All das zu verlieren
Buy Now
By using these links, you support READO. We receive an affiliate commission without any additional costs to you.
Description
Kann man sich zu seinem Glück zwingen? Prix Goncourt-Preisträgerin Leïla Slimani erzählt von der Zerrissenheit einer Frau und schafft eine »moderne Madame Bovary« ( Libération ).
Nach außen hin führt Adèle ein Leben, dem es an nichts fehlt. Sie arbeitet für eine Pariser Tageszeitung, ist unabhängig. Mit ihrem Ehemann, einem Chirurgen, und ihrem kleinen Sohn lebt sie in einem schicken Viertel, ganz in der Nähe von Montmartre. Sie reisen, sie fahren übers Wochenende ans Meer. Dennoch macht Adèle dieses Leben nicht glücklich. Gelangweilt eilt sie durch die grauen Straßen, trifft sich mit Männern, hat Sex mit Fremden. Sie weiß, dass ihr die Kontrolle entgleitet. Sie weiß, dass sie ihre Familie verlieren könnte. Trotzdem setzt sie alles aufs Spiel.
Book Information
Author Description
Die französisch-marokkanische Autorin Leïla Slimani gilt als eine der wichtigsten literarischen Stimmen Frankreichs. Ihre Bücher sind internationale Bestseller. Slimani, 1981 in Rabat geboren, wuchs in Marokko auf und studierte an der Pariser Eliteuniversität Sciences Po. Für den Roman »Dann schlaf auch du« wurde ihr der renommierte Prix Goncourt zuerkannt. Zuletzt erschien im Luchterhand Literaturverlag die Romane »Das Land der Anderen«, »Schaut, wie wir tanzen« sowie »Trag das Feuer weiter«. Sie sind Teil einer Trilogie, die auf der Geschichte von Leïla Slimanis eigener Familie beruht. »Leïla Slimani hat auf traumhaft schöne, lebendige, mitreißende Weise Weltgeschichte in Literatur verwandelt, die uns über drei Generationen trägt.« (Volker Weidermann, DIE ZEIT)
Posts
Sexuelle Obsession Realitätsflucht Zerrissenheit Schonungslos und nüchtern
Adèle versucht dem gut bürgerlichen und ereignislosen Familienleben, das ihr absurd und belanglos erscheint ,zu entfliehen; ständig auf der Suche nach entfesseltem Sex mit potentiellen, beliebig ausgesuchten Setxpartnern. Ohne besonderen Anspruch an Aussehen oder Intellekt, wählt sie die Männer aus, lässt sich dominieren, mag brutalen, entwürdigenden Sex und kehrt nach dem schnellen Kick zurück in das "heile" Familienleben mit verlässlichem, aber langweiligen Ehemann und dem kleinen Sohn. Detailliert beschrieben werden die Gründe für Adèles permanente Ausbrüche nicht. Es gibt jedoch Anhaltspunkte für Einsamkeit und Zerrissenheit , Angst vor dem Alter, vor dem Tod und einem gewissen Selbsthass. Möglicherweise spielt auch die schwierige Beziehung zur Mutter eine Rolle. Den ersten Teil des Buches empfand ich als den stärkeren Part, der zweite Teil, aus der Sicht des Ehemanns Richard,ist weniger intensiv . Ich mag Slimanis klare, nüchterne Sprache. Für meinen Gerschmack ist es vllt. ein wenig schwächer als " Dann schlaf auch du".

"Er begleitet sie zum Taxistand, presst die Lippen an ihren Hals. Adèle springt in den Wagen, ihr Haar ist verwuschelt, ihr Körper von Liebe getränkt." (S. 105) Was bleibt, wenn ein Leben aus der Bahn gerät? All das zu verlieren von Leïla Slimani folgt einer Frau, die sich scheinbar freiwillig aus ihrem bürgerlichen Alltag löst. Zwischen Freiheit und Selbstzerstörung erzählt der Roman von Begehren, Macht und dem schmalen Grat zwischen Kontrolle und Kontrollverlust. Laila Slimani ist eine meiner Lieblingsautorinnen. Sie interessiert sich stark für die inneren Konflikte ihrer Figuren, was ich auch an diesem Buch sehr schätzte. Spannendes Buch, aber mitunter keine leichte Kost.

Intensiv, bewegend, ehrlich
Adele ist Journalistin, verheiratet mit einem Chirurgen, Mutter eines dreijährigen Sohnes. Sie lebt in Paris und hat – so sieht es zumindest aus – alles was man sich nur wünschen kann. Doch es fällt ihr schwer diese Fassade aufrecht zu erhalten. Denn was nach außen perfekt wirkt, sieht dahinter ganz anders aus. Adele fühlt sich gefangen in ihrem Leben, bricht aus, wo sie nur kann. Sie lügt, sie geht fremd, sie liebt ihr Kind, doch ist sie froh, wenn sich andere darum kümmern. Und irgendwann beginnt die Fassade zu bröckeln. Was für eine intensive Geschichte! Die erste Hälfte des Romans hat mich völlig in ihren Bann gezogen, ich konnte das Buch nicht weglegen. Slimani beschreibt so unglaublich dicht und konzentriert, wie Adele fühlt und denkt. Diese Zerrissenheit die in ihr tobt, dieser Wunsch nach einem Familienleben und gleichzeitig dieses Bedürfnis nach einem Leben außerhalb dieser Norm. Es steht so viel auf diesen Seiten. Nicht wenige Sätze haben mich getroffen, ich habe mich ertappt gefühlt. Fantastisch wie Slimani den Spagat zwischen den zwei Ichs, die in Adele wohnen, beschreibt. Der zweite Teil des Buches kann aber diese unglaublich starke erste Hälfte nicht mehr halten. Hier, nunmehr oft auch aus der Sicht des Ehemannes beschrieben, verliert das Buch an seiner Intensität. Die Geschichte wird mir ein wenig zu extrem und nicht mehr so nachvollziehbar. Zudem merkt man zum Ende hin, dass das Buch eigentlich keinen richtigen Schluss haben kann, und so ist es dann letztlich auch. Das passt gut, bleibt aber unbefriedigend. Ich finde, es ist ein lesenswertes Buch, vor allem wegen der tollen ersten Hälfte. Nur schade, dass es am Ende etwas über das Ziel hinausschießt.

Mein erstes Buch für dieses Jahr ist ein Geschenk gewesen mit dem Vermerk: Bleibt im Kopf, weil extrem verstörend und unbequem.... Dem kann ich nur uneingeschränkt beipflichten. Der Roman 'All das zu verlieren' von der Autorin Leïla Slimani hat mich fasziniert, gefesselt, abgestoßen, Mitleid haben lassen und mich quasi in einen Strudel der verschiedenen Empfindungen gerissen und wieder ausgespuckt. Die Hauptfigur in dem Ganzen ist Adèle. Sie ist Mutter, Ehefrau eines Chirurgen und arbeitet selbst als Journalistin. Sie lebt in Paris und auf den ersten Blick denkt man alles müsse gut sein. Ist es aber nicht. Adèle hat eine selbstzerstörerische, hypersexuelle und exzessive Ader die Sie gerne mit Ihrem Körper und Männern auslebt. Es ist ein bisschen wie bei Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Auf der einen Seite genießt und wünscht Sie sich die Wärme und Geborgenheit eines Familienlebens und auf der anderen Seite tut Sie alles um es zu zerstören. Einige Passagen sind so unangenehm das man sich beim lesen fast schon windet. Ich für meinen Teil habe die Vermutung aufgestellt, dass Adèle das alles macht um sich spüren zu können, um sich nicht zu verlieren. Ich könnte mir vorstellen dass das Buch polarisiert, aber mich hat es sehr in seinen Bann gezogen und ich mochte es. Die erste Hälfte noch lieber als den Schluss.

CN: gewaltvolle sexuelle Handlungen, toxische Menschen und Beziehungen Adèle lebt mit ihrem Mann Richard und ihrem Sohn Lucien in einer schicken Pariser Wohnung und arbeitet als Journalistin bei einer Zeitung. Ihr Leben scheint perfekt, aber sie ist nicht glücklich. Sie ist gelangweilt und einsam und um ihrer Realität zu entkommen trifft sie sich mit zahlreichen Männern, die ihre Sucht nach Aufmerksamkeit stillen. Sie ist sich bewusst, dass sie damit ihr Familienglück riskiert, kann aber einfach nicht aufhören. Leïla Slimani hat mit „All das zu verlieren“ einen eindringlichen und intensiven Roman über sexuelle Selbstbestimmung und Gleichberechtigung von Frauen geschrieben und stellt dabei sämtliche Normen und Werte auf den Kopf. Die scheinbar gefühlskalte Adèle scheint im Leben nirgends anzukommen und wir begleiten sie dabei, wie sie sich immer mehr in diesem verrennt. Und obwohl man sie häufig gerne wachrütteln würde, schafft es Slimani ihre (Gedanken)Welt und ihre Zerrissenheit plausibel, spürbar und glaubhaft darzustellen. Slimani besitzt ein unglaublich eindringliches und klares Sprachvermögen, welches das Begehren von Adèle und ihren Wunsch nach Freiheit und Selbstbestimmung klug und hautnah zeichnet. Daher möchte ich hier auch ein dickes Lob an Amelie Thoma aussprechen, die das Buch ganz fantastisch übersetzt und diese Emotionen und Gedanken perfekt eingefangen hat! „All das zu verlieren“ ist ein eindringlicher Roman, vom Leben einer, vom Leben ernüchternden, Frau. Leïla Slimani schildert Adèles Geschichte heftig und hautnah und ihre Zerrissenheit zwischen der Abhängigkeit und Selbstbestimmung ist unglaublich gut und glaubhaft dargestellt.
Menschliche Abgründe, Lügen und Sucht
Leila Slimani schafft es für mich wie keine andere unsympathische Protagonisten zu entwerfen, mit denen man dennoch mitfiebert und irgendwie auf ein Happy End hofft. Trotz ihres recht nüchternen und pragmatischen Schreibstils gelingt es ihr eine eindrucksvolle Geschichte zu erzählen und das Innenleben ihrer Figuren gut und nachvollziehbar darzustellen. Und dies sind in diesem Fall eher selten positive Emotionen und Gedanken. Alles in allem hat mich das Buch sehr gefesselt, einen Stern Abzug gab es wegen dem Ende, welches ich als irgendwie unrund empfand. (Außerdem mag ich keine offenen Enden)
Protagonistin Adèle führt ein Leben, dass für viele von uns auf den ersten Blick verachtenswert ist. Sie betrügt ihren Mann am laufenden Band, lässt dafür sogar ihren dreijährigen Sohn allein Zuhause. Dennoch schafft es die Autorin, dass Symapthien entstehen. Meiner Meinung nach ein echtes Kunstwerk. Leïla Slimani wurde ja nach ihrem ersten großen Erfolg „Dann schlaf auch du“ als eine der großen neuen Autorinnen aus Frankreich gefeiert. Und mir ist dank dieses Romans jetzt sehr deutlich, warum. Die Autorin hat ein ganz besondere Erzählweise, die distanziert, aber dennoch emotional ist. Sie hat hier ein Thema gewählt, dass komplex und voller Widersprüche ist, für das sich viele bestimmt interessieren, aber das es eigentlich fast unmöglich macht, eine Protagonistin zu entwickeln, die man als Leser verstehen und auch mögen kann. Dennoch hat sie genau dies geschafft. Adèle erfüllt so viele Punkte, aufgrund derer man sie eigentlich hassen müsste. Sie betrügt ihren Mann, hasst ihren Job und gibt sich bei der Arbeit keine Mühe, lügt und betrügt und selbst ihr Kind vernachlässigt sie sträflich, schreit den Dreijährigen an und redet eigentlich nur darüber, wie sehr sie ihr Leben hasst – ein Leben, von dem andere Träumen. Doch dann erfahren wir immer mehr über ihre Vergangenheit und Kindheit und beginnen zu verstehen, wie Adèle zu dem Menschen wurde, der sie heute ist. Und am Ende stehen wir mit einem flauen Gefühl im Magen da, wissen nicht wohin mit unseren Erkenntnissen und wissen noch viel weniger, was genau wir jetzt fühlen sollen, auf wessen Seite wir stehen. Gibt es überhaupt eine richtige Seite? Damit ihr einmal wisst, was genau das Thema dieses Buches ist: Die Protagonistin leidet an Hypersexualität. Diese definiert sich laut Wikipedia so: „Hypersexualität ist ein in der Medizin, Psychotherapie, klinischer Psychologie und Sexualwissenschaft gebräuchlicher Begriff. Er bezeichnet sowohl ein erhöhtes sexuelles Verlangen als auch ein gesteigertes sexuell motiviertes Handeln. Hypersexualität kann unterschiedliche Ursachen (körperliche wie psychische) haben.“ Ein Thema, auf das wir in unserer Gesellschaft immer öfter treffen und dessen Relevanz enorm ist. Ich selbst habe mich damit aber eben noch nicht außeinandergesetzt und war sehr froh, dass ich davon jetzt wenigstens einen ersten Eindruck bekommen habe, der klein, aber dennoch sehr tiefgründig war. Bewundernswert dabei: Obwohl es in diesem Roman viel Erotik gibt, ist diese anspruchsvoll verpackt, nimmt nicht zu viel Raum ein und wirkt ganz uns gar nicht pornografisch. „All das zu verlieren“ ist ein ernster Roman mit einem ernsten Thema und das zeigt sich natürlich auch in der Erzählweise. Eine angemessene Art, dieses Thema zu vermitteln. Wichtig bei diesem Roman ist das genaue Lesen, sonst kann einem viel entgehen. Keine leichte Unterhaltungsliteratur, sondern ein Buch mit Botschaft. Wundervoll! 4,5/5 Sterne
• ALL DAS ZU VERLIEREN • Leila Silmani ist bereits eine bekannte Literatur-Autorin. Doch erst jetzt habe ich ein Buch von ihr gelesen, obwohl ihre Romane hochgepriesen und bereits einige Preise abgesahnt haben. Um ehrlich zu sein, das Buch hat mich wirklich von der ersten bis zur letzten Seite gepackt. Adéle ist eine mehr oder minder erfolgreiche Journalistin in Paris. Auf den ersten Blick kann man sie um ihr Leben beneiden: sie ist verheiratet, finanziell abgesichert, hat einen guten Job mit vielen Auslandsaufenthalten und scheint zudem mit dem perfekten Mann verheiratet zu sein. Doch hinter der künstlich aufgebauten Fassade steckt mehr: Adéle begehrt und zerstört somit Stück für Stück ihr Leben. Auf den ersten Blick dachte ich, dass mir Adéle niemals sympathisch sein kann, doch Slimani schafft es, dass mir ihre Welt plausibel erscheint. Diese Zerrissenheit zwischen Aushalten und Selbstbestimmung ist einfach sehr gut geschrieben. Ihr Doppelleben und ihre krankhafte Art sich Männer an den Hals zu werfen ist geradezu beängstigend. In den Zwischenzeilen bemerkt man dennoch den großen Schmerz, den Adéle in sich trägt. Slimani schafft es, dass man in das Innere von Adéle und Richard blicken kann und bemerkt die unterschiedlichen Gefühlslagen angefangen von Liebe bis hin zu Hass.
Vom Ausbruch aus dem goldenen Käfig.
📌 "Ihre Obsessionen verzehren sie. Sie kann nichts dagegen tun." (S. 96) Adèle, verheiratet, berufstätig und Mutter bricht regelmäßig aus ihrem Alltag aus, um sich auf Männerabenteuer einzulassen. Ohne Rücksicht auf Mann und Kind und etwaige Konsequenzen, gibt sie sich fortwährend ihrem Verlangen hin, bis das ganze stabile Grundgerüst ihres Lebens einzustürzen droht. Dieses schmale Büchlein kam sprachlich und inhaltlich richtig gut daher und hat mir ganz ausgezeichnet gefallen. Empfehlung. 🤍

Erster Teil des Buchs: eine Frau ist leidenschaftlich, manipulativ, zerrissen, Mutter, unzufrieden, überheblich, ohne genug Selbstwert, verzweifelt, echt. Zweiter Teil: selbe Frau, mit Lobotomie, auf dem Land :D Slimani schreibt wie immer ganz zielsicher, sezierend, unerbittlich. Und das irgendwie eine gewisse beruhigende Wirkung. Wie ein Pflaster schnell abzuziehen oder beim Kinderarzt nicht auf den Trick mit der stumpfen Nadel reinzufallen. Es war ein befriedigendes Lesen, nicht zu lang, nicht zu kurz, ohne Strecken oder Lücken.
Das Buch habe ich jetzt in einem Tag gelesen. Mit der Protagonistin konnte ich gar nicht sympathisieren, klar, da sie sich in Behandlung geben muss, aber das mal alles beiseite. Die Sprache, die Stimme, der Stil und die Wendungen haben mir gut gefallen und auch das Ende, das saß. Es ist in dem Sinne gelungen, weil es einen doch so mitnimmt, auch wenn die Charaktere schwer sind und man fliegt durch die Seiten durch, als würde man heimlich ein Tagebuch lesen, dass niemand lesen sollte.
Adèle lebt in der sensationellen Stadt der Liebe mit ihrer perfekten Familie, ihrem Mann Richard und ihrem Sohn; finanziell abgesichert mit einem guten Job. Auf den ersten Blick vielleicht beneidenswert? Doch was sich für uns vielleicht perfekt darstellt, ist für Adèle ein Käfig, ein wahrliches Gefängnis. Ständig bricht sie daraus aus, überschreitet Grenzen, geht immer wieder zu weit, wenn sie sich auf die Reise zu ihren sexuellen Abenteuern begibt. Sie scheut vor keinem Risiko zurück, nimmt wen und was sie kriegen kann, trinkt und raucht. Regelmäßig, immer wieder alles von vorne. Und so zerstört sie Stück für Stück ihr eigenes Leben. Fazit: Wir erleben eine Frau, die sich in der Struktur dieser „perfekten Familie“ nicht zurechtfindet, trotzdem sie sich bewusst dafür entschieden hat. Immer wieder hadert sie zwischen dem „vermeintlich Richtigen“ und ihrem Verlangen. Ich hatte beim Lesen so eine Ambivalenz der Person Adèle gegenüber: einerseits dachte ich mir, wie kann sie nur und anderseits, war sie mir nie unsympathisch, sie tat mir sogar leid und ihr Tun und Handeln kam mir irgendwie plausibel vor. Was Slimani perfekt inszeniert hat ist dieses Aushalten dieses Doppellebens und dieser grausamen, krankhaften Art, wie sie sich Männern anbiedert. Diese Zerrissenheit, die diese Frau in sich fühlt ist sehr gut beschrieben. Slimani schafft es, den Schmerz, den Adèle fühlt, den ihr Mann Richard fühlt einzufangen und zu beschreiben. Kurz nach Beendigung des Buches dachte ich mir: was für ein Mist. Jetzt, nach einiger Zeit, wo es gesackt ist und ich mir meine Markierungen nochmal angesehen habe, komme ich zu dem Entschluss, dass es ein wirklich guter Roman ist. Ein Roman, der sicherlich sauer aufstößt. Der aber für mich (k)ein Klischee bedient. Ich wette, dass es genau das SEHR OFT gibt. Diese gefühlte Ambivalenz, ob man ausbrechen soll/darf oder nicht … dieses Gefühl der Scham, des Verrats, des Nervenkitzels … und doch frage ich mich: vielleicht ist sie auch mutig (jeder lebt ja nur 1 x), obwohl sie weiß, dass sie vermutlich wie „die Sau durchs Dorf gejagt wird“. Passt diese Lebensversion für jeden, auch wenn die Entscheidung dafür irgendwann mal gefallen ist? Muss man diese dann auch durchziehen? Muss man sein eigenes Leben immer hintenanstellen, auch wenn das selbst gebastelte Gerüst nicht (mehr) passt? Was ist damit, dass man doch selbst nur ein Mensch ist? Was meint ihr dazu – wie seht ihr das?
Leïla Slimani All das zu verlieren Luchterhand Autor: Die französisch-marokkanische Autorin Leïla Slimani gilt als eine der wichtigsten literarischen Stimmen Frankreichs. Slimani, 1981 in Rabat geboren, wuchs in Marokko auf und studierte an der Pariser Eliteuniversität Sciences Po. Ihre Bücher sind internationale Bestseller. Für den Roman »Dann schlaf auch du« wurde ihr der renommierte Prix Goncourt zuerkannt. »All das zu verlieren«, ebenfalls preisgekrönt, erscheint in 25 Ländern. In den Essaybänden »Sex und Lügen« und »Warum so viel Hass?« widmet Leïla Slimani sich dem Islam und dem Feminismus sowie dem zunehmenden Fanatismus. Seit 2017 ist Leïla Slimani offiziell Botschafterin für Frankophonie. Sie lebt mit ihrer Familie in Paris. (Quelle: Luchterhand) Adéle führt ein eigentlich tolles Leben, ist verheiratet mit ihrem Mann Richard und den Sohn der beiden. Doch in Wirklichkeit ist es nicht so, wie es nach außen hin scheint. Adéle ist in ihrem Leben hin und hergerissen. Wünscht sich auf der einen Seite ein anderes Leben, hat auf der anderen Seite jedoch Angst davor, alles zu verlieren. Das was die Sache nochmals erschwert, ist die Tatsache, dass Adéle Sex mit anderen Männern hat, wovon ihr Mann Richard jedoch nichts wissen darf. Das Buch “All das zu verlieren” hat keine typischen Kapitel, sondern viel mehr Absätze. Einige der Absätze behandeln dabei die Vergangenheit der Protagonistin (welche von Beginn an nicht sonderlich sympathisch zu sein scheint), wodurch sich der/die Leser/-in nach und nach, immer mehr Puzzleteile der Protagonistin bekommt. So lässt sich das Verhalten der Charaktere, im Laufe des Buches auch immer besser verstehen. Leider wurde hier einiges an Potenzial nicht ausgeschöpft und es bleibt noch Luft nach oben, denn 100 % nachvollziehen lässt sich das Verhalten der Protagonistin leider nicht immer (und das bis zum Ende des Buches). Allgemein wird die Protagonistin des Buches deutlich genauer beleuchtet, als alle anderen, im Buch vorkommenden Charaktere. Dies ist aber auch zu verstehen, da es im Buch eindeutig um das Leben von Adéle geht, einer Frau, die ständig auf der Suche nach Glück ist, dies jedoch nie vollends erreicht. Dementsprechend Negativ ist die Grundstimmung des Buches und das bis zum Ende hin. Auf jeder Seite bekommt der/die Leser/-in dabei einen neuen, teilweise erschreckenden Einblick in die psyche der Protagonistin, der garantiert polarisiert. Positiv zu nennen sind bei dem Buch allerdings der Schreibstil der Autorin (Leïla Slimani), denn dieser ist die ganze Zeit über recht flüssig zu lesen und zu jedem Zeitpunkt leicht verständlich (wenn auch nicht immer nachvollziehbar, siehe oben). Cover: Das Cover des Buches “All das zu verlieren” ist in zwei Farben (gelb und grau) unterteilt. Hier zeigt sich eventuell schon die Tatsache, dass die Protagonistin zwei Seiten/Leben hat?! Eventuell ist die gelbe Farbe dabei sogar ein Indiz auf Frankreich, wenn man an den Eifelturm denkt?! Außerdem sehen wir eine rauchende Frau, bei der es sich scheinbar, um die Protagonistin selbst handelt. Diese Frau steht dabei genau in der Mitte, der zwei kontrastreichen Farben (wie im Leben der Protagonistin selbst). Der Titel (All das zu verlieren) des Buches, steht auf der gelben Seite und passt wirklich gut zum Inhalt des Buches (spätestens nach dem Lesen wird einem klar, wieso das Buch diesen Titel trägt). Insgesamt gefällt mir das Cover von “All das zu verlieren” gut und es ist passend zum Inhalt. Es wirkt zwar leicht minimalistisch und ist nicht auf den ersten Blick zu verstehen, allerdings ist das für mich keineswegs negativ. Fazit: Leïla Slimani hat ein Buch geschaffen, welches bis zum Ende hin, mit Trauer durchtränkt ist. Die Handlungen der Charaktere sind dabei erschreckend zu lesen, leider aber nicht immer nachvollziehbar und das ist in meinen Augen, für ein Top Buch, wichtig. Auch nach dem Ende des Buches bleibt eigentlich nicht viel zurück, außer einer eventuell negativen Stimmung, von der man sich hat anstecken lassen. Der Schreibstil und die Sprache des Buches lassen sich allerdings gut und flüssig lesen. Mich konnte das Buch also nicht wirklich überzeugen, weshalb ich nur auf 3/5 Sterne komme. Klappentext: Nach außen hin führt Adèle ein Leben, dem es an nichts fehlt. Sie arbeitet für eine Pariser Tageszeitung, ist unabhängig. Mit ihrem Ehemann, einem Chirurgen, und ihrem kleinen Sohn lebt sie in einem schicken Viertel, ganz in der Nähe von Montmartre. Sie reisen, sie fahren übers Wochenende ans Meer. Dennoch macht Adèle dieses Leben nicht glücklich. Gelangweilt eilt sie durch die grauen Straßen, trifft sich mit Männern, hat Sex mit Fremden. Sie weiß, dass ihr die Kontrolle entgleitet. Sie weiß, dass sie ihre Familie verlieren könnte. Trotzdem setzt sie alles aufs Spiel. (Quelle: Luchterhand) Autor: Leïla Slimani Titel: All das zu verlieren Verlag: Luchterhand Genre: Roman Seiten: 352 Preis:Hardcover:22,00 // eBook:17,99 Erstveröffentlichung: 2019 ISBN: 978-3630875538
„Unzufriedene Menschen zerstören alles um sich herum“ - Mich hat das Buch mächtig verstört und auch ein bisschen ratlos zurück gelassen..... Die Mutter alkoholabhängig - die Tochter sexsüchtig zerstören sie sich nicht nur selbst und gegenseitig, auch alle, die ihnen zu nahe kommen und versuchen sie zu lieben. Als Kind war Adele der Mutter eine Last und wurde später, ohne Übergang zu deren Konkurrentin. Eine vertrackte ausweglose Situation - oder doch nich?
Description
Kann man sich zu seinem Glück zwingen? Prix Goncourt-Preisträgerin Leïla Slimani erzählt von der Zerrissenheit einer Frau und schafft eine »moderne Madame Bovary« ( Libération ).
Nach außen hin führt Adèle ein Leben, dem es an nichts fehlt. Sie arbeitet für eine Pariser Tageszeitung, ist unabhängig. Mit ihrem Ehemann, einem Chirurgen, und ihrem kleinen Sohn lebt sie in einem schicken Viertel, ganz in der Nähe von Montmartre. Sie reisen, sie fahren übers Wochenende ans Meer. Dennoch macht Adèle dieses Leben nicht glücklich. Gelangweilt eilt sie durch die grauen Straßen, trifft sich mit Männern, hat Sex mit Fremden. Sie weiß, dass ihr die Kontrolle entgleitet. Sie weiß, dass sie ihre Familie verlieren könnte. Trotzdem setzt sie alles aufs Spiel.
Book Information
Author Description
Die französisch-marokkanische Autorin Leïla Slimani gilt als eine der wichtigsten literarischen Stimmen Frankreichs. Ihre Bücher sind internationale Bestseller. Slimani, 1981 in Rabat geboren, wuchs in Marokko auf und studierte an der Pariser Eliteuniversität Sciences Po. Für den Roman »Dann schlaf auch du« wurde ihr der renommierte Prix Goncourt zuerkannt. Zuletzt erschien im Luchterhand Literaturverlag die Romane »Das Land der Anderen«, »Schaut, wie wir tanzen« sowie »Trag das Feuer weiter«. Sie sind Teil einer Trilogie, die auf der Geschichte von Leïla Slimanis eigener Familie beruht. »Leïla Slimani hat auf traumhaft schöne, lebendige, mitreißende Weise Weltgeschichte in Literatur verwandelt, die uns über drei Generationen trägt.« (Volker Weidermann, DIE ZEIT)
Posts
Sexuelle Obsession Realitätsflucht Zerrissenheit Schonungslos und nüchtern
Adèle versucht dem gut bürgerlichen und ereignislosen Familienleben, das ihr absurd und belanglos erscheint ,zu entfliehen; ständig auf der Suche nach entfesseltem Sex mit potentiellen, beliebig ausgesuchten Setxpartnern. Ohne besonderen Anspruch an Aussehen oder Intellekt, wählt sie die Männer aus, lässt sich dominieren, mag brutalen, entwürdigenden Sex und kehrt nach dem schnellen Kick zurück in das "heile" Familienleben mit verlässlichem, aber langweiligen Ehemann und dem kleinen Sohn. Detailliert beschrieben werden die Gründe für Adèles permanente Ausbrüche nicht. Es gibt jedoch Anhaltspunkte für Einsamkeit und Zerrissenheit , Angst vor dem Alter, vor dem Tod und einem gewissen Selbsthass. Möglicherweise spielt auch die schwierige Beziehung zur Mutter eine Rolle. Den ersten Teil des Buches empfand ich als den stärkeren Part, der zweite Teil, aus der Sicht des Ehemanns Richard,ist weniger intensiv . Ich mag Slimanis klare, nüchterne Sprache. Für meinen Gerschmack ist es vllt. ein wenig schwächer als " Dann schlaf auch du".

"Er begleitet sie zum Taxistand, presst die Lippen an ihren Hals. Adèle springt in den Wagen, ihr Haar ist verwuschelt, ihr Körper von Liebe getränkt." (S. 105) Was bleibt, wenn ein Leben aus der Bahn gerät? All das zu verlieren von Leïla Slimani folgt einer Frau, die sich scheinbar freiwillig aus ihrem bürgerlichen Alltag löst. Zwischen Freiheit und Selbstzerstörung erzählt der Roman von Begehren, Macht und dem schmalen Grat zwischen Kontrolle und Kontrollverlust. Laila Slimani ist eine meiner Lieblingsautorinnen. Sie interessiert sich stark für die inneren Konflikte ihrer Figuren, was ich auch an diesem Buch sehr schätzte. Spannendes Buch, aber mitunter keine leichte Kost.

Intensiv, bewegend, ehrlich
Adele ist Journalistin, verheiratet mit einem Chirurgen, Mutter eines dreijährigen Sohnes. Sie lebt in Paris und hat – so sieht es zumindest aus – alles was man sich nur wünschen kann. Doch es fällt ihr schwer diese Fassade aufrecht zu erhalten. Denn was nach außen perfekt wirkt, sieht dahinter ganz anders aus. Adele fühlt sich gefangen in ihrem Leben, bricht aus, wo sie nur kann. Sie lügt, sie geht fremd, sie liebt ihr Kind, doch ist sie froh, wenn sich andere darum kümmern. Und irgendwann beginnt die Fassade zu bröckeln. Was für eine intensive Geschichte! Die erste Hälfte des Romans hat mich völlig in ihren Bann gezogen, ich konnte das Buch nicht weglegen. Slimani beschreibt so unglaublich dicht und konzentriert, wie Adele fühlt und denkt. Diese Zerrissenheit die in ihr tobt, dieser Wunsch nach einem Familienleben und gleichzeitig dieses Bedürfnis nach einem Leben außerhalb dieser Norm. Es steht so viel auf diesen Seiten. Nicht wenige Sätze haben mich getroffen, ich habe mich ertappt gefühlt. Fantastisch wie Slimani den Spagat zwischen den zwei Ichs, die in Adele wohnen, beschreibt. Der zweite Teil des Buches kann aber diese unglaublich starke erste Hälfte nicht mehr halten. Hier, nunmehr oft auch aus der Sicht des Ehemannes beschrieben, verliert das Buch an seiner Intensität. Die Geschichte wird mir ein wenig zu extrem und nicht mehr so nachvollziehbar. Zudem merkt man zum Ende hin, dass das Buch eigentlich keinen richtigen Schluss haben kann, und so ist es dann letztlich auch. Das passt gut, bleibt aber unbefriedigend. Ich finde, es ist ein lesenswertes Buch, vor allem wegen der tollen ersten Hälfte. Nur schade, dass es am Ende etwas über das Ziel hinausschießt.

Mein erstes Buch für dieses Jahr ist ein Geschenk gewesen mit dem Vermerk: Bleibt im Kopf, weil extrem verstörend und unbequem.... Dem kann ich nur uneingeschränkt beipflichten. Der Roman 'All das zu verlieren' von der Autorin Leïla Slimani hat mich fasziniert, gefesselt, abgestoßen, Mitleid haben lassen und mich quasi in einen Strudel der verschiedenen Empfindungen gerissen und wieder ausgespuckt. Die Hauptfigur in dem Ganzen ist Adèle. Sie ist Mutter, Ehefrau eines Chirurgen und arbeitet selbst als Journalistin. Sie lebt in Paris und auf den ersten Blick denkt man alles müsse gut sein. Ist es aber nicht. Adèle hat eine selbstzerstörerische, hypersexuelle und exzessive Ader die Sie gerne mit Ihrem Körper und Männern auslebt. Es ist ein bisschen wie bei Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Auf der einen Seite genießt und wünscht Sie sich die Wärme und Geborgenheit eines Familienlebens und auf der anderen Seite tut Sie alles um es zu zerstören. Einige Passagen sind so unangenehm das man sich beim lesen fast schon windet. Ich für meinen Teil habe die Vermutung aufgestellt, dass Adèle das alles macht um sich spüren zu können, um sich nicht zu verlieren. Ich könnte mir vorstellen dass das Buch polarisiert, aber mich hat es sehr in seinen Bann gezogen und ich mochte es. Die erste Hälfte noch lieber als den Schluss.

CN: gewaltvolle sexuelle Handlungen, toxische Menschen und Beziehungen Adèle lebt mit ihrem Mann Richard und ihrem Sohn Lucien in einer schicken Pariser Wohnung und arbeitet als Journalistin bei einer Zeitung. Ihr Leben scheint perfekt, aber sie ist nicht glücklich. Sie ist gelangweilt und einsam und um ihrer Realität zu entkommen trifft sie sich mit zahlreichen Männern, die ihre Sucht nach Aufmerksamkeit stillen. Sie ist sich bewusst, dass sie damit ihr Familienglück riskiert, kann aber einfach nicht aufhören. Leïla Slimani hat mit „All das zu verlieren“ einen eindringlichen und intensiven Roman über sexuelle Selbstbestimmung und Gleichberechtigung von Frauen geschrieben und stellt dabei sämtliche Normen und Werte auf den Kopf. Die scheinbar gefühlskalte Adèle scheint im Leben nirgends anzukommen und wir begleiten sie dabei, wie sie sich immer mehr in diesem verrennt. Und obwohl man sie häufig gerne wachrütteln würde, schafft es Slimani ihre (Gedanken)Welt und ihre Zerrissenheit plausibel, spürbar und glaubhaft darzustellen. Slimani besitzt ein unglaublich eindringliches und klares Sprachvermögen, welches das Begehren von Adèle und ihren Wunsch nach Freiheit und Selbstbestimmung klug und hautnah zeichnet. Daher möchte ich hier auch ein dickes Lob an Amelie Thoma aussprechen, die das Buch ganz fantastisch übersetzt und diese Emotionen und Gedanken perfekt eingefangen hat! „All das zu verlieren“ ist ein eindringlicher Roman, vom Leben einer, vom Leben ernüchternden, Frau. Leïla Slimani schildert Adèles Geschichte heftig und hautnah und ihre Zerrissenheit zwischen der Abhängigkeit und Selbstbestimmung ist unglaublich gut und glaubhaft dargestellt.
Menschliche Abgründe, Lügen und Sucht
Leila Slimani schafft es für mich wie keine andere unsympathische Protagonisten zu entwerfen, mit denen man dennoch mitfiebert und irgendwie auf ein Happy End hofft. Trotz ihres recht nüchternen und pragmatischen Schreibstils gelingt es ihr eine eindrucksvolle Geschichte zu erzählen und das Innenleben ihrer Figuren gut und nachvollziehbar darzustellen. Und dies sind in diesem Fall eher selten positive Emotionen und Gedanken. Alles in allem hat mich das Buch sehr gefesselt, einen Stern Abzug gab es wegen dem Ende, welches ich als irgendwie unrund empfand. (Außerdem mag ich keine offenen Enden)
Protagonistin Adèle führt ein Leben, dass für viele von uns auf den ersten Blick verachtenswert ist. Sie betrügt ihren Mann am laufenden Band, lässt dafür sogar ihren dreijährigen Sohn allein Zuhause. Dennoch schafft es die Autorin, dass Symapthien entstehen. Meiner Meinung nach ein echtes Kunstwerk. Leïla Slimani wurde ja nach ihrem ersten großen Erfolg „Dann schlaf auch du“ als eine der großen neuen Autorinnen aus Frankreich gefeiert. Und mir ist dank dieses Romans jetzt sehr deutlich, warum. Die Autorin hat ein ganz besondere Erzählweise, die distanziert, aber dennoch emotional ist. Sie hat hier ein Thema gewählt, dass komplex und voller Widersprüche ist, für das sich viele bestimmt interessieren, aber das es eigentlich fast unmöglich macht, eine Protagonistin zu entwickeln, die man als Leser verstehen und auch mögen kann. Dennoch hat sie genau dies geschafft. Adèle erfüllt so viele Punkte, aufgrund derer man sie eigentlich hassen müsste. Sie betrügt ihren Mann, hasst ihren Job und gibt sich bei der Arbeit keine Mühe, lügt und betrügt und selbst ihr Kind vernachlässigt sie sträflich, schreit den Dreijährigen an und redet eigentlich nur darüber, wie sehr sie ihr Leben hasst – ein Leben, von dem andere Träumen. Doch dann erfahren wir immer mehr über ihre Vergangenheit und Kindheit und beginnen zu verstehen, wie Adèle zu dem Menschen wurde, der sie heute ist. Und am Ende stehen wir mit einem flauen Gefühl im Magen da, wissen nicht wohin mit unseren Erkenntnissen und wissen noch viel weniger, was genau wir jetzt fühlen sollen, auf wessen Seite wir stehen. Gibt es überhaupt eine richtige Seite? Damit ihr einmal wisst, was genau das Thema dieses Buches ist: Die Protagonistin leidet an Hypersexualität. Diese definiert sich laut Wikipedia so: „Hypersexualität ist ein in der Medizin, Psychotherapie, klinischer Psychologie und Sexualwissenschaft gebräuchlicher Begriff. Er bezeichnet sowohl ein erhöhtes sexuelles Verlangen als auch ein gesteigertes sexuell motiviertes Handeln. Hypersexualität kann unterschiedliche Ursachen (körperliche wie psychische) haben.“ Ein Thema, auf das wir in unserer Gesellschaft immer öfter treffen und dessen Relevanz enorm ist. Ich selbst habe mich damit aber eben noch nicht außeinandergesetzt und war sehr froh, dass ich davon jetzt wenigstens einen ersten Eindruck bekommen habe, der klein, aber dennoch sehr tiefgründig war. Bewundernswert dabei: Obwohl es in diesem Roman viel Erotik gibt, ist diese anspruchsvoll verpackt, nimmt nicht zu viel Raum ein und wirkt ganz uns gar nicht pornografisch. „All das zu verlieren“ ist ein ernster Roman mit einem ernsten Thema und das zeigt sich natürlich auch in der Erzählweise. Eine angemessene Art, dieses Thema zu vermitteln. Wichtig bei diesem Roman ist das genaue Lesen, sonst kann einem viel entgehen. Keine leichte Unterhaltungsliteratur, sondern ein Buch mit Botschaft. Wundervoll! 4,5/5 Sterne
• ALL DAS ZU VERLIEREN • Leila Silmani ist bereits eine bekannte Literatur-Autorin. Doch erst jetzt habe ich ein Buch von ihr gelesen, obwohl ihre Romane hochgepriesen und bereits einige Preise abgesahnt haben. Um ehrlich zu sein, das Buch hat mich wirklich von der ersten bis zur letzten Seite gepackt. Adéle ist eine mehr oder minder erfolgreiche Journalistin in Paris. Auf den ersten Blick kann man sie um ihr Leben beneiden: sie ist verheiratet, finanziell abgesichert, hat einen guten Job mit vielen Auslandsaufenthalten und scheint zudem mit dem perfekten Mann verheiratet zu sein. Doch hinter der künstlich aufgebauten Fassade steckt mehr: Adéle begehrt und zerstört somit Stück für Stück ihr Leben. Auf den ersten Blick dachte ich, dass mir Adéle niemals sympathisch sein kann, doch Slimani schafft es, dass mir ihre Welt plausibel erscheint. Diese Zerrissenheit zwischen Aushalten und Selbstbestimmung ist einfach sehr gut geschrieben. Ihr Doppelleben und ihre krankhafte Art sich Männer an den Hals zu werfen ist geradezu beängstigend. In den Zwischenzeilen bemerkt man dennoch den großen Schmerz, den Adéle in sich trägt. Slimani schafft es, dass man in das Innere von Adéle und Richard blicken kann und bemerkt die unterschiedlichen Gefühlslagen angefangen von Liebe bis hin zu Hass.
Vom Ausbruch aus dem goldenen Käfig.
📌 "Ihre Obsessionen verzehren sie. Sie kann nichts dagegen tun." (S. 96) Adèle, verheiratet, berufstätig und Mutter bricht regelmäßig aus ihrem Alltag aus, um sich auf Männerabenteuer einzulassen. Ohne Rücksicht auf Mann und Kind und etwaige Konsequenzen, gibt sie sich fortwährend ihrem Verlangen hin, bis das ganze stabile Grundgerüst ihres Lebens einzustürzen droht. Dieses schmale Büchlein kam sprachlich und inhaltlich richtig gut daher und hat mir ganz ausgezeichnet gefallen. Empfehlung. 🤍

Erster Teil des Buchs: eine Frau ist leidenschaftlich, manipulativ, zerrissen, Mutter, unzufrieden, überheblich, ohne genug Selbstwert, verzweifelt, echt. Zweiter Teil: selbe Frau, mit Lobotomie, auf dem Land :D Slimani schreibt wie immer ganz zielsicher, sezierend, unerbittlich. Und das irgendwie eine gewisse beruhigende Wirkung. Wie ein Pflaster schnell abzuziehen oder beim Kinderarzt nicht auf den Trick mit der stumpfen Nadel reinzufallen. Es war ein befriedigendes Lesen, nicht zu lang, nicht zu kurz, ohne Strecken oder Lücken.
Das Buch habe ich jetzt in einem Tag gelesen. Mit der Protagonistin konnte ich gar nicht sympathisieren, klar, da sie sich in Behandlung geben muss, aber das mal alles beiseite. Die Sprache, die Stimme, der Stil und die Wendungen haben mir gut gefallen und auch das Ende, das saß. Es ist in dem Sinne gelungen, weil es einen doch so mitnimmt, auch wenn die Charaktere schwer sind und man fliegt durch die Seiten durch, als würde man heimlich ein Tagebuch lesen, dass niemand lesen sollte.
Adèle lebt in der sensationellen Stadt der Liebe mit ihrer perfekten Familie, ihrem Mann Richard und ihrem Sohn; finanziell abgesichert mit einem guten Job. Auf den ersten Blick vielleicht beneidenswert? Doch was sich für uns vielleicht perfekt darstellt, ist für Adèle ein Käfig, ein wahrliches Gefängnis. Ständig bricht sie daraus aus, überschreitet Grenzen, geht immer wieder zu weit, wenn sie sich auf die Reise zu ihren sexuellen Abenteuern begibt. Sie scheut vor keinem Risiko zurück, nimmt wen und was sie kriegen kann, trinkt und raucht. Regelmäßig, immer wieder alles von vorne. Und so zerstört sie Stück für Stück ihr eigenes Leben. Fazit: Wir erleben eine Frau, die sich in der Struktur dieser „perfekten Familie“ nicht zurechtfindet, trotzdem sie sich bewusst dafür entschieden hat. Immer wieder hadert sie zwischen dem „vermeintlich Richtigen“ und ihrem Verlangen. Ich hatte beim Lesen so eine Ambivalenz der Person Adèle gegenüber: einerseits dachte ich mir, wie kann sie nur und anderseits, war sie mir nie unsympathisch, sie tat mir sogar leid und ihr Tun und Handeln kam mir irgendwie plausibel vor. Was Slimani perfekt inszeniert hat ist dieses Aushalten dieses Doppellebens und dieser grausamen, krankhaften Art, wie sie sich Männern anbiedert. Diese Zerrissenheit, die diese Frau in sich fühlt ist sehr gut beschrieben. Slimani schafft es, den Schmerz, den Adèle fühlt, den ihr Mann Richard fühlt einzufangen und zu beschreiben. Kurz nach Beendigung des Buches dachte ich mir: was für ein Mist. Jetzt, nach einiger Zeit, wo es gesackt ist und ich mir meine Markierungen nochmal angesehen habe, komme ich zu dem Entschluss, dass es ein wirklich guter Roman ist. Ein Roman, der sicherlich sauer aufstößt. Der aber für mich (k)ein Klischee bedient. Ich wette, dass es genau das SEHR OFT gibt. Diese gefühlte Ambivalenz, ob man ausbrechen soll/darf oder nicht … dieses Gefühl der Scham, des Verrats, des Nervenkitzels … und doch frage ich mich: vielleicht ist sie auch mutig (jeder lebt ja nur 1 x), obwohl sie weiß, dass sie vermutlich wie „die Sau durchs Dorf gejagt wird“. Passt diese Lebensversion für jeden, auch wenn die Entscheidung dafür irgendwann mal gefallen ist? Muss man diese dann auch durchziehen? Muss man sein eigenes Leben immer hintenanstellen, auch wenn das selbst gebastelte Gerüst nicht (mehr) passt? Was ist damit, dass man doch selbst nur ein Mensch ist? Was meint ihr dazu – wie seht ihr das?
Leïla Slimani All das zu verlieren Luchterhand Autor: Die französisch-marokkanische Autorin Leïla Slimani gilt als eine der wichtigsten literarischen Stimmen Frankreichs. Slimani, 1981 in Rabat geboren, wuchs in Marokko auf und studierte an der Pariser Eliteuniversität Sciences Po. Ihre Bücher sind internationale Bestseller. Für den Roman »Dann schlaf auch du« wurde ihr der renommierte Prix Goncourt zuerkannt. »All das zu verlieren«, ebenfalls preisgekrönt, erscheint in 25 Ländern. In den Essaybänden »Sex und Lügen« und »Warum so viel Hass?« widmet Leïla Slimani sich dem Islam und dem Feminismus sowie dem zunehmenden Fanatismus. Seit 2017 ist Leïla Slimani offiziell Botschafterin für Frankophonie. Sie lebt mit ihrer Familie in Paris. (Quelle: Luchterhand) Adéle führt ein eigentlich tolles Leben, ist verheiratet mit ihrem Mann Richard und den Sohn der beiden. Doch in Wirklichkeit ist es nicht so, wie es nach außen hin scheint. Adéle ist in ihrem Leben hin und hergerissen. Wünscht sich auf der einen Seite ein anderes Leben, hat auf der anderen Seite jedoch Angst davor, alles zu verlieren. Das was die Sache nochmals erschwert, ist die Tatsache, dass Adéle Sex mit anderen Männern hat, wovon ihr Mann Richard jedoch nichts wissen darf. Das Buch “All das zu verlieren” hat keine typischen Kapitel, sondern viel mehr Absätze. Einige der Absätze behandeln dabei die Vergangenheit der Protagonistin (welche von Beginn an nicht sonderlich sympathisch zu sein scheint), wodurch sich der/die Leser/-in nach und nach, immer mehr Puzzleteile der Protagonistin bekommt. So lässt sich das Verhalten der Charaktere, im Laufe des Buches auch immer besser verstehen. Leider wurde hier einiges an Potenzial nicht ausgeschöpft und es bleibt noch Luft nach oben, denn 100 % nachvollziehen lässt sich das Verhalten der Protagonistin leider nicht immer (und das bis zum Ende des Buches). Allgemein wird die Protagonistin des Buches deutlich genauer beleuchtet, als alle anderen, im Buch vorkommenden Charaktere. Dies ist aber auch zu verstehen, da es im Buch eindeutig um das Leben von Adéle geht, einer Frau, die ständig auf der Suche nach Glück ist, dies jedoch nie vollends erreicht. Dementsprechend Negativ ist die Grundstimmung des Buches und das bis zum Ende hin. Auf jeder Seite bekommt der/die Leser/-in dabei einen neuen, teilweise erschreckenden Einblick in die psyche der Protagonistin, der garantiert polarisiert. Positiv zu nennen sind bei dem Buch allerdings der Schreibstil der Autorin (Leïla Slimani), denn dieser ist die ganze Zeit über recht flüssig zu lesen und zu jedem Zeitpunkt leicht verständlich (wenn auch nicht immer nachvollziehbar, siehe oben). Cover: Das Cover des Buches “All das zu verlieren” ist in zwei Farben (gelb und grau) unterteilt. Hier zeigt sich eventuell schon die Tatsache, dass die Protagonistin zwei Seiten/Leben hat?! Eventuell ist die gelbe Farbe dabei sogar ein Indiz auf Frankreich, wenn man an den Eifelturm denkt?! Außerdem sehen wir eine rauchende Frau, bei der es sich scheinbar, um die Protagonistin selbst handelt. Diese Frau steht dabei genau in der Mitte, der zwei kontrastreichen Farben (wie im Leben der Protagonistin selbst). Der Titel (All das zu verlieren) des Buches, steht auf der gelben Seite und passt wirklich gut zum Inhalt des Buches (spätestens nach dem Lesen wird einem klar, wieso das Buch diesen Titel trägt). Insgesamt gefällt mir das Cover von “All das zu verlieren” gut und es ist passend zum Inhalt. Es wirkt zwar leicht minimalistisch und ist nicht auf den ersten Blick zu verstehen, allerdings ist das für mich keineswegs negativ. Fazit: Leïla Slimani hat ein Buch geschaffen, welches bis zum Ende hin, mit Trauer durchtränkt ist. Die Handlungen der Charaktere sind dabei erschreckend zu lesen, leider aber nicht immer nachvollziehbar und das ist in meinen Augen, für ein Top Buch, wichtig. Auch nach dem Ende des Buches bleibt eigentlich nicht viel zurück, außer einer eventuell negativen Stimmung, von der man sich hat anstecken lassen. Der Schreibstil und die Sprache des Buches lassen sich allerdings gut und flüssig lesen. Mich konnte das Buch also nicht wirklich überzeugen, weshalb ich nur auf 3/5 Sterne komme. Klappentext: Nach außen hin führt Adèle ein Leben, dem es an nichts fehlt. Sie arbeitet für eine Pariser Tageszeitung, ist unabhängig. Mit ihrem Ehemann, einem Chirurgen, und ihrem kleinen Sohn lebt sie in einem schicken Viertel, ganz in der Nähe von Montmartre. Sie reisen, sie fahren übers Wochenende ans Meer. Dennoch macht Adèle dieses Leben nicht glücklich. Gelangweilt eilt sie durch die grauen Straßen, trifft sich mit Männern, hat Sex mit Fremden. Sie weiß, dass ihr die Kontrolle entgleitet. Sie weiß, dass sie ihre Familie verlieren könnte. Trotzdem setzt sie alles aufs Spiel. (Quelle: Luchterhand) Autor: Leïla Slimani Titel: All das zu verlieren Verlag: Luchterhand Genre: Roman Seiten: 352 Preis:Hardcover:22,00 // eBook:17,99 Erstveröffentlichung: 2019 ISBN: 978-3630875538
„Unzufriedene Menschen zerstören alles um sich herum“ - Mich hat das Buch mächtig verstört und auch ein bisschen ratlos zurück gelassen..... Die Mutter alkoholabhängig - die Tochter sexsüchtig zerstören sie sich nicht nur selbst und gegenseitig, auch alle, die ihnen zu nahe kommen und versuchen sie zu lieben. Als Kind war Adele der Mutter eine Last und wurde später, ohne Übergang zu deren Konkurrentin. Eine vertrackte ausweglose Situation - oder doch nich?






















