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Brüste und Eier

3.8(217)
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About the book

An einem heißen Sommertag wird die dreißigjährige Natsuko von ihrer älteren Schwester Makiko und ihrer Nichte Midoriko in Tokyo besucht. Tokyo ist die Stadt, in die Natsuko als junge Frau kam, um ein neues Leben als Schriftstellerin zu beginnen, Osaka der Ort, den sie hinter sich ließ. Dort arbeitet ihre Schwester als Hostess: eine Frau, die Männern Gesellschaft leistet bei Alkohol, Essen und Karaoke. Makiko, die mit ihrem alternden Körper hadert, ist davon besessen, sich die Brust vergrößern zu lassen. Unterdessen ist ihre zwölfjährige Tochter Midoriko von der einsetzenden Pubertät überfordert. Unfähig, in einer Gesellschaft, die alles Intime tabuisiert, ihre Ängste und Wünsche zu kommunizieren, verstummt sie ganz. Und auch die asexuelle Natsuko fragt sich, welche Rolle ihr bleibt – als unverheiratete Frau, die nicht mehr Tochter ist und vielleicht nie Mutter sein wird. Als mit den Jahren in Natsuko der Wunsch nach Mutterschaft wächst und sie eine künstliche Befruchtung erwägt, schlägt ihr der Widerstand der Gesellschaft entgegen, die alleinstehenden Frauen wie ihr diese Option verwehrt. In ihrem eindringlichen Roman widmet sich Mieko Kawakami Fragen nach Geschlechterrollen und Schönheitsnormen und danach was es heißt, als Frau ein sinnreiches und selbstbestimmtes Leben zu führen.

Editions (2)

ISBN9783832165994
PublisherDuMont Buchverlag
Publication Date08/13/21
Pages496

Reviews & Ratings

217 ratings

39 reviews

3.8

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  • watashiwalena
    watashiwalena

    19 Followers

    4.0

    Stark

    Ich bin noch ein bisschen sprachlos und muss das Buch erstmal verarbeiten. Der Anfang war super stark, mit dem Mittelteil hatte ich ein bisschen zu kämpfen, aber im Nachhinein betrachtet – auch durch das starke Ende – war dieser ruhigere Mittelteil nötig. Ich mag den Schreibstil von Miko einfach sehr gerne und lese direkt mit einem anderen Roman von ihr weiter. Ein bisschen wünsche ich mir auch eine Fortsetzung, wobei es viel charmanter ist, wenn es so offen ist und man seiner fantasiefreien Lauf lässt. Ein paarmal musste ich weinen, Rückblicke in die Vergangenheit, in die Kindheit und Beziehungen zu Mutter und Großmutter sind Themen, die mich stark berühren.

    Stark

    Apr 24, 2026

  • greenwitchthinks
    greenwitchthinks

    161 Followers

    4.5

    Frausein in all seinen Widersprüchen

    Was hat mir dieses Buch die Augen geöffnet. Obwohl sich die gesamte Geschichte um Natsuko dreht, möchte ich meine Kritik in die beiden großen Lebensabschnitte aufteilen, die auch das Buch voneinander trennt. Im ersten Abschnitt bekommt Natsuko Besuch von ihrer Schwester und deren Tochter. Die Schwestern hatten keine einfache Kindheit. Beide haben Gewalt erlebt und sich ins Leben gekämpft, bis ihnen irgendwann die Kraft ausging. Trotzdem erinnern sie sich unterschiedlich an ihre Vergangenheit. Besonders spannend fand ich Midoriko, die Tochter von Natsukos Schwester. Sie spricht nicht mehr mit ihrer Mutter, zieht sich zurück und schämt sich für deren lautes Auftreten sowie für die geplante Brustoperation. Gleichzeitig lesen wir ihre Tagebucheinträge, in denen sie mit ihrem sich verändernden Körper ringt. Die erste Periode, die Verunsicherung des Erwachsenwerdens und die Frage, was es bedeutet, eine Frau zu werden, werden eindrücklich dargestellt. Hinzu kommt ihre schwierige Beziehung zur Mutter, die sie so belastet, dass sie sich selbst niemals Kinder wünscht. Dieser erste Abschnitt zeigt eindrucksvoll, wie viel Wandel, Erschöpfung und gesellschaftlicher Druck im Leben vieler Frauen steckt. Er macht deutlich, was passiert, wenn man einem Schönheitsideal hinterherjagt, obwohl die eigentlichen Probleme oft ganz woanders liegen. Mit dem zweiten Abschnitt hatte ich zunächst meine Schwierigkeiten. Es dauerte lange, bis ich wieder richtig in die Geschichte hineinfand. Umso schöner war es zu sehen, was aus Natsuko geworden ist. Sie schreibt wieder, hat erste Erfolge und wirkt hoffnungsvoller als zuvor. Besonders interessant fand ich, wie sie ihre Asexualität immer besser versteht und gleichzeitig erkennt, dass sie einen unerfüllten Wunsch in sich trägt: Mutter zu werden. Anfangs dachte ich, dieser Wunsch sei lediglich eine Reaktion auf gesellschaftlichen Druck. Doch genau mit dieser Frage spielt das Buch sehr geschickt. Mit jeder Seite wird deutlicher, dass Natsukos Sehnsucht aus ihr selbst heraus entsteht. Das Ende rund um die künstliche Befruchtung und die Geburt hat mich schließlich sehr berührt. Gerade Natsukos Gedanken und Beweggründe haben diesem Abschluss viel emotionale Tiefe verliehen. Zwar hätte ich mir gewünscht, einige Entwicklungsschritte von Natsuko noch ausführlicher mitzuerleben, doch insgesamt hat das für mich gut funktioniert. „Brüste und Eier“ erzählt davon, wie schwer es sein kann, eine Frau zu sein – unabhängig davon, ob es um gesellschaftlichen Druck, Erwartungen, Selbstbild, Mutterschaft oder die Wahrnehmung des eigenen Körpers geht. Ein Buch, das zum Nachdenken anregt und viele Fragen stellt, auf die es keine einfachen Antworten gibt.

    Jun 1, 2026

  • ropex
    ropex

    50 Followers

    2.5

    Starker erster Teil - schwacher zweiter Teil

    Brüste und Eier hat mich leider sehr zwiegespalten zurückgelassen. Der erste Teil des Buches (etwa das erste Drittel) ist für mich mit Abstand der stärkere: stilistisch dichter, emotional greifbarer und insgesamt deutlich interessanter. Der Wechsel zwischen der eigentlichen Handlung und den Gedanken der Nichte funktioniert hier hervorragend und hat es mehrfach geschafft, mich wirklich zu packen. Auch die Figuren der Schwester und der Nichte tragen enorm zur Intensität bei und geben der Geschichte eine klare emotionale Erdung. Im zweiten Teil verliert das Buch für mich jedoch stark an Fokus. Die Handlung verläuft sich zunehmend in eine Richtung, in der ich vieles nicht mehr nachvollziehen konnte und den Bezug zur Geschichte verloren habe. Gerade die Figuren, die im ersten Teil so stark waren, rücken viel zu sehr in den Hintergrund. Die Schwester und die Nichte fehlen mir hier sehr, während neue Charaktere eingeführt werden, die für mich eher nervig als bereichernd wirkten – inklusive der Hauptfigur selbst, zu der ich zunehmend Distanz aufgebaut habe. Die thematische Grundlage des Buches ist ohne Frage wichtig und relevant, aber sie wird im zweiten Teil für mich zu wenig zugänglich vermittelt. Statt Nähe entsteht eher ein Gefühl von Entfremdung, und der Charme sowie die Klarheit des ersten Teils gehen größtenteils verloren. Rückblickend erklärt das für mich auch einiges: Der erste Teil funktioniert hervorragend als eigenständige Geschichte, während die Erweiterung viele Jahre später zwar ambitioniert ist, aber dem ursprünglichen Kern nicht gut tut. Statt die Geschichte organisch weiterzuerzählen, wirkt vieles übererklärt und aufgebläht, wodurch man sich eher vom Geschehen entfernt als ihm näherkommt. Durch den starken Kontrast zwischen einem sehr gelungenen ersten und einem deutlich schwächeren zweiten Teil kann ich das Buch insgesamt leider nur mit 2,5/5 bewerten. Ich werde der Autorin aber definitiv noch eine Chance geben.

    Jan 25, 2026

3 of 39 reviews

Author

About Mieko Kawakami

MIEKO KAWAKAMI, geboren in Osaka, ist die Autorin des internationalen Bestsellerromans ›Brüste und Eier‹ (DuMont 2020), der von der New York Times zu einem der bemerkenswertesten Bücher des Jahres gekürt und vom Time Magazine unter die besten zehn Bücher 2020 gewählt wurde. 2006 debütierte Kawakami als Lyrikerin und veröffentlichte im Folgejahr ihren ersten Roman ›My Ego, My Teeth, and the World‹. Für ihr Werk wurde sie mit zahlreichen renommierten Literaturpreisen ausgezeichnet, darunter der Akutagawa-Preis und der Tanizaki-Preis. Mit ›Heaven‹ (DuMont 2021) schaffte sie es auf die Shortlist des International Booker Prize. Sie lebt in Tokio.

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