, realistischer und schockierender Roman, der mich am Ende fast sprachlos zurückließ. Wenn ich dieses Jahr nur ein Buch empfehlen dürfte, dann wäre es dieses! Es lässt sich schwer in Worte fassen, einfach selber lesen!

Sehr eindringliche Geschichte.
Der 12-jährige Théo lebt als Kind geschiedener Eltern wöchentlich wechselnd mal bei dem Vater, mal bei der Mutter. Die Eltern pflegen keinen Kontakt mehr zueinander und den zunehmend verwahrlosten Zustand seines Vaters verschweigt er seiner Mutter, von der er ebenfalls nur wenig Zuneigung und Liebe erfährt. Théo flüchtet sich in Alkohol, um seine familiären Probleme zu vergessen; nur sein bester Freund Mathis weiss davon. So loyal, wie Théo sich seinen Eltern gegenüber verhält, so loyal verhält sich Mathis seinem Freund gegenüber. Lediglich Lehrerin Hélène hat eine Vermutung, selbst vorbelastet durch eigene schlimme Kindheitserlebnisse, doch dieser wird kein Gehör geschenkt. "Ich bin da", ein Satz am Schluss der Geschichte, den man sich in diesem Fall so sehr am Anfang gewünscht hätte. Ein offenes Ende, dass mich sehr bewegt/berührt hat. Große Empfehlung für dieses Buch.

Es ist eine bedrückende Geschichte, die Delphine de Vigan in "Loyalitäten" erzählt. Der Titel ist dabei durchaus themengebend, denn im Prinzip kreist die gesamte, aus vier Perspektiven erzählte Handlung um dieses eine Wort. Da ist zunächst der 12-jährige Théo, eigentlich der Protagonist des Romans. Trotz seines jungen Alters hat er schon viel mitgemacht. Die Trennung seiner Eltern stürzt ihn in eine tiefe Zerissenheit, die er mit Alkohol zu füllen sucht. Befindet er sich in der Obhut der Mutter, ist der Vater allein und niemand kümmert sich um ihn. Lebt er beim Vater, ist die Mutter einsam und verletzt - ein wöchentlich wechselndes Spiel, das der Junge nur verlieren kann. Denn wie soll er sich da auf eine Seite schlagen? Seine Lehrerin Helena wurde in ihrer Kindheit vom Vater misshandelt und hat daher umso feinere Antennen für das Leid ihrer Schüler. Théo möchte sie unbedingt vor dem drohenden Absturz bewahren, ihn beschützen - doch niemand will ihr so recht zuhören. Denn an sich hat der Junge ja keine schlechten Noten und zum Unterricht erscheint er ebenfalls regelmäßig. Kollegen und Schulleitung scheint das zu genügen, eine Tatsache, die Helena gleichermaßen fassungslos und wütend macht. Mathis sieht der Veränderung seines besten Freundes Théo hilflos zu. Wie kann er ihm helfen, ohne ihn an die Erwachsenen zu verraten? Aber inzwischen hat Mathis schon selbst keine Lust mehr auf das ständige Sich-Betrinken. Auch seine Mutter Cécile ist bereits stutzig geworden und beginnt, ihn auszufragen. Dabei steht diese plötzlich vor den Scherben ihrer Ehe und muss sich selbst neu definieren. Wie soll sie gleichzeitig ihren Sohn retten, wenn dessen Vater immer nur lapidar verkündet, sie übertreibe doch. Und will sie tatsächlich zu solch einem Mann noch länger loyal sein? Die Autorin zeichnet ein düsteres Bild in ihrem Roman. Eigentlich gibt es keine Hauptperson, die ein normales, glückliches Leben führt. Die Erwachsenen sind ausnahmslos unglücklich oder unzufrieden und tragen mehr oder minder große Geheimnisse mit sich herum. Mittendrin die beiden 12-Jährigen, die nicht wissen, wie sie mit all dem umgehen sollen. Man muss sich bei der Lektüre immer wieder vor Augen halten, wie jung diese zwei sind und wie erschreckend es ist, dass sich Kinder schon in diesem Alter in den Alkohol flüchten. Doch von wem sollen sie denn auch den richtigen Umgang mit Problemen lernen, wenn nicht einmal die eigenen Eltern ihnen das vorleben können? Und so kämpft Helena einen aussichtslosen Kampf. Einen Kampf gegen Kollegen, die es lieben, ihre Schüler zu demütigen. Gegen den Schulleiter, der sich bloß nicht zu weit aus dem Fenster lehnen will. Und gegen Eltern, die nicht wahrhaben wollen, dass ihre Söhne ihretwegen leiden. Es sind zahlreiche Themen, die in dieser Geschichte zur Sprache kommen: Gewalt, Missbrauch, Scheidung, Alkoholsucht, Arbeitslosigkeit, Ehebruch usw. Der Schreibstil ist durch die wechselnden Perspektiven sehr sprunghaft und doch immer nah an den Charakteren. Die beiden Frauen erzählen emotionaler und aus der Ich-Perspektive, die beiden Jungen schmuckloser und aus der Er-Perspektive. Unaufhörlich steuert die Handlung auf die unvermeidliche Katastrophe zu. Bei jeder umgeblätterten Seite bereitet man sich als Leser auf das Schlimmste vor - und doch lässt einen das Ende schließlich mit gemischten Gefühlen zurück. Ich nehme an, Delphine de Vigan wollte gerade diesen Effekt erzeugen, dennoch hätte ich mir für die Geschichte einen anderen Schluss gewünscht. Aber wie in der Handlung selbst bekommt man im Leben eben nicht immer das, was man möchte. Fazit: Ein bewegender Roman mit einem unbefriedigenden Ende
Ich kann mich den vielen begeisterten Meinungen leider nicht anschließen. Anfangs war ich noch sehr erschüttert von der Geschichte und Théo tat mir unendlich leid. Aber mit der Zeit fand ich es einfach zu viel. Jede Person in diesem Buch ist ein Wrack. Das hat mich zum Ende hin nur noch genervt und war einfach zu übertrieben. Das Ende fand ich auch sehr unbefriedigend.
Delphine de Vigan schreibt gerne über Traumata. Sicher ein Thema, das sich gut verkaufen läßt. Doch in diesem kleinen Buch hat sie es mit den abgehandelten Themen wahrlich übertrieben. Auf den 178 Seiten sollen gefühlt alle wesentlichen sozialen Missstände in unserer Gesellschaft abgehandelt werden. Als wesentliche Thematik dient der Alkoholmissbrauch von Minderjährigen, doch auch sexueller Missbrauch, Verantwortung der Lehrerschaft, das Schulwesen, Scheidungskinder, Verwahrlosung, Perspektivlosigkeit, Depression, Demütigung, Hass im Internet, unehrliche Partnerschaften etc. tragen ihren Teil zur Dramaturgie bei. Das war einfach zu viel für mich. An sich ist das Handeln der Personen schlüssig und die Geschichte flüssig und spannend geschrieben. Spannend wäre aber auch gewesen, den Titel des Buchs fundierter zu beleuchten. Was bedeuten denn Loyalität im Familienverbund? Können 12jährige sich schon loyal verhalten gegenüber den Eltern? Was hat die Flucht in den Alkohol, um die Lebensumstände zu vergessen, mit Loyalität zu tun? Ist das nicht ein zutiefst egoistisches Verhalten? Verhalten sich denn nicht alle Personen hier im Buch egoistisch, selbst in ihrer Hilfsbereitschaft? Man hätte aus dem Thema echt was machen können, um die Phantasie anzuregen. Doch auch die nimmt die Autorin der Leserschaft ab, denn sie erzählt jedes Handeln und jedes Gefühl, da bleibt kein Platz für Phantasie. So gar noch schlimmer: da einige Kapitel aus der Perspektive der Mütter und Lehrerin erzählt werden, hat man das Gefühl, dass die handelnden Personen sich schon sehr gut selbst reflektieren können. Dafür, dass alle Personen im Buch so gestört sind, eine recht erstaunliche, persönliche Kompetenz. Grammatikalisch geht es durcheinander daher, mal im Perfekt, mal im Präsens, manche Kapitel in erster Person, manche Kapitel in dritter Person geschrieben, ohne das ich einen Sinn dahinter entdecken konnte. Und am Ende des phantasielosen Kämpfens durch die Abgründe des menschlichen Miteinanders, läßt die Autorin das Buch offen enden. Darauf hatte ich dann auch keine Lust mehr, mir ein Ende nach meinem Geschmack auszudenken.
„Vor langer Zeit hat mich ein Mann verlassen, weil ich keine Kinder bekommen konnte. Heute bleibt er jeden Abend lange im Büro und fährt möglichst spät heim, um seine Familie nicht sehen zu müssen.“ (S. 134) Der 12jährige Théo, Scheidungskind, wandert wöchentlich zwischen seinen getrennten Eltern hin und her; auf den ersten Blick ein „normaler“ Teenager, der manchmal im Unterricht abschweift, den Weg des geringsten Widerstandes geht, dennoch durchschnittlich gut. Seine Mutter will nie wieder über den Vater sprechen, der Vater ist völlig am Ende. Innerlich ist Théo zerrissen, überfordert, und versucht diese Leere mit Alkohol zu versenken. Seine Klassenlehrerin Hélene scheint dieses Problem zu sehen und beginnt eine Art Detektivarbeit. Théo findet das Verhalten der Lehrerin komisch und ist froh, dass sein bester Freund Mathis das gleichsieht. Doch Mathis‘ Mutter Cécile sieht es nicht wie ihr Sohn, ganz im Gegenteil. Sie möchte nicht, dass ihr Sohn sich weiter mit Théo herumtreibt, der einen schlechten Einfluss auf ihn hat. Und es scheint, dass Théo einen üblen Weg einschlägt und sich die Befürchtungen aller bewahrheiten. Delphine de Vigan erzählt die Geschichte aus den vier Perspektiven von Théo, Hélene, Cécile und Mathis, was für mich diesen Sog bewirkte, sodass ich das Buch nicht weglegen konnte. Durch diese unterschiedlichen Zugänge aus Erwachsenen- und Kindersicht fühlt sich die Geschichte leichter an, als sie schließlich ist. Denn sie ist im Grund gewaltig: nämlich für den jungen Théo. In die Schwere zeichnet De Vigan, eine authentische Geschichte und beleuchtet das Thema „Loyalität“ aus unterschiedlichen Perspektiven. Wem gegenüber „muss“ man loyal sein? „Muss“ man loyal sein? Und wann „MUSS“ man Loyalität aufgeben, um ein Leben zu retten (egal in welcher Form)? Die Autorin schreibt über familiäre Missstände und was Kindern in der „Sandwich-Position“ blühen kann, wenn Eltern ihre „Kriege“ über selbige austragen. Wenn Eltern es nicht schaffen, in ihrer Rolle Verantwortung zu übernehmen. Wenn Erwachsene es nicht schaffen, ihr Leben auf die Reihe zu bekommen. Ich war an vielen Stellen so verärgert und betroffen, was diesem Kind aufgebürdet wird, während die Erwachsenen sich in ihrer Opferrolle und ihren Befindlichkeiten suhlen, wie kleine Schweinchen. Sei’s drum … das Ende war etwas abrupt – vielleicht braucht es auch nicht mehr. . „Théo steckt es ein, sein zarter Körper ist von Wörtern durchlöchert, doch sie sieht es nicht. Die Wörter zerstören ihn, es ist ein unerträglicher Ultraschall, ein Larsen-Effekt, den nur er zu hören scheint, eine unhörbare Frequenz, die ihm das Hirn zerreißt.“ (S. 22) . Mich hat diese Geschichte nachhaltig im Herzen gepackt, und wie auch schon „Dankbarkeiten“, ist es eine Lektüre der Autorin, die zu meinen Highlights zählt! Ergreifend, tiefsinnig und fein geschrieben über familiäre und soziale Strukturen. . Klare #Leseempfehlung!
Ein dünnes Büchlein, dass mich vollauf überzeugen konnte. Die Geschichte hat trotz der wenigen Seiten soviel Inhalt, sie ist aus vier Perspektiven sehr prägnant erzählt. Es ist eine sehr klare intensive Sprache, man fliegt nur so durch die Seiten. Aber es werden sehr viele menschliche und zwischenmenschliche Probleme angesprochen. Leider bleiben einige Probleme ungelöst. Achtung Spoiler: Das Ende ist absolut offen und ich wünschte mir, alles wird gut.
Delphine de Vigan schreibt gerne über Traumata. Sicher ein Thema, das sich gut verkaufen läßt. Doch in diesem kleinen Buch hat sie es mit den abgehandelten Themen wahrlich übertrieben. Auf den 178 Seiten sollen gefühlt alle wesentlichen sozialen Missstände in unserer Gesellschaft abgehandelt werden. Als wesentliche Thematik dient der Alkoholmissbrauch von Minderjährigen, doch auch sexueller Missbrauch, Verantwortung der Lehrerschaft, das Schulwesen, Scheidungskinder, Verwahrlosung, Perspektivlosigkeit, Depression, Demütigung, Hass im Internet, unehrliche Partnerschaften etc. tragen ihren Teil zur Dramaturgie bei. Das war einfach zu viel für mich. An sich ist das Handeln der Personen schlüssig und die Geschichte flüssig und spannend geschrieben. Spannend wäre aber auch gewesen, den Titel des Buchs fundierter zu beleuchten. Was bedeuten denn Loyalität im Familienverbund? Können 12jährige sich schon loyal verhalten gegenüber den Eltern? Was hat die Flucht in den Alkohol, um die Lebensumstände zu vergessen, mit Loyalität zu tun? Ist das nicht ein zutiefst egoistisches Verhalten? Verhalten sich denn nicht alle Personen hier im Buch egoistisch, selbst in ihrer Hilfsbereitschaft? Man hätte aus dem Thema echt was machen können, um die Phantasie anzuregen. Doch auch die nimmt die Autorin der Leserschaft ab, denn sie erzählt jedes Handeln und jedes Gefühl, da bleibt kein Platz für Phantasie. So gar noch schlimmer: da einige Kapitel aus der Perspektive der Mütter und Lehrerin erzählt werden, hat man das Gefühl, dass die handelnden Personen sich schon sehr gut selbst reflektieren können. Dafür, dass alle Personen im Buch so gestört sind, eine recht erstaunliche, persönliche Kompetenz. Grammatikalisch geht es durcheinander daher, mal im Perfekt, mal im Präsens, manche Kapitel in erster Person, manche Kapitel in dritter Person geschrieben, ohne das ich einen Sinn dahinter entdecken konnte. Und am Ende des phantasielosen Kämpfens durch die Abgründe des menschlichen Miteinanders, läßt die Autorin das Buch offen enden. Darauf hatte ich dann auch keine Lust mehr, mir ein Ende nach meinem Geschmack auszudenken.
Vor “Loyalitäten” habe ich noch nie etwas von Delphine de Vigan gelesen. Ihre Bücher haben mich bisher nicht angesprochen. Da sieht man mal wieder was ein gutes Cover nicht alles bewirken kann. Loyalitäten hat nämlich vor allem aufgrund der Aufmachung mein Interesse geweckt - um mich dann mit seinem Inhalt absolut zu überzeugen! Ein erschreckender, aufrüttelnder Kurzroman über menschliche Abgründe, über dunkle Seiten, über Geheimnisse. Aber Vigan versuch zusätzlich noch die Frage zu beantworten, wie weit wir gehen würden, um jemanden zu retten. Wieviel lassen wir uns von Freunden und Familie gefallen, bevor wir sie ihrem Schicksal überlassen und was muss passieren, damit wir uns in das Leben Fremder einmischen? Ganz sicher ist es nicht der erste Roman, der sich mit diesen Themen beschäftigt, aber er ist authentisch, ehrlich und zeitweise brutal in seiner Darstellung menschlicher Abgründe und Empfindungen. Uneingeschränkte Leseempfehlung, wenn auch vielleicht etwas kurz! Bin auf jeden Fall begeistert von meinem ersten kleinen Ausflug in die Erzählwelt von de Vigan.
Meine Meinung zu Loyalitäten von Delphine de Vigan: Wie weit würdest du gehen, um Jemanden zu retten? Für mich ist es das erste Buch der Autorin, ich bin mir aber sicher, dass weitere bei mir einziehen werden. Der Schreibstil hat mich von Beginn an überzeugen und fesseln können. Die Geschichte wird von verschiedenen Personen erzählt, die mehr oder minder miteinander zusammenhängen und sich gegenüber loyal verhalten. De Vigan gibt einen Einblick in verschiedene soziale Strukturen sowie familiäre Beziehungen. Es ist eine erschütternd reale und zugleich literarisch begeisternde Geschichte über die menschlichen Abgründe und Geheimnisse. Auch mit oben gestellter Frage beschäftigt sich de Vigan in diesem Kurzroman.
Theo ist 12 Jahre alt, seine Eltern sind geschieden, der Vater verwahrlost in seiner Wohnung, jedoch darf niemand davon wissen. Seine Mutter kommt über die Trennung nicht hinweg und lässt ihre Wut über den Vater an ihrem Sohn aus. Theo versucht sich anzupassen und sich zu betäuben. Deshalb trinkt er heimlich Alkohol und braucht immer mehr um sich damit betäuben zu können. Mathis, Theos bester Freund, macht auch mit, doch merkt schnell, dass es für Theo kein Spiel mehr ist. Ich habe bisher noch nie ein Buch von Delphine de Vigan gelesen und für mich ist diese Autorin eine Neuentdeckung. Ich habe dieses Buch durch Zufall mal bei Instagram gesehen und mir dieses dann gekauft. Jedoch habe ich nicht damit gerechnet, dass mich dieses Buch so sehr überzeugen kann. Delphine de Vigan beschreibt in diesem Buch wichtige und sensible Themen und zeigt einem, wie es Kindern geht, die in einer zerrütteten Familie aufwachsen, gefangen in Ängsten. Diese Geschichte hat mich total mitgenommen. Alleine durch die Thematik wurde ich so sehr an dieses Buch gefesselt. Theos Eltern sind getrennt und in diesem Buch wird sehr deutlich, wie sehr Kinder unter dieser Trennung leiden und das sie sich oft zwischen ihren Eltern entscheiden müssen, auch wenn sie das gar nicht wollen. Dass sein Vater sich nicht um ihn kümmert, ist furchtbar und hat mir total mein Herz gebrochen. Und zu seiner Mutter fallen mir einfach keine Worte ein. Aber dennoch ist es so wichtig über emotionalen Missbrauch zu reden, es existiert genauso! Die Sicht von Theo hat mir so sehr das Herz zerrissen. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie schlimm es für ihn sein muss, zu seiner eigenen Last auch noch diese von seinem Vater und diese von seiner Mutter tragen zu müssen. Wie soll man denn da noch Kind sein dürfen? Ich kann seine Gedankengänge und Handlungen so gut nachvollziehen und finde es grausam, dass Theo keinen anderen Weg findet, damit klar zu kommen. Gottseidank hat er seinen Freund Mathis an seiner Seite! Der Schreibstil von Delphine de Vigan hat mich absolut in ihren Bann ziehen können. Bisher habe ich noch gar kein Buch von ihr gelesen gehabt, aber alleine mit diesem Buch konnte sie mich komplett überzeugen. Sie hat einen ganz besonderen Schreibstil, den man in jedem Buch wieder erkennen würde. Ich liebe dieses flüssige und emotionale, was sie in ihre Bücher mit einbaut. Ich wollte dieses Buch gar nicht aus der Hand legen. Auch der Lesefluss wurde hierbei in keiner Weise gestört. ,,Loyalitäten‘‘ ist ein Buch, dass mir den Boden unter den Füßen weggerissen hat. Die Autorin beschreibt diese Dinge auf so eine erschreckende Art und Weise und zieht einen damit absolut in den Bann. Ich finde es so mutig, dass Delphine de Vigan so wichtige Themen allein in einem ganzen Buch mit eingebaut hat. Depressionen, emotionaler Missbrauch, Selbstverletzung, Trennung, aufwachsen ohne Liebe. Diese Themen zerreißen einem das Herz und sorgen dafür, dass die eine oder andere Träne über deine Wange laufen wird. Außerdem zeigt uns dieses Buch auch, dass es so wichtig ist, dass man Hilferufe von jüngeren Kindern und Jugendlichen unbedingt ernst nehmen sollte und nicht erst dann, wenn alles zu spät ist. Also achtet bitte auf eure Mitmenschen und nehmt Hilferufe wahr, wenn ihr sie merkt! Von mir gibt es für dieses Buch eine ganz klare Lese- und Kaufempfehlung!
" Loyalitäten - das sind die unsichtbaren Verbindungen, die uns mit den anderen- den Toten wie den Lebenden- verbinden, leise gemachte Versprechungen, deren Auswirkungen wir nicht kennen, still gehaltenen Treue, das sind Verträge, die wir zuallermeist, mit uns selbst geschlossen haben, Befehle, die wir hingenommen, aber nie gehört haben, und in den Nischen unserer Erinnerungen nistende Schulden. " Die großartige Delphine de Vigan hat mich auch mit dieser Geschichte wieder komplett begeistert. Kein einfaches Buch, ein schwerer Plot, Geheimnisse und ungeheure Belastungen unter denen die Protagonisten zu leiden haben. Besonders mit Théo habe ich sehr mitgelitten. Mit einer unglaublich schönen Sprache erzählt die Autorin von den großen Problemen mitten im kleinen einfachen Leben. Auf knapp 180 Seiten erzählt sie intensiv und voller Tiefe eine Geschichte vom Aufgeben aber auch von Hoffnung.













































