Blick ins Buch

Biografien

Der Platz

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Über das Buch

Nobelpreis für Literatur 2022

Annie Ernaux schreibt die objektive Biographie ihres Vaters. Dabei wird sie zur genauen Beobachterin der Verhältnisse, aus denen sie stammt. Das Erscheinen von Der Platz 1983 markiert einen Einschnitt in der französischen Literatur – diese neuartige Form der Selbstbetrachtung ist der Glutkern der Autofiktion.

Ihr Vater stirbt, und Annie Ernaux nimmt das zum Anlass, sein Leben zu erzählen: Um die Jahrhundertwende geboren, musste er früh von der Schule abgehen, war zunächst Bauer, dann, bis zum Todesjahr 1967, Besitzer eines kleinen Lebensmittelladens in der Normandie, die körperliche Arbeit ließ ihn hart werden gegen seine Familie. Das Leben des Vaters ist auch die Geschichte vom gesellschaftlichen Aufstieg der Eltern und der gleichzeitigen Angst, wieder in die Unterschicht abzurutschen, von der Gefahr, nicht zu bestehen. Dass seine Tochter eine höhere Schule besucht, macht ihn stolz, trotzdem entfernen sich beide voneinander.

Und so ist die Erzählung der Tochter auch die eines Verrats: An ihren Eltern, einfachen Menschen, und dem Milieu, in dem sie aufgewachsen ist – gespalten zwischen Zuneigung und Scham, zwischen Zugehörigkeit und Entfremdung.

Editionen (5)

ISBN9783518225097
VerlagSuhrkamp
Erscheinungsdatum12.03.19
Seitenzahl94

Rezensionen & Bewertungen

102 Bewertungen

16 Rezensionen

3,9

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  • sohaxa
    sohaxa

    36 Follower

    4,0

    War doch gut.

    Es war sehr kurzweilig und doch durch die leichte und flüssige Sprache gut zu verstehen. Es war eine kleine Hommage an ihren Vater die ich wirklich sehr gelungen fand. Ich würde gerne mehr von ihr lesen!

    War doch gut.

    20. Feb. 2026

  • lesen_mit_jonas
    lesen_mit_jonas

    120 Follower

    4,5

    Instagram: lesen_mit_jonas Annie Ernaux - ,,Der Platz" Annie Ernaux - ,,Der Platz" Nach dem Tod ihres Vaters will ,,Ernaux" einen Roman über ihren diesen schreiben. Schnell begreift sie, dass das nicht gelingen wird. So erzählt sie in sachlichem Ton, das Leben ihres Vaters nach. Geboren ist er 1899 in Frankreich. Er kommt aus der unteren Arbeiterschicht. Zwei Kriege musste er miterleben. Schulbildung hat er nur wenig erhalten. Schnell muss er als Bauer arbeiten, wie es sein Vater bereits tut. Einige weitere schwere Jobs soll er im Laufe seines Lebens noch ausführen. Sein großer Traum ist der gesellschaftliche Aufstieg. Dieser soll ihm auch gelingen. Mit seiner Frau, die er bei der Arbeit kennenlernt, kauft er sich eine Kneipe zusammen mit einem Laden für Lebensmittel und einigen Bauernhäusern, die er nach und nach ausbaut. Da die Innenstädte häufig noch vom Krieg zerstört sind, wird das Lebensmittelgeschäft und die Kneipe häufig und gerne genutzt. Nach dem Wiederaufbau der Städte mit neuen Geschäften beginnen die eigenen Geschäftigen weniger Umsatz zu machen. Aber den Aufstieg hat er bis zu seinem Lebensende verfolgt und das Ziel nie aus den Augen verloren. In dieser Zeit wächst ,,Annie Ernaux" auf. Ihr Verhältnis zum Vater ist häufig durch Distanz und Unverständnis geprägt. Er wünscht ihr natürlich ebenso den sozialen Aufstieg. Als ihr dieser gelingt und sie immer höhere Bildung genießt und schließlich Lehrerin wird, zeigt er doch etwas Unverständnis und entfernt sich emotional von seiner Tochter. Trotzdem blickt ,,Ernaux" auch auf einen liebevollen Vater zurück, der durchaus auch Stolz auf seine Tochter ist, zum Beispiel als sie ihren Verlobten vorstellt. Die Kindheit war durchzogen von Ausflügen und Albernheiten, für die sich ihr Papa nicht zu schade war. Er erkennt allerdings, wie sich seine Tochter durch Bildung und Fleiß in eine andere soziale Schicht gekämpft hat. Damit umzugehen, viel ihm zeit seines Lebens offenbar schwer. Er ist im Jahr 1967 verstorben. ,,Ernaux" schreibt hier bewusst sehr sachlich, um nichts zu beschönigen oder ins Positive zu verklären. Dieser Stil gefällt mir persönlich ziemlich gut. So kennt man es auch aus anderen Romanen von ihr, wie zum Beispiel aus ,,Die Jahre". Ein wirklich interessantes Buch. Absolut keine kitschige Erinnerungsprosa, was man durchaus hätte erwarten können. Es ist eher ein spannender Rückblick auf ein ereignisreiches und spannendes Leben, mit vielen Höhen und Tiefen. Nüchtern und ohne große Umschweife auf 95 Seiten erzählt. Übersetzung: Sonja Fink

    3. Okt. 2023

  • 5,0

    Annie Ernaux, wie immer grandios! Ein literarisches Meisterwerk!

    22. Okt. 2023

3 von 16 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Annie Ernaux

Annie Ernaux, geboren 1940, bezeichnet sich als »Ethnologin ihrer selbst«. Sie ist eine der bedeutendsten französischsprachigen Schriftstellerinnen unserer Zeit, ihre zwanzig Romane sind von Kritik und Publikum gleichermaßen gefeiert worden. Annie Ernaux hat für ihr Werk zahlreiche Auszeichnungen erhalten, zuletzt den Nobelpreis für Literatur.

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