Das gelbe Haus

Das gelbe Haus

Hardback
3.751

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Description

Die siebzehnjährige Hana träumt von einer besseren Zukunft für sich und ihre Mutter, doch das Leben meint es nicht gut mit ihr. Es ist kurz vor der Jahrtausendwende, und in Japan ist die Wirtschaft ins Stocken geraten. Als die ältere Kimiko Hana unter ihre Fittiche nimmt, wird sie Teil einer neuen, selbst gewählten Familie: einer bunt zusammengewürfelten Gruppe von jungen Frauen, die am Rande der Gesellschaft leben. Unter der Führung von Kimiko übernehmen sie eine Bar, und zum ersten Mal in ihrem Leben fühlt Hana ein gewisses Maß an Freiheit und Sicherheit. Doch als das Geld zur Neige geht, sieht sie keine Möglichkeit, ihren Lebensunterhalt ehrlich zu verdienen, und so rutscht Hana immer tiefer in eine kriminelle Parallelwelt, aus der es scheinbar kein Zurück mehr gibt. In ihrem neuen Roman erzählt Mieko Kawakami eindringlich von der Hoffnung, die eine Wahlfamilie verspricht, und widmet sich scharfsinnig der Illusion des freien Willens und der Frage nach menschlicher Würde. ›Das gelbe Haus‹ erreichte Platz 5 beim SPIEGEL-Buchpreis 2025.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Hardback
Pages
528
Price
26.80 €

Author Description

MIEKO KAWAKAMI, geboren in Osaka, ist die Autorin des internationalen Bestsellerromans ›Brüste und Eier‹ (DuMont 2020). Für ihr Werk wurde Kawakami u. a. mit dem Akutagawa-Preis, dem Tanizaki-Preis und dem Murasaki-Shikibu-Preis ausgezeichnet. Ihr Roman ›Heaven‹ (DuMont 2021) stand auf der Shortlist für den International Booker Prize 2022 und ›All die Liebenden der Nacht‹ (DuMont 2023) auf der Shortlist für die National Book Critics Circle Awards 2023. Sie lebt in Tokio.

Posts

15
All
3.5

Milieustudie über Frauen im Rotlichtmilieu Japans. Schockierend ehrlich.

Hana erfährt in der Zeitung, dass ihre ehemalige Mitbewohnerin und Gönnerin vor Gericht steht. In Rückblenden erzählt sie sehr ausführlich von ihrer Wahlfamilie, für die sie stets das Beste wollte, von der Glück versprechenden gelben Farbe, über Yeong-su, der als Koreaner verspottet wurde, und über Menschen, die Hanas Unwissenheit schamlos ausnutzten. Sozialstudie über Frauen, die an falsche Gönner geraten, immer arbeiten, aber auf keinen grünen Zweig kommen.

4

Beeindruckend ehrlich!

Man lernt viel über den Abgrund der Gesellschaft, die Dynamiken des Zusammenlebens und die Reflexion des (eigenen) Verhaltens! Kann ich empfehlen!

5

Sternebewertung fiktiv

Kawakami, die schon mit „Heaven“ berührende Welten geschaffen hat, zeigt hier erneut ihre Meisterschaft. Atmosphärisch dicht, emotional fordernd, mit Figuren, die sich einprägen. Im Mittelpunkt steht Hana. Als Kind wächst sie in Vernachlässigung auf, die Mutter arbeitet als Hostess, das Zuhause besteht aus kleinen Geldbeträgen in einer Blechdose, die für Essen, Strom und Wasser reichen müssen. Zuwendung? Fehlanzeige. Doch eines Tages taucht Kimiko auf, eine Bekannte ihrer Mutter. Für Hana bedeutet das zum ersten Mal, jemand sieht sie, hört zu, fragt nach. Kimiko wird eine Konstante, und irgendwann beschließen beide, eine kleine Bar zu eröffnen „das Lemon“, in einem gelben Haus. Was als Aufbruch beginnt, entwickelt sich zur Spirale der Abhängigkeit. Zwei weitere junge Frauen, Ran und Momoko, ziehen ein. Aus Euphorie wird Ernüchterung, aus Gemeinschaft ein toxisches Geflecht aus Alkohol, Männern, Demütigungen. Und schließlich ein tragischer „Unfall“. Zwanzig Jahre später holt Hana die Vergangenheit wieder ein, als sie in den Nachrichten von einer Frau liest, die angeklagt ist, eine andere über Monate eingesperrt und misshandelt zu haben. Der Name „Kimiko“ trifft sie wie ein Schlag. Kawakami entfaltet auf über 500 Seiten ein vielschichtiges Drama über Narben, die niemals wirklich heilen, über Vertrauen, das verraten wird, und über die zerstörerische Kraft toxischer Beziehungen. Dieses Mal kein schmales Buch, sondern ein großer, wuchtiger Roman, der dennoch von Anfang bis Ende fesselt. „Das gelbe Haus“ ist eine Geschichte über Freundschaft und Verrat, über die Suche nach Zugehörigkeit und den Schmerz, wenn Nähe zerstört. Ein Roman, der verstört, aufrüttelt und lange nachhallt.

4

Als Hana durch Zufall über einen Zeitungsbericht stolpert, ist das wie eine Zeitreise in ihre Vergangenheit. Als 17-Jährige eröffnete sie mit der älteren Kimiko eine Bar und begann den Abstieg ins kriminelle Milieu. Eben diese Kimiko soll nun in ihrer Wohnung eine Frau festgehalten und sie misshandelt haben. Hana versucht, ihre Freundinnen von damals zu kontaktieren und denkt zurück an ein Leben voller harter Arbeit, ständiger Rückschläge und finanzieller Sorgen. „Das gelbe Haus“ ist der neuste Roman der Autorin Mieko Kawakami; die deutsche Übersetzung verfasste Katja Busson. Der Titel bezieht sich auf ein Haus, in das Hana, Kimiko und Hanas Freundinnen Ran und Momoko im Verlauf der Handlung gemeinsam einziehen. Es ist ein Symbol für einen sicheren Hafen und einen Platz im Leben, auch wenn sich dort nicht immer nur Positives abspielt. Im Fokus der Geschichte steht Protagonistin Hana, aus deren Ich-Perspektive in der Vergangenheitsform erzählt wird. Hanas Einstieg ins Rotlichtmilieu scheint unvermeidbar, denn auch ihre Mutter arbeitet als Hostess in einer Snackbar und unterstützt ihre Tochter kaum. Anders fühlt sich alles bei Kimiko an, einer Bekannten der Mutter, die Hana wahrnimmt, etwas mit ihr unternimmt und mit der sie dann gemeinsam ins Bargeschäft einsteigt. Dabei befindet Hana sich in einem echten Teufelskreis: sie ist minderjährig und hat keinen Ausweis – wo soll sie sonst arbeiten, wenn nicht im Milieu? Doch einmal dort angelangt, scheint der Ausstieg unmöglich. „Das gelbe Haus“ ist auf der einen Seite eine Geschichte über eine Wahlfamilie, die sich gegenseitig Halt gibt, die aber auch von der Realität des Lebens regelmäßig auf die Probe gestellt wird. Auf der anderen Seite geht es um das Rotlichtmilieu, das vielen Menschen Arbeit gibt, die anderswo keine finden würden. Dafür bezahlen sie mit ihrer Sicherheit, erleiden Gewalt durch Kunden, müssen sich vor der Yakuza in acht nehmen und scheinen in einem endlosen Hamsterrad gefangen – ohne Aussicht auf Erfolg. Mieko Kawakami ist hier eine emotionale Milieustudie gelungen, wenn es auch lange dauert, den Bogen zum Zeitungsartikel am Anfang zu schlagen.

4.5

Über die kalte und grausame Realität von sozialer Armut. Tolle Charaktere, an denen man sich das Herz brechen kann.

4

Ein meisterhafter Roman über die Subjektivität von Erinnerung, Manipulation und die Macht von Geld!

Der Geschichte beginnt damit, dass die Protagonistin Hana Ito online über die Verhaftung von Kimiko Yoshikawa liest; dieser wird vorgeworfen eine jüngere Frau festgehalten und misshandelt zu haben. Daraufhin wird Hana von den Erinnerungen an ihre Jugend eingeholt, denn sie ist sich sicher, dass es dieselbe Kimiko ist, mit der auch sie vor 20 Jahren zusammengewohnt hat. Es folgt ein Sprung in die Vergangenheit und wir erfahren wie die siebzehnjährige Hana, die in ärmlichen Verhältnissen und von ihrer Mutter vernachlässigt aufgewachsen ist, Kimiko kennenlernt, mit ihr gemeinsam eine Bar eröffnet und zusammenzieht. Gemeinsam mit zwei anderen Mädchen, bilden sie so etwas wie eine Wahlfamilie. Doch schon bald rutscht Hana immer mehr in eine kriminelle Parallelwelt ab … Mehr will ich hier nicht über den Inhalt verraten, denn die Geschichte entfaltet sich langsam, ist zunächst auch sehr repetitiv, entwickelt aber gegen Ende hin so einen Sog, dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte. Beim Lesen taucht man komplett in die Gedankenwelt von Hana ab, wird zunehmend eins mit der Figur und kämpft mit den Widersprüchen die immer deutlicher werden … Ein Buch, dass zwar etwas Geduld braucht, sich dann aber sehr lohnt. Besonders gut gefallen hat mir auch die Symbolik der Farbe Gelb, die stets präsent ist und als Stimmungsbarometer der Befindlichkeit dient (auch in der Covergestaltung sehr toll umgesetzt!). Spannend waren auch die Einblicke in in die japanische Kultur (v. a. Rotlichtmilieu und organisierte Kriminalität) und dank der gelungenen Übersetzung von Katja Busson ergänzt durch einen übersichtlichen Glossar, habe ich hier viel dazugelernt. Das Buch ist für mich aber nicht typische Crime Fiction, sondern viel mehr tiefgründige Gesellschaftskritik, da deutlich wird, wie Menschen durch ihre Stellung als soziale Außenseiter in die Kriminalität gedrängt werden. Klare Leseempfehlung!

3

Nicht mein Fall

Das gelbe Haus ist mein erstes Buch der Autorin und konnte mich nicht wirklich mitreißen. Wir begleiten die 17jährige Hana, die von zu Hause wegläuft, mit der wesentlich älteren Kimiko zusammenzieht und eine Bar eröffnet. Später driftet Hana in die Kriminalität ab und wir erhalten Einblick in die Unterwelt von Japan. Ich fand das Buch sehr zäh und langatmig. Es gab viele platte Dialoge, deren Sinn sich mir nicht immer erschlossen hat. Mit den Protagonistinnen konnte ich nicht viel anfangen. Ich konnte für keine wirkliche Sympathie empfinden und ihre Handlungen empfand ich oft als naiv und dumm. Ich habe ab ca. 60% die Seiten mehr oder weniger nur noch überflogen, weil mich das Geschehen einfach gar nicht mehr interessiert hat.

5

Ein stiller Schlag in die Magengrube.

In „Das gelbe Haus“ begleitet man Hana, ein junges Mädchen, das in einer bedrückenden Umgebung aufwächst und sich gleichzeitig nach Wärme, Zugehörigkeit und einem Platz im Leben sehnt. 🟡 Kawakami zeichnet mit ruhigen, präzisen Sätzen ein Bild von Hanas Alltag, ihren Verletzungen, ihren Hoffnungen – und der unaufhörlichen Spannung zwischen Traum und Realität. Die Geschichte entfaltet sich leise, aber eindringlich und führt Schritt für Schritt in Hanas innere Welt, bis man unweigerlich in ihrem Schicksal gefangen ist. 💭 Ich war wie gebannt, sobald ich die ersten Seiten gelesen hatte. Dieses Buch hat mich mehrmals dazu gebracht, kurz innezuhalten – einfach weil die Worte so tief treffen. Doch jedes Mal musste ich sofort weiterlesen, um zu erfahren, wie Hanas Weg weitergeht. Kawakami schafft es, eine Atmosphäre zu erzeugen, die aufwühlend, zermürbend und gleichzeitig unglaublich melancholisch ist. 💬 „Das gelbe Haus“ hallt nach – lange nachdem man es beendet hat. Ein stiller Schlag in die Magengrube. 💥 Herzlichen Dank @dumontbuchverlag für das Rezensionsexemplar! Ein überragendes Werk, welches mich komplett abgeholt hat!👌🏻

4

Anziehung und Abhängigkeit in Tokios Nachtwelt

Ein Roman, der mich in eine Welt gezogen hat, die mir komplett fremd war: die prekäre, oft unsichtbare Nachtwelt Tokios, in der sich Zugehörigkeit, Abhängigkeit und Überleben auf komplexe Weise verschränken. Erzählt wird von der Ich-Erzählerin Hana, die auf ihre Jugend und ihr frühes Erwachsenenleben zurückblickt. Hana wächst unter prekären Bedingungen auf sowie ohne stabile familiäre Struktur, und in diesem Vakuum gewinnt Kimiko, eine deutlich ältere und für Hana durchgehend schwer greifbare Frau, eine fast magnetische Bedeutung für sie. Was sich daraus entwickelt, ist weniger eine klassische Freundschaft als vielmehr ein Geflecht aus Faszination, Abhängigkeit und Orientierungssuche, in dem Nähe immer wieder hergestellt und zugleich unterlaufen wird. Gerade diese Dynamik fand ich besonders überzeugend, weil sie sich nie eindeutig auflösen lässt. Der Roman begleitet Hana durch verschiedene Lebensstationen und dabei geraten Selbstbestimmung und ökonomischer Zwang immer wieder in ein spannungsreiches Verhältnis. Die Figurenkonstellation – insbesondere die Frauen, mit denen Hana zeitweise zusammenlebt und arbeitet – entfaltet eine fragile Form von Ersatzfamilie. Nähe entsteht hier weniger aus Stabilität als aus gemeinsamer Prekarität, aus geteilten Risiken und dem Versuch, sich gegenseitig Halt zu geben, ohne diesen wirklich garantieren zu können. Besonders stark ist das Setting: Kawakami beschreibt die nächtliche Welt Tokios mit großer atmosphärischer Dichte. Bars, Clubs und informelle Arbeitsverhältnisse bilden den Hintergrund für eine Erzählung, in der Geld nie nur Mittel zum Zweck ist, sondern Beziehungen, Abhängigkeiten und Handlungsspielräume strukturiert. In seiner düsteren Grundstimmung und der Darstellung weiblicher Figuren im Spannungsfeld von Autonomie und Abhängigkeit erinnert Das gelbe Haus stellenweise an Butter von Asako Yuzuki. Zeitlich bleibt der Roman dabei eher unscharf verortet. Zwar lässt sich die Handlung grob in die späten 1990er Jahre einordnen, doch konkrete historische Marker treten in den Hintergrund. Dadurch entsteht ein eigentümlich schwebendes Gefühl weniger einer präzisen Epoche als vielmehr eines sozialen Zustandes, der sich über die Zeit hinweg fortzuschreiben scheint. Auch die rückblickende Anlage tritt beim Lesen oft zurück: Über weite Strecken wirkt der Text sehr nah am unmittelbaren Erleben, fast wie ein fortlaufendes Präsens der Erinnerung. Nur vereinzelt treten Vorausdeutungen oder reflektierende Einschübe hervor. In der Übersetzung von Katja Busson entfaltet der Text eine große atmosphärische Dichte, die zwischen Nüchternheit und suggestiver Bildlichkeit changiert. Das umfangreiche Glossar der deutschen Ausgabe ist einerseits sehr bereichernd, weil es viele kulturelle Details erschließt, hat mich persönlich aber auch immer wieder etwas aus dem Lesefluss gerissen. Fazit: Ein vielschichtiger, atmosphärisch dichter Roman, der eine wenig bekannte soziale Realität sichtbar macht. Gerade in seinen Brüchen liegt ein Teil seiner Stärke – auch wenn diese das Leseerlebnis nicht durchgehend tragen. Für mich ein sehr intensiver, aber nicht ganz reibungsloser Roman.

Anziehung und Abhängigkeit in Tokios Nachtwelt
3

Ich bin großer Kawakami Fan und habe mich riesig auf den neuen, bislang längsten Roman gefreut. Leider kommt "Das Gelbe Haus" meiner Meinung nach nicht an seine Vorgänger heran. Das ist vielleicht Geschmackssache, vielleicht das Genre, vermutlich auch die Übersetzung (sorry, Katja Busson, aber was war das?), aber alles in allem fand ich die Geschichte um Hana höchstens mittelmäßig. Ende der 1990er Jahre in Tokyo: Hana ist 15, unendlich einsam und wird von ihrer alleinerziehenden Mutter vernachlässigt. Eines Tages tritt Kimiko in ihr Leben, eine ~20 Jahre ältere Frau, die sich um Hana kümmert und ihr das Gefühl von Geborgenheit gibt, dass sie immer vermisst hat. Hana schmeißt die Schule, fängt an zu trinken und ist besessen von Geld. Immer tiefer rutscht sie rein in ein Leben am Rand der Gesellschaft und lässt schnell die legalen Möglichkeiten Geld zu verdienen hinter sich. Die neuen Menschen in ihrem Leben werden zu Gefährten, aber echte Nähe gibt es nicht. Hana ist nicht mehr allein, aber die Einsamkeit bleibt. Der Sog der japanischen Unterwelt zieht Hana immer weiter hinab. Fehlende Nähe beschreibt auch mein Gefühl beim Lesen. Ich bin über 500 Seiten nicht richtig reingekommen in diesen Roman Noir. Die Geschichte hat einige Längen (das stört mich nicht grundsätzlich), aber vor allem hat mich die Sprache gar nicht abgeholt. Ein paar Beispiele: "Meine Herren, was haben wir gefuttert", "damit die liebe Seele Ruhe hat", "Mit ihren Eltern lag sie (...) im Clinch", "Schaumschläger", "meine Freundin, die ätzt mich an" - so redet doch kein Teenager (auch nicht vor 20 Jahren!). Die Dialoge klangen oft wie diese Satire Synchronisations-Videos von Helge Mark. Ich habe viel positives gelesen zu "Das Gelbe Haus" und auch Lob für die Übersetzung. Insofern ist es vielleicht ein Me-Problem. Ich freue mich einfach auf den nächsten Roman von Mieko Kawakami.

1

Ich bin enttäuscht

Hana entdeckt einen Zeitungsartikel, welche schwere Vorwürfe gegenüber Kimiko erhebt, die sie damals, als Hanas Mutter ihrer mütterlichen Pflicht nicht nachkam, emotional auffing. Diese geschilderten Vorwürfe katapultieren Hana zu ihrem damaligen 17jährigen „Ich“ und der essenziellen Frage: Kann dieser Artikel der Realität entsprechen? Denn Hana hat Kimiko als sehr fürsorglich erlebt oder trügen ihre Erinnerungen? Beziehungsweise ist Kimiko zu solch strafbarem Verhalten in der Lage? Mieko Kawakamis neuer Roman nimmt uns an die Hand und mit in die Unterwelt Tokios und wir haben durch die ausführlichen Schilderungen der Autorin Zeit, uns im Rotlichtmilieu und der Peripherie umzusehen. Zusammen mit Ran und Momoko, eröffnen Kimiko und Hana die Bar „Lemon“ und der Roman erzählt von Wahlfamilie, Freundschaft und Vertrauen und stellt große Anforderungen an das „Frau sein“ in Japan und benannter Branche. Wer die Bücher von Frau Kawakami kennt weiß, worauf man sich als Leser einlässt. Es geht um das Thema „Frau sein“, Freundschaft und Verbundenheit in einem patriarchal geprägten Land. Es geht um Außenseiter und Randgruppen und die leise Stimme der Autorin versucht diese zwischenmenschlichen Schwingungen zu transportieren, um uns das Buch spüren zu lassen. Jedoch baut sie die erwarteten Spannungslinien ob des intensiven Inhaltes für meinen Geschmack zu langsam auf. Dabei weiß ich, was Frau Kawakami schriftstellerisch kann. Jedoch verspringt sie sich in diesem Episodenroman in den Zeiten und #dasgelbehaus wirft Schatten. Es fehlt mir an Biss. Es fehlt mir an Würze und Gespräche mäandern in Sackgassen, welche m.E. keine Tragweite haben. Die gewohnten pointierten Sätze, welche in den vorangegangenen Romanen (Brüste & Eier -> mein absoluter Favorit 🩷💛) treffend platziert wurden, konnten mich nicht abholen und die beobachtende Sozialstudie kommt nicht über den Punkt hinweg, bewegend zu sein. Leider hat diese Neuerscheinung meine Erwartungen nicht erfüllt. Aber wir sprechen hier von meiner subjektiven Wahrnehmung. Es kann nicht immer passen.

3.5

Eine Geschichte die uns an den Rand der japanischen Gesellschaft führt. Und die immer wieder Fragen nach Möglichkeiten im eigenen Leben aufwirft. Wer und welche Umstände beeinflussen unseren Werdegang eigentlich. Haben wir immer die freie Wahl? Und am Ende des Buches blitzt es sehr kurz auf: wie unterscheidet sich unsere eigene Wirklichkeit von der der Anderen Personen in unserem Leben.

Es ist das erste Buch, das ich von der Autorin gelesen habe. Stellenweise empfand ich die Entwicklung der Geschichte als etwas langatmig, und die sprachliche Ausgestaltung hat mich in diesen Passagen nicht immer genug getragen. Umso stärker haben mich jedoch die Milieubeschreibung und das schrittweise Abrutschen der Hauptfigur gefesselt. Gerade diese ruhige, präzise Zeichnung der Umgebung und der inneren Veränderung erzeugt eine beklemmende, dichte Atmosphäre. Das Buch lebt weniger von äußerer Spannung als von psychologischer Tiefe. Einige Fragen bleiben am Ende offen, was zur Grundstimmung passt und dem Text Raum zur eigenen Interpretation lässt. Für Leser*innen, die Wert auf Atmosphäre, Charakterentwicklung und ein fein beobachtetes Milieu legen, ist „Das gelbe Haus“ eine lohnende Lektüre – weniger für diejenigen, die eine stark handlungsgetriebene Geschichte erwarten. Trotz kleiner Längen bleibt das Buch für mich vor allem durch seine Stimmung und seine psychologische Intensität in Erinnerung und macht neugierig auf weitere Werke der Autorin.

3

Durchaus spannend, mit interessanten Figuren - und eben nicht ein immer gleicher Murakami aus Japans Mittelschicht, sondern hier ein tiefer Einblick an die Ränder der japanischen Gesellschaft, aus der Perspektive der Armen und Abgehängten. Und eine stellenweise wirklich temporeich geschriebene Geschichte aus Tokios Unterwelt. An vielen anderen Stellen wiederum sehr redundant. Viele Bilder und Motive tauchen immer wieder auf. Viele Dialogszenen sind viel zu lang und die Sprache im Allgemeinen ist leider doch arg zu schlicht geraten. Hätte man den Text auf 300 Seiten gekürzt und das Ganze etwas verdichtet, wären es meinerseits wahrscheinlich zu einer höheren Bewertung gekommen. So werden es drei Sterne. Kann man lesen, ohne es zu bereuen. Muss man aber nicht. Ein Lesevergnügen mitunter durchaus, aber ein zähes.

5

Tabula rasa 💛

Von Seite 1 an hat der Roman mich in seinen Bann gezogen. Mieko Kawakami hat einen unvergleichlichen Schreibstil, der Figuren zum Leben erwecken lässt und je nach Story eine eigene Atmosphäre erzeugt. Im Fall von „Das gelbe Haus“ wechselte die Atmosphäre für mich zwischen melancholisch, drückend, leicht und lebensfroh zu düster und unheimlich. Ich hatte Hana direkt in mein Herz geschlossen und konnte ihr Gefühl, nie auf einen grünen Zweig zu kommen, egal, wie sehr sie sich anstrengt, gut nachvollziehen. Die Charakterentwicklungen der Figuren, insbesondere die von Hana, sind sehr stark und bewegend. Besonders gefiel mir auch der zwielichtige Charakter Viv-san. Über sie erfahren wir wenig, und doch hat das Wenige viel Gewicht. Mieko Kawakami hat es wieder mal für mich geschafft, den Charakteren so viel Leben einzuhauchen, dass ich das Gefühl hatte, ich bin bei all den Szenen direkt dabei. Das Setting ins Tokyo der 90er Jahre und einige popkulturelle Anspielungen auf bekannte Musik (X Japan) und Filme (Titanic) sowie Nachrichten aus dieser Zeit ist für mich sehr gut gelungen. „Das gelbe Haus“ handelt von Armut, Geld und was es mit uns macht, Klassismus, Machtdynamiken und Schwesternschaft.

5

edit around 49%: i simply want to beat up Hana's mother for the reckless choices she has made. sure, everyone's first time living life but ffs, that poor girl Edit (finished): Before I even started this book, I had one question in mind. Why the heck does it now cost thirty euros to buy Mieko‘s new release? I would have paid it anyway because I love Mieko Kawakami’s books, but it still felt expensive. I am grateful that half of it was covered for me as an early birthday gift, so at least it softened the hit a little. Our main character, Hana Ito, is obsessed with saving money and holding on to it. She is constantly haunted by the worry of how she will survive the next morning, the next year, or even the next bill. She grew up in poverty, just like her mother before her. Her mother worked as a hostess and her father disappeared after a short time in her life. Hana grows up mostly with her mother, but her mother keeps telling her that she is capable of more than she ever was. Because of that, Hana becomes a person who carries deep fears about survival and money. She cannot rely on anyone but herself, and it becomes a part of her whole being. This eventually catches up with her when she moves in with four women, including Kimiko, who was a friend of her mother, and two girls around her age. After they open a small bar called Lemon, one tragedy after another begins to happen. You watch Hana fall deeper into panic about not having enough money, not surviving, and not being able to trust anyone. It feels very much like Mieko Kawakami to write a protagonist who is asexual, unimpressed by men, and focused on survival. A woman who lives in loneliness, similar to All the Lovers in the Night, except that Hana does not want to be alone. She wants connection, she just never had it and does not know how it feels. When she finally finds it she is grateful, but she loses it again. I have many thoughts about this book and it is hard to fit them into a simple review. It is my favorite Mieko Kawakami book so far. I think it is because the themes of survival anxiety, fear of poverty, and the question of how much saving is enough are incredibly present here. Poverty has always been a theme in her work, but never this strongly. You can even sense something autobiographical, which makes sense because Mieko herself grew up poor. The writing is beautiful, but some sections were overwritten. Hana’s emotional state and her fear about money are repeated many times. I understand the intention, but at some point it felt stretched out. I also liked how the story begins by questioning Kimiko and how it slowly pushes the reader to reconsider what really happened, who Kimiko actually is, and whether the judgment is fair. The ending is bittersweet, which is typical for Mieko Kawakami. Her endings do not exist to satisfy you. They exist because that is how life works. Not everything ends like a fairytale, and these characters do not live fairytale lives. That is what makes the book feel so grounded. I am giving this book 4.5 stars ✨

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