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Romane

Die Scham

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Über das Buch

Nobelpreis für Literatur 2022

Juni 1952, die kleine Annie ist 12 Jahre alt. Eines Sonntagnachmittags geschieht etwas Entsetzliches – ohnmächtig muss sie miterleben, wie der Vater die Mutter umzubringen versucht. Nach kurzer Zeit beruhigt sich der Vater, und Annie versucht, den Eklat zu vergessen. Bis sie, nahezu ein halbes Jahrhundert später, auf ein altes Foto stößt, das eine Flut von Erinnerungen auslöst. Aber was genau ist damals geschehen? Und wie ist es dazu gekommen?

Je tiefer Annie in dieses entscheidende Jahr eintaucht, umso deutlicher wird ihr die Spannung, in der die Eltern lebten, zwischen dem Wunsch nach sozialem Aufstieg und dem demütigenden Rückfall in die alten Verhältnisse. Und auch Annies Zerrissenheit gewinnt an Kontur, ihr immer wieder schmerzhaftes Bemühen, dem Einfluss einer religiösen Erziehung zu entrinnen und der bohrenden Sehnsucht nach Aufbruch und einem besseren Leben zu folgen.

Scham ist das beharrliche Gefühl der eigenen Unwürdigkeit. Annie Ernaux seziert es an sich selbst, indem sie weit zurückschwingt in eine eigentlich unfassbare Episode ihrer Kindheit und in eine Vergangenheit, die nicht vergehen will.

Editionen (4)

ISBN9783518225172
VerlagSuhrkamp
Erscheinungsdatum19.08.20
Seitenzahl110

Rezensionen & Bewertungen

142 Bewertungen

17 Rezensionen

3,6

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  • 12drue
    12drue

    111 Follower

    4,0

    Annie Ernaux beobachtet 1952 als 12-Jährige, wie ihr Vater in einem Wutanfall fast ihre Mutter mit einem Beil erschlägt. Schon kurz danach war die Welt scheinbar wieder heil und es wurde nie wieder darüber geredet. Über 40 Jahre später versucht Annie Ernaux nun ihre Kindheit zu ordnen. Alle ihre Erinnerungen sind nur noch "vor" oder "nach dem Vorfall" zu denken. In ihrem Essay beschreibt Ernaux präzise und sehr persönlich ihre Kindheit in den 50er-Jahren in einer französischen Kleinstadt, die immer und überall mit Scham behaftet ist. Damit gibt sie ein umfassendes Sittenbild der 50er Jahre ab. Ich persönlich finde es überaus interessant, aber auch irgendwie erschreckend, dass sie in dem Teil, in dem sie die Glaubenssätze und Regeln analysiert, nach denen sie lebte, nahezu exakt die ungeschriebenen Regeln meiner eigenen Kindheit beschreibt, obwohl diese 30 Jahre später in einer deutschen Großstadt stattfand. Manche Dinge ändern sich wohl nie. Oder kennt heutzutage wirklich niemand mehr Sätze der Muter wie: "Sage laut und deutlich guten Tag." "Wer einen Hund streichelt, kriegt Flöhe." Und natürlich: "Was sollen nur die Leute denken?!"

    30. Nov. 2024

  • jtk_0701
    jtk_0701

    344 Follower

    4,0

    S. 90 „Ich habe die Codes und Regeln der Kreise beschrieben, in die ich eingeschlossen war. Ich habe die verschiedenen Sprachen aufgezählt die mich durchdrangen und die meine Wahrnehmung von mir selbst und der Welt bestimmten. Nirgendwo hatte die Szene des Junisonntags Platz.“ Die 12 jährige Annie muss an einem Sonntag im Juni 1952 mitansehen wie ihr Vater beinah ihre Mutter ermordet. Ab diesen Tag empfindet Annie Scham. Die Erwachsene Ernaux schreibt diese Szene das erste mal auf und versucht die Gefühle in Worte zu fassen. Um ihrem Empfinden von damals näher zu kommen, betrachtet sie Bilder von sich selbst aus dieser Zeit, eine Postkarte aus Lourdes, geht ins Stadtarchiv und liest alte Zeitungsartikel. Durch diese genaue Betrachtung erzählt sie von der Heimatstadt, die aufgeteilt ist in gute und schlechte Viertel, die große gelebte Religiosität, den Wunsch der Mutter was Besseres zu werden, den Besuch der katholischen Privatschule , die Unterschiede des guten und schlechten/einfachen Französisch. Das Erkennen ihrer einfachen Herkunft und die Scham die zu ihrem ich wird. Ernaux hat ihren eigenen Stil, der genau beobachtet ohne zu verurteilen. Keine Bücher zum kurz nebenher lesen, sondern es mit voller Aufmerksamkeit.

    4. Feb. 2024

  • 3,0

    Angenehm zu lesen, interessant und von merkwürdiger Nostalgie. Aber umgehauen hat es mich nicht.

    2. Jan. 2025

3 von 17 Rezensionen

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Seitenbasierte Kommentare

Seite 2725%
akashacookie
akashacookie14. Feb. 2026

Für mich ist es gerade noch total schwer reinzukommen🫠

Autorin / Autor

Über Annie Ernaux

Annie Ernaux, geboren 1940, bezeichnet sich als »Ethnologin ihrer selbst«. Sie ist eine der bedeutendsten französischsprachigen Schriftstellerinnen unserer Zeit, ihre zwanzig Romane sind von Kritik und Publikum gleichermaßen gefeiert worden. Annie Ernaux hat für ihr Werk zahlreiche Auszeichnungen erhalten, zuletzt den Nobelpreis für Literatur.

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