Insel der verlorenen Erinnerung
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Description
Book Information
Characteristics
1 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Posts
Eine Dystopie der anderen Art: sprachlich großartig, mit passendem, jedoch unbefriedigendem Ende.
Der Roman von Yōko Ogawa hat mich auf sprachlicher Ebene bereits auf den ersten Seiten begeistert. Der Schreibstil ist zwar sehr einfach und ruhig erzählt, aber dennoch auf eigene Weise mitreißend. Die hier konstruierte Dystopie (dem schrittweisen Verschwinden von Dingen und der damit verbundenen Erinnerungen) unterscheidet sich deutlich von anderen, durch externe Machtausübung bestimmten Dystopien wie "1984" oder "Schöne neue Welt". Die durch die namenlosen Protagonisten verkörperte Passivität wäre in einem gewöhnlichen Roman ein Kritikpunkt, wirkt hier jedoch unglaublich passend für die stille Akzeptanz totalitärer Herrschaft. Auch ohne Vorwissen ist die Inspiration der Autorin durch Anne Frank offensichtlich und bedrückend zugleich. Das Ende des Romans sowie der "Roman im Roman" sind im Gesamtbild absolut stimmig - eine Alternative zum vage absehbaren Ausgang hätte nicht gepasst. Dennoch lässt mich der Schluss doch irgendwie unzufrieden zurück. Während des Schreibens dieser Bewertung werden es doch noch 4,5 statt 4,0 Sterne sowie ein weiteres Buch der Autorin in nächster Zeit.
Insel der verlorenen Erinnerung von Yoko Ogawa Auf einer Insel verschwinden nach und nach alltägliche Dinge und mit ihnen auch die Erinnerungen der Menschen daran. Wer sich trotzdem erinnert, lebt gefährlich und wird von der Erinnerungspolizei verfolgt. Als eine Schriftstellerin versucht, ihren Verleger zu verstecken, der zu den wenigen gehört, die nicht vergessen können, geraten beide immer stärker unter Druck. Die Grundidee fand ich unglaublich spannend. Dieses langsame Verschwinden von Dingen und Erinnerungen hat etwas gleichzeitig Faszinierendes und Beklemmendes und ich hatte am Anfang wirklich das Gefühl, dass sich daraus eine Geschichte entwickeln könnte, die mich komplett mitreißt. Leider hat mich die Umsetzung dann nicht ganz erreicht. Das Buch ist extrem ruhig und langsam erzählt und für mich war es stellenweise einfach zu langatmig. Es passiert über weite Strecken nicht besonders viel und obwohl genau diese Leere wahrscheinlich Teil der Atmosphäre sein soll, hat sie mich irgendwann eher auf Distanz gehalten. Auch mit der Protagonistin bin ich leider nicht richtig warm geworden. Ich konnte viele ihrer Entscheidungen und Reaktionen nicht wirklich nachvollziehen und dadurch fehlte mir emotional oft die Verbindung zur Geschichte. Trotzdem mochte ich die bedrückende Stimmung und diese konstante unterschwellige Angst davor, dass immer mehr verschwindet, bis irgendwann vielleicht nichts mehr übrig bleibt. Gerade die Idee hinter der Erinnerungspolizei und die Frage, was Menschen ohne Erinnerungen überhaupt noch ausmacht, fand ich wirklich stark. Das offene Ende hat für mich allerdings dafür gesorgt, dass ich am Ende eher unzufrieden zurückgeblieben bin. Ich hatte mir insgesamt eine andere Richtung und etwas mehr Entwicklung innerhalb der Handlung erhofft. Für mich lebt das Buch vor allem von seiner außergewöhnlichen Idee und seiner Atmosphäre, auch wenn mich die Geschichte selbst leider nicht komplett erreichen konnte. ★★★☆☆ (3 von 5 Sternen)

Auf einer Insel verschwinden immer wieder Dinge und mit ihnen jegliche Erinnerung an sie. Damit diese Dinge auch wirklich für immer verschwunden bleiben, sowohl im Leben als auch in den Köpfen der Menschen, jagt die Erinnerungspolizei all jene die nicht vergessen oder heimlich Widerstand leisten. Als der Verleger der Protagonistin ins Visier der Erinnerungspolizei gerät, beschließt sie ihn zu verstecken. Eine große Besonderheit dieses Buches ist der Roman im Roman, welcher auf seine Art die Geschichte widerspiegelt. Alles handelt von verlorenem. Auffällig ist auch, dass keine Figur im Buch einen richtigen Namen hat. Es wird zwar z.B. die Familie Inui genannt, jedoch nie eine einzelne Person mit Namen. Alle werden umschrieben mit "der alte Mann", "der Hutmacher" oder "R", sogar unsere Protagonistin ist namenlos. Was unweigerlich zu der Frage führt, ob auch die Namen schon lange verschwunden sind. Der Schreibstil des Buchs ist eher ruhig und sanft, in krassem Kontrast zum ruhigen Erzählstil steht das Auftreten der Erinnerungspolizei, deren Szenen atmosphärisch unglaublich dicht und angespannt sind. Mit jedem dramatischen Ereignis steigt diese Anspannung und das drückende Gewicht. Nichts ist vor dem Verschwinden sicher. Zwar ist der Gegenstand niemals von den Bewohnern frei gewählt, trotzdem beugen sich die meisten diesem Phänomen, auch wenn es lebenswichtige Nahrung trifft oder geliebte Fotografien. Warum das alles geschieht und für wen die Erinnerungspolizei arbeitet, wird nicht geklärt. Alles was wir erleben, erfahren wir aus der limitierten Sicht der Protagonistin. Einfach ein wunderschöner Roman über Menschlichkeit, wie weit Erinnerungen unsere Person ausmachen und wie leer und löchrig wir werden, wenn jede Erinnerung und jedes Gefühl an etwas verloren geht, was vorher ein Teil unserer Seele war.
Absolut Lesenswert
Für mich war das Buch ein blind buy denn es war das erste Werk von Yoko Ogawa, was ich gelesen habe aber ich muss sagen, ich bin absolut begeistert. Es ist kein sonderlich großer Roman, und man kann ihn schon fast an einem Abend lesen, aber es verbirgt sich hinter der Story doch ein viel tiefgründiger Gedanke. Auch wenn es sich in dem Buch um Erinnerungen dreht, kann man sehr gut eine Brücke zur Meinungsfreiheit schlagen. Wer eine eigene Meinung hat, wird aussortiert und so ist es auch in diesem Buch. Jene die Erinnerungen haben können an eine Zeit, die nicht mehr vorhanden ist, werden gejagt und von der Insel weggeschafft. Aus dem Augen aus dem Sinn. Und die, die sich nicht erinnern können, lösen sich auf. Auch ein sehr schönes Sinnbild darauf, dass die, die keine Meinung haben, ihre eigene Persönlichkeit verlieren. Dieses Buch war für mich eine außerordentlich gelungene Überraschung und ich werde mir gerne weitere Werke von Yoko Ogawa durchlesen.
Leider enttäuschend
Das Konzept des Vergessens, dem Erinnerungsverlust und des dystopischen Charakters hat mir leider zu hohe Erwartungen eingebracht… die Grundzüge sind vorhanden. Wir haben es hier mit einer totalitären Insel zu tun in der die Erinnerungspolizei ihre Propaganda des Vergessens durchsetzt. Einige sind dem Erinnerungsverlust gänzlich ausgesetzt andere können sich ihre Erinnerung bewahren. Daraus hätte man viel machen können… der Roman hat für mich nur in Hinsicht philosophischen Denkens und der emotionalen Bindung der drei Hauptfiguren punkten können. Denn diese beiden Aspekte waren wirklich wunderschön dargestellt. Leier hat es etwas an Aktion gefehlt. Der Inhalt hat sich ohne viele Vorkommnisse leider sehr gezogen, die Spannung war nicht wirklich vorhanden und die Schwere einer klassischen Dystopie blieb leider aus. Was das Buch geschafft hat ist, dass Gefühl des Vergessens und des Auflösens einer Persönlichkeit rüberzubringen.
Yoko Ogawas Die Insel der verlorenen Erinnerungen ist eine poetische Dystopie über das Verschwinden.
Ogawa verhandelt Macht, Überwachung und die Bedeutung von Erinnerung in einer Weise, die an Orwells 1984 erinnert, aber zarter und reflektierter ist. Besonders beeindruckend ist der subtile Kommentar auf die Unsichtbarmachung marginalisierter Perspektiven – ein Thema, das sich durch die Metapher des Vergessens durchzieht. Ogawas Sprache ist minimalistisch, fast distanziert, was die melancholische Atmosphäre verstärkt. Doch genau diese Zurückhaltung sorgt dafür, dass die Fragen, die das Buch aufwirft, umso länger nachhallen: Wie bewahren wir Erinnerung? Und was bleibt, wenn alles verschwindet? ⭐️⭐️⭐️⭐️ (4/5) Ein leises, aber kraftvolles Buch über die Bedeutung von Freiheit und Erinnerung.
Eine zärtliche Dystopie: eine poetische und magische Parabel auf eine fremdbestimmte Gesellschaft unter einem totalitären System. Ein schöner Albtraum über den Horror völliger Ohnmacht, die Notwendigkeit des Widerstands und den Schrecken der Gleichgültigkeit. Ein Albtraum, den man so schnell NICHT vergisst!
… Wer hier allzu akribisch nach Logiklücken sucht, wird sie unter Umständen finden. Wer einen packenden Actionthriller erwartet, hat den Klappentext nicht richtig gelesen. Wer tiefgründig ausgearbeitete Figuren und Beziehungen zwischen Menschen vorzieht, sollte vlt. lieber die Serie Friends schauen, am besten gleich alle 10 Staffeln! Wer eine feinfühlig erzählte Geschichte lesen möchte, die mitunter sehr bedrückend sein kann und dank ihrer hohen Aktualität zum Nachdenken anregt, ist hier goldrichtig! Wer ein überraschendes Ende mit unvorhersehbaren Wendungen liebt, sollte keine Rezensionen lesen…
Der Roman, an dem die Protagonistin arbeitet, wird in einer anderen Schriftart dargestellt als die eigentliche Erzählung der Autorin Ogawa. Interessant und hilfreich! Musste mich zwar die ersten Male einfinden in das System, aber hat im Verlauf dann sehr gut funktioniert, finde ich. Die ganze Erzählung um den Roman herum hat mir wirklich unglaublich gut gefallen! Das bittere Ende... Über den Rest des Buches muss ich nicht groß eingehen, da gibt es einige andere Rezensionen hier, die ganz passende Beschreibungen bieten.

So gut ❣️
„Wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen.“ Kennt ihr diese Romane, die sich ganz langsam und leise in euer Herz stehlen? Diese Bücher, bei denen ihr bei jeder Seite ob der Orientierungslosigkeit fühlt, dass euch der Inhalt für immer umfangen wird? Ich war total fasziniert von der Idee, das Dinge verschwinden. Dinge, die man benötigt. Dinge, die dem Luxus verschrieben sind. Aber auch Vögel, Jahreszeiten und u.a. Früchte gehören dazu. Morgens sind sie einfach verschwunden. Ohne Bedeutung, mit einer immer blasser werdenden Erinnerung daran. Keine Idee an den Namen, keine Vorstellung von Funktionalität. Natürlich gibt es auf der Insel Menschen, die nicht vergessen können und alles daran setzen, dass dies auch so bleibt. Die aufbegehren und die verschwundenen Gegenstände hüten und verstecken. Doch Vorsicht ist geboten, da die Erinnerungspolizei ein Auge auf jeden noch so auffälligen Insulaner wirft und Hausdurchsuchungen bei der kleinsten Unstimmigkeit anberaumt. Trotz der sehr kalten und düsteren Atmosphäre bleibt zwischen den Seiten die Hoffnung bestehen, das alles gut wird. Man widersetzt sich der Hinnahme, kämpft gegen das Vergessen und rückt zusammen. Doch eine essenzielle Frage bleibt: Können auf dieser Insel auch Menschen verschwinden? Eine #dystopie und absolute Leseempfehlung meinerseits 🫶🏼
Das erste Viertel hätte aufgrund des lakonischen und desinteressierten Erzählstils fast mein Interesse verloren. Die Sprache verändert sich allerdings zunehmend und wird emotionsreicher, bis hin zu märchenhaften Passagen. Auch das hat mich sprachlich nicht recht überzeugen können, zumal wir sehr viele Monologe von R., dem Lektor haben, die mich an den kleinen Prinzen erinnert haben. Sprachlich habe ich das Buch auf dem Niveau eines Kinderbuches erlebt. Leider sind Yoko Ogawa hinsichtlich des Verschwindens und der einhergehenden Mechanismen Logikfehler unterlaufen. Oder seit wann sind Hühner keine Vögel?! Trotzdem bewerte ich das Buch so gut, da es sehr lange nachhallt. Ganz wunderbar gestaltet sich der Roman im Roman und das letzte Viertel des Buches mit hervorragendem Schluss. Yoko Ogawa bietet in dieser Parabel so viele Möglichkeiten der Deutung und Interpretation. Es war ein Fest noch 2-3 Tage nach der Lektüre immer wieder gedanklich dorthin zurückzukehren.
𝗪𝗼𝗿𝘂𝗺 𝗴𝗲𝗵𝘁 𝗲𝘀? Jedes Mal wenn auf der Insel Dinge verschwinden, wundern sich die Bewohner der Insel nicht mehr sonderlich darüber. Denn sie wissen: das Regime hat beschlossen, dass diese Dinge verschwinden müssen - aus ihrem Leben und auch aus ihren Erinnerungen. Und so verblassen Erinnerungen an Vögeln, an Fähren und bald gibt es auch keine Haarbänder mehr. Doch wohin soll dies alles führen? Und was geschieht mit den wenigen Menschen, bei denen diese "verbotenen" Erinnerungen einfach nicht verblaßen? ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ Die Autorin Yoko Ogawa gehört zu den wichtigsten japanischen Autorinnen ihrer Generation und wurde bereits mit mehreren Literaturpreisen ausgezeichnet. Übersetzt wurde das Buch von Sabine Mangold. ⠀⠀⠀⠀⠀⠀ 𝗠𝗲𝗶𝗻𝗲 𝗠𝗲𝗶𝗻𝘂𝗻𝗴: Dieses ist eine schöne und gleichzeitig eine traurige Geschichte - eine Geschichte über das Vergessen, den Verlust und die Einsamkeit. Aber auch über das Bewahren und sich Erinnen. Als Leserin habe ich die namenlose Protagonistin in ihrem Leben auf der Insel begleitet, mit ihr zusammen angesehen, wie Stück für Stück immer mehr Dinge auf der Insel in der Vergessenheit verschwinden. Bin häufig frustriert darüber gewesen, dass die Bewohner dieses radikale Ausradieren einfach hinnehmen und gleichzeitig fassungslos über die Härte der Erinnerungspolizei. Dieses Buch brachte mich zum Nachdenken, über den Wert persönlicher Gegenstände und darüber, welche Bedeutung Erinnerungen im Leben haben. Am meisten hat mich an diesem Roman das Gedankenexperiment des kollektiven Vergessens fasziniert. Ein melancholisches, teils spannendes und auf jeden Fall zum Nachdenken bewegendes Buch. Für mich definitiv eine Geschichte, die ich nicht so schnell vergessen werde! ⠀⠀⠀ 𝗙𝗮𝘇𝗶𝘁: Eine klare Leseempfehlung von meiner Seite. Insbesondere wenn euch die Themen Erinnerungen, Vergänglichkeit und experimentielle, gesellschaftliche Gedankenreisen interessieren. 🌟4/5 Sterne

Dystopischer Roman einer japanischen Autorin
Ich habe das Buch gelesen, da es mir von einer Kollegin als ihr Lieblingsbuch empfohlen wurde. Hmmmm. Vielleicht muss man japanisch sprechen können, in Japan gelebt haben, eine Affinität zu Japan haben oder einfach Kafka und Orwell mögen..... Das Buch ist ziemlich dystopisch. Auf einer Insel verschwinden täglich Gegenstände. Wer sich nicht an die Regeln hält oder diese verschwundenen ab dann verbotenen Gegenstände aufbewahrt, wird von der Erinnerungspolizei verhaftet und weggebracht. Was mich etwas wahnsinnig gemacht hat, ist, dass die Menschen alles einfach so hinnehmen und mit weniger Rechten und vor allem Lebensmitteln weiter vor sich hinleben. Aber das ist wohl Teil der Dystopie. Es werden zudem 2 Geschichten parallel erzählt, so dass man auch rätselt, welche die Hauptgeschichte ist und welche nur in der Fantasie der Protagonistin existiert. Das Buch lässt mich etwas ratlos zurück, regt aber zum Nachdenken an. Es wurde 1994 geschrieben und 2020 erstmals in Deutschland veröffentlicht. Manche Bücher sind ja dann etwas aus der Zeit gefallen, aber dieses ist absolut zeitlos und so aktuell wie nie. Ich gebe dem Buch 3 von 5 Sternen, da ich es immer noch weiterempfehlen kann an Leser:innen, die z.B. "Die Wand" mögen, und es trotz einiger Längen in einer Woche gelesen habe.
Ich hätte es gerne mehr gemocht
Die Idee ist durchaus spannend und regt zum Nachdenken an. Nicht nur über das Leben in totalitären Systemen, die mehr und mehr das Leben einschränken, sondern auch über den Umgang mit der eigenen Vergangenheit. Letztlich gab es für mich jedoch zu viele logische Brüche und es fiel mir schwer, mich mit den sehr blassen Charakteren zu identifizieren. Deshalb nur drei Sterne. Schade!
Tolle Übersetzung aus dem Japanischen und eine spannende Dystopie, die anders erzählt wird, als viele westliche Dystopien.
Für mich kreiert Yoko Ogawa mit "Insel der verlorenen Erinnerung", erschienen im atb (Aufbau-Verlage) ein tolles literarisches Erlebnis. ✨Ich mochte die Figuren zwar nicht übermäßig, aber ich fand ihre Art zu handeln interessant. ✏️Die Erzählweise und ihr Stil haben mich durch die Geschichte getragen und die ständige Neugier zu erfahren, wer die Erinnerungspolizei ist und wieso die Erinnerungen verschwinden - das wollte ich unbedingt rausfinden. 🎭Das Ende hat mich tagelang beschäftigt, obwohl es eigentlich ein typisches Ende für eine Dystopie ist. Trotzdem hat es mich etwas melancholisch gestimmt, dennoch war es super passend und gab einen unverhofften Rückblick auf die Gesamtstory. 📄Die Übersetzung von Sabine Mangold war super! Ich konnte an manchen Textstellen zurück ins Japanische übersetzen und war begeistert, wie sie vieles, was eigentlich verloren geht in der Übersetzung, zum Ausdruck bringen konnte. ❌Worauf ich eher verzichtet hätte, war die Story in der Story. Auch wenn ihre Funktion clever war, war mir das zu langatmig und ich mochte weder deren Handlung noch Schreibstil.
Dieses Buch ist unangenehm. Zumindest war es das für mich. Ogawa schreibt über das Vergessen in seiner schlimmsten Form - das kollektive Vergessen. In seinen Grundzügen erinnerte mich das Buch einerseits an die Geschehnisse während des Zweiten Weltkrieges, andererseits ebenso an aktuelle Geschehnisse. Diese doppelte Verbindung machte für mich viel der Atmosphäre aus und sorgte dafür, dass es mich beim Lesen oft Schauderte. Die Geschichte selbst ist ruhig und nachdenklich erzählt, was den Inhalt ausgezeichnet widergibt. Durch die Geschichte in der Geschichte gewinnt das Buch noch weiter an Tiefe und als Leser entdeckt man gewisse Bezüge zwischen den zwei Handlungssträngen. Diese auszuloten gehört zu den faszinierenden Elementen von Ogawas Werk. Aufgrund dessen Vielschichtigkeit kann ich mir gut vorstellen, dass sich "Insel der verlorenen Erinnerung" gut als Buch für einen Buchclub eignen würde. Es gibt enorm viel zu entdecken und zu besprechen und je nachdem findet jeder Leser etwas Anderes im Text, worüber man sich austauschen kann. -Leichter Spoiler!- Für die Realisten unter uns sei gesagt, dass nicht erklärt wird, weshalb die Dinge in Vergessenheit geraten. Aber für die Handlung ist dies auch nicht wichtig. Wichtig ist, DASS es geschieht.
Originell dystopisches Werk
Ich kann durchaus nachvollziehen, wenn sich hier Meinungen spalten. Und obwohl ich mich teilweise auch ein wenig durch die Seiten kämpfen musste, finde ich die Geschichte rund um das Verschwinden des Lebens ziemlich bereichernd und selbst die passend bedrückende Atmosphäre hätte kaum besser kreiert werden können.
Jedes Mal, wenn etwas von der Insel verschwindet, kann man es bereits morgens beim Aufwachen spüren: irgendetwas ist anders. Eines Tages treiben sämtliche Rosenblüten der Insel im Fluss und werden ins offene Meer hinausgetragen. Es duftet betörend, aber die Bewohner der Insel empfinden nichts. Allein das Wort "Rosen" hat keine Bedeutung mehr für sie. Es verschwinden immer mehr Dinge: die Fähre, Obst, Fotografien. Manchmal sind es Kleinigkeiten, manchmal solche, die das Leben einschneidend verändern. Es gibt ein paar wenige Menschen, die anders sind. Ihre Erinnerung kann ihnen nicht genommen werden. Sie sind der Grund dafür, dass es die Erinnerungspolizei gibt. Es gibt Razzien, um verbotene Gegenstände zu finden, die nicht mehr existieren dürfen, und um Untergetauchte zu aufzuspüren. In unserem Lesekreis ergab sich ein wundervolle Diskussion, wofür das Geschehene im Buch steht. Man könnte es auf die Nazizeit Deutschlands beziehen, auf die Diktatur in Nordkorea und noch einige weitere, in den Menschen unterdrückt werden, in den Menschen, die anders sind, gezwungen werden, sich zu verstecken, um einer Inhaftierung und Schlimmerem zu entgehen. Es könnte ebenso gut eine Parabel auf die Digitalisierung und den gläsernen Menschen sein. Die Protagonistin, die immer mehr ihrer Erinnerungen verliert, wird von R, den sie bei sich versteckt, immer wieder dazu angehalten, doch an verlorenen Gegenständen festzuhalten. Doch sieht sie das Problem nicht. Eine weitere tolle Theorie kam bezüglich der Alzheimerkrankheit auf. Eigentlich naheliegend, wenn das Gedächtnis immer neue Lücken aufweist. Zumal die Erinnerungspolizei gar keinen Sinn ergibt, da nie von einer Regierung oder einem politischen Hintergrund die Rede ist. Der Verlust von Bedeutung der verlorenen Gegenstände scheint ein durchaus natürlicher Prozess zu sein. Ihr merkt: Ich mochte das Buch sehr, es ist sowohl unterhaltsam als auch anregend für Diskussionen. Schön zu lesen und an keiner Stelle langweilig. Eine Empfehlung von mir - vielleicht auch für euren Lesekreis?!
Hmm, hieran werde ich noch eine Weile zu kauen haben. Habe ich das Buch verstanden? Auf der einen Seite ein Buch über Totalitarismus, und man denkt natürlich an 1984 . Aber auf dieser Insel verschwinden nicht nur Gegenstände, sondern auch die Erinnerungen der Menschen daran. Unausweichlicher Marsch Richtung totaler Auflösung des Selbst, Trauma des Verlustes. Die Geschichte hinterlässt einen ziemlich verstört. Das wo, wann, wie und warum wird nicht verraten, erinnert in dieser Hinsicht an Kafka's Verwandlung , finde ich persönlich großartig. Lässt mehr Platz für Spekulationen und eigene Gedanken. Wobei, was bildet die Frau sich ein, mich dazu zu bringen, mir existentielle Fragen zu stellen darüber, was Humanität ausmacht und das Wesen unseres Daseins? Frechheit.
"Wtf?" Es fällt mir sehr schwer, zu diesem Buch etwas zu sagen. Anfangs zog sich das Buch ein wenig. Die Geschichte ist deutlich ruhiger, als ich vom Klappentext her erwartet hatte. Dadurch und durch den sehr distanzierten Schreibstil (die Leute hatten nicht einmal Namen!) konnte ich, auch als die Geschichte im Verlauf Fahrt aufnahm, mit den Protagonisten nicht wirklich mitfiebern. Die Grundidee mit dem Verschwinden von Dingen hat mich sehr interessiert, allerdings hätte ich da einfach gerne mehr Erklärungen gehabt. Oder überhaupt. Warum verschwinden Dinge? Wie? Auch zur Erinnerungspolizei gibt es keine Hintergrundinfos. Das Ende ist dann ja... verstörend. Aber auch komplett ohne, das eine Begründung geliefert wird. Also wirklich schlecht war das Buch nicht, aber wirklich gut unterhalten hat es mich auch nicht.
Dort wo Dinge verschwinden, verschwinden irgendwann auch Menschen
Eine traurige Geschichte, die langsam davon erzählt, was passiert wenn sich (fast) niemand mehr an Dinge erinnert, weil sie einfach verschwinden. In Teilen erinnert es mich an Fahrenheit 451, vor allem als die Romane verschwinden. Und da passen meine Gedanken zu dem Buch: Dort wo Dinge verschwinden, verschwinden irgendwann auch Menschen. Es hat mich berührt, das Buch zu lesen und zum Nachdenken angeregt. Aber dennoch bleiben die Charaktere und die Verbindung zum Buch für mich oberflächlich. Ich denke, das liegt an der Übersetzung aus dem Japanischen. Trotzdem ist die Geschichte eine sehr wichtige und realistische. Ich hätte mir trotzdem noch mehr Widerstand in der Geschichte gewünscht. »Ich dachte mir, wenn ich nur lange genug dort verharre, finde ich vielleicht heraus, wohin meine Erinnerungen gegangen sind.« — S. 206 »Man kann sich etwas vorstellen und es dann beschreiben, obwohl man es nie zuvor gesehen hat. Das alles muss ja nicht wirklichkeitsgetreu sein, man darf auch Sachen erfinden, also lügen. [...] Bei einem Roman bekommt man das nicht zum Vorwurf gemacht. Man fängt bei null an und konstruiert aus dem Nichts eine Geschichte. Man beschreibt etwas, als wäre es vorhanden, obwohl man es gar nicht vor Augen hat. Dinge, die existieren, werden allein durch Worte ins Leben gerufen. Deshalb meint R auch, man dürfe das Schreiben nicht aufgeben, nur weil Dinge verschwinden.« — S. 253 »Entscheidend ist, Ihr schlafendes Herz wach zu rütteln.« »Schlafendes Herz? Wie schön wäre es, wenn es nur schlafen würde. Ich befürchte eher, es ist längst verkümmert.« — S. 274 »Auf jeden Fall sind Erinnerungen unsichtbar, nicht wahr? Wie wundervoll sie auch sein mögen, sie verschwinden einfach, wenn niemand sie beachtet. Nicht einmal wir selbst sind in der Lage, das wahre Wesen einer Erinnerung zu erfassen. Sie hinterlassen keine Spuren. Es gibt keinen greifbaren Beweis, dass sie wirklich existiert haben.« — S. 296

Ein Roman der das Herz berührt und einen auch zum Nachdenken bringt.
Jeder Mensch vergisst mal etwas, eine Erinnerung, ein Duft oder eine Melodie; aber was wäre wenn alle Menschen zur selben Zeit das Gleiche vergessen und dieser Gegenstand ab diesem Zeitpunkt auch nicht mehr existiert? Genau das Geschieht in Yoko Ogawa's Geschichte "Insel der verlorenen Erinnerung" , denn auf dieser Insel verschwinden ohne Vorwarnung Dinge und auch jegliche Erinnerung an diese Dinge, Mal verschwinden Sachen in einem kürzeren Zeitraum und andere Male verschwindet für eine lange Zeit nichts, doch was geschieht wenn mehr Dinge verschwinden, als dass neue entstehen? Wie kann man eigentlich überleben, wenn es eines Tages keine Jahreszeiten mehr gibt oder das Obst verschwindet? Ich finde dieses Buch regt wirklich einen zum Nachdenken an und man beginnt auch vieles aus einen anderen Blickwinkel zu betrachten, denn was wäre, wenn diese Dinge plötzlich gar nicht mehr existieren würden? Jetzt merken wir schon durch die Lieferschwierigkeiten und Ressourcenknappheit, wie schwierig sich manche Tätigkeiten erweisen, somit ist dieser Roman im Kern nicht weit von unserem realen Leben entfernt. Ich werde mir definitiv ein weiteres Werk von dieser Autorin zulegen (auch wenn dies bis Neujahr warten muss, da ich noch einiges zu lesen habe), denn ich finde ihren Schreibstil sehr interessant und mag es auch sehr wie sie einen selbst zum Grübeln bringt.

Interessantes Buch, hätte aber was anderes erwartet
Das Buch war interessant und hat mich direkt an das Tagebuch der Anne Frank erinnert. So ähnliche Gefühle hat auch das Buch in mir geweckt. Es war sehr bedrückend, dystopisch und ängstlich. Auch wurde das große Ganze nicht aufgeklärt, was einen ratlos zurückgelassen hat. Ich war froh als ich es beendet hatte, da es mich ziemlich bedrückt hat. Habe es im Rahmen eines Buchclubs gelesen.
Characteristics
1 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Description
Book Information
Posts
Eine Dystopie der anderen Art: sprachlich großartig, mit passendem, jedoch unbefriedigendem Ende.
Der Roman von Yōko Ogawa hat mich auf sprachlicher Ebene bereits auf den ersten Seiten begeistert. Der Schreibstil ist zwar sehr einfach und ruhig erzählt, aber dennoch auf eigene Weise mitreißend. Die hier konstruierte Dystopie (dem schrittweisen Verschwinden von Dingen und der damit verbundenen Erinnerungen) unterscheidet sich deutlich von anderen, durch externe Machtausübung bestimmten Dystopien wie "1984" oder "Schöne neue Welt". Die durch die namenlosen Protagonisten verkörperte Passivität wäre in einem gewöhnlichen Roman ein Kritikpunkt, wirkt hier jedoch unglaublich passend für die stille Akzeptanz totalitärer Herrschaft. Auch ohne Vorwissen ist die Inspiration der Autorin durch Anne Frank offensichtlich und bedrückend zugleich. Das Ende des Romans sowie der "Roman im Roman" sind im Gesamtbild absolut stimmig - eine Alternative zum vage absehbaren Ausgang hätte nicht gepasst. Dennoch lässt mich der Schluss doch irgendwie unzufrieden zurück. Während des Schreibens dieser Bewertung werden es doch noch 4,5 statt 4,0 Sterne sowie ein weiteres Buch der Autorin in nächster Zeit.
Insel der verlorenen Erinnerung von Yoko Ogawa Auf einer Insel verschwinden nach und nach alltägliche Dinge und mit ihnen auch die Erinnerungen der Menschen daran. Wer sich trotzdem erinnert, lebt gefährlich und wird von der Erinnerungspolizei verfolgt. Als eine Schriftstellerin versucht, ihren Verleger zu verstecken, der zu den wenigen gehört, die nicht vergessen können, geraten beide immer stärker unter Druck. Die Grundidee fand ich unglaublich spannend. Dieses langsame Verschwinden von Dingen und Erinnerungen hat etwas gleichzeitig Faszinierendes und Beklemmendes und ich hatte am Anfang wirklich das Gefühl, dass sich daraus eine Geschichte entwickeln könnte, die mich komplett mitreißt. Leider hat mich die Umsetzung dann nicht ganz erreicht. Das Buch ist extrem ruhig und langsam erzählt und für mich war es stellenweise einfach zu langatmig. Es passiert über weite Strecken nicht besonders viel und obwohl genau diese Leere wahrscheinlich Teil der Atmosphäre sein soll, hat sie mich irgendwann eher auf Distanz gehalten. Auch mit der Protagonistin bin ich leider nicht richtig warm geworden. Ich konnte viele ihrer Entscheidungen und Reaktionen nicht wirklich nachvollziehen und dadurch fehlte mir emotional oft die Verbindung zur Geschichte. Trotzdem mochte ich die bedrückende Stimmung und diese konstante unterschwellige Angst davor, dass immer mehr verschwindet, bis irgendwann vielleicht nichts mehr übrig bleibt. Gerade die Idee hinter der Erinnerungspolizei und die Frage, was Menschen ohne Erinnerungen überhaupt noch ausmacht, fand ich wirklich stark. Das offene Ende hat für mich allerdings dafür gesorgt, dass ich am Ende eher unzufrieden zurückgeblieben bin. Ich hatte mir insgesamt eine andere Richtung und etwas mehr Entwicklung innerhalb der Handlung erhofft. Für mich lebt das Buch vor allem von seiner außergewöhnlichen Idee und seiner Atmosphäre, auch wenn mich die Geschichte selbst leider nicht komplett erreichen konnte. ★★★☆☆ (3 von 5 Sternen)

Auf einer Insel verschwinden immer wieder Dinge und mit ihnen jegliche Erinnerung an sie. Damit diese Dinge auch wirklich für immer verschwunden bleiben, sowohl im Leben als auch in den Köpfen der Menschen, jagt die Erinnerungspolizei all jene die nicht vergessen oder heimlich Widerstand leisten. Als der Verleger der Protagonistin ins Visier der Erinnerungspolizei gerät, beschließt sie ihn zu verstecken. Eine große Besonderheit dieses Buches ist der Roman im Roman, welcher auf seine Art die Geschichte widerspiegelt. Alles handelt von verlorenem. Auffällig ist auch, dass keine Figur im Buch einen richtigen Namen hat. Es wird zwar z.B. die Familie Inui genannt, jedoch nie eine einzelne Person mit Namen. Alle werden umschrieben mit "der alte Mann", "der Hutmacher" oder "R", sogar unsere Protagonistin ist namenlos. Was unweigerlich zu der Frage führt, ob auch die Namen schon lange verschwunden sind. Der Schreibstil des Buchs ist eher ruhig und sanft, in krassem Kontrast zum ruhigen Erzählstil steht das Auftreten der Erinnerungspolizei, deren Szenen atmosphärisch unglaublich dicht und angespannt sind. Mit jedem dramatischen Ereignis steigt diese Anspannung und das drückende Gewicht. Nichts ist vor dem Verschwinden sicher. Zwar ist der Gegenstand niemals von den Bewohnern frei gewählt, trotzdem beugen sich die meisten diesem Phänomen, auch wenn es lebenswichtige Nahrung trifft oder geliebte Fotografien. Warum das alles geschieht und für wen die Erinnerungspolizei arbeitet, wird nicht geklärt. Alles was wir erleben, erfahren wir aus der limitierten Sicht der Protagonistin. Einfach ein wunderschöner Roman über Menschlichkeit, wie weit Erinnerungen unsere Person ausmachen und wie leer und löchrig wir werden, wenn jede Erinnerung und jedes Gefühl an etwas verloren geht, was vorher ein Teil unserer Seele war.
Absolut Lesenswert
Für mich war das Buch ein blind buy denn es war das erste Werk von Yoko Ogawa, was ich gelesen habe aber ich muss sagen, ich bin absolut begeistert. Es ist kein sonderlich großer Roman, und man kann ihn schon fast an einem Abend lesen, aber es verbirgt sich hinter der Story doch ein viel tiefgründiger Gedanke. Auch wenn es sich in dem Buch um Erinnerungen dreht, kann man sehr gut eine Brücke zur Meinungsfreiheit schlagen. Wer eine eigene Meinung hat, wird aussortiert und so ist es auch in diesem Buch. Jene die Erinnerungen haben können an eine Zeit, die nicht mehr vorhanden ist, werden gejagt und von der Insel weggeschafft. Aus dem Augen aus dem Sinn. Und die, die sich nicht erinnern können, lösen sich auf. Auch ein sehr schönes Sinnbild darauf, dass die, die keine Meinung haben, ihre eigene Persönlichkeit verlieren. Dieses Buch war für mich eine außerordentlich gelungene Überraschung und ich werde mir gerne weitere Werke von Yoko Ogawa durchlesen.
Leider enttäuschend
Das Konzept des Vergessens, dem Erinnerungsverlust und des dystopischen Charakters hat mir leider zu hohe Erwartungen eingebracht… die Grundzüge sind vorhanden. Wir haben es hier mit einer totalitären Insel zu tun in der die Erinnerungspolizei ihre Propaganda des Vergessens durchsetzt. Einige sind dem Erinnerungsverlust gänzlich ausgesetzt andere können sich ihre Erinnerung bewahren. Daraus hätte man viel machen können… der Roman hat für mich nur in Hinsicht philosophischen Denkens und der emotionalen Bindung der drei Hauptfiguren punkten können. Denn diese beiden Aspekte waren wirklich wunderschön dargestellt. Leier hat es etwas an Aktion gefehlt. Der Inhalt hat sich ohne viele Vorkommnisse leider sehr gezogen, die Spannung war nicht wirklich vorhanden und die Schwere einer klassischen Dystopie blieb leider aus. Was das Buch geschafft hat ist, dass Gefühl des Vergessens und des Auflösens einer Persönlichkeit rüberzubringen.
Yoko Ogawas Die Insel der verlorenen Erinnerungen ist eine poetische Dystopie über das Verschwinden.
Ogawa verhandelt Macht, Überwachung und die Bedeutung von Erinnerung in einer Weise, die an Orwells 1984 erinnert, aber zarter und reflektierter ist. Besonders beeindruckend ist der subtile Kommentar auf die Unsichtbarmachung marginalisierter Perspektiven – ein Thema, das sich durch die Metapher des Vergessens durchzieht. Ogawas Sprache ist minimalistisch, fast distanziert, was die melancholische Atmosphäre verstärkt. Doch genau diese Zurückhaltung sorgt dafür, dass die Fragen, die das Buch aufwirft, umso länger nachhallen: Wie bewahren wir Erinnerung? Und was bleibt, wenn alles verschwindet? ⭐️⭐️⭐️⭐️ (4/5) Ein leises, aber kraftvolles Buch über die Bedeutung von Freiheit und Erinnerung.
Eine zärtliche Dystopie: eine poetische und magische Parabel auf eine fremdbestimmte Gesellschaft unter einem totalitären System. Ein schöner Albtraum über den Horror völliger Ohnmacht, die Notwendigkeit des Widerstands und den Schrecken der Gleichgültigkeit. Ein Albtraum, den man so schnell NICHT vergisst!
… Wer hier allzu akribisch nach Logiklücken sucht, wird sie unter Umständen finden. Wer einen packenden Actionthriller erwartet, hat den Klappentext nicht richtig gelesen. Wer tiefgründig ausgearbeitete Figuren und Beziehungen zwischen Menschen vorzieht, sollte vlt. lieber die Serie Friends schauen, am besten gleich alle 10 Staffeln! Wer eine feinfühlig erzählte Geschichte lesen möchte, die mitunter sehr bedrückend sein kann und dank ihrer hohen Aktualität zum Nachdenken anregt, ist hier goldrichtig! Wer ein überraschendes Ende mit unvorhersehbaren Wendungen liebt, sollte keine Rezensionen lesen…
Der Roman, an dem die Protagonistin arbeitet, wird in einer anderen Schriftart dargestellt als die eigentliche Erzählung der Autorin Ogawa. Interessant und hilfreich! Musste mich zwar die ersten Male einfinden in das System, aber hat im Verlauf dann sehr gut funktioniert, finde ich. Die ganze Erzählung um den Roman herum hat mir wirklich unglaublich gut gefallen! Das bittere Ende... Über den Rest des Buches muss ich nicht groß eingehen, da gibt es einige andere Rezensionen hier, die ganz passende Beschreibungen bieten.

So gut ❣️
„Wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen.“ Kennt ihr diese Romane, die sich ganz langsam und leise in euer Herz stehlen? Diese Bücher, bei denen ihr bei jeder Seite ob der Orientierungslosigkeit fühlt, dass euch der Inhalt für immer umfangen wird? Ich war total fasziniert von der Idee, das Dinge verschwinden. Dinge, die man benötigt. Dinge, die dem Luxus verschrieben sind. Aber auch Vögel, Jahreszeiten und u.a. Früchte gehören dazu. Morgens sind sie einfach verschwunden. Ohne Bedeutung, mit einer immer blasser werdenden Erinnerung daran. Keine Idee an den Namen, keine Vorstellung von Funktionalität. Natürlich gibt es auf der Insel Menschen, die nicht vergessen können und alles daran setzen, dass dies auch so bleibt. Die aufbegehren und die verschwundenen Gegenstände hüten und verstecken. Doch Vorsicht ist geboten, da die Erinnerungspolizei ein Auge auf jeden noch so auffälligen Insulaner wirft und Hausdurchsuchungen bei der kleinsten Unstimmigkeit anberaumt. Trotz der sehr kalten und düsteren Atmosphäre bleibt zwischen den Seiten die Hoffnung bestehen, das alles gut wird. Man widersetzt sich der Hinnahme, kämpft gegen das Vergessen und rückt zusammen. Doch eine essenzielle Frage bleibt: Können auf dieser Insel auch Menschen verschwinden? Eine #dystopie und absolute Leseempfehlung meinerseits 🫶🏼
Das erste Viertel hätte aufgrund des lakonischen und desinteressierten Erzählstils fast mein Interesse verloren. Die Sprache verändert sich allerdings zunehmend und wird emotionsreicher, bis hin zu märchenhaften Passagen. Auch das hat mich sprachlich nicht recht überzeugen können, zumal wir sehr viele Monologe von R., dem Lektor haben, die mich an den kleinen Prinzen erinnert haben. Sprachlich habe ich das Buch auf dem Niveau eines Kinderbuches erlebt. Leider sind Yoko Ogawa hinsichtlich des Verschwindens und der einhergehenden Mechanismen Logikfehler unterlaufen. Oder seit wann sind Hühner keine Vögel?! Trotzdem bewerte ich das Buch so gut, da es sehr lange nachhallt. Ganz wunderbar gestaltet sich der Roman im Roman und das letzte Viertel des Buches mit hervorragendem Schluss. Yoko Ogawa bietet in dieser Parabel so viele Möglichkeiten der Deutung und Interpretation. Es war ein Fest noch 2-3 Tage nach der Lektüre immer wieder gedanklich dorthin zurückzukehren.
𝗪𝗼𝗿𝘂𝗺 𝗴𝗲𝗵𝘁 𝗲𝘀? Jedes Mal wenn auf der Insel Dinge verschwinden, wundern sich die Bewohner der Insel nicht mehr sonderlich darüber. Denn sie wissen: das Regime hat beschlossen, dass diese Dinge verschwinden müssen - aus ihrem Leben und auch aus ihren Erinnerungen. Und so verblassen Erinnerungen an Vögeln, an Fähren und bald gibt es auch keine Haarbänder mehr. Doch wohin soll dies alles führen? Und was geschieht mit den wenigen Menschen, bei denen diese "verbotenen" Erinnerungen einfach nicht verblaßen? ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ Die Autorin Yoko Ogawa gehört zu den wichtigsten japanischen Autorinnen ihrer Generation und wurde bereits mit mehreren Literaturpreisen ausgezeichnet. Übersetzt wurde das Buch von Sabine Mangold. ⠀⠀⠀⠀⠀⠀ 𝗠𝗲𝗶𝗻𝗲 𝗠𝗲𝗶𝗻𝘂𝗻𝗴: Dieses ist eine schöne und gleichzeitig eine traurige Geschichte - eine Geschichte über das Vergessen, den Verlust und die Einsamkeit. Aber auch über das Bewahren und sich Erinnen. Als Leserin habe ich die namenlose Protagonistin in ihrem Leben auf der Insel begleitet, mit ihr zusammen angesehen, wie Stück für Stück immer mehr Dinge auf der Insel in der Vergessenheit verschwinden. Bin häufig frustriert darüber gewesen, dass die Bewohner dieses radikale Ausradieren einfach hinnehmen und gleichzeitig fassungslos über die Härte der Erinnerungspolizei. Dieses Buch brachte mich zum Nachdenken, über den Wert persönlicher Gegenstände und darüber, welche Bedeutung Erinnerungen im Leben haben. Am meisten hat mich an diesem Roman das Gedankenexperiment des kollektiven Vergessens fasziniert. Ein melancholisches, teils spannendes und auf jeden Fall zum Nachdenken bewegendes Buch. Für mich definitiv eine Geschichte, die ich nicht so schnell vergessen werde! ⠀⠀⠀ 𝗙𝗮𝘇𝗶𝘁: Eine klare Leseempfehlung von meiner Seite. Insbesondere wenn euch die Themen Erinnerungen, Vergänglichkeit und experimentielle, gesellschaftliche Gedankenreisen interessieren. 🌟4/5 Sterne

Dystopischer Roman einer japanischen Autorin
Ich habe das Buch gelesen, da es mir von einer Kollegin als ihr Lieblingsbuch empfohlen wurde. Hmmmm. Vielleicht muss man japanisch sprechen können, in Japan gelebt haben, eine Affinität zu Japan haben oder einfach Kafka und Orwell mögen..... Das Buch ist ziemlich dystopisch. Auf einer Insel verschwinden täglich Gegenstände. Wer sich nicht an die Regeln hält oder diese verschwundenen ab dann verbotenen Gegenstände aufbewahrt, wird von der Erinnerungspolizei verhaftet und weggebracht. Was mich etwas wahnsinnig gemacht hat, ist, dass die Menschen alles einfach so hinnehmen und mit weniger Rechten und vor allem Lebensmitteln weiter vor sich hinleben. Aber das ist wohl Teil der Dystopie. Es werden zudem 2 Geschichten parallel erzählt, so dass man auch rätselt, welche die Hauptgeschichte ist und welche nur in der Fantasie der Protagonistin existiert. Das Buch lässt mich etwas ratlos zurück, regt aber zum Nachdenken an. Es wurde 1994 geschrieben und 2020 erstmals in Deutschland veröffentlicht. Manche Bücher sind ja dann etwas aus der Zeit gefallen, aber dieses ist absolut zeitlos und so aktuell wie nie. Ich gebe dem Buch 3 von 5 Sternen, da ich es immer noch weiterempfehlen kann an Leser:innen, die z.B. "Die Wand" mögen, und es trotz einiger Längen in einer Woche gelesen habe.
Ich hätte es gerne mehr gemocht
Die Idee ist durchaus spannend und regt zum Nachdenken an. Nicht nur über das Leben in totalitären Systemen, die mehr und mehr das Leben einschränken, sondern auch über den Umgang mit der eigenen Vergangenheit. Letztlich gab es für mich jedoch zu viele logische Brüche und es fiel mir schwer, mich mit den sehr blassen Charakteren zu identifizieren. Deshalb nur drei Sterne. Schade!
Tolle Übersetzung aus dem Japanischen und eine spannende Dystopie, die anders erzählt wird, als viele westliche Dystopien.
Für mich kreiert Yoko Ogawa mit "Insel der verlorenen Erinnerung", erschienen im atb (Aufbau-Verlage) ein tolles literarisches Erlebnis. ✨Ich mochte die Figuren zwar nicht übermäßig, aber ich fand ihre Art zu handeln interessant. ✏️Die Erzählweise und ihr Stil haben mich durch die Geschichte getragen und die ständige Neugier zu erfahren, wer die Erinnerungspolizei ist und wieso die Erinnerungen verschwinden - das wollte ich unbedingt rausfinden. 🎭Das Ende hat mich tagelang beschäftigt, obwohl es eigentlich ein typisches Ende für eine Dystopie ist. Trotzdem hat es mich etwas melancholisch gestimmt, dennoch war es super passend und gab einen unverhofften Rückblick auf die Gesamtstory. 📄Die Übersetzung von Sabine Mangold war super! Ich konnte an manchen Textstellen zurück ins Japanische übersetzen und war begeistert, wie sie vieles, was eigentlich verloren geht in der Übersetzung, zum Ausdruck bringen konnte. ❌Worauf ich eher verzichtet hätte, war die Story in der Story. Auch wenn ihre Funktion clever war, war mir das zu langatmig und ich mochte weder deren Handlung noch Schreibstil.
Dieses Buch ist unangenehm. Zumindest war es das für mich. Ogawa schreibt über das Vergessen in seiner schlimmsten Form - das kollektive Vergessen. In seinen Grundzügen erinnerte mich das Buch einerseits an die Geschehnisse während des Zweiten Weltkrieges, andererseits ebenso an aktuelle Geschehnisse. Diese doppelte Verbindung machte für mich viel der Atmosphäre aus und sorgte dafür, dass es mich beim Lesen oft Schauderte. Die Geschichte selbst ist ruhig und nachdenklich erzählt, was den Inhalt ausgezeichnet widergibt. Durch die Geschichte in der Geschichte gewinnt das Buch noch weiter an Tiefe und als Leser entdeckt man gewisse Bezüge zwischen den zwei Handlungssträngen. Diese auszuloten gehört zu den faszinierenden Elementen von Ogawas Werk. Aufgrund dessen Vielschichtigkeit kann ich mir gut vorstellen, dass sich "Insel der verlorenen Erinnerung" gut als Buch für einen Buchclub eignen würde. Es gibt enorm viel zu entdecken und zu besprechen und je nachdem findet jeder Leser etwas Anderes im Text, worüber man sich austauschen kann. -Leichter Spoiler!- Für die Realisten unter uns sei gesagt, dass nicht erklärt wird, weshalb die Dinge in Vergessenheit geraten. Aber für die Handlung ist dies auch nicht wichtig. Wichtig ist, DASS es geschieht.
Originell dystopisches Werk
Ich kann durchaus nachvollziehen, wenn sich hier Meinungen spalten. Und obwohl ich mich teilweise auch ein wenig durch die Seiten kämpfen musste, finde ich die Geschichte rund um das Verschwinden des Lebens ziemlich bereichernd und selbst die passend bedrückende Atmosphäre hätte kaum besser kreiert werden können.
Jedes Mal, wenn etwas von der Insel verschwindet, kann man es bereits morgens beim Aufwachen spüren: irgendetwas ist anders. Eines Tages treiben sämtliche Rosenblüten der Insel im Fluss und werden ins offene Meer hinausgetragen. Es duftet betörend, aber die Bewohner der Insel empfinden nichts. Allein das Wort "Rosen" hat keine Bedeutung mehr für sie. Es verschwinden immer mehr Dinge: die Fähre, Obst, Fotografien. Manchmal sind es Kleinigkeiten, manchmal solche, die das Leben einschneidend verändern. Es gibt ein paar wenige Menschen, die anders sind. Ihre Erinnerung kann ihnen nicht genommen werden. Sie sind der Grund dafür, dass es die Erinnerungspolizei gibt. Es gibt Razzien, um verbotene Gegenstände zu finden, die nicht mehr existieren dürfen, und um Untergetauchte zu aufzuspüren. In unserem Lesekreis ergab sich ein wundervolle Diskussion, wofür das Geschehene im Buch steht. Man könnte es auf die Nazizeit Deutschlands beziehen, auf die Diktatur in Nordkorea und noch einige weitere, in den Menschen unterdrückt werden, in den Menschen, die anders sind, gezwungen werden, sich zu verstecken, um einer Inhaftierung und Schlimmerem zu entgehen. Es könnte ebenso gut eine Parabel auf die Digitalisierung und den gläsernen Menschen sein. Die Protagonistin, die immer mehr ihrer Erinnerungen verliert, wird von R, den sie bei sich versteckt, immer wieder dazu angehalten, doch an verlorenen Gegenständen festzuhalten. Doch sieht sie das Problem nicht. Eine weitere tolle Theorie kam bezüglich der Alzheimerkrankheit auf. Eigentlich naheliegend, wenn das Gedächtnis immer neue Lücken aufweist. Zumal die Erinnerungspolizei gar keinen Sinn ergibt, da nie von einer Regierung oder einem politischen Hintergrund die Rede ist. Der Verlust von Bedeutung der verlorenen Gegenstände scheint ein durchaus natürlicher Prozess zu sein. Ihr merkt: Ich mochte das Buch sehr, es ist sowohl unterhaltsam als auch anregend für Diskussionen. Schön zu lesen und an keiner Stelle langweilig. Eine Empfehlung von mir - vielleicht auch für euren Lesekreis?!
Hmm, hieran werde ich noch eine Weile zu kauen haben. Habe ich das Buch verstanden? Auf der einen Seite ein Buch über Totalitarismus, und man denkt natürlich an 1984 . Aber auf dieser Insel verschwinden nicht nur Gegenstände, sondern auch die Erinnerungen der Menschen daran. Unausweichlicher Marsch Richtung totaler Auflösung des Selbst, Trauma des Verlustes. Die Geschichte hinterlässt einen ziemlich verstört. Das wo, wann, wie und warum wird nicht verraten, erinnert in dieser Hinsicht an Kafka's Verwandlung , finde ich persönlich großartig. Lässt mehr Platz für Spekulationen und eigene Gedanken. Wobei, was bildet die Frau sich ein, mich dazu zu bringen, mir existentielle Fragen zu stellen darüber, was Humanität ausmacht und das Wesen unseres Daseins? Frechheit.
"Wtf?" Es fällt mir sehr schwer, zu diesem Buch etwas zu sagen. Anfangs zog sich das Buch ein wenig. Die Geschichte ist deutlich ruhiger, als ich vom Klappentext her erwartet hatte. Dadurch und durch den sehr distanzierten Schreibstil (die Leute hatten nicht einmal Namen!) konnte ich, auch als die Geschichte im Verlauf Fahrt aufnahm, mit den Protagonisten nicht wirklich mitfiebern. Die Grundidee mit dem Verschwinden von Dingen hat mich sehr interessiert, allerdings hätte ich da einfach gerne mehr Erklärungen gehabt. Oder überhaupt. Warum verschwinden Dinge? Wie? Auch zur Erinnerungspolizei gibt es keine Hintergrundinfos. Das Ende ist dann ja... verstörend. Aber auch komplett ohne, das eine Begründung geliefert wird. Also wirklich schlecht war das Buch nicht, aber wirklich gut unterhalten hat es mich auch nicht.
Dort wo Dinge verschwinden, verschwinden irgendwann auch Menschen
Eine traurige Geschichte, die langsam davon erzählt, was passiert wenn sich (fast) niemand mehr an Dinge erinnert, weil sie einfach verschwinden. In Teilen erinnert es mich an Fahrenheit 451, vor allem als die Romane verschwinden. Und da passen meine Gedanken zu dem Buch: Dort wo Dinge verschwinden, verschwinden irgendwann auch Menschen. Es hat mich berührt, das Buch zu lesen und zum Nachdenken angeregt. Aber dennoch bleiben die Charaktere und die Verbindung zum Buch für mich oberflächlich. Ich denke, das liegt an der Übersetzung aus dem Japanischen. Trotzdem ist die Geschichte eine sehr wichtige und realistische. Ich hätte mir trotzdem noch mehr Widerstand in der Geschichte gewünscht. »Ich dachte mir, wenn ich nur lange genug dort verharre, finde ich vielleicht heraus, wohin meine Erinnerungen gegangen sind.« — S. 206 »Man kann sich etwas vorstellen und es dann beschreiben, obwohl man es nie zuvor gesehen hat. Das alles muss ja nicht wirklichkeitsgetreu sein, man darf auch Sachen erfinden, also lügen. [...] Bei einem Roman bekommt man das nicht zum Vorwurf gemacht. Man fängt bei null an und konstruiert aus dem Nichts eine Geschichte. Man beschreibt etwas, als wäre es vorhanden, obwohl man es gar nicht vor Augen hat. Dinge, die existieren, werden allein durch Worte ins Leben gerufen. Deshalb meint R auch, man dürfe das Schreiben nicht aufgeben, nur weil Dinge verschwinden.« — S. 253 »Entscheidend ist, Ihr schlafendes Herz wach zu rütteln.« »Schlafendes Herz? Wie schön wäre es, wenn es nur schlafen würde. Ich befürchte eher, es ist längst verkümmert.« — S. 274 »Auf jeden Fall sind Erinnerungen unsichtbar, nicht wahr? Wie wundervoll sie auch sein mögen, sie verschwinden einfach, wenn niemand sie beachtet. Nicht einmal wir selbst sind in der Lage, das wahre Wesen einer Erinnerung zu erfassen. Sie hinterlassen keine Spuren. Es gibt keinen greifbaren Beweis, dass sie wirklich existiert haben.« — S. 296

Ein Roman der das Herz berührt und einen auch zum Nachdenken bringt.
Jeder Mensch vergisst mal etwas, eine Erinnerung, ein Duft oder eine Melodie; aber was wäre wenn alle Menschen zur selben Zeit das Gleiche vergessen und dieser Gegenstand ab diesem Zeitpunkt auch nicht mehr existiert? Genau das Geschieht in Yoko Ogawa's Geschichte "Insel der verlorenen Erinnerung" , denn auf dieser Insel verschwinden ohne Vorwarnung Dinge und auch jegliche Erinnerung an diese Dinge, Mal verschwinden Sachen in einem kürzeren Zeitraum und andere Male verschwindet für eine lange Zeit nichts, doch was geschieht wenn mehr Dinge verschwinden, als dass neue entstehen? Wie kann man eigentlich überleben, wenn es eines Tages keine Jahreszeiten mehr gibt oder das Obst verschwindet? Ich finde dieses Buch regt wirklich einen zum Nachdenken an und man beginnt auch vieles aus einen anderen Blickwinkel zu betrachten, denn was wäre, wenn diese Dinge plötzlich gar nicht mehr existieren würden? Jetzt merken wir schon durch die Lieferschwierigkeiten und Ressourcenknappheit, wie schwierig sich manche Tätigkeiten erweisen, somit ist dieser Roman im Kern nicht weit von unserem realen Leben entfernt. Ich werde mir definitiv ein weiteres Werk von dieser Autorin zulegen (auch wenn dies bis Neujahr warten muss, da ich noch einiges zu lesen habe), denn ich finde ihren Schreibstil sehr interessant und mag es auch sehr wie sie einen selbst zum Grübeln bringt.

Interessantes Buch, hätte aber was anderes erwartet
Das Buch war interessant und hat mich direkt an das Tagebuch der Anne Frank erinnert. So ähnliche Gefühle hat auch das Buch in mir geweckt. Es war sehr bedrückend, dystopisch und ängstlich. Auch wurde das große Ganze nicht aufgeklärt, was einen ratlos zurückgelassen hat. Ich war froh als ich es beendet hatte, da es mich ziemlich bedrückt hat. Habe es im Rahmen eines Buchclubs gelesen.

































