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Romane

Streulicht

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Über das Buch

Industrieschnee markiert die Grenzen des Orts, eine feine Säure liegt in der Luft, und hinter der Werksbrücke rauschen die Fertigungshallen, wo der Vater tagein, tagaus Aluminiumbleche beizt. Hier ist die Ich-Erzählerin aufgewachsen, hierher kommt sie zurück, als ihre Kindheitsfreunde heiraten. Und während sie die alten Wege geht, erinnert sie sich: an den Vater und den erblindeten Großvater, die kaum sprachen, die keine Veränderungen wollten und nichts wegwerfen konnten, bis der Hausrat aus allen Schränken quoll. An die Mutter, deren Freiheitsdrang in der Enge einer westdeutschen Arbeiterwohnung erstickte, ehe sie in einem kurzen Aufbegehren die Koffer packte und die Tochter beim trinkenden Vater ließ. An den frühen Schulabbruch und die Anstrengung, im zweiten Anlauf Versäumtes nachzuholen, an die Scham und die Angst – zuerst davor, nicht zu bestehen, dann davor, als Aufsteigerin auf ihren Platz zurückverwiesen zu werden.

Wahrhaftig und einfühlsam erkundet Deniz Ohde in ihrem Debütroman die feinen Unterschiede in unserer Gesellschaft. Satz für Satz spürt sie den Sollbruchstellen im Leben der Erzählerin nach, den Zuschreibungen und Erwartungen an sie als Arbeiterkind, der Kluft zwischen Bildungsversprechen und erfahrener Ungleichheit, der verinnerlichten Abwertung und dem Versuch, sich davon zu befreien.

Editionen (4)

ISBN9783518429631
VerlagSuhrkamp
Erscheinungsdatum19.08.20
Seitenzahl284

Rezensionen & Bewertungen

192 Bewertungen

31 Rezensionen

3,8

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  • dammes
    dammes

    138 Follower

    4,0

    Das Buch trifft den richtigen Nerv🫠

    In ihrem Buch thematisiert Deniz Ohde die Lebenswelt einer jungen Frau mit Migrationshintergrund, die in einem deutschen Industriegebiet am Rande einer Großstadt aufwächst. Darin nimmt uns die Protagonistin hauptsächlich durch ihren ganzen Alltag mit, wo sie ständig rassistischen und diskriminierenden Situationen ausgesetzt ist. Zum Beispiel der Benachteiligung in der Schule aufgrund der Herkunft ihrer Eltern. Obwohl ich persönlich keine vergleichbaren Erfahrungen gemacht habe und mir auch keine Einschätzung mutmaße darüber, wie schwerwiegend die Situation für die Betroffenen sein muss, hat mich das Buch auf einer anderen Ebene berührt. Die Autorin ist in der Lage, eine Dissonanz zwischen Herkunft und Kultur zu erzeugen und in emotionalen Momenten adäquate Worte zu finden, die Empathie evozieren. Die Lektüre ist sehr zu empgefehlen!

    29. Apr. 2026

  • 12drue
    12drue

    110 Follower

    4,0

    Eine namenlose Ich-Erzählerin kehrt in ihre Heimastadt zurück und erinnert sich an ihre Kindheit und Jugend. Von klein auf an, wurde sie, als Tochter einer Türkin und eines deutschen Industriearbeiters, in Rollen gedrängt, die die Außenwelt von ihr erwartet haben. So ist "Streulicht", der Debütroman von Deniz Ohde, auf der einen Seite ein Bildungsroman auf der anderen Seite eine erschütternde Anklage gegen eine erdrückende Klassengesellschaft. Die kühle, distanzierte Sprache und Perspektive der Ich-Erzählerin macht die Machtlosigkeit des Individuums da nur noch deutlicher.

    5. März 2026

  • missyliest
    missyliest

    312 Follower

    4,0

    25 Frauen 2025 - Buch 34: Die Protagonistin hat zwei Namen. Einen für die Außenwelt, um integriert zu sein und weniger Schwierigkeiten zu haben, und einen geheimen Namen. Keinen von beiden erfährt man im Roman. Dafür aber diverse Situationen, in denen der Schülerin und später der Studentin weder Bildung noch Ehrgeiz zugetraut werden. Es ist nicht allein die soziale Ungerechtigkeit, die beim Lesen schwer zu ertragen ist. Es ist vielmehr der Gleichmut, mit dem die Protagonistin akzeptiert, dass sie nicht gesehen, nicht gefördert und nicht unterstützt wird. Deniz Ohde hat meiner Meinung nach einen wichtigen Roman geschrieben!

    28. Sept. 2025

3 von 31 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Deniz Ohde

Deniz Ohde, geboren 1988 in Frankfurt am Main, studierte Germanistik in Leipzig, wo sie heute auch lebt. Für ihren Debütroman Streulicht, der 2020 auf der SPIEGEL-Bestsellerliste und auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises stand, wurde sie mit dem Literaturpreis der Jürgen Ponto-Stiftung und dem aspekte-Literaturpreis ausgezeichnet.

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