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Annie Ernaux beobachtet 1952 als 12-Jährige, wie ihr Vater in einem Wutanfall fast ihre Mutter mit einem Beil erschlägt. Schon kurz danach war die Welt scheinbar wieder heil und es wurde nie wieder darüber geredet. Über 40 Jahre später versucht Annie Ernaux nun ihre Kindheit zu ordnen. Alle ihre Erinnerungen sind nur noch "vor" oder "nach dem Vorfall" zu denken. In ihrem Essay beschreibt Ernaux präzise und sehr persönlich ihre Kindheit in den 50er-Jahren in einer französischen Kleinstadt, die immer und überall mit Scham behaftet ist. Damit gibt sie ein umfassendes Sittenbild der 50er Jahre ab. Ich persönlich finde es überaus interessant, aber auch irgendwie erschreckend, dass sie in dem Teil, in dem sie die Glaubenssätze und Regeln analysiert, nach denen sie lebte, nahezu exakt die ungeschriebenen Regeln meiner eigenen Kindheit beschreibt, obwohl diese 30 Jahre später in einer deutschen Großstadt stattfand. Manche Dinge ändern sich wohl nie. Oder kennt heutzutage wirklich niemand mehr Sätze der Muter wie: "Sage laut und deutlich guten Tag." "Wer einen Hund streichelt, kriegt Flöhe." Und natürlich: "Was sollen nur die Leute denken?!"
30. Nov. 2024
Annie Ernaux beobachtet 1952 als 12-Jährige, wie ihr Vater in einem Wutanfall fast ihre Mutter mit einem Beil erschlägt. Schon kurz danach war die Welt scheinbar wieder heil und es wurde nie wieder darüber geredet. Über 40 Jahre später versucht Annie Ernaux nun ihre Kindheit zu ordnen. Alle ihre Erinnerungen sind nur noch "vor" oder "nach dem Vorfall" zu denken. In ihrem Essay beschreibt Ernaux präzise und sehr persönlich ihre Kindheit in den 50er-Jahren in einer französischen Kleinstadt, die immer und überall mit Scham behaftet ist. Damit gibt sie ein umfassendes Sittenbild der 50er Jahre ab. Ich persönlich finde es überaus interessant, aber auch irgendwie erschreckend, dass sie in dem Teil, in dem sie die Glaubenssätze und Regeln analysiert, nach denen sie lebte, nahezu exakt die ungeschriebenen Regeln meiner eigenen Kindheit beschreibt, obwohl diese 30 Jahre später in einer deutschen Großstadt stattfand. Manche Dinge ändern sich wohl nie. Oder kennt heutzutage wirklich niemand mehr Sätze der Muter wie: "Sage laut und deutlich guten Tag." "Wer einen Hund streichelt, kriegt Flöhe." Und natürlich: "Was sollen nur die Leute denken?!"
30. Nov. 2024







